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Full text of "Die Kirchengeschichte von Spanien"

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Die 


Kirchengeschichte 


yon 


Spanien. 


VOD 

Fius  Bonifacins  Oams 

O.  S.  B. 


I  Dritter  BaDd. 

Y0th  Ende  des  eilften  Jahrhnnderts  bis  zur  Grogenwart. 

( 

Zweite  Ablhellnns* 

Jahr  1492  —  1879. 


Regeiisburg. 
Druck  and  Verlag  von  Georg  Joseph  Manz. 
I  1879. 

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if  Hjmda  Ite  Abtheilnne  firehorifire  ..Karte^*  ist  diesem  Bande  beis^pfiiH 


Im  Verlage  von  0.  J.  Manz  in  Begensborg  ist  erscbienen 
ond  durch  alle  Baobhandloiigen  zu  beziehen: 

A.  BÜ8E, 

PAULIS,  BISHOF  VON  RfOLA 

und  seine  Zeit  (360 — 450). 
2  Bde.    gr.  8.    8  M.  56  Pf. 

Dr  J.  M.  Dux, 

DER  DEUTSCHE  CARDINAL  NIKOLAUS  VON  GUSA 

und  die  Kirche  seiner  7eit. 

2  Bde.    (Ir  Zugleich  eine  Würdigung  der  grossen  Concilien  des 

15.  Jahrhunderts.  Mit  dem  Bildnisse  Casa's.  2r:  Schluss  von  Cusa's 

Leben  und  seinem  literarischen  Wirken.)    gr.  8.     12  M. 

Dr.  T.  firöne, 

die  Papstgeschichte. 

2  Bde.    2te,  verb.   Aufl.    gr.  8.     13   M.   20  Pf.    (Ir  Bd.    Von 

Petrus  bis  Alexander  IL  1—1037.    2r  Bd.  Von  Gregor  VIL 

1037  bis  auf  unsere  Zeit. 

Der  Verfasser  bietet  hier  nicht  etwa  bloss  eine  sterile  Aufzählnnp^  der 
Päpste  mit  einigen  Notizen  fiber  ihr  Leben  nnd  Wirken;  sondern  ein  wissen- 
schaftliches We^i  welches  den  Hauptinhalt  derKirchengcschichtezarKenntniss 
des  Lesers  bringt.  Nach  dem  Vorgänge  der  Kirchenhistoriker  theilc  er  die 
Geschichte  in  bestimmte,  genan  abgegrenzte  Zeitepochen  nnd  schildert  die 
kirchlichen  und  staatlichen,  religiösen  nnd  socialen  Zustande  dieder  Epochen, 
sowie  deren  wichtigsten  Begebenheiten  in  Kirche  und  Staat.  Darauf  ISast  er 
in  chronologischer  Ordnung  die  treffenden  Päpste  folgen  und  berichtet  von 
ihnen,  wie  sie  gelebt  und  gewirkt,  und  was  Merkwürdiges  unter  ihrem  Ponti- 
ficate  geschehen.  In  dieser  Weise  ist  es  ihm  gelangen,  mit  der  Geschichte 
der  Päpste  eine  kurze  Kirchen-  und  Weltgeschichte  zu  verflechten  und  deren 
vorzüglichsten  Momente  pragmatisch  und  in  scbOner  Uebersichtlichkeit  dar- 
zulegen. Ausserordentliche  Gründlichkeit,  Wahrheitsliebe  und  historische 
Treue,  acht  kirchlicher  Geist  und  Schönheit  der  Form  —  das  sind  unseres  Er- 
achtens  die  Vorzüge,  welche  bei  diesem  Werke  ganz  besonders  in  die  Augen 
springen.  Wir  sind  der  Ueberzeugung,  dass  diese  Geschichte  allgemeinen 
Keifall  finden  und  die  schiefen  Urt heile,  welche  sich  über  das  Wirken  der 
Päpste  selbst  in  den  Köpfen  nicht  weniger  Katholiken  festgesetzt  haben,  be- 
ricntigen  werde,  

Dr.  F.  HIpler, 

Dionysius  der  Areopagite. 

Untersuchungen    über   Aechtheit   und    Glaubwürdigkeit    der 
unter  diesem  Namen  vorhandenen  Schriften,   gr.  8.   ^  M.  55  Pf. 

Dr.  L.  J.  V.  Jazdzewski, 

Zeiio  Teronensis  Episcopus. 

Commentatio  patrologica.    8.  maj.     1  M.  £0  Pf. 

Fr.  KAULEN, 

LINGUAE  HANDSHÜRIGAE  INSTITUTIONES, 

quns conseripsit,  indicibus ornavit,  chrestomathiaetvocabulario 

^       auxit.    8.  maj.    6  M.  60  Pf. 


^^ 


Kirchengeschichte 


von 


Spanien. 


Von 


Pins  Bonifacius  Oams, 


O.  S.  B. 


» ■  ■  I 


Dritter  Band. 

Vom  Ende  des  eilften  Jahrhunderts  bis  zur  Gegenwart. 

Swelle  AbtheUung. 

Jahr    1492  —  1879. 


Begensburg. 

Druck  und  Verlag  von  Georg  Joseph  Manz« 

1879, 


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7.  U.  I0|l 


Vorrede. 


'^ie  nnn  in  fünf  Bänden  vorliegende  Kirchengeschichte 
von  Spanien  verdankt  ihren  Ursprung  dem  lebhaften  Schmerze 
des  Verfassers  über  die  Verkennnng  des  Bischofs  Hosins  von 
Cordnba  in  der  Kirchengeschichte,  über  seinen  getrübten  Ruf 
bei  der  Nachwelt  Ich  war  Jahre  lang  darüber  betrübt,  dass 
er,  der  nach  meiner  Ueberzengiing  es  verdient  hätte,  unter  den 
Heiligen  der  Kirche  verehrt  und  angerufen  zit  werden,  durch 
die  Verleumdungen  der  Luciferianer  zu  den  Gefallenen  und 
Abgefallenen  gerechnet  wurde  und  wird.  Ein  anderes,  auch 
nur  untergeordnetes  Motiv  hat  mich  zu  meiner  Arbeit  nicht 
gfetrieben  oder  bei  ihr  festgehalten.  Damit  ist  zugleich  die 
Frage  beantwortet,  wie  ein  Deutscher,  ein  „Ultramontaner**, 
dazu  komme,  eine  Kirchengeschichte  von  Spanien  zu  schreiben. 
Hosius  gehört  nicht  der  spanischen  Special-Geschichte,  sondern 
der  allgemeinen  Earchengeschichte  an.  Was  er  in  und  für 
Spanien  gewirkt,  das  tritt  vollständig  hinter  dem  zurück,  was 
( r  in  und  für  die  ganze  Kirche  gethan.  Ich  wollte  ursprüng- 
lich meine  Arbeit  beschliessen  mit  dem  Jahre  357  oder  dem 
Todesjahre  des  Hosius.  Was  ich  am  27.  August  1862  ge- 
schrieben, das  wiederhole  ich  am  27*  August  1879:  „Wie  der 
^osse  Athanasius,  so  ist  der  grosse  Hosius  würdig  der  Liebe  und 
des  unsterblichen  Angedenkens  aller  christlichen  Geschlechter«^ 
Wannn  aber  aus  der  Geschichte  des  Hosius  eine  Earchen- 
beschichte  von  Spanien  geworden  ist,  habe  ich  auf  Seite  307 
des  zweiten  Bandes  gesagt  Dort  habe  ich  auch  angedeutet, 
dass  ich  keine  spanische  Kirchengeschichte  im  Detail,  oder  mit 
Eingehen  auf  alle  mehr  oder  weniger  wichtigen  Ereignisse 
schreiben,  sondern  dass  ich  vorwiegend  die  Streitfragen  in  und 


IV  Vorrede. 

Über  die  spanische  Kirchengeschichte  behandeln  wolle.  Der 
richtigere  Titel  meines  Werkes  wäre  gewesen:  Abhandlungen 
über  die  in  der  Controverse  befindlichen  Fragen  der  Kirchen- 
geschichte Spanien^s.  Dass  ich  aber  diesen  Titel  nicht  gewählt, 
wird  man  begreiflich  und  verzeihlich  finden. 

Bei  jeder  einzelnen  Streitfrage  habe  ich    einen  Versuch 
der  Lösung  derselben  gemacht,  und  ihn  der  Prüfung  der  Leser 
vorgelegt.   Die  Punkte  oder  die  Streitfragen,  die  zum  grossem 
Theile  auch  die  allgemeine  Kirchengeschichte  berühren  und  in 
ihr  zum  Theile  behandelt  werden,  sind  aber:   1)  Die  Missions- 
reise  des  Apostels  Paulus  nach  Spanien,  und  die  muthmassliche 
Richtung  seiner  Wanderung  durch  Spanien.     2)  Die  Ankunft 
und  die  Thätigkeit  der  ,,  apostolischen  Siebenmänner ^  (Septem- 
viri  apostolici)  in  Spanien  im  ersten  Jahrhundert     3)  Die  Er- 
klärung des  Briefes  des  heiligen  Cyprian  von  Carthago  an  die 
Christengemeinden  zu  Emerita  und  Asturica-Leon.    4)  Einige 
Streitfragen  über  die  Zeit  der  grossen  Christenverfolgung   der 
Jahre  304 — 305,  besonders  über  die  heilige  Eulalia  von  Bar- 
celona, und  über  die  Frage  der  Aechtheit  oder  Unächtheit  an- 
geblich alter  christlicher  Inschriften.     5)  Zeit  der  Synode  von 
Elvira  —  Mai  306  j  Bischofssize  und  Pfarreien  der  dort  ver- 
sammelten Bischöfe  und  Pfarrer;  die  Erklärung  der  schwierig- 
sten Canones  (1,  2,  3,  15,  26,  34,  36,  49,  56,  57,  59,  62). 
6)  Grundlegung  und  Einfuhrung  der  kirchlichen  Hierarchie   in 
Spanien  durch  Bischof  Hosius.   7)  Schuld  oder  Schuldlosigkeit 
des  Bischofs  Hosius.     8)  Ort  und  Zeit  des  Todes  des  Hosius 
(t  27.  Aug.  357  zu  Sirmium  in  Pannonien).     9)  Die  Lucife- 
rianer  in  Spanien.     10)  Zeit  und  Ort  der  Entstehung  der  Häresie 
der   Priscillianisten ,    und  ihre  Verbreitung.      11)  Ringen   der 
Bischöfe   von  Toledo  um   ihre  Anerkennung  als  Metropoliten. 
12)  Die   Streitfrage  über  den  Ursprung  und  die  Ausbildung 
der  altspanischen  Liturgie.     13)  Die  Streitfrage  über  den  Ort 
und  die  Zeit  der  Entstehung  der  Sammlung  des  altspanischen 
Kirchenrechtes.     14)  Die  Streitfrage  über   den  Ursprung   des 
Primats    der   Kirche   von  Toledo,    und    die  Stellung    dieser 
Kirche  zu  der  römischen  Kirche.     15)   Die  Frage  über  den 
Ursprung    und    die    Urheber    der    Häresie    der    Adoptianer. 
16)  Die  Streitfrage  über  den  Apostel  Jacobus  Major  und  sein 
Verhältniss  zu  Spanien.   17)  Die  Streitfrage  über  die  Anwesen- 
heit des  Primas  Roderich  Ximenes  von  Toledo  zu  Rom   bei 
dem    Lateranconcil    von    1215,    und    am    8.    October    d.    J. 
18)  Die  Frage  nach   der  Zahl  der  Einwohner  Spanien's   zur 
Zeit  der  Römer,  der  Gothen,  der  Mauren,  und  in  der  neuern 


Vorrede.  V 

Zeit  19)  Die  römischen  Strassen  durch  Spanien.  (Die  diesem 
Bande  heigegebene  Karte:  „Hispania  Ecclesiastica^  ist  vor- 
wiegend eine  Karte  der  Römerstrassen  in  Spanien).  20)  Die 
Entstehung  und  der  Charakter  der  spanischen  Inquisition,  die 
Frage  ihres  kirchlichen  oder  staatlichen  Charakters;  ihre  Licht- 
und  Schattenseiten.  21)  Die  Gründe  des  Zerfalls  der  Macht 
and  Grösse  Spanien's  von  den  Zeiten  Philipp's  IL  au* 

Bei  allen  Streitfragen  habe  ich  irgendeine  bestimmte  Lösung 
vorgeschlagen.  Die  Gewohnheit  Tillemonts  und  Anderer,  zu 
sagen:  Es  könnte  so  sein,  es  könnte  aber  auch  anders  sein, 
hat  mir  nie  zugesagt  Die  Gegner  müssen  wissen,  was  sie  zu 
widerlegen  haben.  Weil  aber  die  Leser  manchmal  im  Unge- 
wissen sind,  was  ich  als  geschichtliche  Thatsache,  was  als 
Hypothese  vorlege,  so  gebe  ich  hier  eine  kurze  Uebersicht. 
Es  ist  geschichtliche  Thatsache,  dass  der  Apostel  Paulus  nach 
Spanien  gekommen.  Die  von  mir  dargelegte  Richtung  seiner 
Reise  durch  Spanien  ist  meine  Hypothese.  Die  Ankunft  der 
„  Siebenmänner ^  in  Spanien  ist  geschichtliche  Thatsache,  ebenso 
dass  Torquatus  erster  Bischof  von  Acci,  Indaletius  von  Urci, 
Caecilius  von  EIvira-Granada,  Euphrasius  von  Illiturgi  gewesen. 
Dass  Secundus  seinen  Siz  in  Abla,  Ctesiphon  in  Beija,  Esitius 
in  Cazorla  aufgeschlagen,  ist  meine  Hypothese.  Dass  es  eine 
Enlalia  von  Emerita  und  eine  andere  von  Barcelona  gegeben 
habe,  ist  geschichtliche  Thatsache.  Dass  die  Synode  von  Elvira 
im  Mai  306  gehalten  worden,  ist  meine  Hypothese;  dasselbe 
gilt  von  meinen  Erklärungsversuchen  der  schwierigsten  Canones* 
Dass  die  spanischen  Bischöfe  von  306  bis  400  nicht  nach  der 
Zeit  ihrer  Ordination,  sondern  nach  dem  Alter  ihrer  Bischofs- 
ßize  unterschrieben,  ist  meine  Hypothese.  Was  ich  über  die 
Schuldlosigkeit  des  Hosius,  den  Ort  und  die  Zeit  seines  Todes 
sage,  halte  ich  für  geschichtliche  Thatsache.  —  Es  ist  wahr- 
scheinlich, dass  Gregor  von  Elvira  nach  dem  Tode  des  Lucifer 
von  Cagliari  Haupt  der  Sekte  der  Luciferianer  wurde,  und  die 
Verleumdungen  gegen  Hosius  von  ihm,  von  Faustinus  und 
Marcellinus  stammen.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  die  Priscil- 
lianisten  schon  zu  Lebzeiten  des  Hosius  und  Olympius  ent- 
standen, daas  Marcus,  ihr  Haupt,  in  Spanien  weilte.  Es  kann 
nicht  bewiesen  werden,  dass  der  „Primas"  Julian  von  Toledo 
zu  irgendeiner  Zeit  als  Heiliger  verehrt  wurde.  Es  ist  histo- 
rische Thatsache,  dass  die  altspanische  Liturgie  die  Liturgie 
der  Kirche  von  Toledo  war;  es  ist  wahrscheinlich,  dass  die- 
selbe von  Tarragona  nach  Toledo,  von  Rom  nach  Tarraco 
kam.      Es    ist    wahrscheinlich,    dass    weder    Elipandus    von 


VI  Vorrede. 

Toledo,  noch  Felix  von  Urgel  Erfinder  des  Adoptianismus  waren, 
derselbe  vielmehr  reiner  Nestorianismus  war,  der  von  den  Nesto- 
rianem  nach  Cordnba  gebracht  wurde,  dass  zunächst  ^Bruder 
Milita^  (Melito)  den  Elipandus  für  seine  Irrlehre  gewonnen 
habe*  —  Was  ich  über  Jacobus  den  Aeltem  gesagt,  ist  Hypo- 
these bis  zum  Jahre  756;  von  hier  und  vom  Jahre  829  an  ist 
es  geschichtliche  Thatsache.  Historische  Thatsache  ist  auch, 
dass  im  Jahre  962  fünf  spanische  Bischöfe  erklärten:  der  Apostel 
sei  keineswegs  lebendig,  sondern  sein  heiliger  Leib  sei  nach 
Spanien  gekommen*  Es  ist  Thatsache,  dass  der  zweite  Tole- 
tanische  Primat  vom  Jahre  1088  toto  coelo  von  dem  ersten 
Primate  von  683  verschieden  war.  Es  ist  Thatsache,  dass 
der  Primas  Rodrigo  Ximenes  vor  dem  12.  Januar  1216  sich 
in  Rom  aufhielt,  also  die  grösste  Wahrscheinlichkeit,  dass  er 
wegen  der  im  November  1215  statthabenden  Lateransynode  in 
Rom  erschienen  war.  Es  ist  mehr  als  nur  Hypothese,  dass 
die  spanische  Inquisition  einen  staatlichen  Charakter  an  sich 
getragen,  und  dass  es  spanische  Politik  war,  den  Einfluss  der 
Päpste  auf  dieselbe  ferne  zu  halten«  Dass  der  Niedergang 
Spanien's  von  den  Zeiten  Philipp's  IL,  von  der  Abschaffung 
der  mittelalterlichen  Verfassungen,  und  von  der  sich  vollendenden 
absoluten  Monarchie  herstamme,  scheint  nicht  zu  leugnen.  Es 
ist  auch  historische  Thatsache,  dass  den  Autokraten  Ferdi- 
nand V.,  Carl  L  (V.),  Philipp  IL  die  Könige  Philipp  IIL, 
Philipp  IV.,  Carl  IL,  PhUipp  V.,  Carl  IIL,  Carl  IV.,  Ferdi- 
dinand  VII.  folgten,  welche  statt  ihrer  ihre  ersten  Minister 
herrschen  und  regieren  Hessen. 

Möge  es  dem  Könige  Alfons  XII.  beschieden  sein,  die 
Wunden,  welche  das  Unglück  der  Zeiten  Spanien  geschlagen 
hat,  heilen  zu  helfen  und  heilen  zu  sehen!  Denn  Gott  hat  die 
Nationen  so  geschaffen,  dass  sie  geheilt  werden  können* 


Set.  Bonifaz  in  München,  27.  August  1879. 


Pius  Garns,  o.  s.  B. 


Inlialts-yerzeicilniss. 


Vorrede.    S.  Ul-VL 
Einleitnng.    S.  1—4. 

Dreizehntes  Buch. 

Di«  Xlrolie  la  Bpftnlen  vob  der  Erobenuiff  Oranada'«  bis  auf  Xdnlg 

PhlUpp  V.  (1482—1700).    8.  5-803. 

Erstes  Kapitel. 
Die  epaniBcbe  Staatsinquisitioii.    Der  heilige  Petrus  Arbnte,  S.  5— d3. 

Zweites  Kapitel« 
Die  Spaoier  in  Amerika  (1492— 1542),  S.  94—121. 

Drittes  Kapitel. 

Von  der  Eroberung  Granada's  bis  zum  Begiemngaantritte  Carl's  V.  (I),  (J.  1492 
iMS  1517),  8.  122—148. 

Viertes  Kapitel. 
Die  Kirche  In  Spanien  anter  der  BegieroDg  Garl'a  Y.  (I).  (1517—1556),  S.  149—183. 

Fünftes  Kapitel. 
Frühere  Zeit  der  Begiemng  PhUipp's  II.  (1566-*1568),  S.  184—201. 

Sechstes  Kapitel. 
Die  Kirehe  im  spanischen  Amerika  (1542  bis  a  1600),  S.  202—220. 

Siebentes  Kapitel. 
Die  Begiemng  Phiüpp's  IL  im  Niedergänge  (1568—1598),  S.  221—251. 

Achtes  Kapitel. 
Die  Zeiten  Pbilipp*8  lU.  (1598—1621)  nnd  Philipp*«  IV.  (1621-1665),  S.  252-286. 

Neuntes  Kapitel. 
Die  Zoten  Carl's  O.  (1665—1700),  S.  287—803. 


VIII  Inhalts -VerzeichniM. 


Vierzehntes  Buch. 

« 

Spanien  unter  den  Bonrbonen  und  nnter  der  Herrschaft  der  Bevolntioii. 

(1700-1879.)    &  304-470. 

Erstes  Kapitel. 

Spanien  nnter  den  zwei  ersten  Bourbons  Philipp  V.  und  Ferdinand  VI.  —  1700 
bis  m9,  S.  304-347. 

Zweites  Kapitel. 

Kirche  und  Staat  von  Spanien   nnter  den  grossen  königlichen  Jägern   Carl  III 
(1759-1788),  und  Carl  IV.  (1788-1808),  S.  348-383. 

Drittes  Kapitel. 
Die  Bischöfe  in  diesem  Zeitraum,  S.  384 — 403. 

Viertes  Kapitel. 
BlUthe  der  Literatnr  (1747—1808).    Allmäliger  Verfall,  S.  404—426. 

Fünftes  Kapitel. 
Vom  Jahre  1808  bis  znr  Gegenwart,  S.  427-470. 


Recapitulation  des  ganzen  Werkes. 

Erstes  Kapitel.    Erster  Band,  1862,  S.  471—4.^1. 

Zweites  Kapitel.    Zweiter  Band,  1864,  S.  481—493. 

Drittes  Kapitel.    Der  dritte  Band,  1874,  S.  494—509. 

Viertes  Kapitel.    Der  vierte  und  fünfte  Band  —  1876—1879,  S.  510—532. 


Einleitung. 


Der  Backblick  auf  die  Jahrhunderte  des  Mittelalters  der  Kirche 
in  Spanien,  anf  die  780  Jahre,  welche  von  der  Entscheidangsschlacht 
am  Guadalete  —  im  Jahre  711  bis  zum  2.  Jannar  1492,  dem  Tage 
des  Einzugs  der  christlichen  Spanier  in  die  lezte  Burg  der  Mauren  in 
Granada,  yerflossen,  ist  tröstend  und  erhebend.  Der  Rückblick  auf  die 
vier  Jahrhunderte,  welche  seit  dem  Einzüge  der  Christen  in  Granada 
bis  zu  der  Gegenwart  verflossen,  ist  weniger  erhebend.  Die  Kraft  des 
Volkes  ist  seit  Jahrhunderten  gelähmt.  Die  politischen  wie  die  kirch- 
lichen Zustände  sind  traurig.  Trauernd  sagen  die  patriotischen  Spanier: 
Wir  sind  ein  unglückliches  Volk  und  Land. 

Die  Vereinigung  Spanien's,  d.  i.  der  beiden  Reiche  Gastilien  und 
Aragonien  galt  unbestreitbar  für  das  Volk  und  die  Eirche  in  Spanien 
als  grosses  Glück.  Vielleicht  war  es  nur  ein  scheinbares  Glück,  in 
Wirklichkeit  aber  ein  Unglück.  Wir  wissen  nur  zwei  grosse  Erfolge 
aufzuweisen^  welche  dieser  Vereinigung  gefolgt  sind,  die  völlige  Be- 
siegung  der  Mauren,  und  die  Entdeckung,  Besitznahme  und  Christiani- 
sirung  eines  Theiles  von  Amerika.  Allein  wenn  die  castilianischen 
Konige  von  Alfons  X«  an  bis  Isabella  (1252 — 1474)  nicht  so  tief  von 
der  Hohe  und  Grösse  Ferdinand^s  III.,  des  Heiligen  und  Alfons'  IX* 
herabgesunken  wären,  so  wären  sie  allein  im  Stande  gewesen,  die  Mauren 
ans  Granada  zu  vertreiben,  wie  sie  Ferdinand  aus  Jaen,  Cordova,  Sevilla 
(und  Cadix),  wie  sie  Jayme  I.  von  Aragonien  aus  den  Balearischen  Inseln 
and  Valencia,  wie  die  Portugiesen  sie  aus  Algarve  vertrieben  hatten. 
In  den  Erwerb  und  die  Christianisirung  Amerika's  aber  konnten  sich 
die  Castilianer  und  Aragonier  ebenso  theilen,  wie  sich  die  Spanier  und 
Portugiesen  getheilt  hatten. 

Ausserhalb  Spanien's  besteht  die  Ansicht,  als  seien  die  Spanier 
ein  einheitliches,  geschlossenes,  ein  centralisirtes  Volk.  Ein  Spanier 
aber  sagt  nicht  so  leicht:  Ich  bin  ein  Spanier,  sondern:  Ich  bin  ein 
Castilianer,  Catalane,  Baske,  Asturier  u.  s.  w.  Es  sind  keine  besondem 
Provinzen,   sondern  besondere  Völker,   welche'  nach  dem  Jahre  1474 

GtUBSt  qpan.  Kirch*.  UL  S.  2^ 


2  Einleitung. 

zunächst  in  einer  Personal-Union  verbunden  wurden.  Sie  hatten  ein  Recht, 
in  ihrer  Eigenart  und  in  ihrer  besondern  Geschichte  fortzuleben,  ihre  Ver- 
fassungen und  Einrichtungen  (Fueros)  ungeschmälert  zu  erhalten.  Der 
allmälig  sich  ausbildende  spanische  Einheitsstaat  in  seiner  starren  Centrali- 
sirung  -war  das  Unglück,  das  Verderben  Spanien's.  Die  Könige  Carl  (V.), 
besonders  Philipp  IL,  die  auf  sie  folgenden  willenslosen  Konige  und 
omnipotenten  Minister  und  Günstlinge,  welche  den  spanischen  Einheits- 
staat gegründet,  tragen  die  meiste  Schuld  an  dem  2ierfalle  der  Macht 
und  Grosse  Spanien's.  Das  alte  Spanien  war  überhaupt  nur  ein  Jahr- 
hundert lang  unter  den  gothischen  Königen  geeinigt.  Die  acht  Jahr- 
hunderte des  Mittelalters  aber  hatten  gesonderte  und  getrennte  Völker 
geschaffen,  nicht  nur  die  Portugiesen  neben  den  Castilianem^  von  denen 
die  einen  die  Sprache  der  andern  nicht  verstehen,  sondern  auch  die 
Valencianer,  die  Catalanen,'die  Aragonier,  die  Navarresen,  die  Basken,  die 
Galizier,  die  Asturier,  zulezt  noch  die  Andalusier  und  die  Estremoz  (die 
von  Estremadura)  neben  den  Castilianern.  Welcher  Unterschied  besteht 
heute  noch  zwischen  dem  ernsthaften  und  ceremoniösen  Castilianer,  und 
dem  fröhlichen  leichtlebenden  Andalusier,  welchem  maurisches  Blut  in 
den  Adern  fliesst,  welcher  Unterschied  zwischen  dem  schwerfälligen 
Asturier,  der  sich  seines  Königs  und  Ahnen  D.  Pelajo  rühmt,  und 
dem  elastischen  Catalanen? 

Die  Catalanen  und  die  Basken  verstehen  heute  noch  nicht  die 
Sprache  der  Castilianer.  Es  sind  nicht  verschiedene  Mundarten,  sondern 
verschiedene  Sprachen,  die  sie  reden.  Die  castilianische  Sprache  aber 
haben  die  Leonesen,  Galizier,  Castilianer  ausgebildet;  die  beiden  Länder 
Estremadura  und  Andalusien  haben  sie  von  ihnen  angenommen. 

Die  Vereinigung  der  spanischen  Lande  schien  ein  grosses  Glück 
für  die  katholische  Kirche  zu  sein.  Wir  unterscheiden  den  Schein  von 
der  Wirklichkeit.  Was  man  von  dieser  Einigung  hoSte,  hat  sich  nicht 
erfüllt.  Die  römische  Kirche  hat  viel,  unendlich  viel  gelitten  unter  den 
Ansprüchen  und  Anmassungen,  unter  der  unersättlichen  Hab-  und 
Herrschgier  der  spanischen  Herrscher,  d.  h.  der  Könige  Ferdinand 
(von  Aragonien),  Carl  V*  (L),  und  Philipp  U.,  welche  selbst  regierten, 
und  unter  den  omnipotenten  Ministem  der  Könige  von  Philipp  UI. 
an,  welche  Sklaven  ihrer  Günstlinge  waren  ^). 


')  Der  vielgerahmte  KOnig  Carl  UI.  (1759—1788)  wiuste  sich  zn  trösten  mit 
der  Hoffnung,  dass  nicht  er,  der  König,  sondern  seine  Minister  Gott  verantwortlich 
seien  ftUr  die  Fehler  ihrer  (i.  s.  seiner)  Regierung.  Ein  Hofmann  empfahl  einst 
einen  erklärten  Günstling  des  Königs  diesem  für  irgend  ein  Amt.  Oarl  III.  fragte, 
ob  derselbe  in  der  That  alle  su  dem  Amte  erforderlichen  Eigenschaften  besize.  Auf 
die  bejahende  Antwort  erwiederte  der  Nachfolger  Philipp*8  IL:  „Ich  bin  Ihnen  sehr 
vielen  Dank  schuldig,  dass  ^ie  an  diese  Beförderung  gedacht  haben.  Ich  hätte  nie- 
mals gewagtf  mit  Ihnen  dacon  zu  sprechen." 


Einleitang.  «> 

Das  Yerhältniss  Spaniea's  zu  Rom  in  den  lezten  Jahrhunderten 
ist  der  bestandige  Plan  und  Versuch,  mit  Hilfe  der  römischen  Kirche 
sich  von  der  romischen  Kirche  loszutrennen,  den  Primat  der  Jurisdiction 
Rom's  zu  einem  Primate  der  Ehre  herabzudrücken,  mit  Hilfe  Rom's  im 
Innern  und  nach  Aussen  einen  Druck  anf  die  der  spanischen  Staats- 
omnipotenz  widerstrebenden  Kräfte  auszuüben.  Schon  Carl  V.  wollte 
nor  Päpste,  die  seine  dynastischen  Interessen  förderten.  Die  Päpste 
sollten  Yor  allem  der  Krone  Spanien  dienen.  Rom  sollte  in  Spanien 
nichts,  oder  fast  gar  nichts  zu  sagen  haben.  Die  eigentlichen  Päpste  in 
Spanien  sollten  die  Könige  oder  ihre  omnipotenten  Minister  sein.  „Das 
streng  katholische  Spanien  (sagt  Joseph  Hergenröiher)  bietet  in  seinen 
Verhandlungen  mit  Rom  ein  ganz  eigenthümliches  Bild  dar.  Der  Ab- 
solatismus  seiner  Beherrscher,  ihre  misstrauische,  yon  eigenem  Interesse, 
doch  auch  hin  und  wieder  yon  grossen,  auf  das  Allgemeine  gerichteten 
Gedanken  —  geleitete  Politik  mit  ihrer  steifen  Schroffheit,  mit  ihrer 
ängstlichen  Geheimnisskrämerei  zeigt  sich  auf  dem  religiösen  Gebiete 
nicht  weniger,  als  auf  den  andern,  und  ihre  Zähigkeit  wusste  Sehritt 
fibr  Sehriit  dem  päpsüiehen  Stuhle^  der  sich  nur  in  der  Defensive  halten 
konnte,  mit  beharrlichen  Gesuchen,  wie  durch  aggressives  Vorgehen  eine 
Cofhcession  um  die  andere  abzutrotzen,  ohne  dadurch  grössere  innere 
Festigkeit  und  Stärke  zu  erlangen,  wie  man  yergebens  gehofft;  ja  wie 
die  rasch  erbeuteten  Schäze  der  neuen  Welt  bald  zerronnen  waren, 
nnd  die  gesteigerte  Machtentfaltung  nach  Aussen  nur  die  innere  Ohn- 
macht Tergrösserte,  so  trugen  auch  die  zahlreichen  kirchlichen  Praroga- 
tiven  des  Monarchen  wesentlich  mit  zum  Verfalle  Spanien's  bei,  und 
brachten  auch  seinen  Klerus  in  eine  Lethargie  und  Kraftlosigkeit,  aus 
der  nar  die  gewaltigsten  Erschätterungen  ihn  wiedererwecken  sollten.^ 

Als  die  Lichtseiten  des  kirchlichen  Lebens  in  Spanien  yom  Jahre 
1492  an  treten  hervor  die  grossartige  Missionsthätigkeit  des  spanischen 
Klems,  (an  den  Missionen  nahmen  im  edelsten  Wetteifer  besonders 
die  yerschiedenen  Orden  Antheil),  die  Stiftung  und  Blüthe  ver- 
schiedener neuer  Orden  im  Mutterlande  selbst,  das  Leben  und  die 
Wirksamkeit  zahlreicher  Heiligen  beider  Geschlechter,  sodann  die 
aosserordentliche  Blüthe  der  spanischen  Literatur,  besonders  im  sechs- 
zehnten, und  in  der  zweiten  Hälfte  des  achtzehnten  Jahrhunderts. 

Wohl  begann  schon  unter  der  Regierung  Philipp's  U.  der  Zerfall 
Spanien's,  aber  er  trat  sehr  langsam  ein,  und  wurde  damals  weniger 
gefühlt«  Das  ganze  siebzehnte  Jahrhundert,  die  Zeit  der  drei  lezten 
Habsburger  war  ein  Jahrhundert  der  Erlahmung  und  Erschöpfung. 
Sowohl  die  Annektirung,  als  die  nach  60  Jahren  wieder  erfolgte  Los- 
reissung  Portugal's  war  eine  stets  blutende  Wunde  für  Spanien,  deren 
Kachwehen  in  dem  gesteigerten  Nationalhasse  der  Portugiesen  gegen 
die  Spanier  fortdauern. 


4  Einleitung. 

Unter  Regenten,  wie  Philipp  IIL,  Philipp  IV.  und  Carl  IL,  die 
selbst  nicht  regieren  wollten  oder  konnten,  führte  aach  der  Staat  und 
das  Volk  ein  hinwelkendes  Dasein.  Der  spanische  Erbfolgekrieg  entn 
Yolkerte  das  Land  auTs  Nene  und  bedeckte  es  mit  Ruinen.  Unter 
Philipp  y.  und  besonders  Ferdinand  VI.  trat  einige  Besserung  ein. 

Von  den  Zeiten  Carl's  III.,  vom  Jahre  1759  an,  hatte  die  Revo- 
lution Yon  oben  herab  die  Gewalt.  Seit  etwa  116  Jahren  ist  es  vor- 
zugsweise die  Revolution,  welche  auf  dem  Throne  Spanien's  sizt.  Das 
Land  fiel  von  einer  Ohnmacht  in  die  andere,  unterbrochen  von  kurzen 
krampfhaften  Anstrengungen  zur  Erhebung,  die  mit  neuen  Niederlagen 
und  Erschöpfungen  endeten.  Die  Revolutionäre  brachten  es  über  grosse 
Worte  und  Verheissungen  nicht  hinaus.  Das  Alte  musste,  weil  es  alt 
war,  von  ihnen  zerstört  werden;  Neues  zu  bauen,  waren  sie  nicht  im 
Stande. 

Nicht  das  Eonigthum  in  seinen  verschiedenen  Formen,  sei  es  ein 
legitimes  und  unumschranktes,  sei  es  ein  beschranktes  und  von  Par- 
theien abhängiges,  nicht  die  Republik  oder  moderne  Verfassungen, 
können  Spanien  retten,  nur  die  von  Gott  erschaffene  und  von  Gott 
erhaltene  Kraft  des  Volkes  —  im  Bunde  mit  der  katholischen  Kirche. 


Dreizehntes  Buch. 

Die  Kirclie  in  Spanien  von  der  Eroberung  Granada's 

bis  anf  König  Fhüipp  IL 

(1492— 1Ö56.) 


Erstes  Kapitel. 

Die  gpanlsehe  Staatsinqnisiflon.  Der  heilige  Petras  Arbate. 

§1. 

Der  Dichter  Friedrich  Schüler,  der  von  sich  selbst  als  Geschicht- 
schreiber bezeugt:   „Der  Sto£f  miiss   es   sich   gefallen   lassen,   was  er 
unter  meinen  Händen  wird^,  hat  in  seinem  historischen  Roman:   »Die 
Geschichte  des  dreissigjährigen  Krieges^  den  Grafen  Tilly   als  Mord- 
brenner,   als   den  Urheber  des  Brandes  nnd   der  Plünderung  Magde-  Brudv. 
burg^s  (am  29.  Mai  1631)  dargestellt,   nnd  etwa  60  Jahre  lang  betete  ^]^^ 
die   »gebildete^  Welt  gläubig  das  Mährchen  nach.    Das  Mährchen  ist   i6si. 
heute  for  jeden ,  der  die  Waiirheit  sucht,   als  solches  entlarvt    Es  ist 
sonnenklar,  dass  der  Schwede  Falkenberg  und  seine  Gehilfen  Magdeburg 
in  Brand   gesteckt  haben,   damit  diese    wichtige  Festung  nicht  den 
Kaiserlichen  in  die  Hände  falle.    Nicht  diese,  sondern  die  Schweden 
hatten   ein  brennendes  Interesse  an  dem  Brande  Magdeburg's.    Wer 
das  GegentheU  heute  noch  behauptet,  der  ist  selbst  ein  blinder  Fana- 


5  Dreizehntes  Bneh.    Erstes  Kapitel. 

tiker,   oder   er  ist  in  seinen  historischen  Forschungen  nicht  über   den 
dreissigjährigen  Krieg  von  SchiUer  hinausgekommen. 


§•  2, 

Seit  drei  Jahrhunderten  wird  das  Mähreben  herumgetragen,  dass 
die  Katholiken  Frankreich's,  vor  allem  die  Bischöfe  und  Priester,  die 
Schuld  an  der  sogenannten  Bluthochzeit  —  in  der  Bartholomäusnacht 
(am  24.  August  1572)  —  tragen,  und  dass  Papst  Gregor  XUI.  zur 
Feier  des  Blutbades  ein  Te  Deum  gesungen  habe.  Aber  was  ging  der 
Bluthochzeit  voran?  Die  unmenschlichen,  die  diabolischen  Grausam- 
keiten  der  Hugenotten,  der  Protestanten  Frankreich's.  Wo  immer  die 
^Wttt.'  Protestanten  siegten,  wurden  die  Katholiken  unterdrückt,  sie  mussten 
hoeh-  ihrem  Glauben  entsagen,  oder  fliehen,  oder  sterben.  Von  Glaubens- 
freiheit, deren  man  sich  heute  so  sehr  rühmt,  war  keine  Rede.  —  Aus 


n 


seit"  a. 
Ihr 


Toran-  Schottland^  aus  England,  aus  Dänemark  und  Norwegen,  aus  Schweden 
**"*•  u.  s.  w.,  wurde  die  katholische  Kirche  vertrieben  durch  die  siegreiche 
Gewalt.  Kein  Einwohner  dieser  Länder  durfte  Katholik  bleiben  oder 
werden.  Der  „edle*^  Gustav  Adolph  von  Schweden  Hess  drei  junge 
Schweden,  die  im  Auslande  Katholiken  geworden,  nach  ihrer  Heimkehr 
hinrichten^).  Seine  Tochter,  die  Konigin  Christine,  wurde  dennoch 
Katholikin,  aber  nicht  in  Schweden  oder  auf  dem  Throne  Schweden's, 
sondern  nach  ihrer  Auswanderung  und  Abdankung  (1677).  Sie  wäre 
vielleicht  nicht  hingerichtet  worden,  aber  sie  wäre  auch  nicht  auf  dem 
Throne  geblieben. 

Der   lezte  Erzbischof   von   Set.  Andreas   in  Schottland,  Johann 

Hamilton,  fiel  in  die  Hände  seiner  Feinde,  und  endete  durch  den  Strang 

—  6.  April  1570.    Allen  Katholiken   in   Schottland  stand   Confiscation 

des  Vermögens,   Verbannung  oder  der  Tod  in  Aussicht. 

^®  Ein  Anführer  der  Hugenotten  in  Frankreich,   durch  seine  Grau- 

der    samkeit  berüchtigt,  Hess  einmal  3000  Katholiken,  darunter  Kinder  nnd 

Hag«-   Greise,  ermorden.     Bei  einer  Tafel  wurden  (im  Jahre  1569)  katholische 

nouen.  ]g2(}^]]Q^^  meuchlcrisch  ermordet.    Man  zeigt  heute  noch  einen  Brunnen, 

in  welchen  200  Priester  geworfen  wurden.    Der  Hugenotte  Briquemaut 

trug    ein    Halsband,   das    aus    den   abgehauenen    Ohren    katholischer 

Priester    zusammengesezt    war.      Ein    Hugenottenfiihrer   zwang    seine 

Opfer,  von   der  Höhe    eines  Thurmes    sich   hinabzustürzen.    Als    die 

Hugenotten  einst  in   ein  Kloster  drangen,   entrann  nur  ein  Bewohner 

desselben  dem  allgemeinen  Blutbade;  auch  dieser  wurde  eingeholt,  und 

lebendig  verbrannt.  öOEotthedralen,  500  kleinere  Kirchen  wurden  von  den 


*)  „Wie  Gofltav  Adolph  die  religiöse  Freiheit  der  Katholiken  verstand*    -« 
in  „Hittorisch-poUt  Blfitter«",  Bd.  XIII,  S.  580—584. 


Hugenotten;  epanische  Inquisition.  7 

HogenotteD  zerstört.  Gegen  die  Gräber,  gegen  die  Reliquien  und  Leiber 
der  Heiligen  wurde  gewüthet.  Es  war  ein  Yertilgungekrieg,  den  die 
Hugenotten  führten.  Hätten  sie  gesiegt,  die  Kirche  Frankreich*s  wäre 
im  Blnte  ihrer  Bekenner  erstickt  worden. 

Nach  all'  diesen  Unthaten  wurden  in  der  Nacht  vom  23./24.  August 
1572  in  Paris  selbst  c.  200 — 500,  in  ganz  Frankreich  im  Laufe  der 
nächsten  Tage  c.  2000  —  4000  Hugenotten  ermordet.  Von  wem?  Nicht 
TOD  den  Katholiken  als  solchen.  Es  war  ein  politischer  Racheact,  der 
zunächst  von  der  Königin  Mutter  Catharina  yon  Medicis  ausging, 
welche  sich  ihrer  politischen,  nicht  religiösen  Gegner  entledigen  wollte. 

An  den  Berathungen  zum  Morde  der  Hugenotten  hat  kein  Bischof^ 
kein  Priester  Theil  genommen.  Unvergleichlich  grosser  war  die  Zahl 
der  Katholiken,  die  vorher  von  den  Hugenotten  ermordet  worden.  Wir 
rechtfertigen  nicht  den  Bacheact,  wir  entschuldigen  ihn  nicht,  sondern 
wir  erklären  ihn.  Die  Bischöfe  Frankreichs  traten  in  jenen  Tagen  überall 
versöhnend  auf.  Wo  immer  man  ihnen  Gehör  gab,  unterblieben  weitere 
Gewaltthaten,  und  nicht  wenige  Hugenotten  kehrten  desswegen  zu  der 
Kirche  zurück.  König  Carl  IX.  liess  dem  Papste  Gregor  XIII.  melden, 
ea  sei  eine  gegen  sein  Leben  gerichtete  Verschwörung  vereitelt  worden. 
Nicht  wegen  der  Bluthochzeit,  sondern  wegen  der  —  angeblichen  — 
Rettung  des  Königs  von  Todesgefahr  wurde  zu  Rom  ein  Te  Deum  gehalten. 

§.  3. 

Neben  dem  Magdeburger  Brande,  und  der  Pariser  „Bluthochzeit^ 
wandelt  stets  als  dritter  Popanz,  der  gegen  die  Katholiken  in  das  Treffen 
gefuhrt  wird,  die  spanische  Inquisition.    Diese  Inquisition  ist  aber  nicht  Diespa- 
von  der  Kirche,  sondern  von  der  weltlichen  Regierung  eingeführt,  aus-  jj^^^,* 
gebildet  und  erhalten  worden.     Sie  ist  kein  kirchliches,   sondern  ein  suion. 
Staatsinstitut,  theilweise  mit  kirchlichen  Formen.    Es  ist  eine  aus  dem 
Charakter  und  der  geschichtlichen  Entwicklung  des  spanischsn  Volkes 
hervorgegangene  Einrichtung,  ein  Institut,  für  welches  die  katholische 
Kirche  keine  Verantwortung  triffi;.    Das  wussten  oder  beobachteten  aber 
die  Spanier  selbst  nicht,   sonst  hätten   sie  nicht  den  überall,   z.  B.  in 
Italien  und  den  Niederlanden,  misslungenen  Versuch  gemacht,  ihre  nur 
är  Spanien  passende  Inquisition  den  Katholiken  anderer  Länder,  die    ^^ 
onter  dem  Scepter  Spanien's  standen,  aufzuhalsen  und  aufzuzwingen.        inaüULU 

In  Spanien  selbst  ging  die  Inquisition  aus  den  gegebenen  Verhält- 
nissen naturgemäss  hervor.  In  ihr  machte  sich  eine  geordnete  und  geregelte 
Gerichtsbarkeit  ebenso  zum  Schuze  der  Bussfertigen  und  Unschuldigen^ 
wie  zur  Unterdrückung  der  in  die  Häresie,  besonders  in  das  Judenthum 
Zurückgefallenen,  geltend.  Wer  könnte  leugnen^  dass  die  Inquisition 
in  Spanien  selbst  ein  volksthümliches  und  ein  geachtetes  Gericht  war? 


N«tio 
nallnsti 


8  Dreizehntes  Bach.    Erstes  EjtpiteL 

Bei  der  Natur  des  annoch  gläubigen  spanischen  Volkes,  sei  es, 
dass  es  an  den  erst  kommenden  Messias ,  oder  an  Muhamed,  den  Pro- 
Ein  pheten  des  einzigen  Gottes,  oder  an  Christus,  den  eingebomen  Sohn 
Gottes,  glaubte,  konnten  mehrere  entgegengesezte  Bekenntnisse  an- 
tut, möglich  im  Frieden,  ja  sie  konnten  ohne  bestandigen  gewaltsamen 
Kampf  nicht  neben  einander  bestehen.  Die  spanische  Nation  war  und 
ist,  so  weit  sie  gläubig  war  und  ist,  exclusiy,  wenn  man  will,  aus- 
sdilieüsend  gläubig.  In  den  Augen  des  gläubigen  Spaniers  kann  nur 
eine  llfligion  die  wahre  sein,  und  diese  allein  wahre  Religion  muss 
allein  herrschen^  weil  sie  die  wahre  ist.  Die  gläubigen  Spanier  haben 
stets  die  religiöse  Einheit  angestrebt  und  festgehalten.  Sie  haben  stets 
von  der  Staatsgewalt  verlangt,  dass  sie  diese  Einheit  schüze  und  auf- 
recht halte.  Wären  sie  der  Mehrzahl  nach  Juden  gewesen,  so  hatten 
sie  das  Christenthum  nicht  neben  sich  bestehen  lassen. 

*  §.  4. 

Dieser  exclusive  Charakter  des  spanischen  Volkes  ist  uns  vom 
Anfange  dieser  Kirchengeschichte  an  wiederholt  in  auffallender  Weise 
begegnet.  Dieser  Charakter  tritt  schon  an  den  sogenannten  apostolischen 
„Siebenmännem^  (um  das  Jahr  65  n.  Chr.)  hervor,  deren  Begleiter 
doch  wahrscheinlich  Spanier  waren.  Sie  sahen,  dass  die  Heiden  in 
Acci  (Guadix)  den  Gozen  opfern.  „Die  Ungläubigen  geben  sich  durch 
den  offenen  Dienst  ihrer  Religion  zu  erkennen*^  »I^io  Begleiter  der 
Siebenmänner  aber^  [sagt  F^rrero«],  „schrieen  gegen  diese  Abscheulichkeit 
des  Gözendienstes ,  und  zogen  sich  dann  zurück.^  In  dem  Hymnus 
des  Festes  der  Siebenmänner  lesen  wir:  „Die  Jünger  sahen,  dass  die 
Gözenbilder  in  falscher  Weise  verehrt  wurden.  Während  sie  mit 
Thnlnen  diess  Begängniss  zu  verhindern  treffen,  werden  sie  durch  den 
gottlosen  Andrang  der  Heiden  erschreckt.'^  Da  sie  andere  Mittel  nicht 
hatten,  suchten  sie  wenigstens  durch  Thränen  und  Weheklagen  den 
Gozendienst  zu  verhindern. 

Diese  exclusive  Eigenart  des   spanischen  Charakters   tritt  hervor 

in  den  glorreichen  Märtyrern  des  vierten  wie  des  neunten  Jahrhunderts. 

Die  heilige  Justa  und  Rufina  von  Sevilla  weigern  sich  nicht  bloss,  der 

spa-    Göttin  Salambo  ein  Geldstück  zu  opfern,  sondern  sie  zerstampfen  und 

EU^-  Verstössen   mit  ihren  Füssen   das   Gozenbild,    welches   herumgetragen 

•rt.    wird,  —  und  sterben  dann  freudig  fiir  ihren  Glauben.    Von  der  heiligen 

Eulalia  von  Merida  (Jahr  304)  singt  der  Dichter  Aur.  Prudentius: 

Sie  speit  ihm  (dem  Richter)  ergrimmt  in's  Gesicht, 
Und  sie  zertrümmert  das  GrOzengebild 
Auf  dem  Altar  —  und  das  heilige  Mehl 
StOsBt  sie  mit  FOssen  vom  Banchfass  hinweg. 


Spanische  Eigenart.    Die  Jaden  in  Spanien  ^exclnaiy*.  9 

Die   Christen   traten  todesverachtend   and   den  Tod  suchend  in 
den  einzelnen  Städten  herror,  um  die  Gozenbilder  zu  zertrümmern^  zu 
einer  Zeit,  wo  die  Zahl  der  Christen  in  Spanien  noch  sehr  klein  war. 
Darum  verordnete  der  Canon  60  der  Synode  Von  £lyira  —   im  Jahre    ^** 
306:     „Wenn  Jemand  Gozenbilder  zerbricht,  und  dabei  getödtet  wird,   tjr«r 
da  dieses  im  Eyangelium  nicht  geschrieben,  auch  nicht,  gefunden  wird,    ^^° 
dass  es  je  unter  den  Aposteln  geschehen  sei,   der  soll  nicht  unter  die 
Märtyrer  aufgenommen  werden^ ').    Aber  gerade  darin  bestand  die  spa- 
nische Eigenart,  dass  sie  etwas  für  erlaubt  oder  für  eine  Tugend  hielten^ 
was  andere  Christen  nicht  thaten  und  nicht  billigten. 

Ein  grosser,  vielleicht  der  grossere  Theil  der  spanischen  Märtyrer 
suchte  den  Martyrtod  durch  Angriffe,  durch  Herausforderungen  gegen 
die  Heiden  oder  Muhamedaner.  Der  Arianer,  Konig  Leovigild  (f  587) 
nannte  den  Bischof  Masona  von  Emerita,  weil  er  lieber  sterben,  als 
nachgeben  wollte,  einen,  der  mit  Gewalt  den  Tod  sucht. ^) 

Wenn  wir  auf  die  grosse   Verfolgung  der  Christen   unter  den    ^*' 
Mauren  in  Cordova  (Jahr  839 — 864)   zurückblicken,   so  erinnern  wir   tTrer 
uns,   dass  die  Mehrzahl  der  Märtyrer  auf  den  öffentlichen  Fläzen  er-  ▼•  ^^' 
schienen,  und  die  Lehre  und  Person  Muhamed's  angriffen  mit  der  be-  639-86«. 
stimmten  Absicht,  ihr  Leben  far  das  Bekenntniss  ihres  Glaubens  hin- 
zugeben.   Alle  litten   standhaft  den  Tod,   und  werdeq  von  der  Kirche 
als  wahre  Märtyrer  verehrt'). 

§.  5. 

Zu   aller  Zeit  wollten   die  Juden   ihre  Religion   in  Spanien   aus- 
breiten,  und   herrschen.     Die  Oeseze  gegen   die  Juden   zur  Zeit  der 
Westgothen  schienen  strenge  zu  sein,   sie   waren  aber  nicht  gegen  die   ^"^ 
Juden  überhaupt ,   sondern   gegen  die   getauften  Juden  gerichtet.    Der  den  in 
jüdische   Schriftsteller   Dr.   Heinr.  Grätz  gibt   dieses   zu.     Nach   ihm  sp»»^"* 
„dürfte   es   sich   als  unzweifelhaft  herausstellen,   dass  die  Tendenz  der  "bit". 
meisten  Oeseze    nicht  nur  die  Chri^ianisirung  der  Juden,   der  treuen 
Bekenner  des  Judenthums,   auf  dem  Wege  der  Gesezgebung,   sondern 
die    Zurückfuhrung    der    bereits    getauften,    und   zur   Apostasie    vom 
Christenthum  geneigten  Juden  in  den  Schooss  der  Kirche  war«  Es  dürfte 
sich  zeigen,   dass   nur   sehr  wenige  Paragraphe   den  Juden  im  eigent- 
lichen Sinne  gegolten  haben.    Diese  Geseze,   welche  man  als  Ausfluss 


0  KircheogeBCh.  II,  1,  S.  124. 

^  Espaßa  sagrada,  t.  XIIL,  p.  367.  Mit  Unrecht  übersetzt  JQT.  Florez  das 
Wort:  Biotbanatos  —  einen  Qeisteskranken  —  (mente  captns). 

*)  yDle  Bekenner  and  Märtyrer  von  Cordnba^,  Kircbengesch.  If,  2,  S.  299 
bis  33a 


10  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

eines  gewaltsamen  Fanatismus  gebrandmarkt  hat,  dürften  (darum)  in 
einem  mildem  Lichte  erscheinen"  *). 

Es  ist  ziemlich  allgemeine  Annahme,  welcher  auch  wir  beitreten, 
dass  der  sonst  so  gefeierte  Konig  Receswinth  in  seinen  spätem  Tagen 
unter  den  Einfluss  einer  ^^ Jüdin *^,  und  der  ^^Juden^  kam,  und  dass 
deren  Einfluss  die  Stagnation  des  geistigen  Lebens  in  jenen  Tagen 
zuzuschreiben  sei*). 

Welche  einflussreiche  Rolle  Juden  als  Aerzte  und  besonders  als 

Schazmeister  oder  Finanzminister   am  Hofe   der  Könige   yon  Castilien 

Die    gespielt,  ist  allbekannt.    Die  spanischen  Juden  trieben  stets  Proselyten- 

jaden  Q|gciierei.     Abraham  Ben  Samuel  Abnlafia,  £ceboren  im  Jahre  1240  zu 

Proso-  '    ® 

lyten-    Tudela,  wollte  seine  Landsleute  auf  dem  Umwege  über  Rom  bekehren. 

machet,  jjj.  nja^hte  sich  an  den  Papst  Martin  IV.,  und  wollte  ihn  überreden, 
Jude  zu  werden  —  August  1281.  Man  Hess  den  Narren  laufen. 
„Ueberall  verfolgt,  aller  Orten  verwiesen,  flüchtete  er  sich  endlich  auf  die 
Insel  Comino  bei  Malta,  und  starb  als  Märtyrer  seiner  Schwärmerei"  ^). 
Waren  es  doch  die  Juden,  die  sich  zum  Scheine  taufen  liessen, 
sich  in  die  einflussreichsten  Stellen,  und  selbst  auf  Bischofsstühle  ein- 
schlichen, damit  sie  um  so  wirksamer  Proselyten  machen  konnten. 
Juden  waren  es,  welche  die  Mauren  zur  Eroberung  Spanien's  einluden« 
Die  Juden  waren  es  auch,  welche  durch  ihre  geheimen  Umtriebe  den 
nächsten  Anstoss  zu  der  Einfuhrung  der  Inquisition  gaben. 


§.  6. 

Auf  der  andern  Seite  waren  aber  auch  die  Christen  gegen  die 
Juden  ^exclusiv",  und  suchten  sie  auf  sanften  oder  unsanften  Wegen 
zu  Christen  zu  machen.  —  Im  Jahre  418  nahmen  540  Juden  in 
Mahon   auf  Menorca   die  Taufe   an,   nicht   ohne   Gewaltthätigkeit  von 


*)  Heinr.  Orätz,  „Die  westgothische  GesezgebuDg  in  Betreff  der  Juden", 
Bresl.  1858,  S.  5.  —  In  seinem  grossen  Werke :  „Geschichte  der  Juden*  —  Band  III, 
Leipz.  1861,  kommt  H.  Qrätz  wieder  auf  denselben  Gegenstand  znr&ck,  S.  70-79, 
aber  von  einem  mildern  „Lichte*"  ist  hier  keine  Rede  mehr;  einen  ünterBchied  zwischen 
getauften  und  eigentlichen  Juden  kennt  er  nicht  mehr.  Freilich  ist  dieses  gproase 
Werk  (11  Bände)  herausgegeben  vom  ,,  Institut  zur  Förderung  der  israeiitisohon 
Literatur**.    Um  so  werthvoUer  ist  das  G^tändniss  vom  Jahre  1858. 

*)  Vom  Jahre  656—673  hörten  die  sonst  so  häufigen  Concilien  von  Toledo 
völlig  auf.  Wie  wir,  so  fasst  H.  Florez  die  Lnge  der  Dinge  auf,  während  Ftc.  de 
la  FiLffnie  den  Receswinth  durchaus  in  Schuz^  nimmt«  "^  Espafia  sagrada,  t.  Y, 
append.  8.  t.  VI,  cap.  13.  —  Ftc.  de  la  Puente  (Rir<ihengesch.  v.  Spanien),  t  II 
(1873),  p.  326. 

')  if.  Kayserling,  Die  Juden  in  Navarra,  den  Baskenländern  und  auf  den 
Balearen.    Berl.  1861.  S.  83. 


Die  Spanier  „exclosiv''.  11 

Seite  der  Christen.    Nur  drei  Jüdinen  leisteten  noch  einige  Zeit  Wider- 
stand '). 

Wie  im  übrigen  Europa,  so  brachen  in  Spanien  wiederholt  blutige 
Verfolgungen  gegen  die  Juden  aus.  Während  aber  in  andern  Ländern 
der  christliche  Pöbel  an  der  Niedermezlung  der  Juden  sich  genügen 
Hess,  trat  bei  den  christlichen  Spaniern  das  Streben  hervor,  die  Juden 
zur  Taufe  zu  bringen  und  zu  zwingen.  Sie  verstanden  das  Wort: 
Compelle  (eos)  intrare  (zwinge  sie,  hereinzugehen)  —  nur  zu  buch- 
stäblich. Eine  solche  religiöse  Bewegung  und  zugleich  Verfolgung  der 
Juden  ging  im  Jahre  1391  durch  Spanien  hindurch.  Die  Juden  in 
Sevilla,  Cordova,  Toledo,  Valencia  und  in  andern  Städten  wurden 
theils  getödtet,  theils  gezwungen,  das  Christenthum  zu  erheucheln.  ^'® 
Damals  brach  auch  auf  Palma  und  der  Insel  Mallorca  —  ein  Aufstand 


.ex- 


gegen  die  Juden  aus.  Die  Bichter  und  die  Magistrate  schüzten  die  «lui^'' 
Jaden,  die  Matrosen  und  Arbeiter  griffen  dieselben  an.  Wegen  der 
Jaden  kämpften  Christen  gegen  Christen.  An  300  Personen  fanden  in 
diesem  Yolksauflauf  ihren  Tod,  gegen  800  retteten  sich  in  das  könig- 
liche Schloss  (die  Universität),  die  übrigen  (Juden)  gingen  (zum 
Christenthum)  über.  —  In  Barcelona  sezte  das  Volk  den  Juden  zu,  es 
liess  ihnen  die  Wahl  zwischen  Taufe  oder  Tod.  Die  einen  zogen  das 
Leben  und  die  Taufe  vor,  andere  wählten  den  Tod"). 

Am  schärfsten  tritt  die  Eigenart  der  Spanier  in  der  Vermengung 
des  Geistlichen  und  Weltlichen  hervor.  Der  religiöse  Spanier  will, 
dass  die  Eorche  den  Staat  ganz  durchdringe^  der  Staat  des  christlichen 
Spanien's  soll  gleichsam  ein  Gottesstaat,  die  vollkommene  Herrschaft 
Gottes  auf  Erden  sein.  Der  Gedanke  einer  Trennung  von  Kirche  und 
Staat  ist  ihnen  undenkbar.  Wenn  das  Christenthum  die  ewige  Wahr- 
heit ist  und  darbietet,  so  soll  es  auch  das  ganze  öffentliche  Leben  be- 
stimmen und  beherrschen.  Unter  diesem  Gesichtspunkte  nur  können 
wir  den  Canon  18  der  dritten  Synode  von  Toledo  im  Jahre  589  be- 
greifen; „Die  Bezirksrichter  und  die  Fiscalbeamten  sollen  (auf  den 
Synoden)  lernen,  nicht  durch  Lasten  oder  übermässige  Leistungen  ent- 
weder die  Privatleute  zu  beschweren,  oder  die  Angehörigen  des  Fiscus 
zu  beladen.  Die£ischöfe  seien  nach  dem  Willen  des  Königs  AoftSllCry 
wie  die  Richter  das  Volk  behatiddn,  sie  sollen  sie  ermahnen,  ihre  An- 
massttngen  (insolentiis)  vor  den  König  bringen,  und  sie  im  Nothfalle 
cxcommoniciren.    Der  Bischof  soll   mit  den  Ael testen   berathen,   was 


')  Kirchengesch.  II,  1.  S.  406.  —  Vergl.  Jost,  Geschichte  der  Israeliten,  B.  IV, 
8.  243  flg.  —  Ghrätz,  Geschichte  der  Juden,  2.  Aufl.  Leipz.  J866,  II.  S.  392.  — 
Kayserling,  die  Juden  auf  den  Balcaren,  1861,  S.  156-— 158.  (Leztere  drei  Schrift- 
steiler  sind  selbst  Jaden.) 

*)  M.  Kayserling  a.  a.  0.,  S.  162—165. 


12  Dreizehntea  Bach.    Erstes  Kapitel. 

jede  Provinz   ohne  ihren  Schaden  leisten  kann***).    Diese  Vermengung | 

des  Geistlichen  und  Weltlichen  hat  sehr  viel  Unheil  über  Spanien  ge- 

ver-    bracht,  der  Kirche  selbst  aber  vielleicht  mehr  geschadet  als  dem  Staate. 

«rr^fl-  Nur  in  dem  neu  entdeckten  Amerika  erwies  sich  die  Gewalt  der  Geist- 

nng  uM  I 

Kirch,  liehen  in  weltlichen  Dingen  als  wohlthätig  und  erhaltend.    Ohne  diesen 
"^J**Einflu8s  der  Bischöfe  und  Priester  wäre  die  Urbevölkerung  des  mittlerii| 
uchea.  und    sädlichen   Amerika    so  völlig    ^^vom   Erdboden    hinwegculüvirt^ 
worden,  wie  die  Ureinwohner  der  Inseln  S.  Domingo  und  Cuba,  über- 
haupt Westindien's'). 

So  kann  man  denn  sagen,  dass  die  spanische  Inquisition  aus  dem 
Charakter  des  spanischen  Volkes  selbst  hervorgewachsen  sei.  So  lange 
die  Spanier  gläubig  sind,  können  dort  mehrere  Religionen  nicht  neben 
einander  im  Frieden  bestehen«  Die  gläubigen  Spanier  wollen  Glaubens- 
einheit, nicht  Glaubensfreiheit.  Man  kann  darum  die  spanische  Inqui- 
sition ebenso  ein  National-  wie  ein  Staatsinstitut  nennen.  Die  Begierung 
vollzog  nur,  was  das  -gläubige  Volk  der  Katholiken  in  seiner  immensen 
Mehrheit  wollte').  Dabei  fielen  die  materiellen  Verluste  durch  den 
Wegzug  der  Juden  (und  Mauren ,  vielmehr  Moriscos)  nicht  in  das 
Gewicht.  —  Dass  die  Inquisition  bei  den  hohem  Ständen,  besonders 
dem  Adel,  wenigstens  im  Anfange  missliebig  war,  kam  grossentheils 
daher,  dass  sie  zur  Concentrirung  der  königlichen  Macht,  zur  Aas- 
bildung der  Staatäomnipotenz  missbraucht  wurde*  Auch  war  „der 
Adel  mit  den  getauften  Juden  verschwägert  oder  befreundet^*). 


§.  7. 

Kircb-  Das  Gericht  der  kirchlichen  Inquisition  bestand  im  Königreich  Ära- 

qaiBition  gouieu  Seit  dem  dreizehnten  Jahrhundert.  Es  war  im  Kampfe  der  Kirche 
in  Ars-  gegen  die  Waldenser,  Albigenser,  und  verwandte  Sekten  entstanden, 
go  en.  j^.^^  Dominikaner  waren,   im  Auftrage   des  Papstes  und  der  Bischöfe, 

die  delegirten  Richter.    Es  bestand  aber  kein  permanenter  Gerichtshof^). 

Der  heilige  Kaymund   von  Pennaforte,   Llotger,   der  Richter  über   die 


^)  Kirchengesch.  II,  2.  S.  13.  Allerdings  hatten  auch  die  Bischöfe  im  Römi 
sehen  Reiche  das  Recht,  in  Processen  der  Partheien  ab  Schiedsrichter  zu  entscheiden 
Der  heilige  ÄugtufHn  u.  a.  beschwert  sich  über  dieses  zeitraubende  Geschüft 

*)  Aber  die  wilden  Garaiben  oder  Cariben  hätten  die  Bewohner  der  AntillcE 
auch  ohne  die  Ankunft  der  Europäer  alhnählig  aasgerottet  Oscar  Pesehel,  D&& 
Zeitalter  der  Entdeckungen,  1858,  8.  195—200. 

*)  Unter  den  8  Millionen  Einwohnern  Spanien's  in  jener  Zeit  waren  c  7  MiUionoc 
Katholiken,  an  160.000  Juden,  nebstdem  c.  400.000  Maaren  im  getrennten  Reiche 
Granada. 

*)  Grätz,  Bd.  V,  S.  806. 

*)  Kirchengesch.  Bd.  lY  (ÜJ,  1)  S.  229,  246. 


Kirchliche  Inquisition  in  Antonien.    Nicolans  Aymerich.  13 

Tempelherrn,  Nicolaua  Aymerich  der  Censor  und  Verfolger  der  Schriften 
fiaymundas  Lnllus,  hatten  yorubergehend  dieses  Amt  verwaltet^). 


Der  Dominikaner  Aymerich  stammte  aus  Gerona,  trat  in  den  ^^ 
Orden  im  Jahre  1334;  von  1357  an  war  er  (päpstlicher)  General-Inquisitor  «uor 
aller  Reiche   der  Krone  Arairon.     Unter   seinen  zahlreichen  Schriften  ^^^^ 

®  lieh. 

neimen  wir:  „Tractatos  gegen  diejenigen^  welche  die  Dämonen  anrufen 
und  sie  \rerehren^  —  1371,  woraus  erhellt,  dass  Verbrechen  dieser  Art 
Tor  das  Gericht  der  Inquisition  gehörten.  Eine  andere  Schrift  handelte: 
„Von  der  Jurisdiction  der  Kirche  und  der  Inquisitoren  gegen  die  Un- 
gläubigen, welche  Dämonen  anrufen.^  Eine  andere  Abhandlung  spricht 
von  der  „Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  gegen  die  Ungläubigen,  welche 
etwas  gegen  den  katholischen  Glauben  vollfährten^. 

Sein  „Anweiser  für  Inquisitoren'^  (Directorium  Inquisitorum)  er- 
schien zuerst  in  Avignon  —  1376,  wieder  in  Barcelona  —  1503;  mit 
Commentaren  zu  Rom  von  dem  Auditor  der  Rota  Franc.  Pena*). 

Dem  Papste  Clemens  VII.  widmete  er  einen  Tractat  gegen  die 
Lnllisten  (Anhänger  des  Raymund  Lullus)  —  1390.  Aber  „die 
Lnllisten''  brachten  es  dahin,  dass  der  Konig  D.  Juan  L  den 
N.  Aymerich  aus  seinen  Ländern  verbannte.  Im  Jahre  1396  befand 
er  sich  noch  in  der  Verbannung.  Im  Jahre  1398  war  er  wieder  in 
seiner  Vaterstadt  Gerona,  wo  er  am  4.  Januar  1399  starb*). 

Ein  Ungenannter  verfistsste  das  „Repertorium^  far  die  Inqui- 
sitoren^). —  In  Gastilien  dagegen  war  die  kirchliche  Inquisition  ganz 
erloschen.  Der  Franziskaner  AVphons  Espena  beklagte  es  im  Jahre 
1460,  dass  sich  in  Gastilien  kein  päpstlicher  Inquisitor  befinde  und 
dass  der  Christenglaube  von  Kezem  und  Juden  frech  verhöhnt  werde. 

Seit  der  erwähnten  Verfolgung  im  Jahre  1391  hatte  die  Zahl  der  m.  vin- 
schembar  Bekehrten  ungeheuer  zugenommen.     Schon  im  Jahre    1412  ^^,, 
und  den  folgenden  kam  eine  neue  Bewegung  über  und  unter  die  Juden,  nnd^e 
Der  heilige  Vincenz  Ferrer  zog  als  Glaubensprediger  durch  das  Land;  ^^^ 
und  gab  sich  die  äusserste  Muhe,  die  Juden  in  Masse  flir  das  Christen- 
tfaum  ZQ  gewinnen. 

Josua  Lorqui  (aus  Lorca),  nach  seiner  Bekehrung  Geronimo  de 
Santa  Fä,  Leibarzt  des  Papstes  Benedict's  XIII.  von  Avignon,  —  hofite 


0  EirdieDgeseh.  III,  1,  S.  289,  292. 

^  Die  idiBte  Handschrift  befand  sieh  in  dem  Kloster  der  Dominikaner  zu 
fittteloxia.  Es  ersehien  auch  1695  zu  Venedig  in  Fol.  Das  Werk  selbst  wurde  in 
^^on  gesehrieben. 

*)  Das  dortige  Capnzinerkloster  besass  ein  Mannscript  aller  seiner  Werke  in 
Dnplo  -.  in  11  Folianten.  —  cf.  Nicolaus  Antonio  Bibliotheca  Vetos,  t.  II,  p.  124, 
187, 188.  *-  Felix  Tones  Amat,  Escritores  Gatalanes,  p.  68—70. 

*)  Bepertoriom  inquisitorum  haeretioae  pravitatis.  -—  Valencia,  1484,  revidirt  von 
^^  Albertj  Juristen  in  Valencia. 


14  DreizehnteB  Bucb.    Erstes  Kapitel. 

im  Bunde  mit  diesem  und  Vinceoz  Ferrer  die  Jaden  zum  Cbristen- 
thum  zu  fuhren.  Mit  Wort  und  Schrift  eiferte  Vincenz  für  die  Be- 
kehrung der  Juden.  Da  er  wusste,  wie  viele  der  im  Jahre  1391  Bekehrten 
in  das  Judenthum  zurückgefallen,  so  wendete  sich  sein  Eifer  zunächst 
an  und  gegen  diese.  Dieselben  (die  Maranos)  legten  in  grossen  Massen 
ein  reumüthiges  Glaubensbekenntniss  ab,  so  dass  er  auf  die  Bekehrung 
aller  Juden  in  Spanien  hoffite.  Er  erhielt  die  Erlaubniss,  in  den  Syna- 
gogen (und  Moscheen)  zu  predigen,  während  die  Juden  gezwungen 
waren,  ihn  anzuhören.  Mit  mächtiger  Stimme  forderte  er  sie  auf,  unter 
dem  Kreuze  sich  zu  sammeln«  Am  12.  Januar  1412  erschien  für 
GastUien  ein  Edikt,  welches  die  Juden  zwang,  in  den  Städten  in  be- 
sondern Quartieren  (Juderias)  zu  wohnen,  die  nur  eine  einzige  Eingangs- 
und Ausgangspforte  haben  sollten.  Sie  sollten  kein  Handwerk,  nicht 
die  Arzneikunst,  und  kein  Geschäft  mit  Christen  treiben.  Es  war  ihnen 
eine  besondere  Tracht  vorgeschrieben.  Sie  sollten  ein  Abzeichen  von 
rother  Farbe  tragen*). 

Natürlich  traten  jezt  auf  Ferrer's  Predigten  viele  Juden  zum 
Scheine  oder  im  Ernste  in  die  Kirche  ein,  um  so  mehr,  als  auch  das 
christliche  Volk  in  seiner  Weise  dazu  drängte.  Man  hoffte,  dass  die 
Juden  überhaupt  in  Spanien  aussterben  würden.  So  traten  viele  Juden 
der  Gemeinden  von  Astorga,  Avila,  Benevente,  Burgos,  Leon,  Palencia, 
Salamanca,  Segovia,  Toro,  Valladolid,  Zamora  und  anderer  Städte,  wo 
Vinc.  Ferrer  predigte,  in  die  Kirche  über.  Es  sollen  über  26.000  Juden 
und  8000  Maureu  durch  die  Predigten  des  Vincentius  bekehrt  worden 
sein.  Verschiedene  Synagogen  wurden  in  Kirchen  umgewandelt,  so  die 
Synagoge  von  Salamanca  in  eine  Kirche  zum  heiligen  Kreuz*).  „In 
den  kaum  vier  Monaten^%  sagt  der  Jude  GhätZy  „während  welcher  (er) 
sich  im  Königreich  Castilien  aufliielt,  hat  er  den  Juden  so  tiefe  Wunden 
geschlagen,  dass  sie  daran  verbluteten.^  Vom  Jahre  1414  an  wurde 
die  Lage  der  Juden  wieder  gemildert.  Auch  in  Aragonien  wirkte 
Ferrer  mit  dem  gleichen  Eifer').  —  In  Saragossa,  Daroca^  Tortosa, 
Valencia,  Majorca  —  wurden  viele  Juden  bekehrt  Benedikt  XIII. 
hatte  auf  das  Ende  des  Jahres  1412  eine  grosse  Disputation  in  Tortosa 
Dispu-  veranstaltet.  Geronimo  de  Santa  Fe  war  der  erste  Disputator  für  die 
^^Jl*  Christen,    üeber  16  angesehene  Juden  fanden  sich  ein.    Sie  waren  der 

1418  n. 
Uld.     

')  Das  Edikt  bei  Alfomo  Espina  in  Fortalitiam  Fidel  UI  (gescfarieben  1459 
—  1460)  erschien  zn  Nürnberg  1491  (p.  93),  zu  Strassborg  1511,  1525,  1629,  zum 
Theil  unter  fremden  Namen. 

')  Bzovius  Annales  ad  a.  1412,  nr.  11,  (der  nur  von  Salamanca  redet).  Die 
Acta  Sctor.,  April  t.  I,  (5),  p.  495  — -  nennen  25,000;  Qrätz,  Geschichte  der  Juden, 
(V,  122)  nennt  '^0.000,  und  nach  einer  Variante  22.500  bekehrte  Juden. 

')  Raynald.,  annales  ad  ann.  1414,  nr.  19.  —Acta  Sanotor.,  p.  508. 


Geheime  Jaden.  —  „Maranos."  15 

gefahrvollen  Lage  keineswegs  gewachsen.  Sic  gaben  sich  Blossen,  und 
zerfielen  zalezt  in  Parteinngen,  von  denen  jede  einen  eigenen  Weg 
einschlug  *).  Die  Disputation,  „die  merkvrürdigste,  die  je  gehalten  wurde,^' 
zog  sich  vom  Februar  1413  bis  .12.  November  1414  hin,  während 
68  Sizungen  stattfanden')^  Benedikt  XIIL  wohnte  auf  seinem  Throne 
den  Sizungen  an. 

In  Bälde  besserte  sich  die  Lage  der  Juden.  Die  Folge  war,  dass 
sehr  viele  Bekehrte  theils  offen,  theils  versteckt  zum  Judenthum  zurück- 
kehrten. Sie  wurden  „neue  Christen^  oder  Maranos  (Marranes)  ge- 
nannt. Sie  lebten  in  Verbindung  unter  einander,  und  bildeten  eine 
eigene  Nationalitat®). 

Die  Gefahr  vor  ihrem  Proselytismus  wuchs  zusehends,  und  die 
Bischöfe  thaten  oder  konnten  nichts  dagegen  thun.  Der  Chronist  An- 
dreas Bemald&  macht  ihnen  den  Vorwurf,  dass  sie  die  im  geheimen 
schleichende  Pest  weder  bei  den  Königen  noch  bei  den  Päpsten  je  zur 
Anzeige  gebracht,  wozu  sie  doch  verpflichtet  gewesen  seien ^).  Die 
j^mosaische  Häresie^  nahm  nach  seiner  Ansicht  im  Reiche  Castilien  im 
Jahre  1390  (1391  ?)  ihren  Anfang,  seitdem  die  zum  Schj^in  bekehrten  Juden 
ihrem  alten  Glauben  im  Geheimen  treu  blieben.  Die  „neuen  Christen'^, 
die  Nachkoomien  jener  mit  Gewalt  Bekehrten,  waren  weder  Juden  noch 
Christen.  Da  sie  vielmehr  getauft  worden,  waren  sie  Häretiker  und 
ohne  Gesez.  Sie  fanden  Schuz  bei  Hohen  imd  Niedern,  „bei  Weisen, 
Gelehrten,  Bischöfen,  Ganonikem,  Mönchen,  Aebten^^).  Diese  heim- 
lichen Juden  hatten  sogar  den  Plan,  der  Königin  Isabella  das  Gesez 
des  Moses  zu  predigen. 

Die  Kluft  zwischen  den  „alten^  und  den  „neuen''  Christen  wurde  »Aite« 
immer  grösser.    Die  Juden   hatten  sich   des   Reichthums   des  Landes    ^q^« 
bemächtigt.    Durch  ihre  Hände   ging  die  Einziehung   der  königlichen  chH«- 
Renten  in  Castilien,  und,  was  noch  schlimmer,  ihren  Händen  war  die 
Ausübung   der  Gerichtsbarkeit   anvertraut.     Der   königliche   Rath   war 
voll   von    „Conversos*'    (neuen    Christen),      Viele    Meuchelmorde,    an 


')  Grätz,  V,  126. 

')  Orätz,  V,  127. 

*)  Jimt  (Jade),  Geschichte  der  Israeliten  bis  auf  unsere  Tage,  Berl.  1825, 
Thl  7,  8.  70.  —  ^Der  Zahl  nach  hatten  die  Juden  bedeutend  abgenommen. **  Orätz 
(V,  S.  235)  schätzt  ihre  Zahl  auf  150.000  im  Jahre  1474  gegen  800.000  im  Jahre 
1290  (in  Gastih'en). 

*)  Man  erinnere  sich  hiebei  des  scharfen  Verweises,  welchen  vor  dem  Jannar 
638  Papst  HonoriuB  1.  den  spanischen  Bischöfen  aas  demselben  fGrunde  ertheilt,  in- 
dem er  sie  „stamme  Hunde*'  nennt.  Eirchengesch.  II,  2,  S.  224—227.  Bemaldez, 
^  reyes  Oatolicos,  Gran.  1856,  t  I,  p.  97. 

*)  e  Sabios,  e  Contadores,  e  Secretarios,  e  Factores  de  Beyes  e  de  Grandes 
Sefiores  —  Bemald^z,  I,  97.  —  Ptdgar,  Crönica  de  los  Reyes  Catölicos.  Valencia» 
1780,  p.  136. 


16  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Ki^itel. 

Christen  vollbracht,  blieben  ungestraft ,  durch  ein  geheimes  Einver- 
ständniss  zwischen  Bichtem  und  Rathen.  Bei  ihrer  bekannten  Frucht- 
barkeit war  die  Zahl  der  Juden  in  der  lezten  Zeit  ungemein  gestiegen, 
während  die  Christen  in  Folge  der  Kriege  —  abgenommen  hatten. 
Viele  von  den  ^neuen  Christen''  lebten  ohne  alle  Religion,  so  dass 
man  auf  sie  die  Worte  des  heiligen  Augustinus  anwendete :  „Conversos, 
ergo  perverses''.  Der  Bischof  Paulus  von  S.  Maria  von  Burgos,  sowie 
seine  beiden  Söhne  machten  eine  rühmliche  Ausnahme.  Aber  was  waren 
einige  wenige  aufrichtige  und  gute  Convertiten  aus  dem  Judenthum 
unter  so  vielen  bösen? 


§.  8. 

Petrus  de  Cordova  y  Solier,  Bischof  von  Corduba  (1464 — 1476), 
hatte  seinen  Feinden  weichen  und  die  Stadt  verlassen  müssen.  Die 
„neuen  Christen"  waren  dort  sehr  reich  und  mächtig;  da  das  Kapital 
in  ihren  Händen  sich   befand,    so  litten   die  Katholiken  unter   ihrem 

Revolte  Drucke.    Am  14.  März  1473  ging  eine  Procession  durch  die  Strassen; 

*do^  ein  Mädchen  schüttete  Wasser  über   das  Gewand,   welches   die  Statne 
U7S.    der  seligsten  Jung&au  trug. 

Ein  Katholik,  erbittert  bei  diesem  Anblicke,  rief  aus,  man  solle 
das  Haus  verbrennen,  aus  welchem  Wasser  geschüttet  worden.  £in 
Cavalier,  Namens  Torreblanca,  widersezte  sich,  und  die  erzürnte 
Menge  stürzte  sich  auf  ihn.  Es  kam  zum  blutigen  Kampfe.  Die 
Katholiken  aus  dem  Volke  flüchteten  in  die  Kirche  S.  Francisco. 
Aguilar,  der  Führer  der  „neuen  Christen",  kam  dahin,  bemächtigte 
sich  durch  Wortbruch  des  Führers  der  Bewegung,  und  durchbohrte 
ihn  mit  einem  Lanzenstiche^).  Da  erhob  sich  das  ganze  Volk  gegen 
die  Adeligen  und  „die  Conversos".  Vergebens  suchte  es  Aguilar  mit 
seinen  Berittenen  einzuschüchtern;  es  verbarricadirte  die  Strassen,  und 
zwang  die  Adeligen  zur  Flucht  in  das  Castell.  Die  Häuser  der  „Be- 
kehrten" wurden  geplündert  und  in  Brand  gesteckt,  und  viele  ermordet, 
von  denen  die  Rede  ging,  dass  sie  nur  dem  Namen  nach  Christen 
seien.  Die  Grausamkeiten  der  „alten  Christen"  waren  -schreckltcb,  und 
rechtfertigten  das  Urtheil,  dass  sie  so  schlecht  seien,  als  die  „neuen 
Christen".  Die  Bewegung  gegen  die  (versteckten  Juden  ergriff  gaixz 
Andalusien,  beraubt  und  getödtet  wurden  die  „Bekehrten"  in  Montoro. 


0  Fic  de  la  FuerUe  führt  als  Gegenstück  an,  Ferdinand  „der  Katholische^ 
von  Aragonien  habe  einst  einen  Schuft  in  seinen  Palast  von  Saragossa  zu  Tafi> 
geladen,  und  ihn  ohne  einen  Schein  von  Cterioht  darch  die  Garotte  (das  eisernt 
Halsband)  erdrosseln  lassen.  Diess  habe  man  das  „Becht*'  jener  Zeit  genann 
(t.  V,  26). 


'  Vorspiele  der  Inquisition.    Die  Maranos.  17 

Bajaknce,  and  andern  Orten.  Aehnliche  Excesse  wurden  in  Baena, 
SeTÜla,  XeveZj  Ecija  mit  genauer  Noth  verhindert.  In  Jaen  ermor- 
deten die  ^alten  Christen^  den  Condestable  Miguel  de  Lucas,  während 
er  in  der  Cathedrale  die  heilige  Messe  horte;  sodann  wurden  ohne 
Schonung  des  Alters  und  Geschlechtes  ,,die  Bekehrten^  beraubt  und 
:retödtet.  Von  Andalusien  aus  pflanzte  sich  die  Bewegung  nach  Casti- 
lien  fort.  In  Segovia  vereinigte  sich  das  Volk  der  untern  Pfarreien, 
um  die  ,,Bekehrten^  zu  ermorden.  Gegen  es  stand  der  Alcalde  des 
Alcazar^  Andreas  Cabrera.  Es  kam  zum  blutigen  Kampfe  und  beide 
Parteien  erlitten  schwere  Verluste.  Angesichts  dessen  begann  die 
Auswanderung  der  „Bekehrten"  —  nach  Flandern,  nach  Italien,  oder 
in  die  Herrschaften  der  Adeligen  und  Magnaten,  von  welchen  die 
•neuen  Christen"  beschüzt  wurden.  —  Ein  Versuch  der  „neuen  Christen", 
sich  der  Festung  Gibraltar  durch  List  zu  bemächtigen,  misslang  ^). 

Aus  diesen  Bewegungen  geht  u.  a.  der  unversöhnliche  Gegensaz  ^^^' 
und  die  tödüiche  Feindschaft  zwischen  den  „neuen"  und  den  „alten  der 
Christen*  hervor.  Die  Einfuhrung  der  Inquisition  lenkte  den  Strom  ^'''**° 
ier  Erbitterung  in  ruhigere  Bahnen.  An  die  Stelle  der  Selbsthilfe,  der  judcn. 
Volksjustiz,  trat  jezt  das  richterliche  Verfahren  des  s.  g.  „heiligen 
Officio".  Selbst  der  Jude  Gräiz  gesteht:  „Das  gläubige  Volk  beschul- 
digte die  Marranen  (getauften  Juden),  wohl  nicht  ganz  mit  Unrecht, 
dass  ihnen  das  Christenthum,  das  sie  mit  den  Lippen  bekannten,  in 
der  Seele  zuwider  wäre.  Es  hiess,  sie  brächten  ihre  Neugebornen  ent- 
weder gar  nicht  zur  Taufe,  oder  wüschen,  wenn  getauft,  in  ihren  Häusern 
den  Flecken  der  Taufe  wieder  ab.  Sie  hätten  auf  ihrem  Tisch  keinen 
Speck,  sondern  Oel,  enthielten  sich  des  Schweinefleisches,,  feierten  das 
jüdische  Fassahfest  und  spendeten  Oel  für  die  Synagogen.  Sie  hätten 
ferner  keine  Hochachtung  für  die  Klöster,  entweihten  deren  Heilig- 
thämer,  und  verführten  die  Nonnen.  Die  Neuchristen  wären  ein 
!K:hlaue8  und  ehrgeiziges  Völkchen,  das  nach  den  einträglichsten  Aem- 
tem  haschte,  nur  an  Bereicherung  dächte,  und  anstrengende  Arbeit 
scheute.  Die  Keuchristen  selbst  betrachteten  sich  als  unter  Egyptem 
:<^bend,  and  hielten  es  für  erlaubt,  die  Christen  zu  betrügen  und  aus- 
z!3beuten.  Diese  Beschuldigungen  werden  wohl  nicht  auf  sämmtliche 
Neuchristen  gepasst  haben,  aber  das  Volk  war  voll  davon  und  hasste 
^ie  fast  noch  mehr  als  die  Juden*^ '). 

Zwei  verschiedene  Nationen  wohnten  neben  einander,  die  sich  bis 
2i]m  Tode  hassten;  auf  eine  Aussöhnung  oder  ein  ruhiges  Nebeneinander- 


*)  Orätz,  Geschichte  der  Juden  (von  1265—1492),  Bd.  V,  Leipz.  1864.  S.  232 
tm  244.  Vic.  de  la  FuenU,  Historia  ecleBia«^  de  Espa&a  T.  V,  Madr.  1874,  pag.  2'ö 
\ÄM  26  tcf.  Oomez  Bravo,  Historia  de  los  Obispos  de  Cordova,  t.  I,  pag.  '653— '664). 

'>  GriUz,  V,  241  u.  242. 

Garns,  tpAn.  Klrdia.  III.  8.  2 


18  Dreizehntes  Bnch.    Erstes  Kapitel. 

wohnen  konnte  man  nicht  mehr  hoffen.  Wenn  die  Konige. nicht  ein- 
geschritten wären,  wäre  ein  innerer  Ejieg  wohl  nicht  za  vermeiden  ge- 
wesen. Die  Gefahr  vor  dem  Proselytismus  der  Juden  wuchs  zusehends. 
Geistliche  und  Laien  wandten  sich  an  die  katholischen  Konige  um 
Schuz  gegen  dieselben.  Die  „Könige"  kamen  im  Jahre  1477  zum 
erstenmale  nach  Sevilla,  wo  der  Cardinal  Mendoza  den  Dominikaner 
Alfonso  V.  S.  Paul  als  Prediger  gegen  die  neue  Häresie  beschüzte.  Dieser 
Mönch  und  andere  Elatholiken  wiesen  die  „Konige''  auf  das  grosse 
Uebel  dieser  Häresie  hin,  und  forderten  auch  den  Cardinal  zum  Ein- 
schreiten auf. 

Alfons   von   Ojeda  war   Prior  des  Klosters   von   S.   Paul.    Mit 

ihm  verband  sich  der  Gerichtsbeisizer  Diego  Merlo,  sowie  Philipp,  de 

Barberis,   Grossinquisitor   von  Sicilien,    welcher   zu  Konig  Ferdinand, 

seinem  Souverän,  nach  Sevilla  in  Anliegen  seines  Amtes  gekommen  war. 

—  Im  Jahre  1478   entschlossen   sich   die   ^^katholischen   Könige'    zur 

Einfuhrung  der  Inquisition  (auch)  in  Castilien,   und   wandten  sich   an 

Papst  Sixtus  lY.   um  Bestätigung.    Der  Papst  gab   am    1.  November 

^*    1478  *)  die  erbetene  Bestätigung,   in  der  Erwartung,  dass  diese  Inqui- 

tion  g«-  sition  ein  rein  kirchliches  Institut  sein  werde.     Die  ^Könige^  erhielten 

gründet  (jjg  Vollmacht,   zur  Untersuchung  und  Bestrafung  der  Häretiker  zwei 

1484.    bis  drei  kirchliche  Personen,  Welt-  oder  Ordenspriester,  aufstellen  zu 

dürfen,  welche  mindestens  40  Jahre  alt,  von  reinem  Wandel,  Magister 

oder  Baccalaureen  der  Theologie,  Doctpren  oder  Licentiaten  des  cano- 

nischen  Rechtes  sein  müssten. 

Im  Jahre  1478  gab  auch  der  Cardinal  Mendoza  eine  Art  Cate- 
chismus  des  christlichen  Lebens  heraus,  einen  Abriss  dessen,  was  der 
Christ  zu  thun  und  wie  er  sich  zu  benehmen  habe,  von  seiner  Taufe  an 
bis  zu  seinem  Tode«  Daraus  aber  hat  man  nicht  mit  Becht  geschlossen, 
dass  er  die  Einführung  der  neuen  Inquisition  empfohlen  habe').  Doch 
unterstüzten  „die  Könige"  den  Cardinal  in  dem  Werke  der  Belehrung 
des  Volkes.  Als  sie  Sevilla  wieder  verliessen,  gaben  sie  dem  Stell- 
vertreter des  (mit  ihnen)  abwesenden  Cardinais,  D.  Pedro  Femandez 
de  Solis,  Bischof  von  Cadix,  dem  erwähnten  Corregidor  D.  Merlo,  und 
dem  P.  Alfons  von  S.  Paul  den  Auftrag,  die  Bemühungen  des  Erz- 
bischofs zu  unterstüzen  und  deren  Erfolge  zu  beobachten. 

Allein  die  verkappten  Juden  Hessen  sich  nicht  belehren  und  be- 
kehren. Es  erschien  eine  sehr  bittere  Schrif);  gegen  das  Vorgehen  der 
„Könige",  und  gegen  die  christliche  Religion  überhaupt,  welche  zu 
weiterm  Vorgehen  drängte.  —  Kraft  der  päpstlichen  Bulle  wurden  jezt 


')  Nach  Bemaldh  (l.  o.  p.  100)  im  Jahre  1480,  —  Die  Bulle  selbst  ist  nicht 
bekannt 

•)  Prescott,  Ferdin.  und  Isäbella,  Thl.  I,  S.  299. 


zwei  DomiDikaner  nach  Sevilla  entsendet,  der  FrOTinzial  Miguel  Monllo, 
Magister  der  Theologie,  nnd  Jnan  de  San  Martin,  Vicar  des  Ordens 
der  Dominioaner,  17.  September  1480.  Der  Yollmachtsbrief  der  Könige 
ist  am  27.  December  1480  anBgestelH ').  Als  Gehilfen  erhielten  die 
beiden  Dominikaner  den  Priester  D.  Jnan  Ruiz,  Rath  der  Königin, 
nDd  den  Hofpfarrer  Jnan  Ijopez  dcl  Barco  *).  Diese  Inqnisitoren  traten 
ohne  alles  kirchliche  Mandat  als  blosse  königliche  Beamte  ihre  Send* 
img  an. 

Das  tiene  Crericht   trat  sogleich  in  das  Leben.    Es  erliess   am  iBqnui. 
2.  Jannar  1481  eine  Instmctioa,  in  welcher  die  Fnnkte  oder  Merkmale  ti<»  in 
angeführt  werden,   an  welchen  man  den  geheimen  Jndfüsmns  der  s.  g.    j^g, 
(Denen  Christen"   erkenne.     Jedermann    wnrde   anfgefordert ,   alle   die- 
jenigen   zu    nennen,    an    welchen    diese    Kennzeichen    widirgenommen 
worden*). 

Der  Ek'lass  des  nenen  Gesezea  ging  znm  Theil  anch  g^^n  dsa 
Adel  von  Andalusien,  bei  welchem  die  „neaen  Christen"  stets  Schnz 
geüinden.  —  Denjenigen  wmrde  Verzeihung  angekündigt,  welche  ihren 
Itrthnm  innerhalb  einer  gewissen  Zeit  bekennen  würden.  Die  Namen 
der  Kli^er  oder  der  zur  Anzeige  Bringenden  sollten  Terschwiegen 
bleiben. 

Die  Zahl  der  Angeklagten  mehrte  sich  in  Bälde  so,  dass  der 
Gerichtshof  seine  Siznngen  ans  dem  Kloster  des  heiligen  Paulus,  das 
sich  innerhalb  der  Stadt  befand,  in  das  geräumige  Fort  Triana  in  der 
Vorstadt  verlegen  musste*). 

Die  Behauptung  des  A.  liorente  ist  aber  reine  Br6nduug,  dass 
d&a  Gericht  der  Inquisition  in  dem  einen  Jahre  1481  in  den  beiden 
Diöcesen  Sevilla  und  Cadiz  —  2000  Personen  habe  verbrennen  lassen. 
Uormte  hat  keinen  Gewähremann  für  seine  Behauptnng  (den  Sfariana 
^i  er  entstellt),  verräth  dagegen  überall  das  brennendste  Verlangen, 
die  Zahl  der  Hingerichteten  zu  ver^rössem*). 

'  ')  Er  Btebt  in  lib-  11,  lit  7,  nota  !■  der  Novisima  Beooplladon  de  lu  leyes 

de  EipASft,  dividids  in  XII  libroa;   Nneva  edicion,  Paria  1S32.  4.  voL  4*. 
*)  UoraUe,  I,  pag.  148. 

")  UarenU  meint,  dan  von  diesen  37  EeonEeichen  22  ^r  nidit  intreffen  oder 
nichts  beweisen  (I,  153—169).     Pregcott  tritt  seiner  Anaicht  bei,    and  erhebt  den 
.  dirduu  pvteiiBoben  Uorente  mit  onverdienteD  Lobapractaen.    Preseott,  t.  II.  der 
mipmiseben  Uobon.  v-  1848,  pag.  139—144). 

m  *]  Perrerat  sagt  (Paite  XI,  pag.  157  des  apan.  Werkea):  dasa  im  Jahre  1180 

;,    10  Sevilla  da«  «rate  Antodaf6  (Äctna  fidei)  statt  hatte,  in  welchem  7  hartnfickige 
Apostaten  anm  Fener,  viele  Betdge  aber  zn  andern  leichtem  ätrafan  venirthailt  wurden. 
^  D»  Thatsache  mag  richtig  sein;  daa  Antodafä  kann  aber  nicht  vor  dem  Jahre  1481 
<    >tUtgefiaden  haben. 

>)  LioreaU,  iV,  pag.  S43  n.  244.  f^lschUch  bemft  Moh  anch  O.  Moroni, 
iBdarn  et  diese  Bebanptang  wiederholt,  anf  Mariaaa  (L  24.  cp.  17).  Mariana  redet 


20  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel 

Es  trat  aber  bald  za  Tage,  dass  die  Inquisition  in  der  Hand  des 

absoluten  Konigthums  sei^   und  nur  durch  äussere  kirchliche  Formen 

sich  einen  kirchlichen  Schein  geben  wolle.    Schon  am  29.  Januar  1482 

erliess  Papst  Siztus  lY.   ein  neues   Breve,   worin   er   sich  beschwert, 

da;s6  die  Bestätigung  der  Inquisition  mittelst  falscher  Angaben  von  ihm 

erschlichen  worden  sei').    Er  tadelt  die  beiden  Inquisitoren,   welche 

Leute  gestraft  hätten,  die  irei  von  aller  Kezerei  seien«  .  An  sich  hätten 

sie  verdient,   von   ihm  abgesezt  zu  werden.    Er  wolle  aber  mit  Rück- 

^  sieht  auf  die  katholischen  Konige  davon  abstehen.  Der  Konigin  schenke 

Hon  aber  voUeu  Glauben,   wenn   sie  behaupte,  dass  sie  die  Kezer  nicht  des 

suata-  Gewinnes  wegen  verfolge. 

Am  23.  Februar  und  2.  August  1483  erliess  derselbe  Papst  zwei 
^^six  ^^^^'^^  Breven.   Er  fuhrt  Klage  gegen  König  Ferdinand  über  die  grosse 
tos IV.  Strenge  des  neuen  Gerichts^   und  fordert  die  Konige  auf,   Milde  und 
^*    Schonung  eintreten  zu  lassen,  besonders  wenn  die  Schuldigen  deutliche 
Zeichen  der  Reue  an  den  Tag  legten.  O.  Maroni  rechnet  es  den  romischen 
I%psten  zum  „ewigen  Ruhme"  an,  dass  sie  niemals  die  spanische  In- 
quisition an  sich  begünstigt,  sondern  stets  bemüht  gewesen  ^eien,   sie 
in  ihre  Grenzen  zurückzuweisen.  —  Allein  leider  befanden  sie  sich  in 
der  Defensive  gegenüber  den  Offensivstossen  dieser  Staatsanstalt'). 

In  dem  Breye  vom  2.  August  1483  verlangt  der  Papst,  dass  den 
von  der  Häresie  reuig  Zurückkehrenden  der  Besiz  ihres  Vermögens 
erhalten  werden  sollte. 

In    derselben   Zeit   wurde   nach    dem   Ableben    des    Alfons    de 
Carrillo  (1.  Juli  1482)  der  Cardinal  von  Spanien,  Gonzalez  de  Mendoza, 
auf  den  Primatialstuhl  von  Toledo  erhoben,  nachdem  er  14  Jahre  Erz- 
bischof von  Sevilla  gewesen').    Ihm  folgte  in  dem  Erzbisthum  Sevilla 
Jnicus  Manrique,  bisher  Bischof  von  Ja6n  —  1482,  der  aber  schon  im 
p.  siz-  Anfange  des  Jahres  1485  starb.    An  ihn  richtete  Papst  Sixtus  IV.  vor 
gtgendem  2.  August   1483   ein  Breve,  worin  er  ihn  zum  päpstlichen  Ober- 
^**®   richter  bestellte,   nm   die  gegen   die  Urtheile   der  königlichen  Richter 
tion.    eingelegten  Appellationen  im  Namen  des  Papstes  anzunehmen^).     Die 


aber  nicht  von  2000  Opfern  des  Jahres  148],  sondern  sagt,  dass  in  der  ganzen  Zeit 
(des  Inquisitors  Torquemada?)  so  viele  Opfer  gefallen  seien.  Moroni^  Dizionario, 
t.  68,  Venezia  1854,  pag.  110. 

0  Es  steht  b.  Llorente    t  IV,  p.  S45. 

*)  Balmes,  der  Katholizismus  verglichen  mit  dem  Protestantismas  (deutsch), 
Begensb.  1861,  Bd.  I,  S.  412—455,  Kap.  S6  a.  37.  —  Ranke,  Fürsten  und  Völker 
in  Sttdeoropa  im  16.  und  17.  Jahrhundert,  BerL  1827~-1836,  4  voL  Thl.  I,  S.  248. 
„Es  war  die  Inquisition,  durch  welche  die  unbedingte  Autorität  der  B^erung 
vollendet  wurde.** 

')  Kirchengesch.  lü,  1,  S.  432  u.  433. 

')  Llorente,  t.  I,  pag.  165  u.  166;  t.  IV,  pag.  352-^67  (hier  stehen  auch  die 
beiden  Breven  vom  23.  Febr.  und  2.  Aug.  1483). 


Die  InqniBition  in  den  Jahren  1483—1489.    Thomas  Torqnemada.  21 

königlichen  Inqnisitoren  waren  zuerst  Spanier,  dann  erst  Katholiken, 
nnd  Hessen  keine  päpstliche  Appellation  zn.  Da  nahm  der  Papst  selbst 
Appellationen  der  Angeklagten  an  ihn  an.  In  seinem  Edikte  vom 
2.  Aaguet  1 483  erklärt  er,  er  habe  noch  immer  die  Appellationen  vieler 
Spanier  aus  Sevilla  angenommen;  denn  dieselben  hätten,  aus  Furcht 
verhaftet  zu  werden ,  nicht  gewagt ,  an  den  Erzbischof  von  Sevilla  zu 
appelliren.  Er  fugt  bei,  dass  mehrere  der  Appellanten  die  Iiossprechung 
dorch  den  apostolischen  Stuhl  erlangt  hätten,  andere  sie  noch  erlangen 
würden.  Er  klagt  darüber,  dass  man  die  verschiedenen  Angeklagten 
kurz  vorher  gewahrte  Gnadenfrist  nicht  gehörig  beachte.  Noch  andere 
Mahnungen  fugt  er  bei,  und  fordert  „die  Könige^  zuletzt  auf,  zu  be- 
denken, dass  Barmherzigkeit  mit  den  Schuldigen  Gott  wohlgefälliger 
sei,  als  alle  Strenge,  dass  der  gute  Hirte  das  verirrte  Schaf  mit  un- 
endlicher Geduld  aufgesucht  habe.  Die  „Könige^^  mögen  gegen  Alle, 
welche  ein  aufrichtiges  Bekenntniss  ablegen,  Milde  walten  lassen,  ihnen 
den  Aufenthalt  in  Sevilla  oder  jedem  ihnen  beliebigen  Orte  gestatten, 
and  sie  im  Besize  aller  ihrer  Güter  lassen,  als  wären  sie  in  das  Ver- 
brechen der  Häresie  nie  gefallen^.  —  Die  Angeklagten  wendeten  sich 
anch  nicht  immer  nach  Rom,  um  Hilfe  gegen  Ungerechtigkeit,  sondern 
nur  um  mildere  Behandlung  zu  finden.  Viele  spanische  Flüchtlinge, 
welche  des  Rückfalls  in  das  Judenthum  überwiesen  wurden,  kamen 
nach  Rom.  Dort  wurden  einmal  250  solcher  Maranos  schuldig  gefonden.  nie 
Aber  nicht  Einer  wurde  hingerichtet«  Es  wurden  ihnen  verschiedene  ^J*^®^^ 
Bussen  auferlegt.  Sie  wurden  losgesprochen  und  sollten  unbeschadet  tomcIi 
ihrer  Ehre  —  nach  Spanien  zurückkehren  können.  Diess  geschah  ^^°^ 
freilich  zu  einer  Zeit,  wo  in  Spanien  die  erste  Strenge  der  Inquisition 
längst  einer  mildem  Praxis  Plaz  gemacht  hatte  (1498)')* 

Nach  dem  päpstlichen  Breve  vom  2.  August  1483  griff  man  jezt  Thomw 

Torqa«- 


')  Balmes,  I,  S.  426  n.  427. 

*)  Dass  Horenie  obiges  Edikt  des  Papstes  tadelt,  muBS  man  an  diesem  spa- 
nisehen  and  kirchlichen  Reneg;a€ien  begreiflich  finden.  Denn  weil  es  der  Papst  ge- 
Üum,  so  hat  er  übel  gethan  (t  I,  p.  168,  176).  Aber  dass  Pre^co^  in  dasselbe  Hom 
BtdsBt  (t  e.  p.  132),  kann  nnr  ans  Mangel  an  bessern  Quellen  erklärt  werden.  Unter 
den  Opfern  der  ersten  Zeit  nennt  er  drei  Kleriker  (diess  nach  Bemdldez,  l,  p.  100), 
▼enchiedene  Richter  nnd  Beamte.  Auch  er  redet  von  2000  Verbrannten  in  dem 
einen  Jahre  1481,  nnd  verdreht  den  Inhalt  der  päpstlichen  Erlasse  vom  Jahre  1483. 
Nach  ihm  hätte  der  Papst  die  „Könige"  ermuthigt,  in  dem  Werke  der  «Purification*' 
des  Landes  tapfer  auszuharren.  Llorente  sieht  die  wahren  Ursachen  der  Einführung 
der  Inquisition  in  Spanien  in  der  Habsucht  des  Königs  Ferdinand,  imd  in  dem  Ver- 
langen Slztus  IV. ,  die  bisherige  freisinnige  Kirchenverfassnng  Spanien's  durch  die- 
selbe zu  verdrängen.  Selbst  die  in  den  Jahren  1819—1822  gewiss  sehr  ,,frei8innige' 
T&bmgerTheoL  Quartalschrift  äussert  sich  entrflstet  fiberdie  beständigen  Uebertreib- 
nngen  und  Verdrehungen  Uarente's,  der  an  den  Päpsten  auch  das  Gute  tadelt,  weil 
es  die  Päpste  gethan  haben  (J.  1820,  S.  259—266;  J.  1822  S.  81—96;  S.  338—41).  — 


22  Dreizehntes  Buch     Erstes  Kapitel 

°^^^>  in  Spanien   zu   der  Politik,    mit  Hilte  Borns  von   Rom  loszukommen. 

inqabi-  Man  ging  y,ent8chieden  in  der  Sache,  aber  sanft  in  der  Form^^  voran. 
*^^'  Die  „katholischen  Könige'^  schlugen  dem  Papste  den  P.  Thomas  de 
Torquemada,  Prior  des  Klosters  zum  heiligen  Kreuz  in  Segovia,  als 
(ersten)  Grossinquisitor  für  Castilien  vor.  Der  Papst  bestätigte  ihn  in 
dieser  Eigenschaft,  mit  der  Vollmacht,  zur  Einsezung  weiterer  Unter- 
inquisitoren  zu  schreiten.  Diess  geschah  zwischen  dem  2.  August  und 
17.  October  1483.  Ein  weiteres  Breve  erliess  der  Papst  am  17.  October 
1483,  in  welchem  er  einwilligte,  dass  Torquemada  auch  Grossinquisitor 
für  das  Königreich  Aragonien,  mit  denselben  Vollmachten,  wie  für 
Castilien,  sein  sollte.  Für  Aragonien  waren  Inquisitoren  schon  aus  der 
frühern  Zeit  da,  welche  sich  nicht  ohne  Widerstreben  dem  neuen  Gross* 
inquisitor  unterwarfen.     Sie  mussten  weichen. 

§.  9. 

Thomas  Torquemada  war  im  Jahre  1420  zu  Valladolid  geboren. 
Seit  dem  11.  Februar  1482  war  er  den  ersten  Inquisitoren  als  Gehilfe 
beigegeben,  und  überragte  in  Bälde  seine  CoUegen  so  sehr,  dass  er  sie 
in  den  Hintergrund  drängte.  Von  ihm  stammt  die  eigentliche  Organi- 
sation des  „heiligen  Officiums^^.  Bisher  hatte  nur  der  Gerichtshof 
von  Sevilla  far  ganz  Spanien  bestanden.  Er  errichtete  in  Kurzem  vier 
Gerichtshofe,  in  Sevilla,  in  Cordova,  Jaen  und  in  Villareal  (später 
Oiudadreal),  welcher  zwei  Jahre  später  nach  Toledo  verlegt  wurde. 
Er  gab  denselben  ausfuhrliche  Statuten*).  Ferdinand  gab  ihm  einen 
obersten  Inquisitionsrath  aus  Theologen  und  Juristen  zur  Seite'). 
Torquemada  sollte  in  theologischen  Fragen  nur  den  Rath  dieses  Colle- 
giums  zu  hören  haben,  in  juristischen  und  bürgerlichen  Fragen  aber 
sollte  er  an  die  Mehrheit  der  Stimmen  gebunden  sein.  Die  Ernennung 
dieser  Räthe  erfolgte  ohne  Genehmigung  des  Papstes  oder  eines  Bischofs. 
Ob  die  Räthe  Laien  oder  Priester  waren,  fallt  dabei  nicht  in's  Gewicht. 
Sie  waren  von  vornherein  königliche  Beamte. 
^<«  Nach  dem  am  12.  August  1484  erfolgten  Tode  des  Papstes  Six- 

üon  und  ^^^  ^^-  folgte  ihm  am  24.  August  Innocenz  VIII.  als  Papst.     Auch  er 
p.  Inno- i)e8tätigte   die   neuen  Einrichtungen   am    11.   Februar    1486.     In   einer 
VIII.  zweiten  Bulle,   die  am  6.  Februar  1487  publicirt  wurde,  bestätigte  der 
(lAMbüpi^pg^  den  Torquemada  in   der  Würde   eines   Grossinquisitors    für   die 
Königreiche  Castilien,  Leon,  Aragon,  Valencia,  das  Fürstenthum  Cata- 
lonien,  und  die  übrigen  Theile  des  Landes.    In  derselben  Bulle  wurde 


')  Sammlang  der  Instructionen  des  spanischen  Inqnisitionsgerichtes.    Ueber- 
sezt  Ton  «7^  2>.  Retiss,  Hannorer,  1788,  S.  1—36. 
*)  LlorenU,  I,  p.  173. 


Piq)8t  Innocenz  VIII.  und  die  Inqaiflitioii.  23 

er  als  Special-Inquisitor  für  die  Stadt  und  das  Bistbum  Barcelona  ein- 
gesezt,  mit  dem  Rechte ,  sich  Delegaten  nach  seiner  Wahl  zu  substi- 
tuiren  ^).  Die  Vollmachten  der  frühem  Inquisitoren  wurden  widerrufen. 
Eine  Bulle  vom  3.  April  1487  befahl  allen  (auswärtigen)  Regierungen, 
anf  die  einfache  Requisition  Torquemada's,  alle  von  ihm  näher  bezeich- 
neten Flüchtlinge  festzuhalten,  und  sie  unter  Strafe  der  grössern  Ex- 
communication  an  die  Inquisitoren  zurückzusenden.  Nur  die  Monarchen 
waren  von  diesem  Anathem  ausgeschlossen'). 

Am  27.  November  1487  erliess  (nach  Uorente)  der  Papst  eine 
Dene  Bulle  in  Betreff  Solcher,  welche  durch  ein  päpstliches  Privilegium 
von  der  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  befreit  zu  sein  vorgäben.  Mit 
dieser  Bulle  war  die  Inquisition  unzufrieden.  Durch  ein  neues  Breve 
vom  17.  Mai  1488  suchte  der  Papst  den  Beschwerden  der  Inquisitoren 
abzuhelfen^. 

Dersdbe  Papst  erliess   bald  nach  dem  Antritte  seiner  Regierung 
eine  Bulle  an  die  Inquisitoren  in  Spanien.    Er  sagt  u.  a.:  „Wir  haben 
gehört,  es  seien  einige  Häretiker  in  jenem  Reiche,  jedoch  als   solche 
nicht  bekannt,  welche  gern  zur  Kirche  zurückkehren  würden,  wenn  eine 
Abschworung  ihrer  Irrthümer  im  Geheimen   zugelassen  würde,   da  sie 
Männer  in  Ehren  und  von  hohem  Ansehen  sind.^'    Er  ertheilt  nun  den 
Inquisitoren  die  Vollmacht,  dass  sie  Häretiker  jeder  Art  zur  geheimen  ^^^^^ 
Abschworung  zulassen  und  zu  der  Kirche  zurückführen  mögen.     Doch  und  die 
müsste   diess  in  Gegenwart   „der  geliebtesten  Söhne  in  Christus,   des  ^^^^^^' 
erlauchten  Königs  und  der  Königin  von  Castilien,  Leon  und  Aragonien 
gescliehen^),   damit,  wenn  Jene  wieder  in   den   alten  Irrthum    zurück- 
fielen,  sie   nicht  unter   irgend  einem  Verwände  der  Strafe  der  Rück- 
tälligen  sich  entziehen  könnten.^' 

Dieser  Schuzbrief  vom  15.  Juli  1485  ist  nicht  ganz  ohne  Folgen 
geblieben.  50  Häretiker  wurden  am  11.  Februar  1486  im  Geheimen 
absolvirt,  in  Gegenwart  Ferdinand's  und  Isabella's*). 

§.  10. 

• 

Die  Einfuhrung  der  neuen  Inquisition  in  Aragonien  und  Valencia 

fand  einigen  Widerstand,  besonders  bei  dem  Adel.    Ferdinand  kümmerte 

*)  Diese  Bnllen  werden  bei  lÄormie  (I,  p.  212)  nur  erwähnt 

*)  Auch  diese  Bnlle  begnügt  sich  LhrenU  nur  zn  citiren.  Warum  liat  er  den 
Text  zurückgehalten  (I,  pag.  263)? 

*)  Llorente,  1,  p.  248.  Von  diesen  Breven  hat  Uorente  den  Wortlaut  nicht 
mitgetheilty  und  es  ist  erlaubt,  an  ihrer  Aechtheit  zu  zweifeln. 

*)  Den  KOnig  nennt  er  zuerst,  und  wieder  zuerst  das  Land  der  Königin.  — 
Die  Bulle  steht  in  Raynaldi's  annales  ad  annum  1485,  nr.  XX,  und  ist  daraus  bei 
0,  CczsMy  Leben  des  heiligen  Arbuös,  abgedruckt,  p.  81  u.  82. 

•)  Llorente,  IV,  p.  295. 


24  Dreizehntes  Buch.   Erstes  Kapitel. 

sich  wenig  um  diesen  Widerstand.  £r  beseitigte  die  bisherigen  kirch- 
lichen Inquisitoren,  den  Dominikaner  Christoph  Gualb^s,  und  den 
Magister  Ortes.  Jenem  wurde  vorgeworfen,  dass  er  seine  Geipralt 
missbraucht  habe. 

In  den  Cortes  von  Tarazona  -^  1484  —  verbandelte  man  mit 
dem  Grossinquisitor  über  die  Weise  des  Vorgehens  gegen  die  Häre- 
tiker  und   die  der  Häresie  Verdächtigen.    Es  wurden  getrennte  Com- 

^*®    missions-  (Juntas)  Sizungen   gehalten.     Torqnemada   delegirte   als   In- 
tton  In  quisitoren   für  Aragonien    den  Dominikaner   Caspar  Inglar   von  Bena- 

^^'    varre,  und  den  Canonicus  an  der  Cathedrale  zu  Saragossa^  den  Magister 

1484/  Pedro  Arbues,  bekannter  unter  dem  Namen  Maestr-Epila,  weil  er  aus 
Epila  stammte. 

Für  das  Königreich  Valencia  wurden  Martin  Inigo  und  der 
Dominikaner  Fr.  Pedro  de  Epila  ernannt.  In  den  Cortes  von  Valencia 
erhob  sich  auf  den  Bänken  der  Ritter  Opposition.  Nach  drei  Monaten 
brachte  Ferdinand  diese  Opposition  zum  Stillschweigen.  Auch  zu 
Saragossa  und  Teruel  fehlte  es  nicht  an  Widerspruch,  nicht  so  fast 
gegen  die  Einsezung  des  „heiligen  Officiums^^,  als  gegen  die  neuen 
.  Formen,  unter  denen  es  sich  einführte,  welche  den  „Fueros",  und  der 
Art,  die  Gerechtigkeit  zu  verwalten,  in  diesen  Ländern  zuwider  seien. 
Die  Einziehung  der  Güter,  die  Heimlichkeit  des  Verfahrens,  indem  der 
Name  des  Anklagers  den  Verklagten  verborgen  blieb,  waren  für  die 
Aragonier  nicht  erträgliche  Neuerungen,  deren  Gesezgebung  schon  im 
15.  Jahrhundert  „die  fortgeschrittenste  und  freieste  in  Europa"  war')» 
Mittelst  des  mehr  oder  weniger  gewaltsamen  Einflusses  des  Königs, 
dem  sich  der  Klerus  und  ein  Theil  des  Adels  anschloss,  wurde  der 
Widerstand  besiegt. 

^*®  Aber  viele  von  den  ersten  Advocaten  zu  Sarafi^ossa  waren  „Neu- 

,, neuen  , 

chri«-  bekehrte'',    und    verwandt  mit  den  Juden,    sie  waren   reich   und  von 
ten«  In  grossem  Eiuflusse.     Sie  führten  Klage  bei  dem  „Justicia  major",  dem 

gosM.  obersten  Gerichtsbeamten  des  Königreichs;  sie  verlangten,  dass  den 
Inquisitoren  verboten  werden  solle,  nach  ihrem  neuen  Verfahren  vor- 
zugehen, vor  alleAi  aber,  Güter  einzuziehen.  Sie  boten  grosse  Summen 
Geldes  an,  nicht  bloss  dem  „Justicia  major",  sondern  auch  dem  Könige 
Tristan  de  la  Porta,  Stellvertreter  des  Justicia,  weigerte  sich  zu  ihren 
Gunsten  einzuschreiten.  Die  Verhandlungen  zogen  sich  in  die  Länge 
sie  hatten  aber  keinen  Erfolg,  weil  in  der  Zwischenzeit  eine  Ver- 
schwörung  gegen   das  Leben   des  Inquisitors  Petrus  Arbues  ausbrach. 


')  Ftc.  de  la  Fuente,  V,  pag.  30  u.  31 , 


Heib'ger  Petrus  Arbnte.    Seine  Jagend.  25 


§.  11. 

Bis  vor  Kurzem  wusste  die  Welt  diesseits  der  Pyrenäen  nur  von  dem 
grossen  Kezerrichter,  vielmehr  Kezervemichter  —  Thomas  Torquemada. 
Im  Jahre  1867  v^urde  aber  Petrus  Arbues,  erster  Inquisitor  im  Reiche 
Äragonien,  heilig  gesprochen,  und  seitdem  hat  man  in  diesem  vorher 
in  Deutschland  ungenannten  und  unbekannten  Manne  ein  sittliches  Un* 
geheuer  entdeckt,  wie  es  deren  in  der  Weltgeschichte,  zum  Tröste  des 
Menschengeschlechtes,  nur  wenige  Exemplare  gegeben.  Petrus  Arbues 
war  demnach  „ein  Greis^^  voll  Mordlust  und  voll  ^Elauhsucht.  Er  hat 
auf  Scheiterhaufen  und  andern  Schaffoten  so  viele  Menschen  vom  Leben 
znm  Tode  gebracht,  dass  er  weite  „Gegenden  entvölkerte^^  Diejenigen 
aber,  welche  ihn  die  zartesten  Saiten  aufziehen  lassen,  behaupten,  dass 
er  wenigstens  2000  Menschen  durch  Feuer  martern  und  sterben  liess. 
Was  sagt  dazu  die  Geschichte? 

Petrus  Arbues  sagte  drei  Jahre  vor  seinem  Tode  im  Jahre  1482 
aus,  dass  er  damals  ungefähr  40  Jahie  alt  sei.  Sein  Tod  aber  er* 
folgte  im  September  1485,  ein  Jahr  nach  der  Einfuhrung  der  Inqui-  •'?»«®°* 
Bition  in  Saragossa.  Wühelm  Kaulbach  hat  ihn  in  seinem  bekannten  Arba^. 
Tendenzgemälde  als  abgelebten  Greis  dargestellt.  Auch  in  Blättern 
and  Broschüren  wird  er  der  „Greis''  genannt.  Dass  aber  Jemand  in 
dem  Blütheoalter  von  (42)  40  Jahren  zugleich  im  Greisenalter  stehe, 
das  will  unserer  beschränkten  Einsicht  nicht  einleuchten.  Wenn  er 
aber  „Gegenden''  entvölkerte,  so  müsste  er  wenigstens  eine  Reihe  von 
Jahren  das  Amt  eines  Inquisitors  bekleidet  haben. 

Petrus  Arbues  wurde  um  das  Jahr  1442  in  der  Stadt  Epila  in 
Aragonien  geboren.  Seine  Eltern  waren  Antonio  de  Arbues,  und 
Sancia  Ruiz  de  Sadava,  beide  von  edlem  Geschlechte.  Petrus  hatte 
einen  altem  Bruder  Antonio ,  und  fünf  Schwestern.  Er  besuchte  die 
Universität  Huesca  in  Aragonien,  wo  er  in  der  Lernbegierde  wie  in 
der  Frömmigkeit  allen  Andern  voranleuchtete.  Er  erlangte  die  Würde  ®*^**^ 
des  Doctorats  in  der  Philosophie ,  und  wurde  als  Magister  in  den  Hnesc» 
Wissenschaften  erklärt.  Später  —  im  Jahre  1468  wurde  daselbst  ein 
Aasschuss  zum  Zwecke  einer  Verbesserung  der  Statuten  der  Uni- 
versität erwählt.    Arbuds  war  ein  Mitglied  dieser  Commission. 

Der  grosse  Cardinal  Aegidius  Albornoz  hatte  im  Jahre  1363  das 
weltberühmte.  „CoUegio  maggiore  di  S.  demente"  in  Bologna  für  "»*  ^• 
stadirende  Spanier  vom  Adel  gegründet.  Drei  junge  Aragonier  sollten  '**^°*' 
darin  Freipläze  haben.  Aegidius  Albornoz  war  selbst  Chorherr  in 
Saragossa  gewesen.  Darum  -bestimmte  er,  dass  das  CoUegium  der 
Canoniker  daselbst  zwei  von  diesen  jungen  Männern,  der  Erzbischof 
aber    den    dritten    auszuwählen    hätte.      Der    Erzbischof   wählte    den 


26  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Petrus    Arbues   für    seinen    eben    erledigten    Plaz    im    CoIIegio     von 
S.   demente*), 
s^^  Am  11.  März  1469  trat  Petrus  als^  Studirender  der  Theologie  in 

logna,  das  CoUegio  Major  ein.  Mit  besonderem  Eifer  verlegte  er  sich  auf 
1^^-  das  Studium  der  heiligen  Schrift.  Unter  seinen  Tugenden  leuchtete 
die  Demuth,  der  Gebetseifer,  die  Nächstenliebe,  die  Abtodtung  n.  a. 
hervor.  Schon  im  Jahre  1471  lehrte  er  an  der  Universität  zu  Bologna 
die  Moralphilosophie.  Am  27.  December  1473  erlangte  er  mit  Aus- 
zeichnung die  Würde  eines  Doctors  in  der  Theologie.  In  so  hoher 
Achtung  stand  er  damals  und  später  in  Bologna,  dass  diese  Stadt,  um 
sein  Andenken  zu  ehren,  allen  Convictoren  des  spanischen  Collegiams 
von  S.  demente  das  Ehrenbürgerrecht  von  Bologna  schenkte.  Die 
Zöglinge  des  CoUegiums  vollendeten  gewohnlich  erst  nach  acht  Jahren 
den  Lauf  ihrer  Studien  daselbst.  Petrus  aber  musste  nach  einem 
Aufenthalte  von  fünf  einhalb  Jahren  nach  Aragonien  zurückkehren. 

Er  wurde  am  30.  September  1474  zum  Ganonikus  von  Saragossa 
erwählt.      Das    Gapitel    bestand   aus    Regulär  -  Chorherren.     Dasselbe 
wurde  erst  im  Jahre  1604  säcularisirt'). 
hmL  ^"  Folge  dieser  Wahl   musste  Petrus  in  den  Orden  des  heiligen 

Sara-  Augustinus  eintreten.    Mit  allem  Eifer  bereitete   sich  derselbe  für  den 
'um'  ^^^^^^^^   ^^    ^^^    Ordensstand    vor.      Nach    zurückgelegter    einjähriger 
Probezeit  im  Noviziate  legte  er  am  9.  Februar  1476  in  der  Cathedrale 
des  heiligsten  Erlösers  die  Gelübde  in  die  Hände  des  P.  Michael  Ferrer 
ab,   welcher  damals  Prior  der  Chorherren  war.    Erst  nachher  empfing 
er  auch  das  heilige  Sacrament  der  Priesterweihe,  in  einem  Alter  von  etwa 
35   Jahren.    Bald    zog   er   die   Gläubigen   durch   seine   ausgezeichnete 
Gabe  der  Bede  an.     Er  predigte  sowohl  in  der  Cathedrale  als  in  der 
Kirche  S.  Maria  del  PUar.    Unermüdlich  war  er  in  dem  Beichtstuhle« 
Seine  Ihm  wurde  der  Unterricht  und  die  Leitunir  der  luncccn  KJeriker  über- 

Thütiir-  w         D 

keit.  geben.  Der  Armen  nahm  er  sich  mit  aller  Hingebung  an.  Um  ihnen 
dienen  zu  können,  entsagte  er  allen  Bequemlichkeiten  des  Lebens. 
Nebstdem  war  er  der  Seelenführer  vieler  nach  Vollkommenheit  streben- 
der Gläubigen. 


'}  Pineda,  Catalogas  illustrinm  virorum,  qai  in  inBigni  Collegio  Majori  S.  Cle- 
mentis  Hispanorum  Bononiae  degentiam  prodiere,  Bononiae,  1624.  —  OaHL  Qiordani, 
Cenni  storici  deU*  almo  real  Collegio  Maggiore  de'  Nobili  Spagnaoli  in  Bologna, 
Bol.  1834.  —  Cenni  storici  deir  almo  collegio  maggiore  di  San  Clemente  della 
nazione  Spagnola  in  Bologna,  das.  1855.  {Adolf  Wolf,  Sapplementband  za  Gft,  TUk- 
noT^s  GeBchichte  der  schönen  Literatur  in  Spanien,  deutsoh  v.  N.  H.  Julius  (Hamb. 
1853),  Leipzig,  1867,  S.  37). 

*)  Pennotti,  Historia  tripartita  totius  Ordinis  Clericomm  Ganonicomm  Regu- 
larium  S.  Augustini,  lib.  II,  p.  31.  —  Bonanni,  Catalogus  omnium  Ordinom  Religio* 
Borum,  artic.  20.  —  Blasoo  de  Lanuza,  Bistoria  .  .  ,  .  de  Aragon.,  t.  II,  L  V.  6wp,  5. 


Arbato  Inquisitor.  27 

Als  es  sich  am  die  Heraasgabe  eines  neaen  Missale  bandelte, 
übergab  Alfons  von  Aragonien ,  seit  14.  Aagast  1478  Erzbiscbof  von 
Saragossa,  ihm  die  Leitang  dieser  Angelegenheit,  zugleich  mit  den 
beiden  gelehrten  Canonikem  Martin.  Garcia  und  Juan  Cebrian. 

Am  4.  Mai  1484  wurde  Petrus,    zugleich   mit  dem  Dominikaner 
Caspar   Juglar    (oder   Inglar)    durch    Torquemada   als   Inquisitor  für 
Aragonien  erwählt    Diese  Wahl   beweist  die  grosse  Auetoritat,   deren  bt  wim 
er  sich  erfreute.     Alle   seine  Bemühungen ,    dieses   schwere   Amt  von  ^^^  ' 
sich   abzulehnen ,  blieben   ohne   Erfolg.  —  Der  neue  Gerichtshof  hatte 
seinen  Siz  bei  der  Cathedrale  Ss.  Salvador. 

Den  Gerichtshof  bildeten,  ausser  den  beiden  Genannten,  der  Cano- 
nikus  von  Calahorra,  Boderich  Sanchez  de  Zua^o,  femer  Juan  de  An- 
chias,  Petrus  Jordan,  Didacus  Lopez  von  Calatayud,  Juan  de  Exea 
und  Raymund  Mur,  Fiscaladvocat ').  —  Sie  leisteten  den  Eid,  ihren 
Pflichten  nach  besten  Kräften  nachzukommen.  Dieses  neue  Amt  hin- 
derte den  Petrus  Arbu&s  nicht,  alle  seine  frühem  Obliegenheiten  in 
vollstem  Umfange  zu  erfüllen,  und  noch  einen  grossen  Theil  seiner 
Zeit  dem  Gebete  zu  widmen. 


§.  12. 

Am  19.  September  1484  schwuren  der  Justicia  major,  der  oberste  Anfang 
Beamte  des  Königreichs  Aragonien,  Juan  de  la  Na9a,  und  eine  Anzahl  i^^^i. 
Richter,  Beamte  und  Deputirte  in  der  Cathedrale,  dass  sie  den  katho-  tionin 
lischen  Glauben  in  jeder  Weise  schüzen  und  vertheidigen,  dass  sie  auch 
die  geheimen  Häretiker  zur  Anzeige  bringen  würden.  —  Durch  seine 
Milde  und  Geduld,  durch  seine  innigste  Nächstenliebe  gelang  es  dem 
Petrus  Arbues,  viele  Irregangene  auf  den  Weg  der  Wahrheit  zurück- 
zufuhren. Einst  sprach  er  mit  solcher  Kraft  und  solchem  Eifer  zu  den 
Angeklagten,  dass  dieselben  der  Kraft  seiner  Worte  nicht  widerstehen 
konnten,  dass  die  einen  die  Versöhnung  mit  der  Kirche,  andere  die 
beilige  Taufe  verlangten,  und  die  Aufrichtigkeit  ihrer  Bekehrung  durch 
ihr  späteres  Leben  bewiesen.  —  Er  verbot  und  unterdrückte  die  ge- 
heimen Zusammenkünfte  der  Häretiker. 

Ob  zu  Lebzeiten  des  Arbuis  Hinrichtungen  von  s.  g.  „neuen 
Christen^^,  oder  getauften  Juden,  stattgefunden  haben,  ist  nicht  klar. 
Es  fehlt  an  bestimmten  Zeugnissen  der  Zeitgenossen.  Was  Schrift- 
steller JOO  oder  löO  Jahre  später  sagen,  ist  weniger  glaubwürdig. 
Von   Juan  Sperandeo,  einem  der  gedungenen  Morder  des  Petrus,  sagt 


Arago- 
nien. 


*)  Ludoo,  Paramo,  De   origine  et  progressu   officli   sanctne  inquisitionis, 
Madr.  1598.  pag.  180,  181. 


28  Dreizehntes  Bach.    Erates  Kapitel. 

Parafno^)y  er  sei  der  Sohn  des  Salvator  Sperandeo,  eines  Mannes  aus 
der  niedersten  Classe,  der  damals  wegen  Olaubenssacben  im  Gefang- 
nisse sich  befand,  gewesen.  —  Ans  der  Gefangenschaft  aber  kann  man 
nicht  auf  die  Hinrichtung  schliessen. 

Aus  einer  Stelle  bei  den  Bollandisten')  scheint  dennoch  hervor- 
zugehen^ dass  er  die  Schwester  eines  seiner  Morder,  des  Juan  de  La- 
badia,  zum  Tode,  wahrscheinlich  zum  Tode  durch  das  Feuer,  verurtheilt 
habe,  vielmehr  mit  dem  CoUegium  des  Inquisitionsgerichts,  verurtheilt 
habe.  Die  naheliegende  Vermuthung  ist,  dass  die  Hinrichtung  erfolgt 
sei.  Aber  bei  keinem  Gerichte  wurden  so  viele  Todesurtheile  gefallt, 
und  nicht  vollzogen,  als  bei  dem  der  Inquisition.  Jedoch  zugegeben, 
dass  die  Hinrichtung  wirklich  vollzogen  wurde,  so  muss  man  beachten, 
dass  bei  solchen  Entscheidungen  Einhelligkeit  der  Stimmen  erfordert 
wurde,  und  dass  wir,  weil  wir  die  Anklagepunkte  gegen  die  betreffende 
Person  nicht  kennen,  nicht  zu  ihren  Gunsten,  aber  auch  nicht  zu  Un- 
gunsten des  Gerichtes  entscheiden  dürfen,  das  sie  verurtheilte '). 

Paramo  sagt  nichts  von  Hinrichtungen.  —  Sein  Zeitgenosse 
Mariana,  der  in  Toledo  lebte,  und  die  Quellen  nicht  anfuhrt,  deren  er 
sich  bediente,  scheint  der  Zeit  nach  der  erste  zu  sein,  der  in  unbe- 
stimmter Weise  von  einigen  verhängten  Todesstrafen  redet*). 


')  Der  zwar  114  Jahre  spater  schrieb,  aber  fßr  dieses  Capitel  seines  Werkes 
schäzbare  Quellen  hatte.  —  Filius  Salvatoris  Sperandei,  infimi  hominis,  qui  pro  fldei 
causis  in  vinculis  costodiebatnr.  Paramo  p.  182.  —  Cf.  Acta  Sanctor.  t.  V.  Septembr., 
p.  733.:  qni,  teste  Oraciano,  in  ejnsdem  tribnnalis  carceribus  detinebator.  (Joann. 
Qraciano  y  Salaverte  schrieb  erst  im  Jahre  1670,  und  diesem  folgten  die  Bollandisten 
im  Jahre  1755.) 

^  Zum  17.  Sept,  welche  sich  anf  das  italienische  Yitae  Compendinm  des 
Seligen,  das  um  das  Jahr  1664  erschien,  berofen. 

*)  Acta  Sanctor.*  1.  c  p.  733,  753.  Joannes  de  Labadia  —  quiqne  eo  majori 
odio  beatum  Inquisitorem  perseqaebatar,  qnod  soror  illiul^  non  malto  ante  in  sacri 
tribnnalis  carcerem  conjecta  fuerat,  et  morte  damnata,  ut  habet  Vitae  Compendium 
nr.  9.  —  Joannes  de  Labadia,  ex  odio,  quo  Beatum  proseqnebator  ob  ignominiosam 
mortem,  qua  illius  soror  ab  eodem  trlbunali  panlo  ante  damnata  fuerat  etc. 

^)  Juan  Mariana,  Historiae  de  rebus  Hispaniae,  Üb  XX  (Uteinisdi)  Toleti,  1592, 
fol.;  libri  XXY,  Toleti  1595.  —  Historiae  hispanicae  appendix,  libri  21  ad  30.  Franeof- 
1616.  —  (libri  XXX,  Moguntiae  1605.)  Dieses  Werk  spanisch:  Toledo  1601» 
Madrid,  1608.  Im  Spanischen  heiBSt  es  —  Hb.  25,  cap.  8  von  Arbute:  y  eonforme 
ä  lo  que  hallaba,  castigabä  los  culpados  (und  entsprechend  dem,  wie  er  es  vorfand^ 
strafte  er  die  Angeklagten.)  Im  Lateinischen  heisst  es  (25,  8):  Graviore  facinore 
aliquante  post  civitas  (Saragossa)  universa  turbata  est.  Petrus  Arbuös  qnaestiones 
in  ea  urbe  de  religione  habere  coeperat.  NonnuUis  irrogata  supplicia  pravos 
quosdam  homines  libertino  e  genere  natos,  sive  libertatis  specie,  sive  ex  conscientia 
similia  metuentes  incitarunt,  nt  conjuratione  multorum  facta  Inquisitoris  capiti  in- 
sidias  struerent.  Mariana  druckt  sich,  vielleicht  mit  Absicht,  unbestimmt  ans;  „irro- 
gata supplicia"  sind  noch  nicht  „sumta  supplicia*  —  verhSngte  Todesstrafen  sind 
noch  nicht  vollzogene. 


Ob  Hinrichtnogen  stattgeAmden?  Das  Vorgehen  des  Arbo^  29 

In  ähDlicfaer  Weise  spricht  sich  der  kurze  italienische  Lebens- 
abriss  des  Heiligen  vom  Jahre  1664  (den  die  Bollandisten  mittheilen)  ^), 
aas.  Dieses  „korze  Leben"  sagt:  ,p[He  Todesstrafe  Weniger  erschütterte 
die  Gemüther  Vieler.  Diejenigen,  welche  unter  dem  Scheine  des 
christlichen  Glaubens  den  jüdischen  fSsdschen  Glauben  verhüllten, 
wurden  durch  die  genaue  Untersuchung  erschreckt,  von  der  sie  horten, 
dass  dieselbe  gegen  ihre  geheimen  Sacrilegien  angestellt  werde'). 

§.  12. 

Das  Kapitel  in  der  ,,kritischen  Geschichte  der  spanischen  Inqui- 
sition TOD  «7.  A.  IZorerUe^  enthält  fünf  Artikel  über  den  heiligen  Petrus 
Arbu^s,  in  welchen  A.  Uorente  in  Erdichtungen  weniger  Grosses  bietet, 
als  in  den  übrigen  Theilen  seines  Werkes'.) 

Er  sagt  also,    dass  die  Inquisitoren  Arbuds  und  Juglar  (welcher 
am  Ende   des  Januar  1485  gestorben  war)   einige  ,,neue  Christen'^  als 
jodaisirende  Häretiker  verurtheilt,  „und  es  ist  sicher,  nach  den  Original-  J**  ^" 
Processen,   welche  ich  zu  Saragossa  in  dem  Jahre  1813  gesehen  habe,  a.  i486 
dass  sie  in  den  Monaten  des  Mai  und  Juni  (1484?  1486?)  einige  oflFent-  ™^**" 
liehe  und   feierliche  Autodafe's   hielten,   und   dass   sie   dem  weltlichen «uttfui- 
Gerichte  unglückliche  Angeklagte  übergaben,  die  verbrannt  wurden^^^).   ^^^ 


*}  Cf.  die  Boüandisteii  unter  dem  Titel:  Vitae  eompendiom  *  oder  Vita 
brevis.    Ex  relatione  Italica  Bomae  impressa,  1.  c.  p.  752—754. 

*)  Paucorum  aupplicium  müUarum  mentes  perenssit,  qnique  ChristiaDae 
religionis  ementita  specie  Hebraieam  perfidiam  velabant,  coepemnt  percelli  aceurata 
indagatione,  qua  m  oocolta  sna  saorilegia  inquiri  audiebaat  —  1.  c.  p.  7ö3.  Man 
mott  aber  beachten,  daas  ein  Italiener,  der  um  das  Jalir  1664  schrieb,  weniger 
sicherer  Gewährsmann  ist 

Die  Worte  bei  Ifartana;  Nonnnllis  irrogata  snpplioia,  und  in  der  Vita  brevis: 
Paaeonun  supplicium  —  sind  so  gleiclilaatend,  dass  ich  vermnthe,  leztere  Worte 
seien  denen  des  Mariana  nachgebildet,  so  dass  der  eigenüiohe  Gewährsmann  Mariana 
wäre.  (S.  über  eine  andere  Stelle  einer  in  Bom  erschienenen  »Vita**  unten  bei  der 
.Zahl  der  Opfer  der  Inquisition."*) 

*)  Ich  dtire  nach  der  (ersten)  französischen  Ausgabe  dieses  Werkes  in  vier 
Banden:  Histoire  critiqne  de  1' Inquisition  d*Espagne,  par  J.  Änt  LlarenUy  Paris 
1817—1818.  touL  I,  p.  185—210.  ()  Etablissement  de  T  Inquisition  moderne  dans 
r  Aragon.  Erneutes  k  Sarragosse.  2)  Assassinat  commis  sur  la  persofie  du  premier 
biquisiteur  d' Aragon.  Bistoire  de  la  B^tification  du  premier  Inquisiteur  d' Aragon. 
Ponition  des  Assassins  comme  sospects  d'hörteie.  —  Von  Llorente  nehme  ich  die 
Weise:  Arbnte  —  zu  schreiben  an,  da  er  ein  gebomer  Aragonier  war,  und  zu  Sara- 
gossa studirt  hatte.  —  (J.  HefeUj  Der  Cardinal  Ximenes  etc.,  1851  —  „Llorente^s 
Person,  Charakter,  geringe  Glaubwürdigkeit,  Entstellungen,  Unzuverlässigkeit'', 
8.  330—349.) 

*)  Us  condamn^nt  quelques  nouveaux  chrötiens  comme  hörötiques  jndal&ans, 
ils  livrirait  k  la  justtee  s^nliöre  de  malheureux  accusös,  qui  furent  brulte.  Uorente, 
I,  p.  188. 


so  Dreizehotes  Buch.    Grates  Kapitel. 

Warum  hat  denn  Liarente^  der  so  viele  Processakien  abge- 
schrieben, gerade  von  diesen  keine  Abschrift  genommen?  Seiner  blossen 
Versicherung,  sie  gesehen  zu  haben,  können  wir  um  so  weniger  glauben, 
als  er  gleich  darauf  ohne  irgend  einen  Beweis  beifugt,  dass  das  in 
Castilien  errichtete  Tribunal  nur  in  drei  Jahren,  unter  der  Lieitung 
von  Mönchen  und  fanatischen  Priestern,  Tausende  von  Opfern  ge- 
schlachtet habe^).  —  Aber  auch  er  redet  nur  von  einigen  Opfern  der 
Inquisition  unter  Arbute. 

Der  neueste  Biograph  des  Heiligen,  CUua.  Cozza^y  schweigt 
über  diesen  Gegenstand,  ebenso  handelt  der  Erläuterer  zu  W.  Katd- 
bach's  Bilde  „Arbute^^  —  nicht  von  der  Zahl  der  Opfer  des  Arbues, 
sondern  nur  von  seinem  strengen  Vorgehen'),  —  Aber  ein  „namhafter 
Gelehrter  in  Franken'^ ^)  hat  entdeckt,  dass  in  der  Provinz  Aragonien 
2000,  in  der  Stadt  Sevilla  allein  von  1 185— 1520  4000  Menschen  ver- 
brannt worden  seien,  und  beruft  sich  dabei  auf  Faramo  (S.  189). 
Dieser  aber  redet  gar  nicht  von  der  Zahl  der  in  Saragossa  Hingerich- 
teten. Er  nennt  den  Arbuis  einen  heiligen  Märtyrer,  kann  also  un- 
möglich sagen,  dass  den  Verschwornen  in  Saragossa  kein  anderes 
Mittel  übriggeblieben,  als  ihn  zu  ermorden.  Wie  „der  Arbu^s^^  in 
dem  Bilde  Kaulbach* s^  so  sind  diese  2000  Schlachtopfer  eine  reine 
Erdichtung. 

Damach  kommen  wir  zu  dem  Ergebnisse:  Es  scheint  sicher, 
dass  vor  dem  Tode  des  Arbues  eine  Person  zum  Tode  verurtheilt,  eine 
andere  von  der  Inquisition  gefänglich  eingezogen  wurde.  Es  kann 
nicht  bewiesen  werden,  aber  es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  zu 
Lebzeiten  des  Arbues  einige  wenige  Personen  hingerichtet  worden. 
Von  da  bis  zu  2000  Schlachtopfem,  und  Entvölkerung  von  Gegenden 
ist  ein  weiter  Weg. 

Dass  Arbu&s  einer  Hinrichtung  persönlich  angewohnt^  oder  sich 
mit  Plünderung  der  Güter  der  Schlachtopfer  beschäftigt  habe  (wie 
Kaulha^h  gemeint  zu  haben  scheint),  zu  einer  solchen  Meinung  oder 
Behauptung  ist  nirgends  ein  Grund  zu  finden. 

§.   14. 

Man  hat  einen  andern  Weg  eingeschlagen,  um  den  Beweis  zu 
fiihren,  dass  Petrus  Arbu&s  mit  grosser  Grausamkeit  gegen  die  „Judaisten^' 


')  Avait  dej&  immolö  des  milliers  de  victimes. 
«)  Roma,  1867. 

')  Münoheo,  Ackermann,  1870  (Der  anonyme  VerfaBser  nennt  sich  später 
Ferd  Zimgihl).  S.  25—42. 

«)  AUgem.  Zeitg.  v.  6.  Ifai  1867. 


Zengnisfle  über  den  heiligen  Petrus  Arbnte«  31 

Totgängen  sei.  Man  hat  sich  auf  einzelne  Ansdrncke  der  Geschicht- 
schreiber Aragonien's,  Hieron.  Zurita,  Hieron.  Biancas^  Vinzenz  BUisco 
de  Lanuza  —  über  Arbnös  berufen,  und  darin  einen  Tadel  seines 
Vorfifehens  befanden.  —  Diese  Schriftsteller  lebten  mehr  als  100  Jahre  ^^»^^^' 

gehen 

nadi  Arbuto,  sie  waren  die  grossten  Lobredner  der  Inquisitionf,  undde«heii 
des  Arbute  insbesonders.  Vinc.  Bltzeco  de  Lanuza  hat  zudem  sein  ^'^«^* 
Leben  in  Versen  beschrieben  oder  besungen  *).  Also  müssen  ihre  Aus- 
drücke über  ihn  anders  verstanden  werden.  Hier,  de  Bianca  sagt  von 
diesem  und  seinem  Mitinquisitor  Juglar :  ,,Es  waren  zwei  ausgezeichnete 
und  vortreffliche  Männer.'^  Von  Arbues  sagt  er  noch  besonders:  „Er 
war  ein  gerechter,  ja  der  beste  Mann,  begabt  mit  der  seltensten  (sin- 
gnlari)  Güte  und  Bescheidenheit,  besonders  gebildet  in  der  heiligen 
Wissenschaft  und  in  der  Lehre ^).  Petrus  habe,  nach  Einfahrung  der 
Inquisition,  ,,mit  grossem  Eifer  sich  gegen  die  Juden,  L  e.  Judaisten, 
gewendet'^  Darum  traf  ihn  auch  der  bitterste  Hass  der  Juden.  „Sie 
selbst,  vom  bösen  Gewissen  ihrer  Uebelthaten  getrieben,  erwarteten 
mit  grosser  Angst,  wohin  das  neue  gegen  sie  eröffnete  Gericht  fuhren 
würde"*). 

Er  sagt  femer  von  ihm,  dasp  er  taglich  Gericht  hielt,  und  zwar 
mit  Fleiss,  Klugheit  und  Aufmerksamkeit.  In  diesem  Zeugnisse  liegt 
sicher  niclits  Tadelnswerthes.  Zwei  lateinische  Ausdrücke^),  die  man 
missverstehen  konnte,  haben  den  Sinn:  Arbuto  war  ein  sehr  eifriger 
Verwalter  seines  Amtes. 

Diese  beiden  Ausdrücke  bedeuten  nach  dem  Zusammenhange,  in 
welchem  sie  vorkommen,  bald  *ein  grosses  Lob,  bald  einen  grossen 
TadeL .  Man  sehe  ein  Lexicon  latinitatis,  etwa  das  von  Gesner,  nach, 
and  man  findet  bei  Cicero  Stellen  genug,  wo  „vehementer^^  gar  keinen 
Tadel  in  sich  schliesst;  z.  B.  admirari  vehementer  —  Cicero ^  Academ. 
4j  63.  —  Orat.  Philippic  8,  16,  cp.  5:  Vehementer  me  agere  fateor, 
iracunde,  nego.  Also  wird  hier  Heftigkeit  von  Erzürntheit  unterschieden, 
,,grausam'^  —  bedeutet  das  Wort  nie.  —  Marinaeus  8ic%dus,  des  Ar- 
bues Zeitgenosse,  nennt  den  heiligen  Vinzenz  Ferrer  einen:  orator 
Tehemenfi  —  (et  eloquentia  maxima  polieret),  nicht  einen  hizigen,  son- 
dern einen   gewaltigen  Redner  (ap.   Schott,   Hisp«  ill«,  t.  I,   p.  482). 


0  SaragOBsa,  1623. 

*)  Aragonensiiun  renun  Commentarii  —  Sarag.  1588.  Dann  in  t.  III  der 
HiaiHuila  {Uustrata,  ed.  Schott :  Faemnt  egregii  duo  et  praestantes  viri.  —  Petrus  — 
vir  qnidem  justos  et  optimiis,  siDgnlari  bonitate  et  modestia  praeditus,  inprimisque 
aKris  literls  excnltus  et  doctrina. 

*)  Hieron,  Biancas^  Aragonensiam  remm  Commentarii  ab  anno  704  ad  annom 
1588.  Zaragosa  1588,  abgedruckt  apud  Ändr.  Schott,  Hispaniae  illnstratae,  4  vol. 
-  Fnmkliirt,  1603—1606,  t  IH,  p.  706. 

*)  aoerrunna  and  vehementer  invehi. 


Die 


32  Dreizehntes  Boch.    Erstes  K&pitel. 

Bei  dem  Worte:  acer  (acerrimus)  aber  steht  bei  J.  Matth,  Qesner, 
(Novae  linquae  latinae  Thesaurus,  —  1749)  die  ganz  richtige  Erklärung: 
pro  forti  ac  vehementi  magnoque  gradu  cujusque  qualitatis  accipitiir 
(z.  B.  acerrimus  defensor  veritatis). 

Wenn  der  Historiker  Lanuza  (Vimenz  Laaco  de  L.)  gesagt  hat: 
,,Die8er  Knecht  Gottes  (Ärbues)  verfolgte  die  Häretiker  und  im  Glauben 
Verdächtigen  mit  grossem  Eifer,  und  es  gelang  ihm,  diese  Stadt  and 
das  Reich  von  allem  Unkraute  und  allem  üblen  Wesen,  das  sich  darin 
befand,  zu  reinigen"  —  so  ist  darin  gewiss  kein  Tadel  ausgesprochen. 
Die  Erfolge  aber,  welche  Ärbuds  in  so  kurzer  Zeit  erreicht  haben 
sollte,  sind  offenbar  übertrieben^). 

So  ergibt  sich  denn,  dass  keiner  der  spanischen  Schriftsteller  sich 
tadelnd  oder  anklagend  gegen  die  Art  und  Weise  des  Vorgehens  des 
zen  en  ^^^'^^^  Pctrus  ausspricht,  wcdcr  Paramo,  noch  Mariana,  oder  Zwrita, 
einig  in  Viuc*  Blosco  de  Lanuza  oder  Hieron.  de  Biancas^  vielmehr  sind  sie 
']^e^  einig  in  seinem  Lobe,  selbst  Lhrente  weiss  nichts  Stichhaltiges  gegen 
ihn  vorzubringen.  Die  Urheber  seines  Mordes  wollten  sich  auch  nicht 
an  ihm  wegen  des  Vergangenen  rächen,  sondern  sie  wollten  die  Be- 
amten der  Inquisition  einschüchtern,  und  dieselben  von  weitern 
Massregeln  abschrecken. 

Die  „neuen  Ghristen^^  hatten  es  dahingebracht,  dass  die  Stände 
des  Reichs  den  Petrus  Miguel,  den  Prior  des  Klosters  der  Augustiner 
zu  Saragossa,  und  den  Petrus  a  Luna,  Doctor  des  Civilrechts,  an  den 
König,  der  zu  Cordova  weilte,  sandten,  um  ihn  zu  der  Zurücknahme 
der  Privilegien  der  Inquisition  zu  vermögen.  Sie  beschwerten  sich  be- 
sonders darüber,  dass  das  Vermögen  der  Verurtheilten  eingezogen, 
und  den  Angeklagten  die  Zeugen  gegen  sie  nicht  mitgetheilt  werden 
sollten,  als  entgegen  den  Gesezen  von  Aragonien.  Sie  ho£^n  besonders 
die  Massregel  der  Einziehung  der  Güter  rückgängig  zu  machen.  Neben 
den  zwei  ofEciellen  Deputirten  hatten  sich  viele  „neue  Christen^^  nach  Cor- 
dova begeben;  sie  versuchten  es  auf  alle  Weise,  besonders  indem  sie  dem 
König  und  der  Königin  grosse  Tonnen  Geldes  anboten,  ihren  Zweck 
zu  erreichen.  Es  gelang  nicht.  Sie  hielten  inzwischen  verschiedene 
geheime  Versammlungen,  an  denen  auch  einige  Bitter  Theil  nahmen. 
Hier  beschlossen  sie  den  Mord  der  Inquisitoren,  wenn  es  nicht  ge- 
länge, das  Joch  der  Inquisition  auf  einem  andern  Wege  abzuschütteln. 
^®  Sie  beschlossen   also,    den  Petrus   Arbues,   den  Martinus   de    la 

Chris.  Baga,  Assessor  bei  der  Inquisition,  und  den  Petrus  Frances,  Deputirten 
tan''be-(}^g  Königreichs,  durch  Meuchelmord  aus  dem  Wege  zu  räumen.  Sie 
sen  sei-  suchteu     uach     Werkzeugen     zur    Vollbringung     des    Mordes.       Sie 


nen 
Hord. 


')  Aehnlich  spricht  sich  2jurita  Qber  die  Thätigkeit  des  Axbuös  ans,  Anales 
de  Aragon,  t  IV,  p.  341,  342. 


VerschwOrnng  gegen  P.  Arbnös  33 

besteaerten  sich  selbst,  und  brachten  eine  bedeutende  Summe  Geldes  zu- 
sammen, um  die  Morder  ,^abzulohnen^S  Sie  hofften,  dass  nach  Voll- 
bringang  des  Mordes  Niemand  mehr  ein  Amt  bei  der  Inquisition 
übernehmen,  und  der  Konig  selbst  aus  Furcht  vor  einem  Aufstande  in 
Aragonien  die  Inquisition  fallen  lassen  würde« 

Die  Verschworenen  legten  auf  alle  Aragonier  von  judischer  Ab- 
kanfl  eine  Steuer.  Es  ist  erwiesen^),  dass  Don  Blasco  von  Alagon, 
Herr  von  Sastago,  10.000  Realen  in  Empfang  genommen,  das  Ergcb- 
niss  dieser  Besteuerung,  bestimmt,  die  Morder  des  Magisters  Epila 
zn  besolden'). 

Nicht  bloss  die  „neuen  Christen^'  in  Saragossa  trugen  zn  dieser 
Samme  bei.  In  einem  Urtheilsspruche  gegen  einen  Juan  Perez  aus 
Calatayud  vom  13.  November  1489,  gebürtig  aus  Ariza,  wird  gesagt, 
dass  derselbe  mit  den  „neuen  Christen^^  der  Stadt  Calatayud  zu  den 
Kosten  des  Meuchelmordes  beigesteuert  habe.  In  dem  Processe  des 
Juan  Pedro  Sanchez,  der  am  30.  Juni  1486  „im  Bilde^^  verbrannt 
wurde,  ist  bewiesen,  dass  er  Urheber  der  Verschworung  gegen  Arbues 
gewesen,  und  dass  er  500  Gulden  in  Händen  hatte,  um  die  Meuchel- 
mörder zu  bezahlen. 

Der  schon  erwähnte  Juan  de  Abadia,   von  mütterlicher  Seite  her 
ans  jüdischem  Geschlechte,  übernahm  den  Auftrag,  die  Ausführung  des  ^^^  e«- 
Mordes  zu  leiten.    Die  eigentliche  Vollbringung  des  Verbrechens  wurde    ^"n* 
dem  erwähnten  Juan  de  Sperandeo ,   seinem   Hausgenossen   Vidal   de  vorder. 
Uranso,  aus  der  Gascogne,  auch  der  „Franzose^^  genannt,  dem  Matthäus 
llam,  Tristan  de  Leonis,   Anton.  Gran,   und  Bernard.  Leofante   über- 
tragen^.    Nach   Gius.   Cozza    wurden  Juan    de  Labadia  für  seinen 
Antheil  100  Gulden  versprochen.     Er  war  ein  Mann,  der  in  der  Schule 
des  Verbrechens  gross  geworden.    Derselbe  erscheint  überall  als  Vor- 
mann  der  gedungenen  Mörder,    obgleich    er  selbst   den  Mord   nicht 
vollbrachte. 

Die  Morder  suchten  lange  vergebens  nach  einer  Gelegenheit, 
ihrea  Plan  auszufahren.  Sie  wollten  eines  Tages  sich  auf  den  Assessor 
Martin  de  la  Raga  stürzen,  und  ihn  in  den  Fluss  Ebro  werfen.  Sie 
mussten  aber  von  ihrem  Plane  ablassen,  weil  er  eben  mit  dem  Gober- 
oador  Lope  Ximenes  de  Urrea,  und  mit  Philipp  de  Castro  zusammen- 
getroffen war. 


')  Naeh  den  Prozessen  gegen  Sancho  de  Patemoy,  Jnan  de  Abadia,  n.  a., 
^e  zo  Saragossa  verortheilt  wurden.  ^ 

')  LloTenie,  11  est  ^  en  effet  proavö,  qae  D.  Blasco  d' Alagon,  seigncur  de 
^^Btago,  avait  re^n  dix  mille  reanx,  provenans  de  cette  contribution,  destinöe  k 
B^er  les  assassins  du  Maitre  Epila.  —  Bd.  I,  p.  190. 

0  Diese  Namen  stehen  gleichmässig  bei  Paramo,  p.  182;  Lhrente,  1,  p.  190> 
191;  6iu9.  Cozza.  p.  88  u.  a. 

OtDi,  fptn.  KiKlM.  lU.  2.  3 


34  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Ihre  Vergebens   wurde  Arbu^s  wiederholt  gewarnt  und  gebeten,   dass 

Bchiede.  er  för  die  Erhaltung  seines  Lebens  Sorge  tragen  möge.    Er  überliess 

iionvor-  2Üles  der  Leitung  Gottes,  und  unterliess  nichts  von  allem  was  er  bisher 

gethan.     Die   Morder  waren   öfters   in   die   Kirche   S.  Engracia   und 

S.  Maria   del  Portillo   gekommen,   um   ihren   Plan   auszufuhren.      Sie 

schlichen  sich  in  einer  Nacht  in  das  Haus,  in  welchem  Petrus  wohnte. 

Es   war   die  Wohnung  der  Canoniker,   welche  an  die  Cathedrale   an- 

stiess.    Durch  das  Geräusch,  das  sie  verursachten,   indem  sie  bei  den 

.Fenstern    einsteigen    wollten,    wurden    sie   von    dem  Dienstpersonale 

entdeckt ,   und  mussten   sich   entfernen.  —  Um   in   die  Cathedrale    zu  | 

gelangen,  durfte  Petrus  nicht  in  das  Freie  heraustreten. 

Die  Morder  sahen  sich    also  veranlasst,   oder  gezwungen ,    ihren  ; 

Plan  in   der  Kirche   selbst  auszufuhren.    Sie   schlichen  sich  während  ! 

I 

der  Nacht  ein,   zu   der  Stunde,  in  welcher  Petrus  zur  Absingung  der  1 
Psalmen  der  Matutin  in  die  Cathedrale   zu   kommen   pflegte.     Li  der 
ersten   Nacht   entdeckten   sie  ihn   nicht.     In    der  kommenden   Nacht  | 
stellten   sie   sich   bei   den  Pforten   der  Kirche  auf.     Sie  wussten,  dassi 
Petrus ,   bevor   er  in  den  Chor  trat ,   an  einer  einsamen  Stelle  in  der 
Kirche  bete.     Die  einen  traten  durch  das  grossere  Thor  in  die  Kirche ! 
ein,  die  andern  durch  eine  Seitenthüre,   genannt  „Prevostia",  und  ver- 
steckten  sich   hinter  den  Säulen   und  Mauern.    Es  war  in  der  Mitter- 
ueber-  nacht   vom   14.  auf  den  15.  September    1485.      Petrus   trat  mit   einer 
Ermord- Laterne  in  die  Kirche  ein.    Er  näherte  sich  einem  Altare,   und  kniete 
nng  des  an  der  untersten  Stufe  auf  der  Epistelseite  nieder,  um  in  der  Stille  zu  I 
ligen.    beten.    Während  der  Chorgesang  schon  begonnen  hatte,    stürzten  8ich| 
die  Mörder  auf  ihr  ausersehenes  Opfer.    Der  Gascogner  Vidal  brachte  | 
dem   Heiligen   eine   todtliche  Wunde   am  Halse  bei,   Sperandeo    aber! 
durchbohrte  seinen  Arm  und  seine  Seite.     Voll  Ergebung   und  Sanfl- 
muth  sprach  der  Heilige:   „Gepriesen  sei  Jesus,   denn   ich  sterbe    für 
den  heiligen  Glauben'^^  und  so  sprechend  fiel  er  zu  Boden.    Sperandeo 
holte  zu  einem  dritten  Stosse  gegen  das  Haupt  des  Heiligen  aus.     Als  1 
er  aber   den  Vidal  fliehen   und  den  Heiligen  in   seinem  Blute   liegen  1 
sah,  hielt  er  ihn   fiir  todt,   und  ergriff  die  Flucht.    Im  Chore  saugen  | 
sie  eben  den   Vers:   Quadraginta  annis   proximus  fui  generationi  huic' 
—  40  Jahre  lang  war  ich  ganz  nahe  diesem  Volk  (der  Juden). 

So  lange  Petrus  noch  lebte,  hörte  man  aus  seinem  Munde  nichts! 
anderes,  als  Worte  zum  Lobe  Jesu  Christi  und  der  seligsten  Jungfrau.  I 
Er  wurde  in  seine  Wohnung  gebracht,  und  konnte  noch  bei  vollem 
Petrus  Bewusstsein  die  heiligen  Sacramente  empfangen.  In  diesem  Zustande  i 
liger.  lebte  er  noch  zwei  Tage,  stets  betend  und  gottergeben.  Wiederholt  I 
sprach  er,  dass  er  allen  seinen  Feinden  von  Herzen  vergeben  habe.| 
Als  der  Arzt  ihm  die  Nähe  seines  Todes  ankündigte,  sprach  er:! 
Laetatus    sum   super   his,   quae   dicta  sunt  mihi;   in   domum   domini 


Das  Volk  gegen  dio  Mörder.    Die  VorgSoge  nach  dem  Morde.  35 

ibimns;  icb  frene  mich  über  dfts,  was  mir  gesagt  worden;  wir  werden 
in  das  Haus  des  Herrn  eingehen.  Er  sprach  noch  aus  die  hei]i<;eii 
Namen  Jesus  und  Maria  —  und  sanft  athmcte  er  aus  im  Kusse  des 
Herrn.  Er  starb  am  17.  September  des  Jahres  1485,  in  einem  Alter 
TOD  etwa  43  Jahren^). 

Als  ein  Heiliger  hatte  er  gelebt,  er  starb  wie  ein  Heiliger. 

§.  15. 

Auf  die  schreckliche  Kunde  von  der  todtlichen  Verwundung  des    ^<^ 
Heiligen  in   der  Cathedrale   erhob   sich  das  Volk  von  Saragossa,   um  gen  du 
seine    Morder    aufzusuchen.     Alfons   von   Aragon,     Erzbischof ^    2u- >'^'^<''- 
gleich  Viceköuig  des  Reiches,  trat  dem  Volke  entgegen.    Er  erfreute 
sich  der  allgemeinen  Hochachtung,   besonders   wegen   seiner  seltenen 
Nächstenliebe.     Er  versuchte  alle  Mittel,  um  den  drohenden  Ausbruch 
des  Aufstandes   zu  verhindern«    Er  versammelte   um  sich  die  Minister 
des  Königreichs,   einerseits   um  die  Schuldigen   zur  Strafe   zu   ziehen, 
anderseits  um   die  Bewegung  des  Volkes   niederzuhalten*).     Er  stieg 
20  Pferde,  und  ritt,  begleitet  von  seinem  Hofe,  durch  die  Strassen  der 
Stadt,  und  redete  die  Volksmassen  mit  sanften  Worten  an.    Es  gelang 
ihm,  der  Bewegung  Herr  zu  werden. 

Der  Leib  des  Märtyrers  Petrus  wurde  mit  grosster  Feierlichkeit 
beigesetzt.     Die  Verschwomen    aber  hatten   den   weitern  Plan,    den 
Canonikus  Martin.  Garcia,   den  innigsten  Freund  des  P.  Arbues,   zu 
ermorden,  welcher  Plan  durch  energische  Maassregeln  des  Domcapitels    ^^ 
vereitelt  wurde*).    Sowohl  der  Erzbischof  als  das  Capitel   erstatteten    '^«m 
über  diese  Ereignisse  Bericht  an   Papst  Innocenz  VIIl.    Der  Archi-  ^^^^^ 
diakon  Petras  Olivar  aber  wurde  zur  Berichterstattung  an  die  „Konige^^  ^^ 
abgesandt. 

Zehn  Tage  nach  dem  Tode  des  Heiligen  richteten  die  Deputirten  ^^^  ^^' 
des  Königreichs  ein  Schreiben  an  Konig  Ferdinand,  das  uns  seinem  ^\on^° 
Wortlaute  nach  erhalten  ist^.  Die  Stände  sagen,  dass  einige  diabolische  Aragon 
und  nngläubige  Menschen  zwei  Dolchstösse^)  gegen  P.  Arbuös  aus-  Kunig. 
gelahrt,  den  einen  am  Halse,  den  andern  am  Arme,  während  derselbe 
iü  der  Cathedrale  gebetet  habe,  an  deren  Folgen  er  gestorben  sei.  Die 
Glocken  seien  geläutet  worden,  grosse  Volksschaaren  haben  die  Waffen 


*}  Qiu8.  Cotuta,  l  c.  p.  93—106. 

^  Zuriia,  AniJes  de  Aragon,  L  XX,  cap.  49;  65. 

*)  Lcmuza,  Vinoeat.,  de  vita,  morte  et  miracnlis  Petri  Arbuesii,  Saragoss. 
1G23,  Üb.  V,  cap.  16. 

*y  Bei  Joaquin  Tomeo  y  Benedido,  Zaragoza,  su  historia,  deBcripcioa,  glorias 
y  tndiciones,  Tom.  I,  Zarag.  1859,  p.  446,  447. 

*)  Cucbilladas. 

5* 


36  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

ergriffen,  um  sich  auf  die  Judeu  und  Mauren  zu  stürzen  ^).  Der  £rz- 
bischof  besonders  habe  diess  verhindert,  unterstüzt  von  den  Edlen, 
Lopez  Ximenez,  Phelip.  de  Castro,  und  Blasco  de  Alagon^,  zugleich 
mit  vielen  andern.  Die  Stadt  habe  sich  beruhigt.  Alles  erwarte  die 
strengste  und  genaueste  Untersuchung  gegen  die  Anstifter  und  Urheber 
der  Missethat,  wofür  die  Maassregeln  ergriffen  seien.  Die  Stadt  biete 
500  Gulden  denen,  welche  sie  entdecken  würden^).  Die  Richter  haben 
zur  Entdeckung  der  Verbrecher  in  das  Ausland  geschrieben.  „Es  ist 
Absicht  und  Wille  Aller,  sie  mit  aller  Schärfe  (auf  das  grausamste) 
zu  verfolgen  und  zu  strafen,  wenn  es  überhaupt  gegen  solche  Misse- 
thäter  noch  eine  Grausamkeit  gäbe^).  Das  Reich  und  die  Stadt  wolle 
alle  daraus  erwachsenden  Ausgaben  und  Mühen  gerne  tragen.  Diese 
Anzeige  erfolge  so  spät,  weil  die  Stände  geglaubt,  dass  der  Erzbischof 
und  die  Stadt  ihnen  hierin  vorangehen  werden.  „Möge  es  der  gött- 
lichen Majestät  gefallen,  diess  Verbrechen  an  das  Licht  zu  ziehen,  möge 
zur  Warnung  und  Strafe  für  andere  an  den  Schuldigen  eine  solche 
Execution  vollbracht  werden,  dass  sie  dem  Könige  zu  einiger  Genug- 
thuung  gereiche/'  Demüthig  bitten  sie  den  Konig,  seine  Augen  gnädig 
auf  dieses  Königreich  zu  richten,  das,  erschüttert  genug,  auf  dem  Wege 
des  Unterganges  sei,  wenn  der  Konig  nicht  Kettung  schaffe.  —  So 
schreiben  von  Zaragoza  am  26.  September  1485  —  die  Deputirten  des 
Königreichs  Aragonien.  —  Ihre  Sprache  zeigt,  dass  sie  den  Zorn  des 
Königs  fürchteten. 

Die  Untersuchung  nahm,   wie  natürlich,  lange  Zeit  in  Ansprach. 

Die  Inquisition   selbst  aber   hatte  durch  diese  Ereignisse  die  festesten 

Wurzeln  in  dem  Königreiche  Axagonien  gefasst    Jezt  war  keine  Rede 

mehr   von    ihrer   Abschaffung   oder  Milderung   des    Verfieihrens.      Die 

überschwänglichen  Lobsprüche,  in  denen  sich  u.  a.  Hieron.  Zvrita  und 

andere  über   sie  ergehen,   sind,   falls  sie   ganz  objectiv  und  aufrichtig 

schreiben,  eine  beredte  Apologie  derselben.    Zu  leugnen  aber  ist  nicht, 

dass  die  alten  Cortes  und  Freiheiten  des  Reichs  mehr   und  mehr    in 

die  Defensive  gedrängt  wurden. 

Doen-  Kur  uoch  zwci  Documente  über  die  nächste  Zeit  nach  dem  Morde 

T"jÜ^e  haben  sich  (nach  Joaq.  Tomeo)  erhalten.     Ein  öffentliches  Ausschreiben, 

i486,   ein  Bando  erging  im  Juli  i486.    Darin  wurde  erklärt,  dass  als  Eezer, 


■}  Se  armaron  infinitas  gentes  ^  toda  aquella  gente,  que  staba  armada,  — 
fablaba  de  matar  e  robar  d'has  gentes,  ö  &  mescla  la  juderia  ö  moreria. 

')  Sollte  diess  derselbe  Blasco  sein,  der  das  Depositum  der  10.000  Realen 
hütete?  Dieser  hatte  allerdiogs  allen  Grund,  seine  Freunde  vor  der  VolksjaBtis 
zn  scbüzen. 

')  Ofifrecimientos  de  ein  cientos  florines  &  qaien  lo  descubriese. 

*)  Intencion  y  volnntat  de  todos,  persegair  e  castigarlo  crudelisimement,  si 
res  cruel  se  pnede  pensar  contra  tales  delinquientes. 


Die  Vorgänge  Im  Jahre  1186.    Verehrung  des  F.  Arbuös.  37 

rnckfallige  Jaden  (jadaizantes)  und  Mitschuldige  an  dem  Morde  des 
P.  Arbnes  verurtheilt  worden  seien:  Juan  de  Pero  Sanchez,  micer  Juan 
de  Santangel;  mosen  Pero  Manyos,  micer  Pedro  MoiBPort,  Pedro  de 
Vera  y  Garcia  de  Moros,  beide  Notarien,  und  sehr  viele  Personen  von 
Tcrschiedenen  Geschlechtern  und  Standen,  vrelchc  sich  in  den  Schuz 
einiger  (neuen?)  Christen,  ihrer  Mitschuldigen  und  Genossen,  begeben 
hätten.  Ausser  der  gewohnlichen  Amnestie  wurden  denjenigen,  welche 
sie  ausliefern  würden,  die  Guter  der  Ergriffenen  versprochen').  — 
Diese  worden  also  im  Jahre  1486  zunächst  in  contumaciam  verurtheilt. 
Ob  sie  ausgeliefert  oder  entdeckt  wurden,  wird  nicht  gesagt*). 

Bei  Joaq.  Tomeo  finden  wir  noch  ein  anderes  Aktenstück.  Es 
ist  ein  Auszug  aus  dem  Buche  der  Contos  (Cuentas)  der  Cathedrale 
aus  dem  Jahre  1486.  Der  unbekannte  Buchführer  schreibt:  „Item 
warde  mir  am  13.  Juli  aufgetragen ,  einen  Anschlag  für  das  kleine 
Holz  der  Schaffotte  zu  machen,  als  man  den  Vidal,  den  Franzosen, 
und  den  Sperandeo,  Mörder  des  Maestre  Epila  • —  aburtheilte.  In 
Accord  übernahmen  es  Cabanyas  und  ein  anderer  Geselle;  ich  gab 
ihnen  l  Sueldo  (Sou),  6  Heller').  Darnach  wurden  die  beiden  Mörder 
wohl  mit  einander  hingerichtet. 


§.  16. 

Bald  nach  seinem  Tode  errichtete  man  dem  P.  Arbufes  ein  pracht-  i>onk-^ 
volles  Monument,   in  welchem  sein  Leib   am   8.  December    1487   bei-  p.  Ar- 
gesezt  wurde.     Die  Inschrift  wurde  eingegraben:  „Wer  ist  es,   der  in**"^«  '" 
diesem  Grabe  ruht?  Ein  anderer  felsenfester  Mann  ist  es,  dessen  Tugend 
alle  Juden   von   hinnen   treibt     Denn  der  Priester  Petrus  ist  der  sehr 
feste  Fels,    auf  welchem  Gott  sein  Werk  gegründet  hat.     Glückliches 
Saragossa!  freue  dich,  an  dieser  Stätte  den  beigesezt  zu  sehen,  welcher 
ist  der  Kahm  der  Märtyrer.    Fliehet  rückwärts  von  hier,  fliehet  schnelle, 
ihr  Juden.   Denn  der  kostbare  Stein,  der  Hyacinth,  vertreibt  die  Pest*). 


')  Maehiaimas  personas  de  distintos  sexos  y  clases,  que  se  ampararon  de 
algQDoa  (naevos?)  cristianos,  cömplices  y.  companeros  suyös.  Admäs  de  las  indul- 
gesciaa  de  costambre,  prom^tese  en  esto  bando  al  que  los  entregue  los  biencs 
del  preao. 

')  Ebenso  kOnnte  die  Schwester  des  J.  Labadia  zwar  zum  Tode  verartheilt, 
ftber  doch  nicht  hingerichtet  worden  sein. 

')  libro  de  cuentas  de  1486.  —  Item  k  13  de  Jolio  me  fuä  mandado  ficicse 
pQyar  h  fiista  de  los  cadaholsos  de  cuando  sentenciaron  ä  Vidan,  franci^s,  y  a 
SperaodeOy  homicida  (as?)  de  maestre  Epila:  puyäronla  Cabanyas  y  un  otro  peon; 
^iles  1  sneldo,  6  dineros.  —  Archiv  de  la  Cathedral.  1.  c.  p.  448. 

*)  Qitis  jaoet  hoc  tumulo?  Alter  fortissimus  lapis,  qui  arcetvirtnte  cunctos  a 
Be  Jadaeofl.  Est  eoim  Petras  sacer  firmissima  petra  supra  quam  Dens  edificavit  opus: 


38  Dreizehntes  Burh.    Erstes  Kfipitel. 

Ferdinand  und  Isabella  Hessen  dem  Arbuis  eine  Statae  von  Stein 
errichten,  mit  der  Inschrift:  ,,Der  ehrwürdige  Magister  Petras  von 
Epila,  Canonikus  an  dieser  Cathedrale,  wurde,  während  er  nach  seiner 
Pflicht  standhaft  gegen  die  Häretiker  inquirirte,  hier,  wo  er  begraben 
ist,  von  denselben  durchbohrt  —  am  15.  September  1485').  Auf  Be- 
fehl Ferdinand's  nnd  Isabella's,  der  Regenten  „in  beiden  Spanien^'  (?). 
Ein  Basrelief  unten  an  der  Statae  stellte  einen  Theil  des  Ereignisses 
dar.  —  In  der  Kapelle,  yrelche  den  Namen  des  Heiligen  erhielt,  war 
an  der  Seite  seines  Grabes  eine  andere  Inschrift:  „Dieselbe  Konigin 
Elisabeth  von  Spanien  hat,  zum  beständigen  Beweise  ihrer  frommen  ' 
Verehrung,  dem  Confessor  (vielmehr  aber  dem  Märtyrer)  auf  ihre 
Kosten  diess  Denkmal  errichten  lassen^^'). 

In  dem  Processe  der  Seligsprechung  des  Petrus  wird  ein  doppeltes 

Wunder  hervorgehoben,   welches   sich   bald  nach  dem  Tode  desselben 

Wander  ereignete.    Damach  trat  am  17.  und  29.  September    1485,   genau   an 

*"  •®'"  der  Stelle,   an  welcher  Petrus  ermordet  worden ,   das   inzwischen   ver- 
nein '  ' 

Grabe,  schwundcue  Blut  wieder  hervor.  Es  war  während  der  Vesper,  als  der 
Psalm  gesungen  wurde:  Dens  laudem  meam  ne  lacueris.  Der  Notar 
Petrus  Lalueza  —  nahm  desswegen  ein  doppeltes  Protokoll  auf.  Das 
Protokoll  ist  unterschrieben  von  sieben  und  drei  Zeugen.  In  dem  Be- 
richte iür  die  Seligsprechung  des  Petrus  lesen  wir:  Saragossa:  An- 
gelegenheit des  Dieners  Gottes  Petrus  de  Arbuös,  genannt  Magister 
Epila.  „Auf  den  Bericht  Seiner  Eminenz  des  Herrn  Cardinais  Sacchetti 
in  der  Angelegenheit  der  Seligsprechung  des  Dieners  Gottes,  Petrus 
de  Arbu^,  hat  die  in  Gegenwart  seiner  Heiligkeit  Alexander  YD. 
stattgefundene  Versammlung  der  Gongregation  der  Riten  erklärt,  das 
Wunder  des  Wiederhervorfliessens  und  der  Vermehrung  des  Blutes 
sei  bewiesen,  welches  ein  und  ein  zweitesmal  am  zweiten  und  zehnten 
Tage  nach  der  Verwundung  des  Dieners  Gottes  aus  dem  Boden  der 
Kirche  hervorgetreten  war.    Am  17.  Januar  1663'). 


Caesnr  augasta,  gande  beata  quae  Martirum  decus  ibi  sepultom  habes.    Fogite  hinc 
retro,  fugite  cito  Judaei.    Nam  fugat  pretioBUB  pestem  hyaolnthas  lapis. 

*)  Der  Wortlaut  der  verschiedenen  Inschriften  Ist  bei  Llorente  (I,  S.  193)  und 
bei  Gius.  Cozza  (p.  120—140)  keineswegs  gleicblaatend,  wenn  auch  im  Ganzen  der 
Sinn  derselbe  ist 

')  Llorente  l,  p.  193,  194.  Nach  Horente  bezieht  sich  „die  Verehrung"  auf 
Arbnös,  nach  Cozxa  (p.  140)  auf  Christus. 

*)  Sacra  ritanm  Gongregatio  habita  coram  Sanctissimo  censuit  constare  de 
miracnio  eifervescentiae  et  mnltiplicationis  sanguinis,  qui  semel  atqne  itenun  secunda 
et  daodecima  (die?)  post  inflicta  in  Dei  servam  volnera  e  Uteritio  Ecclesiae  solo 
cniperat.  Die  17  Januaril  1663.  —  S.  das  doppelte  Notariats-ProtokoU  —  in  Acta 
Sanctor.  1.  c,  p.  735—737.  —  O.  Cozza,  p.  129—132;  es  steht  auch  bei  Bzomtis, 
Annales  ad  annnm  1485  —  nr.  XI,  welcher  dass.  ans  Hieron.  Bianca  Commentar. 
—  entnommen  hat.  Dagegen  sagt  Mariana:  XXIV,  8  —  quo  tempore  fervere  aangnis 


Process  der  Seligsprechung,    Die  Verehrung  des  Heiligen.  39 


§.  17. 

Ea  ist  unbestreitbar,  dass  Petrus  seit  seinem  Tode  als  Märtyrer 
und  Heiliger  verehrt  wurde ,  wie  der  Process  der  Heiligsprechung 
nachweist.  Weil  viele  Leidende  und  Kranke  an  seinem  Grabe  Heilung 
gefanden  zu  haben  glaubten,  strömte  immer  mehr  Volk  bei  demselben 
zusammen.  Zahlreiche  Votivtafeln  wurden  in  dankbarer  Erinnerung  an 
die  durch  seine  Fürbitte  erlangten  gottlichen  Wohlthaten  an  seinem 
Grabe  angebracht.  Nachdem  die  Cathcdrale  wegen  des  in  ihr  voll- 
brachten Mordes  ein  Jahr  lang  unter  dem  Interdikte  gestanden  war, 
wurde  am  28.  September  des  Jahres  1486  das  Gedächtniss  des  Hei- 
ligen mit  grossem  Glänze  gefeiert.  An  diesem  Tage  ruhten  die  Ge- 
schäfte, wie  am  Feste  eines  Heiligen'). 

Im  Jahre  1490  verheerte  eine  furchtbare  Pest  das  Land,   welche 
auch  viele  Bewohner  Saragossa's   hinwegrafile.     Die  Stadt  nahm  nun 
ihre  Zuflucht  zu  der  Fürbitte  ihres  Martyrer's  bei  Gott;  die  Pest  hörte 
bald  auf,  während  sie  noch  in  den  angrenzenden  Landstrichen  wuthete. 
Die  Municipalbeamten  der  Stadt,   Petrus  Torelas,  Lorenzo  Molon  und 
Albert  von    Oriola ,   beriefen    eine    Versammlung')     Sie   beschlossen, 
den  Märtyrer    als   ihren   besondem   Patron    anzurufen.     Eine  silberne 
Lampe,  im  Gewicht  von  50  Unzen,  sollte  an  dem  Grabe  des  Heiligen    ^" 
leachten.    Der  Quaestor  der  Stadt  sollte  dafar  sorgen,  dass  auf  deren  Licht  an 
Kosten  das  Licht  dieser  Lampe  am  Tage   wie  in- der  Nacht  nie   er-  ««*"«" 
lösche.    So  wurde  es  gehalten,    und  so  ausgesprochen,  dass  die  Stadt 
itn  als  Heiligen  verehre*). 

Im  Jahre  1548  hiengen  an  dem  Grabe  des  Heiligen  schon  sechs 
silberne  Lampen,  und  zahlreiche  Weihgeschenke.  Sein  Fest  wurde 
am  15.  (später  am  17.)  September  so  feierlich,  wie  das  der  Märtyrer 
Valerius  und  Vincentius  begangen.  Im  Jahre  1535  (nach  andern  1539) 
legte  Kaiser  Karl  V.  dem  Papste  Paul  HI.  die  Bitte  vor,  der  Process 
der  Heiligsprechung  möchte  eingeleitet  werden.  Philipp  HI.  und 
Philipp  IV.  wiederholten  in  den  Jahren  1614  und  1622  dieselbe  Bitte. 


^QB  est,  niü  ocnlomm  ludibria  fuemnt,  und  Joaq,  Tomeo  sagt  im  Jahre  1859: 
^  este  prodigio  tan  decantado  ni  el  menor  rastro  ni  Inz  ha  hallado  el  aator  apesar 
de  BUS  escmptüosas  investigaciones  (was  freilich  nichts  dagegen  beweist).  —  i.  c 
-  P-  446. 

*)  Der  Geriditshof  des  Königreichs  hatte  an  diesem  Tage  seine  Sizuogen  ein- 
gestellt   Cozea,  p.  138  ans  den  „Prooessi**  der  Heiligsprechung,  fol.  1011. 

*)  S.  ProcesBi,  fol.  72. 

*)  Marione^  XXV,  8.  —  Deereto  Senates  aliquante  post  addita  lampas  sepulcro: 
^Qud  nisi  consecratis  hominibus,  coeloqne  dicatis  non  datur.  — «  Acta  Sanctor., 
P.  "m.  -  Cozza,  p.  U6. 


40  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Es  worden  nun  sehr  lange  Untersuchungen  und  Verhandlungen 
seii^-  geführt,  deren  Ergebniss  die  Seligsprechung  des  Petrus  im  Jahre  1664 
u'i^g,  ^^''^'■-  Unter  den  zahlreichen  Wundern,  welche  auf  die  Fürbitte  des 
i6i>4.  Heiligen  geschahen,  wurden  gemäss  der  hierin  bestehenden  Gewohnheit 
12  besonders  geprüft«  Die  Congregation  erklärte,  dass  das  der  Zahl 
nach  dritte  und  sechste  Wunder  besonders  beglaubigt  seien.  Nach 
dem  dritten  wurde  Maria  de  Ciria  auf  die  Anrufung  des  Heiligen 
plözlich  von  einer  bleibenden  Verrenkung  des  Gesichtes  geheilt.  Nach 
dem  sechsten  wurde  Elisabeth  von  Andreas  plözlich  von  dem  Krebse 
im  Munde  geheilt').  Wegen  dieser  und  anderer  Wunder,  im  Hinblick 
auf  das  Leben ,  die  Tugenden  und  den  Martyrtod  des  Petrus  (auch 
des  Wunders  der  Aufwallung  und  Vermehrung  seines  Blutes),  erklärte 
die  Congregation  am  23.  September  1663,  man  könne  ohne  Bedenken 
zu  der  feierlichen  Heiligsprechung  des  Petrus  Arbuös  als  eines  Mär- 
tyrers vorschreiten,  da  die  Zeichen  und  Wunder  erwiesen  seien ^). 
Da^u  kam,  dass  Petrus  seit  seinem  Tode  als  Märtyrer  beständig  ver- 
ehrt wurde').  Am  17.  April  1664  erliess  Papst  Alexander  VII.  das 
Brevc  der  Seligsprechung  des  Petrus  Arbues*).  Er  erklärt,  dass  er 
den  Bitten  des  Königs,  der  Inquisitoren,  des  Domkapitels  und  der 
Geistlichkeit  von  Saragossa,  der  Juraten  und  des  ganzen  Volks  mit 
diesem  Decrete  nachgebe.  Nach  dem  Rathe  und  dem  einstimmigen 
Gutachten  der  Cardinäle  der  Congregation  der  Riten  erlaubt  er,  dass 
der  Diener  Gottes,  Petrus  Arbu^s,  in  Zukunft  mit  dem  Ehrennamen 
eines  Seligen  (Beati)  bezeichnet,  dass  sein  Leib  und  seine  Reliquien 
zur  Verehrung  der  Gläubigen  ausgestellt  (nicht  aber,  in  Processionen 
getragen)  werden  dürfen.  Am  17.  September  dürfe  jährlich  sein  Fest 
mit  dem  Officium  und  der  Messe  eines  Märtyrers  begangen  werden^), 
in  der  Cathedrale  von  Saragossa,  in  den  Kbrchen,  die  speciell  der  In- 
quisition in  Spanien  unterstehen,  in  der  Pfarrkirche  zu  EpUa,  in  der 
Kirche  der  Aragonier  von  Monserrat  zu  Roml  Am  20.  April  1664 
wurde  das  Fest  der  Seligsprechung  in  der  Vaticanischen  Basilica  mit 
grosser  Pracht  begangen. 

Von  da  an  ruhete  die  Angelegenheit  zwei  Jahrhunderte,  vom  Jahre 
1664  bis  zum  Jahre  1864.  Der  Erzbischof  Garcia  Gil  von  Saragossa? 
Dominikaner,  (Cardinal  seit  12.  März  1877),  richtete  mit  seinem  Capitel 


')  Instantanea  sanatio  Mariae  de  Ciria  ab  ore  torvo.  (EUsabethae)  ab  nlcere 
cancri  in  ore. 

')  attento,  quod  agitur  de  Martyre  cum  prodigiis  et  miraculis  approbatis. 

')  D.  h.  der  caltos  immemorialis  (oder  die  beständige  Verehrang);  cooslare 
dicto  Servo  Dei  cultam  exhibitum  ^fuiBse  et  ad  praeseos  exhiberi.  —  Decrete  vom 
23.  Malt.  1662,  12.  Dec.  1661,  17.  Januar  1663,  15.  Sept  1663,  19.  Hart.  1664. 

*)  Es  steht  u.  a.  in  Acta  Sanctonun,  p.  749  n.  750.  —  O,  Cozza,  p.  208^213. 

')  Sab  ritu  daplici,  et  Missa  celebretor  de  Mivtyre  non  Pontifioe. 


Seine  Heiligsprechung  im  Jahre  1867.  Schriften  Über  den  lil.  Petrus  Arbute.     4 1 

im  Jahre  1861  erneuerte  Bitten  am  die  Heiligsprechang  (Canonisatio)  Heiug* 
des  Seligen  an  Papst  Fius  IX.  Am  23.  Februar  1^6*0  erging  wieder  un?. 
ein  Decret  der  Congregation  der  Riten ,  nachdem  der  heilige  Vater 
feierlich  erklärt  hatte:  Man  könne  sicher  zu  der  Heiligsprechung  des 
Seligen  Petrus  Arbute  vorschreiten ').  •—  In  dem '  Consistorium  vom 
14.  Mai  1866  liess  der  Papst  durch  den  Cardinal  Const.  Patrizi  den 
Cardinälen  über  den  Fortgang  des  Processes  der  Heiligsprechung  Be- 
richt erstatten.  Alle  Cardinäle  wurden  gefragt,  welches  ihre  Ueber- 
zengang  von  der  Heiligkeit  des  (Erzbischofs  Josaphat  Euncewicz  von 
Polocsk  und  des)  Regularcanonikers  Petrus  de  Arbu6s  sei.  Jeder 
erklärte,  es  sei  seine  Meinung  und  sein  Wunsch,  dass  zu  deren  feier- 
lichen Heiligsprechung  geschritten  werde.  Die  Cardinäle  erklärten 
sich  einstimmig. 

Am  8.  December  1866  richtete  Papst  Pius  IX.  durch  den  Car. 
dinal  Caterini  an  die  katholischen  Bischöfe  eine  Encyclica,  er  sei  ent- 
schlossen, am  29.  Juni  1867  den  Seligen  Petrus  in  das  Verzeichniss 
der  Heiligen ,  welche  von  der  Kirche  als  solche  verehrt  werden ,  auf- 
zunehmen. -^  Diess  geschah  auch  an  demselben  Tage,  an  welchem  zu 
Rom  die  achtzehnte  Saecularfeier  des  Martyrtodes  der  heiligen  Apostel 
Petras  und  Paulus  begangen  wurde. 

§.  18. 

Ueber  das  Leben  des  heiligen  Petrus  Arbues  hat,  soweit  uns 
bekannt,  kein  Zeitgenosse  geschrieben.  Erst  im  Jahre  1623  erschien 
TOD  Vineem  Blctsco  de  Lanuza  das  Werk:  Peristephanon,  seu  de  Coronis  sohrif- 
Sanctorum  Aragonensinm,  vita,  morte,  miraculis  Petri  Arbuesii  Canonici 
Caesaraugnstani  et  primi  Inquisitoris,  —  in  fünf  Büchern  —  Caesaraug.} 
1623.  —  Ob  das  Werk  des  Lanuza:  „La  vida  del  primer  Inquisidor 
Pedro  de  Arbute^^  —  damit  zusammenfiiUe ,  weiss  schon  Nicol.  An- 
Umio  nicht*) 

Zur    Zeit  der  Seligsprechung  des  Petrus   Arbuis  erschien   das 
Werk  von  Didaeus  Oarda  de  Trasmiera:   Epitome   de  la  santa  vida, 
y  relacion  de  la  gloriosa  muerte  del  Venerable  Pedro  de  Arbues,   In-  ®®***'*'" 
quisidor  apostolico  del  reyno  de  Aragon.,  —  es  erschien  zu  Monreale    ihn, 
in  Sicilien,   und   in  zweiter  Auflage   zu  Madrid  im   Jahre    1664— *4^    ^^'^' 
Der  Verfasser  war  als   erwählter  Bischof  von  Zamora  im  Jahre  1661    i69oi 
in  Madrid   gestorben').    —   Um   dieselbe   Zeit    erschien  in   Rom   in   ^^^' 
italienischer  Sprache:  „ein  Compendium,   oder  ein  kurzes  Leben   des 


ten  ttber 
Ihn. 


*)  Täte  procedi  posse  ad  solemnem  Petri  de  Arboös  canonizationeiQ. 
*)  Biblioteca  Naeva,  t  II,  p.  323. 
')  NicoL  Anionio  I,  p.  285. 


42  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Seligen,'^  welches  in  lateinischer  Sprache  bei  den  BoUandisten  abge- 
druckt ist. 

Der  Mercedarier  Mich.  Sdaverte  Hess  im  Jahre  1690  ein  anderes 
Leben  des  Heiligen  erscheinen,  welchem  er  die  einige  Jahre  früher 
von  ihm  in  der  Cathedrale  zu  Saragossa  gehaltene  Lobrede  auf  den- 
selben anschloss'). 

Im  Jahre  1729  erschien  zn  Valencia  von  Franc,  Fern,  de  Mar- 
MdniUo:  Vida  del  glorioso  martir  San  Pedro  de  Arbues  —  kl.  4°  — 
Gedichte.  —  Im  Jahre  1755  erschien  das  Leben  des  Heiligen  im 
fünften  Bande  der  Acta  Sanctornm,  —  des  Monats  September;  der 
„Commentarius  praevius  von  Sticker  (al.  Suysken.)  p.  728 — 762;  die 
Vita  brevis  aus  dem  Italienischen,  p.  752 — 754. 

Aus  Anlass  der  Feier  der  Heiligsprechung  erschien  die  Fest- 
schrift: Della  vita,  miracoli  e  culto  del  martire  S.  Pietro  de  Arbues 
Canonico  regolare  —  di  Saragozza.  Narrazione  di  D.  Giuseppe 
Cozza,  monaco  Basiliano,  Roma,  1867,  pp.  263.  — 

Dem  Verfasser  stand  für  seine  Arbeit  ein  spanisches  Manuscript 

über  das  Leben  des  Heiligen  zu  Gebote.    Mehr  als  dieses  diente  ihm 

schrif-  eine  authentische  Copie  der  „apostolischen  Processe",  welche  über  das 

ihn,    Leben   des   Heiligen    in    verschiedenen    Perioden    eingeleitet   wurden. 

1867,    Von  dem  kurz  vorher  verstorbenen  General- Abt  der  Regular-Canoniker 

1870< 

vom  Lateran,  Giov.  Strozzi,  erhielt  er  diese  und  zahlreiche  andere 
Schriften  im  Umfange  von  mehr  als  2000  Seiten,  welche  in  der  Bibliothek 
der  Basilica  des  heiligen  Petrus  ad  vincula  als  Manuscripte  aufbe- 
wahrt werden. 

Ferner  erschienen  zur  Zeit  der  Heiligsprechung  zwei  Artikel  in 
der  „Civilta  cattolica^  vom  3.  und  17.  August  1867,  und  eine  Abhand- 
lung in  den  Historisch,  polit  Blättern  (von  Prov.  Oreü  in  Passaa) : 
„der  Märtyrer  Pedro  Arbues  de  Epila«,  1867,  H,  S.  854—873,  gegen 
einige  den  Petrus  Arbues  angreifende  Artikel  in  der  Augsb.  Allg. 
Ztg.  V.  6.  Mai,  2.  n.  3.  August  1867.  —  Als  sodann  ein  den  Petrus 
Arbues  beschimpfendes  Bild  des  Malers  W.  Kavlbach  ausgestellt  wurde, 
secundirte  dem  Bilde  der  „Schriftführer"  Eberh.  Zimgibl,  —  1870, 
dessen  Pi&ce  ebenso  richtig  eine  Widerlegung,  als  eine  Bestätigung  des 
Kaulbach'QGhen  Bildes  genannt  werden  kann;  denn  von  dem  Greisen- 
alter, dem  Blutdurst,  und  den  Güterconfiscationen  durch  Petrus  Arbues 
weiss  auch  Zimgibl  nichts  zu  erzählen.  Gegen  (diesen  und)  das  KavU 
bach'Bche  Bild  erschien  wieder  eine  Widerlegung  von  einem  Unge- 
nannten:  Die  Märtyrer  der  protestantischen  Intoleranz  im  Vergleiche 


')  Latassa,  Bibliotheca  Dueva  de  los  Escritores  Aragoneses,  t.  IV,  p.  16  —  17. 
1800,  Pamplona  8.  v.  Salaberte. 


Statuten  vom  29.  November  118^.  43 

za  der  spanischen  Inquisition.    Historisclie  Sittenbilder,  Herrn  Direktor 
YOQ  Kauliach  gewidmet.    2.  Aufl.  Augsb.  1870;  p.  p.  28 '). 


§.  19. 

Der  Grossinquisitor  hatte  am  29.  November  1484  eine  General- 
versammJnng  zu  Sevilla  veranstaltet    Derselben  wohnten  verschiedene 
Inquisitoren    und  Mitglieder   des   königlichen  Rathes  von  Castilien  an. 
Unter  den  Anwesenden  erscheinen  neben  Torquemada:  Fr.  Johann  von 
S.  Martin,  Inquisitor  der  Stadt  Sevilla;  Johann  Ruiz  von  Medina,  Prior 
und  Ganonicus  von  Sevilla,  dessen  Gehilfe,  Pero  Martinez  von  Barrio, 
Ganonicus  und  Inquisitor  von  Cordova ;  Fr.  Martin  de  Casso,  Franzis- 
kaner, Assessor  der  Inquisition   zu  Cordova;  Franc.  Sanchez  de   la 
Fuente,  Ganonicus  von  Burgos,  Inquisitor   in  der  Stadt  Gindad  Real; 
Johann    Garcia  von   Ganas,   Scholasticus   von   Galahorra,  königlicher 
Caplan;   Fr.  Johann,  ^e  Yarca,  Prior  von  Toledo,  Inquisitor  in  Jaen;    ^<^'' 
ÄlfoQs  Garrillo ,   erwählter  Bischof  für  Mazzara  auf  Sicilien ;   Sancho  lang"  a 
Velasquez  von  Cuellar,   Doctor  beider  Rechte;  Micer  Foner  von  Va-  s«^*"»» 
lencia,   Doctor  beider  Rechte,   königlicher  Rath;    Johann.    Gutierrez  berT«^«. 
von  Lachaves,  Lioentiat;  Tristan  von  Medina,  Baccalaureus').    Torque- 
mada legte   hier   den  Entwurf  der  Regeln   und  Statuten   des   heiligen 
Officiums,  in  28  Artikeln  geordnet,  vor,  welche  einstimmig  Annahme 
fiinden^.  —  In  einer  zweiten  Versammlung,   welche  er  zu  Sevilla  im 
folgenden  Jahre   hielt,   legte  er  einige   neue  Statuten  vor^).     In  der 
ersten  Versammlung  wurde  festgesezt,   dass  die  Inquisitoren  ein  feier- 
liches Edikt  erlassen,  und  manniglich  kundmachen  sollten,   dass  eine 
Gnadenfrist  von  etwa  40  Tagen  ertheilt  würde,  in  welcher  Alle,   die 
sich  selbst  der  Häresie,  des  Abfalls  vom  -Glauben,  und  vom  Ghristen- 
thom  abweichender  Uebungen  bevnisst  wären,  vor  den  Inquisitoren  sich 
steUen,  ihre  Schuld  bekennen,   reumäthig  ihre  Irrthümer  abschwören, 
nnd  dadurch  von  der  Strenge  der  Strafen  befreit  sein  sollten.  —  In  einer 
zu  Valladolid  im  Jahre  1488  gehaltenen  Versammlung  von  Inquisitoren 
wurden  15  weitere  theils  erläuternde,  theils  erweiternde  Artikel  ange-  Statuten 
nommen.     Eine  lezte  Instruction  erliess  Torquemada  von  Avila  aus  in  ^'^^' 
16  Artikeln,  im  Jahre  1498,  in  welchem  Jahre  er  daselbst  starb. 


0  Des  heiligen  Märtyrers  Petrus  von  Arbnös  Leben,  Tod,  Wander  und  Ver- 
ehrung, München,  1877,  p.  p.  120  (anonym). 

*)  jSsum,  Sammlung,  S.  3^4. 

*)  Rem»,  S.  5—36. 

*)  Spondaefus^  anuales  ecoles.,  ad  annum  U78,  nr.  17  —  Quötif  et  Echard, 
Script,  ord.  Praedicatorum,  1719,  I,  p.  893. 


44  Dreizehnte.'.  BDcb.    Eittes  Kapitel. 


§.  20. 

Dieselben  Beweggründe,  welche  in  den  Jahren  1478 — 1482  zu  der 
Einfuhrung  der  neuen  Inquisition  gefuhrt,  hatten  im  Jahre  1492,  bald 
nach  Eroberung  von  Granada,  die  Verbannung  Bammtlicher  Juden  aas 
Spanien  zur  Folge.  Wenn  zu  dieser  Verbannung  auch  Th.  Torquc- 
mada  und  andere  Priester  gerathen  haben  sollten,  so  bleibe  die  Ver- 
bannung selbst  eine  rein  politische  Maassregel.  Der  Staat,  und  nicht 
uo'n  w-  ^'®  Kirche  —  verbannten  sie.  Die  Inquisitoren  und  Andere  überzeugten 
Lannu  sich,  dass  die  geheimen  Juden  so  lange  in  Spanien  nicht  aufhören 
würden,  als  es  überhaupt  Juden  daselbst  geben  wurde.  Die  Juden 
waren  von  ihrem  Plane  nicht  abzubringen,  sämmtliche  Spanier  zu  ihrem 
Glauben  zu  bekehren').  Man  fand,  dass  der  Reichthum  des  Landes 
mehr  und  mehr  noch  in  den  Händen  der  Juden  sich  ansammle  und 
die  Christen  von  ihnen  überall  zurückgedrängt  und  übervortheilt  würden. 
Die  Aufregung  und  der  Hass  gegen  die  Juden  steigerte  sich  zusehends, 
je  mehr  sich  Nachrichten  verbreiteten,  dass  die  Juden  Racheacte  gegen 
die  Christen  begingen.  Sie  sollten  Crucifize  verstümmelt,  und  geweihte 
Hostien  entweiht  haben.  Sie  sollten  auch  christliche  Kinder  ge- 
kreuzigt haben.  Am  meisten  Aufregung  verursachte  der  zu  la  Guardia 
in  der  Mancha  im  Jahre  1490  durch  Kreuzigung  an  einem  Kinde  voll- 
brachte Mord. 

Die  Thatsache  selbst  ist  über  jeden  Zweifel  erhaben*)  Das  Kind 
wurde  seiner  blinden  Mutter  gestohlen,  welche  an  der  Pforte  der  Cathe- 
drale  zu  Toledo  zu  betteln  pflegte.  Am  31.  März  1491  kamen  11  „Be- 
kehrte^ aus  verschiedenen  Ortschaften  der  Mancha  zusammen,  um  das 
Kind  zu  kreuzigen.  Sie  errichteten  ein  sehr  hohes  Kreuz,  an  das  sie 
das  Kind  annagelten.  Einer  der  Grausamsten  riss  dem  noch  lebenden 
Kinde  das  Herz  heraus.  Gleichzeitig  wurde  eine  consecrirte  Hostie 
entweiht.  —  In  Toledo  selbst  war  schon  im  Jahre  1485  eine  Ver- 
schwörung der  Juden  entdeckt  worden,  welche  am  Frohnleichnamsfeste 
der  Stadt  sich  zu  bemächtigen  und  die  Christen  niederzumezeln  ge- 
dachten^. 

Um  die  drohende  Gefahr  von  sich  abzuwenden,  boten  die  Juden 
dem  Konige  Ferdinand  noch  zur  Zeit  des  Maurenkrieges  30.000  Ducaten 


')  Jose  dem.  CamicerOj  Impognadon  de  la  obra  de  D,  Juan.  Ant.  lAorente: 
Anale«  de  la  Inqoisicion  de  Espafia,  Madr.  1816,  t.  I,  p.  101. 

*)  Historia  del  martirio  del  SaDto  Nifio  de  la  Ouardia,  sacada  de  los  pro- 
CC808  .  .  .  por  el  Doctor  Martin  Martinez  Mareno,  188  p.  p.  —  (zweite  Ausg.) 
1866.  —  Vic.  de  la  FuenU,  1874,  t.  V,  p.  32-33. 

•)  CamicerOf  t.  J,  p.  DO. 


Verbannung  der  Juden.  45 

an.  Torquemada  habe^  heisst  es,  die  Annahme  verhindert*).  Bald 
darauf,  am  31.  März  1492,  wnrde  das  Edikt  der  Verbannung  gegen  alle 
Jaden  erlassen,  welche  nicht  vor  dem  31.  Juli  d.  J.  sich  taufen  Hessen^). 
Sie  sollten  ihre  Habe  verkaufen  und  den  Erlös  in  Waaren  und  Wechseln, 
nicbt  aber  in  Metall  mitnehmen  dürfen').  Pässe  und  Schiffe  wollten 
die  „Könige^  liefern.  Wie  viele  die  Taufe,  zu  der  sie  dringend  er- 
mahnt wurden,  dem  Exile  vorzogen,  erfahren  wir  nicht,  glauben  aber, 
es  werde  eine  verschwindend  kleine  Zahl  gewesen  sein^}. 

Die  meisten  Juden   wanderten  in   das  nächste  Land,  nach  Por- 
tugal ans. 

Es  ist  eine  „wilde^  Uebertreibung,  wenn  «7.  A,  Llorente  800.000 
Juden  auswandern  lässt.    Er   beruft  sich  auf  Mariana  als  seinen  Ge- 
währsmann^).   Dieser  aber  sagt,  dass  nur  ein  Schriftsteller  diese  hohe 
Zahl  angebe,   an   deren  Wirklichkeit   man  kaum  glauben  könne.    Aus 
jüdischen  und  christlichen  Schriftstellern   ist  aber  leicht  zu   beweisen, 
dass    die     Zahl     der    nach    Portugal     auswandernden    Juden    kaum 
100.000  erreichte.    Wir  haben  schon  gehört,   dass  der  Jude  H.  G^ätz 
auf  sichere  Beweise  (ihrer   Abgaben   an   den  Staat)   gestuzt,   die  Zahl 
der  Juden  in  Castilien  im  Jahre    1474   auf  150.000  angibt^    —    Bis 
zum    Jahre    1492   können    sie    unmöglich   auf   800.COO   angewachsen  zahider 
sein,  um  so  weniger,   als   die  Inquisition  dazwischen  trat,   und   vom  ^"j^^^ 
Jahre  1480  an  doch  auch  Viele,   wenn  nur  zum  Scheine,   sich  taufen  Jaden 
Hessen. 

Der  Jude  Kayserling  stüzt  sich  auf  die  Angaben  bei  dem  Portu- 
giesen (und  Juden)  Cacuto^  und  dem  Portugiesen  Damiäo  de  Ooe$. 
Jener  sagt,   dass  in  Portugal   mehr  als  20.000  Familien  eingewandert 


')  Kayserling,  Gesch.  der  Jaden  in  Portugal,  p.  100:  «Torqaemada's  angeb- 
liche Aenssemng  Ist  —  nicht  historisch.* 

')  Das  Edikt  der  Verbannung  s.  n  .a.  bei  Yangtuis,  Diccionario  de  Historia  j 
Aotignedades  deNavarra.  Pamplon.  1840,  s.  v.  Judios,  t.  II,  p.  117,  nndbelLtndo, 
-  History  of  the  Jews  in  Spain.  1848,  p.  277. 

•)  Camicero,  I,  p.  273. 

*)  «Nor  wenige  gingen  zum  Christenthum  über**,  Kayserling ^  Jaden  y. 
Portugal,  p.  101..  „Nur  sehr  wenige  Jaden  gingen  im  Jahre  der  Answeisang  aus 
Spanien  über*,  Oräiz,  Bd.  V,  S.  856.  —  Barisaimos  o  seqairan  preferindo  quasi 
^06  odestorro.  A,  Hereukmo,  la  Origem  da  Inqoisicao  em  Portogal,  t.  I,  Liaboa, 
18M,  p.  79- 

^  LlorenUj  I,  p.  261,  —  IV,  p.  297.  Zweimal  sagt  Uorente  dasselbe:  800.000 
s'ezpatrient.  Mariana  aber  sagt  (26,  1):  Judaeomm  mnltitadinem  qni  ex  Hiapania 
«lisceflserant,  ad  certam  nrnmemm  revocare  promptnm  non  est  Pleriqae  scriptores 
170  familiarnm  millia  abiisse  confinnant,  qnidam  ad  800.000  capita  pervenisse  ait. 
logeofl  nnmems  ae  yix  fidem  factaros  .  •  Molti  ex  eo  nnmero,  ne  patria  carerent, 
Christo  dedere  nomina,  pars  sinceris  animia:  ab'i  simulata  pietate  tempori  servientes 
brevi  ad  ingenhim,  ilrandes  et  mendaeia  rediemnt 

•)  S.  a  16. 


46  Dreizehntes  Buch.     Erstes  Kapitel. 

seien.     Die  Familie  wird  überall  auf  fünf  Kopfe  berechnet,   also  mehr 
als  ICO.OOO  Personen.    Wörtlich  stimmt  damit  D.  de  Gces  iiberein  *). 

Die  genauesten  Angaben   finden  sich   bei  Andr.  Bernaldea'^)  und 

D.    G0€8. 

Von  BensTente  wanderten  ans  nach  Braganza  fiber    3.000  Personen  (animas). 

«    Zamora  «  „       »     Mimnda  30.000        ^ 

,    CindadBodrigo  ,  ,       ,     ViUar  35.000        . 

^^       «    Alcsntara  ,  »       *     Hsrban  15.000        , 

Porta-  Zusammen:  93.000  Personen. 

Von  den  Juden,  welche  im  Nordosten  wohnten,  wanderten  2000 
Seelen  nach  Navarra  aus').  Ans  den  Baskischen  LÄndem  wanderten 
30U  Familien  zur  See  aus.  Aus  Andalusien  und  dem  Maestrazgo 
(Herrschaft)  von  Santiago  wanderten  über  Cadix  8000  Personen  aus. 
Viele  andere  wanderten  über  Carthagena,  und  die  Hafen  von  Aragonien. 
Aus  Aragonien  und  Catalonien  wanderten  viele  nach  Italien,  andere 
nach  Mauritanien,  Tunis  odei:  Tlemecen  u.  s.  w.  ans^). 

Ohne  tüchtigen  Beweis  aber  lässt  H.  Grrätz  im  Jahre  1492 
300.000  Juden  auswandern.  Er  sagt:  „Die  Gesammtzahl  der  Aus- 
wanderer ist  viel  calculirt  worden.  Die  christlichen  Schriftsteller  haben 
Abrabenels  (des  Juden)  Angaben  nicht  berücksichtigt,  der  an  zwei 
Stellen  die  Zahl  ganz  bestimmt  auf  300.000  anschlägt,  und  er  war 
als  Jude  und  Finanzmann  am  besten  darin  unterrichtet.  Diese  Zahl 
wird  auch  dadurch  bestätigt,  dass  1474  in  Castilien  noch  150.000  Juden 
wohnten;  man  darf  wohl  ebensoviel  (??)  auf  Aragonien,  Catalonien  und 
Valencia  rechnen.  Das  gäbe  also  300.000.  Mariancts  (und  Uorente'a) 
Angabe  (nach  einigen  Quellen  auf  800.000  oder  auf  1 70.000  Familien- 
väter ist   gewiess   viel  zu  hoch  gegriffen^),   ebenso   die   400.000   bei 


')  D.  de  Ooee:  Segundo  se  affirma  entrarao  nestes  Regnos  maiB  de  vinte 
mil  casaes.  L  X.  c.  10. 

')  HiBtoria  de  Femandez  j  Isabel,  1856,  t  I,  p.  255. 

')  dos  mil  änimas,  sagt  Bemaldez  (I,  p.  255).  Dagegen  Kayeerlingiäie  Jaden 
in  Navarra,  S.  107)  sagt:  »gegen  12.000'*.  Ebensoviel  lAndo,  p.  287  und  Heinr. 
Orätz  V,  p.  866  —  etwa  12.000,  welche  sich  auf  jüdische  Schriftsteller  berafen. 

*)  H.  Orätz,  kommt  mit  sich  selbst  in  Widersprach,  wenn  er  im  Jahre  1474 
150.000  Jaden  in  Castilien  wohnen,  im  Jahre  1492  aber  800.000  ans  Spanien  ans- 
wandern  UEsst  (V,  p.  858).  Es  ist  gegen  alle  historische  Wahrschemlichkeit,  dem 
Königreiche  Aragonien  ohne  Weiteres  150.000  Jaden  anzudichten.  Wir  theilen  aber 
die  Note  bei  Orätz,  (V,  p.  859)  wegen  ihrer  sonstigen  Wichtigkeit  im  Texte  mit. 

*)  PreecoU,  spanische  Uebeneznng  v.  1848,  t.  IV,  p.  70.  —  (Schäfer^  Ge- 
schichte von  Portugal,  t  II,  S.  646,)  spricht  keine  Ansicht  aus.)  —  Ereck  und  Gruber, 
Enoyclopfidie,  Sectio  IL  Bd.  27,  Leipz.  180O,  S.  225  u.  226  nimmt  800.000  Personen 
an.  Auch  hier  sagt  8d%g  Cassel  unrichtig,  wenigstens  mehr  als  miasverstindlich: 
nDie  höchste  Angabe  bat  Mariana^ ;  er  hat  sie,  aber  glaubt  nicht  an  sie.     Adolf o 


Zahl  der  aasgewanderten  Jnden.  47 

Zurita  und  die  mehr  als  420.000  bei  Aboab^).  Die  Zahl  170«000  bis 
]  80.000  bei  los  Bios  und  Modesto  la  Fuente  ist  aber  viel  zu  klein^  weil 
sie  die  30.000  Haasväter  (vecinos)  bei  Bemaldez  zn  gering  berechnet 
haben.  Gibt  doch  Bemaldez  selbst  an,  dass  die  Zahl  der  aus  Castilien 
allein  Ausgewanderten  weit  90.000  überstiegen  habe*).  Die  Zahl 
300.000  empfiehlt  sich  daher  als  die  richtigste^*.  Dagegen  bemerken 
wir:  Die  Angaben  des  Damiao  de  Qoes^  und  A.  Bemaldez  sind 
sehr  leicht  zu  vereinigen.  Es  wanderten  in  Portugal  über  20.000 
Familien,  nach  Bemaldez  aber  93.000  Personen  ein,  im  Ganzen  etwa 
lOO.OOO  nach  Portugal');  2000  nach  Navarra,  etwa  1500  aus  den 
Baskenländem  aus;  8000  über  Cadix  nach  Marocco,  eine  unbestimmte 
Menffe  wanderte  über  Carthairena  aus  —  wir  wollen  annehmen  8000  ^•^^*^«' 

Jndmi  In 

Personen.    Nach   Bemaldez  hätten  im  Jahre    1492   in  Castilien   noch  oasu- 
etwa  135.000  Juden  gelebt    Durch  die  Thätigkeit  der  Inquisition  wäre  '^*''  "^^^ 
ihre  Zahl  von  150.000  im  Jahre  1474  auf  135.000  im  Jahre  1492  ge-  ^!T, 
snnken.     Gesezt  aber  den   Fall,    es   hätte   im  Jahre   1-^92   —   noch 
150.000  Juden  in  Castilien  gegeben,  so  durfte  Qrätz  am  wenigsten  dem 
Königreiche  Aragonien  150.000  weitere  Juden  zuschieben,  da  er  sich 
doch   stets    auf  Bemaldez^)    und   Prescott  bezieht     Nach   Bemaldez 
aber,  welchem  Prescott  hierin  folgt,  betrugen  die  Juden  im  Königreiche 
Castilien    ^e  Theile  sämmtlicher  Jnden   in  Spanien^),  nämlich  30.000 
Familien  in  Castilien,  6000  in  Aragonien,  im  Ganzen  c.  160.000  Juden. 
Lebten  nun  auch  (nach  Qrätz)  noch  im  Jahre  1492  150.000  Juden  in 
Castilien,  so  durfte  er  für  das  Reich  Aragonien  nur  den  sechsten  Theil 
davon,  und  im  Ganzen  nur  175.000  Juden  in  ganz  Spanien  annehmen. 


dt  Castro^  Historia  de  los  Jndios  en  Espafia,  Gadiz,  1847,  p.  146.  Amadorde  tos 
RioSy  Estttdios  —  sobre  los  Jndios  de  Espafia,  1848,  p.  207—209.  («Die  Uoge- 
nanigkeit  bei  los  Bios  überrascht  Niemand,  der  sein  Werk  nach  Verdienst  wQr- 
digt*,  Wägt  der  Jude  Kayserling,  Joden  in  Portngal,  S.  112).  Modest  delaFtiente, 
Historia  genersl  de  Espafia  (26  Bde.,  Madrid  1850—1862},  t.  IX,  p.  413.  —  Ck>lmeiro 
berechnet  die  Zahl  der  Jnd^n  auf  200.000  (s.  oben,  III,  1,  S.  460). 

')  Isaac  Äboab,  Nomologia,  p«  ^90  n.  291.  —  Zurita,  Anales,  t  V,  9. 

*)  Er  sagt  aber  Ȁnimas  ond  nicht  vecinos^  (Seelen  und  nicht  Familien), 
I,  p.  255. 

*)  Kayserling  nimmt  120.000  Seelen  an,  S.  115. 

0  (?r^z  im  Jahre  1863,  und  jfiraj/^erZtn^  im  Jahre  1867  Icennen  den  Bemaldez 
immer 'noch  als  Mannscript  und  nach  den  Auszügen  anderer,  während  Oscar  Peschel 
m  seinem  „Zeitalter  der  Entdecknngen''  Stuttg.  1858  —  schon  die  im  Jahre  1856 
im  Druck  erschienene  Chronik  von  Bemaldez  kennt  (Ose  Peschel,  Zeitalter 
p.  148^  152).  Inzwischen  erschien  zu  Sevilla  im  Jahre  1870  eine  zweite,  bessere 
imd  sehOnere  Ausgabe. 

*)  Bemaldez,  I,  p.  254.  Prescott^  1.  c.  IV,  p.  70.  Bemaldez  berechnet  nach 
seinem  Gew2hrBmanne,  dem  von  ihm  getauften  Bab.  Centollo  von  Yittoria  — 
B6j)00  Familien  zu  160.000  Seelen:  darnach  wären  etwa  133.000  Juden  in  Castilieni 
c  27.000  in  Aragonien  gewesen. 


48  Dreizehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Nach  anserer  Schäzang  (und  nach  Bemaldez)  aber  gab  es  im  Jahre 
1492  an  13*5.000  Jaden  in  Castilien ,  etwa  27.000  in  Aragonien, 
zusammen  160.000,  von  welchen  c.  100.000—120.000  nach  Portugal, 
2000  nach  Navarra,  8000  nach  Marocco,  die  Uebrigen  nach  Italien  und  in 
andere  Länder  Europa's,  nach  Afrika  und  Asien  auswanderten*),  ein 
kleinerer  Theil  sich  taufen  Hess.  Dass  die  meisten  Juden  der  Taufe  die 
Auswanderung  vorziehen  würden,  hatte  sicher  Isabella  nicht  erwartet, 
welche  völlig  von  der  Wahrheit  des  Christenthums  durchdrungen  war; 
sicher  hofi'te  sie,  dass  die  Mehrzahl  der  Juden  sich  taufen  und  dem  Lande 
sich  erhalten  würde.  „Gewiss  ist^  (sagt  der  Protestant  Pe^cAeZ),  „dass  die 
Krone  bei  der  Vertreibung  der  Juden  und  Araber,  wie  bei  der  In- 
quisition, sich  nicht  durch  niedrige  fiscalische  Motive')  leiten  liess, 
sondern  recht  glaubhaft,  dass  Isabella  in  ihrem  Eifer  sich  verrechnet, 
und  nicht  die  Vertreibung  selbst,  sondern  durch  ihre  Androhung  eine 
rasche  und  allgemeine  Bekehrung  beabsichtigt  habe^). 

Die  Juden,   welche  in  Portugal  einwanderten,   mussten  aber  ihre 
Zulassung  daselbst  mit  theurem  Gelde  bezahlen.    Gemäss  eines  Ueber- 
einkommens   mussten    600   meist    reiche   Familien   eine   Summe    von 
j)te  Jo- 60.000  Gold-Cruzados  entrichten:   alle  anderen  Einwanderer  mussten, 
Portugal  mit  Ausnahme  der  Säuglinge,  jeder  acht  Gold-Cruzados  in  vier  Ter- 
minen   bezahlen.     Sie   durften   aber  überhaupt   nur   acht    Monate   in 
Portugal   bleiben.    Der  König  versprach,  zu   billigen  Fahrpreisen  sie 
an  die  von  ihnen  gewünschten  Orte  bringen  zu  lassen;  sie  wurden  aber 
von   den  Schiffslenten   unmenschlich  behandelt.    Die  in  Portugal  noch 
übrigen  Juden  blieben;  sie  wurden  nach  Ablauf  der  zur  Auswanderung 
bestimmten  Zeit  sämmtlich  zu  Sklaven   gemacht  und  verschenkt.     Die 
Granden  und  Hofleute  konnten  sich  Juden  und  Jüdinen  nach  Belieben 
auswählen*), 
und  Na-  Die  Juden  in  Navarra  mussten  im  Jahre   1498  entweder   aus- 

1499'  wandern   oder  sich   taufen   lassen.    Weil  die  gegebene  Frist  zu  kurz 


')  Am  nächsten  komme  ich  der  Scfaäzung  bei  Kayserling,  auf  120.000  Aai- 
gewanderte  cach  Portngal.  Ferreras  gibt  die  Zahl  der  Ausgewanderten  überhaupt 
auf  c.  100.000  an.  Bd.  VllI,  Tfa.  11.,  p.  250  flg.,  eine  wohl  za  niedrige  Zahl.  — 
Paramo  sagt,  es  seien  170.000  Seelea,  ^ut  quidam  referunt,  vel,  ex  aliorom  sententia) 
fiber  400.000  Jaden  ausgewandert  (Paramo,  p.  167). 

*)  ,,Die  Finanzen  des  heiligen  Amtes  (der  Inquisition)  waren  so  Übel  bestellt, 
dass  die  Gehalte  der  Inquisitoren,  welche  ans  den  Confiscationen  bestritten  werden 
sollten,  gewöhnlich  in  Bttckstand  blieben"  (JAorente^  Hist.  de  Tlnq.  tom.  I,  p.  217). 

')  Diese  neue  Ansicht  ist  nSher  begründet  worden  in  Kunstmann's  Untersuch- 
ungen „floer  die  Rechtsverli&ltnisse  der  Juden  in  Spanien*^.  Münchner  gelehrte 
Anzeigen,  1848.  S.  248).  —  Ose.  Peschel,  S.  152. 

*)  Kayserling,  Gesch.  der  Juden  in  Portugal,  p.  112*115.  —  Oräiz,  V, 
p.  873-387. 


Die  Inquisition  und  die  Moriscos.  49 

war,  80  „gingen  die  meisten  zum  Christentham  über**.  „Jn  der  sonst 
wegen  ihrer  Frömmigkeit  so  berühmten  (jüdischen)  Gemeinde  von 
Tudela  liessen  sich  180  Familien  taufen." ') 


§.  21. 

In  Folge   der  Verbannung   der  Juden   aus   Spanien   wurden  die 
Arbeiten  der  Inquisition  nicht  vermindert,  sondern  vermehrt     Tausende 
der  Ausgewanderten,  besonders  nach  Afrika,  kehrten  im  grossten  Elende 
zurück,  und  liessen  sich  nothgedrungen  taufen.    Diese,  und  jene,  welche 
vor  dem  31.  Juli  1492  die  Taufe  angenommen,  blieben  aber  im  Herzen 
und  im  Verborgenen  Juden,   —  und  sie  hielten  die  Inquisition  in  be- 
standigem   Athem*).    In  den  Jahren    1492  — 1502   wurden  auch  die 
Manren,  bald  Moriscos  genannt,  allmälig  in   den  Kreis    der  Thätigkeit 
der  Inquisition  hereingezogen.    Zwar   wurde   den  Mauren   in  dem  er- 
oberten Granada  die   freie   Ausübung   ihrer   Religion   gestattet').    Es 
schien  aber   keine  Verlezung  dieses  Versprechens   zu  sein,   wenn   der 
erste  Erzbischof  Talavera  von  Granada  und  Franc.  Ximenes,  seit  1495 
Erzbischof  von  Toledo,  die  grossten  Anstrengungen  machten,  die  Mauren    ^i» 
zom  Christenthume  zu  fuhren.  Die  Mauren  sahen  in  diesen  Versuchen  eine     ]„ 
Verlezung  der  ihnen  gewährten  Religionsfreiheit  Es  brachen  bedrohliche  Qnnada 
Auf  stände  in  Albaycin,  in  den  Alpujarras  und  der  Sierra  Bermeja  aus.  1502,  u. 
Dadurch  glaubten  die  ,,Eönige"   ihres  gegebenen  Wortes  entledigt  zuin^**^!- 
seiD,  und  als  Sieger  gegen  besiegte  Unterthanen  verfahren  zu   dürfen.  Leon. 
Es  war  den  Mauren  die  Wahl  gelassen,  entweder  sich  taufen  zu  lassen, 
oder,  gegen    eine  Abgabe  von  zehn  Goldgulden  für  den  Kopf,  auszu- 
wandern.   Die  Meisten  blieben,  liessen  sich  taufen,  die  Wenigem  wan- 
derten aus.    Im  alten  Königreiche  Granada  war  kein  ungetaufter  Maure 
mehr  zu  finden.    In  den  Provinzen  Castilien  und  Leon  dagegen  lebten 
noch  ziemlich   viele   ungetaufte  Mauren.    Durch  Edikt  vom   20.  Juli 
1501  wurde  diesen  jeder  Verkehr  mit  den  getauften  Mauren  in  Granada 
Terboten.    Durch  ein  neues  Edikt  vom    12.  Februar  1502  wurde  auch 
den  Mauren  von  Castilien  und  Leon  befohlen«  entweder  auszuwandern 
oder  sich  taufen  zu  lassen.     Auch  sie  wählten  in  grosser  Mehrzahl  die 


*i  Oräiz,  V,  366.  —  Tanguas,  Diedonario,  11,  p.  120.  —  Kayserling,  Ge- 
schichte der  Jaden  in  Navarra,  p.  106;  212.  —  LdndOj  History  of  the  Jews  in 
3puQ,  1848,  p.  287. 

')  A.  Bemaldez,  I,  p.  254.  Uorente,  I,  p.  262.  —  Perreras,  Vllf,  11,  §.  252* 
-  Hefele,  der  Card.  Ximenes,  p.  275. 

*)  Kirehengeseh.  Sp.  III,  1,  S.  444  n.  445. 

Oiou,  fpu.  Kirche.  IIl.  f,  4 


50  Dreizehntes  Bucb.    Erstes  Kapitel. 

Taafe.    Der  zweite  Inquisitor^  Didacus  Deza,    soll  zu  diesen  strengen 
Maassregeln  gerathen  haben'). 


§.  22. 

Zur  Zeit  der  Auswanderung  der  Juden  aus  Spanien  und  Portugal 
war  schon  der  Spanier  Alexander  VI.  Papst  (1492 — 1503).  Von  den 
nach  Genua  ausgewanderten  Juden  kam  auch  ein  Theil  im  grossten 
Elende  nach  Rom.  Aber  die  Juden  in  Rom  ^verschworen  sich  gegen 
sie,  sie  nicht  zuzulassen,  aus  Furcht,  dass  der  Zuwachs  neuer  Ansiedler 
Aiexon.  ^^.gJ^^  Gcwcrbc  Schadcu  bringen   mochte*.  —  Diese  romischen  Juden 

der  VI.  ^ 

und  die  schosscu  also  1000  Ducatcu  zusammen ,  und  boten  sie  dem  Papste 
Jaden,  ^exander  VI.  an,  mit  der  Bitte,  dass  er  den  neuen  Juden  nicht  ge- 
stalten möge,  sich  in  Rom  niederzulassen.  Der  Papst  war  über  diesen 
hx)hen  Grad  von  Herzlosigkeit  so  aufgebracht,  dass  er  sämmtliche 
Juden  aus  Rom  auszuweisen  befahl.  „Es  kostete  den  Juden  noch 
2000  Ducaten,  den  Befehl  rückgängig  zu  machen,  und  sie  mussten 
es  sich  gefallen  lassen,  die  Juden  au&unehmen^ '). 

Unter  diesem  Papste,  dessen  Stellung  Spanien  gegenüber  eine 
mehr  als  precare  war,  erlangten  die  „Könige"  eine  Menge  von  Privi- 
legien und  Concessionen  für  ihre  spanische  Inquisition,  durch  welche 
dieselbe  mehr  und  mehr  eine  Regierungsanstalt  wurde.  Wir  haben 
schon  gehört,  dass  im  Jahre  1498  230  Spanier  in  Rom  abgewandelt 
wurden,  um  nach  Auflegung  leichter  Bussen  nach  Spanien  zurückgesandt 
zu  werden  —  29.  Juli  1498.  Aber  schon  am  2.  August  erliessen 
Ferdinand,  und  Isabella  ein  scharfes  Edikt,  weiches  diesen  Spaniern 
die  Rückkehr  in  ihre  Heimath  unter  Todesstrafe  verbot*).  —  Am  12.  Au- 
gust 1493  erliess  Papst  Alexander  VI.  ein  Breve,   in   welchem  er  die 


')  Luis  del  Martnol  Carvc^cU,  Historia  del  rebelion  y  castigo  de  los  Moriscos 
del  reyno  de  Granada,  Madrid  1797,  t.  I,  p.  83--98.  Obrasde  Diego  Huriado  de 
Mendozüf  Granada,  1864,  1. 1.  Guerra  de  Granada  Lib.  I,  Leyes  contra  loa  criaüanos 
nuevoB,  p.  78eq.  —  Flor,  Janer^  Gondicion  social  de  los  Moriacos  deEapafia,  Madr.  1857, 
p.  185,  sq.  Jos.  Ilefele,  der  Card.  Ximenea,  8.  Haaptafick.  Bekehrang  der  Mauren, 
S.  52,  66  flg.  —  S.  275  —  276.  —  Rochau,  die  Moriscoa  in  Spanien,  Leipz.  1853, 
p.  156  flg.  (Nach  ihm  sind  die  Manren  immer  im  Rechte,  ihre  Sache  ist  die  Sache 
der  wahren  Civilisation,  die  Chriaten  aind  immer  im  Unrechte;  nur  Schade,  daaa  die 
Muhamedaner  in  Spanien  mit  den  Christen  in  Spanien  nicht  „reinen  Tisch*  gemacht 
haben).  —  Will,  Prescotty  History  of  theReign  of  Philip  the  aecond,  king  of  apain, 
New  edition  (in  8  Bänden,  reichend  bis  1580),  Philadelphia,  1874,  t  III,  p.  G. 
(the  Moora  of  Spain,  p.  1—272). 

«)  Grätz  V,  p.  373. 

')  Uorente,  I.  p.  245—246.  IV,  p.  297.  Am  12.  März  1499  eriieaa  der  Papst 
darüber  ein  weiterea  nachgiebiges  Schreiben  an  die  „Könige^. 


Papst  Alexander  VI.  und  die  Inquisition.  51 

TOQ  Siztas  lY.  ertheilten  Abeolutionen  einiger  Angeklagten  von  Sevilla  Aiexan 
als  nngiltig  erklärte,  und  die  Inquisitoren  beauftragte,  auf  das  neue^^^^^/ 
gegen  die  Angeklagten  vorzuschreiten.  giebig. 

Die  Inquisition  wollte  es  nicht  dulden,  dass  die  Päpste  einzelne 
Processe  an  sich  zogen,  oder  Angelegenheiten  in  Rom  entschieden. 
Der  Papst  sollte  auf  die  Inquisition  gar  keinen  Einfluss  mehr  haben. 
Sie  klagten  also  den  Papst  bei  den  „Königen'^  an.  Diese  schrieben 
an  den  Papst,  er  möge  den  Inquisitoren  die  ganze  freie  Aus- 
übung ihrer  Gerichtsbarkeit  lassen,  er  möge  nicht  gestatten,  dass 
dieselbe  durch  die  Umwege  geheimer  Absolutionen  oder  gewisse  Ex- 
emtionen und  Privilegien  für  einzelne  Personen  geschädigt  werde.  Und 
der  Papst  gab  nach.  In  einem  Breve  vom  23.  August  1497  erklärte 
er  alle  Absolutionen,  welche  nicht  in  der  regelmässigen  Weise  (durch 
die  Inquisition)  ertheilt  worden,  far  null  und  nichtig,  mit  einziger  Aus- 
nahme der  Absolution  im  Beichtstühle^).  Das  heisst,  Alexander  YI. 
verzichtete  von  nun  an  auf  alle  und  jede  Gerichtsbarkeit  oder 
Auetoritat  über  die  spanische  Inquisition,  und  überliess  es  dem 
Staate,  in  Angelegenheiten  der  wahren  Lehre  und  Häresie  endgiltig  zu 
entscheiden.  — 

Th.  Torquemada  wurde  wiederholt   wegen  harten  Verfisihrens  bei 
dem    Papste   verklagt.     Dreimal  sandte   er    zu   seiner    Vertheidigung  ^lexan. 
seinen  Gefährten^   Fr.  Alphons.  Badaja   an   den   Papst.    Doch  —  er-    und 
mndet  durch  die  beständigen  Klagen,  die  ihm  zu  Ohren  kamen,  wollte  '^<"'Q"®' 
der  Papst  die  Vollmachten   zurücknehmen,   mit  denen  er  ihn  ausge- 
stattet«    Aber  politische   Erwägungen   und  die   Schonung  gegen   die 
„Konige'  hinderten  ihn  daran.    Er  betrat  einen  Mittelweg.    Er  fertigte 
am  23.  Juni  H94  ein  Breve  aus;   erklärte,  dass  Torquemada  sehr  auf 
Jahren  und  leidend  sei,   und  dass  er  darum  ihm  als  Coadjutoren  den 
Martin  Pance  de  Leon,    Erzbischof  von  Messina  (1493 — 1500),   der  in 
Spanien  wohnte,    beigegeben   habe^   den  Bischof  Jnicua  Manrtque  von 
Cordova,   Neffen  des  Erzbischofs  von  Sevilla  gleichen  Namens,   den 
Franz   Sanchez   de  la   Fuente,  Bischof  von   Avila,   und   den  Bischof 
Alfon»  Suarez   de  la  Fuente  von   Mondonedo.     Beide  leztere   waren 
sei  bat  Inquisitoren  gewesen.    Es   ist  nur  gewiss,   dass   der  Erzbischof 
von  Messina  und  der  Bischof  von  Avila  die  Functionen  von  General- 
inquisitoren verrichteten.    Noch  zu  Lebzeiten  Torqnemada's  dehnte  die   ^^'^' 
Inquisition  ihre  Gerichtsbarkeit  auf  Gebiete  aus,  die  mit  dem  Glauben  Q„g  der 
und  der  Häresie   nur  sehr   lose   zusammenhingen.     Am   22.   August  ^°^''^'^^ 
1498  erlaubten  die  „Könige^   den  Inquisitoren,  von   dem  Verbrechen    vor- 


•)  LloreaU ,  I,  p.  247.  IV,  p.  297. 

4* 


52  Droizf^hnteB  Bach.    Eretes  Kapitol. 

scuie*  der  Sodomie  Kcnntniss  zu  nehmen').  Die  Sodomie  sollte  gestraft 
VMbro-  werden,  wie  die  Häresie  oder  die  Majestatsbeleidigong.  —  Die  Namen 
eben,  der  Zeugen  durften  hier  den  Angeklagten  mitgetheift  werden.  Ebenso 
wurde  später  die  Bigamie  (und  die  Vielweiberei)  von  der  Inquisition 
gerichtet*).  Von  der  Inquisition  wurden  gerichtet  Priester  und  Mönche, 
welche  heirathetcn;  Beichtväter  wegen  Missbrauchs  des  Beichtstuhls. 
Lezteres  geschah  allerdings  in  Folge  eines  Breves  PauFs  IV.  vom 
18.  Januar  1560  an  die  Inquisition  von  Granada,  und  vom  16.  April 
1561  an  den  Generalinquisitor  Valdds^).  Der  Inquisition  verfielen 
Laien,  welche  geistliche  Functionen  sich  anmassten,  Diaconen,  welche 
Beichten  abnahmen,  natürlich  auch  solche ,  welche  fälschlich  sich  als 
Beamte,  Commissäre  oder  Diener  der  Inquisition  ausgaben*).  Blas- 
phemieen  wurden  gleichfalls  von  der  Inquisition  gerichtet^). 

Ferdinand  V.  hatte  in  dem  Eide,  in  welchem  er  versprochen,  die 
Fueros  des  Reiches  Aragon  zu  beobachten^  auch  gelobt,  dass  er  den 
weltlichen  Richtern  die  Gerichtsbarkeit  in  Wucherklagen  lassen  werde. 
Aus  gewissen  Gründen  suchte  er  nach  und  erlangte  von  Rom  am 
14.  Januar  1505  eine  Dispense  von  diesem  Versprechen,  den  Inquisi- 
toren aber  wurde  die  Vollmacht  eingeräumt,  auch  über  das  Verbrechen 
des  Wuchers  zu  richten.  Ein  Breve  Leo's  X.  vom  3.  April  1513 
(oder  2.  September  1514?)  dispensirte  Ferdinand  V.  von  dem  Eide, 
welchen  er  vor  den  Cortes  in  Aragon  abgelegt,  die  Maa^sregeln  in 
Ausfuhrung  zu  bringen,  welche  in  den  Cortes  beschlossen  worden,  um 
die  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  in  Schranken  zu  halten*).  Die  von 
Rom  erhaltene  Dispense  aber  half  Ferdinand  V.  nichts,  er  musste 
seinem  Eide  nachkommen,  und  den  Ständen  Wort  halten.  Es  waren 
keine  geistlichen,  sondern  rein  ficalische  Motive  für  ihn,  Wucher  und 
Schmuggel  der  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  unterstellen  zu  wollen^). 


')  Llorente,  I,  p.  340.  II,  p.  16.  IV,  p.  297  (hier  nennt  Llcrente  das  Jahr 
1498,  zweimal  vorher  das  Jahr  1497).  Htfele,  p.  325.  Nach  Llorente  (I,  p«  340) 
wären  im  Jahre  1506  —  sechs  Personen  zu  Sevilla  wegen  Sodomie  verbrannt 
worden. 

*)  Am  8.  September  1560  wurden  zn  Mnrcia  —  7  —  Polygamisten  venutheilt; 
am  20.  Mai  1563  —  wurden  ebendaselbst  13  PolygamiBten  zn  verschiedenen  Strafen 
verurtheilt    Llorente,  II,  p.  338,  341.  IV,  p.  319. 

*)  Llorente,  II,  p.  344,  374—875.  III,  p.  26-28. 

')  Llorente,  II,  p.  246,  382—383,  391—392,  402.  III,  p.  431. 

»)  Llorente,  III,  p.  56—57,  431. 

')  Bei  Spittler  —  „Entwarf  der  Gesch.  der  span.  Inqis.",  Reuse,  p.  XUL 
—  XlIfL,  steht  ein  Anszug  einer  BnUe  Leo*s  X.  v.  2.  Sept.  1514,  wo  gleichfalls  von 
der  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition  Aber  den  Wacher  die  Bede  ist.  Damach  hatten 
die  Inquisitoren  za  Barcelona  eidlich  versprochen,  dass  sie  sieh  hinfort  nar  mit 
Glaabenssachen  und  Hjlresieen  innerhalb  gewisser  Grenzen  befpssen  wollten. 

•;  Lloi-ente,  I,  p.  340,  II,  p.  394,  IV,  p.  302. 


Die  Inqcdaidon  als  Staatainstitut  53 

Am  12.  Mai  1516  erliess  Leo  X.  eine  andere  Bnlle,  in  welcher  er 
die  im  Jahre  1513  (1514?)  ertheilte  Dispens  von  dein  geschworenen 
Eide  zurückrief,  und  die  Beschlüsse  der  Cortes  von  Aragon  bekräftigte.  — 

Damach  wird  man  es  begreiflich  finden,  dass  auch  Hexen,  Zau- 
berer, Bereiter  von  Liebestränken,  solche,  welche  aus  dem  Aberglauben 
der  Leute  Nuzen  zu  ziehen  suchten  u.  a«  m.  der  Inquisition  zugewiesen 
worden').  —  Um  so  begreiflicher  werden  wir  es  finden,  dass  die  In- 
quisition der  ausschliessliche  Gerichtshof  für  ihre  eigenen  Beamten  und 
Diener  war. 

„Mit  Untersuchung  dieser  so  vielen  und  verschiedenartigen  Ver- 
brechen hatten  die  spanischen  Herrscher  ihre  Inquisition  zum  Theil 
selbst  gegen  den  Willen  der  Grossinquisitoren*)  beauftragt,  und  wer 
sich  erinnern  will,  wie  viel  nur  Hexen  in  Deutschland  verbrannt  wur- 
den, wird  die  Zahl  der  von  der  spanischen  Inquisition  zum  Tode  ver- 
urtbeilten  Ketzer,  Zauberer,  Hexen  ^  Mörder,  Wucherer,  Sodomiten, 
Hurer,  Schmuggler,  Kirchenräuber  und  Verbrecher  aller  Art  nicht 
mehr  für  so  ungeheuer  erachten." 


§•  23. 

Wiederholte  Versuche,   welche   in   den  Jahren    1480 — 1522  ge-    p»« 
macht  wurden,   der  Inquisition   einen   kirchlichen  Charakter  zu  geben?  nn/dfo 
oder  den    Einfiuss   der  Päpste   und   Bischöfe   auf   sie   zu   verstärken,  inqaioi- 
blieben  ohne  Erfolg.    Die  Könige  wussten,  was  sie  wollten,   und  han-     ^°' 
delten  nach  einem  festen  Plane.    Als  Papst  Leo  X.  im  Jahre  1519  zu 
strengeren  Maassregeln   gegen  die  Inquisition  schreiten  wollte,   war  es 
zu  spät.    Der  spaniscl^e  Episcopat  war  zu  abhängig  von   der  Krone, 
TOD  ihr  hoffte  und  fürchtete   er  Alles;   diess   gilt  besonders  von  dem 
Episcopate  in  Castilien,  der  zu  einer  kirchlichen  Opposition  gegen  das 
omnipotente    Konigthum   sich   nicht   aufraffen   konnte.      Der   Cardinal 
(ßrossinquisitor  seit  1507)   Ximenes,   der  Ferdinand  V.   oft  sehr   un- 
bequem war^),   wollte  der  Inquisition   wenigstens  eine  mehr  kirchliche 
Form  geben.    Nach  seinem  Wunsche  sollten  bei  dem  Oberinquisitions- 
rathe  nur  Geistliche   angestellt  werden.    Er   protestirte  gegen  die  Er- 
nennung de   Ordugno  Ybanez   de  Aguirre  als  Mitglied  des   obersten 
InqnisitioQsrathes ,  weil   er  ein  Laie   sei    —   am    11.   Februar    1509. 


')  Uorenie,  II,  p.  51—55.  III,  p.  431—461.    Secte  des  Sorciers  in  Logrofio 
IV.  leo,  Htffle,  a  293-294;  326, 

*)  Der  Growinqnisitor  Aveda  z.  B.  wollte  Niemand  von  der  Inquisition  richten 
Ittien,  dessen  Vergehen  nicht  die  Religion  betreffe.  Hefele^  S.  326.  Dieser  Name 
findet  sich  sonst  nicht. 

>)  Hefele,  ».  40a 


Die 


54  Dreizehntes  linch.    Erstes  Knpitcl. 

„Wisset  Ihr  nicht,  entgegnete  ihm  Ferdinand  Y.,  dass,  wenn  dieser 
liath  eine  Gerichtsbarkeit  hat^  der  König  es  ist,  von  dem  er  sie  hat^? 
So  war  es.  Die  Inquisition  war  ein  königlicher,  aber  mit  geist- 
lichen Waffen  ausgerüsteter  Gerichtshof.  Erstens  —  waren  die  Inquisi- 
toren königliche  Beamte.  „Die  Könige  hatten  das  Recht,  sie  einza- 
sezen  und  zu  entlassen;  auch  die  Inquisitionshöfe  unterlagen  den  könig- 
liehen Visitationen;  bei  denselben  waren  oft  die  nämlichen  Männer 
Staats-  Assessoren,  welche  im  höchsten  Gericht  von  Castilien  sassen.  —  Zwei- 
iuqui>i.  tens  fiel  aller  Vortheil  von  den  Confiscationen  dieses  Gerichte  deai 
Könige  zu.  Drittens  —  der  König  bekam  ein  Gericht  in  die  Hände, 
welchem  sich  kein  Grande,  kein  Erzbischof  entziehen  durfte.  Dieses 
Gericht  gehört  zu  jenem  Spolien  der  geistlichen  Machte  durch  welche 
die  spanische  Regierung  mächtig  wurde,  wie  die  Verwaltung  der 
Grossmeisterthümer ,  die  Besezuug  der  Bisthümer^^  —  „Seinem  Sinn 
und  Zweck  nach  ist  es  vor  Allem  ein  politisches  Institut.  Der  Papst 
hat  ein  Interesse,  ihm  in  den  Weg  zu  treten,  und  thut  es,  so  oft  er 
kann.  Der  König  aber  hat  ein  Interesse,  es  in  steter  Aufnahme  zu 
erhalten^  ')• 

Man  sagt  so  oft,  die  Kirche  sei  oder  wolle  ein  Staat  im  Staate 
sein.  Aber  die  spanische  Inquisition  war  eine  Kirche  in  der  Kirche. 
Carl  V.  fing  bald  an,  dieselbe  als  Werkzeug  seiner  Herrschsucht 
gegen  die  Kirche  zu  benüzen.  Er  war,  so  lange  er  regierte,  der  wahre 
und  einzige  Grossinquisitor. 


§.  24. 

Dnss  Th.  Torquemada  durch  die  ihm  gesezten  Coadjutoren  sich 
nicht  in  den  Ruhestand  sezen  Hess,  geht  u.  a.  aus  der  Instruction  mit 
16  Artikeln  hervor,  welche  er,  der  Prior  zum  heiligen  Kreuz  in  Avila, 
von  dort  aus  im  Jahre  1498  ergehen  Hess ').  Darin  wird  u.  a. 
verordnet,    dass    alle    Beamten     der    Inquisition    täglich    wenigstens 


')  So  Leop,  Ranke,  Fürsten  und  Völker  von  Stldenropa  im  16.  und  17.  Jahrb. 
Thl.  I,  1837,  S.  242— 24a  —  Vgl.  Ueinr,  Leo,  Weltgeschichte,  Bd.  II,  S.  48L  — 
Ouizot,  Cours  d*  histoire  moderne,  Paris,  1828  —  eile  (rinquisition)  fut  d*abord  (aaeh 
in  der  Folge)  plus  politique,  que  religieuse,  et  destinöe  ä  maintenir  V  ordre  plntot, 
qu'  ä  döfendre  la  foi. 

')  Reuss,  S.  56-63.  CopilRcion  de  las  Instinciones  del  Oficio  de  la  Santa 
Inqoision,  hechas  per  el  muy  Reverendo  Sefior  Fray  Tomas  de  Torquemada,  foI. 
Madr.  1576.  —  Havemann,  Daretell.  ans  der  innem  G^sch.  Spanien^s,  Göttg.  1850. 
S.  106.  Dass  Torquemada  der  widerstrebenden  Isabella  die  Einführung  der  Inqui- 
Bition  gleichsam  abgerungen  habe,  läast  sich  nicht  einmal  wahrscheinlich  machen, 
viel  weniger  beweisen. 


Das  Ende  Torquemada's.  55 

sechs  Standen  in  ihrer  Amtsstube  arbeiten,  drei  Vor-  und  drei  Nach- 
mittags. Die  Inquisitoren  sollen  die  falschen  Zeugen  züchtigen  und 
öffentlich  bestrafen.  Die  Frauen  sollen  in  den  Gefängnissen  getrennt 
TOD  den  Männern  sein.  Der  Historiker  Zwita ,  einer  der  grössten 
Lobredner  der  Inquisition,  nennt  den  Th.  Torquemada  wiederholt  einen 
heiligen  Mann,  oder  einen  Mann  von  Heiligkeit.  Er  versichert,  dass 
die  eingezogenen  Güter  der  Verurtheilten  auf  die  gewissenhafteste  und 
uneigennüzigste  Weise  verwendet  wurden^)  u.  a.  zum  Baue  verschie- 
dener Kirchen  und  Kloster.  Derselbe  Zurita^  berichtet,  dass^  vor  der 
Vermählung  der  Jüngern  Isabella  mit' Manuel,  König  von  Portugal  (1497), 
die  spanischen  Eltern  der  Braut  u.  a.  die  Bedingung  gestellt  hätten,  dass 
Manuel  aus  seinem  Königreiche  alle  spanischen  Flüchtlinge  vertreiben 
müsse,  die  von  der  spanischen  Inquisition  verurtheilt  worden  seien  ^). 

Wie   wenig  Papst  Alexander  VI.   dem  Torquemada  geneigt  war,  ^^'  ^®' 
haben  wir  früher  gehört.    Damals  war  Garcilaso  de  la  Vega,  der  Vater  Garci' 
des  bekannten  Dichters ,   spanischer   Gesandter  in   Rom.     Er   schrieb  '^^  ^® 
am  21.  April  1498,  kurz  vor  dem  Tode  Torquemada's,  an  die  „Könige^,  in  Rom 
dass  Papst  Alexander  VI.  Willens  gewesen  sei,  der  Macht  der  Inqui-    **^^- 
sition  in  den  Weg  zu   treten.     Im  Auftrage   der  „Könige^   aber  habe 
er  die  Einmischung  des  Papstes  hintertrieben,    und  demselben  die  In- 
quisition in  einem  günstigen  Lichte  dargestellt^). 

Die  Gegner  Torquemada's  werfen  ihm  vor,  dass  er  auf  Reisen 
mit  einer  grossen  Schuzmannschafb  sich  umgab,  jedenfalls  also  sein 
Leben  einer  Gefahr  nicht  aussezen  wollte.    Seine  Leibwache  auf  Reisen 


')  Zurita,  Anales  de  Aragon,  IV,  p.  324:  la  religion  j  santetad  de  aqnel 
ezcelente  varon;  —  aqaello  santo  varon  Torquemada.  —  Fueron  muchos  los  bienea 
j  baziendas,  que  se  aplicaran  a  la  camara  y  fisco  real  y  dellos  se  hizieron  muy 
senaladas  obras:  y  se  fandaron  diversas  Iglesias  y  monastcrios:  porque  no  dedi- 
cavan,  sino  para  en  cosas  mny  piadosas  y  santas  y  todo  se  expedio  en  eato  (ausser 
den  Ausgaben  für  die  Besoldung  der  Beamten  der  Inquisition,  die  in  der  ersten 
Zeit  oft  Noth  litten),  y  en  los  alimentos  de  los  reos,  que  eran  pobres.  Unter  den 
frommen  Sachen  nennt  er  den  Bau  des  Klosters  von  S.  Thomas  in  Avila.  Zurita 
war  selbst  Secretär  bei  der  Inquisition. 

*)  Zurita,  Anales  de  Aragon,  Zarag.  1610,  t.  V,  p.  121.  —  Von  dieser  Be- 
dingung sagt  Heinr.  Schäfer  in  seiner  so  genauen  „Geschichte  von  Portugal" 
Bd.  ni,  1850,  S.  10—11  kein  Wort. 

')  i^Por  Uis  cosas,  que  Vuestras  Altezas  me  han  escrito  tocantcs  k  la  Santa 
Inquislcion,  he  procurado,  no  solo  de  empachar  que  no  se  otorgasen  aqni  cusus 
contra  ella,  mas  que  el  Papa  la  favoresciese,  y  ayudase  (Spanien  von  Rom  zu  trennen) 
y  para  esto  ha  Dios  rodeado  dispusicion  en  que  se  pudieso  fazor."  Der  englische 
Quaecker  Ber^jamin  B.  Wissen  war  im  Besize  des  Originals  dieses  wichtigen  Briefs. 
—  (Carta  k  los  reyes  D.  Fernando  y  dofia  Isabel,  de  su  embajador  en  Koma  en 
1498;  in^ita.  Van  adjuntos  otros  doeumentos  diplomdticos  de  aquella  ^poca,  tambicn 
in^itos,  San  Sebat^tian.,  1812.  (Dionig,  Hidalgo,  Diccion.  —  de  bibliogralia 
Eepanola,  Madr.  1862,  I.  p.  330.    Ad.  Wolf,  1.  c,  1867,.  S.  49.) 


56  Dreizehntes  Bnch.    Erstes  Kapitel. 

habe  aas  50  Dienern  zu  Pferd,  nnd  100  za  Fass  bestanden;  bei  Tische 
habe  er  stets  den  Zahn  eines  wilden  Thieres  neben  sich  liegen  gehabt, 
der  etwaiges  Gift  entdecken  und  unwirksam  machen  sollte '). 

Der  gefarchtete  Mann  starb  zu  Avila  in  einem  Alter  von  78  Jahren 
—  am  16.  September  1408. 


§.  25. 

Didacus  Deza,  aus  Toro,  der  zweite  Grossinquisitor,  war  gleich- 
falls Dominikaner.  Als  Professor  der  Theologie  in  Salamanca  erlangte 
er  grosses  Ansehen.  Seine  Schriften  bekunden  eine  umfassende  Ge- 
^^^    lehrsamkeit.    Er  wurde  nach  einander  Bischof  von  Zamora,  Salamanca 

GrTÜto- (1496— 1497),  Jaen  1497  — ILOO),  Palentia,   im  Jahre   1505   aber  Erz- 

quisitor.  bischof  von  Sevilla.  Als  solcher  starb  er  am  9.  Juli  1523,  nachdem 
er  noch  vorher  zum  Erzbischof  von  Toledo  ernannt  worden  war.  Cr 
wnr  Erzieher  des  Prinzen  Juan,  Thronerben  von  Spanien.  Ihn  schlugen 
nun  die  Eonige  dem  Papste  Alezander  VI.  als  Grossinquisitor  vor. 
Schon  am  1.  December  1498  wurde  er  vom  Papste  bestätigt,  aber  nur 
als  Grossinquisitor  von  Castilien*}.  Es  war  diess  offenbar  wieder  ein 
schwacher  Versuch,  der  Macht  der  Inquisition  Schranken  zu  sezen. 
Deza  war  darüber  unzufirieden,  und  nahm  das  Amt  nicht  an^  bis  der 
Papst  dasselbe  auch  auf  Aragon  ausgedehnt  hätte.  Denn  auch  die 
beiden   oben   erwähnten  Coadjutoren  hatten   ihre  Vollmacht  für   ganz 

AiexAn.  Spanien.  Am  1.  September  1499  erliess  der  Papst  eine  weitere  — 
QQd    seine  Vollmachten  ausdehnende  Bulle.    Jezt  nahm  D.  Deza  an.     Durch 

D.Dexa.  eJn  ßreve  vom  25.  November  1501  erklärte  der  Papst,  dass  die  Voll- 
machten, in  deren  Besiz  Torquemada  gewesen,  auch  auf  seinem  Nach- 
folger übergehen  sollten.  Durch  eine  um  einen  Tag  firüher  erlassene 
Bulle  gewährte  der  Papst  der  Inquisition  das  bedeutende  Privilegium, 
dass  derselben  an  jeder  Cathedrale  Spanien's  eine  Präbende  zur  Besezang 
mit  einem  der  Ihrigen  eingeräumt  werden  müsse.  Concession  folgte 
auf  Concession,  Privilegium  auf  Privilegium.  Durch  Breve  vom  15.  Mai 
1502  ertheilte  der  Papst  dem  Generalinquisitor  die  Vollmacht,  über 
die  Beweggründe  zu  entscheiden,  welche  die  Angeklagten  hätten,  von 
dem  Gerichte  der  Inquisition  befreit  zu  sein,  d.  h.  der  Papst  schnitt 
die  Appellationen  an  den  Papst  ab,  oder  stellte  es  wenigstens  in  das 
Gutbefinden  des  obersten  Inquisitors,  ob  appellirt  werden  dürfe,  oder 
nicht.    Durch  Breve  vom  31.  August  1502  erhielt  Deza  die  Vollmacht, 


')  LlorerUe,  J,  p.  286.   —   Thom,  M'Orie,  Geschichte  der  BeformRtien    in 
Spanien,  dentsch  v.  O.  Plieninger.,  Stuttg.l835y  S.  115  (bemflt  dch  auf  lAorente), 
*)  Llorente,  I,  p.  289. 


Did.  Deza,  Grossinqniaifor.  1498—1507.  Monstreprocess  in  Cordova.         57 

sich  Sabdelegaten  (ohne  Bestätigung  durch  den  Papst)  zu  bestellen. 
Durch  ein  anderes  Breve  von  demselben  Tage  erhält  Deza  die  Voll- 
macht, alle  Fragen  wegen  Appellationen  durch  die  von  ihm  ein- 
gesezten  Subdelegaten  entscheiden  zu  lassen,  um  den  Zeitaufwand 
zn  vermeiden,  den  das  Einsenden  der  Processsachen  nach  Rom  erfor- 
dert hätte.  Wahrlieh  dieser  Papst  machte  einen  verschwenderischen 
Gebrauch  von  seinen  Rechten;  wahrlich,  das  spanische  System,  mit 
Hilfe  Rom's  von  Rom  sich  loszutrennen,  stand  in  den  lezten  Jahren 
dieses  Papstes  in  der  höchsten  Bläthe.  Derselbe  starb  am  18.  August 
1503,  und  darnach  war  es  ihm  nicht  mehr  möglich,  dem  unersättlichen 
Konige  Ferdinand  noch  weitere  Privilegien  zu  ertheilen,  die  Ranke  mit 
Recht  „Spolien^  der  geistlichen  Macht  nennt 

D.  Deza  erliess  neue  Statuten  und  Instructionen  für  das  Verfahren 
der  Inquisition  am  17.  Juni  löOO,  am  13.  November  1503  u.  a.'). 

Unter  Deza  wurde  die  Gerichtsbarkeit  der  Inquisition,  ganz  gegen 
den  ursprünglichen  Plan  bei  ihrer  Einfuhrung,  auf  die  getauften 
Morisco's  ausgedehnt,  um  sie  an  dem  Ab&lle  vom  Ghristentbume  zu 
verhindern.  Isabella  gestand  nur  zu,  da^s  der  Gerichtshof  von  Cordova 
—  im  Falle  eines  vollständigen  Abfalls  der  Moriscos  vom  Christenthume, 
seine  Jurisdiction  auf  Granada  ausdehnen  dürfe*).  In  ähnlicher  Weise 
wurde  die  Inquisition  auch  aaf  die  Moriscos  in  Castilien,  Leon  und  Aragon 
ausgedehnt.  Jene  erklärten  aber  im  Jahre  1524  dem  (fünften)  Gross« 
inquisitor  Manrique,  sie  seien  von  seinen  Vorfahrem  im  Amte  stets 
mit  Billigkeit  behandelt  und  in  Schuz  genommen  worden^. 

Die  Amtsverwaltung  Deza's   ist.  durch   drei   Processe  in  üblen 
Ruf  gekommen,  gegen   den  Erzbischof  Talavera  von  Granada,  gegen '^^'' ^'^^ 
den  Gelehrten  Aelius  von  Lebrija,   und  durch  einen  grossen  Monstre-  meero. 
process   in  Cordova.    Deza's  Unglück   war,   dass   er  seinen   Gehilfen 
Diego  Rodriguez  de  Lucero,  Scholasticus  von  Almeria,   und  Inquisitor 
des  Tribunals  von  Cordova,  ungehindert  schalten  Hess*). 

Einige  der  Häresie  angeklagte  Andalusier  wollten  sich  dadurch 
retten,  dass  sie  eine  ungeheure  Menge  Unschuldiger  denuncirten.  Sie 
hofften  so  eine  allgemeine  Amnestie  für  Alle,   also  auch  für  sie,  die 


0  S.  Reuss  a.  a.  0.  —  S.  63  flg.  --  Copüacion  de  las  Instracdones  del  Ofieio 
de  la  Santa  InquiBidcm,  heohas  en  Toledo  ann.  de  1561.  —  Madr.  1612.  Erweiterte 
SaaiiDlimg,  im  Aaf  trage  des  Alonao  Manrique,  Erzbischof  v.  Sevilla,  Madr.  1680» 
welehe  Anagabe  der  Instructionen  der  Inquisition  «/•  D»  Reuss  ttbersezt  hat,  Hannov. 
1788.  (Uarente,  I,  p.  330-881.) 

')  lAoretUe^  I,  p.  333—334. 

*)  Lhrent€j  I,  p.  424 --425. 

*)  Petrus  Martyr  nennt  ihn  im  Jahre  1506:  severua  et  iracundus  a  natura, 
jQdaioo  Domhii  et  neophytis  infensissimus  (Epist.  295);  er  nennt  ihn  statt  Lucerius 
—  Tenebrerius. 


/ 
i 


58  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Denuncianten.  Lncero  und  Deza  gingen  in  die  Falle.  Den  Bedrängten 
kam  Ximenes  zu  Hilfe.  Er  bat  den  König,  den  Deza  seines  Amtes 
durch  den  Papst  entsezen  zu  lassen.  Bald  darauf  kam  Konig  Philipp  I. 
nach  Castilien,  und  Ferdinand  musste  sich  nach  Aragonien  zurück, 
ziehen.  Philipp  suspendirte  den  D.  Diego  in  seiner  Thätigkeit  als 
Grossinquisitor,  und  verwies  ihn  in  sein  Erzbisthum  zurück.  Die  Ge- 
schäfte der  Inquisition  wurden  dem  königlichen  Rathe  übertragen^). 
Philipp  I.  starb  schon  am  25.  September  1506.  Jezt  nahm  Deza  ohne 
eine  Ermächtigung  sein  früheres  Amt  wieder  auf,  und  auch  der  grosse 
Process  scheint  wieder  aufgenommen  worden  zu  sein.  Sicher  ist,  dass 
am  6.  Oetober  1506  zu  Oordova  eine  Revolte  ausbrach.  Das  Gebäude 
der  Inquisition  wurde  gestürmt,  die  Gefangenen  durch  den  Marquis 
von  Priego  entlassen.  Dieser,  das  Domcapitel  und  der  Magistrat  ver- 
langten Lucero's  Absezung,  welcher  entflohen  war.  Deza  gab  nicht 
nach«  Der  Aufstand  tobte  durch  ganz  Andalusien*).  Ferdinand  Hess 
seinen  Freund  und  Beichtvater  Deza  fallen;  dieser  musste  resigniren, 
und  am  18.  Mai  1507  trat  Ximenes  an  seine  Stelle. 

Ximenes  Hess  den  Lucero  nach  Burgos  bringen,  und  in  der  dor- 
tigen Festung  verwahren.  Für  die  Revision  des  Processes^^^lbst  wurde 
eine  Junta  von  22  Mitgliedern  eingesezt,  worunter  vier  Bischöfe.  Der 
Prozess  wandte  sich  zu  Ungunsten  des  Lucero.  Am  9.  Juli  1508 
wurden  die  Angeklagten  für  unschuldig  erklärt,  die  Gefangenen  wurden 
freigelassen,  und  vollkommene  Sühne  des  Unrechts  befohlen.  Am 
1 .  August  wurde  der  Beschluss  zu  Valladolid  mit  grosser  Feierlichkeit 
in  Gegenwart  der  Königin  Juana  verkündigt  Nach  einjähriger  Had 
durfte  Lucero  nach  Almeria  heimkehren. 


§•   26. 

Didacus  Deza   hielt  im  Jahre  1512   zu  Sevilla  eine  Synode,    die 

einzige  uns  bekannte,   welche  zwischen   den  Jahren  1473  und  1529  in 

Spanien  gehalten  wurde.  —  Die  Aoten  dieser  Synode  sind  vollständig 

concii  erhalten.     Ihnen   geht   voran    die    einleitende   Rede   des   Erzbischofs. 

Villa    Der  Prolog  sagt,   dass   die  katholische  Kirche  den  Erzbischöfen    vor- 

i'^^is-    schreibe,   zu    bestimmten    Zeiten    Provinzialconcilien    zu    veranstalten. 

Das   Concii   nahm   65   Canones    oder   Gapitel    an.      Es    wird   grosser 

Nachdruck  auf  einen  genauen  Unterricht  der  erst  vor  kurzem  bekehrten 

frühern  Juden    oder  Mauren    gelegt.    Die   Aerzte   sollen   die  Krauken 

anhalten,   an  das  Heil  ihrer  Seele  zu  denken,  d.  i.  die  heiligen  Sacra- 


')  Zurita,  T.  VI,  1.  VII,  cp.  11. 

»;  2^rita,  1.  c.  cp.  42.  —  Uarente,  I,  p.  346— 3i8. 


Dezft 


Concil  zu  Sevilla,  1512.  59 

mente  zu  empfaogeD.  Die  Gläubigen  wurden  vor  Wahrsagern  und 
Zauberern  gewarnt,  deren  es  in  jener  Gegend  eine  grosse  Zahl  tou 
beiden  Geschlechtern  gab«  Es  wird  die  Zahl  der  kirchlichen  Festtage 
angegeben,  darunter  war  das  Fest  des  heiligen  Sebastian,  des  Evan- 
gelisten Marcus,  Kreuzerfindung,  des  Apostels  Bamabas ,  der  heiligen 
Maria  Magdalena,  der  heiligen  Anna,  die  Verklärung  Christi,  des 
heiligen  Laurentius,  „der  Geburt  unserer  Herrin**  (8.  Sept.),  Fest  des 
heiligen  Michael,  des  Evangelisten  Lucas.  Es  sind  38  Feiertage  und 
52  Sonntage;  aber  das  Fest  der  heiligen  Justa  und  Rufina  und  des 
heiligen  Isidor  wird  nicht  angeführt,  vielleicht  weil  diese  nur  in  der 
Stadt  begangen  wurden.  Eine  Procession  am  Feste  des  heiligen  Isidor 
wird  angeführt.  —  Der  Dreissigste  bei  den  Seelengottesdienstcn  heisst:  ^^ 
^trigenarins^.  Es  sollen  keine  heiligen  Messen  ausserhalb  der  Kirche  conoii 
gefeiert^  und  es  soll  hiezu  keinerlei  Erlaubniss  ertheilt  werden.  Eigene  '"»J^^« 
Beichtstuhle  und  tragbare  Altäre  dürfen  nur  in  den  Häusern  irgend 
eines  Herrn  von  Titel  oder  seiner  Söhne  ^)  sein.  Viele  Leute  haben 
nnter  dem  Vorgeben,  von  Stand  und  Adel  zu  sein,  durch  Betrug  von 
Rom  sich  Privilegien  erschlichen.  Ehen  dürfen  nicht  ausserhalb  der 
Kirche  gcschloasBn  werden.  In  den  Kirchen  und  Klöstern  dürfen  keine 
Passionsspiele  gegeben  werden.  Die  Sacristane  in  den  Eärchen  sollen, 
vo  möglich,  Priester  sein.  Die  Priester  sollen  wenigstens  an  den  drei 
Uaaptfesten  beichten  und  communiciren.  Es  soll  aus  jedem  Vicariate 
(Decanate)  jährlicher  Bericht  über  das  Leben  der  Kleriker  erstattet 
werden.  Es  dürfen  die  Befehle  solcher,  welche  sich  „apostolische 
Richter^  nennen,  nicht  vollzogen  werden,  wenn  der  eigene  Bischof 
deren  Vollmachten  nicht  zuvor  approbirt  hat.  Auch  die  ^^apostolischen 
Notarien**  sollen  ihre  Vollmachten  zur  Prüfung  vorlegen.  Es  wird 
verboten,  dass  in  (oder  bei)  den  Kirchen  „Burgen"  (arces)  errichtet 
werden.  Das  „Buch  der  Constitutionen"  dieses  Concils  solle  in  jeder 
Kirche  aufbewahrt  werden.  Auch  werden  die  von  dem  Cardinal  und 
Hhem  Erzbischof  Didacus  Hurtado  de  Mendoza  erlassenen  Consti- 
tutionen bestätigt  —  Der  Erzbischof  beschloss  das  Concil  mit  einer 
Anrede.  —  Wir  erfahren  aber  nicht,  ob  und  welche  Bischöfe  der 
Kirchenprovinz  dieser  Synode  angewohnt  haben,  nicht,  wie  viele  Siz- 
Qngen  gehalten  wurden,  und  wie  lange  sie  gedauert  habe.  Die  sehr 
gut  redigirten  Verhandlungen  des  Concils  gewähren  uns  einen  nähern 
Einblick  in  die  damaligen  religiösen  und  sittlichen  Zustände  von 
Andalusien*). 


*)  alienjus  domini  titolati. 

^  Aguirre-Gatalani«  Concilia  Hispaniae,  t.  V,  p.  361—881  —  Tejada  y  Ramirot 
<')!cccion  etc.,  tum.  V,  Madr.  1855,  p.  67-111. 


60  Dreizehntes  Buch.    Erstes  SLapit«!. 

§•  27. 

Man  hat  in  Deutschland  eine  falsche  Vorstellnng  von  den  s.  g. 
Autodafö's  und  den  Sanbenitos  der  Spanier.  Autodafes  bedeutet  wedeii 
Hinrichtungen  noch  Grausamkeiten,  sondern  einfach  „  Akte  des  Orlaubens- 
(bekenntnisses  ^)  *). 

Die  „Autodaf(i8^  waren  öffentliche  Bekenntnisse  des  katholischen! 
Glaubens,  zugleich  Abschworungen  von  Irrlehren.  Solche  Akte  fanden 
vom  Jahre  1481  bis  Ende  des  achtzehnten  Jahrhunderts  in  grosseri 
Zahl  statt.  Die  meisten  verliefen  unblutig.  In  einem  Autodafe  zu 
Toledo  vom  12.  Februar  i486  wurden  750  Personen  gestraft;  die  Strafe 
bestand  meistens  in  einer  leichten  Kirchenbusse;  nicht  Einer  erlitt  den 
Tod.  Am  2.  April  1486  wurden  zu  Toledo  900  Personen  verurtheiltj 
und  keine  hingerichtet.  Am  1.  Mai  1486  wurden  wieder  750  Personen^ 
am  10.  December  1486  —  900  Personen  verurtheilt,  keine  aber  z^ 
den  Flammen.  3300  Personen  wurden  —  nach  LlorenU  —  die  meiste^ 
zu  Ejrchenbussen,  27  aber  zum  Tode  verurtheilt.  Paramo  weiss  nui^ 
von  vier  Todesurtheilen  der  Inquisition  zuToledo  gegen  vier  „Erzkezer"  *)^ 
—  Die  einzelnen  Auto's^  u.  a.  das  Verzeichniss  der  abschworenden 
Personen  enthaltend,  erschienen  später  im  Drucke,  und  es  gibt  noch 
verschiedene  Sammlungen  dieser  Autodafe's'). 

Die  Beschreibung  eines  der  lezten  Autodafes,  der  ,,von  dem  hein 
ligen  Inquisitionsgericht  am  9.  Mai  1784  in   der  Kirche   S.  Domingo 


*)  Man  denke  an  die  so  gefeierten:  Autos  sacramentales  der  Spanier,  — \ 
Fronleichnamsspiele,  iUinlich  wie  die  Paasionasptele  in  Oberammergau,  welche  lezterö 
bei  Katlioliken,  Protestanten,  und  selbst  Jaden  solchen  Anklang  finden;  s.  äbeti 
jene  —  THcknor- Julius,  Gesch.  der  schönen  Literatur  in  Spanien,  Hamb.  1852J 
Bd.  I,  p.  612—620,  besonders  des  Lope  de  Vega  und  Calderon;  11,  p.  12—22; 
733.  —  Fr.  Schock,  Gesch.  der  dramat  Literat,  u.  Knnst  in  Spanien  (3.  Bd.)  18MJ 
II,  p.  102-105;  39a-415  u.  b.  w.  —  Äd.  Wolf,  (Nachtr.  zu  Ticknar-Julius,  1867)j 
S.  99-100.  Lope  de  Vega  sagte  sterbend,  er  bereue  es,  dass  er  nicht  sein  ganze^ 
Leben  dem  Schreiben  von  Autors  und  andern  ahnlichen  religiösen  Gedichten  ge^ 
widmet  habe,  S.  118—120;  207—208. 

*)  Paramo,  p.  170.  —  Lhrente,  I,  p.  238—239. 
')  Ob  es  irgendwo  eine  vollständige  Sammlung  gibt,  wissen  wir  nicht.  £in<^ 
kleinere  Sammlung,  leider  nur  aus  den  Jahren  1720—1723,  befand  sich  in  der  Privat^ 
bibliothek  des  unglücklichen  Kaisers  Maximilian  von  Mexico.  Nicht  weniger  ald 
39  Autodafe  wurden  in  diesen  Jahren  gehalten ,  und  zwar  3  in  Madrid ,  (2  iii 
Lissabon,  1  in  Coimbra),  1  in  Barcelona,  1  in  Gordova,  2  in  Llerena,  8  in  Murciaj 
4  in  Sevilla,  4  in  Valladolid,  4  in  Toledo,  4  in  Granada,  3  in  Cnenca,  1  in  Sandagoj 
1  in  Valencia^  1  in  Zaragoza,  1  in  Mallorca.  —  z.  B.  Belacion  del  Auto  particold 
de  Fö,  qne  se  celebrö  en  Madrid,  el  22  Febrero  de  1722.  Madrid  1722  in  i\  H 
p.  p.  cart.  —  cf.  Catalogue  de  la  biblioth^ue  de  Jos,  Mar,  Andrade,  Lieipz.,  Ib6^i 
p.  100—102. 


Ein  Antodafö  1781.  61 

el  Real  öffentlich  vollzogenen  Execution^  findet  sich  im  Anhange  der 
Sammlung  der  Instructionen  der  Inquisition  (von  Reuss),  Darnach 
gingen  am  9.  Mai  1784,  nach  acht  einhalb  Uhr  Morgens,  aus  dem 
Inquisitionsgerichtshof  zu  Madrid  ein  Mann  und  zwei  Frauen  in 
Bnsskleidem;  zwei  davon  mit  dem  San  Benito  und  dem  Andreas- 
Krenz,  die  dritte  ohne  dieses.  Alle  drei  mit  grünen  Kerzen ,  Stricken 
um  den  Hals,  und  papiemen  Kappen ^  worauf  ihre  Verbrechen  ge- 
sehrieben waren.  Vor  dem  Tribunal  ging  ein  Zug  von  der  Reiterei  ^^^J^^,^ 
nnd  eine  Compagnie  Grenadiere,  in  zwei  Reihen  folgten  die  Diener  des  itm. 
Gerichts,  in  ihrer  Mitte  die  Verbrecher,  dann  die  Censoren  in  Glaubens- 
sachen, in  ihrer  Mitte  ein  geist-  und  weltlicher  Bedienter,  welche  einen 
mit  carmosinrothem  Sammt  überzogenen  Kasten,  worin  die  Processakten 
waren,  trugen.  Es  folgten  der  Inquisitor,  der  allein  ging,  der  oberste 
Algaazil  (von  Madrid)  und  einige  andere  Dignitare.  Zwei  Reihen  von 
Hellebardieren  deckten  den  ganzen  Plaz ;  es  folgten  wieder  Grenadiere, 
welche  den  Marsch  spielten.  Allen  diesen  folgte  der  Zug  von  Wagen 
und  Kutschen  des  Alguazils.  Man  zog  in  die  Kirche  Domingo  el  real,  in 
der  wieder  eine  Grenadier  -  Compagnie  aufgepflanzt  war,  ,,um  Unord- 
Dong  beim  Zulauf  des  Volkes  zu  verhindern''.  Die  „Verbrecher'^  er- 
hielten auf  einem  erhoheten  Gerüst  in  der  Kirche  ihre  Pläze  ange- 
wiesen. Hinter  ihnen  stellten  sich  der  Alcayde,  der  Vice- Alcayde,  der 
Gerichtsbote  und  der  Chirurgus  auf,  die  sie  beobachteten.  Der  In- 
quisitor hatte  seinen  Siz  auf  der  Evangelienseite,  vor  sich  ein  Crucifix, 
das  Ritual,  die  Stola,  und  ein  Licht,  um  die  Verbrecher  zu  absolviren. 
Es  begann  die  heilige  Messe.  Nach  dem  Introitus  bestieg  ein  Secretär 
des  Gerichts  eine  Kanzel  neben  dem  Gerfist,  worauf  die  Verbrecher 
standen,  und  las  ihre  Processakten  vor^  welche  eine  Menge  von  Schänd- 
lichkeiten, Aberglauben,  Abgotterei,  Teufelsverbindungen,  und  andere 
abscheuliche  Verbrechen  enthielten.  Das  Urtheil  lautete:  Der  Mann 
und  eine  der  Frauen  sollten  „de  vehementi"  abschworen,  beide  am 
nächsten  Tage  auf  den  öffentlichen  Plaz  gefuhrt  werden,  der  Mann,  um 
200  Staupschläge  zu  erhalten,  die  Frau  zur  öffentlichen  Beschimpfung. 
Beide  soUten  dann  auf  fünf  Jahre  in  das  Zuchthaus  wandern,  und  beide 
für  immer  40  Meilen  von  Madrid  und  den  übrigen  Hoflagem  verwiesen 
werden,  und  an  dem  Orte,  wo  sie  später  wohnten,  sich  der  Aufsicht 
<ler  Inquisition  unterstellen.  Die  andere  Frauensperson  sollte  „de  levi^ 
abschworen,  und  vier  Jahre  von  Madrid  und  den  königlichen  Hoflagern 
ferne  bleiben«  Alle  drei  Verbrecher  sollten  einen  Monat  lang  in  dem 
Hsttse  des  Tribunals  geistlichen  Uebungen  obliegen,  dem  zu  ernennenden 
Director  eine  allgemeine  Beicht  ablegen,  dann  in  das  königliche  Ge- 
fangoiss,  aus  dem  sie  gekommen,  zurückgeführt  werden,  damit  „ihre 
hier  anhängig  gemachte  Sache  ausgemacht  würde,  nadi  deren  Beendigung 
8ie  zu  ihren  verschiedenen  Bestimmungen  abgeführt  werden  soUten^^  - 


62  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Die  Verbrecher  xnnssten  yor  dem  Tisch  des  Inquisitors  nieder- 
knieen  nnd  ihre  Irrthümer  abschworen.  Sie  wurden  absolvirt,  ihre 
Andreas-Kreoze  ihnen  abgenommen,  nnd  die  grünen  Kerzen  in  ihren 
Händen  angezündet.  Knieend  horten  sie  die  heilige  Messe  an.  Am 
Ende  gaben  sie  ihre  Kerzen  dem  Priester,  küssten  seine  Hand  undj 
wnrden  in  der  frühem  Ordnung  in  das  Gerichtshaus  zurückgeführt 
Um  zehn  Uhr  am  nächsten  Tage  empfing  der  Mann  seine  Schläge,: 
die  Frau  aber  die  öffentliche  Beschimpfung,  begleitet  von  allen  Familiarenj 
und  weltlichen  Dienern  in  zwei  Reiben  zu  Pferde;  die  Secretäre  und 
der  oberste  Alguazil  folgten  dem  Zuge,  der  seine  Kutschen  und  Wagen 
mitfühiie.  Vor  der  ganzen  Procession  ging  ein  Haufen  Reiterei.  — 
An  beiden  Tagen  war  ein  sehr  grosser  Zusammenlauf  von  Volk '). 

Unter  den  beiden  Konigen  Carl  IlL  und  Carl  IV.  (1759—1808) 
wurden  nach  Llorente  —  nur  vier  Personen  lebendig  verbrannt,  diej 
lezte  im  Jahre  1781  als  angebliche  Hexe  —  zu  Sevilla'). 

Die  Autodafe  waren  für  die  Spanier  Lieblingsschanspiele, 
wie  die  Autos  sacramentales,  nnd  wie  die  Stiergefechte.  Bei  festlichen 
^'^  Gelegenheiten  wurden  solche  Autodafes  zum  Besten  gegeben,  und  diq 
f^«  als  Spanier  meinten,  dass  die  Fremden  an  ihnen  denselben  Geschmack  findet 
Volks,  sollten,  wie  sie  selbst  Als  Philipp  IV.  im  Jahre  1621  zur  Regierung 
kam,  gab  die  Inquisition  zur  festlichen  Feier  ein  Autodafe  zum  Besten^ 
Eine  Maria  de  la  Concepcion  sollte  mit  dem  Teufel  einen  Bund  gcH 
schlössen  haben;  dieselbe  erhielt  200  Hiebe  und  wurde  zu  beständige!^ 
Haft  verurtheilt').  Aehnliches  war  geschehen,  als  Philipp  U.  die  Ke^ 
gierung  antrat;  als  Elisabeth  von  Valois,  die  dritte  Gemahlin  Philipps  11.^ 
im  Jahre  15C0  nach  Spanien  kam,  gab  man  ihr  zu  Ehren  u.  a.  Stier^ 
gefechte  in  Guadalaxara,  ein  Autodafe  aber  in  Toledo  am  2ö.  Februail 
loCO').  Nach  Llorente  wurden  hier  Mehrere  in  ,^Person^,  Andere  inl 
„Bilde^^  verbrannt.  Viele  aber  Bussen  unterworfen.  Aehnliches  geschalt 
zur  Feier  der  Heirath  Carl's  II.  im  Jahre  1680  mit  Maria  Luis^ 
Bourbon  von  Orleans^).  Als  der  erste  Bourbon  Philipp  V.  im  Jahre  1701 
nach  Spanien  kam,  wollte  man  auch  ihm  zu  Ehren  ein  Autodafe  auf- 
fuhren.   (Er,  ein  Franzose,  verbat  sich  diese  Ehre)®). 

Das  war  spanisch,  sehr  spanisch,  katholich  war  e»  nicht.  Will 
man   diese  Form    der  Inquisition   der  katholischen  Kirche   aufbürden^ 


')  </.  D.  Reu98,  1.  c.  —  S.  202—206,  ans:  Memorial  literario  instmctivo  y 
curiofio  de  la  corte  de  Madrid^  etc.  Hayo  1784.  p.  79  —  83. 

')  JJorente,  IV,  p.  93;  270.  —  Ticknor-Julius,  II,  p.  359. 

*)  Llorente,  III,  p.  463. 

*)  Llorente,  II,  p.  884—385.  —  TicknorJulius,  II,  p.  322. 

»)  Llorente,  IV,  p.  3. 

*)  Llorente,  fV,  p.  29.  —  Ticknor  Julius,  II,  p.  351. 


Die  Autodaf(§8.    Art  des  Verfahrens.  63 

80  kann  man   ihr   mit   demselben  Rechte   auch  die  spanischen  Stier- 
gefecbte  zum  Vorwurfe  machen. 

Die  Autodafes  waren  in  den  meisten  Fällen  eine  Art  öffentlicher 
Kirchenbusse,  womit  geistliche  Uebungen  verbunden  wurden.  Die 
„Verbrecher  mussten  ihre  frühem  Irrthümer^  feierlich  abschworen.  Sie 
trugen  ein  Busskleid,  genannt  San  Benito  (Saccus  benedictus,  der  hei-  ^*^  ^° 
lige  oder  geweihte  Rock),  dessen  Gestalt  und  Verzierungen  allerdings 
nicht  nach  unserem  Geschmacke  sind;  aber  „ländlich,  sittlich^ ').  Nach 
den  Autodafe's  kehrten  die  meisten  der  Schuldigen  wieder  in  ihre  Hei- 
math zurück,  und  Alles  war  vorüber,  wenn  sie  nicht  rückfallig  wurden. 

Man  zählte  in  Spanien  14  Gerichtshöfe  der  Inquisition,  die  unter  ^^^^®' 
dem  obersten  Gerichte  in  Madrid  standen,   Sevilla,  Lebrija,   Cordova,  richu. 
Jaen-Granada,  Toledo,  Murcia,  Valencia,  Cuenca,  Barcelona,  Zaragoza^   ^^'<^- 
Valladolid,  Santiago,  Mallorca,  Calahorra. 

Nach  Llorente  zahlte  man  im  Jahre  1538  —  19  Gerichtshöfe,  zu 
Sevilla,  Cordova,  Toledo,  Valladolid,  Murcia,  Calahorra,  für  Estre- 
madara,  zu  Zaragoza,  Valencia,  Barcelona,  für  Mallorca,  für  die  Cana- 
rias,  zu  Cuen^a,  Granada  (womit  Jaen  vereinigt  worden),  für  Navarra, 
Sicilien,  Sardinien,  auf  dem  Festlande  und  den  Inseln  America's. 
Nachher  worden  die  drei  Gerichtshöfe  in  Mexico,  Lima  und  Cartha- 
gena  errichtet*). 

§.  28. 

Jedes  Inquisitionsgericht  begann  sein  Verfahren  damit,  dass  es 
für  die  Angeklagten  eine  Zeit  der  Gnade,  etwa  40  Tage,  verkündigte. 
Die  Termine  wurden  oft  verlängert.  Wer  vom  katholischen  Glauben  ^J**^®»*- 
abgefallen  war,  aber  innerhalb  einer  bestimmten  Zeit  sich  freiwillig 
stellte,  wurde  vollkommen  freigesprochen^.  —  Als  das  Gericht  von 
Ciadal-Real  nach  Toledo  verlegt  wurde  (1485 — 1486),  wurden  drei 
Termine  von  je  40,  60,  endlich  von  30  Tagen  gewährt*).  —  Diejenigen, 
deren  Vergehen  bewiesen  war,  durften  eingezogen  werden.  Die  Mit- 
glieder einzelner  Gerichtshöfe  konnten  nur  mit  Stimmeneinhelligkeit 
eine  Verhaftung  beschliessen.  Die  Verhöre  mussten  in  Gegenwart  von 
zwei  Priestern  stattfinden,  welche  Misshandlung  und  Willkühr  abzu- 
wenden hatten.  Der  Ankläger  musste  einen  Eid  ablegen,  dass  ihn  kein 
Privatbass   zur   Anklage   treibe.      Die   Protokolle   sollten   den   Ange- 


■)  Llarenie,  „San-Benito"  (Sac  benit)  t.  I,  p.  826—829.    Es  gab  verschiedene 
Arten  von  San  Benito's. 

»)  IJorenie,  II,  p.  76-77. 

»>  Reu$a,  Sammlung,  S.  8,  11.  —  lAorerUe,  I,  p.  152,  175. 

0  Llorente,  I,  p.  237. 


64  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

* 

klagten  zweimal  vorgelesen,  und  deren  Inhalt   von   ihnen  als  wahr  an- 
erkannt werden. 
^*^  Der  Angeklagte  konnte  Zeugen  zurückweisen,  welche  er  für  seine 

««^°-  p^Jq(]^  hielt.  Er  konnte  Entlastungszeugen  sich  ansbitten,  welche  be- 
rufen werden  mussten,  wenn  sie  auch  in  einem  andern  Welttheile  sich 
befanden.  Jeder  Process  wurde  durch  eine  Keihe  von  Instanzen  hin- 
durchgeführt.  Nur  wenige  Inquisitionsprocesse  (in  der  Zeit  nach  1507) 
hatten  den  Tod  der  Angeklagten  zur  Folge.  Vergleicht  man  damit 
das  gleichzeitige  Gerichtsverfahren  in  andern  Landern,  so  wird  man 
iiberrascht  von  dieser  Milde. 

Wahr  ist,  dass  auch  bei  diesem  Gerichte  die  Folter  angewendet 
wurde.  Aber  kein  weltlicher  Gerichtshof  hatte  sie  abgeschafft.  Sie 
hörte  bei  der  Inquisition,  wie  bei  allen  andern  Gerichtshöfen,  erst  all- 
mälig  um  die  Mitte  des  achtzehnten  Jahrhunderts  auf.  Selbst  Ziorente 
sagt:  CS  ist  gewiss,  dass  seit  langer  Zeit  die  Inquisition  auf  die  Folter 
verzichtet  hat,  so  dass  man  sie  in  der  That  als  abgeschafft  betrachten 
kann*).  Die  Inquisition  weiss  nichts  von  all'  den  geschärften  Todes- 
strafen, welche  die  peinliche  Gerichtsordnung  Carl's  V.  vom  Jahre  1520 
^1^  kennt,  nichts  von  Viertheilung,  Raderung,  Galgen,  Wasser,  Lebendig- 
^  ^  begraben,  Keissen  mit  glühenden  Zangen,  Abhauen  der  Finger,  Ab- 
schneiden der  Zunge  und  Ohren,  u.  s.  w. 

In  einem  und  demselben  Process  durfte  die  Folter  nicht  mehr 
als  einmal  angewendet  werden.  Ein  anwesender  Arzt  musste  jedesmal 
bestimmen,  wann  sie  aufzuhören  habe,  um  nicht  das  Leben  zu  gefährden. 
Zwar  hatten  die  im  Jahre  1484  erlassenen  ersten  Artikel  eine  wieder- 
holte Tortur  gestattet,  aber  sehr  bald  wurde  davon  Abstand  genommen^). 
Schon  im  Jahre  1537  verbot  der  oberste  Inquisitionsrath  fast  alle  An- 
wendung der  Folter  gegen  die  Moriscos').  Bald  darauf  wurde  ent- 
schieden, dass  nicht  die  Provinzialgerichtshöfe,  sondern  nur  der  oberste 
Rath  der  Inquisition  die  Anwendung  der  Folter  erlauben  durfte,  aber 
erst,  nachdem  der  Angeklagte  zuvor  zu  seiner  Entschuldigung  Alles 
vorgebracht  hatte.  Nach  einer  andern  Verordnung  sollten  nur  der 
Diöcesan  -  Bischof,  die  Consultoren  und  der  Inquisitor  auf  Tortur  er- 
kennen dürfen,  und  dieselbe  nur  in  ihrer  Gegenwart  angewendet  werden^). 
^^^  ^  Die*  Gefängnisse  der  Inquisition  waren  selbst  nach  Lhrente  gut 
nisM.  gewölbte,  helle  und  trockene  Zimmer,  in  denen  man  sich  einige  Be- 
wegung machen  konnte °).    Von  Ketten,   Handschellen,  eisernen  Hals- 


')  UoretUe,  I,  p.  305—306. 

*)  Llarente,  I,  p.  307.  —  Eeuas,  S*  23,  Artikel  15. 

')  Lhrente,  I,  p.  415. 

*)  Lhrente,  H,  p.  317—318. 

•;  TAorente,  I,  p.  300. 


Die  Gefängnisse.   Art  des  Verfahrens.  65 

bäDdem  war  keine  Rede').  —  Die  Kranken  wurden  gut  behandelt. 
Die  Gefiingenen  vmrden  gefragt,  ob  der  Kerkermeister  sie  gnt  behandle. 

Sohne  und  Tochter  von  Kezern  unter  20  Jahren  worden  auch 
nach  abgeiaofener  Gnadenfrist  gern  zu  Gnaden  angenommen  *).  Knaben 
durften  nicht  Tor  14,  Madchen  nicht  vor  12  Jahren  die  Häresie  ab- 
schworen, am  sie  vor  Gefahr  des  Rückfalls  in  dieselbe  zu  bewahren. 

Der  zweite  Grossinqnisitor  Deza  Hess  am  17.  Juni  1500  u.  a. 
<Jie  Verordnnng  ergehen,  das  Niemand  wegen  unbedeutender  Anklagen, 
iucii  nicht  wegen  Gotteslästerungen,  welche  im  Zorne  ausgestossen 
worden,  eingezogen  werden  dürfe  ^).  Das  tolle,  wahnsinnige  Benehmen 
mancher  spanischer  Häretiker,  von  denen  z.  B.  nicht  wenige  bei  oder 
ruieli  der  heiligen  Wandlung  auf  den  Priester  sich  stürzten,  und  ihm 
die  consecrirte  Hostie  ans  der  Hand  rissen^),  zeigt  eben,  wie  bei  diesen 
Ilüreükem  Wahnsinn  epidepoisch  war.  Desswegen  untersuchten  die 
Inquisitoren  genau  den  Geisteszustand  der  Angeklagten  und  Ueber- 
viiesenen,  and  bestimmten  darnach  ihr  Verfahren'^)« 

In  seinen  lezten  Statuten  vom  25.  Mai  1498  verordnete  Torque- 
mada,  dasa  bei  jedem  Gericht  ein  Jurist  und  ein  Theolog,  ersterer  ge- 
v^ohnlich  auch  ein  Kleriker,  Inquisitoren  sein  sollten.  Sie  durften  nur 
gemeinschaftlich  auf  Yerhaftung  erkennen.  Waren  sie  nicht  einig,  oder 
der  Angeschuldigte  eine  distinguirte  Persönlichkeit,  so  konnte  nur  der 
oberste  Bath  der  Inquisition  die  Verhaftung  anordnen^).  Carl  IV. 
verbot  der  Inquisition,  Jemand  zu  verhaften,  ohne  dass  der  König  da- 
von in  Kenntmss  gesezt  worden^).  Für  die  Verhafteten  wurden  be- 
sondere Verwalter  ihrer  Güter  angestellt. 

§.  29. 

Den  Inquisitoren  waren  die  s.  g.  Qualificatoren  an  die  Seite  ge-  ^^o 
bkllt,  Professoren,  Theologen,  die  nicht  zum  Gerichte  selbst  gehorten,  ^"J)^ 
Mr  Crntachten  abzugeben  hatten,  ob  gewisse,  seien  es  gesprochene 
oder  gedruckte  Säze  der  Angeschuldigten,  wirklich  häretisch  seien. 
Wenn  sie  diess  verneinten,   so  unterblieb  die  Verhaftung.    Erst  wenn 


rcn. 


0  Lhrende,  1,  p.  301. 

^  Beu88,  8.  1&-16. 

*)  Art.  4.  —  Reu88,  S.  66.  —  UorenU,  l,  p.  234,  330. 

0  Don  B^cmcisoo  de  Quevedo.  Ein  spanisches  Lebeosbild  ans  dem  sieb- 
»hoten  Jahrhundert  v.  Baumstark.  Freib.  1871,  S.  130—143.  Quevedo  erklärt 
•Hr^  als  Sucht,  berflhmt  ea  werden ,  nnd  meint,  man  solle  Verbrecher  dieser  Art 
ciit  Aosechlnss  aller  Oeffentlicbkeit  hiDricbten. 

*)  lAorenie,  II,  p.  148-149. 

')  UorenU,  II,  p.  9—10,  29R. 

')  lAorenie,  11,  p.  471. 

GuM,  ipM.  Kirche.  EL  3.  5 


66  Dreizehntes  Buch.    Erstes  KaiHtel. 

andere  Qualificaioren  gefragt ,   and  anders   entschieden   hatten,    durfte 
eine  Verhaftung  stattfinden*). 

Der  achte  Artikel  der  Statuten  Tom  Jahre  1498  verordnet,  dass 
die  ak  falsche  Zeugen  Ueberwiesenen  öffentlich  bestraft  werden  sollen'). 
Bei   einem  Autodafe    zu   Sevilla  im   Jahre    1559  erhielt  ein  falscher 
zen^^n  Ankläger  400  Peitschenhiebe,  und  wurde  vier  Jahre  zu  den  Galeeren | 
boBtraa  verurtheilt^).    Ja,  Papst  Leo  X.  wollte  am  14.  December  1518,   dass 
falsche  Zeugen  mit  dem  Tode  bestraft  werden  soUen^).  | 

Zwei   bei  den  Verhören   anwesende  Priester   mussien  Misshand- 
lung  und  Willkühr   zu   verhindern   suchen^).    Der  dem  Angeklagten 
beigegebene  Anwalt  musste  schwören,  denselben  standhaft  nnd  treu  zn 
vertheidigen.    Bei  armen  Angeklagten  bezahlte  der  Fiscus  den  Advo- 
caten*).     Der  Ankläger   musste  schwören,   dass  kein  Privathass   ihn 
treibe,  dass  er,  wenn  er  verleumde,  gewärtig  sei,  der  schwersten  Strafe 
diesseits  und  der  ewigen  Verdammung  anheimzufallen.    Den  Verklagten 
Art  des  ^^urden   in   Gegenwart  der   beiden  Priester  die   Protokolle  nach  dem 
fahrcna.  Verhöre  und  wieder  nach   vier  Tagen  zur  Verificirung  vorgelesen"^). 
Dem  Angeklagten,  der  noch  nicht  25  Jahre  alt  war,  wurde  ein  eigener 
Curator  beigegeben®). 
Fällung  j^  ^{q  grösste  Vorsicht  war  die  Inquisition   bei    Fällung    der 

t^eiier  Urtheile  gebunden.  Das  Urtbeil  erhielt  nur  Rechtskraft  durch  Zu- 
stimmung des  Oberinquisitors  nnd  seines  Käthes;  früher  war  die8s 
nur  bei  den  nicht  einstimmig,  später  auch  bei  den  einstimmig  gefitösten 
Urtheilen  der  Fall  ^.  Die  Urtheile  mussten  von  den  Consulenten,  den 
Advocaten  bei  dem  Obergerichte,  die  keineswegs  Beamte  desselben  waren, 
geprüft  werden.  Zum  zweitenmale  wurden  die  Qualificatoren  nach 
dem  Verhöre  gefragt,  ob  nach  den  gegebenen  Erläuterungen  eine 
Häresie  vorliege,  oder  nicht.  Ohne  eigenes  Geständniss  war,  die  Uebei - 
Weisung  der  Eezerei  äusserst  schwierig  ^^). 

So  leid  es  den  Spaniern   war,   hörten  die  Päpste  doch   niemals 
auf,  Appellationen  gegen  die  Inquisition  anzunehmen. 


')  UorerUe,  I,  p.  227;  297—299. 

')  JReu88,  S.  60.  —  Llarente,  I,  p,  232;  352. 

»)  Uorente,  U,  p.  271. 

*)  Llorente,  I,  p.  417. 

*)  Llorente,  I,  p.  233. 

«)  Eeu88,  S.  24;  164.  — 

^  Camicero,  Jos.  Clemeni,^  la  inquisicion  jnstamenfee  restablecida,  6  imptip:- 
nacion  de  la  obra  de  D.  «7.  Änt  lAarente:  Anales  de  la  Inqnisioion  de  Espaüa. 
Madr.  1816.  T.  II,  p.  67—58. 

•)  Reuss,  S.  156.  —  Llorente,  I,  p.  294;  II,  p.  306. 

")  Llorente,  I,  p.  221;  —  Reuss,  S..  41. 

»•)  Reuss,  S.  21—22.  —  Llorente,  I,  p.  227. 


Die  Zeogen.    Art  und  Welse  des  Verfahrens.  67 

Aber  warum  durften  die  Angeklagton  nicht  die  Namen  der  Zeugen 
gegen  sie  erfahren?  Schon  im  Jahre  1484  wurde  geantwortet,  weil 
mehrere  Zeugen  von  den  Häretikern,  oder  ihren  Anhängern,  Verwandten, 
getodtet,  oder  verwimdet  und  misshandelt  worden*).  Unter  Carl  V. 
verlangten  die  Cortes  von  Valladolid,  —  Februar  1618,  —  dass  die 
Zeugen  genannt  werden.  Die  Nennung  sei  ,jjezt  nicht  mehr  gefährlich, 
es  sei  denn,  dass  der  Angeschuldigte  ein  Herzog,  Markgraf,  Graf, 
Bischof  oder  Prälat  sei^^^.  Der  Beklagte  hatte  femer  das  Recht,  die 
Personen  zn  nennen,  welche  er  (ur  seine  Feinde  halte,  und  deren 
Zeugniss  er  verwerfe,  und  sie  wurden  als  Zeugen  ausgeschlossen.  Bei 
Zeugen,  welche  er  nicht  ausgeschlossen,  musste  das  Gericht  untersuchen, 
ob  sie  nicht  personliche  Feindschaft  treibe^). 

Die  neuen  Statuten  vom  -Jahre  1488  bestimmen  zur  Abkürzung 
der  Processe:  der  Process  müsse  sogleich  instruirt  werden,  damit 
die  Gefimgenen  nicht  Grund  zur  Beschwerde  hätten^).  Dagegen  durfte 
kein  Process  und  keine  Haft  verlängert  werden  (Statut  von  1488), 
wenn  ein  Zeuge  gegen  den  Angeklagten  aus  weiter  Ferne  berufen  werden 
sollte.  Der  Geüemgene  sei  nach  Maassgabe  dessen,  was  erwiesen  worden, 
zu  beurtheilen,  und  dann  freizusprechen.  Ein  neuer  Process  könne 
nur  beginnen,  wenn  neue  Anklagen  vorliegen^). 

Das  Statut  Torquemada's  vom  Jahre  1498,  das' auf  einer  Ver- 
sammlung zu  Toledo  berathen  worden,  verlangt  Vorsicht  und  Kürze 
der  Processe.  Wenn  aber  einzelne  Processe  dennoch  lange  dauerten, 
so  lagen  änaeere  Hindernisse  vor,  z.  B.  weite  Entfernung  der  Zeugen. 
Zuweilen  zögerte  man  auch,  um  dem  Angeklagten  Zeit  zur  Reue  zu 
geben.  Nach  dßm  Bekenntnisse  und  der  Rene  aber  trat  stets  die  Busse 
ein,  welche  im  Allgemeinen  in  geistlichen  Uebungen  bestand^). 

Zu  Zeiten  Torquemada's  wurden  wiederholt  Klagen  laut,  dass 
den  Inquisitoren  die  ihnen  schuldigen  Gehalte  nicht  ausbezahlt  würden, 
nnd  sie  darum  am  Nothwendigen  Mangel  litten.  Später  verstummen 
diese  Klagen,  ohne  dass  man  Grund  hat,  von  Iteichthümem  der  In- 
quisition zu  reden.  Vielleicht  hängt  dieses  Verstummen  zusammen  mit 
der  Verleihung  einer  Canonicatspfründe  jeder  Oathedrale  an  die  In- 
quisition^. 


0  ReusSj  8.  23.  Art.  16  der  ersten  Stfttaten.  ■—  Ranke,  Ffirsfen  nnd  Völker , 
1,  S.  247. 

^  JJorente,  J,  p.  379. 

^  Llorente,  II,  p.  29  -  30. 

«)  Reu88,  Samnhing,  S.  39,  Art  3. 

•)  Reuss,  S.  40. 

•)  Reuss,  S.  18;  58. 

'}  lÄorente,  I,  p.  217.  „Die  Finanzen  des  hciligeu  A  rotes  waren  so  Hbel  be- 
bteUt,  dass  die  Gehalte  der  Inquisitoren,  welche  aus  den  Confiscationen  bestritten 

5' 


68  Dreizehntes  Bach.    Eretes  Kapitel. 

Dass  das  Vermögen  der  Vcrurtheiltcu  confiscirt,  und  die  Kinder 
derselben  ihres  elterlichen  Erbes  beraubt  wurden,  war  unstreitig  eine 
harte  Maassregel  der  Inquisition.  Sie  wird  etwas  gemildert  durch  die 
Erwagungy  dass  in  Cadtilien  schon  vor  Einführung  der  Inquisition  die 
Güter  der  überführten  Kezer  eingezogen  wurden^).  Bei  den  Moriscos 
dagegen  fiel  diese  Härte  weg.  Das  Vermögen  der  Verurtheilten  blieb 
deren  Eindem^).  Schon  nach  dem  ersten  Statut  des  Jahres  1484 
(Art.  22)  wird  verordnet,  dass  die  Inquisitoren  für  die  Waisen  der  Ver- 
urtheilten Sorge  tragen;  sie  sollen  dieselben  rechtschaffenen  Personen 
empfehlen,  welche  sie  erziehen,  unterhalten^  und  in  dem  katholischen 
Glauben  unterrichten^).  Sie  sollen  ein  genaues  Verzeichniss  über  diese 
dorver- Waisen  und  deren  Zustand  halten,  welche  „die  Könige^  unterstüzeu, 
nrtheii-  ^^^  g|^  ^  ^^^  Stand  sezeu,  dass  sie  entweder  heirathen,  oder  in  einen 

teil. 

Orden  eintreten.  In  nicht  seltenen  Fällen  liessen  ,,die  Könige^'  die 
Güter  der  Verurtheilten  deren  Frauen  und  Kindern*),  oder  sie  ver- 
willigten ihnen  Pensionen  aus  ihrem  Vermögen,  oder  Anweisungen  auf^ 
bestimmte  Summen,  bezahlbar  dem,  der  diese  Anweisungen  prasentirte. 

§.   30- 

Zahl  der  Opfer  der  Inquisition. 
Durch  einen  „frivolen  ProbabilitätscalcuP^    kommt  Llorente  dazu; 


DU 


die  Zahl  der  Opfer  der  Inquisition  also  zu  berechnen: 


Zahl  dor 

Verurtheilte,  die  in  Person  verbrannt  wurden:  •    •  031*  912 

„  „   im  Bilde  „  „        •    •  017.  659 

Begnadigte  mit  schweren  Strafen 291.  450 


Total:  341.  021^) 
Durch  die  genaue  Angabe  der  Zahlen  will  er  die  Leser  glauben 
machen,  dass  er  die  Opfer  gleichsam  selbst  gezählt,  dass  ihm  klar- 
redende Documente  vorgelegen  haben.  Seine  ganze  Rechnung  stüzt 
sich  aber  auf  eine  Angabe  bei  Mariana,  dessen  Worte  er  nicht  so  last 
missverstanden,  als  schmählich  verdreht  hat.  Mariana  lebte  ein  Jahr- 
hundert nach  Torquemada,  kann  also  in  keinem  Falle  ein  zuver- 
lässiger Zeuge  sein. 


werden  sollten,  gewöhnlich  im  Rückstand  bliebeiu*  ->  Ose  Peschel,  Zeitalt.  iL 
Entdeck.,  S.  152.  —  Zam  Ganzen  s.  Hefde,  S.  304-322. 

')  Ordenan^  reales,  Lib.  8,  tit.  4. 

*)  Llorente,  I,  p.  448—449.  —  Gondicion  moral  de  los  Moriscos  de  Espaua, 
causasde  sn  expiüsion,  y  coDBecnencias  qae  esta  prodnjo  en  el  6rden  econömico 
y  politico;  P«  D.  Floreneio  Janer,  Madr.  1857. 

»)  Beu88,  S.  31—32.  —  Llorente,  I,  p.  182. 

*)  Llorente,  p.  216—217. 

')  Llorente,  IV,  p.  271. 


Zahl  der  Opfer.  G9 

Wir  haben  aber  die  Aussagen  dreier  zur  Zeit  der  Einfiihrung  der 
Inquisition  lebender  Schriftsteller,  deren  übereinstimmendes  Zeugniss 
Zuerst  gehört  werden  mnss. 

Luc.  Mdrinms  Sietdus  schrieb  „de  rebus  Hispaniae",  22  Bücher,  'jj^'^*" 
Er  bezeugt,  dass  in  Folge  der  Inquisition  in  Andalusien  etwa  17.000  Per-  siouius. 
sooen  ihre  Irrthümer  abgeschworen  haben ,   dass  sehr  Viele  geflohen, 
und  man  etwa  5000  leere  Hauser  gezählt  habe«    Von  den  Hartnackigen 
seien  im  Laufe  weniger  Jahre  2000  Personen  beider  Geschlechter  ver- 
brannt worden  *). 

üebrigens  schiebt  auch  Marineus  die  Einfuhrung  der  Inquisition 
iälschlich  dem  Papste  zu,  der  sie  bloss  concedirte^. 

Heman  dd  Pulgar,  Chronist  der  „katholischen  Konige",  spricht  ^"*«*^' 
sich  in  ähnlicher  Weise  aus^.  Er  sagt:  „Von  den  Verurtheilten 
warden  zn  verschiedenen  Malen,  und  in  einigen  Städten  und  Orten 
gegen  2000  Männer  und  Frauen  verbrannt;  andere  wurden  zu  bestän- 
digem Gefängnisse  verurtheilt,  andern  wurde  als  Busse  aufgegeben, 
dass  sie  alle  Tage  ihres  Lebens  einherwandelten,  gezeichnet  mit  grossen 
farbigen  Eo-euzen,  die  sie  auf  der  Brust  und  an  den.  Schultern  tragen 
sollten*). 

Ans  der  gleichzeitigen  Chronik  des  A.  Bemaldez  will  Llorente  ^^l 
^issen^  dass  von  1482 — 1489  jährlich  88  Personen  in  Sevilla  verbrannt  des. 
worden.  Im  Jahre  181$  (und  1851)  war  das  Werk  von  Bemaidez 
noch  nicht  gedruckt.  Es  erschien  erst  im  Jahre  1856  zu  Granada  ^). 
~  Bemaldez  zählt  vom  Jahre  1481-^  1488  einschliesslich  acht  Jahre. 
Id  dieser  Zeit,  sagt  er,  verbrannten  sie  mehr  als  700  Personen,  ver- 
söhnten mit  der  Kirche  mehr  als  5000,  schlössen  (andere)  in  Gefäng- 
nisse^  in  welchen    sie   vier  oder  fünf  Jahre  oder  länger   verweilten. 


')  Quorum  (obstinatomm)  pancis  annis  atriasqne  sexus  millia  dno  combuata 
faemnt  (Andere  durften  in  den  Gefängnissen  fortleben.)  Luc  Marin.  SicuLus^  de 
^bas  Hispaniae  memorabilibns  1.  22.  ^  ap.  Schott.,  Hispaniae  illnstratae,  t.  I. 
1. 19,  p.  483  (p.  291—518). 

^  Papa  —  inqnisitionem  fieri  diligenter  et  animadverti  jabebat  —  Bex  et 
regina  soctoritate  jnflsnqne  Pontificio  inqnisitoribas  hanc  ordinem  et  hanc  legem 
ätataerunt  (p.  482—483.) 

*)  Corönica  de  D.  Fernando  y  D.  Isabel^  Valencia  1780  foL  sonst  flOschlich 
BDter  dem  Namen  des  Ad.  Anton,  v.  Lebrija  dtirt,  der  das  Werk  herausgab,  aber 
nicht  verfasste  (oben  III,  1,  p.  446). 

0  Pulgar,  Crorönica  de  los  reyes  Gatölicos«  --  P.  segnnda,  cap.  77,  p.  137. 
l^tM  fd^n  qnemadoB  en  diversas  veces  y  en  algunas  cibdades  ö  vUlas,  fasta  dos 
mil  homes  ö  mageres:  d  otros  fneron  condenados  d  carcel  perpetoa,  6  k  otros  fuö 
dado  per  penitencia,  qne  todos  los  dias  de  an  vida  andovieaen  sefialados  con  cruces 
graodea  coloradasi  pnestas  sobre  ans  ropaa  de  vestir  en  loa  pechoa  y  on  las  eapaldas. 

^)  In  zwei  Banden  nnd  in  achlechter  Aosatattnng.  Andr^  Bemaldez^  Historia 
<le  loa  reyes  Catoliooa  D.  Fernando  y  D.  Isabel,  Corönica  inödita  del  Siglo  XV, 
2  tom.,  Graaad.  1866. 


70  Dreizt'lintcs  Buch.    Erstes  Kapitel. 

In  diesen  acht  Jahren  verbrannten  sie  in  Sevilla  drei  Priester^),  und 
drei  oder  vier  Mönche^)»  alle  aus  der  Klasse  derer,  die  (ihre  Häresie) 
eingestanden  hatten.  Sie  verbrannten  auch  einen  Doctor  (Frayle)  der 
Trinitarier,  mit  Namen  Savariego.  £r  war  ein  grosser  Prediger,  nnd 
ein  in  Künsten  der  Verfahrung  grosser  Häretiker.  Sie  verbrannten 
auch  ungezählte  Gebeine  in  den  Vorstädten  de  la  Trinidad,  von  San 
Angustin  nnd  San  Bemard,  Gebeine  derer,  die  überwiesen  worden, 
und  welche  dort  nach  jüdischer  Sitte  waren  beerdigt  worden^).  Sie 
verbrannten  auch  ,,in  efißgie^^  viele  überwiesene,  aber  entflohene  „Ju- 
den'^  —  Aus  acht  Jahren  macht  Uorente  sieben  Jahre,  und  theilt  dem 
Jahre  1481  —  noch  298  Verbrannte  bis  zum  4.  November  1481,  und 
ausserdem  noch  2Ü00  Verbrannte  zu.  In  der  That  aber  dürfte  die 
cbronut  -^^g^be  des  Bemaldez  das  Richtige  treflfen,  so  dass  auf  jedes  der  acht 
A.  Her-  Jahre  im  Durchschnitte  80  (nicht  88)  Personen  kamen.  Daneben 
uaidoz.  ^^j^j^  richtig  sein,  dass  im  Jahre  1481  allein  298  Personen  verbrannt 
wurden.  Dann  treffen  eben  auf  die  folgenden  sieben  Jahre  im  Durch- 
schnitte 60  Personen^). 

§.  31. 

Bei  der  Frage  nach  der  Zahl  der  Opfer  sind  wir  weiter  auf  eine 

Inschrift  hingewiesen,  welche  angeblich  im  Jahre  1.524  über  den  Thoren 

des  Castells  von  Triana  zu  Sevilla  gesezt  wurde.    Die  Inschrift  lautet: 

An  eb-  "^™  Jahre   des  Herrn  1481,   als  Sixtus  IV.  Papst,   Könige  vou 

liehe  In-  Spanien  und  heider  Sicilien  die  Katholischen  D.  Fernando  nnd  D.  Isabella 

^  waren,   nahm  hier  das   geheiligte  Tribunal   der   Inquisition   gegen   die 

judaisirenden  Eläretiker   seinen  Anfang;  wo  nach   der  Vertreibung  der 


Der 


srhrfft 
in  Se 
Villa. 


*)  Tres  Gldrigos  de  Missa. 

')  Frailes. 

')  DiOBS  ist  wieder  jene  spanische  Härte,  welche  unserem  christlichen  und  na- 
türlichen Grcfühlo  widerstrebt,  die  wahrscheinlich  denjenigen  weniger  anstössig  ist, 
welche  die  Leichenverbrennung  in  unsem  Tagen  in  Deutsohland  einführen  wollten. 
Es  ist  eine  Härte,  wie  wir  sie  bei  Canon  2  und  3  der  Synode  von  Elvira  (306) 
gefunden,  nach  welcher  auch  den  Reuigen  auf  dem  Todbetto  die  heilige  Gommunion 
nicht  gereicht  werden  soll. 

*)  BemcUdeZf  I,  cap.  44.  —  De  como  comenzaron  en  Sevilla  a  -prender, 
quemar,  y  reconciliar  los  hercges  JudilicoB  ~  p.  102.  Qnemaron  mas  de  setecientas 
porsonas,  y  reconciliaron  mas  de  cineo  mil;  —  en  Sevilla  en  tomo  de  aqaellos  ocbo 
afios  quemaron  a  tres  ClörigoB  de  Missa,  e  tres  o  cnatro  Frayles  todos  de  este  linagc 
de  los  confesos  e  quemaron  an  Doctor  Frayle  de  la  Trinidad,  que  clamaban  Sava- 
riego, que  era  an  gran  prcdicador  y  gran  falsario  herege  engafiador:  quemaron  in- 
finitos  hnesoB  de  los  corralcs  de  la  Trinidad  y  San  Agastin  e  San  Bernardo  de  los 
confesos,  que  alli  se  habian  snterrado,  cada  ano  sobre  si  al  aso  judayco,  e  aprego- 
naron,  c  quemaron  en  estatua  a  muchos  qnehallaron  dafiiados  de  losjudioshuydos. 
cf.  Aufgabe  von  Sevilla,  J.  1870,  l,  p.  133. 


Zweifel 
an  der 


Die  Inflcbrift  zu  Sevilla.  71 

Joden  and  Maaren  bis  zu  dem  Jahre  1524,  als  der  göttliche  Carolus 
:d5  römiflcfaer  Kaiser,  von  mütterlicher  Seite  her  der  Erbe  der  katholi- 
schen Könige  regierte,  Generalinquisitor  der  ehrwürdigste  Don  Alfonso 
le  Maorique,  Erzbischof  Ton  Sevilla,  war,  schwären  20.000  und  mehr 
lläreüker  das  schreckliche  Verbrechen  der  Häresie  ab,  von  Allen  aber 
wurden  mehr  als  1000,  die  in  ihren  Häresieen  verhärtet  waren,  nach 
>i(m  Rechte  dem  Fener  übergeben  und  verbrannt. 

Mit  Hilfe  und  Forderung  der  Päpste  Innocenz  VIII.,  Alexander  VI., 
Pias  III.,  Julius  IL,  Leo  X.,  Hadrian  VI.,  welcher  als  Cardinal  Statt- 
halter von  Spanien ,  und  Generalinquisitor  zur  päpstlichen  Würde  er- 
hoben wurde  —  im  Auftrage  und  auf  Kosten  unseres  Herrn  des  Kaisers 
iiess  der  lacentiat  de  la  Ctteva  diese  Inschi'ift  sezen,  und  es  dictirte 
•iieselbe  Didacus  von  Cartagena^  Erzdiacon  von  Sevilla,  im  Jahre  des 
Herrn  1524/' 

Der  Wortlaut  dieser  —  gewöhnlich  als  acht  angenommenen  In- 
schrift erweckt  viele  Zweifel  an  ihrer  Aechthelt,  Zweifel  daran,  ob  sie  A«cht. 
ms  dem  Jahre  1524  stamme.  Wurden  die  katholischen  Könige  — 
Konige  beider  Sicilien  genannt?  —  Sind  die  Worte:  Divo  Carolo  — 
umc  Regnanti  (für  Regnante?)  im  Jahre  1524,  überhaupt  zu  Lebzeiten 
^arFs  V.  angewendet  worden*)?  —  Selbst  der  angebliche  Verfasser 
it'f  Inschrift  hat  seinen  Namen  nicht  richtig  dictirt.  Denn  er  hiess 
nicht  Didacus  de  Cariagena,  sondern  de  Cortegana^^.  —  Im  besten 
Fälle  haben  wir  also  eine  äusserst  misslungene  Copie  der  Inschrift 
vor  uns ,  oder  die  Inschrift  ist  ein  Machwerk  jener  Gesellschaft  von 
Falschem,  die  seit  dem  Ende  des  sechszehnten  Jahrhunderts  Spanien 
mit  ihren  erdichteten  Chroniken,  Schrift;en  und  Inschriften  überschwemmt 
und  belogen  haben.  Die  Zahl  von  1000  Personen  aber,  welche  zu 
Sevilla  in  den  Jahren  1481 — 1Ö24  verbrannt  wordep,  dürfte  der  Wirk- 
lichkeit annähernd  entsprechen,  da  wir  der  erwähnten  Angabe  des 
^VTnaW«5  von  700  Verbrannten  (von  1481 — 1488)  ohne  Bedenken  glauben. 

Auf  die  Aussagen  des  Luc.  Marineus   und  Pulgar  gestüzt,   sagt  Auga- 
liun  J.  Mariana  y  dass  mehr  als  17.000  freiwillig  ihre  Schuld  bekannt,  j^^^j^^^^^ 
^'XX)  aber  verbrannt  worden  seien^   während  eine  grössere  Anzahl  sich 
0  lebend  in  die  benachbarten  Provinzen  zerstreut  habe^). 


')  Die  Worte:  ab  Alfonso  Manrique  —  Fidei  officio  pra^fecto  —  passen 
eicht  in  den  ZasammeDliang.  Sodsim  die  Worte:  omniom  fere  M.  (mille)  obstioa- 
t</nim  tgmbuB  tradita  simt  et  combusta,  sind  sprachlich  kauiA  richtig.  Was  sechs 
Pipste  Bolt  dieser  InBchrift  zu  thun  haben,  leuchtet  nicht  em. 

*)  Anales  eelesiastieos  y  aecularea  de  —  Sevilla^  formad.  per  Didacus  Ortiz  de 
Zo%a,  corregidos  p.  A.  M.  Espinosa  y  Carzd,  t.  IIT,  p.  836-^337.  Madrid  1791—92. 
«Die  erste  Aasgabe  dieses  Werkes  erschien  in  einem  Fol.  zu  Madrid  im  Jahre  1677). 
Vgl.  Didacus  lafptx  de  Coriegana  bei  Nicol  Antonio  ^  Bibl.  nova,  I,  p.  205* 

*)  MariaMf  de  rebus ffispaaiae,  12^  17:  ATarrecremataedictispropoBita  spe 


72  DrcizchntcB  Duch.    Erstes  Kapitel« 

Wir  finden  in  den  Aussagen  des  Marineus,  Pulgar j  Bemaldez, 
der  angeblichen  Inschrift,  and  Mariana's  keinen  Widerspruch.  Un- 
streitig fanden  am  meisten  Hinrichtungen  zu  Serilla  in  den  Jahren 
1481—1488  statt  Von  14S8—  1524  mögen  noch  etwa  300  Personen 
daselbst  das  Opfer  der  Inquisition  geworden  sein«  Auf  das  iibrige 
Spanien  kommen  dann  gleichfalls  etwa  1000  Personen.  Unter  diesen 
waren  die  52,  welche  —  nach  Paramo  —  za  Ciudad  real,  die  vier  (nach 
Llorente  27),  welche  zu  Toledo'),  und  die  vielleicht  200,  welche  zn 
Saragossa  im  Jahre  1486  hingerichtet  wurden.  Diese  aber  waren  nicht 
so  fast  Opfer  der  Inquisition,  als  Mitglieder  einer  grossartigen  Ver- 
schwörung, als  deren  Opfer  der  heilige  Petrus  Arbu^  fiel. 
c.  2000  d{q  Zeit,   innerhalb   welcher  in  ganz  Spanien  an  2000  Personen 

brannte,  vou  der  luquisition  verbrannt  wurden ,  beginnt  mit  dem  Jahre  148 1 , 
und  geht  jedenfalls  nicht  über  das  Jahr  1524  hinaus.  Wir  stimmen 
hier  dem  Protestanten  Oscar  Peschd  bei,  der  sagt,  dass  bis  etwa  zn 
Isabella's  Tode  (1504)  —  2000  Personen  den  Feuertod  erlitten  haben«). 


§.  32. 

Troz  dieser  klaren  Zeugnisse  glaubt  die  grosse  Masse  treuherzig 
dem    A.    Llorente.     Denn   sie   will   sich    eben   von   dem    prachtvollen 


veniae,  homines  promiscoae  aetatis,  sexos,  conditionis  ad  deoem  et  septem  millia 
ultro  crimina  confessoa  memorant:  duo  miUia  crematos  igne^  majori  samero  in 
vicioas  provincias  faga  dilapsos. 

')  ParamOy  de  origine  inquisitionis,  p.  170.  Die  Inquisition  warde  im  April 
1483  zu  Villareal  (später  Cindad  real)  eingesezt,  von  da  im  Mai  1485  nach  Toledo 
übertragen.  —  In  Givifate  regia  (nbi  duos  dmravit  annos),  qainqnaginta  duo  haeretici, 
in  erroribus  pertinaces,  flammis  faere  addicti,  qni  sua  pemicie  non  content!,  alios 
in  crrores  inducebant:  bis  centum  et  viginti  absentcs  damnati,  centom  oetoginta  tres 
ex  erroribus,  et  baeresibos,  quibus  erant  infecti,  Inquisitorum  studio  et  diligentia, 
ad  fidei  Gatholicao  veritatem  redacti.  Von  Toledo  aber  sagt  er:  Brevitatis  ergo 
so!  um  de  qaatuor  famosis  Haereaiarchis  mentionem  faciam.  Sigmund  Aiquer,  aus 
Sardinion,  war  der  erste;  GelasiusDus,  ein  Belgier,  wohnte  in  Ocafia;  der  dritte  war 
ein  Franzose,  der  Doctur  Hngo  Celans,  ein  Recbtsgelehrter.  Der  vierte  Haeresiarcha^ 
Franc.  Rol,  aus  dem  Orden  N.  (Norbertiner?),  stammte  aus  der  Provinz  Estrema- 
dura  und  war  ein  „Lutheranus  haeresiarcha^,  mnss  also  nach  dem  Jahre  1517  auf- 
getaucht sein. 

')  Ose.  Pesckd,  das  Zeitalter  der  Entdeckungen,  1858,  S.  151.  ,£s  ist  sittlich 
ganz  gloichgiltig,  wie  gross  die  Zahl  der  Verbrannten  gewesen  sei,  nur  darf  man 
nicht  dulden,  dass  Llorente  (Histoire  de  P Inquisition,  t  I,  p.  229  und  280)  durch 
einen  frivolen  ProbabiiitStscalcnl  10.220  Personen  ermitteln  will,  die  bis  zum  Jahre 
1498  den  Feuertod  erlitten  hatten,  weil  eine  Inschrift  auf  dem  Inqnisitionsgebäudc 
von  Sevilla  (bei  Zuntga,  Anales,  tom.  III  ad  ann.  1524)  von  1000  Verbrannton 
bis  zum  Jahre  1524  spricht.  Die  Zahl  von  2000  für  sämmtliche  Inqaisitionshdfe 
bis  etwa  zu  IsabeUa's  Tod  kommt  dagegen  der  Wahribieit  am  n&chflten;  sie  findet 


Llorente  —  bomo  mcndax.  73 

Steckenpferde  der  blutdurstigen  Inquisition  nicht  trennen.  Wir  geben 
onr  einige  Illustrationen  seiner  „Erdichtungen^^ ^).  Er  sagt,  die  In- 
qoisition  habe  allein  im  Sprengel  von  Sevilla  und  Cadix  im  Jahre  1481 

—  2000  Personen  verbrannt,   und  citirt  den  Mariana,     Dieser  aber  "•'*•"• 
spricht  von  der  ganzen  Zeit  von  1481 — 1498  oder  1501,   ja  vielleicht  route. 
nicht  einmal  mit  Beschränkung  auf  diese  Zeit,  und  von  ganz  Spanien« 

—  Auf  dieser  Zahl  2000  und  dem  Jahre  1481  baut  Llorente  weitere 
Schlüsse,  d.  i.  Luftschlosser  auf.  Er  widerspricht  sich  auch  selbst, 
indem  er  anderswo  sagt,  das  neue  Tribunal  h^be  bis  zum  4.  No- 
vember 1481  schon  298  Personen  verbrannt.  Dann  meint  er,  die  an- 
dern 1700  seien  ausserhalb  Sevilla's  verbraunt  worden.  Ek*  vergisst 
nar,  dass  er  früher  gesagt,  vor  dem  Jahre  1483  habe  nur  das  einzige 
Tribunal  von  Sevilla  bestanden^* 

Verwegen  ist  es,  wenn  Llorente  jedem  der  drei  ersten  Gerichts- 
hofe (nach  Sevilla)  Cordova,  Jaen,  und  (Ciudad  real)  Toledo  durch- 
schnittlich 44  Verbrannte  im  Jahre  zuweist;  noch  verwegener  ist  es, 
nachdem  die  Zahl  der  Tribunale  von  4  auf  1 1  erhöhet  wurde,  an  dieser 
rein  willkuhrlichen  Zahl  von  44  für  jeden  der  1 1  Gerichtshofe  fest- 
halten zu  wollen,  als  ob  die  Vermehrung  der  Verbrecher  mit  der  Ver- 
mehrung der  Zahl  der  Gerichtshofe  gleichen  Schritt  hielte.  Ausserdem 
zahlte  Gastilien  fünfinal  mehr  Juden,  als  Aragonien. 

Llorente  lässt  in  den  Jahren  1483  —  1498,  in  der  Zeit  Torque- ?*•  *^' 
mada's  8800  Personen  im  Feuer  sterben,  der  Grausame  1  der  es  sich  an  genuo- 
200O  Verbrannten  nicht  genügen  liess.    Llorente  konnte  unter  den  zahl-  *'•"•*'•• 
reichen  durch  den  dritten  Grossinquisitor  Ximenes  gefällten  Urtheilen 
kein  einziges  Todesnrtheil  auffinden.    Trozdem  ist  er  verwegen  genug 
za  behaupten,  es  seien  unter  ihm  ebensoviele  hingerichtet  worden,  wie 
unter  seinem  Vorgänger  Deza.    Aber  „getreu  dem  Principe,   welches 
ihn  stets  den  massigsten  Berechnungen  den  Vorzug  geben  lässt'^,  lässt 
er  in  den  1 1  Jahren  der  /Imtsverwaltung  des  Ximenes  nur  2536  Per- 
sonen in  Wirklichkeit,   1368   im  Bilde   verbrannt  werden,    47.263  zu 
Bussen  verurtheilt,  im  Ganzen  51.167  gestraft  werden^).    Darnach  muss 
man  es  noch  als  eine  besondere  Gunst  betrachten,  wenn  Llorente  die 
Zahl  der  Opfer  der  Inquisition   während  der  ganzen  Zeit  ihres  Be- 
standes nur   auf  31.000  schäzt    Diess   ergäbe  für  das  Jahr   74  Hin- 


sich  bei  Pulgar ^  Beyes  Catöl.  part  II,  cap.  57;  L.  Marinei  Siculi,  Memorab. 
Hb.  XIX,  fol.  109  verso;  Mariana ,  de  rebas  Hispanfae,  lib.  XXIV,  cap.  17.  — 
Ebenso  b&lt  Maurenbr edier ,  Stad  o.  Skizzen  zur  Reform.  Greschichte,  1874,  dio 
Zahl  TOD  2000  Opfern  für  die  richtigste,  S.  17-18. 

')  S.  das  Nähere  bei  Hefele,  der  Card.  Ximenes,  1851,  8.  2G6>267;  317,  330, 
339-849. 

»)  Llorente,  I,  p*  149—150,  160. 

')  Llarenie,  i  p.  360;  IV,  p.  256. 


74  Drcizolintes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

richtangen.  In  dieser  Zahl  begreift  Uorente  alle  Kezer,  Zauberer, 
Hexen,  Gotteslästerer,  Sodomiten,  Vielweiberer,  Wucherer,  Schmuggler, 
deren  Verbrechen  in  gewissen  Provinzen  oder  in  ganz  Spanien  der  In- 
quisition zugewiesen  waren.  Dem  gegenüber  stellen  wir  die  Meinung 
oder  die  Behauptung  auf,  die  Zahl  der  Opfer  der  Inquisition  von 
1 181— 1504  betrug  etwa  2000,  die  Hälfte  davon  entfiel  auf  Sevilla, 
die  andere  Hälfte  auf  die  übrigen  Gerichtshofe.  Für  die  Zeit  von 
150 i  — 1758  nehmen  wir  wieder  nicht  mehr  als  2000  Opfer  an,  aber 
nicht  eingerechnet  diejenigen,  welche  wegen  anderweitiger  Verbrechen 
hingerichtet  wurden.  Denn  dass  man  'sogar  den  Wucher  und  den 
Schmuggel  bei  den  Gerichten  der  Inquisition  einschmuggelte,  ist  auch 
wieder  spanische  Sonderbarkeit  oder  Eigenart. 

§.  33. 

Hieron.  Zurita  und  L^id.  Paramo  lebten  ein  Jahrhundort  nach 
Einführung  der  Inquisition.  Sie  können  nicht  mehr  als  eigentliche 
Quellen  oder  Zeugen  für  die  Geschichte  dieser  Einfuhrung  beni'izt 
werden;  doch  wollen  wir  auch  ihr  Zicugniss  anführen.  Zvrita  hat  vor 
Paramo  geschrieben.  Lezterer  hat  sich  auf  Zurita  mehrfach  bernfen, 
ihn  auch  vorkommenden  Falles  berichtigt^).  —  Zurita  war  selbst 
Secretär  bei  der  Inquisition*),  und  erhebt,  wie  wir  schon  gehört,  die- 
selbe mit  den  grössten  Lobsprüchen.  Ueber  die  Zahl  der  Opfer  schreibt 
er:  „Die  Strafe  der  Delinquenten  war  so  exemplarisch ,  dass,  wie  sie 
schreiben,  allein  bei  der  Inquisition  in  Sevilla,  seitdem  die  gegebene 
Gnadenfrist  verstrichen  war,  bis  znm  Jahre  1520  mehr  als  4000  Per- 
sonen verbrannt,  mehr  als  30.000  mit  der  Kirche  ausgesöhnt  wurden  ^). 
—  Diess  steht  fast  wörtlich  so  auch  bei  Paramo.  —  Da  die  erste  Auf- 
lage der  Annalen  des  Zurita  in  den  Jahren  1562 — 1580  gedruckt  wnrde, 
so  scheint  mir,  dass  Paramo  auch  diese  Angabe  über  die  4000  ans 
Zurita  entnommen;  was  dieser  aber  in  unbestimmter  Weise  gesagt^) 
hatte,  als  bestimmte  Thatsache  ausgesprochen,  dadurch  aber  mit  sich 
Paramo!  ^clbst  in  Widerspruch  gekommen,  da  er  in  demselben  Capitel  nur 
2000  Opfer  der  Inquisition  nennt  Zurita  lugt  noch  bei:  Bei  einem 
Schriftsteller,  welcher  in  dieser  Bezifikxmg  sehr  fleissig  ist,  findet  man 
die  Versicherung,  man  dürfe  für  gewiss  halten,  dass  bloss  in  dem  Erz- 


')  Paramo,  de  origine,  p.  140:  Zurita  non  parum  hallaeinatas  est 

*)  lAorente,  II,  136. 

^  £1  castigo  fue  tan  exemplar  en  los  delinquentes,  qua  60  qaemaron,  segun 
escriven,  en  sola  la  Inqnisiclon  do  Sevilla ,  dcsde  qne  passaron  los  termines  de  la 
gracia  basta  el  afio  1520,  mas  de  quatro  mil  personas,  y  se  recoDciliaron  mas  do 
treiut-H  mil.   Zurita,  Anales  do  Aragon,  t.  IV,  p.  324. 

*)  Scguu  escriven  —  wie  sie  sclireibcn. 


Die  AuBsagen  Zurita*8  nnd  Paramo's.  75 

bisihame  Sevilla,  unter  Lebenden,  Todten  und  Abwesenden,  mehr  als 
100.000  Personen  als  jadaisirende.  Häretiker  erfanden  worden,  sammt 
den  mit  der  Kirche  wieder  Versöhnten').  Zurita  nennt  den  Namen 
seines  Autors  nicht,  er  nennt  diejenigen  nicht,  welche  4000  (statt  2000) 
schreiben.  Darum  können  wir  auch  seinen  Aussagen  keinen  Glauben 
schenken.  Er  hat  wahrscheinlich  nach  der  blossen  Erinnerung  ge- 
schrieben, und  sich  getauscht;  möglich  ist  bei  ihm  auch,  dass  er  mit 
Bewnsstsein  die  Zahl  verdoppelt  hat  Mit  den  Worten:  „wie  sie 
schreiben^'  erklärt  er  aber,  wie  Mariana  mit  den  Worten:  „wie  sie  be- 
richten^%   dass  er  selbst  keine  nähern  Untersuchungen  angestellt  habe. 

2!urita  ist  auch  der  einzige  Schriftsteller,  welcher  bei  dem  Be- 
richt über  die  Thätigkeit  des  Petrus  Arbuös  von  dem  Vorschreiten 
gegen  „Viele^^  (Personen)  redet,  welche  in  üblem  Rufe  (der  Häresie) 
standen^.  Da  er  mit  dieser  Aussage  allein  dasteht,  so  darf  seine  Aus- 
sage nicht  maassgebend  sein.  Wir  wollen  hier  nicht  übersehen,  dass 
unter  mehreren  Biographien  des  Heiligen,  die  um  das  Jahr  1664  aus 
Anlass  seiner  Seligsprechung  in  Italien  erschienen,  eine  derselben  von"^-^®^' 
„vielen"  Opfern  der  Inquisition  unter  Arbues  redet^).  —  Diese  Stelle  ],ui«. 
aber  wird  neutralisirt  durch  die  andere  Stelle  der  Vita  brevis:  Pau- 
corum  supplicium  multorum  mentes  percussit  (s.  oben  S.  27).  — 

Haben  wir  oben  —  diese  Worte  auf  die  ähnlich  lautende  Stelle 
bei  Mariana  zurückgeführt^),  so  fuhren  wir  obige  Worte  auf  Zurita 
zurück^).     Ohne  Uebertreibung   aber  glauben  wir  sagen   zu   dürfen, 


0  Hallaso  memoria  de  autor,  en  esta  parte  may  diligente,  que  afirma,  qae 
80  ba  tener  por  cierto,  qne  solo  en  el  Arzob.  do  Sevilla,  cntre  vivos  y  muertos  y 
absentes  fueron  condenados  por  bereges,  que  judayzavan,  mas  de  cien  mil  per- 
sooas,  oon  los  reoonciliados  al  ^remio  de  la  Iglesia,  IV,  p.  324.  Aus  der  AnfÜhrnng 
dieser  Worte  bei  Frescott^  (fl,  p.  141):  otro  autor,  A  quien  cita  —  könnte  man 
meinen,  dass  Zurita  den  Namen  dieses  Autor^s  nenne. 

^  Zurita,  IV,  p.  342:  proceder  al  castigo  de  muchas  personas,  qae  estavan 
infamadas,  e  convencidas  de  aver  jadayzado.  (Seine  Ungenauigkeit  zeigt  sieb  auch 
darin,  dass  er  den  Petras  Arbuöa  am  14.  September,  statt  am  17.  des  Jahres  1485 
sterben  lässt  Unrichtig  ist  ferner,  dass  er  einen  Tag  nach  der  Verwandung  starb; 
denn  er  wurde  in  der  Nacht  vom  II.  aaf  den  15.  verwandet;  und  starb  am  17.  Sept). 

')  In  assumpto  mnnere  et  officio  inquisitoris  adeo  mirabiliter  magna  cum 
constantia  se  gessit,  at  palam  omnibos  accaratus  aemulator  ezaltationis  sanctae 
fideiy  et  acerrimus  pcrsecutor  haeresnm  apparaerit,  ejusqne  diligentia  ac  solicitudine 
brevi  tempore  malti  haereticl,  apostatae  et  reUpsi  debitam  saoram  criminum  poenam 
taerint,  oberrimom  fractom  et  evidentem  ntilitatem  demonstrando,  quae  taue  et  in  futorum 
in  dies  ezerescero  debuisset  ex  ipsa  erectione  tribunalis  sanctae  inquisitionis  in  istis 
rcgnia.  —  Acta  Sanctor.  Septemb.  t.  V,  p.  733  (s.  Zdmgiebl,  I.  c.  S.  29;  Mfinch.  1870). 

*)  Mariana:  nonnullis  irrogata  suppiicia  (XXV,  8).  Die  „Vita  brevis*: 
Panconun  suppliciam. 

*)  Zurita:  el  castigo  „de  muchas  personas**  —  das  s.  g.  Jnstrumentum^  bei 
den  Bollandisten:  multi  haeretici  —  poenam  luerint 


76  Droizcfantea  Buch.    ErstCB  Kapitel. 

dass  Zuriiaj  der  Secreiar  and  Lobredner  der  Inquisition,  in  dieser  An- 
gelegenheit Neigung  zu  Uebertreibungcn  kundgebe. 

§.  34. 

Lttd.  Paramo  endlich  stimmt  in  der  Angabe  der  Zahl  der  Opfer 
zunächst  mit  Marineus ,  Ptdgar  und  Mariana^).  Er  scheint  aber  den 
Widerspruch  nicht  zu  fühlen,  dass  er  wenige  Zeilen  später  nur  in  der 
Stadt  Sevilla  allein  bis  zum  Jahre  1520  —  4000  Personen  verbrennen 
lässt^).  Er,  ein  Inquisitor,  wie  Zurita,  scheint  in  der  grossen  Zahl  der 
Opfer  ein  besonderes  Verdienst  der  Inquisition  zu  sehen,  oder  jener 
„Abschreckungsthcorie^^  zu  huldigen,  nach  welcher  die  Inquisition  im 
Anfange  sehr  streng  vorging,  um  nachher  Milde  walten  lassen  zu 
können»). 

So  glaube  ich  denn  bei  der  Zahl  der  2000  Opfer  —  für  die  Jahre 
1481  bis  c.  1504,  bei  der  gleichen  oder  geringern  Zahl  für  die  Zeit 
von  1504 — 1758  stehen  bleiben  zu  sollen. 

§•   35. 

Niemand  hat  die  Opfer  gezählt,  welche  dem  Hexenglauben  in 
Deutschland  fielen.  Aber  dass  es  mehr  als  4000  Geopferte  waren, 
werden  wohl  die  Meisten  zugeben.  In  der  kleinen  allzeit  protestan- 
tischen, aber  nicht  aUzeit  aufgeklärten  Reichsstadt  Nördlingen  wurden 
in  den  Jahren  1590  — 1592  —  32  Hexen  verbrannt,  angeblich  um  die 
Hexerei  mit  Stumpf  und  Stiel  auszurotten.  Es  wuchsen  aber  wieder 
andere  Hexen  nach.  In  der  kleinen,  allzeit  katholischen,  aber  nicht 
allzeit  aufgeklärten  Reichsstadt  Rottweil  wurden  im  sechszehnten  Jahr- 
hundert  innerhalb   30  Jahren   —   42,   im   siebzehnten   Jahrhundert  in 


*)  Lib.  II,  Tit  II,  cap.  4  —  p.  139:  Honim  dao  oirciter  millia  diversis  tem- 
poribna,  civitatibiiB,  atqae  lools  igni  traditi,  ac  etiam  combusti  sunt,  alii  perpetuis 
carceribos  manoipati,  aUi  tandem  saccis  benedictis  —  indati.  Es  ist  klar,  dass  dem 
Paramo  die  Chronik  Pulgar's  vorgelegen.  ^  In  Betreff  jener  %ber,  deren  Gebeine 
ausgegraben  wnrden,  sagt  er,  abweichend  ron  Bemaldez:  »hi  fuerunt  numcro 
non  paaci.* 

*)  In  Bispalensi  dantaxat  civitate  usque  ad  annnm  1520  snpra  qaatoot  millia 
cremati  essent  —  p.  140.  Er  combinirt  hier  die  beiden  Angaben  bei  Zurita  and 
in  der  s.  g.  Inschrift  von  Sevilla  vom  Jahre  1524. 

*)  Paramo:  Sic  enim  iilis  temporibas  tummopere  expedire  videbatar,  ut  paulo 
severiora  in  aliumm  terrorem  supplicia  ederentar.  Sicqne  pii  Uli  patres  magnam 
post  cdietam  haereticoram  cdidorunt  stragem,  Biiorumqne  assessornm  consilio,  qoi 
Jurisconsulti  orant,  juris  limites  in  processibus  facicndis  ad  versus  reos  non  exce- 
debanC.  Severe  tarnen  ac  sancto  christianam  rempublicam  exporgarnnt,  ac  etiam 
expiarnnt.  P.  139. 


Hexeo  boi  Katholiken  and  Protestanten.  77 

48  Jahren  —  71  Zauberer  ond  Hexen  verbrannt.  Bei  einer  Bevülkernnü 
von  nar  100.000  Seelen  des  Fürstbistbums  Bamberg  erlitten  in  don 
Jahren  1627—1630  —  285  Personen  aus  allen  Standen  den  Tod. 
Sonst  rühmten  sich  die  Protestanten,  jeden  Wahn  und  jeden  Aber- 
glauben abgeschüttelt  zu  haben,  dem  die  Katholiken  huldigten.  Aber 
in  unseligem  Wetteifer  jagten  sie  diesem  Wahne  der  Hexenverfolgung 
nach*).  (Dass  Dr.  Luther  fest  und  standhaft  an  die  Hexen  glaubte,  ist 
ja  allbekannt).  In  dem  allezeit  protestantischen,  aber  nicht  allzeit  auf- 
geklärten Herzogthnm  Braunschweig  liegt  die  kleine  Stadt  Wolfen- 
büttel.  Bei  dieser  Stadt  stand  der  s.  g.  Hexenwald.  Die  zum  Tod 
Verortheilten  wurden  an  einen  Pfahl  gebunden,  und  von  unten  herauf 
langsam  verbrannt,  wenn  sie  bekannten,  oder  .wenn  sie  hartnäckig  und 
unbussfertig  blieben,  d.  h.  wenn  sie  standhaft  genug  waren,  troz  Fol- 
tern und  Martern  an  dem  Bekenntnisse  ihrer  Schuldlosigkeit  festzu- 
halten. Jener  Hexen wald  war  nichts  anderes,  als  eine  Unzahl  von 
Pfählen,  welche  von  dem  Feuer  geschwärzt  waren,  in  dem  jene  Armen 
verbrannt  wurden.  Das  au%eklärte  Publikum  in  Deutschland  möge  der 
einheimischen  MiserabUitäten  eingedenk  sein;  auch  nicht  vergessen, 
dass  der  Boden  von  Deutschland  bis  zum  Morgengrauen  des  neun- 
zehnten Jahrhunderts  mit  hochragenden  und  weithinleuchtenden  Galgen 
bede^t  war  (gemäss  der  s.  g.  Abschreckungstheorie),  an  denen  gewisse 
Vogel  des  Himmels  Nahrung  suchten*). 

Während  die  Katholiken  und  Protestanten  Deutschlands,  die 
Protestanten  im  Bunde  mit  dem  Auslande,  mit  dem  lutherischen 
Schweden  und  dem  katholischen  Frankreich  —  den  dreissigjährigen 
Krieg  der  Vernichtung  gegen  einander  führten,  der  Deutschland  in 
eine  Wfiste  verwandelte,  horten  auch  in  dieser  traurigsten  Z^eit  die  Hin- 
richtungen der  angeblichen  Hexen  und  Zauberer  nicht  auf.    Geständ- 


*)  Der  Protestaat  Schock  sagt:  Die  Zahl  aller  je  in  Spanien  hiDgerichteten 
Jaden,  Manren  (?)  nnd  Kezer  (nach  Llorente's  Angabe  31.382)  ist  nicht  so  gross 
gewesen,  wie  die  der  unglficUiehen  Weiber,  die  in  Deutschland  im  siebzehnten 
Jihrhimdert  verbrannt  worden. 

*)  Doch  nicht  jeden  Wahn,  dem  die  deatschen  Protestanten  huldigten  und 
huldigen  I  haben  sie  von  den  Katholiken  entlehnt  Der  Hezenwald  ist  gefiUlt  und 
gefallen.  Aber  die  Stadt  Wolfenbüttel  hat  einen  nicht  unverdienten  Ruhm  wegen 
ihrer  Bibliothek.  Bei  einem  Besuche  dieser  Bibliothek  vor  vielen  Jahren  wurden 
wir  (meine  Begleiter  nnd  ich)  mit  grosser  Höflichkeit  behandelt,  und  konnten  mit 
Masse  von  Allem  Einsicht  nehmen.  Wir  sahen  auch  die  an  einer  Kette  befestigte 
Bibel,  nnd  auf  unsere  Frage:  Was  dieses  bedeute?  erhielten  wir  die  Antwort:  So 
wollen  es  eben  die  protestantischen  Herren  und  besonders  die  Damen  haben,  deren 
Glaube,  dass  die  Bibel  för  die  Katholiken  angeschmiedet  gewesen,  oft  fester  bt, 
sIs  ihr  Glaube  an  den  Inhalt  der  Bibel;  man  mfisse  ihnen  dieses  Steckenpferd  lassen. 
Sie  sehen  sieh  diese  angeschmiedete  Bibel  an,  und  wenden  den  übrigen  Kostbar- 
ketten der  Bibliothek  ein  geringes  Interesse  zu. 


ceaso. 


78  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

nisse  zu  erpressen,  war  eine  leichte  Sache.  Denn  die  Beschuldigten 
wurden  so  lange  und  so  unmenschlich  gefoltert,  bis  sie  zu  allen  An- 
klagen: Ja  —  sagten.  Denn  dann  wurden  sie  von  den  Foltern  befreit, 
mit  welchen  verglichen  der  Feuertod  ertraglich  zu  sein  schien;  jeden- 
falls war  die  Qual  bälder  beendigt. 

§.   36. 

Goamor  Wer  waren  aber  die  ersten,  welche  gegen  das  Unwesen,   gegen 

HelTcn  ^^®  Orausamkeit  der  Hexenprocesse  in  Deutschland  ihre  weheklagende 
pro-  und  ihre  anklagende  Stimme  erhoben?  EJs  waren  katholische  Bischöfe, 
katholische  Priester,  und  —  es  ist  schrecklich  anzuhören  —  es  waren 
Ordenspriester,  sogar  Jesuiten  waren  es.  *—  Die  Herren  von  der  Ge- 
rechtigkeit, die  Juristen  kamen  sehr  langsam  nachgehunken.  Der 
katholische  Priester  Cornelius  Loos  zu  Mainz  (f  1693),  der  Jesuit 
Adam  Tanner  (f  1632),  der  Churfiirst  Johann  Philipp  Schonbom  von 
Mainz  (f  1673),  besonders  der  Jesuit  Friedrich  von  Spee  (f  1635), 
der  liebliche  Sänger  der  „Truz- Nachtigall'^  standen  in  den  vor- 
dersten Reihen  der  Kämpfenden,  zu  einer  Zeit,  wo  deijenige  sich 
der  Gefahr  aussezte,  selbst  auf  die  Folter  gespannt,  und  an  langsamem 
Feuer  gerostet  zu  werden,  der  da  behauptete,  es  gebe  überhaupt  in 
Deutschland  keine  Hexen  und  keine  Hexenmeister.  Friedrich  v«  Spoe 
hat  mitten  unter  den  Greueln  des  dreissigjährigen  Krieges  sein  Werk 
über,  d.  i.  gegen  die  Hexenprocesse  zuerst  im  Jahre  1631  erscheinen 
lassen^).  Er  klagt,  dass  seine  Haare  vor  der  Zeit  ergraut  seien,  im 
Anblicke  dieser  Greuel.  Blr  hatte  in  den  Jahren  IG21  — 1628  —  an 
200  Personen  von  jedem  Stande  und  Range  zum  Tode  v<Mrbereitet,  und 
zum  Scheiterhaufen  geleitet,  welche  er  alle  als  unschuldig  gefunden 
hatte.  Der  (spätere)  Erzbischof  Schonborn  von  Mainz,  welchem  sieh 
Spee  als  Verfasser  dieser  Schrill  entdeckte,  suchte  in  seinen  Landen 
dem  Unwesen  abzuhelfen.  Sonst  wurde  die  Schrift  des  Fr.  Spee  sehr 
kalt  aufgenommen.  Wie  hätte  es  in  einem  Jahrhundert  anders  sein 
können,  von  dem  der  Protestant  Horat^)  sagt,  dass  damals  in  den 
Burgen  der  Ritter,  in  den  Palästen  der  Grossen,  in  den  Bibliotheken 
der  Gelehrten,  auf  jedem  Blatt  in  der  Bibel,  in  den  Kirchen,  auf  dem 
Rathhaus,  in   den  Stuben   der  Rechtsgelehrten,   in  den  Officinen  der 


Hexen« 
woson. 


')  Gautio  criminalis  sea  de  proecssibns  contra  Sagas  über  ad  magistratns 
Germaniae  hoc  tempore  necessarias  (aactore  theologo  romano) ,  Rinteln,  1631.  — 
Biicker,  (bibliotb6qne  des  öcrivains  de  la  Coropagnie  de  J^na,  Li^  1854)  führt 
sechs  Ausgaben  an.  Der  protestantische  Pastor  Johann  Seifferi  hi  Ulm  gab  1647, 
der  Pastor  Hermann  Schmidt  in  Nassau  gab  1G49  eine  dentsc&e  Ueberseaung  da- 
von heraus  (Backer,  II,  p.  &77}. 

')  Ö.  Conr.  Jlorstf  genannt  der  „Dämonolog^,  t  1Ö82. 


Die  Bpsaische  Inquisitioii  in  Qeof  and  Bern.  79 

Äerzte  und  Natarlehx'er,  in  dem  Kuh-  und  Pferdestall,  in  der  Schäfer- 
hütte, überall  und  überall  der  Teufel  war,  wo  jedes  Donnerwetter, 
jeder  Hagel,  jede  Feuersbrnnst,  Dürre,  Viehseuche  u.  s.  w.  dem  Teufel 
and  den  Hexen  Schuld  gegeben  wurde,  in  einem  Jahrhundert,  das 
darch  die  Schrecken  uqd  die  Noth  des  dreissigjährigeo  Krieges  ver- 
wildert war"? 


§.  37. 

Die  8.  g.  Reformatoren  haben  ihrerseits  kein  Bedenken  getragen, 
diejenigen,  welche  in  ihren  Augen  Kezer  waren,  durch  angezündete 
Scheiterhaufen  aus  dem  Wege  zu  schaffen.  Michael  Serveto  (Servede) 
wnrde  im  Jahre  1509  zu  Villanueva  in  Aragonien  geboren,  studirte 
zuerst  in  Toulouse,  dann  in  Italien  und  kam  im  Jahre  1534  nach  Paris, 
wo  er  sich  dem  Studium  der  |iifedicin  widmete^  und  schon  nach 
zwei  Jahren  selbst  Vorlesungen  hielt.  Durch  ein  berühmtes  Werk 
über  die  Natur  der  Syrupe  zog  er  sich  die  Verfolgung  von  Seiten 
seiner  Facultat  zu.  Er  verliess  Paris,  und  übte  die  Arzneikunst  in 
Vienne  aus.  Wegen  seines  Buches:  Christianismi  restitutio  (Wieder- 
herstellung des  Christenthums)  wurde  er  im  Jahre  1553  gefänglich 
eingezogen.  Er  entkam  nach  Genf.  Da  er  aber  die  Ansichten  Calvin's 
bekämpfte,  wurde  er  gefänglich  auch  hier  eingezogen.  Der  Ankläger 
nnd  der  Richter  war  der  „grosse  Reformator.^  ^  Sieben  Jahre  früher 
hatte  Calvin  zu  Servede  gesagt ,  wenn  er  wieder  nach  Genf  kommen 
sollte,  so  werde  er  die  Stadt  lebendig  nicht  verlassen.  Er  hielt  Wort. 
Troz  der  Anstrengungen  des  Präsidenten  der  Republik  erzielte  Calvin 
das  erwünschte  Todesurtheil«  Servede  wollte  nicht  widerrufen,  vor 
Allem  nicht  vor  Calvin  Abbitte  leisten,  der  sich  personlich  von  ihm 
beleidigt  fohlte.  Auf  dem  Wege  zur  Hinrichtung  rief  er:  O  Gott,  Der 
rette  meine  Seele,  o  Jesus^  du  Sohn  des  ewigen  Gottes,  habe  Erbarmen  "j^*^^!' 
mit  mir.  Als  er  den  Scheiterhaufen  anzünden  sah ,  stiess  er  einen  sorvedo 
Schrei  aus  und  endigte  nach  einer  halben  Stunde  fürchterlicher  Qualen  ^^J^ 
(26.  Oct.  1553).  Calvin,  wie  sein  Schüler  Theod.  Beza  verfochten  in  brannt. 
Wort  und  Schrift  die  Hinrichtung  der  Häretiker;  der  sanfte  Melanchton 
aber  sprach  dazu  sein  Ja  und  Amen*). 

Der  Italiener  Valentin  Gentilis  konnte  nur  durch  die  Flucht  vor 
Calvm  dem  Tode  entfliehen.  Auf  die  Kunde,  dass  Calvin  gestorben 
sei  (1564),  glaubte  er  in  die  Schweiz  sicher  zurückkehren  zu  dürfen. 
Aber  der  Geist  Calvin^s  war  nicht  gestorben.    Gentilis  wurde  vor  den 


')  Alex.  Budinsky  y  Die  Uni veniitat  Paris  nnd  die  Fremden  an  Ihr  im  Mittel« 
titer,  BerL  1876,  S.  214-215, 


80  DreisehnteB  Bach.    Erstes  Kapitel. 

vaion.  hohen  Uath  des  protestantischen  Bern  gestellt,  und  unter  der  Anklage, 
^'° j^^*^' dass  er  die  drei  Personen  in  der  Gottheit  geleugnet,  zwar  nicht  zum 
stirbt aia  Feuertode  verurtheilt,  aber  zur  Hinrichtung  durch  das  Schwert  bc- 
^®*®'-  gnadigt.    Er  wurde  hingerichtet  im  September  1666'). 

Churfurst  Friedrich  „der  Fromme"  von  der  Pfalz  (1559—1576), 
dem  der  Churfurst  Augast  von  Sachsen  bei  einer  feierlichen  Gelegen- 
heit das  Zeugniss  gab:  „Fritz,  du  besizest  mehr  Frömmigkeit,  als  wir 
andern  Alle",  wurde  durch  seine  Frömmigkeit  nicht  daran  gehindert, 
einen  Prediger,  den  er  im  Verdachte  hatte,  Socinianer  zu  sein,  köpfen 
zu  lassen.  —  Diess  war  das  Jahrhundert,  in  welchem  jeder  neue  Regent 
in  der  Rheinpfalz  mit  Gewalt  eine  neue  Religion  einführte.  War  der 
Regent  Calvinist,  so  mussten  die  lutherischen,  war  er  lutherisch,  so 
mussten  die  calvinischen  Prediger  das  Land  verlassen.  Die  Spanier 
wollten  mit  ihrer  Inquisition  doch  nur  den  alten  Glauben  der  immensen 
Mehrheit  des  Volkes  erhalten.  Indem  die  „katholischen  Konige"  die 
Juden  zur  Auswanderung  zwangen,  thaten  sie  genau  dasselbe,  was  die 
verschiedenen  protestantischen  Regierungen  nach  ihnen  ohne  Bedenken 
thaten.  Das  Wort:  cujus  est  regio,  illius  et  religio  (wessen  das  Land 
ist,  dessen  ist  auch  die  Religion  des  Landes)  war  nur  der  Ausdruck 
der  bestehenden  Verhältnisse.  Wer  die  Spanier  wegen  ihrer  Unduld- 
samkeit tadeln  will,  muss  zuerst  nachweisen,  dass  man  anderswo  duld- 
samer gewesen  sei.  Die  Glaubensfreiheit  ging  nicht  weiter,  als  bis  zu 
der  Freiheit,  auszuwandern. 


§.  38. 

Biatho  Die  spanische  Literatur   und  Kunst  stand  gerade   zur  Zeit  der 

ütora^  Herrschaft  der  Inquisition  im  sechszehnten  Jahrhundert  in  der  schönsten 
^^i'-  Bluthe.  Wir  sagen  nicht,  dass  die  Inquisition  diese  Bluthe  befördert; 
sie  hat  dieselbe  jedenfalls  nicht  gehindert.  Poesie  und  Prosa  entfalteten 
sich  ungehindert.  Die  schone  Literatur  erfreute  sich  einer  Freiheit, 
welche  uns  manchmal  an  Ungebundenheit  zu  streifen  scheint.  Man 
durfte  damals  vieles  drucken,  was  in  späterer  Zeit  unterdruckt  wor- 
den wäre. 

„Während    Frankreich    von    religiösen   Parteikämpfen    zerrissen 


')  Er  rOhmte  sich,  dsst  er  fUr  die  Ehre  des  Vaters  sterbe ,  während  die 
Apostel  nnd  die  übrigen  Märtyrer  (Ur  die  Ehre  des  Sohnes  gestorben  seien.  —  Für 
den  Pinsel  eines  Kanibach  wäre  hier  in  Genf  und  Bern  eine  reale  Wirklichkeit  ge- 
wesen. Das  Bild  des  P.  Arbu^s  aber  von  Kaulbach  ist  nicht  das  Abbild  einer 
realen  Wirklichkeit,  sondern  die  Darstellung  einer  Einbildung,  die  Niemand  zur  Un- 
ehre gereicht,  als  den  Urhebern  nnd  Vertheidigem  derselben. 


InqniBition  und  Poesie.  81 

wurde,  sagt  der  Protestant  Friedr.  v.  Schach  ^  während  Dentschhmd 
noter  den  Verheerungen   des  dreissigjährigen  Krieges   seufzte,   genoas 

Spanien  Ruhe  und  innem  Frieden,   Besizthümer die   immer  ala 

relative  Vorzüge  erscheinen,  wenn  man  ihre  unmittelbaren  Resultate 
mit  denen  vergleicht,  welche  aus  den  Glaubeuswirren  in  jenen  Ländern 
erwachsen.  Denn  wenn  dort  die  Bliithen  früherer  Cultur  vielfach  von 
den  Stürmen  des  Krieges  zerstört  wurden,  entfaltete  sich  hier  innerhalb 
des  Eatholicismus  eine  reiche  und  frische  Blüthe  der  Kunst. 

Die    schone  Literatur   war   ein  Zufluchtsort   für   das  Genie,    das 
sich  auf  andern   Gebieten   eingeengt  fühlte.   —   War   die   Dichtkunst 
äQch  im    Allgemeinen   in   denselben  Kreis  gebannt,   der   die  Geistes- 
ireibeit  der  Nation   überhaupt  beschränkte,    so  stand   ihr   doch   inner- 
halb jener    Grenzen    ein    unendlich    freierer  Spielraum    offen.   —   Die 
Grandsäze   des   katholischen  Glaubens   anzugreifen,   war  freilich  nicht 
gestattet,    und  diess  thun  zu  wollen,   fiel  auch  keinem  echten  Spanier 
ein;  aber  die  Schranken  blieben  immer  noch  weit  genug,  um  der  Phan- 
tasie, der  Empfindung  und  dem  Witz  ein  ausgedehntes  Feld  zu  gönnen. 
Für  das  Schauspiel  kam  —  —  hinzu,  dass  es  —  —  keiner   der  Dar- 
stellung vorhergehenden  Censur  unterworfen  war,   und  dass  selbst  die 
allgemeine  ControUe,  unter  welcher  alle  Aeusserungen  standen,  hier  mit 
auffallender  Nachsicht    geübt    wurde.     Eine   Zusammenstellung    aller 
freien  Aeoeserungen ,   aller   Ausfalle   auf  Staat   und  Geistlichkeit,    die 
sich  die  spanischen  Dramatiker  erlaubt  haben,  würde  den  Beweis  liefern, 
dass  man    sich  im  Lande   des   verrufensten   Despotismus   in   manchen 
Punkten  einer  Redefreiheit  erfreute,  wie  sie  noch  heutiges  Tages  nicht 
überall  gestattet  ist     Wie  weit  die  Licenz  ging,  zeigen  u.  a.  die  Co- 
mödien  des  Tirso  de  Molina   und   zahlreiche   burleske  Zwischenspiele 
verschiedener  Verfasser.   —   Doch  ist  kein  Beispiel  bekannt,   dass  die 
Inquisition   einen   dramatischen  Dichter   —   zur  Rechenschaft   gezogen  Freiheit 
hätte:  vielmehr  liegt  manches  Stück,  das  von  freien  und  beinahe  zügel-  ^^^^. 
losen  Bemerkungen  aller  Art  wimmelt,  mit  besonderer  Approbation  der  in  spa- 
Geistlichkeit  versehen,    im  Druck  vor.  —  —  Die  katholische  Religion    "'**"* 
war  so  fest  gegründet  und  die  Hochachtung  für   sie  so  tief  im  Volke 
gewurzelt,  dass  Spott  über  ihre  Diener  oder  Scherz  mit  ihr  selbst  noch 
nicht  mit  Angriffen  auf  ihr  Wesen   verwechselt   wurde;  je   fester   das 
Heilige  steht,   um   so  eher  lässt  es  mit   sich   spassen«     Fast   alle   die 
Dichter,    die  sich  dergleichen  (Scherze  und  Ausfälle)  erlauben,   haben 
in  anderen    ihrer   Werke    unzweideutige    Beweise   einer    aufrichtigen 
Heligiosität  geliefert;  schon  der  Umstand,  dass  sie  selbst  zum  grössten 
Tbeile  dem  geistlichen  Stande  angehören,   scheint  jeden  Zweifel  dieser 
Art  niederzuschlagen.  —  Regierung  und  Inquisition  scheinen  es  ihrem 
Interesse   entsprechend  gefunden   zu  haben,   die  Lieblingsunterhaltung 

QuoB,  «psa.  Kirthe.  III.  t.  g 


83  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

des  Volkes  darch  möglichst  wenige  Hindernisse  einzuengen,   und   auf 
der  Bühne  zu  gestatten,  was  dem  Leben  verpönt  war  *)• 


Bei  der  Frage,    ob   die  Inquisition   von  Nuzen  oder  nothwendig 

gewesen   sei,   müssen   zuerst  die  Spanier  gehört  werden.     Denn   sie 

werden  doch  am   besten   wissen,   was   ihrem  Land  und  Volk  nüzlich 

oder    schädlich    gewesen.      Bemaldez,    Pulgar ^    (Marineus    Siculus), 

Zurita,  Hier,  Biancas,  Paramo,  Zuniga^  Blasco  de  Lanuza  u.  a.  loben 

Petnia  ^^  mehr  oder  weniger  enthusiastischen  Worten  die  Inquisition.    Petrus 

Martyr  Martyr  rühmt  die  Königin  Isabella,  dass  sie  die  Kezereien  ausgerottet, 

,Q^^^f  und  für  die  Reinerhaltung  der  Religion  gesorgt  habe;   die  Inquisition 

tioD.    selbst  nennt  er  eine  ^,herrliche  Erfindung,  und  ein  des  Lobes  würdiges 

Werk,  wodurch  die  Religion  von  jeder  Befleckung  bewahrt  wurde" ^). 

Mariana  Mariana^   dessen  Wahrheitsliebe  und  Freimüthigkeit  Allen  bekannt  ist, 

^"  ^*  nennt  die  Inquisition  „ein  stets  gegenwärtiges  Heilmittel  gegen  drohende 

Uebel ,   von   welchen    andere   Länder   heimgesucht   werden ,   ein   vmn 

.  Himmel   gegebenes   Heilmittel;    denn    durch    menschliche    Rathschlüsse 

konnte  gegen  so  grosse  Gefahren  nicht  genügende  Vorsorge  getroffen 

wenden"  •). 

Mit  begeisterter  Liebe  und  Verehrung  hing  das  Volk  selbst 
an  seiner  Inquisition.  Die  Gläubigen  fühlten  sich  geschüzt  und  ge- 
sichert, und  wussten,  dass  das  scharfblickende  Auge  und  der  starke 
Arm  ;,des  heiligen  Officiums^^  für  die  Einheit  und  Reinheit  des  Glau- 
bens sorge. 

Ein  genauer  Kenner  von  Land  und  Leuten,  der  Protestant 
F.  A.  HvheTj  hat  wohl  im  Ganzen  ein  richtiges  Urtheil  über  Ursprung 
und  Wirken  der  Inquisition  gefällt^).    „Es   war  eine  Zeit  der  furcht- 


0  Friedr,  ßcJiack,  Gesch«  der  dramat.  Literat  xl  Kunst  in  Spanien.  11.  Bd. 
Frankf.  1854,  S.  15-21. 

*)  Petras  Martyr,  epist.  279:  qualem  —  se  gesserit  ad  extirpandas  haereses, 
purgandam  religioDem»  nallas  ambigit  —  Epist  295:  Praeclaram  inventnm  et  omni 
laude  dignam  opus  nt  omnis  e  religione  labes  tollatiir. 

')  Ab  hoc  initio  res  in  hanc  anctoritatem  crevit  atqne  potestatem:  qua  nuUa 
pravis  hominibas  tote  orbe  Christiano  formidabilior  est,  reipnblicae  nniversae  majori 
commodo,  praesens  remedium  adversas  impendentia  mala,  qnibns  aliae  provinciae 
(z.  ß.  damals  das  Frankreich  der  Hugenotten)  exagitantur,  coelo  datum.  Nam  hu- 
mane consilio  adversns  tanta  pericula  satis  caveri  non  potuit  (de  reb.  Hisp.  24,  17). 

*)  Vict.  Ä,  Hvber,  Ueber  spanische  Nationalit&t  und  Knnst  im  sechszehnten 
und  siebzehnten  Jahrhundert.  Ein  Vortrag  am  9.  Februar  1852  (in  Berlin)  g^e- 
halten,  Borl.  1852,  S.  9—14,  —  Ticfcnf/r-JuliuSj  11,  p.  727— 729» 


Huber  Über  die  Inqiiiaition.  83 

barsten,  dringendsten  Gefahr,  sagt  er;  es  handelte  sich,  wenn  je,  tun 
Sein  oder  Nichtsein  des  christlichen  Spanien's«  Die  Gefahr  von  Aussen 
war  um  so  grosser,  da  das  Gift  gerade  auf  den  materiell,  geographisch, 
strategisch  gefahrlichsten  Punkten,  auch  die  tiefsten  geistigen  Elemente 
der  Nationalitat  am  meisten  angegriffen  hatte.  Die  Reaction  musste 
in  demselben  Maasse  gewaltsam ,  tiefgreifend  sein.  Sie  ging  zunächst 
ans  von  der  neugestärkten  königlichen  Macht  Die  grosse  siegreiche 
Kraft  dieses  rettenden  reactionären  Konigthums  bestand  grossentheils 
darin,  dass  es  auf  das  concentrirt  Einfache  recurrirte,  was  zulezt  dem 
Mannigfaltigen  gegenüber,  auch  unter  sonst  gleichen  Umständen,  immer 
siegt  —  Man  darf  nicht  vergessen,  bis  zu  welchem  Grade  politischer 
nnd  socialer  Zerrüttung,  neben  allem  Glänze  eines  geistreichen  Hof- 
lebens,  Castilien  unter  der  Regierung  Heinrich's  IV,  und  Aragon  unter 
Johann  II.  gesunken  war.  In  Andalusien  hatte  sich  im  fünfzehnten 
Jahrhunderte  ein  Zustand  von  sittlicher,  religiöser,  socialer  und  poli- 
tischer Auflösung  gebildet,  wie  kaum  anderwärts  zu  irgend  einer  an- 
dern Zeit  eine  tiefere  und  grössere,  bedenklichere  nachzuweisen,  unter 
dem  Einflasse  aller  Versuchungen  der  herrlichen  Natur,  des  Klima's, 
eine  Emancipation  des  Fleisches ,  eine  chaotische  gährende  Fänlniss, 
in  der  Vermischung  einer  Masse  schlechter  Christen,  schlechter  Juden 
nnd  schiechter  Muhamedaner,  und  zwischen  diesem  in  allem  Schmucke, 
aller  Zuversicht  und  Gewandtheit  der  damals  modernsten  Genussbildung 
sich  spreizenden  Wesen,  die  halb  thierische  Smniichkeit  und  Leiden- 
schaftlichkeit des  afrikanischen  Blutes,  durch  Negersklaven  bis  in's 
Heiligthum  der  Familien  getragen  —  für  die  Gefahr  nach  Aussen  be- 
dnrfle  es  nur  eines  Blickes  nach  der  afrikanischen  Küste,  wo  der 
türkische  Halbmond  sich  erhob,  auf  das  Mittel meer,  unter  türkischen 
Flotten  stöhnend,  auf  Granada  und  seine  herrliche  Vega ,  wo  dantals 
ein  noch  unabhängiger  Kern  mnhamedanischer  Macht  den  Millionen 
von  Morisken  im  Gebirge  von  Granadu,  Murcia  und  Valencia,  als  poli- 
tischer und  militärischer  Mittel-  und  Anhaltspunkt  dienen  konnte, 
während  die  Häfen  von  Malaga,  Almeria  u.  s.  w.  jeden  Augenblick  einer 
türkischen  Flotte  sich  zu  öffnen  bereit  waren. 

Dass  unter  diesen  Umständen  nur  heroische  Mittel  retten  konnten, 
liegt  auf  der  Hand!  Ein  solches  war  die  Inquisition,  zunächst  jeden- 
talls  als  Cauterium  gegen  dieses  entsezliche  Geschwür«  Mit  dem  Miss- 
branche, zumal  hei  der  weitern  und  spätem  Anwendung  auf  alle  Fälle 
ahnlicher  und  manche  anderer  Art,  haben  wir  es  hier  nicht  zu  thun; 
ob  aber  diess  Rettungsmittel  in  äusserster  Noth  ein  zu  kräftiges  Mittel 
war,  und  um  wie  viele  Grade  es  die  rechte  Mitte  überschritt^  —  das 
mögen  die  entscheiden,  welche,  —  selbst  thatenlos  und  ohne  erheb- 
liches Mitleiden  bei  der  Noth  des  Vaterlandes,  das  allein  gültige  feinste 
Maass   für  alle  Noth   nnd  alle  Thaten  der  Rettung  an  der  Spize  ihrer 

G* 


B4  Dreizehntes  Bach     Erstes  Kapitel. 

Zunge  oder  Feder  zu  tragen  vermeinen.  So  viel  aber  ist  gewiss:  die 
Inquisition  war  eine  im  besten  Sinne  volksthümliche,  eine  Maassregel 
im  Sinne  echt  katholisch-castilischer  Nationalitat.  Bald  dann  erhob  sich 
das  Kreuz  und  das  Banner  von  Castilien  auf  der  Alhambra. 

Diese  Resultate  waren  um  so  ruhmvoller,  da  sie  nur  eine  Seite 
jenes  Ausbruchs  der  katholischen  Nationalität  bildeten.  Die  zweite 
Seite,  in  jeder  Beziehung  ruhmvoller  und  allgemein  erfreulicher,  zeigt 
uns  Spanien  nicht  mehr  als  Vorkampfer  in  dem  Bruderkriege  der  einen 
Hälfte  der  Christenheit  gegen  die  andere,  sondern  als  sieghaften  Vor- 
kämpfer der  ganzen  Christenheit,  der  ganzen  christlich-abendländischen 
Civilisation  gegen  den  Islam,  gegen  die  türkische  Barbarei.  Fragen 
wir  aber,  welches  andere  christliche  Land  war  damals  in  der  Ver- 
fassung, diesen  Vorkampf  zu  übernehmen,  so  wird  sich  das  Providentielle 
in  jener  reactionären  Stärkung  der  spanischen  Nationalität  wohl  nicht 
verkennen  lassen,  ohne  welche  Spanien  am  wenigsten  dieser  Aufgabe 
gewachsen  gewesen  wäre,  welche  doch  die  geographische  Lage  auf- 
nothigte.  —  Die  Entscheidung  jenejs  Kampfes  lag  an  der  Donau  und 
im  Mittelmeere;  aber  die  Gefahr  war  hier  viel  grosser  wie  dort  So 
bildet  denn  mit  Hecht  der  Seesieg  von  Lepanto  (1571)  den  Glanzpunkt 
des  Biesenkampfes,  und  hier  trug  Spanien  unbedingt  als  Haupt,  Führer 
und  Kämpfer  den  Siegespreis  davon;  und  mit  Recht  nennt  der  Spanier 
jenen  Sieg  kurzweg  emphatisch:  Die  Seeschlacht  (la  naval)!  Aber  auch 
an  der  Donau  war  es  ein  Arm  der  spanisch-österreichischen  Macht,  au 
dem  die  türkische  Ueberschwemmung  sich  brach,  und  der  dann  bald 
sie  über  die  Karpathen  zurückwarft 


§.  40. 

L-Par».  Unter  den  spanischen  Schriftstellern,  welche  über  die  Inquisition 

J^qai^r geschrieben   haben,   sind  A.  Llorente  und  Ludov.   Paramo  Antipoden. 

tion    Jener  malt  sie  möglichst  schwarz,   dieser  stellt  sie  möglichst  glänzend 

dar^).    Paramo  fuhrt  die  Einfuhrung  der  Inquisition  auf  Gott  selbst 

J5urück.    Gott  selbst   war  der  erste  Gross  -  Inquisitor   im  Paradiese'). 


')  De  origine  et  progressu  of&cii  Sanctae  InqaisitioniB,  ejusque  dignitate  et 
ntilitate,  de  Romani  Pontificis  Potestate  et  delegata  Inquisitornm;  £d]c(o  fidei,  et 
ordine  judiciario  Sancti  Officii,  quaestlones  decenu  Libri  tres.  Aactore  Ludavicr^ 
h  Paramo  Borozensi  Archidiacono  et  Canonieo  Legionenai,  regnique  Sidliae, 
(also  nicht  atrinsque  Siciliae)  Inquisitore.  Matriti,  ex  typogr.  Regia,  15d8^  pp.  68*7 
(Klein -Folio). 

*)  S.  26.  Dens  ad  pnnitionem  primoinm  hominum  se  aocingit,  et  traditur 
fonna  procedendi.  —  S.  30.  S.  Officii  Inqnisitores  modnm  procedendi  a  Deo  mutnantor^ 
et  enndem  observant. 


Panimo  über  die  Inquisition.  85 

Die  Felle,  mit  denen  Gott  die  Gefallenen  im  Paradiese  bedeckte,  waren 
nichts  anderes,  als  der  „Sanbenito^^  (der  Saccus  benedictns),  dessen 
sich  die  Inqnisitoren  heute  bedienen.  Der  Sanbenito  ist  so  alt,  wie 
die  Kirche,  ja  wurde  schon  in  der  Kirche  des  Alten  Bundes  gebraucht. 
Die  Inquisitoren  haben  denselben  nur  aus  einer  unverdienten  Vergessen- 
heit wieder  hervorgezogen.  Weil  Gott  die  Stammeltem,  beraubt  aljer 
ihrer  Guter ,  aus  dem  Paradiese  vertrieb ,  so  folgen  die  Inquisitoren 
diesem  gottlichen  Vorbilde,  und  sprechen  die  Guter  der  Häretiker  dem 
Fiscas  zu*). 

Weiter   beschreibt   Paramo  die   Entwicklung    der  Inquisition    in 
den  Zeiten  vor  und  nach  der  Sündfluth.     Abraham  war  ein  Inquisitor,  ^'®  ''^' 
welcher  die  Chaldäer  des  Gozendienstes  bezüchtigte.     Sara,  Abrahams  uon  m 
Gemahlin,  vollzog   das  Officium   einer  Inquisitorin  ^   indem  sie  den  Is-  *"  *'■ 
mael  wegen  Gozendienstes   aus   dem  Hause  Abrahams   vertrieb.     Da-  (nach 
gegen  war  Esau  kein  Inquisitor,   vielmehr  ein  Häretiker,    ein  profaner    ^•' 
Mensch  und  Simonist,  darum  wurde  er  mit  Recht  der  Erstgeburt  und 
seines  Eigenthums  beraubt.    Rachel  stahl  dem  Laban  seine  Gözen,  um 
ihn  an  dem  Gözendiente   zu  verhindern.    Natiirlich  war  Jacob  wieder 
Inquisitor,    und   auch  Moses.     Aber   aus   der  heiligen  Schrift  vnll  be- 
wiesen werden,   dass  Aaron   der  Urheber  einer  neuen  Idololatrie  ge- 
wesen"). 

Gleichfalls  waren  die  Juden  Häretiker  und  Gozendiener  während 
der  ganzen  Zieit  ihres  Wohnens  in  der  Wüste.  So  wird  dann  die  Ge- 
schichte der  Inquisition  in  allen  fünf  Weltaltern  bis  auf  Christus  ver- 
folgt und  dargestellt^. 

Im  Neaen  Testamente   erhielt  Petrus  der   Apostel   von  Christus 
die  „Gewalt,   zu  inquiriren"^).     Dagegen  wurde   die   „delegirte"   oder 
übertragene  Inquisition  erst  durch  Papst  Innocenz  III.  eingeführt,  aus 
Äolass  der  Häresie   der    Albigenser  '(p.  90).     Der   heilige  Dominicus, 
ein  Spanier,  wurde  im  Jahre  1216  erster  General-Inquisitor.     Domini- 
caner waren  seine  Nachfolger  in   diesem  Amte^).     Es  wird  weiter  ge- 
handelt von  der  Verbreitung  der  heiligen  Inquisition  in  allen  Provinzen 
der  Welt,  in  Rom,  Portugal,  im  Reiche  des  (fabelhaften)  Priesters  Jo-  i>««  '»• 
h'tones,  in  den  canarischen  Inseln,   in  Italien,  in  Frankreich  (S.  245),  ^oQ^Jr. 
von  der  Inquisition  in  Flandern,  Arras  und  „den  benachbarten  Inseln^^  breitet 
tp-  247),  von  der  Inquisition  in  Deutschland,  Oesterreich,  Ungarn  und  ^«it. 


*)  Paramo,  S.  45—48. 

•)  P.  66. 

>)  p.  48—87. 

*)  Potestatem  inqnirendi. 
•)  Paramo,  p.  88—111. 


86  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Polen,  Dalomtien,  u.  s.  w. ,  ÄrmenieD,  von  den  Inquisitionen  in  der 
Lombardei,  in  Hetrurien,  Mark  Ancona,  Venedig,  dem  übrigen  Italien  '). 
Ueberall  wird  die  Inquisition  als  kirchliches  Institut  betrachtet,  and 
dem  Paramo  dämmert  keine  Ahnung  auf,  dass  die  spanische  ein  Staats- 
institut, und  dass  sie  von  der  der  übrigen  Länder,  wo  eine  kirchliche 
Inquisition  bestand,  ganz  verschieden  gewesen  sei. 

Von   der  Inquisition   in  Spanien    und   dessen  Nebenländern  wird 
S.  130 — 226  gehandelt.     Genau    ist  Paratno   nur   in   der  Angabe   des 
Personals  der  einzelnen  Tribunale.     Dem   ersten  und  zweiten  Grossin- 
quisitor Thomas  Torqnemada   (1483  — 1498)  und   Didacus  Deza  (1498 
—  1507)  folgte   der  dritte,    Cardinal  Ximenes  (1507,  f  8.  Nov.  1517). 
Ihm  folgte  der  Cardinal  Iladrian    von  Löwen  —  1518,   der  als  Papst 
im  September  1523    den  Erzbischof  Alfons  Manrique    von  Sevilla  ein- 
sezte  (f  28.  September  1538).     Im  November  1539  folgte  der  Cardinal 
Joannes  Tavera  von  Toledo  als  sechster  Grossinquisitor  (f  1.  Augast 
1545).     Im  Februar    1540   folgte   ihm   Garcia   de  Loaysa,   Erzbischof 
von  Sevilla,  der  schon  am  22.  April  1546  zu  Madrid  starb.     Der  Erz- 
nand  de  bischof  voii   ScviUa ,   Ferdinand    de  Valdes ,   wurde    nach   ihm   achter 
vaMK  Grossinquisitor   am    20.    Januar    1547    (f  2.  Dec.  1508).     Zu    seinem 
i\loM\n-^^^^   sagt   Paratno:    „Er   ist   des    unsterblichen    Andenkens    würdig. 
qui»itor.  Niemand  besizt  solchen  Kcichthum  des  Geistes,  Keiner  solche  Kraft  der 
i^'®     Sprache  oder  Darstellung  oder  solche  Fülle,   dass  er  im  Staude  wäre, 
inquisi-  seine  herrlichen  Werke,  die  Denkmale  seiner  ausgezeichneten  Frömmig- 
le'^jab"  ^^'*  ^"^'^   °"^   aufzuzählen*).^    Seit  September  1566  hatte   er   in   dem 
hundert.  Bischof  von  Sigueuza,  dem  Cardinal  Didacus  de  Espinosuj  einen  Coad- 
jutor,  welcher  am  15.  September  1572  starb.    Zehnter  General-Inquisitor 
wurde  Petrus  Ponce  de  Leon  —  30.  November  1572,  der  am  13.  Januar 
1573,    vor   dem  Antritte    seines  Amtes,    starb.     Am    20.    April  .  1573 
wurde  der  (spätere)  Cardinal  Caspar  de  Quiroga^   Erzbischof  von  To- 
ledo, vom  Papste  bestätigt.     Er  hielt  im  Jahre  1574  „das  erste  Concil 
der   Inquisition.'^     In    Madrid   starb   er    am   20.   November    1594.  — 
Ilieronymus  Manrique,   Bischof  von  Avila,   begleitete    das  Amt    eines 
obersten  Inquisitors   nur  vom   lO.  Februar  1595  bis  1.  September  1595, 
dem   Tage   seines   Todes.      Petrus  Portocarrero  ^   Bischof  von  Cuenca, 
wurde  in  demselben  Amte  am   1.  Januar  1596  bestätigt^);  er  starb  am 
LU  Sei»tembcr  1600. 

König  Philipp  III.  nahm  ihm  aber  bald  nach  seinem  Kegierungsan- 
tritte,  unter  irgend  einem  Vorwande,  sein  Amt  ab*).  Am  1 1.  August  1599 


•)  Paramo,  p   218~2«Ji;. 

*)  Vir  actcrna  incmoriii  (elcl»randn8.  Paramo,  \\  IGO 

*)  So  weit  reicht  Paramo^  p.  158—162. 

*)  Nach  dem  Buche:  los  obispos   de  Caenca,  par  Trillon   Munoz  y  Soliva, 


Beibenfolge  der  General  <Inqni8itoren.  87 

worde  der  Cardinal  Ferdinand  Nino  de  Guevara  in  Rom  bestätigt. 
Aach  er  mosste  auf  Befehl  des  Königs  seinem  Amt  im  Anfange  des 
Jahres  1602  entsagen;  er  starb  am  1.  Janaar  1609. 

Am  29.  Jnli  1602  folgte  ihm  in  diesem  Amte  Juan  Zuniga^  Bischof   ^'^ 
von  Cartagena;  dieser  starb  am  10.  December  1602  (1603?).  —  Juan  quiaito- 
R.  AzeoedOj  Patriarch  von  Indien  und  Bischof  von  Valladolid,  wurde  als  '®°  *" 
(16.)  Gross-Inquisitor  am  20.  Januar  1603  bestätigt,  und  starb  am  9.  Juni  hunderL 
1608.    Bemard  Sandoval  j  Roxas,  Cardinal  und  Erzbischof  von  Toledo, 
war  voai  J2.  September   1608   bis   zu  seinem   Tode  —   7.   December 
1618  Gross -Inquisitor.    Der  Dominicaner  Luis  de  Alliagaj  Beichtvater 
Philipp's  III.,  wurde  am  4.  Januar  1619  bestätigt.  —  Kaum  aber  war 
Philipp  IV.  an  das  Ruder  gekommen  —  1621,  so  sezte  er  denselben  ab. 
Alliaga  starb  am  3.  December  1626.     Sein  Nachfolger  Andreas  PacÄeco 
winde  aoi  12.  Februar  1622  zu  Rom  bestätigt,  und  starb  am  7.  April 
1626.  Der  (20.)  General-Inquisitor,  Anton,  de  Zapata  y  Mendoza,  wurde 
von  Rom  am  »\0.  Januar  1627  confirmirt.  Er  war  Cardinal,  Patriarch  von 
Indien  and  Erzbischof  von  Burgos  (bis  1605)  gewesen.     Er  resignirte 
als  Inquisitor  im  Jahre  1632,  „um  den  Befehlen  Philipp's  IV.  nachzu- 
kommen^^     Er  starb  am  23.  April  1635'). 

Der  Dominicaner  Anton,  de  Sotomayar^  Beichtvater  Philipp's  IV., 
folgte  ihm  am  17.  Juli  1632.  „Auf  Befehl  des  Königs  resignirte  auch 
er  im  Jahre  1643,  (f  1648).  Didacus  de  Arce  y  Reynoso  wurde  vom 
Papste  am  8.  September  1643  bestätigt.  Er  war  Bischof  von  Placentia, 
ald  welcher  er  im  Jahre  16Ö3  resignirte.  Er  starb  als  Inquisitor  am 
17.  September  1665,  an  demselben  Tage,  wie  Philipp  IV.,  dessen  ge- 
treuer Diener  er  gewesen.  Länger,  als  einer  seiner  Vorgänger,  begleitete 
er  dieses  Amt  22  Jahre.  Die  Konigin  Wittwe  ernannte  den  Erzbischof 
von  Toledo,  Cardinal  Paschalis  de  Aragon,  zu  seinem  Nachfolger. 
Weil  die  Königin  es  befahl,  dankte  auch  er  wieder  ab,  bevor  er  seine 
Functionen  angetreten.  Jo.  Eberhard  Nithard,  der  s.  g.  „deutsche 
Jesüit^',  und  Beichtvater  der  Regentin,  erlangte  seine  Bullen  am  15.  Oc- 
tober  1666.  Er  wurde  nachher  Erzbischof  von  Edessa  und  Cardinal. 
Auf  Befehl  der  Konigin  resignirte  er  im  Jahre  1668,  (f  1681).  —  Di- 
^iiciis  Sarmiento  de  Yalladares,  Erzbischof  i.  p.  inf.,  wurde  bestätigt 
<Mji  15.  September  1669,  und  starb  am  29.  Jan.  1695.  Er  bekleidete 
1'<J  Jahre  diese  Stelle.  Der  Erzbischof  von  Valencia,  Juan  Thomas  de 
liocnberH^  wurde  am  18.  Juni  1699  (1695?)  bestätigt.    Lhrente  lässt  ihn 


Cuenca,  1860,  p.  255  —  257,  wäre  Portocarrero  an  dem  Schmerze  über  den  Verlust 
der  königlichen  Gnade  gestorben.    Jedenfalls  erhellt  auch  bieraas,  dasa  die  Inqai- 
BitioD  eis  köoigliebea,  kein  kirchliches  Institut  war. 
*)  Hiohfc  1639,  wie  UormU  (4.263)  sagt 


richtii- 


88  Dreizehntes  Buch.    Erates  Kapitel. 

fünf  Jahre  Inquisitor  sein*).  Er  starb  am  13.  Juni  1699.  Sein  er 
nannter  Nachfolger  starb  am  19.  September  1699  Tor  Ausfertigung 
seiner  Bullen.  Am  31.  October  1699  folgte  Baltasar  Mendoza  j 
Sandoval,  Bischof  von  Segovia.  In  Kraft  eines  Befehls  Philipp^s  V, 
verzichtete  er  im  Anfange  des  Jahres  1705  (f  November  1727).  Am 
24.  März  1705  wurde  Vidal  MartUy  Bischof  von  Ceuta,  als  sein  Nach-«] 
folger  bestätigt  (f  10.  März  1709). 

Damals  gab  es  17  Gerichtshöfe  der  Inquisition,  nachdem  in  Madrid 
hüfederein  eigener  Hof,   getrennt  von  dem   zu  Toledo,    errishtet  worden.  — * 
inqui.    Vi(jj|Pg  Nachfolger,    Anton.  Ibanez  de  la  Riva,    Erzbischof  von  Sara-* 
gossa,  starb  schon  am  3.  September  1710.  Der  Cardinal  Franc.  Giiidice^ 
Italiener,  bestätigt  am  2.  Juni  1711,  resignirte  im  Jahre  1716  (f  10.  Oc^ 
tober    17:^5).     Zwei   ernannte  Nachfolger   traten  nicht  in  Thätigkeit. 
Didacus  de   Astorga  y  Cespedes,  Bischof  von  Barcelona,   war  Gross- 
^*®     Inquisitor    vom    26.   März    1720;   er   resignirte   noch   im  Jahre    1720.  , 
inquiiN  Am  18.  Juli  folgte  ihm  (34)  Juan  de  Camargoy  Bischof  von  Pamplona  i 
tor^n  im  /j.  24.  Mai  1 733).     Uorente-  lässt  unter  ihm,  ohne  den  Schatten  eines 
hundert.  Beweises,   442  Personen  verbrannt  werden,  nach  der  lächerlichen  An- 
nahme, dass  die  Inquisition  von  c.  1500  an  bis  zum  Jahre  1708  jedes 
Jahr  gleich  viele  Leute   habe  verbrennen   lassen.  —  Andreas  de  Orhe 
•y  Larreategui^  Erzbischof  von  Valencia,   trat   am   28.  Juli    1733    ein; 
er  starb  am  4.  August  1740.    Manuel  Manrique  de  Lara,  Bischof  von 
Jaen,  nacher  Erzbischof  von  Compostella,  vnirde  am  24.  Januar  1742 
bestätigt    (t    12.   Februar   1745).  —  Franc.  Perez  de  Prado,  Bischof 
von  Teruel,   folgte   ihm  am  22.  August  1746,  bis  zum  Jahre  1755  — 
1757.     Um  das  Jahr  1758  wurde  Manuel  Qutntono  Bonifaz,  Erzbischoi 
von  Pharsalus,  Gross -Inquisitor,    und  blieb  es  bis  1774.    (Unter  ihm 
wurden  zwei  Personen  verbrannt).     Am   7.  November   1781  wurde  als 
Icztes   Opfer   der  Inquisition   die   lezte   Hexe   zu   Sevilla   verbrannt^), 
unter  dem  Gross-Inquisitor  Philipp  Bdtran,  —  seit  1775,  Bischof  von 
Salamanca  (f  30.  November  1783).    Der  (41.)  Grossinquisitor  Augustin 
Rubin    de  Cevallos  (f  1792)  Hess  nach  Llorente  Niemand,  auch  nicht 
„inefSgie'^,  verbrennen.  Manuel  Abad  j  Lasierra,  Erzbischof  von  Selimbria 
1.  p.  inf.,  folgte  ihm   im  Jahre  1792,   und   musste  im  Jahre  1794  auf 
Befelil  CarFs  IV.  abdanken   (f  12.  Januar  1806).    Der  Erzbischof  von 
Toledo,  Cardinal  Lorenzana,  folgte  ihm  im  Jahre   1794,  und  musste 
auf  Befehl  desselben  Königs  (d.  i.  des  Friedei^sfursten  Manuel  Godoy) 


*)  IJorenie,  4,  S.  265.    Also,  wnrde  er  1695  und  nicht  1699  erwählt 
')  Ob  Bio  {aog  und  Bchdn,  oder  alt  und  häaslich  gewesen  —  adboosabjudice 
lia  est.  •—  Trozdem   lasst  Llorente  unter  ihm  jährlich  zwei  Personen  verbrannt 
werden,  im  Widerspräche  mit  sich  selbst.    Die  Hexe  von  Sevilla  wäre  nach  Uorente 
verachont  worden,  wenn  sie  ihr  Verbrechen  gestanden  hätte  (IV,  p.  270). 


Inquisition  in  Italien.  89 

abdanken  —  1797.  Manuel  Godoy's  Creatur,  Ramon  Joseph  de  Arce, 
(Psendo-)  Erzbischof  von  Burgos  and  Saragossa,  trug  den  Titel  des 
(44.)  Generalinquisitors  von  1798 —  180S  *).  Allmälig  war  die  Inquisition 
uicht  bloss  das  purste  Staatsinstitut,  sondern  auch  das  Staatsinstrument 
der  jeweils  herrschenden  Günstlinge  am  Hofe  geworden,  Günstlingei 
deren  Vollziehungsorgane  die  Könige  waren. 


Paramo  erzählt  (weiter),  dass  und  wie  die  Neapolitaner  sich  die 
spanische  Inquisition  nicht  auflialsen  Hessen  (1504  und  1546),  was  ganz 
in  der  Ordnung  war.  Denn  sie  waren  Italiener^  und  keine  Spanier. 
Sie  erklärten,  die  Ausrottung  der  Häresien  gehe  den  Papst  und  die 
kirchlichen  Kichter,  nicht  die  weltlichen  Fürsten  an.  Auch  Papst 
Paul  III.  erklärte,  diese  Angelegenheit  gehe  ihn,  und  keinen  andern 
an.  Als  Kaiser  Carl  V.,  der  die  Inquisition  als  Regierungsinstrument 
missbranchte,  Ernst  machte,  kam  es  zum  Aufstande.  Der  tnächtige 
Herrscher  hielt  es  für  kluger,  dem  Sturme  zu  weichen*),  und  auf 
bessere  Zeiten  zu  warten.  „Nach  unverrichteter  Angelegenheit,  sagt 
Paramo,  gewährte  Carl  den  bittenden  Neapolitanern  nach  seiner  be- 
kannten Güte  Verzeihung.^ 

In  Sicilien  ging  die  Inquisition  durch,    mit  grosster  Anstrengung     i><« 
und   durch  mehrere  Zwischenstadien.    Noch   im  Jahre  1562   brach  in  ^J^"^ 
Palermo  ein  Aufstand  gegen  die  spanische  Staatsinquisition  aus.    Hier     <iie 
war  Paramo  Inquisitor  gewesen.    Von  Hinrichtungen   erzählt  er  nichts,  {„qa^. 
—   Nach   Sardinien   wollte  die   Inquisition   im   Jahre    1492  importirt  tioDza- 
werden.    Als  der  Inquisitor   im  Jahre   1494  einen  gewissen  Dominions 
unter  der  Anklage   der  Häresie   gefänglich   einzog,  befreiten   ihn   der 
ViceköfUg   und   der  Erzbischof  von  Cagliari  (es  war  der  Dominikaner 
Petrus  Pilares  1483—1513)  mit  Gewalt.  —  Ferdinand  „der  katholische«" 
schrieb  darüber  sehr  zornige  Briefe.    Was  nun  geschah,  und  über  die 
ganze  Zeit  von   1498 — 1590  gesteht  Paramo  nichts  zu  wissen.    Doch 
wurde   im  Jahre  1590  ein  Lutheraner  (vielmehr   Calvinist)   von  Genf 
gefangen,   aber  weder  enthauptet  noch  verbrannt,  sondern  Katholik  zu 
werden  vermocht. 

Im  Jahre  156:]  versuchte  man  die-  Inquisition  in  Mailand  einzu- 
führen. Aber  die  Bevölkerung  leistete  Widerstand,  und  die  Inquisition 
wurde   „suspendirt^.  —  Wie   die  Italiener,   so   Hessen   sich   auch   die 


')  Reihenfolge  der  Grossinquisitoren  (mit  vielen  Irrthttmem),  bei  lÄortfiit^ 
IV,  213—271). 

0  PoTcmo,  p.  218-^221. 


Hefele 


90  Dreizehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Niederländer  die  spanische  Inquisition  nicht  gefallen.  Der  Versuch 
aber,  sie  daselbst  einzuführen,  hatte  bleibend  traurigere  Folgen,  als 
in  Italien. 

§.  42. 

Liorente  Dag   Werk   Ant   Uorente's  über   die   Inquisition,    welches   zum 

inquisi.  grössern  Theile  aus  ihm  selbst  widerlegt  werden  kann,  hat  das  grosse 
lion.    Verdienst,   spätem  Forschern   eine   Menge    von   Material    erhalten    zu 
haben.    —   Der   Abschnitt   in  PrescoU's   „Leben   Ferdinand's   und  Isa- 
bella's  über   die  Inquisition    beruht  auf  keinen    selbständigen  Studien. 
—   In    Spanien   selbst   hat   Jr  Cl,   Camicero   das   Werk  LlorerUe's    zu 
widerlegen  gesucht').  —  C  J.  Hefde  hat  in  seinem  Werke:  Der  Car- 
[  dinal  Ximenes ,   nicht  nur   den  Liorente  gründlich    widerlegt,   sondern 
legt  ihn.  auch  tür  eine  unpartheiische  Bearbeitung  der  Geschichte  der  Inquisition 
die   Bahn    gebrochen  ^).     Aber    aus    der    neuesten    Kirchengeschichte 
Spanien's  von   Vic,  de  la  FuenteiMadr,  1873  — 1875)  ersieht  man,  dass 
diese  Forschungen    in  Spanien  selbst  noch   nicht  bekannt,    wenigstens 
noch  nicht  verwerthet  sind*).  —  Fr,  Gare,  Rodrigo   gedenkt  eine  Ge- 
schichte der  Inquisition  in  zwei  Bänden  herauszugeben. 
inquui-  jß    Portugal    wurde    die    Inquisition     besonders    auf    Betreiben 

Porta-  Carl's  V.  (von  Spanien)  im  Jahre  1Ö36  eingeführt.  A.  Herctdano  de 
^^'  Carvalho  hat  in  drei  Bänden  diese  Einfuhr ung  beschrieben^).  Er  ist 
ein  Gegner  der  Inquisition  aus  Princip.  Vor  ihm  hat  H,  Schäfer 
dieses  Thema  kürzer  behandelt  ^) ,  nach  Herctdano  aber  der  Jnde 
M.  Kayaerling  mit  grosser  Ausführlichkeit  und  ziemlicher  Unparteilich- 
keit®). —  Die  meisten  Schriftsteller  in  England  und  Frankreich  wandeln 
bei  diesem  Thema  im  Schlepptau  Uorente's. 
schrif-  j)^,.   Aufsaz   „Inquisition^   in   der  Encyclopaedie  von  Ersch    und 

die  In- Gruber  —  Jahr  1840    —    ist  von   J5.  Böse;   dieser   adoptirt   ohne  Be- 
a«i»»-  denken  Uorente's  Angaben.    —    Nie.  Heinr.  Jidius   hat  in  seinen   Zu- 


*)  Josi  demente  Camicero :  La  Inquisicion  justameate  restablecida,  impu^- 
nacion  de  la  obra  de  D.  Juan  Antonio  de  Uorente:  Anales  de  la  inqnistcion  de 
Espafia.  2  tom.  Madrid,  )816.  —  cf  Jos.  de  Maistre,  Lettres  k  nn  gentilhoAe  Ruase 
8ur  r  iDqnisicion  espagnole.    LyoD,  1837. 

')  Tabingen,  1816;  (1^51).  .1».  Hauptatück:  Die  spaDiache  InqaiBition  and 
Uorente's  geringe  Glaubwürdigkeit  (S.  241  —  360  —  368). 

')  Historia  eclesiaatica  de  Espafia,  t,  V.  Madr.  1874,  p.  23—33. 

*)  Da  origem  e  eatabelecimenio  da  Inqaisicao  em  Portugal.  Teotativa 
historica  per  Alex.  Herculano ,  Lisboa,  1854,  1855,  1857. 

*)  Heinr.  Schäfer,  Geschichte  von  Portugal,  Bd.  111,  Hambarg,  1860,  S.  035 
—  34*^. 

')  M.  Kayserling,  Geschiobte  der  Juden  in  Portugal.  Berlin,  1867,  S.  167 
-861. 


Schriften  Über  die  rnqiiisition.  91 

säzen  zu:  ^O.  Ticknor's  Geschichte  der  echooen  Literatar  in  Spanien 
—  Hamb.  1802'^  —  interessante  Beiträge  zur  Beurtheilung  der  Inquisition 
mitgetheilt*).  —  Ueber  die  Inquisition  auf  den  Balearen  handelt 
M.  Kayserling  in  seinem  Buche  über  die  Juden  in  Navarra,  den 
Baskenländem  und  den  Bakaren*).  —  Heinr,  Grätz  hat  in  seiner  ;, Ge- 
schichte der  Juden  ^,  die  spanische  Inquisition  von  seinem  jüdischen 
Standpunkte  aus  behandelt^).  —  Unsere  Abhandlung  über  die  Inquisition 
war  seit  Jahr  und  Tag  beendigt^),  als  uns  im  Jahre  1877  noch  zwei 
nencre  Schriften  über  die  spanische  Inquisition  zugingen.  Die  eine 
Schrift  ist  von  Fridolin  Hoffmann^),  Der  Verfasser  will  nicht  bloss 
Dach  Quellen,  sondern  nach  den  besten  Quellen  gearbeitet  haben. 
Diese  Quelle  ist  vorwiegend  Llorente  für  Spanien.  Hoffmann  gesteht, 
dass  er  nicht  Historiker  vom  Fach,  sondern  Publicist  sei  und  es  ihm 
„somit  im  Blute  liege^  die  Gegenwart  nicht  ungerupft  zu  lassen,  auch 
da,  wo  er  die  Leser  in  entlegenen  Regionen  umheriuhrt^.  Der  Publicist 
hat  einen  Tendenz-Roman  für  das  gewöhnliehe  Publicum  herausgegeben. 
Seine  Tendenz  ist  es  demnach,  die  Zahlen  der  Hingerichteten  möglichst 
zn  steigern,  er  lässt  den  Mariana  fälschlich  sagen,  dass  im  Bisthum 
Sevilla  und  Cadix  allein  im  Jahre  1481  —  2000  judaisirende  Christen 
Terbrannt  worden.  Er  lässt  im  Jahre  1877  die  im  Jahre  1856  u.  1870 
gedruckte  Chronik  des  Bemaldez  noch  ungedruckt  sein^).  Er  lässt  den 
Tb.  Torquemada  gewaltthätig  gegen  Ferdinand  und  Isabella  auftreten, 
um  ihnen  die  Verbannung  der  Juden  abzupressen,  wogegen  der  Protestant 
Pesckel  festhält,  dass  die  Krone  bei  Vertreibung  der  Juden  und  Araber, 
wie  bei  der  Inquisition,  nicht  durch  niedrige  fiscalische  Motive  sich 
leiten  liess,  sondern  für  recht  glaubhaft  hält,  dass  Isabella  in  ihrem 
Eifer  sich  verrechnet,  und  nicht  die  Vertreibung  (der  Juden)  selbst, 
sondern  durch  ihre  Androhung  eine  rasche  und  allgemeine  Bekehrung 
beabsichtigt  habe®). 


*)  Tieknor  Julius,  Bd.  II,  p.  724—729.  Dazn  Snpplement-Band  v.  Äd.  Wo\f, 
Leipa.  1^'67,  p.  196—198. 

*)  Berlin,  1861,  S.  178-189. 

*)  QräJtz,  Geschichte  der  Joden,  Bd.  V,  Leipz.  1861,  S.  300  —  363. 

')  Er  nennt  Isabella  die  »Bigotte''  (S.  301),  und  sagt,  sie  and  Ferdinand 
haben  durch  die  Schöpfung  des  InqoisitionBtribunalB  Spanien*«  Verkümmerung  nnd 
aVerwesnng*  angebahnt 

*j  Seit  October  —  December  1876. 

*)  Geschichte  der  Inquisition.  Einrichtung  und  Thäfigkeit  derselben  in  Spanien, 
Portugal,  Italien,  den  Niederlanden,  Frankreich,  Deutschland,  Stld  -  Amerika,  Indien 
und  China.  Nach  den  besten  Quellen  allgemein  far  stich  dargestellt  v.  ^.  jET.  Erster 
Band,  Bonn,  1878,  p.  418.    Ein  zweiter  Band  soll  dem  ersten  folgen. 

')  S.  309. 

*)  Pe9ckd,  Zeitalter  der  Entdeck.  1858,  S.  152.  (Nene  Aufl.  Stultg  1877, 
S.  120  flg.) 


92  Drcizehotcs  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Nach  Hoffmann  fugte  sich  Spanien  allein  durch  die  Jndonver- 
trcibuDg  den  Verlust  von  achthundert  Tausend  fleissigen  Menschen  zu  *), 
deren  Verbrechen  nur  darin  bestand,  dass  sie  festhielten  an  dem  Glaabeo 
ihrer  Väter  und  den  ,,kaiholischen  Majestäten^  mehr  Geld  geliehen 
hatten,  als  diese  zurückerstatten  konnten  oder  wollten.  iSblches  und 
Aehnliches  berichtet  der  „Publicist''  „aus  den  besten  Quellen^.  Die 
Zahl  von  800.000  stammt  von  Marianaj  aber  dieser  spricht  seinen 
Zweifel  an  der  Grösse  der  Zahl  ans.  Mit  dem  Brand  von  Magdeburg, 
und  selbst  mit  der  Bartholomäusnacht  kann  man  heute  sein  Glück 
nicht  mehr  machen;  aber  die  Blutgerüste  und  die  Scheiterhaufen  der 
Inquisition  ziehen  noch. 

Der  Professor  Juan  Manuel  Orti  y  Lara  hat  zu  Madrid  im  Jahi*e 
1877  „die  Inquisicion^  herausgegeben,  ein  Werk,  das  zuerst  in  der 
Zeitschrift  „EI  siglo  futuro^  in  kleineren  Abschnitten  erschien').  — 
Nach  den  rühmenden  Meldungen  in  katholischen  Zeitschriften  über 
dieses  Werk  durfte  man  etwas  Tüchtiges  erwarten.  Aber  es  sind  eben 
gesammelte  Zeitungsartikel  ohne  Quellenangaben').  Die  Inquisition 
war,  nach  Ortiy  ein  rein  kirchliches  Institut.  In  zwei  Abschnitten  vrird 
„Doctor  Hefde*^  abgewandelt ,  weil  er  die  Inquisition  ein  staatliches 
Institut  nennt^).  Von  dem  Grafen  de  Maistre  wird  gesagt,  er  habe 
in  Moskau  (?)  fern  von  katholischen  Kreisen  geschrieben,  und  habe 
nur  einige  englische  Schriftstücke  und  die  von  den  Cortes  zu  Cadix 
publicirten  Schriften  über  die  Inquisition  benüzt.  Dagegen  will  Ch^/t 
widerlegen  die  Behauptungen  des  y^Alzog,  Hefele,  und  im  Allgemeinen, 
alle  die  katholischen  liberalen  Publicisten,  welche  niemals  eine  Wahl- 
heit  vertheidigten^  ausser  mit  halb  und  halb^  und  mit  „wenn  und  aber'', 
und  mit  gefahrlichen  Concessionen^  ^). 

Siehe  da,  wir  befinden  uns  mitten  iti  der  Kezerei  der  „liberalen 
Katholiken^ ,  weil  wir  nicht  durch  „dick  und  dunn^  mit  „den  Orii 
y  Lara  und  Consorten^  gehen.  Das  „Santo  officio^  war  ja  ein 
„wesentlich   kirchliches  Tribunal^*).     Die  Inquisitoren  erhielten  viel- 


•)  8.  311. 

*)  La  Inquisicioo.  Obra  pablicada  por  vez  primera  eo  el  Siglo  fütaro.  Por 
Don  Jnan  Manael  Ort!  y  Lara,  Catedritico  de  Metafisica  de  la  Universidad  de  Madrid. 
Edicion;  corregida  y  anmentada.  Madrid  1877,  p.  315.  Der  VerfasBer  hat  viele 
andere  Schriften  erscheinen  lassen.  — 

*)  S.  74  wird  citirt:  Salgado,  de  Sapplicatione  ad  SaoctonuD.  Salgado  war 
ein  hiziger  Regalist,  und  schrieb  (1639)  de  SnppHcatione  ad  Sanctissfmiini  etc. 

*)  El  Dootor  Hefele,  p.  64—69,  und  Respnestas  al  Doctor  JTI^e^e,  p.  81 — 85. 

')  Como  han  asegnrado  los  Ahog,  Htfde  y,  por  lo  general,  todos  los  pabli- 
oistas  catöliooB  hberales. 

•)  P.  81. 


Neuere  Schriften.  93 

mehr  ihre  ganze  Jurisdiction  von  dem  Papste,  der  General -Inquisitor 
Jurch  die  Bullen  seiner  Ernennung  und  Bestätigung,  seine  Gehilfen 
durch  den  vom  Papste  dazu  bevollmächtigten  obersten  Inquisitor. 
Darom  waren  die  Inquisitoren  nicht  Beamte  des  Staates,  sondern  der 
Kirche,  die  bei  der  Inquisition  betheiligten  Bischöfe  aber  Beamte  Gottes. 
Die  rein  weltlichen  Befugnisse  der  Inqnisition  seien  rein  äusserlich  und 
nebensächlich,  ihr  kirchlicher  Charakter  sei  die  Hauptsache  gewesen. 
Man  könne  einen  Mohren  nicht  darum  weiss  nennen,  weil  er  weisse 
Zahne  habe,  die  Inquisition  nicht  darum  ein  Staatsinstitut,  weil  etwas 
Staadiches  an  ihr  gewesen. 

Aber  an  dieser  Inquisition  war^Alles  staatlich.  Die  Kirche  hatte 
das  Nachsehen,  das  Gehen-  und  Geschehenlassen.  —  Mit  dem  Tode 
sollte  jeder  Spanier  bestraft  werden,  befahl  Ferdinand  der  Katholische, 
der  eine  Einmischung  des  Papstes  in  den  Lauf  der  spanischen  In- 
quisition provocirte.  Ohne  kirchliche  Sendung  und  Vollmacht  kamen 
die  ersten  Inquisitoren  nach  Sevilla,  und  begannen  dort  ihr  Geschäft. 
Die  Regierung  sezte  die  Inquisitoren  nach  Belieben  ein  und  ab.  Welcher 
Papet  hat  denn  einen  Grossinquisitor  eingesezt?  Wie  viele  derselben 
Iiat  die  Regierung  abgesezt?  (12.)  Welchen  abgesezten  Grossinquisitor 
bat  Rom  in  seiner  Würde  erhalten?')  Es  wurde  einfach  in  Rom  an- 
gezeigt, dass  —  der  oder  jener  Grossinquisitor  geworden,  und  man 
ijchickte  ihm  seine  Bestätigungsurkunde  zu^  gleichviel,  ob  sein  Vor- 
^'änger  mit  Recht  oder  mit  Unrecht  abgesezt  worden.  Diese  immer 
tiod  sicher  erfolgende  Bestätigung  —  diess  waren  des  Negers  weisse 
Ziähne.  Darum  war  aber  die  spanische  Inquisition  dennoch  schwarz. 
Sie  wurde  vom  Staate  eingeführt^  vom  Staate  regiert  und  dirigirt,  sie 
war  ein  Werkzeug  in  den  Händen  des  Staates,  sie  wurde  vom  Staate 
wieder  abgeacha£ft.  Diessi  ist  die  Wahrheit  der  Geschichte,  und  es 
ficht  uns  nicht  an,  ob  uns  auch  OrH  y  Lara  unter  die  Kezer,  genannt 
^liberale  Katholiken^,  verweist. 


')  44  Generalinquisitoren  zählt  Llorente,  Davon  sezte  Ferdinand  V.  ab  — 
den  Did.  Beza.  Im  Jahre  1599  wurde  der  GrossiDqnisitor  Portocarrero  von  Phi- 
lipp HL  abgesezt;  aein  Nachfolger  Ferd.  Guevara  wurde  1602  abgesezt  Philipp  IV. 
^zte  1621  den  Lnis  de  AUiaga  ab.  Im  Jahre  1632  sezte  derselbe  den  Anton. 
Zapata  ab;  Im  Jahre  1613  sezte  er  den  Ant.  de  Sotomayor  ab.  Zwei  Grossinqnisi. 
t^ren  sezte  die  Königin  Maria  ab.  Philipp  V.  sezte  zwei,  Carl  IV.  gleichMs  zwei 
OroflaioqalBitoren  ab;  12  von  44  sezte  der  Staat  ab,  und  nnr  einen  Papst  Pins  V. 


Zweites  Kapitel. 

Die  Spanier  in  AmerÜLa  (1492—1342). 


§.  1. 

Nach  der  glücklichen  Eroberung  Granada's  gewährte  Isabella  dem 
Genuesen  Christoph  Colambus  (Colon)  die  längst  erbetenen  Mittel, 
um  auf  dem  Seewege  nach  Westen  Ostindien  aufzufinden.  Colon  fuhr 
am  3.  August  1492  mit  drei  kleinen  Schiffen  aus  dem  andalusischen 
Hafen  von  Palos  aus.  Am  12.  October  entdeckte  er  Westindien,  d.  i. 
die  ostlichsten  Inseln  von  Mittelamerika.  Von  da  aus  entdeckte  er  die 
grosse  Insel  Cnba.  Er  glaubte,  in  der  Nähe  China's,  etwa  100  Meilen 
von  der  Stadt  Zaitun,  sich  zu  befinden ,  und  schickte  sich  an ,  einen 
Brief  „der  Könige^  an  den  vermeintlich  in  der  Nähe  befindlichen 
Gross-Chan  der  Mongolen  abzugeben.  An  dieser  Täuschung  hielt  er 
fest,  so  lange  er  lebte.  Am  4.  December  1492  gab  er  der  Insel  Cnba 
zu  Ehren  des  spanischen  Thronerben  den  Namen  Juana.  Am  6.  De- 
cember erreichte  er  die  Insel  Haiti  (Hayti).  Wegen  ihrer  Aehnlichkeit 
Hia-  mit  andalusischen  Landschaften  nannte  er  sie  Espanola  (Hispaniola)  ^). 
(s!"do-  ^^  baute  eine  kleine  Festung  „Navidad^.  Am  16.  Januar  1493  wurde 
uiogo).  die  Rückfahrt  nach  Spanien  angetreten.  Am  23.  März  erreichte  Colon 
wieder  den  Hafen  von  Palos  ^).    Am  31.  März,  dem  Palmsonntag,  hielt 


')  Hier  hörte  er  von  den  menacbenfressenden  Cariben  (Caraiben).  Colon  ver- 
stand aber  Caniba  (oder  Cannibalen).  Dnrcb  ibn  kam  der  Ausdruck  ,,Kannibalen^ 
statt  (menfichenfressende)  Kariben  in  Umlauf.  Er  meinte,  Caniba  könne  nichts  an- 
deres bedeuten,  als  Völker  des  Chans  (der  Mongolen),  also  mQsse  der  Chan  ganz 
nahe  residiren. 

*)  Wa8h,  Jrving,  A  history  of  the  life  and  voyages  of  Christ.  Columbus, 
Lond.  1828,  4  vol.  6*.  (Deutsch:  Leben  und  Reisen  des  Columbns,  Frankf.  1828; 
1832.  I,  S.  264.) 


Colon's  erste  Fahrt  q.  Rftckkebr.    Papst  Alezsnder  Vf.  n.  d.  neae  Welt.        95 

Colambas  seinen  Einzag   in  Sevilla').    Auf  die  Einladung  des  Hofes  ^"^^"^^ 
vom  30.  März  reiste  er  sogleich   nach  Aragonien.    Sechs  Eingeborneio  8pa. 
(aus  Weetindien)  begleiteten  ihn,  yier  liess  er  in  Sevilla  zurück. 


1193. 


§.  2. 

In  der  Mitte  des  April  erschien  er  vor  den  y,Königen^  in  Barce-  ^^^^l^ 
lona.    Mitten  auf  dem  Markte  war  der  Thron  aufgeschlagen.    Auf  dem    lon», 
Throne  sassen  die  ^Könige^  und  der  Erbprinz,  welche  sich  vor  Colon    ^^^^ 
erhoben.    Dem  Colon  wurde  neben  dem  Throne  ein  Sessel  zum  Nieder- 
sizen  geboten,  die  höchste  Ehre,  welche  spanische  Eonige  einem  Unter- 
thanen  zu  erweisen  vermochten').    —   Diess  durfte   der  schönste  Tag 
in  dem  Leben  Colon's  gewesen  sein.  —  Eine  neue  Flotte  wurde  aus- 
gerüstet«   Der  Decan   von  Sevilla ,   Juan   de  Fonseca ,   später  Bischof  J,"^^  ^* 
von  Badajoz,  Cordova,  Valencia  und  Burgos  (1496 — 1524),  sollte  die   coio- 
RüBtuni?  und  den  Aufwand  für  dieselbe  überwachen.     Bald  wurde  er  '^'*'"'^' 
Minister    der   Colonieen   oder    Vorsizender   des   Rathes    von   Indien. 
Dreissig  Jahre  lang  verwaltete  er  mit  grossem  Oeschicke  diesen  Posten, 
der,   wie  Lots  Qzscu  sagt,    eher  einem  Basken,  als  einem  Geistlichen 
zukam.    Ferdinand  Colon,  der  Sohn  des  Christoph ,  hat  den  Ruf  Fon- 
eeca's  angeschwärzt;   andere   suchen  ihn  zu   vertheidigen.    Er  wahrte 
mit  Energie,    vielleicht  auch  mit  Härte  das  Interesse  der  Krone,   und 
trat   darum    den   übertriebenen   Ansprüchen    der  Entdecker    und   Er- 
oberer entgegen. 

§.  3. 

Durch  Bulle  vom  3.  Mai  1493  ertheilte  Papst  Alexander  VI.  der 
Krone  Spanien  die  Herrschaft  über  die  Inseln  und  Festlande  im  west- 
lichen Theile  des  Ocean,   nur  mit  dem  Vorbehalte   etwaiger  früherer 
Rechte  eines  christlichen  Fürsten.     Schon  am  4.  Mai  1493  erging  eine 
zweite  Bulle.     Der  Papst  zog,  um  jede  weitere  Streitigkeit  abzuschnei-    ^^^ 
den,  eine  Grenzlinie  vom  Nordpol  bis  zum  Südpol.     Der  Krone  Castilien  ioq^,. 
verlieh  er  alle  Gebiete,  Inseln  oder  Festlande,  westlich  von  dieser  Linie,   ^*>''« 
gegen  Indien  oder  sonstwohin  gelegen.   Dieser  Meridian  sollte  von  jeder  xlnder*« 
der  azorischen  oder  capverdischen  Inseln  einen  westlichen  und  südlichen     ^'<* 


*)  Anär.  BemaideZt  los  reyes  catolicos,  1856,  I,  p.  277.  Ausgabe  von  1870, 
T.  I,  p.  869. 

^)  Erst  später  kam  daza  das  Wappen  mit  der  bekannten  Inschrift:  Für  Ca- 
sdHeD  ttod  filr  Leon  —  eine  neue  Welt  fand  Colon  (per  Castllla  y  por  Leon  — 
Boevo  mimdo  hallo  Ck>lon).  Die  Erzählung  von  dem  „Ei  des  Colambus''  ist  ein 
Mährohen  ohne  geschichttiche  Grundlage. 


96  Dreizehntes  Bach«    Zweites  Kapitel. 

Abstand  von    100   spanischen  Meilen   entfernt  sein').     Am   26.  Sep- 
»  tember  1493  erliess   der  Papst  eine   dritte  Bnlle.     Er  erweiterte    die 
Schenkung,  die  er  zuvor  den  y,Königen^  gemacht,  auf  alle  neuen  Gnt- 
deckangen,   sie   mögen  Inseln  oder  Festland  umfassen,   welche  bereits 
gemacht,  oder  noch  zu  machen  seien,    mögen  sie  auf  der  Fahrt  gegen 
Westen  oder  Osten  sich  finden,   mögen  sie  im  westlichen,   oder   süd- 
lichen und  östlichen  Theile,  und  in  Indien  liegen*).    Die  beiden  Kronen 
Castilien    und   Portugal   traten   über   die  Theilung   der    „neuen  WcJt^ 
selbst  in  Unterhandlungen.     Am  7.  Juni  1494  wurde  ein  Vertrag  ab- 
geschlossen, nach  welchem  ein  Mittagskreis,  nicht  wie  die  Bulle  Ale- 
xander's  VI.  es  gewollt,    100,   sondern  370  Leguas   westlich   von   den 
u.  por-  Inseln  des  grünen  Vorgebirges   als  Grenzlinie  (raya)  für  die  Entdeck- 
tagai    ungen  der  beiden  Lander  gezogen  wurde.    Alles  Land  westlich  sollte 
»ich.    Castilien,  alles  Land  östlich  sollte  Portugal  zufallen. 


§.  4. 

Wenige  Tage,  bevor  die  ,|Eönige^  Barcelona  wieder  verliessen, 
baten  die  Indier  um  die  Gnade  der  heiligen  Taufe,  nachdem  sie 
den  Unterricht  in  der  christlichen  Religion  empfangen  hatten.  9»r>ie 
Könige^  freuten  sich  sehr,  dass  sie  Gott  diese  Erstlinge  aus  der  Heiden- 
welt darbringen  durften.  Mit  grosser  Feierlichkeit  wurden  sie  in  der 
Ghathedrale  getauft.  Die  „Könige^  und  der  Prinz  Juan  waren  ihre 
Pathen*). 

Bemard  Boil*)j  aus  Tarragona  stammend,  Benediktiner  in  Mon- 
serrat,   hatte   das  Ordenskleid  vor   dem  Jahre    1481    genommen.     Ibn 


')  Navarrete,  Mart,  Femandez ,  Coleccion  de  viages  y  descnbrimientoa  que 
hioieron  por  mar  los  Eapafioles  desde  fines  del  siglo  XV,  con  varios  docamen- 
toB,  etc.,  Madr.  1825—1829.  —  37,  5  vol.  4*.  —  t.  II,  n.  17;  18.  —  qaae  linea  diatet 
a  qualibet  iosnlarom,  qiiae  vnigariter  nuncopantar:  ,de  los  Azores  et  Gabo  Verde*, 
ceotom  leuciB  adversus  occidentem  et  meridiem. 

*)  Ora  esten  eo  las  partes  Occidentalcs  6  Heridionales  y  Orientales  y  de  la 
India.  —  Die  zwei  ei'Stcn  Bullen  stehen  in  dem  Bnllarium,  ed.  Cherubini,  Luxemb. 
1742,  t.  I,  p.  453.  t  X,  p.  3.  In  dem  neuesten  Tariner  Bullarinm  6teht  nor  die 
zweite  Bolle  vom  4.  Hai  1493,  t.  V,  A.  Taur.,  1860,  p.  361—364.  — -  Die  dritte 
Bolle  steht  nor  in  der  spanisehen  Ueberseznng  bei  Navarrete,  Viages,  t.  II,  p.  405. 

—  J.  O.  Kohlj  Die  beiden  ältesten  Generalkarten  von  Amerika.  Aosgef.  in  den 
Jahren  1527  nnd  1529  auf  Befehl  Kaiser  CarFs  V.  Weimar,  1860,  S.  11.  --  Friedr. 
Kunstmann^  zur  Entdecknngsgeschichte  Amerika*s,  in  Histor.  -  Polit.  Bl&tter,  1861, 
I,  p.  765--779  (Bd.  47).  —  Ose,  Pesckel,  Die  Demarkationslinie  des  P.  Alexander 
VI.,  Leipz.  1865.    (Ders.  „in  Zeitalter  der  Entdeckungen«",  1858,  8.230—231.) 

*)  llleacas,  Historia  pontifical  y  catoliea,  1564,  (1652),  t.  U,  Üb.  6»  ep.  2*2, 

-  (112). 

*)  Auch  Boyl,  Bali,  Boeil. 


Der  Miasionfir  B.  Boil.    Zweite  Fahrt  Colon's.  97 

wählten  die  „Könige*^  als  Haupt  einer  Gesellschaft  von  Missionären 
aas,  welche  mit  Columbus  in  die  neue  Welt  ziehen  sollten.  Es  wurden 
ihm  12  Begleiter  aus  verschiedenen  Orden,  und  auch  Weltpriester, 
beigegeben.  Der  Papst  wurde  you  dieser  Wahl  in  Kenntniss  gesezt 
Aasschmückungen  dürften  es  sein,  dass  B.  Beil  als  „legatus  a  latere^ 
des  Papstes,  oder  als  erster  Patriarch  von  Indien  nach  Westindien  ge- 
reist sei  *).  —  In  der  Instruction  der  ,,Könige^  an  Colon  vom  29.  Mai 
1493  sprachen  sie  von  der  Bekehrung  der  Indier;  um  diese  zu  fordern, 
senden  ihre  Hoheiten  dorthin  den  gelehrten  P.  Fr.  Boil,  zugleich  mit^^-^^" 
andern  Religiösen.  In  einem  Schreiben  an  B.  Boil  selbst  sagen  sie: 
„Der  König  and  die  Konigin  —  dem  frommen  Bruder  Boil:  „Eben  sind 
von  Rom  die  Bullen  angekommen,  um  welche  Wir  dahin  gesandt 
haben,  sowohl  in  Betreff  dessen,  was  Euch  angeht,  als  dessen,  was  in 
den  neuen  Inseln  vorzukehren  noth wendig  ist^*). 

Am  4.  August  schrieben  sie  ihm  wieder  von  Barcelona  ans,  sandten 
ihm  eine  Abschrift  der  Bulle  Alexander*s  VI«,  und  beauftragten  ihn, 
sie  von  Allem  in  Kenntniss  zu  sezen,  was  von  da  an  sich  ereignen 
würde.  Ks  scheint,  dass  B.  Boil  von  Sevilla  aus  sich  über  das  Be- 
tragen Fonseca's  gegen  Colon  beschwert  habe,  denn  die  Konige  sagen, 
eä  sei  ihr  innigster  Wunsch,  dass  der  „Admiral^  so  sehr  als  möglich 
geehrt  werde. 


§.  5. 

Am   25.    September    1493    fuhr   die    neue   Flotte    und    mit    ihr  zweite 
Fr.  B.  Boil   ans   dem  Hafen   von  Cadix   ab.     Am   3.  November   sah  ^^j^^J 
man  eine  bergige  Insel,   welche   sie  dem  Sonntag  zu  Ehren  Dominica  i4os- 
nannten.    Von  da  landeten  sie  auf  der  flachen  Insel  Marigalante.    Am  /^^ 
6.  November  sahen  sie  den  berühmten  Vulkan  von  Guadeloupe.    Colon 
batte  den  Mönchen  von  „Unserer  Frau   zu   Guadeloupe^   in    Spanien 
versprochen,    eine  Insel    nach    ihrem  Kloster   zu    benennen^).     Hier 
wohnten  Garaiben.     Vom   10.  November  a^   fuhr  das  Geschwader  in 
der  Richtung   von  Espanola.     Am    15.   November   erreichten   sie   die 
Insel  Puertorico,   von   Colon   San  Juan   genannt.    Am   25.  November 
gelangten  sie  in  die  Bucht  von  Montecristi  auf  Epanola,  und  befanden 
sich  vor  der  Festung  Navidad.    Am   28.  November  stieg  Colon   an's 
Land,  und   fand  nur  Brandtrümmer  an  der  Statte  der  Festung.    Die 


*)  Nach  Alf.  Sanvitores,  Hlstoria  de  la  orden  de  S.  Benito  —  wurde  er  zum 
Regionar-Bischof  ernannt. 

')  Naoarrete  (II),  Document.,  nr.  45  et  52. 
^  Bemaidezy  1,  p.  127. 

Ora»,  ipui.  Kirch«.  III.  9.  7 


98  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

dort  liegenden  Spanier  hatten  in  Käinpien  mit  den  Einge^ornen  ihr 
Leben  verloren.  Colon  sah  sich  gezwungen,  diese  Gegend  zu 
verlassen.  ' 

sted^  In  der  Nähe  davon  gründete  er  die  Stadt  Isabella.     Das  Fieber,  an 

'  dem  aach  er  lange  litt,  hemmte  den  Fortbau.  Die  Verlegenheiten  mehrten 
sich.  Die  Lebensmittel  för  die  Colonisten  mussten  aus  Spanien  her- 
beigeholt werden.  Zu  einiger  Entschädigung  versprach  Colon,  Caraiben 
als  Sklaven  nach  Spanien  zu  senden.  Er  kam  also  einem  ähnlichen 
Plane  des  Barth.  Las  Casas  znvor.  Der  Unterschied  war  aber,  das» 
es  sich  dort  nicht  um  die  Erhaltung  der  Indianer,  sondern  am  Geld 
und  Geldeswerth  handelte^).  Schon  wurden  Meutereien  gegen  den 
Admiral  angezettelt.  Colon  liess  den  Zahlmeister  Bemal  de  Pisa,  der 
ein  Complott  organisirt  hatte,  in  Ketten  werfen,  um  ihn  mit  Gelegen- 
heit nach  Spanien  zu  senden.  Von  jezt  an  verfiel  der  Admiral  dem 
allgemeinen  Hasse,  und  galt  für  einen  grausamen  Mann,  sowohl  in  den 
Colonien,  als  in  dem  Mutterlande').  Von  Isabella  brach  Colon  am 
12.  März  1494  nach  dem  Goldlande  Cibao  im  Innern  von  JBlspaüoIa 
auf.  Auf  dem  Wege  dahin  liess  er  das  Blockhaus  San  Tomtis  be- 
festigen. In  IsabeUa  war  die  Lage  trostlos.  Ein  Aufstand  der  In- 
dianer brach  zwischen  Isabella  nnd  San  Tomas  aus.  Colon  sezte  einen 
Verwaltungsrath  ein,  der  aus  dem  Benedictiner  Fray  Boil,  —  Fernandes 
Coronel  als  oberstem  Vogt  der  Insel,  und  zwei  andern  Beamten  be- 
stand. Präsident  war  sein  jüngster  Bruder  Diego,  der  sich  dem  geist- 
lichen Stande  widmen  wollte. 

Am  5.  Mai  1494  wurde  die  Insel  Jamaica  entdeckt,  am  8.  Mai 
lief  Colon  in  den  Hafen  Puerto  Bono  ein.  Das  gesuchte  Grold  aber 
wurde  nicht  gefunden.  Am  18.  Mai  kehrte  der  Admiral  nach  Cuba 
zurück.  Weder  Colon,  noch  die  Eingebornen  wussten,  ob  Cuba  eine 
oaba,  Insel  Sei.  Colon  glaubte  immer,  er  befinde  sich  in  Asien,  und  ganz 
Und.  nahe  den  chinesischen  Städten  Zaytun  und  Shangai.  Am  12.  Jani 
liess  Colon  sämmtlichen  Piloten  und  Matrosen  vor  dem  Notar  den 
Eid  abnehmen,  dass  sie  Cuba  itir  ein  Festland,  und  nicht  für  eine 
lusel  hielten.  Man  sei  de*r  Küste  in  einer  Länge  von  335  spanischen 
Meilen  gefolgt^).  Man  dürfe  schliessen,  das  asiatische  Festland  vor 
sich  zu  haben.  Wollten  die  Schworenden  ihre  Aussagen  widerrufen, 
so  würden  die  Officiere  mit  Verlust  der  Zunge,   vom  Schiffisvolk  aber 


*)  Memorial  para  los  Reyes  Catholieos,  ap.  NavarreUy  I,  p.  225  sq. 

*)  Loa  Casas  in  s.  Brevisima  relacion  de  la  destroydon  de  las  Indtas  oceiden- 
tales  per  los  Castellanos,  Sevilla,  1552  —  gesteht,  diess  allgemeine  Vorurtheil  vor 
seiner  Reise  nach  Westindien  getheilt  zu  haben.    Lib.  1,  cp.  90. 

')  Aber  Colon  hStte  ja  schon  nach  1—2  Tagen  das  Gap  San  Antonio,  das 
westliche  Ende  der  Insel,  erreicht. 


Rückfahrt  B.  Boil's.  99 

Jeder  mit  100  Peitschenhieben  abgewandelt  werden;   49  Personen  be- 
schworen, dass  Cuba  Festland  sei. 

Getrost  wollte  jezt  Colon  die  Rückfahrt  antreten,  da  es  an  Lebens- 
mitteln fehlte,  und  die  Mannschaft  nach  Hause  verlangte.  Am  6.  Juli, 
einem  Sonntage,  wurde-  auf  dem  I^ande  (in  Cuba)  unter  grossem  Zu- 
lauf der  Eingebornen  ein  Hochamt  gehalten.  Die  Spanier  kehrten 
wieder  nach  Espanola,  dann  nach  Puertorico  zurück.  Am  29.  Sep- 
tember war  man  wieder  in  Isabella.  —  Um  diese  Zeit  kam  Bartholo- 
mäas  Colon,  der  Bruder  des  Admirals,  mit  drei  Schiffen  aus  Spanien  an. 


§.  6. 

Mit  den   drei   Schiffen,    welche   Bartholome    an^s   Land    gesezt, 
kehrten  Fray  Boil,  das  Regentschaftsmitglied,  und  der  Christ  D.  Pedro 
de  Margarit  zurück,   und   nberliessen  fufanenflüchtig  die  Colonie  ihrem 
Elend   —   c.   Juni   1494.     Nach   der  Entfernung  Margarit's   brachen  ®- ß*'"'« 
neae  Aufstände   der  Eingebomen  aus ').   —  Boil's  Vertheidiger  sagen,    ai,d 
dass  er  zu  S.  Tomas  die  erste  katholische  Kirche  in  der  neuen  Welt  Gegner 
baate,  welcher  er  den  Namen:   „Unsrer   Frau   von  Monserrat^   gab. 
Durch  seine  Predigt  des  Evangeliums  habe   er  viel  Volk  bekehrt.    Es 
seien  (sehr  viel  spater)  Kirchen  errichtet,   und  diese  barbarischen  Na- 
tionen   unterrichtet,    getauft    und    civilisirt   (?)   worden,      »Derjenige, 
welcher  am  meisten  an  der  Bekehrung  der  Gozendiener  arbeitete,  war 
der  ^Nuntius  Boü««). 


*)  Peaehel,  p.  361,  267. 

*)  So  berichten  vorwiegend  cataloniscbe  ond  aragonische  Schriftsteller,«  wie 
Qonz,  de  lUescaSy  (Ant.  Berrera),  H.  B,  Lanuza,  Marillo,  besonders  Ped.  Serra 
—  in:  Historia  de  Ntra.  Sra.  de  Monsemte,  Bare.  1747,  p.  217.  —  Fei.  Torres 
Amat,  Diodonario  de  los  Escritores  Catalanes,  Bare.  1836,  p.  112 -r- 115,  —  Diesen 
geiellte  sieh  ein  dentsclier  Benediktiner  bei  m.  d.  Werke:  ,,Nova  navigatio  novi 
orbia,  Indie  ocddentalis  B.  F.  D.  Bueüü  Catalani,  abbatis  Montis  Sermti  (?),  ac 
Bociormn  monaehomm  0.  S.  B.  —  afio  U93,  figuris  exomata  a  P.  Bonorato  PJuloppone 
ejofldem  ordinis,  1621  fol.  Der  Verfasser  wollte  in  dieser  Schrift  dem  Orden  der 
Benediktiner  die  Ehre  vindiciren,  dass  seine  Mitglieder  zuerst  das  Evangelinm  in 
da  neuen  Welt  gepredigt  haben.  Die  Thatsache  lässt  sich  nicht  leagnen,  doch 
ttheinen  die  Erfolge  nicht  bedeutend  gewesen  zu  sein.  Das  päpstliche  Breve  für 
Boil  imd  seine  Genossen,  die  von  den  einen  Benediktiner,  von  den  andern  Beligioaen 
au  verschiedenen  Orden  und  Weltpriester  genannt  werden ,  steht  bei  Baynald,^ 
A&Oes  ad  an.  1493,  nr.  24.  —  W.  Irving,  Leben  und  Reisen  des  Columbus, 
VIII.  Buch,  Kap.  8.  —  Nach  Wadding  hat  der  Franciscaner  Juan  Percz  de  Mar- 
ehena  unter  Boirs  Leitung  das  erste  christliche  Kirchlein  auf  Hispaniola  erbaut. 
(Wadding,  afiales  Minor.,  t.  XV,  p.  18,  or.  2).  Berrera,  Decas  I,  Hb.  11,  cp.  12. 
Die  (angekandigten)  Schriften  des  P.  Caresmar  und  J.  Vülanueva  über  B.  Boil 
Kbeinen  ungedrnckt  geblieben  an  sein. 

7* 


100  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

B.  Boil  soll  sich  nach  seiner  Rückkehr  den  Gegnern  Colon's 
angeschlossen  haben.  Aus  seiner  spätem  Zeit  erfahren  wir  nur  noch, 
dass  der  König  ihn  (der  ihm  später  diplomatische  Dienste  bei  Ver- 
handlungen mit  Frankreich  geleistet)  zum  Abte  des  Klosters  S.  Miguel 
de  Cuxa  im  Bisthum  Perpignan  ernannt  habe,  und  dass  er  als  solcher 
um  das  Jahr  1520  gestorben  sei. 


§•   7. 

Colon  drang  im  Allgemeinen  darauf,  dass  die  Missionäre  die 
Sprache  der  Eingebornen  lernen  sollten  ^).  Einzelne  Caziken ,  wie 
Guarinver,  zeigten  sich  der  Annahme  des  Christenthums  nicht  abge- 
Mi88i'  neigt.  Aber  die  Grausamkeiten  und  Laster  der  Spanier,  zum  Theil 
•acha.  A^cl^  <^i^  Unfähigkeit  der  ersten  Missionäre,  hinderten  weitere  Fort- 
schritte. Wir  wissen  nur,  da^s  der  P,  Roman  Pane,  Hieronymit,  und 
der  Franciscaner  Juan  Borgonon  den  erwähnten  Kaziken  mit  seinen 
Unterthanen  eine  Zeit  lang  günstig  gestimmt  hatten.  Aber  die  schlimmen 
Einflüsse  der  andern  Indianer  und  die  Gewaltthätigkeiten  der  Spanier 
bewirkten  den  Abfall  derselben*). 

§.  8. 

Die  Zahl  der  Gegner  Colon's  wuchs  in  den  Jahren  1494 — 1496 
in  bedenklicher  Weise  an.  Im  Frühjahre  1495  schlag  auch  die  Stim- 
oegner  Qm^g  am  Hofe  gegen  ihn  um.  Die  entdeckten  Lande  kosteten  sehr 
viel,  und  trugen  nichta  ein.  Der  Admiral  sollte  alle  Ansiedler,  bis 
auf  500  —  nach  Spanien  zurücksenden ,  weil  Sold  und  Kosten  der 
Verpflegung  zu  gross  seien.  Von  Westindien  wurden  auch  einige 
hundert  gefangene  Indianer  im  Jahre  1495  auf  die  andalasischeu 
Sklavenmärkte  gebracht.  Die  Konigin  befahl  aber  am  16.  April  1495, 
den  Verkauf  zu  sistiren ,  bis  sie  Geistliche  und  Juristen  zu  Käthe  ge- 
zogen, und  die  Depeschen  des  Admirals  gelesen  hätte.  —  Um  diese 
Zeit  glaubte  Colon  die  Goldgruben  des  Königs  Salomon  im  Liande 
Ophir  entdeckt  zu  haben. 

Am  11.  Juni  1496  landete  Colon  wieder  im  Hafen  von  Cadiz.  Am 
23.  April  1497  wurden  seine  Privilegien  aufs  Neue  vom  Hofe  in  Burgos 
bestätigt,  und  er  erlangte  eine  Menge  neuer  Begünstigungen.  Doch  die 
Kosten  der  Colonie  wuchsen  zusehends.  Desswegen  gerieth  Colon  auf 
den  unglücklichen  Einfall,  die  neue  Welt  mit  Verbrechern  zu  bevölkern. 


')  Herrera^  Decas  I,  Lib.  III,  c  4. 
•)  Herrera,  1.  c.  —  TT.  Irving,  Xf,  2. 


Colon's  dritte  Fahrt,  t498.  101 

Die  Gerichte  erhielten  Befehl,   Verbrecher  mit  Abkürzung  der  Hälfte  v«rbr^ 

'  Chor  uod 

der  Strafzeit  nach  Hispaniola  zu  Torbaimen.  Las  Casas  sah  noch  skUren 
manche  von  diesem  Gesindel,  welche  ohne  Ohren  herumliefen M.  Es*"^*"'" 
fehlte  an  weitern  Mitteln,  die  Colonisten  zu  versorgen.  Colon  be- 
fand sich  in  grosser  Noth.  Die  „Konige"  waren  durch  wichtigere, 
nähere  Sorgen  in  Anspruch  genommen,  u.  a.  den  Tod  des  Thronerben 
D.  Juan  am  4.  October  1497.  —  Colon  hatte  alle  Fassung  verloren. 
Isabella  fühlte  sich  u.  a.  dadurch  beleidigt,  dass  er  einen  Ejronbeamten 
mit  Händen  und  Füssen  misshandelt  hatte. 

Am  30.  Mai  1408  trat  Colon  mit  sechs  Schiffen  und  200  Begleitern 
seine  dritte  fieise  nach  Westindien  an.    Am  1.  August  erreichte  er  die 
Insel  Trinidad,  und  sah   die  Küste  von  Südamerika.     Das  Land  am 
Ausfluss  des  Orinoco  zeigte  sich.     Der   Admiral  glaubte  sich   in   der 
Nähe   des   ^.irdischen  Paradieses**  der  Stammeltern   zu   befinden.    Am®*^*' 
15.  August  kehrte   er  nach  Espanola   zurück,   das   er   seit   zwei   und 
einem  halben  Jahre  verlassen,   und   wo   er   am    10.  März    1496   seine 
beiden  Brüder   mit  unbegrenzten  Vollmachten  gelassen  hatte«    Barto-  ß^**  ^• 
lom^  hatte  im  Jahre  1496  im  Innern  der  Insel   die  Stadt  S.  Domingo     go. 
gegründet.    Kämpfe   gegen   die  Indianer,   Kämpfe   der   Spanier   unter 
sich    hatten    die  Lage   sehr  verschlimmert.  .  Die  Spanier   hatten   sich, 
jeder  —  mit  einem  Harem  und  mit  Leibeigenen  umgeben.     Unerhörte 
Grausamkeiten  wurden  begangen').  —  Colon  fand  am  17.  October  1498 
eine  organisirte  Verschworung  der  Spanier  gegen  ihn  vor.    Am  18.  Oc- 
tober sandte  er  eine  Ladung  kriegsgefangener  Indianer  an  die  „Könige^, 
nnd  verlangte   von   ihnen  Priester,   nicht   so   fast   zur  Bekehrung   der^^**^"*'' 
Indianer,  als  zum  Dienste  der  verwilderten  Spanier,  die  keinen  Fasttag  gnade, 
mehr  hielten,  und  in  frecher  Polygamie  mit  den  Indianerinen  lebten.    Er 
fugte  bei:  „Wenn  eine  Aussöhnung  mit  den  Rebellen  (Spaniern)  nicht 
gelänge,    wäre   es  besser,   mit  Gewalt  sie  auszurotten*^.      Dieses  Wort 
führte  besonders  seinen  späteren  Sturz  herbei.^)    Durch  vieles  Andere, 
was  er  in  seinen  grossen  Verlegenheiten  that,  gab  er  seinen  zahlreichen 
Feinden  Waffen  gegen  sich  in  die  Hände. 


*)  NavarreUf  t  II,  nr.  116.  Carta  patente  d.  d.  22.  Juni  1497.  —  Las 
Casas,  Desiruycion,  1.  I,  cp.  112. 

")  «Vor  allen  Dingen  hat  man  sich  zu  hüten,  im  spanischen  Blute  die  Neigung 
zur  Mordinst  zu  suchen.  Die  f^nzösischen  und  englischen  Colonisten  des  sechs- 
zehnten Jahrhunderts  haben  die  nordamerikanischen  Rothhänte  nicht  menschlicher 
behandelt".  8o  der  Protestant  Pesehef-,  S.  297.  Damit  Übereinstimmend  sagt  der 
Protestant  F.  Huber  im  Jahre  ]8')2:  Ein  Haufe  Deutscher,  darunter  Fugger*8  und 
Beheiffl*s  genannt  werden,  welche  unter  Carl  V.  Columbien  zu  colonisiren  suchten, 
fiberboten  sehr  schnell  alle  Greuel,  welche  den  Spaniern  gegen  die  Indianer  vor- 
geworfen worden  (HubeTy  I.  c.  p.  15). 

*)  Las  Casas^  Historia  general  de  las  Indias.  Msc.  (b.  Peschet),  lib.  I.  cp.  155. 


102  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kupitel. 

Auf  ähulichem  Wege  ent8timden  im  Jabie  1409  die  beiüchtigtcn 

Reparil-  ^Repartimientos*'  oder    „Encomiendae^^  (V^rtheiliiDgen ,    CommeodeD). 

od.  En*  £^^06   Anzahl   (412)  Empörer,  die   im  Jahre  1499   unter  Bedingoogen 

comim.  capitulirt   hatten,   erhielten    nämlich   Ländereien,    und    mit    denselben 

Frohndienste  der  Eingebornen  angewiesen.     Diess  war  der  Anfang  der 

Sklaverei  der  Indianer   im  Grossen,   welche   die  Bekehrung   derselben 

unmöglich  machte,  oder  nur  Scheinbekehrungen  zuliess.     Die   Spanier 

erhielten    als   Geschenk  je    10.000—12.000  Matri  (Erdhugel)  Manioc- 

wurzeln.     Der  Kazike    der    einzelnen   Bezirke  war  dann  verpflichtet, 

diese  Felder  durch  seine  Leute  bebauen    zu   lassen.     Die  Eingebornen 

wagten  nicht,  zu  entfliehen;  denn  entweder  wurden  sie  auf  der  Flacht 

ergrifien  und  getödtet,  oder  als  Sklaven  verkauft'). 

Um  diese  Zeit  erschloss  sich  auch  der  Metalireichthum  der  Insel 
Espanola  in  einer  Weise,  welche  den  neuen  Goldströmen  in  Californien 
und  Australien  glich.  Das  ungesunde  Isabella  war  aufgegeben,  nnd 
dem  Klima  fielen  nun  keine  neuen  Opfer  mehr.  Freilich  hielt  die 
materielle  Besserung  der  Ansiedler  gleichen  Schritt  mit  dem  wach- 
senden Elend  der  Indianer.  Schon  im  achten  Jahre  nach  der  Ent- 
deckung herrschte  die  Ansicht  vor,  dass  der  weisse  Mensch  unter  den 
Tropen  nur  durch  die  Dienstbarkeit  niederer  Menschenra9en  gedeihen 
könne.  Die  Spanier  zwangen  die  Indianer,  das  Feld  für  sie  zu  be- 
stellen. Sie  hielten  sich  Sklaven  zum  Fischfange,  zur  Jagd,  sie  hielten 
sich  Indianerinen  zum  Kochen,  Waschen,  als  Mägde  und  Concubinen. 
Sie  liessen  sich  von  ihren  Sklaven  in  Hängematten  durch  das  Land 
tragen.    Die  Indianer  zitterten  nur  noch  vor  den  „weissen^  Kaziken. 

Die  Spanier  hatten  den  Beruf,  die  Indianer  zu  befreien,  und  sie 
als  Christen  zur  Freiheit  der  Kinder  Gottes  zu  erheben.  Statt  dessen 
verfielen  diese  armen  Indianer  der  geistigen  und  der  leiblichen  Sklaverei. 


§.  9. 

Americo  Vespucci,    aus  Florenz   geburtig,   weilte  im  Jahre   1493 

zu  Cadix  in  Handelsgeschäften^).     Er  begleitete  eine  neue  Expedition 

unter   dem  Spanier  Hojeda   (1499 — 1500),    welche   das   amerikanische 

Festland   am  Amazonenstrom,    sowie  Venezuela   (das  kleine  Venedig) 

entdeckte.    Im  Juni  1500  kehrten  Vespucci  und  Hojeda  nach  Spanien 

Americo  zurück.    Auch  dicse  Seefahrer  brachten  u.  a.  232  geraubte  Indianer  für 

Amt-    ^^®  europäischen  Sklavenmärkte  zurück.    So  gering  war   die  Ausbeute 

ric».    dieser   Fahrt,   dass   nach   dem  Verkaufe   der   erbeuteten   Sklaven    nur 


')  Las  Casas,  HistoriH  ms.  1.  cp.  61. 

')  Äug.  Maria  Bandini,  Vidu  e  lottere  di  Amerigo  Vespucci.    Fireaze.  17 15. 


Schlimme  Läge.   Statthalter  Franc,  de  Bobftdilla,  1500.  103 

10  Dacaten  reiner  Gewinn  jedem  der  Olacksritter  zufielen.  Durch 
Verwicklung  seltsamer  Zufälle  erhielt  die  ganze  neue  Welt  ihren  Namen 
Yon  diesem  Amerigo,  der  doch  bei  diesen  Entdeckungen  eine  sehr 
untergeordnete  Rolle  gespielt  hatte. 

Die  nächstfolgenden  Seefahrer  brachten,  da  das  ersehnte  Gold  und 
die  Edelsteine  nicht  gefunden  wurden,  meistens  nur  geraubte  Indianer 
zurück. 

Ein  Jahrzehent  war  seit  der  Entdeckung  der  neuen  Welt  vergangen. 
Aber  von  einer  Bekehrung  der  Indianer  war  keine  Rede.  Es  war  hohe 
Zeit,  dass  nun  die  Kirche  ihre  Missionsthätigkeit  eröffnete,  sollten  nicht 
bämmtliche  Eingeborne  aussterben,  oder  ausgetilgt  werden. 

Schon  im  Jahre  1495  hatte  Isabella  verboten,   dass  die  Indianer  ^^*  ^^' 

dliiner- 

in  die  Sklaverei  verschleppt  werden.  Sie  war  darum  auf  das  Höchste  ikiaven. 
indignirt,  als  eine  Schiffsladung  unbekehrter  Indianer  nach  der  andern 
auf  den  andalnsischeo  Sklavenmarkt  geworfen  wurde.  Im  Jahre  1500 
laugte  eine  neue  Fracht  von  mehreren  Hunderten  von  Indianern  an, 
durch  deren  Verkauf  die  Kosten  der  Entdeckungen  bestritten  werden 
sollten.  Unmuthig  fragte  die  Königin:  „Welche  VoUmaoht  besizt  der 
Ädmiral,  meine  Unterthanen  an  irgend  Jemand  zu  verkaufen?^  Durch 
Cabinetsordre  vom  20.  Juni  1500  liess  sie  die  auf  Golon's  Befehl  ver- 
kauften Indianer  in  Freiheit  sezen.  Sie  sollten  unverzüglich  in  ihre 
Heimat  zuräckkehren'). 

Ein  Theil  der  Amerikafabrer  war  bettelhaft  und  siech  heimgekehrt. 
Ein  halbes  Hundert  dieser  Invaliden  hatte  sich  in  Granada  angesammelt, 
wo  der  fiof  im  Sommer  1600  wohnte.  Ging  der  König  vorüber,  so 
riefen  sie:  „Zahle,  zahle.^  Wenn  sie  die  königlichen  Pagen  Don  Diego 
und  D.  Fernando,  die  Söhne  des  Admirals,  sahen,  riefen  sie:  Seht  die 
Püppchen,  die  Söhne  des  Admirals,  der  die  Länder  des  Trugs  und  der 
Trübsal,  den  Kirchhof  castilianischer  Hidalgo's,  entdeckt  hat.  ^ 

§.  10. 

Der  Ritter  von  Oalatrava,  Franc,  de  Bobadülay  erhielt  die  grössten 
Vollmachten,   die  neuen  Uesizungen  zu  leiten  und  neu  zu  organisiren. 
Den  Ck>Ion   nannten   die  Könige   nicht   mehr   Vicekönig,   sondern   nur  coionin 
noch  Admiral.     Das  Schreiben  an  ihn  lautete   kurz:    ^Wir  senden  den    ^^' 

.  gnude. 

Ueberbringer  dieses  Briefes,  den  Commendador  F.  de  Bobadilla,  um 
Euch  in  unserem  Namen  mündlich  gewisse  Dinge  mitzutheilen.  Ihr 
werdet  ihm  Vertrauen  und  Glauben  schenken,  und  seine  Weisungen 
erfüllen^  ^).    Erst  im  Juni  1500  ging  Bobadilla  mit  zwei  Schiffen  nach 


')  Navarreie,  t  II,  Doc.  or   l.'M.  —  Leu  Casas,  Uistoria  t  I,  ep.  176  ms. 
0  Der  Brief  ist  vom  26.  Mai  1499  von  Ifadrid  datirt  Las  Caaas,  I,  c.  179  ms. 


104  DreiKefantes  Buch.    Zweites  K8pitel. 

Westindien   ab.     Colon   hatte   iuzwischen   durch   eine  Schretkeusjusti 
seine  Auetoritat  über  unbotmässige  Spanier  herzustellen  gesucht.    Nicb 
wenige  wurden  hingerichtet,  andere  wurden  im  Geföngnisse  processirt 
Bobft-    ^iQ  23.  August  kam  Bobadilla  mit  seinen  Schiffen  an.     Er  erfuhr,  dass^ 
8.  i>o.  in  der  vergangenen  Woche  fünf  Spanier  durch  den  Strang  hingerichtet 
mingo.  worden,  fünf  andere  in  der  Festung  ihr  Todesurtheil  erwarteten.    Beim 
Einlaufen  der  Schiffe  sah  er  an  beiden  Seiten  des  Flusses  die  Galgen^ 
an  denen  die  „Verbrecher'^  noch  hiengen.     Am  24.  August  zog  er  mit 
seiner  Mannschaft  in  Procession  in  die  Kirche.    Es  kam  sogleich  zum 
Kampfe.     Bobadilla  Hess  den  Colon  ohne  Verhör  in  Ketten  schliessen. 
Colon,  sein  Bruder  Diego  und  die  übrigen  Gefangenen  langten  im  Ko 
vember  1500  in  Cadix  an.    Colon  litt  nicht,  dass  seine  Ketten  ihm  ab- 
genommen  werden*).      Die   „Könige'^   befanden    sich   in   grosser  Ver- 
legenheit.    Colon   wurde  sogleich  freigelassen,   und  ihm  ein  Gescheuk 
von    2000  Thalern   überreicht.     Als  er   am  17.  December   zu  Granada 
vor  den  „Königen^^  das  Knie  beugte,  erstickte  Schluchzen  seine  Stimme. 
Die  „Könige^'  leugneten  jede  Theilnahme  an  Bobadilla's  Verfahren,  und  ', 
sicherten  dem  Colon  den  Genuas  all*  seiner  Würden  und  Vorrechte  zu.  ' 
Iticolaus  de  Ovando,   Ritter   von   Alcantara,   wurde   am    3.  September 
1501    zum  Statthalter   von  Espanola  ernannt*).     Um  Gold  und  Perlen 
zu  finden,   schiffiben   sich   mit  ihm  2Ö00  Spanier  auf  23    Schiffen   ein. 
Am  13.  Februar  1502  fuhr  die  Flotte  von  San  Lucar  aus,  und  erreichte 
noch  im  April  Espanola.     Unter  den  Ankömmlingen  war  BarthoL  Las 
Cdsas,  der  nicht  Gold  und  Perlen,  sondern  das  Heil  der  Seelen  suchte. 
Colones  Colon   selbst  verliess   am   9.   Mai    1502   mit    vier  Schiffen   und 

Fahrt  ^^^  Matrosen  Cadix,  und  erreichte  Martinique  am  15.  Juni.  Am 
1502-4.  29.  Juni  erschien  er  vor  S.  Domingo,  aber  der  Statthaitor  Ovando  ver- 
bot ihm  zu  landen  oder  seine  Schiffe  auszutauschen.  Um  diese  Zeit 
verlor  Bobadilla  auf  der  Rückfahrt  nach  Spanien  durch  einen  Sturm 
sein  Leben.  Als  Colon  diess  erfuhr,  „glaubte  er  zu  ergrunden,  dass 
eine  höhere  vergeltende  Gewalt  zur  Vollstreckung  einer  Sühne  an  seinen 
Beleidigem  sich  erniedrigt  habe"'). 

Er  erreichte  auf  dieser  Fahrt  die  Halbinsel  Yucatan.  Er  gelangte 
zur  Landenge  von  Costarica  und  Panama.  Er  meinte,  der  Fluss  Ganges 
sei  von  da  noch  10  Tagereisen  entfernt,   indem  er  die  Südsee  für  den 


*)  Er  bewahrte  sie  als  Reliquien,  sngleioh  als  Andenken  an  den  Undank  der 
Könige.  Sein  Sohn  Fernando  sah  sie  stets  in  seinem  Cabinete;  Colon  wollte  sogar, 
dass  sie  ihm  in's  Grab  folgen  sollten.  (Vida  delAlmirante  [s.  Vater's];  it«lleni>ch 
1571,  cp.  86). 

»)  Navaftete,  t.  11,  nr.  138. 

»)  Oscar  Peschel,  S.  367.  Er  schrieb  an  König  Ferdinand:  Grande  tiempc 
ha,  que  Dios  nuestro  Sefior  no  moströ  milagro  tan  pnblioo.  Las  Casas,  HIstorifl 
ms.  II,  37, 


Colones  lezte  Fahrt,  sein  Tod  und  seine  Persönlichkeit.  105 

Meerbasen  vod  Bengalen  hielt  Diese  vierte  Fahrt  war  voll  von  Ge- 
fahren und  Nothen,  ohne  sehr  erhebliche  Resultate.  Am  2.  Januar 
1504  brach  eine  neue  Empörung  gegen  den  auf  Jamaica  weilenden 
„Admiral'^-aus.  Nur  wie  zuföUig  erfahren  wir,  dass  damals  in  S.  Do- 
mingo regelmässiger  Gottesdienst  und  Predigt  gehalten  wurde  *).  Ovando 
schickte  dem  bedrängten  Colon  erst  dann  ein  Schiff  zu  Hilfe,  als  die 
Frediger  von  den  Kanzeln  herab  ihn  angriffen.  Am  9.  Mai  kam  es 
zam  £[ampfe  der  Spanier  auf  Jamaica  unter  sich.  Am  13.  August  ge- 
langte Colon  wieder  nach  S.  Domingo,  wo  damals  Hernan  Cortes 
weilte,  der  künftige  Eroberer  Mexico's.  rt^BLS  aufgehende  Gestirn  wan- 
derte an  dem  untergehenden  vorüber^ ,  ohne  dass  sie  sich  gegenseitig 
kennen  lernten. 

Schon  erkrankt  reiste  Colon  am  12.  September  ab,  und  erreichte 
im  November  den  Hafen  von  Cadix.  Auch  er  brachte  seinen  Gegner 
Branc  de  Porras  als  Gefangenen  in  Ketten  nach  Spanien.  Porras  und 
sein  Bruder  wurden  zu  Sevilla  in  Freiheit  gesezt.  Bis  zur  lezten  Zeit 
hatte  Isabella  den  „Admiral*  in  jeder  Weise  unterstüzt.  Für  ihn  war 
darum  ihr  am  5^6.  November  1504  erfolgter  Tod  der  schwerste  Schlag, 
Von  dem  berechnenden  und  kalten  Ferdinand  konnte  er  weniger  er- 
warten. Im  Mai  1506  kam  er  nach  Segovia  zu  Ferdinand.  Er  wurde 
höflich  behandelt,  und  bezog,  wie  früher,  den  zehnten  Theil  der  Kron- 
einkünfte  aas  der  neuen  Welt.  Aber  die  von  ihm  ersehnte  Wiederein- 
seznng  als  Vicekönig  verschob  der  König  bis  zur  Rückkehr  seiner 
Tochter  Juana.  Ferdinand  bot  ihm  gegen  Abtretung  seiner  Ansprüche 
eine  Grafschaft  in  Castilien.  Colon  nahm  den  Tausch  nicht  an.  Auch 
nahm  er  weitere  Einnahmen  aus  der  neuen  Welt  in  Anspruch.  Im 
April  1506  landeten  Philipp  von  Flandern  und  seine  Gemahlin  Juana 
im  Hafen  von  Coruna.  Schon  damals  war  Colones  Krankheit  unheil- 
bar. Am  17.  Mai  1506^  am  Tage  der  Himmelfahrt  des  Herrn,  starb 
er  in  Valladolid.  Seine  lezten  Worte  waren:  „In  deine  Hände,  o  Herr, 
empfehle  ich  meinen  Geist." 

Gott  hatte  ihn  auserwählt,   die  neue  Welt  zu  finden.     Gott  hatte  za  ««^i- 
68  gefogt,  dass  diese  neue  Welt  zunächst  von  einer  Nation  beherrscht  ^^^^^^ 
werden   sollte,    die  von   der   einen   und   wahren  Kirche  nicht  getrennt   atik. 
wurde,   von   einer  Nation,    welche   tausende   muthiger  und  standhafter 
Glaobensboten,  neben  den  goldsuchenden  Abenteurern,  in  die  neue  Welt 
sandte.    In  einer  von  Colon  hinterlassenen  Handschrift,   genannt   das 
3uch   der   Prophezeiungen",   hatte  er   dafür   die  Beweise   gesammelt» 
dass  die  Erde  im  Jahre  7000  nach  ihrer  Schöpfunjr,  nach  alphonsistischer 
Berechnung  des  Weltalters,  im  Jahre  1656  nach  Chr.  untergehen  werde.') 


')  Loa  Casas,  Historia  etc.  I.  II,  cp.  86  ms. 
*)  NatooTäUj  II,  nr.  140. 


106  Dreizehntes  Bnch.    Zweites  Kapitel. 

„Seit  wir,  im  Besiz  seioes  schriftlichen  Nachlasses,  dem  grossen  Manne 
menschlich  näher  treten  dürfen ,  entdecken  wir  betrübt,  dass  ihm  die 
AchtoDg  vor  den  Rechten  seiner  Mitgeschöpfe  fehlte.  Er  brachte  nach 
portugiesischem  Vorbilde  reissende  Hnnde  zur  Menschenjagd  nach  der 
neuen  Welt,  deren  Urbevölkerung  er  als  den  wahren  Keichthum  des 
Landes '),  deren  Freiheit  er,  gleichsam  wie  ein  unbesessenes  Gut,  als 
Eigentbum  des  ersten  Finders  ansah,  die  er  zu  Frohnden  auf  den 
Pflanzungen  und  in  den  Goldländern  abrichtete,  und  deren  völliges  Er- 
löschen er  dadurch  verursachte.  Schmerzlich  ist  es,  dass  er  nicht  zu 
den  Edlen  seines  Zeitalters  zählte,  die,  wie  Isabella  und  die  wackem 
Dominikaner  auf  Espanola,  fiiir  die  Menschenrechte  der  Urbevölkerung 
sieh  regten  und  litten.  Einer  Verstimmung  kann  man  sich  nicht  er- 
wehren, wenn  der  grosse  Mann  auf  jedem  Blatte  seiner  Geschichte 
aus  schwer  zu  sättigender  Gewinnsucht  immer  von  Monopolträumen 
und  fiskalischen  Trugbildern  gedrückt  wird^^^).  Er  starb  mit  dem  Ge- 
fühle, unbilligen  Fürsten  gedient  zu  haben.  Er  selbst  hatte  bis  zu 
seinem  Tode  keine  Ahnung,  dass  er  eine  neue  Welt  entdeckt  Denn 
Cuba  hielt  er  för  eine  Provinz  von  China,  Espanola  aber  iiir  Japan. 
Er  meinte,  die  Erde  sei  lange  nicht  so  gross,  als  der  Pöbel  glaube. 
Seine  Gebeine  in  dem  Cartbäuserkloster  zu  Sevilla  ehrte  König  Fer- 
dinand mit  der  Inschrift:  „Castilien  und  Leon  —  Eine  neue  Welt 
gab  Colon.^  Später  wurden  diese  Gebeine  in  den  Dom  von  S.  Do- 
mingo übertragen.  Seit  der  Abtretung  der  Insel  Haiti  ruhten  sie  — 
seit  19.  Januar  1796  —  unter  einer  einfachen  Marmorplatte  in  der 
Cathedrale  zu  Havanna« 


§.  11. 

Colon  hatte  zwei  Brüder  und  zwei  Söhne.  Die  Söhne  waren 
D.  Diego,  genannt  der  zweite  Admiral,  und  D.  Fernando,  der  später 
Priester  wurde,  und  zu  Sevilla  am  12.  Juli  1539  starbt  mit  Hinterlassung 
einer  Bibliothek  von  12.000  Bänden.  D.  Diego  zog  am  9.  Juli  1509 
als  Vicekönig  der  Antillen  in  S.  Domingo  wieder  ein.  Aber  er  konnte 
seiner  Vollmacht  keine  Anerkennung  verschaffen.  In  den  Jahren  151  f> 
—  1520  weilte  er  in  Spanien,  um  sich  seiner  Gegner  zu  erwehren.  Im 
Jahre  1520  kehrte  er  nach  Espanola,  und  im  Jahre  1.^23  wieder  nach 
Spanien  zurück.  Er  erwarb  sich  hier  die  Gunst  CarPs  V.  Er  ging 
von  Toledo  nach  Sevilla,   um   sich   in  sein  Vicekönigreich  wieder  ein- 


')  T.ns  .Indios  licafa  isla  Espaiiulii  cran  y  son   la  tiqiieza   dellx.     Denkschrift 
vom  Jahre  1505,  bei  Las  CaaaSf  IIb.  11,  cp.  37. 
')  Ose.  Peschd,  S.  396. 


1 

AnBsterben  der  Eiogcbornen.  107 

zuschiffen,  als  ihn  am  23.  Febraar  1526  za  Montalban  der  Tod  ereilte. 
Sein  sechsjähriger  Sohn  D.  Luis  war  sein  Erbe.  Durch  die  kluge 
Energie  seiner  Mutter  D.  Maria  von  Toledo  wurde  D.  Luis  zum  Her- 
zoge TOD  Veragua,  zum  Markgrafen  von  Jamaica,  zum  indischen  Ad- 
miral,  spater  noch  zum  Generalcapitän  von  E^spanola  ernannt,  und 
erhielt  eine  erbliche  Abfindungssumme  von  1 0.000  Ducaten.  Die  Apa- 
nagen fSr  seine  Geschwister  übernahm  der  Staatsschaz.  Man  kann 
nicht  sagen y  dass  Spanien  undankbar  an  Colon  und  seiner  Familie 
handelte.  D.  Luis  starb  im  Jahre  1572.  Im  Jahre  1576  erlosch  die 
legitime  männliche  Linie  des  Entdeckers. 


§.  12. 

Bisher  war  für  die  Christianisirung  der  Indianer  so  viel  wie  nichts 
geschehen.  Die  Urbevölkerung  Espatiola's  verschwand  nach  1504  mit 
erschreckender  Schnelligkeit.  Bei  der  ersten  genauen  Zählung  von 
1508  fand  man  noch  65.000  Köpfe.  Im  Jahre  1510  fanden  sich  noch 
46.000  Ureinwohner,  im  Jahre  151:^  nur  noch  LO.OOO,  im  Jahre  1514 
nur  noch  13 — 14.000  Köpfe')  Benzoni,  der  um  das  Jahr  J541  nach 
Westindien  kam,  glaubte  nur  noch  au  150  Eingeborne  auf  der  Insel 
ZQ  finden.  Kach  Oviedo  wurden  um  das  Jahr  1548  nur  noch  500  Per- 
sonen des  alten  Geschlechts  gefunden.  Mit  Ausnahme  der  caraibischen 
Inseln  war  die  Sterblichkeit  auf  den  Antillen  dieselbe,  wie  auf  Espa- 
iiola*).  Die  Urbevölkerung  Cuba's  war  im  Jahre  154S  schon  erloschen. 
Von  üuba  und  den  Incayischen  Inseln  verpflanzte  man  von  1508  an 
Einwohner  nach  Espanola').  Das  allmählige  Verschwinden  der  Urein- 
wohner in  Nordamerika  und  der  Inseln  der  Südsee  schüzt  die  Spanier 
gegen  den  Vorwurf,  dass  lediglich  oder  doch  besonders  durch  ihre 
Schuld  die  Eingebomen  Westindiens  so  schnell  ausstarben.  Als  Capitän 
Cook  im  Jahre  1779  die  Sandwichinseln  besuchte,  schäzte  er  die  Zahl 


*)  La»  Catas,  lib.  II,  cp.  51.  III,  cp.  2,  35,  93. 

')  J^V.  Lopez  de  Oomara,  Historia  de  la  lodias,  1553,  cp.  51.  --  Era  Cuba 
oiny  poblada  de  Indios  ahora  no  ha  sino  Espafioles.. 

*)  Wohl  waren  die  ersten  Entdecker  und  Ansiedler  die  Urheber  (abor  niclif, 
Vollbringer)  dieses  Völkertodes,  doch  trifft  sie  nnr  die  sittliche  Schuld,  den  Proocss 
beschleunigt  zn  haben,  denn  wir  gewahren  jezt,  erwärmt  von  einem  mildem  (!!)  Zeit- 
alter, dass  beinahe  ohne  Gewalt  ^hOrt!)  auf  dem  nordamerikanischen  Festlande,  und 
aaf  den  Inseln  des  stillen  Meeres,  namentlich  der  Sandwichs-  und  der  Gesellschaf is- 
gruppe  die  Urbevölkerung  unrettbar  dem  Grabe  zueilt  Dieses  Abschiednehmen 
ganzer  Ba^n  beim  Erscheinen  verfeinerter  und  stärkerer  Völker  erfolgt  dort  so 
ttchtbar  nnd  doch  so  geräuschlos,  dass  es  uns  an  die  Vorgänge  geologischer  Zeit- 
alter mafanty  wo  die  Natur  mit  bedächtiger  Hand  die  verbrauchten  Formen  belebter 
Wesen  hinwegräumte*  (FeschüJ. 


108  Dreizehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Dievöi.  der  Einwohner  aof  400.000  Seelen.  Vancouver  scbäzte  sie  im  Jahre 
iLt:  1792  auf  300.000  Seelen.  Im  Jahre  1823  zählte  man  142.000  Be- 
wohner.  Im  Jahre  1832  zahlte  man  noch  132.000,  im  Jahre  1836 
100.000  Seelen.  Im  Jahre  1837  wurden  3.335  geboren,  während  6.838 
starben.  Im  Jahre  1849  ergab  die  Zählang  nicht  ganz  79.000.  In 
diesem  Jahre  waren  6500  mehr  gestorben,  als  geboren. 

Grund  der  Abnahme  war  theils  der  allgemeine,  nach  welchem  die 
Ureinwohner  neben  civilisirten  Völkern  überall  schnell  aussterben,  theils 
die  harte  Religion  der  dortigen  Methodisten.  —  Auch  auf  Neuseeland 
war  das  Ende  der  protestantischen  Missionsversuche  das  „Völker- 
grab**  *). 

Es  ist  aber  unbestreitbare  Thatsache,  dass,  während  auf  den  In- 
seln Westindien's  die  Ureinwohner  rasch  ausstarben,  unter  der  Herr- 
schaft der  Spanier,  dieselbe  Urbevölkerung  auf  dem  Festlande  Amerika's 
nicht  bloss  fortbestand,  sondern  sich  vermehrte.  Warum?  Ersiere 
starben  zu  einer  Zeit  aus,  in  der  sich  die  erhaltende  Macht  der  Kirche 
in  Westindien  noch  nicht  zeigen  konnte.  Nicht  die  Spanier  haben  die 
Indianer  des  Festlands  erhalten,  sondern  die  katholische  Kirche.  In 
Nordamerika  herrscht  das  traurige  Sprichwort:  „Es  ist  die  Bestimmung 
(the  destin)  der  Wilden  (durch  die  Culturvölker)  vom  Erdboden  hin- 
wegcultivirt  zu  werden.^  In  Mittel-  und  Südamerika  standen  Einge- 
bome  und  Eingewanderte  unter  dem  Einflüsse  derselben  Kirche,  und 
es  war  das  Loos  der  von  Californien  bis  Patagonien  wohnenden  In- 
dianer, auf  dem  Erdboden  erhalten  zu  werden. 

Während   man  Mitleid   hat   oder  heuchelt  mit  den  Urbewohnern 
der  Antillen,  betrachtet  man  den  Untergang  der  Indianer  in  den  Ver- 
einigten Staaten  als  eine  selbstverständliche  Sache,   über   die  man,  als 
eine  Natumothwendigkeit,  nicht  trauern  dürfe.     Die  ^^Rothbäute''  seien 
^er-    ja   zum  Verschwinden   vorherbestimmt.     Wahr   ist  es,   dass   durch  die 
dlJ^dw  Grausamkeit  der  Spanier  in  der  ersten  Zeit  die  Bewohner  der  Antillen 
Roth-  früher  ausstarben,  oder  ausgerottet  wurden,  als  es  sonst  geschehen  wäre. 
Denn  jene  Eingebornen  halfen  selbst  dazu.     Sie  begingen  au  sich  einen 
„Ra9enselbstmord^.     Die   Frauen    gelobten   einander^   unfruchtbar   zu 
sein;    durch   die   ihnen   wohlbekannten   Pflanzengifte   tödteten    sie    die 
Leibesfrucht.     Die  noch  lebenden  verkürzten  sich,  oft  in  ganzen  Gesell- 
Bchaftien,   das  Leben  durch  den  Genuss  des  schnell  tödtenden  Manioc- 


*)  Ausland,  1845,  S.  988.  Historischpolit.  Blatt.  Bd.  37,  S.  291.  Bd.  3S, 
S.  62—94;  187-202.  The  Island  World  of  tho  Pacific,  by  ff.  T.  Cheeoer,  New- 
York,  1851.  Dort  warden  die  Missionäre  ^iLandfresser"  genannt.  Ein  H.  Williams 
besass  11.245  Jaucheit,  ein  anderer  40.000,  ein  dritter  50.0  K)  Ac.-cs  auf  NeiiseeUnd. 
—  Auf  den  (resellschaftsinseln  sind  im  Gefolge  der  Missionäre  Trunksucht,  l>&gbeit 
und  alle  Laster  eingezogen,  welche  die  Völker  hinsterben  machten. 


Die  Dominikaner  In  S.  Domingo  1511—15!  2.  109 

« 

saftes,  oder  durcii  die  Dämpfe  giftiger  Pflanzenstofie,  die  man  neben  den 
Hängematten  anzündete.  Auf  Cuba  wählten  grosse  Menschenmassen 
den  Tod  dnrch  Erhängen.  Nicht  bloss  Familien,  sondern  ganze  Dörfer 
luden  sich  zum  Selbstmorde  ein'). 

Seitdem  die  vorher  soi^los  heitern  Indianer  für  die  Spanier  ar- 
beiten mussten,  hatte  das  Leben  keinen  Reiz  mehr  für  sie.  Weniger 
jedoch  der  Arbeit  als  dem  Clima  erlagen  sie,  da  sie  von  der  sonnigen 
Küste  weg  nach  dem  rauhen  Goldland  Cibao  versezt  wurden.  Wohl 
brachen  mildere  Tage  für  sie  an.  Aber  die  schwarzen  Blattern  rafften 
im  Jahre  1518  den  Rest  der  Ueberlebenden  wog').  Von  Espanola  ver- 
breitete sich  die  Seuche  nach  Cuba.  Durch  einen  Neger  kam  sie  nach 
Mexico,  um  die  Zeit,  als  der  Herrscher  Montezuma  ermordet  wurde 
(30.  Juni  1620), 

§.13. 

So  furchtbar  rächte  es  sich,  dass  von  1492 — 1510  weder  den  Indianern 
das  Evangelium  gepredigt  wurde,  noch  die  Spanier  regelmässigen  Gottes- 
dienst hatten.  Wohl  waren  ziemlich  viele  Franziscaner  auf  Espanola  erschie« 
Den.  Sie  führten  dort  ein  erbauliches  Leben,  aber  waren  weltlichen  Dingen 
ganz  al^ewendet.  Erst  am  Ende  des  Jahres  1510  kamen  Dominikaner'). 
Sie  sahen  den  Greud  der  Verwüstung  unter  Spaniern  und  Indianern« 
Schon  im  Jahre  1511  gelobten  sie  einander,  den  Indianern  zu  Hilfe  zu 
kommen.  Juan  Garces  hatte  eine  vornehme  Indianerin  geheirathet,  sie 
aber  aas  Eifersucht  erstochen.  Die  Angst  vor  den  Gerichten  trieb  ihn 
in  die  Gebirge,  die  Reue  nach  einigen  Jahren  zu  den  Dominikanern. 
Nach  einiger  Zeit  nahmen  sie  ihn  an.  Beredt  schilderte  er  ihnen  die 
furchtbaren  Leiden  der  Indianer.  —  Die  Dominikaner  schlössen  unter  sich 
einen  Vertrag,  den  alle  unterzeichneten.  P.  Antonio  Monierino  wurde 
auserwählt,  den  kühnen  Feldzug  gegen  die  Pflanzer  zu  eroffnen.  Man 
lud  za  einer  Predigt  am  ersten  Sonntag  im  Advent  (1511)  ein.  Mit 
glühendem  Feuer  schilderte  der  Redner  die  Leiden  der  Indianer  und 
die  Grausamkeit  der  Spanier.  Als  er  aber  geendet,  war  die  Versamm* 
lung  mehr  betroffen,  als  erschüttert.  Unter  dem  laut  werdenden  Un- 
willen konnte  man  kaum  das  heilige  Opfer  feiern.  Die  au%eregte 
Menge  zog  dann  vor  den  Pallast  des  Vicekonigs  Diego  Colon,  und 
verlangte   die  Bestrafung   des  verwegenen   Mönchs.    D.  Diego   untcr- 


')  Las  CcucLs,  L  III,  cp.  81  ms. 
*)  Petrus  Martyr,  de  erbe  novo  Decad.  IV,  cp.  10. 
*)  Las  Casa^^  II,  cp.  84  ms. 

*)  C.  Balufftj  das  vormals   spanische  Amerika,  deotsch ,  Wien,  1848,  I, 
S.  101—103. 


110  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Kapitel 

handelte  mit  dem  Vicar  der  Dominikaner.  Zam  Widerrufe  war  Mon- 
tcsiuo  nicht  zn  bewegen,  aber  er  Teraprach,  dass  er  seine  Predigt  besser 
erläutern  werde.  Eine  noch  zahlreichere  Menge  kam  in  die  Kirche. 
Er  widerrief  nicht ,  sondern  wiederholte  alle  Behauptungen  mit  schla- 
genden Beweisen.  Die  Ansiedler  wandten  sich  jezt  an  den  König, 
nnd  bestürmten  die  Franciscaner,  sich  des  Rechtes  und  der  Ordnung 
anzunehmen.  Diese  sandten  den  Bruder  Alonso  de  Espina  zur  Ver- 
theidigung  der  Ansiedler  an  den  Konig.  Auf  demselben  Schiffe  fuhr 
auch  Moutesino  nach  Spanien. 
Die  Do-  Y)ie  Fortdauer  der  Kroneinkünfte  hini?  auch   von   der  Fortdauer 

ner  der  jezigen  Zustände  ab.  *  Die  Pflanzer  hatten  an  dem  Rathe  von  In- 
«t!^"^  dien  eine  starke  Stüze.  Mit  halber  Gewalt  erzwang  sich  Montesino 
Gehör  bei  Konig  Ferdinand.  Es  gelang  ihm,  denselben  zu  erschüttern. 
Ferdinand  berief  einen  Rath  seiner  Theologen  und  Juristen.  Dieser 
erklärte  zwar  die  Indianer  als  Freie,  rieth  aber,  sie  zu  einer  massigen 
Arbeit  gegen  Taglohn  anzuhalten.  Schon  Isabella  hatte  diess  befohlen 
(20.  December  lÖOö).  Je  8 — 9  Monate  im  Jahre  sollten  sie  dienen, 
je  3—4  Monatje  durften  sie  zu  Hause  ihre  Felder  bestellen.  Nar 
5  Monate  im  Jahre  durften  sie  zu  den  schweren  Arbeiten  in  den  Berg- 
werken verwendet  werden.  Sei  eine  Züchtigung  nothwendig,  so  müsse 
man  sich  an  den  Visitator  wenden,  welches  Amt  Ton  der  Krone  zniu 
Schuze  der  Indianer  eingeführt  wurde. 

Von  jezt  an  wurden  die  s.  g.  Repartimientoe  oder  Belehnangen 
(Commenden)  mit  Leibeigenen  ertheilt.  Der  Jahreslohn  eines  Indianers 
war  ein  halber  Gastellano  (4  Gulden).  Ein  solches  Formular  der  Ueber- 
gäbe  lautet:  „Es  werden  Euch  N.  N.  hiemit  so  und  so  riele  Indianer 
in  dem  Dorfe  N.  als  anvertrautes  Gut  übergeben,  und  Ihr  erhaltet  die 
Vollmacht  y  derselben  Euch  zu  bedienen  in  Eueren  Bergwerken  und 
auf  Eueren  Grundstücken,  zur  Gewinnung  des  Goldes  und  anderer 
Betriebsarten  (Metalle);  unter  der  Bedingung,  sie  in  der  christlichen 
Lehre  und  den  übrigen  Elementen  des  heiligen  katholischen  Glaubens 
zu  unterrichten.  Hiemit  entbinde  ich  das  Gewissen  S.  M.  unseres 
Königs  und  das  meinige  von  ajler  Verpflichtung'^  (i.  e.  Schuld).  £in 
anderes  Patent  vom  Jahre  1514  sagt  u.  a.:  ,,Ihr  sollt  wissen,  dass  Gnch 
diese  Indianer  im  Fall  der  Nichtbeobachtung  der  königlichen  Verord- 
nungen weggenommen  werden  sollen;  Ihr  zudem  den  andern  Strafen 
verfallen  werdet ,  welche  in  der  Verordnung  (zum  Schuze  der  Indianer) 
ausgesprochen  sind/^  Aehnlich  hat  auch  Franc.  Pizarro  in  Peru  ini 
Jahre  1541  die  Indianer  vertheilt  Es  wird  u.  a.  verlangt,  dass  Priestor 
berufen  werden,  zu  denen  die  Kinder  der  Kaziken  zu  führen    seien 


*)  Las  Caaat,  II,  cp.  14,  IH,  cp.  4  ms. 


Westindien.  111 

damit  sie  in  der  Keltgion  unterrichtet  werden  ^).  Es  war  eine  Art  von 
Sklaverei,  der  die  Indianer  durch  diese  Vertheilungen  anheimfielen.  Es 
hing  von  der  Menschlichkeit  der  Herren  ab,  ob  die  Indianer  ganze 
oder  halbe  Sklaven  waren. 

£twa  ein  halbes  Jahrhundert  lang  gab  es  im  spanischen  Amerika  p^* 
eine  doppelte  Sklaverei,  die  gesezlich  erlaubte  Kriegsgefangenschaft, n^o^Jn 
ond  den  Missbrauch  mit  den  Repartimientos.  La$  Qutts  nennt  die  in  «»"^  ^^ 
denselben  befindlichen  Indianer  geradezu  Sklaven.  Der  Dominikaner  rJ.** 
MeUndez  gesteht ,  dass  ihr  Loos  wenig  v/ou  dem  der  Sklaven  ver- 
schieden war«  Ja  der  Jesuit  J.  Ca8$ani  halt  ihr  Loos  noch  im  sieben- 
zehnten Jahrhundert  druckender,  als  das  der  Sklaven*).  Die  Regierung 
hoffte  durch  die  Einrichtung  der  Commenden  die  Bekehrung  und  Civili- 
sirong  der  Indianer  zu  erreichen.  Die  Commende  war  in  den  ersten 
50  Jahren  Ton  der  Sklaverei  wenig  verschieden.  Je  mehr  aber  die 
christlichen  Elemente  unter  den  Ansiedlem  sich  stärkten,  je  mehr  Orden 
und  Priester  sich  den  Missionen  widmeten,  eine  um  s^  humanere  Ge- 
stalt nahm  das  Commendenwesen  an.  Die  Eingebomen  starben  nun 
nicht  mehr  aus,  sondern  wurden  erhalten.  Noch  im  Jahre  1541  musste 
man  den  Verkauf  der  anvertrauten  Indianer  bei  Verlust  der  Commende 
verbieten').  Die  Männer  mussten  in  die  Bergwerke  wandern,  wie  einst 
im  Alterthum  die  Verbrecher,  Weiber  und  Kinder  bestellten  die  Aecker, 
oder  mussten  grosse  Liasten  tragen.  Selten  konnten  die  Getrennten 
sich  wieder  sehen.  Die  erste  Zeit  der  Indianersklaverei  endet  mit  der 
Denen  Colonialgesezgebung  des  Jahres  1542.  —  Die  grosse  Zahl  der 
Kriegsgefangenen  verschlimmerte  damals  noch  die  Lage  der  Indianer 
in  den  Commenden,  weil  ieztere  zum  grossen  Theile  wie  die  erstem 
behandelt  worden. 

§.  14. 

Im  Jahre  1500  waren  sechs  Missionäre,  unter  ihnen  der  Francis- 
caner  Juan  Trassiera,  im  Jahre  1602  —  lO  Franciscaner  unter  der 
Leitung  des  P.  Alfons  del  Espina  nach  Westindien  gezogen.    Für  das 


*)  Gegeben  in  der  Stadt  der  Könige  (Lima)  am  28.  Mai  1541.  —  Llorente^ 
oeovres  de  Los  Ccuom^  1821, 1,  p.  179.  —  Cqj.  Balujfi,  das  vormals  span.  Amerika, 
1818, 1,  S.  95  —  J,  Margrafs  Kirche  und  Sklaverei  seit  der  Entdeckung  Ameri- 
b's.  Tfib.  18t  5,  S.  19. 

*)  Juan  Meiendez,  Tesoros  verdaderos  de  las  Indias,  en  la  historia  de  la 
gnn  provineia  del  Pero.  Borna,  1651,  5  fol.  T.  I.  1.  I,  cp.  4:  qno  era  tcnetlos  en 
poco  mcnos  qne  eselavos.  —  Cassani^  Jos,,  Historia  de  la  provineia  de  la  Com- 
pa&ia  de  Jesu  del  nuevo  reyno  de  Qranada  en  la  America,  —  do  ens  mistones  en 
el  reyno  —  y  rio  de  Orinoco.    Madrid,  1741,  fol.  p.  103. 

*)  Beoopiladon  de  leycs  de  los  reinos  de  las  Indias,  5  edic,  Madrid,  184L 
lib.  VI,  tit.  IX,  ley  1. ' 


112  Dreizehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

ZuätaDdekommen  dieser  Mission  hatte  sich  der  Cardinal  Ximenes  sehr 
bemüht').  —  In  ihrem  Testamente  hatte  Isabella  ihren  Nachfolgern 
eingeschärft,  das  Werk  der  Taufe  und  Bekehrung  der  armen  Indianer 
mit  allem  Eifer  zu  betreiben,  sie  mit  aller  Güte  zu  behandeln,  alles 
Unrecht  wieder  gutzumachen,  was  sie  an  ihren  Personen  oder  ihrem 
Eigenthum  erlitten  hatten.  Aber  unter  den  Statthaltern  Diego  Colon 
und  dessen  Nachfolger  Albuquerque  machte  die  Bekehrung  der  Indianer 
eher  Rückschritte ^).  Vergebens  wurden  Kirchen  gebaut,  vergebens 
auch  ßisthümer  gegründet.  Ein  Kazike  erklärte,  er  wolle  nicht  in  den 
Himmel  kommen,  wenn  auch  die  Spanier  sich  dort  einfänden« 

Nachdem  die  Dominikaner  im  Jahre  1513  sich  der  Indianer  mit 
aller  Kraft  angenommen,  erklärte  König  Ferdinand,  die  Repartimientos 
seien  u.  a.  gemäss  einer  Bulle  Alexander's  VL,  welche  den  „Königen^ 
den  Besiz  der  neuen  Welt  zusprach,  in  Uebereinstimmnng  mit  dem 
göttlichen  und  dem  menschlichen  Rechte.  Die  Dominikaner  mögen  in 
Zukunft  sich  massigen').  Mit  diesem  Bescheide  kehrte  der  Prior  Pedro 
de  Cordova,  der  nach  Motesino  zu  dem  Könige  gekommen,  nach  West- 
indien zurück.  Vergeblich  bat  er  für  sich  und  seinen  Orden  nm  einen 
andern  Wirkungskreis.  Ihm  selbst  wurde  erklärt,  dass  er  für  seine 
Person  unentbehrlich  in  San  Domingo^)  sei.  —  Da  aber  die  Willkübr 
nicht  nachliess,  Hessen  auch  die  Klagen  der  Dominikaner  nicht  nach. 


§.  15. 

Bartkolomävs  de  Las  Cäsas  wurde  im  Jahre  1474   zu  Sevilla   ge- 
boren.    Er  war   im  Jahre  1502  nach  S.  Domingo  gekommen,    erhielt 
im  Jahre  \6U\  36  Jahre  alt,  die  Priesterweihe,   und  war  zuerst  Seel- 
sorger von  2anguarama.     Als  Rathgeber  des  Statthalters  Diego  Velas- 
Die  An-  quez    wirkte  er  kräftig  zum  Schuze   der  Indianer.     Seine  eifrigen  Pre- 
des  Ha  digten  gegen   die  neuen  Vertheilungen   durch  Albuquerque  und  dessen 
<^**"*  Nachfolger  Ibarra  (lölö)  hatten  geringen  Erfolg.     Er  selbst  hatte  sich 
von  Velasquez  mit  Indianern  belehnen   lassen,  auf  welche  er  jezt  ver- 
zichtete.   Mit  D.  Renteria  beschloss  er  zum  Schuz  der  Indianer  an   den 
Hof  zu  gehen.    Troz  der  erhaltenen  Verweise  gingen  ihm  die  Domini- 
kaner hilfreich   an  die  Hand.    Der  Vicar  Gutierre  de  Ampudia  wollte 


*)  Herrera,  Historia  (Descripoion)  de  las  Indias  occideDtales,  Decss  I,  V, 
c.  1.  —  Wash.  Irving,  Leben  des  Columbaa,  XIII,  1.  XVI,  8.  —  Wadding^ 
annale«  Mmorum,  t.  XV,  p.  229,  nr.  2;  p.  247,  nr.  3;  p.  248,  nr.  4.  —  HefeU^  der 
Cardinal  Ximenes,  2.  Aufl.,  1851,  p.  483. 

«)  PrescoU,  Th.  II,  p.  365. 

*)  HerrerOy  Deoas  I,  üb.  IX,  cp.  14, 

*)  HerrerOf  l.  oit 


Lfts  Camui  in  Spanien  in  den  Jahren  1516  —  1517.  113 

ihn  nach  Spanien  begleiten^).  Las  Casas  erschien  noch  1515  in  Sevilla. 
Seiner  nahm  sich  der  Erzbischof  Deza  an,  der  sich  auch  Colon's  an- 
genommen hatte.  Auf  dessen  Empfehlung  erhielt  er  eine  Audienz  zu 
Plasencia.  Ferdinand  Tertrostete  ihn  auf  eine  zweite  Audienz  in  Se- 
villa, starb  aber  auf  dem  Wege  dahin,  23.  Januar  1516.  Der  Keichs- 
rerweser  Ximenes  Hess  sich  von  Lob  Cobo»  Bericht  erstatten.  Ximenes 
entschied,  dass  nicht  Beamte,  sondern  Mönche  anf  Espanola  die  Lage 
der  Indianer  bestimmen  und  verbessern  sollten.  Zwölf  der  bewährtesten 
Hieronymiten  wurden  ihm  zur  Verfugung  gestellt,  von  welchen  La$ 
Caaai  drei  der  tüchtigsten  auswählen  durfte.  Er  wählte  den  P.  Bernar- 
din  de  Manzanedo,  den  Prior  Luis  von  Figueroa,  und  den  Prior  Juan 
de  Ortega.  Loa  Casaa  erhielt  den  Titel  eines  „Beschüzers  der  Indianer^^ 
mit  einem  Gehalte  von  100  Pesos.  Den  Commissären  wurde  der  Li- 
centiat  Alfons  Zuazo  beigegeben^). 

Gerade  damals  trafen  14  Franciscancr   aus  der  Picardie,  fromme  ^'*°°^"" 

'  canar- 

and  gelehrte  Männer,  in  Spanien  ein,  um  sich  den  Missionen  in  West-  &iigaio- 
indien  zu  widmen.    Sie   standen  unter  dem   P.  Remigius ,   der  schon  ^^^  ^^' 
früher  in  Indien  gewesen.     Ein   Bruder  des   Königs   von  Schottland   reich, 
war  anter  ihnen.    Ximenes  sorgte  für  ihre  Fahrt  nach  Espanola.  —  Er 
befahl  ferner,   dass  fortan  kein  Schiff  auf  Entdeckungen  u.  s.  w.  aus- 
Unfen  dürfe,  das  nicht  von  Priestern  begleitet  wäre. 


§.  16. 

Bereits   waren    Negersklaven  nach  Westindien  verkauft  worden, 
welche  sehr  gesucht  waren,  da  ein  Neger  so  viel  als  vier  Indianer  ar- 
l>eitete.    Um  diese  Zeit  wurde   dem  Cardinal  der  Vorschlag  gemacht, 
den  Negerhandel   zu   erlauben.     Las  Casaa   sprach  sich  erst  im  Jahr® 
1517  dafür   ans,   als   bereits   zahlreiche  Neger  in  Westindien   waren. 
Ximenes    aber    verbot   unbedingt    deren    Einfuhr').    —    Die    Patres- 
Commissäre  reisten  am  13.  November  1516  ab,   sie  wollten  aber  nicht 
Qiit  Las  Casas  in  einem  Schiffe  fahren,  um  unparteiisch  zu  erscheinen. 
Der  j,Licentiat^  Las  Cktsas  kam  13  Tage  später  auf  Espanola  an.    Die  niero- 
Hieronymiten,  welche  am  20.  December  15l6  angekommen,  nahmen  bei|||^^^^° 
den  Franciscanem  Wohnung.    Zunächst  zogen   sie  die  Bepartimientos  miugo. 
der  in  Spanien  abwesenden  Pflanzer  ein.    Die  Anwesenden  sollten  sich 
ier  Indianer  wie  bisher,  unter  der  Bedingung  gütiger  Behandlung,  be- 
dienen.   Eine  plozliche  Freilassung  der  Indianer  hielten  sie  für  schädlich, 


*)  Hemra,  Decas  I,  1.  X.  cp.  12.    Decas  II,  ].  I,  cp.  11. 

*)  Hemroy  Deeas  II,  1.  II,  cp.  4—6. 

*)  Herreray  Decas  II,  Lib.  II,  cp.  8.  —  W,  Irving^  Anhang,  nr.  26. 

Ciuu,  ^u.  Slrdie.  UI.  2.  3 


114  Dreizehntes  Bach.    Zweites  Ej^itel. 

wegen  der  Trägheit  und  Indolenz  der  Indianer,  die  selbst  ihrer  Be- 
kehrung zom  Cbristcnthum  im  Wege  stände.  Mit  aller  Macht  eiferte 
dagegen  Las  Casas,  nnd  weil  er  Angriffe  befürchtete^  zog  er  sich  jede 
Nacht  in  das  Dominikanerkloster  zurück  '). 


§.  17. 

Um  diese  Zeit  erschienen  die  ersten  Bischöfe  in  Westindien. 
Alexander  Gerardino  aus  Rom,  vorher  Lehrer  am  Hofe  von  Castilien, 
war  erster  Bischof  von  S.  Domingo.  Ximenes  als  Grossinquisitor  er- 
nannte die  neuen  Bischöfe  zugleich  als  Inquisitoren  für  Westindien. 
Als  aber  dieses  Gericht  den  Indianern  furchtbar  zu  werden  drohte, 
schränkte  Carl  V.  im  Jahre  1538  seinen  Wirkungskreis  auf  die  dort 
lebenden  Spanier  ein,  und  die  Indianer  blieben  von  demselben  befreit. 
^^  ^*"  Im  Mai  1517  reiste  Las  Casas  wieder  nach  Spanien.  Ximenes  war 

MUS  wIg* 

der  tn  schou  80  erkrankt,   dass  er  mit  ihm  nicht  mehr  verhandeln  konnte.    Las 
Spanien,  (7^^^  woUtc  uun  in  Valladolid  die  Ankunft  CarFs  V.  erwarten  •).    Die 

1617.  . 

Hieronymiten  sandten  den  P.  Bernardin  von  Manzanedo  zu  ihrer  Recht- 
fertigung gegen  die  Klagen  des  Las  Casas  nach  Spanten').  Dieser 
unterhandelte  nach  dem  Tode  des  Ximenes  mit  Job.  Sanvage,  CarFs 
Kanzler,  und  andern  Beamten  desselben,  die  sich  für  Las  Casas  ent- 
schieden. Die  Hieronymiten  und  der  Licentiat  Zuazo  wurden  abbe- 
rufen, Koderigo  de  Figueroa  zum  Oberrichter  ernannt. 

Inzwischen  betrieb  Las  Casas  die  Einfuhr  der  Neger,  und  bean- 
tragte, dass  jeder  Colonist  zwei  Neger  und  eine  Negerin  frei  einfnhren 
dürfe ^).  Die  neue  Regierung  ging,  zur  Schonung  der  Indianer,  auf 
diesen  Vorschlag  ein.  Las  Cascis  konnte  die  Folgen  seines  Rathes 
nicht  ahnen.  Ihm  war  es  zunächst  um  Rettung  und  Erhaltung  der| 
schwachen  Indianer  zu  thun.  Aber  ihren  Untergang  konnte  diese! 
Maassregel  doch  nicht  verhindern.  Ein  Unrecht  sollte  das  andere  be-j 
seitigen  helfen.  Gott  selbst  aber  lenkte  das  an  sich  Böse,  den  gewalt- 
samen Menschenraub  zu  dem  Besten  der  Neger,  indem  es  ihnen  hier 
möglich  und  vielfach  leicht  war,  in  das  Reich  Gottes  auf  Erden  ein- 
zugehen. Sie  mussten  ihre  Heimath  verlassen,  um  Kinder  Gottes  zu 
werden.  Dem  Vorschlag  des  Las  Casas  traten  die  Hieronymiten  am 
22.  Juli  1517  und  im  Februar  1618   bei^).    Am    22.   Januar  1518  bei 


*)  Herrera,  Decas  II,  l  II,  cp.  16. 

')  Hpfele,  1.  cp.,  Sorge  des  Ximenes  für  Amerika,  S.  477—499. 
*'•)  Herrera^  Decas  II,  1.  II,  cp.  10.  —  Llarente,  oeuvres  de  Leu  Casas^  1, 
p.  XXIX. 

*)  Nach  Navarrete^  T.  I,  p.  204^  zwei  Neger  and  zwei  Negerinen. 
•)  Navarrete^  T.  I,  p.  293. 


Die  fiinfahr  der  Neger.    Gehilfen  des  Las  Gasas.  1 15 

antragte  Zuazo  von  Espanola  aus  gleichfalls  die  freie  Einfahr  der 
Neger.  Dasselbe  yerlaogte  die  Stadtbehörde  von  S.  Domingo  am  <>*•  ^« 
Ü4.  Janaar  1527.  Bis  zum  Jahre  1778  dauerte  die  beschrankte  Neger- '^"rou 
einfiihr  fort  Entsprechend  dem  allgemeinen  Verlangen  wäre  diese 
Einfuhr  auch  ohne  LtM  Casas  darchgedrungen.  Diesen  ergriff  aber 
später  bittere  Reue  bei  dem  Anblick  des  Schicksals  der  Neger  —  über 
seinen  eigenen  Vorschlag,  „weil  von  den  Negern  dasselbe  gelte,  was 
von  den  Indianern'^  '). 

Der  neue  königliche  Commissär  Kodr.  de  Figueroa  trat  im  Jahre 
15 18  mit  dem  besondern  Auftrage  in  Thätigkeit,  das  Loos  der  Indianer 
zu  mildem.     Gleichzeitig  gingen   königliche   Commissäre  nach  Cuba, 
Paertorico  und  auf  das  Festland  von  Amerika*).  —  Kräftige  Hilfe  fand 
Las  Casw  damals  bei  den  acht  Hofpredigem,  die  ganz  in  seine  Pläne 
eingingen.     Nur   der  Bischof  Juan    de   Fonseca  machte   eine   traurige 
Ausnahme;   über   dem   Beamten   der  Krone   vergase   er   den  Bischof. 
Als  er  den  acht  Predigern  sagte,  sie  seien  vom  Konige  als  seine  Pre- 
diger   und  Bei<^htväter   besoldet,   erhielt  er   zur   Antwort:   |,Wir  sind 
bieher  gekommen,  ihr  Herren,  Euch  zu  ermahnen  und  aufzufordern  -*-' 
zur  Abstellung  der  schweren  Fehler  und  Ungerechtigkeiten,   welche  in 
Indien  zum  Verderben  so  vieler  Seelen  und  mit  so  vielen  Beleidigungen 
gegen  Gott  begangen   werden.    Wenn  Ihr  diese  Dinge  nicht  abstellet, 
so  werden  wir  gegen  Euch  predigen,  wie  gegen  solche,  welche  Gottes 
Gebote  nicht  halten,   und  deren  Handeln  dem  Dienste  des  Königs  zu- 
wider ist.    Diess,   ihr  Herren,  heisst  das  Evangelium  predigen  und  es 
befolgen.'^    Die  Prediger  griffen  besonders   das   Commendenwesen   an. 
Sie  fragten :   „Welcher  Konig  hat  je  sein  Volk  gezwungen ,   mehr   als 
neun  Monate  für  ihn  zu  arbeiten?^  Man   solle   die  Indianer  unter  der 
Leitung  eines  Spaniers  frei  in  Dörfern  zusammenleben  lassen.    Ihr  Rath 
wurde  gehört,  und  nicht  ausgeführt. 

Einen  Forderer  seiner  Plane  fand  Loa  Casas  auch  an  dem  Cardinal 
Hadrian.  Dieser  hielt  vor  dem  Könige  eine  Rede  über  die  Freiheit  der 
Indianer.  Es  wurde  beschlossen,  dass  sie  als  Freie  behandelt  werden 
sollten.  Selbst  Bischof  Fonseca  trat  jczt  zu  Las  Casas  üben  Dieser 
schifte  sich  am  11.  November  1520  mit  200  Ackerbauern  ein.  Aber 
sein  Golonisationsplan  misslang,  u.  a.  wegen  des  Eigennuzes  der  neuen 
Colonisten')    Ganz  nneigennüzig  waren  nur  die  Mönche  in  den  neuen 


')  Las  Casas  ^  Historia  de  las  ludias,  i  III,  cp.  101  ms.    (Navarretef   I, 

p.   203.) 

*)  Llorente,  oenvres  do  Las  Casas,  t  11^  p.  456. 

*)  Uarente^  II,  p.  4S3.  —  Arthur  Helps,  tbe  Spanish  conquest  in  Ameriqne, 
and  its  lelationB  to  the  history  of  slavery,  aud  to  the  government  of  coloDies.  Lond. 
1861,  8  vor»,  t.  II,  p.  202,  210. 

8* 


116  Dreizehntes  Bach.   Zweites  Kapitel« 

Colonien,  vor  allen  die  Dominikaner.  Im  Jahre  1522  trat  Lav  Casus 
selbst  in  diesen  Orden  ein,  48  Jahre  alt*).  Von  da  an  bis  zum  Jahre 
1530  tritt  seine  Persönlichkeit  zarijck. 


§.  18. 

^^'  Am  1.  August  1524   wurde   der  Kath  von  Indien  neu  organisirt. 

Indien"  unter  seinen  acht  Mitgliedern  waren  wenigstens  vier  Priester.    Präsident 

1624.  wurde  Garcia  de  Loaysa^  Erzbischof  Ton  Sevilla,  und  (1524)  Cardinal. 
—  Luis  de  Figaeroa  wurde  Bischof  von  S.  Domingo,  zugleich  Statt- 
balter  von  Westindien  und  Präsident  des  königlichen  Gerichtshofes. 
Dieser  Hieronymit  starb  aber  schon  J525  vor  Empfang  der  Bischofs- 
weihe. Seine  Vollmachten  übertrug  Carl  V.  am  1.  September  1025 
vorerst  den  Obern  der  Dominikaner  und  Franciscaner.  Besonders  im 
Jahre  1526  ergingen  eine  Menge  von  Verordnungen  zum  Schuze  der 
Indianer.  Die  Sklaverei  derselben  wurde  unter  Todesstrafe  und  Ein- 
ziehung des  Vermögens  verboten,  ebenso  das  Einbrennen  der  Marke 
(herrar)  zum  Zeichen  der  Sklaverei.  Alle  in  Spanien  weilenden  In- 
dianer sollten  als  freie  Vasallen  der  Krone  zurückgesendet  werden.  — 
Die  Mönche  und  die  „Conquistadoren^^  waren  in  diesem  Kampfe 
gleichsam  die  gebornen  Gegner*).  Auf  einef  Junt£i  zu  Barcelona,  ge- 
halten 1529  vor  dem  Kaiser,  erwirkten  die  Mönche  den  Beschluss,  dass 
die  Commenden  und  die  Leibeigenschaft  der  Indianer  aufhören,  und 
nur  jene  Sklaven  werden  sollten,  welche  nach  empfangener  Taufe  an 
einem  Aufstande  Theil  nähmen,  und  Kriegsgefangene  würden.  Den 
Dominikanern  hatten  sich  in  ihren  Kämpfen  jezt  auch  die  Franciscaner 
und  Augustiner  beigesellt.  Vor  dem  Jahre  1529  war  der  Provinzial 
O.  S.  Fr.  Anton,  von  Ciudad-Bodrigo  nach  Spanien  gekommen,  um  für 
die  Freiheit  der  Indianer  zu  wirken.  Carl  V.  hörte  die  Klagen  der 
Mönche  gnädig  an.  Er  suchte  den  Uebeln  durch  entsprechende  Ver- 
ordnungen abzuhelfen.  —  Vielleicht,  dass  ohne  diese  Thätigkelt  der 
Mönche  die  Indianer  (besonders  in  Mexico)  überhaupt  ausgestorben 
wären  *). 

Sebastian  Ramirez  de  Fuenleal^  seit  1527  der  dritte  Bischof  von 
S.  Domingo,  war  wie  sein  Vorgänger  Präsident  des  Gerichtshofes > 
und  sehr  tbätig  für  den  Schuz   der  Indianer.    Im  Jahre  1528  hatte  er 


')  Navarrete,  T.  I,  p.  166. 

')  Herr  er  a,  Decas  IV,  1.  VI,  cp.  11. 

')  Torquemada,^  Juan  de,  Los  Vjeiote  j  an  libros  ritnales  y  monarehia  In. 
diana,  con  el  origen  j  gnerras  de  los  Indios  ocddentales,  de  sus  poblaciones,  — 
conversion  etc.  Mndr.,  1723.  5  fol.  (Das  vollständigste  Werk  Aber  das  alte  Mexico; 
frühero  Ausgabe,  Madr.,  1613,  3  vol.  2"). 


Heilsames  Wirken  des  Kleras.  117 

die  Freilassung  der  Indianer  auf  Haiti  za  überwachen.  Er  führte  die 
Greseze  mit  unerbittlicher  Strenge  durch.  Mexico  war  in  den  Jahren 
15i9 — 1530  durch  Fern.  Cortös  für  die  Spanier  erobert  worden*). 
Der  Franciscaner  Juan  de  Zumarraga  war  seit  1530  (1527)  erster 
Bischof  Yon  Mexico.  Die  Bischöfe  von  Neu  -  Spanien  (Mexico)  rich- 
teten an  Carl  Y.  die  Klage,  dass  der  Gerichtshof  von  Mexico  unter 
dem  Vorsize  des  Laien  Nuno  de  Guzman,  troz  ihrer  Mahnungen,  die 
Geseze  zu  Gunsten  der  Indianer  nicht  ausführe.  Man  solle  keine 
Sklaven  mehr  aus  dem  Lande  wegfuhren  lassen,  den  Indianern  den 
Verkauf  ihrer  Kinder  verbieten;  sie  verlangten  gute  Beamte  als  Yisita- 
toren*).  Carl  Y.  ernannte  am  12.  April  1530  den  Bischof  Kamirez 
de  Faenleal  zum  Präsidenten  des  Gerichtshofes  von  Mexico.  Neue 
Richter  wurden  ernannt,  das  Gebot  erneuert,  in  keiner  Weise  einen 
Indianer  zum  Sklaven  zu  machen.  Ramirez  erklärte  in  seinen  Pre- 
digten jede  Misshandlung  eines  Eingebornen  für  eine  Todsünde*).  Bis 
zom  Jahre  1Ö32  schaffte  er  die  Indianersklaverei  völlig  ab,  auch  die 
der  Caraiben;  selbst  durch  Krieg  durften  die  Indianer  nicht  Sklaven 
werden^).  In  diesem  herrlichen  Werke  wurde  er  unterstüzt  durch  den 
Bischof  Zumarraga,  durch  Yasco  de  Quiroga,  seit  1Ö37  erstem  Bischöfe 
Ton  Mechoacan,  durch  die  Prioren  der  Dominikaner  und  Franciscaner 
in  Mexico,  Mitglieder  desselben  Gerichtshofes,  denen  je  zwei  Ordens- 
brüder beigegeben  waren*).  Yon  dieser  Zeit  an  hat,  nach  Herrercis 
Meinung,  die  Sklaverei  der  Indianer  in  den  spanischen  Colonien  auf« 
gehört  Ramirez  musste  nach  drei  Jahren  Mexico  verlassen,  war  aber 
auch  in  Spanien  stets  bemüht  für  den  Schuz  der  Indianer,  wo  er  u.  a. 
Mitglied  des  Käthes  von  Indien  war. 


§.  19. 

Der  Bischof  Juan  de  Zumarraga  von  Mexico,  seit  1528  zugleich  Mezieo. 
nProtector^  der  Indianer,  fuhr  mit  grösstem  Eifer  für  die  Freiheit  und 
die  Bekehrung  der  Indianer  zu  sorgen   fort.    Er  wirkte  für  die  Ab- 


')  Preseott,  Will.^  Histoire  de  la  conqaete  de  Mexique  (Uebers.),  Paris,  1846, 
3  voll 

•)  Herrera,  Deoas  IV,  L  VI,  cp.  9.  —  TarquemadOj  I.  V,  cp.  7. 

*)  Uarenie,  t  I,  p.  374,  830. 

*)  Herrera  f  Decas  IV,  1.  IX,  op.  U.  DecasV,  l.I.  cp.  6«  —  Torquemada, 
^  V,  cp.  10. 

*)  Herrera,  D.  V.  1  I.  ep.  6.  —  Oanz.  Datnla,  Te&tro  edösiastieo  de  la 
igleBia  primlttva  des  las  Indias  occidentales ,  2  tom.  2*.  Madr,  1649  —  1655,  t  I. 
p.  107^138.  —  Änt.  Alcedo,  Dicdonario  de  las  Indias  occidentales,  5  t,  Madr., 
1786-1789.  t  ra,  p.  187—143. 


118  Drclzehnfea  Buch.    Zweites  KApitel. 

scbaffoDg  des  Commendenwescns,  dieser  Quelle  des  Uebels.  Die  Be- 
sizer  der  Commenden  sollten  durch  die  Hälfte  der  Abgaben  entschädigt 
werden,  welche  die  Indianer  zn  entrichten  hätten ').  Zumarraga  weilte 
im  Jahre  1Ö32  in  Spanien,  wo  er  weitere  Begünstigungen  für  die 
Indianer  erreichte.  —  Noch  16  Jahre  wirkte  er  mit  ungebeugter  Kraft 
fiir  die  Freiheit  und  Bekehrung  seiner  Schüzlinge.  Im  Jahre  1545 
wurde  er  mit  dem  Pallium  geschmückt,  als  erster  Erzbischof  von 
Mexico,  und  starb,  im  Alter  von  80  Jahren,  im  Jahre  1548^). 
^•""-  Peru  wurde  in  den  Jahren  1529—1541  durch  die  Brüder  Franc, 

und  Gonzalo  Pizarro  und  Diego  de  Almagro  erobert.     Als  „Beschüzer 
der  Indianer^  wurde  am  30.  October  1529  der  Dominikaner  Hemanlo 
de  Lucque,  und  nach  ihm  Beginald  de  Pedraza  —  am  11.  März  1531 
—  aufgestellt^.     Aus   dem   gleichen  Orden   und   in  demselben  Amte 
^v^  folgte  ihm  im  Jahre   1534  Vincent.   Valverde ,    erster   Bischof  des   am 
vai-    4.  September  1538  errichteten  Bisthums  Cuzco.    Zum  Schuze  der  Ein- 
^°^**®'  gebornen  reiste   auch   er  nach  Spanien,    und  wartete  3 — 4  Jahre  ver- 
gebens auf  einen  günstigen  Bescheid.     Aus  seinem  Bericht  an  Carl  V. 
ersieht  man,  dass  die  Eingebqrnen  wirklich  zn  Sklaven  gemacht  wurden. 
„Eure  Majestät",  sagt  er,  „braucht  die  Eroberer  nicht  dadurch  zu  be- 
zahlen, dass  Dieselbe  Ihre  Unterthanen  zu  Sklaven  macht^  ^).     Valverde 
predigte  im  Jahre  1542  auf  der  Insel  Puna.     Die  Wilden  aber  todteten 
ihn  am  Altare   und    verzehrten   seinen  Leichnam^).     Aus   Anlass   des 
Angriff   auf  Peru   war   auch  Las  Caeas^   der  inzwischen   in  Haiti  ge- 
weilt, im  Jahre  lööO  wieder  nach  Europa  gereist.  Die  Feldherren  Franc. 
Pizarro  und  D.  Almagi*o   erhielten   den   strengen  Befehl,   die  Indianer 
nach  ihrer  Unterwerfung  im  Besize   ihres  Eigenthums  und  ihrer  Frei- 
heit zu  lassen*).     Mit  zwei  Ordensbrüdern  ging  Las  Casas  selbst  nach 
Peru^   um   dort   seinen  Orden   einzuführen.    Nachdem   der  Erlass  des 
Königs  dem  Heere  verkündigt  worden,  kehrte  er  zurück. 
Biithttin  j)||g  Bisthnm  Nicaragua  in  Central- Amerika  wurde  am  26.  Februar 

gaa.  1531  errichtet.  Didac.  Alvarez  de  Osorio,  als  „Beschüzcr  der  Indianer" 
aufgestellt,  wurde  erster  Bischof  daselbst.  Dahin  kam  auch  Las  Casas, 
um  an  der  Bekehrung  der  Indianer  zu  arbeiten.  Der  Statthalter  Ro- 
drigo  de  Contreras  stellte  ihrer  Freiheit  nach.    Las  Casas  aber  redete 


')  Arthur  Hdps,  the  slavery,  t.  lU,  1.  XIV,  cp.  5,  c.  8,  p,  2i0. 
*)  Goncil.  provincial.  111  Mexicanam,  Mex.  1770  (cnm  Serie  arcbl^ptBCoporam). 
—  Torquemada,  monarchia  Ind.,  t  III,  p.  455. 

')  Melendez,  Tesoros  etc.,  T.  ],  1.  III,  c.  2,  4,  7,  p.  205. 

*)  Wilh,  PrescoUj  Eroberung  von  Fem  (aus  dem  EngliBch.),  1847,  Th.  II, 

P.  IV.  cp.  7. 

*)  Touren^  Ant,  Histoire  g^n^rale  de  rAmerique,  t  X,  p.  45. 

•)  Melmdez,  t  I,  I.  I,  cp.  6.  —  Helps,  voL  III,  1,  XV,  cp.  5.  —  p.  821. 


Nicaragua;  La»  Casas,  1530—15)9.  119 

den  Soldaten  desselben  so  lange  in  das  Gewissen^  bis  sie  jenem  den 
Gehorsam  in  diesem  Punkte  verweigerten.  Es  kam  vor,  dass  von 
4(XX)  Indianern,  die  bei  einer  Expedition  das  Gepäck  zu  tragen  hatten, 
uar  sechs  lebend  zurückkehrten ').  Last-  und  Zugthiere  konnte  man 
anfangs  in  Amerika  gar  nicht  haben.  Erst  der  Präsident  und  Bischof 
b'tbastian  Ramirez  in  Mexico  sorgte  im  Jahre  1532  für  Herbeischaffung 
kräftiger  Hansthicrc  zum  Tragen  der  Lasten. 

Verklagt  von  dem  Statthalter  Rodr.  Contrcras  kam  Las  Casas  zu 
seiner  Vertheidigung  wieder  nach  Spanien,  kehrte  aber  in  Bälde  zu- 
nick. Er  unternahm  eine  Mission  unter  den  wilden  Indianern  von 
Tazniutlan  im  Gebiete  von  Mechoacan.  Mit  drei  Ordensgenossen  voll- 
brachte er  die  Bekehrung  dieser  Wilden  in  den  Jahren  1537  —  1539. 
Das  Land,  von  den  Spaniern  vorher  „Land  des  Krieges"  (tierra  de 
c;uerra)  genannt,  erhielt  jezt  den  Namen  „Verapaz"'*). 


Vera 
pas. 


§.  20. 

„Der  Rath  von  Indien"  entschied  im  Jahre  1533,  dass  die  Ein- 
wohner von  Trinidad,  Caraiben,  welche  vom  Glauben  abgefalleiu,  zu 
Sklaven  gemacht  werden  sollten.  Die  Beschüzer  der  Indianer  wandten 
^icb  jezt  am  Hilfe  nach  Rom. 

unter  den  Bisthümern  Mexico's  war  zuerst  Tlascala  oder  Puebla  ^*^'" 
.le  los  Angelos  am  4.  Jannar  1519  errichtet  worden.  Erst  im  Jahre,:Xe 
iiy'Jd  trat  der  Dominikaner  Julian  Garces  als  Bischof  ein.  Er,  Z.as*"^'®'^^ 
CaaaSy  und  Domingo  de  Betanzos  sandten  den  Prior  Bernardin  de 
Minayo  nach  Rom ,  wo  er  im  Namens  der  Dominikaner  die  Sache  der 
Indianer  vertreten  sollte.  Im  Jahre  1536  sandte  der  Bischof  J.  Garces 
tinea  ausfuhrlichen  Bericht  an  Papst  Paul  111.  (1534—1549).  Er 
nimmt  die  Indianer  durchaus  gegen  die  Vorwurfe  der  „Eroberer'^  in 
Schuz,  welche  sie  mit  den  Thieren  auf  eine  Stufe  stellen,  und  sie  wie 
Thiere  bebandeln.  Wenn  die  ludianer  nicht  frei  seien,  so  können  sie 
aoch  niebt  bekehrt  werden^).  Paul  III.  schrieb  am  29.  Mai  1537  an 
den  Cardinal  von  Toledo,  Juan  de  Tavera,  damit  er  bei  Strafe  des 
Bannes,  den  nnr  der  Papst,  ausser  in  articulo  mortis,  losen  könne,  ver- 
biete, Indianer  zu  Sklaven  zu  macheu.  Mit  Eifer  nahm  sich  der 
Cardinal  der  Freiheit  der  Indianer  an.  Am  2.  Juni  1537  erliess  der 
Papst  die   berühmte   Bulle:  „Veritas  ipsa,   quae   nee  falli  nee  fallere 


•)  Hdps,  vol.  III,  1.  XV,  c.  5. 
•)  Hdps,  t  III,  1.  XV,  0.  6,  1,  9. 

*)  S.  Goneilios  provindales  celebrados  in  Mexico  I— lU,  ed.  Lorenzana, 
Mez.  1799—1770,  T.  I,  p.  19. 


120  Dreizehnfcs  Buch.    ZweifcB  Kapifel. 

polest"  —  an  die  gesammte  ChristeDheit:  „Die  Wahrheit  selbst  — 
sandte  die  Verkündiger  der  Wahrheit  —  zu  dem  Werke  der  Predigt: 
Gehet  hin  nnd  lehret  alle  Völker.  Alle,  spricht  er,  ohne  irgend  eine 
Ausnahme,  da  alle  der  Zucht  des  Glaubens  fähig  sind.  Als  der  Feind 
des  Menschengeschlechts  diess  wahrnahm,  und  die  Menschen  beneidete 
hat  er  eine  bis  jezt  unerhörte  Weise  ausgedacht,  damit  er  die  Predigt 
zur  Rettung  der  Heiden  verhinderte;  er  hat  einige  seiner  Genossen 
bewogen,  welche  ihre  eigene  Habgier  befriedigen  wollen,  dass  sie  dahin 
Bulle  wirken  und  lehren,  dass  die  westlichen  oder  südlichen  Indier  und  an- 
1^7.  ^^^^  ^^^^  ^^  nnsem  Zeiten  entdeckte  Völker,  unter  dem  Verwände,  dass 
sie  keine  Kenntniss  von  unserem  Glauben  haben,  wie  vemunfUose  Thiere 
zum  Dienste  der  Menschen  verwendet  werden  sollen,  welche  sie  in  der 
Thal  zu  Sklaven  machten,  und  sie  mehr  misshandeln,  als  die  Thiere. 

Wir  aber,  die  Wir  Christi  Stelle  auf  Erden  vertreten,  die  Wir 
die  Schafe  seiner  Heerde,  welche  sich  noch  .  ausserhalb  des  Schaf- 
stalles befinden,  mit  aller  Mühe  in  denselben  zu  fuhren  verlangen,  in 
Erwägung,  dass  die  Indier  selbst,  als  wahre  Menschen,  nicht  bloss  für 
den  christlichen  Glauben  empfanglich  sind,  sondern,  wie  uns  berichtet 
wurde,  auch  eifrigst  zur  Annahme  des  Glaubens  herbeieilen,  erklären 
hiemit  Elraft  apostolischer  Vollmacht  durch  diesen  Unsern  Brief,  dass 
diese  Indier,  und  alle  andern  Völker,  welche  hinfort  von  den  Christen 
entdeckt  werden  sollten,  wenn  sie  auch  noch  ausserhalb  der  christlichen 
Kirche  stehen,  im  Besize  ihrer  Freiheit  und  ihres  Eigenthums  bleiben 
sollen,  dass  sie  nicht  zu  Sklaven  gemacht  werden  dürfen,  dass,  was 
immer  dagegen  geschieht,  ungiltig  und  nichtig  sei,  dass  die  Indier 
selbst,  und  andere  Völker  durch  die  Predigt  des  Wortes  Gottes  und 
das  Beispiel  eines  guten  Lebens  zu  diesem  Christenglauben  einzu- 
laden seien.^ 

Dieser  apostolische  Ausspruch  war  entscheidend  für  die  Freiheit 
und  Bekehrung  der  Indianer.    Aehnlich  entschieden  und  handelten  die 
Päpste  Urban  VIH,  Benedict  XIV,  Pius  VII.  Am  :^.  December  lcS39 
Schrei-  erlicss  Papst  Gregor  XVI.  ein  apostolisches  Schreiben ,   welches   den 
Q^'^p,,  Sklavenhandel   den  Katholiken  wiederholt  untersagte.    Er  gibt  einen 
xyu  T.  Rückblick  auf  die  Geschichte  des  Christenthums,  dessen  umwandelnde 
Kraft  vom  Beginn  an  die  Sklaverei  gemildert  und  aufgehoben.     Als 
aber  Indier  und  Neger  zu  Sklaven  gemacht  worden,   haben  sich  u.  a. 
die  Päpste  Paul  III.  durch  Schreiben  vom  29.  Mai  1537  und  Urban  VIH. 
am   22*  April    1639   dagegen   erhoben.     Ihnen   folgte   Benedict  XIV. 
durch   Schreiben  vom   20.   December  1741    an  die  Bischöfe  von  Bra- 
silien und  anderer  Gegenden;  auch  Pius  VII.  wendete  seinen  Einfluss 
bei  den  weltlichen  Herrschern  an,  dass  der  Handel  mit  Negersklaven 
unter  den  Christen  ganz  aufhöre!    Aufs  Neue  verbietet  Gregor  XVI, 
dass  Niemand  es  wage,    Indier,  Neger  oder  andere  Menschen  dieser 


3.    Dee. 
1889. 


Die  Päpste  gegen  die  Skluverei.  121 

Art  zn  noterdrücken ,  sie  ihrer  Güter  zu  berauben,  oder  zu  Sklaven 
zQ  machen,  oder  dazu  mitzuwirken.  „AU'  Diess  verwerfen  Wir  kraft 
apostolischer  Vollmacht  als  des  christlichen  Namens  durchaus  un- 
würdig, Wir  verbieten  und  untersagen,  dass  Geistliche  oder  Laien  unter 
irgend  einem  Vorwand  oder  einer  Vorspiegelung  diesen  Negerhandel 
ia  Schnz  nehmen  oder  sonst  gegen  das,  was  Wir  durch  diesen  Unsem 
apostolischen  Brief  vorgeschrieben  haben,  zu  predigen,  oder  irgendwie 
öffentlich  oder  privatim  zu  lehren  wagen" '). 

Es  trat  jezt  auch  in  der  Gesinnung  der  spanischen  Laienwelt 
eine  heilsame  Reaction  ein.  Die  Mitglieder  des  indischen  Rathcs 
mossten  sich  fugen.  Aber  es  bedurfle  noch  einiger  Jahre,  bis  durch 
die  neue  Colonial  -  Gesezgebung  vom  Jahre  1542  eine  durchgreifende 
Verbessenuig  eintrat. 


")  BnOarium  Benedicti  XIV,  t.  I.  BuUar,  Oregorii  XVI,  Prato,  1857^ 
1 1  4*.  —  gesammelt  (ausser  dem  Bericht  des  Bischofs  Oarcis)  —  bei  Margraf , 
Kirche  and  Sklaverei,  1865,  p.  (20—88),  218—230. 


Drittes  Kapitel. 

Von  der  Eroberung  Granada's  Ms  zum  Regierungsantritte 

«arl's  V.  (I),  (J.  1492-1517). 


§.  1. 

Die  Eroberung  Grauada's  war  für  die  Königin  Isabella  keines- 
wegs der  Anfang  neuen  Glücks  und  ungetrübter  Ruhe,  Die  meisten 
Hofinungen  und  Freuden  wandelten  sich  in  bittere  Leiden  um  fiir  sie. 
Sie  hatte  gehoiH,  dass  die  spanischen  Juden  ihr  irdisches  Vaterland 
so  lieben  würden,  dass  sie  die  Taufe  der  Auswanderung  vorzögen. 
Es  war  eine  schwere  Täuschung.  Sie  hatte  gehofil,  dass  der  Ent- 
deckung der  neuen  Welt  die  Einführung  ihrer  Bewohner  in  die  Kirche 
Gottes  sogleich  folgen  würde.  Es  war  ihr  nicht  beschieden,  die  Be- 
kehrung derselben  zu  erleben.  An  der  Entdeckung  der  neuen  Welt 
erlebte  sie  wenig  Freude,  und  viel,  sehr  viel  Schmerz.  —  Die  Wahl 
des  Spaniers  Alexander  VI.  zum  Papst  am  11.  August  1492,  obgleich 
sie  den  egoistischen  Plänen  Ferdinand's  entgegenkam,  war  för  Isabella 
kein  freudiges  Ereigniss;  „die  Könige^  bezeugten  keine  Freude  an  dieser 
Wahl,  welche  ihnen  eher  neue  Stürme  als  ruhige  Zeiten  in  der  Kirche 
zu  verkündigen  schien  *),  —  Die  Hoffnungen,  welche  Isabella  auf  die 
um  sie  heranblühenden  Kinder  gesezt,  sanken,  die  eine  nach  der  an- 
dem  in  ein  frühes,  trauriges  Grab.    Zuerst  starb  der  Erbprinz  D.  Juan, 


*)  Petrw  Martyr^  op.  Epist  (I);  Ep.  GXVIII,  NuIIub  in  Regibos  animi  motus 
ad  laetttiam,  nulla  frontia  sercuita«.  Tempestatem  potias  in  orbe  Christiano  qnam 
tranqoilloB  portas  praesagire  videntur.  (O^c.  Pescheli  Zeitalter  der  Entdeckungen, 
p.  280). 


IsabclIa'H  Tngendcn  und  Verdienste.  123 

19  Jahre  alt,  am  4.  October  1497 *)•  Nach  seinem  Tode  würde  die 
jnngere  Isabella,  Gemahlin  Königs  Manuel  von  Portugal,  Thronerbin 
in  Spanien.  Emmanuel  Hess  sich  am  IK  Februar  1498  zu  Toledo  als 
Thronerbe  von  Castilien  huldigen  *)•  Am  24.  August  1498  wurde  der 
Erbprinz  D.  Miguel  zu  Zaragoza  geboren.  Aber  die  Geburt  des 
Sohnes  kostete  der  Mutter  das  Leben;  der  Prinz  selbst  starb  schon 
am  22.  Juli  1500  zu  Granada. 

Jezt  war  Erbe  der  spanischen  Länder  Carl  (V.),  geboren  zu 
Gent  am  24.  Februar  1500,  Sohn  Philipp's  des  Schonen  von  Flandern, 
und  Johanna's  von  Castilien.  An  diesem  Philipp  erlebte  Isabclla  und 
ihre  Tochter  Juana  wenig  oder  keine  Freude. 

§.  2. 

Isabella  arbeitete   mit  ihren   (4)  Töchtern  viel  für   den   Schmuck    '"' 
nnd  die  Zierde   des  Hauses  Gottes.     Manche  Kirche   in  Spanien  freut  Togen- 
sich  heute   noch    der   Denkmale    ihrer   Frömmigkeit.      Sie   liebte    die    *^®°* 
Zierde  des  Hauses  Gottes,   den  Ort,  wo  thronet    seine  Majestät,   und 
jeden    freien    Augenblick    beniizte   sie,    um    das    Haus    des    Herrn    zu 
schmücken,  und  seuae  Zierde  zu  erhöhen.  —  Zu  nicht  minderem  Ver- 
dienste gereicht  es  ihr,  dass  sie  in  jener  Zeit  der  Prunksucht  und  der 
äussern  Pracht,   welche   die  Spanier   überhaupt  und  besonders  damals 
entfalteten,  sich  der  grössten  Einfachheit  und  Sparsamkeit  in  Kleidung 
Wohnung  und  Lebensart  befliss.     Sie  war  mit  den  Palästen  zufrieden, 
welche  eine  frühere  Zeit   gebaut,   sie    uuterstüzte   aber   den   Bau   von 
Kirchen,  Klostern,  von  gottgeweihten  Stätten  jeder  Art 

Von  ihrem  Vater  D.  Juan  II.  hatte  Isabella  auch  die  liiebe  zu 
den  Wissenschaften,  zu  ernstem  freilich^  als  sie  der  „Schöngeist" 
D.  Juan  IL  cultvirte*),  geerbt.  Sie  sammelte  Bücher,  und  förderte 
die  Gründung  und  Erweiterung  von  Bibliotheken^).  Noch  als  Regentin 
erlernte  sie  die   lateinische  Sprache*).     Sowohl    in    der  Keuntniss   der 


*)  Er  wurde  geboren  am  20.  Juni  1478. 

•)  S.  oben  Bd.  3,  J,  S.  31^— 3ö0. 

•)  V.  G.  3,  1,  S.  425. 

•)  H.  FlareZy  Beynas  Catolicas  II,  p.  799.  —  Prescott,  Histor.  de  los  reyes 
«tolico«,  Madr.,  1848,  t.  4,  p.  102.  —  Havemann,  Darstellungen  ans  der  Innern 
Oeseh.  Spaoien's;  Göttingen,  1850,  S.  135.  —  Hefele,  Xlmencs  (2.  Aufl.),  S.  95. 

')  Marineus  Siculus,  1.  c.,  I.  21  (ap.  Schott y  Hisp.  illastr  ,  t  I,  p.  506).  — 
f^ylgar,  Groidca,  I,  p.  37:  fablaba  mny  bien,  y  era  de  tan  excelente  ingenio,  que 
en  eoam  de  tantos  6  tan  ibrdaos  negocios  como  tenia  en  la  governacion  de  bus 
^^ot,  86  diö  al  trabajo  de  aprender  las  letras  latinas;  ^  aleanzo  en  tiempo  de 
VI  sfio  über  en  eHaa  tanto,  qae  entendia  qtialqaier  fabla  ö  eacriptara  latina  (Part. 
H  «p.  4). 


124  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel 

lateinischen  Sprache  als  an  geistiger  Bildung  überhaupt,  überragte  sie 
weit  ihren  Gemahl.  Fremde  und  einheimische  Buchdracker  wurden 
ermuthigt  und  unterstüzt;  Befreiung  von  Abgaben  und  andere  Vor- 
theile  wurden  ihnen  zugewendet.  Die  Einfuhr  von  Büchern  war  frei. 
Gute  Schriften  Hess  sie  wohl  auch  auf  ihre  Kosten  drucken.  Buch- 
drucker waren  aus  Deutschland  eingewandert.  Aus  Italien  kamen  Ge- 
lehrte an  ihren  Hof,  u.  a.  Antonio  und  Alessandro  Geraldino  (später 
erster  Bischof  von  S.  Domingo).  Petrus  Martyr  von  Anghiera,  der  aus 
Arona  stammte,  kam  im  Jahre  1487  aus  Rom,  Lucio  Marineo  aber 
kam  aus  Sicilieu  nach  Spanien.  Aelius  Antonius  von  Lebrija  (Nebrissa), 
geboren  1442,  zog,  19  Jahre  alt,  nach  Italien,  wo  er  die  lateinische, 
griechische  und  hebräische  Sprache,  und  die  Humaniora  überhaupt 
studirte  in  dem  berühmten  Colleg.  S.  Clemcnte  der  Spanier  zu  Bo- 
logna. Auf  den  Ruf  des  Erzbischofs  Alfons  de  Fonseca  von  Sevilla 
kehrte  er  nach  zehn  Jahren  zurück.  Arias  Barhosa  studirte  in  Florenz, 
und  wurde  Professor  in  Salamanca.  Die  beiden  Geraldino  waren  Er- 
zieher der  Kinder  Isabella's,  welche  für  eine  streng  wissenschaftliche 
Bildung  derselben  besorgt  war.  Erasmus  bewunderte  die  Bildung  der 
jüngsten  Infantin  Catharina,  die  an  den  Prinzen  Arthur,  und  spater 
an  dessen  Halbbruder  Heinrich  VIII.  von  England  vermählt  war*). 
Der  Humanist  J.  Luis  Vivls  erzählt,  dass  selbst  Johanna,  genannt  „die 
Närrin",  lateinische  Beden  aus  dem  Stegreife  hielt*).  —  Dem  Petrus 
Martjfr  wurde,  nach  der  Eroberung  von  Granada,  die  Erziehung  des 
jungern  Adels  anvertraut.  Eine  mit  dem  Hoflager  wandernde  Academie, 
gleichsam  eine  „schola  palatina",  wurde  errichtet').  Petrus  wurde 
zwar  Prior  zu  Granada,  blieb  aber  am  Hofe.  Fast  der  ganze  Adel 
verdankte  ihm  seine  Bildung.  —  Lucius  MarineuSj  früher  Professor  in 
Salamanca,  kam  um  das  Jahr  1500  an  den  Hof,  und  wirkte  zur  Bil- 
dung des  Adels  mit.  Erasmus  bezeugt  von  den  Spaniern,  sie  hätten 
sich  im  Laufe  weniger  Jahre  in  den  freien  Wissenschaften  auf  eine 
so  hohe  Stufe  erhoben,  dass  sie  nicht  bloss  die  Bewunderung  der 
gebildeten  Völker  Europa's  erregten,  sondern  ihnen  auch  zum  Muster 
dienen  konnten^).  Männer  aus  den  ersten  Häusern  waren  Professoren 
in  Salamanca.  Selbst  Frauen  hielten  öffentliche  Vorlesungen  auf  den 
Hochschulen  über  Beredtsamkeit  und  classische  Literatur^), 

Salamanca  soll  damals  7000  Studirende  gezählt  haben.    Als  dort 
Petrus  Martyr  im  Jahre  li88  Vorträge   über  Juvenal  hielt,  musste  er 


■}  Erasmi  epistolae,  1.  II,  24.  XIX,  3}. 

')  Vivhs,  de  institutione  feminae  christianae,  üb.  V,  cp.  4,    Antw.,   1538; 
(geschrieben  auf  Bitten  Catharlna's  von  England.)  —  Prescott,  t.  IV,  p.  105. 
»)  Petrus  Martyr,  Opns  Epiet,  cp.  102,  113,  Uö. 
*)  Erasmus,  Ep.  977.  —  Prescott,  t  IV,  p.  107. 
»)  Prescott,  IV,  p,  110.  —  Hefele,  p.  98. 


I8abella*8  Sorge  für  Bildang  und  WissenBchaft    Ihr  Tod.  125 

gleichsam   auf  den   Schulten]   der   Znhörer   in   den   Hörsal   boreinge- 
hoben  werden'). 

§.   3. 

Der  Erzherzog  Philipp,  Gemahl  Johanna's,  kam  auf  die  Einla- ^'*^*^'J'^ 
doog  der  Konige  am  28.  Januar  1502  zum  erstenmal  nach  Spanien-  dorn  in 
In  FraDkrekh  schwur  er  dem  Könige  Ludwig  XII.  den  Lehenseid  ^p*"*"^ 
wegen  seiner  Güter  in  Frankreich,  Johanna  aber  Hess  sich  zu  dieser 
Selbsterniedrigung  nicht  herbei^).  Von  der  Grenze  bei  Irun  wurden 
die  ,JQDgen  E^onige'^  mit  allen  erdenklichen  Ehren  nach  Madrid  ge- 
leitet. Am  22.  Mai  empfingen  sie  die  Huldigung  der  Cortes  in  der 
Primatialkirche  zu  Toledo.  Von  dem  (jungern)  Cardinal  Diego  de 
Mendoza  und  dem  Primas  Ximenes  an  schwuren  alle  Bischöfe  und 
alle  Granden  des  Reichs  den  Eid  der  Treue').  Aber  den  Philipp 
druckte  die  Nähe  und  Ueberlegenheit  seiner  Schwiegereltern,  ihm 
missfiel  der  Ernst  der  Spanier.  Umsonst  mahnte  ihn  Isabella  an  seine 
Pflicht,  sein  Volk  und  Land  kennen  und  lieben  zu  lernen.  Philipp 
gab  Yor ,  seine  Gesundheit  und  das  spanische  Klima  könnten  einander 
nicht  vertragen.  Ihn  beschwerte  auch  die  gegründete  Eifersucht  seiner 
Gemahlin.  Er  habe  seinen  Belgiern  eidlich  versprochen,  dass  er  in 
Jahresfrist  zurückkehren  werde.  Er  wollte  Friede  zwischen  Frankreich 
ond  Spanien  vermitteln^  den  er  auch  am  5.  April  1503  zu  Lyon  zum  Nach- 
iheileSpanien's  schloss,  so  dass  Ferdinand  ihn  verwarf.  Auf's  Neue  briach 
der  Krieg  zwischen  Frankreich  und  Spanien  aus,  und  endigte  mit  der 
Unterwerfung  Neapel's  unter  Spanien  durch  den  Feldherrn  Cördova, 
),den  grossen  Capitan'^  Nach  Philipp's  Abreise  fiel  Johanna  in  tiefe, 
zolezt  unheilbare  Schwermuth.  Am  10.  März  1503  gebar  sie  ihren 
zweiten  Sohn,  den  spätem  Kaiser  Ferdinand.  Am  1.  März  1504  reiste 
sie  nach  Belgien,  war  aber  bei  ihrem  Gemahl  noch  unglücklicher, 
als  ohne  ihn. 


§.   4. 

Im  Juli  1504  vmrde  Isabella  zu  Medina  del  Campo  vom  Fieber 
ergriiSen;  im  October  stellte  sich  die  Wassersucht  ein.  Am  26.  No- 
vember 1504  verschied  sie.  Zu  ihrem  Kuhme  sagt  Petrus  Mariyr: 
„In  der   ganzen    Geschichte    findet    sich  keine  Frau,    welche    hohe 


»)  PdTus  MartyTy  Ep.  57. 

*)  üzor  caatior  patriae  dignitatis  memor  nalla  re  priores  Gallo  partes  concC" 
dere  visa  est  Mariana  XXVII,  11. 

')  Ha^no  nnmero  proceres  luza  et  familiae  splendore  certantes.  Mariana,  L  o. 


126  Dreizehntes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Herrsebergaben  und  Heiligkeit  des  Lebens  in  gleichem  Grade  ver- 
einigt, und  ausser  der  seligsten  Jungfrau  sei  sie  von  keinem  Weibe 
der  Erde  an  Reinheit  des  Herzens  übertroffen  worden.^^  Aehnlich  sagt 
Ximenes:  „Niemals  wird  die  Welt  einen  Regenten  von  gleicher  Grosse 
des  Geistes,  gleicher  Reinheit  des  Herzens,  gleicher  Wärme  der  Fröm- 
migkeit, und  gleicher  Sorge  für  Gerechtigkeit  sehen.'^ 

Alles,  was  zu  ihrem  Ruhme  gesagt  werden  mag,  bleibt  weit 
hinter  ihr  zurück.  Diejenigen,  welche  zweifeln,  ob  es  auch  Gottes 
Wille  sei ,  dass  Frauen  Reiche  regieren ,  müssen  bei  ihrem  An- 
blicke die  Waffen  strecken.  Denn  Spanien  hat  nie  einen  Herrscher 
ihres  Gleichen  gehabt  Ihr  einziges  Streben  war  das  ^ Reich  Gottes 
auf  Erden. 

In  welche  Tiefe  des  Unglücks  war  Castilien  durch  ihren  Tod  so 
pl5zlich  gesunken?  Zwei  Augen  hatten  sich  geschlossen,  und  dieses 
Volk,  jezt  so  glücklich  und  beneidet,  war  in  einem  Augenblick  ein 
unglückliches,  ein  verlassenes  Volk  geworden.  Der  Regent  Philipp 
hatte  nur  Gefühle  der  Abneigung  für  Castilien.  lieber  seine  Gemahlin 
senkte  sich  mehr  und  mehr  die  Nacht  des  Geistes  herab,  und  nahm 
völligen  Besiz  von  ihr*  Sie  war  die  Tochter  der  grossen  Isabella,  aber 
der  Geist  ihrer  Mutter  war  erloschen  in  ihn 

In  Erwägung  der  Eigenschaften  Johanna's  und  Philipp's  hatte 
Isabella  die  Regentschaft  über  Castilien  ihrem  Gemahle  übertragen. 
In  ihrem  Testamente  vom  12.  October  1504  erklärte  sie  Ferdinand  als 
alleinigen  Regenten  von  Castilien,  bis  Carl  (V.)  das  zwanzigste  Jahr 
erreicht  hätte.  —  Nach  ihrem  Tode  verzichtete  Ferdinand  auf  den 
Titel  eines  Königs  von  Castilien,  da  er  bloss  Verweser  des  Reiches 
sei.  Von  Seiten  vieler  Granden  Castiliens  erhob  sich  Opposition  gegen 
ihn.  Mit  dieser  verband  sich  Philipp  von  Flandern.  Ferdinand,  jezt 
63  Jahre  alt,  ging  eine  zweite  Ehe  mit  der  18  Jahre  alten  Germaine 
de  Foix,  Nichte  König  Ludwig's  XII.,  ein.  Er  schloss  im  October 
1505  einen  für  Spanien  schimpflichen  Vergleich  mit  Frankreich. 

Am  24,  November  1505  kam  zwischen  Philipp  und  Ferdinand 
ein  Ausgleich  zu  Stande,  der  die  Frage  der  Regentschaft  ordnete. 
Alle  königlichen  Erlasse  sollten  gemeinsam  die  Namen  Ferdinand^s, 
Philipp's  und  Johauna's  tragen ,  die  Regierung  gemeinsam  von  ihnen 
geführt  werden.  Am  28.  April  1506  liefen  Philipp  und  Johanna  in 
dem  Hafen  von  Coruna  ein.  Auf  vieles  Zureden  kam  Philipp  am 
23.  Juni  mit  Ferdinand  zusammen.  Philipp  wollte,  dass  Ferdinand 
so  bald  als  möglich  Castilien  verlasse.  Ferdinand  ging  nach  Aragonien^ 
dann  aber  nach  Neapel '). 


')  Petrus  Martyr,  £p.  305,  306,  308  —  310,  316—317.  —  Zurita,  Anales  de 
Aragon,  t.  VI,  L.  VII,  c.  16—17—19.  —  Hefele,  S.  187—214. 


König  Philipp  VI,  f  U06.  Ximenes,  Cardimtl,  QrossinquiBitor.  127 

§.    5. 

Nftch  einem  Gastmahle,  welches  der  Gouverueur  Ton  Bargos, 
D.  Manuel,  dem  Eonige  gab,  zog  sich  Philipp  ein  hiziges  Fieber  zu 
—  19.  September.  Er  starb  am  2ö.  September  1506  im  Alter  von 
28  Jahren. 

Jezt  trat  ein  Regentschaflsratb  ein,  an  dessen  Spize  Franc.  Ximenes 
stand.  Im  October  wurden  die  Cortes  nach  Borges  berafen,  aber 
wegen  Uneinigkeit  wieder  vertagt  —  Im  Juni  1507  fahr  Ferdinand 
von  Neapel  wieder  ab,  an  Ostia  vorbei,  wo  P.  Julius  II.  ihn  ver- 
gebens erwartete,  und  landete  am  20.  Juli  zu  Valencia,  in  seinem  Erb- 
reiche. Er  wurde  in  Caslilien  glänzend  empfangen.  Am  29.  August 
iö07  kam  er  zu  Tortoles  mit  seiner  Tochter  Johanna  zusammen,  und 
übernahm  sogleich  die  Regentschaft  über  Castilien.  Erst  am  6.  Oc- 
tober 1510  holte  er  die  Genehmigung  des  Cortes  ein. 


§.  6. 

Ein   papstliches   Breve  vom  17.  Mai   1507   ernannte   auf  Bitten 
Ferdinand's    den  Erzbischof  Franc.  Ximenes   von  Toledo   (seit  1495) 
zum  Cardinal.    Am  18.  Mai  1507  schrieb  ihm  Ferdinand  von  Neapel 
aas,  und    ernannte   ihn    anstatt   des   abgesezten    Didacus   Deza  zum 
Generalinquisitor  in  Spanien.    Kaum  hatte  Ximenes  dieses  Amt  über-  carjinai 
Qommen,  als  Leben,  Festigkeit  und  Sicherheit  in  das  Amt  der  Inquisition    „^^' 
einkehrte;  denn  in  den  Jahren  1498 — 1607^  war  das  „heilige  OiBcium^^  oroMtn- 
tut  ans   Rand   und   Band   gegangen.      Es   ist  nicht  wahrscheinlich,  ^" 
dass   in   dem  Decennium  von  1507— a]5[7    überhaupt    Hinrichtungen 
stattfanden.    Die  erste  Zeit  des  Schreckens  war  überstanden.     Uorente 
liat  keine  Hinrichtung  zu  Zeiten  des  Ximenes  nachzuweisen.    Trozdem 
lisst  er  gemäss  seiner  frivolen  Schäzung   unter  ihm  2536  Personen   in 
Wirklichkeit,  1368   im  Bilde  verbrannt,  47.236  Personen   zu  verschie- 
denen Strafen   verdammt,   51.667  Personen   durch   die  Inquisition  be- 
straft werden ').      Vielmehr   brachte  Ximenes    Ruhe    und    Milde    in 
das  Amt  der  Inquisition.    Von  nun  an  war  sie  nicht  bloss  ein  Schrecken 
der  Schaldigen,  sondern  ein  Schuz  der  Unschuldigen  und  Reumüthigen. 
Den  Ximenes  können  wir  den  zweiten  Gründer  der  Inquisition  nennen. 

In   dem  Monate  Mai  des  Jahres   1507   war  der  erste  Erzbischof  ^"^' 

TaU- 

von  Granada,  der  Hieronymit  Ferd.  Mendoza  de  Talavera,   gestorben.  TemTon 
Er  war  Beichtvater   der  Königin  Isabella.    So   wohlthätig  war  er  als  ^'''^*' 


■)  LhmUe  4,  p.  255. 


1 28  Dreizehntes  Buch.    Dritte»  Kapitel. 

Erzbischof,  dass  er  nicht  selten  sein  eigenes  Kleid  mit  den  Armen 
theilte.  Er  lernte  noch  in  hohem  Alter  die  arabische  Sprache,  und 
draog  auf  dieselbe  Erlernung  bei  seinem  Klerus.  Selbst  die  Mauren 
liebten  ihn,  und  nannten  ihn  den  grossen  Alfaqui  der  Christen.  Im 
Jahre  1499  gesellte  sich  ihm  Ximenes  bei,  und  am  18.  Deccmber 
1499  konnte  er  4000  Mauren  an  einem  Tage  taufen.  Die  Mauren 
nannten  ihn  den  Alfaqui  Campanero  (den  Glocken-Prediger),  weil  durch 
ihn  besonders  die  Glocken  in  Granada  eingeführt  wurden.  Durch  seinen 
todesverachtenden  Huth  dämpfte  er  Ende  des  Jahres  1409  einen  Anf- 
stand  der  Mauren  gegen  Ximenes,  dessen  Bekehrungseifer  die  Grenzen 
des  Erlaubten  fiberschritt.  —  Lucero,  Dezas  Gehilfe,  und  Deza  strengten 
im  Jahre  1505  einen  Proccss  gegen  Talavera,  den  vielleicht  „heiligsten 
Mann''  von  Spanien,  wegen  jüdischer  Kezerei  an.  Sein  Neffe,  dessen 
Schwestern  und  Mutter  wurden^  sogar  gefangengesezt.  Der  Papst 
Julius  II.  aber  zog  die  ganze  Sache  an  sich;  von  Rom  aus  folgte 
völlige  Freisprechung.  Aber  die  Freisprechung  folgte  am  21.  Mai, 
während  Talavera   schon  am  14.  Mai  starb'). 


Ferdi-  ^Qg   einem   Briefe   Ferdinand's   an   seinen   Yicekonig  in  Neapel 

wiiuich^om  Jahre  1608  entnehmen  wir^  dass  Ferdinand  damals  nichts  Oe- 
von  ringeres  im  Schilde  führte,  als  eine  Losreissung  von  der  romischen 
tr«DD«o.  Kirche.  P.  Alexander  VI.  hatte  sich  in  Concessionen  gegen  ihn  er- 
schöpft, während  P.  Julius  II.  eine  unabhängige  Stellung  anzunehmen, 
und  Italien  von  der  Herrschaft  des  Auslandes  zu  emancipiren  suchte. 
Für  Ferdinand  handelte  es  sich  um  den  gesicherten  Besiz  des  König- 
reichs Neapel,  über  welches  die  Päpste  die  Oberlehensherm  waren. 
Julius  II.  hatte  ohne  Anfrage  bei  Ferdinand  II.  durch  einen  Herold 
ein  päpstliches  Breve  im  Königreich  Neapel  verkünden  lassen,  worüber 
der  Vicekönig  Conde  de  Rivagorza  an  Ferdinand  berichtete  —  6.  Mai 
1Ö08.  Am  22.  Mai  erliess  dieser  von  Burgos  aus  einen  sehr  scharfen 
Verweis  an  den  Vicekönig;  er  fragt  ihn,  warum  er  den  Courier  des 
Papstes  nicht  habe  aufknüpfen  lassen;  er  befiehlt  ihm,  diess  nach« 
träglich  zu  thun,  unbekümmert  darum,  was  man  in  Rom  dazu  sage. 
Er  möge  die  Grenzen  des  Landes  genau  bewachen,  und  wenn  eiu 
„apostolischer  Briefträger"  (cursor)  irgendwo  sich  betreten  lasse,  so- 
gleich Hand  an  ihn  legen.  „Wir  sind  völlig  entschlossen,  fugt  er  bei, 
wenn   seine   Heiligkeit   nicht   sogleich   das  Breve  und  seine  Erlasse 


')  Vida  del  Yen.  D«  Fr.  Hemando  de  Talavera^  per  P.  ÄlcdrUara  Buarez, 

8»  —  1866. 


Ferdinand  Y.  gegen  P.  Jolius  II.  1 29 

widerruft,  durch  neue  Erlasse,  ihm  den  Gehorsam  aller  Reiche  der 
Kronen  von  Castilien  und  Aragonien  aufzukündigen'^^).  Es  ist  diess 
ein  Zeichen,  wessen  Ferdinand  „der  Katholische"  im  gegebenen  Falle 
fabig  war.  Er  trieb  die  Politik  der  Selbstsucht  und  hängte  eben  nur 
den  katholischen  Mantel  um,  wenn  es  in  seinem  Interesse  lag  (wie 
wieder  im  Jahre  1511). 

Im  Jahre  1505  sandte  Ferdinand,  unterstüzt  von  Ximenes,  eine 
Flotte  nach  Algier,  um  den  festen  Seehafen  Mazarquimr  zu  erobern, 
was  auch  gelang.  Des  Ximenes  grosser  Plan  iur  die  Wiedereroberung 
des  heiligen  Landes  scheiterte.  Sein  Plan  aber,  wenigstens  die  Festung 
Oran  in  Algier  zu  gewinnen ,  kam  zur  Ausführung.  Er  selbst, 
72  Jahre  alt,  wollte  das  Heer  fuhren  und  lieh  dem  Könige  das  nothige 
Geld.  Er  brachte  10.000  Mann  zu  Fuss,  und  4000  Reiter  zusammen. 
Am  16.  Mai  1509  fuhr  die  Flotte  von  Cartagena  aus,  am  17.  Mai 
war  sie  an  der  Küste  von  Afrika.  Die  Truppen  baten  den  Ximenes, 
fem  vom  Ejimpfe  zu  bleiben.  In  der  Kapelle  des  heiligen  Michael  zu 
Mazarquivir  betete  er  für  den  Sieg  der  Christen.  Vor  dem  Anbruch 
der  Nacht  —  18.  Mai  —  war  Oran  erobert.  An  4000  Mauren  fielen, 
5800  wurden  gefangen.  Die  Spanier  wollten  nur  30  Mann  vermisst 
haben.  Die  Beute  wurde  auf  500.000  Goldthaler  geschazt.  Ximenes 
brachte  die  ganze  Nacht  in  Preis-  und  Dankgebeten  zu.  Am  19.  Mai 
hielt  er  seinen  Einzug  in  die  Stadt,  während  ein  Hilfsheer  der  Mauren  ^'o^- 
ans  Tlemecen  umkehren  musste.  300  Christensklaven  wurden  frei.  —  inAfrik« 
Nach  andern  Berichten  wurde  durch  Verrath  einiger  Einwohner  Oran**^-"- 
den  Spaniern  in  die  Hände  gespielt.  Unter  diesen  wird  der  Jude 
Cattora,  und  selbst  der  Burgvogt  Cedrinus  genannt.  Die  Moscheen 
wurden  als  Kirchen  eingeweiht;  Klöster  der  Dominikaner  und  Francis- 
caner  gegiündet.  Ximenes  schöpfte  Verdacht,  dass  König  Ferdinand, 
dem  er  zu  mächtig  geworden,  seinen  Tod  im  heissen  Clima  von  Afrika 
wünsche  und  erwarte,  fuhr  schon  am  23.  Mai  wieder  von  Oran  ab, 
und  kehrte  nach  Alcala  zurück. 

Am  5.  Januar  1510  wurde  die  wichtige  Stadt  Bugia  in  Algier 
yon  Navarro  erobert  Algier,  Tunis  und  Tlemesen  wurden  jezt  den 
Spaniern  zinsbar.  Selbst  Tripolis  eroberte  Navarro  im  Juli  1510. 
Zum  Danke  hielt  P.  Julius  U.  eine  feierliche  Procession  in  Rom.    Oran 


')  Estamos  mny  detenninadofr,   si  su  Saotidad  no  revoca  luego  el  Breve  y 

\n  Autos  por  virtud  de  (1)  fechos^  de  le  quitar  la  obediencia  de  todos  loBreynos 

las  Coronas  de  Gastilla  y  Aragon.   —  lieber  100  Jahre  sp&ter  fand  Franc. 

den  Brief  im  Archive  zu  Neapel,   and  pnblicirte  ihn  im  Jahre  1621  za 

lidrid.  —  Frone,  de  QuevedOy  Obraa,  11  tom.  4*.  Madr.  1792—1794,  t.  XI,  p.  3 

9.  —  Franc,  de  Quevedo,  v.  Reinh.  Baumstark^  Freib.  1871,  S.  105—110.  — 

Wolf,  Sttpplem.  Bd.  zn  Ticknor-Julius,  Leipz.  1867,  S.  86—37. 

Gama^  q^an.  Kirche.  UL  a.  9 


130  Dreizehntes  Buch.   Drittes  Kapitel. 

blieb  den  Spaniern,  bis  es  im  Jahre  1790  durch  ein  Erdbeben  ver- 
wüstet, im  Jahre  1791  dem  Dey  von  Algier  übergeben  werden  mnsste. 
Die  Versuche,  von  Oran  aus  das  Christenthum  weiter  zu  verbreiten, 
misslangen,  wie  die  frühem  Versuche  im  dreizehnten  und  vierzehnten 
Jahrhundert  ')• 

§.  8. 

Die  Stiftung  der  Universität  Alcala  durch  Ximenes  nannten  die 
Spanier  selbst  das  achte  Wunder  der  Welt,  Zur  Zeit  Isabella's  wurde 
eine  Anzahl  von  Academien  gegründet,  die  von  Siguenza  durch  den 
Archidiacon  Juan  Lopez  de  Medina  Celi,  die  von  Toledo  durch  den 
Scholasticus  Franc  Alvaro,  die  von  Ossuna  durch  den  Grafen  Griron 
von  Urena,  die  von  Onate  durch  Rodr.  Sanchez  de  Mercado,  Bischof 
von  Avila,  die  zu  Valencia  durch  P.  Alexander  VI. 

Im  Jahre  1498  begannen  die  Bauten  tut  die  Hochschule  in  Al- 
cala; im  Jahre  1500  wurde  der  Grundstein  des  CoUegiums  von  S.  Dde- 
fonso  gelegt.  Im  Jahre  1503  wandte  Isabella  der  jungen  Stiftung 
grosse  Privilegien  zu,  durch  welche  Lehrer  und  Studirende  angezogen 
wurden;  ebenso  wurde  sie  von  den  Päpsten  Alexander  VL,  Julius  II. 
und  Leo  X.  mit  vielen  Privilegien  beschenkt').  Das  CoUegiam  von 
S.  Ildefonso,  das  Haupt  der  neuen  Universität,  wurde  am  26.  Juli  1508 
(al.  ISIO)  zuerst  von  sieben  CoUegialen  aus  Salamanca  bezogen.  Eis 
sollte,  nach  den  Lebensjahren  Christi,  33  Mitglieder  aufnehmen,  nach 
der  Zahl  der  Apostel  12  Priester  zählen,  welche  den  Gottesdienst  und 
die  Seelsorge  an  der  Universität  besorgen,  die  canonischen  Standen 
beten,  die  Almosen  und  Ueberbleibsel  vom  Tische  an  die  Armen  aas- 
theilen  sollten.  Die  CoUegialen  selbst,  nur  Theologen,  hatten  die 
Mehrzahl  der  Lehrstühle  an  der  Hochschule  inne,  andere  hatten  andere 
Aemter,  oder  bereiteten  sich  dazu  vor.  Diesen  CoUegialen  war  die 
ganze  Verwaltung  der  Universität  übertragen. 

Für  arme  Studirende  der  Sprachen  gründete  Ximenes  die  zwei 
Convicte  von  S.  Eugenio  und  S.  Isidro,  wo  42  junge  Philologen  je  drei 
Jahre  lang  frei  verpflegt  wurden.  Alle  14  Tage  fanden  hier  Dispa- 
tationen  statt  Sechs  (acht?)  Professoren  der  PhUologie  lehrten ,  in 
welchem  Fache  Alcala  nach  Erasmus  das  Grosste  leistete*).    Strengt 


')  Hefdey  die  Erobemng  von  Oran,  und  die  dort  angegebenen  Qaellen, 
S.  368—398.  DazQ  kommt:  Cartas  del  Gardenal  D.  Fr.  Jimenez^  Madr.  1867, 
von  welchen  21  den  Feldzng  gegen  Oran  betreffen. 

*)  Constitationes  msignis  collegii  8.  lldefonsi  Complnti  (pnblio.  1518)  1560, 
Friedr.  Kunsimann.  (Münchner)  (belehrte  Anzeigen,  1845.  Kr.  96. 

')  Academia  Complutensis  non  alinnde  celebritatem  nominia  anapicata 
qnam  a  complectendo  lingoaa  ao  Omaa  literaa.    Eraam.  £p.  p.  755. 


ÜniveroitSt  Alcala  de  Henarea.  131 

Prüfangeo  entschieden  über  das  Vorrücken  in  höhere  Klassen,  oder  zu 
den  s.  g«  Fachwissenschaften. 

In  dem  CoUegiom  der  heiligen  Balbina,  yon  welcher  Kirche  in  Kmenos 
Rom  Ximenes  den  Cardinalstitel  führte,  wurde  zwei  «fahre  Dialectik^  ^^  g^. 
in  dem  Colegi  oder  heiligen  Catharina  zwei  «fahre  lang  Physik  und  n*r«B* 
Metaphysik  gelehrt.  Jedes  dieser  Collegien  hatte  48  Zöglinge.  Sie 
borten  die  Vorlesungen  bei  den  Professoren  der  Philologie,  hatten  je 
nach  14  Tagen  strenge  Disputationen  und  erlangten  nach  einander  die 
Grade  eines  Baocalaureus,  Licentiaten  und  Magisters  der  freien  Künste. 
Für  kranke  Studenten  wurde  1614  ein  eigenes  Haus  hergestellt.  Das 
^kleinere.  CoUegium^  zum  heiligen  Petrus  und  Paulus  sollte  12  stu- 
dirende  Ordensgenossen  des  Cardinal  Ximenes  aufnehmen.  Viele  Ge- 
lehrte und  Bischöfe  gingen  daraus  hervor ').  —  Ein  anderes  Haus  wurde 
18  armen  Theologen  und  6  Medicinern  zugewiesen.  In  dem  Collegium 
der  drei  Sprachen  oder  des  heiligen  Hieronymus^)  studirten  10  Zög- 
linge die  lateinische,  griechische  und  hebräische  Sprache.  Die  ver* 
schiedenen  Orden,  mit  Ausnahme  der  des  heiligen  Benedictus*)  und  Hie- 
roDymus,  gründeten  für  ihre  Studirenden  eigene  Häuser  in  Alcala. 

Im  Jahre  1508  wurde  Petrus  Camipo  erster  Rector.  Der  Kanzler 
hatte  die  academischen  Grade  zu  ertheilen.  Als  erster  Kanzler  wurde 
Petrus  Lerma  aus  Paris  berufen,  und  zugleich  zum  Abte  von  S.  Justus 
Qod  Pastor  erwählt^).  Am  18.  October  wurde  die  Uniyersität  eröffiiet* 
die  meisten  Lehrer  waren  aus  Salamanca  oder  Paris  berufen,  6  far  die 
Theologie,  6  für  das  canonische  Recht,  4  für  Medicin,  1  für  Anatomie, 
1  für  Chirurgie,  8  für  Philosophie,  1  für  Moral,  1  für  Mathematik, 
6  for  Grammatik,  4  für  Rhetorik,  4  für  die  griechische  und  hebräische 
Sprache,  im  Ganzen  42«  Die  erste  Anstellung  war  nur  für  ein  Jahr, 
dann  sollte  eine  neue  Bewerbung  eintreten.  Wer  keine  Zuhörer 
bekam,  erhielt  auch  keine  Lehrerbesoldung,  sondern  war  auf  seine 
Pfründe  oder  seinen  Plaz  im  Collegium  beschränkt.  .Alcala  ertheilte 
die  academischen  Grade  in  der  Theologie,  Medicin  und  Philosophie. 
Bin  Doctor  der  Theologie  musste  dieses  Fach  10  Jahre  studirt  haben. 

Die  Einkünfte  der  Uniyersität  betrugen  im  Anfang  14.000  Du- 
caten,  im  J'ahre  1600  —  waren  sie  schon  auf  30.000  gestiegen.  Alle 
Stiftungen  hatten  sich  erhalten.  Salamanca  entführte  aber  Alcala  manche 
tnchtige  JLiehrer,  und  damit  viele  Studirende.  Als  König  Franz  I.  nach 
Alcala  kam,  sagte  er:  Euer  Ximenes  hat  ein  Werk  unternommen  und 
&Q8geführt,   das   ich   selbst  zu   vollbringen  nicht  gewagt  hätte.    Die 


*)  Wadding,  annaL  Hmor.y  t.  XV,  p.  143. 

*)  Der  sieh  selbst  „homo  triiinquis'  nannte. 

*)  Die  Benedictiner  hatten  n.  a.  ihre  Collegien  in  Valladolid  und  Barcelona. 

*)  Das  Weitere  s.  Kirohengesch.  I,  S.  333-^334. 

9* 


132  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Pariser   Universität,   der  Stolz   meines  Landes,   ist   das    Werk   vieler 
Konige.    Ximenes  hat  allein  Aehnlicbes  vollbracht. 
^^^  Als  das  Concil  von  Trient  die  Abschaffung  der  Exemtionen  der 

Hezm-  CoUegiat-Capitel  beschloss,  so  legte  der  Bischof  von  Leon,  Andr.  Guesta 
^*'  (1558 — 1564),  Fürsprache  für  die  CoUegiatkirche  in  Alcala  ein.  Fast 
alle  Bischöfe  stimmten  ihm  bei.  Sie  erhoben  diese  Ejrche  mit  grossen 
Lobsprüchen,  wegen  ihrer  eigenen  Würde,  besonders  wegen  des  herr- 
lichen Collegiums  und  der  Universität,  von  welcher  nach  den  Statuten 
Doctoren  der  Theologie  und  Magister  der  freien  Künste  Canonicate 
und  Präbenden  an  dem  CoUegiatstift  erhielten;  „aus  der  auch  taglich 
die  gelehrtesten  und  besten  Männer  hervorgehen,  welche  den  Einfluss 
des  Christenthums  weithin  verbreiten,  wie  Wir  es  selbst  erfahren  an 
so  vielen  hochgelehrten  Männern  jener  Schule,  welche  dieser  heiligen 
Synode  von  Trient  angewohnt  haben.^'  Es  wurden  dem  Decrete  die 
Worte  beigefugt:  „Unbeschadet  der  Privilegien,  welche  den  Universi- 
täten und  deren  Mitgliedern  bewilligt  wurden,  vorzugsweise,  um  die 
CoUegiatkirche  von  Alcala  zu  ehren^^^).  —  Die  Lieblingsstiftung  des 
Ximenes  dauerte  drei  Jahrhunderte,  bis  zum  Jahre  1807  fort  Seitdem 
ist  Alcala  verlassen  und  verödet'). 

Den  frühern  Universitäten  gesellten  sich  im  sechszehnten  Jahr- 
hundert eine  Anzahl  neuer  bei.  Nachdem  die  Hochschule  von  Alcala 
im  Jahre  1508  eröffnet  worden,  stiftete  schon  im  Jahre  1509  (Maese) 
Rodrigo  Fern,  de  Santaella  die  Universität  von  Sevilla.  Er  war  Cano- 
nicus  daselbst  und  Achidiacon  von  Beina^  starb  aber^noch  im  Jahre 
der  Eröffiiung  der  Schule,  welche  den  Namen  „Colegio  des  Magisters 
Rodrigo"  erhielt, 
ooate,  Die  Universität  zu  Granada  gründete  König   Carl  V.   im  Jahre 

1531;  die  sämmtlichen  Lehrstühle  wurden  aber  erst  im  Jahre  1557 
besezt.  —  Rodrigo  de  Mercado,  Bischof  von  Avila  (1530— f  1548), 
stiftete  im  Jahre  1543  die  Universität  zu  Onats  in  Guipüzcoa,  seiner 
Vaterstadt«  Die  Bestätigung  Papst  Paul's  III.  erlangte  er  im  Jahre  1540. 
Das  Colleg:  „del  Espiritu  santo^^  trat  1542  in's  Leben.  Bei  seinem 
Tode  hinterliess  er  reiche  Mittel  für  die  Fortfuhrung  des  Werkes; 
doch  wurde  hier  nur  lateinische  Sprache  und  Philosophie  gelehrt*}. 


16^. 


')  £a  verba  decreto  addiderant:  „Salvis  privilegiis  UniveraitatibiiB  ac    illa- 

ram  peraonis  concessis,  ejus  (Gomplutensis)  ecclesiae  potiBsimum  causa.''    Quae  saue 

verba   Patres  onmes  —  libentissime   sunt  amplezi.  (Trident.   6.  December    ]5G3> 

ap.  Vic.  de  la  FuenUf  t  V,  Madr.  1874,  apend.  11. 

»)  H^ele,  S.  99—112. 

'}  Minano,  Diccionario  de  Espafia,  t.  VI,  Madr.  1827,  p.  827. 


Neue  UnlTersitäten.  133 

Die  Universität  Osma  wurde  im  Jahre  1550  durch  den  Bischof 
Petrus  Alvarez  de  Acosta  (1539—11563)  gegründet.  (Im  Jahre  1552 
wurde  zu  Almagro  eine  Universität  im  Kloster  der  Dominikaner  del 
Kosario  errichtet).  —  Die  Universität  BaSza  wurde  im  Jahre  1533  durch 
Fr.  Juan  de  Avila  gestiftet,  als  Collegium,  welches  D.  Rodrigo  Lopez 
im  Jahre  1562  erweiterte. 

Die  Universität  von  Murcia  entstand  und  bestand  aus  2  Collegien, 
dem  der  Dominikaner,  welches  schon  1310  in  das  Leben  trat,  und 
dem  der  Jesuiten,  das  im  Jahre  1563  durch  den  Bischof  Stephan  de 
Almeida,  einen  Portugiesen,  (wie  Bischof  Petrus  von  Osma)  gegründet 
Würde.  Er  vereinigte  beide  Collegien  zu  einer  Universität.  —  Die 
Universität  zu  Avila  wurde  1576  durch  Bulle  Papst  Gregorys  XIII.  im 
Dominikanerkloster  St.  Tomas  bestätigt.  —  Die  Universität  Oviedo 
wurde  durch  Ferdinand  de  Yaldäs,  den  Grossinquisitor  '),  gestiftet. 
Er  war  1532— 1639  Bischof  von  Oviedo,  und  starb  als  Erzbischol 
von  Sevilla  im  Jahre  1568.  Er  stammte  aus  dem  Bisthum  Oviedo. 
An  der  von  ihm  gestifleten  Universität  dotirte  er  19  Lehrstühle,  4  der 
Theologie,  5  des  canonischen  Hechtes,  5  des  Civilrechtes  u.  s.  w.  Die 
Eröffiiung  fand  aber  erst  im  Jahre  1608  statt,  gemäss  folgender  In- 
schrift: Jahr  1568.  Diese  Schulen  und  diese  Universität  gründete  und 
dotirte  D.  Fernando  de  Valdes,  glorreichen  Andenkens,  Erzbischof  von 
Sevilla,  Präsident  des  obersten  Rathes  dieser  Reiche,  und  General- 
Inquisitor  in  ihnen,  der  frömmste  und  wachsamste  Yertheidiger  des  katho- 
lischen Glaubens,  und  strengste  Verfolger  der  häretischen  Verkehrtheit. 
Er  starb  im  Jahre  1568.  Man  fing  an,  in  diesen  Schulen  zu  lesen  im 
Jahre  1608"»). 

Die  Universi^t  Santiago  wurde  durch  Vereinigung  mit  dem  Colegio  Univer- 
von  Monforte  de  Lemos  im  Jahre  1595  von  dem  Cardinal  D.  Rodrigo  ^  Ara. 
de  Castro,  Erzbischof  von  Sevilla,  in's  Leben  gerufen.    In  dem  Konig-  s«»*«»« 
reiche  Aragon    wurden  die  Studienanstalten  zu  Gandia  auf  Bitten  des 
(heiligen)  Franc.  Borgia,  der  die  Lehrstühle  dotirte,  im  Jahre  1546  zu 
einer  Universität  erhoben.  —  Ferd.   de  Loazes,  Erzbischof  von  Tarra- 
gona  und  Valencia,   stiftete   das  Dominikanerkloster   zu  Orihuela   und 
daraas  um  1555  eine   Universität.  —  Die  Universität  Saragoza,   wurde 
auf  Grundlage   früherer  Studienanstalten    im   Jahre  1541  von  Carl  V. 
errichtet,  von  Papst  Paul  IV.  im  Jahre  1555  bestätigt,  kam  aber  zu  keinem 
Aufschwünge,  bis  Bisehof  Petr.  Cerbu&a  von  Tarazona  (1585 — 1597)  sie 
restaurirte,   dotirte  und  Gebäude  für  sie  herstellte.  —  Die  Universität 
von  Gerona  wurde  im  Jahre  1561  durch  Konig  Philipp  II.  gegründet. 
Die  Universität  Tarragona   stiftete   im   Jahre    1570  Erzbischof  Casp. 


')  S.  oben  S.  86. 

^  Espafia  aagr.  t  39,  p.  114-115. 


134  Dreizehntes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Cervantes,  Cardinal.  —  Die  Universität   zu  Estella  in  Navarra  wurde 
im  Jahre  1565,  die  Universität  zu  Pamplona  im  Jahre  1608  gegründet. 

§.  10. 

Aus  früherer  Zeit  stammen  die  Universitäten  von  Palencia,  Sala- 
manca,  Yalladolid.  Die  Blüthe  der  erstem  dauerte  nur  wenige  Jahre 
(1212  —  1228  —  1246).  Salamanca  bestand  etwa  seit  dem  Jahre  1200; 
schon  Papst  Alezander  IV.  erklärte  sie  im  Jahre  1255  als  eine  der 
vier  General-Studien- Anstalten  (neben  Bologna,  Paris  und  Oxford)  '). 
Der  Kirchenzehnt  des  Bisthums  war,  bis  Aufhebung  des  Zehntens  in 
Spanien  überhaupt  am  29.  Juli  1837,  die  Hauptquelle  ihrer  Einnahmen. 
Weltberühmt  wurde  das  CoUegium  San  Bartolomeo,  genannt  „das 
alte^%  welches  der  Erzbischof  Didacus  de  Anaya  gestiftet,  und  Papst 
Martin  V.  am  28.  April  1418  bestätigt  hatte  ^).  In  seinem  CoUegiuni 
wurde  der  Stifter  begraben  (f  1437).  —  Das  CoUegio  von  Monte  Olivete 
wurde  im  Jahre  1490  von  dem  Domherrn  Gonzalo  Caiiamares  gestiftet. 
Diego  Ramirez,  Bischof  von  Astorga,  Malaga  (1498—1600 — 1518)  und 
Cuenca  (15 18 — 1536),  stiftete  im  Jahre  1506  das  „Colegio  mayor" 
von  Cuenca.  Er  war  Grosscaplan  der  D.  Juana,  und  taufte  deren  am 
24.  Februar  1500  gebornen  Sohn  Carl  V. 

Cardinäle,  viele  Bischöfe  und  Staatsmänner  gingen  aus  diesem 
CoUegium  hervor.  Man  zählt  4  Cardinäle,  29  Bischöfe,  10  Prasidenten, 
2  Vicekonige.  —  Didacus  de  Velasco,  Bischof  von  Galipoli,  gründete 
im  Jahre  1510   das  CoUegium   des   heiligen   Thomas   von  Canterbary. 

—  Im  Jahre  1518  wurde  das  Colegio  von  San  Millan  (Aemilian)  ge- 
gründet, aus  welchem  u.  a.  6  Bischöfe  hervorgingen.  —  Im  Jahre 
1522  gründete  der  Erzbischof  (von  Santiago  und  Toledo)  Alfons  de 
Fonseca  das  berühmte  CoUegium,  das  von  ihm  den  Namen:  „del 
Arzobispo^  —  hat.  Er  führte  eines  der  prachtvollsten  Gebäude  mit 
einer  herrlichen  Kapelle   in  Salamanca   auf,   in   der  er  begraben  ist^). 

—  Im  Jahre  1522  wurde  von  einem  Domherrn  zu  Saragossa  das 
CoUegium  der  heiligen  Maria  gegründet,  das  wegen  Armuth  später 
mit  dem  des  heiligen  Thomas  von  Canterbury  vereinigt  wurde.  £>er 
Domherr  Juan  Canizares  stiftete  im  Jahre  1626  das  Colegio  vom  hei- 
ligen Kreuz,  gewöhnlich  Coleg.  de  Canizares  genannt«    Aus  ihm  gingen 


')  Stndia  generalia. 

^  Historia  del  Colegio  de  San  Bartolomö,  per  Vergara  y  el  MarqaeB  de 
Alventos.  1766,  3  fol.  —  B.  Dorado,  Compendio  Jiistor.  de  Salamanca,  p.  290—295. 

')  Ad  paupemm  nobilium  ingenia  sublevanda,  ad  Clori  aogmentum  —  A\fons 
de  Fonseca  —  hoo  tarn  felix  quam  sacrnm  CoUegium  et  insignem  Gapellam  fieri 
cnravit,  qnod  ipse  vivens  inchoavit,  et  mortaus  perfici  mandavit  Obiit  Complati 
5.  Februar.  —  1534.  ^  Aus  der  Grabsohrift,  ap.  Dorado^  p.  369. 


Gollegien  in  Salamanca,  1526^1592.  135 

11.  a.  4  Bischöfe,    10  Professoren  hervor.  —  Später  wurden  auch  noch 
Collegien  für  die  Ritterorden  gegriindety    1532  för  die  Johanniter,    fiir    ^***" 
den  Orden  von  Santiago,  für  die  Orden  von  Alcantara  und  Calatrava 
im  Jahre  1552. 

In  den  Jahren  1538 — 1545  Hess  der  Domherr  D.  Martin  Gasco 
TOD  Sevilla  das  berühmte  Colegio  der  heiligen  Magdalena  herstellen. 
Er  war  Gesandter  Eonig  Carl's  Y.  bei  Papst  Clemens  VU.  Im  An- 
fange hiess  es:  Jnsigne,  und  auch  ,,Mayor^^  Aber  in  Folge  der  Oppo- 
sition der  schon  bestehenden  sechs  „grossen  Collegien^'  musste  es  auf  diese 
Ehrennamen  verzichten.  Es  galt  aber  nach  den  sechs  grossem  als  das 
siebente  Colegio  in  der  Rangordnung.  Es  vergab  sieben  Lehrstühle 
an  der  Universität,  die  fast  immer  mit  seinen  CoUegialen  besezt  waren. 
Viele  Prälaten,  Schriftsteller,  königliche  Bathe  u.  a.  gingen  aus  ihm 
hervor.  —  Um  das  Jahr  1538  — 1545  gründete  Franc,  de  Solis  Quinones, 
Bischof  von  Bagnorea  (f  1545)  das  Colegio  für  studirende  Waisen 
^zar  unbefleckten  Empfangniss^^  Nur  in  diesem  und  dem  s.  g. 
^jDreisprachen^^-  Colegio  bestand  die  Clausur,  und  überhaupt  die  Ordens- 
Regnlaritat.  Auch  aus  diesem  Collegium  gingen  Erzbischöfe,  Bischöfe, 
Präsidenten,  Käthe  u.  a.  hervor.  —  Im  Jahre  1563  stiftete  Geronimo 
de  Arce,  Professor  an  der  „Sapienza^^  zu  Rom,  das  Colleg  der  „heiligen 
Maria  zu  den  Engeln^*,  aus  dem  gleich&lls  Bischöfe,  Gesandte  u.  a. 
hervorgingen. 

Um  das  Jahr  1570  gründeten  die  Norbertiner  für  ihren  Orden  CoUe- 
das  Collegium  „der  heiligen  Susanna^',  das  einen  grossen  Aufschwung  ^^^^ 
nahm.  Ihnen  nachfolgend  stifteten  die  Hieronymiten  im  Jahre  1572 
das  Colegio  von  Guadeloupe  für  ihre  Studirende.  Grosse  Gelehrte 
gingen  daraus  hervor').  Im  Jahre  1577  (?)  gründete  der  Erzbischof 
Ferdinand  Valdes*)  das  Colegio  de  „San  Pelayo",  auch  „die  Grünen" 
(Verdes)  genannt,  und  dotirte  es  mit  einer  Rente  von  6000  Ducaten 
inr  25  Pläze'),  darunter  für  12  Asturier  und  4  Sevillaner;  auch  aus 
ihm  sind  viele  Bischöfe,  Domherrn,  u.  a.  m.  hervorgegangen.  Die 
reformirten  Carmeliten,  welche  im  Jahre  1572  in  Salamanca  sich  nieder- 
liessen,  gründeten  einige  Jahre  später  ihr  Colegio  des  „heiligen  Elias"*). 
—  Berühmt  sind  die  Werke  über  Moral  und  Scholastik,  welche  die 
Carmeliten  in  Salamanca  herausgaben.  —  Im  Jahre  1592  stiftete  König 
Philipp  IL  auf  seine  Kosten  das  Colegio  der  „adeligen  Irländer"  zum 
heiligen  Patricius,  für  Irländer  bestimmt,   die  um  des  Glaubens  willen 


>)  Havieudo  salido  de  este  celebre  Colegio  grandes  sngetos  en  toda  enidicion. 
Dorado,  p.  421. 

*)  Er  starb  schon  1568. 
*)  Bursen,  Becas. 
0  Dorado,  p.  480. 


136  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapifel. 

aaswandern  mussten.    Die   einen   kehrten  in  ihre  Heimath  zariick,  an- 
dere begleiteten  verschiedene  Aemter  in  Spanien. 

Gestüzt  anf  solche  CoUegien  nnd  Stiftungen  konnte  Salamanca 
seine  hervorragende  Stellung  in  der  Reihe  der  Universitäten  Europa's 
unschwer  behaupten.  Es  war  die  eigentliche  Musenstadt  Spanien's. 
Heute  ist  sie,  wie  Alcala  und  Toledo,  eine  verlassene  und  trauernde 
Wittwe.  —  Denn  „La  Universidad  Central"  von  Madrid  hat  die 
blühenden  Hochschulen  der  frühem  Zeit  verdrängt.  —  Neben  Sala- 
uniyer-  mauca  uud  Alcala  stand  die  gefeierte  Universität  von  Valladolid,  welche 
v»iia4o-  ^^^^  rühmte,  die  Fortsezung  der  von  Palencia,  und  so  alt,  wie  die  von 
lid.  Salamanca  zu  sein.  Unter  Ferdinand  dem  Heiligen  sei  sie  nach  Valla- 
dolid übertragen  worden.  Das  Dunkel,  in  welchem  diese  Uebertragung 
liegt,  bewog  Schriftsteller,  wie  Mariana,  Colmenares  und  Alf.  Garcia 
Matamorosj  die  Uebertragung  in  der  Absicht  zu  leugnen,  um  der  Uni« 
versität  von  Salamanca,  wohin  nach  ihrer  Ansicht  die  von  Palencia 
verlegt  worden,  ein  höheres  Alter  zu  geben ^).  Die  Gründe  aber,  die 
Valladolid  für  sich  vorbringt,  sind  nicht  überzeugend,  für  unsere  Zwecke 
sicher  ohne  Belang.  Aus  einem  Schreiben  Königs  Sancho  IV.  vom 
20.  Mai  1293  erhellt  aber,  dass  es  damals  schon  ein  „Studinm^^  zu 
Valladolid  gab;  das  sich  durch  die  oftmalige  Residenz  des  Hofes  da- 
selbst .hob.  Am  21.  Mai  1304  wies  Ferdinand  IV.  dieser  Schale  neue 
Einkünfte  zu.  Alfons  XI.  sorgte  so  sehr  für  dieselbe,  dass  ihn  Viele 
für  den  Gründer  der  Universität  halten.  Auf  seine  Bitte  erhob  sie 
Papst  Clemens  VI.  am  30.  Juli  1347  zu  einer  papstlichen  Universität. 
Von  da  an  war^der  Abt  der  CoUegiatkirche  daselbst  ihr  bestandiger 
Kanzler.  Der  König  wies  20.000  Maravedis  als  Besoldung  für  die 
Lectoren,  Magister  und  Baccalauren  an*).  Es  waren  besonders  die 
Benedictiner,  die  unter  dem  Namen  der  Congregation  von  Valladolid 
bekannt  sind,  welche  ihre  Studienanstalt  in  Valladolid  hatten.] 


§.  11. 

Die  Universität  von  Toledo  gründete  im  Jahre  1490  der  Domherr 
Franc.  Alvarez  de  Toledo,  nachdem  er  am  7.  Mai  1485  eine  Be- 
stätigungsbulle von  Papst  Innocenz  erlangt  hatte,  und  stellte  dieselbe 
unter  den  Schuz  der  heiligen  Catharina  von  Alexaudrien.  Er  stiftete 
12  Lehrstühle.    Papst  Leo  X.  bestätigte  dieses  Colegio  als  Universität 


*)  Historia  de  la  Ciudad  de  Valladolid,  p.   Maiiaa  Sangrador  Vitores, 
tom.  I,  Val.  18Ö1,  p.  190. 

•)  Vitares,  I,  p.  186—196. 


UoiTersitSten  VaHadolid^  Toledo,  Oflona,  Lerids,  Huesca,  ValenoU.       137 

im  Jahre  t520,  wie  auch  Carl  V.  ihre  Constitationen  confirmirte;  doch 
konnte  Toledo  neben  Alcala  nicht  zu  Kräften  kommen'). 

Juan  Tellez  Oirorij  erster  Graf  von  Urena,  gründete  im  Jahre 
1149  die  Universität  von  Osuna;  sie  war  blühend  n.  a.  zu  Zeiten  des 
Cervantes.  Durch  königliches  Decret  vom  Jahre  1824  wurde  sie  unter- 
drückt. —  Die  Universität  Lerida  rühmt  sich,  schon  vor  dem  Jahre 
13(X)  gestiftet  zu  sein.  Es  bestanden  dort  Lehrstühle  fttr  das  canonische  unwer- 
und  Civilrecht,  für  die  Medicin ,  Philosophie ,  Künste  und  Wissen-  ■***••*" 
Schäften.  Der  Unterricht  in  der  Theologie  war  der  Cathedralkirche 
und  den  Klöstern  der  Dominikaner  und  Franciscaner  zugewiesen.  — 
D,  Pedro  IV.  „el  Ceremonioso'^  stiftete  durch  Privilegium  vom  12.  März 
1354  die  Universität  Huesea,  für  den  Unterricht  in  der  Theologie,  h«*«««- 
beiden  Rechten,  Medicin,  Philosophie  und  den  andern  Wissenschaften 
and  Künsten.  Er  bewilligte  Huesca  die  Vorrechte  der  Universitäten 
von  Toulouse,  Montpellier  und  Lerida.  Bischof  und  Kapitel  dotirten 
sie  durch  Einverleibung  einiger  Beneficien.  Während  sie  sich  hob, 
giog  die  Hochschule  von  Lerida  zurück.  —  Der  Bischof  Raimund 
Gasion  von  Valencia  (1312 — 1348)  stiftete  im  Jahre  1345  an  seiner 
Cathedrale  Lehrstühle  iHr  Theologie,  welche  Dominikanern  anvertraut 
wurden.  Den  Sorgen  des  heiligen  Vincent.  Ferrer  aus  Valencia  gelang 
es,  die  zerstreuten  Studien  zu  vereinigen  und  um  das  Jahr  1412  eine 
Universität  zu  Stande  zu  bringen.  Papst  Paul  II.  bestätigte  sie  im 
Jahre  1470,  Ferdinand  V.  ertheilte  ihr  grosse  Privilegien.  —  Die 
Universität  Barcelona  entstand  unter  König  Alfons  V.  um  1450,  und 
wurde  von  Papst  Nicolaus  V.  bestätigt.  Erst  im  Jahre  1507  erhielt  sie 
entsprechende  Räumlichkeiten.  Sie  wurde  von  Beginn  an  auf  Staats- 
kosten unterhalten.  Carl  V.  und  Philipp  IL  wandten  ihr  Privilegien  zu, 
Philipp  V.  aber  versezte  sie  nach  dem  spanischen  Erbfolgekriege  im  Jahre 
1716  nach  Cervera  (von  wo  sie  wieder  nach  Barcelona  zurückkehrte)  •). 

§.   12. 

Unter  Anregung  und  Leitung  des  Cardinais  Ximenes  erschien 
zu  Alcala  die  s.  g.  Complutenser  Polyglotte  der  heiligen  Schrift.  Den 
hebräischen  und  chaldäischen  Text  besorgten  gelehrte  Convertiten  aus 
dem  Judenthum,  Alfons  von  Alcala,  Alfom  von  Zamora,  Paul.  Coronell 
von  Segovia,  den  griechischen  und  lateinischen  Text  besorgten  Antonii^ 


')  SUto  Ramm  Parro,   Toledo  en  la  mano,  tom,  11,  ToL  1867,  p.  449-461. 

*}  Aniolin.  Manesciüo,  Snplemento  al  Diccionar.  de  Teorogiadel  Ab.  Bergier, 
Midr.,  1867,  „üniversidadee  Eepafioles«,  p.  902  —  905.  —  Floranet,  Origen  de  los 
estndiofl  de  Caatilla,  especial.  los  de  Valladolid,  Palencia,  y  Salamanca  in :  Coleccioa 
de  doeamentos  ineditos,  t  XX,  Madrid,  1852. 


138  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Nebrissensis,    Demetrius   Ducas    ans    Creta,    Lopez   de    Zuniga,  «Am 
^^"^     10.  Janaar    1514   war   der  Druck   des    neuen  Testaments,   und   damit 
tenser  zugleich  die  erste  gedruckte  Ausgabe   des  neutestamentlichen  Urtextes 
Poiy-   vollendet*).     Früher   waren   nur   unbedeutende    Versuche   mit  kleinen 
Abschnitten  gemacht  worden.    Am  10.  Juli  1517    war  auch   das  alte 
Testament,   und   damit   die  erste  gedruckte  Ausgabe  des  alttestament- 
lichen  Urtextes  durch  Christen  vollendet     Als  dem  Cardinal  der  leztc 
Druckbogen   übergel>eii   wurde,   rief  er  freudig   aus:   Ich   danke  Dir, 
Herr  und  Christus,  dass  Du  dieses   schwere  Werk  glücklich  zu  Ende 
kommen  liessest'). 
^^!^^  Ad.  Antonius  von  Lebrija  lehrte   mit  grossem  Ruhme   zu   Sala- 

Lebrfja.  mauca,  u.  a.  auch  über  die  christlichen  lateinischen  Dichter.  Er  ver- 
zichtete im  Jahre  1488  auf  das  Lehramt.  Später  wurde  er  Erzieher 
des  Erbprinzen  D.  Juan,  und  Reichshistoriograph.  Nach  Isabella's 
Tode  kehrte  er  im  Jahre  1505  nach  Salamanca  zurück.  Im  Jahre  löOS 
aber  folgte  er  dem  Rufe  des  Ximenes  nach  Alcala,  und  für  dessen 
Polyglotte.  Er  kehrte  nach  Salamanca,  und  zum  zweiten  Male  nach 
Alcala  zurück,  1513,  wo  er  bis  zu  seinem  Tode  —  am.  2.  Juli  1522 
—  blieb.  —  Da  Lebrija  Uebersezungsfehler  der  Vulgata  offen  auf- 
deckte, zog  er  sich  Vorwürfe  der  Theologen  zu,  und  Didac.  Deza  als 
Grossinquisitor  verbot  die  zwei  ersten  Quinquagenen  der  biblischen 
Untersuchungen  Lebrijcüe.  Unwahr  ist,  dass  Deza  ihn  verfolgte.  Seine 
zahlreichen  Schriften  theilt  Nie.  Antonio  in  sieben  Klassen  ein,  in 
grammatische,  philologische,  poetische,  geschichtliche,  zum  Rechte,  zur 
Medicin  und  zur  Theologie  gehörende.  Das  historische  Hauptwerk: 
Decades  duae  rerum  a  Ferdinando  et  Elisabetha  Hispaniarum  regibus 
gestarum  —  ist  nur  eine  lateinische  Uebersezung  der  Chronik  des 
Fem.  Pulgar^\  aber  ohne  Schuld  des  Lebrija  diesem  zugeschrieben^). 


§.  13. 

Dem   Alfons   Carrillo    (f    1.  Juli  1482)   war   der  Cardinal    von 


r> 


Spanien^,  Petr.  Gonz.  de  Mendoza  im  Jahre  1483  als  Erzbischof  von 


')  Novnm  Testamentum  graece  et  (atine  in  Academia  CompluteiiBi  noviter 
impreBsniDy  1514. 

*)  Hefüe^  Die  Stiftung  der  Universität  Alcala,  und  die  Complutenser  Poly- 
glotte, Tüb.  Theol.  Qnartalschrift,  1844,  S.  222  -  283.  -  Der  Card.  XimenM,  2.  Aufl., 
Mb.  1851,  S.  99-113—147. 

*)  Eircbengesch.  3,  1,  S.  440. 

0  Nieol.  Antonio,  Bibl.  Hfsp.  nova,  t.  f,  Madr.  1783,  p.  132—139.  — 
J.  B.  Mufiozj  Memorias  de  la  real  Academia  de  la  Historia,  T.  III,  Madr.,  1799, 
p.  18.  —  Hefele,  Ximenes,  8.  109-110,  116;  858-859;  432—438. 


Ximenes  als  Enbischof.    Reformen  des  Ximenes.  139 

Toledo  gefolgt');  diesem  aber  (f  11.  Januar  1495)  Franc.  Ximenes. 
In  den  ersten  drei  Jahren  seiner  Regierung  hielt  er  zwei  Synoden, 
deren  Acten  nicht  erhalten  sind;  die  erste  zu  Alcala,  wohl  im  Jahre  1496. 
Er  befahl  u.  a.,  Tauf-  und  Beichtregister  in  den  Pfarrkirchen  anzulegen. 
Die  Pfarrer  sollten  über  jedes  schwere  Vergehen  sogleich  berichten. 
Diese  Einrichtung  wurde  auch  in  andern  Bisthämem  eingeführt.  Ver- 
gebens sachte  er  ein  Fest  Julian's  von  Toledo  einzuführen;  es  zog 
Jbeim  Volke  nicht ^).  —  Im  Sommer  1498  hielt  er  seine  zweite  Synode 
in  Talavera.  Dort  zeichnete  sich  besonders  Gregor.  Castello  durch 
seine  Predigten  und  Vorträge  aus.  Ea  sollte  hinfort  jedes  Jahr  eine 
Diocesan- Synode  stattfinden^). 

Schon  vor  seiner  Erhebung  zum  Erzbischofe  wandte  Ximenes 
seine  Thätigkeit  der  Reformation  seines  Ordens  der  Franciscaner  zu. 
Isabella  aber  hatte  den  Plan  einer  Reformation  der  Orden  überhaupt 
Id  den  meisten  Klöstern  der  Franciscaner  hatten  die  strengern  Obser» 
Tanten  den  Conventualen  weichen  müssen.  Unterstüzt  von  der  Königin 
fahrte  Ximenes  die  strengem  Observanten  wieder  in  die  Klöster  ein,  und 
nahm  denselben  ihre  regelwidrigen  Güter.  I)ie  bessern  Mönche  nahmen 
die  Reform  an,  die  schlimmsten  wurden  verjagt.  Durch  ein  Breve 
Alexander's  VI.  vom  23.  Juni  1497  erlangte  Ximenes  die  Aufhebung 
der  Exemtionen  aller  E^leriker  seines  Sprengeis,  wären  sie  auch  päpst- 
liche OfEcialen.  Eine  andere  Bulle  gab  ihm  die  Vollmacht  zur  Refor- 
mation aller  Orden.  Dem  widerstrebten  seine  eigenen  Franciscaner, 
unterstüzt  von  vielen*  Adeligen,  die  ihre  Todtengrüfte  und  zahlreiche 
foodirte  Jahrtage  in  den  Kirchen  der  Franciscaner  hatten.  Durch 
Breve  vom  9.  November  1496  verbot  Alezander  VI.  die  Fortsezung 
der  Klosterreformen.  Ximenes  wusste  dieses  Breve  rückgängig  zu 
machen.  Ihm  und  den  Bischöfen  von  Jaen  und  Catania  wurde  aufs 
Neue  die  Reformation  der  Klöster  übertragen.  An  1000  Conventualen 
sollen  nach  Afrika  ausgewandert,  und  sich  dem  laxern  Islam  in  die 
Arme  geworfen  haben  ^).  Von  den  übrigen  Orden  unterwarfen  sich 
die  Carmeliter,  Dominikaner  und  Augustiner  am  willigsten  der  Reform. 

Gemäss  der  Bulle  vom   23.  Juni  1497  wollte  Ximenes  im  Jahre  x*««- 
1503  sein  eigenes  Kapitel   durch  zwei  Delegirte  visitiren  lassen;  jenes  u^t  .«in 
appellirte  nach  Rom.    Ximenes  Hess  drei  Domherrn,  Sepulveda,  Ortiz  Kapitel 
und  Barzana  in  den  Alcazar   einsperren;    die   andern  klagten   bei   der 
Königin,  bei  welcher  —  in  Medina  del  Campo  —  eben  Ximenes  war- 


■)  Kirohengescb.  3,  1,  S.  432—437. 

')  Ea  hatte  nie  ein  Fest  desselben  gegeben. 

*)  Hefele^  nach  den  Berichten  bei  Eoblea  und  Oomez,  S.  174  — 177. 

0  Baynald,,  annales  1499,  nr.  34  (nach  Petrus  Delphinta). 


140  Dreizehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Dieser  lenkte  ein,   und  versprach,   das  Kapitel   in  eigener  Person   zu 

visitiren.    Sofort  stand  er  auf  gutem  Fusse  mit  seinem  Kapitel. 

^^^  Zum  Schuze   armer  Mädchen   gerundete   er  zu  Alcala  ein  Kloster 

kioater  zum  heiligen  Johannes,  und  dabei  ein  Haus  „zur  heiligen  Isabella^  für 

^^  ^'  arme  Mädchen,  wo  sie  unter  guter  Aufsicht  so  lange  bleiben  konnten, 

bis   sie   die  Ehe   oder   den  Schleier  wählten.    Diese  Anstalt  erblühte; 

Ximenes  dotirte  sie  reichlich  in  seinem  Testament.     König  Philipp  II. 

vermehrte  ihre  Einkünfte.    Selbst  Mädchen  von  Stand,  besonders  Tochtev 

königlicher  Beamten,  wurden  dort  erzogen. 

Ximenes  speiste  täglich  30  Arme,  besuchte  die  Spitaler,  steuerte 
arme  Mädchen  aus,  kaufte  Gefangene  los'}.  Er  gründete  12  Kirchen, 
8  Klöster,  4  Hospitäler.  Dass  er  dabei  seine  eigene  Cathedrale,  den 
grossartigen  Bau  seines  grossen  Vorgängers  Ximenes  de  Rada,  nicht 
vergass,  lässt  sich  erwarten.  Nicht  nur  stiftete  er  dort  im  Jahre  1503 
die  mozarabische  Kapelle,  sondern  Hess  den  Kapitelsaal,  in  welchem 
die  Bilder  der  Erzbischöfe  von  Toledo  gesehen  werden,  herstellen  und 
ausschmücken;  er  stiftete  und  vermehrte  die  Bibliothek  der  Cathe- 
drale, und  schenkte  derselben  die  grosse  Custodia  (Monstranz)  und 
vieles  Andere. 


§.  14. 

In  den  Jahren  lij06  — 1510  war  das  Verhältniss  Ferdinand's  V. 
und  des  Papstes  Julius  II.  ein  sehr  gespanntes.  Am  22,  Mai  1508 
schrieb  Ferdinand  den  erwähnten  Brief  an  seinen  Vicekönig  in  Neapel, 
dem  er  befiehlt,  Träger  päpstlicher  Briefe  (ohne  staatliches  Placet) 
ohne  Weiteres  aufzuhängen,  und  worin  er  mit  der  Losreissung  seiner 
Staaten  von  Rom  droht.  Fic.  de  la  Fnente  hält  es  fttr  unmöglich, 
dass  dieser  „ungemessene"  Brief  Ferdinand  „den  Katholischen"  zum  Ver- 
fasser habe,  und  hält  ihn  für  das  Machwerk  eines  Protestanten  vom 
Ende  des  sechszehnten  Jahrhunderts.  Wir  meinen,  dass  dieser  Brief 
der  im  Grunde  wenig  katholischen  Stimmung  und  Gesinnung  Ferdinand'» 
genau  entsprach.  Er  ist  auch  nicht  bloss  „ab  irato"  oder  im  Zorne  ge- 
schrieben. Denn  dieselbe  Anschauung  von  seinen  unverlezlichen  Kron- 
rechten tritt  überall  bei  Ferdinand  hervor. 


')  Jß.  S.  Parro  weist  noch  im  Jahre  1857  eine  ganz  erstaunliche  Zahl  von 
Spitälern  und  Wohlthätigkeitsanstalten  aller  Art  in  Toledo  nach.  Toledo  en  la 
mano,  I,  p.  355—448.  Es  gäbe  diess  ein  prächtiges  Kapitel  zu  dem  meines  Wissens 
noch  nicht  geschriebenen  grossen  Buche:  „Die  christliche  Barmherzigkeit^  nnd  die 
Güter  der  todten  Hand.**  Die  von  Ximenes  nnterstflzte  „Casa  de  caridad*  bestand 
noch  u.  d.  N.  „Hospital  del  Refugio**,  im  Jahre  1857  —  s.  Parro,  p.  431—440 
fle/eZe,  p.  Iö4— 186. 


Perdinand  V.  und  Jalins  IL    Bas  kOnigl.  Plaoet  (Pase).  141 

Schon   im  Jahre    1423   verbot  Konig  Alfons  V.   von  Aragonien,    ^^ 
päpstliche    Ballen   ohne    sein    Placet   (^Pase^)    bekannt    zn    machen.    od«r 
Ludwig  XI.   von  Frankreich   und  Ferdinand  V.   von  Araironien   han-  ■^"•'' 
delten  hierin  gleichmässig.    Vergebens  beschwerte  sich  Papst  Sixtus  IV.   nion. 
bei  der  Konigin  Isabella,    dass  seine  Bullen  nicht  beachtet  würden  — 
1483.    Da  manche  derselben  Pensionen  und  Commenden  an  Ausländer 
Tergaben^  oder  die  königlichen  Rechte  zu  verlezen  schienen,  so  wurden 
die   Klagen    der    Päpste    wenig    beachtet      Besonders    suchte    Papst 
Alexander  VI.  mehrere  seiner  Günstlinge   spanischen  Bisthümern  „als 
Administratoren^  aufzudrängen.     Darin,  dass  die  „spanischen  Könige^ 
diese  nicht  zuliessen,  scheinen  sie  uns  kirchlicher  gehandelt  zu  haben, 
als  die  betreffenden  Päpste,   welche  das  unkirchliche  Institut  der  s.  g. 
, Administratoren^  in  Aufnahme  brachten.    Am  26.  Juni  (1.  August?) 
1493  erliess  Alexander  VI.   eine  Bulle,   worin  er  keineswegs  den  spa- 
nischen Königen  das  Recht  des  „Placet'',    d.  i.  die  päpstlichen  Bullen 
zurückzuhalten,  ertheilt,  sondern  ein  beschränktes  Recht,  von  den  Bullen, 
welche  Indulgenzen  verliehen,   Einsicht  zu  nehmen,   um  zu  prüfen,  ob 
sie  acht  oder  falsch  seien.     Diess  gewährte  der  Papst  auf  Bitten   der 
j^Snige"*).     Die  spanischen  Regalisten  nahmen  von  dieser  Bulle  An-  ^*»^*«'- 
lass,  zu  lehren,  dass  das  Recht,  päpstliche  BuUen  zurückzuhalten  nach  qaatnr«. 
königlicher  und  päpstlicher  Concession,  von  dieser  Zeit  an  datire,  eine 
Behauptung,  an   deren   Wahrheit    sie   (nach    F.   Fuente)    selbst  nicht 
glauben.    ^,Auf  einem  so  kleinen  Fundamente  erhob  sich  das  mächtige 
Gebäude  des  „königlichen  Exequatur"').    Aber  Ferdinand  V.  griff  mit 
beiden  Händen   nach   dieser  scheinbaren  oder  doch  nicht  wesentlichen 
Concession.     Im  Jahre  1508  erliess  er  ein   Decret,    wodurch    er   eine 
Indolgenz-Bulle  zu  Gunsten  der  Kirche  von  Monserrat  cassirte.     Diess    ^^^^^ 
wurde  einige  Male  zu  Gunsten  der  s.  g.  „Bulla  de  la  Cruzada"  wiederholt  *),  omsad». 


*)  Vic  de  La  Fuenie^  V,  p.  78.  —  Pareoe  imposible,  qua  el  Ray  Catölico 
fltcribiera  tal  coea  (nftmlioh:  Per  quo  no  fecistais  tambien  de  fecho  mandando 
fthorcar  al  Cursor,  qne  vos  la  presento?).  Oröolo  mi^  biea  una  sopercheria  protes- 
tante,  ioventada  ä  fines  de  aquel  siglo  como  otras  per  el  estilo. 

*)  Nos  omnes  et  singnlas  indnlgentias  concessas  et  concedendas  in  posterum 
NispendimuB  et  BUBpensas  esse  decemimns  donec  per  loci  ordinariam  prins,  deinde 
per  —  nostmm  —  Nimtiam  ac  Capellanum  majorem  Kegis  et  Beginae  consilio 
tanatentem  per  eos  ad  id  depatandos  bene  et  diligenter  aut  (aa?)  sint  verae  Litterae 
Apostolieae  viaae  et  inspectae  faeriot  Das  Breve  steht  bei  La  Fuentßy  V»  p.  581 
—  apead.  nr.  1.  cf.  La  Fuente,  La  retencion  de  Bulas  en  Espafia  ante  la  Historia 
y  el  derecho,  Hadr.  1865,  2  t  4*.  —  pp.  180  et  300. 

')  Sobre  tan  peqnefio  fandamento  vino  a  snrgir  luego  la  pesada  mole  del 
»Exeqnatar  reginm."    Fuente,  V,  p.  78. 

*)  Zoerat  gewfihrte  Papst  Innoseenz  III.  den  Königen  von  Gastilien  die  Indnl- 
gens,  die  Ctelder,  welche  Ar  den  Krieg  gegen  die  Mauren  in  Spanien  eingingen,  zu 
Terwalten,  und  für  gewisse  Zeiträume  für  sich  zu  verwenden.    AJlmälig  bildeten 


142  Dreizehntes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Besonders  hütete  Ferdinand  sein  Schoosskind,  die  spanische  In- 
quisition gegen  jeden  sie  mildernden,  ihm  aber  unbequemen  Ein^flass 
der  Kirche.  In  diesem  Punkte  war  er  ^katholischer  als  selbst  der 
Papst/'  Am  31.  August  1509  erliess  er  ein  Decret,  wornach  jeder,  der 
vom  Papste  oder  seinen  Legaten  eine  Bulle  oder  sonst  eine  Urkunde 
zu  Ungunsten  der  Inquisition  erwirken  würde,  mit  dem  Tode  bestraft 
werden  sollte ').  Zuerst  müsse  der  königliche  Rath  entscheiden,  ob  die 
Bulle  publicirt  werden  dürfe,  ob  nicht.  Leider  gab  auch  Ximenes  dem 
Könige  den  Rath,  sich  alle  päpstlichen  Bullen  vor  ihrer  Pnblicirnng 
vorlegen  zu  lassen^'). 


§.  15. 

Als  Konig  Ludwig  XII.  von  Frankreich  jene  Trennung  von  Rom 
wirklich  durchfuhren  wollte^  welche  Ferdinand  am  22.  Hai  1508  nur 
angedroht,  finden  wir  Ferdinand  wieder  an  der  Seite  des  Papstes 
Julius  II*  Der  Kaiser  Maximilian  I.  und  König  Ludwig  XIL  im 
Bunde  mit  einigen  Gardinalen,  besonders  mit  Bemard  Garvajal  aus 
Spanien,  schrieben  eine  Synode  nach  Pisa  auf  den  1.  September  1511 
aus.  Hier  sollte  Papst  Julius  II.  abgesezt  werden,  denn  er  habe  den 
Frieden  unter  den  Christen  gestört,  sei  durch  Simonie  Papst  geworden 
und  habe  sein  im  Conclave  gegebenes  Wort  nicht  gehalten^  ein  all- 
gemeines Concil  zu  berufen.  Durch  Brief  vom  18.  Mai  1511  wandte 
sich  Julius  II.  um  Hilfe  an  Ferdinand.  Ferdinand  machte  sich  eine 
Ehre  daraus,  den  heiligen  Stuhl  zu  beschüzen,  wenn  er  seine  eigene 
Rechnung  dabei  fand  ^).  Er  berief  den  Cardinal  Ximenes,  alle  Granden 
und  Bischöfe,  die  eben  in  Sevilla  weilten,  zu  sich.  Auf  ihren  Rath 
beschloss  er,  seine  Streitkräfte  fttr  Italien  zu  verwenden.  Ximenes  sandte 
dem  Papste  eine  bedeutende  Summe  zu  Bestreitung  der  Kriegskosten  ^). 


diese  Hilfsgelder  einen  Theil  der  königlichen  Einkünfte.  In  dieser  Kasse  des  hei- 
ligen Krenzznges  tritt  uns  eine  ähnliche  Vennengnng  der  geistiiefaen  und  weltlichen 
Macht  entgegen,  wie  bei  der  Inquisition.  Der  (königliche)  Gommissfir  der  «Santa 
Crazada**  beansprnehte  das  Recht,  za  Gunsten  seiner  Kasse  pfipstliohen  Indolgenz- 
briefen  das  „Pase**  zu  verweigern.  Dieser  Stand  dtr  Dinge  hat  bis  auf  die  neaeBte 
Zeit  die  Verbreitung  des  grossen  (Lyoner)  Vereins  zur  Verbreitung  des  Glaabens  in 
Spanien  verhindert.  „Das  katholische  Spanien  liest  nach  eigenen  Heften."  —  Of. 
BuUa  de  la  S.  Grnzada  in  dem  Snplem.  al  Diccionario  del  ab.  Bergier,  Madr.  1857, 
p.  100—103. 

>)  Uorente  I,  p.  368  —  369.  —  Hefele,  S.  363—864.  Was  sagt  dazu  Herr 
Orii  y  Laraf 

*)  Hefde,  S.  433—434. 

»)  HefeU,  S.  410. 

*)  Hefdd,  S.  411. 


Lezte  Jahre  Ferdinand*8  V.  und  sein  Tod  1516.  143 

—  Im  November  1511  kam  ein  Legat  des  Papstes  zum  Reichstag 
nach  Borgos,  der  meldete,  dass  Julius  II.  am  4.  October  d.  J.  einen  Ver- 
trag mit  Venedig  geschlossen,  dem  auch  Ferdinand  V.  beitrat,  und 
der  die  Bulle  der  Berufung  der  Alnflen  Synode  im  Lateran  verkünden 
sollte.  Kaiser  Maximilian,  damals  Wittwer,  trug  sich  mit  dem  Plane, 
nach  Absezung  des  Papstes  Julius  II. ,  selbst  Papst  zu  werden.  Er 
berief  darum  die  deutschen  Bischöfe  nach  Augsburg.  Aber  keiner 
derselben  fand  sich  in  Pisa  ein.  Nur  Matthaeus  Lang,  damals  Bischof 
von  Gurk,  begünstigte  seine  Plane«  Maximilian,  wetterwendisch,  wie 
er  war^  sandte  nach  Pisa  keinen  Legaten,  wo,  unter  Carvajals  Führung, 
7  Cardinale  und  nur  20  Prälaten,  meistens  Franzosen,  sich  stellten. 
Diese  flohen  schon  nach  15  Tagen  nach  Mailand.  Sie  suspendirten 
hier  den  Papst,  wurden  aber  vom  Volke  ausgezischt. 

Mit  grosser  Feierlichkeit  wurde  am  IG.  November  1511  durch 
den  Nuntius  Wilhelm  Cazador  die  päpstliche  Bulle  in  der  Cathedrale 
von  Burgos  verkündet^  vor  Ferdinand,  seinen  Räthen,  vielen  Bischöfen 
ond  Grossen^). 

§.  16. 

Ans  Anlass  der  bestehenden  Wirren  mit  Frankreich  rüstete 
Ferdinand  zum  Kriege  gegen  Navarra.  Konig  Jean  d' Albret  wurde 
Ton  Julius  II.  u.  a.  als  Verbündeter  Ludwig's  XII«  excommunicirt. 
Als  die  Spanier  einrückten,  überliess  der  Franzose  d' Albret  das  Land 
seinem  Schicksal.  Im  März  1513  huldigten  die  Stände  von  Navarra 
Ferdinand  V.  Auch  aus  Italien  wurden  die  Franzosen  vertrieben. 
Im  März  1513  erkrankte  Ferdinand  durch  den  Genuss  einer  gewissen 
Speise,  die  ihm  seine  Gemahlin  bereiten  liess,  um  ihrem  Manne  die 
verlorne  Manneskraft  wieder  zu  verschaffen.  Er  zählte  61  Jahre.  Im 
November  1514  sagte  Petnis  Martyr  bestimmt  voraus,  der  Konig  sei 
nicht  zu  retten,  wenn  er  nicht  der  unmässigen  Jagdlust^  und  dem  un- 
niassigen  Umgange  mit  seiner  Frau  entsage*).  Die  Unruhe  trieb  ihn 
von  Ort  zu  Ort.  Im  Mai  1515  machte  er  zu  Burgos  sein  Testament. 
Troz  des  Abmahnens  des  Ximenes  wollte  Ferdinand  nach  Sevilla  reisen. 
Auf  dem  Wege  erkrankte  er  lebensgefahrlich.  Er  ernannte  nach  einigem 
Widerstreben  den  Ximenes  zum  Beichsverweser ,  empfing  die  heiligen 
Sacramente,  liess  sich  das  Erleid  des  heiligen  Dominikus  anziehen  und 
starb  am  23.  Januar  1516,  im  Alter  von  64  Jahren,  im  41.  Jahre 
semer  Begierung  in  Castilien. 


')  Bemaldez,   U,   p,  183—191.    Der  Nuntius  wollte  Ferdinand  sogar  die 
Hand  kflasen,  was  dieser  aber  nicht  zugab. 

*)  Petrm  Martyr,  Epist.  542.  —  HffeU;  S.  434-436. 


144  Dreizehntes  Bach     Drittes  Kapitel 

Sicher  war  er  ein  grosser  Staatsmann  und  tüchtiger  Regent. 
Aber  neben  der  grossen  Isabella  scheint  er  ein  kleiner  Mann  za  sein. 
Ferdi-  Dqs  Glück  verlicss  ihn  selten  oder  nie.  Aber  er  verfolgte  doch  im 
die  Cor'  Ganzen  eine  egoistische  Politik.  Kirchlich  war  er ,  wenn  er  dabei 
^■*  sein  Interesse  fand.  Er  ist  der  Vormanu  jener  Regenten,  welche  durch 
Concentrirnng  aller  Gewalt  in  einer  Hand  zwar  für  die  nächste  Zeit 
die  Staaten  stärkten,  far  die  spätere  Zeit  aber  den  Keim  des  Verfalls 
der  Staaten  legten.  Sie  wollten  ihren  Nachfolgern  eine  starke  und  ein- 
heitliche Gewalt  hinterlassen,  vermochten  ihnen  aber  nicht  ihren  eigenen 
Geist  und  ihre  Geisteskraft  zu  hinterlassen.  —  Die  Cortes  waren  für 
Ferdinand  gerade  gut  genug,  ihm  Geld  zu  verwilligen.  Wollten  sie 
an  ihren  eigenen  und  verbrieften  Rechten  festhalten,  so  waren  sie  nach 
seiner  Meinung  Attentäter  gegen  die  allein  berechtigte  königliche 
Gewalt.  Wie  sein  Enkel  Carl  V.,  machte  er  dann  kurzen  Process  mit 
ihnen.  Als  im  Jahre  1Ö15  die  zu  Calatayud  versammelten  Stände 
Aragon's  die  begehrte  Kriegssteuer  ablehnten,  Hess  er  ihren  Kanzler 
Anton.  Augustin  verhaften.  Da  sie  noch  nicht  nachgaben,  jagte  er  sie 
auseinander,  und  „kehrte  höchst  missstimmt  im  October  (1615)  nach 
Castilien  zurück^  ')•  Unser  Urtheil  wird  vielleicht  Manchem  zu  hart 
erscheinen.  Vielleicht  hätten  auch  wir  in  die  Lobgesänge  anderer  ein- 
gestimmt; aber  wir  schreiben  zu  einer  Zeit,  wo  die  von  Ferdinand 
inaugurirte  Regierungsweise  eine  Probe  von  bald  vier  Jahrhunderten 
bestanden,  und  sie  hat  diese  Probe  sehr  schlecht  bestanden.  Das  von 
Ferdinand  eingeleitete  absolute  Königthum  ist  in  Spanien  seit  bald  drei 
Jahrhunderten  von  einer  Ohnmacht  in  die  andere  gefallen.  Isabella 
der  Ersten  ist  Isabella  die  Zweite  nachgefolgt. 


§.    17. 

Als  Ximenes  die  Zügel  der  Reichsregierung  ergriff,  zählte  er 
80  Jahre,  (er  war  geboren  im  Jahre  14o6),  war  aber  im  vollen  Besize 
seiner  geistigen  und  selbst  seiner  körperlichen  Kräfte.  Die  ihm  an- 
geborne  Energie  schien  sich  gesteigert  zu  haben.  Aber  auch  er  w^ar 
einer  der  Staatsmänner,  welche  das  Feudalsystem  des  Mittelalters  zu 
brechen,  und  alle  Staatsgewalt  in  der  Hand  des  Monarchen  zu  ver- 
einigen sachten.  Er  gehört  zu  den  Staatsmännern,  welche,  in  dem 
löblichen  Eifer,  einem  Uebel  abzuhelfen,  ein  anderes  herbeiführten. 
Er  selbst  ist  gar  sehr  entschuldigt  durch  die  zahlreichen  Verschwör- 
ungen  und  Aufstände,   welche  verschiedene   Granden   gegen   ihn    an- 


')  Hefele,  S.  436. 


Ximenes  als  Rcichftregcnt  und  desBeQ  Tod.  Ho 

zettelten,   und    die    ihm   obliegende   Pflicht,   das  "Reich    ungefährdet 
dem  Könige  Carl  V.  zu  hinterlassen. 

Dem  Papst  Julius  II.  (f  21.  Februar  löl3)   war  im   März  1513 
Leo  X.  nachgefolgt.    Er  sezte   die   iunfle   Synode   im   Lateran   fort. 
Da  Ximenes  in  Rom  nicht  erscheinen  konnte,  so  erbat  sich  der  Papst  ^^"'*"^" 
seinen  schriftlichen  Rath  in   den  wichtigsten  Dingen.     Ximenes  suchte  «tiut  p. 
die  Beschlüsse  des  Concils  noch  vor  dessen  Schluss  in  seinem  Sprengel  ^^  ^' 
aaszufuhren.     Er   Hess   sogleich    die   Reformdecrete    der   achten    und 
neauten  Sizung  vollziehen.      Dagegen  war   Ximenes  ganz    gegen  den 
Ablass,   welchen   Papst  Leo   X.    auPs   Neue    (1514 — 1516)   für   den 
Weiterbau  der  Peterskirche  ausgeschrieben,  obgleich  Ferdinand  V.  dazu 
seine  Einwilligung  gab.     Er   meinte ,   solche  Ablässe  dienen   gar   sehr 
zur  Entnervung   der  Kirchenzucht.     Die   Protestanten   konnten    sonach 
den  „Grossinquisitor^    Ximenes    in   die    stattliche   Reihe    „der   Refor- 
matoren vor  der  Reformation '^  aufnehmen. 

Am  meisten  beunruhigten  den  Ximenes  die  Beamte,  welche  Konig 
Carl  y.   aus   Belgien   sandte.      Sie   waren    seine   natfirlichen   Gegner. 
Ihre  Habsucht   erschwerte   die   Bemühungen   des   Ximenes   für  König  ^'*»*- 
Carl  gar  sehr.     Sie   arbeiteten  auch   beständig  an  seinem  Sturze.     Im  Tod  de^ 
Sommer   des  Jahres  1517    sandte  Ximenes  eine  stattliche  Flotte   nach  ^^™®' 
Belgien,   unter   deren  Schuz  Carl  ungefährdet  nach  Spanien   kommen, 
konnte.    Im  August  reiste  Ximenes  nach  Aranda  del  Dnero,   um  dem 
ankommenden  Konig  näher  zu  sein.     Er  erkrankte  im  Kloster  Aguilera. 
Carl  y.   landete  Mitte  September   in   Asturien.     Bei  ihm  waren   u.   a. 
seine  Schwester  Eleonora  und  seine  zwei   einflussreichsten  Räthe,    der 
Kanzler  Sauvage  (Selvagio),  und  Wilhelm  Chi^vres,  Herzog  von  Croy, 
Cari's  Erzieher  und  Vertrauter.     Dieser  war  entschiedener  Gegner  des 
Ximenes;  ebenso  der  Kammerherr  La  Chaux.   Die  Belgier  hintertrieben 
eine  Zusammenkunft  des  Königs  mit  Ximenes. 

In  seinem  Testamente  sezte  Ximenes  zu  seinem  Haupterben  die 
Universität  Alcala  ein.  Am  17.  October  begab  er  sich  in  das  Kloster 
Roa.  Hieher  sandte  ihm  Carl  seine  Entlassung  als  Reichsverweser, 
und  zugleich  seine  Entfernung  von  den  Geschäften  des  Reichs,  wegen 
schwerer  Erkrankung  aber  verschonte  man  den  Cardinal  mit  dieser 
Nachricht* 

Als  er  seinen  Tod  nahen  fühlte,  umschlang  er  mit  seinen  Händen  das 
Zeichen  des  heiligen  Kreuzes,  bat  unter  Thränen  Gott  um  Verzeihung 
aller  seiner  Sünden,  rief  die  Fürbitte  aller  Heiligen  Gottes  an,  und  empfing 
die  heiligen  Sacramente  der  Sterbenden.  Unter  den  Worten :.  „In  te,  Do- 
mine,   speravi"  —  verschied  er  am  8.  November    1517,  82  Jahre  alt  ^) 


Des. 


•)  Eefüe,  8,  ö30— 631. 

Umm,  fp«B.  Kircli«.  m.  f.  JQ 


146  '        Dreizehntes  Bnch.    Drittes  Kapitel. 

Er  war  einer  der  grössten  Männer,  welche  Gott  dem  christliehen 
Spanien  geschenkt,  von  einer  staunenswerthen  Vielseitigkeit  der 
geistigen  Gaben.  Seine  Herbe  oder  Härte  findet  ihre  Erklärung  in  der 
Energie  seines  Wesens').  —  In  den  Jahren  1650  und  1655  legte 
Philipp  IV.  die  Bitte  um  die  Einleitung  des  Proeesses  seiner  Heilig- 
sprechung dem  römischen  Stuhle  vor. 

§.  18. 

Schrif-  ^yg   diesem  Anlasse   erschien   die   Schrift   seines  Ordensbruders 

ten  Über 

ibn.  Pedro  de  QuintaniUa  y  Mendoza:  Archetypo  de  virtudes,  Espejo  de 
Prelados,  el  venerable  padre  y  siervo  de  Dios  Fr.  Francisco  Ximenes 
de  Cisneros.  Palerm.  ]653,  2^  —  Die  Angelegenheit  blieb  in  Rom 
ruhen.  In  manchen  Gegenden  Spanien's  wird  er  aber  wirklich  als 
Heiliger  verehrt,  an  seinem  Gedächtnisstage  wurde  nicht  mehr  für  ihn 
gebetet^).  In  sieben  spanischen  Martyrologien  kommt  sein  Name  vor. 
Wetteifernd  mit  den  Spaniern  haben  französische,  italienische, 
deutsche  und  englische  Schriftsteller  das  Leben  des  grossen  Cardinais 
beschrieben.  Zuerst  erschien  das  Werk  des  Spaniers  Alvarus  Gomez  ^). 
Diesem  folgte  Etagen,  de  Robles  mit  seinem  Abrisse  des  Lebens  des 
Cardinais  Ximenes.  Nach  diesem  erschien  das  Werk  Quintanillds  und 
ein  ihm  ähnliches  zu  Rom  1654^).  In  Deutschland  erschien  anonym: 
Historie  von  dem  Staatsministerium  des  Cardinal  Ximenes ,  Hamb. 
1719,  8®.  —  Don  Franc.  Ximenes,  Leipz.  1796.  —  Von  Havemann 
erschien  Don  Fr.  Ximenes,  Götting.  1848  (eine  Skizze).  Das  Werk 
Hefde^s  über  den  Cardinal  ist  eine  erschöpfende  Staats-  und  Kirchen- 
geschichte Spanien's  in  der  Blüthezeit  spanischer  Macht  und  Grösse 
in  den  Jahren  1480 — 1517®).  —  Der  Engländer  Barret  hat  im  Jahre 
1813  ein  Leben  des  Cardinal  Ximenes  herausgegeben^). 


')  Seine  Grabschrift  in  der  Kirche  S.  lldefonso  in  Alcala  lautet:  Condideram 
muBis  Franciscus  grande  lycenm,  Condor  in  exiqno  nunc  ego  saroophago.  Prae- 
textam  junzi  sacco,  galeamque  galero,  Frater,  duz,  praesal,  Cardinensque  pater! 
Quin  virtnte  mea  junctam  est  diadema  cacullo,  cnm  mihi  regnanti  parait  Heaperia. 

')  Quintanittaj  in  apendice;  auch  bei  FUchier^  vie  de  Ximenes,  p.  552  — 
566.    Hefele,  S.  534. 

^  Oamecii  de  Castro,  Toletani  (Alvari)^  de  vita  et  rebus  gesiia  a  Fr.  Xi- 
menio  archiäpiscopo  toletano,  libri  YIII,  Complnti,  1569.  2*.  ~-  Francofurti,  1581.  — 
Es  steht  auch  bei  SchoU,  Hispaoia  illnstr.,  Francof.,  1603,  t.  I,  p.  927—1156. 

*)  Eugenio  de  Robles,  Compendio  de  la  vida  j  hazafias  del  Cardenal  Don 
Fray  Fiancisoo  Ximenez  de  Cisneros,  y  del  oficio  y  Misa  Mnsarabe,  Tdledo,  1G04,  4*. 

'}  Panegiricos  del  card.  de  Cisneros.    Bom,  1654,  4*. 

')  ^Obra  importante"  nennen  es  die  Herausgeber  der  Briefe  des  Ximeues, 
Orti  y  Lara  aber,  „obra  renomada^. 

^)  Hieher  gehören  die  betreffenden  Abschnitte  in  dem  Leben  Carlas  V.  von 
Robertson^  und  PrescotVs  in  dem  Leben  Ferdinand's  und  Uabella's. 


Schrifiten  über  Ximenes.    Briefe  desselben.  147 

Nicht  gering  ist  die  Zahl  französischer  Schriften  über  den  grossen 
Cardinal.  Im  Jahre  1631  erschien  das  Werk  eines  Ungenannten^ 
sodann  im  Jahre  1635  eine  Schrift  von  Baudier.  Märsollier  liess  im 
Jahre  1694  eine  ^Geschichte  des  Ministeriums  dea  Cardinais  Ximenes^ 
erscheinen,  nnd  fand  im  Jahre  1708  einen  literarischen  Gegner.  Von 
Richard  erschien  im  Jahre  1704  eine  „Parallele  des  Cardinais  Ximenes 
and  des  Cardinal  Richelieu.^  —  Bedeutender  war  das  Werk  des 
Bischofs  Esprit  FUchier  über  den  Cardinal,  1693<).  Im  Jahre  185G 
erschienen  nicht  weniger  als  drei  Ueberseznngen  des  Werkes  von 
Hefde  nber  Ximenes').  Die  Spanier  selbst  scheinen  an  den  frühem 
Schriften  über  Ximenes  sich  haben  genügen  zu  lassen^).  —  Wir  kennen 
nur  eine  historische  L#obrede  von  dem  Acaderoiker  V.  O.  Ai^clo^)  auf 
Ximenes.  Dagegen  ist  Ximenes  selbst  erst  vor  wenigen  Jahren^)  durch 
Panqual  Gayangos  und  Vic.  de  La  Fventej  welche  seine  Briefe 
herausgaben,  unter  die  spanischen  Schriftsteller  eingeführt  worden.  ^*^*^* 
Es  sind  129  Briefe,  die  meisten  gerichtet  an  Diego  Lopez  de  Ayala,  m«iiea. 
Domherrn  von  Toledo.  Die  Briefe  reichen  vom  1.  September  1508 
bis  27.  October  1517.  Sie  sind  alle  kurz;  mehr  für  die  Persönlichkeit 
des  Ximenes,  als  für  die  Geschichte  der  Zeit  von  Wichtigkeit.    20 — 23 


')  Histoir.  du  eard.  Ximenes.  Paris  1631.  —  Baudier,  Bist  de  T  administratioa 
da  Card.  Ximente,  Paris,  163  t.  4*.  —  Marsollier,  Bist,  da  minist^re  da  oard.  de 
Ximentey  Tüoloose  1694,  und:  MarsoUier  döcoavert  et  confoDd»  dans  ses  contra- 
dictioDB  öerivant  rhlstoire  du  Card.  Ximenös.  Par.  1708.  —  Richard,  Parallele  du 
Card.  Ximeate  et  du  card.  de  Richelieu.  Trevoux,  1701.  Rotterdam,  1705.  —  Auch 
Hefde  hat  eine  historische  Parallele  dieser  zwei  CardinSle  (S.  535—552),  sowie 
IsabelU's  mit  Elisabeth  von  England  (S.  b3  —  94)  gezogen. 

*)  An  dem  man  jedoch  anssezt,  dass  er  über  dem  Gelehrten  den  Minister 
nnd  Staatsmann  nicht  gebührend  gewürdigt  habe:  flifitoire  du  Cardinal  XimenöSy 
1693,  4*  nnd  wieder  2  t  12*.  —  Daa  Werk  von  Mich.  Baudier  (f  nm  1645)  er- 
schien wieder  im  Jahre  1852  und  1&%  n.  d.  Titel:  Bistoire  de  la  vie  et  de  Fad* 
minifitration  du  eardinal  Ximonös.  Afiotöe  et  pr^cöd^o  d'  nne  introduction  et  d*  une 
Nutice  snr  Michel  Baudier  et  ses  diverses  ouvrages,  par.  Edm,  Baudier,  Paris, 
1852,  1855. 

*)  Die  erste  Uebersezong  ist  von  Charles-  Sainte-  Foix  et  P.  A.  de  Bermond, 
a?ec  des  notes  des  tradactear*s,  1856.  —  Die  zweite  ist:  tradoit  snr  la  2  Vitien 
par  Jf.  raöbi.  A.  Sisson  et  M.  Vabbi  A.  Ürampon.  Lyon,  1856.  —  Die  dritte 
ut  von  M.  V  ahhi Toumai  1856. 

*)  Nie.  Antonio  sagt  zum  Lobe  des  Werkes  von  Alv.  Oomez:  qno  opere  in 
^  geoere  an  praestantias  aut  perfeetiua  esse  possit^  non  immerito  saepe  dubitavi. 
Nkol.  Antonio,  Mova  Blbliot.  I,  p.  59. 

^)  t  im  Jahre  1845;  in  tom.  IV  de  las  Memorias  de  la  Real  Academia  de 
Hiatoria,  Hadr.  1886. 

')  Cartas  del  Cardenal  Don  Fray  Francisco  Jimenez  de  Cisneros,  dirigidas  ä 
Don  Diego  Lopez  de  Ayala  (s.  Generalvicar  in  Toledo),  pnblicadas  por  Don  Pas- 
cttcU  Oayangos  j  Don  Vic.  de  La  Fuente,  Madr.  1867,  p.  271. 

10* 


148  Dreizehntes  Buoh.    Drittes  Kapitel.     Briefe  des  Ximenes. 

handeln  von  dem  Feldzuge  gegen  Oran.  Aus  dem  lezten  Lebens- 
jahre des  Cardinais,  1517,  stammen  38  Briefe,  der  lezte  ist  eilf  Tage 
vor  seinem  Tode  geschrieben.  Ein  Brief  vom  8.  October  1517  aus 
Aguilera  ist  an  das  Colegio  von  San  Ildefonso  in  Alcala  gerichtet. 
Obgleich  er  Stifter  desselben  und  Verfasser  seiner  Constitutionen  war, 
so  richtet  er  doch  die  Bitte  an  es,  die  Amtsgewalt  des  gegenwärtigen 
Rectors  um  ein  Jahr  zu  verlängern^).  Als  sechster  Anhang  ist  der 
schon  bekannte  Brief  an  den  ,)Sehr  hohen  und  sehr  mächtigen  katho- 
lischen König  (Carl  I.)  und  Herm^,  ohne  Datum  beigefugt,  wonn  er 
das  Verfahren  der  Inquisition,  die  Namen  der  Zeugen  oder  Ankläger 
geheim  zu  halten,  sehr  energisch  vertheidigt*). 


•)  Carta,  120,  p.  229. 

*)  CartcUf  p.  261—263.    Hefele  hat  eine  Ueberaezang  dieser  Denksebrift  aus 
Carnioero  (H,  p.  289—293)  gegeben  (S.  365—366). 


Viertes  Kapitel. 


Die  Kirehe  in  Spanien  onter  der  Resierong  Cari*8  Y.  (1). 

Iil7— IU6. 


§.  1. 

• 

Nach  dem  Tode  Ferdinand's  I.  am  23,  Januar  1516  bestätigte 
Carl  in  einem  sehr  wohlwollenden  und  staatsklugen  Schreiben  vom 
14.  Februar  1516  den  Cardinal  Ximenes  als  Ueichsverweser  *).  —  Carl 
war  schon  von  Papst  Leo  X.  und  Kaiser  Maximilian  L  als  ^Konig^ 
hegrüsst  worden,  während  ihm  zu  Lebzeiten  seiner  Mutter  nur  der 
Name  eines  Prinzregenten  zukam.  Da  er  sich  dennoch  Konig  von 
Spanien  nannte,  so  vermittelte  Ximenes  zwischen  ihm  und  den  Spaniern, 
d.  i.  er  übte  einen  starken  Druck  auf  die  Spanier  aus,  und  Hess  zu 
Madrid,  das  er  zu  seiner  Residenz  gewählt,  Carl  am  31.  Mai  1516 
mit  grosser  Feierlichkeit  als  Konig  ausrufen,  das  Volk  jubelte,  die 
Bischöfe  widerstrebten  nicht,  der  Adel  gab  nach.  Die  Aragonier  da- 
gegen weigerten  sich,  Carl'n  den  Konigstitel  zu  geben,  bis  ihre  Cortes 
entschieden  hätten.  £rst  nach  seiner  Ankunft  erkannten  sie  ihn  auf 
dem  Reichstage  zu  Saragossa  an*). 

Papst  Leo  X.  kam  dem  neuen  Konige  in  jeder  Weise  entgegen, 
lo  seiner  Bulle  vom  1.  April  1517  sagt  er:  Schon  vor  langem  hat 
Papst  Alezander  VT.,  mit  Rücksicht  auf  die  herrlichen  Tugenden  und 
Verdienste  Ferdinand's  und  Isabclla's,  auf  die  ungeheuren  Anstreng- 
ongen   bei  der  Eroberung  des  Reichs   von  Granada,  —  auf  die  Aus- 


*)  Sandoval,  la  Vida  y  hechos  del  emperador  Carlos  V.  Pamplona  1618, 
2  fol.  —  lib.  IL    Hefele,  S.  445—446. 

^  Petrus  Martyr,  Epp.  668,  672,  690,  ü03,  617  —  618,  624,  665.  —  Arvao, 
Mcm«4ia8,  t.  iV,  p.  •iL  -  Hefele,  S.  4  0. 


150  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

treibuDg  der  Juden,  von  welchen  dem  christlichen  Glauben  so  viele 
Gefahren  drohten,  auf  die  Reform  der  geistlichen  Orden  beider  Ge- 
schlechter, ihnen  zum  Lohne  für  ihre  Verdienste  den  Ehrentitel  der 
katholischen  Konige  verliehen.  ,,Er  bewilligte  und  wollte,  dass  sie  von 
nun  an  Ferdinand  der  Katholische,  und  Isabella  die  Katholische  ge- 
nannt wurden.^'  —  Indem  Wir  hoffen ,  dass  Unser  geliebtester  Sohn  in 
Christus,  Carl,  Konig  von  Spanien,  welcher  im  18.  Jahre  seines  Le- 
bens steht,  mit  Hilfe  der  Gnade  Gottes  in  die  Fusstapfen  seiner  Gross- 
eltern eintreten,  ja  sie  noch  iibertreffen  werde,  ertheilen  Wir  aus  eignem 
Antriebe,  sicherm  Wissen,  und  in  der  Fülle  der  Gewalt  dem  Konige 
Carl  und  seiner  rechtmässigen  Gemahlin  den  Namen  und  Titel  der 
katholischen  Konige  —  in  dem  Namen  Grotte«  *)• 


§.   2. 

Nach  dem  Tode  des  Ximenes  wollte  der  Erzbischof  Alfons  von 
Saragossa  den  Primatialstuhl  von  Toledo  besteigen.  Schon  im  Jahre 
1509  hatte  Ferdinand  V.  dem  Ximenes  zugemuthet,  dass  er  zu  Gunsten 
seines  Sohnes  abtrete.  Ximenes  entgegnete:  „Niemals  werde  ich  meine 
Braut  wechseln,  und  lieber  in  mein  Kloster  zurückkehren.  Meinen 
Besiz  aber  werde  ich  Niemand  in  der  Welt,  als  der  Kirche  selbst  und 
den  Armen  übergeben." 

Auch  nach   dem  Tode   des  Ximenes  konnte  Alfons  nicht  durch- 
dringen.   Der  Kanzler  Chievres  wünschte  von  dem  Primatialsize  selbst 
Besiz  zu  ergreifen.   Auf  sein  Betreiben  schlug  Carl  V.  den  Belgier  Wil- 
DerCAT-belm  von  Croy,    den  Neffen   des  Kanzlers,   als   Primas   vor.     Dieser 
^(i.    war  zugleich  Bischof  von  Coria,  und  wurde  gleichzeitig  Cardinal.    Das 
beim  V.Kapitel  von  Toledo,  dem   am    13.  April  1518   die  BestatigungsbuUen 
'^^'   vorgelegt  wurden,  stellte  dem  Konig  vor,  wie  unpassend  es  sei,  einem 
Ausländer  eine  so  wichtige  Stelle  zu  übergeben.    Es  half  nichts.     Die 
Belgier  behandelten  Spanien  wie  eine  eroberte  Provinz.    Papst  Leo  X. 
fertigte  am  23.  Juli  1518  neue  Bullen  zu  Gunsten  Wilhelm's  von  Croy  aas. 
Das  Capitel  musste  nachgeben.  Der  junge  Belgier  kam  nie  nach  Spanien. 
Am  11.  Januar  1521  starb  er  in  Lüttich  an  einem  Sturz  vom  Pferde. 
—  Auch  der  Erzbischof  Alfons  starb  schon  am  24.  Februar  1520,  erst 
48  Jahre  alt     Dennoch  war  er  42  Jahre  Erzbischof  gewesen,  da  sein 
Vater  Ferdinand  V.  ihn  als  sechsjähriges  Kind  in  das  Erzbisthnm  ein- 
geschoben hatte. 

Am  18.  November  1518  hielt  Carl  V.  seineu  Einzug  in  Valladolid, 


•)  BuUar.  Roman,  ed.  Taurin.,  t.  V,  1860,  p.  691—692.  —  Vic.  de  la  Fuente, 
V,  p.  Ö89. 


Die 

Stände. 


Corte«  zu  YaUadolid,  1518.    Carl  V.  im  Jahre  1519  —  1520.  151 

wohin  Ximaies  die  Cortes  berufen  hatte.  Mit  ihm  zog  u.  a.  der 
Decan  Hadrian  von  Utrecht  ein,  dem  wenige  Tage  nachher  der  König 
den  Cardinalshut  übergab.  Im  Februar  151.8  traten  die  Cortes  zu- 
sammen. Sie  machten  ans  ihrer  Abneigung  gegen  die  Belgier  kein 
Hehl.  Der  Depntirte  von  Burgos  protestirte  im  Namen  Aller  gegen  invaiia- 
die  Beleidigung ,  die  den  Cortes  durch  den  Eintritt  von  Ausländern  pebra« 
aogethan  worden,  die  einen  Posten  (des  Vorsizes)  inne  hätten,  der  nur  i5i8 
Castilianem  gebühre.  Die  Cortes  erklärten  am  5.  Februar,  dass  sie 
den  Eid  der  Treue  nur  dann  schworen  würden,  wenn  „Seine  Hoheit^ 
gleich&lls  schworen  würde,  die  Privilegien,  Gewohnheiten,  Freiheiten 
und  guten  Gebräuehe  der  Gemeinden^),  besonders  die  Geseze  zu 
halten  und  zu  schüzen,  welche  Ausländern  Aemter  und  Beneficien  zu 
übertragen  verboten.  Die  Mehrzahl  der  Cortes  weigerten  den  Schwur, 
bevor  der  König  geschworen  hätte.  —  In  derselben  Form,  wie  die 
Depntirten^  schwur  Carl  Y.  den  allgemeinen  Eid,  die  Geseze  des 
Königreichs  zu  halten,  zu  schüzen  und  zu  respectiren.  Zumiel,  Sprecher 
der  Cortes,  bat,  dass  der  König  speciell  schwören  solle.  Fremden  keine 
Aemter  zu  übertragen.  Carl  war  wegen  der  vielen  Belgier  in  Ver- 
legenheit, aber  Zumiel  drängte  so  lange,  bis  er  sagte:  „Ich  schwöre  es^ 
(esto  jure).  —  Diese  Formel  war  dem  D.  Zumiel  zu  vieldeutig;  er 
Hess  nicht  nach,  bis  er  ein  klares  Versprechen  des  Königs  erlangt; 
and  jezt  schwuren  Zumiel  und  die  übrigen  Deputirten,  die  sich  bis 
jezt  zurückgehalten,  freudig  den  Eid*). 

Die  grossen  Kosten  der  Reise  des  Königs  nach  Spanien,  und  die 
enormen  Ansprüche  seiner  Belgier,  hatten  schon  den  reichen  Schaz  er- 
bchöpft,  den  der  Cardinal  Ximenes  gesammelt  hatte.  Carl  wandte 
sich  an  den  Edelmuth  der  Cortes,  welche  ihm  ein  „Service^  (Geschenk) 
von  200  Cuentos  Maravedis  machten,  zahlbar  im  Laufe  von  drei  Jahren. 
Die  Cortes  benüzten  den  Anlass  und  reichten  Carl  am  16.  Februar 
tine  Supplik  ein,  welche  88  Vorstellungen  oder  Bittgesuche  enthielt. 
Carl  gab  eine  befiriedigende  Antwort,   und  die  Cortes  lösten  sich  auf. 

Im  April  ging  Carl  nach  Aragonien,  um  auch  dort  sich  huldigen 
zu  lassen.    In  Barcelona  erhielt  er  die  Nachricht  von  seiner  am  28.  Juni 

1519  geschehenen  Wahl  zum  römischen  Kaiser.  Die  Spanier  waren 
damit  nnzufrieden;  sie  sahen  voraus,  dass  von  nun  an  ihr  Gut  und 
Blot  in  fremden  Kriegen  würde  verzehrt  werden,  und  dass  seine  Ent- 
fernung aus  Spanien  das  Land  in  grosse  Unruhen  stürzen  würde.  Ver- 
gebens baten  sie  ihn,  das  Land  nicht  zu  verlassen.    Als  er  am  5.  März 

1520  Valladolid  wieder  verliess,   strömten  5000  Mann  in  Waffen  zu- 


0  De  los  pneblos. 

*)  Prestaron  goBtosos  el  jaramento. 


152  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

sammen,  nm  ihn  mit  Gewalt  festzuhalten»  Die  Menge  wurde  darch 
die  grosse  Garde  der  Belgier  zerstrent.  Die  Scbnldigen  wurden  schwer 
gestraft,  u.  a.  drei  Kleriker,  weil  sie  das  Lauten  der  Glocken  nicht 
▼erhindert.  Carl  hatte  die  Cortes  auf  den  April  1520  nach  Santiago 
berufen.  Es  handelte  sich  um  nichts,  als  um  weitere  Hilfsgeldcr. 
Nur  einige  Deputirte  gaben  entgegen  den  ihnen  .gewordenen  Aaftrag, 
nach,  und  bewilligten  ein  Geschenk  (servicio)  von  200  Cuentos  Mara- 
vedis,  in  zwei  Jahren  zahlbar.  Am  20.  Mai  1520  fuhr  Carl  aus  dem 
Hafen  von  Coruna  nach  Belgien  ab. 


§.  3. 

Nicht  bloss  der  Staat,  anch  die  Kirche  Spanien^s  hatte  die  sch^v^ere 
Hand  des  jungen  Königs  zu  fühlen.    Die  j^katholischen  Könige^  hatten 
Ausländer,  die,  mit  päpstlichen  Bullen  versehen,   sich  „als  Administra- 
toren''  in   spanische  Bistbömer  eindrängen   wollten,   nicht  zugelassen. 
Jezt   war   mit   päpstlicher   Genehmigung   der   20jährige  Wilhelm    von 
Croy  „Administrator^   von  Toledo   und  Coria  geworden,  der  Cardinal 
Matthaeus  Lang,  seit  1519  Erzbischof  von  Salzburg,   wurde  „Admini- 
strator'^  von  Murcia.    Statt  dem  Papste  dankbar  zu  sein,   sezten    sich 
diese  Hofbischoie  sogleich  in  Opposition  g^gen  Rom,   indem  sie  dem 
Cardinale  Hadrian,.  dem  vierten  General -Inquisitor  in  Spanien,    hierin 
nachgaben.    Am  14.  December  1518  richtete  Papst  Leo  X.  an  Hadrian 
ein  Breve;  er  sagt,  dass  in  Spanien  manche  verworfene  Menschen  be- 
kennen,  dass   sie  mit  Wissen  und   Willen    nm  Geld,   aus  Hass  oder 
Furcht  gegen  Angeklagte   vor   der  Inquisition,   falsches  Zeuguiss    ab- 
gelegt.   So  seien  Unschuldige  verurtheilt  worden,  die  falschen  Zengen 
aber  straflos  ausgegangen.     Diese   müssten   strenger  gestraft  werden, 
als  andere  falsche  Zeugen,  da  es  sich  nm  den  Glauben  handle.    Hadrian 
möge  sie  zur  Strafe  ziehen,  besonders  wenn  durch  ihre  Schuld  Jemand 
hingerichtet,  oder  verstümmelt,  oder  seiner  Güter  beraubt,  oder  ehrlos 
geworden.     „Damit  beschweren  Wir   dein,   und   das  Gewissen   derer, 
welche  du  mit  diesen  Geschäften  betraut  hast^,  damit  die  Schuldigen 
bestraft,   „und  auch  dem  weltlichen  Arme  übergeben  werden^.    Dazu 
ertheilt  er  Hadrian  die  „volle  und  unbeschränkte  Freiheit'^    Der  Papst 
sieht  also  die  Inquisition  für  ein  kirchliches  Gericht  an ,   was  sie  nie, 
und  nach  dem  Tode  des  Ximenes   noch  weniger  war.     Die  neue  Re- 
gierung wollte   dieses   mächtige  Regierungs-Instrument  noch   fester    in 
ihren  Händen  halten  und  jeden  Einfluss    des  Papstes  auf  es  abschnei- 
den.    Mochte  auch  Leo  X.  den  Inquisitoren  in  Toledo  mit  dem  Banne 
drohen;  es  half  nichts. 

Die    Generalvicare   von   Toledo    und    Murcia   verboten   nun   die 


Papst  Leo  X.  im  Conflikt  mit  seinem  Nachfolger.  Leo  X.  u.  Carl  V.  1 53 

Verkündigung  päpstlicher  Bullen,  die  nicht  vorher  das  „Vidimus"  oder 
riacet  der  Bischöfe  oder  ihrer  Stellvertreter  erhalten  hätten.    Dagegen 
erliess  Papst  Leo  X.  die  apostolische  Constitution,  welche  das  Datum 
des  1.  März  1519    trägt    Der  Papst  müsse    sorgen,   dass   von  allen 
Katholiken,  besonders  den  Bischöfen,  dem  apostolischen  Stuhle  die  ge- 
bührende Ehrfurcht  erwiesen   werde.    Das  Gegentheil  gereiche  unzäh- 
ligen   Seelen    zum    Aergemisse.      Dagegen    habe    sich    schon    Papst 
Bonifaz  IX.  erhoben.    Neulich  seien  ihm  einige  Bittschriften  vorgelegt 
worden,  womach  in  den  Sprengcln  von  Toledo  und  Cartagena,  unter 
dem  Verwände,  Fälschungen  zu  begegnen.  Synodal- Constitutionen  er- 
lassen worden,   welche   verbieten,    dass   Referendaere    und   Notare') 
apostolische  Briefe  keineswegs  annehmen  dürften,  wenn  sie  nicht  vorher 
durch  den  jezigen  Erzbischof  von  Toledo  und  den  Bischof  von  Carta- 
gena  (Croy  und  M.  Lang)   oder  deren  OfSciale  geprüft  worden,   von 
Uns  aber  die  Bestätigung  dieser  Constitutionen  erbeten  wird.    Solches 
Ansinnen  an  den  Papst  sei  unschicklich,   widersinnig,  verwegen.    Die 
dem  Papste  vorgelegten  Bittschriften,  wornach  er  die  ihm  Untergeord- 
neten als  seine  Yorgesezten  anerkennen  solle,  habe  er  zurückgewiesen) 
und  die  Schriftstücke  vor  seinen  Augen  zerreissen  lassen.    Die  Syno- 
dalbriefe  von  Toledo  und  Cartagena  hebt   er   auf  und  vernichtet  sie. 
Die  Richter ,   Notare  u.  a.    sollen ,   ohne  Erlanbniss   einer  kirchlichen 
oder  weltlichen  Person,  die  päpstlichen  Schreiben  annehmen  und  voll- 
ziehen.   Unter  Strafe  der  Ezcommunication  und  des  Bannes,   dem  sie 
durch  die  That  selbst  verfallen,   und  wovon   sie  nur  der  Papst  lösen 
kann,  verbietet  er   allen   kirchlichen    und    weltlichen    Würdeträgern, 
Richter  oder  Vollzieher  päpstlicher  Briefe  an  deren  Verkündigung  und 
Aasfohmng  zu  hindern,   seien   sie  auch  Patriarchen,  Erzbischöfe  oder 
Primaten,  seien  sie  Kaiser,  Könige,  Königinen  oder  Herzoge').    Unter 
den  gleichen  Strafen  befielt  er  denen,  in  deren  (Kirchen-)Büchern  solche 
Constitutionen  von  Sprengel-  oder  Provincialsynoden  eingetragen  sind, 
sie  so  auszulöschen   und  zu  vernichten ,   dass   sie   nicht   mehr  gelesen 
werden  können^.    Ob  diese  Bulle  dem  Kaiser  Carl  V.,  und  den  beiden 
Cardinälen,  die  sie  zunächst  anging,   direct  zugesandt  worden,   wissen 
wir  nicht.     Eine  Besserung  trat   nicht   ein.     Carl   sandte   vom   Zorne 
dictirte  Briefe  an  seinen  Gesandten  in  Rom,   worin  er  mit  Feuer  und 
Schwert  den  päpstlichen  Boten  und  Mandataren  droht,  wie  ihnen  Fer- 
dinand mit  dem  Stricke  gedroht  hatte  ^). 

Diess   war  der  Dank,  den  Leo  X.  jezt  für    seine  grossartigen 


')  Tabelliones  et  ootarif. 

')  £tiam  imperial!,  regall,  regioali  aut  dacali  vel  alia  praefulgeant  dignitate. 

*)  Ita  deieri  et  cassari  faci»nt»  ut  amplias  legi  non  possint. 

*)  BuUar,  Roman.  Taiuin.  V,  p.  713— 714— 717. 


154  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Concessionen  an  Carl  V.  erntete.  Er  hatte  im  Jahre  1518  Carl  einca 
Zebent  auf  alle  Einkänfte  des  Klerus  bewilligt.  Die  Kirchen  in  Cas* 
tilien,  besonders  die  reichsten,  verweigerten  die  Bezahlung.  In  Cor- 
duba  legten  der  päpstliche  Legat,  Cardinal  Fr.  Aegidins,  der  die 
Zehnten  einzutreiben  hatte,  im  Bunde  mit  dem  Cardinal  Hadrian  und 
dem  Bischof  von  Badajoz,  das  Interdikt  auf  die  Stadt  und  auf  andere 
Orte,  wo  der  Klerus  widerstrebte.  Gegen  das  Interdikt  appellirte  das 
Kapitel  von  Cordova  vergebens  an  den  Papst  Es  lastete  auf  der  "Stadt 
vom  Feste  der  Himmelfahrt  bis  zum  Monate  August  1518;  selbst  das 
Fronleichnamsfest  wurde  nicht  gehalten.  —  Der  Klerus  der  Reiche 
Castilien  und  Aragon  hielt  zu  Calatayud  eine  Versammlung,  um  sich 
wegen  des  Zehnten  zu  vereinbaren;  sie  wollten  statt  desselben  dem 
Könige  ein  bedeutendes  „Subsidium^^  in  aragonischer  Münze  geben  ^). 


§.  4. 

Carl's  Verweser  in  Spanien  war  Cardinal  Hadrian,  der  am  5«  Juni 
1520  in  Valladolid  seinen  Siz  nahm.  In  diesen  Tagen  brach  wegen 
Auf-  der  Erpressungen  der  Fremden  der  Aufstand  der  Städte  (Communen, 
d«r  Co-  Comuneros)  aus.  Er  begann  in  Segovia,  wo  das  Volk  seinen  Pro- 
mune-  curator  Antonio  de  Tordesillas  erhängte,  weil  er  gegen  sein  Mandat 
dem  Könige  zu  Compostella  die  verlangten  Subsidien  bewilligte.  Von 
Segovia  und  Medina  del  Campo  verbreitete  sich  der  Aufstand  nach 
Toledo,  welche  Stadt  ihm  in  der  Person  des  Juan  de  PiidiUa  ein 
Haupt  gab,  nach  Madrid,  Avila,  Burgos,  Valladolid,  Soria,  Signenza, 
Leon,  Palencia,  Sevilla,  Murcia,  Valencia,  Zaragoza,  Ciudad-Rodrigo, 
Zamora,  Salamanca.  Auch  der  turbulente  Bischof  Ant.  de  Acuna  von 
Zamora  schlug  sich  zu  den  Aufstandischen').  Dieselben  brachten 
kaum  20.000  Mann  schlechtgeübter  und  schlechtbewafßieter  Truppen 
zusammen.  Sie  wurden  am  23.  April  1521  bei  Villalar  auf  das  Haupt 
geschlagen.  Von  jezt  an  hörte  jede  auirilhrerische  Bewegung  in  Spa- 
nien auf.  Carl  V.  verfügte  unbedingt  über  Gut  und  Blut  dieses  Volks. 
Der  Adel  drängte  sich  an  seinen  Hof;  der  Klerus  diente  ihm.  Wenn 
je  einmal  Widerspruch  erfolgte,  wie  im  Jahre  1538,  wo  Adel  and 
Klerus  nicht  geben  wollte,  was  der  König  verlangte,  so  jagte  er  sie 
mit  Schimpf  und  Schande  auseinander').    Im  Jahre  1522  kehrte  Carl  V. 


TOB. 


')  Un  Babsidio  de  uns  gran  cantitad  de  florines  de  Aragon.  Vie.  de  La 
Fuente,  V,  p.  109—110. 

*)  Er  wurde  iih  Jahre  1522  abgesezt,  am  23.  März  1526  hingerichtet. 

')  lieber  den  Aufstand  der  Comuneros  —  s.  u.  a.:  Sangrador  Vitores, 
Historia  de  Valadolid,  yal.l851,t.I.p.d37— 378.  — ilc2o(/'jB&er^,  Qaellenforschnngen 


Papst  Hadriao  VI.  und  Kaber  Carl  V.  155 

nach    Spanien    zurück ,    und    vollzog    ein    strenges    Gericht    an    den 
^Comnneroe^. 


§.  5. 

Am  1.  December  1521  starb  Papst  Leo  X.  Am  9.  Januar  1522  .''•"** 
wurde  Ehidrian  von  Utrecht  (Hadrian  VI.)  zum  Papste  gewählt,  ohne  vi. 
ergichtliches  Einwirken  Carl's  V.  Am  9.  Februar  erhielt  er  die  Nach- 
rii'bt  von  seiner  Wahl,  und  schrieb  dem  Kaiser  n.  a.,  dass  v  bereit 
>ei,  sich  für  ihn  ,,martern^  zu  lassen.  Sicher  war  er  vorzugsweise 
Papst  für  Kaiser  Carl  *).  —  Am  5.  August  schifite  sich  Hadrian  in 
Taragona  ein ;  am  30.  August  wurde  er  in  Rom  gekrönt.  Eine  grosse 
Menge  von  Gesuchen  aller  Art  richtete  Carl  an  seinen  Erzieher;  die 
wichtigsten  gewährte  ihm  dieser.  Durch  Bulle  vom  4.  Mai  1523  ver- 
iiibte  er  die  Grossmeisterwurden  der  Kriegsorden  vom  heiligen  Jacobus 
vom  Schwerte,  von  Calatrava  und  Alcantara  für  alle  Zeiten  der  Krone  von 
Spanien  ein*).  Was  viel  wichtiger  ist,  er  ertheilte  ihm  das  Patronat  aller 
ßiäthümer  und  kirchlichen  Würden  in  Spanien.  Die  Konige  Spanien's 
t^rnannten  von  nun  an  alle  Bischöfe  und  kirchlichen  Würdeträger  über- 
'laapt  in  Spanien').  Freilich  hatte  Leo  X.  in  seinem  Concordate  vom 
Jahre  1517  den  Konigen  von  Frankreich  dieselbe  Concession  gemacht. 
In  allen  Ländern,  wo  die  Regenten  Katholiken  sind,  verloren  die  Dom- 
ii'ipitel  von  jezt  an  das  Wahlrecht  der  Bischöfe. 

Nach  vielem  und  langem  Drängen  von  Seiten  CarPs  V.,  der  diesen 
Papst  ganz  für  sich  ausnüzen  wollte,  schloss  Hadrian  am  3.  August 
1523  mit  Carl,  Heinrich  VHI.  von  England,  Ferdinand  von  Oester- 
reich  und  fünf  italienischen  Staaten  eine  Defensiv -Alianz  gegen  Franz  L 
von  Frankreich.  Damit  war  Carl  nicht  zufrieden.  Er  bedrängte  nun 
<ien  armen  Papst  zum  Abschluss  einer  Offensiv- Allianz.  Der  Vater 
'Icr  Christenheit,  der  Stellvertreter  Christi  bei  allen  Völkern  der  Erde 
sollte  wie  ein  weltlicher  Fürst  die  Waffen  gegen  die  politischen  Gegner 
CarPs  tragen.  Napoleon  I.  muthete  dem  Papst  Pius  VII.  eine  solche 
Allianz   gegen  England  zu.    Dieser   weigerte   sich   beharrlich,   verlor 


>ii  der  Oeschkhte  Spanien'«,  Kassel  1849;  (Histor  -pollt  Blätter,  Bd.  28,  S.  333 
-354).  Beinr.  Bauer,  „Hadrian  VI/  Heidelb.  Ib76,  S.  27-40.  HistorU  de  las 
'omuoidades  de  Caatilla,  Madrid  1811.  4*. 

*)  Dieser  schrieb  nach  der  Wahl  an  seinen  Gesandten  in  London:  Er  könne 
•ber  Hadrian  verfögen,  wie  ftber  einen  in  seinem  Hause  erzogenen  Mann.  Histor.- 
[Hjlit.  Bluter,  Bd.  46,  S.  622. 

')  Bullar.  Boman.  Taurin,  V,  p.  18-24. 

')  Mariana,  L  26,  cp.  5.  La  Fttmte,  V,  p.  139.  *-  Dieser  nennt  es:  „grande 
^  preeioBa  regalia*'. 


166  Dreizolintcs  Buch.    Viertes  Kapitel. 

den  Kirchenstaat,  und  wardc  in  die  Gcfimgenschaft  abgeführt.  Gott 
Hber  befreite  Hadrian  VI.  aas  der  grossen  Noth,  in  welche  ihn  sein 
Zögling  Carl  gebracht,  indem  er  ihn  anerwartet  schnell  aus  diesem 
Leben  rief  (f  14.  September  1523)^). 

Höfler  schliesst  seine  jüngst  erschienene  Schrift  über  Hadrian  VI. 
nüt  den  Worten:  „Es  ist  so  oft  behauptet  worden,  dass  Spanien  unter 
Ferdinand  und  Isabella  vereinigt  worden  und  die  drei  Grossmeister- 
thumer  unter  Ersterem  der  Krone  zugewendet  worden  wären.  Die 
Vereinigung  der  spanischen  Königreiche  erfolgte  erst  unter  Kaiser 
Carl  ulid  die  Incorporation  der  drei  Grossmeisterthümer  durch 
Papst  Hadrian  VL  zu  Gunsten  seines  Zöglings.  Jezt  erst  erlangte  das 
spanische  Königthum  seine  Einheit  und  Abgeschlossenheit,  und  was 
bisher  den  catolicos  reyes  (Ferdinand  and  Isabellen)  zugeschrieben 
wurde,  muss  in  erhöhtem  Grade  Kaiser  Cafl  und  dem  ehemaligen 
(xobernador  Spanien's,  Papst  Hadrian  VI.  zageschrieben  werden,  der 
mehr  als  jeder  Andere  die  wunden  Seiten  Spanien's  im  Aufstande  der 
Comunidades  kennen  gelernt  hatte.  Kein  Wunder,  wenn  Konig  Franz 
von  Frankreich  über  diese  Stärkung  der  königlichen  Macht  von  Spanien 
ungehalten  war.  Aber  welch'  ungeheurer  Zuwachs  dem  französiächen 
Königthum  durch  das  Concordat  Papst  Leo^s  X.  zugefallen  war, 
brachte  Konig  Franz  freilich  nicht  in  Rechnung**  *).  Wir  können  diesen 
Worten  beistimmen,  mit  dem  unterschiede  jedoch,  dass,  was  Höfler 
ein  Glück  für  Spanien  und  wohl  auch  für  die  Kirche  zu  sein  scheint, 
nach  unserer  Ansicht  ein  unermessliches  Unglück  für  Spanien  und  fUr 
die  Kirche  war. 

Nicht  so  fast  die  Niederwerfung  des  Aufstandes  der  Comuneros, 
als  die  reactionären  Maassregeln  in  ihrem  Gefolge  hatten  für  Spanien 
traurige  Folgen.  Die  Städte  verloren  ihre  Freiheiten  und  Vorrechte, 
sie  verloren  aber  auch  ihren  Handel- und  ihre  Bevölkerung.  Als  Carl 
am  16.  August  1522  wieder  in  Valladolid  erschien,  war  die  Revolution 
auf  allen  Punkten  unterdrückt^). 


0  Casp.  Burmann,  Adrianas  VI.,  sive  Annlecta  historica  deHadriano  Sexto 
Trajectino,  Papa  romano.  Trajecti  ad  Rhen.  1723. 4".  —  Correapondance  de  Charles  V. 
et  d'  Adrian  VI.,  publicö  —  par  M.  Oachard,  BmxelL,  1859  (und  darnach  Histor  - 
polit.  Blätter,  Bd.  46,  S.  G17— 635).  —  Syntagma  doctrinae  theolog.  Adriani  V!., 
iiA,Reu8en8,  Lovanii  18«)2.  —  Reusena,  Anecdota  de  vita  et  scrptis  Adriani,  Lo- 
vanii  1862.  —  Ctmst  Höfler,  Wahl  und  Thronbi-Brcigiing  des  leztou  deutschen 
Papstes  Hadrian'8  VI.,  —  1522.  —  Wien,  1^72,  p.  98.  —  C.  Höjler,  der  deutsche 
Kaiser  und  der  lezte  deutsche  Papst.  Carl  V.  und  HadriHu  VI.  Wien  1876,  p.  H. 
—  Hadrian  VL  Ein  Lebensbild  aus  dem  Zeitalter  der  Beformation.  V.  Dr.  HeinT. 
Bauer,  Pfarrer  in  Frankf.  a.  M.  —  Ilcidelb.  I87r.,  p.  161 

')  Höfler,  S.  81. 

•)  In  Medina  del  Campo  wurden  sieben  Procuratorcn  'der  8tadte)  erdrosselt  — 


r»7 


Carl  io  den  Jahren  1522 — 1524.  Die  iMomcoa  in  Spanien  nnbekebrbar.        1 57 

Im  Juli  1523  versamtnelte  Carl  allgemeine  Cortes  in  Vallndolid. 
Auf  diesen  erschienen  die  Flamändcr  nicht  mehr.  Carl  verlangte 
wieder  ein  j^Servicio**  für  die  Kosten  seiner  Kriege,  die  Cortes  präscn- 
üit^Q  ihm  165  Bittgesuche.  Alles  wurde  unterbrochen  durch  die 
plözliche  Abreise  CarFs  zum  Kriege  gegen  Frankreich.  Am  I.August 
K24  fanden  neue  Cortes  daselbst  statt,  welche  wieder  am  13.  August 
aufgelost  wurden,  unter  dem  Vorwande,  dass  Carl  Wichtigeres  zu 
thun  habe. 

Die  Zahl  der  Mauren,  genannt  Moriscos,  war  besonders  gross  in  ^'®  ^^' 
den  Königreichen  Valencia  und  Granada  und  in  der  Mancha.  Es  lebten  ten  mo- 
auch  viele  Moriscos  in  Nieder  -  Aragon.  Da  sie  aber  Vasallen  der  '^"^■' 
Kirchen  und  Adeligen  waren,  so  wurden  sie  von  diesen  geschüzt,  und 
schienen  wenig  gefähi*lich  zu  sein,  obgleich  sie  später  Aufstände  ver- 
suchten« Man  sollte  meinen,  dass  da  jeden  Tag  neue  Missionäre  nach 
West-  und  Ostindien  abgingen,  man  zuerst  die  Ungläubigen  im  eignen 
Lande  hätte  bekehren  sollen.  Diess  war  aber  schwer,  wenn  nicht  un- 
möglich. Die  Moriscos  waren  verhärtet  im  Irrthum,  und  sezten  Allem 
(inen  nobezwinglichen  Widerstand  entgegen,  was  ihre  Besieger  auf 
dem  Wege  der  Gewalt  ihnen  auflegen  wollten.  Ximenes  hatte  tausende 
derselben  in  Granada  getauft,  aber  die  von  ihm  angewendeten  Mittel 
führten  nicht  zu  einer  innern  Bekehrung,  und  gereichen  dem  berühmten 
Franciscaner  nicht  zum  besondem  Ruhme.  Die  Leiber  der  Mauren 
Murden  abgewaschen,  ihre  Seelen  nicht  belehrt  und  nicht  bekehrt.  Ge- 
wöhnlich zog  man  die  Mittel  des  Schreckens  vor,  um  mehr  auf  die  Ein- 
bildungskrafl,  als  auf  die  Vernunft  zu  wirken. 

„Der  spanische  Charakter,  über  die  Maassen  gewaltthätig,  neigt 
immer  dazu,  seine  Ansicht  andern  lieber  durch  die  Gewalt,  als  durch 
die  Ueberzengung  beizubringen^^).  —  Die  bekehrten  Mauren  wurden 
von  den  Spaniern  selbst  mit  Misstrauen  und  Geringschäzung  behandelt. 


üsd  als  endlich  am  1.  November  ]6v2  die  Amnestie  verkündigt  wurde,  waren 
270  Personen  davon  ausgeschlossen,  die  Adeligen  zur  Enthauptung,  die  Bürgerlichen 
ivaa  Gnlgen  vemrtheilt  worden.  —  Petrus  Martyr,  opus  epist.  nr.  771. .—  Höf  ler, 
Wahl  -  Hadrian's  VI.,  p.  77  (Ä  Bauer^  8.  40.  8angrad(yr  Vüores,  p.  374  —  375. 
T(ymeo  y  Benedicto^  Zaragoza,  1859,  p.  460  ^  nennt  die  Besiegten  „die  Märtyrer 
^OD  Villalar.* 

')  Vic  de  Im  Fuente,  V,  p.  391.  „El  caräcter  Espafiol ,  demasiado  impe- 
tnasoy  propende  siempre  &  imponer  su  opinlon  mas  bien  per  la  fuerza,  quo  por  la 
ponviccion«''  Dieser  Spanier  bestätigt  vollkommen  unsere  Ansicht,  dass  die  spanische 
•Suatiinqniaition  im  Grunde  aus  dem  Charakter  des  spanischen  Volkes  hervorge- 
ik'aogen  sei.  —  S.  oben  —  8.  15  —  18.  —  Die  Schattenseiten  in  dem  Wirken  des 
grossen  Ximenes,  Gewaltth&tigkeit,  rücksichtsloses,  slfirmisches  Vorgehen  sind  auch 
u:ht  spaaStehe  Eigenschaften;  s.  Hefeh^  8.  55—63  ttber  den  Bekehrungseifer  des 
Ximenes, 


■■V 


^^.  ^ 


158 


Dreizehntes  Bnch.    Viertes  Kapitel. 


Auch  sie  hiessen  „neue  Christen**  *).  Ihnen  blieben  Aemter  und  Ehren 
stellen  verschlossen,  ebenso  die  Klöster  und  geistlichen  Würden,  ihnei 
und  ihren  Söhnen  bis  zu  der  vierten  Generation;  öffentliche  Unglücks 
fülle  wurden  ihnen  als  Schuld  angerechnet.  Diese  Abneigung  dauei 
im  aechszehnten  und  siebzehnten  Jahrhundert  fort.  Kein  Morisco  vev^ 
langte  Christ  zu  werden,  denn  er  würde  von  den  Seinigen  als  Renega^ 
gehasst,  von  den  Christen  mit  Geringschäzung  behandelt  worden  sein.| 
Dazu  kamen  die  schlimmen  Beispiele  der  Christen  aus  dem  Laien-  und] 
Priesterstande.  Die  Moriscos,  besonders  die  in  Valencia,  hatten  aber 
während  des  Kriegs  der  „Corauneros"  grosse  Proben  der  Loyalität 
gegeben,  sie  schlugen  sich  alff  treue  Kämpfer  der  Krone  gegen  die 
verbündeten  Demokratea').  Anderseits  wurden  sie  von  den  „Comuneros" 
grausam  behandelt,  als  treue  Vasallen  ihrer  Lehensherrn.  Ein  gewisser 
Mercadillo  hatte  in  Cazorla,  Baza  und  Huescar  einen  Aufstand  be- 
gonnen, welchen  der  Marquis  von  Mondejar  mit  4000  Moriscos  uml 
einigen  alten  Soldaten  leicht  niederschlug. 

Nachdem  Carl  l.  am  10.  März  1526  zu  Sevilla  seine  Ehe  mit 
Elisabeth   von  Portugal    geschlossen,   kam  er   im  Juni   nach  Granada. 

Auch  die  Moriscos  nahmen  ihn  mit  grossen  Ehren  auf.  Aber 
der  Bischof  von  Guadix,  der  Klerus  von  Granada,  und  andere  an- 
gesehene Personen  brachten  schwere  Anklagen  gegen  sie  vor,  während 
die  Moriscos  ihre  Seelsorger  wegen  Erpressungen  anklagten.  Beide 
Parteien  hatten  leider  Recht.  —  Um  die  Wahrheit  zu  erforschen,  er- 
nannte der  Kaiser  Visitatoren,  u.  a.  den  erwähnten  Bischof  Didacus 
de  Avalos,  den  Canonicus  von  Granada,  Petrus  Lopez,  seinen  Chro- 
nisten Anton.  Guevara,  Franciscaner,  der  im  Jahre  1528  Bischof  von 
Gnadix  wurde,  und  die  Doctoren  Quintana  und  Utiel.  Guevara  und 
Avalos  visierten  in  Valencia.  Die  Berichte  lauteten  dahin,  die  Moriscos 
seien  nur  dem  Namen  nach  Christen.  Carl  sezte  nun  eine  grosse 
„Junta"  von  Prälaten,  Inquisitoren,  Theologen,  Auditoren  und  Käthen 
ein.  Vertreten  waren  in  ihr  der  Erzbischof  Alfons  de  Manrique  vor 
Sevilla,  General -Inquisitor,  der  Beichtvater  des  Kaisers,  Garcia  de 
Loaysa,  vorher  General  der  Dominikaner,  die  Bischöfe  von  Santiago 
Guadix,  Almeria,  der  Präsident  des  königlichen  Rathes,  und  andere 
Diese  hielten  sieben  Sizungen  in  der  Kapelle  „der  katholischen  Konige.' 
Noch  im  Jahre  1526  erging  der  Erlass  Carl's,  der  den  Morisco' i 
Verzeihung  anbot,  aber  sie  ermahnte,  den  alten  Gebräuchen  zu  ent- 
sagen, aber  ohne  Erfolg.    Denn  die  „Conversos"  leisteten  hartnäckiger 


')  CristianoB  nnevos. 

^)  Die  man   in  Valencia  wegen  ihrer  Verbindungen  («Germanias^)    „ager 
manadoB**  nannte. 


.     V  'J»M 


Die  Morisoos.    Juan  de  Avila.  159 

Widerstand,  und  bestachen  mit  schwerem  Gelde  einzelne  Visitatoren '). 
—  Es  hiess  aach,  dass  ein  Theil  dieses  Geldes  für  den  Bau  des 
Palastes  verwendet  wurde,  den  Carl  V.  (seit  1529)  auf  der  Alhambra 
herstellen  Hess.  Es  sollte  damit  der  weltberühmten  Alhambra  ein  ^^i^ta 
Seitenstück  errichtet  werden,  aber  der  neue  Palast  blieb  sehr  weit  m^j^. 
hinter  den  alten  Wunderbauten  zurück.  Wirksamer  für  die  Bekehrung 
der  Moriscos  war  die  Gründung  neuer  Schulen,  Collegien  und  Uni- 
versitäten. 

Dem  ersten  Erzbischof  von  Granada,   Talavera,   folgte  im  Jahre    ^'^' 
1507  —  Anton  de  Rojas,   vorher  Bischof  von  Majorca,   der  im  Jahre  vonora- 
1524  nach  Palencia  versezt  wurde.     Im  Laufe  von  vier  Jahren  folirten    ""'^^ 

*^  1507 

einander  Franc,  de  Herrera  (Nov.  1524  —  f  Dec.  1524),  Petrus  Porto-    1545. 
carrero^   der  im  Jahre  1526  vor  der  Besizergreifung  starb,   und   der 
Hieronymit  Petros   de   Alda  (1626,    4.   Dec.   ~   f   21.   Juni    1528)^ 
diesen   aber  der  mehrerwähnte  Caspar  de  Avalos   (1529,   2.  April  — 
t  2.  November  1545).    Sobald  er  Erzbischof  von  Granada  geworden, 
sorgte  er  in  jeder  Weise  für  den  Unterricht.    Er  gründete  die  Uni-  Uuirer- 
versitat   und   das   CoUegium   des    heiligen   Cäcilius.     Die   päpstlichen  «oi^.t. 
Bollen  worden  im  Jahre  1531  erlassen,  Carl  V.  aber  unterstüzte  ihn  gross- 
müthig.     Für  den  Bau  der  Schulen  und  des  „königlichen  CoUegiums'' 
wurden  mehr  als  50.000  Ducaten  verwendet. 


§.  6. 

Der  ehrwürdige  Juan  de  Avila,   der  „Apostel   von  Andalusien^, 
stndirte  die  Theologie  zu  Alcala  unter  Dominikus  Soto.    Er  wollte  als 
Missionär   nach  Westindien  gehen.     In  Sevilla   brachte  der  Priester 
Ferdinand  a  Contreras  im  Verein  mit   dem  Erzbischof  Manrique  ihn 
von  diesem  Plane  ab,  da  es  nothwendiger  sei,  Andalusien  zu  bekehren.    „Der 
Oreissig  Jahre  alt  begann  er  seine  Thätigkeit  als  Prediger  und  Lehrer  ^^^^^a- 
za  Sevilla.    Bei  der  Inquisition  daselbst  verklagt,   sagte  und  that  er  luafen". 
nichts  zu   seiner  Yertheidigung«    Die  Anklage  fiel   zu  Boden.    Er  zog 
nun  als  Missionär  durch  ganz  Andalusien.  Viele  Schüler  sammelten  sich 
um  ihn.    Bis  in  dfe  unwegsamsten  Gegenden  fUhrte  ihn  sein  glühender 
Eifer,  mit  dem   er  nicht   bloss   lehrte,   sondern   zahllose  Werke   der 
Barmherzigkeit  vollbrachte.    Im  Jahre  1533   stiftete  er  die  Universität 
zo  Baeza^  zu  dem  Zwecke,  Mitarbeiter  für  sein  Werk  zu  erziehen.     Er 
eiferte  besonders  gegen  die  Ausartungen   des  Luxus.    Wunderbar  war 


0  Historia  de  los  Morisos  de  Granada,  por  Luis  de  Marmoh  Malaga^ 
1600  fol.  —  Ciuip.  EacoUxnOj  Historia  de  —  ciadad  y  reyno  de  Valencia,  vVal. 
1610>-1611.  2  fol.  —  Fr.  Jayme  de  Bhda^  Coronica  de  los  Moros  de  Espafia. 
Valenc,  1618  —  fol 


IßO  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

seine  Beredtsamkeit.  Er  hatte  die  Gabe,  wie  der  Franciscaner  Alfons 
Lopc,  durch  ein  einziges  Wort  oder  einen  einzigen  Ruf  Feuer  in  den 
Herzen  seiner  Zuhörer  zu  entzünden.  Seine  Jünger  waren  n.  a.  Jo- 
hann von  Gott,  Sancia  Carilla  aus  Astigi,  Anna  Ponce,  Gräfin  von 
Feria,  Franc.  Borgia,  Herzog  von  Gandia,  die  heilige  Theresia  von 
Jesus.  Viele  seiner  Schüler  traten  in  die  verschiedenen  Orden,  be- 
sonders in  die  Gesellschaft  Jesu  —  die  er  sehr  hoch  schäzte,  und  nach 
deren  Ankunft  in  Spanien  er  die  Gesellschaft  seiner  Missionäre  auf- 
löste. £r  gründete  viele  Collegien  für  die  Erziehung  der  Jugend,  und 
Seminarien  für  Bildung  des  Klerus.  Von  seinem  fünfzigsten  Liebens- 
jähre  an  waren  seine  Kräfte  fast  erschöpft,  mit  himmlischer  Geduld 
aber  ertrug  er  alle  Schmerzen.  Gefesselt  an  das  Krankenlager  fuhr 
er  durch  seine  Rathschläge  an  Anwesende,  durch  seine  Briefe  an  Ab- 
wesende zu  wirken  foii.  Er  starb  zu  Montillo,  an  70  Jahre  alt,  am 
10.  Mai  1569,  und  wurde  im  CoUegium  der  Jesuiten  begraben.  Er 
wird  als  „ehrwürdiger"  verehrt.  Zehn  Jahre  nach  seinem  Tode  er- 
schienen seine  „geistlichen  Briefe"  ').  Seine  Abhandlungen  über  Selbst- 
erkenntuiss,  über  das  Gebet,  21  Tractate  über  das  heiligste  Altars- 
sakrament, 6  ttber  den  heiligen  Geist  u.  s.  w.  sind  Zeugnisse  seiner 
Geistestiefe*)  und  Wohlredenheit.  Als  „Apostel  von  Andalusien"  wirkte 
er  indirect  auch  für  die  Bekehrung  der  Moriscos. 

Im  Jahre  \i)2o  war  zu  Valencia  eine  grosse  Anzahl  Mauren  fast 
mit  Gewalt  getauft  worden.  Es  erging  ein  Edikt  Carl's,  wornach  sie 
und  ihre  Kinder  von  dem  Tage  ihrer  Taufe  an  als  Christen  zu  be- 
trachten seien,  und  unter  der  Inquisition  stehen.  Der  erwähnte  Antonio 
de  Guevara  hatte  Antheil  an  dieser  Gewaltthätigkeit 

§.  7. 

Carl  V.  kehrte  von  Sevilla  und  Granada  im  November  1526 
nach  Valladolid  zurück,  damals  der  gewöhnlichen  Residenz  des  Hofs. 
Seine  Gemahlin  Isabella  gebar  hier  am  21.  Mai  1527  Philipp  (II.), 
den  Nachfolger  CarFs  (I.)  in  Spanien.  Gross  war  die  Freude  der 
Spanier;  von  dieser  Zeit  an  stellte  sich  ein  besseres  Verhältniss  zwi- 
schen dem  Kaiser  und  den  Spaniern  ein,  wozu  Isabella  selbst,  wie 
Carl  V.  von  mütterlicher  Seite  eine  Enkelin  der  grossen  Isabella,  viel 
beitrug.  Während  der  Vorbereitungen  zur  feierlichen  Taufe  kam  ein 
Courier  von  Koni  mit  der  Trauerbotschaft,  dass  der  Coiietable,  Herzog 


')  Cartas  espiritnaleB,  Compliiti,  1579,  4*. 

*)  Yida  y  obras  de  Juan  de  Avila,  predicador  apostolico  de  1*  Andaluzia, 
Madr.  1618,  2  vol.  4*.  —  p.  Martin  Ruiz,  Madr.  1575.  S.  Briefe  anch  in  der 
Biblioteca  Espafiola  v.  Rivadeneira,  1846—1862,  t.  XIII. 


£1  Sacco  de  Roma,  Mal  1527.  161 

von  Boorbon,  Führer  der  Trappen  Carrs  in  Italien,  Rom  erobert  — 
0.  Mai  1527,  dass  er  den  Papst  Clemens  VII.  nnd  13  Cardinäle  in 
der  Engelsbnrg  gefangen  genommen  habe.  Ein  grosser  Theil  des 
Heeres  bestand  aus  deutschen  Protestanten  und  Keisläufern  aller  Art. 
Die  Verwüstung  Rom's  war  schrecklicher,  als  die  unter  Alarich  und 
GeDserich.  Auf  die  Kunde  davon  erhob  sich  ein  allgemeiner  Aufschrei 
der  Entrostung  gegen  Carl  in  ganz  Europa.  Ob  und  welche  Schuld 
der  Kaiser,  der  bisher  mit  Clemens  YII.  nicht  auf  gutem  Fuss  ge- 
standen, u.  a.  im  Jahre  1525  das  Tribunal  (zur  Prüfung)  der  Breven 
eingesezt  hatte,  ist  hier  nicht  zu  erörtern.  Carl  leugnete  allen  An- 
theil  an  dem  Geschehenen.  Der  Kaiser,  welcher  überaus  politisch  war, 
und  vom  Verdachte  einer  Schuld  sich  möglichst  rein  waschen  wollte, 
befahl  die  Suspension  aller  Maassregeln  för  die  feierliche  Taufe  seines 
Sohnes;  er  Hess  in  seinem  Reiche  „Bittandachten^^  halten,  damit  „der 
Himmel  dem  heiligen  Vater  seine  Freiheit  wiedergeben  mochte,  welche 
ihm  zu  geben  in  der  Hand  des  Kaisers  lag^).^^  Er  befahl  sofort,  den 
Papst  in  Freiheit  zu  sezen.  —  Am  5.  Juni  fand  dann  die  Taufe  Phi- 
hpp's  statt.  Die  Taufe  vollzog  Alfons  de  Fonseca,  Nachfolger  WO- 
helm's  von  Croy  in  Toledo  (1524  —  t  4.  Februar  1534).  Die  Stadt 
tiberbot  sich  in  Festlichkeiten,  wobei  es  natürlich  ohne  Stiergefechte 
nicht  abging. 

Am  27.  Juni  fand  zu  Valladolid  unter  dem  Vorsize  des  Erz- 
biscbofs  Manrique  eine  grosse  Junta  statt,  welcher  32  Theologen  an- 
wohnten. Man  verhandelte  über  gewisse  Säze,  welche  sich  in  den 
Schriften  des  Erasmus  fanden,  Säze,  die  von  den  einen  vertheidigt, 
Ton  den  andern  mit  der  grossten  Hize  bekämpft  wurden.  Zwei  Monate 
dauerten  die  Sizungen.  Da  sich  die  Streitenden  nicht  einigten,  so 
löste  Manrique  die  Junta  auf.  —  Im  Jahre  1528  wurde  Carl'n  ein 
zweiter  Sohn  geboren,  D.  Juan,  der  schon  am  29.  März  1528  starb. 


§.  8. 

Carl  V.  hatte  eingesehen,  dass  er  besser  fahre,  wenn  er  in  Frie- 
den,  als  wenn  er  in  Feindschaft  mit  dem  Papste  lebe,   und   näherte 


■)  Charles  Qaint  feignit  alors  de  ressentir  nne  vive  doulenr.  Didot-Hdfer, 
Kottvelle  Biogr«  nnivers..  t.  IX,  Paris  1864,  p,  774  (s.  v.  Charles).  —  Sangrador 
Vitores,  1  l,  p.  876.  £1  emperador,  dcmasiado  politico,  con  el  fin,  de  evitar  la 
sota  de  empiedad,  etc.  — 

*)  Para  pedir  al  eielo  concediese  al  Santo  Fadre  una  libertad  qae  estaba  en 
10  mano  ißoiieederle. 

C«VM,  tpui.  Klrohe.  m.  S.  1} 


162  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

sich  dem  Papste  Clemens  VII.  (1523  19.  November  —  25.  Sep- 
tember 1534).  In  Carl's  Interesse  lag  die  Herstellung  einer  ständigoii 
^*«  Nuntiatur,  welche  die  zahlreichen  Appellationen  der  Spanier  nach  Rom 
tnr.  verhindern  sollte.  Es  ging  nicht  an,  diese  Berufungen  absolut  zu  ver- 
bieten. Es  ist  wahr,  dass  die  Cortes,  u.  a.  die  von  Segovia  —  1532,1 
die  von  Madrid  im  Jahre  1552,  gegen  diese  Appellationen  Beschwerde 
erhoben.  Der  Kaiser  kam  mit  dem  Papste  überein,  dass  dessen  Nuutins 
in  Madrid  über  die  nach  Rom  zu  bringenden  Appellationen  entscheiden 
solle.  Vorher  hatten  die  Nuntien  nur  den  Charakter  von  Botschaflern, 
und  sehr  beschränkte  Vollmachten.  Es  war  üblich,  dass  der  heiliire 
Stuhl  einen  spanischen  Bischof  beauftragte^  über  einzelne  Appellationen  zu 
entscheiden,  u.  a.  ob  sie  nach  Rom  gebracht  werden  sollen,  oder  nicht. 
Im  Jahre  1528  kam  über  diese  und  andere  Fragen  eine  Convention  zu 
Stande.  Der  Auditor  der  neuen  Nuntiatur  müsse  stets  ein  geborner 
Spanier  sein,  weil  Fremde  „keine  Gerichtsbarkeit  in  Spanien  ausüben 
können.^^  Man  wollte  die  Nuntiatur,  wie  die  Inquisition,  zu  einem 
spanischen  Staatsinstitute  machen.  Die  Nuntiatur  wurde  in  zwei 
Sectionen  getheilt,  die  erste  für  blosse  Gnadensachen,  an  deren  Spize 
der  „Abbreviator"  stand,  die  zweite  für  die  Rechtssachen,  an  ihrer 
Spize  der  Auditor.  Die  erste  entschied  über  die  dem  Papste  vorbe- 
haltenen Gnaden  und  Dispensen,  soweit  der  Papst  seinen  Nuntius 
delegirt  hatte,  über  die  Vergebnng  der  in  den  päpstlichen  Monaten 
erledigten  Beneficien,  deren  Ertrag  nicht  500  Realen  (de  vellon) 
übersteige. 

In  der  Scction  der  Gerechtigkeit  wurden  sechs  apostolische  Pro- 
tonotarien  angestellt,  mit  dem  Charakter  von  „Richtern  in  Curia",  sie 
mussten  aber  Spanier  sein.  Diese  Section  nahm  Appellationen  gegen 
Entscheidungen  der  Ordinarien  oder  Metropoliten  an.  Der  Nuntius 
übertrug  die  Untersuchung  über  jede  Angelegenheit  einem  Protonolar 
mit  der  Vollmacht,  die  zur  Entscheidung  nothigen  Befehle  zu  erlassen, 
und  über  die  Angelegenheit  bis  zur  definitiven  Sentenz  zu  entscheiden; 
im  Falle  seine  Sentenz  mit  jener  der  Ordinarien  gleicliformig  war. 
deren  Ausführung  zu  veranlassen.  Anfangs  gaben  die  Nuntien  Audienzen 
an  einigen  Tagen  der  Woche,  —  zugegen  war  der  Auditor  in  dei 
Eigenschaft  eines  Assessors.  Als  aber  die  persönlichen  Audienzen  aut- 
hörten (weil  sie  der  absoluten  Regierung  unbequem  wurden),  so  wuchi^ 
um  so  mehr  die  Macht  des  Auditors,  während  der  Nuntius  thunlichsl 
von  dem  Verkehre  mit  den  Spaniern  abgeschlossen  wurde.  Es  wurdeu 
ihm  alle  äussern  Ehren  erwiesen.  Diess  war  aber  Alles.  Der  Aaditoi 
der  Nuntiatur,  der  Spanier,  entschied  Alles. 

Johannes  Poggio  war  der  erste  Nuntius  —  bis  1544.  Die  Miss- 
brauche,  über  die  man  sich  beschwerte,  wurden  durch  ihn  eher  ver- 
mehrt.    Er  begann  in  allen  geistlichen  Sachen  mit  solcher  Leichtigkeii 


Die  Nantiatur.  163 

zu  dispensiren,   dass  er   zu   zahlreichen  Concessionen  Thür   und  Thor 
erofihete,  welche  bis  daher  unbekannt  waren  ^). 

Carl  V.,  der  die  Auditoren  zu  ernennen  das  Recht  hatte,  während 
der  Papst  sie  nur  bestätigen  durfte,  fuhr  fort,  die  Erweiterung  der 
Befugnisse  der  Nuntien  "von  Rom  zu  verlangen.  Joh.  Poggio  schon 
hatte  die  Gewalt  eines  „Legaten  a  latere')".  Er  und  seine  Nachfolger 
übten  viele  Rechte  des  römischen  Primats  aus,  und  bedurften  darum 
vieler  Gehilfen.  Die  Auditoren  übten  ausgedehnte  Jurisdiction  in  kirch- 
lichen Rechtssachen  aus;  ihr  Tribunal  war  ja  Appellationsinstanz. 

Der  Nuntius  verlieh  die  in  die  päpstlichen  Monate  fallenden 
reservirten  Pfründen,  welche  den  Ertrag  von  24  Goldducaten  nicht 
überstiegen,  jedoch  nicht  bei  Erledigung  des  päpstlichen  Stuhles^). 
Unter  ihm  standen  die  CoUectoren  und  SubcoUectoren  der  Einkünfte  ^'*°' 
der  päpstlichen  Kammer**).  Unter  ihm  stand  das  von  dem  Nnntius, 
spätem  Cardinal  (1594)  Philipp  Sega  zu  Madrid  gestiftete  Pilgerhaus 
und  Hospital  fiir  die  Italiener  —  1579,  mit  der  italienischen  National- 
"kirche,  S.  Piedro  et  Paolo  ^).  —  Der  Nuntius  schlichtete  als  Legatus 
a  latere  Zerwürihisse  und  Streitigkeiten  von  kirchlichen  Personen  und 
Instituten.  Diese  Macht  kam  aber  selten  zur  Ausübung  und  wurde 
immer  mehr  beschränkt.  Carl  V.  bat  Papst  Paul  III.  wiederholt, 
seinem  Nuntius  in  Madrid  ausgedehntere  Gewalt  zu  geben ,  damit 
seine  Unterthanen  nicht  an  den  Gerichtshöfen  Rom's  Processe  führen 
müssten.  In  Spanien  sorgte  man  dafür,  dass  die  erweiterte  Jurisdiction 
der  Nuntien  nicht  ausgeübt  wurde.  Papst  Gregor  XIII.  ertheilte  am 
20.  October  1584  dem  König  Philipp  IL  ausgedehnte,  bald  aber  will- 
kührlich  erweiterte  Facultäten,  zu  Beilegung  von  Differenzen  zwischen 
Bischöfen,    Capiteln,   und   andern    kirchlichen   Personen   und   Corpo- 


')  In  dem  Archiv  der  Universität  V4>n  Salamanca  befinden  sich  Dispensen  von 
Lehrcnrseo,  die  Poggio  solchen  ertheilte,  die  sich  für  academische  Grade  vorbe- 
reiteten. In  dieser  Weise  begann  er  von  Allem  zu  dispensiren,  bei  Besezung  der 
Stellen  an  Cathedralen,  Collegien  und  KlOstern,  Vermächtnisse  anderweitig  verwen- 
den za  lassen,  was  den  Ordinarien  Anlass  zu  schweren  Klagen  gab.  Er  war  der 
ersfe,  welcher  Renten  von  (erledigten)  Bisthümem  einsammelte,  und  er  widmete 
sich  vorwiegend  diesem  Geschäfte  (Vic,  de  La  FuenU,  V,  p.  176). 

')  Thomassin,  de  n.  et  v.  discipl.  P.  I,  L.  II.  c.  117,  nr.  13,  cp.  119.  nr.  7. 

')  Mdchor  Macanaz,  (Memorial),  Pedimento  v.  1713,  nr.  15—19.  —  Coleccion 
de  Concordatos.  p.  67.  —  Qarcia9,  de  benef.,  P.  V.  c.  1,  nr.  84.  —  RigantvuSf 
in  regttl.  IX.  Cancellariae,  P.  I,  §.  4.  nr.  24—28.  t.  11,  p.  117.  -^  nr.  80—34. 
p.  118—119. 

*)  Barhosa,  Summa  apost.  Decis.  V.  Snbcollector,  nr.  1.  —  Ferraris,  prompta 
biblioth.  Paris,  l*:ö8,  t.  VIT,  p.  665—666,  nr.  4.  8. 

•)  Moroni,  Diccionario,  Spagna,  p.  37.  —  BuMarii  Roman.  Continuat.,  ed. 
Andr.  Barberi,  t  XVI,  Rom  1851.  Const.  „Extat"  vom  28.  Juni  1826,  p.  461 
—  462, 

11" 


164  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

rationen^).  Tm  Allgemeinen  schien  die  von  dem  Spanischen  Hofe 
selbst  gewünschte  Einrichtung  der  Nuntiatur  demselben  in  vielen  Fällen 
unbequem  zu  sein.  Der  König  dehnte  sein  Placet  auch  auf  jene 
apostolischen  Erlasse  aus,  in  denen  die  Facultaten  des  Nuntius  ver- 
zeichnet waren,  damit  der  Nuntius  wisse,  welche  Facultaten  er  zu  ge- 
brauchen habe,  welche  nicht^ ,  was  man  mit  verschiedenen  Gründen, 
besonders  aber  mit  der  ähnlichen  Praxis  in  Frankreich  zu  beschö- 
nigen suchte. 

Der  gewaltige  Unterschied  zwischen  Frankreich  und  Spanien  war 
aber  der,  dass  troz  aller  Gallicaner  der  französische  Episcopat  und 
Klerus  eine  starke  Stüze  des  Papstes  und  der  kirchlichen  Freiheit 
war,  während  in  Spanien  der  Klerus  den  „katholischen  Königen^^  stets 
zu  Willen,  und  bei  Conflicten  zwischen  Rom  und  diesen  Königen  auf 
ihn  kein  Verlass  war.  „Man  sah  in  Rom,  dass  der  spanische  Klerus 
vom  Hofe  fast  ganz  abhängig  geworden  war.'^ 

Für  seinen  Plan,  die  kirchliche  Gewalt  in  seiner  Hand  zu  con- 
centriren,  Spanien  zu  „einer  Kirche  in  der  Kirche'^  zu  machen,  benüzte 
Carl  y.  das  in  seiner  Art  vortreffliche  Mittel,  die  höchsten  Aemter  im 
Staate  Bischöfen,  hoben  kirchlichen  Würdeträgem  zu  übertragen.  Er 
machte  sie  dadurch  von  sich  abhängig,  und  wahrte  den  äussern  Schein 
der  Kirchlichkeit.  Diess  war  nicht  bloss  bei  der  Inquisition  der  Fall. 
Wenn  Bischöfe  Präsidenten  der  höchsten  königlichen  Räthe  and  Colie- 
gien  waren,  so  war  ja  die  Kirche  in  Spanien  geehrter  und  einflnssreicher, 
als  sonstwo  in  der  Welt.  Man  findet  darum  die  Bischöfe  immer  im 
Gefolge  der  „katholischen  Könige'^  Von  der  Sonne  des  Hofes  be- 
schienen zu  werden,  war  ein  absonderliches  Glück  für  sie.  Seit  der 
Gründung  des  Käthes  von  Castilien,  und  besonders  seit  dem  Anfange 
des  fünfzehnten  Jahrhunderts  waren  fast  alle  Gobemadoren  oder 
Präsidenten  desselben  hohe  geistliche  Würdenträger  gewesen.  Für 
die  Besezung  der  geistlichen  und  kirchlichen  Aemter  bildete  Carl  V. 
innerhalb  des  Rathes  von  Castilien  eine  besondere  Section,  bestehend 
aus  dem  „Gobernador^'  und  einigen  Räthen.  Sie  erhielt  den  Namen: 
„königliche  Kammer";   sie  entstand   im  Jahre  1518,    und   erhielt  ihre 


*)  Papst  Pias  VlI.  Const.  577  d.d.  28.  November  1814.  Buüar.  Rom.  Ccntf 
t.  XUI,  p.  337-338. 

*)  PhUipp's  II.  Gesez  vom  Jahre  1593.  L.  II,  tit.  Novis.  —  Didac.  Oovar- 
ruvias  ap.  Thomassin?.  I.  L.  II,  cp.  119,  nr.  7  sagt:  Sicut  apnd  Hispanos  potestas 
legatoram  sen  Nuntioram  Apost.  Sedis  examinatnr,  ut  admoneri  possint  a  summo  Regis 
praetorio,  qnibus  uti  conveoiat  dispensationibns  et  commissionibus,  ne  quid  fiat  in  rei- 
publicae  dispendium  (die  respublica  Philipp^s  II.  —  !!),  cum  pleramque  NuDtii  apost 
exteri  sint,  nee  satis  noveriot,  quae  sint  omnino  praecavenda,  ne  falsis  preoibos  et 
Buggestionibus  decipiantur:  ita  et  idem  fieri  solet  apad  Gallos,  teste  Carole  Molinaeo 
in  reg.  Gancell.  de  infirmis  resignantibas,  nr.  139  ~  Hergenröther^  p.  30—32. 


AbbäDgigkeit  des  Klerus  Tom  Hofo.     Die  geistliche  Kammer.  165 

weitere  Ansbildang  im  Jahre  1523*).  (Schon  seit  dem  Jahre  1387 
bedienten  sich  die  Eonige  von  Castilien  vier  gelehrter  Gehilfen,  welche 
„Silentiarii^^  [geheime  Bathe]  hiessen.)  Durch  Erlass  vom  6.  Januar 
15^8  Übertrag  Philipp  II.  der  ^^königlichen  Kammer"  alle  Angelegen- 
heiten, welche  Streitfragen  ttber  das  kirchliche  Patronat,  Gnaden  und 
Gerechtigkeit  beträfen.  Präsident  und  Gobemador  des  Rathes  von 
Castilien  mussten  den  Siznngen  anwohnen.  Im  achtzehnten  Jahrhundert 
war  die  Gewalt  dieser  „königlichen  Kammer"  so  gestiegen,  dass  der 
Konig,  anf  den  Rath  der  Consulta,  mehr  als  60.000  kirchliche  und 
staatliche  Aemter  vergab.  Bis  zum  Jahre  1707  umfasste  sie  die  Reiche 
Castilien,  Navarra  und  das  Baskenland;  im  Jahre  1707  kam  auch  noch 
die  Krone  von  Aragon  hinzu.  Die  vor  ihr  verhandelten  Sachen  be- 
trafen vor  Allem  das  königliche  Patronat. 

Mit  Recht  beschwerte  sich  Papst  Clemens  VIl.  darüber,  dass  alle 
papstlichen  Bullen  von  dem  königlichen  Rathe  von  Castilien  geprüft 
würden.  Neu  waren  diese  Maassnahmen  nicht,  neu  aber  war  die  Aus-  ^*® 
dehnung  derselben  und  die  Form,  in  der  sie  vorgeschrieben  wurde,  uehe 
Froher  hatte  es  sich  nur  um  Abweisung  von  Missbräuchen  gehandelt. 
Jezt  war  man  weiter  gegangen,  und  behandelte  den  römischen  Stuhl 
wie  eine  feindliche,  wenigstens  eine  verdächtige  Macht,  man  verdäch- 
tigte jeden  Gebrauch  der  päpstlichen  Rechte,  und  schuf  einen  grössern 
Missbrauch,  um  den  kleinern  zu  verhindern.  Als  der  Kaiser  aus  den 
Kämpfen  in  Italien  als  Sieger  hervorging,  so  war  seine  Uebermacht 
dem  Papste  noch  drückender.  Das  Heer j^  des  »Liga^  musste  vor  den 
Spaniern  weichen,  und  der  Papst  wurde  ein  Gefangener.  Die  Schuld 
des  Kaisers  war  es,  dass  er  an  die  Spitze  seiner  Truppen  einen  Mann, 
wie  Bourbon  stellte,  der  zum  Verräther  an  seinem  eigenen  Lande  ge- 
worden, einen  ebenso  guten  Soldaten  als  schlechten  Christen^)  (der 
am  5.  Mai  1527  beim  Angriffe  auf  Rom  fiel).  Die  Deutschen  in  seinem 
Heere  wollten  den  Papst  als  Gefangenen  nach  Deutschland  fuhren; 
dem  widersezten  sich  die  Spanier,  und  es  kam  zu  schweren  Streitig- 
keiten. Jezt  näherte  sich  Carl  dem  Papste.  —  Er  zog  alle  seine 
Truppen  aus  dem  Kirchenstaate  zurück.  Der  Papst  Hess  dem  Kaiser 
mittheilen,  dass  er  ihn  selbst  als  Kaiser  zu  krönen  wünsche.  Ein 
Vertrag  wurde  im  Jahre  1529  zu  Barcelona^  wo  Carl  weilte,  ratificirt. 
D.  Margaretha,  Carl's  natürliche  Tochter,  sollte  mit  dem  Neffen  des 
Papstes,  Alezander  de  Medicis,  vermählt,  dem  Papste  alle  noch  von 
den  Kaiserlichen  besezten  Pläze  zurückgegeben,  der  E^aiser  mit  dem 


Kam- 
mer. 


*)  Novisima  Reeopilacioo,  üb.  1.  tit  17.  —  Jose  Qofrma  y  Solcedo,  Teatro 
amversal  de  Espafia,  t  IV,  op.  16.  p.  210  seq. 
'j  Ffc.  d»  La  FuetUe,  Y,  p.  174.  182. 


166  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Königreiche  Neapel  investirt  werden.  Der  Kaiser  erhielt  das  Privi- 
legium, in  allen  seinen  Staaten  zu  den  Bisthümern  und  Erzbisthümern 
zu  ernennen,  und  gab  das  vieldeutige  Versprechen,  für  die  Zurück- 
fübrung  der  Häretiker  Deutschland's  in  den  Schooss  der  Kirche  sorgen 
zu  wollen.  Auch  mit  Franz  I.  von  Frankreich  wurde  im  Jahre  1529 
der  Friede  von  Cambrai  geschlossen. 

Carl  wurde  am  22.  Februar  1530  zu  Bologna  von  Clemens  VII. 
gekrönt ').  Im  Mai  1530  kam  Carl  zu  dem  Reichstage  nach  Augsburg. 
—  Carl  V.  Hess  sich  auch  von  Clemens  VII.  in  dem  Besize  der  drei 
grossen  Kitterorden   bestätigen^) 


§.   9. 

Admini-  Troz   seiucr   wiederholten    Verbote,   dass   keine   spanischen    Bis- 

thümer  an  Fremde  vergeben   werden   sollen,   präsentirte  Carl  V.  doch 


ren 


durch   den   Cardinal   Lorenz   Campegio   als   Administrator   auf  das  Bisthuro 

C&rl    V  ... 

^j^^.'Huesca  —  1530.  Die  Stände  des  Königreichs  Aragon  protestirten  vor 
sezu  ihrem  Justicia.  Der  König  erkannte  sein  Unrecht  an^  und  bat  für 
dieses  Mal  um  Genehmhaltung  seiner  Wahl.  Die  Cortes  gaben  unter 
der  Bedingung  nach,  dass  der  Kaiser  das  Gesez  (fuero)  wieder  be- 
stätige: dass  die  Fremden  keine  Prälaturen  erhalten  sollen^).  Drei 
Jahre  später  wurde  erklärt,  dass  diejenigen  nicht  Fremde  seien,  vrelche 
aus  irgend  einer  Gegend  der  Lande  des  Kaisers  stammten.  Campegio 
war  in  den  Jahren  1530 — 1532  Administrator  von  Huesca.  Im  Jahre 
1533  wurde  der  Cardinal  Hieron.  Doria  von  Genua,  dessen  Familie 
der  Kaiser  verpflichtet  war,  Administrator  von  Huesca^  im  Jahre  1.534 
wurde  er  Administrator  von  Tarragona.  Er  erschien  nicht  in  Spanien, 
sondern  blieb  in  Genua,  wo  er  im  März  1558  starb.  So  übertrat  Carl 
seine  eigenen  Geseze,  wenn  sie  ihm  unbequem  waren.  Der  italienische 
Generalvicar  Doria's  trieb  in  Tarragona  so  starke  Simonie  und  Miss- 
bräuche aller  Art,  dass  die  allgemeine  Stimme  sich  gegen  diese  Fremd- 
herrschaft erhob.  Das  Kapitel  verlangte,  dass  das  alte  Statut  wieder 
in  Kraft  trete,  wornach  die  Vicarien  der  Bischöfe  dieser  Kirchenprovinz 
immer  Eingeborne  sein  müssen*).  —  Troz  dieser  Uebelstände  wurden 
fünf  Concilien  gehalten,  deren  Akten  nicht  auf  uns  gekommen,  wurde 
die  erste  Sammlung  der  bis  jezt  gehaltenen  Concilien  veranstaltet,  ver- 


')  Bullar.  Rom.,  ed  Aug.  Taurin.,  t.  VI,  p.  132—134;  137—139. 
*)  Die  Bulle  vom  13.  März  1530  bei  Fumte^  im  Anhange,  nr.  10,  p.  590—591. 
^)  De  paelaturis  ab  alienigeDis  non  obtineDdis.  —  Bamoo  d«  Huesca,  Teatro 
hifltorico  de  las  iglesias  de  Aragon,  t.  VI,  p.  330  (cf.  IV,  73). 
*)  J.  Villanueva,  Viage  htenirio,  t.  XX,  p.  24—25. 


Concilien  von  Tarragona,  1517,  1529.  167 


si* 


biedene   Ritualbucher  gedruckt,   und   das   Amt  des  Camerarius   mit 
den  Einkünflen  des  Ka{)itels  gestiftet. 

Dem  Erzbischof e  Petrus  de  UrreA  (f  9.  September  1489')  folgte 
Gonzalez  de  Heredia,  am  13.  Juni  141)0  von  Barcelona  hieher  versezt. 
Er  war  gerade  damals  Gesandter  Ferdinand's  V.  in  Rom.  Er  weilte 
bis  c.  1500  in  Italien.  Er  starb  in  Tarragona  am  21.  November  1511. 
Er  machte  mehrere  fromme  Stiftungen.  Im  Juli  1513  wurde  der  schon 
bejahrte  Alfoos  de  Aragon  von  Tortosa  hieher  versezt,  der  schon  am 
26.  August  1514  mit  Tod  abging.  Petrus  Folch  de  Cärdona  war  bis 
zum  23,  März  1515  Bischof  von  Urgel  gewesen.  Er  war  Kanzler  der 
Könige  Ferdinand  V.  und  Carl,  Vicekönig  und  Generalcapitän  von 
iatalonien,  welche  Aemter  in  seiner  Person  zum  ersten  Male  vereinigt 
wurden.  Er  feierte  zwei  Provincial- Concilien,  deren  Constitutionen 
^ich  zum  Theil  erhalten  haben.  Das  Concil  von  1517  handelte  u.  a. 
über  die  Frage,  ob  und  wie  die  Provinz  den  dreifachen  Zehent,  wel- 
chen die  lezte  Sizung  der  fünften  Synode  im  Lateran  ausgeschrieben, 
entrichten  könne.  Es  schien  unmöglich,  da  die  Flotten  der  Türken 
die  Seegegenden  verwüsteten,  epidemische  Krankheiten  herrschten,  und 
^inc  lange  Unfruchtbarkeit  das  Land  heimgesucht  hatte.  König  Fer- 
ünand  ^unsterblichen  Andenkens'^  habe  sie  in  den  Cortes  seiner  lezten 
Jabre  als  exemt  von  solchen  Lasten  erklärt.  Sie  bitten  den  Cardinal 
Ximenes,  er  möge  sich  an  den  König  wenden,  dass  er  bei  dem  Papste 
iiir  sie  interccdire ,  damit  dieser  Zehent  sie  „nicht  ergreife,  nicht  er- 
I eiche"*).  Aber  schon  im  Jahre  1518  wurden  sie  von  einem  andern 
Zehent  „ergriffen  und  erreicht",  welchen  ihnen  ihr  König  Carl  durch 
Papst  Leo  X.  auflegte,  und  den  sie  wenigstens  theil  weise  entrichten 
inussten. 

Eine  zweite  Synode  berief  Petrus  Cärdona  im  Jahre  1529.  Er  concii 
sprach  von  der  grossen  Missethat,  den  Papst  in  der  Engelsburg  ge- 
iangen  zu  halten,  von  der  Plünderung  Rom's  durch  des  Kaisers  Trup- 
pe n,  wenn  es  auch,  wie  anzunehmen  war,  ohne  Wissen  des  Kaisers 
;.'tschah.  Carl  V.  verlangte,  wie  immer  und  überall,  Hilfsgelder  unter 
schweren  Bedingungen.  Die  Aebte  erschienen  zwar,  aber  erklärten, 
dass  sie  exemt  von  solchen  Versammlungen  seien.  Sie  erhielten  die 
Antwort,  wie  sie  die  Privilegien  des  Concils  genössen,  so  müssten  sie 
auch  dem  Concil  anwohnen.  Weiteres  theilt  Tejada  über  seine  Ver- 
bandlungen   nicht    mit^).    —    Dem    Erzbischof    Petrus    de    Cärdona 


■)  KircheDgesch.  III,  1,  S.  313. 

')  Der  Brief  an  Xim#nes  ap.  La  Fuentej  V,  p.  &88.  Das  Concil  wurde  in 
BaKekwa  gehalten  ((X>r(X8  del  arzob.  Costa  y  Barras,  tom.  V.  Baroelona  1866, 
p.  553—554). 

*)  Tefada  y  Bamiro,  Goleocion,  VI.  p.  115. 


168  Dreizehntes  Bach.    Viertea  Kapitel. 

(t  IL  April  1530)  —  folgte  im  Mai  1531  Ludmg  de  Caidona,  Yorher 
Bischof  von  Barcelona  (f  13.  NoTember  1532^);  diesem  sodann  der 
erwähnte  „Administrator^  Doria* 

Es  ist  sicher,  dass  vom  Jahre  1517 — 1564  —  13  Provincial- 
concilien  in  dieser  Kirchenprovinz  gehalten  wurden,  nämlich  1517, 
1523,  1524,  1529,  1530  bei  erledigtem  Size,  1534,  1536.  Im  Jahre 
1539  berief  der  General vicar  Franc.  Soldeovilla  ein  Concil  nach  Barce- 
lona. Die  Concilien  von  1541,  1543,  1546,  1554,  fanden  statt  unter  dem 
Generalvicar  Barthol.  Fuques;  endlich  im  Jahre  1560  unter  dem  Erz- 
bischof Ferd-  de  Loazes.  ^ 

Tarragona  scheint  die  einzige  Provinz  in  der  Kirche  gewesen  zu 
sein,  in  welcher  diß  Concilien,  vor  und  nach  der  Synode  von  Trient, 
in  fast  ununterbrochener  Regelmässigkeit  gehalten  wurden. 


§.  10. 

Die  beständige  Geldnoth  des  Kaisers  lag  als  beständiger  harter 
Druck  auf  der  Kirche  von  Spanien.  Im  Jahre  1523  gewährte  Papst 
Hadrian  VI.  dem  Kaiser  für  seine  Kriege  gegen  die  Türken  und  die 
Häretiker  ein  volles  Viertel  der  kirchlichen  Renten;  für  Castilien  ver- 
Beuci-  einbarte  man  sich  auf  ein  Subsidium  von  210.000  Aragonischen  Gold- 
^lera!.'  gnlden.  Im  Jahre  1532  gewährte  Papst  Clemens  VII.  dem  Kaiser  die 
Hälfte  des  Zehentertrages  eines  Jahres.  Die  Aufregung  darüber  war 
am  stärksten  in  Toledo  und  Cordova.  Alle  Kapitel  erklärten  „die  Un- 
möglichkeit, das  Verlangte  zu  leisten.^  Das  Kapitel  von  Cordova 
klagte  bei  dem  Papste;  denn  diese  Beschwerung  trat  zu  den  gewöhn- 
lichen Subsidien  an  den  Kaiser  noch  hinzu,  welche  Subsidien  bereits 
gewöhnliche  und  vorgeschriebene  Abgaben  waren.  Die  Präbendaten 
waren  entschlossen,  sich  von  dem  Chor  und  den  übrigen  kirchlichen 
Diensten  fem  zu  halten.  Am  26.  Juni  1533  erhielt  das  Kapitel  von 
Cordova  Briefe  vom  königlichen  Rathe.  Der  eine  befahl  ihm  unter 
schweren  Strafen,  dem  Chore  anzuwohnen^).  Ein  anderer  Bri^f  des 
Bischofs  Franz  Mendoza  von  Zamora,  Commissärs  in  dieser  Sache, 
befahl  dem  Kapitel  dasselbe  unter  Strafe  des  Bannes.  Das  Kapitel 
appellirte  an  den  Papst.  Da  der  Corregidor  der  Stadt  wusste,  dass 
die  Canoniker  nicht  nachgeben  würden,  so  drohte  er,   er  werde  das 


')  Unter  ihm  wurde  am  4  Deoember  1580  das  Domkapitel  s&eiilariBirt.  Es 
Kab  damals  23  GaDOoiker.  Die  BuUe  vom  4.  Deoember  1590  —  ap.  FtKonueva, 
t  XIX,  p.  252—259,  Apend.  XIV. 

')  Die  alte  apaniadie  Yermengang  des  Weltlioben  mit  dem  Geiatlicheiu 


Der  Kaiser  ab  Verkfiufer  kirchlicher  Gttter.  169 

Volk  gegen  sie  aufbieten,  und  darch  Menschenmasfien  mit  Gewalt  sie 
zwingen.  Am  27.  Juni  beschloss  das  Kapitel,  um  Gewaltthätigkeiten 
zvL  vermeiden,  den  Chor  zu  besuchen«  Es  schrieb  aber  an  den  Papst 
ond  den  Kaiser,  dass  es  ihm  nicht  zustehe,  so  grosse  Concessionen  zu 
fordern,  und  der  Kaiser  gab  nach*).  —  Auch  die  Kapitel  von  Toledo 
ond  Palencia  weigerten  sich,  zu  bezahlen.  Der  Kaiser  befahl,  dass  die 
Corregidoren  bei  der  Einsammlung  der  Zehnten  mitwirken  sollen.  In 
Palencia  war  der  Gottesdienst  50  Tage  eingestellt.  Da  aber  die  Cano- 
nicer  sahen,  dass  sie  nichts  ausrichteten,  gaben  sie  nach*}. 

Der  Kaiser  erlangte  von  den  Päpsten  Clemens  VII.  und  Paul  III. 
die  Erlaubniss,  die  Güter  der  Kriegsorden,  deren  beständiger  Admini- 
strator er  war,  zu  verkaufen.  Damals  kaufte  Arias  (Ares)  Pardo,  Neffe 
des  Cardinais  Joann.  Tavera,  dem  Kaiser  die  Villas  von  Malagon  und 
Paracuellos  am  Jarama  im  Erzbisthum  Toledo,  mit  allen  Ländereien, 
Vasallen,  Schlossern  und  Gerichtsbarkeiten  ab.  Die  eine  Besizung 
gehörte  dem  Orden  von  Santiago,  die  andere  dem  von  Calatrava. 
Diese  Ankäufe,  sagte  man,  bezahlten  sich  gut  und  dienten  dazu,  dem 
Hause  der  Medinaceli  mit  den  übrigen  Gütern  und  Stiftungen  der 
Familie  der  Tavera's  aufzuhelfen.  —  Im  Jahre  1541  verkaufte  der  Kaiser 
ao  seinen  Secretär  und  Günstling,  Juan  de  Samano,  um  1 7.566  Ducaten 
zwei  Drittheile  der  Primicias  (kirchlichen  Einkünfte)  der  Stadt  Alfaro 
nnd  seiner  Kirchen,  sowie  die  Zolleinnahmen  von  dem  Uebergang  über 
den  Ebro.  Das  Kapitel  von  Alfaro  bewies,  dass  die  Erträgnisse  des  « 
Verkauften  ein  Kapital  von  51.515  Ducaten  repräsentiren ,  und  der 
Kaiser,  wie  die  Kirche,  durch  den  Verkauf  enorm  beschädigt  werde, 
ohne  Erfolg.  Denn  der  Kaiser,  „verwickelt  in  seine  beständigen  Kriege, 
erschöpft  von  stetigen  Schuldforderungen  an  ihn ,  und  umringt  von 
Gewinnsüchtigen^,  konnte  diese  Schäden  nicht  mehr  gut  machen,  und 
die  Kirche  von  Alfaro  verfiel  auf  klägliche  Weise'). 


§.  11. 

Nicht  selten  zogen  die  Könige  unter  gewissen  Vorwänden  die 
Güter  verstorbener  Prälaten  an  sich.  Für  den  niedern  Klerus  traf  die  auf 
den  Cortesvon  Valladolid  —  1523  beantragte,  im  Jahre  1566  von  Phi- 
lipp IL  bestätigte  Verfugung  ein,  womach  deren  Güter  ohne  Unterschied 
an  ihre  testarischen  oder  Intestat- Erben  fallen  sollten,  wohl  in  Folge  der 


0  Gornea  Bravo,  Obispos  de  Gordovs,  I,  p.  434.  —  FueniSj  Y,  p.  198. 
*)  Eayßnald.  amuiU    ad  ann.  1533.  ^  Femandez  Pulgar^  Historia  de  Pa- 
lencia, 3  tom.,  Hadr.  1679  —  1680.  t.  11,  §.  3,  p.  173. 
V  Espafia  sagrada,  t.  50,  Madr.  1866,  p.  109. 


170  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Annahme,  dass  die  Kleriker  zu  Lebzeiten  genügend  die  überschüssigen 
Renten  ihrer  Beneficien  zu  frommen  Zwecken  verwendet,  und  mnn 
eine  compHcirte  Untersuchung  über  ihre  Vermögenstheile  nicht  an- 
stellen könne*). 

Der  Druck  auf  das  Kirchenvcrmögen  nahm  unter  Carl  V.  immer 
mehr  zu.  Klerus  und  Adel  konnten  die  harten  Abgaben,  wo?on  be- 
sonders die  Alkabala  verhasst  war^),  nicht  mehr  abwenden.  Die  im 
Jahre  ir^38  zu  Toledo  versammelten  Cortes  verweigerten  die  Annahme 
Carl  V.  (j^r  auf  Nahrungsmittel  gelegten  Steuer.  Der  Adel  berief  sich  auf 
Corte«,  seine  Vorrechte,  welche  ihn  von  jeder  Auflage  (taxo)  freisprachen. 
Voll  der  Entrüstung  jagte  Carl  die  Cortes  von  Castilien  und  Leon  aus- 
einander. Er  rächte  sich  an  dem  Klerus  und  dem  Adel.  Von  nun  au 
lyurden  die  Adeligen  und  die  Prälaten  nicht  mehr  zu  den  Cortes  be- 
rufen, nur  die  Vertreter  der  Städte  wurden  zugelassen^). 

Diess  war  die  Hand  der  Revolution  von  oben  herab,  welche  an 
den  Grundsäulen  der  ruhigen  Entwicklung  der  mittelalterlichen  Ver- 
fassung Spanien^s  rüttelte.  Nachdem  die  zwei  Stände  des  Adels  und 
Klerus  beseitigt  waren,  sanken  mehr  und  mehr  die  Cortes  zur  Un- 
bedeutendbeit  herab.  Es  lag  im  Belieben  der  folgenden  Könige,  sie 
gar  nicht  mehr  zu  berufen,  und  ohne  sie  zu  (miss-)  regieren.  Um  so 
mehr  wurde  von  nun  an  das  Kirchengut  von  den  Königen  heimgesucht. 
Nach  einer  Berechnung  des  Cardinais  Arn.  d'Ossat  bezog  der  König 
am  Ende  des  sechszehnten  Jahrhunderts  von  dem  Klerus  jährlich 
drei  Millionen  Golddukaten.  In  keinem  Lande  war  die  Erpressung  so 
furchtbar*).  Der  grösste  Theil  des  Einkommens  des  Klerus  war 
Zehent.  In  allen  Kämpfen  und  Conflikten  Bom's  mit  der  spanischen 
Regierung  aber  hatte  dieser  Klerus,  besonders  der  von  Castilien,  es  nie 
vermocht,  eine  Stellung  einzunehmen,  dass  sich  der  römische  Stuhl  auf 
ihn  stüzen  und  verlassen  konnte.  Eine  kirchliche  Opposition  gegen 
seine  eigne  Regierung  konnte  er  nicht  erschwingen.  Darum  zum 
grossen   Theil   wurden   ihm   stets   neue   und   unerschwingliche  Lasten 


*)  Ley  12,  tit  20.  L.  I.  Novis.  Becopil.  —  Coleccion,  p.  249. 

')  Decima  pretii  pars  omniiun  remm,  quae  vendantur  publice  vel  privatim, 
81  ve  eint  immobiles  sive  mobiles.  Covarriivias,  P.  II.  Relect  c.  Peccat  de  Beg.  Jur. 
in  6,  §.  5. 

')  Manuel  de  Colmeiro,  Gonstitucion  y  gobierno  de  los  reines  de  Leon  y 
Castilla^  Madr.  1855|  t.  ),  p.  388  —  sagt,  wenn  der  Adel  mit  den  Städten  sich  ver- 
bunden, so  hätte  der  Kaiser  Frieden  scbliessen  müssen.  „El  clero  y  la  nobleKa 
fueron  despedidos  con  enojo  de  los  Cortes,  para  no  volver  k  entrar  como  brazos 
dcl  estado  en  las  juntas  generalea  del  reino.  Moroni,  Diccion.  t.  68,  p.  123.  — 
Hergenröthm',  1.  c.,  p.  23. 

*)  Nee  toto  orbe  christiano  esse  Glerum  ullum  gravioribos  exactionibua  depres- 
sam  Card,  d'  Ossat,  epist.  10.  81 ,  ap.  Tkoma88tn,  Vetus  et  N.  etc.,  Fan,  III,  L.  I, 
c.  44  —  nr.  6.  — 


Die  Basilianer;  Capuziner.  171 

anfgelegt.  Davon  scheint  nur  das  neunzehnte  Jahrhundert  eine  Äns- 
oahme  zu  machen.  Die  angeblichen  Ueichthümer  der  Kirche  in  Spa- 
nien waren  für  den  Klerus  von  geringem  Werthe.  Der  eigentliche 
Nuzniesser  war  der  König  und  seine  Günstlinge. 


§.  12. 

Die   Basilianer   wurden   im  Jahre  15^0   in  Spanien    eingeführt'), 
nicht  ohne  Widerstreben  des  Raths   von  Castilien  und  einiger  klöster- 
licher Institute,    welche   sich   auf  päpstliche   Entscheidungen   beriefen, 
wornach  die  Mönche  des  Morgenlandes  die  Regel  des  heiligen  Basilius»  ^"'"•' 
die  des   Abendlandes    die   Regel    des    heiligen   Benedictus   annehmen    1540. 
sollten.     Franz  de  Mendoza,   Bischof  von  Jaeu  (1538 — 1543)  gab  die 
Regel  des  heiligen  Basilius  Einsiedlern  in  seinem  Sprengel.    Ihr  Führer 
war  Matthaeus  de  la  Fuente,  Schüler  des  Juan  de  Avila.    Sic  schlössen 
sich  später  an  die  Basilianer  in  Italien  an,  und  erlangten  in  drei  Pro- 
vinzen   in    Spanien   eine    weitere   Verbreitung*).     Später    wurden    die 
Capuziner  in  Spanien  eingeführt.    Von  Neapel  kam  Fray  Angel  Alarcon 
mit  iunf  Gefährten   im  Jahre   1Ö78.     Sie  fassten  zuerst  festen  Fuss   in 
Catalonien.     Es  g\nst  hier  leichter,    weil   die   beschränkenden  Verord-  ^"p"**" 
iinngen  des  Rathes  von  Castilien  nicht  eintraten.     In'  den  Jahren  1602    1578. 
<jnd  IßlS  wurden  auch  die  Capuzinerinen  zugelassen.    Nicolaus  Factor^ 
der  die  in  Valencia  ihm  angebotenen  Ehrenstellen  floh,  trat  zu  Barce- 
lona in   den  Orden,   und   starb   in   dem  von  ihm  gegründeten  Kloster 
'ier  strengen  Observanz  am  23.  December  1583  zu  Valencia.   Pius  VI. 
hat  ihn  „Selig'*  gesprochen  —  1786^).  —  Von  Aragonien  verbreiteten 
?ich  die  Capuziner  nach  Castilien  —    1606. 

Der  heilige  Franc,  von  Caracciolo  fiihrte  seinen  Orden  der  regu-  »iiadere 
laren  mindern    Brüder   selbst  in   Spanien   ein.     Er   kam   (lo94)   nach'*^^®'' 
Madrid   in    Begleitung   des   P.    (Lorenzo)  Aponte.     Er  gründete   ein 
eigenes  Kloster  daselbst;  später  gründete  man  Studienanstalten  zu  Alcala 
lind  Valladolid*). 


■)  Qarma,  Teatro,  tit.  2*.  p.  191. 

';  Der  beilige  Franc.  Xaver  trat  um  diese  Zeit  seine  MisnonBreise  in  Spanien 
ao.  Wie  wir  aber  von  den  Domiiiikanem  in  Spanion  nicht  im  Besondern  gehan- 
delt, ireil  Bie  der  allgemeinen  Kirchengeschichte  angehören,  der  Orden  anch  in 
Fnnkreieh  und  Italien,  wie  die  GesellschafI  Jesu,  gegrttndet  wurde^  so  handeln  wir 
bier  nicht  ttber  die  Gründung  der  Gesellschaft  Jesu. 

*)  Bein  Leben  sebrieben  Fr.  CriMval  Mcreno  (Gompluti  1588,  Roma  1590> 
Bareeiona  3618);  Josef  Ximenez  (Barcinon.  1618)  nnd  Joaquim  Company  (s.  Ya- 
)('Qda,  ErzbischOfe). 

0  Euseb.  Quintana,  Vida  de  San  Franc.  Caracciolo  (f  1606  in  Neapel). 
Pias  YIL  bat  ihn  1807  heilig  gesprochen. 


172  Dreizehntes  Bnch.    Vierte»  Kfipitel. 

§.  13. 

Im  Auftrage  seines  Ordens  war  Las  Casas  im  Jahre  1539  mit 
zwei  Ordensgenossen  wieder  nach  Europa  gereist.  Der  s.  g.  Indische 
Rath  war  jezt  seinen  Vorschlägen  viel  zugänglicher,  dessen  Präsident 
damals  Garcia  de  Loaysa,  selbst  Dominikaner,  Cardinal  und  Erzbischof 
von  Sevilla  war*).  Damals  schrieb  Las  Casas  sein  berühmtes  Werk: 
„Die  Zerstörung  von  Indien"').  Das  Buch  wurde  dem  Kaiser,  der  ans 
Deutschland  zurückgekehrt  war,  und  seinen  Ministern  vorgelegt,  und 
frühe  in  verschiedene  Sprachen  übersezt.  Dadurch  kamen  die  Spanier 
im  Auslände  in  einen  schlimmen  Ruf.  Von  den  Verdiensten  der  Missio- 
näre wusste  das  übrige  Europa  wenig  oder  nichts.  Man  ^chte  nach 
Eraften  die  Darstellung  des  Las  Casas  als  Uebertreibungen  erscheinen 
zu  lassen'),  der  allerdings  ^,wild"  übertrieb,  wenn  er  Hispaniola  von 
3  —  4  Millionen,  statt  von  —  300.000  Menschen  bewohnt  sein  lässt. 
Auf  Wunsch  Carl's  verfasste  er  auch  eine  Schrift  über  das  Commen- 
L«8  cä.  denwesen  in  Westindien.  —  Im  Jahre  1642  wurde  der  Licentiat  Jvtan 
Jahre.  ^^  Figueroa  als  Visitator  nach  Westindien  gesandt.  Las  Casas  und 
die  Dominikaner  Juan  de  Torres,  Mathias  de  Paz  und  Petrus  de  An- 
gulo  wirkten  auf  das  Gewissen  des  Kaisers  ein.  In  Valladolid  wurde 
eine  grosse  Versammlung  von  Theologen  und  Juristen  gehalten,  deren 
Präsident  der  Erzbischof  von  Sevilla^  zugleich  Präsident  des  Rathes 
von  Castilien,  war.  Eine  neue  Berathung  hielt  Carl  V.  zu  Barcelona, 
der  die  Cardinäle  Loaysa  und  Granvella,  sowie  des  Kaisers  Beicht- 
vater, Anton,  de  Guevara,  anwohnten.  Der  Kaiser  und  Granvella  traten 
den  Vorschlägen  des  Iais  Casas  bei^).  Es  wurden  nun  die  neuen  Gre- 
seze  erlassen,  welche  im  Allgemeinen  die  mildere  Behandlung  der 
Indianer  zum  Zwecke  hatten^).  Unbedingt  wird  die  Sklaverei  der 
Indianer,  ihre  Verwendung  zur  Perlenfischerei  wird  bei  Todesstrafe 
verboten.     Diese  Arbeit    blieb    den   Negersklaven   vorbehalten.     Die 


')  Er  folgte  als  solcher  dem  Cardinal  Alfons  de  Manriqne  (1534  —  13.  Mai 
—  t  28.  September  ir>38),  der  selbst  dem  mehrgenannteo  DidacnsDesa  gefolgt  war. 
Er  war  Erzbiachof  vom  11.  Jali  1539  an,  und  f  zu  Madrid  am  22.  April  154i.  Ihm 
folgte  der  gleichfalls  mehrgenannte  Grossinqnisitor  Ferdin.  Valdös  (1546,  20.  Sep- 
tember, t  in  Madrid  9.  December  1568)^  der,  neben  seinen  übrigen  groBsartigen 
Schöpfungen,  im  Jahre  1568  zu  Sevilla  eine  Anstalt  Hlr  aosgesezte  Kinder  grfkndete. 

*)  Brevlsima  relacioa  de  la  destmycion  de  las  Indias  occidentaleB  por  los 
Gastellanos.  Sevilla  1552. 

*)  Juan  Nuix,  S.  J.,  Beflexiones  imparciales  sobre  la  homanidad  de  los  EsfMi- 
fioles  en  las  Indias  contra  los  pretendidos  filösofos  etc.,  Madr.  1782«  —  Ose,  Pescfiel^ 
Zeitalter  der  Entdeckangen,  S.  546. 

*)  Edps,  vol.  IV,  L  18.  cp.  1. 

')  Herrera,  Decas  VII,  1.  G,  cp.  10. 


Die  neuen  Gesese  von  1542—1543.    Die  Dominikaner.  173 

Commenden  sollten  baldmoglich  an  die  Krone  zurückfallen,  gegen 
Entschädigung  an  die  Besizer  oder  ihre  Erben.  Neue  Belehnungen 
sollten  nicht  mehr  stattfinden.  —  Der  Widerstand  gegen  die  Aus- 
führung war  natürlich  sehr  gross.  Eine  Deputation  von  Mexico, 
welche  den  Kaiser  im  Jahre  1546  in  Regensburg  traf,  erlangte  die 
Concession,  dass  die  Commenden  für  zwei  weitere  Generationen  fort- 
bestehen sollten.  Aber  unter  dem  Yicekönig  Velasco  (1561 — 1564) 
worden  mehr  als  150*000  Indianer,  Weiber  und  Kinder  nicht  einge- 
rechnet, die  in  den  Minen  arbeiteten,  freigelassen.  Schlimmer  ging  es 
in  Peru.  Hier  brach  Bürgerkrieg  aus;  der  Yicekönig  verlor  im  Kampfe 
das  Lebea.  Der  Kleriker  Petrus  de  la  Qascaj  Präsident  des  Gerichts- 
hofes von  Lima,  schlug  den  Aufstand  nieder,  und  verschaffite  den 
Denen  Gcsezen  Eingang.  Das  Commendenwesen  nahm  überhaupt  eine  ^«><^»- 
mildere  Form  an.  Das  Princip  der  Freiwilligkeit  und  der  Bezahlung 
der  Indianer  trat  immer  mehr  an  die  Stelle  der  Sklaverei.  Der  Ein- 
fluss  der  Earche  wurde  mächtiger;  die  Lage  der  Indianer  wurde  eine, 
bessere.  Sie  wurden  von  den  Bischöfen  und  dem  Klerus  überhaupt  in 
Schüz  genommen.  Ihr  Loos  war  nun  nicht  mehr,  wie  in  den  ersten 
Jahrzehnten,  durch  die  Spanier  von  dem  „Erdboden  hinwegcultivirt  zu 
werden^%  sondern  durch  die  wahre  Cultur  des  Ghristenthums  auch 
wahrhaft  gebildet  und  erhalten  zu  werden.  Wie  aber  in  Europa  die 
Sklaverei  aus  der  heidnischen  Zeit  nicht  auf  einmal ,  nicht  durch  eine 
äassere  Umwälzung,  sondern  durch  eine  innere  Umwandlung  allmälig 
und  fast  unbemerkbar  aufgehoben  wurde,  so  waren  es  nicht  einzelne 
Geseze  oder  Akte,  welche  die  Sklaverei  der  Indianer  aufhoben;  diese  ^'* 
Anihebung  vollzog  sich  vielmehr  durch  das  stille  und  verborgene  kuier 
Wirken  jenes  christlichen  Geistes ,  der  wehet ,  wo  er  will ,  dessen  »|«  v®''- 
kräftige  Organe  aber  die  katholischen  Bischöfe  waren.  —  Dass  die  '^^ 
Bischöfe  aus  dem  Orden  des  heiligen  Dominikus  den  übrigen  voran- 
gingen, muss  man  voraussezen.  Dieser  Orden  hatte  ja  die  Befreiung 
der  Indianer  zu  seiner  Lebensau%abe  sich  gesezt.  Neben  dem  ge- 
nannten Julian.  Garcte,  Bischof  von  Puebla  (1529 — 1542)  und  dem 
Barth.  Las  üasas,  der  von  1544 — 1650  Bischof  von  Chiapa  war^  ragt 
hier  der  Dominikaner  Thomas  del  Toro,  im  Jahre  1532  erster  ernannter 
Bischof  für  Cartagena,  hervor.  Gebrochen  von  den  Leiden  und  Ver-  , 
folgungen  gegen  die  Indianer,  starb  er  um  das  Jahr  1536,  in  der 
Blüthe  der  Jahre,  noch  vor  Empfang  der  Bischofsweihe.  Hieron.  de 
Loca/sa,  aus  demselben  Orden,  war  zwei  Jahre  lang  Bischof  von  Carta- 
gena (1538 —  154D),  und  wurde  dann  erster  Erzbischof  von  Lima.  Er 
bat  sich  vor  Annahme  seines  Amtes  die  königliche  Gnade  aus,  die 
Indianer  beschüzen  zu  dürfen,   um  sie  so  leichter  zu  bekehren^).     Zu 


*)  A  Tcuron,  histoire  gönörale  de  rAmeriqae,  T.  II,  1.  i» 


174  Dreizehntes  Hnch.    Viertes  Kapitel. 

diesen  Bischöfen  gehörten  ferner  Franc.  Marroquin  von  Guatemala 
(1537 — 1563)  und  Anton.  Valdivieso  von  Nicaragua,  gleichfalls  ein 
Dominikaner.  Dieser  reiste  noch  als  Missionär  zum  Schuze  der  In- 
dianer zu  Kaiser  Carl  V,,  der  ihm  Hilfe  versprach,  und  ihn  zum  Bischot 
ernannte  (15'J4).  Fünf  Jahre  lang  kämpfte  er  unermüdlich  für  seine 
Schüzlinge.  Er  schloss  zulezt  die  Hartnäckigen  von  der  Kirche  aus. 
Der  Statthalter  Rodrigo  de  Contreras  erhob  mit  seinen  beiden  Söhnen 
die  Fahne  des  Aufruhrs  gegen  den  König.  In  seiner  eigenen  Wohnung 
wurde  der  Bischof  von  Contreras  ermordet  —  26.  Februar  1549,  und 
starb  so  als  Märtyrer  für  die  Freiheit  der  Indianer*). 

Als  La8  Casas  im  Jahre  1543  bei  dem  Kaiser  zu  Barcelona  war, 
so  schlug  er  das  ihm  angetragene  reiche  Bisthum  Cuzco  aus,  nahm 
aber  das  neugegründete  arme  Bisthum  Chiapa  an,  in  welches  er  mit 
24  Dominikanern  im  Jahre  15-14  sich  begab.  Zu  S.  Domingo  wnirde 
er  schlecht  behandelt;  er  war  ja  den  Spaniern  der  verhasstcste  Mann 
in  der  „neuen  Welt."  Wie  Pestkranke  wurden  er  und  seine  Gefährten 
geflohen.  —  In  Chiapa  selbst  trozte  er  muthvoll  allen  Stürmen.  Im 
Jahre  1547  reiste  er  wieder  nach  Spanien  zurück,  um  den  liest  seiner 
Tage  dort  zum  Schuze  der  Indianer  zu  vollenden.  Er  zählte  bereits 
77  Jahre,  und  in  Spanien  war  seine  Wirksamkeit  viel  umfassender. 
Bei  dem  spätem  König  Philipp  II.  fand  er  sehr  grosse  Unterstuznng. 
—  Noch  nach  seiner  Abdankung  nahm  sich  auch  Carl  V.  aus  seiner 
Einsiedelei  in  S.  Yust  seiner  an.  Die  Commenden  blieben  in  der 
Hand  der  Regierung,  wurden  aber  erst  unter  König  Carl  VI.  ganz 
abgeschafft.  In  dem  Kloster  seines  Ordens  zu  Madrid  starb  Las  Casas 
am  31.  Juli  1566,  Ü2  Jahre  alt»). 

§.  u.    • 

Carl's  einziger  legitimer  Sohn,  Philipp,  wurde  sehr  frühe  zu  den 
Staatsgeschäften  gezogen.  Als  er  erst  zehn  Jahre  zählte,  musste  er 
mit  seiner  Mutter  den  Cortes  zu  Valladolid  präsidiren,  in  welchen  die 


0  Davila,  Teatro  edesiastico  de  las  Indias,  I.  p.  236.  ~  Touron,  1.  2, 
cp.  63. 

*)  S.  tlber  ihn  die  erwähnten  Werke  von  Llorente  (1822).  —  Man,  Jos.  Quiti- 
tana,  Vidas  de  Espatioles  celebres,  Madr.  1807  —  30  —  33,  Paris  1845.  —  Navar- 
Tete,  Colecclon  de  viages,  5  t.,  Madr.  1825  —  1837  (Weise,  über  Las  Casas^  in: 
lügen's  Zeitschrift  für  die  histor.  Theologie,  18J4,  S.  166—319).  —  PrescoU,  Con- 
quest  of  Mexico,  New- York,  1850,  2  t.  —  Arthur  Helps,  the  Bpacisch  Conqnest 
(und  colonization)  in  America,  4  vol.,  Lond.  1^55—1861  (bes.  über  Las  Casas). 
Margraf,  Kirche  und  Sklaverei  in  Amerika.  Tüb.  1865.  -  Ose.  Pesi^iel,  1858 
(und  1877),  besonders  2.  Buch,  10.  Kap.  3.  Bnch,  8  Kap.  —  Peschd  theilt  reich- 
liehe  Auszüge  aus  der  damala  noch  nicht  gedruckten  Qeschichte  von  Westindien  mit. 


Philipp's  ir.  Anfänge.  17b 

Procuratoren  der  Städte  151  Petitionen  Torbrachten.  Phillpp's  Mutter 
starb  zu  Toledo  schon  am  1.  Mai  1539').  Ihr  Leichnam  wurde  durch 
Franc.  Borgia  nach  Granada  gebracht.  Der  Anblick  ihrer  durch  den 
Tod  entstellten  Züge  erschütterte  den  jungen  Mann  derart,  dass  er 
der  Welt  innerlich  entsagte,  später  in  die  Gesellschaft  Jesu  eintrat, 
und  in  ihr  znm  Heiligen  heranwuchs.  Carl  V.  Yermählte  sich  nicht 
mehr.  Philipp  wurde  um  so  bälder  in  den  Ernst  des  Lebens  einge- 
führt. Mit  hoher  Verehrung  und  Liebe  hing  er  stets  an  seinem  Vater. 
Als  Carl  im  Jahre  1541  Von  seinem  unglücklichen  Feldzug  nach  Algier  ^'^'', 
zurückgekehrt,  schrieb  ihm  Philipp  einen  ebenso  zärtlichen  als  ernsten  jugend. 
Trostbrief.  Im  Jahre  3542  schon  ruckte  er  zum  Schuze  Spanien's 
gegen  die  eingefallenen  Franzosen  in  das  Feld;  seine  feste  und  kluge 
Haltung  erwarb  ihm  die  Verehrung  des  Heeres  wie  des  Volkes.  Im 
Jahre  1542  traten  die  Cortes  von  Castilien,  welche  ihm  schon  im  Alter 
von  eilf  Jahren  gehuldigt  hatten,  wieder  in  Valladolid  zusammen.  Die 
Deputirten  brachten  hier  16  Gesuche  vor.  Nachher  traten  die  Cortes 
von  Aragonien  in  Monzon  zusammen,  und  huldigten  Philipp  als  künf- 
tigem Konige  von  Aragonien.  Im  Jahre  1543  verliess  Carl  V.  das 
Land  auf  mehrere  Jahre.  Philipp  wurde  Regent,  unter  einem  Regent- 
schaftsrathe,  an  dessen  Spize  der  Herzog  von  AJba  stand.  Schon  am 
12.  November  1543  ging  Philipp  seine  erste  Ehe  mit  der  Infantin 
D.  Maria  von  Portugal  ein.  Am  8.  Juli  1545  gebar  Maria  den  In- 
fanten D.  Carlos  traurigen  Andenkens.  Vier  Tage  nach  der  Geburt 
ihres  Sohnes  starb  D.  Maria,  und  hinterliess  Philipp  als  Wittwer  mit 
achtzehn  Jahren*). 

Philipp  fahrte  die  Regentschaft  in  Spanien,  bis  er  im  Herbst 
1548  za  seinem  Vater  nach  Belgien  reiste.  In  seiner  Abwesenheit 
fahrte  Maximilian  (II.)  von  Oesterreich,  Gemahl  Maria's,  der  Tochter 
des  Kaisers,  die  Regentschaft  in  Spanien.  Die  Reise  Philipp's  ging  über 
Italien,  wo  ihm  Papst  Panl^HI.  das  geweihte  Schwert  der  Kirche  iiber- 
reichte,  xAer  München  und  die  Reinpfalz  nach  Brüssel.  Da  er  die  Sprache 
des  Landes  nicht  kannte,  auch  sehr  ernst  und  zurückhaltend  war,  gefiel 
er  den  Belgiern  nicht.  Seine  durchaus  spanische  Art  machte  ihn 
popolär   bei   den  Spaniern,   unbeliebt  bei   den   Niederländern').     Im 


0  Marez,  Reynaa  Catholicas,  D.  Isabel  Emperatriz,  t  11,  p.  865—877.  — 
Plorez  führt  zwei  «Amigas*  des  Kaisers  an,  Margarita  Vangest,  die  ihm  im  Jahre 
1522  seine  Tochter  Margaretha  gebar,  und  Barbara  Blomberg,  die  am  24.  Februar 
1515,  an  des  Kaisers  eigenem  Geburtstage,  den  D.  Juan  d*  Austria  gebar. 

^  Der  Leichnam  wurde  nach  Granada,  im  Jahre  1.^74  aber  durch  Philipp  11. 
in  den  Escurial  zurückgeführt.   Florez  II,  S.  883—889. 

*)  Rarissime  Tolte  va  fuora  in  Campagna,  ha  piacere  di  starsi  in  Camera,  co 
saoi  favoriti,  a  ragionare  di  cose  private;  et  se  talF  hora  Tlmperatore  lo  manda 
la  visita,  si  scusa  per  godere  la  solitlt  quiete.  —  Relatione  dl  Marino  Cayalli ,  ap« 


176  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Herbst  1650  ging  er  mit  seinem  Vater  zum  ßeichstage  nach  Augsburg. 
Sehr  früh   trat  dieser  Unterschied   von   seinem  Vater   in    dem  Wesen 
Philipp's  II.  hervor.     Carl  V.  war   bei    den  Belgiern   ein  Belgier,   bei 
den  Deutschen  ein  Deutscher,  bei  den  Italienern  ein  Itxiliencr,  bei  den 
Spaniern    ein  Spanier,   er   war   von   der    seltensten  Vielseitigkeit   des 
Geistes.     Philipp  war  ein  exciusiver  Spanier.     ,,Er  war  in  jedem  Ding 
ein  Spanier*).    Er  redete  von  nichts,  und  schien  an  nichts  zu  denken, 
als  an  Spanien.^^    Auch  seine  Rathgeber  und  Begleiter  waren  exclusive 
Spanier.    Die  Belgier  fürchteten,  wenn  er  zur  Regierung  käme,  wurde 
er    die   wichtigsten  Stellen    in  Flandern  ebenso   mit  Spaniern  besezen, 
wie  sein  Vater    die   wichtigsten  Aemter   in  Castilien   mit  Flamländern 
besezt  hatte*).     Der  Kaiser  schien  von  der  Unpopularität  seines  Sohnes 
nichts  zu  ahnen.    Auf  dem  Reichstage   zu  Augsburg  im  August  1550 
wollte  er  die  Reichsfursten  zu  Philipp's  Wahl   zum  romischen  Könige 
bewegen.     In  seinem  Gesuche  oder  Vorschlage  sagt  Carl  V.,  er  selbst 
sei  kränklich,  fühle  täglich  die  Abnahme  seiner  Kräfte  und  werde  stets 
an  seinen  nahen  Tod  erinnert.    Sein  Bruder,  obwohl  damals  römischer 
König,  sei  kaum  drei  Jahre  jünger  und  ebenso  den  Gesezen  der  Natur 
unterworfen  (er   zählte   aber  erst   47  Jahre   und   lebte   bis  zum  Jahre 
1564).     Sein  Sohn  Philipp  aber,   Prinz  von  Spanien,  überrage  weitaus 
die  übrigen  Fürsten  des  Reichs  an  Macht  und  Gewalt,  alle  andern  an 
Reife  des  Geistes,  Glück  und  Geschick  in  Fuhrung  der  Geschäfte,  er 
sei   an  Fülle   der  Tugenden    und  Gewandtheit   des  Geistes   ganz  voll- 
kommen.    Niemand  sei  darum  geeigneter,  die  Zügel  der  Regierung  des 
römischen  Reiches  zu  ergreifen  und  zu  fuhren.     „Den  deutschen  An- 
gelegenheiten habe   er   sich    mit   besonderem  Eifer  zugewandt,    da   er 
gleichsam,    einem  Drange  seiner  Natur  folgend,   oft  mit  aller  Energie 
sich  mit  denselben  befasse  ^;.^     Er  mahne  und  bitte  nun  die  Churfürsten 
in  feierlicher   Weise,    ihn    zu   ihrem   Könige   zu   wählen,    damit    nach 
seinem  Tode  keine  Uneinigkeit   über  die  Wahl    entstehe^).    Obgleich 
dieses  Document  den  Namen  CarFs  und  Ferdinand's  an  seiner  Stirne 
ti'ägt,   so  war  Ferdinand  doch  mit  seinem  Inhalte  nicht  einverstanden. 


WiU.  PrescoUy  History  of  the  reign  of  Philip  the  Seqpnd,  King  of  Spain,  (3  tum.), 
Philadelphia,  1874,  I,  p.  58. 

')  He  was  in  every  thing  a  Spaniard. 

*)  W.  Prescott,  I,  p.  59  —  alla  quäl  natione  (der  Spanier)  ö  inclinato  piü  di 
quelle  che  si  convenga  a  prencipe  che  voglia  dominaf e  a  diveral.  Mar.  Cavalli,  1.  c. 

')  Renim  germaDicarom  imprimia  stadiosum  esse ,  ut  veluti  natnrae  duetn 
spoDte  ad  illarum  vehemeotem  cogitationem  sepenomero  rapitur  (?}.  Dagegen  sagt 
der  Spanier  Septdveda:  Philippas  ipse  Hiapaniae  deaiderlo  magnopere  aeatnabat^ 
nee  aliud  quam  Hispaniam  loquebatur.   Sepulv.  opp.  t.  II,  p«  401. 

*)  Döüinger^  Documenta  zur  Gesch.  Garra,  Philipp'a  II.  und  Ihrer  Zeit  Aus 
•panischen  Archiven  (von  Heine),  Regenab.  1662,  p.  168—- 169. 


Philipp  Qod  Carl  V.  in  Deatschland.  1650-1551.  177 

Er  wollte  weder  selbst  verzichten,  noch  Philipp  als  seinen  Erben  adop- 
tiren.  Die  väterliche  Liebe  aber  blendete  den  Kaiser  derart,  doss  er 
in  seinem  Sohne  Eigenschaften  sah,  die  Niemand  sonst  in  ihm  ent- 
deckt. Die  Deutschen  wollten  mit  Recht  einen  Deutschen  zum  Kaiser 
haben.  Philipp  und  die  Deutschen  gefielen  sich  noch  weniger,  als  sich 
Philipp  und  die  Niederländer  gefielen.  —  Philipp  musste  den  Fürsten 
in  lateinischer  Sprache  sich  verständlich  zu  machen  suchen.  Wenigstens 
die  Fürsten  bewegten  sich  schwer  in  dieser  Sprache.  So  wurde  denn 
za  Augsborg  am  9.  März  1&51  eine  Kapitulation  zwischen  Ferdinand 
nnd  Philipp  geschlossen,  nach  welcher  Philipp  auf  Ferdinand  in  der 
Eigensch&ft  als  deutscher  Konig,  auf  Philipp  aber  Ferdinands  Sohn, 
Maximilian,  folgen  sollte ').  E2s  war  diess  mehr  ein  anständiger  Rück- 
zag für  den  Kaiser.  Denn  abgesehen  von  den  Reichsfursten ,  waren 
aach  Ferdinand  und  Philipp  für  die  Ausfuhrung  dieses  Abkommens 
Dicht  begeistert»  —  Die  Reichsfursten  wollten  Philipp  auch  darum 
nicht,  weil  sie,  wie  sie  meinten,  »genug  unter  dem  despotischen  Tempera- 
mente CarFs  Y.  gelitten  hätten'),  und  sie  fürchteten,  dieses  Tempera- 
ment mochte  in  der  Person  seines  Sohnes  nicht  gemässigt  sein.  Die 
protestantischen  Reichsfursten  hoflften  besonders  von  Maximilian,  dass 
er  ihren  Bestrebungen  günstig  sein,  wenn  nicht  gar  zu  ihrer  Religion 
übertreten  werde.  Von  Philipp  konnten  sie  solches  nicht  hoffen'). 
Im  Sommer  1551  kehrte  Philipp  mit  Freuden  nach  Barcelona  zurück  — 
S«  Juli  1551,  und  übernahm  wieder  die  Regentschaft  von  Spanien,  nachdem 
sanuntliche  hochfliegende  Pläne  seines  Vaters  mit  ihm  zerronnen  waren. 

§.   15. 

Nach  einem  Wittwenstande  von  acht  Jahren  sollte  Philipp  ge- 
mäss dem  Willen  seines  Vaters  eine  zweite  Ehe  eingehen.  Diese 
zweite  Frau  war  aber  nicht  die  Auserwählte  seines  Herzens,  sondern 
die  Auserwählte  seines  Vaters,  der  vor  allem  an  die  Vermehrung  seiner 


■)  8.  die  KapItalatioB  ap.  DolUnger,  1.  e.  p.  169  —  173.  Dasa  eine  Erklärung 
Philipp*«  vom  gleiclieD  Tkge,  daas  er  die  Kapituladonsponkte  halten  wolle,  S.  173 
—175.  In  einem  weitem  Docnmente  (alle  drei  in  spaniaclier  Sprache)  verspricht 
Philipp,  dassy  wenn  er  seiner  Zeit  von  Ferdinand  an  seinem  Stellvertreter  in  Italien 
ernannt  werden  sollte,  er  dort  seinen  Pflichten  entsprechen  werde,  p.  175—177. 

*)  PrueaU,  I,  p.  60.  «They  had  saffered  enongh  from  the  despotic  temper 
of  Charies  the  Fiftfa;  and  this  temper  they  had  no  reason  to  think  wonld  be mitiged 
ia  tbe  penon  of  Philip. 

*)  Fa  pooo  grato  a  Italiani,  ingratiasimo  a  Fiamenghi  et  a  Tedeschi  odioso. 
ReUzione  di  Michele  Sariano^  H.  S.  ap.  Prescott^  p.  61.  —  PheUpe  segnndo, 
rey  de  Espafia  (haata  1583) ,  ponr  Luis  Cabrera  de  Cordova.  Madr.  1619,  fol.  -* 
Üb.  I,  eg.  3.  —  Oe.  LeH,  Vita  di  FiUppo  II.,  t.  I,  p.  195  — 198.  —  Sepulvtdae, 
JooMnü  OenßBii  (t  1571),  opera,  t.  IV,  4*.  Madr.  17£0.  t  11,  p.  399-401. 

QftBft  tpaa.  Kirch«.  UL  S.  Jg 


Phi- 


178  Dreizehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Macht  in  Europa  dachte.  Maria,  genannt  die  „Katholische^,  wurde 
im  Jahre  1653  Königin  von  England*  Sie  war  die  einzige  Tochtei 
Heinrich's  VIII.  und  Catharina's  von  Aragonien,  sie  war  also  Gross- 
tante Phiiipp's  II.,  nnd  zählte  schon  38  Jahre,  Philipp  erst  25  Jahre 
Sie  war  von  schwacher  Gesundheit,  nnd  von  frühem  Kummer  abge- 
zehrt. Ihre  geistigen  Gaben  und  Eigenschaftenr  waren  sicher  ausge- 
zeichnet Gern  willigte  sie  in  die  von  Carl  V.  ihr  vorgeschlagene 
Heirath  ein.  In  dem  Heirathsvertrage  waren  alle  Rechte  und  An- 
sprüche England's  sorgsam  gewahrt  Im  Juli  1654  begab  sich  Philipp 
nach  England;  am  25.  Juli  wurde  die  Vermählung  gefeiert  Philipp 
gab  sich  die  grosste  Mähe,  das  Vertrauen  und  die  Liebe  der  Eng- 
länder sich  zu  erwerben,  und  schien  bei  ihnen  auch  Anerkennung  zu 
finden.  Als  Legat  des  heiligen  Stuhles  erschien  der  Cardinal  Reginala 
ji  '^^  PoUj  eine  Zierde  der  Kirche  wie  der  englischen  Nation.  Die  Stimmung 
In  £Dg-in  England  war  im  Ganzen  diese:  „Man  war  in  die  neuen  Lehrer 
*^^  ohne  Prüfung  hineingerathen^  auf  Konigsbefehl ,  grossen  Theüs  ohm 
innern  Drang,  viele  wider  Willen.  Wenige  waren  durch  eigenes  Nach- 
denken so  sehr  darin  zu  Hause,  dass  sie  sich  ihrer  nicht  leichten 
Kaufes  hätten  entschlagen  mögen«" 

Das  Parlament  stellte  vor  AUem  die  Ehe  Heinrich's  VIU.  mii 
Catharina  wieder  her;  gab  dann  seinem  Willen  dazu,  dass  der  Kelch 
den  Laien  entzogen,  dass  der  Colibat  der  Geistlichkeit  wieder  ein- 
geführt werde.  Als  Elisabeth  von  England  in  eine  Verschwörung 
gegen  Maria  verwickelt  zu  sein  schien,  erwirkte  ihr  die  Fürsprache 
Phiiipp's  Leben  und  Verzeihung.  Ganz  anders  dachte  hierin  seil 
Vater,  der  aus  politischen  Gründen  auf  die  Hinrichtung  der  Throa 
praetendentin  Johanna  Gray  drang. 

Im  Novembar  1554  erschien  Cardinal  Pole  vor  dem  Parlamente 
und  ermahnte  es  zur  Aussöhnung  mit  der  Kirche.  Er  brachte  voi 
Rom  das  Zugeständniss,  dass  die  jezigen  Besizer  eingezogener  Kirchen^ 
guter  in  deren  Besize  nicht  gestört  werden  sollten.  Diess  war  bei  de 
Mehrzahl  der  Deputirten  die  Hauptfrage.  Am  18.  November  &Dd  di< 
feierliche  Aussöhnung  statt  Der  Antrag  ging  bei  den  Lords  ohn< 
Widerspruch  durch.  Das  Unterhaus  zählte  etwa  320 — 330  Mitglieder! 
Hier  erhoben  sich  nur  zwei  Stimmen  dagegen,  die  auch  bald  ver 
stummten.  Es  hiess  in  dem  Parlamentsbeschlusse:  „Man  gedenki 
mit  Keue  und  Leidwesen  des  Abfalles^.  In  feierlicher  Sizung  beide 
Hänser  und  in  Gegenwart  des  Königspaares  löste  nun  der  papstlichi 
Legat  das  Königreich  England  von  dem  Fluche  der  Kezerei  (30.  Ko^ 
1654).   Den  Schluss  machte  ein  Te  Deum  in  der  Palastcapelle '). 


*)  Also  der  Protestant  DcMmann  in:  €U»ch.  der  eoglischen  Reformatio^ 
6.  Auf.,  1848,  S.  80—81  (6.  Aufl.  1863,  S.  74).  —  J.  Lingard^  Geacbiohte  von  England 


finde  CarPs  V.  l79 

Die  Hoffnungen  der  Katholiken  gingen  nicht  in  Erfüllang.  Die 
Ehe  Philipp's  nnd  Maria's  blieb  kinderlos.  Die  Opposition  gegen  die 
Königin  wuchs.  Philipp  kehrte,  von  seinem  Vater  abberufen,  nach 
Belgien  zurück  —  September  1555. 


§.  16. 

Niedergebeugt  durch  körperliche   Leiden   und  beständige  Miss- 
geschicke in  den  lezten  Jahren  wollte  der  Kaiser  der  Regierung  ent- 
sagen.   Am  25.  October  1555  trat   er  zu  Brüssel  die  Herrschaft  über 
die  Niederlande  an  seinen  Sohn  ab  *).    In  seiner  Abschiedsrede  sprach 
der  Kaiser  u.  a.  gegen  seinen  Sohn  den  frommen  Wunsch  aus:  „Möge 
der  Allmächtige  dich  mit  einem  Sohne  segnen,  welchem  du,   wenn  du 
einst  alt  und  von  Krankheit  heimgesucht  sein  wirst,  deine  Königreiche 
mit  der  nämlichen  Gesinnung  zu  übergeben  vermagst,  mit  welcher  ich 
dir  jezt  diese  Niederlande  übergebe."    Dieser   fromme  Wunsch   ging 
in  keiner  Weise   in  Erfüllung.    Don  Carlos  wuchs   nicht  zum  Tröste, 
sondern  zum  bittersten   Herzeleid  seines   Vaters  heran«     Die  Augen 
Philipp's  (III.)   aber  schauten   ängstlich  umher,   ob  nicht  Jemand  da 
sei,  dem   er  gehorchen   konnte.    Wenn   aber  ein  unbeschränkter  Mo- 
narch nur  gehorchen,  nicht  befehlen  kann,  so  gehet  sein  Volk  und  Land 
den  Krebsgang.     Da  Philipp  II.  des  Flämischen  nicht  mächtig  war,  so 
sprach  er  nur  einige  franzosische  Worte  zu  den  Vertretern  der  17  Staaten  pi^uipp 
der  Niederlande,  nnd  liess   statt  seiner   den   Cardinal   Granvella  eine   gi^^. 
wohlgesezte  Rede  halten ').  —  Am  16.  Januar  1556  übertrug  Carl  zu 
Brüssel  seinem  Sohne  die  Reiche  Castilien  und  Aragonien,  nebst  deren 
Nebenländem,  in  Gegenwart  von  Mitgliedern  des  spanischen   Adels. 
Am  15.  September  1556  schiffte  sich  der  Ex-Kaiser  nach  Spanien  ein, 
um  den  Rest  seiner  Tage  im  dem  EUeronymiter  -  EJoster  S.  Just  bei 


Qbers.  von  Balis,  Bd.  VU,  Frankf.  1828,  S.  203—212.   —  Prescott,   L  c.  t.  I, 
p.  6S-130. 

i  *)  Coleocion  de  Docamentos  inöditos  pars  la  historia  de  Eapafia,  t.  VII, 

ptdr.  1845.  —  Forme  de  que  usö  el  emperador  caando  hfzo  oeslon  de  los  Paises- 
Wijos  en  la  persona  del  rey  Felipe  II,  p.  534  sq.  —  Chckardy  Analectes  Belgi- 
Jllttes,  Paris  1830,  p.  76—81.  —  Weiss,  Charles,  Papiers  d'£tat  da  cardinal  de 
•Granvella,  Paris  1843,  t.  IV,  p.  486.  —  PnscoU,  1.  c.,  I,  p.  2-- 24. 

*)  Warum  aach,  fragt  Baumstark^  hatte  Carl  seinen  Sohn  nicht  französisch, 

oder  fiiimiBch,  oder  Beides  lernen  lassen?    Hatte  er  es  selbst  doch  auch  gelernt 

S.  29,  Philipp  II.  KOnig  von  Spanien,  Freib.  1875).    Der  berühmte  Donoao  Cortes, 

ehrere  Jahre  spanischer  Gesandter  in  Paris,  war  dnrchans  nicht  im  Stande,  die 

raozOsische  Sprache  za  erlernen.    Philipp  11.  stand  eben  an  geistiger  Begabung 

ieOeicht  so  weit  hinter  Carl  V.  zarfiok,  als  Philipp  UI.  hinter  Philipp  II.  zurückstand. 

12» 


\ 


180  Dreisehntes  Bach.    Viertes  KApitel. 

Flacentia  za  verleben.  Er  zog  sich  keineswegs ,  wie  man  truhet 
geglaubt  hat,  und  wie  es  vielleicht  sein  Vorsaz  war,  von  allen  welt-i 
liehen  Angelegenheiten  zurück  ^  lebte  aber  dennoch  in  ernster  Vorbe^ 
reitung  auf  die  Ewigkeit.  In  seiner  Einsamkeit  starb  er  am  20.  Sep^ 
tember  1558. 

„Am  20.  September^,  schreibt  der  Reformator  Mdanchtorij  ,^\n^ 
diesem  Jahre  1558  ist  Carl  V.,  römischer  Kaiser  und  Eonig  in  Spanien  j 
nachdem  er  grosse  Dinge  ausgerichtet,  selig  entschlafen  in  Spanien^ 
im  Kloster,  darin  er  Ruhe  halber  entwichen^  und  fast  zwei  Jahre  mij 
Beten  und  Lesen  zugebracht  hat,  wie  er  denn  sonderlich  gern  io 
Bernardo  gelesen. 

Im  Jahre  1621  forderte  er  die  deutschen  Fürsten  gen  Worms 
Damals  sagte  sein  Kanzler  Mercurinus,  ein  weiser  und  vortreffliche^ 
Mann,  zu  dem  Kanzler  des  Herzogs  und  Curfursten  Friedrich  voij 
urtheiie  Sachscu :  ^^Dic  deutschen  Fürsten  haben  wohl  daran  gethan ,  dass  si^ 
Carl  V.  Carl  zum  Kaiser  gemacht  haben;  denn  er  wird  ein  weiser  und  fromme] 
Herr  werden.  Dass  aber  diese,  eines  solchen  Mannes  Worte  nich{ 
aus  Heuchelei,  sondern  aus  der  Wahrheit  und  wohlbedachtem  Gemütb< 
hervorgegangen  sind,  hat  der  Ausgang  bezeuget.^  Ueber  sein  Betraget 
gegen  Franz  L  von  Frankreich  und  den  Papst  sagt  er:  „Diese  Hand< 
lungen,  darinnen  sich  der  Kaiser  gar  bescheiden  gehalten,  zeigen  gei 
nugsam  an,  dass  er  ein  weiser,  glimpflicher  und  gutthätiger  Herr  ge 
wesen  ist.^  Er  lobt  auch  den  grossen  Muth  des  Kaisers.  Es  sei  voi 
Anfang  an  der  Wille  des  Kaisers  gewesen,  die  Sache  der  Reformatioi 
gütlich  auf  einem  Concile  auszutragen,  Diess  habe  ich,  schliesst  eij 
an  dem  Orte  von  dem  Kaiser  Carl  anzeigen  wollen,  dieweil  es  in  an 
dern  Historien  ausgelassen  ist ').  Es  sind  viel  herrliche,  grosse  Togenj 
den  in  ihm  gewesen.  Denn  für  sich  selbst  war  er  ein  eingezogene]' 
massiger  Herr.  Im  Regimente  aber  sind  viele  Anzeichen  einer  hohen 
grossen  Weisheit,  und  dass  er  in  dieser  Regierung  Gerechtigkej 
und  Gelindigkeit  gehabt  und  gebraucht,  weiset  seine  ganze  Hiatorii 
aus,  als  dass  er  so  viele  gefangene  Fürsten  hat  wieder  los  gelasseij 
nämlich  Franz,  König  von  Frankreich,  Papst  Clemens,  Herzog  Johani 
Friedrich,  Curfursten  von  Sachsen,  und  Philipp,  Landgrafen  voj 
Hessen"*). 

Ein  anderer  seiner  Zeitgenossen,  der  Venetianer  CavaUij  sagt  i^ 
Jahre  1551  über  ihn:  „Die  Lebensweise  des  Kaisers  ist  die  eine 
Christen  und  eines  Privat- Cavaliers.     Er  sucht  sich  frei  zu  erhalte 


'}  Das  ist:  in  Sleidanua,  Jo.j  De  statu  rellgionis  et  reipaUicaa,  Carole  qaint 
Caesars,  commentarii,  Argentorati,  1555,  1559,  2*. 

*)  Corpus  Beformatorum,  opp.  MdancMonii,  IX,  p.  702—708  (cf.  II.  430^. 


Urtheile  über  Carl  V.  181 

TOD  allen  Fehlern,  nnd  ich  weiss  an  ihm  keine  ünvollkommenheit. 
Vielmehr  ist  er  in  allen  seinen  Handlungen,  bis  zu  den  geringsten 
herab,  so  rnhig,  so  besonnen,  so  umsichtig,  in  Geberden  und  Worten 
80  maassToll ,  dass  er  die  allgemeine  Bewunderung  verdient.  Er  ist 
immer  leutselig,  wallt  niemals  auf,  wird  niemals  ungestüm,  sondern 
redet  so  überlegt,  so  sachgemäsS;  so  voll  Gottvertrauens,  dass  man 
.sagen  darf,  er  spreche  weder  ein  Wort,  das  an  sich  Tadel  verdient, 
noch  ein  solches,  das  seiner  Sache  schade"^}.  Ein  anderer  Venetianer, 
Contarini,  sagt  über  ihn:  „Der  Kaiser  ist  ein  tief  religiöser  Mann, 
durchaus  gerecht,  frei  von  jedem  Laster,  in  keiner  Weise  dem  Ver- 
gnügen ergeben,  wie  gewohnlich  die  Leute  seines  Alters  (der  Bericht 
ist  aus  dem  Jahre  1525 — 1526),  noch  hat  er  Gefallen  an  irgend- 
welchen Spässen.  Er  ist  ein  Mann  von  wenig  Worten  und  von  sehr 
bescheidenem  Wesen.  Er  erhebt  sich  nicht  sehr  im  Glücke,  noch 
lägst  er  sich  niederbeugen  im  Unglücke.  Freilich  ist  er  empfanglicher 
tlir  Traurigkeit,  als  für  Heiterkeit,  gemäss  der  Beschaffenheit  seines 
Charakters,  den  ich  als  zur  Schwermuth  neigend  bezeichnet  habe. 
Wahrlich  nach  jenem  so'  grossen  Siege  über  den  Eonig  von  Frankreich 
(1525)  benahm  er  sich  mit  solcher  Mässigung,  dass  es  wie  ein  Wunde^ 
war.  Man  sab  in  ihm  kein  Zeichen  der  Ueberhebung,  weder  in 
Worten,  noch  irgend  welchen  Geberden.  Jedoch  hat  er  eine  nicht 
<ehr  lobliche  Eigenschaft.  Gemäss  dem  nämlich  was  mir  sein  Beicht- 
vater sagte,  der  Franciscaner ,  der  in  Valladolid  starb,  mit  dem  ich 
ziemlich  vertraut  war,  ist  der  Kaiser  von  Natur  der  ihm  angethanen 
Beleidigungen  eingedenk,  und  kann  sie  nicht  so  leicht  vergessen^''). 
—  Die  Schwermuth,  welche  ihm  anhing,  hatte  er  eben  von  seiner 
Mutter  Johanna  geerbt,   und  vererbte   sie  auf  seinen    Sohn   Philipp. 


')  Berichte  der  venetianischen  Gesandten:  Belazione  degli  ambasciatori  veneti 
il  Senato,  raccolte  ed  edite  da  E.  Albert.  Firenze,  1839—1862,  15  vol.  in  8*.  — 
vne  I.  Relazione  degli  atati  Enropei  trafie  ItaHa;  2  Serie  Relaziono  d'Italia;  3  Ser. 
EeUzione  degli  Stati  Ottomani  (Serie  I,  tom.  II,  p.  195). 

^  £  naturalmente  Ceaare  memore  delle  injarie  fattegli,  nh  le  puö  dimenticare 
ficilmente  (Relaxione,  Serie  I,  t.  2,  p.  62  sq.  In  seinem  Werke:  Carl  V.  nnd  die 
'ieotachen  Protestanten  1545—1555,  nebst  einem  Anhange  von  Aotenstfioken  aas 
im  spanischen  Staatsarchiv  von  SimanccLS,  Dttsseld.  1865  —  hat  Wüh,  Mauren- 
^ftditr  diese  Worte  ans  ihrem  Zusammenhange  gerissen,  nnd  sagt  n.  a.:  „Leiden- 
«chafUich  schimpfend  und  tobend  fuhr  er  (Carl  V.)  oft  seinen  Gegner  an;  nnd  da- 
^*ei  war  er  eigensinnig,  nnd  hielt  z&h  an  dem  einmal  ergriffenen  Gedanken  fest. 
Eine  empfangene  Beleidigung  vermochte  er  nicht  zu  vergessen,  seine  Bachsacht 
tar  Ton  nachhaltiger  Dauer  (Contarini  62).  Und  im  Grunde  war  er  doch  ein 
larahans  ernster  Charakter,  dem  Tiefe  des  Gefühls  und  Tiefe  des  Gedankens  nicht 
»kzQsprecben  ist  Bei  aller  Leidenschaftlichkeit,  die  in  spätem  Jahren  allerdings 
tiorch  seine  Kritaikliöhkeit  noch  gesteigert  wurde,  war  doch  der  Geist  des  Fürsten 
^  auf  ernste  Aufgaben  gerichtet  (1.  c,  S.  171). 


182  Dreizehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Aber  er  wu88te  sie  mehr,  als  dieser,  za  beherrschen.  Tiefe  Religiosität 
vrar  es,  vr eiche  ihn,  als  er  zum  lezten  Male  die  Erde  Spanien's  be- 
treten, drang,  niederzaknieen  und  zu  sagen:  Nackt  bin  ich  hervor- 
gegangen aus  meiner  Mutter  Schoosse,  und  nackt  werde  ich  zurück- 
kehren in  den  Schooss  der  Erde.  Das  Kloster  San  Jeronimo  de  Yuste, 
in  welches  sich  der  Kaiser  zurückzog,  lag  bei  Plasentia*). 

In  Spanien  bat  zuerst  als  Lobredner   Carl's  Peirua  de    Salazar 
herausgegeben:    Coronica  del   Emperador   Carlos    V.    en   la  quäl    se 


*)  In  der  Tortrefflichen  Literatargeschichte  der  Orte  Estremadara^s,  in  welcher 
Provinz  San  Yoste  liegt  (Catalogo  razonado  y  critieo  de  los  libros,  memoriaB  y 
papelea  impresos  y  manosoritos,  ,que  tratan  de  las  provincias  de  Estremadara, 
compuesto  pör  Vicente  Barrantes^  4*,  Madr.  1865),  findet  man  unter  dem  Artikel: 
S.  YoBte  die  Literatar  über  das  Klosterleben  Carrs  V.  (p.  231  —  242)  recensirt,  nenn 
Schriften  nämlich,  darunter  mehrere  M.  S.,  namentlich  von  dem  gleichzeitigen 
Hieronymiten,  Fray  Martin  de  Angtüo  und  einem  Ungenannten  um  1580.  Im 
Jahre  1578  liess  Philipp  II.  den  Leichnam  seines  Vaters  in  den  Escorial  bringen. 

Lettres  de  Quill,  de  Male  aar  la  vie  intörieure  de  V  empereor  Charles  Quint, 
publ.  ponr  la  premiöre  fois  par  le  baron  de  Eeiffenberg.  Broxell.  1843. 

Cloiater-life  of  theemperor  Charles  V.,  by  Will.  Stirling^  3  edition  enlarged. 

London,  1853.  —  {Wilh.  Stirling^  das  Klosterleben  CarUs  V.,  aas  dem  Englischen 

von  Lindau^  Dresd.  1853).  —  Rötraite  et  mort  do  Charles  -  Qnint  an  monaatöre  de 

Saint-Tuste.  Lettres  inöditea  publica  par  If.  Oachard.  BraxelL  1854—1856.  3  vol. 

in  8*.  —  Relation  dea  ambaaaadeura  Yönitiena  sur  Charlea-Qoint  et  Philippe  IL, 

pnbL  par  L.  P.  Oachard.  Bnixell.  1856.  —  Charlea  -  Qnint,   aon    abdicatton ,   aon 

Böjonr  et  aa  mort  au  monaatöre  de  Juate,  par  F.  A.  Mignet,  3  ödit.  Par.  1857.  — 

W.  Prescottf  Kloaterleben  CarraV.,  anadem  Engliachen,  Leipz.  1857.  (TT.  Prescott^ 

t  1859,  hat  eine  neue  Anagabe  der  Geachichte  CarPa  von  W.  Boberison  besorgt, 

und  ihr  beigefügt:   An  acconnt  of  the  emperor'a  life  after  hia  abdication ,  Boaton, 

1856.  (1^57,  3  vol.  8*.)    Dea  Ealaera  Carl  V.  Correapondenz.    Ana  dem  königlichen 

Archiv  und  der  Bibliothek  von  Bourgogne  %n  Brüaael,  mitgetheilt  von  Carl  Lanz 

(1513—1556),  Leipz.  1844—1846.  3  vol.  8*.  —  Cartaa  al  emperador  Carloa  F., 

eacritaa  en  loa  afioa  1530—1532  por  an  confeaor  (Oarcia  de  Laay^a)  aus  dem 

Archiv  von  Simancaa,  publ.  par  C.  Heine.  Berlin  1848,    Dieaelben  Briefe  erachienen 

in:  Coleccion  de  documentoa  in^itoa,  t.  XIV,  Madrid  1849  (Correapondencia  del 

Cardenal  de  Oama  {Loaysa^  Cardinal  1530,  Biaohof  von  Oama  1525—1532,   von 

Signenza  1532—1539,  zolezt  Erzbiachof  von  Sevilla)  con  Carloa  V.).  —  Correapon- 

danco  of  the  emperor  Charlea  V.,  and  hia  ambaaaadora  at  the  coort  of  England 

and  France,  from  the  original  lettera  in  the  imperial  fiunUy  archivea  at  Yiefia, 

publiahed  by  Witt.  Bratford.  Lond.  1850,  2  voll 

Mit  Bezog  auf  daa  genannte  Werk  von  Mawrenbrecher  vom  Jahre  1865 
erachien  eine:  «Studie  über  den  Eaiaer  Carl  V.,  von  einem  proteatantiachen  Forscher, 
in  Hiatoriach-polit  Blätter,  Bd.  60,  S.  1—17,  109—131,  213-232,  345-364, 
433—451. 

Kervyn  de  Lettenhave^  Hiatoire  de  Flandre  (792—1792),  BmzelL  1847—1855, 
6  voll.  (Deaaelb.  Commentare  CarPa  V.)  —  Lea  grandea-  et  aolennellea  pompes 
funebrea  faitea  k  Bruxelle  ponr  le  aervice  de  Charlea -cinqnitome,  Paria,  1559  —  8'}. 
WilL  Bobertsan,  Hiatory  of  the  Emp.  Charlea  V. ,  Lond.  1769,  3  t  4*.  (Deutach 
von  Bemer,  Braunach.  1792,  3  Bde.,  nene  Ausgabe  von  Preacotty  Boaton.  1856—1857). 


Schriften  über  Carl  V.  183 

trata  la  jastlsima  guerra^  que  su  Magestad  moviö  contra  los  Liiteranos 
y  rebeldes  del  Imperio,  y  los  sncesos  que  tuvo.  Hispali  1552;  (Italie- 
nisch,  Neapoli  1548.  fol.)  Gegen  dieses  Werk  erschien,  als  Manu- 
Script,  eine  Satyre:  Epistola  Bachalauri  Arcadis,  von  Didaeus  Hurtado 
de  Mendoza  *).  Eine  sehr  unparteiische  Geschichte  des  Kaisers  schrieb 
der  Zeitgenosse  nnd  Augenzeuge  Joann.  Oenenua  Sepnlveda  ans 
Cordova:  De  rebus  gestis  Caroli  Y.  Imperatoris.  Aber  dieses 
Werk  bliebe  vielleicht  gerade  wegen  seines  Freimuths,  ungedruckt. 
Andr.  Schott  (in  seiner  Bibliotheca  Hispana)  sagt:  ,,Es  werde  von 
QDsern  Konigen  aufbewahrt*)  (d.  i.  unter  Verschluss  gehalten).  Nicolaus 
Antonio  yennuthet  nur,  es  sei  lateinisch  geschrieben.  Erst  im  Jahre 
1780  erschienen:  Sepulvedae  Cordubensis  Opera  tum  edita  tum  ine- 
dita,  accur.  regia  histor.  Academia  (edente  jFV*.  Cerda  y  Rico')^  Matriti 
1780,  4  vol.  in  4®.,  wovon  die  zwei  ersten  Bände  die  bis  dahin  un- 
gedruckte  Geschichte  Carl's  V.  enthalten« 

Carl  y.  war  in  Spanien  zu  Lebzeit^i  nicht  populär.  Das  Blut 
der  Spanier  floss  in  Strömen  in  seinen  auswärtigen  Kriegen.  Seine 
beständige  Geldnoth  zwang  ihn  zu  beständigen  Erpressungen«  Dazu 
kamen  die  Erinnerungen  an  die  ersten  Jahre  seiner  Regierung,  die 
barte  Behandlung  der  niedergeworfenen  „Gomuneros^,  und  die  Miss- 
bandlung  oder  doch  Missachtung  der  Cortes.  Das  Angesicht  des 
grossen  Kaisers,  das  freundlich  erschien  den  Belgiern,  den  Deutschen, 
den  Italienern  und  den  Bewohnern  der  „neuen  Welt^,  es  leuchtete  nicht 
holdselig  den  Spaniern.  Sie  mussten  immer  zahlen  und  immer  bluten. 
£r8t  nach  seinem  Tode,  unter  Philipp  IL,  und  noch  mehr  unter 
Philipp  III.,  wurde  Carl  Y.  populär  auch  in  Spanien,  wegen  des  Glanzes 
seiner  Regierung,  deren  Druck  nun  nicht  mehr  gefühlt  wurde,  und  erst 
so  spät  konnten  Lobwerke  über  ihn  erscheinen,  unter  denen  das  des 
Bischoft  Prudent.  de  Sandoval  hervorragt :  La  vida  y  bechos  del  empe- 
»dor  Garlos  V.«) 


')  Tichnor '  JtUius,  II,  p.  759—760. 

*)  Valladolid,  1604;  Pamplona,  1618,  1634;  Antwerpen,  1681. 


Fünftes  Kapitel. 


FrAhere  Zeit  der  Regtening  PhiUpp*8  IL  (1M6— 1568). 


§.  1. 

Philipp  blieb  im  Jahre  1556  in  Flandern  zurück.  Noch  einmaj 
kam  er  zu  seiner  Gemahlin  nach  England  auf  kurze  Zeit  —  15ö7i 
Diese  starb  zwei  Monate  nach  Carl  Y.,  am  17.  November  1558,  und 
die  Gewalt  fiel  in  die  Hände  Elisabeth's^).  Die  Mutter  des  Kaisers. 
D.  Juana,  war  in  Tordesillas  am  11.  April  1555  gestorben.  Geborer 
am  6.  November  1479  hatte  sie  ein  Alter  von  76  Jahren  erreicht,  eiij 
höheres  Alter^  als  irgend  ein  Mitglied  ihrer  Familie.  Ihre  Tochtei 
Eleonora,  Gemahlin  des  Königs  Enmianuel  von  Portugal  (f  1525),  und 
Franz  I.  von  Frankreich  (f  1547)9  überlebte  den  einen  und  andern] 
und  kehrte  mit  ihrem  Bruder  Carl  Y.  nach  Spanien  zurück  —  1556< 
Ihre  Tochter  Maria  war  mit  dem  Infanten  Sebastian  von  Portugal  ver^ 
mahlt.  Nachdeäi  sie  diese  ihre  Tochter  besucht  hatte,  starb  sie  zt 
Talavcra  de  Badajoz,  im  Februar  1568,  und  wurde  zu  Merida  be< 
graben,  von  wo  ihr  Leichnam  im  Jahre  1574  nach  dem  Escorial  über- 
tragen wurde. 

So  lebten  am  Ende  des  Jahres  1558  nur  noch  Philipp  IL  uni 
sein  Sohn  Don  Carlos,  sowie  Ferdinand  von  Oesterreich,  aus  der  F» 
milie  des  Kaisers. 


■)  Fiorez,  Rejnas  catholicas,  U,  p.  890—898.   8ie  war  geboren  8.  Febr.  15111 


Philipp'!  n.  Krieg  Bit  Paptt  FMl  lY.,  1556.  185 


§.  2. 

Ganz  gegen  sein  ESrwarten  wurde  Philipp  IL  zneni  in  einen 
Krieg  mit  Papst  Panl  IV.  (1555  —  1559)  verwickelt  Dieser  Papst 
sah  in  der  Ansdehnnng  der  Herrschaft  and  der  Besiznngen  Philipp's 
II.  eine  Oefidir  far  die  Unabhängigkeit  des  Kirchenstaats  nnd  Italien's, 
and  schloss  mit  Heinrich  II.  von  Frankreich  ein  Bandniss  gegen 
Philipp  —  17.  December  1555.  —  Frankreich  sollte  das  Königreich 
Neapel  nnter  päpstlicher  Lehensoberhoheit  erhalten,  Italien  in  einem  ge- 
wissen Sinne  den  Herrn  wechseln.  Einige  Wochen  später  schloss 
Frankreich  einen  fünfjährigen  Waffenstillstand  mit  Philipp  II.,  handelte 
also  trenlos  an  Papst  Panl  IV.  —  Znr  Entschädigung  sollte  ein  Theil 
des  Königreichs  Neapel  mit  dem  Kirchenstaat  vereinigt  werden.  Frank- 
reich sachte  zugleich  ein  Bfindniss  mit  dem  Sultan  Soliman.  Papst 
Panl  IV.  Hess  gegen  Philipp  II.  den  Process  wegen  Vorenthaltung  der 
Lehensleistungen  instruiren;  Neapel,  wurde  erklärt,  sei  an  den  Papst 
zurückgefallen,  weil  der  Vasall  seinen  Pflichten  sich  entzogen.  Der 
jüngere  Herzog  von  Alba,  damals  49  Jahre  alt,  führte  die  spanischen 
Truppen  zum  glänzenden  Siege.  Er  drang  bis  zu  den  Thoren  Rom's  ^^^^ 
vor,  schloss  sodann  einen  Waffenstillstand  mit  dem  Papste,  und  kehrte  rup^ 
nach  Neapel  zurück  —  1556.  Phüipp  H.  wollte  den  Papst  in  jeder  ^^^^  '^• 
Weise  schonen.  Da  kam,  gerufen  von  dem  Papste,  ein  französisches 
Heer  nnter  dem  Herzog  von  Ouise,  in  den  Kirchenstaat,  um  Neapel 
zu  erobern.  Alba  vertrieb  die  Franzosen  aus  Neapel,  und  stand  wieder 
vor  Rom.  Die  Römer  verlangten  nach  Frieden,  Fkunkreich's  Hilfe  war 
ohnmächtig.  Nach  dem  Siege  der  Spanier  bei  Set.  Quentin  —  10.  Au- 
gust 1557,  wurden  die  Franzosen  aus  Italien  zurückgerufen,  und  Papst 
Paul  stand  allein.  Philipp  U.  bot  dem  Papste  einen  seJir  billigen  Frieden 
an.  Das  spanische  Heer  musste  den  Kirchenstaat  räumen,  Alba  öffent- 
liche Abbitte  leisten,  weil  er  gegen  den  Papst  die  Waffen  getragen; 
Spanien  behielt  Neapel  als  Lehensträger  des  Papstes  —  1657 '). 

Einen  neuen  Sieg  über  die  Franzosen  erfocht  der  Graf  Egmont 
bei  Gravelines  —  1558.    Als  die  Königin  Maria  gestorben,  und  Phi- 
lipp II.  die  Feindseligkeit  Elisabeth's  voraussah,  verlangte  er  einen  für  ^^^^ 
beide  Theile  ehrenvollen  Frieden  mit  fVankreich  zu  schliessen.    Warum  ttua- 
sollten   sich  die  zwei  einziir  fibriirirebliebcnen  katholischen  Mächte  der  '"'^^ 

ö  oo  l.*i69, 

Welt  in  nnzlosen  Kämpfen  aufreiben?     Im   April    1559    wurde  der 


')  PrueoH,  Philip  de  Seoond,  eh.  V— VI.  t  1,  p.  131—189.  —  Giafione 
Lrtoria  di  Napoli,  t  X  (von  welohem  Werke  auch  eine  deutsehe  Ueberseiang 
enebJsB). 


186  brelzehotm  Boch.   matten  Kapitel. 

Friede  von  Chateao  -  Cambresis  geschlossen.  Philipp  IL  'schloss 
seine  dritte  Ehe  mit  der  15  Jahre  alten  Elisabeth  von  Yalois.  Bei 
einem  Turnier,  das  zur  Feier  der  Hochzeit  gehalten  wurde,  wurde  ihr 
Yater^  Konig  Heinrich  IL,  durch  den  Splitter  einer  Lanze  am  Kopfe 
getroffen,  und  starb  am  9.  Juli  1559'). 

Am'  25.  August  verliess  Philipp  Belgien,  und  erreichte  am  8.  Sep- 
tember die  Küste  von  Spanien,  um  seine  Heimath  nicht  mehr  zu  ver- 
lassen. Zur  Feier  seiner  Ankunft  wurde  u.  a.  zu  Yaladolid  ein  Auto- 
dafe gehalten,  wo  kurz  zuvor  eine  protestantische  Gemeinde  entdeckt 
worden  war.  Schon  am  21.  Mai  war  ein  erstes  Autodafe  gehalten 
worden,  in  Gegenwart  des  Infanten  D.  Carlos,  wo  u.  a.  zwei  Luthe- 
raner verbrannt  wurden.  Dem  weitem  Autodafe  vom  8.  October 
Philipp  wohnte  Philipp   und  sein  Sohn  bei.    Achtzehn  Personen   wurden  ver- 

wieder  

in  spa- urtheilt ,   von  denen   drei   wegen  Hartnäckigkeit  den  Feuertod  litten^). 
nien.    _   ^^   x2.  Fcbruar  1560  kam   Elisabeth   von  Valois   in  Toledo   an. 
Am   22.  Februar  empfing  D.  Carlos   in  der  Cathedrale  zu  Toledo  die 
Huldigung  als  Thronerbe. 

Die  Verdienste  der  Spanier  um  das  Zustandekommen  und  die 
glückliche  Beendigung  des  Concils  von  Trient  sind  allgemein  aner- 
kannt. Viele  durch  Gelehrsamkeit  und  Tugenden  ausgezeichnete  spa- 
nische Kirchenförsten  wohnten  demselben  bei^). 

Nach  ihrer  Rückkehr  veranstalteten  die  spanischen  Prälaten  eine 
Anzahl  von  Provincialconcilien  zur  Bekanntmachung  und  Ausfuhrung 
der  Beschlüsse  des  Trienter  Concils.  Am  8.  September  1565  wurde 
in  der  Cathedrale  zu  Toledo  ein  Provincialconcil  eröffnet,  und  am 
15.  Mai    1566  geschlossen,   dem   sechs  Bischöfe,   u.  a.   der  gelehrte 


■)  PreseoUf  I,  p.  190—269.  (War  whit,  France  eto.) 

')  Uorente,  Inquis.  d'Bspagne,  II  p.  220;  233—234.  —  APcie^  die  Refor- 
matioil  in  Spanien,  (dentsoh  von  PUeninger)^  1835,  p.  290—331.  —  PrescoU,  I, 
p.  380—411. 

')  Ein  kürzeres  Verzeicliniss  steht  bei  Agnirre-CataUuii,  t  VI,  p.  XI — XII. 
—  Pedro  SaJinz  de  Baranda  hat  einen  aoBfÜhrlichen  Catalog  mit  knnen  Biogra- 
phieen  der  einzelnen  Spanier,  (nnd  Portngiesen)  in:  „Documentos  inöditos  p.  la  historia 
de  Espafia.  U  IX,  Madr.  1846,  erscheinen  lassen:  ^Noticia  de  los  Espafioles,  qae 
asistieron  al  eondlio  de  Trento".  —  Diese  „Noticia^  ist  wieder  abgedmckt  in  t  IV 
der  Conoiliensammlong  von  Tejada  y  Eamiro^  Madr.  1859,  p.  520—540.  Im  Jahre 
1787  hatte  der  Portugiese  Anton.  Pereira  de  Figneiredo  erscheinen  lassen: 
Portugneses  nos  Goncilios  geraS^s  (oder  Bericht  über  die  portugiesischen  Ge- 
sandten, PriUaten  und  Dootoren,  welche  den  allgemdnen  CondUen ,  voil  dem  ersten 
Lateranensisohen  bis  sinn  lezten  Tridentfnisohen,  angewohnt  (Lisboa,  pp.  134.  4*);  er 
hatte  im  Anhange  auch  .los  Castelhanos  no  Condlio  de  Trento*  aofgeAhrt 


Concil  von  Trieot;  Proyincial-OoDdlien  too  1565->156G.  1B7 

Didacus  CovarraTias  von  Segovia  (f  27.  September  1577),  der  im  Jahre 
1569  selbst  eine  Diocesansynode  hielt,  anwohnten*)*  —  Es  folgte  das 
ProTincialconcil  von  Valencia,  welches  der  Erzbiscbof  Martin,  de  Ayala 
am  11.  November  1565  eröffnete,  nnd  am  24.  Febraar  1566  mit  der 
fünften  Sizung  scbloss.  Der  Erzbischof  nnd  zwei  Bischöfe  wohnten 
demselben  bei')«  —  Das  Provincialconcil  von  Gompostella  wurde  in 
der  Cathednde  von  Salamanca  am  8.  September  1565  eröffnet.  Die 
zweite  Sizung  fand  am  25.  April,  die  lezte  am  28.  April  1566  statt. 
Der  Synode  wohnten  neben  dem  Erzbischof  zwölf  Bischöfe  bei').  — 
Das  Provincialconcil  von  Zaragoza  wurde  im  Jahre  1565  eröffiiet.  Der 
Infant  und  Erzbischof  Ferdinand  von  Aragon  berief  es.  Der  Cardinal 
Aguirre  hatte  vergebens  gehofft;  (1693 — 1694),  die  Akten  dieses  Con- 
cils  zu  erhalten.  Er  und  nach  ihm  Catalani  mussten  sich  mit  einer 
kurzen  Notiz  über  dieses  Concil  begnügen.  Tejada  y  Ramiro  dagegen 
erhielt  auf  seine  Bitten  die  lateinischen  Akten  von  dem  Canonikus 
Benito  Garrido*).  Fünf  Bischöfe  wohnten  dem  Concile  an.  Es  wurde 
vom  September  1^-65  bis  17.  Februar  1566  gehalten.  Auch  zu 
Granada  hielt  der  gefeierte  Erzbischof  Petrus  Gnerrero,  im  Jahre  1565) 
ein  Provincialconcil,  dessen  Akten  der  Cardinal  Aguirre  nicht  entr 
decken  konnte.  Nach  den  Mittheilungen,  welche  Tejada  von  dem 
Canonikus  Kaiael  Barea  y  Avila  erhielt,  konnten  die  Akten  des  Con- 
eils,  wegen  starker  Opposition  des  Domkapitels,  nur  theil weise  ver- 
öffentlicht werden^)  Das  Concil  beschäftigte  sich  u.  a.  mit  den  Un- 
gerechtigkeiten und  dem  Drucke  gegen  die  Moriscos,  die  ein  schweres 
Hinderniss  ihrer  Bekehrung  waren.  Das  Concil  richtete  auch  eine 
Supplik  an  den  Papst,  er  möge  den  Priestern  in  Deutschland  nicht 
gestatten,  zu  heirathen*). 

In  den  Jahren  1564,  1566,  1566,  1567,  1569,  1572,  1574,  1577 
u.  s.  w.  wurden  regelmässig  wiederkehrende  Provincialconcilien  für  die 
Kirchenprovinz  Tarragona  gehalten.  Aguirre  wusste  nichts  von  diesen  <^^^' 
Concilien.  Dieselben  sind  erst  in  neuester  Zeit  theilweise  bekannt  ge- 
worden, durch  den  Erzbischof  Joei  Costa  y  Borräa  (f  1864),  und  in 
der  Conciliensammlung  von  Tejada  y  Ramiro'^). 


')  Aguirre-Caialaniy  t.  V,  p.  890 — 41 1.  —  Tejada  y  Ramiro,  t.  V,  p.  217-260. 

*)  Aguirre- Catalanh  V,  p.  411-436.  —  Tefada,  V,  p.  261—313. 

")  IWd.,  V,  p.  445-4^,0-462;  Tefada,  V,  314-346. 

*)  Por  cuyo  acte  lo  estaremos  etemameiite  reconocidos,  Tefada,  V,  p.  347. 

*)  In  den  Ck>DBtitQciones  sinodales,  welche  Gaerrero  auf  der  von  ihm  im 
Jahre  1572  gehalfeoen  Diöccsaosyoode  verkfindigte. 

•)  Tefada,  V,  p.  3«l  -400. 

^  Es  war  höchste  Zeit;  denn  P.  Itofamll  in  Barcelona  hat  mir  erz&hlt,  dass 
das  Archiv  der  Cathedrale  von  Tarragona  znm  Theil  durch  NaohlSastgkett  seioer 
Hftter  m^  oder  weniger  vom  Feaer  zerstört  worden  sei. 


188  Dreisehntes  Bach.    FttnfteB  Kapitel. 

Tefada  erklärt,  dass  nach  seinen  Nachforschangen  vom  Jahre 
1564  an  bis  zum  Jahre  17ö7  nach  und  in  Folge  der  Decrete  des 
Concils  Ton  Trient  36  Provincialconcilien  gehalten  worden.  Die  Con- 
cilien  der  Jahre  1564 — 1566  wurden  dnrch  den  Erzbischof  Ferdinand 
Ton  Loazes  bemfen. 

Er  folgte  im  Jahre  15<)0  dem  ^Administrador^  Doria,  wurde  im 
Jahre  1566  Patriach  von  Antiochien,  im  Jahre  1567  Erzbischof  von 
Valencia,  nachdem  er  von  1542 — 1560  nach  einander  Bischof  von 
Perpignan,  Lerida  und  Tortosa  gewesen  war.  Bei  erledigtem  Size 
berief  der  Oeneralvicar  das  Concil  im  Jahre  1567.  Das  Concil  von 
1569  berief  Wilhelm  Cassador,  Bischof  von  Barcelona,  im  Auftrage 
des  Cardinais  und  Erzbischofs  von  Tarragona,  Caspar  Cervantes  de 
Gaeta,  der  zwar  im  Jahre  1568  von  dem  Size  von  Salemo  auf  das 
Erzbisthum  Tarragona  befordert  worden,  sich  aber  damals  noch  in 
Rom  befand.  Das  Concil  von  1572  (und  1574)  wurde  durch  den 
Cardinal  selbst  berufen,  welcher  für  seinen  Sprengel  auch  ein  Semi- 
narium  Tridentinum  in's  Leben  rief. 

Bei  allen  oder  fast  allen  diesen  Concilien  war  ein  weltlicher 
Commissär  Philipp's  zugegen').  Philipp  U.  legte  den  Concilien  auch 
die  Punkte  vor,  welche  er  verhandelt  wissen  wollte.  —  Wie  das  Concil 
von  Granada,  so  richtete  auch  das  Concil,  das  im  Jahre  1564  zu 
Tarragona  begonnen,  im  Jahre  15G5  zu  Barcelona  fortgesezt  wurde, 
eine  gelehrte  Bittschrift  an  den  Papst,  er  möge  die  fiir  Deutschland 
gestellte  Bitte  um  Aufhebung  des  Cölibats  der  Geistlichen  nicht  ge- 
währen» Es  war  Philipp  II.,  schon  damals  „päpstlicher  als  selbst  der 
Papst^,  welcher  durch  seine  „Cedulas^  an  die  Bischöfe  diese  Bitt- 
schriften an  den  Papst  zu  Stande  brachte. 

Philipp  II.  hielt  das  königliche  Placet  in  der  strengsten  Weise 
fest.  Nachdem  er  am  12.  Juli  1564  das  Concil  von  Trient  in  feier- 
licher Weise  acceptirt'),  dessen  Protector  zu  sein  er  vorgab,  liess  er  es 
mit  der  Clansei  verkündigen,  dass  diese  Decrete  zu  vollziehen  seien, 
soweit  sie  den  königlichen  und  den  Landesrechten  nicht  präjadicirten'). 
Viele  sehr   heilsame  Beschlüsse   des  Tridenter  Concils   blieben    nnaus- 


')  Darob  %reve  vom  4.  Nov.  1567  warden  zwar  verschiedene  ^CorrectioDes" 
an  dem  Conoil  von  Valencia  angeordnet,  aber  von  der  Anwesenbeit  eines  könig- 
lichen CommisBärs  ist  keine  Rede.  BtiUar.  Koman.  ed.  Taurint  T.  VII,  1862, 
p  631^633.  S.  daselbst  Breven  vom  27.  December  1567  nnd  12.  October  1569  Aber 
die  Concilien  von  Toledo  nnd  Santisgo,  dem  Wortlaute  nach  ziemlich  gleich* 

*)  Ley  13,  tit.  1.  L.  1.  Novisima  Recopil. 

*)  Jo,  Cavarruoias,  Maximas  sobre  los  recnrsos  de  fnersa,  tit,  19.  —  Colec- 
cion  de  Gonoordatos  y  demas  convenios  oelebrados  despnes  del  ooncilio  Tridendno 
entre  los  reyes  de  Espafia,  y  la  Baniaßed»,  Madr.  1848,  p.  262. 


Philipp  IL^wftcht  über  den  Concilien.   Toletaner  Concil  yoq  1582.         189 

geführt,  weil  sie  dem  Konige  nicht  convenirten  ^),  worüber  sich  nachher 
diese  Konige  am  meisten  beklagten.  Der  Absendang  weltlicher  Com- 
missäre  zu  den  seit  1564  gehaltenen  Concilien  suchten  die  Päpste 
Pias  lY.  und  Pius  V.  vergebens  entgegenzutreten.  Nur  bei  dem  im 
Jahre  1565  zu  Zaragoza  gehaltenen  Concil  werden  diese  Commissare 
nicht  genannt,  woraus  nicht  folgt,  dass  sie  nicht  erschienen.  Einem 
Conflikte  zwischen  Rom  und  dem  Könige  suchte  man  auf  kunstliche 
Weise  auszuweichen.  Der  Nuntius  hatte  das  Verbot  der  Anwesenheit 
königlicher  Commissare  zu  intimiren.  Die  Concilien  wurden  darum, 
froher  als  das  Verbot  mitgetheilt  wurde,  in  Gegenwaii  dieser  Com- 
missare gehalten. 

Im  Jahre  1582  berief  der  Cardinal  Caspar  Quiroga  wieder  eine 
Synode  nach  Toledo.  Am  8.  September  1582  wurde  die  Synode  er. 
öffiiet.  Der  Erzbischof  trat  hervor  aus  seinem  Palast,  begleitet  von 
seinen  Suffraganen,  und  dem  D.  Gomez  von  Avila,  Marquis  de  Velada, 
dem  Legaten  des  Königs  an  das  Concil.  Zum  Voraus  hatte  Papst 
Gregor  XIII.  Kenntniss  davon  erhalten,  und  am  30.  October  1581  an 
den  Cardinal  Quiroga  geschrieben,  und  ihn  gewarnt,  er  möge  nicht 
zulassen,  dass  bei  diesem  Concil  die  Freiheit  (der  Kirche)  durch 
königliches  Einmischen  verlezt  werde.  Näheres  werde  er  durch  den 
Nuntius  in  Madrid  erfahren.  Trozdem  fand  das  Concil  in  Gegenwart 
des  königlichen  Legaten  statt.  Am  8.  September  1582,  am  9.  und 
12.  März  1583  wurden  drei  Sizungen  gehalten.  Das  Concil  ist  nach 
dem  Cardinal  von  sieben  Bischöfen  und  dem  Abte  von  Valladolid 
unterschrieben.  Die  Akten  wurden  nach  dem  Gebrauche  zur  Genehm- 
haltung nach  Rom  gesandt.  Die  Congregation  des  Concils  wollte  sie 
nicht  eher  bestätigen,  bis  der  Name  des  königlichen  Commissärs  ge- 
tilgt sei.  Der  Cardinal  suchte  durch  den  Nachweis  einer  alten  Ge- 
wohnheit sein  Vorgehen  zu  vertheidigen.  Vor  der  weltlichen  Gewalt,  '>m 
die  er  fürchtete,  bewies  er  Feigheit,  der  kirchlichen  Gewalt,  die  er  ^^l 
nicht  forchtete,  gegenüber  bewies  er  Troz  —  oder  Unwissenheit.  Car-  »sss. 
dinal  Philip  Boncompagni  schrieb  ihm  im  Jahre  1584  u.  a.:  „Es  wird 
niemals  gefunden,  dass  weltliche  Fürsten  oder  deren  Nuntien  Concilien 
angewohnt  haben,  ausser  den  allgemeinen,  wo  es  sich  um  den  Glauben, 
die  Reformation  und  den  Frieden  handelt*).    Nach  langen  und  hizigen 


*)  Salgado  de  80moza^  Franc,^  Tractatos  de  supplicatione  ad  SanotiBsimam 
a  ballifl  et  literia  ApostoliciB  nequam  et  importune  impetratis  in  pernieien  rei- 
pablieae,  regni,  ant  Begis,  ant  juris  tertii  praejndiciiim,  et  de  eamm  retentione  in- 
terün  in  Senato.  Matriti,  1639  -*  2*.  —  Lugduni,  1604  —  2*.  —  Pau  l,  op.  2.  2. 
43.  Idi  seq.  (Diess  das  Werk,  welches  Orti  y  Lara  ,,de  supplicatione  8anctonim* 
—  handeln  Itot). 

*)  ViUanuno,  Suma.concil.  Hispanfae,  T.  U,  p.  232. 


190 


Dreizehntes  Bach.    Fünftes  Kapitel. 


Streitigkeiten  aber  diese  Sache  befahl  Papst  Gregor  XIIL  darcfa  ßreve 
vom  26.  Januar  1585,  dass  der  Name  des  koniglidieti  Abgeordneten 
aus  den  Akten  der  Synode  auszulöschen  sei^)»  —  Der  Papst  hofit, 
dass  der  Cardinal  seinen  und  des  apostolischen  Stuhles  Befehlen,  wie 
billig,  gerne  gehorchen  werde  ^). 

Man  darf  sich  nicht  wundem,  dass  von  nun  an,  ausser  der  Kirchen- 
provinz von  Tarragona,  die  Provincialconcilien  in  Spanien  ganz  auf- 
horten. Das  Concil  des  Jahres  15^2  war  das  lezte,  welches  zu  Toledo, 
aber  auch  in  den  Kirchenprovinzen  von  Valencia,  Zaragoza  (?),  Compo- 
stella,  Burgoe,  Sevilla  und  Granada  gehalten  wurde  —  bis  zum  beu- 
tigen Tage.  Mit  ihm  schliesst  die  Conciliensammlung  von  Aguirre  für 
Spanten  ab.  Diocesansynoden  wurden  auch  im  siebenzehnten  und  selbst 
achtzehnten  Jahrhundert  gehalten,  sie  brachten  aber  bei  der  Allgewalt 
des  Staates  wenig  Frucht').  Philipp  II.  war  auch  der  Todtcngräber 
der  Concilien  von  Spanien.  Das  allmälige  Erloschen  derselben  zeigt 
die  folgende  Uebersicht: 


Jahr  der  Con- 
eilien: 

Ort: 

Berufender: 

ZaU  imd  Jahalt  der  BeseUttase: 

1512 

in    Sevilla 

Didacos  Deza 

Ordnung  der  Diseiplin — 64  Ganones 

1517 

,  Barcelona 

Cardona 

Erlass   von    (wenigstens   6)    Con- 
stitationes. 

15.^9 

a  Tarragona 

11 

Wenigstens  1  Canon  aber  Zehnten. 

1543 

S                 11 

Doria 

Anordnung  von  Constitutionen. 

1552  • 

,      Lima 

Zweifelhaft 

Die  AuthencitSt  wird  bezweifelt. 

1555 

n     Mexico 

Hontufar 

93  Canones. 

1555 

„  Tarragona 

Doria. 

1564 

n           n 

Loazes 

Annahme  des  TrienterConcils.  De- 
cret  y.  d.  Residens. 

1565 

«     Toledo 

Rojas 

In  3  Sizungen  —  59  Canones. 

>)  ViUanuno,  II,  p.  260. 

^  Aguirre,  Concil.  t  IV,  p.  224.  (Llb.4  Decret  Congregat.  Cono.,  p.  18—19.) 
Aguirre-Catalani,  VI,  p.  20-24.  Benedict  XIV,  de  syn.  dioeeeaana,  III,  ep.  9, 
nr.  6.  —  Hergenrother,  L  o.,  p.  29. 

*)  SperamuBf  te  Nostris  atque  apostolicae  Sedis  mandatis  libenter,  uti  debes, 
obtemperaturum  esse.  —  Aguirre -CaUdani,  VI,  p.  21.  Siehe  die  Akten  des  Con- 
cils  und  die  Nachtrage  dazu,  ibid.  VI,  p.  1  —26.  —  Tejada  y  Ramiro,  t.  V, 
p.  400—485.  Aus  den  weitem  hier  mitgetheilten  Verhandlungen  zwischen  dem  Ck>ncil 
und  dem  Könige,  dem  jeder  einzelne  Anfrag  des  Concils,  bevor  er  Beschluss  wurde, 
vorgelegt  werden  musste,  ogleieh  Philipp  II.  damals  in  Lissabon  weilte,  geht  her- 
vor, dass  nie  ein  Papst  ein  Conoil  so  sehr  ttberwaohte,  leitete,  corrigirte,  bis  in's 
Kleinste  zureditwies,  wie  dieser  Papst- König. 

*)  Ant.  Alois  Schmid,  Die  Bisthumssynode,  II,  2  Abth.,  Begensburg,  1851, 
S.  152.  S.  191  —  198.  8.  64  flg.  S.  263. 


£nd6  der  Coneilien. 


191 


JalurderCoii- 
eOiai: 


Berofender: 


ZaM  imd  Inhalt  der  BesehläBse: 


1&65 

in    Valencia 

Ayala 

1565 

,  Salamanca 

Znfiiga  (y.  Santiago) 

1565— 1566 

„  Grenada 

Guerrero 

1565 

9  Zaragoza 

D.  F.  de  Aragon 

1565 

,   Mexico 

Montufar 

1567 

,     Lima 

1582 

»  Toledo 

Quiroga 

1584 

„  Tarragona 

Agusdn 

1585 

a  Mexico 

Moya 

1587 

„  Tarragona 

Terea 

1591 

»     Lima 

Mogroyejo 

1591 

„  Tarragona 

Tores 

1598 

n          n 

9 

1601 

,    Lima 

Mogrovejo 

1602 

„  Tarragona 

Terea 

1607 

n          n 

Vieh  y  Manrique 

1613 

»         s 

Moncada 

1614 

,  Zaragoza 

Manriqne 

1618 

„  Tarragona 

Moncada 

1625 

»       II 

Hozes 

1685 

9             » 

Perez 

1654 

11              II 

Kojas 

1659 

n          » 

9 

1664 

n          n 

Espinofla 

1670 

«          « 

m 

1678 

•          » 

W9 

9 

1685 

»          » 

Sanchez 

1691 

«          » 

9 

% 

1699 

II          n 

Llinas 

1712 

•         n 

Bertran 

1717 

9             9 

11 

1722 

9             9 

Samaniego 

1727 

9              9 

9 

1733 

9              9 

Ciopons 

17J8 

w 

9             9 

• 

1745 

9             9 

9 

1752 

9             9 

9 

1757 

9             9 

Cortada 

1757  —  1878 

1771 

n  Mexico 

Lorenzana 

1772  -1773 

9    Lima 

Parada 

In  5  Sizungea  —  102  Canonea. 
In  3  Siznngen  87  Canones. 

Drei  Constitutionen  (Siznngon). 

28  Canones. 

Die  Akten  sind  nicht  vorhanden. 

In  3  Siznngen  61  Canones. 

Anordnung     von    Constitutionen. 

21  Canones. 

Ordnung  der  Cnrie.  2  Canones. 

Ordnung  des  Stiles  der  Decretalen. 

5  Siznngen. 

In  2  Siznngen  6  Canones. 

In  38  Siznngen  4  (?;  Canones. 

Mehr   als    32   Sizungen.     Keine 

Canones. 

13  Siznngen. 

Nicht  gedruckt. 

8 Siznngen;  ohne  Constitutiones. 

12  Siznngen. 
In  52  Siznngen  6  (bekannte)  Ca* 
nones. 
Man  weiss  von  8  Siznngen. 
In  21  Sizungen  I  Canon  (bekannt). 
24  Sizungen.    Liturgbche  Consti- 
tutionen. 
In31 8izungen7(bekannte)  Canones. 
In  33  SIznngm  10  Canones. 
Jn  31  Sizungen  13  Canones. 
In24  Sizungen  4  (bekannte)  Canones. 

(Es  wird  b«Milen,  d«n  der  Erzbisebof  sieli 
imiDAr  yPrlmM**  ron  Spanien  nenne.) 

In  23  Sizungen  7  Canones. 


Ende  der  Coneilien  von  Spanien. 
Die  Akten  in  Madrid  sequesfrirt. 
Die  Akten  in  Madrid  seqnestrirt 


192  Dreizehntes  Batb.    Fünftes  Kspltel. 


§.   4. 

Die  onheilbarc  Leidenschaft  Philipp'a  IL,  die  Kirche  wie  den 
Staat  in's  Kleinste  za  regieren,  Papstkonig  seiner  Lande  and  Völker 
za  sein,  brachte  ihn  in  beständige  Gonflikte  mit  den  Päpsten  seiner 
Zeit;  und  mit  den  ausgezeichnetsten  dieser  Päpste  in  die  heftigsten 
Gonflikte.  Mit  Papst  Pius  IV.  (1559—1566)  hatte  er  Gonflict  wegen 
der  Goncilien.  Mit  Papst  Pins  V.,  dem  Heiligen,  hatte  er  denselben 
Gonflict.  Dazu  kamen  noch  mehrere  andere  Differenzen,  sowie  über- 
haupt die  Grösse  dieses  Papstes  auch  in  seinen  Verhandlungen  mit 
Spanien  sich  zeigt. 
Hospitä-  ßg  g^\y   IQ  Spanien   zu  viel  Hospitäler,   die   in   schlechtem  Zn- 

stande waren.  In  manchen  Städten  zählte  man  Spitäler  zu  Duzenden, 
und  die  Armen  wurden  doch  nicht  nnterstüzt.  Manche  Spitäler  dienten 
nur  dazu,  gewisse  dort  Angestellte  zu  unterhalten,  welche  das  Gnt 
der  Armen  verzehrten.  Die  Gortes  beschwerten  sich  bei  Philipp  IL 
über  den  schlechten  Zustand  der  Spitäler.  Der  König  schritt  zur 
Reduction  und  Reform  der  Spitäler,  gemäss  einer  Bulle  Papst 
Pius  V.  vom  6.  December  1566,  und  einer  erläuternden  Bulle  vom 
9.  April  1567.  In  Madrid  wurden  eilf  Hospitäler  in  eines,  ge- 
nannt Hospital  „General^,  verschmolzen ').  Daneben  blieben  ver- 
schiedene Spitäler  bestehen ,  besonders  wenn  sie  auf  besondern  Stifl- 
ungen  beruhten. 

Der  ehrwürdige  Obregon,  aus  Burgos,  Hauptmann  in  dem  Heere 
in  Belgien,  hatte  einst  in  der  Aufregung  in  einer  Strasse  von  Madrid 
Jemand  einen  Schlag  auf  die  Wange  versezt.  Der  Geschlagene  bat 
ihn  um  Verzeihung,  und  reichte  ihm  die  andere  Wange  dar.  Von 
dieser  Demuth  wurde  Obregon  so  ergriffen,  dass  er  ein  neues  Leben 
begann.  Er  gründete  ein  kleines  Spital  in  der  Strasse  von  Fuencarral, 
welches  bald  darauf  mit  dem  allgemeinen  Hospital  vereinigt  worde. 
£2r  stiftete  die  nach  ihm  genannte  Gongregation  fiir  den  Dienst  der 
Armen  in  diesem  Spital«  Dort  lebte  und  starb  er.  Statt  der 
unterdrückten  Spitäler  wurden  in  Madrid  bald  neue  gegründet,  einige 
durch  verschiedene  Bruderschaften,  andere  durch  Angehörige  der  ver- 
schiedenen lÄnder,  die  zu  Spanien  in  eugern  Beziehungen  standen, 
Flamänder,  Irländer,  Italiener,  Einwanderer  aus  Aragon,  Navarra  und 
andern  Provinzen  errichteten  viele  Spitäler. 

In  Sevilla  gab  es  76  Hospitäler;  nach  längern  Kämpfen  und  Ar- 
beiten, nachdem   man  noch   andere  päpstliche  Bullen    erlangt   hatte, 


')  £ey  11,  tit.  38,  üb.  VIII,  Nota  I  der  Novisima  BeoopUacion. 


Der  heilige  Johann  von  Gott  193 

wurden  sie  auf  zwei  redncirt,  das  vom  „heiligen  Geist",  und  von 
„der  Liebe  Gottes".  In  Salamanca  gab  es  22  Hospitaler,  fast  alle 
gegründet  von  Bruderschaften  oder  Privatpersonen.  In  Kraft  der  Bulle 
Pias  y.  wurde  die  Vereinigung  im  Jahre  1581  durchgeführt.  —  Sie 
wurden  von  einer  Junta  geleitet. 


§.  5. 

Johann  von  Gott,  geboren  zu  Montemayor  in  Portugal  im  Jahre  Jobann 
1495,  kam,  neun  Jahre  alt,  nach  Spanien.  Nach  vielen  Wechselfallen  Qo^t. 
eines  janruhigen  Lebens  kam  er  nach  Granada.  Hier  horte  er  eine 
Predigt  des  ehrvTurdigen  Juan  de  Avila,  und  wurde  so  ergri£Een,  dass 
er  seine  geringe  Habe  den  Armen  gab,  durch  die  Strassen  lief, 
nnd  sich  wie  ein  Thor  geberdete^  um  verspottet  und  misshandelt  zu 
werden.  Juan  de  Avila  lenkte  ihn  auf  vernünftigere  Bahnen,  und 
empfahl  ihm  die  Werke  der  Barmherzigkeit,  in  deren  Ausübung  Joannes 
sein  Leben  hinzubringen  versprach.  —  Er  sammelte  zu  Granada  die 
Armen  in  einem  Hause,  und  pflegte  sie  leiblich  wie  geistlich.  Dieses 
kleine  Spital  wurde  die  Wiege  eines  Ordens.  Der  Erzbischof  von 
Granada  nahm  das  Listitut  unter  seinen  Schuz.  Er  und  seine  Ge- 
fährten erhielten  eine  besondere  Ordenstracht,  und  den  Beinamen  Brü- 
der der  Barmherzigkeit.  Am  1.  Januar  1572  bestätigte  Pius  V.  die 
^Congregation  der  Brüder  des  Johann  von  Gott^  ^).  Johann  von  Gott 
war  am  8.  März  1550  gestorben«  Der  ehrwürdige  Bodrigo  de  Siguenza, 
nach  Johann  von  Gott  „grosserer  Mitbruder^,  d.  h.  Vorsteher  der  Ge- 
sellschaft, bat  um  die  Bestätigung  des  Ordens.  In  dem  Hospitale  zu 
Granada  waren  damals  etwa  18  dienende  Brüder,  und  etwa  400  Kranke, 
darunter  viele  Unheilbare,  für  deren  Pflege  jährlich  über  16.000  Ducaten 
verwendet  wurden.  Aehnliche  Spitäler  bestanden  schon  in  Cordova, 
Madrid,  Toledo  und  de  Lucerna  (bei  Cordova).  Der  Papst  gab  ihnen 
die  Regel  und  das  Kleid  des  heiligen  Augustinus,  mit  besondem  Ab- 
zeichen. Der  Orden  verbreitete  sich  in  Bälde  über  ganz  Spanien,  und 
in  andere  Länder.  Johann  von  Gott  wurde  im  Jahre  1630  von  Ur- 
ban  yni.  aelig-,  von  Alexander  YUI.  im  Jahre  1690  heiliggesprochen'). 


«)  Byüar.  Roman,  (Taurin.),  t  VII,  p.  969—962. 

*)  jFVanc  de  Ccutro^  MiracoloBa^vida  y  saatss  obras  del  b.  Juan  de  Dios^ 
Grmada,  1588;  1613;  Bnrgos,  1624,  lateinisch  in  Acta  Sctor.,  8  Hart.  I,  p.  809  — 
8U  — 835.  —  Ana  Anlass  seiner  Seligsprechnng  erschien  von  Anton,  v.  Chvea^ 
Bisehof  von  Cyrene:  Historia  de  la  vida,  y  mnerte,  y  milagros  del  glorioso  Patri- 
ireha,  y  Padre  de  pobres  San  Joan  de  Dies  fondador  de  la  erden  de  la  Hospitalidad, 
Madrid,  1624,  4*  nnd  1632.  —  Cadix,  1647.  —  Erweiterte  Ausgabe,  Hatr.  1669; 
duelbBt  1674.  —  Lateinisch  in  Acta  Sotor. ,  Mari.  I,  p.  835—868.  —  K  Per- 

Ouos,  »pao.  Kirdi«.  UI.  S.  13 


194  Dreizehntes  Buoh.    Ffinftes  Kapitel. 

Ausser  Rodrigö   ragten   in   der   ersten  Zeit   des  Ordens  herror 

Sebastian.  Arias,  und  der  gefeierte  Anton.  Martin.    Er  verzieh  seinem 

gedemüthigten  Gegner,   und  erhielt  von  Gott  dafür  die  Ghoade,   die 

Welt  zu  verlassen 9   und  sich  in  das  Spital  zurückzuziehen  ^   das  er  zu 

Madrid  in  seinem  Hause  gründete,  und  das  heute  noch  seinen  Namen 

trägt.    Alle  überragte  der  Bruder  Pedro  Pecador,  Zeitgenosse  Johann's 

von  Gott,  und  Stifter  des  Hospitals  in  Sevilla.    Er  hatte  lange  das 

Leben  eines  Einsiedlers  gefuhrt,  gesellte  sich  dem  neuen  Institute  bei, 

und  starb  zu  Sevilla  —  1680. 

Orden  j^  Mcxico   Stiftete  Bernard.  Alvarez,  in  Verbindung   mit  andern 

ken-    frommen  Personen,  ein  dem  heiligen  Hippolytus  geweihtes  Hospital  — 

pflege,  jjj^  ßi^Q  J|^[^.  i5g5^  zur  Erinnerung  an  den  13.  August  1521,  an  welchem 

Tage,  dem  Feste  des  heiligen  Hippolyt,  Mexico  durch  Ferdinand  Cortez 

für   die   Christen   erobert   wurde.      Die  Päpste    Sixtus   V.    und   Cle! 

mens  VIII.   stellten   den  Orden  dem   des  heiligen  Johann  von   Gott 

gleich.    Papst  Innozenz  XH.  durch  Bulle  vom  20.  Mai  1700  bestätigte 

die  Constitutionen  des  Ordens;    Clemens  XI«  durch  zwei  Bullen  vom 

20.  Juni  1701  fügte  weitere  Privilegien  und  Bestimmungen  hinzu.   Die 

Brüder  vom   heiligen  Hippolyt   haben   mit  jenem  Statuten  und  Zweck 

gemein.    Nur   das   braune  Gewand  unterscheidet  sie  von  jenen.    Die 

Congregation   hatte   ihren   eigenen   General,   der  von   den  24  ältestenl 

Mitgliedern  gewählt  wurde.  —  Der  ehrwürdige  Petrus  von  Betancourt 

aus  Teneriffe   stiftete  um   1653  in   Guatemala  die   Congregation  der 

Betlehemiten ,   die   sich  über  Amerika    verbreitete.      Sie    pflegte   diei 

Kranken  und  Wiedergenesenden,   und  unterrichtete  die  armen  Kinder 

in  dem  Katechismus  und  den  ersten  Schulkenntnissen. 


§.    6. 

Als  die  Inseln  „Philippinen^  entdeckt  worden,  gab  Philipp  II. 
dem  Vicekonig  von  Mexico  den  Auftxag  —  1664,  für  ihre  Besiznahmi*^^ 
eine  starke  Flotte  in  Stand  zu  sezen.  Fray  Andrees  Urdaneta,  un- 
beschuhter Augustiner  und  geschickter  Cosmograph,  und  einige  Reli- 
giösen sollten  zur  Bekehrung  der  Einwohner  die  Expedition  begleiten. 
Die  vier  ersten  Missionäre  waren  Augustiner.  Am  21.  November  1564 
verliess  die  Flotte  unter  dem  Capitän  MichaSl  Lopez  de  Legaspi  den 


diearo,  Vita  di  s.  Giovafii  di  Dies,  Palenn.  1666,  4^  —  J.  Oirard,  de  Vtlie- 
thierry^  Vte  de  s,  Jean  de  Dteuy  Institotenr  et  patriarche  de  Tordre  des  rdigieu^ 
de  la  Charit^,  Parie,  1691  —  4*.  —  Wasserburger,  Petr.  —  In  1000  Singgeaätzet^ 
verf aaste  Lebensbeschreibiiiig  Joannis  de  Deo.  .  .  Wien,  1767  —  8*.  —  Wümef, 
Leben  des  heiligen  Johann  von  Gott    Aus  dem  Französ.  —  Regensburg,  18G2. 


Die  Philippinen.    Hl.  Petrus  von  Alcantara.  195 

Hafen  von  Natividad.    Am  27.  April  1565  ankerte  die  Flotte  im  Hafen 
Ton  Gebti*     Hier   gründeten   die  Augustiner  ihr   erstes   Missionshaus 
and  Kloster.     Im  Jahre   1571   legte  Legaspi    den   Grund   der  Stadt 
Manila  auf  der  Insel  Lu^on.    Durch  Breve  vom  6.  Februar  1579  wurde 
das  Bisthum  Manila  errichtet,   und  am  21.  December  1681  dem  Erz- 
bisthnm  Mexico   unterstellt«    Im  Jahre    1581    nahm   der  Dominikaner 
Dominicns   de   Salazar    Besiz   von   dem  Bisthum,    Durch  Breve  Cle- 
mens VIII.   vom    14.  August  1591   wurde   Manila   Erzbisthum,   unter  ^^^^ 
dem  Namen   der  unbefleckten  Empfangniss.     Am   13.  August    1595  pinen, 
wurde  das  Bisthum  „Nominis  Jesu^  für  die  Insel  Cebü,  an  demselben 
Tage  das  Bisthum  Nueva  Gaceres  oder  Camarines,  am  14.  August  das 
Bisthum   Neu-Segovia   oder    Uocos    errichtet,    und   damit   die   neue 
Eirchenproyinz  für  die  Philippinen  hergestellt.  —  Im  Jahre  1575  kam 
der  Augustiner  Alfons  Gutierrez  de  Veracruz,  und  24  andere  Ordens- 
genossen  mit  ihm  an.    Der  Franciscaner  Petrus  Alvaro   langte  gleich- 
falls mit   vielen   seiner   Ordensbrüder   an.      Mit  dem   ersten  Bischof 
Salazar   waren   6   Minoriten,    3   Dominikaner  und   3   Jesuiten   ange- 
kommen.   Der  erste  Erzbischof  starb  zu  Madrid  am  4.  December  I5ü4. 
Es  waren  fast  ausschliesslich   die  religiösen  Orden,   die  Dominikaner, 
Aagostiner,   Franciscaner,    Jesuiten,   welche    in   die    Bekehrung   der 
Einwohner  sich  theilten,  die  mit  grosser  Willigkeit  den  Glaubensboten 
eDtgegenkamen,   vielleicht  weil  sie  das  Kreuz  früher,   als  das  Schwert 
sahen.    Die  Eingebomen  wurden   nicht  von  dem  „Erdboden  hinweg- 
ealtivirt^,   sondern  die  Bevölkerung  erhielt  sich   und   wuchs  bis  zum 
heutigen  Tage.  —  Erst  spät  kamen  auch  Weltpriester  an,  und  wurden 
die  Sohne  der  Eingebomen  zu  Priestern  geweiht^).    Von  den  Philip- 
pinen  aus   verbreiteten    sich    die  Missionäre   nach    und   über   Japan, 
China,  und  Tonkin.     Die  apostolischen  Vicariate   Ost-    und   Central- 
Tonkin,   und   das  Vicariat  Fokien  in  China  werden  auschliesslieh  mit 
Spaniern,  meistens  mit  spanischen  Dominikanern  besezt*). 


§.  7. 

Durch  fast  unglaubliche    Strenge    des   Lebens    und    beständige 
Busse  gelangte  Petrus  von  Alcantara,   geb.  1499,  zur  höchsten  Yoll- 


0  S.  meine  Series  episcoponim  —  S.  113  — 115,  und  die  auf  S.  115  ange- 
Hihrte  Literatur.  —  Diecionario  geogr&fico  estadistico,  histörico  de  las  Islas  Fili. 
pinifl,  von  den  Angnstinem  Fray  Manuel  Buzeta,  und  Philipp  Bravo,  Rector 
<lea  CollegiamB  (der  Angastiner)  in  Valladolid,  Madr.  1850.  2  t.  4^ 

*)  Uknona  dominieaiDes  daus  V  extreme  Orient,  par  Fr.  Ändri  Maria,  0.  S.  D., 
2  t^  Lyon,  1865. 

13* 


196  Dreizehntes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

Refor-  kommenheit.  Seit  dem  Jahre  1538  fiihrte  er  unter  den  Franciscanern 
Orden,  die  strengere  Regel  ein«  Seit  1555  entstand  der  Zweig  des  Ordens 
der  Alcantariner,  welcher  im  Jahre  1561  zu  einer  eigenen  Provinz  er- 
hoben wurde.  Am  18«  October  1562  starb  dieser  Mann  der  wunder- 
baren Thatkraft  und  Selbstabtodung.  Auch  der  heiligen  Theresia  stand 
er  bei  ihrem  Werke  hilfreich  zur  Seite. 

Am  2.  December  1566  erliess  Pius  V.  auf  Anregung  Philipp's  IL 
ein  Decret  über  die  Reformation  der  Conventualen  des  heiligen  Fran- 
ciscus  in  Spanien.  Sämmtliche  Bischöfe  in  Spanien  werden  aufgefor- 
dert, mit  Hilfe  der  Provinciale  der  Minoriten  von  der  Observanz  und 
einem  andern  Mitgliede  von  der  strengem  Observanz  die  Conventualen  zu 
reformiren.  Von  nun  an  sollten  alle  Obern  der  bisherigen  Conventualen 
strenge  Observanten  sein,  die  bisherigen  Conventualen  aber  sollten  in  und 
unter  die  Kloster  der  Observanten  vertheilt  werden.  Die  Widerstre- 
benden soUen  in  Gefangnissen  festgehalten  werden.  Durch  Decret 
vom  12.  December  1566  wird  Aehnliches  for  die  Franciscanerinen  vor- 
geschrieben; in  allen  ihren  Klöstern  soll  die  strenge  Observanz  ein- 
geführt werden.  —  Auch  die  Reform  der  übrigen  Orden  soll  bald- 
möglich in  Angriff  genommen  werden ').  —  Eine  Bulle  vom  18«  März 
1568  befiehlt,  die  Praemonstratenser  sollen  nach  der  strengem  Regel 
ihres  eigenen  Ordens,  keineswegs  nach  der  Regel  des  heiligen  Hie- 
ronymus  reformirt  werden.')«  Mehrere  Decrete  erliess  Papst  Pius  V. 
für  seine  Ordensbrüder,  die  Dominikaner  in  Spanien.  Am  23.  Sep- 
tember 1568  bestätigte  er  die  Statuten  des  CoUegiums  des  Prediger- 
ordens in  Tortosa,  welches  Carl  V.  für  den  Unterricht  der  bekehrten 
Mauren  gestiftet,  Philipp  11.  aber  mit  dem  Collegium  der  Dominikaner 


»)  BüUar.  Soman.,  ed.  TavTin^  t  VII,  p.  494—497  (ex  Bnllario  Ord.  fralr. 
Praedlcatonun ,  t.  V,  p.  146).  Daseibat  Bulle  vom  16.  April  1667,  p.  565  —  571 
—  Ueber  den  heiligen  Petras  von  Alcantara:  Annales  Hinorom,  continaati  a  P.  S 
J.  de  Luca,  t.  XVIII.  —  Juan  de  San  Bemardo ,  Chronica  de  la  vida  de  Pedro 
de  Alcantara,  Napoles,  1667.  —  Franciscos  descalssos  en  CasHüa  la  vi^a,  p.  Juan 
de  8.  Antonio^  Salam.  1728,  2  fol.  —  Vie  et  oeavres  spiritaelles  de  s.  Pierre 
d' Alcantara.  Trad.  du  B.  P.  Talon,  Paris,  1670.  —  San  Bemardo^  Alonso  de, 
Vida  de  s.  Pedro  de  Alcantara.  Madr.,  1783.  —  Blas,  de  Manazarea,  epitome  de 
la  vida  y  milagros  de  s.  Pedro  de  Alcantara,  Madr.,  1786.  —  J.  A.  SMssig,  das 
Leben  des  heiligen  Petras  von  Alcantara,  Begensborg,  1857*  —  OUo  Zoeckler^ 
Petras  von  Alcantara,  Teresia  nnd  Johannes  v.  Ereoz«  Beitrag  znr  Geschichte  de 
mönchischen  Contrareformation  Spanien's  im  sechszehnten  Jahrh.  Ldps.  1864 
(Zeitschr.  für  lather.  Theol.  v.  RudeUnich).  —  Acta  Sanctormn,  t  VIII  (19.)  October 
Paris,  1866,  p.  623—657—799—809).  Die  Bolle  der  Heiligsprechung  Clemens'  X. 
vom  18.  HSrz  1669.) 

*)  Bvilar.  Roman.  Taurin,  t  VII,  p.  661— 663.  Lesteres  hatte  der  Papst  id 
seiner  Bolle  vom  16.  April  1567  verordnet 


OrdenBreformen.  197 

daselbst  vereinigt  hatte  ^).  —  Nach  dem  Breve  vom  11.  Juli  1569 
sollten  in  der  Provinz  Aragonien  die  Predigerbrüder  nicht  Baccalanreen 
werden,  wenn  sie  nicht  Philosophie  oder  Theologie  vier  Jahre  ge- 
lehrt hätten*). 

Ludwig  von  Chanada^  (geb.  1504),  war  ein  Ordensmann  von  aus-  ^^^  *• 
gezeichneter  Tugend  und  Erbauung;  19  Jahre  alt,  nahm  er  das  Ordens*-  4«. 
kleid  des  hl.  Dominions,  und  wohnte  in  dem  CoUegium  des  heiligen  Gregor 
zu  Yalladolid.  Seine  grosse  Beredtsamkeit,  seine  herrlichen  Schriften,  sein 
musterhaftes  Leben,  sein  Gebetseifer,  machten  seinen  Namen  in  Bälde 
gefeiert«  Er  erneuerte  das  Kloster  „Scala  Dei"  in  dem  Gebirge  von 
Cordova.  Der  Cardinal  -  Infant  Henrique  nahm  ihn  mit  sich  nach 
Portugal»  Dort  gründete  er  viele  Kloster  von  grosser  Strenge,  und 
reformirte  andere,  u«  a.  das  von  Lässabon,  in  dem  er  am  31.  December 
1588  starb.  Von  seinen  zahlreichen  Schriften  nennen  wir  das  Leben 
des  ehrwürdigen  Bartholomäus  de  Martyribus,  Erzbischofs  von  Braga 
mid  Dominikaners,  welchen  er  diese  Würde  anzunehmen  gezwungen 
hatte,  sowie  das  bei  uns  vielverbreitete  Werk;  ,)Die  Lenkerin  der 
Sünder*  ■). 

§.  8. 

Durch  Breve  vom  1.  November  1567  verbot  Papst  Pins  V.  die 
Stierkämpfe.  Wer  bei  denselben  sein  Leben  verliere^  dürfe  nicht 
kirchlich  begraben  werden.  Leider  erlaubte  Clemens  VIII.  im  Jahre 
1596  dieselben  Kämpfe  mit  gewissen  üautelen.  Heute  ist  dieselbe 
Leidenschaft  tief  gewurzelt  im  Herzen  der  Spanier,  und  werden  fort 
and  fort  die  Spiele  gefeiert ,  welche  Pins  Y«  nicht  „Spiele  der  Men- 
schen, sondern  der  Teufel^  nennt^). 

Dagegen  gelang  es  diesem  Papste,  die  Abschaffimg  der  grau- 
samen Gewohnheit  anzubahnen ,  nach  welcher  den  zum  Tode  Yer- 
nrtheüten  in  Spanien  die  lezte  Wegzehrung  nicht  gereicht  wurde  ^). 


•)  BuOar.,  rtm^  t  VH,  p.  714—719. 

^  L.  0.  p.  760—761  (ex  Ballario  Praedieatomm,  t.  V,  p.  217). 

^  Oranada,  Luis  de^  Obras,  mit  s.  Leben  v.  Luis  Munoz,  6  voL  2*.  — 
Hadr.  1788—1800.  ap.  i&orro.  —  Die  «Lenkerin  der  Sünder^  (laGuia  de  peeadores) 
4.  Aufl.,  Aachen.  1847  —  s.  Leben  bei  Touran,  histoire  des  homesilluBtr.  de  Fordre 
4ie  8t  Dominique,  t  VL  — 

*)  BMar.  Eaman.  Tanr.  VII,  p.  680  —  631.  E.  O.  II,  S.  126-127. -Graf 
FaHovx,  Leben  Pins  V.,  8.  197.  —  Wir  lesen,  dass  am  25.  Januar  1878  zur  Feier 
der  Heiiatb  Alfon's  XII.  mit  D.  Meroedea  von  Orleans  den  Neuvermählten  ein 
Sttergefecht  zum  Besten  gegeben  wurde.  Leider  ist  die  Königin  schon  am  26.  Juni 
gestorben. 

*)  JS:  0.  2,  S.  85.  FaOaux,  S.  196—197.  Der  Brief  Pias  IX.  ist  vom 
25.  Januar  1568. 


* 
* 

r 


198  Dreizehntes  Buch.    Fünftes  Kapitel 

Freilich  ging  es  sehr  langsam  mit  Abschaffung  dieser  Unsitte ;  so  dass 
Benedict  XIY.  in  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  sie  als  eine  in 
Spanien  noch  fortbestehende  betrachtet. 


Ferd. 


§.  9. 

Auf  dem  Primatialstuhle  von  Toledo  sassen  nach  dem  Cardinal 
Wilhelm  von  Oroy  Alfons  von  Fonsecaj  am  26.  April  1524  von  San- 
tiago hieher  versezt.  Zehn  Jahre  war  er  Primas  (f  4.  Febr.  1534). 
Sein  Nachfolger,  der  Cardinal  Johann.  Tabera^  kam  gleichfalls  von 
Santiago  —  13.  Mai  1534,  und  starb  am  1«  August  1545.  Im  folgte, 
von  Murcia  hieher  befordert,  der  Lehrer  und  Erzieher  Philipp's  II.  — 
1546  30.  Januar,  der  Cardinal  Johann.  Martinez  Süiceo,  der  am 
31.  Mai  1557  mit  Tode  abging.  An  seine  Stelle  trat  am  5.  März  1558 
der  Dominikaner  Bartholomaeus  Carrama,  gegen  den  der  damalige 
General- Inquisitor,  Ferd.  de  Valdes,  den  bekannten  Process  wegen 
Kezerei  anstrengte.  Valdes  lief  durch  viele  Bisthumer  hindurch,  nach 
QroBg-  der  üblen  spanischen  Sitte  der  unmotivirten  Versezungen,  er  war 
^"HI'J^^' Bischof  von  Elna,  Orense,  Oviedo,  Siguenza,  1546  Erzbischof  von 
Sevilla,  zugleich  General-  Inquisitor.  Man  sagte  von  ihm ,  dass  er 
selbst  die  Hatten  excommunicire.  Didacus  Perez  war  sein  Stellver- 
treter in  Oviedo.  Als  dort  Ratten  das  Land  verheerten,  und  vor  den 
Beschworungen  nicht  weichen  wollten,  vielmehr  die  Bauern  formlich 
dieselben  anklagten^  so  stellte  der  Bisthumsverweser  ihnen  einen  Advo- 
caten  auf,  der  sie  nach  Kräften  vertheidigte ,  aber  der  Verweser  ex- 
communicirte  sie,  und  sie  flohen  in  die  Berge  von  Asturien.  Dem 
Valdes  wurde  vorgeworfen,  er  habe  sein  Leben  lang  seine  Kirche  in 
Sevilla  nicht  gesehen,  welche  er  indess  reichlich  beschenkte.  Er  stiftete 
die  Universität  Oviedo,  und  das  Collegio  des  heiligen  Gregor,  in 
Salamanca,  das  Collegium  der  „Grünen'^,  sorgte  für  dürftige  Mädchen 
in  Siguenza,  Sevilla,  und  in  seiner  Vaterstadt  Salas,  wo  er  die  gross- 
artige Kirche  baute,  in  der  er  begraben  ist.  Auf  alle  diese  Stiftungen 
verwendete  er  mehr  als  1.383.000  Ducaten. 

Valdös  gab  im  Jahre  1559  den  ersten  Index  der  (durch  die  In- 
quisition) verbotenen  Bucher  in  Spanien  heraus,  als  das  Concil  von 
Trient  an  einem  solchen  Index  erst  arbeitete.  —  Unbeschadet  seines 
grossen  Eifers  urtheilt  La  Fuente  über  sein  Vorgehen:  „wie  vielen  her- 
vorragenden Männern,  wie  Valdös  war,  hat  es  geschadet,  dass  sie 
nicht  die  Eigenschaften  der  Güte  und  Sanftmuth,  der  Tochter  der  hei- 
ligen Demuth,  besassen,  ohne  welche  zwar  der  katholische  Sinn  sehr 
feurig,  aber  doch  jenem  Eifer  der  Apostel  ähnlich  sein  wird,  welche 
den  Herrn  baten,  er  möchte  Feuer  vom  Himmel  herabfallen  lassen."  — 


Ferd.  de  Valdös.    Barth.  Carranza.  199 

In  dem  Procesee  der  Protestanten  za  Sevilla  wurde  das  erste 
Aatodafö  am  24.  September  1559  aaf  dem  Plaze  des  heiligen  Fran- 
C18CU8  gehalten;  21  Personen  wurden  dem  Arme  der  weltlichen  Ge^ 
richte  übergeben,  80  zu  geringem  Strafen  verurtheiit.  Ein  zweites 
Aatodafö  wurde  am  22.  December  1560  gehalten,  wo  14  Lutheraner 
in  Person,  3  im  Bilde  verbrannt,  34  (37)  aber  gewissen  Bussen  unter- 
worfen wurden').  —  Die  vier  Autodafös  der  Jahre  1559  und  1560  sind 
überhaupt  die  bekanntesten  von  der  ganzen  Geschichte  der  Inquisition« 
Die  Opfer  derselben  werden  von  den  Protestanten  als  vollendete  Mär- 
tyrer verehrt,  von  den  Katholiken  als  verstockte  Häretiker  betrachtet. 

Barth.  Garranza  wurde  als  Professor  der  Theologie  zu  Valla-  ^"^^' 
dolid  von  Carl  V.  im  Jahre  1545  nach  Trient  gesandt.  Er  stand  auf  ta. 
der  Seite  der  Spanier,  welche  die  Lehre  vertheidigten,  dass  die  Residenz- 
pflicht der  Bischöfe  gottlichen  Becbtes  sei,  und  machte  sich  durch 
eine  am  14.  März  1546  über  „die  Rechtfertigung^  gehaltene  Predigt 
bemerklich.  Er  musste  im  Jahre  1554  den  König  Philipp  II.  nach 
England  begleiten,  und  sollte  an  der  Befestigung  der  katholischen 
Kirche  in  England  arbeiten  helfen.  Zum  Lohne  für  seine  in  England 
geleisteten  Dienste  ernannte  ihn  Philipp  II.  im  Jahre  1558  zum  Erz- 
bischofe  von  Toledo;  er  wurde  am  27.  Februar  zu  Brüssel  consecrirt. 
Dem  sterbenden  Carl  Y.  ertheilte  Garranza  die  lezte  Wegzehrung  und 
Oelung.  Bald  darauf  hörte  man,  Garranza  habe  in  seinem  Katechismus 
Kezerisches  gelehrt^),  und  den  sterbenden  Kaiser  mit  seiner  Häresie  ange- 
steckt. Er  wurde  auf  Befehl  Philipp's  II.  zu  Yalladolid  verhaftet,  und  der 
Inquisition  übergeben  —  21.  August  1559.  Die  Bischöfe  zu  Trient  baten 
den  Papst,  den  Process  in  seine  Hand  zu  nehmen.  Pius  IV.  erklärte, 
er  habe  wiederholt  darauf  gedrungen,  aber  Philipp  II.  sei  unnach- 
giebig. Garranza's  Katechismus  wurde  in  Trient  geprüft,  und  approbirt 
—  1563.  Graf  von  Luna,  spanischer  Gesandter  in  Trient^  protestirte. 
Man  entzog,  um  einen  Bruch  mit  Spanien  zu  vermeiden,  dem  Kate- 
chismus die  ertheilte  Approbation  wieder.  Endlich  sezte  es  Pius  V. 
durch,  dass  Garranza,  nachdem  er  in  Spanien  acht  Jahre  lang  im  Ge- 
fängniss  gesessen,  im  Jahre  1567  nach  Rom  ausgeliefert  wurde. 
Philipp  II.  war  lange  starrkopfig.  Aber  der  Papst  drohte  ihm,  er 
werde  ihn  excommuniciren,  sein  Reich  aber  mit  dem  Interdikt  belegen. 
Pias  y.  zwang  auch  im  Jahre  1566  den  Inquisitor  Valdes,  auf  sein 
Amt  zu  verzichten  und  sich  mit  seinem  Erzbisthume  zu  begnügen. 

Aus  Rücksicht   auf  Spanien  wurde  Garranza  in  der  Engelsburg 


*)  Lhrentey  II,  chap.  XXI,  p.  255—273—295.  —  2%oma«  If  CWe  (deutsoh 
von  Hieninger),  S.  309  —  381.  —  Vic.  de  La  Ftiente,  V,  238  — 240.  — 45. 
*)  Commenttrios  sobre  el  catechismo  christiano.  Antwwp.,  1558  -^  fol. 


200  Dreizehntes  Bach.    Fünftes  Kapitel. 

in  einer  milden  Haft  gehalten«  Im  April  1576  entschied  Gregor  XIIL, 
dasB  keine  Häresie  bewiesen  sei,  weil  aber  doch  Verdacht  vorliege,  so 
solle  er  gewisse  häretische  Size  feierlich  verwerfen,  weitere  fiinf  Jahre 
von  der  Verwaltung  seines  Erzbisthams  ausgeschlossen  sein,  und 
in  einem  Kloster  zu  Rom  Ezercitien  halten.  Sein  Katechismus  wurde 
in  den  Index  gesezt.  Er  starb  schon  am  2.  Mai  1576,  72  Jahre  alt, 
vom  romischen  Volke  als  Märtyrer  verehrt.  Papst  Gregor  XIH.  sezte 
ihm  ein  Grab-Denkmal.  Seine  „Summa  Conciliorum^  ist  in  zahlreichen 
Ausgaben  bis  zum  heutigen  Tage  in  Umlauf). 


§.  10. 

Lala  de  Li^jg  Ponce  de  Leon  (fray  Luis  de  Leon),  geb.  im  Jahre  1528, 

bezog,  14  Jahre  alt,  die  Universität  Salamanca,   und  trat  wenige  Mo- 
nate  später  in   den  Augnstinerorden  ein.     Er   wurde   Licentiat   und 
Doctor  der  Theologie.    Im  Jahre   1561   erhielt  er  in  öffentlicher  Be- 
werbung den  Lehrstuhl  des  heiligen  Thomas  von  Aquin,  später   nach 
10  Jahren  auch  noch  den  Lehrstuhl  der  Biblischen  Literatur.    Seine 
Gegner  verklagten  ihn  zunächst  wegen  einer  Uebersezung  des  Hohen- 
liedes  bei  der  Inquisition,   sowie  dass  er  behauptet,   die  Vulgata   sei 
der  Verbesserung  fähig.    Auch  fliesse  jüdisches  Blut  in  seinen  Adern. 
Am  6.  März  1572  wurde  er  vor  die  Inquisition  in  Valladolid  geladen, 
und  wegen  seiner  Uebersezung  des  Hohenliedes  verhört    Am  27.  März 
wurde  er  verhaftet,  und  in  die  GeHlngnisse  der  Inquisition  zu  Valla- 
PrpeeM  Jolid  gebracht.    Mehr  als  50  Mal  wurde  er  verhört.    Erst  am  28.  Sep- 
deLeon.  tcmbcr  1576  erfolgte  der  Spruch  der  Richter.    Vier  von  ihnen  stimmten 
far  die  Folter,  zwei  far  einen   öffentlichen  Verweis.    Aber  der.Rath 
der   „Suprema^  in  Madrid  ging  mit  Stillschweigen  über  diese  Anträge 
hinweg,  und  beschloss  am  7.  December  1576  durch  einen   feierlichen 
Befehl,  den  Angeklagten  völlig  freizusprechen,  mit  der  Warnung  nur  in 
Zukunft  vorsichtig  zu  sein.    Seine  Uebersezung  des  Hohenliedes  solle 
unterdrückt  werden.  Vom  Gefängnisse  kehrte  er  sogleich  auf  seinen  Lehr- 
stuhl zurück.  Seine  erste  Vorlesung  am  20.  December  1576  begann  er  mit 
den  Worten:  „Wir  haben  bei  unserer  lezten  Zusammenkunft  braierkt," 


')  Die  ältere  fiberreiche  Literatur  Aber  ihn  findet  man  bei  Niool  Antonio. 

—  Uorente,  Eist  de  rinqnisition  III,  p.  184—316.  ^  Bemard  de  Castro,  Esta- 
dlos  historicos  sobre  —  Bart,  de  Carransa,  in:  Iris,  1841.  Coleodon  de  docamen- 
tos  ineditos,  p.  Salva  y  Baranda  t  V,  Madrid,  1846,  pJ889  —  584.  —  Heine,  —  in 
DöUinger^s  Beitrüge,  1. 1,  1862.  Langwitz,  Barth.  Carranza,  Ersb.  y.  Toledo, 
Kempten,  1870.  —  FaUoux,  Leben  des  Papstes  Pias  V.,  Bog.  1873,  S.  IdS  — 196. 

—  WiXh.  Maurenirecher,  Stadien  and  Skizzen  bot  G^esohichte  d.  BeformatioQBseit 
Leipz.,  1874|  8*  25—26. 


Luis  de  Leon.  201 

und  ging  mit  Stillschweigen  über  die  fünf  bittem  Jahre  seiner  Hafl 
hinweg.  Im  Jahre  1580  gab  er  in  lateinischer  Sprache  eine  Erklärung 
des  Hohenliedes  heraas.  Im  Gefangnisse  schrieb  er  das  Werk  — 
Los  Nombres  de  Christo  (Die  Namen  Christi),  von  dem  er  1583  bis 
1585  —  drei  Bacher  herausgab,  es  aber  nie  ganz  vollendete.  Sein 
Werk:  ^Die  vollkommene  Hausfrau^  (la  perfecta  Casada)  —  worde  im 
Jahre  1583  zum  erstenmal  gedruckt.  Sein  Werk  in  zwei  Bänden 
»Erklärung  des  Hiob,^  erschien  erst  im  Jahre  1779  im  Drucke.  Sein 
«Bericht  von  der  heiligen  Theresia^  ist  niemals  vollendet  worden.  Er 
starb  im  Jahre  1591.  Seine  gesammelten  Gedichte  hat  erst  Quwedo 
40  Jahre  nach  seinem  Tode  herausgegeben.  Sie  wurden  wiederholt, 
und  erst  im  Jahre  1816  wieder  neu  gedruckt.  Seine  eignen  Ctedichte 
darf  man  an  die  Spize  der  spanischen  lyrischen  Gedichte  stellen. 
Als  seine  beste  Ode  gilt  „die  Prophezeiung  des  Tajo^;  als  seine  beste 
Dichtung  gilt  die  Hymne  auf  die  Himmelfahrt  Christi !         > 


*)  Obnui  de  M.  Fr.  Luis  de  Leon,  Madr.  1801—1816,  6  tom,  t  6  seine  Ge- 
dichte. —  Biblioteea  de  autores  Espafioles,  impr.  de  Rivadeneyra,  Madr.  1846  — 
1862,  t.  37,  Madr.  1855. 

Obras  poBticas  —  reeog.  y  traducidas  en  Aleman  per  (7.  B,  Sehlüter  y  W* 
Stark,  WSamL,  l&'^d. 

üeber  Luis  de  Leon  und  seinen  Proeess  s.  Goleeeion  de  docomentos  ineditos. 
t  10—11,  Madr.,  1847—1848  (mehr  als  900  p.  p.,  aus  den  Archiven  der  Inquisition 
von  Valladofid  (Viüanueva,  Vida,  t.  I,  Lond.  1825).  SemaDario  pintoresoo,  184 f, 
p.  374.  —  Jas^  ChnzaUz  dt  Tejada,  Vida  de  Fr.  Luis  de  Leon,  Madr.  1868.  4*. 
(.ninstranla  notieias,  y  doeamentos  ineditos  hallados  reeentiemente  en  las  nniversi- 
dadea  central  y  de  Salamanca,  y  an  oatAlogo  de  ediciones  y  manaseritos  de  aqnel 
aator.«  —  Tkknar  -  Julius,  I,  p.  469— 4S0.  Tieknar,  Ausgabe  von  1863,  II, 
p.  75-89.  —  Tieknor-Jidius'  Wo^f,  p.  77—79.  —  WiUcena,  Fray  Luis  de  Leon, 
1866.  —  Beuschj  Lm  de  Leon  und  die  spaniBche  Inquisition,  Bonn,  1873. 


Sechstes  Kapitel. 

Die  Kirche  im  spanlseben  Amerika  (1542  bis  c.  1600). 


§•  1. 

Am  25.  Juli  1513  richtete  Ferdinand  V.  an  Papst  Leo  X.  die 
Bitte,  er  mochte  den  mehrgenannten  Vorsteher  des  „Rathes  von  In* 
dien^,  den  Bischof  Juan  de  Fonseca,  damals  Bischof  von  Palencia, 
zugleich  Administrator  des  Erzbisthnras  Kossano  (1511  — 1524),  zam 
,,Univer8aI- Patriarchen^  von  Westindien,  einsezen  ^).  Aber  erst  im 
Jahre  1524  erscheint  der  erste  Patriarch  von  Indien«  Das  Patriarchat 
selbst  blieb  ein  leerer  fSirenposten ,  dessen  Träger  auf  die  amerika- 
nischen Angelegenheiten  keinen  Einfluss  hatten.  Gewohnlich  waren 
die  Träger  dieses  Titels  zugleich  Bischöfe  anderer  Size  in  Spanien. 

Paul  m.  erhob  im  Jahre  1543  (al.  1547)  San  Domingo  zum  Erz- 
bisthum,  die  Bisthümer  Cartzccas^  Cuba  und  Puertorico  waren  seine 
Suffi-aganate.  —  Mexico^  Bisthnm  seit  1525,  wurde  Erzbisthum  im 
thnm  Jahre  1534.  Seine  Suffragane  wurden  die  Bischöfe  von  Tlascala, 
15S4.  Mechoacan  oder  Valladolid ,  Antequera  oder  Oajaca ,  Guadalaxara, 
Yucatan  oder  Merida,  Durango  oder  Nneva  -  Vizcaya.  Der  erste  Erz- 
bischof Jnan  de  Zumarraga  erhielt  das  Pallium  erst  im  Jahre  1545. 
Von  ihm  wird  noch  erzählt*),  dass  ihm  im  Jahre  1531  die  ,)Mutter 
Gottes  von  Gnadalonpe^  erschien,  dass  er  ihr  die  erste  Eremitage 
geweiht,  und  dass  er  in  vier  Tagen  14.500  Indianer  gefirmt  habe.  — 


Mexico 
ErzljU 


')  Der  Brief  des  Königs  —  ap.   Vie.  d<  La  FuenU^  V ,  587  —  apendices. 
0  8.  0.  8.  117-118. 


Bisthümer  Id  Mexico.  203 

—  Die  Gathedrale  des  im  Jahre  1625  gestifteten  Bisthums  Puebia 
de  los  AngdoB  gehört  za  den  reichsten  und  am  besten  mit  Kirchen- 
geräthen  aasgestatteten  Cathedralen.  Erster  Bischof  war  der  er- 
wähnte Dominikaner  Juan  OarcA  aus  Aragon,  Prediger  Carl's  V.; 
erwählt  im  Jahres  1527,  starb  er  im  Jahre  1542.  Jfac&oaean  wurde 
am  11.  August  1  36,  mit  der  Gathedrale  Ton  S*  S.  Salvador,  errichtet; 
auch  sie  ist  sehr  schon.  Der  Franciscaner  Luis  de  Fnemalida  wurde 
znm  ersten  Bischöfe  (nur)  ernannt,  einer  der  ersten  Glaubensboten, 
welche  nach  Neu -Spanien,  wie  Mexico  früher  hiess,  gelangten.  Er 
war  Guardian  in  dem  CouTcnt  von  Tezcono,  als  Carl  V,  ihn  im  Jahre 

1536  als  Bischof  ernannte;  aber  er  lehnte  diese  Würde  standhaft  ab, 
und  ßon  folgte  ihm  als  zweiter  Bischof  Yasco  de  Quiroga,  im  Jahre 

1537  prasentirt,  welcher  in  einem  Alter  von  95  Jahren  —  am  14.  März 
1556  starb.  —  Am  21.  Juli  (Juni?)    1535  wurde  durch  Paul  IIL  das 
Bistham  AnUquera  errichtet    Seine  Gathedrale  trägt  den  Titel   der  '^**|^' 
Himmelfahrt  Maria's.    Sein   erster  Bischof  war  Juan  Lopez  de  ZdrcUe,  quera. 
welcher  auf  dem  Wege  zu  der  ersten   Synode  zu  Mexico  im  Jahre 

1554  starb.  Er  organisirte  die  Pfarreien  seines  Bisthums,  und  berief 
Möoche  aus  der  Provinz  Mexico  als  Curaten,  weil  er  nicht  genug 
Priester  in  der  eigenen  Di5cese  hatte. 

Das  Bisthum  Guadalaxara  wurde  am  31.  Juli  1548  errichtet  f"^'''' 
bcine  Gathedrale  ist  der  seligsten  Jungfrau,  und  dem  heiligen  Jacobus 
von  Compostella  geweiht  Seit  1570  ist  sie  Suffraganbisthum  you 
Mexico.  Pedro  Gomez  Maraver^  auch  er  ein  apostolischer  Mann,  war 
erster  Bischofl  Er  bekehrte  viele  Indianer,  u.  a«  einen  Gaziken,  von 
dem  die  Indier,  genannt  Maraveres^  abstammen«  Er  starb,  im  Jahre 
1552.  —  Die  Stadt  Merida  auf  der  Halbinsel  Yucatan  wurde  im  Jahre 
1542  gegründet  Der  erste  Bischof,  der  Franciscaner  Franc«  de  Taralj 
trat  im  Jahre  1562  ein.  Seine  Gathedrale  ist  eine  der  schönsten  in 
Amerika«  Im  Jahre  1554  ging  er  zum  zweitenmale  als  Missionär  ^"''*' 
oiit  34  Gefährten  seines  Ordens  nach  Amerika.  Er  wohnte,  obgleich 
184  Meilen  von  Mexico  entfernt,  den  beiden  ersten  dort  gehaltenen 
Concilien  im  Jahre  1555  und  1565  an.  Er  visitirte  sein  Bisthum 
dreimal.  Er  starb  im  April  1571  zu  Mexico.  Das  Bisthum  Durango 
worde  am  11.  October  1620  von  Papst  Paul  V.  errichtet,  d.  i.  von  dem 
Bisthume  Guadalaxara  dismembrirt  Seine  prilchtige  Gathedrale  ist 
dem  Apostel  Matthaeus  dedicirt.  Das  Bisthum  Monterey  oder  Linares  ^'' 
auch  Neu-Leon  wurde  erst  am  15.  December  1777  gestiftet;  auch  es 
hatte  einen  Franciscaner  zum  ersten  Bischof.  Im  Jahre  1787  wurde 
das  Bisthum  Sonora  errichtet  ^^°*^"- 

Der  zweite  Bischof  von  Mexico,  der  Dominikaner  Alfons  de 
Montufar,  (1551  — 1569)  berief  die  beiden  ersten  Goncilien  seiner 
Kirchenprovinz ,   nachdem   schon  im   Jahre  1524    die  erste    »aposto- 


Un. 


In  Area. 


204  Dreizehntes  Buch.   SechBtes  Kapitel. 

lische  Janta^   zu  Mexico  vorangegangen  war^).     Dem   ersten  Concil 

wohnten  fünf  Bischöfe,   darunter  der  von  Chiapa,  an.    Die  93  Kapitel 

des  Concils  worden  am  6.   und  7.   October   1555  bekannt  gemacht. 

conci-  Diese   Synode   erschien  im  Drucke  zu  Mexico   im  Februar   1556.  — 

llnn      In 

Moxioo  Das  zweite  Concil  trat  im  Jahre  1565  zusammen.  Hauptgrund  der 
1555—  Berufung  war  die  Annahme  des  Concils  von  Trient.  Es  wurden 
1585.  28  Kapitel  veröffentlicht.  Die  Bischöfe  von  Chiapa,  Tlascala,  Yucatan, 
Guadalaxara  und  Antequera  waren  zugegen.  Die  Akten  des  Concils 
wurden  erst  im  Jahre  1 769  gedruckt,  durch  die  Sorge  des  Erzbischofs 
Lorenzana'').  Der  Erzbischof  Montufar  starb  80  Jahre  alt,  am  7.  März 
1569.  Sein  Nachfolger  Petrus  Moya  de  Contreras  wurde  im  Juni 
1573  ernannt.  Er  feierte  im  Jahre  1585  das  dritte  Provincialconcil 
zu  Mexico.  Die  Bischöfe  von  Guatemala,  Tlascala,  Mechoacan,  Yucatan, 
Guadalaxara  und  Antequera  waren  anwesend.  Dominicus  de  Salazar, 
erster  Bischof  auf  den  Philippinen,  wurde  berufen,  sandte  aber  wegen 
der  weiten  Entfernung  nur  Stellvertreter. 

Pedro  de  Faria,  Bischof  von  Chiapa,  gelangte  bis  Oajaca,  musste 
aber  hier,  weil  er  sich  ein  Bein  gebrochen,  zurückbleiben.  Das  Concil 
wurde  in  Ausführung  der  Beschlüsse  der  Synode  von  Trient  gehalten. 
Die  Beschlüsse  sind  eingetheilt  in  fünf  Bücher,  je  mit  einer  An- 
zahl von  Titeln.  Sie  umfassten  alle  Bestimmungen  des  kirchlichen 
Lebens.  Es  war  an  zwei  Jahrhunderte  die  Norm  und  Regel  für  die 
kirchliche  Disciplin  in  diesen  Landern.  Es  wurde  der  Congregation 
der  Concilien  „für  das  Concil  von  Trient''  zur  Prüfung  vorgelegt,  und 
am  21.  October  1589  von  derselben  mit  Zusazen  und  Verbesserungen 
genehmigt.  Der  Erzbischof  Juan  Perez  de  la  8ema  gab  das  Concil 
im  Jahre  1622  zum  erstenmale  heraus.  Dasselbe  ist  abgedruckt  in 
der  Sammlung  der  spanischen  Concilien  von  Aguirre,  und  wieder  auf 
Kosten  des  Bischofs  Juan  Gomez  Parada  von  Guadalaxara  zu  Paris 
im  Jahre  1725  gedruckt,  im  lezten  Bande  der  Concilien  von  Labbe. 

Der  Abdruck  bei  Aguirre- Catalani  ist  derselbe  wie  bei  Aguirre, 
und  berufl  sich  auf  die  Ausgabe  von  1622  und  deren  Abdruck  im 
lezten  Bande  der  Condliensammlung  von  Labbä^  (1672).  — •  Auch 


■)  T^oda  y  Bcmiro,  t  V,  p.  111—115. 

^  Conoilios  provinoiales  primero  y  segundo,  celebrados  en  la  eindad  do 
Mezioo  en  los  afios  de  1555  y  1565.  Da  los  h  Iw  Franc.  AnJt.  Lorenzana^ 
Hexioo,  1769,  fol.  —  Daraas  ap.  T^ada,  V,  p.  123—179;  207—216. 

')  S.  Aguirre  —  im  Register  zu  diesem  Werke.  Bei  Aguirre^Catalam, 
t  VI,  Bom.  1755,  p.  78  —  193.  Die  erste  Aosgalie  der  ConeiliepHaminlntig  von 
Aguirre  ist  vom  Jahre  1693  — 1694.  —  Aguirre  bemühte  sich,  etwas  NSheres  über 
die  sieben  Bischöfe  za  finden,  welche  der  Synode  von  1585  erwähnten.  Er  sagt 
u.  a.:  „Sabscribit  Didacns  Episoopns  Tlaxcalensis,  do  quo  nulla  mihi  prorsus  notttia 
pecnliaris  est".  —  Wir  wissen  wenigstens,  dass  Didacus  Romano  im  Jahre  1578  zum 


i 


Kirchenproyinz  vob  Mexico;  von  Guatemala.  205 

diese  Synode  gab  der  Erzbischof  JFV.  Ant  Loremana  im  Jahre  1770 
aus  den  Akten  neu  nnd  correcter  heraus,  nnter  dem  Titel:  Concilium 
Mexicannm  provinciale  tertinm  celebratnm  Mexici  anno  1585,  confir- 
matum  Romae  1589,  demnm  (itemm?)  typis  mandatnm,  Mexici,  1770,  fol. 
Die  neueste  Ausgabe  des  Concils  erschien  in  der  grossen  Sammlung 
der  spanischen  Concilien  von  Tejada  y  Ramiro  (tom.  V,  Madr.  1855) 
Concilio  ni  ProYincial  de  Mejico  anno  1585  (V,  p.  522 — 636)  mit 
kostbaren  Zusäzen.  Um  das  Jahr  1622  waren  Zweifel  aufgetaucht,  ob 
die  Sazungen  dieser  Synode  noch  binden  und  verpflichten,  zu  der 
Zeit,  als  der  Erzbischof  Sema  die  Akten  derselben  drucken  liess.  Der 
Licenciat  D.  Juan  de  Cevicos  kam  auf  der  Beise  von  den  Philippinen 
nach  Spanien  —  zu  Mexico  im  Anfang  des  Jahres  1623  an,  und  fand 
hier,  dass  verschiedene  Religiösen  behaupteten,  dass  die  Synode  sie 
nicht  verpflichte.  J.  de  Cevicos  kam  im  Jahre  1626  zu  Rom  an,  mit 
dem  Auftrage  des  Erzbischofs  von  Manila,  für  die  Bestätigung  des 
Concils  von  1585  zunächst  für  die  Philippinen  zu  wirken.  Er  fand 
dort  das  (im  Jahre  1622  zu  Mexico  nicht  bekannte)  Breve  der  Be-  ^^«'^ 
statigung  des  Concils  des  Papstes  Sixtus  V.  vom  Jahre  1589  vor,  und  ^riuo^ 
erlangte  ein  neues  Breve  vom  Papst  Urban  VIII.,  womach  die  Sta-  Synode 
taten  desselben  auch  für  die  Bisthümer  auf  den  Philippinischen  Inseln  Mexico, 
verpflichtend  seien.  Im  Jahre  1626  präsentirte  er  diese  Breven  dem 
königlichen  Rathe  von  Indien  zu  Madrid,  welcher  das  Breve  vom 
Jahre  1589  drucken  liess.  Im  Jahre  1628  wurde  «7.  de  Cevicos 
Bacionero  an  der  Cathedrale  von  Puebla,  wo  er  das  päpstliche  Breve 
mittheilte«  Die  Praebendaten  daselbst  aber  waren  unzufrieden  hicmit, 
weil  sie  im  Jahre  1623  Widerspruch  erhoben  hatten^  als  der  Erz* 
bischof  de  la  Sema  die  Synode  von  1585  einscharfle.  Darum  ver- 
ia88te  Cemco»  eine  ausfuhrliche  Denkschrift  zur  Vertheidigung  der 
verpflichtenden  Kraft  des  Cioncils  von  1585  für  Mexico  und  die 
Philippinen.  Seine  Arbeit  aber  gelangte  nicht  zum  Drucke,  sondern 
blieb  als  Manuscript  in  der  Staatsbibliothek  von  Madrid  liegen^). 
Dort  £emd  sie  T^ada  y  Ramiro,  und  liess  sie  zum  erstenmale  im  Jahre 
1855  drucken, -sieben  Menschenalter,  nachdem  sie  geschrieben  worden*). 


Bischof  von  Paebla  ernannt^  im  Jahre  1585  consecrirt,  und  als  solcher  am  12.  April 
1606  gestorben  ist.  —  Man  sieht,  wie  es  auch  einem  Spanier  am  Ende  des  sieb- 
zehnten Jahrhunderts  schwer  oder  anm5glich  war,  Näheres  über  die  Bischöfe  des 
spanischen  Amerika  zn  erfahren.  Äguirre^Caialani^  VI.  p.  193).  Aguirre  sagt 
darflber:  qnoniam  Romae  nemo  ad  mannm  mihi  est,  a  quo  illam  (notitiam)  mutnare 
possim  (p.  Id2).  Also  fanden  sich  wenigstens  damals  zu  Rom  die  Materialien  ftlr 
eine  voUslSndige  gSeries  episcopomm**  nicht  beisammen,  oder  Aguirre  wusste  sie 
nidkt  anfiinfinden^  wie  anch  C.  Moroni  in  nnsem  Tagen  nicht. 

')  Mannscritos  de  U  biblioteca  nacional  de  Madrid,  codice  J.  36. 

»)  Tefada,Y,  p.  523—536. 


206  DTDlzehnftes  Bnch.    Secbutes  Kapitel. 

Die  Arbeit  zerfallt  in   acht  Propositionen ,   und   trägt  das  Datam:  In 
Paebla  de  los  Angelos  am  24.  April  1629.  =  Dr.  D.  JuanCevicosK) 


§.  2. 

Biaihum  Das  Bisthum  Chiatemala,   mit  der  Cathedrale  des  heiligen  Jaco- 

mau.    bnSy  warde    am    19.  December    1531  errichtet,   und   stand   zwei  Jahr- 
hunderte unter  dem  Erzbisthume  Mexico.    Erster  Bischof  war  Franc. 
Marroquin   (1537).    Er  bekehrte   unzählbare   Indianer,   und  starb   im 
Rufe   der  Heiligkeit  am    19.  April    156  {.     Im  Jahre    1742   (al.  174:], 
16.    Dec.)    wurde    es   zum   Erzbisthume    erhoben.      Ihm   wurden   die 
ciiupa.  Bigthümer  Chiapa,  Hondurcu  und  Nicaragua  zugetheilt.    Chiapa  wurde 
am    11.  April  1538   errichtet.    Sein   zweiter  Bischof  war  Barthol.   de 
Las  Casas  (1544 — 1550).    Es  stand  bis  zum  Jahre  1743  unter  Mexico. 
Honda-  ffof^iuras,   auch  Comayagua  genannt,   erhielt   im   Jahre   1539   seinen 
Kicarag-  crstcn  Bischof.     Nicaragua  wurde  durch  Bulle  PauFs  III.  vom  3.  No- 
vember 1534^)  errichtet.     Didacus  Alvares  Osarioj  sein  erster  Bischof 
(1531  — 1542)|   war  ein   geborner  Amerikaner.     In  neuester  Zeit  sind 
dazu  noch  die  Bisthumer  San  Jose   de  Costarica  (1850)  und  San  Sal- 
vador (1842)  für  die  gleichnamigen  Staaten  gekommen. 


§.  3. 

Santa  Das  Bisthum  Saute  Fe  de  Bogota  wurde  am  11.  September  1562 

^^^^  errichtet,  und  schon  am  22.  März  1564  zum  Erzbisthum  erhoben.  Es 
lag  im  Reiche  Neu-Granada.  Ihm  waren  die  Bisthumer  Panama, 
Panama,  g^  Marta,  üarthagcna  und  Popayan  zugetheilt.  Das  Bisthum  Panama^ 
auf  der  gleichnamigen  Eüilbinsel,  bestand  seit  1 1 .  Februar  1534.  Seine 
Cathedrale,  unter  der  Anrufung  ^^unserer  Frau^  oder  „unserer  Herrin^ 
von  Danen  ist  von  Stein,  and  von  grossartiger  Bauart  Die  Kirche 
der  heiligen  Maria  von  Darien  war  die  erste  christliche  Kirche  auf 
dem  Fesdande  von  Amerika.  Vom  Jahre  1533 — 1537  werden  fünf 
Bischöfe  genannt,  bis  zum  Jahre  1558   sieben,   erst  der  Dominikaner 


na. 


*)  Unter  den  spanischen  Schriftstellern  bei  NieoL  Antonio  kommt  der  Name 
Juan  Cwicos  nicht  vor.  —  Die  beiden  Ausgaben  des  Concils  vom  Jahre  1585  — 
Mezioo,  1622,  and  Paris  1726,  —  sind  sehr  selten  geworden,  befanden  sich  aber 
in  der  Bibliothek  des  <7.  M.  Andrade  -—  im  Jahre  1869  (Coneiliom  sAnetum  pro- 
vinciale,  Hezioi  eelebratnm  anno  1585,  praesidente  Petro  Moja  de  Contreras  archie- 
piscopo  Hezicano.  Mexico,  1622.  •—  Statuta  ordinata,  a  sancto  concilio  provinc. 
Hezicano  III.  anno  1685.  —  ibid.  fal.  —  Conciliam  mezieannm  provinciale,  celo- 
bratum  Mezici  anno  1585.  Parisii  (!)  1725  in  —  12.  d.  rel.  (Andrade,  1^69,  p.  191). 

*)  Alias:  2G.  Febr.  1531. 


goiia. 


Die  KirohenproTinzen  in  SfldAmerika.  207 

Paul,  de  Tarre»  um  das  Jahr  1660  scheint  wirklich  eingctreicu  zu 
sein.  Da  man  bis  zam  Jahre  1875  —  46  Bischöfe  zählt,  so  ergeben 
sich  für  jeden  im  Durchschnitte  nur  sieben  Jahre  der  Regierung. 
Man  muss  aber  noch  wenigstens  100  Jahre  der  langen  Sedisvacanzen 
abrechnen,  so  dass  sich  nur  fünf  Jahre  für  einen  Bischof  ergeben«  — 
Das  Bisthum  Cartagena  (in  Indiis)  wurde  von  Papst  Clemens  VII.  ^^^' 
am  24.  April  1534  errichtet;  seine  Cathedrale,  ,)Nuetra  Senora^,  wurde 
im  Jahre  1538  eingerichtet,  (d.  i.  die  schon  bestehende  Kirche  zur  Gathe- 
drale  erhoben).  —  Im  Jahre  1535  wurde  das  Bisthum  Santa  Marta  j^^ 
errichtet;  es  wurde  im  Jahre  1562  supprimirt,  und  im  Jahre  1577 
wieder  hergestellt.  Sein  erster  ernannter  Bischof  war  der  Dominikaner 
Thomas  de  ÖHiz.  Das  Bisthum  Popajan  wurde  am  22.  August  1546,  ^'y^^' 
die  Cathedrale  zu  „Unserer  Frau^  im  Jahre  1547  errichtet.  Die  Bis- 
thümer  Antioquia,  (Medellin,  seit  1804),  Neu-Pamplona  (1835),  und 
Pasto  (1859),  stammen  aus  dem  neunzehnten  Jahrhundert. 

Oestlich  schliesst  sich  die  Kirchenprovinz  von  Venezuela  an.  Am 
4.  Juni  1532  wurde  ein  Bisthum  in  Coro  errichtet,  welches  im  Jahre 
1736  nach  Caraceae  übertragen  wurde.  Es  stand  unter  dem  Erzbis-  ^^~^* 
thom  San  Domingo*  Erst  am  24.  November  1803  wurde  es  selbst 
zum  Erzbisthume  erhoben.  Unter  ihm  stehen  die  neuern  Bisthümer 
(Galabozo,  Coro  (1868),  Guayana  (1790)  und  Merida  (de  Maracaybo 
seit  1777). 

§•  4. 

Am  3.  Juli  1552  wurde  das  Bisthum  Charcas  errichtet,  welches 
auch  den   Namen    La  Plaia  und  Chuquisaca  de  Plata   trägt.  —  Die  ^^^^'^'^ 
Cathedrale,  welche  den  Namen  „St  Maria"  tragt,  hat  drei  Schiffe,  und  ist  im«u. 
sehr  reich  geschmückt  mit  ausgesudbten  Gemälden.    Seit  dem  2.  Juli 
1609  besteht  es  als  Erzbisthum.    Der   erste  Bichof  war  der  Domini- 
kaner  Thamcu  de  Set.  Martin  —   1553,  welcher  zu  Lima  im  Jahre 
1569  starb.  —  La  Plata  hat   heute  noch   drei^  früher  hatte  es  sechs 
Suffragane.    Das  Bisthum  „Unserer  Frau  de  la  Paz^  wurde  im  Jahre 
(IGOo)   1608    errichtet,    und  unter   la  Plata   gestellt.     Seine  schone 
Cathedrale  trogt  den  Titel  ^^Mariä  Geburt".    Ein  von  Kaiser  Carl  V. 
geschenktes  Bild  „unserer  Frau  del  Pilar''   wird  sehr  Tcrehrt     Das 
Bisthum  Cordava  in  der  Provinz  Tucuman  wurde  im  Jahre  1570  er-  j^^^^^^* 
richtet,  steht  aber  seit  neuester  Zeit  unter  dem  Erzbisthum  Buenos   man. 
Ayres.  —  Das  Bisthum  S.  Cruz  de  la  Sierra  wurde  am  6.  Juli  1606  ^-  ^'^' 
errichtet    Seine  Cathedrale  tragt  den  Namen  zum   „heiligen  Kreuz'^  sierm. 
—  Früher  gehorte  auch  das   Bisthum  Paraguay   oder   S.   Assumcion, 
gestiftet  im  Jahre  1547,  in  diese  Eirchenprovinz«    Die  Hauptstadt  der 
Provinz,  wie  die  Cathedrale  tragt  den  Namen;  „Himmelfahrt^'  (Maria's)« 


g«»y 


208  Dreizehntes  Bach.    Sechstes  Kapitel. 

Der  Franciscaner  Juan  de  los  Barrioe  y  Toledo  war  der  erste  (er- 
^'  wählte)  Bischof.  Das  Bisthnm  Salta  de  Tucuman  wurde  erst  im  Jahre 
1806  errichtet.  Buenos  Ayres  oder  das  Bisthnm  der  „heiligsten 
Dreieinigkeit^^  wurde  zwar  im  Jahre  1582  gestifitet,  trat  aber  erst 
im  Jahre  1620  mit  der  Cathedrale  des  heiligen  Martin,  und  dem  ersten 
Bischöfe,  dem  Garmeliter  Petrus  de  Carranza,  in  das  Leben.  —  Dieser 
Bischof  wohnte  im  Jahre  1629  einem  zu  Charcas  gehaltenen  Concil 
an,  dessen  Akten  uns  (bis  jezt)  nicht  bekannt  sind. 


§.  5. 

r 

ErKbifl.  Erst  im  Jahre   1866  wurde  Buenos  Ayrsa  zum  Erzbisthnm    fiir 


tham 
ruonoB 


die  Argentinische  Republik   hergestellt.     Unter  ihm   stehen   die    Bis- 
Ayrea.  thumcr  üordova  in  Tucuman,   Paraguay,   Salta   und   die   neuern  Bis- 
thümer  San  Juan  de  Cuyo  und  Parana. 

Die  Stadt  Lima  wurde  am  6.  Januar  1536  von  dem  „Conqui- 
stador^  Franz  Pizarro  gegründet;  Carl  V.  gab  ihr  im  Jahre  1537  den 
Titel  „Stadt^^  Papst  Paul  III.  errichtete  hier  ein  Bisthnm  am  19.  März 
Enbia-  1539,  Am  11.  Februar  1546  wurde  das  Bisthnm  zum  Erzbisthume 
Lima,  erhoben.  Die  Cathedrale  wurde  in  den  Jahren  1541  — 1543  einge- 
richtet. Sein  erster  Bischof  war  der  Dominikaner  Franc.  Hieronymus 
de  Loaysa'}.  Loaysa  wurde  im  Jahre  1640  von  dem  Bisthume  Car- 
tagena  in  Indien  hieher  versezt,  am  22.  August  1543  trat  er  ein,  das 
Pallium  aber  erhielt  er  am  9.  September  1548.  In  den  Jahren  1552 
und  1567  hielt  er  zwei  Concilien,  deren  Akten  jedoch  (noch)  nicht  zu 
uns  gelangt  sind.  Obgleich  Erzbisthnm,  war  Lima  noch  nicht  Metro- 
pole, stand  vielmehr  unter  der  Metropole  von  Sevilla,  Erst  im  Jahrej 
1571  wurde  es  Metropole;  sein  Patron  war  der  heilige  Joannes  dei^ 
Evangelist  In  der  schonen  Cathedrale  wurden  fünf  Concilien  gefeiert, 
die  zwei  schon  erwähnten,  und  drei  von  dem  heiligen  Tnribius  in  den 
Jahren  1582,  1591  und  1601  gehaltene.  Lima  erlangte  im  Laufe 
der  Zeit  10  Suffragansize,  von  denen  es  aber  mehrere  an  zwei  in 
unserer  Zeit  errichtete  Erzbisthümer  abtreten  musste« 
Biathnm  j^^iA  Bisthum  Cuzco  wurde  schon  am  5.  September  1588  errichtet. 

Sein  erster  Bisohof  war  der  schon  erwähnte  Dominikaner  Vincent, 
Valverde;  der  zweite  Bischof  war  Juan  Solano,  gleichfalls  Dominikaner, 
der  im  Jahre  1544  eintrat,  im  Jahre  1561  resignirte,  und  am  14.  Januar 
1580  zu  Bom  starb.    Die  grosse,  schone  nnd  reiche  Cathedrale  fuhrt 


*)  Kin  sehr  «aasgepri^r*,  und  dannn  der  ehemaligen  spanischen  Herrschafl 
in  Fem  abgeneigter  Pemaner  hat  mir  doch  gestanden ,  dass  die  spanischen  Erz- 
bisohöfe  von  Lima  fast  lauter  Heilige  gewesen  seien* 


Kirchenprovinz  Quito,  Santiago  de  Chile.  209 

Jen  Titel:  zur  „Himmelfahrt  Mariä^S  Cnzco  galt  nach  Lima  als  die  be- 
leuteDdste  Stadt  Pera's;  sie  war  die  Residenz  der  alten  Herrscher 
der  Incas).  —  Die  Stadt  Areqnipa  gehorte  zuerst  zum  Bisthume  ^requi. 
Cnzco,  bis  dieselbe  am  15.  April  1577  zur  Bischofsstadt  erhoben 
ivorde.  Das  Bisthnm  selbst  trat  erst  im  Jahre  1611  in  das  Leben. 
[)er  Dominikaner  Christoph  Rodriguez  wurde  als  erster  Bischof  er- 
lannt,  starb  aber  schon  im  Jahre  1612  in  dem  Orte  Cumana,  bevor 
T  Besiz  von  dem  Bisthume  ergriffen.  Die  Cathedrale  trägt  gleichfalls 
len  Namen  zur  ,,Himmelfahrt  Maria".  —  Die  Stadt  Truxillo  wurde  ttoxiuo. 
m  Jahre  1635  von  dem  Eroberer  Franz  Pizarro  gegründet,  nach  dem 
Kamen  seiner  Vaterstadt  Truxillo  in  Estremadura.  Truxillo  wurde 
im  Jahre  1577  (nur),  und  wieder  am  20.  Juli  1609  als  Bisthum  er- 
richtet. Der  erste  Bischof  traf  erst  im  Jahre  1616  ein,  und  starb  nach 
drei  Jahren. 

Quito   in   der  heutigen  Republik   Ecuador  wurde   am  1.  August  ^"'**'' 
1540  als  Bisthum  errichtet.     Seine  Cathedrale,   eine  der  reichsten  und 
prächtigsten  in  ganz  Amerika,  ist  „Unserer  lieben  Frau''  (Neustra  Senora) 
«gewidmet.     Die   sog.   „Plaza  mayor"   in  Quito   ist   in   der  Mitte   der 
Cathedrale,   des  Bischöflichen  Palastes,   des  Palastes   des  Präsidenten 
oder  Gobemadors   und   des   Stadthauses   oder   des   Ayuntamiento   der 
Stadt.     Der   erste   Bischof  von  Quito   war  Garcias  Diaz  Arias,    1545 
zu  Lima  geweiht,   gestorben   im   Jahre    1562.     Unter    Gregor  XVI. 
wurde  Quito  ein  eigenes  Erzbisthum  —  1837,  mit  den  neuem  Bisthü. 
niem  Cuenca,  Guyaquil ,   Ibarra,  Loja,   Riobamba   und  Portoviejo.  — 
Das    Bisthum   Guamanga   wurde   am   20.  Juli    1609   errichtet.    Unter   Gna- 
dem  Bischof  Cyprian  de  Medina  aus  dem  Predigerorden  —  seit  1660  *"*"«*• 
—  wurde   die   grossartige  Cathedrale  des  heiligen  Johannes  des  Täu- 
fers vollendet. 

Das  Bisthum   Santiago   de  Chile   wurde  am  27.  Juni  1561    er- ssnuago 
richtet,   und   erhielt  in  demselben  Jahre   als   ersten  Bischof  Roderich  ^•^"®' 
Gonzal.  Marmolejo.    Er  zählte   zur  Zeit   seiner  Ernennung   70  Jahre, 
und  starb  im  Jahre  1565.    Die  bisherige  Pfarrkirche  wurde  Cathedrale 
des   heiligen   Jacobus.     Eine     zweite    Cathedrale    „zur    Himmelfahrt 
((aria's^   wurde  im   Jahre    1667   eingeweiht.     Den   Bau   einer   neuen 
Jathedrale  begann   der  Bischof  Joannes  Gonzalez   Melgarejo   (1743 — 
754),  welche  im  Jahre  1830,  mit  Ausnahme  der  Giebelseite,  vollendet, 
gegen  schon  unter  dem  Bischof  Emmanuel  de  Altai  (1754  — 1788)  ein- 
eweiht  wurde.    Als  Hauptstadt  eines  besondem  Staates   wurde  San- 
ago  am  21.  Mai  1840  zum  Erzbisthume  erhoben.    Unter  ihm  stehen 
ie  neueren  Bisthnmer  Serena  und  S.  Carlo  de  Ancud,  sowie  das  ältere 
isthum  Concepcion  de  Chile.    Dieses   wurde   am  22.  Mai    1 563   er-  concep 
i-htet.     Sein  erster  Bischof  war    der    Franciscaner   Anton,   de   San^^^u^^^ 
iguel   (Solier);   seine   Cathedrale   trägt    den    Namen   des  Erzengels 

GftmS|  fptxu  KlrdM.  IIL  2.  14 


210  Dreizehntes  Bach.    Sechstes  Kapitel 

Michael.  —  (Von  Bisthümem  aus  neuerer  Zeit  stehen  noch  unter  dem 
Erzbisthume  Lima  —  Maynas  oder  Chacapoyas,  Huanuco  und  Pudo.) 


§.  6. 

Der  zweite  Erzbischof  von  Lima  war  der  heilige  Tnribius.  Turi- 
bius  Alfons,  der  Sohn  eines  Edelmanns  von  Mogrovejo,  wurde  am 
16.  November  1538  geboren.  Er  studirte  zu  Valladolid  und  Sala- 
manca;  später  begleitete  er  fünf  Jahre  lang  mit  Auszeichnung  die 
Stelle  eines  Präsidenten  von  Granada.  PhUipp  IL  wählte  den  Laien 
Toribio  zum  Erzbischof  von  Lima  —  1578 ,  welche  Würde  er  nach 
Dor  hei- ijiQcrem  Sträuben   annahm.    Er   war   ein   zweiter  Ambrosins  von  Mai - 

lige  Tu- 

ribioB.  land.  Nach  Empfang  der  heiligen  Weihen  eilte  er  nach  Lima,  wo  et 
am  24.  Mai  1581  eintraf.  Schon  im  Februar  1582  hielt  er  in  Lima. 
,,der  Stadt  der  Eonige^^,  seine  erste  Diocesansynode,  als  Vorbereitung 
zu  einem  spätem  Provincialconcil.  Er  beruft  sich  auf  die  Anordnung 
des  Concils  von  Trient,  nach  welcher  jährliche  Diocesansynoden  zuij 
Einschärfung  und  Erneuerung  der  Kirchenzucht  gehalten  werden  sollen^ 
Die  Synode  besteht  aus  29  Kapiteln  oder  Constitutionen;  dieselben; 
ß-ßy^o*  wurden  am  10.  März  in  der  Cathedrale  feierlich  verkündigt  —  Aus 
demselben  Grunde  berief  er  eine  zweite  Diocesansynode  auf  das  Festj 
des  heiligen  Andreas  im  Jahre  1583.  Die  hier  gefassten  Beschlüsse 
oder  Constitutionen  wurden  am  9.  Februar  1584  von  der  Kanzel  der 
Cathedrale  verkündigt  «—  Es  sind  11  kurze  Kapitel  ')• 

Das  Erzbisthum  erstreckte  sich  130  Stunden  entlang  der  Küste 
Während  die  wildeste  Unordnung,  Mord  und  Baub  unter  den  Spaniern! 
herrschten,  schmachteten  die  Indianer  unter  dem  härtesten  Drucke. 
Durch  Klugheit  und  Energie  brachte  Turibins  Ordnung  in  das  wildej 
Chaos.  Er  arbeitete  mit  Erfolg  an  der  Ausrottung  der  öffentlichen 
8.  apos.  Aergernisse.  Auf  einer  Reise  durch  seinen  Sprengel  unterzog  er  sich 
wirken!  unglaublichen  Mühen.  Ohne  Unterlass  lehrte,  betete  und  fiwtete  erj 
zur  Bekehrung  der  Indianer  sezte  er  überall  tüchtige  Seelenhirten  einJ 
Unerbittlich  war  er  gegen  die  Sünden  des  Clerus.  Wie  er  ein  Be- 
schüzer  der  Unterdrückten,  so  war  er  eine  Oeissel  der  offentlicheu 
Sünder.  Kein  Wunder  also,  dass  er  von  einigen  Statthaltern  in  Per 
verfolgt  wurde.  Er  stiftete  Seminarien,  Kirchen  und  Spitäler.  Nebei 
der  schon  bestehenden  Universität  von  Lima  wurde  durch  päpstlich 
Bulle  vom  20.  August  1586  eine  Universität  in  der  Stadt  Quit 
errichtet ')•  —  Als  eine  Fest  ausbrach,  so  gab  er  Alles  hin  und  brachte 


»)  Aguirre-Catalani,  t  VI,  p.  64—71. 

«)  Buttarium  Rom.  Taurin.  1863,  i  VIII,  p.  733— 7J6. 


DiOoesansynoden  d«8  hl.  Taribins.  211 

taglich  Bein  eigenes  Leben  znm  Opfer.  Drei  Male  Tisitirte  er  sein 
ganzes  Biethom.  Die  erste  Reise  dauerte  sieben  Jahre,  die  zweite  fiinf 
Jahre,  die  dritte  etwas  weniger.  Er  bekehrte  eine  unzählbare  Menge 
von  Heiden.  Er  hatte,  obgleich  an  Jahren  vorgeräckt,  die  verschie- 
denen Sprachen  der  indianischen  Stamme  erlernt.  Er  traf  im  Allge- 
meinen die  Bestimmung,  dass  je  nach  drei  Jahren  eine  Diöcesansynode, 
je  nach  sieben  Jahren  ein  Provincialconcil  gehalten  werden  sollte.  Auf 
das  Fest  der  heiligsten  Dreieinigkeit  des  Jahres  1585  berief  er  seine 
dritte  Diocesansynode  in  die  Stadt  San  Domingo  de  Yangay.  Es 
wurden  93  Kapitel  oder  Constitutionen  erlassen,  welche  am  17.  Juli 
1595  publicirt  wurden.  Ebe  neue  Synode  wurde  gleichzeitig  auf  den 
25.  Juli  158G  ausgeschrieben,  von  der  wir  wissen,  dass  sie  gehalten 
worden.  Die  Constitutionen  der  Synode  von  1685  werden  als  bestän- 
dige Synodal-Constitutionen  des  Erzbisthums  erklart,  welche  alle  geist- 
lichen und  weltlichen  Personen  in  Händen  haben  sollen^).  —  Die  für 
das  Jahr  1586  ausgeschriebene  rierte  Diocesansynode  fand  wirklich  in 
der  Stadt  Santiago  de  Yaural-Camba  statt.  Sie  erliess  30  Kapitel, 
welche  am  7.  September  publicirt  wurden.  Papst  Gregor  XIIL  hatte 
am  12.  Juli  1584  dem  Turibius  gestattet,  nach  je  zwei  Jahren  seine 
Synode  zu  berufen.  Desswegen  beruft  er  eine  weitere  Synode  auf  den 
7.  September  1588.  Die  Säumigen  werden  mit  einer  Strafe  von 
100  Pesos  (Silber)  belegt«). 

Die  angekündigte  fünfte  Synode  wurde  in  der  Stadt  St.  Christoval 
de  Ynanes  am  7. — 20.  September  1588  gehalten.  Es  wurden  30  Kapitel 
festgestellt,  und  verkündigt,  am  16.  October  aber  in  der  Cathedralc  zu 
Lima  publicirt').  Die  sechste  Diocesansynode  wurde  in  der  „Stadt 
der  Könige^  selbst  am  11.  October  1590  begangen.  Es  wird  den 
Priestern  und  Klerikern  u.  a.  verboten,  spazieren  zu  reiten,  Maulthiere 
mit  Tüchern  zu  behängen  u.  s.  w.  Es  wurden  11  Kapitel  erlassen^). 
Am  21.  October  1592  wurde  die  siebente  Diocesansynode  zu  Lima 
gehalten,  d.  i.  geschlossen,  mit  30  Kapiteln.  Darin  wird  u.  a.  gefor- 
dert, dass  die  Beschlüsse  der  beiden  in  den  Jahren  1567  und  1583  zu 
Lima  gefeierten  Provincialconcilien  beobachtet  werden  sollen. 

Von  dem  Concil  von  1567  wissen  wir  nur,  dass  dort  die  An- 
nahme der  Decrete  des  Trienter  Concils  Gegenstand  der  Verhand- 
lung war.  Die  Akten  des  Provincialconcils  vom  Jahre  1583  finden 
sich  bei  Tejada  im  Auszuge  unter  der  Ueberschrift:  „Concilio  I.  Pro- 


0  Äguirre-Caialani,  VI,  p.  193—208. 
»)  AguirreCaialant,  VI,  p.  208—215. 
•)  Agwrre'Oaialanif  VI,  p.  215-.  200. 
0  AgvirreOatoilani,  VI,  p.  220—222. 

14 


212  Dreizehntes  Bach»    Sechstes  Kapitel. 

vbcial  de  Lima  ano  1582^^').  Das  Concil  hielt  nämlich  fanf  Sizungen, 
die  erste  am  15.  August  1582,  welcher  fö^f  Bischöfe  anwohnten.  Im 
October  kam  der  Dominikaner  Petrus  de  la  Pena,  Bischof  von  Quito, 
an,  welcher  am  7.  März  1583  zu  Lima  an  Altersschwäche  starb.  Die 
zweite  Sizung  fand  erst  am  15.  August  1583  statt.  Auch  Sebastian 
de  Lartaun,  Bischof  von  Cuzco,  starb  auf  der  Synode  am  9.  October 
1583.  Die  fünfte  und  lezte  Sizung  fand  am  18.  October  statt.  Der 
lateinische  Text  der  Synode  wurde,  mit  Zusäzen,  zu  Rom  im  Jahre 
1610  approbirt,  und  zu  Madrid  im  Jahre  1614  gedruckt  (woraus  die 
Auszüge  bei  Tejada  genommen  sind).  Tejada  hat  aber  zum  erstenmal 
eine  sehr  interessante  Denkschrift  veröffentlicht,  welche  der  Licentiat 
F<dcon  im  Interesse  der  unterdrückten  Indianer  an  die  Synode  richtete, 
und  welche  sich  als  Manuscript  in  der  National- Bibliothek  zu  Madrid 
erhalten  hatte  ^). 

Nach  der  damaligen  kirchlichen  Verfassung  mussten  zehnDiocesan- 
Bischöfe  auf  diesem  Concil  erscheinen.  Das  Bisthum,  d.  i.  die  Stadt 
Quito  war  200  Leguas  von  Lima  entfernt,  der  Bischof  von  Popayan 
300,  der  von  Cuzco  150,  der  Bischof  von  Paraguay  600  Meilen,  der 
von  Santiago  de  Chile  400,  der  von  der  Stadt  „La  Imperial^',  an 
dessen  Stelle  später  Goncepcion  de  ChUe  trat,  war  500  Meilen,  das 
Bisthum  Panama  400,  das  von  Nicaragua  mehr  als  600  Meilen,  das  von 
„los  Charcos^%  heutzutage  Buenos- Aires,  800,  das  von  Tucuman  40() 
spanische  Meilen  entfernt.  Troz  dieser  Entfernungen,  und  der  gänzlich 
fehlenden  oder  lebensgefährlichen  Wege  fehlten  von  den  zehn  Bischöfen 
nur  der  von  Panama,  das  eben  erledigt  war,  der  von  Nicaragua,  der 
zwar  1580  ernannt,  vielleicht  aber  1582  noch  nicht  eingetroffen  inrar, 
und  der  Augustiner  Augustin  de  Coruna  (1563 — 1590)  genannt  „der 
heilige  Bischofs,  von  Popayan,  der  wegen  der  Gerechtigkeit  ssweimal 
verbannt  wurde.  Er  wurde  auf  d^m  Wege  nach  Lima  durch  einen 
Unglücksfall  zurückgehalten^). 

Seine  zweite  Provincialsynode  hielt  Turibius  zu  Lima  im  Jahre 
159  L  Von  dieser  Synode  hat  Ant  Montalvo  nur  Bruchstücke,  ent- 
haltend 20  Kapitel,  aufgefunden.     Sie   sind   nur   von  dem  Erzbischof 


0  T^ada,  V,  p.  486-522. 

•)  L.  c.,  p.  488>-606. 

*}  Lima  limata  conciliis  constitutionibafl  •  .  •  .  qnibas  Toribiaa  Alph.  Mo^ro- 
vejoB  provinciam  Limensem  sen  Peravinnm  imperinm  limavit,  latine  reddidit,  etc. 
JSaroldus.  Somaey  1673  —  fol.  —  Haroldus  hat  die  Ausgabe  von  1614  abdrucken 
lasBen.  Aguirre  und  (Äguirre-)  Catalani  haben  den  Text  des  Haroldus  repro- 
dncirt  (VI,  p.  27—51—65).  Tejada  hat  nur  einen  Auszog  gegeben.  (Bei  Haral- 
dtiB  finden  sich  die  drei  Provinoial  -  und  die  zehn  Diöcesansynoden ,  welche  bei 
Aguirr^  t  IV,  und  bei  Aguirre-Catalani,  t.  VI  reprodncirt  werden.) 


Synoden  des  heiligen  Turibinfl.  213 

und  dem  Bischof  Gregor  de  Mantalvon  von  Cuzco  unterzeichnet.    Ob, 
und  welche  andere  Bischöfe  zugegen  waren,  wissen  wir  nicht'). 

Am  31.  October  1592  schloss  Tnribias  zu  Lima  seine  siebente 
Diocesansynode,  in  welcher  30  Kapitel  erlassen  wurden').  Zugleich 
wurde  die  achte  Synode  auf  den  31.  October  1594  berufen.  Dieselbe 
wurde  am  24.  November  1594  in  der  Stadt  S.  Pedro  y  Paolo  von 
Piscobamba  geschlossen.  Es  wurden  48  Kapitel  erlassen^,  und  die 
nächst«  Synode  auf  den  24.  November  1596  berufen,  deren  Akten 
sich  nicht  mehr  vorfinden.  — 

Seine  dritte  Provincialsynode  konnte  Turibius  erst  im  Jahre  1601 
halten,  welcher  nur  die  beiden  Bischöfe  von  Panama  und  Quito  an- 
wohnten ^),  Zwar  hatte  Turibius  dieses  Concil  schon  auf  den  3.  März 
1598  ausgeschrieben.  Damals  hatten  sich  nur  zwei  Bischöfe  auf  die 
Reise  begeben^  der  von  Paraguay,  welcher  noch  nicht  consecrirt  war, 
nnd  der  auf  der  Beise  starb,  der  von  Tucuman  aber  erkrankte  so 
schwer,  dass  er  umkehren  musste.  Als  am  11.  April  1601  keine  an- 
dern Bischöfe  mehr  erwartet  werden  konnten,  eröffnete*  der  Erzbischof 
das  Concil.  Die  zweite  Sizung  wurde  am  17«  April  gehalten.  Es 
Würden  fünf  Decrete  erlassen.  Am  18.  April  wurde  das  Concil  ge- 
schlossen*}. —  Am  16.  Juli  1602  hielt  Turibius  seine  neunte  uns  be- 
kannte Di5cesansynode ,  in  der  49  Kapitel  erlassen  wurden.  Am 
31.  Juli  1604  hielt  er  seine  zehnte  und  lezte  uns  bekannte  Bisthums- 
Synode,  sie  erliess  43  Kapitel*).  —  In  dem  Leben  des  ,^Heiligen^'  von 
Antonius  a  Leon  Pindo  wird  gesagt,  dass  Turibius  3  Provincial-  und 
13 — 14  Diocesansynoden  gehalten  habe« 

In  Santa,  110  Stunden  von  Lima,  erkrankte  Turibius,  er  Hess 
sich  zum  Empfang  der  heiligen  Wegzehrung  in  die  Kirche  tragen,  und 
verschied  unter  den  Worten:  „In  manus  tuas.  Domine,  commendo  spi- 
ritrnn  menm"  —  am  23.  März  1606.  —  Man  brachte  im  folgenden 
Jahre  seinen  noch  unverwesten  Leib  nach  Lima;  im  Jahre  1679  wurde 
er  selig-,  im  Jahre  1726  heiliggesprochen.  Er  habe  einen  Todten  auf- 
erweckt, mehrere  Kranke  geheilt^. 


')  Aguirre  •  CaMani,  VI,  p.  895—  398.  —  Hier  sind  den  20  Capitula  —  die 
Heg:iila  oonsaeta  oder  Institationes  consaetadmales  Ecdes.  Metr.  Limensis  beige- 
%t,  p.  398—420.  T^ada  y  Eamiro,  VI,  p.  636—647,  welcher  den  20  Capitula 
zwei  wichtige  Docnmente  voranssohickt,  darunter  den  Brief  des  Taribias  an  König 
Philipp  n.  vom  16.  MSrz  1591. 

*)  AffidTre-Catakmiy  VI,  p.  420—428. 

^  Ägtdrre-CaUUani,  p.  429—440. 

*)  Franc.  Ant,  MonUUvOy  „Novns  mundos*. 

^  Äguirrt-CatdUmi,  VI,  p.  477—480.    T^ada,  VI.  p.  647-648. 

•)  Aguirre-Catalani^  VI,  p.  485—490. 

^)  S.  Urkunden  s.  Canonisation.  —  Antonius  de  Leon  Pindo,  Vida  del 


214  Dreizehntes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 


Die  heilige  Rosa,  „die  erste  BliUhe  der  Heiligkeit  im  südlichen 
Amerika^^,  wurde  za  Lima  am  20.  April  t5>6  geboren.  Von  frühester 
Jagend  bewies  sie  eine  wunderbare  Stärke  in  Ertragung  aller  geistigen 
und  leiblichen  Leiden,  für  welche  Leiden  sie  wie  vorherbestimmt 
schien.  Obgleich  sie  täglich  wohl  12  Stunden  im  Gebete  zubracht«, 
arbeitete  sie  doch  mehr  als  alle  andern.  Ihren  in  Armuth  gerathenen 
Eltern  erwarb  sie  den  Lebensunterhalt.  Sie  trat  in  den  dritten  Orden 
des  heiligen  Dominikus  zu  Lima.  Sie  lebte  ein  abgeschiedenes  Leben 
in  einer  Zelle  im  Garten  ihrer  Eltern.  Oft  blieb  sie  acht  Tage  lang 
ohne  Nahrung.  Bei  dem  Empfang  der  heiligen  Gommunion  nahm  sie 
die  Gestalt  wie  eines  Engels  an.  Die  heilige  Gommunion  stärkte  und 
hl.  Kos«  i)elei)te  auch  ihren  Leib.  Es  war  ihr  dann  nicht  möglich ,  irdische 
1686  —  Speise  zu  gemessen.  Sie  übte  ganz  unglaubliche  Abtodtungen«  Ihr 
1617.  i^ger  bestand  ganz  aus  Glasscherben  und  andern  spizigen  Gegen- 
ständen« In  den  lezten  15  Jahren  ihres  Lebens  —  führte  sie  der  Herr 
in  eine  bittere  Leidensschule  —  er  überliess  sie  langer  Trostlosigkeit 
und  innerer  Verlassenheit,  die  peinvoUer  war,  als  alle  körperlichen 
Leiden,  aber  auch  ihre  Heiligkeit  vollendeten.  Am  24.  August  1617 
ging  sie  ein  in  die  Freuden  ihres  Herrn.  Sie  wurde  im  Jahre  1668 
selig-,  im  Jahre  1671  heiliggesprochen.  Sie  ist  Hauptpatronin  des 
Reiches  von  Peru*). 


llnatriBsimo  y  Beverendissimo  D.  Tortbio  Alfonso  Mogrovejo,  Arzob.  de  Uma,  Lim. 
1653.  Italienisch  von  Mich.  Äng.  Lapi,  Rom.,  16ö5,  i*.  Oyprianus  de  Htrrera^ 
Mirabilem  vitam  et  mirabiliora  acta  Y.  Servi  D.  A.  Toribii  Mogrovejfi  Limani 
archipr.,  ex  actis  lei^timis  de  mandato  Sacrae  Rituom  GoBgregationis  oo&fectis, 
Romas,  1670  —  4*.  —  {Benedict.  XIV.,  de  Servis  dei  canoniz.,  t  IV,  tract.  de 
mirac.,  cp.  16.)  BuÜer,  Leben  der  Heiligen,  von  liaess  und  TTeis,  IV,  p.  196  — 
206.  Nebstdem  schrieben  über  sein  Leben:  Niool,  ÄrU.  Ouerrero;  Ancutaa.  I^ico- 
seUi;  Jacob.  Laderchi;  Fr.  Anton,  de  Lorea;  Franc.  Macedo,  Vita  &  Tnriliii  de 
Mogrovejo,  arch.  Limani,  Venet,  1668  —  4^  —  OabrieL  Maria  VaienKuda;  Franc 
de  Morüalvo. 

')  Ihr  Leben  in  Acta  Sctor.  —  26.  Aug.  t.  V;  p.  902—981,  anelöro  Leon, 
Hansen,  0.  S.  D.  —  ex  edit  3  —  Lovanii,  1668  impressa.  —  Oaperi  Commentar. 
praev.,  p.  892— 902.  —  Gloria  posthoma,  p.  984— 1029.  —  Ihr  Leben  von  Byacinthus 
de  la  Parraj  Matr.  1668  (fibers.  d.  lat.  Lebens  von  L.  Hansen^  AndreoB  FVrrer 
de  Valdecebro,  Matrit,  1666,  4*.  —  Änt  OonzaUz  de  Äcuna,  0.  S.  D.,  Compen- 
dinm  admirab.  vitae  B.  Rosae,  Romae  1665  (laaoh  spanisch  geschrieben);  Fr.  Ijuis 
Antonio  de  Oviedo.  Das  Leben  von  Oonzales  erschien  an^  in  Warschao«  Anonym 
erschien  ihr  Leben  za  Angsbnrg,  1670,  französ.  von  Jean  Andri  FaMre,  Bordeaux, 
1668,  und  J.  B.  Feuilet,  Paris,  1669.  Qiovagnoliy  Ant.  Fr.,  Vita  di  s.  Rosa  di 
Lima,  Rom.,  1768.  —  Bwsierre,  Mar.  Th£od.  Renoual  de  (t  1866),  Le  Peron  et 
B.  Rose  de  Lima,  Paris,  1868.  8*. 


Die  Bischöfe  aus  den  geistlichen  Orden.  215 

Maria  Anna  a  Jesu  de  Paredesj  genannt  die  „Lilie  von  Quito^^, 
worde   am  30.  September  1618   in  dieser  Stadt  geboren.    Zehn  Jahre 
alt,  legte  sie  die  drei  Geliibde  der  Kenschheit,   Armnth  und  des  Ge- 
horsams ab,  ohne  in  einen  besondem  Orden  zu  treten.    Sie  fühlte  den 
tiefsten  Schmerz  und  das  innigste  Mitleid  mit  den  Völkern,   die  noch 
in  der  Nacht  des  Heidenthums   sassen ,   und  wollte  auf  den  Flügeln 
der  Liebe  zu  ihrer  Bekehrung  dahineilen.    Da   ihr  diese  nicht  gelang, 
so  ergab  sie  sich  in  den  Willen  Gottes,   und   bewohnte   eine  einsame 
Zelle  in   ihrem   elterlichen   Hause,   wo   sie   ein   wahrhaft  himmlisches 
Leben  fiihrte.    Den  grössten  Theil  des  Tages  und  der  Nacht  widmete 
sie  dem  Gebete  und  der  Betrachtung.    Sie  erreichte  nur  das  27.  Jahr 
ihres  Lebens,    und  starb  am  25.  Mai  des  Jahres  1644.    Nach  ihrem 
Tode  wurde   sie  durch  viele  Wunder  verherrlicht,   und  der  Ruf  ihrer  *'«*"«<» 
Heiligkeit  wuchs   immer  mehr.    Papst  Pius  VL  erklärte  am  16«  März  seiigo. 
1776,  dass  ihre  Tugenden  heroische   gewesen.   —  Nachher  wurde  die 
Untersuchung  über  die   auf  ihre  Anrufung  vollbrachten  Wunder  ein- 
geleitet.    Zwei  Wunder  waren  besonders  beglaubigt,  und  wurden  durch 
Decret  Pins   LK.   am    14.   Januar    1847   als  wirkliche  bestätigt     Am 
7.  October  1850  sprach  Papst  Pius  IX.  die  Dienerin  Gottes,  genannt 
„die   Lilie   von   Quito^^    selig.     Diess   geschah   auch   in   Folge   der 
frommen  und  inständigen  Bitten  der  Bewohner  von  Quito,   so  dass  in 
der  Stadt  und  Diöcese  von  Quito  ihr  Fest  am  26.  Mai  —  „ritu  duplici^' 
begangen  werden  möge  ')• 

§.  8. 

Die  Eorche  von  Spanien,  aus  welcher  so  viele  Heilige  dem  Him- 
mel entgegenreiften,  ist  besonders  wunderbar  durch  die  erstaunlich 
grosse  Zahl  von  Glaubensboten,  welche  sie  bis  zum  heutigen  Ta^e 
nach  Westindien,  wie  nach  Ostindien  entsendete.  Im  edelsten  Wett* 
eifer  rangen  hier  in  der  Missionsthätigkeit  die  verschiedenen  geist- 
lichen Orden  um  die  Palme,  Ueberaus  gross  war  das  Gebiet  der 
Missionen,  aber  auch  überaus  gross  die  Zahl  der  Missionäre,  die  zur 
Bebauung  desselben  jedes  Jahr  aus  Spanien  auszogen.  Voran  gingen 
den  andern  die  Dominikaner  und  die  Franciscaner ,  und  gründeten 
überall  EJoster.  Es  folgten  die  Augustmer,  Hieronymiten,  Minimen, 
Norbertiner ,  Benedictiner,  Cisteroienser,  Trinitarier,  Mercedarier,  später 
die  Jesuiten  und  Carmeliten.  Die  Geschichte  ihrer  Wirksamkeit  ist 
in  besondem  grossen  Werken  beschrieben  worden«    Uns  fehlt  hier  der 


■)  Pii  IX.  F.  H.  Acta,  t.  I,  Born.  1854,  p.  247-260.  —  Oams,  Kirchengesch. 
(les  neaniehnten  Jahrh.,  Bd.  Ill,  1856,  S.  705—706. 


216  Dreizehntes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 

Baum,  näher  auf  dieselbe   einzugehen.    Wir  wollen   nur  aof  eine  Er- 
scheinung hinweisen,   auf  die  zahlreichen  Bischöfe   aus   den   verschie- 
denen Orden,  welche  die  neugegründeten  Bisthumer  in  Amerika  über- 
nahmen und  leiteten.     Nach  einer  ungefähren  Berechnung  zählen  -wir: 
Bisohofo  Im  Bisthum  Antequera  —  Bischöfe  aus  dem  Weltklerus  15,  aus 

RUS    dOD  ^_  .^  

Orden,  geistlichen  Orden  —  9,  4  Dominikaner,  2  Benedictiner,  I  Cistercienser, 
1  Augustiner,  1  Mcrcedarier. 

Bei  dem  Bisthum  Arequipa  zählen  wir  in  der  Zeit  der  spanischen 
Herrschaft  14  Bischöfe  aus  dem  Stande  der  Weltpriester,  2  Domini- 
kaner, 3  Augustiner,  1  Trinitarier,  1  Mercedarier,  1  Capuciner. 

In  dem  Erzbisthum  Santa  Fe  de  Bogota  zählen  wir  20  ErzbischSfe 
aus  dem  Weltklerus,  5  Dominikaner,   2  Franciscaner,  1  Hieronymiten, 

1  Minimen,  1  Norbertiner,  1  Augustiner.  —  Das  Bisthum  Buenos 
Ayres  hatte  9  Bischöfe  aus  dem  Weltklerus,  2  Dominikaner,  2  Francis- 
caner, 1  Benedictiner,  I  Carmeliten,  1  Augustiner,  1  Trinitarier.  — 
Das  Bisthum  Cartagena  zählte  18  Bischöfe  aus  dem  Weltlkeras, 
10  Dominikaner,  4  Franciscaner,  2  Hieronymiten,  1  Trinitarier,  1  Cis- 
tercienser, 2  Basilianer.  Das  Bisthum  Maynas  (seit  1805)  zählte 
einen  Franciscaner  zum  ersten  Bischof.  In  dem  Bisthume  Chiapa  zahlten 
wir  7  Bischöfe  aus  dem  Orden  des  heiligen  Dominikus,  unter  ihnen 
den   grossen  Barthol.    Las   Casas,   3    Franciscaner,    1    Benedictiner, 

2  Augustiner,  1  Hieronymiten,  3  Mercedarier,  18  Bischöfe  aus  dem 
Weltclerus.  Das  Bisthum  Santiago  de  Chile  hatte  17  Bischöfe  aus 
dem  Weltklerus,  1  Dominikaner,  5  Franciscaner,  1  Augustiner.  Das 
Bisthum  Concepcion  de  Chile  hatte  in  der  spanischen  Zeit  25  Bischöfe, 
von  ihnen  waren  13  Weltpriester,  6  Franciscaner,  1  Dominikaner, 
1  Cistercienser,  3  Augustiner,  1  von  unbekanntem  Orden.  Das  Bis- 
thum Cordova  in  Tucuman  hatte  vom  Jahre  1570  —  22  Bischöfe, 
12  aus  den  Beihen  der  Weltpriester,   3  Franciscaner,  3  Dominikaner, 

3  Augustiner,  1  Carmeliten.  S.  Oruz  de  la  Sierra  hatte  von  1605  — 
1820  23  Bischöfe,  von  denen  15  Weltpriester,  4  Dominikaner,  1  Francis- 
caner, 1  Augustiner,  1  Carmelit,  1  Mercedarier  war.  —  Das  Bisthum 
Santiago  de  Cuba  hatte  34  Bischöfe,  darunter  4  Dominikaner,  4  Francis- 
caner, 1  Carthäuser,  2  Mercedarier,  1  Trinitarier,  1  Cistercienser, 
1  Basilianer»  Das  Bisthum  Oitzco  hatte  bis  zum  Jahre  1821  — 
24  Bischöfe,  16  aus  dem  Weltklerus,  3  Dominikaner,  1  Jesuiten, 
3  Augustiner,  1  Franciscaner.  Das  Erzbisthum  San  Domingo  hatte 
vom  Jahre  1525  an  bis  zum  Jahre  1817  —  36  Bischöfe  und  Erz- 
bischöfe, 5  waren  Dominikaner,  1  Franciscaner,  1  Benedictiner,  1  Cis- 
tercienser, 1  Norbertiner,  2  Hieronymiten,  4  Augustiner,  1  Mercedarier^ 
1  Trinitarier.  Das  Bisthum  Duran^o  hatte  von  1620 — 1815  —  22  Bischöfe, 
darunter  1  Franciscaner,  1  Augustiner,  1  Benedictiner,  1  Minimen, 
1  Carmeliten.    Gfuadalaxara  hatte   von   1553 — 1819   —   80  Bischöfe. 


Die  Bischöfe  aus  den  goistlichen  Orden.  217 

Von  ihnen  waren  20  ans  dem  Weltklerns,  4  Franciscaner,  2  Domini- 
kauer,  2  Benedictiner,  1  Augnstiner,  1  Mercedarier.  Quamanga  hatte  ^^^ 
von  1612  — 1818  —  25  Oberhirten,  davon  waren  2  Dominikaner, 
3  Augustiner,  1  Basilianer,  1  Mercedarier.  Guatemcdaj  Erzbisthnm  seit 
1743,  hatte  von  1533—1875  —  24  Oberhirten,  —  18  waren  Welt- 
priester, 1  Dominikaner,  1  Hieronymit,  1  Benedictiner,  1  Franciscaner, 

2  Angostiner.  —  Das  Bisthum  Verapcus  hatte  überhaupt  nur  5  Bischöfe, 
von  welchen  die  3  ersten  Dominikaner  waren.  Im  Bisthum  Honduroi 
zählt  man  bis  1817  —  23  Bischöfe«  Weltpriester  waren  11,  3  waren 
Dominikaner,  3  waren  Franciscaner,  3  Hieronymiten,  1  Benedictiner, 
1  Basilianer,  1  Norbertiner.  Nueva  Leon^  gestiftet  im  Jahre  1778, 
hatte  2  Franciscaner  als  seine  2  ersten  Bischöfe.  —  Lima  zählte  bis 
zam  Ende  der  spanischen  Herrschaft  18  Erzbischofe.  Der  erste  war 
ein  Dominikaner,  der  zweite,  der  heilige  Turibius,  ein  Weltpriester, 
dann  noch  14  aus  dem  Stande  der  Weltpriester,  2  Trinitarier.  Das 
Bisthum  Santa  Marta  hatte  bis  I8l7  —  83  Bischöfe,  wovon  allerdings 
nicht  alle  das  Bisthum  antraten,  5  waren  Dominikaner,  6  waren  Francis- 
caner, 1  Hieronymite,  1  Augustiner,  1  Cistercienser,  1  Trinitarier. 
Mechonean  hatte  vom  Jahre  1536  an  —  30  Bischöfe.  Davon  waren 
18  Weltpriester,  1  Dominikaner,  2  Franciscaner,  5  Augustiner,  2  Merce- 
darier^ 1  Hieronymite,  1  Minime.  —  Das  im  Jahre  1782  gegründete 
Bisthum  Merida  de  Maracaybo  hatte  zur  Zeit  der  spanischen  Herr- 
schaft 2  Dominikaner,  und  1  Franciscaner  zu  Bischöfen. 

Das  Erzbisthum  Meaeico  hatte  23  Oberhirten  bis  zum  Jahre  1820, 
16  davon  waren  aus  den  Reihen  der  Weltpriester,  2  waren  Francis- 
caner, 2  Dominikaner,   1  Benedictiner,    1  Augustiner,    1  Hieronymite. 
—  Das   Bisthum  Nicaragim  hatte  von   1531-^1817   —   32  Bischöfe;  Bi«ch»f« 
13  derselben   waren    aus   dem   Stande    der   Weltpriester ,    19   waren  ^q^^J^ 
Mönche,   und  zwar  4  Dominikaner ^  5  Franciscaner,   2  Hieronymiten, 

3  Augustiner,  1  Benedictiner,  1  Norbertiner,  1  Trinitarier,  2  Merce- 
darier. Es  zeigt  sich  auch  hier,  wie  sonst,  dass  die  abgelegeneren  und 
klemem  Bisthümer  vorzugsweise  mit  Mönchen  besezt  wurden.  So 
hatte  Panama  unter  etwa  40  Bischöfen  —  20  aus  Orden,  6  Domini- 
kaner, 4  Franciscaner,  1  Benedictiner,  1  Hieronymiten,  3  Augustiner, 
1  Norbertiner,  2  Carmeliten,  1  Trinitarier,  1  Mercedarier.  In  dem 
Bisthum  Paraguay  werden  bis  zum  Jahre  1816  —  c.  31  Bischöfe  ge- 
zahlt; 4  waren  Dominikaner,  7  Franciscaner,  4  Augustiner,  1  Benedic- 
tiner, 2  Mercedarier.  —  La  Paz  hatte  von  1608—1818  —  21  Bischöfe, 
3  waren  Dominikaner,  3  Franciscaner,  1  Augustiner,  1  Trinitarier. 
La  Plato,  Erzbisthum  seit  1605,  hatte  von  1&&3  — 1818  33  Oberhirten, 
davon  4  Dominikaner,  1  Franciscaner,  6  Augustiner,  2  Benedictiner, 
i  Cistercienser,  1  Trinitarier,  1  Carmeliten. 

Popayan  hatte  von  1547—1816  —  27  Bischöfe;  2  waren  Domini- 


l 


218  Dreizehntes  Bach.    Sechstes  Kapitel. 

kaner,  1  Franciscaner,   4  Augustiner,    1  Jesuit,    ]  Carmelit.    —    Das 

^"•'*^- heute  noch  spanische  Bisthum  Puertarieo  hatte  von  1512  — 1834 
43  Bischöfe^  unter  ihnen  3  Dominikaner,  4  Franciscaner,  1  Capuciner, 
2  Augustiner,  1  Hieronymiten,  2  Carmeliten,    1  Trinitarier,    1  Merce- 

Puebi«.  tarier,  2  Benedictiner,  4  Basilianer.  —  Das  Bisthum  Puebla  zahlte 
seit  1527  —  1  Dominikaner,  1  Franciscaner;  es  hatte  nur  2,  und  nach 
15Ö7  keinen  Mönch  mehr.    Es  gehorte   zu  den  reichsten  und  einträg- 

Quito.  Hchsten  Bisthümern  Amerika's.  —  Quito  zählte  bis  1818  unter  seinen 
Bischöfen  3  Dominikaner,  2  Franciscaner,  1  Augustiner,  1  Cistercienser; 
auch  es  gehörte  zu  den  reichsten  Bisthümern.  4  Franciscaner  leiteten 
nach  einander  das  im  Jahre  1780   —   gegründete  Bisthum  Sonora,  — 

Tmxu-  Tntxillo  hatte  bis    ISi^ö  —  c.   30  Bischöfe,  darunter   2   Dominikaner, 

1  Franciscaner,  1  Hieronymiten,  1  Trinitarier,  1  Mercedarier,  1  Bene- 
dictiner, 1  Jesuiten.  —  Venezuela  hatte  bis  zum  Jahre  1803,  wo  es 
Erzbisthum    wurde,   6   Dominikaner   zu    Bischöfen,     1    Franciscaner, 

2  Mercedarier,  2  Minimen ,  1  Benedictiner.  —  Endlich  hatte  Yucatao 
unter  27  Bischöfen  2  Dominikaner,  5  Franciscaner,  3  Augustiner, 
1  Hieronymiten,  2  Benedictiner*).  — 


lo. 


§.  9. 

Allerdings  trat  nach  der  neuen  Golonialgesezgebung  von  1542 
eine  Milderung  des  Looses  der  Indianer  ein');  aber  nicht  far  alle 
Zeit.  Wie  überhaupt  schon  in  der  zweiten  Hälfte  der  Begierung 
Fhilipp's  n.  in  Spanien  selbst  im  Kirchlichen  und  Politischen  der 
Rückschritt  begann,  so  auch  in  dem  spanischen  Amerika.  Der  kirch- 
liche und  politische  Zerfall  Spanien's  seit  der  spätem  Zeit  Philipp's  II., 
im  ganzen  siebzehnten  und  achtzehnten  Jahrhundert  musste  auch  auf 
das  Volk  und  die  Kirche  in  Amerika  zurückwirken.  Wie  Spanien 
erlahmte  und  zerfiel^  so  das  spanische  Amerika.  Diess  um  so  mehr, 
da  auch  die  Eingebornen  selbst ,  sodann  die  verschiedenen  Arten  von 
Mischlingen,  die  Mestizen,  Creolen  u.  s.  w.  wohl  die  schlimmen,  aber 
nicht  die  guten  Eigenschaften  der  gebomen  Spanier  anzunehmen  ge- 
neigt waren.  Unter  diesen  Mischlingsra^en  herrschte  eine  sittliche 
Ungebundenheit,  unter  deren  vergiftenden  Einfluss  auch  die  ächten 
Spanier  fielen.  D.  Jorge  Juan  und  D.  Antonio  de  UUoa,  Generale 
der  spanischen  Marine,  wurden   im   Jahre    1737   von   ihrer  Regierung 


*)  Die  Zahl  der  eiDzelnen  Bischöfe  ist  überhanpt  nicht  leicht  festzustellen, 
weil  manche  derselben  ihre  Bisthümer  gar  nicht  sahen,  andere  resignirtcn  oder 
starben,  bevor  sie  eintraten. 

»)  8.  172—171. 


Der  ZerfftU  SUdamerika*8.  2 1 9 

beauftragt,  genaue  Berichte  über  die  Zustande  Sudamerika's  einzusen* 
den,  Sie  bereisten  Peru,  Bolivia,  Ecuador  und  Columbia  —  drei 
Jahre  lang.  Ihr  Bericht  Wurde  erst  zur  Zeit  des  Abfalls  Amerika's 
von  Spanien  gedruckt')  zur  Rechtfertigung  des  Abfalls  Sndamerika's 
Ton  Spanien.  Die  Verachtung  der  Geseze,  die  Raubgier  der  Be- 
amten, die  Habsucht  der  Besizer  und  Kaufleute,  die  Pflichtvergessen- 
beit  des  eingebomen  Klerus  und  die  allgemeine  Unsittlichkeit  hatten 
Zustände  geschaffen  und  befestigt,  welche  die  spanische  Regierung 
auch  bei  dem  besten  Willen  nicht  mehr  bessern  konnte.  Es  herrschte 
die  drückende  Mita.  Alle  Indianer  mussten  den  Landgütern  und 
Bergwerken  ihrer  Bezirke  eine  gewisse  Anzahl  Leute  stellen,  welche 
die  harten  Arbeiten  vollbringen  mussten.  Alle  Indianer  mussten  die 
ihnen  nothigen  Waaren  von  den  Corregidorcn  um  enorme  Preise  kaufen« 
Der  Welt-  und  Ordensklerus  war  gar  sehr  gesunken.  Aber  so  gross 
war  die  allgemeine  Unsittlichkeit,  dass  die  Laien  daran  keinen  An- 
stoss  nahmen,  denn  sie  waren  ebenso  und  noch  schlimmer,  Weiber 
wie  Männer^). 

Bis  auf  die  neueste  Zeit  war  man  überzeugt,  dass  die  von  den 
Jesuiten  geleiteten  Indianer  von  Paraguay  in  der  zweiten  Hälfte  des 
achtzehnten  Jahrhunderts  so  musterhaft  waren,  wie  zur  Zeit  ihrer  Be- 
kehrung. Wenn  wir  aber  das  Werk  des  deutschen  Jesuiten  Flor. 
Bauche  lesen,  so  werden  wir  eines  andern  belehrt  ^.  Es  wird  von  den 
beständigen  gemeinsamen  Trinkgelagen  und  der  Trunksucht  der  In- 
dianer Erstaunliches  erzählt.  Wenige,  sagt  F.  Bauche^  habe  ich  im  Zu- 
stande der  Trunkenheit  lustig  gesehen,  sondern  fast  alle  grimmig  und 
blutgierig.  Sie  weinen  dann  aus  lauter  Zorn,  schreien  und  schimpfen 
auf  ihre  Beleidiger,  auch  wenn  diese  nicht  zugegen  sind.  Die  Weiber 
wurden  barbarisch  misshandelt.  Die  Reductionen  der  christlichen  In- 
dianer waren  beständigen  Ueberfällen  der  heidnischen  Indianer  aus- 
gesezt.  Den  christlichen  Indianern  musste  man  gar  viele  Concessionen 
machen,  um  sie  vor  dem  Abfalle  zu  bewahren,  u.  s.  w.  —  Auch  in 
unserer  Zeit  sind  jene  Indianer- Stämme,  die  P.  Smets  in  Nordamerika 


■)  Notioias  secretas  de  America,  sobre  el  estado  naval,  mflitar,  y  politlco  de 
los  reyaos  del  Peru,  y  provincfas  de  Quito,  costas  de  Nueva  Granada  y  Chile, 
goblemo  y  regimen  particnlar  de  los  pneblos  de  l&dios:  cmel  opresion  y  extor- 
siones  de  aus  corregidorea  y  eoras:  abuBos  escandalosos  entroducidos  entre  estos 
babitantes  por  los  misioneros;  eansas  de  sn  origen,  y  motivos  de  sa  continoacion 
por  el  espado  de  tres  aigios  —  sacadas  ä  luz  —  por  D,  David.  Barry,  Lon- 
dres,  1826.  — 

*)  S.  AoBsfige  ans  obigem  Werke  —  in  Histor.  polit.  BlStter,  Bd.  71, 
S.  383-400,  518—639  (,die  Ursachen  vom  VerfaU  Spanien*s«). 

*)  Pater  FJorian  Baucke,  ein  Jesuit  in  Paraguay  (1748—1766).  Nach  dessen 
eigenen  AnfzeichnmigeD,  von  A,  Koöler,  Priester  S.  J.,  Begensborg,  1870. 


220  Dreisehntes  Bach.    Sechstes  Kapitel.    Der  Zerfall  Sttdamerika's. 

bekehrte,   nicht  standhaft  geblieben;    sie  sind  in  ihre  alte  Wildheit 
zarfickgefallen. 

Anders  aber  ist  die  Schilderung,  welche  Franc.  Ani.  de  Lorenzofug, 
Erzbischof  von  Mexico  (1766 — 1772),  aus  Anlass  des  von  ihm  ge- 
haltenen vierten  Provincialconcils  von  Mexico  gibt.  Damach  bezweifelt 
der  Kirchenfnrst,  ob  je  ein  anderes  Volk  seine  Colonieen  so  civilisirt 
and  christianisirt  habe,  wie  die  Spanier  ihre  Colonieen.  Vielleicht, 
dass  die  Mexicaner  besser  regiert  nnd  behandelt  wurden,  als  die  Ein- 
gebornen  in  Fem  nnd  den  angrenzenden  Landern*)« 


')  Lorenzanii,  Concilios  provinciales  Mexicanos,  1,  II  nnd  III,  Mexico,  1769, 
1770.  —  Concilio  IV.  Prov,  M^icano^  celobr.  en  el  anno  1771  (zuerst  herausge- 
geben von  T^ada  y  Ramiro,  t,  VI,  s.  Golecdon.  Madrid,  1859,  p.  177—313). 


Siebentes  Kapitel. 

Die  Segiernns  Phllf  pp*8  11.  Im  Niedergänge  (iS68  -  iS«8). 


§.  1. 

Das  erste  Decenniuin  der  Regierong  Pbilipp's  IL  verlief  in  fast 
ungetrübtem  Glücke ;  Erfolg  reihte  Bieh  an  Erfolg.  Die  erste 
grausame  Trübung  und  Täuschung  trat  ein  in  der  unversöhnlichen 
Feindschaft,  welche  der  Thronfolger  D.  Carlos  gegen  seinen  Vater  an 
den  Tag  legte.  —  D.  Carlos,  Philipp's  einziger  Sohn,  von  Natur  aus 
ein  Krüppel  an  Geist  und  Leib,  wuchs  allmählieh  zu  einem  sittlichen 
Ungeheuer  heran,  das  vielleicht  seines  Gleichen  nicht  hatte  unter  den 
damals  lebenden  Spaniern  diesseits  und  jenseits  des  Weltmeeres.  Unter 
den  wildesten  Leidenschaften,  von  denen  er  ganz  beherrscht  war, 
ragen  besonders  Troz^  Tücke,  Rachsucht,  Tyrannei,  Grausamkeit,  Ge- 
frässigkeit  —  hervor.  Schon  im  Jahre  1564  schrieb  über  ihn  der  Ge- 
sandte Oesterreich's,  DietrichBtein^  ),6ein  Vater  sei  halb  verzweifelt,  es  ^^ 
sei  auch  viel  versäumt  worden,  dass  er  nicht  anders  erzogen*').  Er 
sei  ein  presshafter,  schwacher  Herr,  aber  wiederum  eines  mächtigen 
Königs  Sohn  (es  handelte  sich  um  die  Vermählung  mit  einer  Habs« 
burgerin).  —  D.  Carlos  zog  Abends  und  Nachts  mit  seinen  Spiess- 
geseUen  in  den  Strassen  der  Residenz  umher  (ganz  wie  Nero  in  Rom), 
und  übte  Bübereien  jeder  Art  Damen  der  höchsten  Stände  vnirden 
bald  mit  frechen  Küssen  angefallen^  bald  mit  den  gemeinsten  Schimpf- 


■)  Sein  Vater  war  vollauf  beschäftigt  mit  der  Regierang  der  Kirche. 


222  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kflpifel. 

Worten  überschüttet.  Ein  Franzose,  der  nach  Madrid  kam,  nennt  ihn 
„einen  entsezlichen  Menschen^.  Seine  maasslose  Gefrässigkeit  hätte 
auch  die  beste  Gesundheit  untergraben.  Er  verlangte  mit  allem  Uu- 
gcstümm,  Statthalter  der  Niederlande  zu  werden.  Sein  Hass  gegen 
seinen  Vater  führte  ihn  zu  den  grossten  Excessen.  Er  konnte  nicht 
müde  werden,  über  seinen  Vater  zu  schimpfen,  und  ihn  lacherlich  zu 
Sttino  machen.  Gegen  die,  welche  er  hasste,  wie  selbst  den  Cardinal  Es- 
pinosa,  zückte  er  den  Dolch,  oder  traktirte  sie  mit  Faustschlagen  oder 
Fusstritten.  Am  Ende  des  Jahres  1566  drang  er  plozlich  in  den  Saal 
der  eben  versammelten  Cortes  ein,  schimpfte  sie  aus,  und  drohte,  seine 
Widersacher  als  seine  Todfeinde  zu  betrachten,  welche  zu  vernichten 
er  alle  denkbaren  Mittel  anwenden  würde.  Die  Pferde  seines  Vaters 
quälte  er  zu  Tode,  besonders  dessen  Lieblingspferd.  Auch  gegen  den 
Herzog  von  Alba  zog  er  den  Dolch,  rufend:  „Ihr  geht  nicht  nach 
Flandern,  oder  ich  bringe  Euch  um*,  und  er  wollte  ihn  umbringen, 
aber  er  war  zu  schwach.  —  Gerade  um  diese  Zeit  überhäufte  ihn  der 
Eonig  mit  neuen  Beweisen  seines  Wohlwollens  und  Vertrauens,  über- 
gab ihm  den  Vorsiz  im  Staatsrath  und  im  Eriegsministerium;  aber 
er  brachte  Verwirrung  in  alle  Geschäfte.  Viele  Abscheulichkeiten,  die 
er  beging,  lassen  sich  nicht  erzählen«  Er  trieb  sich  nächtlich  an  den 
verrufensten  Orten  umher.  Im  December  1567  schrieb  er  an  den 
Papst,  an  den  Kaiser,  alle  Potentaten  einschliesslich  seinen  Vater ,  an 
alle  Granden,  Behörden  und  Städte  des  Landes,  er  müsse  der  Tyrannei 
seines  Vaters  sich  entziehen,  der  ihn  nicht  einmal  heirathen  lasse.  Sie 
sollen  ihm  als  rechtmässigen  Thronerben  treu  bleiben.  Seinem  Oheim, 
D.  Juan  d'Austria,  versprach  er  am  23.  December  1567  —  das 
Königreich  beider  Sicilien,  wenn  er  ihm  seine  Pläne  ausfuhren  helfe. 
D.  Juan  theilte  dem  Könige  Alles  mit.  Philipp  ^sah  seinen  einzigen  Sohn 
als  den  schwersten  Verbrecher  des  Reichs^  ')•  D.  Carlos  war  auch  fesi 
entschlossen,  seinen  Vater  zu  ermorden.  Am  18.  Januar  1568  wollte 
er  entfliehen,  um  in  Belgien  die  Fahne  der  Empörung  gegen  seinen 
soiaa  Vater  zu  erheben.  In  der  folgenden  Nacht  wurde  D.  Ourlos  gefangen- 
fanden-  genommen.  Bei  diesem  Akte  war  Philipp  II,  selbst  zugegen.  Er 
•cbftft.  trug  einen  Panzer  unter  der  lUeidung,  ein  Schwert  in  der  Hand,  und 
einen  Helm  auf  dem  Haupte,  als  zöge  er  zur  Schlacht  aus«  In  seinem 
Geleite  waren  12  Männer  der  Palastwache,  ihr  Officier,  sowie  acht 
andere  Personen,  so  dass  Philipp  IL  mit  seinem  Panzer,  Helm  und 
Schwert  uns  fast  wie  ein  Donquixote  erscheint  Zudem  hielt  sich 
Philipp  sehr  im  Hintergrunde.  D.  Carlos  bat  um  den  Tod,  —  er 
wollte  sich  in^s  Kaminfeuer  stfirzen,    Philipp  sagte  zu  ihm:  ^Von  nun 


•)  Bawmtark,  S.  87. 


Don  Carlos  Ende.  223 

an  werde  ich  dicb  als  König  behandeln,  nicht  als  Vater.^  D.  Carlos 
warde  wie  ein  Gefangener  bewacht.  —  In  einem  achtstündigen  Mi- 
nisterrathe  vom  20.  Januar  berieth  Philipp  die  durch  die  Umstände 
gebotenen  Schritte.  —  Die  Königin  Elisabeth  horte  zwei  Tage  lang 
nicht  auf  zu  weinen,  bis  der  Konig  es  ihr  verbot,  mit  Unrecht,  wie 
mir  scheint  Als  sich  D.  Juan  d'Austria  öffentlich  in  tiefster  Traner- 
klcidung  zeigte,  verbot  ihm  diess  der  König,  mit  Recht,  wie  mir 
scheint  Nur  der  Gonetable  von  Castilien  schrieb  an  den  König,  er 
habe  es  auffallend  gefunden,  dass  vor  der  Gefangennehmung  des 
Prinzen,  dem  als  Thronfolger  bereits  gehuldigt  worden,  die  Granden 
Castiliens  nicht  gehört  worden  seien.  Aber  Philipp  II.  wollte  keinen 
Bath,  und  bedurfte  keinen.  Nach  seiner  Auffassung  von  der  Monarchie 
haben  die  Unterthanen  nur  zu  huldigen  und  zu  gehorchen.  Die  Gross- 
mutter des  D.  Carlos  wurde  zu  ihm  nicht  zugelassen.  Der  portu- 
giesische Gesandte  wünschte  ihn  zu  sehen,  und  wurde  abgewiesen. 
Papst  Pius  V.  schrieb  an  Philipp  in  dieser  Angelegenheit  einen  zweiten 
Brief  —  9*  Mai.  In  einem  zweiten  Brief  an  den  Kaiser  schrieb  Phi* 
lipp,  dass  die  gegen  D.  Carlos  ergriffenen  Maassregeln  unwider- 
ruflich seien  ^). 

Am  21.  Juli  bat  D.  Carlos,  der  sein  nahes  Ende  fühlte,  seinen 
Beichtvater  Diego  de  Chaves,  den  KOnig  für  ihn  um  Verzeihung  zu 
bitten;  Philipp  gewährte  ihm  seine  Bitte.  Am  gleichen  Tage  erhielt 
D.  Garlos  die  lezte  Oelung,  und  dictirte  sein  Testament.  Am  24.  Juli 
1568  starb  er  chrititlieh  und  gottergeben.  —  Selbst  Llorente  sagt:  „Ich 
bin  fest  überzeugt,  dass  der  Tod  dieses  Ungeheuers  ein  Glück  für 
Spanien  war*). 


§.   2. 

Zu  Zeiten  Carl's  V.  wurden  allmälich  alle  Mauren  getauft;  aber 
sie  behielten  ihre  Religion,  ihre  Sprache,  ihre  Tracht,  ihre  Gewohn- 
heiten ,  ihre  unversöhnliche  Feindschaft  gegen  die  Spanier  bei.  Es 
waren  „Regierungs-Christen^,  deren  innere  Bekehrung  mtin  nicht  hoffen 
konnte,  erstens,  weil  sie  Muhamedaner,  zweitens  weil  sie  Spanier  waren. 


')  Der  Wiener  Hof  batte  „mit  anglaublioher  Bornirtheit'  immer  noch  an 
dem  Gedanken  einer  VermShlnng  der  Erzherzogin  Anna  mit  D.  Carlos  festgehalten. 
BowoMtark,  S.  103.    LlarerUe,  III,  S.  127—182. 

')  Belaclon  de  hi  maerte  y  faonras  fnnebres  del  principe  D.  Carloa  •  .  .  per 
«7.  lA>pez  de  HoyoB,  Madr.,  1568.  —  Don  Carlos  et  Philippe  II,  par  M.  Oachard, 
Bmzell,  1863,  2  volL  —  Don  Carlos,  von  W.  Maurenbrecher^  ein  Vortr.,  Leipz., 
1869.  -  Fa^^aux,  Leben  Pias  V.,  1873,  S.  198—207.  —  Baumstark,  Philipp  II.,  1875. 


224  Dreizehntcfl  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Die  Piraten  aus  der  Türkei  und  Berberei    plünderten  stets  die  Küsten 
Die  Mo- gpanien's;    die  Moriscos  drohten   stets,   sich   mit  ihnen   zu  verbinden. 
Am    13.  August  1552   schrieb   der  Erzbischof  Thomas  von  Villanova 
an  Philipp,  eine  Flotte  der  Türken  stehe  in  der  Nähe;  er  möge  schnell 
12.000  Castilianer  zu  Hilfe  senden,   denn   die  Christen  im  Königreich 
Valencia  seien  ungeübt  im  Kriege ').    Die  Spanier  selbst  befanden  sich 
im.  eigenen   Lande  in   bestandiger    Gefahr   vor    den    Moriscos.      Die 
Mauren  hofften,   zum  zTFcitenmale  Herr   von  ganz  Spanien  zu  werden. 
Ihre   Hoffnung   steigerte  sich   mit  dem   Wachsthume   der  Macht   der 
Türken.    Wie  ehedem  die  Juden,   wuschen  sie  ihre  neugetauften  Kin- 
der  sogleich   nach   der  Taufe  von   den  angeblichen  Makeln   derselben 
ab,    beschnitten   sie,   und   gaben   ihnen  arabische   Namen.     Aehnlich 
machten  sie  es  bei  den  Ehen.    Sie  arbeiteten  an  den  Sonn-  und  Eest- 
tagen,  feierten  aber  die  Freitage.    Sie  nahmen  Türken  und  Berbern  in 
ihre  Häuser   und  Landgüter  auf,   gaben   ihnen  Nachrichten,   dass   sie 
(als    Seeräuber)    Christen    tödten    oder    als    Gefangene    fortschleppen 
mochten.    Selbst   dem   heiligen  Thomas   von  Villanova  wollte  die  Be- 
kehrung  der  Maureu   nicht  gelingen,    wie   vorher  dem   Franciscaner 
Bartholomaeus  de  los  Angelos  und  dem  Bischof  Ramirez  de  Haro  von 
Die  MO'  gegovia  nicht.    Die  Geschwader  Barbarossa's  erschienen  immer  wieder 
vaien-  <ui  den  Küsten  Spanien's,   besonders  von  Valencia   und  Murcia,    und 
<^'**     ermuthigten    die   Moriscos    zum    Widerstände.      Wegen   Unsicherheit 
konnten  die  Pfarrer  nicht  in  ihren  Gemeinden  wohnen.     Die  Oiücialen 
des  Erzbischofs  (von  Valencia)  visitirten  die  Diocese  nicht«    Die  Poly- 
gamie fand   auch   unter   den  Christen  weitere   Verbreitung.    Die  Bc- 
sizer   der  Moriscos   (als  Vasallen)   gaben   die   schlechtesten   Beispieh', 
und  Hessen   die  Moriscos   in  Allem  gewähren,   um   nicht  so   nüzliche 
Vasallen  durch  deren  Auswanderung  zu  verlieren.    Troz  der  Beschlüsse 
des  Provincialconcils  zu  Valencia  im  Jahre  15G5,  obgleich  im  October 
1565   verschiedene  Bischöfe   eine  neue  Versammlung  hielten,   besserte 
sich  nichts   in    der  Lage  der  Dinge.    Der  Weihbischof  Segrian^)  be. 
hauptete,   dass  nach  40  Jahren  des  Unterrichts   und  der  Predigt  die 
Moriscos  von  Valencia,  „Mauren  wie  vorher'  blieben. 
Q.  Ora-  Wo  möglich  schlimmer  stand   es   mit  den  Moriscos  in  Granada. 

nada.  jjj^^  hatte  der  harte  Druck  der  Christen  nicht  aufgehört  Beunruhigt 
und  verfolgt  warfen  sie  sich  in  die  Gebirge,  und  überfielen  von  da 
aus  die  Christen.  Den  andern  Moriscos  wurden  schwere  Tribute  auf- 
gelegt, und  mit  grosster  Härte   eingezogen.    Soldaten  durchzogen  das 


0  Der  Brief  —  bei  Janer^  Condicion  social  de  los  Moriscos,  Madr.,  1857, 
p.  244  —  apendice  61. 

')  Oder  Sebrian  von  Valencia^  Bischof  von  Chrysopolis  i.  p.  inf. 


Die  Monacos.  225 

Gebiet  Ton  Granada,  am  die  Schuldigen  aufzusuchen,  aber  die  Ver- 
brechen,  die  sie  begingen,  waren  zahlreicher,  als  die  Delinquenten, 
welche  sie  einfingen»^  Von  den  Sierras  um  Gaadix,  Baza,  Almeria, 
machten  die  Moriscos  Ueberfalle  nach  allen  Seiten.  Sie  sezten  sich 
u.  a.  in  der  Vorstadt  von  Granada,  Albaicin,  fest,  machten  nächtliche 
Aasfalle,  tödteten  die  Männer,  schleppten  Weiber  und  Kinder  fort,  und 
verkauften  sie  als  Sklaven  nach  Afrika. 

Die  Cortes  von  Castilien  brachten  im  Jahre  1560  die  Beschwerde 
an  den  Konig,  dass  die  Moriscos  Kegersklaven  aus  Afrika  einführten, 
sie  zu  Muhamedanem  machten,  und  so  die  Zahl  der  Ungläubigen  ver- 
mehrten. Darauf  verbot  eine  königliche  Pragmatik  den  Gebrauch 
afrikaniacher  Sklaven  durch  die  Moriscos  von  Granada*  Die  Ordo- 
nanz  vom  Jahre  1563  erneuerte  das  Gesez,  dass  die  Mauren  keine 
Waffen  beaizen  dürften,  wenn  dieselben  nicht  den  Stempel  des  General- 
capitäns  trugen  *)•  Die  Uebertreter  sollten  sechs  Jahre  auf  den  Galeeren 
dienen;  den  Tod  sollte  erleiden,  der  den  Stempel  iälschte.  Die  Moris- 
cos verschafften  sich  nun  heimlich  Waffen,  was  zu  häufigen  Con- 
flikten  führte. 

Nach  einer  Zählung  vom  Jahre  1563   ergab  es  sich,  dass  im 
Königreich  Valencia  9000  Familien  der  Moriscos,  etwa  45.000  Kopfe, 
wohnten.     Papst  Pius  V.  machte  Philipp  II.  verschiedene  Mittheilungen 
über  die  Plane  der  Monacos^).     Eine  Junta   unter  dem  Vorsize  des 
Ministers   und   Cardinais   EspinoMa    beantragte    entscheidende  Maass-  ^'*^' 
regeln,   welche  Philipp  genehm   hielt.     1)   In    drei  Jahren   sollen  alle  Moru- 
Moriscoa  die  castilianische  Sprache  erlernen.    Alle  nach  dieser  Zeit  in    ^^'' 
arabischer    Sprache    geschriebenen    Contracte    sind    nichtig.      2)    Die 
Moriscos  sollen  sich  wie  die  Christen  tragen,  ihre  Frauen  ohne  Schleier 
ausgehen.    3)  Bei  ihren  Hochzeiten  and  andern  Festen  müssen  sie  sich 
aller  ihrer  frühem  Gebräuche  enthalten,  u.  a.  der  nationalen  Tänze  und 
Gesänge.    Statt  der  arabischen  Namen  werden  sie  christliche  annehmen« 
Die  Bäder  sind  in  allen  Hänsern  abzuschaffen.    4)  Ihre  Negersklaven 
mttssen  das  Königreich  verlassen. 

Im  Beginne  des  Jahres  1567  wurden  den  Moriscos  diese  Verord- 
uuDgen  mitgetheilt:   „Bald  aber  erzitterte  der  Thron  Philipp's  IL  troz 
seiner  festen  Stozen  unter  der  gewaltigsten  Empörung  seiner  Vasallen.  EmpUr. 
Denn  ein  Volk,   also  angegriffnen   in  seinem  Leben  und  seiner  Lebens-  .oiben, 
art,  und  sogar  in  seinen  häuslichen  Gewohnheiten,   wie  die  Moriscos,    i»^7. 
konnte   erliegen  unter  der   Last  tyrannischer  Unterdrückung,   vorher 


*;  Marmolj  Rebelion  y  cnstigo  de  los  Moriscos  del  reyno  de  Granada  (ICOO), 
Madr.,  1797,  t*  I,  p.  133.  —  Alb.  de  Cireourt,  Ilistoire  des  Ar.4bes  d'  Espagne, 
Par.,  1816,  t  II,  p.  267  —  2ti9. 

•)  Falloux,  Leben  Pins  V.,  S,  21«. 

Qsm«,  tpao.  Kirche,  m.  S.  15 


226  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  RnpiteL 

aber  mnsste  es   sich   erheben   mit  verzweifelter  Anstrengnng*' *)•    Du 

Mauren  hofften,   das   ganze  Reich  Granada  tod  6panien  losznreisse^ 

und  wollten  sich  der  Hauptstadt  durch  einen  Handstreich  bemächtigen 

Sie  griffen  während    der  Nacht  vom  25.  December  1568  die  Vorstad 

Albaicin  an;  sie  wollten  8000  Mann  hineinwerfen,  welche  sich  hei mlicl 

in  der  Nähe  angesammelt  hatten.    Die  Christen   sollten  ermordet,   di^ 

Stadt  eingeäschert  werden«    In  derselben  Zeit  wurden  die  Oberstei 

Diego   de  Herrera,   und  Juan  Hurtado,  welche  mit  500  Soldaten  ii 

Cadiar  übernachteten,  in  ihren  Quartieren  ermordet     Das  Land  wai 

fast  von  Truppen  entblosst;  die  Heere  und  Flotten  des  Königs  befandet 

sich  in  entfernten  Ländern.    Aber  frischgefallener  Schnee  in  den  Gc 

birgen  verhinderte   die  rechtzeitige  Ankunft  der  Moriscos  am  24.  De« 

cember.    Nur   der  Häuptling  Farag   drang  mit  wenigen  Uebellen  iv 

den  Albaicin  ein.    Die  Bewohner  erwachten   unter   dem  Feldgeschrei 

„Es  ist  nur  ein  Gott,   und  Muhamed   ist  sein  Prophet^'),   und  untei 

dem  Getöse  maurischer  Kriegsfanfaren.    Aber  die  Christen  erschreckter 

die  kleine  Schaar  durch   das   Läuten   der  Glocken,   und   die   Maurei 

zogen   sich  aus   der  Stadt.     Der   Hauptplan   war  misslungen*).     Dei 

Marquis   von   Mondejar,    Statthalter  in  Granada,   rief  seine   wenigei 

Leute  zu   den  Waffen,   befestigte  und   verproviantirte  die  wichtigstei 

Pläze.    Die  Mauren  erwählten  sich   einen  Konig,   einen  jungen  Mani^ 

der  sein  Geschlecht  von  den  Omajaden  herleitete,  der  mit  dem  Nanie^ 

Ferdinand  de  Valor  getauft  war,  bei  den  Mauren  aber  Aben-Humey^ 

hiess.     Diese  Wahl   fand  (nach  Mendoza)   am    24..  September    166^ 

statt  ^).     Er  ernannte  den  Farag  zu   seinem    obersten  Commandanten 

Während  der  junge  König  das  Leben   der '  Christen   schonen   wollte 

war  Farag  ein  Tieger,  der  nach  dem  Blute  der  Christen  lechzte.     Eii 

Krieg  der  Vernichtung  gegen  die  unter  den  Moriscos  lebenden  „altei 

Christen^   begann.     Unter   den    ausgesuchtesten   Qualen  wurden   all 

Christen,   Priester,   Alcalden,    wehrlose  Jungfrauen   und   Kinder   er 

mordet.    Schonung  sollten  nur  die  Verleugner  ihres  Glaubens  finden 

Alle  Spanier  zogen  den  Tod  der  Verleugnung  vor;  sie  starben  den  Toi 

der  Märtyrer.     Die  Uilfe^  welche  die  Türken  und  Berbern  versprocher 

nährte  den  Aufstand.     Da  Alba  sich  in  den  Niederlanden  befand,   s* 

gab  Philipp  U.  den  Oberbefehl  seinem  Halbbruder,  D.  Juan  d'  Austris 


')  So  der  Spanier  —  Janer^  I.  c,  p.  83. 

')  Historia  de  Gnmada,  ap.  Im  Fuente  Alcäntara,  Gran.,  1818, 

')  No  hay  mas  Dies  qua  Dios  y  Mahoma  es  sn  profeta. 

*)  Diego  Ilurtädo  de  Mendoza,  Querra  de  Granada,  hecha  per  el  rey  D 
Felipe  IL,  Granad.,  1664,  p.  10  seq. 

')  1.  c,  p.  12.  —  Anders  erzählt  Marmol  (üb.  4,  cap,  7)  die  Erwfihlnng^  de 
„Königs«. 


Aufstand  der  Moriccoa»  1568-1569.   Die  Manren  mfissen  auswandern.     227 

Dieser,  von  Philipp  wie  vom  Volke  geliebt,  hatte  im  Jahre  1667  einen 
glücklichen  Zog  gegen  die  Berbern  in  Afrika  gemacht    Am  6.  April 
1569  reiste   er  von  Aranjnez  ab,   und  gelangte  in  drei  Tagen  in  die 
Nähe  Granada's.    Die  Stadt  athmete  wieder  auf;    18.000  Mann  Fuss- 
Yolk  standen   ihm  zo  Diensten*).     Mehr  als  4C0   christliche  Frauen 
aus  de»  Alpujarras,  welche  die  Ihrigen  verloren  hatten,  riefen:  „Ge- 
rechtigkeit, Gerechtigkeit,  o  Herr,  ist  es,  um  was  diese  armen  Wittwen 
und  Waisen,   deren  Gatten  und  Väter  getodtet  worden  sind,  bitten.^ 
Die  Stadt  selbst  bot  eher  den  Anblick  der  Freude,  als  des  Schmerzes 
dar;  die  Hauser  waren  mit  kostbaren  Stoffen  von  Gold  und  Seide  geziert 
Mit   ihrer  beweglichen  Habe  hatten  sich  die  Mauren  in  die  Ge- 
birge zurückgezogen.     Ihr  Konig  sandte  seinen  Bruder  Abdala  um 
Bäh  Btfih  Algier.    Der  Sicherheit  wegen  verbannte  D.  Juan  d'Austria 
alle  Manren  ans  der  Stadt  Granada.  Wegen  eines  Liebeshandels  wurde 
der  Maurenkonig  von  Leuten  ans  seinem  eigenen  Volke  ermordet  Aben-Abo 
wurde  als  sein  Nachfolger  erhoben.  Er  varstarkte  sein  Heer  mit  Türken  und 
Berbern,  belagerte  mit  8.000  Mann  das  Fort  Orjiva,  schlug  den  zum 
Entsaz    keraukommenden   Herzog   von    Sesa   zurttck,   und    nahm   die 
Festung.     Die   Mauren   durchstreiften   siegreich  die  ganze  Vega  von 
Granada.    Dem  D.  Juan  gelang  es  inzwischen,   durch  kluge  Maass- 
regeln und  Versprechen   die   Spaltung   in   das   Lager   der  Feinde  zu 
tragen,  die  sich  als  Anhanger  und  Gegner  des  neuen  Königs,   der  nur 
seinen  Freunden  Stellen  und   Aemter  übertrug,   feindlich  gegeüüber- 
traten*     Der  Herzog   von  Sesa  nahm  die  Forts  von  Velez,  Benaudalla 
und  Lenteji.    Die  Mauren  wurden  von  dem  Meere  abgeschnitten,  und 
in  das  Innere  des  Landes  gedrängt    £s  wurde  beschlossen,   dass  alle 
Mauren   aus   dem  Reiche  Granada  auswandern  müssten.     Sie   sollten 
für   ihre    Güter   entschädigt,   und   mit  möglichster  Schonung   in   das 
Centmm  der  Mancha  und   beider   Castilien  verpflanzt  werden.     Der 
grossere  Theil  liess  sich  in  der  Gegend  von  Castellao,   Villamanrique,  sie  wer- 
Valdepenas,  Almagro  und  Oudad  real  in  der  Mancha  nieder.    Aben-  ^^^^^' 
Abo  blieb  hartnäckig,  und  liess  den  Habaqui,  Vermittler  zwischen  den 
Christen  und  Mauren,  ermorden.    Seine  Krieger  waren  noch  zahlreich, 
aber   auf  ein    enges   Gebiet  eingeschränkt.      Viele   wanderten    in   die 
Berberei  aus,  andere  schwuren  Philipp  II.  Gehorsam.    Die  Verwandten 
des  Aben-Humeya  wollten   dessen  Tod  durch  den  Tod  des  Aben-Abö 
rächen,  und  Hessen  ihn   todten.    Sein  Leichnam  wurde -nach  Granada 
gebracht,  sein  Haupt  daselbst,  nicht  nach  christlicher  Sitte,  ausgestellt. 
Die  Thäler   der  Alpujarras,   die  Sierra  von  Konda   und   von  Bermeja 
wurden  ganz   von  den  Spaniern   besezt,   welche  von   da  alle  Moriscos 


•)  Mar  mal,  11,  p.  17-18. 

16' 


223  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapirol. 

austrieben,  sie  mochten  an  dem  Aufruhr  Theil  genommen  haben  odei 
nicht  Die  Mauren  aus  der  Stadt  Granada  und  seiner  Ebene,  dei 
Sierra  von  Bentomiz,  Ajarquia,  aus  der  Hoya  von  Malaga,  von  Mar 
bella  und  der  Herrschaft  von  Ronda,  mussten  den  Wanderstab  nacl 
Cordova  ergreifen,  und  wurden  bald  darauf  über  die  Provinzen  von 
Estrcmaduralmd  Galicien  zerstreut.  Die  Mauren  von  Baza,  Hnescar. 
Gnadix  und  dem  Rio  Almanzora  wurden  in  die  Mancha  und  uacl 
Alt-Castilien  verwiesen.  Die  Mauren  von  Almcria,  Tabernas  und  dei 
Umgegend  wurden  zur  See  nach  Sevilla  gebracht,  und  mussten  sicl 
westlich  vom' Guadalquivir  niederlassen.  —  Das  Reich  Granäda  wurdt 
sehr  menschenleer;  es  herrschte  in  ihm  gleichsam  die  Stille  der  Wüsle 
Handel  und  Industrie  verschwand  aus  diesem  Lande.  Heute  noch  is 
dem  Lande  das  Gepräge  der  Noth  und  Armuth  aufgedrückt  Wie  in 
zwölften  Jahrhundert  die  mozarabischen  Christen  fliehen  mussten  voi 
den  Mauren,  so  mussten  jezt  die  Mauren  vor  den  Christen  fliehen 
Die  Exclusivität  des  spanischen  Charakters,  seien  die  Spanier  Manrti 
oder  Christen,  zeigte  sich  aufs  Neue.  Tolerant  sind  die  Spanier  erst 
wenn  ihnen  jeder  Glaube  gleichgiltig  geworden  ist 

Marinoi  d\q  Gcschichte   dicBcs  Krie&:es   haben   die  Zeitgenossen  Manndi 

•eu     und  Diego  de  Mendoza  geschrieben.     Ludwig  de   Marmol   Caravaja\ 

Krieg,  stammte  aus  der  Stadt  Granada,  stand  in  Diensten  Carl's  V.,  und  weilt< 
seit  .1535  —  22  Jahre  lang  in  Afrika.  Er  befand  sich  in  Guinea  nnc 
Aegypten,  und  auch  einige  Monate  lang  in  der  Gefangenschaft  zi 
Marocco.  Aus  diesem  Aufenthalte  in  Afrika  entstand  sein  Werk:  „Li 
Descripcion  general  de  Africa**,  in  drei  Bänden.  Der  erste  Theil  er- 
schien zu  Granada,  1573,  fol.  Der  zweite  Theil  zu  Malacca,  1599,  ful 
Der  dritte  Theil  desselben  ist  das  berühmte  Buch:  „Historia  dei  re 
belion  y  castigo  de  los  Moriscos  dei  reino  de  Granada*  (Geschieht«! 
der  Rebellion  und  Züchtigung  der  Moriscos  des  Königreichs  Granada); 
Malacca,  1600*). 

Didacns  Hui-tado  de  Mendoza,  aus  Granada,  geboren  1503,  Sehr 
des  Statthalters  Marquis  de  Mondejar,  des  Lateinischen,  Griechischci 
und  Arabischen  kundig,  diente  im  Kriege  und  Frieden  unter  Carl  V. 
in  Italien,  und  verwendete  seine  freie  Zeit  zu  Studien.  Er  war  u.  a 
Carl's  Gesandter  zu  Venedig  1538,  bei  dem  Concile  von  Trient,  und 
in  Rom.  In  Venedig  gelang  es  ihm,  griechische  Classiker  und  Kirchen^ 
väter  sich  zu  erwerben.  Andere  griechische  Codices  Hess  er  aus  de| 
Bibliothek  des  Cardinais  Bessarion  und    andern  Bibliotheken   für   öicl' 


')  Eino  französische  üebcrsezung,  mit  geographischen  Karten  von  M,  Sansf'U 
erschien  zu  Paris  —  in  drei  Bänden.  4*.  Marmors  Schrift  über  den  Krieg  vi.:i 
ir>69  erschien  als  „segunda  impresion"  in  2  t.  4\  Madrid,  1797. 


Did.  Hnrfado  de  Mendoza.  229  ' 

abschreibeD.  Auch  von  dem  Berge  Athos  verschaffte  er  sich  kostbare 
Haudschriften.  Aus  seiner  SammluDg  von  Mannscripten  v^nrde  der 
Geschicbtschreiber  JosephuB  Flavius  zuerst  vollständig  gedruckt,  sowie 
einige  griechische  Kirchenväter.  Er  hatte  dem  Sultan  Soliman  einen 
grossen  Dienst  erwiesen,  für  welchen  ihm  dieser  einen  Gegendienst  ^'"^^^^^^ 
leisten  wollte.  Er  erbat  sich  nur  die  Schenkung  einer  Anzahl  grie-  ttu.  den- 
chischer  Handschriften;  er  erhielt  sechs  Eisten  kostbarer  Manuscripte.  "®^''®"* 
Mitten  unter  diesen  gelehrten  Arbeiten  berief  ihn  Carl  V.  zu  der  Stelle 
eines  EriegsbefehlBhabers  von  Siena.  In  dieser  Stellung  sollte  er  zu- 
gleich den  Papst  und  die  Florentiner  im  Zaume  halten.  In  Trient 
glänzte  er  besonders  durch  seine  Beredtsamkeit.  Von  Trient  kam  er 
in  ausserordentlicher  Mission  nach  Kom,  um  den  „Papst  (Paul  III.)  in 
81  iner  Hauptstadt  zu  bewachen  und  zu  bedrohen.**  Dem  Papste  Ju- 
lius III,  (l.5''0 — 1555)  trat  er  bei  einer  grossen  Berathung  scharf  ent- 
gegen. Er  galt  sechs  Jahre  lang  als  Haupt  der  kaiserlichen  Partei 
in  ganz  Italien,  ja  wurde  fast  als  Vicckönig  CarPs  V.  angesehen.  Da 
der  Kaiser  aber  eine  andere  Haltung  annahm,  und  Europa  vor  seiner 
Abdankung  zu  versöhnen  beschlossen  hatte  ^  so  kehrte  Mendoza  im 
Jahre  1555  nach  Spanien  zurück.  An  Philipp's  II.  Politik  fand  Jfen- 
doza  kein  Gefallen.  Beide  Männer  passten  nicht  zusammen.  Mendoza 
kam  selten  an  den  Hof;  Philipp  beobachtete  ihn  scharf,  und  Mendoza 
glaubte  sich  von  ihm  beleidigt*).  Mendoza  gerieth  im  Palaste  mit 
einem  Höfling  in  Streit  Lezterer  zog  einen  Dolch,  den  Mendoza  ihm 
entriss,  und  in  die  Gänge  des  Palastes  schleuderte,  ^Ja,  wie  einige  sagen, 
ihn  (den  Höfling)  selbst  hinterdrein."  Mendoza  zählte  damals  64  Jahre. 
Ein  solcher  Streit  war  in  den  Augen  des  formlichen  und  genauen 
Philipp's  IL  ein  Todesvergehen.  Er  betrachtete  Mendoza  als  einen 
Wahnsinnigen,  verbannte  ihn  als  solchen  vom  Hofe,  gegen  „welche 
Ungerechtigkeit  Mendoza  zuerst  Einwendungen  machte,  darauf  aber 
mit  würdevoller  Treue  sich  unterwarf.**  In  seiner  Verbannung  schrieb 
«r  Gedichte.  Er  Hess  sich  in  bescheidener  Stille  zu  Granada  nieder. 
Hier  schrieb  er  die  Geschichte  des  Krieges  von  Granada  in  den  Jahren 
loGS— 1570.  Das  Buch  ist  so  parteilos  geschrieben,  dass  es  erst 
viele  Jahre  nach  seinem  Tode  und  der  Vertreibung  der  Mauren  aus 
Spanien  gedruckt  werden  konnte.  Scdlust  und  Tacitus  haben  dem 
Mendoza  zum  Vorbilde  gedient.  Der  „Krieg  von  Granada**  ist  eine 
kleine  Schrift,  aber  ihr  Styl  ist  reich  und  kühn.  Lange  Stellen  sind 
dem   TacituB   nachgebildet^   aber  ganz    ungezwungen').     Nach   Been-  l 


')  NavarreUj    M.  F.,  Vida  de  Migael  Cervantes  Saavedra  (mit  Docum.  z. 
Gesch.  nnd  Literatur  (s.  Zeit.),  Madr.  1819,  p.  441. 

')  Etwa  80,  wie  Sulpicitts  Severus  in  seiner  ^Historia  sacra'  den  Tacitus 

Dtchahmf. 


230  Dreizehntes  Buch.    Siebenies  Kapitel. 

digoDg  dieser  Arbeit  war  Mendoza  mehr  als  70  Jahre  alt.  Er  sam-  i 
melte  nun  seine  Biicher,  die  er  mit  solcher  Muhe  erworben,  sowie  die 
seltenen  arabischen  Werke,  die  er  in  Granada  gefunden  hatte ,  und 
überreichte  sie  dem  Eonige  für  dessen  Bibliothek  im  Escorial,  unter 
deren  Schäzen  Mendoza^s  Sammlung  immer  noch  eine  hervorragende 
Stelle  einnimmt.  Philipp  II.  gestattete  ihm  wieder,  an  den  Hof  zu 
kommen.  Er  kam,  aber  wenige  Tage  nach  seiner  Ankunft  in  Madrid 
ergriff  ihn  eine  heftige  Krankheit,  an  der  er  im  April  1575  starb  ^). 

MarmoVs  Werk  über  den  Aufstand  der  Morisco's  ist  eine  weit- 
läufige Chronik  des  Krieges,  von  dem  Mendoza  mehr  eine  kühne  Skizze 
gibt.  Marmors  Stil  ist  weitschweifig  und  ermüdend,  Mendozcit  Stil 
ist  vielleicht  geistreicher  und  gedrängter,  als  der  irgend  eines  castili- 
anischen  Schriftstellers'). 


§.  3. 

Der  Niederwerfung  .des  Aufstandes  der  Moriscos^  folgte  der 
glänzende  Sieg  der  christlichen  Flotte  über  die  türkische  Flotte  bei 
Lepanto.  Als  die  Türken  im  Jahre  1665  Lepanto  belagerten,  war  es 
D.  Garcia  de  Toledo,  Vicekonig  in  Sicilien,  der  die  Türken  zur  Flucht 
zwang.  Zum  Kampfe  gegen  die  Türken  rief  nun  Pins  V.  alle 
christlichen  Fürsten  auf,   und   sandte   einen   eigenen  Legaten  .«an  Phi- 


')  Mendoza  schreibt  am  1.  December  1578  an  den  Historiker  Zurita:  Der 
verstorbene  Dootor  Vdaseo  schrieb  mir,  es  wtlrde  SrM.  Yergnttgen  machen,  sie 
(meine  Bttcher)  za  sehen,  und  vielleicht  auch  sie  in  den  Escnrial  za  versezen.  Ich 
meine,  der  KOnig  hat  Recht,  denn  da  er  das  prachtvollste  GebSade  ftiterer  oder 
neuerer  Zeit  ist,  das  ich  jemals  gesehen  {Mariana  nennt  den  Escmrial,  erbaut  seit 
1563,  ,»inBana  atque  regia  sabstmctio  ejns  templi,  quod  a  Laurentio  martyre  oomen 
habet":  De  Rege  15d9,  p.  d40)>  so  denke  leb,  es  sollte  nichts  darin  fehlen,  and  es 
mfisse  aach  die  schönste  Bttchersammlnng  der  Welt  in  sich  scbliessen.  {Dormer, 
Progresos  de  la  Historia  de  Aragon.  Sarag.,  1680  —  2*.  p.  601.  PrescoUf  U  HI, 
p.  409  —  427.  —  Die  Baukosten  betrugen  c.  sechs  Millionen  Dneaten.  —  Jos.  Que- 
vedo,  Historia  del  real  monasterio  de  San  Lorenzo  —  del  Escurial.  Madr.,  1849. 

*)  Zuerst  im  Jahre  1610  erschien:  Guerra  de  Qranada^  por  D.  Hurtado  de 
Mendoza,  Madrid.  Lisboa,  1627.  4«.  —  Valencia,  1730,  1766,  besonders  1776,  4\  — 
(mit  s.  Leben);  Valenc,  1830;  abgedruckt  in:  Tesoro  de  historiadores  espafiolen, 
.^  chez  Baudry,  Paris,  1840.  —  8*.  —  Mendoza's  gesammelte  Werke  befinden  sich 
^^  in  der:  „Biblioteca  de  Autores  espafioles,  v.  Rivadeneyra,  Madr.,  1846—1862,  t  21, 
1852.  —  £ine  Sammlung  von  Mendoza's  Werken  erschien  in  der  ,BibUoteca  de 
escritores  granadinos,  Tomo  I,  Obras  de  Mendoza,  Granad.,  1861,  4*.  —  cf.  Nicola 
Antonio,  I,  p.  290—292.  —  Ticknor  Julius,  Bd.  I,  p.  393-411.  If,  p.  286;  756 
—  760.    Ticknor- Julius-Wolf,  p.  4ß;  U"^. 

*)  Janer,  Condicion  social  de  Bloriscos,  p.  21—41;  und  die  ^Apendices*, 
nr.  62—85.    Preseott,  t.  111,  p.  17—272. 


Schlacht  bei  Lepanto.  t  231 

pp  II.  Es  wurde  eine  Allianz  gescklosseu  zwischen  dem  heiligen 
table,  Spanien  und  Venedig  —  im  Frühjahr  löTO.  —  Bald  darauf 
el  Micosia,  die  Hauptstadt  von  Cypem,  in  die  Hand  der  Türken. 
Oberster  Feldherr  der  Liga  wurde  D«  Juan  d'Austria.  In  der  ewig 
denkwürdigen  Schlacht  bei  Lepanto,  ?•  October  1571  —  wurde  die^^^^L^ 
Seemacht  der    Türken   und    deren    Herrschaft    über    das    Mittelmeer  p«nfo 

Teraichtet')-  *"^' 

Aus  der  Ehe  mit  der  Konigin  Elisabeth  yon  Valois  hatte  Phi- 
lipp II.  zwei  Töchter,  Clara  Eugenia,  geboren  am  12.  August  1566, 
spätere  Statthalterin  der  Niederlande,  und  im  Jahre  159S  Gemahlin 
des  Erzherzogs  Albert  von  Oesterreich;  am  10.  October  1567  erblickte 
die  zweite  Tochter  Catharina  Michaela  das  Licht  der  Welt.  Sie  hei- 
rathete  im  Jahre  1586  den  Herzog  Carl  Emmanuel  von  Savoyen,  und 
starb  am  6.  November  1597,  noch  ein  Jahr  vor  ihrem  Vater.  —  Ver- 
gebeos  hoffte  das  Land  von  Elisabeth  eine  männliche  Nachkommen- 
schaft. Der  Konig  war  auf  Jahren  und  hatte  nach  dem  Tode  des 
I).  Carlos  keinen  männlichen  Thronfolger.  An  den  Folgen  der  un- 
glücklichen Frühgeburt  eines  Sohnes  starb  die  Königin  selbst  am 
3.  October  1Ö68,  beweint  von  dem  ganzen  Volke,  das  ihre  Frömmig- 
keit, ihre  Herzensgüte  und  ihren  spanischen  Patriotismus  anerkannte^). 
Sie  hatte  nur  ein  Alter  von  22  Vg  Jahren  erreicht.  Sie  wird  als  eine 
der  weisesten  und  tugendhaftesten  Fürstinen  ihrer  Zeit  bezeichnet;  sie 
vereinigte  in  ihrer  Person  fast  alle  guten  Gaben  und  Eigenschaften  der 
französischen  Nation.  In  Toledo  stiftete  sie  ein  Kloster  vom  dritten 
Ürden  des  heiligen  Franz  von  Paul,  und  machte  verschiedene  andere 
Stiftungen  •). 

Die  lezte  Gemahlin  Philipp's  II«  war  Anna  von  Oesterreich.  Der 
König  brachte  es  über  sich,  diese  Ehe  einzugehen,  obgleich  Anna  die 
Braut  seines  unglücklichen  Sohnes  gewesen  war.  Man  entschuldigt 
ilin  u.  a.  mit  dem  grossen  Mangel  an  katholischen  Fürstinen  in  jener 
Zeit.  Ihr  Vater  war  Kaiser  Maximilian  IL,  ihre  Mutter  Maria,  die 
Tochter  GarPs  V.  Sie  selbst  war  bei  Valladolid  am  I.November  1549 
geboren.  Im  Jahre  1569  erhielten  die  Cortes  Mittheilung  von  der  Ab- 
sicht des  Königs,  sie  zu  heirathen.  Da  die  Sache  sich  verzögerte,  so 
baten  die  zu  Cordova  im  Jahre  1570  versammelten  Stände,  der  König 


')  Roseü,  Cajetany  Hi8toria  del  Combate  naval  de  Lepanto,  Madr.,  1858.  — 
Faüoux,  Leben  des  Papstes  Pius  Y.,  1873,  S.  838-  347.  -  Preßcott,  1874,  t  III, 
p-  237-357. 

^  Bei  der  famosen  Zusammenkunft  mit  ihrer  Mutter  Catharina  von  Medici 
in  Bijonne  sagte  ihr  diese  im  Tone  des  Yorwarfs:  Da  bist  ja  eine  ganze  Spanierin 
geworden. 

*)  Fhrez,  reynas  catholicas,  11,  p.  895  —  903. 


Pbi- 


232  ^         DreizehDtea  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

möge  seine  Heirath  Dicht  länger  Terschieben.  Am  3.  October  langte 
Anna  in  Santander  an;  am  14.  November  fand  die  Verroählang  zu 
Segovia  statt.  Die  Königin  gebar  am  4.  December  1571  ihren  ersten 
Sohn  Ferdinand.  Philipp  II.  schenkte  allen  Gefangenen  in  Spanien 
und  Indien  einen  Generalpardon.  Schon  am  31.  Mai  1573  empfing 
II  Tu  ^^>*<l>Q^'^d  ^8  Prinz  von  Asturien  die  Huldigang  der  Stände  za  Madrid. 
Khen.  Er  starb  aber  am  8.  October  1578.  Am  12.  Augnst  1673  hatte  die 
Konigin  ihren  zweiten  Sohn  Carlos  Lorenzo  geboren,  der  schon  im 
Juli  1575  zu  Madrid  starb.  Am  12.  Juli  1575  gebar  die  Konigin 
ihren  dritten  Sohn  Diego.  Am  1.  März  1580.  erhielt  er  die  Huldigung  : 
als  Prinz  von  Asturien.  Auch  er  starb,  an  den  Pocken,  am  21.  No- 
vember 1582.  Der  lezte  Sohn,  Philipp,  welcher  allein  seinen  Vater 
überlebte,  erblickte  das  Licht  der  Welt  am  14.  April  1578.  Auch 
eine  Tochter  Maria  wurde  dem  Könige  geboren.  Im  Jahre  1580  reiste 
die  Königin  mit  Philipp  IL  nach  Radajoz,  nachdem  der  lezte  Konig 
von  Portugal  gestorben.  Philipp  erkrankte  gefahrlich;  sie  aber  opferte 
im  Geiste  Gott  ihr  Leben,  damit  er  ihm  das  Leben  erhalte^).  Anna 
hatte  noch  nicht  das  31.  Jahr  ihres  Lebens  vollendet,  als  sie  am  26.  Oc- 
tober 1580  starb.  Der  König  blieb  Wittwer').  Da  bald  nach  der 
lyi utter  auch  deren  einzige  Tochter  gestorben,  so  blieb  Philipp  IL  mit 
Philipp  (III.)  allein  übrig.  Auf  diesen  beiden  Augen  (Philipp's  III.) 
ruhte  die  Zukunft  Spanien's.  Wahrlich,  die  Völker  sind  übel  gebettet, 
deren  Zukunft,  deren  Glück  und  Unglück  lediglich  von  den  Geburts- 
nnd  Todesfällen  in  der  Familie  ihrer  Fürsten  abhängt. 


§.  4. 

Nach  der  Schlacht  von   Lepanto   und   der  Geburt  des  Infanten 
Ferdinand  —  1571    hatte   der  König   den  Höhepunkt  seines   Glanzes 
und  Glückes  erreicht.    Die  düstere  Wolke,  welche  das  traurige   Ende 
des  D.  Carlos  auf  dieses  Glück  geworfen,  hatte  sich  wieder  verzogen. 
Phi.    Aber  wie  den  „unbesiegten*^  Carl  V.  das  Gluck  in  seinen  lezten  Jahren 
lipp^i  IL  ioi  gtiche  Hess,  und  nicht  mehr  zu  ihm  zurückkehrte,   so  wurde  Phi- 
neigt   lipp  IL  vom  Glücke,   das  ihn  so  lange  begleitet,   verlassen,   und   es 
^^'   kehrte   nicht  mehr   zu  ihm  zurück.    Das  Meiste  von  dem,  was  er  be- 
gann, misslang,    und  zulezt  wurde  er  so  unmuthig  und  verzagt,    dass 
er  auch  das  nicht  mehr  wagen  wollte,  was  nothwendig  war.    Voll  von 
Misstrauen  wollte  er  sich  Niemand  anvertrauen,  mit  Ausnahme  Eüniger. 


*)  Zuniffa,  Anales  de  Sevilla,  anno  de  1580.    Ebenso  PreicoH^  III,  p.  435. 
ohne  einen  Zweifel  an  der  Thatsache  aiiszadrflcken. 
')  Florez,  II,  p.  905—913. 


D,  Juan  d^Aoatria.  233 

Da  begegnete  ee  ihm,  dass  er  gerade  von  den  Wenigen  am  meisten 
iDissbraacht  Mrurde.  Unter  diesen  Günstlingen  ragt  Antonio  Perez 
herror.  Geboren  im  Jahre  .15S9,  natarlicher  Sohn  des  Gonz.  Perez, 
Staatssecretar  CarPs  V.  und  Philipp's  IL,  wnrde  er  frühe  in  die  Ge- 
schäfte eingeweiht.  Nach  dem  Tode  seines  Vaters  1667  wurde  er 
besonders  mit  der  Branche  .des  „Despacho  oniversal^y  der  Gegenzeich- 
nung der  Befehle  des  Königs,  betrauL  Philipp  IL  schenkte  ihm  un* 
bedingtes  Vertrauen. 

Nach  dem  Siege  von  Liepanto  erhob  sich  der  Geist  des  Siegers, 
den  damals  die  christliche  Welt,  wie  100  Jahre  später  den  Eonig  Johann. 
Sobieski,  mit  den  Worten  pries:  „Erat  homo  missus  aDeo,  cui  nomen 
erat  Joannes^^ ,  zu  unermesslichen  Hoffiiungen  und  Entwürfen.  Er 
wollte  der  Grunder  und  Beherrscher  eines  selbstständigen  Reiches  sein. 
Von  Philipp  IL  beauftragt,  Tunis  zu  erobern,  machte  er  sich  zum 
Herrn  dieser  Stadt,  und  der  umliegenden  Häfen  —  1573.  Er  fasste 
den  Plan,  auf  den  Ruinen  von  Carthago'ein  neues  Reich  zu  gründen, 
welches  ein  Bollwerk  der  Christenheit  gegen  die  Uebermacht  der 
Türken  sein  sollte.  Troz  der  Fürsprache  des  Papstes  Gregor  XIII. 
(1572 — 1585)  verweigerte  es  Philipp  II.,  dass  D.  Juan  sich  als  König 
von  Tunis  proclamiren  lasse;  bald  darauf  fiel  Tunis  in  die  Hände  der 
Türken  —  1573. 

Im  Jahre  1565  war  der  Aufstand  in  den  Niederlanden  ausge-  ^^^' ^ 
brechen.  —  Papst  Pius  V.  Hess  zuerst  durch  seinen  Nuntius  in  Madrid  den  nio- 
Philipp  II.  aufTordem,  sich  persönlich  in  die  Niederlande  zu  begeben. 
Philipp  II.  hatte  so  oft  an  seinem  Vater  getadelt,  dass  er  überaUhin 
sich  begebe,  und  dadurch  seiner  Würde  schade,  und  selbst  sein  Leben 
gefährde.  Die  Bitten  des  Nuntius  vermochten  ihn  nicht  von  einem 
Entschluss  abzubringen,  bei  welchem  die  eigene  innerste  Abneigung 
mit  dem  Grundsaze  (nicht  zu  reisen)  zusammentraf.  Er  machte  zwar 
Miene,  als  wollte  er  gehen,  es  war  ihm  aber  nie  Ernst.  Da  schrieb 
ihm  Pins  V.:  „Euere  Majestät  hat  es  noch  in  der  Gewalt,  diese 
Provinz  zu  retten;  geht  Sie  aber  säumig  und  lässig  zu  Werke,  so  wird 
--*  jedes  Heilmittel  zu  spät  sein.  Kommen  Sie  wenigstens  nach  Mai- 
land, dort  werden  Sie  mit  mehr  Müsse  die 'Reise  nach  Flandern  be- 
sprechen können  und  bis  diese  beschlossene  Sache  ist,  wird  schon  das 
Gerücht  von  Ihrer  Ankunft  allein  die  Aufständischen  in  ihren  Plänen 
stören,  und  die  Lauen  ermuthigen.  Gebe  Gott,  dass  Ew.  Majestät 
doch  so  klar,  wie  Wir,  das  Verderben  erkänneten,  welches  herein- 
brechen wird,  wenn  Sie  nicht  rechtzeitig  Gegenmaassregeln  ergreifen.^ 

Der  Papst  ging  noch  weiter.  Er  liess  Philipp  wissen,  dass  die 
B.  g.  KreazzugsbuUe,  vermöge  deren  die  spanischen  Könige  den  Kirchen- 
zehnten für  sich  einzogen,  in  Spanien  nicht  publicirt  werden  dürfen  bis 
er  sich  wirklich  nach  den  Niederlanden  begebe,  um  dort  die  Religion 


dorlan- 
den. 


234  Dreisohntes  Bocb.    Siebentes  Kapitel 

ZD  vertbeidigen.  Zadem  sandte  er  den  Erzbiscbof  von  Sorrento, 
Jnl.  Pavesi,  aU  seinen  ansserordcntlicben  Legaten  nach  Spanien,  um 
den  Konig  zu  treiben.  Philipp  blieb  nnbeweglich.  Statt  seiner  kam 
der  „eiserne^  Herzog  Alba,  lieas  n.  a.  die  Grafen  Egmont  nnd  Hom 
hinrichten,  nnd  stiess  alle  Parteien  von  sich  und  von  Spanien  zu- 
rück. —  Philipp  II.  sah  sich  gezwungen,  denselben  abznrnfen  —  1573, 
war  aber  weit  entfernt,  selbst  sich  nach  den  Niederlanden  zu  begeben. 

Nach  dem  baldigen  Tode  von  Alba's  Nachfolger,  Requesens 
(f  5.  März  1576)  brach  ein  Aufstand  unter  den  spanischen  Truppen 
aus,  denen  der  Sold  lange  Zeit  nicht  ausbezahlt  worden.  Troz  des 
Znflasses  edler  Metalle  aus  Amerika  versank  Philipp  II.  in  immer 
tiefere  Geldnoth.  Diese  Geldnoth,  nicht  aber  seine  Arbeitskraft,  ver- 
erbte er  auf  alle  seine  Nachfolger.  Die  Tmppen  warfen  sich  plün- 
rhiiipp  ^Qi^d  |]Q^  sengend  anf  die  dem  Konige  treuesten  Provinzen,  Flandern 
weglich,  und  Brabant.  Der  Prinz  von  Oranien,  das  Haupt  der  Aufständischen, 
forderte  die  Stände  dieser  Provinzen  auf,  sich  mit  den  nordlichen 
Staaten  zum  Kampfe  gegen  Spanien  zu  vereinigen.  Diess  geschah 
durch  den  Frieden  von  Gent  —  1576.  Philipp  sandte  nun  seinen 
Bruder  D.  Juan  d'Anstria  als  Statthalter  in  die  Niederlande,  der  sich 
zum  Beitritte  zum  s.  g.  Frieden  von  Gent  gezwungen  sah,  den  er 
auch  eine  Zeit  lang  hielt.  Am  4.  November  15V6  zog  D.  Juan  in 
Luxemburg  ein,  während  die  spanischen  Truppen  an  demselben  Tage 
Antwerpen  plünderten.  Er  konnte  aber  in  Brüssel  nicht  früher  ein- 
ziehen^ als  er  die  den  Flamändem  verhassten  spanischen  Truppen  ent- 
lassen hatte.  In  Brüssel  verkündigte  er  das  s.  g.  „Eklit  perpetuel^ 
oder  den  Friedenstractat  mit  den  Provinzen.  Nur  die  Stände  von 
Holland  und  Seeland  wollten  sich  von  dem  Oranier  nicht  trennen, 
und  nahmen  das  Edict  nicht  an.  Durch  List  zwar  bemächtigte  sich 
D.  Juan  der  Festungen  von  Namur  und  Charleroi.  Er  erfocht  am 
31.  December  1577  bei  Gemblours  einen  Sieg  über  die  Kebellen.  Aber 
von  Philipp  II.  mehr  und  mehr  im  Stiche  gelassen,  fehlte  es  ihm  an 
Geld  und  Truppen.  Philipp  II.  hatte  den  Verdacht  des  Abfalls  gegen 
ihn  gefasst.  D.  Juan  war  von  Mitleid  gegen  die  gefangene  Konigin 
Maria  Stuart  von  Schottlatad  erfüllt.  Er  fasste  den  Plan,  sie  zu  be- 
freien, und  den  Thron  mit  ihr  zu  theilen.  Der  Papst  zeigte  sich 
diesem  Plane  geneigt,  nicht  aber  Philipp  II. 

Dieser  hatte  seinem  Bruder  den  Spanier  Escobedo  als  Secretär 
an  die  Seite  gegeben,  um  mässigend  auf  denselben  einzuwirken.  Juan 
Escobedo  aber  Hess  sich  für  die  Pläne  D.  Juan^s  gewinnen.  Derselbe 
schrieb  wiederholt  an  Antonio  Perez,  er  möge  auf  den  König  einwirken, 
dass  er  die  Pläne  D.  Jnan's  begünstige.  Perez  theilte  die  Briefe  des 
Escobedo,  vne  die  von  D.  Juan  in  derselben  Absicht  geschriebenen 
d^m  Konige  mit,  welcher,   ohne  direct  einzuwirken,   dem  Perez  nach 


Philipp.  II.  and  Ant.  Perez.    Tod  D.  Johd^b  d*  Austria.  285 

seinen  Absichten  zn  antworten  befahl.  Perez  schrieb  demnach  an 
D.  Joan,  er  möge  Flandern  nicht  verlassen ,  den  Escobedo  aber  bei 
sich  bdialten.  Znm  Erstannen  Philipp's  kam  Escobedo  aber  im  Juli 
1577  nach  Spanien  zurück,  Philipp  fürchtete  Verrath,  und  besohloss 
des  Escobedo  sich  zn  entledigen.  Vorerst  verhinderte  Perez  noch  den 
beabsiditigten  Schlag.  Durch  seine  Unbesonnenheit  aber  überwarf 
sich  ESscobedo  mit  Perez.  Er  entdeckte,  dass  Perez  der  Geliebte  der 
Fürstin  Eboli  sei,  welche  als  Maitresse  des  Königs  galt,  und  drohte, 
seine  Entdeckung  dem  Könige  mitzntheilen.  Perez,  gereizt  und  von 
der  Fürstin  gedrängt,  fasste  den  Plan,  den  Escobedo  zu  beseitigen. 
Es  gelang  ihm  leicht,  den  Verdacht  des  Königs  zu  erwecken.  Dieser 
be&hl  ihm,  den  Escobedo  zu  tödten.  Die  Art  der  Ausfuhrung  über- 
liess  er  ihm,  nur  müsse  der  Mord  Geheimniss  bleiben.  Zweimal  ver- 
suchte Perez  es  vergebens  mit  Gift.  Dann  dingte  er  Meuchelmörder, 
welche  den  Secretär  des  D.  Juan  am  31.  März  1578  tödteten.  Grosse 
Aufregung  entstand  wegen  dieses  Mordes  in  Madrid;  die  Alcalden 
fahndeten  nach  den  Mördern.  Diese  aber,  beschüzt  und  reichlich 
Helobnt,  retteten  sich  durch  die  Flucht.  Obgleich  *die  Familie 
Gscobedo's  Verdacht  gegen  Perez  schöpfte,  so  glaubte  dieser  doch 
darch  den  Schuz  des  Königs  gesichert  zu  sein. 


§.  5. 

Philipp  II.  hatte  seinen  Bruder,  troz  langen  Bittens  und  Flehens, 
ohne   alle  Unterstüzung   gelassen;   D.  Juan   befand   sich   in  der   ver- 
zweifeltsten Lage.    Er  verfiel   in   eine  langwierige  Krankheit,   welche    Don 
ihn  dem  Grabe  entgegenfahrte.    Er   starb   am   hizigen  Fieber  und  am  ^"^j," 
gebrochenen  Herzen  in  seinem  Lager  vor  Namur  am  1.  October  1578,  tna  Tod. 
33  Jahre  alt.    Nicht  Philipp  IL,  sondern  D.  Juan   war  das  Ebenbild, 
war   der  Erbe   der  Vorzüge   seines  Vaters.     Sein   früher  Tod   war  ein 
grosser  Verlust  für   die  katholische  Sache.    Aber  seine  Pläne  giengen 
in^s  Weite  und  Ungemessene.    An   dem  Plane,   ein   christliches  Reich 
in  Afrika  zu  gründen,    scheiterte   und  gieng   zu  Grunde   in    derselben 
Zeit  König  Sebastian  von  Portugal.     Der  Plan  D.  Juan's,   die  Türken 
aas  EoTopa  zu  vertreiben,  war  schwieriger,  als  es  D.  Juan  sich  dachte. 
Die  Eifersucht  Frankreidi's   gegen   das   Haus   Habsburg   hatte   schon 
Franz   I.  von  Frankreich   zu   einem  Bunde  mit  den  Türken   getrieben. 
Der  Vertreibung   det*  Hugenotten   aus  Frankreich   wäre  wahrscheinlich    sefn 
die   französische  Eifersucht  im  Wege   gestanden;   endlich   den  Plänen 
mit  England  und  Schottland  der  geschlossene  Widerstand  der  Schotten 
und  Engländer.    Wir  haben  erst  in  unsem  Tagen   wieder  erlebt,   wie 
weitschweifende  Pläne  einen  andern  edeln  und  hochherzigen  Sprössling 


Cliarak- 
(or. 


236  Dreizehntes  Baeb,    Siebentes  ELapitel. 

der  Habeborger  in's  Verderben  gestärzt  haben.  Traurig  aber  ist  — 
nach  80  glorreichen  Anfängen  dieses  Ende;  seiüem  Vater  war  das 
Loos  doch  anf  das  Lieblichere  gefallen,  der  in  der  Einsiedelei  von 
S.  Jast  seine  Tage  im  Frieden  beschliessen  dürfte^).  —  Man  darf 
sich  nicht  wnndem ,  wenn  die  Zeitgenossen  anch  diesen  frohen  Tod 
des  D.  Juan  einer  Vergiftung  zuschreiben'),  (worüber  wir  kein  ür- 
theil  haben);  die  Haut  desselben  war  nach  seinem  Tode  wie  die  eines 
Menschen,  welcher  verbrannt  worden. 


§.  6. 

^*-  Seit  dem  Jahre  1578  schöpfte  Philipp  H.  Verdacht  gegen  Anton. 

läsRtden  Perez,  während  dieser  sich  in  der  Gunst  seines  Herrn  noch  ganz  sicher 
p«rea  fubltc.  Philipp  IL  furchtetc  den  zügellosen  Ehrgeiz  des  Staatssecretärs, 
und  seine  Vertrautheit  mit  der  Fürstin  von  Eboli  weckte  seine  Eiier- 
sucbt.  So  entschloss  er  sich  denn,  meinen  Günstling  fallen  zu  lassen, 
ohne  dass  dieser  etwas  ahnte.  Am  ^*8.  Juli  1581  wurden  Perez  und 
die  Fürstin  von  Eboli  arretirt.  Perez  wurde  anfangs  in  milder  Haft 
gehalten,  und  erlangte  sogar  eine  theilweise  Freiheit.  Aber  mit  be- 
rechneter Langsamkeit  stillte  Philipp  U.  an  ihm  seine  unversöhnliche 
Rachsucht.  Im  Mai  1582  wurde  eine  lange  und  strenge  Untersuchung 
gegen  Perez  begonnen.  Es  wurden  viele  Acte  der  Bestechlichkeit  und 
Bestechung  nachgewiesen.  Im  Januar  1585  wurde  Perez  zu  zwei 
Jahren  Strafhaft,  zu  zehn  Jahren  Verbannung  und  einer  enormen 
Restitutionssumme  verurtheilt.  Diese  Sentenz  wurde  so  strenge  aus- 
geführt, dass  sie  sich  auch  auf  die  Gemahlin  des  Perez,  Juana  Goello, 
und  dessen  sieben  Kinder  erstreckte,  die  ihn  zwingen  sollten,  ver- 
schiedene den  Konig  compromittirende  Papiere  herauszugeben.  Er  gab 
einen  grossen  Theil  heraus,  behielt  aber  die  wichtigsten  zurück.  Als 
der  König  alle  Beweise  seiner  Theilnahme  an  dem  Morde  des  Esco- 
bedo  in  seinen  Händen  zu  haben  glaubte,  so  Hess  er  der  Gerechtigkeit 
ihren  Lauf  gegen  den  Vollbringer  des  Verbrechens.  Der  Minister 
Vasquez,  Nachfolger  des  Perez,   zeigte  sich  besonders  strenge  gegen 


')  Lawrent,  Van  der  Hamen  et  Lwn,  Historia  del  Sefior  Juan  d'Aostria, 
Madr.,  1627.  (Von  ihm  ist  auch:  Epitome  de  la  Historia  del  rey  D.  Felipe  II,  wei- 
cher al)er  wenigstens  zu  seinen  Lebzeiten  nicht  gedruckt  wurde.)  —  BrueU  de 
Monipleinchamp^  Vie  de  D.  Juan  d'  Autriche.  Amsterd.  161^0.  —  Ranke^  FQrsten 
und  Völker  in  Südeuropa  im  sechszehnten  und  siebzehnten  Jahrhundert  (die  otto- 
maniscben  und  spanischen  Reiche).  —  Goleccion  de  documentos  ineditos  (Brief- 
wechsel von  1571— 15T7  etc.).  Madn,  1843  (bes.  Ober  die  Schlacht  von  Lepanto). 

*)  On  croit  g^nöralement,  qn'il  monmt  empoisonnö.  Biographie  nniTerselle, 
p.  Didot  —  .ITöfer,  t.  27;  p.  115.  Paris,  1858. 


Proceaa  gegen  Ant.  Perez«  237 

Perez.     Obgleich  der  Sohn    des   Escobcdo  seine  Klage   gegen  Perez 
zurückgezogen  —  1589,  so  wurde  Perez   doch  auPs  Schärfste  verhört, 
und,  da  er  nicht  antworten  wollte,  auf  die  Folter  gespannt  —  22.  Fe-  ^^^^^f^®" 
bruar  1590.    Noch  erschöpft  von  dieser  Marter,  gelang  es  ihm,  durch    isw.* 
eine  List  seiner  Gemahlin,    am   18.  April  zu  entfliehen.     Er  erreichte 
Aragonien  und  stellte  sich  unter  den  Schuz  der  privilegirten  Gerichts-  Batfl«»»*« 
barkeit  dieses  Keiches.    Die  öffentliche  Meinung  hatte  langst  für  ihn,  /^g^. 
als  ein  Opfer  der  Kacfasucht  Philipp's  II.,   Partei  genommen.    Philipp    »«•«»• 
hatte  den  Perez  in  Calatayud  ergreifen  lassen.    Als  Perez  sich  auf  das 
Privilegium  der  „Manifestados^^   berief,   so   wurde  er  nach  Saragossa 
gebracht,    und    dort   in   das   Gefangniss   des   Königreichs    oder    der 
„Freiheit"  *)  eingeschlossen.      Die    dort   Gefangenen   hingen   nur  von 
dem  „Justicia  major"   des  Königreichs   ab.     Der  König  konnte  sich 
hier  nur  durch  einen  Fiscal   oder  Commissär  vertreten  lassen.     Perez 
stellte  sich  unter  den  Schuz  der  Privilegien  „des  Königreichs".     Philipp 
II.  sezte   es   nicht  durch,   dass   Perez   wieder  nach  Madrid  gebracht 
wurde.     So  liess   er  denn   die   Akten   des   Processes   nach  Saragossa 
schicken,   und  verklagte  durch  seinen  Fiscal-Pröcurator  den  Perez  als 
schuldig,   falsche  Berichte   an  den   König    gemacht  zu   haben,    nach 
welchen  der  König  die  Hinrichtung  des  J.  Esoobedo  angeordnet  habe, 
Cabinetsbriefe  gefälscht,   und  Geheimnisse  des  Staatsrathes  verrathen 
zu  haben.    Nun  vertheidigte  sich  Perez  durch  Auszüge  aus  den  eigen- 
händigen Billeten   des  Königs.    Erchreckt  über  den  Scandal  erklärte 
Philipp   am   18.  August  1590,   dass   er  auf  die  weitere  Anklage  ver- 
zichte.    Er  glaubte  dadurch  der  Schande  zu   entfliehen,   dass  Perez 
durch    einen    definitiven  Entscheid    des   Gerichtshofes  freigesprochen 
wurde.    Auf  Rache   verzichtete   darum   der  König  nicht;   er  erklärte, 
dass  er  in  geeigneter  Weise  gegen  Perez  vorgehen   werde.    Damit  er 
nicht  ganz  in  Freiheit  gesezt  würde,   leitete  er  vor  dem  Regenten  der 
königlichen  Audienz  von  Aragon  einen  andern  Process  unter  der  Form 
„der  Inquisition^'    wegen    Missbrauchs   seiner    Amtsgewalt    ein.      Im 
Februar   1691    wurde  Perez  dem  Gerichte  der  Inquisition   überliefert,  ^ero« 
weil   er    in   Verdacht   der  Häresie    gekommen,    wegen    unüberlegter inquuiV 
Aensserungen,  die  er  im  Verlaufe  seines  Processes  gethau,  z.  B.  „Gott   "<>». 
schläft,  oder:  Alles  ist  Täuschung,   was   man   in  Betreff  seiner   sagt, 
oder:  ist  es  denn  vielleicht  falsch,  dass  es  einen  Gott  giebt««)?  Troz- 
dem  beschloss  der  Rath  der  „Suprema"  in  Madrid  am  21.  Mai  1691, 
dass  Perez  in  die  Gefangnisse  der  Inquisition  gebracht  weiden  solle. 


•)  Auch  Gefangniss  de  ,Faero  de  Aragon";   de   ^Fuero«,  oder  do  „Mani- 
festados**. 

'}  Das  Statut  Desa's  vom  17.  Jani  1500,  art  5,  verbietet  ausdrQcklicb,   im 
Zorne  oder  in  der  Hize  gemachte  AeusseruDgen  aJs  Härcsieen  zu  behandeln. 


238  Drcizohntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Als  Gefangener  der  Inquisition  war  Perez   in  der  Gewalt  des  Königs, 
da  die  Inquisition  ihre  Gerichtsbarkeit  auch  über  Aragonien  ausbreitete. 
Am  24.  Mai  befahlen  die  Inquisitoren  den  Beamten  des  ^^Jasticia 
mayor'^  unter  Strafe  der  Excommunication,  einer  Busse  voa  1000  Dn- 
caten,   und   mehreren   anderft  Steigen,  in  Zeit  von  drei  Stunden  den 
8«ra-  Perez  auszuliefern;  denn  es  handle  sich  um  das  Verbrechen  der  Kezerei, 
'^^''^Q  dem  Verfolgung  kein  weltliches   Gericht  das   ,,heilige  Tribunal' 
•iioi.    hindern  könne.    Der  ^^Justicia  mayor'^,  Juan  de  Nuza,   gab  den  Perez 
heraus.    Aber  das  Volk,  besorgt  um  seine  Privilegien,  erhob  sich  so- 
gleich unter  dem  Rufe:   ,,VerrathI   Es  lebe  die  Nationl  Es  lebe  die 
Freiheit  I  Es  leben  die  Fueros!   Tod  den  Verratheml'^    Der  Aufstand 
wurde  so  geHthrlich ,   dass  Perez   in  sein  voriges  Gefingnisa  aoruckr 
gebracht  wurde.     Die   Inquisitoren  flohen   zum   grossen  Theile   nach 
Madrid.     AuTs  Nene  sollte  Perez   am   24.  September  der  Inquisition 
ausgehändigt  werden.     3000  Soldaten  waren  bereitgehsken ,  und  alle 
Gehilfen   der  Inquisition«    Ein   neuer  Aufstand  brach   aus,    und   die 
Soldaten  zogen  den  Kurzem»    Perez  wurde  unter  dem  Rufe:  „Es  lebe 
die  Freiheitl  Es  lebes  die  Fueros  von  Aragon'^  —  durch  die  Strassen 
der  Stadt  gefölnl.     Eine  Armee  rückte   gegen  Saragossa  an.    Perez 
wollte  fliehen;   aber  die  Passe  der  Pyrenäen   waren  besezt.    Er  hielt 
porei  sieh  verborgen  in  Saragossa.    Die  Inquisition  Hess  alle  ihr  beliebigen 
^l^Q   Häuser  durchsuchen.     Durch   (Madrider)  Sentenz   vom   1.  Juli    löUO 
▼ernr-  ^ar  Pcrez  zum  Tode  verurtheilt  worden,   und  diese  Sentenz  sollte  an 
ihm   vollzogen  werden.    Am    11.  November   1591   floh  Perez   in   der 
Er  rnt.  Richtung  der  Pyrenäen.    Auf  seine  Bitte  nahm  ihn  Catharina,  Schwester 
Heinrich's  IV.,  im  Lande  Bearn  auf.    Verfolgt  von  300  Soldaten,   ge- 
langte er  am  26.  November  nach  Pau.     Statt  seiner   mussten   seine 
Frau  und  Kinder  zu  Madrid  gefangen   sein.     Noch  im  Jahre    1591 
liess  Perez  zu  Pau  zwei  Schriften  iiber  seine  Verfolgung  erscheinen. 

„Philipp  II.  und  die  Inquisitoren  boten  Amnestie  allen  zum  Tode 
Verurtheilten ,  versprachen  Aemter,  Geld  und  Ehrenstellen  jedem 
Schuldigen  (vor  Gericht),  welcher  den  Ant  Perez  ermorden  oder  ihn 
als  Gefangenen  zurückfuhren  würde^*').  Perez  ging  nach  London,  wo 
ihn  Königin  Elisabet  und  Graf  Leicester  init  Freuden  aufualimen.  Von 
dort  kehrte  er  nach  Paris  zurück,  und  liess  sich  hier  bleibend  nieder, 
stets  seufzend  nach  seiner  Frau  und  seinen  Kindern.  Am  1 5.  Februar 
1592  forderte  die  Inquisition  ihn  auf,  in  Monatsfrist  sich  vor  ihr  zu 
stellen«  Denn  da  er  mitten  unter  Kezern  lebe,  tfei  er  selbst  ein  Kezer. 
Lange  Untersuchungen  wurden  gepflogen,   ob  Perez   nicht   von  einem 


')  So  sagt  Llorentef  111,  p.  345,  nod  beruft  sich  dabei  auf  die  sp&(cre  Schrift 
des  Perez:  „Uclations''. 


Perez  iipd  die  Inquisition.  239 

Juan  Perez  abstamme,  der  aas  Anlass  des  Mordes  des  heiligen  Petras 
Arboes  am  13.  November  1489  als  rückfälliger  Jode  verbrannt  worden 
war.  Alle  Aussagen  der  2ieugen  waren  verneinend.  Dennoch  strengten 
die  Inquisitoren  eine  Anklage  in  43  Artikeln  gegen  Perez  an,  a*  a. 
weil  er  gesagt  habe,  es  sei  eine  Ungerechtigkeit,  die  Aasfahr  der 
Pferde  nach  Frankreich  (das  damals  sich  im  Kriegsstande  gegen  Spa- 
nien befand),  als  eine  Kezerei  za  bestrafen;  denn  die  Franzosen  seien 
ja  keine  Kezer;  weil  er  harte  Reden  gegen  den  Eonig  aasgestossen, 
^mit  Yerachtnng  der  Lehre  der  Kirche,  welche  befiehlt,  den  Souverän 
za  achten  und  zu  ehren'  ^). 

Am  1.  September  1592  wurde  Perez  „als  Verdächtiger  in  dem 
höchsten  Grade'  za  der  Strafe  der  „Relaxation  in  eiBgie'  verurtheilt, 
„als  formeller  Kezer,  überwiesener  Hugenott,  verhärteter  Unbussfer- 
tiger*'  Seine  Güter  wurden  confiscirt,  seine  Kinder  und  Enkel  in  der 
männlichen  Linie  als  ehrlos  erklärt  Am  20.  October  wurde  ein  grosses 
Autodafe  gehalten,  und  darin  auch  Perez  „in  effigie'  abgewandelt.  ^^^ 
Sein  Bild  trug  die  Inschrift:  „Anton.  Perez,  Secretär  des  Königs,  un-  %mr-'' 
seres  Herrn;  geboren  za  Montreal  de  Ariza,  wohnhaft  zu  Saragossa;  ^<»<i^ 
überwiesener  Kezer,  Flüchtling  und  Rückfälliger.'^  Damals  war  Perez 
in  London.  Nach  Uorente  entdeckte  man  sowohl  zu  London,  als 
später  in  Paris  eine  von  Spaniern  gegen  sein  Leben  angezettelte  Ver- 
schwörung. Der  Baron  Rodrigo  de  Mur  habe  gestanden,  dass  Juan 
Idiaquez,  Minister  Pfailipp's,  ihn  gesandt  habe,  um  den  Perez  za  er- 
morden*). (Die  blosse  Aussage  Uorente' $  aber  beweist  nichts.)  — 
Nach  Philipp's  IL  Tode  erlangte  Perez  die  geho£%e  Amnestie  nicht; 
denn  die  Inquisition  hatte  gesprochen.  Im  Jahre  1610,  nach  der  Er- 
mordung Heinrich's  IV.,  seines  Beschüzers,  sebute  er  sich  aufs  Neue, 
seine  Familie  wieder  zu  sehen,  doch  vergebens.  Perez  starb  zu  Paris  Sein 
am  3.  November  1611.  Seinen  Kindern  gelang  es,  das  gegen  ihn  ge- 
fällte Urtheil  der  Inquisition  rückgängig  zu  machen.  Sie  brachten 
u.  a.  ein  Breve  des  Papstes  vom  26.  Juni  1607  vor,  worin  Perez  „ad 
caatelam*^  von  kirchlichen  Censuren  wegen  seines  Umgangs  mit  Kezern 
abaolvirt  wird,  sowie  verschiedene  Z^eugnisse,  nach  denen  er  zu  Paris 
als  gnter  und  frommer  Katholik  gelebt,  und  als  solcher  gestorben  sei. 
Zwar  die  Inquisition  von  Saragossa  wollte  ihr  Unrecht  nicht  zuge- 
stehen.  Aber  über  dem  Gerichte  der  Inquisition,  die  sich  in  diesem 
Processe  als  reines  Werkzeug  der  weltlichen  Gewalt,  vielmehr  als 
Organ  eines  erbosten,  nach  Rache  dürstenden  Königs  erwiesen,  stand 
der  oberste  Gerichtshof  der  „Suprema'',  welcher  damals  anders  als  im 


Tod 
1011. 


')  Aber  nicht,  darob  ihn  das  sichtbare  und  nnsichtbaro  Oberhanpt  der  Kirchs 
in  den  Hintergrund  zu  drSngen. 

•)  LUyrente,  III,  p.  356—367. 


240  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Jahre  1592  zusammengesezt  war.     „Die  politischen  Gründe,  welche  im 
Jahre  1592  den  Ant.  Perez  hatten  verortheilen  lassen,   existirten  jezt 
nicht   mehr/^     Er   cassirte  das   frühere  Urtheil,   ,,in   Ansefaang   neuer 
Dm  An-  im  Proccss  erschienener  Documente  hob  er  die  Sentenz  anf,  welche  den 
do°  Pe-  -^^  Pöfez  verurtheilte;*'  er  erklärte  den  guten  Ruf  desselben  wieder  her- 
reireha-  gestellt;   Seine  Kinder  und  Nachkommen  wieder  föbig,   Ehrenämter  zu 
^^^l*  bekleiden  —  1615.    Philipp  III.   schrieb   an   den  Rand   des   ihm  vor- 
gelegten Decrets:  ,,Man  vollziehe,   was   in   gegenwärtigem  Decret  ent- 
halten,  weil   es,   wie   man   sagt,   der  Gerechtigkeit  entspricht^^     Am 
2.  Mai  16  !ö  wurde  die  Inquisition  von  Saragossa  aufgefordert,   dieses 
Decret  zur  Ausführung  zu   bringen.    Noch   im  Jahre    1654  kommen 
Spuren  von  diesem  Processe  vor.     Auch    Rom  nahm   sich  in    diesem 
Processe  der  Familie  des  A.  Perez*)  an. 

Das  Ende  des  D.  Carlos,  und  der  Process  gegen  Perez  und  die 
Fürstin'  Eboli  haben  am  meisten  dazu  beigetragen,  den  guten  Ruf 
Philipp's  auch  bei  den  Katholiken  ausserhalb  Spanien's  zu  schädigen. 
—  Die  Verhöre  der  Eboli  Hessen  „keinen  Zweifel  über  die  Natur  der 
Beziehungen  zwischen  ihr  und  Perez,  und  ihrer  Theilnahme  an  dem 
Morde  Escobedp's'^  Aber  die  Richter  waren  erklärte  Feinde  der  An- 
geklagten. Die  Thatsachen,  welche  der  Fürstin  zur  Liast  fielen,  waren 
wenige.  Sie  wurde  nach  einiger  Zeit  entlassen«  Die  Historiker  sind 
über  ihre  Schuld  nicht  einig.  Leop*  Bänke  spricht  sie  frei  von  Schuld, 
Mignet  behauptet,  sie  sei  Maitresse  des  Ant.  Perez  gewesen.  Dieser 
fasst  sein  Urtheil  über  Perez  also  zusammen: 
fjrthoiie  ,^Ohne  einer  der  grossen  Minister  Philipp's  IL  zu   sein,   besass 

er  doch  eine  Zeit  lang  die  ganze  Gunst  dieses  Fürsten,  und  war  die 
mächtigste  Person  der  spanischen  Monarchie.  Nachdem  er  allzaleiclit 
zur  Gewalt  gelangt,  wusste  er  sich  selbst  nicht  zu  beherrschen,  und 
benahm  sich,  nachdem  er  gleichsam  auf  dem  Wege  der  Erbschaft  Mi- 
nister geworden,  als  einen  wahrhaftigen  Abenteurer.  Leidenschaftlich, 
geizig,  ein  Verschwender,  zugleich  gewaltthätig,  Intriguant,  indiscret, 
bestechlich,  brachte  er  sein  unordentliches  Leben  an  einen  Hof  von 
strengem  Aeussem,  störte  er  mit  seinen  Agitationen  einen  Fürsten,  der 
an  eine  stille  Würde  gewöhnt  war,   beleidigte   er  durch  die   Rivalität 


res. 


')  Las  obras  y  relaciones  (Memorial  et  Relaciones)  del  hocho  de  sa  Coosa  — 
p.  D.  Ant.  Perez;  Paris,  1598;  Genev.,  16J1.  8*.  Llorente^  Histoire  de  F  Inqui- 
sition, III,  p.  316—375.  —  Antonio  Perez,  Secretario  de  Estado  del  rey  Felipe  11. 
Eatadios  histörieos  por  D.  Salvador  Bermudez  dt  Castro^  Madr.,  1841.  —  Antonio 
Perez  et  Philippe  II,  par  A  M.  Mignet,  1845.  Paris,  1854,  (Madr.,  1852).  —  Co- 
leocion  de  documentos  ineditos,  Madr.,  1812,  t.  I  (Prision  de  Antonio  Perez  y  de 
la  princesa  de  EvoH).  —  Philipp  sah  von  der  Vorhalle  einer  gegeDfiberstehenden 
Kirche  zn,  als  und  wie  die  Eboli  arrctirt  wurde.  —  A.  Pcrcz  ist  auch  dramatisch  be* 
handelt  worden. 


Portugal  herrenlos«    KOnig  Sebastian  von  Portugal.  241 

seiner  Liebschaften  und  die  Frechheit  seines  Vorgehens  einen  heuch- 
lerischen, rachsüchtigen  nnd  absoluten  Herrn«  Aber  durch  die  reichen 
Hilfsquellen  seines  Geistes,  die  er  in  der  Zeit  seiner  Verfolgung  ent- 
wickelte, entwaffnete  er  seine  Gegner  und  erlangte  die  allgemeine 
Sympathie.  Doch  seine  alten  Fehler  begleiteten  ihn  auch  in  die  Ver- 
bannung, und  er  starb  arm  und  verlassen." 

§.  7. 

Seit  dem  Tode  des  grossen  Königs  Emmanuel  (13.  December 
1521)  schwand  auch  die  Grösse  Portugal's  dahin.  Manuel  hatte  von 
52  Lebensjahren  26  regiert«  Sein  Sohn  Joaö  IlL  regierte  36  Jahre; 
seine  lange  Regierung  war  aber  keine  gluckliche.  Er  starb,  erst 
55  Jahre  alt,  am  11«  Juni  1567.  Sechs  Sohne  und  drei  Töchter  giengen 
im  Tode  ihm  voraus«  Von  seinen  Söhnen  starb  zulezt  Joaö,  der  Erbe 
des  Thrones.  Vermahlt  mit  Juana,  der  Tochter  Carl's  V.,  starb  er  am 
2.  Januar  1554,  erst  16*/,  Jahre  alt.  17  Tage  nach  seinem  Tode 
warde  ihm  ein  Sohn  geboren,  Sebastian.  Die  Königin- Wittwe  Catha- 
rina  war  Reichs  Verweserin  bis  zum  Jahre  1562;  nach  ihr  führte  der  sebM- 
Cardinal  -  Infante  D,  Henrique  die  Regentschaft  von  1562—1568.  Im*^^'^*«." 
Jahre  1568  übernahm  Sebastian  die*  Regierung,  nicht  um  im  Frieden  mg  ron 
Portugal  zu  regieren,  sondern  sogleich  seinem  abenteuerlichen  Plane  ^^' 
eines  Feldzugs  nach  Afrika  zugewendet.  Ebenso  wenig  liess  sich 
Sebastian  von  dem  Entschlüsse  abbringen ,  keine  Ehe  zu  schliessen. 
Denn  die  Ausführung  desselben  musste  das  Ende  des  Königreichs 
Portugal  herbeifuhren,  sowie  den  Anfall  an  Spanien»  Sebastian  be- 
tete stets  zu  Gott,  dass  er  ihn  keusch  erhalten  möge;  als  ob  es 
im  Ehestande  keine  Keuschheit,  und  als  ob  es  nicht  viele  heilige  Ehe- 
manner und  Ehefrauen  gäbe.  Schon  im  Jahre  1574  machte  er  mit 
geringer  Macht  einen  Feldzug  nach  Afrika,  von  dem  er  voll  Kriegs- 
lust zurückkehrte.  Es  half  nichts^  dass  seine  Grossmutter  Catharina 
(t  12.  Februar  1578)  sterbend  sprach:  „O  dass  seine  Hoheit  nicht 
lach  der  Berberei  übersezel  Rathet  ihm,  dass  er  nicht  dahin  gehe,  wie 
ich  es  immer  gethan  habe,  und  jezt  thue.  O,  er  gehe  nicht,  es 
ommt  nicht.^ 

Dennoch  gieng  er.  Aber  wie  bei  Philipp  IL,  der  troz  des  Rathes 
Her  nicht  nach  den  Niederlanden  ging,  so  traf  bei  Sebastian,  der  troz 
es  Abrathens  Aller  nach  Afrika  gieng,  das  Wort  zu:  „Wem  nicht  zu 
then,  dem  ist  nicht  zu  helfen.^  Philipp  IL  wies  die  Einladung  Se- 
stian's,  mit  ihm  zu  ziehen,  von  sich,  und  soll  ihm  persönlich  gerathen 
ben,  den  Feldzug  nicht  selbst  mitzumachen.  Doch  versprach  er  ihm 
Hilfscorps  von  5000  Mann.  Sebastian  hoffie  so  fest  auf  die 
oberang  von  Fez   und  Marokko,  dass   er   sich  in  Portugal  Scepter 

Garn«,  «iMUi.  Klrebe.  III.  9.  15 


242  Dreizehntes  Bucfa.    SiebeDtes  KapiteL 

^nach*  ^^^  Krone  für   die  Eaiserkronung   hatte  anferügen  lassen.     Nur  etwa 
Harok-  9000  Mann  brachte  er  zasammen,   nnd  diese  waren  ungeübt  und  nn- 
^°*     erfahren.    Dazn  kamen  etwa  lOOO  Castiiianer,  3000  deutsche  Reisläufer, 
700  Italiener,  etwa  500  Freiwillige,   und  1000  Reiter.    Am  4.  August 
1578  kam  es  bei  Alcacer  am  Flösse  Macazem  zur  Schlacht.    Die  Portu- 
giesen wurden  von  dem  viermal  starkern  Heere  der  Mauren  ganz  um- 
ringt, und  von  ihnen  blieben  nicht  1000  Mann  übrig.    Wie   ein  Löwe 
kämpfte  Sebastian ^    er  wollte   sich  znlezt  gefangengeben,   wurde   aber 
von  den  Mauren  niedergehauen.     Auch   zwei  Könige  der  Mauren  ver- 
loren das  Leben').  — 
König  Der  Cardinal -Infant  Henrique  wurde  nach  Sebastian  Konig.     Er 

]578_'war  67  Jahre  alt,  kränklich,  nnd  entsprach  nicht  den  Hoffnungen,  dir 
1580.  Manche  auf  ihn  sezten.  Ein  Vermählungsplan  desselben  misslang. 
Jezt  wollte  er  Philipp  II.  zu  seinem  Nachfolger  erwählen  lassen.  Der 
Klerus  stimmte  bei,  der  Adel  zur  grössern  Hälfte,  die  Städte  wider- 
sprachen. Ohne  Entscheidung  erlebt  zu  haben,  starb  der  Konig  am 
HI.  Januar  If^SO,  an  demselben  Tage,  und  zu  derselben  Stunde,  an 
der  cj-  vor  G8  Jahren  geboren  worden.  Mit  ihm  starb  das  alte  Königs- 
geschlecht  von  Bnrgund  aus,  das  mit  dem  Grafen  Heinrich  nicht  so  fast 
den  Thron  PortugaFs  bestiegen,  als  diesen  Thron  erst  begründet  hatte  ^). 
^^^-  Als  Philipp  IL  sah,  dass  er  auf  dem  Wege  der  Succession  kaum 

n.  Tor- König  von  Portugal  werden  durfte,  beschloss  er,  seinen  Rechten  durch 
tiigai.  (Jie  Gewalt  der  Waffen  Anerkennung  zu  verschaffen.  Die  Leitung  des 
Heeres  übergab  er  dem  „eisernen*  Herzog  von  Alba,  der  von  1573 
— 1580  auf  seinen  Belgischen  Lorbeeren  geruht  hatte.  Die  Theologen,i 
welche  Philipp  befragte,  stimmten  ihm  alle  bei,  dass,  wenn  die  Portu-i 
giesen  ihm  sein  Thronrecht  streitig  machten,  er  zu  den  Waffen  greife] 
dürfe.  Der  Papst  habe  hier  nichts  darein  zu  reden,  da  die  Sache  reil 
weltlich   sei.     Philipp   H.   vereinigte   Milde   mit   Strenge.    Wir   selbi 


')  Manoel  de  Menezes,  Chronica  do  principe  den  Sebastiao  rey  de  Portu 
Lisboa,  1730,  2*.  —  Ibid.,  (unter  andenn  Titel)  1737. 

')  Die  erwähnten  Werke  von  Dam.  Goe^^  Sousa^  Os&rius  etc.  Conestaggii 
Jeronimo  de  Franchi,   Dell'  unione  del  re^o  di  Portogallo  alba  Corona  di  C 
stiglia  hi8toria.;Genoa,  1585.  4'.  (verfaMt  von  Jocu}  de  Silva,  Graf  von  Portalegre) 
Genna,  1589;  Venedig,  1592;  Milano,  1616:  Florenz,   1642.)    Spanisch:   Historia 
la  Union  etc.,  por  Luis  de  Bavia.  Barcel,   1618,  4*.  —  Lateinisch:  de  Portagali 
conjnnctione  cum  regno  Castillae;   Francof»,  1602;  1610.    Französiseb:   von    C 
Nardin.  Besanc.,  1596;  Arras,  1600;  Paris,  1680. 

Damit  steht  Im  Znsammenhange  das  Werk  (ttb.  die  Schlacht  v.  4«  Aug.  1571 
Jornada  de  Africa,  por  Jeron,  de  Mendoza,  on  quäl  se  responde  a  Jerotu  FYangu 
o  a  outros,  e  se  trata  do  successo  de  Batalha,  et  Cativeiro,  e  dos  qne  nelle  peri 
cerao  por  nao  serem  Mauros,  con  ontras  cousas  dignas  de  notar.  Lisboa,  IGO' 
4*.  —  Eibeiroy  Dissertacoes  chronologicas  etc.,  t.  I,  Lisb.,  1810,  p.  334  sq.  - 
Heinr.  Schäfer,  Gesch.  von  Portugal,  3.  Bd.,  1850  (von  1495— 1580). 


Annexirang  vod  Portugal.  243 

glauben,    dass  ihm   gemäss   der  Verwandtschaft  die   Regierung   über 
Portugal   gebührte ,   betrachten   aber  die  Vereinigung  von  Spanien  und 
Portugal  als  ein  grosses  Unglück  für  die  beiden  feindlichen  ,,Brüder'*- 
Völker,  wie  der  Erfolg  in  Bälde  zeigte.    Alba  hatte  fast  20.000  Mann, 
10.000  Spanier,  4500  Italiener,  3500  Deutsche,  1500  Reiter.  Philipp  II. 
wu88te,  dass  die  Portugiesen  Hilfe  gegen  ihn  bei  andern  Fürsten,  u.  a. 
bei  Frankreich  gesucht,   und  entschloss   sich   zu  schnellem  Vorgehen. 
Ein  neues  Gutachten  von  30  Theologen  der  Hochschule  Alcala,   deren 
tlieologische  Facultät   damals   die   erste  in  Spanien  war,   welche   von 
dem  frühern  Gutachten  nichts  wussten,   lautete  einstimmig,  dass  Phi- 
lipp n.  Portugal   erobeni   dürfe.      Die  Festung  Elvas  ergab  sich  frei- 
willig,   wo   Philipp  II.    am   5.  December  1581    seinen  Einzug   hielt  ^). 
Es  ergaben  sich   die  Städte  Olirenca,   Serpa,   Moura,   Arronches  und 
Portalegre,  auch  Montemor  und  Evora.    Das  Land  südlich  vom  Tajo, 
mit  Algarve,  fiel  ohne  Schwertstreich  dem  Könige  zu.   Das  feste  Setuval 
übergab  sich  Alba  ohne  einen  Kanonenschuss.  Als  aber  Alba  nach  seiner 
in  den   Niederlanden   angenommenen   Sitte,   mehrere    Heerführer   der 
Portugiesen  hinrichten  Hess,   so   schlug  die  Stimmung   der  Einwohner 
von  Lissabon  in  Schrecken  und  Abscheu  um.    Alle  Spanier,   die  sich 
entfernt  vom  Heere  treffen  Hessen,   wurden  grausam  ermordet.    Land- 
leute,  Mönche^   Weiber   und   Kinder   wetteiferten   in  Steinwürfen   und 
StÖBsen.     Ein  Heer  von   c.    10.000  Mann  hatte   sich   unter  dem  s.  g. 
Prior  AntoniOy  der,  wie  Philipp  II.,   ein  Becht  an  die  Krone  zu  haben 
glaubte  9   bei  Alcantara  nahe   bei  Lissabon   gesammelt.     Es  kam  zum 
Kampf.      Die    Portugiesen    flohen    gegen  Lissabon.     Die  Flotte   der 
Portugiesen  musste  sich   den    Spaniern   ergeben.     Auch  Antonio  floh 
in  die  Stadt,  und   Hess  die  Gefängnisse   eröffnen,   aus   welchen  nicht 
bloss   die   Verbrecher,   sondern   auch   die  gefangenen  Anhänger  Phi- 
lipp's  II.  hervorgiengcn*).     Lissabon  ergab  sich,  unter  Gewährleistung    ^  ^ 
der  Sicherheit   der  Personen   und   des  Eigenthums.     Doch  wurde   der  obert 
grössere  Theil  der  Stadt  drei  Tage  lang  geplündert. 

PhiHpp  U.  berief  die  Cortes  nach  Thomar^  wo  er  sich  und 
.'einem  Sohne  huldigen  Hess.  Er  ertheilte  eine  sehr  beschränkte  Am* 
uestie.  Am  19.  April  1582  wurden  die  Cortes  eröffnet.  Der  König 
beschwor  'die  Rechte  der  Portugiesen,  versprach  ziemlich  dasselbe,  was 
König  Immanuel  im  Februar  1499  beschworen  hatte,  als  er  und  sein 
Sohn  Michael  präsumtive  Thronerben  von  Spanien  waren  ^).  Sollte 
.ber  der  Fall  eintreten,  erklärten  die  Cortes,  dass  Philipp  II.  oder  seine 


I^isaa- 


*}  Conestaggio,  Lib.  V.  —  Lmz  de  Menezes,  Portugal,  restaurad,  1.  I. 
*}  Quasi  post  tantam  bominnm  stragem  in  pauculis  malefiois  aliquid  spei 
«nperesaet,    Thuanus,  historia  sni  tcmporis,  1.  70,  p.  558.    ConestaggiOf  p.   195. 
^)  Klrcbengeschichte  von  Spanien,  llf,  1,  p.  850. 

16» 


244  Dreizehntes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Nachfolger  nicht  Alles,  was  versprochen  und  beschworen  worden,  genau 
beobachteten,  so  wiirden  die  drei  Stande  des  Reichs  nicht  verpflichtet 
sein,  das  Uebereinkommen  zu  halten  und  konnten  frei  die  Unterwerfung 
und  den  Gehorsam  verweigern,  ohne  desshalb  in  das  Verbrechen  der 
verlezten  Majestät  oder  in  einen  andern  Schaden  zu  verfallen*). 

Philipp  II.  hielt  am  Feste  der  Fürsten  der  Apostel  —  1582  seinen 
LiMabo-  Einzug  in  Lissabon,  unter  dem  Zudrange  und  Jubel  einer  zahllosen 
ner  ju-  Menge,  empfangen  vom  Magistrat  der  Stadt.  Unter  einem  goldge- 
iipp  II.  stickten  Baldachin  begab  er  sich  zu  Pferd  zuerst  in  die  Cathedrale, 
*»•  von  da  in  den  Palast,  wohin  ihn  der  ganze  Adel  zu  Fuss  begleitete. 
Portugal  hatte  innerhalb  weniger  Jahre  fünf  Eonige  gehabt,  und  jubelte 
dem  neuesten  mit  frohen  Hoffiiungen  entgegen.  „Alle  fünf  richteten 
ihre  Unterthanen  zu  Grunde  (sagt  Conestaggio)^  Sebastian  durch  Ver- 
wegenheit ,  Henrique  durch  Unentschlossenheit ,  die  Governadorcs 
durch  Furcht  und  Sondervortheilc,  Antonio  durch  Tyrannei  und  Phi- 
lipp mit  den  Waffen.  Allein  damals,  als  er  (in  Lissabon)  einzog, 
während  fast  Alles  ruhig  war,  glaubte  man,  dass  die  frühern  Bekümmer- 
nisse und  Drangsale  in  Heiterkeit  umschlagen  würden." 
^suüu**  *  Aber  Portugal  verlor  mit  seiner  politischen  Unabhängigkeit  zu- 
gleich seine  Macht;  das  Ansehen  des  Volkes  in  Europa  sank  schnell 
dahin;  man  redete  nicht  mehr  von  Portugal,  nur  noch  von  Spanien. 
Beraubt  ihrer  eigenen  Schwungkraft,  siechte  die  Nation  traurig  dahin. 
Die  Nation  verarmte,  wurde  geplündert  und  herabgewürdigt,  ihr  Wohl- 
stand und  ihre  Würde  verschwanden.  Von  Lissabon  aus  bemühte 
sich  Philipp  um  die  Unterwerfung  der  portugiesischen  Colonieen,  ein^ 
sehr  mühsame  und  blutige  Arbeit.  Trozdem  fand  Philipp  in  Lissaboai 
Zeit^  sich  um  die  kleinsten  Einzelheiten  der  Synode  von  Toledo 
Jahre  1582  zu  bekümmern,  und  über  kanonische  Stunden  und  alll 
Formen  des  Gottesdienstes  seine  Aussprüche  zu  thun.  Er  war  mel 
Eirchenfürst,  als  Staatsmann,  mehr  Sacristan  als  Finanzmann.  Lezter< 
war  seine  wundeste  Seite.  In  Strömen  floss  das  Gold  ihm  zu,  ui 
sein  Staatsschaz  war  allzeit  leer. 

Philipp's  Plan,  mit  der  Wittwe  des  Herzogs  von  Braganza  si« 
zu  vermählen ,  scheiterte  an  deren  unbesiegbaren  Widerwillen.  II 
Sohn  Tkeodosio  würde,  so  hoSte  sie,  einst  Eonig  von  Portugal  werdet 
Philipp  II.  Hess  bei  seiner  Abreise  —  11.  Februar  1583  —  die  P< 
tugiesen  in  der  grossten  Unzufriedenheit  zurück,  welche  der  Statthalü 
Cardinal  Albert  von  Oesterreich,  noch  vermehrte.  Mehrere  ülsc] 
„Sebastiane^^  traten  auf,  und  weckten  und  tauschten  die  Hoffnung( 
des  Volks').     Sechs   Portugiesen  wenigstens    sahen  Sebastian's   vi 

')  ConestaggiOj  üb.  8.  —  Thuanus^  IIb.  81.  — 

*)  Confossua  est  (Sebastianns),  praeaente  Nunio  Masoaregna,  penes  quem  um 
rei  fides  erat    Thoan.,  lib.  65. 


Die  ScbaBtiane.  245 

stümmelten   Leichnam.     Derselbe  wurde  nach  Ceuta  gebracht,   dort 
vor    einem  Notar   und   vor  Zeugen   dem   Commandanten  von   Ceuta 
übergeben.      Philipp   ü.    liess     den    Leichnam    in    der    königlichen 
Graft  zu  Belem   beisezen.    Trozdem   glaubten   alle  Portugiesen,   diess 
sei  die  Leiche  eines  andern.    Ihre  sehnsüchtige  Liebe  zu  dem  Könige, 
ihr  Widerwille  und  Hass  gegen  die  Herrschaft  der  Spanier  trieben  sie  ,  *,,^,„ ' 
dem  „falschen  Sebastian^^  in  dritter  und  vierter  Auflage   in  die  Arme,  sebu- 
Im   Jahre    1585  trat  der   Sohn  eines   Ziegeldeckers  als  König  „Se-   ^*^^' 
bastiaii^^  anf,  er  wurde  durch  die  Strassen  von  Lissabon  gepeitscht,  und 
busste  lebenslang  auf  den  Galeeren.  Dann  trat  der  Sohn  eines  Steinhauers 
als  „Sebastian^^  auf.    Er  bekannte  seine  Betrügereien,  und  wurde  zum 
Galgen  verurtheilt.   Im  Jahre  1595  begann  ein  Zuckerbäcker  von  Toledo 
dasselbe  Spiel,  und  dabei  ein  Liebesabenteuer  mit  einer  Nonne.    Ihn  und 
den  Beichtvater  der  Nonne,  der  dazu  geholfen  hatte,  traf  die  Todesstrafe. 

Aber  im  Jahre  1598  trat  der  relativ  wahrscheinlichste  unter  den 
falschen  „Sebastianen^^  zu  Venedig  auf,  der  durch  seine  Angaben  in 
ganz  Europa  grosses  Aufsehen  machte.  Er  wurde  endlich  vom  Yice- 
könig  von  Neapel  arretirt,  auf  die  Galeeren  gesezt  und  nach  Spanien 
gesandt,  wo  er  sein  Leben  im  Gefängnisse  schloss.  Um  so  fester  glaubten 
die  Portugiesen  an  seine  Aechtheit  und  thaten  beim  Papste  und  bei  An- 
dern alle  möglichen  Schritte,  damit  ihr  König  ihnen  ausgeliefert  werde* 
Zwei  Mönche  endeten  dafür  am  Galgen.  Die  Portugiesen  waren  über- 
zeugt, dass  er  der  wirkliche  Sebastian  gewesen.  „Philipp's  Behörden 
vermochten  den  Gefangenen  nicht  des  Betrugs  zu  überfuhren,  und  so 
brachte  ihn  Philipp  (III?)  im  Kerker  zum  Schweigen  .^^  —  Philipp 
hielt  die  wenigsten  der  von  ihm  zu  Thomar  beschwomen  Punkte.  Nicht 
von  Lissabon,  sondern  von  Madrid  aus  wurde  Portugal  regiert.  Por- 
tngal's  Waffenvorrilthe  wurden  nach  Spanien  gebracht  Die  Justizstellen 
wurden  nur  in  Madrid,  und  zwar  um  theures  Geld  erworben.  Viele 
wurden  insgeheim  hingerichtet,  d.  i.  in's  Meer  gestfirzt,  das  die  Leichen 
wieder  auswarf').  —  Arzilla  in  Afrika  trat  Philipp  II.  gegen  200.000  Gru- 
zados  an  Marokko  ab. 

Die  Prediger  weckten  stets  den  Unabhangigkeitssinn  der  Portu- 
giesen. Der  Jesuit  P.  Luiz  Alvarez  predigte  einst  vor  dem  Cardinal 
Albert  and  sprach  aus  Anlass  des  Evangeliums  vom  Gichtbrüchigen 
zu  ihm:  „Surge^  tolle  grabatum  tuum,  et  ambula.  —  Serenissimus 
Prinz'^     Diese  Worte  wollen  sagen:  „erheben  Sie  sich  schnell,  nehmen 


•)  In  einer  Anmerkung  sagt  Schäfer:  Portng.  restor.,  I,  p.  39.  Brandaö, 
1,  p.  22.)  Ueber  2000  Geistliche  und  Ordenspersonen  sollen  damals  in  Portugal 
nsd  auf  den  Inseln  im  Geheimen  hingerichtet  worden  sein.  Nach  Thnan.  lib.  78. 
Spondani  annaL,  ann.  1583,  nr.  4.  Lezterer  sagt  nur:  On  en  fit  mourir  plusieurs 
saiTCBf  et  la  peste  emporta  bien  deox  mille  Frestres  et  Moynes  dans  le  Portagale 
dans'ces  mesmes  Isles. 


246  Dreizehntes  Buch.    Siebcnfcs  Kapitel. 

Sie  ihr  Bettgeräth  und  gehen  Sie  nach  Ilause/^  Sebastian  kehrte  nicht 
wieder,  aber  Portugars  Losreissung  von  Spanien  erfolgte  60  Jahre 
nach  seiner  Angliederung  an  das  y,8tammverwandte'%  aber  von  den 
Portugiesen  tödtlich  gehasste  Spanien'). 


§.  8. 

Am  8.  Februar  1587  war   die  unglückliche  Maria  von  Stuart  in 
ihrem  Gefängnisse  zu   Fotheringhay   enthauptet  worden,   im  zwölften 
Jahre  ihrer  Gefangenschaft,   im  funfundvierzigsten  Jahre  ihres  Lebens. 
Sie  starb  mit  Ergebung,   und   treu   ihrem  Glauben.    In   der  Zeit  von 
1558  — 1587   war   ein  protestantisches  Geschlecht  in  London  herange- 
wachsen.    Seine  Freude  über  Maria's   Hinrichtung  war  so  unbändig, 
dass   man   in   London   24  Stunden    mit  allen   Glocken    läutete,    und 
Freudenfeuer  vor  den  Hausthären  anzündete,   wie  am  Set  Johannis- 
Abend.     Der   Protestant   DaUmann  nennt   diess   eine   „gemeine  That 
und  ein   gemeines  Behagen  daran.^^    In  Folge  davon,   und  ans  andern 
Phi-    gewichtigen  Gründen  rüstete  Philipp  U.    zum   Krieg  gegen  Elisabeth; 
ul^Eiisa-  135  Kriegsschiffe   mit   8000  Matrosen   und    19.000  Mann   Landnngs- 
beth  von  truppen  sammelten  sich  in  Lissabon  —  1588.    Alexander  Farnese,  der 
°^  ^  '  Statthalter   der  Niederlande ,   sollte  auf  flachen  Schiffen  30.000  Mann 
aus  Flandern  an  die  Küste  von  England  fuhren.    Die  Flotte  der  Eng- 
länder war  an  sich  der  spanischen  überlegen,  und  stand  unter  gefeierten 
Admiralen.    Lord  Howart,  der  die  Flotte  führte,   war  zwar  Kaüiolik. 
„Aber  der  katholische  Theil   der  Bevölkerung  fühlte  weit  mehr   vom 


')  Chronica  do  principe  D.  Sebastiane,  por  Menezes  (Jos.  Pereira  Baiao]\ 
Lisboa,  1730,  2^  —  Historia  sebastica;  contem  a  vida  de  D.  Sebastiano,  rey  de 
Portugal,  e  es  saccessos  memoraveis  do  reino  e  conquista  no  seu  tempo,  por  Fr, 
Afanoel  dos  Santos.  Lisboa ,  1735  —  in  fol.  (darin  aocb  die  Schrift  des  Jeron. 
Almeida  über  die  Todtenfeier  des  D.  Sebastian,  1582).  —  Hemorias  para  a  historia 
de  Portugal,  que  comprehendem  o  governo  del  rey  D.  Sebastiano  •  .  •  do  anno  de 
1554  atö  ao  anno  de  1561  (1578),  por  Z>.  Diego  Barbosa  Machado.  Lisboa, 
1736  —  1739,  4  vol.  4*.  —  Chronica  de  el  rey  D.  Sebastiao,  por  Bern,  da  Cruz, 
public,  por  A.  Heradano  e  o  Dr.  A.  Payva^  Lisboa,  1837,  8*.  Portugal  cuida> 
doso  e  llastimado  com  a  vida,  e  perda  do  Sr.  rey  D.  Sebastiao,  pelo  P.  Jos. 
Pereira  Bayao.  Lisboji,  1787,  2".  —  Jornada  y  muerte  del  rey  D.  Sebastian  de 
Portugal,  por  Ant.  de  San  Roman;  Vallad.,  1603.  4*. 

Historia  de  Portugal,  y  conquista  de  las  islas  de  los  Acores^  en  1582  et 
1583,. p.  Ant,  de  Herreras,  Madr.,  1591.  4*.  —  Invasion  et  occupation  du  royanme 
de  Portugal  en  1580,  par  L.  A,  Eebello  de  Silva,  Par.,  1864,  t.  I.  —  Brieve  et 
sommaire  descripcion  de  la  vie  et  mort  de  D.  Antoine  I ,  rey  de  Portugal  (par  le 
prince  Christophe,  son  fils),  Par.,  1629.  —  Histoire  de  D.  Antoine,  roy  de  Por- 
tugal, tir^  des  mömoires  de  D.Oomez  Vasconceüos  de  Figtteredo^  Amsterd.,  1690. 
—  H.  Schäfer,  Gesch.  von  Portugal,  Bd.  IV,  1852,  p.  833-422. 


Die  „blutige''  EHsaboth  von  England.  2J7 

Engländer,  als  vom  Papisten  in  sich."  Am  19.  Juli  1588  langte  Phi- 
lipp's  „Armada"  im  Kanal  an.  Mächtige  Stürme  bekämpften  und 
überwanden  die  spanische  Armada.  In  einer  Seeschlacht  bei  Grevelingen 
am  30.  Joli  verlor  die  Armada  13 — 14  ihrer  schönsten  Schiffe.  „Die 
sinkende  Sonne  sah  die  Niederlage  der  Spanier  entschieden."  Ungefähr 
die  Hälfte  der  Schiffe  kehrte  nach  Spanien  zurück.  Schwer  habe  sich 
em  Höfling  gefunden,  der  Philipp  IL  die  Hiobspost  bringen  wollte. 
^Er  findet  den  Philipp  am  Schreibtische  (wie  immer);  der  legt  die  Feder 
nieder,  vernimmt,  was  geschehen,  dankt  Gott,  dass  es  nichts  Schlimmeres 
sei,  und  fkhri  zu  schreiben  fort"*). 

,^Wirklich  heillos  aber  war  es,  sagt  derselbe  DaTdmann^  dass  nach 
solchen  Bewährungen  eines  wahrhaft  königlichen  Verhaltens  in  Glaubens- 
sachen jezt  Elisabeth  die  Untersuchungen  gegen  Katholiken  wieder 
anhob,  und  die  Strafen  gegen  ihre  s.  g.  Recüsanten,  wollten  sie  nur 
bloss  die  Gotteshäuser  der  Staatskirche  nicht  besuchen^  oder  sogar 
den  Supremat  (der  Konigin)  verwerfen,  recht  eigentlich  als  Finanz- 
quelle benüzte,  gleich  als  gälte  es  nur  auf  jede  Art  die  Kriegskosten 
wieder  einzubringen.  Ihre  Taxe  war  20  Pfund  monatlich'  von  jedem 
katholischen  Kecusanten,  und  sie  trieb  unbarmherzig  ein  von  Allen, 
die  in  dem  Verzeichnisse  standen,  welches  in  jeder  Grafschaft  gefer- 
tigt werden  musste.  Einem  Edelmanne  rechnete  man  69  Monate 
nach,  in  welchen  er  die  Kirche  nicht  besucht  hatte,  deren  Gebräuche  (•so'' 
mit  seinem  Glauben  stritten,  und  er  musste  l380Pftind  büssen.    Zwar  ^"'*' 

...  .        .  .  both. 

erklärte  er,  die  Königin  sei  allen  Excommunicationen  zum  Troze  seine 
rechtmassige  Gebieterin,  und  er  sei  stets  bereit,  sie  mit  Gut  und  Blut 
gegen  alle  Fürsten,  Päpste,  Potentaten,  Prälaten  und  sonstige  Feinde 
zu  vertbeidigen.  Manche  fanden  sich  darum  lieber  mit  einer  ermäs- 
sigten  jährlichen  Zahlung  ab;  die  unvermögenden  erlitten  Leibesstrafen. 
Auf  das  Anhören  einer  Messe  standen  100  Mark  Brüche  und  ein- 
jähriges Gefängniss.  Ertappte  man  bei  den  häufigen  Haussuchungen 
einen  katholischen  Priester  in  einem  Hause,  so  verwirkte  der  Hausherr 
sein  ganzes  Vermögen.  Aber  zu  der  Habsucht  gesellte  sich  bald  die 
Gransamkeit.  „Unvermeidlich  war,  dass  der  entdeckte  Priester  noch 
sch^rerer  büssen  musste  als  sein  Hehler;  es  blieb  nichts  übrig,  als  ihn 
zu  todten.  In  den  14  Jahren  von  der  Bezwingung  der  Armada  bis 
auf  den  Tod  der  Königin  erlitten  über  100  Katholiken  den  Tod, 
GL  Priester,  47  Laien  und  2  Edelfrauen.  Mit  diesem  Verfahren  war 
der  greise  Minister  Burleigh  ganz  einverstanden;  er  sagte,  kein  katho- 
lischer Priester  ertheile  Absolution,  ohne  sein  Beichtkind  von  dem 
Gehorsam  gegen  die  Königin  abwendig  zu  machen;  „doch  sei  mit  dem 
Hängen  der  Priester  genug  gethan,   das  Schleifen  zum  Richtplaze  und 


Die 


*)  Lingard,  Vlll,  p.  288.    DaMmann,  p.  128. 


248  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

das  Viertheilen  unterbleibe  besser,"     Den  Puritanern   ergieng  es  nicht 
besser,  als  den  Katholiken'). 

§.  9. 

Im  Verlauf  der  Jahre  wurde  Philipp   IL   immer  argwohnischer, 
abgeschlossener,  unzugänglicher,  unentschlossener,  schwermütbiger  und 
mürrischer.    Es   lag   auf  ihm   eine   Centnerlast,   und   er   wollte   oder 
konnte  sie  nicht  abwälzen.    Er   schien  das  Mitleid  der  Menschen  an- 
zurufen,  aber  es   war  ihm  nicbt  zu  helfen.    Schon  um  das  Jahr  1583 
sagte   der  Cardinal  Granvella   sehr  bezeichnend   von   ihm:   „Sein  ein- 
ziger Entschluss  in   allen  Dingen   ist  es,   beständig  unentschlossen  zu 
bleiben.^^    So   mussten   alle  Angelegenheiten  des  Reiches  in's  Stocken 
gerathen.    Indem   er   sich   mit   dem  Kleinen  und   Kleinsten   abquälte, 
zerfloss  und  zerfiel  daa  Grosste.    Er  handelte,   wie   einer,   der  gleich 
Gott,  Alles   weiss   und  für  Alles  zu  sorgen   hat.     Weil  er   für  Alles 
sorgen  wollte,  sorgte  er  im  Grunde  für  gar  nichts;  denn  es  war  ganz/ 
zufällig,   worauf  gerade   seine  Thätigkeit  fiich  richtete.    Er  war  viel- 
leicht  der  fleissigsüe   Arbeiter  in   seinem   ganzen  Jahrhundert.     Aber 
beim  Anblick  des  unendlichen  Details,  in  das  er  sich  verlor,  mnss  mau 
fragen:  ad  quid  perditio  haec?   Die  Könige  sind  nicht  da,  um  zu  ver- 
walten,  sondern  um  zu  regieren,   d.   i.   andere  in   ihren  Geschäften 
zu  leiten. 
Der  Ludwig  XIV.  war,  verglichen  mit  Philipp  II.,  darum  ein  grosser 

PM-  Begent,  weil  er  für  jeden  Plaz  den  besten  Mann  ausfindig  machte^  und 
"Pf»  u.  ihn  dann  seinem  Wissen  und  Gewissen  überliess.  Philipp  II.  schul- 
meisterte seine  Minister,  wollte  Alles  besser  wissen  als  sie,  zankte  sie 
aus,  wenn  sie  zufällig  etwas  nicht  mehr  wussten,  woran  er  sich  er- 
innerte. Vergebens  stellte  ihm  Granvella  vor,  dass  er  durch  sein 
Weise,  zu  arbeiten,  und  die  Unmasse  seiner  Arbeiten  nur  die  Kraf\ 
seines  Korpers  und  Geistes  aufreibe.  Philipp  war  so  eigensinnig,  wie 
ein  verzogenes  Kind  und  hielt  sich  in  Allem  für  unfehlbar. 

Dieses  ewige  Zögern  und  Zaudern,  der  Mangel  an  Entschlossen- 
heit und  frischer  Thatkrajft,  der  Wahn,  die  lebensvolle  Welt  wie  eirn; 
Anzahl  von  Drahtpuppen  an  den  lahmen  Stiften  seiner  Staatsdepescheii 
von  seinem  Zimmer  aus  regieren  und  lenken  zu  können,  ist  auch  in  Baum^ 
siMrVs  Augen  Philipp's  allerschlimmste,  wahrhaft  verhängnissvolle  Eigen 
Schaft,  deren  Grund  er  in  dem  Mangel  des  eigentlichen  Herrscher 
Genius  findet,  deren  Grund  wir  in  Philipp's  Eigensinn  und  unbändige^ 
Herrschsucht  finden,  in   der  er  Gott  und  dem  Volke  gar  nichts  über 


e 


*)  Joh.  Lingard,  Gesch.  v.  England,  Bd.  S,  Frankf ,  1828,  S.  296  —  301] 
J.  CkaUoner,  Memoirs  of  miaslonary  priests,  etc.  —  (Dentsch,  Regensb.,  Ifö3«) 


Philipp  U.  der  Sohreiberköuig.  249 

lassen,  in  der  er  wie  eine  im  Fleische  wandelnde  Vorsehang  für  Alles 
allein  sorgen  wollte^). 

Seine  Verschlossenheit  nnd  UnzUganglichkeit  fand  aach  zu  seiner 
Zeit  Tadler.  Sein  Grossalmosenier  D.  Luis  Manrique  schrieb  ihm 
einmal:  ^Gott  hat  Euere  Majestät,  und  die  übrigen  Eonige,  welche  in 
seinem  Namen  die  Lander  regieren^  nicht  dazu  geschickt,  dass  Sie 
sich  zurückziehen,  um  zu  lesen  und  zu  schreiben,  ja  nicht  einmal,  um 
zu  betrachten  und  zu  beten,  sondern  damit  Sie  dastehen  als  öffentliche 
und  allgemein  zugangliche  Orakel  politischer  Weisheit,  an  welches  jeder 
Unterthan  sich  wenden  kann,  wenn  er  eines  Ausspruchs  bedarf*  Und 
wenn  irgend  ein  Eonig  in  der  Welt  diese  Gnade  von  Gott  empfangen 
hat,  so  ist  es  Euere  Majestät;  darum  wäre  die  Schuld  um  so  grösser, 
wenn  Sie  nicht  Allen  sich  zur  Verfügung  stellen  wollten.'^  Baumstark 
bewundert  Philipp,  der  so  mit  sich  reden  Hess.  Wir  würden  ihn  be- 
wundem, wenn  er  nach  diesen  weisen  Mahnungen  sich  gerichtet  hätte. 

Aber  wie  ein  starrer,  unbeweglicher  Fels,  blieb  er  stets  derselbe; 
nicht  seine  guten,  sondern  seine  schlimmen  Eigenschaften  nahmen  ihn 
stets  ausschliesslicher  in  Besiz. 

Erst  als  es  mit  ihm  zum  Ende  ging,  zeigte  er  wahren  Helden- 
muth  und  wahre  Seelenstärke.  Elein  und  kleinlich  im  Leben,  wurde 
er  gross  im  Sterben.  Die  schrecklichen  Leiden,  die  Gott  über  ihn 
sandte,  ertrug  er  mit  unbesiegbarer  Geduld,  und  ein  Laut  der  Elage 
kam  nicht  über  seine  Lippen'). 


*)  Aehnlich  sagt  der  Philipp  II.  sehr  wohlwollende  Graf  Fall<mx:  „Indem 
man  Alles  auf  Ziffern  reduoirt  und  alle  übrigen  Menschen  rücksichtslos  bei  Seite 
setzty  wird  der  Geist  unerbittlich  wie  das  Gesez  der  Zahlen.  Aus  Unkenntniss  der 
unzähligen  Eigenthümlichkeiten  der  Menschheit  wird  das  Unheil  ein  unrichtiges  und 
die  Gerechtigkeit,  die  erhabenste  Tugend  eines  Königs,  kommt  ans  Mangel  an  Milde 
in  Gefahr  oder  gerftth  auf  Abwege''.  —  FaUoux,  S.  91  —  92. 

*)  Phelipe  segnndo,  rey  de  Espafia  (hasta  1583),  por  Luis  Cabrsra  de  Cor- 
dova.  Madrid,  1619,  foL  (Der  Druck  des  IL  Bandes  gedieh  nicht  zu  Ende).  Wie 
Camera  nur  bis  zum  Jahre  1&83  reicht,  so  reicht  W.  Prescott  in  seinem  mehrfach 
erwiihnteD  Werke:  History  of  the  Reign  of  Philip  the  second,  King  of  Spain  — 
New  edition.  Philadelf.,  1874,  8  t.,  nur  bis  zum  Jahre  1580,  oder  bis  zum  Tode 
der  Königin  Anna  von  Oesterreich.  —  La  vida  del  catholico  D.  Filippo  II.  d'Austris, 
rh  delle  Spagne,  con  le  gnerre  de*  suoi  tempi,  descritte  da  Cesare  Gampana,  col 
Supplemente  d'Agostino  Campana.    Vicenza,  1605—1609,  5  tom.  in  3  vol.  —  4*. 

—  .806.  WaJtsm,  History  of  the  reign  of  Philip  the  IL,  King  of  Spain.  Lond., 
1777—1778,  2  voL  4%  (in  8*  —  Lond.,  1779,  1785,  1803,  7.  Aufl.,  1812  -  in  3  voL 

—  Franzis.  Uebersezung  v.  Mirabean  nnd  Darival,  Amsterd.  1778,  4  od.  12*.  — 
Histoire  de  Philippe  II,  roi  d*Espagne,  par  Alex,  Dwnesnil,  2  edit,  Paris,  1824. 

—  Das  Werk  PresooWs  erschien  zuerst  1^55—1858  in  8  Bänden  zu  New- York.  — 
Reeneil  des  aetiona  et  paroles  mömorables  de  Philippe  IL,  trad.  de  PespagnoL 
Cologne  1671.  •—  Les  estats  d*  Espagne  tenus  a  Toledo  Tan  1560,  par  le  mandement 
da  roy  Philippe  II ,  Paris,  1562,  4".  —  L'Espagne  dopuis  le  rögne  de  Philippe  IL 


250  Dreizehntes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Troz  aller  Lobsprüche  von  anderer  Seite  halten  wir  den  König 
Philipp  IL  für  den  Todtengräber  der  Grosse  und  Herrlichkeit  Spa- 
nien*8.  Wir  befinden  uns  hierin  im  Einklänge  mit  gefeierten  spa- 
nischen Historikern  der  neuem  Zeit,  u.  a.  dem  Canonikus  von  Sara- 
gossa, und  ernannten  Bischof  Jose  Sabau  y  Blancoj  dessen  Fortsezong  der 
Geschichte  J.  Mariana^s  allen  andern  vorgezogen  wird.  —  ,,Ueber 
alle  Maassen,  sagt  er,  demttthigte  Philipp  die  Granden,  als  es  aber  mit 
ihm  zum  Sterben  kam,  empfahl  er  seinem  Sohne,  ihnen  zu  schmei- 
cheln, und  sie  mehr  zu  ehren,  als  die  übrigen  Unterthanen.  Denn 
(andere)  Leute,  welche  das  Glück  emporgehoben  habe,  seien  stets 
unzufrieden  *). 

„Philipp  war  von  Natur  aus  hart,  und  es  schien,  dass  die  Milde 
und  das  Mitleid  aus  seinem  Herzen  verbannt  seien;  die  übel  verstan- 
dene Politik  und  Keligion  machten  ihn  Handlungen  einer  maasslosen 
Härte  begehen,  welche  ein  barbarisches  und  grausames  Herz,  unwürdig 
eines  Souveräns,  offenbarte^).  Seine  Frömmigkeit  war  mehr  scheinbar, 
als  wahrhaftig,  denn  in  seinem  Privatleben  überliess  er  sich  ohne  Ge- 
ifvissensbisse  den  Lastern,  und  er  war  von  verdorbenen  Sitten.  Selten 
empfing  er  die  Grossen,  und  redete  sehr  wenig  mit  ihnen.  Er  war 
sehr  sparsam  in  seinem  Hause.  Sein  Wuchs  war  klein,  seine  Augen 
lebhaft.  —  Er  gestattete  nicht,  dass  Jemand  mit  ihm  spreche,  ausser 
auf  den  Knieen  (liegend). 

Ueberhaupt  zeigte  er  in  seinem   ganzen  Verhalten,   dass   er  nach 


jusqu*  ä  Tavenement  des  Bonrbons,  par  6%.  Weiss,  Paris,  1844,  2  t.  Gegenwärtig 
ist  das  ErscheiDen  einer  neaen  apologetischen  Geschichte  der  Regierung  Phi- 
lipp's  II.  aas  spanischen  Staatspapieron  im  Gange.  Die  Thatsache  bleibt  bei  allen 
Apologieen,  deren  wahrscheinlich  nicht  die  lezte  erschienen  ist,  unbestreitbar,  dass 
das  Ende  der  Regierang  Philipp's  II.  den  Anfang  des  dreihundertjährigen  YerfalU 
Spanien*s  inaagurirt  hat. 

^)  L.  c.  t.  XYI,  (1820),  p.  166  —  abatiö  demasiado  k  los  Grandes  —  aber 
seinem  Sohne  empfahl  er:  que  los  acariciase  y  honrase  mas  que  k  los  dem^ 
sttbditos. 

')  Era  natoralmente  severe  y  parecia,  qae  la  clemencia  y  compasion  estaban 
desterrados  de  su  corazon :  la  politica  y  la  religion  mal  entendida  le  hacian  cometer 
actos  de  una  severidad  excesiva,  qae  manifestaba  an  corazun  barbaro  y  cruel,  in- 
digno  de  an  Soberano.  Su  piedad  era  mas  apariente,  qae  verdadera,  porqne  en  la 
vida  privada  se  entregaba  k  los  vicios  sin  remordimiento ,  y  era  de  costumbres 
corrompidas.  Rara  vez  redbia  k  los  Grandes  y  los  hablaba  muy  pooo.  —  Sa  estatora 
era  peqaefia,  sus  ojos  vlvos.  No  permitia  quo  nadie  le  hablase  sino  de  rodillas.  ^ 
£n  fin,  por  toda  su  cönducta  manifeste  qae  no  pretendio,  sino  ser  temido  de  sns 
subditos  y  lo  Wogö  k  consegair. 

Anderwärts  lesen  wir:  Der  spanische  Historiker  Imü  Cabrera  de  Cordova 
hat  eben  den  zweiten  Band  seiner  Greschichte  Philipp*s  II.  von  Spanien  fertigge- 
stellt   Das  Werk  wird  aaf  Staatskosten  gedrackt. 


Urthcile  ttbor  Philipp  II.  251 

nichts  verlangte,  als  von  seinen  Unterthanen  gefürchtet  zn  werden^  und 
er  erlangte,  was  er  wünschte^^ 

Der  Sache  nach  nicht  viel  verschieden  von  dem  Urtheile  Sabau's 
ist  das  des  jezt  lebenden  Eirchenhistorikers  Vic*  de  La  FuetUej  der 
am  Schlüsse  der  Regierang  Philipp's  II.  über  ihn  sagt: 

„35  Millionen  in  Gold  und  Silber  waren  über  San  Lucar  im 
Jahre  1595  nach  Sevilla  gelangt,  und  im  Jahre  1596  befand  sich 
nicht  ein  Eeal  im  Staatsschaze ,  so  dass  Philipp  II.  am  £nde  die- 
ses Jahres  sich  bankerott  erklären  mnsste;  durch  ein  von  ihm  er- 
lassenes Edikt  hob  er  alle  von  ihm  eingegangenen  Contracte  auf, 
unter  dem  Vorgeben,  sie  seien  wucherisch  und  sehr  lästig.  Von 
diesem  Augenblick  wollte  sich  Niemand  mehr  mit  ihm  (in  Geld- 
sachen) einlassen.  Er  befand  sich  ohne  alle  Hilfsquellen,  musste  mit 
Heinrich  IV.  von  Frankreich  um  jeden  Preis  Frieden  suchen,  abdicirte 
die  Niederlande  in  die  Hände  seiner  Tochter,  und  verheirathete  sie 
mit  dem  Erzherzog  Albert  (der  nach  dem  Tode  des  Cardinais 
Caspar  Quiroga  1577  October  —  t  20.  November  1594  vom  3.  April 
1595  bis  zu  seiner  Abdankung  am  7.  Juli  1598  Cardinal-Administrator 
von  Toledo  gewesen  war). 

Diess  war  die  trostlose  Lage  Spanien's,  als  Philipp  II.  am 
13.  September  1598  starb.  Mit  Recht  sagt  Carl  Coloma  in  seinen 
nCommentarien^^):  „dass  die  ganze  „Klugheit^  Philipp's  II.  darin  be- 
stand, den  katholischen  Glauben  zu  erhalten*),  dass  er  in  allen  an- 
dern Dingen  nicht  der  „Eluge^  war,  vielmehr  lausende  von  Fehlem 
machte. 

Diess  war  das  trostlose  Ende  eines  für  Spanien  so  grossen  und 
schonen  Jahrhunderts;  schmerzlich  ist  es,  dass  so  viel  kriegerischer 
Heldenmuth  von  Seite  unseres  Vaterlandes^  solche  feurige  Frömmigkeit 
den  Ausgang  nahmen,  die  protestantischen  Länder  zu  bereichern, 
während  die  spanische  Nation  zu  Grunde  gerichtet  wurde.  Beugen 
wir  uns  vor  den  verborgenen  Gerichten  Gottes,  der  diejenigen,  welche 
iur  die  Wahrheit  und  die  Gerechtigkeit  kämpfen,  nicht  immer  mit 
zeitlichen  Gütern  lohnt"*). 

Diess  war  die  traurige  Lage  Spanien's  im  Jahre  1508^  im  Jahre 
1699,  im  Jahre  1800,  und  nach  dem  26.  Juni  1878  ist  sie  kaum  viel 
tröstlicher. 


>)  Sonst  fahrt  Philipp  II.  den  Titel:  »der  Kl1lge^ 

^  Las  guerras  de  los  Estados  Baxos ,  per  D,  Carlos    Coloma.  Amberes, 
1625,  16;i6,  Barcelona,  1627  —  V. 
•)  L.  c.  V,  p.  362. 


Achtes  Kapitel. 

Die  Zelten  PhiUpp's  lU.  (1598—1621)  and  PbUIpp's  IV. 

(1621—1665). 


§.  1. 

Die  meisten  ThroDcrben  oder  -Prätendenten  erwarten  mit  Unge- 
duld die  Zeit,  in  der  sie  selbst  die  Zügel  der  Gewalt  ergreifen  können. 
Philipp  IIL  sah  mit  Unbehagen  der  Zeit  entgegen,  in  welcher  er  die 
Regierung  übernehmen  musste.  Er  wollte  nicht  regieren,  und  er 
Philipp  konnte  nicht  regieren.  Er  war  ein  sehr  guter  Katholik,  ein  zärtlicher 
^'^'^^^®' Familienvater ,  ein  sittenreiner  Christ,  von  einem  Regenten  hatte  er 
nichts  in  sich.  Hätten  sich  die  Cortes  in  ihrer  alten  Bedeutung  er- 
halten, so  hätte  Spanien  troz  eines  unfähigen  Regenten  gedeihen  können. 
Da  aber  die  absoluten  Herrscher  des  sechszehnten  Jahrhunderts,  be- 
sonders Philipp  IL,  die  Stände  zu  blossen  Figuranten  und  Zahlern 
degradirt  hatten,  so  fiel  die  höchste  Gewalt  in  die  Hände  desjenigen, 
der  sich  zufällig  in  die  Gunst  und  das  Vertrauen  des  nominellen 
Königs  eingeschmeichelt  hatte.  Ein  solcher  Günstling  schrieb  dann 
vor,  der  König  schrieb  nach,  was  ihm  vorgeschrieben  wurde;  er  war 
das  Werkzeug,  durch  welches  der  Günstling  seinen  Willen  in  das 
Werk  sezte.  Der  Schatten -König  gewöhnte  sich  an  das  Gehorchen, 
der  Minister,  d.  i.  der  erste  Diener  aber  an  das  Herrschen,  bis  auch 
dieser  durch  einen  andern  Glückspilz  gestürzt  und  beseitigt  wurde. 
Diess  ist  im  Grossen  und  Ganzen,  mit  sehr  geringen  Unterbrechungen 
(etwa  unter  Ferdinand  VI.),  die  politische  Lage  Spanien's  vom  Jahre 
1598  bis  zum  Jahre  1878,  seit  drei  Jahrhunderten,  weniger  20  Jahren. 


Der  AllmScbtige  Lerraa.  253 

Le  roi  r&gne,  et  ne  gooTerne  pas  —  ist  ein  sehr  gutes  Wort« 
Philipp  n.  hatte  nur  verwaltet  und  nicht  regiert*  Seine  Nachfolger 
regierten  nicht  und  verwalteten  nicht  Sie  giengen  meist  ihren  Privat- 
veignügen  nach.  Schon  Philipp  III.  vergeudete  die  schönste  Zeit  auf 
der  Jagd  •  •  .  •  Er  hatte  einen  Herrn  über  sich,  bevor  er  zur  Re- 
gierung kam. 

Franz  de  Koxas  de  Sandoval  Lerma  war  als  Marquis  von  Denia 
Oberstallmeister  des  Infanten  Philipp  geworden,  und  gewann  Einfluss 
auf  den  Prinzen.  Als  dieser  Eonig  geworden,  machte  er  ihn  zum 
ersten  Minister,  und  zum  Herzog  von  Lerma.  Auch  Lerma  war,  wie 
Philipp,  ruhig  und  gemässigt^  aber  er  hatte  die  Gaben  nicht,  Spanien 
zu  regieren.  Auch  er  hatte  wieder  seine  Günstlinge;  er  theilte  sich 
in  die  Regierung  Spanien's  mit  Rodrigo  Calderon,  welcher  sein  Page 
gewesen  war.  Diese  beiden  mittelmassigen  Staatsmänner  suchten  in 
dem  hohen  Stile  Philipp's  IL  fort  zu  regieren.  Schon  im  Anfange 
seiner  Herrschaft  liess  Lerma  50  Schiffe  zum  Kampfe  gegen  England 
aasrüsten  —  1599.  Auch  diese  Flotte  unter  Martin  de  Padilla  wurde 
von  Stürmen  zerstreut,  bevor  sie  den  Feind  in  Sicht  bekommen  hatte  *)• 


§.  2. 

Im  Jahre  1599  heirathete  Philipp  UL  die  Erzherzogin  Margareta^ 
Tochter  Garl's  von  Steiermark,  und  der  Maria  von  Bayern.  Geboren 
zu  Gratz  am  25.  December  1584  war  die  Braut  damals  15  Jahre  alt 
Am  10.  Februar  1599  schifite  sie  sich  zu  Genua  nach  Valencia  ein, 
wohin  der  König  am  14.  Februar  zu  ihrem  Empfange  kam.  Am 
18.  April  fand  die  Vermählung  in  der  dortigen  Kathedrale  statt. 

Die  Aragonier  föhlten  sich  unter  Philipp  II.,  dem  exclusiven 
Castilianer,  sehr  zurückgesezt.  Lerma  suchte  sie  zu  begütigen,  indem 
die  Neuvermählten  sogleich  von  Valencia  aus  nach  Barcelona  zogen. 
Bis  hieher  hatte  Maria,  die  Mutter  der  Königin^  ihr  das  Geleit  ge- 
geben. Bevor  der  Konig  nach  Saragossa  kam,  befahl  er,  die  annoch 
aasgesteckten  Häupter  derer  zu  entfernen,  welche  in  Folge  des  Auf- 
standes wegen  Ant  Perez  hingerichtet  worden,  deren  Häupter  zur  Er- 
innerung an  Philipp's  IL  Seeleng^össe  hier  seit  sieben  Jahren  para- 
dirten.  Philipp  lU.  ertheilte  allen  in  diesem  Aufstande  Verurtheilten 
TÖÜige  Amnestie«  Darum  war  auch  die  Aufiiahme  in  diesen  beiden 
Städten  eine  sehr  herzliche.    Der  Konig  bestätigte  feierlich  die  Rechte 


*)  Watsan,  Robert,  History  of  Philip  the  third,  Basel,  1792,  I,  p,  43. 


254  Dreizehntes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

und  Privilegien   der   Äragonier*).     Am   24.  October    1599   zogen   die 
Neuvermählten  in  Madrid  ein'). 


§.  3. 

Lcrma  mus8te  im  Jahre  1608  die  Unabhängigkeit  von  Holland 
nach  einem  vergeblichen  Kriege  von  40  Jahren  anerkennen^  Von  da 
an  blieben  die  spanischen  Niederlande  katholisch,  während  die  katho- 
lische Kirche  in  Holland  kaum  sich  erhielt 

Durch  königliche  Ordonnanz  vom  11.  September  1609  wurde  die 
Austreibung  der  Moriscos  aus  Spanien  angeordnet  Im  Jahre  1599 
ermahnte  Philipp  III.  die  Bischöfe,  sich  der  Bekehrung  der  „neuen 
Christen"  zu  widmen.  Am  6.  August  1599  erliess  er  von  Denia  aus 
ein  neues  Gnadenedict  für  sie.  Die  Moriscos  fuhren  fort,  mit  den 
Türken  sich  zu  verbinden,  und  zeigten  sich  dem  Cbristenthum  absolut 
feindlich.  Sie  begannen  den  s.  g,  „kleinen  Krieg",  und  tödteten  viele 
Christen.  Dazu  kamen  erneuerte  Ueberfälle  der  Küsten  durch  die 
Corsaren.  Es  kam  zu  vielen  kleinen  Seegefechten  zwischen  Mauren 
und  Spaniern. 

Der  „selige'^  Juan  de  Rivera,  Erzbischof  von  Valencia,  Patriarch 
von  Antiochien,  sah  selbst  keinen  andern  Ausweg  aus  dem  Elend  und 
den  Gefahren,  als  die  Verbannung  der  Mauren.  Er  schrieb  am 
23.  August  1609  an  Philipp  III.,  und  dankte  ihm  für  den  gefassteu 
Entscliluss,  das  Land  von  den  Gotteslästerungen  und  Sacrilegien  zn 
befreien,  welche  die  Moriscos  gegen  den  Glauben  der  Spanier  be- 
giengeu.  Es  handle  sich  schon  nicht  mehr  um  die  Bekehrung  der 
Mauren,  sondern  um  Glauben  und  Leben  der  Christen.  Die  Christen 
müssten  gegeu  die  Mauren  geschüzt  werden. 

Am  22.  September  wurde  in  Valencia  die  Ordonnanz  des  Königs 
vom  11.  September  öffentlich  durch  den  Vicekönig  Luis  Carrillo  de 
Toledo  verkündigt.  Alle  Moriscos  dieses  Königsreichs,  Männer, 
Frauen,  Kinder,  sollten  nach  drei  Tagen  auswandern,  und,  mit  ihrer 
beweglichen  Habe,  an  den  bezeichneten  Hafenpläzen    sich   einschiffen. 


')  Davüa,  QU  Gonzalez^  Historia  de  la  vida  y  bechos  del  —  D.  Felippe 
tercero,  IIb.  IL,  cp.  8  (nar  M.  S.).  —  Watson^  I,  p.  41. 

*)  FUyrez,  Beynas  cat,  II,  p.  91&— 921— 930.  Zn  Macgareta*8  Lobe  sagt 
Florez:  Alle  Nonnen  behandelte  sie  derart,  dass  ihre  Besuche  vielmehr  die  eines 
refonnirenden  Prälaten,  als  die  unschuldige  Unterhaltung  einer  Königin  zu  sein 
Bcbienen,  p.  923—924.  Sie  babe,  sagt  er,  das  Kloster  der  Angustinerinen  neben 
dem  Palaste  zu  Madrid  errichtet,  um  ibr  Dienstpersonal  zu  vermOgen,  in  das  fixester 
zu  geben.  Sie  war  efne  würdige  Tochter  jener  bayerischen  Maria,  deren  Andenken 
Hurter  in  unscrn  Tagen  erneuert  bat. 


Vertreibnog  der  MoriBCOB,  1609—1610.  256 

Die  bereitstehenden  Schiffe  würden  sie  nach  der  Berberei  über- 
fuhren. Die  Znrückbleibenden  sollen  den  Gerichten  übergeben  werden. 
Nur  Knaben  unter  vier  Jahren  durften,  mit  Einwilligung  der  Ihrigen, 
zurückbleiben.  An  jedem  Orte^  der  aus  100  Hänsern  bestand,  wurde 
sechs  Familien  die  Erlaubniss  zum  Bleiben  ertheilt,  damit  die  prak- 
tischen Kenntnisse  des  Ackerbaues  und  der  Bewässerung  dem  König- 
reiche erhalten  blieben.  Beide  Conoessionen  wurden  mit  Verachtung 
zurückgewiesen^).  Am  27.  October  waren  schon  70.000  Moriscos  aus 
dem  ELonigreich  Valencia  ausgewandert.  Viele  „slte  Christen^  rächten 
sich  an  den  Mauren;  die  spanischen  Gommissäre  schleppten  Galgen 
mit  sich  herum,  um  solche  gewaltthätige  Spanier  sogleich  vom  Leben 
zum  Tode  zu  bringen*).  Unter  den  Baronen  und  Gutsbesizcrn, 
welche  hiebei  am  meisten  Schaden  litten,  war  der  Herzog  von  Gandia, 
Inhaber  grosser  Manufacturen ,  die  nur  von  Moriscos  im  Gang  er- 
halten wurdea  Er  bat  vergebens  um  2 — 3  Jahre  Aufschub,  bis 
christliche  Arbeiter  geschult  wären;  der  König  gewährte  keinen  Tag 
Aufschub. 

Doch  wurden  von  frommen  Personen,  besonders  Nonnen,  eine 
Anzahl  Maurenkinder  mit  List  oder  Gewalt  zurückbehalten.  Isabella 
de  Yelasco,  Vicekönigin  von  Valencia,  machte  den  Anfang  mit  diesem 
frommen  Raube;  sie  befahl,  „dass  einige  kleine  Maurinen,  auch  mit  An- 
wendung von  Gewalt,  in  ihr  Haus  gebracht  würden^. 

Die  wohl  20.000  Vasallen  des  Herzogs  von  Gandia  zogen  zuerst  ^*®  ^*' 
ab,  und  wurden,  nach   günstiger  Fahrt,   bei  Oran   an's   Land   gesezt«  desHer- 
Der   Gouverneur  —   Graf  Aguilar   nahm   sie  gütig  auf.      Auf  seine  ■®«"^®'* 
Vermittlung   durften   sie   sich  im  Gebiete  des  (türkischen)  Vicekönigs 
von    Tlemezen   niederlassen.     Aber   die   öden   Wüsten   von   Tlemezen 
stachen  gar  sehr  ab  von  den  blühenden  Gefilden  von  Valencia.     Doch 
wurden  sie  gut  aufgenommen  und  behandelt.    Als  günstige  Nachrichten 
von  ihnen  einliefen,  ergaben   sich  die  andern  Moriscos  leichter  in  ihr 
Geschick.    Manche  wurden  von  ihren  Herren,   deren  Vasallen  sie  ge^ 
wesen,   bis  nach  Afrika  begleitet.    In  wenigen  Wochen  hatten  sich  an 
120.000  Männer,   Weiber,   Kinder,   eingeschifft.    Von  diesen  soll  der 
grössere  Theil  aus  Noth,   Hunger,   Misshandlung,   umgekommen  sein. 
Noch   hatten   sich   an   30.000  Mauren   in   die  Gebirge  geflüchtet  und 
verschanzt.      Sie    wurden    bald    zur    Uebergabe    gezwungen  ^).      An 
3C0O  giengen  zu  Grunde,  an  22.000  hatten  sich   übergeben,   welche 


*)  Goleccion  de  docnmentos  ineditos,  t.  18,  Madrid,  1851.  —  Janer ^  Doen- 
mentos,  nr.  86—114. 

*)  JancTf  Documento  nr.  103.  —  Füfiseca,  Damian  de,  0.  S.  D.,  de!  giosto 
Bcacciamento  de  moreschi  da  la  Spagna,  (spanisch,  1612),  Roma^  1611,  p.  238. 

*)  Fonseea,  p.  810. 


256  Dreizehntes  Euch.    Achtes  ILapitel. 

nach  Afrika  gebracht  worden.  Kinder  anter  sieben  Jahren  wurden 
den  Soldaten  als  zeitweilige  Sklaven  übergeben.  Die  Entwerthang 
des  Eigenthams  and  die  Entvölkerong  des  Landes  traten  sehr  fühlbar 
hervor^).  Bezeichnend  ist  es  für  die  Lage  der  Dinge,  dass  der  Patriarch 
J.  de  Bibera  erklärte,  wenn  die  Moriscos  oder  nar  ein  Theil  derselben 
in  Spanien  blieben,  so  würden  sie  nach  2^3  Menschenahem  alle 
Yalencianer  vom  Kreaze  zam  Halbmonde  verkehren  ^. 
^^^  Es  folgte  die  Vertreibung   der  noch  übrigen  Moriscos  in  Anda- 

An-  lasien,  Alt-  and  Nencastilien,  Aragonien  and  Catalonien.    Ein  Armee- 


aiu 


daiaiien  corps  wurdc  in  Sevilla  znsammengezogen ,  and  ein  Geschwader  be- 
bannt,  ordcrt,  die  noch  übrigen  Moriscos  in  Marcia,  Granada,  Jaen,  Gordova 
and  Sevilla  fortzuschaffen.  Jaan  de  Mendoza,  Marquis  von  San  Ger- 
man,  machte  als  königlicher  Commissär  am  12.  Janaar  1610  zu  Sevilla 
seinen  Auftrag  bekannt.  Den  Moriscos  wurden  die  Verbrechen  des 
Ungehorsams,  der  Verschworung,  der  Häresie,  des  Mordes,  der  Ver- 
bindung mit  den  Türken,  schuldgegeben;  sie  mussten  in  30  Tagen 
Spanien  verlassen,  durften  nicht  über  Valencia  oder  Aragonien  reisen, 
nicht  Gold,  Silber,  Edelsteine,  Münze  oder  Werthbriefe  mit  sich 
nehmen.  Sie  durften  nur  Waaren,  welche  sie  von  den  Einwohnern 
des  Reichs  gekauft,  und  das  für  die  Ueberfahrt  nothige  Geld  mit  sich 
nehmen,  konnten  aber  nach  Belieben  zu  Land  oder  zur  See  reisen. 
Giengen  sie  in  L&nder  der  Christen,  so  durften  sie  ihre  Söhne  mit 
sich  nehmen;  giengen  sie  anderswohin,  so  mussten  sie  ihre  Sohne 
unter  sieben  Jahren  zurücklassen.  Sie  gaben  nun  vor,  sie  wollten 
nach  Frankreich  oder  Italien  gehen  ^  und  verhandelten  mit  den  See* 
fahrem,  damit  sie  sie  in  die  Berberei  oder  nach  Afrika  ziehen  Hessen^). 
Die  Moriscos  beeilten  sich,  das  Land  zu  verlassen;  nicht  wenige  ver- 
loren in  Spanien  das  Leben.  Diesem  Schicksale  unterlagen  die  vor- 
nehmsten Moriscos  der  Villa  HomachoB*}^  welche  nicht  weniger  Ver- 
brechen und  Scandale  überwiesen  waren.  Es  schien  unglaublich,  dass 
den  sonst  so  scharfen  Augen  der  Inquisition  so  viele  Jahre  lang  eine 
Bande  von  Mordern  hatte  entgehen  können.  Einige  wurden  hinge- 
richtet, andere  zeitlebens  zu  den  Galeeren  verurtheilt.  —  In  den 
Wohnungen  aller  Vertriebenen  fand  man  viele  Bücher  ihrer  muhame- 
danischen  Religion. 
^}^  Die  Moriscos  von  Andalusien  zogen  in  der  Zahl  von  80.000  fort 

au     —  Die  Deputirten  der  Provinz  Murcia  baten  den  Konig,   die  dortigen 


'}  Kirchengeschiehte  von  Spanien,  III,  1,  S.  46S. 
*)  Watsan,  I,  p.,  320— 378. 

')  Marcus  de  OuacUUaxara,  Carmel.^  Memorable  expulsion  y  jnstialmo 
destierro  de  los  Moriscos  de  Espafia.    Pampel.,  1613. 
*)  In  Estrcmadiira. 


Die 


Austreibung  der  Moriscos.  257 

Manren  im  Lande  zu   lassen ,   da   sie   für  den  Ackerbau   wie  für  die    ^" 
Künste  nothwendig  seien.   —    Luis  Fajardo   war   Commissär   für   die    ye"* 
Vertreibang  derselben;    16.000  Personen    wanderten    von    dort   ohne  ^**^* 
weitere  Hindemisse   aus.     Diese  Auswanderer  nahmen   meistens   den 
Weg  nach  Ainka^).   —   Nun   beauftragte  Philipp  III.   den   Marquis 
von  Aytona,  Vicekonig  von  Aragonien,  dass  er  sich  bei  dem  Erzbischof  ^^^^^^^^^ 
von  Saragossa  über  die  Lage  und  die  Verhältnisse  der  dortigen  Moris-  in  Ara- 
C08  erkundige.    Man  möge  dieselben  ermuthigen,   dass    sie  sich  nicht  ^^**^|^*j]^ 
über  das  Schicksal  ihrer  Glaubensbrüder  beunruhigen  ^).     Der  Marquis  lonien. 
befestigte    die    Grenzen  Aragonien's    gegen    Valencia    hin,    um    das 
Eindringen    der    in    den    Gebirgen    zurückgebliebenen    Moriscos    zu 
verhindern.    ^Trozdem   hielten    die   Moriscos  in   Catalonien   und   Ara- 
gonien     ihre     Sicherheit     für     gefährdet,     und     verkauften     zu     den 
niedrigsten  Preisen  ihre  Habe^   obgleich   ihre   Herren   sich  um    deren 
Bleiben  sehr  bemühten.    Die  wenigen  Mauren  Catalonien's  horten  auf, 
die  Felder  zu  bebauen.    Aus   politischen  Erwägungen,   mit  Rücksicht 
des  von  Frankreich  her  drohenden  Kriegs,   wurde   auch    ihre  Austrei- 
bung beschlossen.    Die  „alten  Christen^  in  Aragonien  sahen  darin  den 
Ruin  ihrer  Heimath,  feierliche  Gesandtschaften  an  Philipp  III.  gingen 
ab,  um  ihm  die  bevorstehenden  ungeheuren  Verluste  vorzustellen.    Sie 
wiesen  in  einer  Denkschrift  u.  a.  auf  die  geringe  von  ihnen  drohende 
Gefahr  hin,  auf  die  Möglichkeit,  sie  zu  bekehren,  auf  die  Schwierigkeit, 
das  Land  wieder  zu  bevölkern.    Deputirte   waren  Franz  von  Aragon, 
Graf  von  Luna,   und  Martin.  Carrillo,   Domherr  von   Saragossa.    Am 
Ilofe  waren  gleichzeitig  auch  Deputirte  aus  andern  Königreichen.      Es 
Laif  nichts.    Die  Moriscos  verkauften  ihre  Landgüter,   um  sich  einige 
Mittel  zu  verschaffen.  Angeblich  wegen  drohender  Gefahren  von  ihnen 
wurde  eine  grosse  Waffenmacht  entfetltet.    Augustin  Mejia^  der   die 
Austreibung  der  Mauren  in  Valencia  überwacht  hatte,  kam  nach  Ara- 
gon, und  dislocirte  die  Truppen,   während   die  Galeeren   in  den  Ge- 
wässern von  Tortosa  erschienen. 

„unzählbare  Familien  sollten  auswandern,  deren  Verbrechen  kein 
anderes  war,  als  die  ewige  Feindschaft  gegen  die  Christen  und  die 
Entschlossenheit,  dem  Glauben  ihrer  Väter  zu  folgen.^  Am  23.  Mai 
IGIO  ergieng  der  Befehl  der  Auswanderung.  Commissäre  erschienen, 
•iud  führten  die  Moriscos  an  die  für  sie  bestimmten  Hafenorte.  War 
ein  Monaco  mit  einer  „alten  Christin^^  verheirathet ,  so  konnte  er 
Weib  und  Kinder  zurücklassen,  falls  sie  zu  bleiben  wünschten.  Die 
Barone  und  Herren  ergaben  sich  in   ihr  Schicksal.    „Einige  wollten 


9  Expiilsion  joBtificada  de  los  Moriscos   espafioles,  per  Pedro  Aznar  de 
CardonOy  j  sniua  de  las  exeelencias  dal  rey  D.  Phelipe  III.,  Hresoa,  1611. 
*)  Carta  (üiedita)  del  rey»  fecha  20  de  Oct  1609. 

G«mi,  ipui.  KiRhe.  111.  %.  17 


258  reizebntes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

dem  Lerma  za  Willen  sein  und  beeilten  eich  sogar,  die  Austreibung 
zu  erleichtern.  Der  grossere  Theil  wanderte  durch  den  Pass  von 
Alfaques  zur  See  aus;  9975  Mauren  wanderten  nach  Navarra,  12  — 
14.000  durch  den  Pass  von  Gampfranch  nach  Bearn  und  Frankreich. 
Der  Gouverneur  von  Bearn  liess  sich  von  jeder  Person  10  Realen  be- 
zahlen. Die  Zahl  der  aus  Axagon  Vertriebenen,  Männer,  Frauen  und 
Kinder,  waren  an  74.000  Seelen,  welche  13.893  Häuser  in  130  Orten 
bewohnt  hatten.  Die  Minister  des  Königs  von  Frankreich  liessen  sich 
einen  Dncaten  von  der  Person  bezahlen,  und  die  Mauren  durften 
Waffen  tragen.  Aber  in  Bälde  nahmen  die  Franzosen  ihnen  dieselben 
ohne  Entschädigung  ab.  Viele  Auswanderer  erlagen  den  Strapazen 
des  Weges.  —  Der  Herzog  von  Monteleon,  Vicekönig  in  Catalonien, 
gab  den  c.  50.000  Moriscos  in  diesem  Lande  drei  Tage  Zeit  zur  Aus- 
wanderung; nach  deren  Verlauf  gestattete  er  den  „alten  Christen",  sie 
zu  fangen,  zu  berauben,  und  ohne  alle  Strafe  sie  zu  tödten. 
vertrei-  Nachdem  diess   geschehen^   betrieb   der  Herzog  von  Lerma   die 

der  Mo-  Austreibung   der   Mauren ,    welche  in   den   beiden   Castilien ,    in   der 
riscM  Mancha,   und   einem  Theile   von  Estremadura  wohnten.     Auf  seinen 

ans   Ca* 

itüien.  Kath  erliess  der  Eonig  am  11.  October  1609  (1610?)  einen  Brief, 
worin  die  Behörden  zu  einer  schonenden  Behandlung  der  Ausgetrie- 
benen ermahnt  wurden.  Der  Graf  von  Salazar  war  Commissär  für 
die  aus  Castilißn  Auswandernden;  16.713  Personen  nahmen  den  Weg 
über  Burgos,  und  nahmen  so  viel  Eigenthum  mit,  als  sie  konnten. 
Air  ihr  Gold,  Silber  und  JuwetelEi  gaben  sie  für  Esswaaren  auf  dem 
Wege  aus. 

Die  aus  Granada  vordem  hieher  verpflanzten  Moriscos  wollten 
nicht  abziehen;  sie  behaupteten,  ein  Recht  auf  ihr  Eigenthum  zu  haben. 
Ein  neuer  Erlass  verkündete,  dass  Alle  und  Alles  auswandern  müsse, 
auch  die  Moriscos,  welche,  da  sie  nirgends  eine  sichere  Statte  fanden, 
nach  Spanien  zurückgekehrt  waren.  11.317  weitere  Personen  wan- 
derten über  Burgos  aus,  andere  10.000  über  Cartagena.  Sehr  gross 
war  die  Zahl  derjenigen,  welche  durch  die  Häfen  von  Andalusien  aus- 
wanderten. Es  war  nicht  möglich,  dass  die  Austreibung  in  einer  Frist 
von  zwei  Jahren  vollzogen  wurde.  Man  versichert,  dass  die  aus  Cas- 
tilien Vertriebenen  mehr  als  100.000  gewesen  seien. 

Da  aber  viele  in  den  Ländern ^  wohin  sie  sich  gewendet,  übel 
behandelt  wurden,  suchten  sie  nach  Spanien  zurückzukehren;  andere 
drängten  sich  in  die  Kähe  der  Küsten  von  Spanien,  unter  dem  Vor* 
wände ,  Handel  zu  treiben ,  und  spanische  Früchte  nach  der  Levante 
auszuführen.  Durch  königlichen  Erlass  vom  20.  April  1613  wurde 
die  totale  Austreibung  aller  in  Spanien  noch  wohnenden^  oder  dahin 
zurückgekehrten  Moriscos  verordnet.  Zulezt  wanderten  aus  die  Moris- 
cos von  Almagro,  Villarubia  de  los  Ojos,  Daimiel,  Aldea  del  Rey  und 


Zahl  der  vertriebenen  Moriecos.  259 

olanos,  in  der  Ebene  von  Calatrava,  und  die  des  Tbales  von  Ricote 
Marcia,  welche  allein  an  6 — 7000  Personen  waren.  Viele  Maurinen 
liratheten  „alte  Christen^^,  und  pflanzten  so  in  Spanien  das  maurische 
Int  fort  Flor,  Janer  meint,  dass  troz  aller  vorausgehenden  Yerfol- 
mgen  im  Jahre  1609  noch  eine  Million  Moriscos  in  Spanien  ge- 
Bsen  sei,  dass  davon  etwa  100.000  auf  verschiedene  Weise  ver- 
iglückt,  900.000  vnrklich  ausgewandert  seien,  und  meistens  ein 
mriges  Leos  gefunden  haben. 

Die  Angaben  der  Zeitgenossen  über  die  Zahl  der  Vertriebenen  zaMder 
hen  weit  auseinander:  Stdazar  de  Mendoza  giebt  die  geringste  Zalil,  benen. 
K).000,  an.  Fray  Jaime  Bleda  nennt  500.000;  andere,  wie  Escolano 
id  der  erwähnte  Fr.  Marcos  von  Guadalajara  berechnen  sie  auf 
0.000.  Andere,  .wie  der  stets  übertreibende  Uorente^  sprechen  von 
ler  Million.  Aber  auch  500.000  Seelen  sind  eine  erschrecklich  grosse 
tbl,  besonders  für  ein  relativ  schwach  bevölkertes  Land.  Genaue 
ihlen  theilt  Flor.  Janer  nur  über  die  Moriscos  von  Castilien  und 
)tremadura  mit.  In  Altcastilien  hatten  sie  1820  Häuser,  in  welchen 
14  Personen  wohnten.  In  dem  ^,Eonigreich^'  Toledo  hatten  sie 
02  Häuser,  in  welchen  19.819  Personen  wohnten.  Aus  der  Mancha 
irden  8340  Personen  ausgetrieben,  welche  in  1707  Häusern  gewohnt 
tten.  —  In  der  Provinz  Estremadura  hatte  man  1830  Häuser,  und 
99  Personen  gezählt'). 

Viele  derselben ,  meint  Janer ^  seien  auf  den  Schiffen  gestorben, 
Je  in  Algier,  Marocco,  in  Frankreich,  in  Italien,  in  der  Türkei.  Die 
luren  in  Afrika  und  die  Türken  verfolgten  sie,  weil  sie  dieselben 
r  Christen,  die  Christen  in  Frankreich  und  Italien  verfolgten  sie,  weil 
t  dieselben  für  Muhamedaner  hielten.  Nur  in  Tunis  fanden  sie  einigen 
hnz.  In  der  Verzweiflung  wurden  manche  Piraten,  und  belästigten 
de  Jahre  die  Küsten  von  Italien  und  Spanien. 

„Welches  waren",  fragt  Janer,  die  „Verbrechen  dieses  Volks,  das 
ig  zu  der  Auswanderung  und  dem  £lende  verurtheilt  wurde,  oder 
^  das  Schwert  bereit  halten  musste,  seinen  väterlichen  Heerd  zu 
rtheidigen?^^  Diess  war  das  überaus  traurige  £nde  des  vielleicht 
eisten  und  besten  Theiles  der  sarazenischen  Völker  in  allen  drei 
elttheilen.  Was  aber  ihnen,  den  Ungläubigen,  widerfuhr,  das  be- 
gnete  in  derselben  Zeit  den  gläubigen  Christen,  den  Katholiken  in 
rossbritanien,  Irland,  Schweden,  Norwegen,  Dänemark,  Island,  den 
^eeländem,  Russland,  in  vielen  Theilen  von  Deutschland,  Oester- 
ich,  Ungarn  und  der  Schweiz.  Es  wäre  den  Katholiken  in  Frank- 
ich begegnet,  hätten  die  Hugenotten   obgesiegt«    Es  waren  Katho- 


'}  Janer,  apendice,  nr.  130,  p.  346—349;  ibid.  p.  85—93. 


!?♦ 


260  Dreizehntes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

üken,   welche,   fliehend   vor   der  Verfolgung  in   England,   den    Staat 

Maryland   und  die  Stadt  Baltimore  gründeten.     Also,  wer  von    eucl 

ohne  ähnliche  Sünde  ist,  der  hebe  den  ersten  Stein  auf,  und  schlendere 

ihn    gegen    die   fanatischen    und    exclusiven   Spanier  des   siebzehntei 

Jahrhunderts  ^). 

^*®  Die  Gegner  des  Herzogs  von  Lerma  warfen  demselben  vor,  da« 

und  "ZI  er  die  Vertreibung  der  Moriscos  zum  Zwecke  seiner  Bereicherung  be- 

Herzog  trieben  habe.    Aus  deren  eingezogenen  Gütern  habe  er  sich  250.000  Da« 

jJiT».  caten  geben  lassen.    Sein  Sohn  habe  100.000,  sein  Schwiegersohn,  dei 

Graf  von  Lemos  100.000,  die  Gräfin  von  Lemos,  seine  Tochter,  50.000. 

alle  in  allem  500.000  Ducaten  erhalten. 

Auf  Lerma  fallt  die  Hauptschuld  der  Vertreibung  der  Moriscos, 
Hätte  er  sein  ganzes  Gewicht  dagegen  in  die  Wagschale  geworfen,  dei 
Patriarch  Ribera  und  der  Klerus  wären  nicht  gehört  worden.  Wäre 
aber  nicht  durch  Carl  L  und  besonders  Philipp  H.  die  schrankenlose 
Monarchie  in  Spanien  geschaffen  worden,  so  hätte  auch  der  mächtigste 
Minister  solches  nicht  vermocht.  Dieses  konnte  nur  geschehen ,  weil 
die  alten  Stände  nur  noch  ein  Schein -Dasein  führten. 


§.  4. 

Wenn  Lerma  ein  Mann  von  grossen  Fähigkeiten  gewesen,  so 
hätte  er  in  etwas  die  Unthätigkeit  des  Königs  ausgleichen  können. 
Zum  Unglücke  hatte  Lerma  alle  fähigen  Männer  aus  der  Zeit  Phi- 
lipp's  U.  entfernt.  Die  Geschäftsmänner  Philipp's  H.  Tiaren  stahlhart 
gewesen,  wie  der  Konig  selbst,  so  der  Herzog  von  Alba,  der  Cardinal 
Siliceo,  der  (ältere)  Herzog  von  Osuna,  der  Marquis  von  Santa  Cruz, 
Vasquez  de  Arce,  der  Bischof  Didac.  Covarruvias ,  alle  sind  bekannt 
wegen  ihres  strengen  und  harten  Charakters,   aber  auch  ihrer  eisemenj 


')  Orozcot  Sebast  de  Covarrubias,  schrieb  um  1610  MLevantamiento  de  los 
Moriscos.  —  Justa  ezpnlsion  de  los  Moriscos  de  Espafia,  por.  Dam.  Fonseca, 
Roma,  1612.  —  Relacion  de  la  rebelion  y  expolsion  de  los  Moriscos  dei  reyno  de 
Valencia,  por  AnL  de  Corrdly  Rojas^  Viüad.,  1613,  4*.  —  Vinc  Oonzcdez  AlvareZf^ 
La  ezpnlsion  de  los  Moriscos  de  Avila.  {Nie  Antonio  kennt  das  Bach  nur  vom 
Hörensagen.)  —  Ribera,  Juan  de,  Instancias  para  la  expolsion  de  los  moriscos, 
Barcel.,  1612.  —  Vasconcelos,  Juan  Mendez  de^  Liga  deshecha  por  la  expolsion  de 
los  Moriscos,  1612.  —  Äguüar,  Oaspar  de,  Expnlsion  de  los  Moriscos  de  Espana 
por  el  Rey  D.  Felipe  III.  (en  ootovas),  Valencia,  1610.  —  Blas  de  Verdü^  0.  S.  D., 
Discurso  de  la  expolsion  de  los  Moriscos,  Baroelon.,  1612.  —  Nebstdem  die  Schriftj 
von  Aznar,  1612,  und  die  beiden  Schriften  von  Marcus  de  Ouadalajara^  1613 
ond  1614. 

Llorente,  IN,  p«  426—431.  Flor.  Janer,  Docamentos,  nr.  89—149  (nonmebr 
Hauptqoelle  fUr  diese  Ereignisse. 


Der  Herzog  von  Lerma.    Der  Historiker  Mariana  verfolgt  261 

irbeitskraft.  Solche  Männer  passten  nicht  für  Philipp  III.  und  für 
Lerma,  von  dem  L.  Ranke  sagt,  es  sei  ein  Geheimniss,  wie  er  solchen 
Einflasfi  auf  Philipp  II.  gewinnen  konnte.  Als  der  Historiker  J^  Mariana 
iah^  dass  Vazquez  de  Arce  und  andere  seiner  Freunde  ans  dem  Rathe 
ies  Königs  entfernt  wurden,  so  wurde  sein  strenger  und  zorniger  Geist 
.^ereizt,  und  er  tauchte  seine  Feder  in  Galle.  Die  Aufnahme  des  In-  Marfana 
entars  alles  Silbers  in  den  Kirchen  Ton  Spanien,  welche  den  Klerus  ,fchV- 
n  Schrecken  sezte,  die  Verschlechterung  der  Münze,  welche  den  Han-  ee»»  der- 
lei minirte,  und  andere  verderbliche  Maassregeln  veranlassten  den 
Vaviana  einige  Tractate  zu  schreiben,  welche  (vielleicht  gegen  seinen 
Ölen)  im  Auslande  gedruckt  wurden^).  Der  Fiscal  klagte  denselben 
ler  Majestätsbeleidigung  an,  weil  er,  ohne  Bespect  vor  dem  Könige 
od  seinen  Ministem,  behauptet  hatte,  dass  die  in  Spanien  eingeführte 
iendernng  der  Münze  ein  verderblicher  Schlag  gegen  den  Staatscredit 
ei,  dass  die  Vertreter  des  Volks  (d.  i.  hier  die  Minister)  nur  ihr 
Virat- Interesse  im  Auge  hätten,  sich  wenig  um  die  allgemeine  Noth 
ümmerten,  wenn  si«  ihnen  nur  die  Gunst  des  Königs  einbringe^). 
(anana  wurde  in  Haft  genommen  und  in  dem  Erlöster  der  Francis-  *^^f° 
mer  zu  Madrid  eingesperrt.  Dort  schrieb  er  eine  feste  und  muthvolle  m  Hatt. 
pologie;  er  sagt,  dass  er,  jezt  73  Jahre  alt,  einige  Anerkennung  für 
ie  zahllosen  Mühen,  die  er  in  Zeit  von  56  Jahren  übernommen,  er- 
artet;  er  habe  im  Dienste  der  Religion  wie  des  Staats  gewirkt.  Dafür 
i  er  mit  strenger  Haft  belohnt  worden.  Diese  Denkschrift  trägt 
^  Datum  vom  3.  November  1609.  Der  Konig  befiehlt  in  einem 
liefe  an  Franc,  de  Castro,  es  sollen  alle  Exemplare  obiger  Schrift 
tigekanft,  und  in  der  Stille  verbrannt  werden^).    Zwei  Jahre  dauerte 


*)  Das  berOhmte  Werk:  de  rege  et  regia   institatione ,  1.   III  —  erschien 
erst  1599^   dem  EOnige  Philipp  III.  gewidmet.  —  Im  Jahre  1609  erschien  n.  a. 

Cöln:  ,De  monetae  mutatione"  mit  andern  harmlosen  Tractaten.  Gleichzeitig 
»cbien:  de  editione  vulgata  S.  S.  Bibliomm  (auch  Bassani ,  1771).  Wegen  der 
/bandlim^  Aber  die  VerBchlechternng  der  Mtlnze  wurde  ihm  ein  Process  an  den 
^  gehängt.  {8ema  Santcmder  besass  eine  Copie  der  Akten  dieses  Processes, 
L  TOD  442  pp.)  —  Fiscal  war  D.  Lilimon  de  la  Mota.  —  Franc,  de  Sosa,  Bischof 
n  Canariaa,  war  vom  päpstlichen  Nuntius  zum  Richter  delegirt.  Nicht  die  Schrift: 
B  ponderibus  et  mensaris",  sondern  ^de  monetae  mutatione'  und  obige  über  die 
ligata  führten  zum  Processe  gegen  Mariana. 

')  £r  aagt:  Plerique  eorom  rebus  gerendis  panun  sunt  idonei,  quippe  sorte 
^,  leve«  homines  ingenio  venali,  nihilque  prae  ocolis  habentes  prae  cupiditate 

jnblica  calamitate  gratiam  Principis  promerendi,  ex  ea  lucrum  captandi  etc. 
r.  193  voL  2  der:  Tractatos  VII,  tum  theologici,  tum  historici,  Cöln,  1609  — 
~  pp.  444.  —  In  Gapit  13  sagt  er:  „Verum  quod  vnlgo  fama  fert,  plane  est 
^rabile,  nullum  hoc  tempore  in  Provincia  Magistratum,  nullam  procurationem,  ne 
vrdotia  qnidem  et  Episcopatus  meritis  dari,  cuncta  esse  venalia,  etc. 

')  Der  Schrift  de  monetae  mutatione;  cf.  Backer j  biblioth^que  des  äcrivains  etc., 
f,  UhgBy  1859,  p.  518—519. 


262  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel 

MaHana'a  Haft*  Auch  seine  Obern  legten  ihm  strenge  Bussen  aui 
Was  er  schrieb  und  sagte,  war  der  Aufschrei  eines  ächten  Spanier 
von  altem  Schrot  und  Kom. 


§.  5. 

Die  Nation  aber  gieng  ihrem  Ruin  entgegen.    Der  Adel  war  ei 
bittert,  die  Unzufriedenheit  allgemein.     Lerma  war  Wittwer  seit  de 
Jahre    1603;   er   hoffte,   der   Cardinalshut   werde   ihn   gegen   die   ih 
LermA  drohenden  Stürme  schüzen.     Diesen   gewünschten  Hut  gab  ihm  Pa 
nai^    Paul  V.   am   26.  März    1618.    Was   ihn   schüzen    sollte,   stürzte  i 
1618.    Der  Konig,  gewohnt  mit   seinem    alten  Diener   familiär  zu  verkehrt 
fühlte  sich  genirt  und  unbehaglich  vor  einem  Würdenträger  der  Kirch 
Lerma's  Sohn,  der  Herzog  von  Uceda,  benüzte  diese  Gelegenheit    E 
erhob  sich  ein  scandalöscr  Streit  zwischen  Vater  und  Sohn.     Der  So 
verleumdete  seinen  Vater  durch  gemeine  Anklagen.    Lerma  erhielt 
Sein    20.  October  1618  Befehl,   den  Hof  zu   verlassen.     Sein  Sohn   wiii 
october  erster  Minister.    Lerma   wurde  nun  Priester,   und  feierte  seine  Prii 
1618.   in   dem  Kloster  S.  Paul   der  Dominikaner  zu  Valladolid,   dessen  Bj 
Seine   schüzer   er  war.    Er  stiftete   sechs  Lehrstühle   für  die  Doctrinen  d< 
goQ     heiligen  Thomas  von  Aquin  in  Salamanca,  Valladolid  und  Alcala,  welc 
Dominikaner  einnehmen  sollten,   die   von  der  Familie  Lerma's  präsei 
tirt  würden.    Bis  auf  unsere  Tage  herab   hat  das  Haus  MedinaceU  i 
dieser  Weise  präsentirt. 

So  wurde  Lerma  von  seiner  Hohe  von  demselben  Könige  g 
stürzt,  der  beim  Antritt  seiner  Regierung,  eine  in  Spanien  unerhö 
Sache,  befohlen  hatte,  dass  Lerma's  Unterschrift  ebenso  viel  gel 
solle,  als  die  Unterschrift  des  Königs.  Nach  Philipp's  UI.  Tod  bra 
der  Unwille  des  Volks  stürmisch  hervor.  Diess  bewog  Philipp  I 
eine  gerichtliche  Untersuchung  anzuordnen.  Rodrigo  Calderon,  se| 
Vertrauter,  wurde  zum  Tode  verurtheilt,  Lerma  musste  grosse  Summ 
dem  Staatsschaze  zurückerstatten^). 


§.  6. 

Im  Jahre  1619  besuchte  Philipp  IlL  Portugal.  Das  Volk  hofi 
Abstellung  seiner.  Beschwerden.  Der  Adel  entfaltete  die  höcbs 
Pracht  und  wetteiferte  in  Festlichkeiten  zu  Ehren  des  Königs.  Fl 
lipp  III.  sagte,  an  dem  Tage  seines  Einzugs  habe  er  erst  gefühlt,  da 


')  Oonzalo  CespedeSy  Historia  de  D.  Phelipe  IV.,  1.  J,  cp.  7.  —  Rob,  Watso 
II,  p.  133—152. 


Philipp  III.  in  Portugal,  1619;  Philipp's  Tod.  263 

er  Eonig  sei*).     Die  Begleiter   des  Königs   aus  Castilien   entbrannten 
in  Eifersucht.     Von  ihnen  liess  sich  Philipp  IIL,  unselbständig  wie  er 
war,  ganz  gegen  die  Portugiesen  einnehmen.    Der  Herzog  von  Uceda 
suchte   den  D.  Teodosio,   Herzog   von  Braganza,   in  jeder  Weise  zu 
stürzen,   doch   gelang  es  nicht.     In  Lissabon  wurden  Coiles  gehalten,    pw- 
Nach   denselben  wollte  Teodosio  nach   seiner  Residenz  Villa  -  Viposa  llJ^^iMa 
zurückkehren.    Philipp  HI.   wünschte  9   dass   er  sich   eine  Gnade  aus-    ^o»« 
bitte.     Stolz  erwiederte  der  Portugiese:  „Die  Ahnen  E.  Maj.  und  meine 
Ahnen  haben  meinem  Hause  so  viel  gegeben^  dass  sie  mich  jeder  Bitte 
überhoben   haben."     Nach    sieben   Monaten    kehrte   der   König    nach 
Madrid  zurück,  und  liess  die  Portugiesen  in  grösserer  Unzufriedenheit, 
als   sie   vorher   gewesen,   zurück.      Die   Ho£fnungen  waren   getäuscht. 
Mehrere  Adelige   hatten   sich   durch   den   gemachten  Aufwand  an  den 
Bettelstab  gebracht. 

Philipp   starb   schon   am   31.  März  1621.    Mit  Recht  sagt  über    ™- 
ihn  Graf  Ericeira:   Er  bestätigte  die  Weissagung   seines  Vater's  (Phi-    ge«t. 
lipp's  II.),   indem    er   sich  dem  Willen  seiner  Diener  in   einer  Weise '*'M*'* 
überliess,     dass   sie    es   waren,    welche   unumschränkt  regierten,   auf 
ihre  eignen  Vortheile  so  aufmerksam,  dass  sie  der  Monarchie  Spanien's 
die  grössten  Uebel  zufugten,   welche  selten   zur  Kenntniss  des  Königs 
gelangten").    Feiner  und  wohlwollender,   aber  doch  nicht  verschieden 
lautet    das   ürtheil    des   Spaniers   Franz    Quevedo    über  Philipp   lU. 
Quevedo  hatte  Carl  V.,  und  Philipp  II.   im  Ganzen   sehr  günstig  be- 
urtbeilt.    Nur  über  leztem  sagte  er:   „Doch  hat  ihn  seine  Furcht  viel 
gekostet,  und  nur  selten  wusste  er  seinem  Argwohne  zu  widerstehen.^ 
üeber  Philipp  HI.  aber  sagt  er:  „Er  war  von  mittlerer  Körpergrösse, 
starkgliedrig  und  wohlgebaut,  würdevoll,  freundlichen  Angesichts,  und 
von  heiterer  Leutseligkeit.    Sein  Blick   hatte   eine  unentschlossene  An-  urtheiie 
spruchslosigkeit,   ohne  jede  Anlage   zum  Finstem;   seine  Züge  neigten 
sich  eher  zu  der  Heiterkeit  des  Lächelns,  als  zu  grollender  Aufcv^allnng. 
Nach  nichts  strebte  er  so  sehr,   als  nach  Uebung  des  Gehorsams;   mit 
leichtgläubiger  Gelehrigkeit  richtete  er  sich  nach   dem,   was   die  Per- 
sonen seines  Vertrauens  wünschten.   Ausserdem  trieb  er  das  Spiel  und 
die  Jagd.    Allein  diese  Beschäftigungen  waren  nur  von  Aussen    ver- 
anlasst; denn  im  Innersten  seines  Herzens  wohnten  einzig  nur  Religion 
und  Frömmigkeit.    Seine  Sitten   waren   so  rein  und  lauter^   dass  die 
Betrachtung  seines  Lebenswandels   ebenso   sehr  zur  Gottseligkeit  auf- 
forderte,  als  Hochachtung  vor   ihm  einflösste.     Er  war  so  tugendhaft, 
dass    man  von  der  Reinheit  seiner  Seele   ebenso  grosse  Wunder  hätte 
erwarten  können,  als  Orossthaten  seiner  Macht  hätten  entspriessen  können* 


')  Aber  als  König  fühlte  er  sich  nie. 

')  Ericeira,  Portugal  restaiurado,  I,  p.  47  //.  Schäfer,  IV.,  p.  422— i42. 


264  DreizebnteB  Buch.    Achtes  Kapitel. 

Er  vollendete  die  Wiedereroberung  Spanien's  von  den  Ungläubigen^), 
gebot  Einhalt  den  Plänen  Savoyen's,  demüthigte  Venedig;  gegen  die 
Ueberfluthung  der  Eezerei  liess  er  die  Katholiken  veieder  frei  auf- 
athmen^).  Der  Unterthan  verfehlte  sich  schwer  gegen  die  Ehrfurcht 
vor  seinem  König,  der  diese  edlen  und  einsichtsvollen  Staatshandlungen 
unter  dem  Namen  geleisteter  Dienste  sich  anmaassen  wollte  (Lerma  und 
Uceda  sind  gemeint).  Man  kann  von  seiner  Gemüthsart  nicht  sprechen, 
ohne  die  zu  verurtheilen,  welche  ihn  irreführten.  Ueberschaut  man 
seine  Handlungen,  so  verlezt  man  ohne  vorwurfsvolle  Absicht  sein  ge- 
heiligtes Andenken,  und  ehrt  zu  wenig  seine  Wünsche,  die  immer  rein 
waren,  voll  von  Güte  und  Gerechtigkeit.  Statt  Gehorsam  zu  finden, 
war  er  beständig  belagert;  fremde  Verschlagenheit  verstand  es,  seinen 
Gesichtskreis  zu  beschränken,  und  sein  Ohr  zu  verscMiessen^). 

Der  Vater  wollte  Alles  und  Alles  allein  thun,  was  er  sollte  und 
was  andere  sollten;  der  Sohn  wollte  nichts  thun  von  Allem,  was  er 
sollte.  Viel  strenger  lautet  über  ihn  das  Urtheil  des  jezt  lebenden 
Vic.  de  La  Fvumi;%^\  Ein  Konig,  welcher  nicht  herrscht,  und  aufhört, 
seinem  Günstling  zu  befehlen,  ist  kein  wahrer  König,  sein  Name  be- 
gleitet nur  den  Namen  seines  Günstlings.  So  war  es  mit  Philipp  III.; 
er  entwindet  sich  den  Händen  eines  Günstlings,  um  einem  andern  in 
die  Hände  zu  fallen;  aber  sein  vornehmster  Günstling  ist  der  Herzog 
von  Lerma.  Wie  erklärt  man,  dass  von  einem  so  thätigen  und  ener- 
gischen Vater,  wie  Philipp  IL,  welcher  sogar  die  Ueberschriften  der 
Correspondenz  revidirte,  und  der  seine  Thätigkeit  vom  Höchsten 
bis  zu  den  kleinsten  Dingen  herab  ausdehnte,  ein  so  flauer  und 
sorgloser  Sohn  abstammt,  wie  Philipp  UI?  Es  ist  diess  ein  Phä- 
nomen, das  wir  nicht  zu  erklären  vermögen,  obgleich  wir  es  alle 
Tage  sehen.  Nicht  als  ob  es  Philipp  III.  an  den  schönsten  Eigen- 
schaften gefehlt  hätte.  Einige  seiner  Biographen  (vne  Virgjil  Mcdvezzi) 
versichern,  -  mit  Bücksicht  auf  seine  Beichtväter,  dass  er  in  seinem 
ganzen  Leben  keine  Todsünde  begangen.  Aber  troz  aller  Biographen 
und  Beichtväter,  ist  es  denn  eine  so  kleine  Sache  für  einen  Fürsten, 
sich  nichts  zu  kümmern  um  seine  Geschäfte,  die  Regierung  auf  den 
Schultern  eines  unfähigen  Favoriten  liegen  zu  lassen,  und  den  Tag 
hinzubringen  mit  Besuch  von  Plauderstuben,  während  die  Nation  ihrem 
Ruine  entgegengieng?  Die  Tugenden  Philipp's  waren  die  eines  Frivat- 


*)  D.  i.  er  nnterschrieb  das  Decret  der  Vertreibung  der  Maaren. 

')  Also  nnter  seinem  Vater  konnten  sie  nicht  frei  aufathmcn? 

s)  Franz  Quevedo,  v.  Baumstark,  1871,  S.  120—121. 

*)  Historia  eoles.  de  Espafia,  1  edicion^  t.  III,  p.  222.  —  2  edieion,  t«  V, 
p.  388 — 390.  Oü.  OonzcUez  Davüa,  1.  c.  —  Jtuin  Yannez,  Memorias  para  la 
hiatoria  de  D.  Felippe  III,  Madrid,  1723,  4*. 


Urth<rile  über  Philipp  IIF.    Philipp  IV.  vor  der  Regierung.  265 

mannS)  ea  fehlten  ihm  die  Tagenden  eines  Königs,  und  auch  jene  ver- 
unstaltete er  durch  seine  Willenslosigkeit  und  seine  Abneigung  gegen 
die  Arbeit.* 

Lerma  hatte,  meint  derselbe,  eine  viel  härtere  Strafe  verdient, 
aber  der  Cardinalshut  habe  ihn  vor  ihr  geschuzt ').  Aber  auch  Lerma's 
Sohn,  und  des  Königs  Beichtvater,  AUiaga,  waren  so  einfältig,  dass 
sie  Lerma^s  Regierung  in  gutem  Lichte  erscheinen  Hessen. 


§..  7. 

Aus  der  Ehe  mit  Margareta  von  Oesterreich  hatte  Philipp  III. 
eine  Tochter,  Anna  Mauritia,  geboren  am  22.  September  1601 ,  welche 
im  Alter  von  14  Jahren  mit  Ludwig  XIII.  vermählt,  und  Mutter 
Ludwig's  XIV.  von  Frankreich  wurde').  Am  8.  April  1605  wurde  der 
Infant  Philipp  geboren.  Er  empfing  die  Huldigung  der  Stände  und 
Grossen  in  der  Kirche  S.  Geronimo  zu  Madrid  am  13.  Januar  1608. 
Die  dritte  Tochter,  Maria,  wurde  am  3.  September  1628  mit  Ferdi- 
nand (III.)  von  Oesterreich  vermählt. 

Philipp  IV.  trat  am  31.  März  1621  die  Begierung  an.  Er  hätte 
auch  bei  der  besten  Erziehung  und  Leitung  im  Alter  von  16  Jahren 
sich  für  die  Kegierung  kaum  vorbereiten  können.  Aber  sein  Vater, 
der  von  den  Staatsgeschäften  nichts  wissen  wollte,  konnte  und  mochte 
auch  seinen  Sohn  nicht  in  dieselben  einführen.  Wie  konnten  aber 
Lerma  oder  Uceda  ein  Interesse  daran  haben,  dass  ein  Prinz  heran- 
gebildet werde,  dessen  Wissen  und  Wirken  sie  überflüssig  machen 
würde?  So  war  Philipp  sich  selbst  überlassen.  So  unterschrieb  denn 
auch  er  die  Decrete  derer,  die  statt  seiner  regierten.  Viele  wollten  in 
ihm  die  Eigenschaften  seines  Grossvaters  finden;  aber  gerade  die 
gleichmässige  und  beharrliche  Arbeitsliebe  fehlte  ihm. 


§.   8. 

In  den  ersten  Jahren  seiner  Regierung  sezte  der  Streit  über  das^**"«« 
Patronat  der  Heiligen  in  und  über  Spanien  die  Gemüther  in  Bewegung  upp.. 

IV. 


')  Darauf  wurde  das  Conplet  verfasst: 

£1  ladron  mas  afamado 
For  no  morir  degollado 
8e  vistio  de  Colorado. 
Und  der  Schurke,  weit  verschrieen, 
Eilt'  den  Purpur  anzuziehen, 
Ui^  dem  Gralgen  zu  entfliehen. 
*)  Diesen  nennt  der  Spanier  Fhrez  noch  im  Jahre  1775'Ludwig  den  Grossen. 


266  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

Es  handelte  sich  darom,  ob  Jacobus  der  Aeltere  der  einzige  Patron 
Spanien's  bleiben,  oder  ob  nicht  die  heilige  Theresia  oder  der  heilige 
Franciscus  Xaver  zu  der  Ehre  eines  Mitpatronats  erhoben  werden 
sollten.  Der  heilige  Jacobns  fand  tapfere  Vertheidiger  seines  alten 
Rechts.  Es  erschien  eine  grosse  Anzahl  von  Schriften,  welche,  um 
seine  Stellang  als  einziger  Patron  von  Spanien  zu  befestigen,  seine 
personliche  Anwesenheit  und  Predigt  im  Lande  zu  beweisen  suchten. 
—  Die  heilige  Theresia  wurde  im  Jahre  1622  canonisirt.  Ihre  Ver- 
ehrer waren  nicht  damit  zufrieden,  sie  wollten  sie  als  Patronin  Spa- 
nien's  eingesezt  wissen.  Darüber  wurde  ein  heftiger  Wort-  und  Feder- 
krieg in  Scene  gesezt  Die  Anhänger  der  heiligen  Theresia  hatten  der 
Natur  der  Sache  nach  den  schwereren  Stand.  Sie  waren  so  zu  sagen 
die  Angreifer,  jene  die  Vertheidiger  einer  schoD^  gesicherten  Position. 
patronat  Schou  im  Jahre   1617  hatten  die  Carmeliter-Barfusser  an   die 

der  Hei-  ^^        .  . 

ligen.  Cortes  vou  Castilien  den  Antrag  gestellt,  die  heilige  Theresia  möge 
als  Schuzpatronin  Spanien's  erklärt  werden.  In  jedem  andern  Lande 
hätten  die  Stände  erklärt,  dass  diese  Streitfrage  ausserhalb  des  Kreises 
ihrer  Thätigkeit  liege.  Aber  die  Spanier  waren  damals  eine  Nation 
von  Theologen.  Am  16.  November  1617  beschlossen  die  Cortes  im 
Sinne  der  Antragsteller,  und  am  18.  August  1618  genehmigte  der 
König  den  Beschluss  der  Stände  *)•  Mit  allem  Rechte  erklärte  Philipp 
de  Tassis,  Erzbischof  von  Granada  (1618 — 1620),  dass  die  Cortes  die 
Grenzen  ihrer  Macht  überschritten,  dass  in  dieser  Frage  nur  der  Papst 
entscheiden  könne.  Der  gefeierte  Erzbischof  von  Sevilla,  Petrus  de 
Castro,  schloss  sich  dieser  Erklärung  an.  Die  heilige  Theresia  selbst 
wurde  erst  am  12.  März  1622  canonisirt 

Im  Jahre  1624  starb  der  Erzbischof  von  Sevilla,  einer  der  an- 
gesehensten Prälaten  von  Spanien,  im  Alter  von  102  Jahren,  nachdem 
der  Erzbischof  von  Granada  schon  im  Jahre  1620  gestorben  war^). 
Die  Angelegenheit  des  Patronats  wurde  jezt  aufs  Neue  betrieben,  und 
Philipp  IV.  für  diesen  Plan  gewonnen. 

Die  heilige  Theresia  wurde  im  Jahre  1515  zu  Avila  geboren. 
Als  sie  die  Lebensgeschichte  der  Märtyrer  gelesen,  entfloh  sie  als 
Kind  mit  ihrem  Bruder  aus  Avila,  um  nach  Afrika  zu  ziehen,  und 
dort  ihr  Blut  für  den  Herrn  zu  vergiessen.  Durch  die  Dazwischen- 
kunft  ihres  Oheims  wurde  sie  zurückgeführt,  ergoss  ihren  Schmerz 
darüber  in  den  heissesten  Thränen,  und  suchte  ihn  durch  Almosen 
und  andere  Werke  der  Frömmigkeit  zu  mildem.  Im  Alter  von 
20  Jahren  trat  sie  in  den  Orden  von  Carmel,  und  legte  die  Gelübde 


*)  Acta  Setoram,  t.  VII,  Ootober,  Paris,  1869,  pag.  765. 
')  Oonz.  de  C^edes,  Hiatoria  de  Felipe  IV,  Lisb.   1631,  lib.  V,  op.  1 
(p.  361),  (Marqnes  Virg^lio  Malvezzi). 


Leben  der  heiligen  Theresia.  267 

ab«  An  18  Jahre  lang  ^varde  sie  dnrch  die  schwersten  Krankheiten 
und  Versnchnngen  aller  Art  geprüft,  und  von  keinem  hohem  Tröste 
erquickt.  Unbesiegten  Geistes  trug  sie  alle  diese  Leiden,  und  erlangte 
am  Ende  dieser  Prüfungen  wunderbare  Tröstungen.  Den  im  heiligen 
Sacramente  gegenwärtigen  Heiland  schaute  sie  wie  mit  ihres  Leibes 
Augen,  und  konnte  sagen,  dass  sie  jene  um  nichts  zu  beneiden  brauche, 
die  den  Herrn  mit  ihren  leiblichen  Augen  geschaut.  Ihre  Liebe  zu 
Gott  war  nicht,  wie  die  eines  Menschen,  sondern  wie  der  „Cherubin"*), 
und  diese  Liebe  erhöhte  der  Herr  durch  viele  ihr  gewordene  Gesichte 
und  Offenbarungen.  Sie  sah  zuweilen  einen  Engel,  der  ihr  Herz  mit 
einem  feurigen  Speere  durchbohrte,  und  in  ihr  die  Liebe  in  mächtigen 
Flammen  entzündete.  Sie  machte  in  dieser  Liebe  das  Gelübde  und 
hielt  es,  immer  das  zu  thun,  was  das  Vollkommenere  wäre,  und  zu 
Gottes  grösserer  Ehre  gereichte.  Erglühend  in  inniger  Nächstenliebe 
beweinte  sie  das  Elend  der  Ungläubigen  und  Häretiker  mit  nie  ver- 
siegenden Thränen;  für  deren  Bekehrung  brachte  sie  Gott  stets  Fasten, 
Geisselungen  und  andere  Abtödtungen  des  Fleisches  dar.  Keinen  Tag 
Hess  sie  vorübergehen,  ohne  Werke  der  Liebe  vollbracht  zu  haben. 
Für  ihre  Feinde  hörte  sie  nicht  aaf  zu  beten.  Weise  Männer  pflegten 
zu  sagen:  Wer  von  Theresia  geliebt  zu  werden  wünsche,  der  müsse 
ihr  Schaden  und  Unbilden  zufügen.  Unglaublich  waren  die  Werke  ihres 
demüthigen  Gehorsams.  Auf  Verlangen  ihres  Beichtvaters  warf  sie  das 
schone  Buch,  das  sie  über  das  hohe  Lied  verfasst,  in  die  Flammen. 

Sie  führte  die  Reformation  ihres  Ordens,  sowohl  in  den  Männer-  Reform 
als  Frauenklöstem ,  unter  den  grössten  Schwierigkeiten  siegreich  meuten. 
durch,  unterstüzt  hierin  von  dem  heiligen  Johannes  vom  Kreuze. 
Diese  Reform  breitete  sich  fast  über  alle  katholischen  Länder  aus. 
Ohne  Geld,  ohne  Einkünfte,  führte  sie  die  Errichtung  so  vieler  Klöster 
in  und  ausserhalb  Spanien's  durch,  meistens  unter  dem  Widerstreben 
der  weltlichen  Grossen.  In  ihrem  Leben  schon  verherrlichte  sie  Gott 
durch  viele  Wunder  (von  welchen  die  Bulle  der  Heiligsprechung  einige 
anführt).  Nach  so  vielen  Werken  starb  sie  in  ihrem  Kloster  zu  Alba 
am  4.  October  1582.  Ihr  Leichnam  athmete  den  süssesten  Wohlgeruch 
aus.  Die  Wunder,  die  auf  ihre  Anrufung  vollbracht  wurden,  mehrten 
sich.  Auf  Bitten  Philipp's  UI.  wurde  die  Frage  ihrer  Heiligsprechung 
in  Bom  eifrig  betrieben.  Auch  Kaiser  Ferdinand  IL  fügte  seine  Bitten 
denen  Philipp's  III.  bei.  Am  12.  März  1622  wurde  sie  als  „Heilige^ 
der  Kirche  erklärt;  ihr  Fest  auf  den  15.  October,  als  auf  ihren  Todestag 
angesezt'). 


')  So  heisBt  es  in  der  herrlichen  Canonisationsballe. 

^  S.  die  Bolle  in  Btdlar.  Roman,  Taurin,  1867.  t.  XII,  p.  673-682  —  und 
in  Acta  Sanctor.,  15.  Oetober,  VII,  Paris,  1869,  p.  638—725  —  wo  ihre  Acta  anct. 


268  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

Kaum  war  Theresia  als  „Heilige  erklärt,  so  wollten  ihre  Verehrer 
mit  neuem  Eifer  sie  zur  Patronin  Spanien's  erklärt  wissen,  als  ob 
die  Heilige  nicht  ohne  diese  Erklärung  liebend  vom  Himmel  her  auf 
ihr  Vaterland  geblickt  hätte^').  Philipp  IV.  schrieb  im  Februar  1626 
von  Saragossa  aus  an  den  Präsidenten  von  Castilien,  Franc«  de  Con- 
trcras,  und  dieser  wandte  sich  aufs  Nene  an  die  Cortes.  Die  Cortes 
von  Castilien  erneuerten  ihren  frühem  Beschluss.  Das  ganze  Land 
gerietb  in  hizige  Bewegung.  Man  wandte  sich  nach  Rom.  Am 
21.  Juli  1627  erklärte  Papst  Urban  VUI.,  Theresia  von  Jesus  solle 
Schuzpatronin  von  Castilien  sein,  aber  mit  Vorbehalt  des  Patronats 
des  heiligen  Jacobus').  Aber  die  Kirche  von  Compostella  und  einige 
andere  waren   damit  sehr   unzufrieden,  nicht   mit   Unrecht,   wie   uns 


Franc,  de  Ribera^  S.  J.,  libr.  5  sind;  cf.  andere  „Vitae**  v.  Didac.  Yepes  nud 
Matth.  MaHineZj  p.  725—741.  (741—743).  Gloria  posthnma,  p.  745—790.  (Separat- 
abdruck  mit  dem  Commentare  Yandermoere^s),  Acta  Set,  p.  109—537,  Bruxell.,  1845). 

Historia  de  la  reforma  de  los  descalzos  de  naeatro  Sefior  del  Carmen.  Ma- 
drid, 1644  —  1710.  6  vol.  2*.  —  Eacritos  de  Santa  Tereaa,  2  tom.,  Madr.,  1861— 18G2, 
por  Vie.  de  La  Fuente  (tom.  53  et  55  der  Sammlung:  Biblioteca  de  antores  espa- 
fioles  dcsde  la  formacion  del  lengaaje  hasta  nuestros  dias.  Madr.,  1646 — 1862, 
impr.  de  Bivadeneyra,  dämm  Bibliothek  von  Rivadeneyra  genannt).  Das  Leben  der 
heiligen  Theresia,  von  ihr  selbst  geschrieben,  nach  dieser  Ausgabe  übersezt  von 
Ida  Hahn- Hahn,  Mainz,  1867.  —  Leben  der  heiligen  Theresia,  von  ihr  selbst  ge- 
schrieben etc.^  Aachen,  1868.  —  Schriften  der  heiligen  Theresia  von  Jesn,  6  Bde., 
heransg.  von  Oall.  Schwab  (Bd.  I,  Leben,  von  ihr  selbst  beschrieben.  Bd.  II,  das 
Bach  der  (ihrer)  Elosterstiftungen.  Bd.  III,  Weg  zur  Vollkommenheit.  Bd.  IV, 
Seelenburg.  Bd.  V,  Kleinere  Schriften.  Bd.  VI,  Sapplementband).  —  Die  sämmt- 
lichen  Werke  der  Heiligen,  nach  den  Sammlungen  des  Bischofs  D.  Juan  de  Pala- 
fox,  Sulzbach,  1881—1833.  —  Auserlesene  Schriften,  von  Eath.  Fr.  Schlosser, 
2  Bde.,  Franktot,  1827—1832.  —  Sämmtl.  Schriften,  herausg.  von  OalL  Schwab, 
revid.  von  Magn.  Jacham,  2.  Aufl.,  6  Bde.,  Snlzbach,  1861— 1853l  —  Werke, 
übers,  von  L.  Claras,  5  Bde. ,  Regensbnrg,  1851  —  1855.  Jocham,  die  Schriften 
der  heiligen  Theresia  im  Auszage,  Regensbnrg,  1863.  — 

Zahlreiche  „Leben*'  der  heiligen  Theresia  in  allen  lebenden  Sprachen,  u.  a. 
von  YepeS'  (Braccini),  Rom,  1623,  Vie,  Lyon,  1670;  ViUefiyre,  Paris,  1712; 
Marckhovitsch,  Wien,  1718,  2  Bde.;  P.  Cl.  Duret,  Lyon,  1718;  X  Ä. Efnery,  Lyon, 
1775;  J,  B,  A.Boucher,  Paris,  1810,  2  t;  8.  Buchfeiner,  Augsb.,  1826;  J.  Cemy, 
Prag,  1830;  F.  B.  Collotnbet,  Lyon,  1837;  „Leben",  Cöln,  1841;  Leben  von  Fr.  Fosl, 
Regensb.,  1847;  Hennes,  2.  Aufl.,  1866;  Paul,  Roussekt,  Paris,  1867,  und  viele 
andere. 

■)  Vie.  de  La  FuenU,  Hist.  ecl  V,  p.  422,  Hadr.  1874. 

^  Acta  Sctor.^  Paris,  1869,  1.  c,  p.  765,  (nicht  1628,  wie  in  „Anno  Teresiano, 
t  II,  p.  149  steht).  Es  war  ein  Breve,  nicht  eine  Bulle,  die  der  Papst  erliess;  es 
steht  Acta  Sctor.,  p.  765—766.  Die  wichtigste  Stelle  des  Breve  laatet:  nlmpo- 
sterum  eadem  S.  Teresia  cnm  omnibus  et  singnlls  privilegüs^  gratüs  et  Indul- 
gentiis  similibns  Patronis  competentibos  sea  alias  concedi  solitis,  sine  tamen  praeju- 
diclo  et  ifiovatione  vel  diminatione  aliqua  patronatus  S«  Jacobi  Apostoli  in  universa 
Qispaniarum  regna  haben  et  reputari« 


Compatronat  der  heiligen  Theresia.  269 

scheint,  obgleich  die  heilige  Theresia  nicht  als  Patronin  von  ganz 
Spanien,  sondern  nur  des  Königreichs  Castilien  erklärt  worden.  Aber 
die  Provinz  Galizien  bildete  von  jeher  einen  integrirenden  Theil  des 
Reichs  von  Castilien.  Sie  gehorte  weder  za  Portugal,  noch  bildete 
sie  für  sich  ein  Königreich.  Nach  dem  Breve  aber  wäre  die  heilige 
Theresia  wenigstens  in  Castilien  dem  heiligen  Jacobns  vorgezogen 
worden,  dieser  aber  oberster  Patron  in  Aragonien,  Navarra,  Amerika 
u.  8.  w.  geblieben.  Die  Carmeliten  vertheidigten  aus  allen  Kräften  die 
heilige  Theresia,  u.  a.  erklärend,  dass  nicht  sie,  sondern  alle  andern 
es  gewesen,  welche  ihr  so  hohe  Ehrentitel  erworben,  die  man  ihr  abei' 
jezt  nicht  mehr  rauben  dürfe. 

Wegen  der  grossen  daraus  entstandenen  Bewegung  der  Gemüther 
suspendirte  Philipp  IV.  am  22.  November  1627  den  Vollzug  des  päpst- 
lichen Breves,  das  er  doch  vor  Allen  verlangt  hatte,  bis  eine  Entschei- 
dung des  Papstes  über  den  Grund  der  Opposition  ergangen  sei. 
li'ane.  QuevedOf  Kitter  des  Ordens  des  heiligen  Jacobus  „vom  Schwerte*^  '"'*"*• 
(de  spada)  verfiisste  seine  „Denkschrift  für  Santiago's  Patronat^,  welche  nr  set. 
im  Februar  1628  erschien.  Er  lehrt,  dass  das  Patronat  des  heiligen  J*^^'^^ 
Jacobns  über  Spanien  eine  Sache  gottlicher  Anordnung  sei,  und  dass 
Cortes  (und  auch  Könige)  hierin  nichts  ändern  können.  Er  erzählt 
n.  a.,  was  Konig  D.  Ramiro  über  die  ihm  gewordene  Erscheinung  des 
heiligen  Jacobus  berichtet  habe').  Am  26.  Februar  1628  wandte  sich 
Quevedo  an  Papst  Urban  VIEE. ,  mit  der  Bitte ,  er  möge  den  Apostel 
Jacobns  in  seinem  überlieferten  Rechte  lassen.  Ein  längeres  Gedicht 
in  derselben  Streitfrage  gab  er  heraus.  Gegen  ihn  schrieb  u.  a.  der 
SeTÜlaner  Franc.  Marovdli^),  „nicht  ohne  einige  Eingenommenheit  gegen 
den  heiligen  Jacobus,  den  bis  jezt  einzigen  Patron  von  Spanien^. 

Ganz  Spanien  gerieth  in  Feuer  und  Flammen.  Der  Bischof  von 
Cordova,  Didacns  Mardones,  ein  Dominikaner,  war  erglüht  für  die  Ehre 
des  heiligen  Jacobus.  Er  widmete  ihm  ein  Bild  in  seiner  Cathedrale 
mit  der  Inschrift:  „B.  Jacobo  Hispaniarum  unico  certissimo  antiquis- 
simoque  patrono^..  Er  starb  im  September  des  Jahres  1624,  96  Jahre 
alt*^.  Er  hatte  zum  Nachfolger  den  Bischof  Cristobal  de  Lobera  y 
Torres,  den  feurigsten  Anhänger  der  heiligen  Theresia.  Ueber  ihn 
sagt  Oom,  Bravo^):  „Damals  befand  sich  die  Prätension^  dass  die  hei- 
lige  Theresia  als   die  Mitpatronin  der  Reiche    von   Castilien  erklärt 


')  Kirchengesch.  II,  2,  p.  870—374. 

^  Franc.  MoroveÜi  de  Puebla  defiende  el  Patronato  de  Santa  Teresa  de 
Jesus,  y  responde  a  D.  Franc  de  Quevedo  Viüegas,  a  D.  Franc,  de  dielgar  Ca- 
nonieo  Dotoral  de  Sevilla,  y  a  oCros  qne  han  escrito  contra  öl.  Malaca.  1628.  4*. 

*)  Der  Erzblschof  de  Castro  von  Sevilla  starb  in  demselben  Jahre,  102  Jahre  alt 

')  Obispos  de  Cordova,  1777,  II,  p.  610. 


270  Dreizehntes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

werden  solle,   in  ihrer   stärksten  Strömung.     Diese  Erklärung   wnrde 
vom  Hofe  sehr  begünstigt,   und  in  Rom    mit  grosser   Hize  ventilirt, 
Hisige  da  dei.  Papst  am   21.  Juli    (1627)  sein  Decret  erlassen  hatte.     Am 
nir  und  3.  October   erklärte  der  Bischof   seinem  Kapitel,   er  sei  entschlossen, 
wider  in  den  ö.  October  als  Festtag  zu   begehen.    So  that  er;  er  be£Eihl,   dass 
Yn,     das  Fest  der  heiligen  Theresia  mit   einer  Octave  in   seinem  ganzen 
Bisthum   begangen   werde.     Das   Kapitel    machte    Vorstellungen,    da 
weder  es  noch  die  Stadt  die  hiezu  nöthige  Genehmigung  ertheilt  habe. 
Am  4.  October  wurde  beschlossen,  dass  das  Fest  als  „Semiduplex^  be- 
gangen werde,   wie  es  in  Rom   bestimmt   worden.    Der  Bischof  liess 
ein   Manifest  für   das  Patronat   der   heiligen   Theresia   drucken,   und 
sandte  es  am  27.  November  an  das  Kapitel.    Das  Kapitel  appellirte  an 
den  König  „de  abusu^  ^),  in  seinem  und  dem  Namen  des  ganzen  Klerus. 
Leider  legte  der  Klerus  selbst.  Alles  vom  Konige  hoffend,   und  Alles 
von  ihm  fürchtend,   bei  jedem  Schritte   alle   kirchliche  Gewalt  in   die 
Hände   der  weltlichen,   mittelst  des  „Exequatur^,   und   wegen  Miss- 
brauchs der  geistlichen  Gewalt,  ohne  dass  die  Regierung  es  verlangte. 
-^  Das  „ruere  in  servitutem^'  (regis)  trieben  diese  spanischen  Priester  be- 
harrlich fort.    Der  Bischof  entsezte  einen  Domherrn  seiner  Stelle,  an- 
geblich wegen  langer  Abwesenheit,  in  Wahrheit,   weil  er  ein  feuriger 
;*  Anhänger  des  heiligen  Jacobus  war. 

Die  Kirche  von  Santiago,  die  von  Cordova,  und  einige  andere 
ergriffen  nun  den  Recurs  an  den  Papst,  welcher  im  November  1629 
ein  neues  Decret  erliess,  worin  er  das  frühere  fast  aufhob.  Er  er- 
klärte^ dass  das  neue  Patronat  bloss  für  die  Orte  und  Diocesen  gelten 
solle,  wo  der  Bischof,  der  Klerus  und  das  Volk  gemeinsam  darum 
bitten  würden*).  Das  Kapitel  und  das  Municipiiim  von  Cordova 
wollten  dieses  lezte  Decret  pnit  besonderu  Ehren  aufnehmen,  und  be- 
schlossen in  Folge  desselben  eine  grosse  Wallfahrt  nach  Santiago  zu 
veranstalten.  Dem  widersezte  sich  der  Bischof,  und  man  beschloss, 
zu  warten,  bis  er  abgereist  wäre.  Ein  anderer  Streit  kam  in  die 
Quere.  Der  obige  Domherr^  zugleich  Magistrat,  Lucas  Gonzalez  de 
Leon,  predigte  am  Feste  des  heiligen  Jacobus  (25.  Juli)  1630;  der 
Bischof  fühlte  sich  durch  seine  Rede  sehr  beleidigt,  fing  einen  Pro- 
cess  an,  und  verhängte  über  den  Magistrat  die  Excommunication. 
Dieser  protestirte  gegen  den  Spruch  als  eine  Anmassung,  da  der 
Bischof  ganz  einseitig  vorgegangen,  er  auch  in  seiner  Rede  nichts 
Persönliches  vorgebracht  habe.     Das  Kapitel  liess  die  Predigt  drucken, 


*)  Reeorrio  al  Real  auxilio  de  la  faerza. 

*)  Novam  patrocinii  gratiam  singnlis  civitatibns  et  DioecesiboB  dnmtazat,  qua- 
ram  Episoopas,  Gleros  et  populas  conjunctim  praedictam  Sanctam  Theresiain  patro- 
nam  habere  elegerint,  ac  a  Nobis  deputari  conBenBerint 


Der  heilige  Johann  Tom  Kreuze.  271 

und  es  fand  sich  nichts  Verfängliches  darin.  Man  verglich  sich.  Da 
der  Bischof  für  Palencia  ernannt  war,  „so  endigten  diese  Wirren, 
welche  aas  der  Andacht  des  Bischofs  für  die  heilige  Theresia  und 
der  Verehrung  des  Magistrals  gegen  den  heiligen  Jacobus  erflossen 
waren;  da  aber  da  und  dort  die  Discretion  und  die  Klugheit  fehlten, 
80  waren  daraus  schwere  Scandalß  erwachsen^ '). 


§.  9. 

Der  heiligen  Theresia  stand  in  der  Reform  ihres  Ordens  der  hei- 
lige Johannes  vom  Kreuz  zur  Seite ,  erster  unbeschuhter  Carmelit. 
Geboren  im  Jahre  1542  zu  Hontiveros  bei  Avila,  —  wurde  er  erzogen 
zu  Medina  del  Campo,  wo  er  bei  den  dortigen  Jesuiten  studirte,  die 
übrige  Zeit  aber  dem  Dienste  der  Kranken  widmete.  Mit  21  Jahren 
trat  er  daselbst  in  den  Orden  vom  Berge  Carmel.  in  Salamanca  sezte 
er  seine  Studien  fort;  und  unterzog  sich  den  grossten  Abtödtungen. 
Mit  25  Jahren  wurde  er  zum  Priester  geweiht  Schon  in  Me- 
dina hatte  ihn  die  heilige  Theresia  kennen  gelernt.  Von  Salamanca  '^^'^' 
zog  er  nach  Durvelle,  wo  sie  das  erste  Männerkloster  der  strengern  crus  n. 
Reform  gegründet  hatte.  Am  ersten  Sonntage  des  Advents  1568  er-  ^**  ^•'* 
nenerte  er  mit  seinen  Mitbrüdem  die  Gelübde.  Johannes  a  Cruce 
wurde  Prior  des  erneuerten  Ordens.  Spater  wurde  er  im  Kloster  zu 
Pastrane  Novizenmeister.  Verfolgt  von  den  Carmeliten  der  laxern 
Observanz y  vnirde  er  neun  Monate  gefangengehalten.  Im  Todesjahre 
der  heiligen  Theresia  (1582)  war  die  strengere  Regel  in  15  Männer- 
(und  17  Frauenklostern)  durchgeführt.  Im  Jahre  1579  stiftete  Jo- 
hannes das  Kloster  von  Baeza;  1581  wurde  er  Prior  des  Klosters  in 
Granada.  Im  Jahre  1585  wurde  er  Provincial-Vicar  von  Andalusien, 
im  Jahre  1588  erster  Ordensdefinitor.  Auf  dem  Ordenskapitel  zu 
Madrid  im  Jahre  1591  siegten  seine  Gegner,  und  er  wurde  aller  seiner 
Stellen  entsezt.  Nachdem  er  als  einfacher  Ordensmann  sich  in  das 
Kloster  von  Pegnuela  zurückgezogen,  vollendete  er  hier  seine  mysti- 
schen Schriften.  Krank  —  Hess  er  sich  in  das  Kloster  von  Ubeda 
bringen.  Nach  den  Worten:  ^^Herr,  in  deine  Hände  empfehle  ich 
meinen  Geist^,  starb  er  am  14.  December  1591.  Er  wurde  am 
27.  December  1726  heiliggesprochen*).  —  Seine  Schrifiben  (Subida  ^«»n» 
del  monte  Carmelo  —  3  Bücher;  Noche  oscura  del  alma  —  2  Bücher;  ^^" 
Llama   de  amor   viva;   Cantico  espiritual   entre  la  Alma  y  Christo  su 


')  Chmez  Bravo,  II,  p.  614.  —  Fic*  de  La  Fuenie,  V,  p.  423— ß6. 
*}  Die  Bulle  vom  27.  December,  Heiligsprechung  in  BvUar*  Rom.  ed.  Aug. 
Taurin.,  1871,  t  22,  p.  480-483. 


272  Dreizehntes  Bach.    Achtes  Kapitel 

esposo  con  su  declaracion) ,  erschienen  zu  Barcelona  —  1619  4®  und 
1635;  zu  Madrid  1629  und  1672;  Obras,  12.  Ausgabe,  SeviUa,  1703 
—  2°.;  ferner  in  latein.,  franzos.,  Italien.  Uebersezungen.  Deutsch  — 
hl.  Job.  V.  Kreuz  christl.  Mystik  y.  Sim.  Buchfdnerj  1841;  aämmt- 
liehe  Schriften,  mit  einer  Einleitung  v.  Oallus  Schwab,  2  Thle.,  Sulzb«, 
1830.  —  Uebersezt  und  als  zweite  Auflage  der  Schwabischen  Ueber- 
sezung  herausgegeben  v.  Magn.  Jocham.  —  Werke,  übersezt  2  Bde., 
Snlzb.,  1858.  —  Leben  und  Werke  des  heiligen  Johannes  vom  Erenz, 
Von  P.  Lechner,  3  Bde.,  Regensb.,  1858 — 1859.  Sein  Leben  schrieben 
die  Carnieliten  Hieronymns  de  S.  Joseph,  Madrid,  1641;  Gaspar  de  la 
Anunciacion,  Josef,  a  Jesu  Maria,  c.  1615,  Josef  von  d&r  heiligen 
Theresia,  c.  16  4  0,  u.  a.  —  (F.  •/.  Scherm«r^),  die  klassische  ascetische 
Literatur  Spanien's  in  „Chilianeum«,  Bd.  II— III,   18G3— 1864*). 


§*  10- 


Patro- 


Von  dieser  Zeit  an  mehrten  sich  die  s.  g.  „Patronate^^  der  Hei- 
Heiu-  ligen,  keineswegs  aber  die  Frömmigkeit  und  die  wahre  Nachfolge  der 
^^°*  Heiligen.  Bei  fast  jeder  Bedrängniss  und  Noth  sah  man  sich  nach 
neuen  Patronen  um,  ohne  daran  zu  denken,  den  sinnlosen  Luxus,  die 
Profanationen  des  Heiligen,  die  Laster  überhaupt  abzustellen.  —  Der 
Hof  hatte  viele  Jahre  gewaltig  für  das  Patronat  der  heiligen  Theresia 
geeifert,  so  dass  die  Gegner  desselben  gemaassregelt  wurden.  Die 
Feinde  Quevedo's  klagten  bei  Hof  über  den  harten  Ton  seiner  Schuz- 
Schriften,  und  dass  derselbe  in  seiner  frühem  Schrift:  „Die  Politik 
Gottes  und  die  Regierung  Christi^%  den  Konig  und  den  Hof  ange- 
griffen^). Er  wurde  darum  im  April  1628  vom  Hofe  verbannt,  und 
nach  Juan  Äbad  internirt.  Der  Bann  lag  etwa  acht  Monate  auf  ihm. 
Am  29.  December  1628  erhielt  er  die  Erlaubniss  zur  Bückkehr.  In 
seiner  Verbannung  im  Mai  d.  J.,  arbeitete  er  eine  neue  Schrift  aus: 
„Santiago  für  sein  Schwert^' *),  worin  er  eine  sehr  scharfe  Sprache 
redet.  Er  macht  es  dem  Olivares  zur  Pflicht,  den  jungen  Eonig  eines 
Bessern  zu  belehren.  In  sechs  Abschnitten  widerlegt  er  seine  Gegner 
und  deren  Angriffe  auf  ihn,  der  heiligen  Theresia  aber  zollt  er  den 
glänzendsten  Tribut/  der  Verehrung.  Die  Schrift  konnte  damals  nicht 
gedruckt  werden,   und  erschien  erst   im  Jahre  1852   in  der   neuesten 


')  Schermer  hat  auch  die  Werke  des  Juan  de  Avila  (s.  oben  S.  160)  in 
3  Bden.  in's  Dentsche  übersezt,  Begensburg,  1856—1859. 

^)  Politica  de  Dies  y  gobiemo  de  Christo,  sacada  de  la  Sagrada  Escritnra, 
1625  (1620). 

')  Santiago  per  su  Espada. 


Spätere  Patronate.  273 

Ausgabe  der  Werke  Qftevedo^a^),  Das  Patronat  der  heiligen  Theresia 
worde  wieder  im  Jahre  1700  durch  das  Testament  Carl's  II.,  beson- 
ders aber  durch  die  radikalen  Coi-tes  von  Cadiz  angeregt,  welche  aro 
28.  Juni  1812  die  heilige  Theresia  als  ,,Compatronin  Spanien's^%  zu- 
gleich mit  dem  heiligen  Jacobus,  erklärten*). 


§.  11. 

Da  C8  mit  dem  Patronate  der  heiligen  Theresia  nicht  yorangieng, 
so  begeisterte  sich  der  Hof  für  das  Patronat  des  heiligen  Erzengels 
Michaä.    Im   Jahre    J  643   schrieb  Philipp  IV.   an   den  Bischof  Dom.  P»tron.t 

,  des  hl. 

Pimente]  (1633 — 1649),  das  Kapitel  und  die  Stadt  von  Cordova,  nach- Mich«i?i. 
dem  schwere  Unfälle  das  Reich  betroffen,  dass  alle  diese  Unfälle  der 
lauen  Verehrung  gegen  den  heiligen  Erzengel  Michael  zugeschrieben 
wurden,  dass  man  öffentliche  Akte  der  Verehrung  desselben  begehen, 
und  dass  er  als  Patron  des  Königreichs  angenommen  werden  möge. 
Am  6.  Februar  1643  schrieb  dariiber  die  Stadt  an  das  Kapitel.  Es 
wurde  vereinbart,  eine  sehr  feierliche  Procession  zu  Ehren  des  heiligen 
Michael  in  die  ihm  geweihte  Kirche  zu  halten,  der  heilige  Jacobus 
möge  aber  einziger  Patron  von  Spanien  bleiben^.  Am  8.  Mai  1643 
fand  diese  Procession  statt.  Die  Frage  wegen  des  neuen  Patronats 
aber  ruhte. 

Im  Jahre  1678  richtete  König  Carl  II.  die  Bitte  nach  Rom,  es  ^*°® 
möge  der  heilige  Joseph  als  Patron  von  Spanien  erklärt  werden.  Das  te. 
gewünschte  Breve  wurde  erlassen,  aber  Weiteres  geschah  nicht.  Im 
Jahre  1702  bemühte  sich  der  Erzbischof  Jacob  Cantelmi  von  Neapel, 
dass  der  heilige  Jafmariua^  zugleich  mit  dem  heiligen  Jacobus,  als 
Patron  von  Spanien  erklärt  würde.  König  Philipp  V.  war  damit  ein- 
verstanden. Die  heilige  Theresia,  der  heilige  Michael  und  der  heilige 
Joseph  wurden  fallen  gelassen.  Auf  Bitten  Philipp's  V.  erliess  Cle- 
mens XI.  eine  Bulle,  jedoch  mit  der  Beschränkung,  dass  Januarius  der 
kleinere,  Jacobus  der  grössere  Patron  sein  sollte.  Also  hatte  mau 
den  Unterschied  zwischen  grössern  und  kleinern  Patronen.  Das  Ka- 
pitel von  Santiago,  und  das  von  Cordova^  die  in  dieser  Angelegenheit 
stets  Hand  in  Hand  gegangen,  wendeten  sich  beschwerend  an  den 
König,  und  die  Publication  der  Bulle  unterblieb. 

Carl  lU.  erlangte  am  8.  November  1760  die  Erklärung  des  all- 


■)  Biblioteca  de  Rivadeneira,  tom.  23  et  48. 

')  Acta  Sctor.,  Oct.  t  VII,  Paris,  1869,  p.  766-767.  —  Baumstark,  Franz 
^oevedo,  lö71,  S.  148—160. 

»)  Bravo,  II,  p.  641—612. 

G«iD«,  span.  Kirche.  IIT.  S.  ]^g 


274  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

gemeinen  Patronats  der  „unbefleckten  Empfängnisse*  von  Papst  Cle- 
mens XIIL  in  allen  seinen  Reichen,  cum  ritu  duplici  der  ersten  Süasse, 
und  einer  Octave,  mit  eigenem  Officium  und  eigner  Messe.  Die  Cortes 
endlich  des  Jahres  1812  stellten  das  Patronat  der  heiligen  Theresia 
wieder  her.  Wenn  Konige  und  Staatsmänner  sich  so  sehr  mit  der 
Theologie  beschäftigen,  und  die  Rangordnung  der  Heiligen  festsezen, 
so  pflegt  etwas  faul  zu  sein  „im  Staate  Dänemark". 

In  Navarra  verlangte  das  Königreich  zu  seinem  Patron  den  hei- 
ligen Franc.  Xaver,  die  Cathedrale  aber  und  der  Klerus  den  heiligen 
Firmin.  In  Madrid  verlangte  man  nach  dem  Patronate  des  heiligen 
Isidor  von  Madrid*). 


§.  12. 

Philipp  IV.  figurirt,  wie  sein  Vater,  nur  seinem  Namen  nach 
unter  den  Königen  von  Spanien;  er  regierte  nicht  und  verwaltete  nicht. 
In  der  frühem  Zeit  regierte  der  Graf- Herzog  von  Olivares,  in  der 
spätem  Zeit  desselben  der  Graf  Haro.  —  Philipp  III.  hatte  sich  be- 
müht, von  der  Gesellschaft  seines  Sohnes  einen  ehrgeizigen  und  reichen 
Jüngling  zu  entfernen,  den  (Grafen)  Gaspar  Guzman.  Derselbe  wurde 
zu  Rom  am  6.  Januar  1587  geboren.  Als  der  jüngste  seiner  Fa- 
milie war  er  zum  geistlichen  Stande  bestimmt,  und  sollte  seine  Studien 

<^w-  in  Salamanca  fortsezen.  Als  (dritter)  Graf  von  Guzman  wurde  er 
<JJJJJ^".  zum  Rector  der  Universität  erwählt,   vom  Konige  erhielt  er  die  Com- 

"»  mende  von  Veteras  im  Orden  von  Calatrava.  Nach  dem  Tode  seines 
altern  Bruders  Geronimo  kam  er.  Erbe  grosser  Güter,  selbst  an  den 
Hof.  Nach  dem  Tode  seines  Vaters  trat  er  mit  dem  ganzen  Glänze 
seines  Ranges  auf.  Von  einem  Ehrgeize  ohne  Maass  erfüllt,  war  er 
verschwenderisch,  um  Anhänger  zu  werben.  Ein  feiner  Hofmann,  ge- 
wann er  die  Gunst  der  Palastdame  Agnes  von  Zuniga  y  Velasco,  die 
er  im  Jahre  1607  zur  Ehe  nahm,  und  erlangte  dadurch  die  Gunst  der 
Konigin  Margareta.  Philipp  HL  versprach  ihm  die  Würde  eines 
Granden,  die  er  seinem  Vater  verweigert  hatte.  Da  er  ihn  aber  von 
seinem  Sohne  entfernen  wollte  (vielleicht  wegen  der  Eifersucht  Ler- 
ma's  auf  dessen  wachsenden  Einfluss),  sandte  er  ihn  als  ausserordent- 
lichen Gesandten  nach  Rom.  Der  Konig  fürchtete  mit  Recht,  dass 
Guzman  die  ohnedem  stürmischen  Leidenschaften  seines  Sohnes  reizen 
würde;  dieser  aber  wollte  von  Guzman  nicht  lassen.     Guzman  wohnte 


')  Genannt  Labrador  (der  Baaer).  Er  starb  im  zwölften  Jalirh.  in  Madrid. 
Sein  Iweben  beschrieben  Joe.  Bleda,  Alf  ans  de  VüUgas,  Oregor.  de  Argais, 
Nicolaus  Jos,  de  la  Cruz^  u.  a. 


Der  Graf  Olivares.  275 

auch  der  VermähluDg  Philipp's  (IV.)  mit  Elisabeth  von  Bourbon  im 
Jahre  1616  an.  Er  galt  allgemein  als  Nebenbafaler  der  Macht  Lerma's. 
Mit  seinem  Reichthume  befriedigte  er  die  kostspieligen  Neigungen  des 
Infanten  Philipp.  Nach  dem  Tode  Philipp's  III.  war  er  unumschränkter 
Herr  der  Situation.  Der  Jesuit  P.  Florencia  galt  damals  als  der  beste 
Prediger  am  Hofe.  Kurze  Zeit  nach  Philipp^s  III.  Tode  predigte  er 
vor  Philipp  IV.  über  die  christliche  Sanftmuth  und  Demuth.  In  Er- 
wägung, dass  Florencia  uns  die  Demuth  einschärft,  sagte  Philipp  IV., 
so  wollen  Wir  eine  Probe  derselben  ablegen,  indem  Vfir  befehlen, 
dass  der  Graf  von  Olivares  bedeckt  werde,  (die  Oranden  haben  das 
Recht,  vor  dem  Könige  ihr  Haupt  zu  bedecken).  Niemand  konnte  an 
eine  solche  Wirkung  der  Predigt  denken.  Von  diesem  Tage  an  hielt 
Gaspar  de  Guzman  20  Jahre  lang  die  Zügel  der  Gewalt  in  seinen  ^^''^^^^ 
Händen.  —  Er  erliess  zwar  im  März  1623  strenge  Edicte  gegen  den  iang° 
Luxus,  sowie  gegen  die  ausschweifenden  und  tollen  Trachten,  worin  ^^^^ 
die  Spanier  stets  das  Mögliche  geleistet  haben.  Aber  der  Hof  gieng  ^en 
von  nun  an  selbst  mit*dem  schlechten  Beispiele  voran.  Während  der 
Anwesenheit  der  Prinzen  von  Wales  bei  seiner  „Brautfahrt"  (1621  — 
1623)  wurde  in  Luxus  und  Verschwendung  alles  Frühere  überboten. 
Seit  Olivares  die  Gewalt  hatte,  änderte  sich  das  Angesicht  des  Hofes. 
Gallafeste ,  Zerstreuungen ,  Schauspiele ,  musikalische  Productionen 
wechselten  ab.  Der  König,  wie  sein  Vater  den  Geschäften  abgeneigt, 
aber  ohne  die  Tugenden  desselben,  lebte  in  Vergnügungen  und  Zeit- 
vertreib dahin.  Körperliche  Rüstigkeit  und  liebenswürdige  Laune 
werden  an  ihm  gerühmt.  Die  Dichter  verherrlichten  seinen  Hof.  Sie 
erhielten  oder  sie  verlangten  einen  Antheil  an  seinen  Genüssen.  Ein 
neuerer  Schriftsteller  sagt,  dass  die  hundert  Günstlinge  Philipp's  IV. 
das  Mark  des  Landes  verzehrt  haben '). 

Der  Herzog  von  Uceda  war  in  den  Process  seines  Vaters  wegen   ^nd« 
Betrug  verwickelt  worden.    Er  wurde  gerichtlich  verurtheilt,  von  Phi-  ^^^"^a* 
lipp  IV.  aber  begnadigt.    Sein  Vater  war  edel  genug ,  ihn   in  seinen  ureda  b. 
Trnbsalen   zu  trösten.     Aber   dem  Sohne  gieng   sein   Sturz  tiefer   zu 
Herzen,  als  dem  Vater;   er  wollte  sich  nicht  trösten  lassen.    Er  starb 
im  April  1624  zu  Alcala,  sein  Vater  aber  im  Jahre  1625  zu  Valladolid. 

Im  Jahre  1626  reiste  Philipp  IV.  zu  den  Cortes  nach  Saragossa. 
Die  Cortes  kamen  erst  unter  Carl  II. ,  der  sich  persönlich  nirgends 
zeigen  konnte,  ganz  ausser  Gebrauch.  Dass  er  auch  frommen  Aspi- 
rationen zugänglich  war,  bewies  er  gerade  damals,  als  er  von  Sara- 
gossa aus  die  Frage  des  Patronats  der  heiligen  Theresia  wieder  in 
Flosa  brachte.    Aber  es  giebt  auch,  sagt  der  Spanier  Vic.  de  La  FuentCj 


■)  Tölomeo^  Hiatoria  de  Zaragoza,  1859. 

18 


276  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel, 

Ausart-  Jq   ^j^m  Leben  Philipp's  IV.  Parthien    von    der   tiefsten  Unsittlichkeit, 
Pbi-    von  denen  zu  wünschen  wäre,   dass  sie  sich  bb  zu  den  lezten  Sporen 

upp'siv.  verloren  hätten.  Solche  seien  u.  a.  die  Gewaltthätigkeiten  gegen  die 
Inqaisition.  gewesen ,  um  seine  Reputation  in  der  scandalösen  Ange- 
legenheit des  Protouotars  Villanueva  zu  salviren,.  nachdem  der  König 
mit  schlimmen  Absichten  in  ein  Frauenkloster  eingetreten,  dessen 
Patron  Villanueva  war.  Von  seinen  Kindern  ausser  der  Ehe  habe  er 
nur  den  D.  Juan  de  Austria  (II.)  anerkennen  wollen,  welchen  ihm  eine 
Schauspielerin  geboren.  Diese  Frau,  von  seltener  Schönheit^  bereute 
ihren  Fehler,  und  trat  in  ein  sehr  strenges  Kloster  ein,  wo  sie  muster- 
haft lebte« 

Wie  in  dem  Leben  des  Königs,  gab  es  in  dem  Leben  des  Oli- 
vares zwei  Perioden.  Sobald  er  sich  in  dem  Vertrauen  des  Königs 
befestigt  sah,  ohne  Rivalen  in  der  ganzen  Nation,  so  suchte  er  die 
Missstände  und  Schäden,  die  er  angerichtet,  wieder  gut  zu  machen. 
Aber  die  Lage  der  Dinge  war  stärker,  als  seine  Kräfte.  Das  Unglück 
stürmte  von  allen  Seiten  herein,  und  die  Monarchie  drohte  aus  den 
Fugen  zu  gehen.  Schliesslich  gieng  auch  das  annexirte  Portugal  ver- 
loren, dessen  Besiz  und  Verlust  Spanien  tiefe  Wunden  schlug«  Be- 
sonders die  finanziellen  Maassregeln  des  Olivares  machten  ihn  ver- 
hasst.  Wie  in  andern. Tagen  der  so  genannte  „Milliardensegen''  gar 
sehr  zum  Unheil  des  ganzen  Volkes  ausschlug,  wie  Wenige  daran 
Viel  sich  bereicherten,  und  die  Andern  verarmten,  so  war  auch  der  Gold- 
^g,„"' Strom,   der   von  Amerika  her  nach  Spanien   strömte,   der  Anlass  der 

Geld  fm  Verarmung.  Die  ohnedem  nicht  grosse  Arbeitslust  der  Castilianer 
wurde  dadurch  noch  mehr  herabgestimmt.  Spanien  bezog  auch  in 
Folge  der  Vertreibung  der  Moriscos  seine  Waaren  und  Fabrikate  aus 
dem  Auslande  um  sehr  theures  Geld.  Die  Fremden  Hessen  sich  als 
Gewerbs-  und  Kaufleute  nieder  und  bereicherten  sich.  Wie  damals, 
so  ist  es  heute  noch  im  Reiche  Castilien.  Schon  Philipp  II.  hatte 
durch  Verordnungen  den  Werth  verschiedener  Münzen  willkührlicb 
erhöht;  Philipp  lU.  erhöhte  den  Werth  des  Kupfergeldes.  Das  übrige 
Europa  sandte  nun  sein  Kupfergeld  nach  Spanien,  und  zog  dafür 
Gold  und  Silber  aus  dem  Lande.  Zur  vermeintlichen  Bemedur  ver- 
bot Philipp's  IV.  Regierung  unter  Strafe  die  Einfuhr  von  Kupfer,  und 
die  Ausfuhr  von  Gold  und  Silber.  Im  Jahre  1626  wurde  verordnet, 
dass  in  den  nächsten  20  Jahren  kein  Kupfergeld  geprägt  werden  dürfe. 
Eine  Verordnung  vom  13.  September  1627  wollte  die  Preise 
der  Lebensmittel  und  Arbeitslöhne  zwangsweise  anordnen.  Die  da- 
durch entstandene  allgemeine  Verwirrung  zwang  dazu,  diese  Maass* 
rcgel  aufzuheben.  Am  7.  August  1628  wurde  der  Werth  des  Kupfer- 
geldes wieder  auf  die  Hälfte  herabgesezt;  am  16.  September  1628 
wurden  gescbärile  Strafen   auf   die  Einfuhr   von  Kupfer,    und   auf  die 


MiaBwirthschaft  nnter  OlivareB.  277 

Ausfahr  Ton  Gold  und  Silber  gesezt.  Nur  auf  besondere  Erlaubniss 
des  Finanzmioisteriums  für  bestimmte  Fälle  und  einzelne  Seehäfen 
sollte  die  Erlaubniss  zur  Einfuhr  von  Waaren  gegen  Ausfuhr  edler 
Metalle  gestattet  werden.  Dass  diese  Notizen  nicht  in  eine  Kirchen- 
geschichte von  Spanien  an  sich  gehören,  leuchtet  ein.  Hier  aber 
fliessen  sie  ein,  um  an  einem  Beispiele  zu  zeigen,  dass,  wenn  eine 
Regierung  zu  viel  in  Theologie,  in  Eirchenpolizei  und  Kirchenregiment 
macht,  das  von  ihr  regierte  Land  um  so  mehr  herunterkommt  Eben  ^^**^®°j| 
zur  Zeit  der  Herrschaft  des  Olivares  wurde  die  Freiheit  der  Kirche  am 
meisten  unterdrückt.  Die  Niederlagen,  welche  diese  Regierung  auf 
allen  andern  Gebieten  erlitt,  wollte .  sie  durch  scheinbare  Siege  auf  dem 
kirchlichen  Gebiete  aufwägen. 

Diese  Misswirthschaft  stammte  schon  aus  den  Zeiten  Carl's  V. 
her,  nnd  Philipp  H.  gieng  mit  dem  Gelde  um  wie  ein  Kind  ohne  Er- 
fahrung. Quevedo  nennt  den  Bau  des  Escorial  in  jenen  Zeiten  der 
Noth  eine  „Kinderei*,  d.  i.  eine  kindische  Vergeudung  von  Geld.  — nndvet- 
Troz  aller  Finanznoth  verschlangen  die  noblen  Fassionen  Philipp's  IV.,  *dunr 
besonders  seine  Theater^  und  das,  was  darum  und  daran  hieng,  ganz 
enorme  Summen.  Es  wurden  am  Hofe  Theaterstücke  aufgeführt, 
welche  ein  Hohn  auf  alle  Moral,  u.  a.  auf  die  Treue  des  Ehe- 
standes waren.  —  Die  Theater  begleiteten  den  König  auch  auf  seinen 
Keisen,  z.  B.  im  Jahre  1632,  als  er  wieder  zu  den  Cortes  nach  Ara- 
gonien  reiste. 

§.  13. 

Seit  dem  Jahre  1 635,  als  Frankreich  Spanien  den  Krieg  erklärte, 
giengen  die  Dinge  zum  Schlimmem.  Aller  Handel  und  Verkehr 
stockte;  die  Unzufriedenheit  gegen  Olivares,  wie  gegen  den  Hof,  stei- 
gerte sich.  Eine  anonyme  Bittschrift  vom  December  1639  an  Phi- 
lipp IV.  lantete  u.  a.:  „Katholische,  geheiligte,  königliche  Majestät,  die 
Gott  als  Gottheit  uns  auf  Erden  sezte  (diess  meinte  eben  Philipp  11.^ 
aber  diese  Meinung  war  Spanien's  Anfang  zum  Falle),  ein  armer  Greis 
spricht  auf  seinen  Knieen  zu  Euch.  —  Von  Allem,  was  Gott  wachsen 
lässt  anf  Erden,  von  Allem,  was  des  Menschen  Kunst  erfindet,  zahlt 
man  in  Spanien  mehr  Steuer,  als  die  steuerbaren  Dinge  selbst  werth 
sind.  Hundert  Konigen  zusammen  hat  Spanien  nie  die  Summen  ent- 
richtet, wie  Eurer  Regierung.  Schon  beginnt  das  Volk  zu  furchten, 
man  werde  ihm  auch  noch  eine  Steuer  auf  das  Athmen  legen;  und  die 
Reichen  wiederholen  es  immer  lauter;  Es  ist  doch  Alles  verloren,  darum 
lasset  uns  Alle  stehlen."  Wer  immer  diese  Schrift  verfasst  hat,  sie 
war  der  Ausdruck  der  wirklichen  traurigen  liagc. 

Im  Jahre  1 640  brach  die  Revolution  in  Catalonien  aus.     Es  hatte   , J„j 


278  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel 

iD  cau-dm-^ij  den  Krieg  mit  Frankreich  (1634—  1640)  gar  sehr  gelitten.  Der 
^640.'  Schaz  war  leer.  Man  wollte  Catalonien  zwingen^  die  Trappen,  die 
dort  lagen,  selbst  zn  unterhalten,  nnd  ihnen  Lebensmittel  und  Fonrage 
za  liefern.  Philipp  IV.  sandte  scharfe  Befehle^  welche  mit  einer  ex- 
cessiyen  Strenge  ausgeführt  wurden.  Das  Volk  von  Barcelona  er- 
mordete den  Vicekönig  Graf  von  Santa- Coloma,  sowie  alle  castilische 
Beamte.  Die  ganze  Proyinz  erhob  sich,  und  constituirte  sich  als  Re- 
publik unter  dem  Schuze  Frankreich's.  Angegriffen  von  dem  Marquis 
de  los  Velez  und  gransam  behandelt,  riefen  die  Catalonier  den  Schuz 
Frankreichie  an,  erkannten  Ludwig  XIIL  für  ihren  Souverain,  und 
widerstanden  den  Angriffen  der  Castilianer.  Sie  kämpften  bis  zum  Jahre 
1653,  und  hielten  einen  grossen  Theil  der  StreitkraAe  Spanien^s  fest*). 


§.  14. 

Am  1.  December  1640  brach  die  RcTolution  in  Lissabon  aus. 
Die  Spanier  hatten  unter  Olivares  das  Ihrige  gethan,  die  Lage  der 
Portugiesen  zu  verschlimmern.  Diese  riefen  Johann,  Sohn  des  Theo- 
tonius,  aus  dem  Hause  Braganza,  zu  ihrem  Konige  aus.  Sie  fanden 
bei  Frankreich,  England,  Holland,  den  deutschen  Protestanten,  fast 
überall  Hilfe,  während  Spanien  auf  sich  selbst  angewiesen  blieb,  und 
schon  dem  Kriege  mit  Fk'ankreich  und  Catalonien  nicht  gewachsen 
PortDgai  war.  Die  Zahl  der  Truppen,  die  es  gegen  Portugal  stellen  konnte,  er- 
^lich*'  reichte  darum  nicht  oder  kaum  die  Zahl  der  Soldaten  Portugal's, 
welch'  leztere  gute  Führer  hatten.  Im  Grunde  kämpfte  nicht  Spanien 
gegen  Portugal,  sondern  Castilien  kämpfte  gleichzeitig  gegen  Portugal, 
Catalonien  und  Frankreich.    Es  ist  kein  Wunder,  dass  es  erlag. 

Die   Lage  der   Monarchie  war   schrecklich.     Aragonien   grollt 
nnd  drohte.    Die  Holländer  plünderten  die  spanischen  Colonieen.    Ita 
lien,  (besonders  Neapel)  erhob   sich   gegen  die  spanische  Herrschaft; 
selbst  der  Papst  war  mehr  auf  Seite  der  Gegner. 
Be-  Olivares  verbarg  die  Wucht  der  harten  Schläge  lange  unter  einei 

"^nuT  äusserlichen  Heiterkeit,  die  er  auch  dem  Hofe  mitzutheilen  wusste 
spa-  Er  fuhr  fort,  den  König  zu  beherrschen,  und  ihn  durch  gehäufle  ye^ 
^^'^'^  gnügungen  und  Feste  zu  zerstreuen»  In  dem  kostbaren  Palast  d«i 
„Buen  Retiro^^  gebaut  im  Jahre  1633,  umgeben  von  Dichtem  uai 
hübschen  Frauen,  sollte  der  Konig  zieh  zerstreuen,  und  alles  Ander^ 
vergessen.  Schon  wusste  die  ganze  Welt  von  der  Revolution  in  Por 
tugal.    Olivares  hinterbrachte  endlich  die  Thatsache  dem  Konig  mi 


')  Meto  (MtUo)^  jPVanc.  Manoely  Historia  de  los  movimientos,  y  separacki 
de  Catalnfia;  y  gnerra  entre  Felipe  y  la  Gatalofia,  Llsboa,  1645,  1696;  Madrid,  180^ 
Paris,  1827. 


Olivares  in  Noth.    Philipp  IV.  will  selbst  regieren  und  wird  fromm.       279 

den  Worten:  „Der  Herzog  von  Braganza  hat  sich  als  König  krönen 
lassen;  diess  ist  ein  Wahnsinn,  welcher  Euerer  Majestät  12  Millionen 
Einkünfte  rauben,  aber  derselben  mehrere  Provinzen  verschaffen  wird.^ 
^Gut  so,^  erwiederte  der  indolente  Fürst;  „Ihr  seid  der  Herr,  bringet 
es  in  Ordnung."  Die  Noth  der  Dinge  konnte  aber  bald  auch  dem 
Könige  nicht  mehr  verborgen  werden.  Der  Herzog  von  Medina-Sidonia, 
Statthalter  voh  Andalusien,  suchte  diese  Provinz  von  Spanien  loszu- 
reissen,  und  sich  als  Herrn  derselben  aufzuwerfen.  Seine  Schwester 
Anna  von  Gnzman  war  an  Johann  von  Braganza  vermählt,  tmd  trug 
viel  dazu  bei,  dass  ihr  Mann  endlich  in  die  Pläne  der  Portugiesen  mit 
ihm  eingieng.  Sie  stachelte  auch  ihren  Bruder  auf,  sich  von  Castilien 
loszureissen.  Aber  die  Revolution  Andalusien's  wurde  im  Blute  ihrer 
Urheber  erstickt,  während  die  Portugal's  Erfolg  hatte. 

Der  zunehmenden  Noth  und  Zersplitterung  der  Kräfte  konnte 
Olivares    nicht  mehr   Stand   halten.     Seine    staatsmännischen  Talente 
waren  nur  oberflächlich,   er   wurde  mehr   und  mehr  verschlossen  und 
einsilbig  und   warf  sich  jezt  im  Stande  der  Noth  der  Frömmigkeit  in 
die  Arme.    Der  Tod  seiner  Tochter,  der  Gräfin  von  Heliche,  machte 
ihn   vollends  hypochondrisch.     Er  stand  im  Winter  um   6   Uhr   des  oiivare» 
Morgens  auf,    communicirte   wenigstens  zweimal  in   der  Woche,   und  ^^J^^ 
gab  manchen  Tag  Audienz  bei  künstlichem  Lichte.    Er  dotirte  mehrere  vndTer- 
Kirchen,  dictirte  Vorschriften  gegen, die  Immoralität,  die  er  selbst  be-*^t** 
tordert  hatte,    und    baute  ein   kostspieliges   Kloster   für  unbeschuhte 
Dominikaner.    Diess  rettete   ihn   nicht   mehr.     Am    17.  Januar   1643 
schrieb   ihm    der  König,   er  wolle  von   nun   an  die  Geschäfte   selbst 
leiten.    D.  Luis  de  Haro  genüge  ihm  für  die  Ausfuhrung  der  Befehle. 
Olivares  durfte  vor  dem  Könige  nicht  mehr  erscheinen,   er  erhielt  den 
Befehl,  sich  nach  Loeches   zurückzuziehen.    Man  farchtete,    dass  das 
Volk    bei  seinem  Weggange  ihn   insultiren   werde,  und   bediente  sich 
einer  List,  um  die  Neugierigen  zu  täuschen. 

Der  König  regierte  wirklich  eine  Zeit  lang  selbst.  Er  befahl  in 
Saragossa  den  P.  Castro  zu  bestrafen,  der  in  einer  Rede  ihn  ermahnt 
hatte,  sich  tapfer  zu  erweisen.  In  der  Ungnade  seines  Königs  starb  /^^' 
Olivares  zu  Toro  am  21.  Juli  1645.  Luis  de  Haro  kam  mehr  und 
mehr  in  den  Besiz  der  Gewalt.  Es  gelang  ihm,  Spanien  aus  der  be- 
drängtesten Lage  zu  retten.  Der  König  aber  suchte  in  der  zweiten 
Hälfte  seiner  Regierung  in  der  Religion  den  Trost,  den  ihm  weltliche 
V'ergnügen  und  Genüsse  nicht  verschaffen  konnten. 

§.  15. 

Luis  Hendez   de  Haro.  Sohn   des  Didacus    de   Haro,   und   der^"!°  ^^ 
Francisca  de  Guzman,  Neffe  des  Olivares,  war  geboren  im  Jahre  1599. 


280  Dreizehntes  ßucb.    Achtes  Kapitel. 

Unter  der  Leitung  seines  Oheims  wurde  er  in  die  Staatsgeschäfte 
eingeweiht.  Er  war  in  dem  Grade  gemässigt,  als  sein  Oheim  stür- 
misch und  herrschsüchtig  gewesen,  und  erlangte  einen  immer  grossem 
Einfluss,  ohne  scheinbar  nach  demselben  za  streben. 

Die  Losreissung  Portugal's  hatte  schwere  kirchliche  Gonflikte  im 
Gefolge,  namentlich  die  Befestigung  einer  Rom  feindseligen  Stimmung 
in  den  regierenden  und  einiBussreicben  Kreisen  Portugal's.  Konig  Jo- 
hann (Joao)  IV.  verlangte  als  solcher  von  Rom  anerkannt  zu  werden. 
Diess  suchte  Spanien  aus  allen  Kräften  zu  verhindern.    JoacT  IV.  hoffte 

Porta-  u.  a.  auf  Papst  Urban's  VIII.  bekannte  Abneigung  gegen  die  Spanier; 
ver.    er  hoffte  auch  auf  die  Unterstfizung  Frankreich's  in  Rom,    das  damals 

saehe  in  Jm  Kriege  mit  Spanien  war.  Miguel  de  Poi-tugal ,  Bischof  von  La- 
mego,  stand  an  der  Spize  der  portugiesischen  Gesandten,  die  im  Oc- 
tober  oder  November  1641  in  Rom  ankamen.  Zugleich  kam  der  Mar- 
ques de  los  Veles  als  ausserordentlicher  Gesandter  Spanien's,  der  die 
Schritte  der  Portugiesen  durchkreuzte.  Er  führte  eine  drohende 
Sprache  gegen  den  Papst.  Alles  Maass  überschreitend,  sammelte  er 
200  Banditen  um  sich.  Es  kam  zum  blutigen  Handgemenge  zwischen 
den  Spaniern ,  und  den  Franzosen  und  Portugiesen  anderseits.  Es 
fielen  4  Portugiesen,  8  Spanier^  und  20  wurden  verwundet.  Der  Papst 
zürnte  mit  Recht  über  die  Insolenz  des  Spaniers,  der  in  dem  Hause 
eines  Andern,  dem  sichern  Zufluchtsorte  aller  Katholiken,  mit  Ver- 
achtung der  päpstlichen  Heiligkeit  eine  Person  angegriffen,  die  nnter 
der  Zusicherung  des  Schuzes  der  Kirche  in  Rom  weilte.  Trozdem 
fand  der  Bischof  von  Lamego  bei  dem  Papste  weniger  Gehör  als  je. 
Eine  lezte  Vorstellung  blieb  unbeachtet  Die  Congregation  der  Gar- 
dinäle  hatte  beschlossen,  dass  die  Gesandtschaft  nicht  zugelassen 
werde.  Nach  einem  Jahre  vergeblichen  Mühen  reiste  sie  ab  —  1642. 
Papst  Urban  VIII.  starb  am  29.  Juli  1 644,  und  hatte  Innozenz  X. 
zum  Nachfolger.  Er  war  als  Cardinal  Pamfili  für  Zulassung  der  Ge- 
sandtschaft gewesen,  wenn  Joao  IV.  etwa  vier  Jahre  regiert  hätte,  auch 
vorausgesezt,  dass  er  „Usurpator^  sei. .  Als  Papst  war  er  anderer  An- 
sicht. Joaö  IV.  schickte  seine  zweite  Gesandtschaft  nach  Rom.  Diese 
wurde  angenommen  unter  dem  Vorbehalt  „ohne  Nachtheil  eines 
Dritten*'.  Dieser  Beschluss  wurde  aber  nicht  Portugal,  sondern  durch 
den  Nuntius  den  spanischen  Ministem  mitgetheilt.  Diese  protestirten 
aus  allen  Kräften,  erklärend,  der  Papst  würde  dadurch  die  Empörung 
gegen  die  rechtmässige  Obrigkeit  sanctioniren  und  legitimiren.  Ver- 
gebens wies  der  Nuntius  auf  die  Worte  Papst  Pius  H.  hin:  »Es  ist 
Sitte  des  apostolischen  Stuhles,  denjenigen  Konig  zu  nennen,  welcher 
das  Königthum  besizt.**  Die  Spanier  untermischteti  nun  Schmeiche- 
leien mit  schweren  Drohungen,  deren  Sinn  war:  Wir  sind  die  Starken, 
der  Papst  und  Portugal   sind   die  Schwachen.    Der  Papst  möge   den 


NothstHod  der  Kirche  in  Portagal  281 

zahmea  Löwen  nicht  reizen.  Die  Spanier  waren  ja  Herrn  von  Sicilien, 
Mailand  und  Neapel.  Gesandte  Portugal's  warden  in  Rom  nicht  zu- 
gelassen; die  Agenten  PortugaFs  und  die  Franzosen,  ihre  Beschüzer, 
richteten  nichts  aus.       * 

Es  handelte  sich  besonders  darum ,  die  erledigten  Bisthümer  zu 
besezen.  Der  Papst  schlag  vor,  er  wolle,  ohne  Erwähnung  des  Königs» 
die  Bischöfe  ,,motu  proprio''  präconisiren ,  welche  ihm  der  König 
Joaö  IV.  vorgeschlagen  habe.  Der  Cardinal  Mazarin  brachte  den 
König  von  der  Annahme  dieses  Vorschlags  ab.  Die  Päpste  könnten 
sonst  in  Zukunft  den  Königen  das  Präsentationsrecht  rauben.  Im  Jahre 
1652  waren  erledigt  die  Erzbisthumer  Braga,  seit  1641,  Lissabon,  seit  j,*^^' 
Januar  1643,  Evora,  seit  September  1643;  die  Bisthümer  (Portugal,  Buthii. 
Bischof  von  Lamego  starb  im  Jahre  1644);  Coimbra,  seit  Juli  1646,  ^^^ig^i^ 
Guarda  seit  November  1640,  Leiria,  seit  1647;  (der  lezte  Bischof  hatte 
sich  aber  nach  Ausbruch  der  Revolution  nach  Spanien  zurückgezogen ;) 
Miranda,  seit  1634,  Faro,  seit  1649;  Portalegre,  seit  1638;  Porto,  seit 
1640;  Visen,  seit  1639.  Im  Jahre  1658  starb  auch  der  Bischof  von 
Elvas.  Seit  dieser  Zeit  hatte  Portugal  keinen  einzigen  Bischof.  Von 
einer  Unterstfizung  oder  Hilfe  durch  spanische  Bischöfe  konnte  keine 
Kede  sein^).    Aehnlich  war  es  in  den  Colonieen. 

Im  Jahre  1662  ermannte  sich  die  Kirche  Frankreich's,  und  legte 
Fürbitte  ein  für  PortugaFs  verwaiste  Kirche.  Die  zu  Pariß  versam- 
melten Bischöfe  richteten  ein  nachdrückliches  Schreiben  zu  Gunsten 
Fortugal's  an  den  Papst  Innozenz  X.') 

Umsonst  befahl  der  französische  Klerus  seinem  Agenten  in  Rdm, 
die  Interessen  Portngal's,  wie  die  eigenen,  zu  vertreten.  Vergebens 
wandten  sich  die  von  Joaö  ernannten  Bischöfe  mit  der  Bitte  an  den 
Papst,  dass  sie  ihr  Amt  verwalten  dürften«  Vergebens  gaben  sich  die 
französischen  Cardinäle  die  äusserste  Mühe,   der  Kirche  von  Portugal 


')  Ribeiro,  Dissertades,  t  V.  Lisb.  1886,  p.  142-223,  P.  Oams,  Benes 
episcopornm,  1873,  p.  93  —  112. 

*)  Es  steht  in:  Historia  de  Portagal  reetaurado  (an.  1640 --1668)  p.  Luis  de 
MenezeSf  conde  de  Erioeyra,  Lisb.  1679—1698,  2  t.  2*.  —  (Bd.  I  wieder  abge- 
druckt —  1710;  Bd.  I etil,  LIsboa,  1751  — 1759.  2  t  in  4  vol.  in  4».  —  t.  II,  p.  393, 
Ausg.  V.  1751. 

La  refifauraQao  de  Portagal  prodigiosa,  p.  Gregor,  de  Almeida  (P.  Joam  de 
Vaseoncellos).  Lisboa,  1641.  4*.  Fem.  MenezeSy  historiamm  Lositanar.  libri  X, 
1640—1657;  Ulisipp.,  1734,  2  Tol.  in  4*.  —  Historia  della  disunione  del  regno 
de  Portogallo  della  Corona  de  Castiglia,  scritta  da  O,  B.  Btrago,  corretta,  emen- 
data  ed  illastrada  dal  P.  Ferd.  Helevo,  Amsterd.,  1617  —  4*.  —  Histoire  de  la 
revolation  de  Portugal,  par  E.  Ä.  de  Ve^'tot^  la  Haye,  1734.  —  Bellam  Lnsitanam, 
ejusqae  regni  separatio  a  regno  castellensi,  cum  abrogatione  superadjecta  Alfonsi 
regia  lositani;  auth.  P.  Cajetano  PassareUo,  Lagd.  1684  2\  —  H.  Schäfer, 
Gesch.  von  Portugal,  IV,  p.  452—539. 


282  Dreizehntes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

zu  helfen.  Da  wandte  man  sich  in  Portugal  um  Hilfe  an  die  be- 
rühmtesten Universitäten  und  die  ersten  Gelehrten  Europa's.  Einer 
schlug  vor,  ^um  den  Papst  zur  Raison  zu  bringen,^  jede  Geldaus- 
fuhr  nach  Rom  in  jeder  Form  zu  verbieten.  Andere  schlugen 
vor,  der  Konig  solle  ein  Nationalconcil  berufen,  dieses  einen  Patri- 
archen wählen,  welcher  die  Bischöfe  einzusezen  hätte.  Diess  war 
das  Schisma,  etwa  wie  in  England,  und  im  Schisma  die  Häresie 
im  Keime.  Ein  Ordensmann  schlug  vor,  jedes  Kapitel  soUe  einen 
Bischof  wählen,  und  dieser  solle  sich  vom  ältesten  Bischof  weihen 
lassen^).  Schon  im  Jahre  1647  drohte  Joaö  IV.  dem  Papste,  er 
werde  diesen  Weg  einschlagen.  Aber  die  portugiesische  Inqui- 
sition trat  dazwischen,  und  erklärte:  »Der  Papst  als  Oberhaupt 
der  romischen  Kirche  besize  alle  monarchische  Gewalt,  und  sei  die 
Quelle  aller  geistlichen  Jurisdiction,  welche  allein  mit  seiner  Zustim- 
mung und  seinem  Willen  den  Bischöfen  übertragen  werden  könne^. 
Der  König  stand  von  seinem  Vorhaben  ab. 

Im  Jahre  1653  publicirten  die  drei  Stände  Portugal's  eine  Denk- 
Tom  schrill:  „Das  Blöcken')  (Rufen)  der  Kirche  von  Portugal  nach  dem 
^föa^  obersten  Hirten^  dem  Papste^,  worin  sie  aber  die  harte  Behandlung 
durch  den  Papst  sich  beklagen,  sie  halten  aber  an  dem  ausschliess- 
lichen Rechte  des  Papstes  fest,  die  Bischöfe  einzusezen')«  Wie  einst 
Jacob  (im  Traume)  mit  Gott  oder  dem  Engel  Gottes  gerungen  habe, 
so  wollen  sie  mit  dem  Papste  ringen,  bis  sie  ihn  durch  Bitten  be- 
zwungen hätten.  —  Die  Spanier  aber  betheuerten  dem  Papst,  sie 
w^den  durch  einige  entscheidende  Schläge  die  rebellischen  Portugiesen 
zermalmen,  und  er  werde  dort,  vor  wie  nach,  Bischöfe  einsezen.  Weil 
Spanien  räumlich  so  gross,  Portugal  so  klein  war ^  zweifelten  die 
Spanier  und  andere  nicht,  dass  sie  bald  obsiegen  würden.  Inno- 
zenz X.  starb  am  7.  Januar  1655,  ohne  dass  etwas  geschehen  wäre. 
Ihm  folgte  Alexander  VII.  (1^55 — 1667),  und  auch  unter  diesem 
wurde  die  Angelegenheit  nicht  geregelt. 


Denlc- 
schrlft 


§.   16. 

Die  Königin  Elisabeth  von  Bourbon,  Philipp's  IV.  erste  Ge- 
mahlin, starb,  erst  41  Jahre  alt,  am  6.  Ootober  1644.  Der  Infant  aus 
dieser  Ehe,  Balthasar  Carl,  starb,    17  Jahre  alt,  am  9.  October  1646. 


')  Relation  de  la  conr  de  Portugal  soua  D.  Pedro  II.,  Amsterd.  I,  p.  398— 
300,  p.  806. 

*)  BaUdoB. 

^  Belation  etc.,  I,  p.  308—311. 


Philipp  iV.  in  den  Jahren  1649-1665.  283 

Daa  Reich  war  ohne  Thronfolger  und  ohne  Königin*).  —  Nach  einem 
Wittwerstande  von  fünf  Jahren  heirathete  Philipp  lY.  im  Jahre  1649 
die  Erzherzogin  Mariana,  die  Tochter  des  Kaisers  Ferdinand  III. 

Wie  einst  Philipp  11.  nach  dem  Tode  seines  Sohnes  D.  Carlos 
die  dem  Infanten  bestimmte  Braut  geheirathet  hatte,  so  heirathete  jezt 
Philipp  IV.  die  seinem  Sohne  verlobte  Braut.  Ihre  Mutter  war 
D.  Maria,  Schwester  Philipp's  IV.,  er  der  Onkel,  sie  die  Nichte.  Sie 
gelangte  am  3.  October  1649  nach  Madrid'). 


§.    17. 

Seit  dem  Jahre  1666  wurde  ein  Friede  mit  Frankreich  unter- 
handelt. —  Bei  Elvas  erlitten  die  Spanier  im  Herbste  1658  eine 
Niederlage  von  den  Portugiesen,  und  der  Minister  Haro  wurde  nun 
nachgiebiger  gegen  Frankreich.  Der  so  berühmte  Pyrenäen- Friede  J'yr«- 
wurde  verhandelt.  Die  Minister  Mazarin  und  Haro  kamen  auf  der  ^^^^^ 
Fasanen- Insel  der  Bidassoa,  des  Grenzflusses  zwischen  Frankreich  und  i659. 
Spanien,  zusammen.  Die  Confer^nzen  begannen  am  13.  August  16Ö9. 
Luis  de  Haro  Hess  sich  von  dem  sehlauen  Cardinal  nicht  überlisten^ 
und  gieng  so  glücklich  als  möglich  aus  seiner  an  sich  schlimmen 
Position  hervor.  Es  wurde  die  Ehe  zwischen  Ludwig  XIV.  und  der 
Infantin  Maria  Theresia,  Tochter  Philipp's  IV.  und  seiner  ersten  Ge- 
mahlin Elisabeth,  geb.  am  20.  September  1638,  stipulirt.  Man  weiss, 
dass  der  Maria  Theresia  das  Loos  keineswegs  auf  das  liebliche  ge- 
fallen ist.  Die  Infantin  musste  vorher  auf  die  Thronfolge  in  Spanien 
vei*zichten.  Der  Friede  wurde  am  7.  November  unterzeichnet.  Am 
3.  Juni  1660  repräsentirte  Haro  seinen  Konig  bei  der  Vermählung  der 
Infantin  zu  Fnentarrabia.  Philipp  IV.  belohnte  den  Luis  de  Haro^ 
indem  er  das  Marquisat  von  Carpio  zum  Herzogthum  erhob.  Haro  starb 
zu  Madrid  schon  am  26.  November  1661.  Er  war  der  tüchtigste 
Minister  Spanien's  im  siebzehnten  Jahrhundert.  Im  Innern  unternahm 
er  keine  grossen  Reformen.  Aber  er  beschüzte  den  Handel,  den 
Ackerbau,  und  die  Wissenschaften. 

In  dem  Frieden  von  1659,  in  welchem  Spanien  u.  a.  die  Graf- 
schaft Cerdagne,  Koussillon,  und  das  Bisthum  Perpignan  abtreten 
musste,  verlor  es  in  den  Niederlanden  auch  die  Grafschaft  Artois,  mit 
Ansnahme  von  Saint-Omer,  mehrere  feste  Pläze  in  Flandern^  Henegau 
und  Luxemburg.  Von  dieser  Zeit  an  galt,  oder  war  doch  Spanien 
eine  Macht  zweiten  Ranges ,  welche  mit  Frankreich  nicht  mehr  con- 
corriren  konnte. 


0  Flürez,  Beynasj  II,  p.  933  —  950. 
^  FUyrez^  Reynas^  II,  p.  954. 


284  Dreizehntes  Buch.    Achtes  KapiteL 

Nach  dem  Pyrenäen -Frieden  schien  es  für  Philipp  IV.  leicht, 
Spanien  das  kleine  Portugal  niederzuwerfen.  Aber  zwei  Expeditionen ,  die  er 
vor  Por-  ausrüstete,  misslangen.  Führer  der  einen  war  Philipp^s  Sohn  D.  Juan 
tngio.  de  Austria.  Er  nahm  zwar  Evora  ein,  im  Mai  1663.  Die  Spanier 
erlitten  aber  am  8.  Juni  bei  Amexial  oder  Canal  eine  schwere  Nieder- 
lage. Von  ihrer  Armee  von  16.000  Mann  fielen  4000,  6000  wurden 
gefangen,  davon  2500  Verwundete.  Die  Portugiesen  zählten  nur 
1000  Todte  und  500  Verwundet^.  D.  Juan  fluchtete  nach  Badajoz. 
„Durch  diese  eine  Schlacht  wurde  dem  Braganza  (seit  1656  Alfons  VI.) 
das  bisher  noch  wankende  Reichdiadem  befestigt.^  Den  lezten  ent- 
scheidenden Sieg  erfochten  die  Portugiesen  am  17«  Juni  1665  bei 
Villa  -  Vi^osa.  Hier  standen  die  Portugiesen,  15.000  Fussgänger, 
5500  Reiter,  mit  20  Geschüzen.  Bei  ihnen  waren  englische  und  fran- 
zösische Hilfsschaaren.  Ueber  4000  Spanier  fielen ,  6000  wurden  ge- 
fangen, 3500  Pferde,  Munition  und  Waffen  aller  Art  wurden  erbeutet. 
Die  Portugiesen  hatten  nur  700  Todte,  2000  Verwundete').  —  Für 
Spanien  war  jezt  die  Hoffnung  auf  Wiedergewinnung  Portugal's  ver- 
loren. Schon  krank,  erhielt  Philipp  IV.  die  Trauerbotschaft;  er 
sprach:  Es  geschehe  der  Wille  Gottes.  —  In  den  lezten  Jahren  hatte 
er  sich  vielfach  ernsten  Dingen  gewidmet.  Er  führte  namentlich  einen 
längern  Briefwechsel  mit  der  ehrwärdigeu  Maria  de  Agreda.  Er  starb 
am  17.  September  1665»). 

Der  Krieg  hatte  25  Jahre  gedauert;  Alles  sehnte  sich  nach  Frier 
den.  England  drohte  mit  Krieg,  wenn  Spanien  Portugal  nicht  als 
unabhängig  anerkenne.  Am  13.  Februar  1668  wurde  der  Friede  ge- 
schlossen; Portugal  in  seinen  frühern  Grenzen  wieder  hergestellt.  Nur 
Stadt  und  Festung  Genta  blieb  bei  der  Krone  Spanien'). 


§.  18. 

Noch  waren  die  Bisthümer  Portugal's  verwaist  Alfons  VI. 
wurde  im  Jahre  1667  abgesezt;  an  seine  Stelle  trat  D.  Pedro  II., 
dritter  Sohn  Joaö's  IV.  Auf  Papst  Alexander  VII.  (f  1667)  war  Cle- 
mens IX.  (t  1669),  diesem  Clemens  X.  gefolgt.  Er  wurde  am  29.  April 
1670  gewählt,   und   schon   am  22.  Mai   hielt   der   portugiesische   Ge- 


')  Portag.  fester.,  IV,  p.  333.  Haec.  est  clades  Hontisclari  (Montes  Glaros), 
quae  Liultaiii  tandem  diadema  regni  in  Bregantii  capite  fixit,  et  seu  ntilitatia  iacre- 
mento,  sen  gloriae  inter  primas  Lusitanao  virtutia  atque  fortnnae  celebris.  Paaa- 
relli,  Bellum  Liisit.,  169i,  p.  420. 

*)  Petr.  Rodr.  de  Mtmforte,  Roladon  de  las  Exeqniaa  del  Rey  D.  Felipe  IV., 
celebradaa  en  Madrid.  oO— 31.  October  1665.  Ibid.,  1666.  4».  (Tlchnor-Wolf,  8. 195). 

»)  Schäfer,  IV.,  p.  643—690. 


Entwirrnng  d.  Wirren  Bom*s  m.  Portugal.  Gregor'«  XVI.  Const.  v.  9.  Aug.  1831.      285 

sandte }  Franc,  de  Sousa,  Graf  von  Paido,  mit  der  grössteo  Pracht 
seinen  öffentlichen  Einzug  in  Rom^).  Im  folgenden  Jahre  traten  die 
neuernannten  Bischöfe  die  Regiernng  ihrer  Sprengel  an.  Die  Sedis- 
vacanz  hatte  bei  einzelnen  Bisthümern  an  oder  über  ein  Menschen- 
alter gedauert.  Die  dadurch  im  Herzen  der  Portugiesen  entstandene 
Missstimmung  kam  auch  später  noch  in  mannigfacher  Weise  zum 
Ausbruch.  Namentlich  waren  und  sind  die  Portugiesen  eifersüchtig 
darauf,  in  Rom. bis  in's  Kleinste  auf  gleichem  Fusse,  wie  die  Spanier, 
behandelt  zu  werden.  Die  römischen  Nuntien  in  Lissabon  wie  in 
Madrid  mussten  fast  immer  einen  bittern  Leidenskelch  trinken,  und 
mussten  sich  auch  Ausweisungen  gefallen  lassen. 


§.  19. 

Weil  aber  die  lange  Verwaisung  der  Kirchen  Portugal's  auch  in 
Rom  mit  gebührendem  Schmerze  nachempfunden  wurde,  so  ergriff 
Papst  Gregor  XVI.  ruhmreichen  Andenkens  aus  dem  Bürger-  und 
Bruderkriege  zwischen  D.  Miguel  und  I).  Pedro  Veranlassung,  die 
künftige  SteUung  der  Kirche  bei  ähnlichen  Thronstreitigkeiten  zu  prä- 
cisiren.  Die  päpstliche  Constitution  vom  9.  August  1821  ist  für  das 
Verhalten  der  Päpste  bei  Thronstreitigkeiten  maassgebend.  Der  Papst 
erklärt  sich  durch  das  Schwanken  und  die  Umgestaltungen  in  den 
einzelnen  Staaten  vielfach  gestört  in  dem  göttlichen  Auftrage,  unter 
den  Völkern  auf  dem-  ganzen  Erdkreise  schnell  und  unabhängig  für 
die  Kirche  und  das  Heil  der  Seelen  zu  sorgen.  Um  des  Heiles  der 
Seelen  willen  haben  die  Päpste  von  jeher  mit  denjenigen  sich  in  Ver- 
bindung gesezt,  welche  factisch  die  Gewalt  in  den  Händen  hatten. 
Schon  Papst  Clemens  V.  sprach  auf  dem  Concil  zu  Viene  aus:  »dass, 
wenn  der  Papst  Jemand  unter  dem  Titel  irgend  einer  Würde  in  Wort, 
Verordnungen  oder  Briefen  anrede,  ehre,  oder  irgendwie  mit  ihm 
unterhandle,  daraus  nicht  geschlossen  werden  dürfe,  dass  er  ihn  in 
dieser  Würde  anerkenne,  oder  ihm  neue  Gerechtsame  ertheile.  Heut- 
zutage sei  es  nothwendiger,  als  je,  dass  der  Papst  den  Schein  vermeide, 
dass  er  aus  menschlichen  Rücksichten  die  Sache  der  Kirche  zu  ver- 
lassen scheine.  Es  wird  daher  die  Constitution  Papst  Clemens'  V. 
bestätigt,  und  für  alle  Zeiten  festgesezt,  dass,  wenn  vom  Papst  irgend 
ein  Individuum  zur  Besorgung  geistlicher  Geschäfte  unter  dem  Titel 
einer  gewissen  Würde,  selbst  der  königlichen,  angeredet  und  geehrt, 
mit  ihm  unterhandelt  werde,  demselben  durch  ein  solches  Verhandeln 
kein  Recht  von  dem   Papste   beigelegt,  noch   von   der   andern   Seite 


')  Sousa^  Historla  gener.  de  Portugal,  VIF,  p.  467. 


286  Dreizehntes  Bach.   Achfes  KaplteL    Philipp  IV. 

erworben  oder  ihm  bestätigt  sei,  und  keineswegs  geglaubt  werden  dürfe 
oder  müsse,  dass  den  Rechten,  Patronaten  und  Privilegien  Anderer 
eine  Abweisung  oder  eine  Veranlassung  zur  Veränderung  und  Um- 
gestaltung derselben  gegeben  sei.  —  Diese  Constitution  wurde  zu- 
nächst hervorgerufen  durch  die  doppelte  portugiesische  Gesandtschaft, 
die  sich  damals  in  Rom  befand  (von  Seite  D.  Mignel's  und  D.  Pedro's) 
und  um  Anerkennung  bei  dem  Papste  nachsuQhte  ^). 

Die  Hauptschuld  der  langen  Sedisvacanz  aber  von  1640 — 1671 
scheint  mir  dem  Cardinal  Mazarin  zuzufallen,  der  in  seiner  machia- 
vellistischen  Politik  den  Eonig  Joaö  IV.  davon  abwendig  machte,  die 
gewiss  billigen  und  gerechten  Vorschläge  des  Papstes  über  die  Art 
der  Besezung  der  Bisthümer  anzunehmen.  Die  dem  Papste  gemachten 
Vorwürfe  der  Verwaisung  der  Bisthümer  fallen  auf  Portugal  selbst 
zurück,  dem  man  vorwerfen  kann,  dass  ihm  am  königlichen  Patronat 
mehr  gelegen  gewesen  sei,  als  an  dem  Heile  der  Seelen.  Bis  zum 
heutigen  Tage  hat  die  Krone  Portugal  ihr  Patronat  in  einer  Weise 
ausgedehnt  und  ausgebeutet,  als  wäre  dasselbe  kein  päpstliches  In- 
dult oder  Privilegium,  sondern  ein  Karfunkel  von  besonderm  Werthe, 
der  von  Anfang  an  als  Stern  erster  Grosse  in  der  Krone  Portugals 
erglänzt  hätte.  Sie  wollen  lieber  gar  keine  Bischöfe,  als  bloss  vom 
Papste  eingesezte  Bischöfe'). 


0  Die  Constitution  s.  «Der  Katholik",  Bd.  48,  S.  80— 84.  —  Allg.  Zeit- 
aog,  1.  nnd  6.  Ootober  1881. 

')  Er  starb  zwar  1661,  aber  der  Drack,  den  er  auf  Portugal  ausgeObf,  über- 
lebte ihn.  —  Onno  Klopp  hat  neuestens  gezeigt,  dass  der  Hanptscbnldige  Lud 
wig  XIV.  von  Frankreich  war ,  welcher  Portugal  dahin  zu  bringen  hoffte ,  den 
Musterverfluch  einer  s.  g.  Nationalkircbe  zu  machen,  damit  er  im  Falle  des  Ge- 
lingens Frankreich  auch  von  Uom  trennen  kOnnte. 

')  Primera  parke  de  la  Historia  de  D.  Felippe  el  II.  Por  D.  Oongalo  de 
Cespedes  und  Meneses.  Barcelona,  1631  —  2*.  —  (Eine  Fortsezung  ist  nicht  ge- 
folgt). —  Relation  de  ce  qui  s'est  passö  en  Espagne,  k  la  diagrace  da  comte 
d*  Olivarte,  frad.  de  IMtal.,  Amsterd.,  1G50.  —  Histoire  du  ministöre  da  comte 
duc  d*01ivarös,  trad.  de  l'espagn.  du  comte  de  la  Roca,  Cologn.,  1678.  —  Dasa 
Philipp*8  IV.  spätere  Zeit,  und  dass  sein  Sohn  Carl  II.  in  Spanien  Oberhaupt  keine 
Biographen  gefunden,  ist  leicht  erklärlich.  —  Der  mefarerwäbnte  Sangraäar  Vittores 
nennt  Philipp  IV.  in  seiner  Geschiebte  von  Valladolid  (I,  p.  474)  ,den  Grossen", 
(warum?)  während  der  Historiker  von  Saragossa  (TVmieo,  1859}  sagt,  dass  unter 
Philipp  iV.  Spanien  von  100  Günstlingen  ausgesogen  worden  sei. 

Malvezzi,  Virgil, ,  Sucoesos  principales  de  la  monarquia  de  Espafia  en  el 
tiempo  de  Felipe  lY.,  Madr.,  1640  —  4^  —  ZanetomalOy  Relazione  del  goveno 
delhi  famosa  cortedi  Spagna,  in  tempo  del  reFilippo  IV.  1672  ~  4*.  —  «7.  Dunlop, 
Memoir*s  of  Spaign  during  the  reign  of  Philip  IV.  and  Charles  IL,  Edinb,,  1834, 
2  vol.  —  Weiss,,  CharL,  1* Espagne  depuis  le  tögne  de  Philippe  II.  jnsqu*^ 
r  av^nement  des  Bourbons.    Paris,  1844,  2  vol. 


Neuntes  Kapitel. 

Die  Zelten  Cari*s  II.  (166S  - 1700). 


§.  1. 

Philipp  IV.  hatte  einen  hoffnungsvollen  Sohn  gehabt,  Philipp 
Prosper,  geboren  20.  November  1657,  der  aber  sehr  frähe,  am  1.  No- 
vember 1661  gestorben.  Ein  zweiter  Sohn  Philipp's  und  der  Königin 
Mariana,  Ferdinand  Thomas,  vollendete  nicht  das  erste  Lebensjahr. 
Am  6.  November  1661 ,  sechs  Tage  nach  dem  Tode  des  Infanten 
Philipp,  wurde  D.  Carlos  geboren,  der  seinen  Vater  überlebte,  mit 
dem  aber  das  Haus  Habsburg  in  Spanien  ausstarb').  Beim  Tode 
seines  Vaters ,  am  17.  September,  1665,  zahlte  der  Thronerbe  noch 
nicht  vier  Jahre. 

Carlos  U.  heisst  bei  den  Historikern  „Der  Schwächliche"  (el  ^*'^  ^^ 
debil),  der  „Unfähige^  (impotente),  der  „Geduldige^  (patiente),  der 
„Behexte^  (el  Hechizado)^).  Die  Königin  Mariana  war  Reichsverwe- 
serin, neben  ihr  eine  Regierungsjunta  zu  ihrer  Berathung.  Der  sonst 
ehrenwerthen  Regentin  fehlten  die  Gaben  einer  Herrscherin.  Schon 
zu  Lebzeiten  ihres  Mannes  zeigte  sie  den  grossten  £ifer,  ihrem  Beicht- 
vater, dem  deutschen  Jesuiten  P.  Eberhard  Nühardy  alle  möglichen 
£hren  und  Würden  zu  verschaffen.  Philipp  IV.,  der  kein  WcAI- 
gefallen  an  ihm  fand,  widerstand  den  Gapricen  der  Konigin,  und 
suchte  zu  verhindern,  dass  P.  Nithard  an  den  Geschäflen  der  Re- 
gierang  Theil  nehme.     Nach  Philipp's  Tode   legte   die  Regentin  fast 


»)  Flarez,  Reyruu^  II,  p.  956—957. 
*)  Viäares,  I,  p.  485. 


288  Dreizehntes  Buch.    Neuntes  Kapitel. 

die  Zügel  der  Regierung  in  seine  Hände.  Nach  dem  Tode  des  Car- 
dinais Bemard  Moscoso  y  Sandoval  ^)  von  Toledo ,  der  an  demselben 
Tage,  wie  der  Konig,  gestorben  war  (f  17.  September  1065),  ernannte 
die  Regentin  den  Cardinal  (seit  16ö8)  und  Grossinquisitor  Pascbalis 
de  Aragon  zu  seinem  Nacbfolger'),  sezte  aber  demselben  zu,  seine 
Würde  als  Grossinquisitor  niederzulegen.  Es  geschah;  P.  Kithard 
folgte  ihm  in  diesem  Amte,  „gegen  die  päpstlichen  Constitutionen, 
und  die  Geseze  des  Reichs,  welche  verboten,  dieses  so  wichtige  Amt 
einem  Ausländer  und  vollends  einem  Convertiten  zu.  geben^^^).  So 
war  diese  hohe  Gewalt,  welche  sogar  Bischöfe  erzittern  machte,  in 
den  Händen  des  Fremden,  wogegen  Klerus  und  Volk  laut  murrten. 
Die  Regentin  ergriff  nun  den  Ausweg,  den  P.  Nithard  als  Spanier 
naturalisiren  zu  lassen. 

Spanien  fand  sich  im  tiefsten  Verfall,  regiert  von  zwei  Fremden, 
ohne  Hilfsquellen,  ohne  Schaz,  ohne  Armee;  die  kirchlichen  Ange. 
legenheiten  lagen,  wie  die  staatlichen,  tief  darnieder.  —  Juan  de 
juÄU  de  ^ngfriQ  ^  Sohn  Philipp's  IV.,  und  der  Schauspielerin  Calderona,  trat 
(II.)  naturgemäss  an  die  Spize  der  nationalen  Partei.  Er  war  geboren  am 
7.  April  1629.  Im  Jahre  1647 '  übernahm  er  die  Führung  der  spa- 
nischen Truppen  in  Italien,  und  brachte  die  (unter  Masaniello)  abge- 
fallenen Neapolitaner  wieder  zum  Gehorsam.  In  den  Jahren  1652 — 
1664  hatte  er  die  Leitung  des  Krieges  gegen  die  Franzosen  und  die 
aufständischen  Catalonier.  Im  Jahre  1656  übernahm  er  die  Führung 
deb  Krieges  in  den  spanischen  Niederlanden  gegen  die  Franzosen. 
Anfangs  glücklich,  erlag  er,  als  Marschall  Turenne  ihm  gegenüber  trat; 
am  14.  Juni  1658  verlor  er  die  Schlacht  bei  Dunes.  Auch  sein  Feld- 
zug in  Portugal  endete  mit  einer  schweren  Niederlage.  Nach  Philipp's 
Tode  musste  er  zuerst  der  Regeutin  weichen.  Die  Intriguen  des 
P.  Nithard  brachten  es  dahin,  das  er  nach  Consuegra  verbannt  wurde. 


')  Erzbischöfe  von  Toledo  seit  Bart.  Carranza,  f  2.  Mai  1576,  waren:  157G, 
October,  Cardinal  Caspar  de  Qairoga,  f  20.  November  1594;  Albert,  von  Oester- 
reich,  l&d5,  3.  April  —  resignirte  9.  Juli  1598;  1598,  18.  Angust,  Garcia  Loaysft 
Giron,  f  22.  Febroar  1599;  1599,  23.  Juni  von  JaSn  transferirt  der  berühmte  Car- 
dinal Bernard  Sandoval  y  Bozas,  f  7.  Decembar  1618;  1620,  5.  Mai,  Ferdinand  II., 
Infant  von  Spanten,  Cardinal,  im  Jahre  1620,  beständiger  Administrator  des  £rz- 
bisthums,  starb  in  Brüssel  am  9.  November  1641;  Balthasar  Moscoso  wurde  g^leicb- 
falls  von  JaSn  transferirt  am  7.  Oetober  1646. 

*)  Er  trat  ein  am  3.  März  1666,  und  f  am  28.  September  1677,  worauf  der 
Cardinal  Portacarrero  folgte. 

')  Nithard  war  bis  zu  seinem  14.  Jahre  Lutheraner  gewesen.  —  Historia 
general  de  Espafia  (v.  Marianä),  ilustrada  con  notas  historicas  y  criticas  y  nnevas 
tablas  cronologicas  y  criticas  hasta  la  muerte  del  rey  D.  Carlos  IlL,  p.  D.  «Tb^r 
ISabau  y  Blanco,  Madrid,  1817  —  22.  —  20  t.  in  4«.  —  (t.  20,  p.  3). 


D.  Jaan  de  Aastria,  der  Jüngere.  289 

Da  er  aber  anch  hier  von  der  Regentin  bennrnhigt  wurde,  so  flüchtete 
er  nach  Saragossa.    Dort   Hessen  sich  die  Stadenten  und  verschiedene 
Einwohner  za  Ezcessen  gegen  die  Jesniten  fortreissen,  um  den  Justiz-  ^p.  Nit- 
mord  eines  Aragoniers  Namens  Josö  Malladas,  Agenten  des  D.  Juan,  D^juan 
zu  rächen.    Man   behauptete,   die  Königin  habe  ihn   heimlich   durch  ^'^^•' 
eine  Garrotte  hinrichten   lassen,   ohne  ihm   kaum  Zeit  zur  Beicht   zu 
lassen,  und  mit  oder  ohne  Grund,  wurde  P.  Nithard  beschuldigt,  dazu 
gerathen  zu   haben.    D.  Juan   selbst  klagte  in   seiner  Vorstellung   an 
die  Königin  —  von  Torrejon  aus   —  4.  März   1669   —   den   Bischof 
von  PIasen9ia,  Diego  Valladares,   Präsidenten  des  Raths  von  Castilien 
und  Creatur  des  P.  Nithard,    dieses  Mordes   an').  —   um   die  Fort- 
schritte des  D.  Juan   zu  durchkreuzen,   wurde   die  Inquisition   gegen 
ihn   aufgeboten.    In   einem  Briefe   sollte  er  kezerische  und   staatsge- 
fährliche   Ansichten    ausgesprochen    haben.     Ein    kleiner    unblutiger 
Burfferkriefi:  spielte  sich   ab.     D.  Juan   rückte   mit   seinen  Leuten   bis  ^"'*^°**' 
Torrejon   de  Ardoz,   drei  Ijeguas   von  Iqlaaria,   vor.    Bei   seiner  An-    gei. 
uähernng  eihob  sich  Madrid  gegen  die  Fremden.     Die  Regentin  mühte  ^'^®^' 
sich  ab,   ihren  Beichtvater   in  seiner  Stellung  zu  erhalten.    Vergebens 
versuchte    der   päpstliche    Nuntius    eine    Vermittlung    zu    Stande    zu 
bringen').    Endlich  entschlossen   sich  einige  Granden,   in   dem  Rathe 
der  Regentin   auf  ihre  Trennung  von  ihrem  Beichtvater  hinzuarbeiten. 
Allerlei  Reden  liefen  um,   dass  z.  B.  P.  Nithard  zu  den  Granden  ge- 
sagt: Habt  Achtung  vor  mir,   der  ich  Gott   in  meinen  Händen,   und 
die  Konigin   zu   meinen  Füssen  habe.     Der  Rath   der  Königin   stellte 
ihr  also  die  Nothwendigkeit   einer  Trennung   von  P.  Nithard  vor:  die 
Obern  der  Gesellschaft  Jesu  ermahnten   ihn   zur  Nachgiebigkeit,   weil 
sie  selbst  unter  der  gespannten  Lage  litten. 

Man  fürchtete  Angriffe  des  Volks  auf  den  P.  Nithard;  der  Car- 
dinal von  Aragon  führte  ihn  in  seiner  eignen  Chaise  aus  Madrid  fort 
—  23.  Februar  1669.  Man  bot  ihm  verschiedene  Pensionen  und  Ge- 
schenke an;  er  entgegnete:  »Als  armer  Religiöse  bin  ich  gekommen, 
ebenso  will  ich  das  Land  verlassen^  ^.  Die  Königin  ernannte  ihn  zum 
ausserordentlichen  Gesandten  in  Rom,   und  bat  für  ihn  mit  Beharr- 


')  Semanario  eradito  qae  compreheDde  varias  obras  ineditas  criticas  morales, 
inatructivas,  politicas,  histöricas,  satirioas  y  jocosas  de  nnestros  mejores  antores  an- 
tiguoB  y  modemol^  dalos  a  luz  D.  Ant.  de  Valladares  y  Sotomayor.  Madr.,  1784 
-  1791,  34  voL  4\  —  t.  IV,  p.  Ö7  sq.  p.  168.  —  t  X,  p.  244  sq.  —  t.  XIV,  p.  16. 

*)  Papat  Clemens  IX.  habe  seinem  Nuntins  geschrieben,  den  P.  Nithard  zu 
bewegen,  Madrid  freiwillig  za  verlassen,  sagt  «7.  Sabau,  Mariana' 8  Fortsezer,  Hi- 
storia  general  de  Espafia,  t.  19,  Madr.  1821,  p.  20;  p.  24  —  der  Papst  habe  aber 
auch  an  D.  Juan  geschrieben,  sich  der  Königin  za  unterwerfen. 

';  Semanario  eradito,  IV,  p.  235.    Sabau,  XIX,  p.  26. 

Oabm«  wftoi.  Klrehe,  IIL  S.  19 


290  Dreizehntes  Bnch.    Neuntes  Kapitel. 

lichkeit  um  den  für  einen  Spanier  vorbehaltenen  Cardinalshut,  den  er 
im  Jahre  1672  erhielt.  Der  General  seines  Ordens  aber  habe  ihn  bei 
seiner  Ankunft  in  Rom  mit  einiger  Härte  empfangen,  da  er  die  ibo^ 
gegebenen  Mahnungen,  er  möge  durch  seine  Einmischung  in  die  Poliül^ 
die  Gesellschaft  Jesu  nicht  compromittiren,  in  den  Wind  geschlagen  habq 


§.  2. 

D.  Juan  d'Austria  wurde  im  Jahre  1669  Vicekonig  von  Ara- 
gonien,  welche  Stellung  seinem  Ehrgeize  eine  Zeit  lang  genügte.  Anj 
7.  Juni  (1669)  war  er  kühn  genug,  an  Papst  Clemens  IX.  zu  schrei^ 
ben,  er  möge  den  P.  Nithard  zwingen,  allen  seinen  Aemtern  zu  enti 
sagen.  Im  Jahre  1675  ernannte  ihn  die  Königin  zum  Vicekonig  allei 
Besizungen  Spanien's  in  Italien,  u.  a.,  um  ihn  so  aus  Spanien  zu  enti 
fernen.  Es  gelang  nicht.  Der  Beichtvater  und  der  Erzieher  CarFs  III 
überredeten  diesen,  er  möge,  wenn  er  mit  15  Jahren  grossjährig  gej 
worden,  seinen  Oheim  D.  Juan  als  Bathgeber  annehmen').  D.  Jua 
durfte  zwar  nach  Madrid  kommen,  sollte  aber  sogleich  über  Barcelon 
nach  Sicilien  abreisen.  ^ 

D.  Juan  verzögerte  seine  Abreise.     Am  9.  November  1675  sollt^ 

D.  Cur.  D,  Carlos  11.   die  Regierung  antreten.     Dieser  schrieb  dem  D.  Juanj 

Küniff,  er  möge  in  Spanien  bleiben.    Der  junge  König  wurde  in  der  nächste^ 

ifi75.    Zeit  durch  die  Partei  seiner  Mutter   und  des  D.  Juan  hin-  und  herj 

gezerrt.    Am    27.  December  1676  schrieb  er  dem  Vicekonig  von  Araj 

gonien,   er  möge   nach  Madrid  kommen,   und   ihn   mit   seinem  Kath 

unterstüzen«    Die  Königin  Mutter  schrieb  gleichzeitig  an  D.  Juan  eine 

sehr  freundlichen  Briefe).     Mit  grossem   Heeresgefolge  machte  siel 

D.  Juan  im  Januar  1677  auf  den  Weg.    Am  14.  Januar  1677  gab  dei 

König  seiner  Mutter  zunächst  Hausarrest  im  königlichen  Palast. 

MarquiB  gj^  hatte  ciueu  Mann  ihres  Vertrauens,  Fernando  de  Valenzuela 

Valen  -  • 

sueia.  aus  dem  niedersten  Stande  zum  Granden  erster  Klasse  von  Spaniel 
erhoben.  Die  Granden  wie  das  Volk  murrten,  und  fanden  es  unbe 
greiflich  ^  wie  sie  nach  den  Vorgängen  mit  P.  Nithard  wieder  dii 
öffentliche  Meinung  reize.  Die  Granden  riefen:  „Venezuela  ist  Grande 
O  tempora,  o  mores!  —  Er  war  aber  auch  erster  und  einziger  Mi 
nister.  Es  regnete  Satiren  und  Pasquille  in  Rede,  Schrift  und  Bil 
gegen  die  Regentin  und  ihren  Günstling.  Der  Marquis  Valenzuela 
führte  den  jungen  König  in  allerlei  Vergnügen  und  Zerstreuungen  ein 
u.  a.  in  das  Vergnügen  der  Jagd.     Carlos  IL  wurde  vermocht,   eine 


•)  Sahau,  XIX,  p.  79. 
»)  Sabau,  p.  100. 


Der  HarqniB  Valenznela;  D.  Joan  rächt  sich.  291 

Haftbefehl  gegen  ihn  zn  erlassen,  als  Valenzuela  sich  im  Escorial  be- 
fand. Antonio  de  Toledo,  Sohn  des  Herzogs  von  Alba,  nnd  der  Herzog 
von  Medina  Sidonia  wurden  mit  200  Reitern  abgesandt.  Valenzuela 
flüchtete  sich  durch  den  Garten  in  das  Kloster,  und  bat  den  Prior 
nm  ein  sicheres  Versteck.  Hier  erkrankte  er,  nachdem  man  ihn  ver- 
gebens gesucht.  Der  gerufene  Chirurg  verrieth,  troz  geleisteten  Eides, 
das  Geheimniss  dem  Ant.  de  Toledo.  Dieser  brach  am  22.  Januar 
wieder  im  Kloster  ein.  Valenznela  wurde  ergriiBfen,  und  in  das  Schloss 
von  Consuegra  gebracht.  Später  wurde  er  in  einem  Castell  in  Cadiz 
strenge  eingeschlossen.  Als  Staatsgefangener  wurde  er  nach  den  Phi- 
lippinen abgeführt.  Auch  sein  Weib,  eine  Deutsche,  und  seine  Kinder 
wurden  in  ein  Nonnenkloster  zu  Talavera  eingeschlossen.  Niemand 
durfle  mit  ihnen  reden. 

Der  Papst  Innozenz  XI.  (1676 — 1689)  excommunicirte  auf  Klagen 
des  Priors  diejenigen,  welche  den  Valenzuela  den  geweihten  Räumen 
des  Klosters,  welches  das  Asylrecht  hatte,  entrissen.  Die  Schuldigen 
baten  nm  die  Absolution,  welche  ihnen  der  Nuntius  Meilini  mit 
grosster  Feierlichkeit  unter  den  Thoren  der  Kirche  des  „Kaiserlichen 
Colegio**  ertheilte. 

Am  23.  Januar  kam  D.  Juan  mit  Carlos  II.  in  Buen-Retiro  zu-  d-  Juan 
sammen.  D.  Juan  aber  erschöpfte  sich  in  Handlungen  kleinlicher  ^/{q. 
Rachsucht.  Durch  Decret  vom  27.  Januar  liess  er  den  Valenzuela  i<ci>. 
aller  V^ürden  und  Ehrentitel  entkleiden.  Dann  confinirte  er  die  Königin 
b  Toledo,  und  gab  ihr  den  Alcazar  zur  Wohnung.  Bald  verglich 
man  ihn  mit  Valenzuela  und  P.  Nithard,  ja  gab  diesen  noch  den  Vor- 
zug, weil  sie  keine  so  unbändige  Rachsucht  an  den  Tag  gelegt,  und 
Kachsicht  und  Schonung  gegen  D.  Juan  bewiesen,  obgleich  er  die 
Konigin  stets  kränkte  und  beleidigte.  j^Die  grossen  Hoffiiungen,  die 
man  anf  ihn  gesezt,  zerflossen,  wie  der  Rauch. ^  Die  fremden  Ge- 
sandten behandelte  er  mit  Geringschäzung^).  Vergebens  strebte  er 
nach  dem  Titel  eines  Infanten,  der  ihm  nicht  zukam,  und  hofBte,  nach 
des  Königs  kinderlosem  Tode  selbst  einst  den  Thron  zu  besteigen. 
Den  jungen  König  wollte  er  allein  in  seiner 'Hand  haben,  und  hielt 
ihn  in  einer  Art  von  Gefangenschaft.  Man  nannte  ihn  „den  Sohn 
einer  miserablen  Comödiantin^.  Auch  gegen  ihn  regnete  es  Pasquille 
jeder  Art.  Sein  Stolz  war  sehr  gereizt,  und  er  liess  seinen  Zorn  an 
einigen  Granden  aus,  denen  er  ohne  Beweis  die  Angriffe  auf  ihn  zu- 
schrieb. Auf  blossen  Verdacht  hin  wurde  der  Admiral  von  Castilien, 
der  Herzog  von  Ossuna,  der  Ffirst  von  Stilano,  der  Marquis  von  Man- 
sera   und  der  von  Mondejar,   die  Grafen  von  Humanes  und  Aguilar, 


')  Er  bot  ihnen  bei  Audienzen  nicht  einmal  Size  an. 

19* 


292  Dreizehntes  Bach«    Neuntes  Kapitel. 

und  mehrere  andere  verbannt,  wobei  man  harter  verfuhri  als  es  je  von 
Seiten  der  Königin  geschehen  war.  So  wurde  ihre  Regentschaft  sogar 
zurückgesehnt.  Den  Grafen  Monterrey  liess  er  nach  Catalonien 
schicken,  weil  der  König  Wohlgefallen  an  ihm  hatte.  Auch  gegen 
den  Nuntius  und  den  Papst  kehrte  D.  Juan  die  rauhe  Seite  heraus ; 
auch  der  Nuntius  Mellini  durfte  weder  in  der  Wohnung  noch  in  dem 
Secretariate  des  D*  Juan  auf  einem  Stuhle  sich  niederlassen,  und 
unterzog  sich  dieser  Demüthigung.  D.  Juan  sah,  dass  der  Klerus  ihm 
überhaupt  abgeneigt  sei,  und  bezahlte  ihn  mit  gleicher  Abneigung. 
Dem  Nuntius  zürnte  er  besonders  wegen  der  Vorgänge  nach  der  Ver- 
haftung des  Valenzuela. 

„Die   mindern  Brüder^   vom   heiligen  Franc.   Garacciolo   wollten 
^®^'    zur  Wahl  eines  Provinzials    schreiten.    Der  Nuntius   proterirte   einen 

flikte 

mit  dem  Caudidateu,  während  der  Präsident  von  Castilien  einem  andern  Vor- 
Nnnüng.  gcl^ub  leistete.  In  dem  s.  g.  Vertrag  mit  dem  Nuntius  Fachineti  vom 
Jahre  1640  war  bestimmt,  dass  sich  die  Nuntien  nicht  in  die  Re- 
gierung, also  auch  nicht  in  die  Wahl  der  Vorsteher  der  Orden  mischen 
sollten.  Der  Präsident,  damals  Domherr  Juan  de  la  Fuente  von  To- 
ledo, sandte  dem  Nuntius  eine  königliche  Gedula,  die  ihm  verbot, 
dem  Wahlkapitel  anzuwohnen.  Der  Nuntius  wollte  nicht  gehorchen. 
(In  der  That  war  die  Convention  mit  Fachineti  in  Rom  verworfen 
worden).  Man  legte  ihm  nun  eine  Strafe  von  1000  Thalern  auf,  offen- 
bar eine  Beleidigung  gegen  den  Papst.  Der  Nuntius  klagte  beim 
Papste  und  König.  D.  Juan  widerrief  kurz  vor  seinem  Tode  die 
Strafe,  und  Carlos  II.  schrieb  einen  sehr  demüthigen  Brief  an  den 
Papst.  Aber  nicht  zufrieden  mit  dieser  Genugthuung,  verlangte  der 
Nuntius  die  Absezung  des  Präsidenten  von  Castilien,  und  dass  dieser 
in  Person  die  Absolution  bei  dem  Papste  nachsuchen  solle.  Der 
Herzog  von  Medinaceli,  der  Nachfolger  D.  Juan's  als  erster  Minister, 
weigerte  sich,  dem  Nuntius^  so  weit  nachzugeben.  Doch  wurde,  be- 
sonders aus  politischen  Gründen,  in  einer  hiefur  eingesezten  Junta  die 
Absezung  und  Verbannung  des  Präsidenten  von  Castilien  beschlosstn 
—  12.  April  1680.  Er  wurde  aber,  troz  des  Andringens  des  Nuntius, 
nicht  zur  Busse  nach  Ilom  geschickt^). 

D.  Juan  war  seinem  Sturze  nahe,  als  ihn  der  Tod  ereilte.  Die 
Königin  Mutter  sollte  u.  a.  wieder  an  den  Hof  zurückkehren.  Der 
König  sagte  zu  den  Gegnern  D»  Juan's:  „Es  bedeutet  wenig,  da^s 
D.  Juan  (der  Rückkehr  der  Verbannten)  sich  widersezt,  ich  will  es^ 
und  das  genügt^  ^).     D.  Juan   sah  mit  bitterm  Herzen   seinen  Stern 


•)  Sabau,  XIX,  p.  174-176.  —  Vic.  de  La  FuenU,  V,  p.  511—512. 

')  ImportH  poca,  queD.  Juan  se  opooga;  yo  lo  qniero  y  bssta.  Sabctu^  p.  VA. 


D.  Joanne  Fall  und  Tod.    Cardinal  Nithard.  293 

erbleichen.  Alle  Verbannten  kehrten  zurilck.  Es  wurde  berathen,  wie 
man  den  D.  Juan  von  der  Leitung  der  Geschäfte  entfernen  konnte. 
D.  Juan  erkrankte  lebensgefährlich. 

Am  7.  September  1679  erfahr  der  König,  dass  D.Juan  rettungs- 
los verloren  sei.  Er  sandte  den  Cardinal  Portocarrero ,  ihn  zu  be- 
suchen und  zu  trösten.  D.  Juan  war  aber  gottergeben,  und  tröstete 
selbst  die  Freunde,  die  um  ihn  waren.  Mit  der  grössten  Andacht 
empfing  er  die  heiligen  Sacramente.  Der  König  besuchte  ihn  wieder- 
holt.  Er  starb  am  17.  September,  an  demselben  Tage,  wie  sein  Vater,  d.  Juan 
er  starb  mit  den  Worten:  »Ave  maris  Stella".  Er  wurde  feierlich  im 
Escorial  begraben,  sein  Herz  aber  (nach  seinem  Wunsche)  in  der 
Kapelle  del  Pilar  in  Saragossa  beigesezt. 

„Die  Fremden,  (sagen  u.  a.  Sabau  und  F.  Fiiente)  haben  vielfach 
seine  Tugenden,  seine  Talente,  seine  Geschicklichkeit  in  der  Kunst 
des  Krieges  und  der  Regierung  gerühmt.  Sie  stellen  ihn  uns  (Spaniern) 
dar  als  einen  Helden  von  einer  grossen  Seele,  edlen  Gesinnung,  und 
als  den  lezten  der  grossen  Männer  der  Dynastie  Habsburg.  Diese 
Lobspräche  scheinen  übertrieben  zu  sein.  In  Portugal,  Neapel  und 
Flandern  gab  er  wenige  Proben  seiner  Geschicklichkeit.  In  Spanien 
gab  er  sich,,  so  lange  er  an  der  Spize  der  Geschäfte  stand,  nur  mit 
iDtrignen  des  Hofs  ab,  und  die  öffentliche  Verwaltung  in  allen  Zweigen 
kam  herab,  so  dass,  wenn  er  zum  Unglück  länger  an  der  Gewalt  ge- 
Mieben,  er  die  Nation  sicher  zu  Grunde  gerichtet  hätte.  Er  starb, 
i^on  seinen  Freunden  wenig  bedauert,  und  verwünscht  von  seinen 
Feinden.  So  kam  es,  dass  P.  Nithard  zehn  Jahre  nach  seinem  Sturze, 
und  dass  selbst  Yalenzuela  dem  D,  Juan  vorgezogen  wurde '). 

P.  Nithard  wurde  auf  Andringen  der  Königin  Mariana  Erzbischof  p  ^^^^ 
von  Cäsarea,  Cardinal  im  Jahre  1672,  und  starb  als  solcher  zu  Rom  ^^'^^r 
am  30.  Januar  16S1,  73  Jahre  alt.  Seine  Bibliothek  vermachte  er  dem 
Colleginm  der  Jesuiten  zu  Linz.  Verschiedenes  an  ihm  wird  gelobt, 
n.  a.  dass  er  den  Streitigkeiten  und  der  Abneigung  der  Universitäten 
Castilien's  gegen  die  Gesellschaft  Jesu  ein  Ende  machte.  Statt  die 
l  niversität  von  San  Isidro  in  Madrid  auf  Kosten  der  andern  zu  för- 
lero,  suchte  er  die  übrigen  Hochschulen  zu  heben,  gründete  an  ihnen 
tixe  Lehrstühle  für  die  Schule  des  Snarez,  und  dotirte  sie  auf  dem- 
M  Iben  Fusse,  wie  es  Philipp  III.  und  der  Herzog  von  Lerma  auf  den 
Uochscbulen  von  Salamanca,  Valladolid  und  Alcala  in  Betreff  der 
^ehule  des  heiligen  Thomas  gethan.  —  An  Nithard  wird  ferner  der 
Gehorsam  gerühmt,  mit  dem  er  nach  seiner  Ankunft  in  Rom  den 
Weisungen   seiner  Obern   sich   unterwarf.     In   Spanien  gab   er  einige 


')  Sabau,  XIX,  p    1  —  157.  —  La  Fuente,  V,  p.  506—512. 


294  Dreizehntes  Buch.    Neuntes  Kapitel 

Schriften   über   die   unbefleckte  Empfängniss   und  verwandte  Materien 
heraus^).  ^ 

§.  3. 

In  seinem  Testamente  hatte  Philipp  lY.  verordnet,  dass  seine 
Wittwe  die  ganze  Regierung  des  Reichs  in  Händen  haben  sollte,  bis-  sein 
Nachfolger  das  14.  Lebensjahr  zuriickgelegt  hätte.  Am  6.  Novembe  1675 
übernahm  Carlos  IL  die  Regierung.  Seine  Mutter  sollte  von  da  an,  nach 
dem  Testamente,  jährlich  300.000  Thaler  „Nadelgeld^"  erhalten.  Wollte 
sie  sich  freiwillig  in  irgend  eine  Stadt  des  Königreichs  zurückziehen,  so 
sollte  sie  die  Verwaltung  und  Gerichtsbarkeit  über  diese  Stadt  nebst 
ihrem  Gebiete  erhalten.  Freiwillig  verliess  die  Konigin  Madrid  nicht 
im  Jahre  1675;  sie  wurde  entfernt  Sie  lebte  zu  Toledo  nnd  Aran- 
EDdeder  jQ^2    und  kehrte  zu  Lebzeiten  D.  Juan's  nicht  zu  ihrem  Sohne  znrück. 

Königin  '*         ^ 

Mariana.  Als  D.  Juan  am  17.  December  1679  gestorben,  ging  ihr  der  König 
entgegen,  und  empfieng  sie  am  27.  September  zu  Aranjuez.  Am 
folgenden  Tage  zogen  Mutter  und  Sohn  unter  vielen  Beifallsrufen  in 
Madrid  ein;  die  Stadt  wurde  drei  Tage  beleuchtet.  Diess  war  der 
Triumph  einer  Fürstin,  die  eine  Reihe  von  Jahren,  ja  während  der 
ganzen  Zeit  ihrer  Regentschaft,  so  gründlich  und  so  allgemein  gehasst 
war.  Sie  nahm  ihren  Wohusiz  in  dem  Schlosse  „Buen-Retiro^,  -wo 
sie  die  Begrüssungen  entgegennahm*). 

Als  bald  darauf  Carl  IL  heirathete ,  zog  sie  sich  am  26.  No- 
vember 1679  in  den  Palast  der  (königlichen)  Räthe  zurück.  Sie 
überlebte  die  erste  Gemahlin  ihres  Sohnes,  und  erlebte  noch  dessen 
zweite  Vermählung.  Sie  starb  nur  vier  Jahre  vor  ihrem  Sohne,  am 
16.  Mai  1696. 

Erste  Gemahlin  Carl's  U.  war  D.  Maria  Loube,  älteste  Tochter 
Philipp's,  Herzogs  von  Orleans,  Bruders  Ludwig's  XIV.  von  Frank- 
reioh.  Sie  zählte  17  Jahre  ^.  Sie  reiste  über  Irun  und  Boi^os,  vro 
Carl  sie  erwartete^}.    Der  feierliche  Einzug  in  Madrid   war  erst    am 


*)  Sie  stehen  bei  BcLcker^  Bibliographie,  t  IV  (der  Mhern  Ausgrabe), 
p.  46Ö— 470. 

Relation  des  difförends  arrivös  en  Espagne  entre  D.  Juan  d'Antridie  et  le 
Cardinal  Nithard,  j^nite.  Paris,  1676;  Cologne,  1677.  2  tom.  —  F.  Bovhours, 
(S.  J.),  Belation  de  la  sortie  d*  Espagne,  du  F.  Everard  Nitard,  Jösaite,  Confessear 
de  la  reine;  en  espagnol  et  en  fran^ais.,  Paris,  1699.  —  Eggs^  Purpura  docta,  L  VI, 
p.  508—514. 

*)  Florez,  II,  p.  966  —  alli  redblo  los  besamanos. 

')  Aus  AnlasB  der  Vermählung  sagt  Florez:  „Der  Christlichste*'  (Ludwig) 
tanzte  mit  der  nKatholischen"  (Mar.  Louise).  II,  p.  974. 

*)  In  Bnrgos  sohaute  die  Königin  zum  erstenmale  „Stiere*  (*Grefechte),  nnd 
sie  „manifestirte  dabei  viel  Vergnügen*'  —  la  Beyna  manifestö  mucho  placer,  sagt 
sogar  ein  Mann,  wie  FhreZy  0,  p.  975. 


Marie  Lomse,  erste  Gemahlin  GarPs  If.  295 

13.  Januar  16^.  Nach  all'  den  tranrigen  Erlebnissen  eines  ganzen 
Jahrhanderts  mit  seinen  Königen  und  Koniginen  jubelte  das  Volk  in 
seliger  und  unsäglicher  Freude  den  Neuvermählten  entgegen,  als  sollte 
der  Himmel  jezt  sogleich  auf  diese  Erde  herabsteigen ,  und  bleibend 
sich  auf  ihr  niederlassen.  Voraus  zogen  sechs  Trompeten  und  mit 
martialischen  Tonen  verkündeten  sie  dem  ganzen  Volke  Frieden  und 
Freude.  Es  folgten  die  Alcalden  „des  Hofes''  (Madrid) ,  alle  auf 
schonen  Rossen,  aber  in  modemer  Tracht.  Ei^  folgten  eine  grosse 
Zahl  Ritter  der  Kriegsorden ,  die  Edlen  des  königlichen  Hofes ,  die  ^*'  ^^' 
Titelträger  und  Granden,  welche  mit  einander  an  Pracht  der  Bedienten,  7  arte 
der  Livreen  und  Galakleider  rivalisiiien.  Es  folgten  die  Beamten  des  ^^^•®* 
königlichen  Marstalles,  und  des  der  Königin,  welche  der  Königin  voraus- 
giengen,  die  auf  einem  reichen  und  schönen  Zelter  ritt;  die  Schleppe 
trugen  die  Regidoren  von  Madrid.  Die  Oberkammerfrau  folgte  auf 
einem  Maulthier,  ebenso  die  Ober- Schlüssel -Dame,  dann  das  statt- 
liche Gefolge  der  Ehrendamen  der  Königin,  alle  auf  reich  geschmückten 
Zeltern');  jede  hatte  ihr  zur  Seite  zwei  Reiter,  ihre  Verwandte.  Es 
kam  die  grosse  Zahl  der  Palast- Bediensteten  u.  s.  w.^). 

Die  Geschichte  Spanien's  zeigt,  dass  nach  dem  Maasse  des  ab- 
nehmenden Wohlstandes  und  National- Reichthums  der  Luxus  und  die 
Verschwendung  zunimmt.  Diese  Pracht-Entfaltung,  diese  Verschwen- 
dung ist  eine  der  spanischen  National-Ejrankheiten'). 

Die  Königin  war  liebevoll  gegen  das  Volk,  und  wurde  von  ihm 
geliebt.  Ihre  Frömmigkeit  war  gross;  wenigstens  zweimal  in  der 
Woche  beichtete  und  communicirte  sie.  «Das  Reich  war  aber  ohne 
einen  Thronfolger,  und  alle  seufzten  darnach,  dass  Gott  ihn  schenken 
möge.  Ein  Jahr  vergieng  und  wieder  vergieng  ein  Jahr,  und  er  wurde 
nicht  geschenkt^).  —  Sie  gieng  einem  frühen  Tode  entgegen.  Als  sie 
ihr  nahes  Ende  fühlte,  sagte  sie  zu  dem  Prior  an  der  Kirche  von 
Ätocha:  „Padre,  es  ist  heute  der  lezte  Tag,  dass  wir  uns  hier  sehen.^ 
So  war  es.     Gottergojben   sah   sie  dem  Tode   entgegen;   sie  sprach  zu 


')  Der  Einzug  Alfons  XII.  and  der  Donna  Mercedes  am  23.  Januar  1878 
war  ziemlich  nach  demselben  Zuschnitte  arrangirt. 

')  Deren  es  im  Jahre  180S  noch  2000  waren. 

')  Sempere  y  Ouarinos,  Historia  del  Luxo  de  Espafia,  Madr.,  1788,  2  t.— 
TicknoT'Julius,  I,  p.  291.  Ticknor-Wolf,  p.  188:  „the  Conde  de  Andero,  who  is 
Supraintendiente  de  Lis  Rentas,  declares  he  is  not  able  to  find  money  for  his 
Majestys  siibsistence  (aus  einem  Briefe  Madrid  d.  26.  Mai  1698). 

*)  Ein  Dichter  sang  damals: 

Paris,  bella  Flor  de  Lis 
£n  afliccion  tan  estrafia: 
Si  paris,  paris  k  Espa&a 
Si  no  paris,  k  Paris. 


296  Dreizehntes  Buch.    Nenntes  Kapitel 

ihrem  Beichtvater:  „Ich  befinde  mich  im  guten  Frieden^  und  bin  sehr 
erfreut  zu  sterben.^  Sie  erreichte  nicht  das  28.  Jahr  ihres  Lebens,  und 
starb  am  12.  Februar  1689,  zum  tiefsten  Leide  alles  Volkes,  indessen 
einziger  Trost  es  war,  dass  der  Konig  Nachkommenschaft  haben  werde 
von  einer  zweiten  Gemahlin** ').'  Schon  im  April  1G90  heirathete  Carl  II. 
seine  zweite  Gemahlin  D.  Mariana  von  Pfalz -Neuburg.  Auch  diese 
zweite  Ehe  war  kinderlos,  und  keine  Seitenlinie  war  da,  welcher  die 
Krone  Spanien's  zufallen  musste^). 


§.  4. 

In  der  Eirchengeschichte  des  Spaniers  Vio.  de  La  Funkte  findet 
man  ein  Kapitel  (Bd.  V,  §.  175):  ,,Die  Behexung  CarPs  II.«').  Ganz 
Madrid,  ja  ganz  Spanien  glaubte  nicht  anders,  als  dass  Garlos  II. 
durch  eine  ihm  angethane  Behexung  durch  die  französische  Partei 
kinderlos  geblieben  sei.  Schon  der  Herzog  von  Olivares  war  der  Be- 
hexung beschuldigt,  und  dieser  Behexung  die  Unfruchtbarkeit  der 
Königin  Elisabeth  schuldgegeben.  Je  „mehr  die  Nation  ihrem  Verfalle 
entgegengieng,  und  die  kirchlichen  Studien  in  einen  leeren  Casuismus 
ausarteten,  verbreiteten  sich  solche  abergläubige  Meinungen,  die  man 
auf  Stellen  der  heiligen  Sohrül  stfizte,  welche  man  willkührlich  aus- 
legte, und  auf  die  Aussagen  von  Schriftstellern ,  von  denen  die  einen 
die  andern  citiren"*). 

Der  Canonicns  Sabau  beschuldigt  den  Cardinal -Erzbischof  von 
Toledo,  Portocarrero,  und  den  General -Inquisitor  Bocaberti,  Erzbischof 
von  Valencia,  dass  sie  dieses  Gewebe  von  Lügen  angezettelt,  ^welches 
bloss  in  einem  Lande  von  Wilden  mit  einigem  Ernste  habe  können 
aufgenommen  werden.''  Man  behauptete,  der  Konig  sei  behext;  er 
habe  die  Dämonen  in  seinem  Leibe,  und  seine  Gegner  haben  ihn  in 
diese  klägliche  Lage  versezt*).  Der  P.  Froylan  Diaz*),  neuer  Beicht- 
vater des  Königs,  habe  diese  Idee  adoptirt.    Er  Hess  den  Konig  durch 


I 


•)  Fhrez,  Reynas,  II,  p.  971—983. 

•)  Ibid.  II,  p.  984—995, 

('  Hechizamiento  de  Carlos  II. 

*)  F.  Puente,y,  p.  516. 

*)  8cU>au- Mariana,  XIX,  p.  393—394.  La  Fuente  dagegen  sagt,  es  sei 
schwer  zu  glauben,  dass  ein  solcher  Diplomat  und  KirchenfÜESt,  (wie  Portocarrero) 
an  Hexen  geglaubt  habe.    V,  p.  518. 

')  Nach  dem  Sturz  des  P.  Nithard  bekleideten  Dominikaner  diese  Stelle. 
Den  ersten,  P.  Reluz  aus  Salamanca  —  führte  D.  Juan  d*  Aastria  ein.  Er  wurde 
abgesezt,  nahm  aber  das  Bisthnm  Avila  nicht  an.  An  seine  Stelle  kam  P.  Bayona, 
Professor  in  Alcala  —  1684;  nach  ihm  kam  P.  HatilUi  (Semanario  emdito,  t  XIV,  p.  55). 


HexereieD;  Auflaufe  der  grossea  TheaerunK*  297 

einen  deutschea  Kapuziner  F.  Maurue  Tenda^)  exorciairen.  Die  schreck- 
lichen Anathemas  9  die  schaurigen  Vorrichtangen  za  ^eser  heiligen 
Ceremonie  flössten  dem  Konige  die  tiefste  Melancholie  ein,  welche  ihn 
inuerlich  verzehrte;  seine  geistige  Niedergeschlagenheit  schwächte  die^*^*  "• 
Kräfte  seines  Leibes,  und  führte  ihn  dem  Grabe  entgegen^ ^).  Der 
französische  Gesandte  bediente  sich  dieser  Lage  der  Dinge  iur  seine 
Pläne^  und  streute  reiche  Ströme  von  Gold  unter  das  Volk.  Die  Königin 
Hess  den  Beichtvater  verbannen,  vergebens  ^).  Unter  dem  Verwände  der 
grossen  Theurung  wurde  ein  Aufstand  in  Scene  gesezt.  Das  Volk  erhob 
vor  dem  Palaste  des  Königs  drohenden  Lärm,  nur  die  französische  Partei 
befand  sich  in  dem  Geheimnisse.  In  Strassen  und  Häusern  wiederhallte 
der  Ruf:  ^Es  lebe  der  König;  es  sterben  jene,  die  ihn  betrügen.^ 
König  und  Königin  verbargen  sich.  Der  König  sollte  sich  auf  dem 
Balcon  zeigen.  Man  entschuldigte  ihn,  sagend:  „Der  König  schläft.^ 
Der  Pöbel  rief:  „Er  schläft  schon  lange;  es  ist  endlich  Zeit,  dass  er 
aufwache.^  Endlich  musste  er  sich  dem  Volke  präsentiren  und  fragte, 
was  es  wolle?  Sie  riefen:  Brod  wollen  wir.  Sie  wurden  an  den  Grafen 
Ovopesa,  Verwalter  der  Proviantvorräthe,  verwiesen.    Wuthend  langten 


*)  Der  Name  klingt  nicht  deutsch. 

')  Sabau,  XIX,  p.  394. 

')  Nach  Mcdüla  wurde  der  Dominikaner  Froilan  Diaz,  ProfeBSor  in  Alcala, 
ßeichtvater,  der  mit  seinen  Ezorcismen  in  gntem  Glauben  handelte.  Auf  Betreiben 
der  Königin  worde  auch  er  entlassen,  (es  gieng  das  Gerücht,  dass  sie  den  König 
behext  habe)  und  der  Provincial  des  Ordens  P.  Nicolaus  Torres  Padmota^  wurde 
Beichtvater  des  Königs.  Verfolgt  von  dem  neuen  Grossinquisitor,  dem  Bischof 
Mendoza,  flüchtete  der  P.  Froilan  nach  Bom.  Aber  Hendoza  erlangte  es^  dass  der 
königliche  Hof  ihn  von  dort  reclamirte.  Er  wurde  von  Bom  als  Gefangener  nach 
Mnrcia  geschickt.  Aber  die  dortige  Inquisition  erklärte,  es  sei  kein  Grund  zu  seiner 
Verhaftung  da.  Mendoza  liess  ihn  nun  nach  Madrid  bringen,  wo  er  drei  Jahre  in 
dem  Kloster  des  heiligen  Thomas  von  Aquin  confinirt  war.  Die  französische  Partei 
hatte  sich  seiner  bedient ,  und  liess  ihn  dann  fallen.  Der  Grossinquisitor  aber, 
immer  mehr  gereizt,  wollte  sich  an  allen  Bäthen  de  Ui  Suprema,  die  sich  der  Ver- 
haftung Froilans  wldersezt,  rächen,  liess  drei  derselben  ergreifen  wegen  Mangels  an 
Bespekt  gegen  ihn;  zwei  liess  er  pensioniren,  und  verbannte  den  dritten.  Der 
Bath  ,de  ia  Suprema*  klagte  gegen  seinen  Präsidenten.  Es  wurden  verschiedene 
Junten  gehalten.  Zulezt  wurde  die  Entacheidttng  am  24.  December  1703  dem 
obersten  Bathe  von  Gastilien  übergeben.  Dieser  beschloss  vollzählig  und  einmüthig : 
es  Bei  das  Vorgehen  des  General -Inquisitors  notorisch  ungerecht,  nichtig  und  ge- 
waitthätig.  Der  Bischof  Mendoza  musste  erliegen;  als  er  nicht  freiwillig  gieng, 
zwang  ihn  Philipp  V.  im  Jahre  1705  zu  gehen.  Er  kehrte  in  sein  Bisthum  Segovia 
zurück.  Er  starb  erst  im  Jahre  1727,  und  wenigstens  ihn  hat,  wie  so  manchen 
Andern,  die  königliche  Ungnade  das  Leben  nicht  gekostet  Er  war  vielmehr  „der 
Decan"  der  Bischöfe  Spanien*s  seiner  Zeit.  —  Nach  seiner  Absezung  brachten  ihn 
dio  Inquisitoren  in  ihr  Verzeichniss  der  Personen,  welche  der  Häresie  verdächtig 
wären.  Llorente,  l'histoire  de  T Inquisition,  chap,  26,  t.  II,  p.  5'i5  — 526,  chap. 
39—40  (t.  IV,  p.  1-46;  s.  oben,  S.  88). 


298  Dreizehntes  Bach.    NennteB  Kapitel. 

sie  bei  seinem  Haase  an,  plünderten  und  verwüsteten  es;  mit  Mühe 
rettete  Oropesa  sein  Leben.  Als  200  Reiter  in  Madrid  einzogen ,  zer- 
stob der  Pöbel  nach  allen  Winden.  Aber  auch  die  Häuser  der 
Minister,  die  als  Anhänger  Oesterreich's  galten,  waren  geplündert 
worden.  Insulten  wurden  gegen  die  Königin  und  den  Beichtvater 
des  Königs  ausgestossen.  Die  Anstifter  der  Bande  aber  erlangten, 
was  sie  wollten;  der  Graf  von  Oropesa  und  der  Admirat  von  Casti- 
lien,  welche  als  Häupter  der  österreichischen  Partei  galten,  wurden 
vom  Hofe  verwiesen. 


§.  5. 

Carl  II.  Portocarrero,  jezt  Führer   der  französischen   Partei,   gewann   die 

i^bea.  Oberhand.  Es  gelang  ihm'  aber  noch  nicht,  des  Königs  Zuneigung  zu 
Oesterreich  zu  überwinden.  Er  schlug  einen  sehr  schlauen  Weg  ein. 
Er  machte  den  König  glauben,  dass  ein  so  delicates  Geschäft,  wie 
die  Wahl  eines  Nachfolgers,  durch  den  Papst  entschieden  werden 
müsste,  und  dass  hiebei  sein  Seelenheil  in  Gefahr  stehe.  Carl  11. 
sandte  den  Grafen  Uceda  nach  Rom.  „Obgleich  ich,^^  sagte  der 
König,  „meinem  Stammhause  zugethan  bin,  so  ist  doch  mein  ewiges 
Heil  in  meinen  Augen  kostbarer,  als  alle  Familienbande^  ^).  Scheinbar 
mit  Widerstreben  nahm  Papst  Innozenz  XH.  (1691  — 1700),  von  dem 
man  glaubte,  dass  er  dem  Hause  Oesterreich  abgeneigt  sei^  diese  An- 
gelegenheit an,  und  überwies  dieselbe  den  Gardinälen  Albano,  Espi- 
nola  und  Espada,  welche  alle  drei  Frankreich  ergeben  waren.  Nach 
einer  Verhandlung  von  40  Tagen  gaben  sie  ein  Frankreich  günstiges 
Gutachten.  So  entschied  auch  der  Papst,  welcher  u.  a.  an  Carl  II. 
schrieb :  „Eurer  Majestät  kann  es  nicht  unbekannt  sein ,  dass  die 
Söhne  des  Dauphin  von  Frankreich  die  legitimen  Erben  der  Krone 
^®'  (Spanien's)  sind,  und  weder  der  Erzherzog  (Carl),  noch  irgend  ein 
soll  eni-  Individuum  des  Hauses  Oesterreich  darf  ihnen  das  mindeste  Hinder- 
schei-  Qies  in  (Jen  Weg  sezen.  Je  wichtiger  diese  Thron -Nachfolge  ist, 
um  so  schmerzlicher  wäre  die  Ungerechtigkeit,  die  legitimen  Erben 
auszuschliessen ,  und  dadurch  die  göttliche  Rache  auf  Euer  Haupt 
herabzuziehen'^ '). 

Diese   Entscheidung  —   war   iür   den   ebenso   furchtsamen,    als 
religiösen   König   —   entscheidend.     Der  Staatsrath  wurde   zu  Käthe 


')  Annqne  afectö  a  mi  casa,  mi  salvaoion  etema  es  k  mis  ojos  mas  preeiosa 
qae  todos  los  vincalos  de  mi  familia.  Es  giebt  in  der  Geschichte  einen  Carl  den 
Dicken  und  einen  Carl  den  Einfältigen.  D.  Garlos  II.  ist  zugleich  Carl  der  Ein- 
filtige  IL 

*)  Atrayendo  sobre  vuestra  fronte  la  vengansa  Celeste. 


Testament  CarPs  II.  299 

gezogen,   nnd   sprach   sich  in  seiner  Mehrheit  für  das  Haus  Bourbon 
aus.    Nur  zwei  von  den  Stimmberechtigten  schlugen  zur  Losung  des 
Problems  die  Berufung  der  Cortes  vor.    Aber  seit  1665  hatte  es  keine 
Cortes  mehr  gegeben.      Wie   sehr   war   in   Spanien   Alles   zurückge- 
gangen seit  den  Zeiten  des  berühmten  Compromisses  von  Caspe  (1412?^) 
Unter  diesen  Eindrücken^  und  mit  Zurücksezung  der  Königin  nnd  der 
österreichischen   Partei   formulirto    Carl   IL   sein    (drittes)   Testament, 
worin  er  das  Haus  Oesterreich  ausschloss  und  die  Krone  von  Spanien 
dem  Hause  Bourbon   vermachte.     Eine   ganze   grosse  Nation   wurde,  nteSpa- 
ohne  vorher  im  Mindesten  gefragt  worden  zu  sein,  testamentarisch  ver-  krank- 
macht, und  sollte  von   nun   an  Gut   und  Blut  für  das  Haus  Bourbon    "*ch 
verschwenden  und  versprizen.    Es  war  mit  Buthen  geschlagen  worden,  „^^t^ 
68  wurde  nun  mit  Scorpionen  gezüchtigt. 

Da  wir  einer  vollendeten  Thatsache  gegenüber  stehen,  so  wollen 
wir  hier  auf  die  rechtlichen  Ansprüche  des  Hauses  Oesterreich  und 
Bayern  nicht  eingehen.  Ohnedem  entschied  nicht  das  Testament,  son- 
dern die  Waffen  zu  Gunsten  Ludwig's  XIV.  Wenn  aber  auch  der 
Erzherzog  Carl  als  Carl  UL  den  Thron  von  Spanien  bestiegen,  so 
hätte  er  doch  nach  dem  &ühen  Tode  seines  Bruders  Joseph  I.  nach 
Oesterreich  zurückkehren,  und  Spanien  hätte  einen  neuen  König 
suchen  müssen. 

Daa  Testament  Carl's  IL  ist  aus  Madrid  vom  21.  October  1700 
datirt*).  Am  26.  October  trat  ein  neuer  schwererer  Krankheitsanfall  des 
Königs  ein.  Am  29.  October  wurden  für  den  Fall  seines  Ablebens 
als  Mitglieder  der  Kegentschaft  —  der  Cardinal  Portocarrero,  die 
Präsidenten  der  Käthe  von  Castilien,  Aragon,  Italien  und  Flandern, 
D.  Manuel  Arias,  der  Herzog  von  Montalto,  der  Marques  von  Yilla- 
franca,  der  Graf  von  Monterey,  und  der  mehrerwähnte  Generalinquisitor 
Balthasar  Mendoza  gewählt.  Später  kamen  noch  die  Grafen  von  Bena- 
vente  und  Frigiliana  dazu.  Die  Königin  erlangte  nichts,  als  einfaches 
Stimmrecht  im  Staatsrath.  Die  Beschlüsse  sollten  gemäss  der  Mehrheit 
der  Stimmen  gefasst  werden.  Aus  ihrer  Verbannung  sollten  die  Grafen 
von  Monterey,  von  Banos,  der  Admiral  von  Castilien,  der  Herzog  von 
Montalto,  der  Graf  von  Oropesa  zurückkehren.  Lezterer  aber  war 
dem  Cardinal  unbequem,  und  er  hintertrieb  seine  Znrüekberufung.  Am 
1.  November  1700  starb  Carl  II.  im  Alter  von  39  Jahren,  sanft  und 
gottergeben.  Er  wurde  beklagt  von  seinem  Volke,  dessen  Lasten  er 
stets  zu  erleichtern  strebte,  dessen  Abgaben  er  verminderte.  Hätten 
nicht  die  Eaiege  ihn  verhindert,  dem  Drange  seines  Herzens  zu  folgen, 


')   Janer,  El  Gompromiso  de  Gaspe,  Madrid,  1851. 

^  Es   Bteht    vollständig    bei    Sdbau ,   Testamento    de   Garlos    IL,    XIX, 
p.  401—424. 


n 


^  Dreizehntes  Buch.    Neuntes  Kapitel. 

so  hätte  er  unvergleichlich  mehr  zum  Besten  seiner  ünterthanen 
ToUbracht,  die  er  wie  seine  Kinder  liebte.  «Edel,  wie  das  Hans 
Oesterreich«  (nobile,  como  la  Casa  d'Austria)  ist  ein  altes  Sprüch- 
wort in  Spanien.  Carl  II.  hat  sicher  dazu  beigetragen,  es  zu  erbalten, 
oder  in  Gang  zu  bringen'). 


§.   6. 

Wie  stand  es  aber  mit  der  Geschichte  der  Kirche  Spanien's  in 
der  Zeit  von  1665 — 1700?  Es  stand  so,  wie  wir  oben  gesehen,  oder 
auch  nicht  gesehen  haben.  Die  wenigen  Miserabilien ,  die  wir  gehört 
haben,  die  Geschichte  mit  dem  P..  Nithard,  mit  dem  Nuntius  Mellini, 
mit  dem  gewaltsamen  Einbruch  in  den  Escorial,  mit  den  wechselnden 
Beiohtvätern  des  Königs  und  der  Konigin,  bilden  die  Kirchengeschichte 
dieser  Zeit.  Ausser  diesem  weiss  auch  Fuente  nur  noch  von  den 
„hundert  Klagen  oder  Processen"  des  Erzbischofs  Jacob^Palafox  (1685 
—  1701)  von  Sevilla.  Diese  hundert  „pleitos^'  sind  so  kleinlich  und 
unbedeutend,  dass  wir  über  sie  hinweggehen.  Es  war  ein  allgemeines 
Darniedcriiegen  des  geistigen,  auch  des  kirchlichen  Lebens  in  dieser 
Zeit.  Es  waren  kleinliche  Streitigkeiten,  welche  auch  innerhalb  der 
Kirche  geführt  wurden. 

Selbst  die  sonst  so  blühende  Literatur  schien  in  dieser  Zeit  aus 
dem  zerfallenden  Spanien  auswandern  und  im  Ausland  ein  Asyl  suchen 
zu  wollen.  Gewiss  ist,  dass  die  beiden  bedeutendsten  Werke  dieser 
Zeit  in  Rom  erschienen. 


')  Suite  des  particolaritös  arriväes  k  la  cour  d'Espagne,  depuis  le  16.  No- 
vembre  de  Tan  167f),  Gologne,  1678.  —  M^moires  de  la  oour  d'Espagne  (par 
3fiim  d'Ätdnoy),  Paris,  1690,  2  vol.  12*.  —  Memoirs  of  Spain,  during  the  reign  of 
Philipp  IV.  and  Charles  II.»  from  1621  to  1700,  by  J.  Dunlop,  Edinb.,  1834,  2  vol. 
in  8*.  —  L'Espagne  depuis  le  rhgne  de  Philippe  11.  jusqu'a  ravönement  dea 
Bourbons,  par  Ch.  Weiss,  Paris,  1844,  2  voll,  in  8*.  —  Lord  Mahon  (Gni  Stan- 
kope)^  Spain  ander  Charies  IL,  2.  Ausg.  —  Lond.  1844.  —  Eistoria  general  de 
Espafia,  por  J.  Mariana  ^  Continuacion  de  las  tablas  chronologicas  desde  el  anno 
16*55,  hacta  el  de  1700,  p.  D.  JosS  Sabau  y  Blanco,  tom.  XIX,  Madr.  1821, 
p.  1— 4U0.  —  Mignety  Franc,  Mar.  Äug,,  Nögociations  relatives  a  la  sncoession 
d'Espagne  bous  Louis  XIV.  oü  Gorrespondances,  m^moircs  et  actes  diplomatiques 
concemant  les  prätentiös  et  ravönement  de  la  maison  de  Bonrbon  an  trone  d'Es- 
pagne;  accompagnös  d*un  texte  historique  et  pr^^d^  d'une  introduction.  —  4  vol. 
in  4%  Paris,  1836—1814.  (Ist  ein  Theil  der  „Coliection  de  documents  inödits  sur 
rhistoire  de  France*'.) 

^  „Los  cien  pleitos  del  Arz.  Palafox  in  Sevilla,  V,  p.  512—514.  Er  hatte 
besonders  Streit  mit  seinem  Dekan  und  Kapitel. 


NicolaoB  Antonio.  301 


§.  7. 

w 

Nicolaus  Antonio,  geb.  zu  Sevilla  am  28.  Juli  1617,  studirte  in  Sala-* 
manca  besonders  Oeschichte  und  canonisches  Hecht«  Nach  seiner  Rückkehr 
nach  Sevilla  —  lebte  er  wie  vorher,  im  Benedictinerkloster,  angezogen 
darch  die  reiche  dort  befindliche  Bibliothek,  ohne  jedoch  selbst  in  den 
Orden  einzutreten.  Erst  im  Jahre  1659  trat  er  mit  der  Schrift:  „Ueber 
die  Verbannung  als  Strafe')  hervor.  Philipp  IV.  sandte  ihn  in  dem- 
selben Jahre  als  seinen  ersten  Geschäftsträger  nach  Rom.  Dass  er 
entschiedener  Regalist  (d.  i.  antiromisch)  wurde,  ipag  zum  Theil  daraus 
sich  erklären.  In  Rom  war  er  an  20  Jahre.  Er  sammelte  dort  eine 
Biblioiliek,  besonders  spanischer  Werke,  die  gleich  nach  der  vaticani- 
sehen  genannt  wurde.  Um  das  Jahr  1679  kehile  er  nach  Madrid 
zurück,  wo  er  noch  mehrere  ehrenvolle  Aemter  bekleidete,  und  da- 
selbst am  13.  April  1684  starb.  Im  Jahre  1649  begann  er  an  seinem 
grossen  Werke  der  „spanischen  Bibliographie'^  zu  arbeiten.  Er  ar- 
beitete daran  zu  Sevilla,  zu  Madrid  und  besonders  zu  Rom.  Zu  seinen 
Lebzeiten  wurde  nur  derjenige  Theil  seines  Werkes  gedruckt,  welcher 
später  „Bibliotheca  nova'^  hiess.  Sie  enthalt  die  Biographien,  besonders 
die  Werke  und  Ausgaben  der  Werke  der  spanischen  Schriftsteller, 
welche  in  den  Jahren  1&00-— 1672  gelebt  und  geschrieben  haben.  Das 
Werk  ist  alphabetisch  geordnet,  aber  nach  der  spanisch- portugiesischen 
Unsitte,  nicht  nach  den  Familiennamen,  sondern  nach  den  Taufnamen. 
Wer  also  einen  Schriftsteller  finden  wiU,  muss  seinen  Taufnamen 
wissen.  Das  Werk  selbst  aber  ist  ausgezeichnet;  ja  es  ist  fraglich, 
ob  die  Literatur  irgend  eines  andern  Volkes  vor  dem  Jahre  1672  ein 
ähnliches  Werk  aufzuweisen  hat.  Dass  aber  jezt  206  Jahre  verflossen 
sind,  ohne  dass  in  Spanien  ein  Fortsezer  dieses  Werkes  aufgestanden 
wäre,  das  presst  uns  den  Ausruf  ab:  O  tempora,  o  mores! 

Die  Bibliotheca  Hispana  nova  erschien  zu  Rom  1672  2  t«  — 
fol.  —  Erst  zwölf  Jahre  nach  dem  Tode  des  Antonio  erschien  gleich- 
falls in  2  t.  2*  „die  Bibliotheca  vetus^.  Dieselbe  enthält  die 
spanischen  und  auch  die  portugiesischen  (etwa  1300)  Schriftsteller,  von 
der  Zeit  des  Kaisers  Augustus  an  bis  zum  Jahre  1500,  nicht  alpha- 
betisch, sondern  nach  der  Zeitfolge  dargestellt  Dieses  Werk  wurde 
gleichfalls  zu  Rom  in  zwei  Folianten  gedruckt  —  1696,  besorgt  von 
Emmanuel  Marti  ^  Decan  von  Alicante,  auf  Kosten  des  Cardinais 
Aguirre,  Zöglings  und  Freundes  des  Antonio«  —  Hundert  Jahre  später 
erschien   eine,  neue  prachtvolle  Ausgabe  der  vier  Bände;    der   „alten 


*)  De  ezilio  sive  de  ezilii  poena  eznlumque  conditiotie  et  jaribnd.    Ant- 
werpen, 1659,  2\ 


302  Dreizehntes  Bueh.    Neuntes  KapiteL 

Bibliothek  darch  Pe/rez  Bayer,  mit  schäzbaren  Anmerkaogen  —  der  nenen 
Bibliothek,  durch  Sanchez,  PeUicer  nnd  Casalbom,  ohne  Anmerkungen, 
ohne  Fortsezung,  mit  den  Fehlem  und  Lücken  der  ersten  Ausgabe ') 
—  Madrid  1788  (nicht  1783). 

Alle,  die  sich  mit  spanischer  Geschichte  und  Literatur  beschäf- 
tigen, sind  zu  jeder  Zeit  an  dieses  herrliche  Werk  angewiesen;  sie 
stehen  aber  rathlos  da,  und  sind  auf  den  Sand  gesezt  bei  den  Schrift- 
stellern, die  nach  dem  Jahre  1684*)  geblüht  haben'). 

Das  Werk  Antonio' s:  „Censura  de  historias  fabulosas*'  gegen 
Hier.  Raman.  de  Higuera  und  seine  Nachfolger,  die  spanischen  j^Ge- 
schichtsbaumeister  des  sechszehnten  und  siebzehnten  Jahrhunderts, 
konnte  zu  Lebzeiten  des  Verfassers  noch  nicht  erscheinen.  Erst 
Gfreg.  May  ans  wagte  es  im  Jahre  1742  herauszugeben^).  Die  ganze 
Geschichte  dieser  Geschichtsbanmeister  hat  in  unsem  Tagen  erschöpfend 
behandelt:  Josi  Oodoy  de  Alcantara^  Historia  critica  de  los  falsos 
ühronicones.  Obra  premiada  por  voto  unanime  de  la  real  Academia 
de  la  Historia  y  publicada  ä  sus  expensäs.    Madrid  1868,  p.  343. 

„In  derselben  Zeit,  sagt  er  über  Nie.  Antonio^  als  er  im  Anblicke 
dieser  Sündfluth  von  Erdichtungen  ausrief:  Es  gibt  keinen  Hercules 
für  diese  Hydra  mit  so  vielen  Häuptern  —  war  er  (zu  Bom)  Agent 
der  Kanoniker  von  Sacro  Monte  in  Granada  ^)  in  Angelegenheiten 
ihrer  Bleitafeln.  Als  genauer  Kenner  der  römischen  Curie  leitete  er 
sie  und  gab  ihnen  Instructionen  über  die  Weise  ihres  Vorgehens  — 
und  empfahl  ihnen  besonders  die  Nothwendigkeit,  sich  auf  die  über- 
natürlichen Zeichen  zu  stüzen,  unter  denen  die  Entdeckung  der  Blei- 


')  Nur  die  Schriftsteller  von  1672—1684  werden  ans  dem  literarischen  Nach- 
lasse des  Antonio  beigefügt.  ^ 

^  Es  sind  etwa  8000  Schriftsteller  toq  1500—1681  aufgeführt. 

')  Leben  des  N»  Antonio^  von  May  ans  in  der  Vorrede  za  der  „Censara  de 
Historias  fabulosas",  Valenc,  1742.  Dasselbe  vor  der  neuem  Ausgabe  der  Biblio- 
theca,  t.  I^  Prologus,  p.  XIII— XX.  Musterhaft  sind  auch  die  Indioes  zu  der 
ersten,  besonders  der  zweiten  Bibliothek;  index  Cognominum  II,  p.  411—468  (wo- 
durch der  oben  erwähnte  Missstand  etwas  beseitigt  wird);  Index  Patriaram,  p.  469 
—500.  IIL  Ordinom  ecclesiasticorum  Secularium,  p.  501—506.  —  Regulariam  — 
507 — 526  (man  beachte  den  grossen  Unterschied  zwischen  Welt-  und  Ordenspries- 
tem).  V.  Munerum  ecclesiasticorum,  p.  527—530.  Munerum  Secularium,  p.  531—584. 
Materiarum,  p.  535—669.  —  Nach  23  Abtheilungen  oder  Zweigen  des  menschlichen 
Wissens  werden  hier  die  Schriftsteller  und  Titel  ihrer  Werke  angegeben.  —  Ticknor- 
Julius,  I,  p.  194—195  sagt:  „Es  ist  ein  Denkmal  des  Fleisses,  der  Gerechtigkeit  und 
der  Treue,  wie  es  selten  gefunden  wird.  Beide  Werke  zusammengenommen,  machen 
ihren  Verfasser,  ausser  allem  Zweifel,  zum  Vater  und  Ghrfinder  der  Qesehichte  der 
Literatur  seines  Vaterlandes.** 

*)  S.  Kirchengesch.  II,  p.  335  —  336. 

*)  Kirchengesch.  I,  p.  179  — 182. 


Der  doppelte  Nicolaas  Antonio.  303 

tafeln  geschehen.  Feind  der  Pseudo- Chronisten  und  Freund  der  Blei- 
tafeln von  Granada  zu  sein,  waren  Dinge ^  welche  sich  gleichmässig 
mit  der  Moral  des  N.  Antonio  vertrugen,  welche,  wenn  man  sie  nach 
dieser  Thatsache  beurtheilt,  allzuweitherzig  war^ ').  Es  scheint  über- 
haupt, dass  die  römische  „aria  cattiva"  (schlechte  Lnft)  einen  sehr  ver- 
schlimmernden Einfluss  auf  Geist  und  Herz  der  spanischen  Geschäfts- 
träger in  Kom  ausübte« 


*)  Ser  enemigo  de  los  cronlcones  y  protector  de  los  plomos  granadmos, 
eran  cosas  qne  parece  cabian  dentro  de  la  moral  de  don  l^icolas  Antonio,  que  k 
jazgar  por  este  hecho,  debia  de  ser  an  tanto  demaaiado  latitudinaria.  —  J,  Oodoy 
AlcarUara,  p.  278. 


Vierzehntes  Buch. 


Spanien  nnter  den  Bonrbonen  und  unter  der  Herr- 

scliaffc  der  Hevolntion. 

(1700-  1878.) 


Erstes  Kapitel. 


Spanien  unter  den  zwei  ersten  Boorbons  Philipp  V.  und 

Ferdinand  VI.  —  1700-1757. 

§.  1. 

Nach  dem  Ableben  Carl's  II.  wurde  sein  lezter  Wille  dem  Konige 
Ludwig  XIV.  mitgetheilt ,  und  dieser  erlaubte,  was  er  so  lange  ge- 
wniiscbt,  dass  sein  Enkel  Philipp,  HersTog  von  Anjou,  die  Krone  Spa- 
nien's  annehmen  dürfe.  Als  seine  Antwort  in  Madrid  eingetroffen 
war,  Hess  die  Regentschaft  Philipp  V,  als  König  ausrufen  —  24.  No- 
vember 1700.  Es  geschah  mit  der  grössten  Feier,  unter  dem  Zuströ- 
men des  Volks  aus  Nah  und  Fern,  das,  „fröhlicher  Hofi&iungeu  voll," 
wie  bei  jedem  Thronwechsel ,  den  alten  Konig  und  die  alte  Dynastie 
schleunigst  vergessen  hatte,  und  durch  die  Strassen  der  Hauptstadt 
den  Ruf  ertönen  Hess:  „Es  lebe  der  König  Philipp  V.'*  —  Spanien 
lag  zu  den  Füssen  des  „allerchristlichsten  Königs'^,  und  ,,e8  gab  keine 
Pyrenäen  mehr'^  Den  andern  Mächten  insinuirte  er,  sie  möchten 
seine  grosse  Mässigung  bewundirn,  in  der  er  zugegeben,  dass  die 
Kronen  Spauien's  und  Frankreich's  nie  auf  einem  Haupte  vereinigt 
würden.    Leopold   I.   von   Oesterreich   verlangte   von   den   spanischen 


Philipp  V.  in  den  Jahren  1700-1163.  805 

Statthaltern  in  Italien,  ^  dass  sie  seinen  Söhn  Carl  als  ihren  König  aü- 
erkennen  sollten,  aber  sie  erwiederten,  dass  sie  Philipp  V.  schon  ge- 
huldigt hätten.  —  Diese  Verwicklungen  führten  zu  dem  spanischen 
Erbfolgekrieg,  in  dem  Oesterreich',  England  und  Holland  durch  die 
Allianz  vom  7.  September  1701  gegen  Frankreich,  (Spanten),  Bayern 
und  Savoyen  kämpften. 

Am  4.  December  1700  reiste  Philipp  V.,   mit  seinen  Brüdern,    '^'* 
den  Herzogen  von  Burgund  und  Berry,  in  sein  Reich  ab.    Die  Prinzen  kommt 
begleiteten  ihn  bis  an  die  Grenze,  welche  Philipp  am  24.  Januar  1701    ^'^^ 
bei  Irun   überschritt  —  Am   17.  Januar  hatte  der  Graf  von  Harrach,  iA.Apri'i 
Oesterreich's   Gesandter   in   Madrid,   feierlich   gegen    das   Testament    ^''^^' 
Carl's  U.  protestirt,   da   er  zu  demselben  gezwungen  worden  sei,   wie 
Bein  Beichtvater   P.   Torres,   der  Generalinquisitor   und   die  Königin« 
Wittwe  bezeugten.    Philipp  V.  befahl,   dass   die  Königin -Wittwe  den 
Hof  vor  seiner  Ankunft  verlassen   müsse,   sowie   der  Beichtvater,   der 
Grossinquisitor,  die  Gesandten  von  Oesterreich  und  der  Churpfalz,  und 
einige  andere  Personen. 

Am  18.  Februar  empfingen  Portocarrero  und  viele  Granden 
Philipp  V.  in  Buen-Retiro.  Am  14.  April  zog  derselbe  mit  herkömm- 
lichem Pompe  in  Madrid  ein.  Er  bildete  seinen  Rath  aus  dem  Car- 
dinale,  aus  Manuel  Arias,  der  im  Jahre  1702  Erzbischof  von  Sevilla 
wurde,  und  dem  Franzosen  Harcourt,  welcher  alle  fi-ühem  Intriguen 
mit  Portocarrero  eingefädelt  hatte« 


§.   2. 

Philipp  V.,  geboren  den  19.  December  1683  zu  Versailles,  war 
der  zweite  Sohn  Ludwig's,  Dauphins  von  Frankreich,  und  der  Maria 
Anna  von  Pfalz  (-Bayern).  Philipp  hatte  (sagt  Siwiandi^)  sich  bisher 
nur  durch  seine  Sauftmuth  bemerklich  gemacht.  Er  hatte  wenig 
Fehler,  aber  auch  wenig  Togenden;  seine  Gesinnungen  waren  auf  dag 
llechte  gerichtet  und  ehrenwerth,  aber  sein  Charakter  entbehrte  der 
Energie  •  .  •  •  Er  zeigte  nur  Geschmack  für  die  Uebnngcn  der 
Frömmigkeit,  und  für  die  Jagd;  er  war  dazu  geschaffen,  um  regiert 
zu  werden,  und  er  wurde  regiert  sein  Leben  lang*). 

Diese  Schilderung  passt  eben  so  gut  auf  Philipp  V.,  wie  auf 
Philipp  III.,  zum  Theile  auch  auf  Philipp  IV.  Spanien  hatte  von  1698 
iux  vergebens  auf  einen  kräftigen  Regenten  gewartet.  Hätte  es  eines 
gewaltigen  Jäger's  bedurft,   so  war  ihm  mit   der  Person  Philipp*s  Y, 


')  Hi»toire  des  Francis,  31  vol.  8*.    Paris,  1821  — 1814« 
')  11  ötait  fait,  pour  etro  gonvern(^,  et  il  h  fut  toute  sa  vie. 

G«!ns,  npan.  Kirebe.  IlT.  9.  20 


306  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

vortrefflich   gedient.  —   Ludwig  XIV.  besorgte  für  seinen  Enkel  auch 

eine  Gemahlin   —   in   der  Person   der  Maria  Luisa  Gabriela,   Tochter 

des  Herzogs   von  Savoyen,    Am    ].  Mai    1701    wurde   der  Ehevertrag 

Die  Kö-  in  Madrid  verkündigt.     Am   3.   November   fand    die  Vermählung  zu 

Maria  Figucras   statt.     Im   Winter    1701  — 1702  weilte   das  Konigspaar  zn 

Luua   Barcelona,   von   wo   sich   Philipp  V,   am   8.  April  1702  nach  Neapel 

«la^*  einschifile.      Er   liess    die    Königin   als    Reichsverweserin    mit    einem 

Cabinetsrathe   zurück,   in   dem  natürlich  auch  Portocarrero  sass.    Der 

König  hatte   Cortes   zu   Barcelona  gehalten ;   die  Königin   sollte  jezt 

Cortes  zu  Saragossa  halten,  um  die  Klagen  der  eben  gehaltenen  Stande 

zu   beschwichtigen.     Die   Königin   selbst   präsidirte    den  Cortes,   aber 

eilte,  ohne  sie  zu  schliesscn,  nach  Madrid.    Dort  zog  sie  am  30.  Juni 

ein,  „unter  unaussprechlichem  Jubel  und  Freudenbezeugungen,  sowohl 

wegen  der  beständigen  Treue  und  Liebe  dieser  Bevölkerung  zu  seinen 

Königen,  wie  wegen  des  Wohlwollens  und  der  Anmuth,  welche  in  der 

Königin  herrschten"'). 

Der  Erbfolgekheg  erreichte  Spanien  erst  im  Jahre  1704.  Mit 
8000  Anglo-Holländem  landete  der  Erzherzog  Carl  in  Lissabon,  nach- 
dem auch  Portugal  zu  den  Gegnern  Ludwig's  XIV.  übergegangen  war, 
hoffend,  sich  einen  Theil  Spanien's  einverleiben  zu  können,  während 
eine  französische  Armee  unter  Marschall  de  Berwick  Philipp  V.  zu 
Hilfe  eilte.  Der  Feldzug  dauerte  nur  drei  Monate,  in  dem  die  Spanier 
stets  Sieger  waren.  Philipp  V.  theilte  alle  Gefahren,  wie  ein  einfacher 
Verlust  Officier.  Aber  die  Festung  Gibraltar,  in  welcher  nur  100  Spanier  lagen, 
Gibrai-  ßgj  durch  Ucberfall  dem  Admixal  Rook  in  die  Hände,  ein  bis  heute 
schmerzlicher  Verlust  für  Spanien,  das  nun  einen  äusserst  gefährlichen 
Nachbar  auf  seinem  Nacken  sizen  hatte,  den  es  nicht  mehr  abschütteln 
konnte^).  Im  Jahre  1705  wendete  sich  das  Glük  wieder  zu  Gunsten 
der  Feinde  Philipp's  V.^), 


§.    3. 

p«r-  Parteien  herrschten   am    Hofe    des   Königs,   der   seinem   Vorsaz 

♦«^«"    ungetreu   geworden   war,   nur   mit   Spaniern    sich   zu   umgeben.     Die 

Hofo.    Französin  Maria- Anna  de  Tremouille,  bekannter  als  Fürstin  von  Ursini^ 

erste  Palastdame    der    Königin,   bemächtigte   sich    des  jungen  Königs 

und   der   Königin   nur   zu   Gunsten  ihrer  Landsleute.     Da   Spanien's 

Finanzen  sich  in  einem  Zustande  der  Verzweiflung  befanden,  so  sollte 


*)  Florez,  Eeynas,  II,  p.  990. 

*)  Dem  Narvaifz  wird  der  Plan  zugeschrieben,  mittelst  eines  Canals  für  grosse 
Schiffe  —  Gibraltar  Aus  einer  Halbinsel  zn  einer  Insel  zu  machen. 
»)  Sabau,  t.  XX,  p.  1—76. 


Die  Üreini;  der  Cardinal  PortOdArrero.  307 

d(;r  Franzose  Orry  ihnen  auf  die  Beine  helfen.  Er  war  unbestechlich, 
trieb  aber  die  Sparsamkeit  bis  znr  äussersten  Härte.  Die  von  ihm 
versuchten  Reformen  verlezten  gar  viele  Interessen;  eine  neue  Kopf- 
stener  z.  B.  begegnete  so  grossem  Widerstand,  dass  man  auf  sie  ver- 
zichten musste. 

Die  Fürstin  Ursini  sah  ihren  Hauptgegner  in  dem  Cardinal 
Portocarrero,  und  arbeitete  an  seinem  Sturze.  Dieser  Politious  sah, 
wie  er  verdient,  diejenigen  als  seine  mächtigsten  Feinde,  die  er  mit 
aller  Energie  zur  einzigen  Macht  über  Spanien  erhoben. 

Nachdem  er  den  Hof,  wie  er  meinte,  von  der  Partei  Oester- 
reich's  ganz  gesäubert,  drängte  er  in  die  wichtigsten  Aemter  seine 
Freunde  und  Günstlinge,  und  gab  ihnen  Stellen,  denen  sie  nicht  ge- 
wachsen waren,  oder  die  ihrem  Charakter  nicht  entsprachen.  Die 
Fremden  stiessen  sich  an  diesen  Missgriffen,  und  theilten  ihre  Klagen 
auch  dem  Auslande  mit.  Allen  voran  die  Fürstin  Ursini*). 

Mit  Hilfe  des  Cardinais  gelang  es  ihr,  den  ihr  verhassten  Patri- 
archen von  Westindien,  der  Philipp  V.  getraut  hatte,  vom  Hofe  zu 
verbannen*).  Der  ^gute"  Cardinal  hatte  geglaubt,  dass  der  Wechsel 
der  Dynastie,  für  welchen  er  so  gewaltig  gewirkt  hatte,  für  ihn  selbst 
keinen  Wechsel  in  seiner  beherrschenden  Stellung  mit  sich  führen 
werde.  Aber  siehe  da!  „das  fremde  Weib",  die  Ursini,  hob  ihn  bei 
Hofe  aus  dem  Sattel,  warf  ihn  in  den  Sand,  und  zwang  ihn,  vom  Hofe  ^^^ 
nach  Toledo  sich  zurückzuziehen.  Diess  war  zwar  sein  Erzbisthum;  aber  n^i^nnd 
sein   Herzeleid,   sich   auf  es   zurückziehen    zu   müssen,    war   so  tief,     ^'* 

Für- 

als  tief  der  Fall  war,  den  die  Fürstin  Ursini  ihm  bereitet  hatte.  „Die  ltin\ 
französische  Camarilla",  sobald  sie  auf  Stufen  den  Thron  bestiegen, 
gab  einen  FNisstritt  air  denen,  auf  deren  Schultern  sie  zum  Thron 
emporgekommen ;  Portocarrero  und  der  Erzbischof  M.  Arias  „mussten 
sich  überzeugen,  dass  die  Zeiten  des  Cisneros  abgelaufen  seien".  Da- 
gegen kam  der  französische  Cardinal  d'Estrees,  Neffe  Portocarrero's, 
an  den  Hof,  um  in  Mazarin's  Fusstapfen  zu  wandeln,  und  mit  der 
Fürstin  Ursini  Streitfragen  der  Etikette  zu  lösen,  und  um  die  beiden 
Erzbischöfe  vom  Hofe  ferne  halten  zu  helfen« 


>)  S.  die  Correspondenz  des  eitlen  Franzosen  Lambille  au  Torcy,  citirt  bei 
Wiüicmi  Caxe^  Memoirs  of  the  kings  of  Spain,  of  the  hoose  of  Bourbon,  from  the 
accesslon  of  Philip  the  fifth,  to  the  death  of  Charles  the  third,  1400  —  1788,  drawn 
from  anpublished  docnments  and  secret  papers;  with  an  hietorical  introduction,  etc., 
Lond.,  1813,  vol.  4*.  —  (Lond.  1815,  5  vol.  in  8*.)  —  Eine  französische  BearbeitnDg 
von  Ändr.  Murid  erschien  zu  Paris,  1827,  5  vol.  8*^  sowie  eine  spanische  Bear- 
beitung unter  dem  Titel :  Historia  de  Espafia  biyo  el  reinado  de  la  casa  de  Borbon, 
por  Chuülermo  Caxe,  Madr.,  1816,  4  t.  —  ct.  T.  I.  p.  98. 

'}  Sie  nannte  ihn  in  einem  JBriefe:  mico  reqnitioo,  viejo  y  maligna. 

20* 


308  Vierzehntes  6aeh.    Erstes  ^pitel. 

Finanz-  Der  FinaozmanQ  Orry  warf  bald  seine  Blicke  auf  die  Gäter  der 

Kirche.  Sich  stüzend  auf  die  Ideen  des  Regalisten  Macanaz,  hielt  er 
es  für  erlaubt,  seine  Hände  nach  dem  Silber  der  Kirchen  auszastrecken. 
Auch  Ludwig  XIV.  gab  dem  französischen  Botschafter  seine  Anschau- 
ungen über  das  Kirchensilber  kund').  Vor  den  Folgen,  welche  diese 
Einziehung  selbst  für  den  Thron  des  Königs  haben  konnte,  zog  sicli 
Orry  scheu  zurück'). 

Das  Jahr  1706  verlief  sehr  unglücklich  für  Philipp  V.  Die  Ad- 
mirale  Leak  und  Showeil  führten  mit  den  furchtbarsten  Flotten,  welche 
England  und  Holland  je  einmal  vereinigt  hatten,  den  Erzherzog  Carl 
von  den  Ufern  des  Tajo  an  die  Küsten  von  Catalonien  —  September 
1705.  Eine  von  Lord  Peterborough  befehligte  Armee  nahm  Barcelona 
hinweg.  Hier  wurde  der  Erzherzog  als  König  von  Spanien  ausgerufen. 
Granz  Catalonien  unterwarf  sich  ihm.  Die  Königreiche  Valencia  und 
Aragonien  folgten  nach. 
Der  In  Valencia  hatte  der  extreme  Regalist  Melchior  Macanaz,  Inten- 

dant des  Königreichs  Aragonien,  die  kirchliche  Immunitat  in  jeder 
Weise  verlezt.  Selbst  die  Mönche  griffen  zu  den  Waffen,  und  rückten 
aus,  unter  dem  beifalligen  Spotte  der  englischen  Soldaten.  Der  Erz- 
bischof, Anton.  Folch  de  Cardona,  Franciscaner,  hatte  sich  früher 
Philipp  V.  zugeneigt,  und  den  Vicekönig  der  Untreue  gegen  Philipp 
beschuldigt.  Jezt  gieng  er  zu  dem  Erzherzoge  über,  was  spätei*  dem 
Cathedral-Kapitel  grosse  Verlegenheiten  bereitete.  Der  Erzbischof  selbst 
zog  sich  nach  dem  Siege  Philipp's  nach  Wien  zurück,  wo  er  im  Jahre 
1724  starb. 

Bei   der   schwankenden,   unklaren  Lage,    da  das   Recht  beider 
Competenten  bestritten  wurde,  kam  Alles   auf  den  äussern  Erfolg  an« 


»Res»- 

UsfMA 


*)  Instmctionen  an  den  Grafen  von  Mercin  bei  TT.  Coxe,  I,  p.  117.  Der  Erz- 
biachof  von  Sevilla  wurde  gegen  die  Einziehung  des  Kirchensilbers  bei  Hof  »vor- 
stellig'', Hess  aber  all*  sein  Tafelsilber  zerschlagen,  and  gab  es  dem  EOnig  in 
„klingender  MQnze'^. 

*)  Histoire  de  Tav^nement  de  la  maison  de  Bourbon  au  trone  d^Espagne,  par 
Targe,  Paris,  1772,  6  vol.  12'.  —  Mömoires  secrets  sur  T  Etablissement  de  la  maison 
de  Bourbon  en  Espagne,  extraits  de  la  correspondance  du  marqnis  de  Louisville, 
Paris,  1818,  2  vol.  8*.  —  Mömoires  militaires  r^latifs  k  la  succession  d^  Espagne 
sous  Louis  XIV.,  pr^c^öes  d'une  introduction  par  Migriet,  Paris,  1836  — l>^i2, 
4  vol.  4*.  —  Mömoires  militaires  rölitifs  k  la  succession  d* Espagne  sous  Louis  XIV , 
extraits  par  —  De  Vault,  publi^s  parPeZe^,  Paris,  1836—1862.  T.  I  ad  XI  m.  Atlas 
—  12  4*.  —  Sucesion  del  rey  Felipe  V.,  por  Arä.  de  Übila  y  Medina,  Madr,| 
1705,  2*.  —  Desengafio  de  Ignorantes,  Madr.,  1703  —  4'  (Schuzschrift  für  die  Rechte 
Philipp's  V.),  —  Epistola  pro  aug.  Hispaniarnm  monarcba  Philipp.  V.,  auct  Bis« 
cardi,  Neapoli,  1704  (gegen  die  AnsprQche  Oesterreich's).  —  L*  Espagne  triom- 
phante  sous  le  rögne  de  Philippe  V.,  par  N.  de  Fer.,  Paris,  1704.  —  Philipp  V.^ 
monarca  legitimo  delle  Spagne,  von  J.  A,  Castagnola,  Naples,  1704.  1*.  —  Da 
Philippo  V.,  potent.  Rege  Hispaniarnm  —  ed.  CaraccioH,  Neap.,  1704. 


I 


Krieg  im  Jahre  1706.  309 

Man  darf  sieb  desebalb  nicht  wondern,  wenn  man  in  dieser  Zeit  bei 
Generälen  wie  bei  Bischöfen  eine  ansichere  Haitang  findet.  Philipp  V* 
eilte  nach  Catalonien^  nnd  begann  im  April  1706  die  Belagerang 
Barcelona's ,  wo .  sich  der  Erzherzog  eingeschlossen  hatte.  Seit  fünf 
Wochen  waren  die  Lanfgräben  eröffnet,  und  eine  Flotille  unter  dem 
Grafen  von  Toulouse  occupirte  den  Hafen.  Es  gelang  aber  dem  Ad- 
miral  Leack,  die  auf  das  äusserste  gebrachte  Stadt  wieder  zu  ver- 
proviantiren,  und  die  Besazung  zu  verstärken.  Auch  hier  waren  es 
Priester  und  Mönche,  welche,  erbittert  gegen  die  Franzosen,  entweder 
selbst  kämpften,  oder  die  Kämpfenden  ermuthigten.  Philipp  musste, 
mit  Zurücklassung  seiner  Artillerie,  in  der  Nacht  vom  10.  Mai  1706 
abziehen.  Jezt  huldigte  auch  ganz'  Aragonien  dem  Erzherzoge.  Die 
Verbündeten  rückten  gegen  Madrid  vor,  und  besezten  es  am  25.  Juni. 
Philipp  floh  zu  der  Armee  Berwick's,  der  übrige  Hof  nach  Burgos.  Krieg 
In  Madrid  agitirte  ein  „fraile"  (Mönch),  Caspar  Sanchez,  besonders  *"Jj^* 
gegen  Philipp;  er  recrutirte  Schaaren  von  Migueletes  (Freiwillige)  gegen 
die  Franzosen.  Nach  der  Rückkehr  der  Truppen  Philipp's  —  Sep- 
tember 1706  leistete  er  mit  den  Seinigen  den  muthigsten  Widerstand  in 
dem  königlichen  Palast  und  wurde  zulezt  gefangengenommen').  Phi- 
lipp V.  befahl  am  7.  September,  man  solle  ihn  in  den  engsten,  feuchtesten 
und  ungesundesten  Kerker  werfen ,  dort  solle  man  einen  Käfig  machen, 
nnd  den  Armen  an  Händen  und  Füssen  in  Eisen  schlagen,  ihm  nur  das 
Aeusserste  von  Brod  und  Wasser  zur  Lebensfristung  reichen,  und  so 
ihn  unter  langsamen  Qualen  tödten.  Die  Spanier  sagen  mit  Recht, 
dass  ihre  Weise  der  Einrichtung  durch  die  Garrotte  mild  sei,  ver^ 
glichen  mit  französischer  Einsperrung^  zu  der  auch  Bischöfe  seien 
verurtbeilt  worden.  „Welcher  Unterschied  des  Betragens  Philipp's  IV., 
der  sich  weigerte,  den  berüchtigten  Fälscher  Molina  viertheilen  zu 
lassen,  um  nicht  Todesstrafen  zu  erfinden,  die  vorher  in  Spanien  un- 
bekannt waren**'). 

Die    Verbündeten .  hatten    auch    Toledo    besezt.      Der    Cardinal  P^to- 
Portocarrero  befahl,  dass  Carl  als  König  von  Spanien  ausgerufen  werde,  ^u^ 
und  Hess  seinen  Palast  beleuchten.    Er  sang  das  Te  Deum  in   seiner  oetier- 
Cathedrale,  und  gab   ein  glänzendes  Bankett.     Philipp  V.  hielt  es  für  "**'^'"' 
qut,  ihm  zu  verzeihen,  wegen  der  grossen  Dienste,  die   er  dem  Hause 
Bourbon  erwiesen,  indem  er  die  Demonstrationen  der  Freude  für  Carl 
dem    Verlangen   zuschrieb,    wieder   in    den  Besiz   der  Gewalt  zu   ge- 
langen.   Auch   die  Königin -Mutter,   deren   Neffe   der  Erzherzog   war, 
und  welche  in  Toledo  wohnte,   gab   ihrer  Freude   den   stärksten  Aus- 
druck.   Philipp   sehrieb   ihr   einen  höflichen  Brief,   und  bat  sie,   sich 


«)  Semanario  erudito,  t   VII,  p.  78,  t.  XXVI,  p.  61. 
»)  Fic.  de  La  Fuente,  t.  VI,  Madr.,  1875,  p.  12. 


310  Vierzehntes  Buch.   Erstes  Kspifel. 

_V'*  nach  Bayonne  zurückzuziehen.  Der  Herzog  von  Osuna  kam  mit 
wittna  200  berittenen  Gardisten,  nnd  führte  sie  nach  Frankreich,  anter  dem 
''^''  Vorwande,  dass  sie  so  den  Unruhen  des  Kriegs  entfliehen  werde.  Sie 
nahm  ihren  Aufenthalt  in  Bayone,  bis  sie  lange  nach  dem  Ende  des 
Kriegs  auf  Fürbitte  ihrer  Nichte,  der  Königin  Elisabeth,  nach  Spanidi 
zurückkehren  durfte,  erst  im  Juni  1739,  Im  Alter  von  72  Jahren 
starb  sie  zu  Guadalajara  —  am   16.  Juli  1740^). 

Der  Hof  kehrte   von   Burgos   nach   Madrid   zurück.     Auch   dii- 
Fürstin   Ursini,    damals    schon   66    Jahre   alt,    wurde  zurückberufen. 
Im    Februar    1703   hatte   sie    ihren    ,) alten   Freund"    Portocarrero   fre- 
stürzt  Fürchtend  den  Einfluss  des  Cardinais  d'Estrees,  Ludwig's  21 V. 
Gesandten   in  Madrid,   hatte   sie   seine  Stellung    so    geschickt   unter- 
graben, dass  er  selbst  bat,   nach  Frankreich   zurückberufen  zu  werden 
^ugen   —  September  1703.     Sie   wurde   aber   selbst  von   ihren  Feinden   am 
n.  Siege  Hofe  ZU  Versailles  scharf  angegriffen;  Ludwig  XIV.  wollte  sie  abberufen. 
**"n^'  Es  gelang  ihm  aber  nicht,  weil  ihr  Einfluss  auf  Philipp  V.  Übermacht  ig 
war.    Erst  nach  dessen  Abreise   zum  Kriege  an  die  Grenze  von  Por- 
tugal —  6.  October  1704   —   wurde   die  Ursini   abberufen  und   nach 
Italien  verwiesen.    Ihre  Freunde,   der  Cardinal  Noailles,   die  Herzog<* 
von  Villeroi  und  Harcourt^  sezten  es  durch,  dass  sie  in  Toulouse  Halt 
machen  durfte,    von  wo   sie   nach  Versailles  kam  —  Jan,  1705.    Da 
nach  ihrer  Entfernung  in  Spanien  Alles  in  Verwirrung  gericth,  so  bat 
man  sie  beinahe,   dahin  zurückzukehren,  —  und  sie  erhielt   eine    oflH- 
cielle  Sendung.    Sie  sezte  sogleich  durch,   dass  Orry  wieder  Finanz- 
minister  ,   der  Präsident  Amelot  franzosischer    Gesandter    in   Madrid 
wurde.    Sie  sezte  sich,  so  zu  sagen,  ihr  eigenes  Ministerium  zusammen, 
und  kam   als  „Regentin^   nach  Madrid   zurück.    Ihre  Rückkehr  nach 
Spanien    war    ein    beständiger    Triumphzug,      15.    Juni    —    August 
1706.     Ueberall  rief  das   Volk  ih^:  „Vivas**  zu.    Konig  und  Konigin 
eilten    zu    ihrem  Empfange    nach   Canillas   (zwischen   Valladolid   und 
Palencia).     Sie   kam,  sah,   und  siegte  nicht  mit  ihren  Intriguen  gegen 
die  Intriguen   ihrer  Feinde.     Sie  floh  mit  dem  Hofe   nach  Burgos  — 
1706.    Sie   suchte   den  Muth  des  Königs   und  der  Konigin  zu  heben, 
und   arbeitete   eifrig   mit  Orry  gegen   die  Ebbe   im  Staatsschatz.     Sie 
sezte   ein  Anlehen   auf  die  Güter   des   Klerus   und    manches  Andeic 
durch.    So   kehrte  sie   denn   auch   nach  Madrid   von  Burgos   zurück. 
Ihr  Einfluss  auf  den  König  und  die  Königin  war  so  dominirend,   dass 
im  Grunde  Alles   geschah,   was   sie   wollte.    Die   übrigen  Damen  am 
Hofe  der  Königin  waren   ihr   spinnenfeind,   sie   aber  sezte  es   durcli, 
dass  keine  am  Hofe  bleiben  durile,  welche  dem  Hofe  nicht  nach  Burgoi» 


»)  Florez,  Reynas,  II,  p.  995.  —  Sabau,  XX,  p.  127. 


DerKU- 
rui  im 


Die  Kriegsjahre  1706—1109.  311 

gefolgt,  obgleich  ein  solcher  Befehl  nicht  ergangen  und  die  Wege  Tom 
Feinde  besezt  waren. 


§.  4. 

I 

In  den  Jahren  1706 — 1709  zogen  Bischöfe  und  Priester  beider 
Parteien  in  den  Kampf,  doch  vorwiegend  die  Anhänger  Philipp's. 
In  dieser  Zeit  nahm  der  Bischof  von  Murcia,  Ludwig  Bdluga,  die  f«m«. 
Stadt  Orihuela  im  Sturme,  überlieferte  sie  der  Plünderung,  nahm  ihr 
alle  Privilegien,  und  entwaffnete  die  Einwohner.  Als  Elche  von  den 
Castilianern  eingenommen  wnrde,  mussten  Alle,  welche  sich  in  das  Fort, 
in  die  Kirchen  oder  Klöster  geflüchtet  hatten,  über  die  Klinge  springen. 

Am  9.  December  1706  starb  der  König  D.  Pedro  IL  von  Por- 
tugal, geliebt  von  seinem  ganzen  Volke,  nach  einer  Regierung  von  fast 
40  Jahren.  Ihm  folgte  sein  Öohn  Joao  V.  (1706  —  1730).  Im  Jahre 
1708  heirathete  er  die  Schwester  des  Kaisers  Joseph  L,  Maria  Anna 
von  Oesterreich^  und  man  hoffte,  dass  er  der  Sache  der  Aliirten  treu 
bleiben  werde*). 

Im  Jahre  1807 — 1808  wurden  Valencia  und  Aragonien,  zum 
Theile  Catalonien  für  Philipp  V.  zurückerobert.  Die  Castilianer,  auch 
die  Bischöfe  und  der  Klerus,  waren  und  blieben  seine  feste  Stüze.  Die 
Oesterreicher  wurden  hier  verhasst,  weil  die  mit  ihnen  verbündeten 
Engländer  und  Holländer  —  zugleich  einen  Krieg  gegen  Kirchen, 
Klöster  und  kirchliche  Personen  führten.  Das  englische  Geschwader,  Eiees«« 
welches  sich  des  Hafens  von  Santa  Maria  bei  Cadix  bemächtigt,  ]£ri«gff. 
Überliese  sich  den  grössten  Excessen;  Kirchen  wurden  geplündert,  und 
sogar  die  Gott  geweihten  Jungfrauen  angetastet  (1702)*).  Die  An- 
führer selbst  gaben  das  Beispiel  der  Brutalitat.  Obgleich  die  Anda- 
Insier  an  sich  den  Engländern  sich  zuneigten,  konnten  sie  doch  diese 
Angriffe  auf  die  Religion  nicht  in  Geduld  tragen,  und  erhoben  sich 
gegen  die  Alliirten,  welche  von  der  Rache  des  Landes  verfolgt,  sich 
kopfüber  wieder  einschiffen  mussten.  Für  den  (damals)  in  Italien 
weilenden  König  hatte  sich  die  Königin  an  die  Spize  gestellt.  Gar« 
dinal  Portocarrero  unterhielt  damals  auf  seine  Kosten  sechs  Schwadronen, 
der  Bischof  Cardinal  Salazar  von  Cordova  ein  Regiment,  der  von 
Murcia  zwei.  (Bischof  Blasius  Serrate  von  Tarazona  warb  seine  eignen 
Priester  als  Soldaten  an,) 

Als  die  Engländer  im  Jahre  1706  Castilien  besezt  hielten,  gaben 
sie  Anlass  zu  vielen  Klagen  wegen  Profanationen  der  Kirchen,  u.  a.  in 


«)  Schäfer,  Geschichte  von  Portugal,  V,  1854,  S.  167. 
»)  Wm.  Coxe,  I,  p.  176. 


312  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

den  Bisthümcrn  Sigoenza,  Guenca,  Osma  und  Toledo.  Aefanliches 
geschah  durch  das  Heer  der  Frauzosen,  in  dem  sich  viele  Protestanteo 
und  Juden  befanden. 


§.  5. 

Der  Conflikt  mit  Rom  hatte  schon  vom  Anfange  der  Kegierun<r 
Philipp's  V.  gedroht.  Per  den  Franzosen  so  gunstige  Papst  Inno- 
zenz XII.  war  am  27.  September  1700  gestorben,  einen  Monat  und 
vier  Tage  vor  Carlos  IL  In  dieser  kurzen  Zeit  und  im  Angesichte^ 
des  Todes  hatte  man  den  willenlosen  Konig  noch  dahingebracht,  von 
einem  der  abscheulichsten  Privilegien  Gebrauch  zu  machen,  welchem* 
sich  die  s.  g.  katholischen  Hofe  bei  Papstwahlen  angemasst  hatten. 
Er  gab  dem  Cardinal  Albani  die  s.  g.  „Exclusive^,  weil  er  im  Ye'r- 
dacht  stand,  österreichisch  gesinnt  zu  sein.  Aber  Carlos  II.  starU 
während  des  Conclave.  Mit  Recht  glaubten  die  Cardinäle  jezt  an 
seine  „Exclusive^  nicht  mehr  gebunden  zu  sein,  und  wählten  am 
21.  November  den  Cardinal  Albani  zum  Papste,  der  sich  Clemens  XI* 
nannte.  Der  Papst  konnte,  bei  dem  unsichern  Hin-  und  Herwogen 
des  Krieges,  besonders  in  Italien,  nicht  so  entschieden  auf  die  Seite 
Fhilipp's  Y.  treten,  als  dieser  es  beanspruchte.  Man  zeigte  sich  in 
Madrid  verstimmt.  Die  Oesterreicher  hatten  Mailand  und  Neapel 
(1708)  erobert,  und  drohten  in  den  Kirchenstaat  einzufallen,  wenn  der 
Papst  nicht  Carl  (IIL)  anerkennen  werde.  Der  Papst  befand  sich  im 
Gedränge^)  und  entschuldigte  sich  bei  Philipp  Y.  Obgleich  dieser 
die  Zwangslage  des  Papstes  einsah,  wollte  er  doch,  „um  seiner  Ehre 
pfai-    willen^,   mit  Rom  brechen.    Er   hatte  vorher   seinen  Beichtvater,   den 

Ifpp  V. 


briebt 


P.  Robinet,  und  andere  Theologen  um  Rath  gefragt,  und  diese  er- 
mit  klärten,  er  habe  das  Recht,  den  Gerichtshof  der  Nuntiatur  zu  schliessen, 
^^'  weil  derselbe  auf  Bitten  ^der  katholischen  Könige  errichtet  worden 
sei".  Durch  Decret  vom  22,  Februar  1709  wurde  der  Nuntius  ver- 
bannt, das  Gericht  der  Nuntiatur  geschlossen,  den  Spaniern  jede  Ycr- 
bindung  mit  Rom  verboten.  Eine  Junta,  bestehend  aus  Mitgliedern 
des  Staatsrathes  und  des  Raths  von  Castilien,  trat  in  Thätigkeit,  und 
beschäftigte  u.  a.  sich  damit,  ein  Sammelsurium  all'  der  Klagen  aufzu- 
sezen,  zu  denen  Rom  in  den  lezten  Jahrhunderten  den  Spaniern  Anlass 
gegeben,  namentlich  durch  Neuerungen  in  der  Kirchenzucht.  Aus  den 
Archiven,  besonders  dem  von  Simancas,  wurde  eine  grosse  Menge  von 
Documenten   hervorgezogen.     Selbst   die   im  Jahre    1713   aus  andern 


*)  M.  Picot,  MömoireB  pour  servir  k  rhistoire  eccl^iastique  pendant  Ic 
18  sitele.  3  Mitioo.  Paris,  1853,  t.  I,  p.  293-299. 


Ki'ieg  mit  Rom^  1709  —  1713.    Der  grosse  Kegalist  Macanaz.  313 

Gründen  berufenen  Cortes  willfahrten  den  Wünschen  der  königlichen 
Käthe,  und  iibergaben  Philipp  V.  eine  Denkschrift  voll  Klagen  über 
die  Missbränche  der  romischen  Curie,  und  wiederholten  die  Anklagen 
der  Regalisten  Pimente!  und  Chumacero.  Diese  Cortes  bequemten  sich 
auch,  nach  den  Wünschen  der  Konigin,  das  salische  Recht  der  Thron- 
folge in  Spanien  anzuerkennen,  durch  welches  Frauen  vom  Throne  aus- 
geschlossen waren  (bis' 1833). 

Leider  zeigte  es  sich  hier  auf  das  Neue,  wie  bei  frühern  Con- 
flikten,  dass  die  Bischöfe  sich  als  Beamte,  vielmehr  Bediente  der  je- 
weiligen Regierung  gerirten.  Sie  meinten  gute  Katholiken  zu  sein, 
so  oft  aber  der  Konig  mit  dem  Papste  Händel  anfing,  so  war  der 
^katholische  Konig^  unfehlbar,  und  der  Papst  hatte  gefehlt.  Franc,  de 
Solis,  Bischof  von  Lerida  (1701 — 1714),  später  von  Cordova,  war 
zugleich  VicekSnig  von  Aragonien.  Auf  Verlangen  des  Staatssecre- 
tärs  Marques  de  Mejorada,  gab  er  im  Jahre  1709  sein  zustimmendes 
Gutachten  über  „die  Missbräuche  ^es  romischen  Hofes^,  mit  Bezug 
auf  die  königlichen  Rechte  und  die  Jurisdiction  der  Bischöfe^).  Das 
Gutachten  war  nicht  ohne  Gelehrsamkeit,  aber  mit  um  so  grosserer 
Bitterkeit  gegen  Rom  verfasst.  An  die  Spize  dieses  Kampfes  wurde 
der  Intendant  Macanaz  gestellt,  der  durch  die  Fürstin  Ursini  und  ihre 
Camarilla  gestüzt  wurde. 


§.  6. 

Melch.  Macanaz,  im  Jahre  )660  geboren  zu  Hellin,  lehrte  in  Meicbor 
Salamanca  römisches  Recht,  und  bewarb  sich  auch  um  die  Lehrstühle  ^^ 
des  Civil-  und  canonischen  Rechtes^).  Um  sein  Glück  zu  machen, 
schlich  er  sich  an  den  Hof,  und  erlangte  die  Gunst  Portocarrero's. 
Er  machte  sich  als  stürmischer  Regalist  bemerklich,  dem  die  Regalisten 
des  siebzehnten  Jahrhunderts  viel  zu  zahm  aufgetreten  waren;  er  war 
kühn  und  unternehmend,  sehr  art)eitsam,  und  in  seinem  Privatleben 
ohne  Tadel.  Ja,  wie  so  viele  Kirchenfeinde  in  Spanien  bis  auf  die 
neueste  Zeit,  er  nahm  es  genau  mit  den  Vorschriften  der  Kirche,  und 
den  äussern  Uebungen  der  Frömmigkeit.  Er  rühmte  sich  in  seinen 
Schriften,  dass  er  den  Rosenkranz  bete,  und  troz  seines  Alters  die 
vierzigtägige  Fasten  halte.  Denn  damals  hatten  die  Regalisten  noch 
auf  den  Hof  zu  achten,  der  in  strengen  kirchlichen  Formen  sich  be- 
wegte.   Bis   zu   den  Zeiten  Carl's  HL  konnte  man   es   in  Spanien  zu 


')  Dictamen- tocante  ä  las  rcgalias  de  S.  M.  C,  y  jnrisdiccion  que  rcside  en 
los  oblspoB  —  1809.    Semanario  erudito,  t.  IX.,  p.  206, 

^  Seine  ^Gloria  de  Espafia**  —  s.  Semanario  erndito,  t.  VIII,  p.  16. 


314  Vierfiehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

nichts  bringen,  wenn  man  die  äussern  Uebnngen  der  Frömmigkeit 
ausser  Acht  liess.  Durch  die  Gunst  der  Fürstin  Ursini  wurde  er 
Intendant  von  Valencia.  Durch  sein  freches  Auftreten  daselbst  zog 
er  sich  die  Censuren  des  Erzbischofs  und  den  Unwillen  des  Volks  zu. 
Man  war  gezwungen,  ihn  zu  entfernen,  und  er  kam  als  Intendant  nach 
Aragonien.  Er  zeigte  aber  eine  tiefe  Verachtung  gegen  Alles,  was  in 
diesem  Lande  galt  und  Sitte  war.  Dem  Eonige  brachte  er  bei,  dass 
die  „Fueros^  nichts  Anderes  seien,  als  „rechtlose  Concessionen ,  von 
den  Konigen  durch  Rebellionen  und  Aufstände  erpresst^.  Er  war 
Absolutist  wie  Regalist,  servil  gegen  jede  Gewalt.  In  Aragonien  ver- 
stand er  es  aber,  Geld  zu  sammeln. 

Die  franzosische  Camarilla  berief  ihn  wegen  der  Conflikte  mit 
Rom  nach  Madrid  —  1713.  Der  König  wollte  ihn  nach  Paris  senden, 
um  mit  dem  Nuntius  Aldobrandini  zu  verhandeln,  weil  Ludwig  XIV. 
seine  Vermittlung  angeboten  hatte.  Er  schien  aber  zu  hizig  zu  sein. 
Statt  seiner  wurde  Villalpando,  Marques  de  la  Conquista,  nach  Paris 
gesandt,  Macanaz  aber  zum  Fiscal  des  Rathes  von  Castilien  ernannt; 
er  sollte  von  Madrid  aus  die  Verhandlungen  leiten.  Eine  von  ihm 
verfasste  Denkschrift,  in  vier  Folianten,  wurde  an  den  Rath  von  Castilien 
abgegeben,  und  gab  Anlass,  dass  die  Inquisition  sich  mit  ihr  befasste. 
Der  oberste  Rath  der  Inquisition  holte  Gutachten  der  Theologen  ein, 
welche  niclit  übereinstimmten.  Der  Minime  Franc.  Polanco,  später 
Bischof  von  Jacca  (1717 — 1720),  fand  in  der  Denkschrift  keine  ge- 
fährlichen Doctrinen;  der  Dominikaner  Blanco,  der  im  Jahre  1709  die 
Schliessung  der  Nuntiatur  befürwortet  hatte,  sprach  sich  mit  aller 
Energie  gegen  die  Doctrinen  des  Macanaz  aus. 


§.  7. 

Porto-  Am    15.   September   1709  starb   der  Cardinal  von  Toledo*     Die 

r^w!  Stelle  blieb,  zum  Theil  wegen  der  kirchlichen  Wirren,  sechs  Jahre  un- 
CMTdinai  besezt.  Nach  derselben  trachtete  der  Cardinal  Franc.  Giudice,  Italiener, 
^'"'"'^•seit  1711  General  -  Inquisitor,  zugleich  Erzbischof  von  Monreale  in 
Sicilien.  Macanaz  zeigte  der  Königin,  die  ihn  befragte,  die  Geseze  in 
der  „Neuen  Gesezsammlung^,  welche  verbieten,  Ausländem  kirchliche 
Würden  in  Spanien  zu  übertragen.  Giudice  aber  glaubte,  als  Neapoli- 
taner auch  Spanier  zu  sein.  Philipp  V.  war  mit  ihm  unzufrieden,  und 
schickte  ihn  als  Geschäftsträger  nach  Paris,  aber  ohne  specielle  Mis- 
sion. Es  war  diess  eine  Art  von  Verbannung.  Dort  erhielt  er  Kunde 
von  der  Denkschrift  des  Macanaz,  und  gemäss  den  eingelangten  Gut- 
achten verdammte  er  als  Gross-Inqnisitor  dieses  „Memorial^,  zugleich 
mit  den  ähnlichen  Schriften   des  Jean  und  JerOme  Yarclay,  und  des 


Der  Gross -Inquisitor  Giudice.    Friede  von  Utrecht,  Rastadt;  Baden.        31^ 

M.  ToIoD,  damals  Präsidenten  des  Parlaments  zu  Paris,  d.  i.  er  verbot 
das  Lesen  derselben  in  Spanien. 

Durch  Edikt  vom  30.  Juli  1714  aus  Marly  vnirde  das  Werk 
des  Macanaz  „als  aufrührerisch^  verwegen,  häretisch,  schismatisch,  be- 
leidigend für  fromme  Ohren"  etc.  bezeichnet.  Ludwig  XIV.  war  nicht 
wenig  beleidigt,  dass  ein  Ausländer  in  seinem  eigenen  Palaste  Werke 
verdamme,  die  zu  Gunsten  seiner  Regalien  geschrieben  worden,  und 
jagte  den  Gross-Inquisitor  unter  Beschimpfungen  fort;  er  musste  Frank- 
reich verlassen.  Philipp  V.  verbot  ihm  die  Rückkehr  nach  Spanien, 
nahm  ihm  die  Stelle  eines  Gross -Inquisitors,  und  bot  sie  vergebens 
seinem  Beichtvater  P.  Robinet  an.  Der  König  liess  dem  „Santo  Oficio'^ 
befehlen,  die  gegen  Macanaz  ergangene  Sentenz  als  „nichtig"  zu  er- 
klären. Aber  die  zu  diesem  Zwecke  berufenen  Theologen  erklärten, 
dass  man  hierin  nicht  nachgeben  könne.  Da  der  P.  Urbano  mit  Bitter- 
keit über  die  Zumuthung  des  Königs  gesprochen,  so  wurde  er  vom 
Hofe  verbannt.  Durch  solche  Vorgänge  erlangte  das  Gutachten  des 
Macanaz  eine  an  sich  unverdiente  Celebrität  £s  wurde  in  Frankreich 
gedruckt,  in  Spanien  wurde  es  als  Manuscript  allgemein  verbreitet, 
aber  erst  in  neuerer  Zeit  gedruckt*). 


§.  8. 

Der  Friede  zwischen  England  und  Frankreich  wurde  zu  Utrecht 
am  11.  April  1713  geschlossen,  ebenso  mit  Savoyen,  Portugal,  Preussen 
and  Holland.  Die  vom  Papste  angebotene  Vermittlung  war  beson- 
ders von  England  abgewiesen  worden.  Clemens  XL  sandte  aber  doch 
den  spätem  Cardinal  Dom.  Passionei  nach  Utrecht.  Carl,  welcher 
nach  dem  Tode  seines  Bruders  Joseph  (f  17.  April  1711)  Kaiser  von 
Oesterreich  geworden,  trat  dem  Frieden  von  Utrecht  nicht  bei,  weil 
er  auf  Spanien  nicht  verzichten  wollte.  Erst  später  wurden  darüber 
Verhandlungen  zwischen  ihm  und  Frankreich  eroflfnet.  Die  Prälimi- 
narien des  Friedens  wurden  am  6.  März  1714  zu  Rastatt  unterzeichnet, 
der  definitive  Friede  wurde  am  6.  September  zu  Baden  geschlossen. 
Diess  war  der  Friede  zwischen  Oesterreich  einer-,  Spanien  und  Frank- 
1  eich  anderseits.  Philipp  V.  blieb  König  von  Spanien ;  er  musste  aber 
Gibraltar  und  Minorca   an   die   Engländer,   Sicilien   an  Savoyen,  die 


*)  Das  i^Pedimento*  des  Macanaz  „PropoBiciones  al  Consejo  de  Orden  S.  H. 
acerca  del  Concordato,  qae  se  trataba  on  Paris  anno  de  1713,  steht  bei  Tejada  y 
liamiro,  VlI,  p.  267—280.  —  cf.  Pedimento  del  fiscal  general  Melchior  Macanaz 
sobre  abosos  de  la  cörte  de  Roma  y  sns  remedios,  seguido  de  la  traduccion  del 
manifesto  qne  en  defensa  de  aqnel  remitiö  al  rey  en  idioma  francös  desde  Paii,  etc. 
Xadr.,  1841. 


316  Vierzehntes  Bacb.    Erstes  Kapitel. 

Niederlande,  SardinieD,  Neapel  und  Mailand  an  den  Kaiser  abtreten. 
Von  dieser  Zeit  an  hatte  die  vielhundertjalirige  Herrschaft  der  Spanier 
in  Italien  ein  Ende. 

Am  14.  Febmar  1714  verlor  Philipp  seine  Gemahlin  dnrch  denl 
Tod.  Sie  hinterliess  einen  Thronerben,  den  spatern  Konig  Ferdinand  VL| 
Nach  allen  Schlagen  des  Schicksals,  die  sie  getroffen,  behauptete  aucb; 
nach    dem    To'de   der   Königin   die    vielgenannte   Fürstin   Ursini    das 
Schlachtfeld,   anf  welchem   so  viele  Helden  unter  ihrer  stets  schlagfer-! 
tigen  Hand   unterlegen   waren.     Das  Jahr   der  Trauer  1714  war   noclii 
nicht  verflossen,  und  sie  hatte,  unter  dem  Verwände,  den  Konig  gegenj 
Melancholie  zu  schnzen,  schon  eine  neue  Gemahlin  für  ihn  aufgefunden, 
Die  ur- sie  überredete  ihn,   die  Prinzessin  Elisabeth   von  Parma  zu  heirathenJ 
lezten-  EHsabcth  war  die  Tochter  des  Eduard  Famese,   Bruders  des  Herzogsl 
male  von   Parma   und    Piacenza.     Sie  war  geboren   am   23.  October    1692. 
Die  Fürstin  Ursini  hoffte   durch   diese  Partie   sich   in   der   Macht    za 
befestigen.     Sie   irrte   sich.    Vor   illfrer  Ankunft  schrieb  Elisabeth    an 
den  König:  „Ich  bitte  Sie  nur  um  das  Eine,  die  Fürstin  zu  entlassen^,! 
worauf  der  König   erwiederte,   diess  sei  nothwendig,   denn   wenn    diel 
Ursini  nur  zwei  Stunden   mit  Elisabeth  reden  würde,   so    würde    sie 
dieselbe  ganz  bezaubern,   sie  für   sich  gewinnen,   und  den  König  von 
der  Königin  getrennt  halten.    Die  Ursini  hoffie   dennoch,   dnrch  eine 
persönliche  Begegnung   die   neue  Königin  für  sich  einzunehmen,    und 
gieng  ihr  bis  Jadrague   entgegen.     Es   gelang  ihr,  die  Königin  allein 
zu    sprechen.     Elisabeth   aber   gerieth  in   Zorn,   warf  ihr   den   Mord 
mehrerer  Personen  vor,  und  rief  aus:  Man  möge  diese  Närrin  hinaus- 
schaffen.    Es   war  Nachts   um   sieben  Uhr  und  das  Land  mit  Schnee 
bedeckt  —  23.  December  1714.    Mit  einer  Begleiterin  wurde   sie    in 
eine  Chaise  gesezt,  ohne  Zeit  gehabt  zu  haben,  die  Kleider  zu  wechseln, 
sich   gegen  die  Kälte  zu  schüzen,   ohne  Geld  und  Geldes werth,    ohne 
einen   Bissen   Nahrung;    40  Reiter  escortirten  sie.      Am   14.   Januar 
1715  kam  sie  an  der  Grenze  zu  S.  Jean  de  Luz  an.    Dem  Sturze  der 
Fürstin  folgte  unverzüglich  die  Zurückberufung  des  Cardinais  Gindico, 
die  Wiederherstellung  der  Inquisition  in  ihrem  alten  Umfange  —  durch 
Decret  vom  10.  Februar  1715,   der  Sturz   und   die  Verbannung   ihrer 
Creaturen,  des  Macanaz  und  des  Orry.     Mit  einer  französischen  Kentc 
von  40.000  Livres   wanderte   sie   nach  Holland,   wurde   dort  von  den 
Generalstaaten   übel    aufgenommen,   und   liess   sich  in   Genua  nieder. 
Von  Langeweile  getrieben,  —  liess  sie  durch  ihren  Bruder,  den  Car- 
dinal  de  La  Tremouille,    die  Stimmung   gegen   sie   in  Rom   sondiren. 
stofluch.  Erst  nach   dem  Sturze   ihres  Nebenbuhlers   Alberoni  —  5.    December 
Rom,    ^"^19  —  li^ss  sie   sich  in  Rom   nieder,   aus  Furcht,   von  Spanien  aus 
1719.   beunruhigt  zu   werden.    Durch   ein   seltsames  Spiel   des  Glückes  trat 
sie  in  Rom  mit  den  beiden  Cardinälen  Giudice  und  Alberoni,   wie  sie 


finde  der  Ürsini;  Alberonrs  Anfange.  317 

flüchtig  aus  Spanien,  zusammen.  Dank  ihrer  Rente  von  Frankreich 
und  einer  Pension  von  Spanien,  konnte  sie  in  Rom,  der  gemeinschaft- 
lichen Zafiachtsstätte  der  Verbannten;  eine  grosse  Figur  spielen.  Sie 
hieng  sich  an  die  Stuarts  an,  und  machte  mit  ihnen  noch  etwas  in 
Politik.  80  Jahre  alt,  starb  sie,  noch  frisch  und  lebendig,  und  ge- 
niessend *  die  Freuden  des  Lebens.  Sie  liebte  den  Glanz  und  das 
Herrschen  durch  Intriguen  über  Alles.  14  Jahre  lang  hatte  sie  den 
Hof  von  Madrid,  und  mehr  und  weniger  auch  das  Reich  beherrscht. 
Philipp  y.,  und  Spanien  war  der  Königin  Elisabeth  zum  Danke  ver- 
pflichtet, dass  sie  den  König  und  das  Reich  von  der  grossen  Intriguantin, 
von  der  „herrschgewaltigen  Fürstin^^  beireit  hatte  ^). 


§.  9. 

In  der  Gunst  des  Königspaares  war  ihr  Julius  Aüerani  gefolgt;  JuHat 
geboren  am  31.  Mai  1664  bei  Piacenza,  wurde  er  Priester  daselbst.  ^^^^". 
Später  kam  er  nach  Rom.  In  dem  spanischen  Erbfolgekriege  wurde  codkh. 
er  mit  dem  Mai'schall  Herzog  von  Vendome  bekannt,  welcher  die 
Franzosen  in  Italien  commandirte,  und  gewann  dessen  Gunst.  Von 
Natur  aus  träge  und  vergnügungssüchtig,  gewöhnte  er  sich  doch  daran, 
täglich  16 — Ib  Stunden  zu  arbeiten,  und  tägjich  nur  eine  Mahlzeit  von 
der  Frngalität  eines  strengen  Klostermannes  zu  nehmen.  Im  Geleite 
des  Marschalls  kam  er  nach  Spanien.  Vendöme  starb  in  seinen  Armen, 
am  12.  Juni  1712.  Im  Jahre  1713  gab  der  Herzog  von  Parma  dem 
Alberoni  den  Titel  eines  Grafen ,  und  bestellte  ihn  als  seinen  Consular- 
agenten  in  Spanien.  Die  „Ursini^^  war  damals  ,^allmächtig^^  an  dem 
Hofe.  Alberoni  hatte  häufig  Gelegenheit,  sie  zu  unterhalten,  und  ge- 
wann ihre  Gunst.  Da  er  sie  in  Verlegenheit  sah,  welch'  neue  Ge* 
mahlin  sie  dem  Könige  zufuhren  sollte,  schlug  er  ihr  zum  Scherz  die 
Elisabeth  Farnese  vor.  Absichtlich  schilderte  er  sie  ihr  als  einfältig, 
andächtig,  unbekannt  mit  der  Welt,  von  der  sie  getrennt  lebe,  also 
ganz  passend  für  die  Pläne  der  Fürstin  mit  ihr.  In  der  That  wusste 
er,  dass  Elisabeth  sich  von  Niemand  beherrschen  lasse. 

Jezf  behauptete  Alberoni  den  Plaz  der  Ursini  am  Hofe.  Sein 
Einfluss  auf  das  Königspaar  war  unbeschränkt,  Spanien  wieder  in  den 
Händen  der  Fremden.  Der  alte  Cardinal  Giudice,  dem  Titel  nach 
erster  Minister,  that  nichts    ohne  Alberoni,   und   den  D.  d'Aubanton,  ^^^ 


')  HiBtoire  seeröte  de  la  coar  de  Madrid,  1701—1719,  Colugne,  1719.  — 
WüL  Coxe^  les  Boarbons  d'Espagne,  t  I— IL  —  Mömoires  d*un  Grand  d'Es- 
pagne,  Rotterd.,  1718.  — -  Franc.  Combes,  La  Princebse  des  Ursina.  Essai  aar  sa 
y'ie,  et  son  caractöre  politiqae,  d'apröa  de  nombreux  docomenta  inöditea.  Paris,  1858, 
—  Yerachiedene  Sammlungen  ihrer  Briefe, 


318  Vierzehntes  Üuch.    Erstes  Kapitel. 

den  Beichtvater  des  Königs,  zu  Käthe  zu  ziehen.    Alberoni  suchte  sich 
dem  Lande  nüzlich  zu  machen,  besonders  durch  Versuche,  die  Finanzen 
zu    regeln.      Der   Tod   Ludwig's  XIV.   (f  1.  September  I7l5)   wirkte 
mächtig    auf  die   spanische    Politik   ein.      Der   Dauphin    und  dessen 
ältester    Sohn    waren   gestorben.     Philipp   V.,   als   zweiter  Sohn  des 
leztem,    war  nun   der  nächste  Thronerbe,   und   glaubte  Anspruch  auf 
die  Regentschaft  zu  haben.    Der  Herzog  von  Orleans   war  Regent  für 
Ludwig  XV«  Ludwig's  XIV.  Urenkel,  welchem  sich  Philipp  V.  durchaus 
feindselig  zeigte.    Die  Konigin  gieng  ganz  in  seine  Pläne  ein.    Ihr  Be- 
streben war  es,  ihrem  Sohne  Carl,  geboren  20.  Januar  1716,  einen  Thron 
Fab«i-  zuzuwenden.    Alberoni  und  sie  verbanden  sich   zu   fabelhailen  Plänen, 
pixne  bedrohten   in   Bälde   die  Ruhe  Europa's,   und   schleppten   den  König 
der  K8-  willcnlos  mit  sich  fort    Alberoni  sollte  Cardinal  werden,   und  musste 
^A^n-  sich  darum  mit  Rom  auf  guten  Fuss  stellen.    Einige  Maassregeln  des 
nV9.    Finanzmanns  Orry,  welche  die  Kirchengüter  belasteten,  wurden  zurück- 
genommen.    Der  Cardinal   Giudice   musste    seine   Stelle   als    Gross- 
Inquisitor  und  erster  Minister  niederlegen. 

§.  10. 

Es  mussten  aber  auch  di^  seit  1709  unterbrochenen  Verbind- 
ungen  mit  Rom  wieder  angeknüpft  werden;  der  König  aber  war  schwer 
dafür  zu  gewinnen.  Doch  Alberoni  sezte  es  durch.  Der  apostolische 
Nuntius  durfte  zurückkehren.  Das  Tribunal  der  Nuntiatur  trat  in 
früherer  Weise  in  Action.  Das  Verbot  des  Verkehrs  mit  dem  aposto- 
lischen Stuhle  wurde  aufgehoben.  Ein  Decret  gegen  Macanaz  wurde 
angeschlagen,  dass  er  in  90  Tagen  vor  dem  Gericht  der  Inqui- 
sition sich  stellen  solle,  als  Angeklagter  der  Häresie,  der  Apostasie  und 
der  Flucht. 

Da  Alberoni  .sah,  dass  Giudice  seinen  Plänen  sich  widerseze,  so 
drang  er  auf  seine  Entfernung  und  Rückkehr  nach  Rom.  Alberoni 
sezte  es  durch,  dass  eine  spanische  Flotte  gegen  die  Türken  abgesandt 
wurde,  die  sie  hinderte,  sich  der  Insel  Corfu  zu  bemächtigen.  Aus 
Dankbarkeit  bevrilligte  der  Papst  dem  Könige  wieder  die  kirchlichen 
Hilfsgelder. 
Aibtroni  Der  spanische  Hof  erwirkte,   dass  Alberoni   am    13.  Juli   1717 

^^!f**zum  Cardinal   erhoben  wurde.     Im  November  1717  liess   er  sich   zu 

1717. 

dem  reichen  Bisthura  Malaga  ernennen,  und  wurde  als  Bischof  am 
6«  December  präconisirt.  Inzwischen  war  der  Erzbischof  Arias  von 
Sevilla  gestorben  (f  17.  November  1717).  Schon  am  16.  December 
liess  sich  Alberoni  zum  Erzbischof  von  Sevilla  ernennen.  Der  Papst, 
schon  unzufrieden  mit  ihm,  vmrde  es  noch  mehr  durch  dieses  sich 
überstürzende  Verlangen  nach  hohen  einträglichen  Kirchenämtern.    Die 


Alberoiii  steigt  höiier  und  ii^lier,  Bcliwüuki  uud  wankt  il9 

Bullen  för  Malaga  worden  nicht  ezpedirt.  Der  Papst  weigerte  sich, 
ilin  für  Sevilla  zu  bestätigen.  Dadurch  fühlte  der  Hof  sich  sehr 
beleidigt.  Der  Eonig  wollte  den  Nuntius  Pompejus  Aldovrandi 
nun  nicht  mehr  anerkennen,  verbot  seinen  Ministern  den  Verkehr  mit 
ihm  and  rief  auch  die  spanischen  Agenten  in  Rom  zurück.  Der 
Nuntius  verliess,  ohne  Abschied  zu  nehmen,  Madrid,  und  kehrte  nach 
Italien  zurück. 

Alberoni  aber  kehrte  mehr  und  mehr  die  rauhe  Seite  gegen  Rom  ^^^^^ 
hervor.  Auf  seinen  Rath  wurde  eine  grosse  Junta  eingesezt,  die  dem  Kom. 
König  die  Beschwerden  und  Nachtheile  vordemonstriren  sollte,  die  er 
durch  Rom,  in  seinen  königlichen  Rechten,  in  Betreff  der  Bullen  der 
Bischöfe,  der  Pensionen,  Reservationen,  Spolien,  vacanten  Stellen, 
Dispensen,  Appellationen  und  Instanzen  der  Spanier  nach  und  nach 
ao  Rom  erlitten  hätte.  Diess  waren  genau  die  Punkte,  welche  sich 
auch  in  dem  „Memorial^  des  Macanaz  befunden  hatten ,  der  durch 
Alberon^s  Einfluss  das  Land  hatte  verlassen  müssen.  Man  berieth 
über  die  Rückkehr  zur  alten  Disciplin,  unter  der  Rom  die  Bischöfe 
nicht  bestätigt  habe,  und  über  die  Abschaffung  des  Gerichtshofs  der 
Inquisition.  Der  Papst  seinerseits  zog  seine  Bewilligung  in  Betreff  der 
Kirchenabgaben  an  die  EJrone  zurück.  Aber  die  Geistlichen,  die  sich 
deren  Einziehung  widersezten,  wurden  strenge  bestraft.  Der  Sturz 
Älberoni's  erfolgte  aus  politischen  Gründen.  Er  hatte  Sardinien,  das 
damals  dem  Kaiser,  und  Sicilien,  das  Piemont  angehörte,  durch  die 
spanische  Flotte  angreifen  lassen,  welche  am  18.  Juli  1718  vor  Palermo 
erschien.  Die  Truppen  besezten  einen  Theil  der  Insel.  Aber  die  Spanier, 
zu  Wasser  und  zu  Land  geschlagen,  mussten  Sicilien  räumen.  Durch 
den  Vertrag  der  s.  g.  Trippelallianz  (Frankreich,  England,  Oesterreich) 
wurde  Sicilien  dem  Kaiser,  Sardinien  aber  Savoyen  zugewiesen,  welches 
den  Namen  „Königreich  Sardinien^  annahm.  Der  tollkühne  Alberoni 
entsandte  eine  Flotte,  um  in  Schottland  die  Sache  der  Stuarts  zu 
uQterstCizen,  eine  andere  Flotte  gegen  Frankreich,  um  in  der  Vend^e 
den  Aufstand  gegen  den  Prinzregenten  Herzog  von  Orleans  zu  unter- 
stüzen.    Beide  Expeditionen  scheiterten  kläglich. 

Am  ö.  December  l7iU  erhielt  Alberoni  ein  Decret,  vom  König  Aioeroa 
unterzeichnet,  das  ihm  verbot,  sich  weiter  in  Staatsgeschäfte  zu  mischen,  ^^„^'' 
ihm  befahl,  inner  acht  Tagen  Madrid,  Spanien  aber  inner  drei  Wochen    ^^^- 
ZQ  verlassen.    Sein  Sturz  stellte  den  Frieden  zwischen  Frankreich  und 
Spanien  wieder  her.    Alberoni  reiste  über  Frankreich;  im  Gebiete  von 
(renua  wurde  er  auf  Befehl  des  Papstes  arretirt.    Er  wurde  in  Glaubens- 
sachen angeklagt,  weil  er  das  gesammelte  Geld  der  s.  g.  Cruzada  und 
die  kirchlichen  Hilfsgelder   an   die  Krone   zu    den  Kosten   des  Kriegs 
gegen   katholische  Mächte  verwendet,   und   verhindert  habe,   dass   die 
Spanier  sich  in  kirchlichen  Angelegenheiten  nach  Rom  gewendet  habea« 


320  Vietzehnies  Bnch.    Erstes  Kapitel. 

Er  vertheidigte  sich  in  einem  Briefe  an  den  Siaatssecretar  Cardinal 
Paolacci  vom  20.  März  1720,  dorch  den  er  den  Hof  von  Madrid  nicht 
wenig  blosstelltey  aber  auch  seinen  eigenen  guten  Ruf.  Denn  die  vou 
ihm  mitgetheilten  Details  stellten  die  Perfidie  vieler  seiner  Handlungen 
in  helles  Licht.  Sein  Zweck  war,  zu  zeigen,  dass  er  die  Interessen 
Spanien's  den  Interessen  Rom's  geopfert.  Er  hatte  die  Stime,  es  als 
einen  £om  erwiesenen  Dienst  darzustellen,  dass  er  den  Macanaz  ver- 
folgt habe.  Lezterer  präsentirte  sich  dem  Konig,  bat  um  eine  neue 
Prüfung  seiner  Angelegenheit,  dass  seine  Denkschrift  durch  andere 
Consultoren  untersucht,  und  ihm  die  dort  stehenden  häretischen  Be- 
hauptungen bezeichnet  wurden,  damit  er  sie  widerriefe.  Um  sich  aber 
mit  der  Inquisition  auf  einen  guten  Fuss  zu  stellen,  schrieb  Macanaz 
eine  Apologie  derselben  *).  Er  sagt  u.  a.  mit  Recht,  dass  die  von  der 
Kirche  abgefallenen  Mächte,  besonders  die  heuchlerische  Elisabeth 
von  England,  gegen  die  Katholiken  eine  viel  grausamere  und  schreck- 
lichere Inquisition  anwendeten,  als  die  spanische  gegen  die  Kezer  und 
Juden  war. 

Alberoni  wurde  von  Genua  freigelassen  —  20.  April  1720,  hielt 
sich  aber  bis  zu  dem  Tode  Clemens  XI.  (f  19.  März  1721),  der  ihm 
den  Process  hatte  machen  lassen,  verborgen.  Nach  dessen  Tode  gieng 
er  aus  der  Verborgenheit  hervor,  und  nahm  seinen  Plaz  in  dem  Con- 
clave  ein,  in  welchem  Innocenz  XIII."  am  8.  Mai  1721  gewählt  wurde. 
Um  den  Hof  von  Madrid  zu  begütigen,  wurde  ein  leichter  Process 
gegen  ihn  instruirt.  Er  wurde  verurtheilt,  vier  Jahre  in  einem  Jesuiten- 
kloster zu  wohnen.  Der  Papst  ermässigte  die  Strafe  auf  ein  Jahr, 
dann  auf  fUnf  Monate,  welche  Alberoni  bei  den  Jesuiten  in  Rom  zu- 
brachte. Im  December  1723  sezte  ihn  der  Papst  in  alle  Privilegien 
seiner  Würde  wieder  ein.  Die  Cardinäle  Paolucci  und  Ottoboni  zählten 
ihn  zu  ihren  Freunden.  Der  Regent  von  EVankreich  und  die  Konigin 
von  Spanien  versicherten  ihn  ihres  Wohlwollens.  Leztere  konnte 
nicht  vergessen,  dass  sie,  ohne  ihn  verachtet,  durch  ihn  Konigin  ge- 
worden war«  Aus  Spanien  bezog  er  u.  a.  Jahre  lang  die  Einnahmen 
des  reichen  Bisthums  Malaga.  Am  30.  December  1722  wurde  im 
öffentlichen  Consistorium  ein  päpstliches  Breve  verlesen,  durch  welches 
Alberoni  in  alle  Ehren  eines  Cardinais  eingesezt  wurde.  Nachher 
Hessen  ihm  der  Papst  und  die  Cardinäle  Glück  wünschen;  es  folgten 
die  fremden  Minister,  Prinzen,  die  Prälaten,  und  der  ganze  römische 
Adel.  Aber  erst  am  12.  Januar  1724  wurde  dem  Alberoni  der  Car-{ 
dinalshut  gereicht.  Schon  am  7.  März  1724  starb  der  Papst  In 
dem  neuen  Conclave,  in  dem  am  29.  Mai  Benedict  XHL   gewählt 


Sein 


>)  Defensa  eritica  de  la  Inquiaicion.    Madrid,   1788.    Uorente  bQtet  sich 
wohl,  diese  Schrift  zu  erwähnen. 


Alberoni  arm  von  Piacenza,  reich  von  Malnga  aus.  321 

wofde,  brachte  es  Alberoni  auf  einige  Stimmen').  Der  neue  Papst 
erwies  sieh  ihm  nicht  ungünstig,  und  wählte  ihn  in  mehrere  wichtige 
Kongregationen.  Von  Haus  aus  ein  armer  Bettler,  hatte  er  von  Spanien 
aus  so  viel  Geld  in's  Trockene  gebracht,  dass  er  zu  Rom  ein  sehr 
grosses  Haus  arrangiren  konnte.  Obgleich  eine  Congregation  von  fünf 
Cardinälen  dem  Cardinal  Zondadari,  der  als  Nuntius  in  Spanien  schwere 
pecuniäre  Opfer  gebracht,  die  Hälfte  der  Einkünfte  des  Bisthums  Ma- 
laga, das  jährlich  60.000  Ducaten  trug,  zugesprochen  hatte,  behielt  der 
schlaue  Alberoni  doch  diese  Gelder  für  sich  allein,  und  wurde  ausser- 
dem vom  Papste  am  18.  November  1725  zum  Bischof  von  Malaga  ^^•'o°* 
geweiht').    Doch  fiel   er  auch  bei  diesem  Papste  wegen  Ungehorsam 


Ton 


in  Ungnade,  und  zog  sich  nach  dem  25.  December  17^9  auf  sein  neu^f^^s«? 
erkauftes  Landgut  Castel  Romano   zurück.     Da   der  Papst   schon  am 
21.  Februar  17^0  starb,   kehrte   er   zum  Conclave  nach  Rom  zurück,   g^ine 
in  welchem  Clemens  XH.  am  12.  Juli  17!^0  gewählt  wurde.    Grosses  >^«'tii- 
Lob  erwarb   sich  Alberoni   durch   seine  milden   Stiftungen   in   seiner  stmun- 
Heimath  Piacenza.    Er   errichtete  herrliche  Gebäude   in   San  Lazaro,  sen  in 
worin  )unge  Edelleute  unentgeltlich  erzogen   wurden.    Am  17.  Januar     ^^ 
1735  wurde  er  päpstlicher   Legat   zu   Ravena.     Bei    seiner   Ankunft  ^8»^*° 
Hess   er  gleich  drei  Personen  aufknüpfen,   und   befahl,    dass  Morder 
mit  Gewalt  ans  den  Kirchen  geschafft  wurden.    An  den  Strassen  liess 
er  Galgen   errichten,  wobei   er  sprach:    Weniger  Sbirren,   aber   desto 
mehr  Galgen.    Sein  Regiment  war  sehr  gefürchtet,  aber  auch  geachtet. 
Als  er  sogar  verbot,  Niemand  dürfe  ein  päpstliches  Decret  gebrauchen, 
das  er  nicht  vorher  unterschrieben,  erhielt  er  einen  verdienten  Verweis. 
Der  Provinz  Ravena  ervnes   er  die  grössten  Wohlthaten.    Die   beiden 
Flüsse    Ronco   und   Montone    vereinigte    er    in    einem    Bette.      Der 
Kath   der  Stadt  errichtete  ihm  im  Jahre  1737  eine  Denksäule  in  dem 
Saale    des  öffentlichen  Palastes.     Lobreden   und  (60)  Lobgedichte  auf 
ibn  erschienen  gesammelt   im  Drucke.   —   Im  October    1739  eroberte 


■)  Es  wurde  das  Spottgedicht  in  Umlauf  gesezt: 

Der  Himmel  will  den  Orsini, 

Das  Volk  will  den  Coraini, 

Die  Frauen  den  Ottoboni, 

Der  Teufel  den  Alberoni. 
')  Wenn  diess  wirklich  geschah,  so  war  Alberoni  nur  einen  Tag  wirklicher 
B^chof  von  Malaga.  Denn  schon  am  19.  November  1725  wurden  die  Bullen  für 
den  Bischof  Didacus  Gonzalez  Toro  Villalobos  ausgefertigt  Da  aber  Alberoni  aus 
den  Einnahmen  des  Bisthums  bis  zu  seinem  Tode  eine  jährliche  Rente  von  17.500  Du- 
caten bezog,  so  mag  dadurch  seine  Bischofsweihe  motivirt  gewesen  sein.  Nach 
Letia,  Conversaciones  histor.  Malaguefins,  Malaga,  1794,,  t.  IV,  p.  240—241,  erhielt 
Alberoni  wohl  die  Bullen  für  Malaga,  aber  nicht  für  Sevilla.  —  Auch  die  Einkanfto 
des  Erzbisthums  Tarraco  bezog  er  längere  Zeit.  -- 

Qmü9f  tpaa.  Klrcb«.  in.  S*  21 


322  Vierzehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Alberoni   die  Republik  San  Marino ,    musste   sie   aber  auf  Befehl   des 
Papstes  wieder  fahren   lassen.    In  demselben  Jahre   schenkte  er  seiner 
Stiftung  S.  Lazaro  die  Herrschaft  Castel  Romano,  die  er  um  95.000  Scndi 
gekauft  hatte.    Nach  dem  Tode  des  Papstes  Clemens  XII.  am  6.  Febrnnr 
1740  trat  Alberoni  zum  viertenmal  in  das  Conclave^  worin  er  sich  sehr 
stille  hielt.    Erst  am  17.  August  wurde  der  grosse  Papst  Benedict  XIV. 
gewählt,  der  Mann  der  eisernen  Arbeitskraft    Er  ernannte  den  Alberoni 
zum  Legaten   von  Bologna,   und   zum   ersten  Cardinalprieater.     Seine 
Legation   gieng   im  Jahre   1743   zu  Ende.    Er  zog  sich  in  seine  Hei- 
math zurück.     Schon  80  Jahre  alt,   redete  er  mit  gleicher  Leichtigkeit 
italienisch,  franzosisch,  spanisch  und  lateinisch.    Bis  an  sein  Ende  war 
Alberoni  g^  frisch  uud  gcsund.     Am  26.  Juni  1752  starb  er  in  seinem  Seminar 
«11,1752!  zu 'S.  Lazaro,  88  Jahre  imd  26  Tage  alt.     Diesem  Seminar  vermachte 
er  alle  seine  Güter  in  der  Lombardei,  im  Werth  von  600.000  Thalem. 
Sein  Neffe  Caesar  erhielt  die  Güter  im  Kirchenstaate,  im  Werthe  von 
lYs  Millionen  Ducaten,   welche,   falls  Cäsar  ohne  rechtmässige  Erben 
sterben  wurde,   dem  Seminar  S.  Lazaro  zufallen   sollten.    Ein  anderer 
Neffe,   Abbe   Alberoni,   erbte  einen   grossen   Theil   seiner  Baarschaft, 
auch  seine  Memoiren  und  Schriften.    Als  dieser  dem  Papste  die  Kunde 
von   dem  Tode  des  Cardinais  brachte,  bezeugte  Benedict  XIY.^    dass 
er   den  Verstorbenen   wegen   seiner   grossen  Eigenschaften  stets   hoch- 
geschäzt  habe,    dass  Alles   an  ihm  ausserordentlich  gewesen  sei,    sein 
(niedriger)  Stand,  sein  Glück,  sein  Geist,  sein  Alter  und  sein  Ansehen '). 
Der  unter    oder   von   Alberoni    gemachte   Entwurf   eines   Concordats 
zwischen  Bom  und  Spanien  blieb  historisches  Material,  und  wurde  za 
den  Akten  gelegt. 

§.  11. 

Im  Jähre  der  Verbannung  Alberoni's  aus  Spanien  wurde  zu  Rom 
ein  Process  gegen  den  Bischof  von  Oviedo   gefuhrt,   der   mit   dessen 
Absez.  Absezung  endete.     Jos.  Femandez   de  Toro   hatte  am   2.   Juli    1707 
Bischofs  Besiz  von  diesem  Bisthume  genommen;   vorher   war  er  Inquisitor   zu 
yon    Murcia  gewesen.     Schon   im  Jahre    1T09  leitete   die   spanische  Inqui- 
sition gegen   ihn  einen  Process   wegen  Molinistischer  Verirrungen  ein. 


')  Lebcnsgeschichte  aller  Gardinfile  (des  achtzehnten  Jahrh.)  von  M.  M.  R. 
—  Regensb.,  1788,  Bd.  III,  S.  75  >-  S.  126:  ,Mit  einem  Worte:  der  Cardinal  Al- 
beroni war  ein  grosser  Staatsmann,  und  ein  rechtes  Wunder  nnserer  Zeiten.*^  — 
La  vie  d' Alberoni,  par  J.  Rousset,  La  Haye,  1719.  —  Storia  del  Cardenal  Al- 
beroni, par  el  marcbese  Oütevi,  Koma,  175G.  ,|Alberoni''  in  Nonvelle  Biograph, 
universelle  p.  J?ö/er  (-Didot),  Paris,  1852,  t.  T,  p.  643 — 56ß,  mit  zwei  Schnzschnfien 
Alberioni^s  vom  Jahre  1720  and  1721  (a^M\  eo  fuit  excellentins,  vel  in  vitiis,  vel 
ip  virtatibns**). 


Der  Bischof  Toro  von  Ovicdo;  Primns  Valero  von  Toledo.  323 

Man  sandte  die  Processakten  nach  Rom.  Dabin  wurde  auch  der  Bischof 
gebracht,  und  am  9.  Juli  1716  in  die  Engelsburg  eingesperrt.  An  den 
Papst  hatte  er  appellirt.  Am  27.  April  1719  gaben  die  Consultoren 
ihre  Voten  ab.  Nachdem  der  Papst  das  Gutachten  von  acht  Cardi- 
nälen  gehört,  gab  er  am  4.  Mai  die  Sentenz:  dasB  Fem.  Toro  als 
formaler  Kezer  zu  erklären,  dass  er  als  solcher  den  durch  die  Canones 
Terbängten  Strafen  und  Censuren  verfallen  sei.  Er  sollte  abschwören; 
iar  alle  Zeit  sollte  ihm  die  Ausübung  seiner  Weihen,  und  die  Spendung 
des  heiligen  Sacraments  der  Busse,  sowie  jegliche  Leitung  der  Gewissen 
untersagt  sein.  Er  verlor  sein  Bisthum  und  alle  seine  andern  Bene- 
ficien,  und  wurde  verpflichtet,  die  noch  nicht  verzehrten  Früchte  der- 
selben zurückzuerstatten.  Zu  seinem  Unterhalte  sollte  er  eine  Pension 
ans  den  Einkünften  seines  Bisthums  (4000  Ducaten)  erhalten.  Er 
sollte  in  einem  Kloster  Busse  thun.  Am  27.  Juli  führte  man  ihn  von 
der  Engelsburg  in  den  Vatican,  wo  er,  vor  dem  Papste  und  den  Car- 
dinälen  knieend  seine  Irrthümer  abschwur,  und  schluchzend  seine  Schuld 
bekannte.  Er  wurde  in  ein  römisches  Kloster  gebracht.  Im  Jahre 
1728  legte  er  Papst  Benedict  XIII.  die  Bitte  vor,  von  allen  gegen  ihn 
verfugten  Strafen  befreit  zu  werden.  In  Anbetracht  seines  Alters,  seines 
Betragens,  uud  seiner  langen  Reue  gestattete  ihm  der  Papst,  zu  wohnen, 
wo  er  wolle '). 

§.  12. 

Nach  dem  Tode  des  Cardinals  Portocarrero  (1709),  der  seitdem 
Jahre    1695   auch  Suburbicar- Bischof  von   Praeneste   gewesen  war'), 
blieb  das  Erzbistlinm  Toledo  bis  zum  7.  Mai  1715  erledigt.  Franc.  Valero    Erz. 
y  Losa*)   stammte   aus  Villanueva   (bei   Cuenca).     Er  wurde  Pfarrer  ^^^^^ 
daselbst.    Als   solcher  ernannte   ihn  Philipp   V.   im  Jahre  1707   zum  vaiero 
Bischöfe  von  Badajoz^  von  welchem  Bisthum  er  am  12.  Mai  1708  Besiz  ^*»**  t»- 
nahm.    Er  führte  nüzliche  Reformen  unter  dem  Klerus  und  dem  Volke 
durch,   und  gründete  oder  verbesserte  kirchliche  Institute.    Im  Jahre 
1709  gab  er  einen  kurzen  Abriss  alles  dessen,  was  jeder  Christ  wissen 


')  Espana  sagr.,  t.  39,  p.  181—185.  --  Pieot,  Mömoires  t.  II,  Paris,  1853. 
p.  53^51  (WO  der  Bischof  Tozo,  statt  Toro  heisst). 

*)  Leben  aller  Cardin&le  des  achtzehnten  Jahrhunderts,  t  I,  p.  119  —  184. 
Za  seinem  Lobe  ist  o.  a.  za  sagen,  dass  er  die  Kirchen  von  Palestrina  und  Maria 
Maggiore  zu  Rom  vor  seinem  Tode  reichlich  beschenkte.  Dem  heiligen  Haoae  zu 
Loreto  schenkte  er  20.000  Scndl. 

')  r  Cava  sagt  7.  Fuente,  t.  VL  p.  24;  richtiger  dagegen,  f.  VI,  p.  284  nnd 
297:  Losa, 

21* 


324  Vierzehntes  Bach*    Erstes  KApitel. 

und  glauben  muss^,  heraus*).  Das  Buch  schweigt  von  den  „Autos^ 
oder  ^misterioB  sacramentales^,  welche  damals  schon  ihre  Würde  und 
ihren  Ernst  verloren  hatten.  Wenigstens  eiferte  Valero  gegen  die- 
selben^ sowohl  in  seiner  Pfarrei  als  in  seinem  Erzbisthume,  was  dio 
Aatos  Ansicht  bestätigt ,  dass  diese  Art  von  Zerstreuungen  in  den  Elösteru 
mente-  ^oü  Estremadura  wenig  Eingang  fand,  welche  unter  dem  Vorwand  von 
lea.  Ehrbarkeit  Gefahren  und  Unordnungen  im  Gefolge  hatten,  Unordnungen, 
die  seit  dem  fünfzehnten  Jahrhundert  vergebens  von  allen  geistlichen 
und  weltlichen  Auetoritaten  gerügt  worden  waren  ^).  Dreimal  hatte 
Valero  das  Bisthum  Badajoz  niederlegen  wollen.  Daiur  ernannte  ihn 
Philipp  V.  zum  Primas  von  Toledo.  —  Nachts  schlich  sich  Valero 
in  Toledo  ein.  Er  lebte  ärmlich  in  seinem  Gemache.  Die  Verkün- 
Bulle  de  digung  der  Bulle  de  la  Cruzada  vom  Jahre  17 19  bereitete  ihm  schweren 
c«d»'v!  Verdruss.  Nachdem  diese  Verkündigung  durch  den  General- Comnaissai 
1719.  cLer  Cruzada,  der  ebenso  ein  königlicher  Beamter  war,  wie  der  General- 
Inquisitor,  geschehen  war,  glaubte  der  Erzbischof,  es  sei  nicht  un- 
passend, wenn  er  sie  selbst  in  seinem  Sprengel  verkünde.  Er  erhielt 
aber  von  dem  Minister  Alberoni  „einen  Verweis  wegen  dieses  Vor- 
gehens^, nachdem  der  Papst  alle  der  Elrone  gewährten  Gnaden  uod 
Regalien  suspendirt  hatte.  Alsbald  schrieb  er  an  den  König  und  an 
den  Cardinal  Alberoni,  dass  er  nicht  anders,  als  dem  Papste  gehorchen 
könne.  Bei  dem  Papste  entschuldigte  er  sich  demüthig,  mit  der  Vor- 
stellung, dass,  weil  der  vom  heiligen  Stuhle  delegirte  General-Commissär 
(so  gehandelt),  er  ein  Recht  gehabt  habe,  annehmen  zu  dürfen,  dass 
derselbe  im  Einvernehmen  mit  Seiner  Heiligkeit  vorgegangen.  Als 
man  ihm  bemerkte,  dass  Alberoni  seinen  Brief  übel  aufnej^men  vrerde, 
antwortete  er:  »Wir  wollen  ohne  Gefahr  aus  dieser  Affaire  hervor- 
gehen, mehr  noch,  wir  werden  gesichert  hervorgehen*^*).  Der  Konig. 
der  ihn  hoch  achtete,  befahl  ihm,  seine  Visitationen  der  Diöcese  auf- 
zuschieben, und  den  Bescheid  zu  hören,  welcher  in  einer  Consulta 
(des  Staatsraths?)  gefasst  worden.  Man  verglich  sich.  Der  Papst  er- 
neuerte die  Bewilligung,  und  der  König  befahl,  dass  der  Erzbischof 
von  Toledo  diessmal  es  selbst  allen  Bischöfen  mittheilen  solle.  Bald 
nach  diesem  starb  Franc.  Valero,  23.  April  1720.  —  In  ihm  sind  wir 
endlich  auf  einen  Bischof  gestossen,  der  bei  Conflikten  zwischen  Rom 
und  Spanien  sich  offen  auf  die  Seite  des  Papstes  stellte^). 


')  Breve  Compendio  de  lo  qae  debe  saber  y  creer  todo  christiano.  Bad.,  170P. 

')  Catalogo  razonado  etc.  p.  Vic,  Barrantes,  Madr.  1865,  p.  49. 

')  Inzwischen  war  Alberoni,  der  Stpin  des  Anstosses,  gefallen. 

*)  Vida  ejemplar  del  —  Franc.  Valero  y  Losa,  obispo  Antes  de  Badajoz,  y 
despues  Arzobispo  de  Toledo,  Primado  de  Espaüa.  p.  Ant  de  los  Rcyts^  Carmei. 
—  Pamplon.^  1792.  4% 


Die  s.  g.  ^Traditionen**  der  Spanier.  325 

§.  13. 

^Die  Leichtigkeit,  mit  welcher  man  in  Spanien  jede  geschichtliche 
Behauptung  als  Eezerei  anklagt,  welche  den  Meinungen  des  Volks, 
oder  von  Personen^  die  im  Rufe  der  Frömmigkeit  stehen,  nicht  conform 
ist,  und  die  Verfolgungen,  welche  sich  gegen  jeden  Kritiker  erheben, 
der  mit  einiger  Unparteilichkeit  vorgehen  will,  und  sich  zuweilen  etwas 
von  dem  breitgetretenen  Wege  entfernt,  veranlassen  mich,  hier  auf  das 
Verbot  der  „Acta  Sanctorum''  von  Papebroch  und  Henschen  in  Spanien 
zu  sprechen  zu  kommen"^).  Dieses  offene  Gestandniss  eines  Spaniers 
ist  aller  Anerkennung  würdig.  Die  Censur  der  spanischen  Inquisition 
war  schärfer,  als  die  römische.  Die  Spanier  haben  in  Rom  nicht  ge- 
ruht, bis  die  Nachricht  von  der  personlichen  Predigt  des  Apostels 
Jacobus  in  Spanien  wieder  in  das  romische  Brevier  kam.  Sie  haben 
bei  jeder  Gelegenheit  geschichtliche  Untersuchungen  oder  Behaupt- 
ungen dadurch  beseitigen  wollen,  dass  sie  sagten,  sie  Verstössen  gegen 
den  Glauben  und  die  Tradition.  Zu  der  Tradition  aber  haben  sie  all' 
das  gerechne^t,  was  eine  Zeit  lang  fromme  Meinung  in  Spanien  war, 
selbst  die  schrecklichen  Geschichtsfälschungen  am  Ende  des  sechs- 
zehnten, und  im  siebzehnten  Jahrhundert.  Sie  haben  sich  bei  ihren  An- 
nahmen stets  auf  die  „Verjährung^  berufen;  als  ob  etwas  dadurch  ^p*- 
Thatsache  wurde,  weil  es  viele  Jahrhunderte  lang  in  Spanien  für  wahr  ^y^. 
gehalten  wurde.  Sie  haben  die  Zweifel  und  Bedenken  der  Ausländer  i^^- 
aus  den  niedrigen  Motiven  des  Neides  und  der  Eifersucht  gegen  die 
Grosse  und  Herrlichkeit  der  spanischen  Kirche  hergeleitet.  Gross  und 
herrlich  bleibt  sie,  wenn  auch  manche  Annahmen  einer  spätem  Zeit 
sich  als  „Missverständnisse^  erweisen. 

Als  Manuel  Bisco  leugnete,  dass  Athanasius  und  Theodor  die 
ersten  bekannten  Bischöfe  von  Saragossa  seien,  so  sagte  er  mit  Recht, 
dass  Saragossa  trozdem  überschwenglich  reich  an  Ruhm  und  Grosse  sei^ 
da  es  (den  Bischof  Felix  im  dritten),  den  Bischof  Valerius,  den  Le- 
viten Vinzenz,  und  so  viele  Märtyrer  im  Anfang  des  vierten  Jahr- 
hunderts unbestritten  besize.  Nach  ihm  kam  Fr.  Lambert  Zaragoza, 
und  wollte  herbe  Kritik   an  Bisco  üben^),   hat  aber  doch  nichts  be- 


')  Fic  de  La  Fuente,  VI,  p.  25.  MOge  sich  diess  sein  verkezernder  Collega 
Orti  y  Lara  zu  Herzen  nehmen. 

*)  Man.  Bisco,  Esp.  sagr.,  t.  30  —  31,  Madr.,  1775;  Ausgabe  von  1859, 
p.  97->d8.  Dagegen:  Teatro  historico  de  las  iglesias  del  reino  de  Aragon,  por 
Fr.  Lamb.  de  Zaragoza^  t  I.  Zarag.,  1780.  Dagegen  schrieb  wieder  Bisco  im 
Anhang  zn  Band  33  der  Espafia  sagr.,  Madr.,  1781  —  eine  Abhandlang:  „Juicio  j 
convencimfento  de  la  obra,  que  el  —  Fr,  Lamb.  de  Zaragoza  (Kapuziner)  pnblicö 
el  afio  —de  1780  —  contra  t.  30  de  la  Esp.  sagrada,  p.  III— XXXVII,  wo  er  den 
Unterschied  zwischen  wahren  and  falschen  Traditionen  aoseinandersezt 


326  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Rnpitel. 

wiesen,  nicht  einmal  wahrscheinlich  gemacht,  dass  Athanasias,  Theodor 
und  Epictet  die  ersten  Bischöfe  von  Saragossa  gewesen.  Während 
Bisco  diese  drei  fallen  Hess,  glaubte  Florez  im  Band  16  (der  Espana 
sagr.,  1759),  bei  dem  Erzbisthnm  Braga  noch  den  Petrus  Rathensis 
als  Schüler  des  heiligen  Petrus  und  Jacobus,  und  ersten  Bischof  von 
Braga  aufrecht  halten  zu  können.  Was  er  aber  als  Beweise  beibringt, 
sind  leere  Behauptungen.  Mit  Recht  sagen  die  Bollandisten:  „ob  den: 
Petras  mit  Recht  der  Titel  eines  Bischofs  beigelegt  werde,  darüber 
wollen  wir  nicht  streiten.  Wir  wollen  es  der  Leichtgläubigkeit  der 
Bracarenser  zugeben,  welche  ihn  als  solchen  verehren,  und  dem  heutigen 
römischen  Martyrologium,  worin  er  als  solcher  steht^^).  Gegen  diese 
und  ähnliche  Eingriffe  der  Bollandisten  in  die  s.  g.  Traditionen  der 
Spanier,  zunächst  wegen  der  Frage  des  Ursprungs  der  Carmeliten  von 
dem  Propheten  Elias  auf  dem  Berge  Carmel,  erhob  sich  die  spanische 
Inquisition.  Spanische  Carmeliten  baten  im  Jahre  1691  und  1694  die 
Inquisition  um  Schuz  ihrer  „Traditionen^^  Das  „heilige  Officium'^ 
verdammte  14  Folianten  der  Bollandisten  durch  Decret  vom  25.  Oc- 
tober  1695.  Dieser  „terrible  Schlag'^  wiederhallte  in  ganz  Europa. 
Denn  diese  14  Folianten  vollbrachten  unter  allen  Völkern  ungehindert 
ihren  Lauf.  „Man  kann  behaupten ,''  sagt  obiger  Spanier,  „dass  es 
kaum  einen  Gelehrten  von  bedeutendem  Rufe  gab,  von  dem  Papebroch 
nicht  Briefe  erhalten,  die  ihn  in  seinem  Missgeschicke  trösten  und  ihn 
ermuthigen  sollten,  heiterere  Tage  auch  für  sich  vom  spanischen  Him- 
mel herab  zu  erwarten^.  Besonders  die  Dominikaner  bezeugten  ihm 
ihre  Theilnahme.  Papebroch  bat  die  Inquisition,  ihm  die  Irrthümer 
näher  zu  bezeichnen,  damit  er  sie  im  Nothfalle  widerrufen  könne.  Der 
General -Inquisitor  Rocaberti  befahl,  dass  den  Wünschen  Papebroch's 
entsprochen  werde.  Aber  die  „Qualificatoren**  verschoben  die  Antwort. 
Die  Die  Ankläger  der  Bollandisten  hatten  schon  früher  auch  in  Rom  Klage 
**^1*  gestellt,  aber  kein  Gehör  gefunden.  Es  erhoben  sich  vielmehr  starke 
Vertheidiger,  wie  die  Cardinäle  Albani  (Papst  Clemens  XL),  de  Noris, 
Aguirre,  Sfondrati,  Barberini,  Petruchi,  Carpegna,  Colorcdo;  besonders 
der  Mauriner  Mabillon,  der  zur  Vertheidigung  Papebroch's  an  alle  seine 
Freunde  in  Rom  schrieb;  ebenso  der  Benedictiner  Bened.  Bachini  (169C). 
Nach  wiederholten  wüthenden  Delationen  und  wiederholten  reif- 
lichen Untersuchungen  wurden  die  14  Bände,  enthaltend  die  Monate 
März,  April  und  Mai,  freigesprochen.  Die  politischen  Wirren  zwischen 
Rom  und  Spanien  hinderten  Papst  Clemens  XL,  sich  um  Aufhebung 
des  Verbots   an  die   spanische  Inquisition   zu   wenden.     Der  General- 


SftMCtO 

rum* 

censa 

rirt. 


')  Detur  hoc  sanc  BraearenBium  ciedulitati,  qui  cum  {*ic  colunt,  et  hodienio 
Martyrologio,  cui  sie  est  inscripfus.    Acta  SaLct,,  Apiil  (t    Jll;  26,  p.  ICOl  — 10f3. 


BoUandisteD;  der  Historiker  J.  Ferreras,  327 

luquisitor  Yidal  Marin  erklärte  in  Folge  einer  eingereichten  Denkschrift, 
dass  die  „Acta  Sanctoram^  nicht  in  das  Yerzeichnies  der  in  Spanien 
verbotenen  Bücher  gesezt  werden  sollen,  welches  im  Jahre  1707  er- 
schien. £r  bestimmte  17  Qnalificatoren  ans  der  Zahl  der  angesehensten 
Theologen,  welche  die  censurirten  14  Bände  wiederholt  prüfen  soUten. 
Sie  legten  sehr  bald  ihr  Gutachten  „dem  Rath  der  Suprema^  vor, 
aber  die  Entscheidung  verzögerte  sich  acht  Jahre.  Am  20.  December 
IT  15  erklärte  der  General- Inquisitor  Cardinal  Franc,  de  Giudice: 

Nachdem  die  Werke  der  P.  P.  Henschen  und  Papebroch  reiflich 
geprüft  worden,  hebe  er  das  absolute  Verbot  derselben  auf;  nur  leichte 
Verbesserungen  sollten  nachgetragen  werden.  Es  bleibe  verboten  der 
zweite  Tfaeil  der  „Conatus  critici  historici^'  zu  dem  Cataloge  der  rö- 
mischen Päpste,  der  nicht  zu  den  „Acta  Sanctornm^^  selbst  gehörte, 
wegen  des  Unpassenden  gevnsser  Erzählungen  darin.  Man  sollte 
denken,  dass  man  dieses  „Unpassende^'  in  Rom  mehr,  als  in  Spanien 
empfunden  hätte.  Von  den  14  Bänden  wurden  7  ganz  untadelig  be- 
funden; alle  Correcturen  fallen  auf  die  7  noch  übrigen;  auch  hier  war 
die  Zahl  der  „Corrigenda^^  genog;  es  sind  mehr  Nachlässigkeiten  der 
Verfasser,  die  gerügt  werden.  Das  Decret  solle  am  20.  December 
1715  im  ganzen  Reich  bekannt  gemacht,  und  während  des  Januar  1716 
au  allen  Eirchenthüren  angeschlagen  w:erden'). 


§.  14. 

Ein   ähnliches  Schicksal,   ähnliche  Angriffe   wegen  seiner  Ortho- 
doxie erfuhr  der  Historiker  Juan  de  Ferreras.     Geboren   den  7.  Juni  J^j»^  ^^ 
H3r)2  zu  La  Baneza   bei  Astorga,   studirte   er  auf  den  hohen  Schulen 


ras. 


von  Valladolid  und  Salamanca.  Er  wurde  Pfarrer  von  Santiago  de 
Talavera,  wo  er  durch  seine  Predigten  sich  auszeichnete.  Im  Jahre 
]6S1  kam  er  nach  Alvares;  hier  regte  ihn  der  berühmte  Marques 
Caspar  de  Mendoza  Jbanez  de  Segovia  zum  Studium  der  spanischen 
Geschichte  an.  Im  Jahre  1685  wurde  er  Pfarrer  zu  Camarma  bei  Alcala, 
wo  er  besonders  Theologie  studirte.  Von  da  berief  ihn  der  Cardinal 
Portocarrero  nach  Madrid,  übergab  ihm  die  Pfarrei  S.  Pedro,  und 
später  San  Andres,  und  nahm  ihn  als  seinen  Beichtvater  an.  Ferreras 
vertheidigte  mit  grossem  Eifer  die  Sache  Philipp's  V.  Er  ist  Verfasser 
luthrerer  hieher  gehöriger  Schriften.    Auch  bei  dem  Nuntius  Aquaviva 


')  lieber  Dan.  Papebroch,  der  den  Ausgang  des  Proceascs  nicht  mehr  erlebte, 
(«reb.  1628,  t  2^.  Juni  1714),  ß.  Acta  Eruditorum,  annas  1715.  —  Vita  Papebrochii, 
111  Acta  Sanctomm,  t.  VI,  Juni.  Niceron,  M6moiren  t.  II.  Ftc.  de  LaFuente,  VI, 
p.  25^29  ;au8  einer  Denkschrift  des  achtzehnten  Jahrb.) 


328  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

stand  er  in  hoher  Gnnst.  Papgt  Clemens  XL  erwählte  ihn  zum 
Examinator  und  Theologen  des  Tribunals  der  Nuntiatur.  Von  der 
Inquisition  wurde  er  als  Qualificator  und  Provisor  ernannt.  Konig 
Philipp  y.  befahl  ihm^  den  Sizungen  des  Staatsrathes  anzuwohnen. 
Die  Bisthümer  Monopol!  in  Neapel  und  Zamora  lehnte  er  ab.  An 
der  Errichtung  der  königlichen  Akademie  nahm  er  den  regsten  An- 
theil,  wurde  wirkliches  Mitglied  derselben  (171»'0j  »"ch  eifriger  Mit- 
arbeiter an  dem  von  ihr  (1739)  herausgegebenen  spanischen  Woiler- 
buche.  Zulezt  wurde  er  Bibliothecar  an  der  königlichen  Bibliothek. 
Er  konnte  nun  die  in  Alvares  begonnenen  Studien  über  die  spanische 
Geschichte  mit  reichen  Hilfsmitteln  wieder  aufnehmen.  Im  83.  Lebens- 
jahre starb  er  am  8.  Juni  1735. 

Sein  Hauptwerk  ist:  Synopsis  historica  chronologica  de  Espana 
6  EUstoria  de  Espana,  Madrid,  1700—1727,  in  16.  Bänden  4%  in  neuer 
Ausgabe  1775 — 1791,  in  17  Bänden.  —  Das  Werk  reicht  bis  zum 
Jahre  1598.  Es  ist  in  trockener  Annalenform  geschrieben,  gibt  aber 
alle  Nachrichten  und  Notizen,  die  aufzufinden  waren.  Es  ist  eher  ein 
Magazin  der  spanischen  Geschichte,  als  eine  wirkliche  Geschichte. 
Das  Werk  wurde  in  das  Franzosische  übersezt:  Histoire  generale 
d'Espagne  (jusqu'  en  1598),  trad.  de  l'espagnol,  avec  des  notes  histor. 
et  critiqu.,  par  d'Hermilly,  10  t.  4®.  Paris.  1742 — 1751.  —  Nach 
dieser  Uebersezung  wurde  es  in's  Deutsche  übertragen,  unter  der 
Leitung  von  8.  A,  Baumgarten  und  Smder^  und  von  Bertram  bis  zum 
,Jahre  1648  fortgeführt,  Halle,  1754—1772,  13  Bde.  4«.  —  Genaue 
Chronologie,  und  Ausmerzung  fabelhafter  Legenden  und  Sagen  werden 
an  dem  Werke  gerühmt. 

Wegen  dieser  Ausmerzungen  erschienen  besonders  gegen  die  zwei 
ersten  Bände  eine  Menge  von  hizigen  Streitschriften^).  —  In  diesen 
Angriffen  wurde  dem  Ferreraa  j^Ungläubigkeit^  vorgeworfen,  und  um 
Frieden  zu  erhalten,  entschloss  er  sich  zum  Widerrufe.  —  Im  Ganzen 
hinterliesB  er  38  theils  gedruckte,  theils  ungedruckte  Werke,  u.  a. 
zwei  Voll,  über  Theologie,  1735;  eine  Paraenese  an  die  franzosischen 
Pfarrer,  sich  dem  päpstlichen  Stuhle  zu  unterwerfen,  1696;  einen  „Desen- 
gano  catolico  ühd  Des.  politico,  zu  Gunsten  Philipp's  V.;  Varias  poSsias^ 
Madr.,  1726«). 


')  Sie  stehen  in  Mmsel's  Bibliotheca  histor.,  VI,  I,  p.  150  —  154.  Dazu 
kommen:  Reparos  historicos  sobre  los  doce  primeros  annos  de!  Tom.  VlI.  de  U 
Bist,  de  Espafia.  Alcala,  1723  —  4*,  wogegen  Ferreras  ßchrieb:  B,  Juan  Ferrera.^ 
vindieado,  Madr.,  1729  —  4*.  —  cf.  Anttdefensa,  de  Luis  de  Salazar  j  Continuacion 
de  la  Crisis  Ferreras.  Saragossa,  1720,  4*  —  4S  p.p.,  wo  die  Einzelnheiten  der 
literarischen  Fehde  stehen. 

•)  Blas.  Änt.  Navarre  y  Ferriz,  Elog  io"  de  Ferreras,  gehalten  am  1.  Au- 
gust 1785  in  der  (1713  gegründeten)  spanischen  Academie,  Madr.,  1735 1  4*.  - 


CardiiMil  L.  Bellug«,  1719.  329 


§.    15. 

Von  Schwermuth   getrieben   Übertrag   Philipp   V.   durch   Decret 
vom   14.   J|knuar    1724   seinem   ältesten  Sohne  Ludwig   die  Krone;   er    ^bt- 
wollte  sich   ausschliesslich  seinem  Seelenheile  widmen.     Ludwig  war^^^^cirt. 
geboren  am  25.  August  1707,  wurde  Konig  am  15.  Januar  1724.   Der 
Tod  raffte   ihn  schon   am   31.  August  1724  hinweg,    und  Philipp  V. 
kehrte  zur  Regierung  zurück. 

Unter  den  Bischöfen  Spanien's  in  jener  Zeit  ragte  Lud,  Belluga  B»«c»»oi 
•y  Moncada  hervor.    Er  wurde  zu  Motril  am  23.  November  1662  ge-    yon 
boren,  nnd  studirte  in  Granada  und  Sevilla.    Er  wurde  Canonicus  und  Murcu, 
Professor   der  Theologie   zu  Cordova.    Der  Cardinal  Salazar,    damals  c*rdiDai 
Bischof  daselbst,  bewog  ihn ,   in   die  Gesellschaft  der  Oratorianer  zu  »*^«*'- 
treten.     Durch  dessen  Vermittlung  wurde   er  im  Jahre  1705  Bischof 
von  Murcia^   welche  Provinz   er  (wie  wir  hörten)  in   der  Treue  gegen 
Philipp  V.   erhielt.    Mit   den  Ausschreitungen   des  Königs   und  Hofs 
gegen  Rom   in  den  Jahren  1709 — 1719  war  er  unzufrieden').     Durch 
eine   von   ihm   zu  Gunsten  Rom/s   herausgegebene  Schrift  kam  er  bei 
Hof  in  Ungnade,   und  musste  sich  in  seinem  Bisthume  zurückgezogen 
hisilten.     Philipp  V.   trug   ihm   seinen  Zorn   viele  Jahre   nach.     Als  er 
hörte,  dass  Papst  Clemens  XI.  ihn  zum  Cardinal  ernennen  woUe,  be- 
fahl er  seinem  Gesandten  in  Rom,  Cardinal  Aquaviva,  sich  dieser  Er- 
hebung aus  allen  Kräften  zu  widersezen.    Aquaviva  erfuhr,  dass  Belluga 
am  24.  November  1719  Cardinal  werden  soUtCi  eilte  am  Abend  vorher 
zum  Papste,   hofitc,  ihn  durch  ftirchtbare  Drohungen  einzuschüchtern, 
und  schlug  den  Jesuiten  P.  Aubanton,   Beichtvater  Philipp's  Y.,   als 
Cardinal  vor. 

Clemens  XI.  erhob  am  24.  November  1719  den  L.  Belluga  unter 
vielen  Lobsprüchen  zur  Cardinalswürde,  nannte  ihn  den  grössten  Eiferer  ^"^* 
iur  den  wahren  Glauben^  den  unerschrockenen  Yertheidiger  der  päpst-    nai, 
liehen  Auctorität,  den  tapfern  Vorkämpfer  der  kirchlichen  Freiheit,  eine    ^^^'•** 
grosse  Leuchte  und  Zierde  der  frommen  spanischen  Nation.    Trozdem 
brachte   es  Aquaviva  dahin,   dass   der  Cardinalshut  eine  Zeit  lang  in 
Rom   zurückbehalten   wurde.    Belluga   wollte   diese  Würde  gar  nicht 
annehmen,   und   der  Papst  befahl   ihm    mit  Strenge,   sich   zu   fugen. 
Vergebens  wandte  sich  Belluga  auch  an  das  CoUegium  der  Cardinäle. 


M^moirea  de  Tiövonz,  März,  Jali,  August,  1743;  Mai,  Juli,  1752.  —  Retratos  de 
1o8  Espanoles  ilustres  con  un  epitome  de  bub  vidas,  Madr.,  1791,  2*.  —  Fevd. 
Wölf^  b.  Ersch.  und  Qrvber,  Encycl.,  Leipzig,  1846.  —  Ticknor-JuliuSy  1851,  II, 
p.  3Ö2.  TUknor-Wolf,  1867,  p.  197. 

*)  Also  wieder  ein  wirklich  rOmisch- katholischer  Bischof. 


3c!0  Yierzehotcs  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Philipp  V.  erklärte  dem  Papste,  er  werde  diese  Ernennung  nie 
genehmigen,  aber  Clemens  XL  gab  nicht  nach.  Da  BeiInga  ein  Ton 
ihm  gemachtes  Gelübde  yorschüzte,  so  übersandte  er  ihm  durch  Abbe 
Prati  das  Birrct  und  ein  Breve,  wodurch  jenes  Geläbde  aufgehoben 
wurde.  Endlich  gab  auch  Philipp  V.  seine  Einwilligung,  und  Belluga 
unterwarf  sich.  Er  behielt  seine  Strengfaeiten  bei,  fuhr  fort,  sich  zu 
geissein,  stark  zu  fasten,  und  Alles  den  Armen  zuzuwenden.  —  In 
Folge  der  Angri£Pe  Alberoni's  auf  Italien  war  es  zum  zweiten  Bruche 
zwischen  Rom  und  Spanien  gekommen.  Der  Nuntius  wurde  aus 
Spanien  ausgewiesen,  und  die  Beziehungen  mit  Rom  abgebrochen. 
Damals  richtete  Belluga  eine  energische  Denkschrift  an  Philipp  V.*). 
Er  bekämpfte  darin  die  Lehren  der  „Regalisten^^  mit  grosser  Schärfe 
und  Fülle  von  Gelehrsamkeit.  Er  bekämpfte  das  Exequatur,  den 
Recurs  an  die  weltliche  Gewalt,  die  Beschränkung  der  (kirchlichen) 
Censuren  und  andere  Regalien,  welche  seit  dem  fünfzehnten  Jahrhundert 
missbräuchlich  eingeführt  worden,  und  welche  durch  die  Mitwirkung 
der  französischen  Minister  Philipp's  V.,  die  alle  Ultraregalistcn  waren, 
gar  sehr  erweitert  worden.  Diesen  lieh  der  König  seine  Ohren.  Auf 
das  Memorial  Belluga's  aber  nahm  er  jezt  keine  Rücksicht. 
vhx-  Nach   dem  Sturze  AJberoni's   kam   der  König  auf  seinen   alten 

als  „Htt-  gutgemeinten,  aber  von  ihm  übel  verstandenen  Plan  einer  Reform  der 
fonoB,-  kirchlichen  Disciplin  in  Spanien  zurück.  Er  selbst  wollte  auf  die 
Reform  Einfluss  haben  und  sie  sollte  nach  seinem  Geschmacke  durch- 
geführt werden.  Der  Primas  Fr.  Valero  wurde  zu  Rathe  gezogen. 
Dieser  hatte,  mit  Recht,  wie  uns  scheint,  als  das  geeignetste  Mittel 
hiezu  die  (seit  140  Jahren  unterbliebene)  Feier  von  Provincial-Concilien 
vorgeschlagen,  vne  sie  das  Concil  von  Trient  vorschreibt.  —  Die 
Politiker  hätten  ein  Nationalconcil  vorgeschlagen,  weil  dort  der  Staat, 
oder  die  „spanischen  Gallicaner'^  mehr  dominiren  konnten.  Doch 
wurde  beschlossen,  die  Reformen  mittelst  der  Provincial-Concilien  zu 
versuchen.  Am  30.  März  1721  ergieng  ein  königliches  Schreiben  zu 
diesem  Zwecke  an  alle  Bischöfe').  Es  traten  Schwierigkeiten  in  den 
Weg.  Belluga  rieth  dem  König,  sich  an  den  heiligen  Stuhl  zu  wen- 
den ,  damit  dieser  die  Reformation  auf  die  ihm  passend  scheinende 
Weise  durchführe,  nach  dem  Sinne  des  Concils  von  Trient^  und  nach 
den  (billigen)  Wünschen   des  Königs.     Wenn  man   einem  von  Toledo 


')  Memoria],  ein  t  in  4*  —  ohne  Dmckort  imd  -Zeit.  An  leztenn  Mangel 
leiden  Oberhaupt  Bellnga's  Schriften«  Uns  scheint,  dasa  das  „Memorial"  von  dem 
Bischof,  nicht  dem  Cardinal  Belluga  verfasst  worden. 

*)  Recnrans  ad  prindpem^  in  Spanien:  recnrso  de  faerza. 

'>  Es  Bteht,  mit  der  Adresse  an  Bellnga,  als  Apendice  nr.  I,  ap.  La  Fuenttf 
VI,  S.  321-322. 


Versuchte  „Eeformen*.    Reformbulle  vom  13.  Mai  1723.  331 

# 

auegegangenen  Manifeste  Glauben  schenken  darf,  so  hätte  sich  Belluga 
h\oB8  von  Gründen  der  Etikette,  vielmehr  des  Vorranges  leiten  lassen. 
Da  er  als  Bischof  anter  dem  Primas  von  Toledo  stand,  so  habe  er 
auf  die  ältesten  Jahrhunderte  der  Kirche  recorriren  wollen,  in  welchen, 
wenigstens  bis  zum  Jahre  400,  die  Bischöfe  von  Cartagena  als  Metro- 
politen vor  denen  von  Toledo  den  Vorrang  gehabt^)«  Damit  Belluga 
nicht  einem  zu  Toledo  gehaltenen  Concil  hätte  anwohnen  müssen,  habe 
er  Philipp  V.  dahin  gebracht^  sich  die  Reform  von  Rom  aus  zu  er- 
bitten. Dieser  Vorwurf  scheint  uns,  in  Anbetracht  der  Persönlichkeit 
Belloga's,  niederträchtig  zu  sein.  Der  Weg  der  Verhandlungen  mit 
Rom  schien  ihm  der  kirchlichere  und  wirksamere  zu  sein. 


§.  16. 

Nach  dem  Tode  des  Papstes  Clemens  XI.  (f.  19.  März  1721) 
begab  sich  BeUuga,  mit  dem  Cardinal  Borgia,  zum  Conclave  nach 
Rom.  Die  Regierung  wies  Jedem  zur  Bestreitung  der  Kosten  6000  Dub- 
lonen an.  Von  Alicante  fuhren  sie  mit  drei  Fregaten  nach  Civita 
Vecchia.  Bei  ihrer  Ankunft  in  Rom  (nach  dem  8.  Mai)  war  Inno- 
zenz XIII.  schon  gewählt.  Am  10.  Juni  empfingen  sie  aus  seiner 
Hand  den  Cardinalshut,  am  16.  die  Titel  ihrer  Kirchen.  Belluga  weilte 
über  ein  Jahr  in  Rom.    Auf  sein  Betreiben  erliess  der  Papst  die  Bulle:  ^""*  ^- 

13     Mftl 

Apostolici  muneris,  13.  Mai  1723,  worin^  die  Grundsäze  einer  Reform  i'^s. 
der  Kirche  in  Spanien  ausgesprochen  sind.  Sife  enthält  20  Punkte  zur 
Reform  des  Welt-  und  Ordens- Kleras,  und  weitere  vier  Artikel  über 
die  Beobachtung  dieser  Bulle.  Sie  handelt  von  der  Tonsur  der  Kle- 
riker, der  Vorbereitung  zum  Eintritt  in  den  Klerus,  von  der  Residenz  der 
Kleriker  bei  ihren  Kirchen,  von  dem  Predigtamte  der  Pfarrer,  von  der 
Weise,  diesen  Coadjutoren  zu  geben,  von  der  Verminderung  der  Bene- 
tlcien  ohne  die  Congrua,  von  dem  Vorrange  der  Bischöfe,  welcher  in  allen 
Fällen  aufrecht  erhalten  werden  sollte,  um  die  lächerlichen  Missbräuche 
zu  verbannen,  die  sich  in  vielen  Kirchen  Spanien's  zum  Schaden  der 
Würde  der  Bischöfe  eingeschlichen  hatten.  Die  Reform  der  Regularen 
lunfasst  sechs  Punkte.  Der  Nuntius  möge  sorgen,  dass  in  den  Klöstern 
nicht  mehr  Mönche  und  Nonnen  aufgenommen  werden,  als  die  Ge- 
nossenschaft unterhalten  könne.  Sie  handelt  über  die  Weihen,  die 
Cura  der  Mönche,  worin  sie  den  Bischöfen  unterstellt  werden;  über 
die  Beichtväter  der  Nonnen.     Die  Bischöfe  sollen  die  Missbräuche  ab- 


')  Diese  ist  eine  Bestätigung  dessen,  was  wir  stets  behauptet  haben,  dass 
Bischof  Hikrias  im  Jahre  400  Metropolit  von  Cartagena  nnd  auch  über  Toledo  ge- 
wesen-  Kirchengesch.  II,  p.p.  177  —  178;  39ö  — 39G;  442—144;  eine  Bestätigung, 
lieblich  zu  hOren  aus  dem  Munde  der  Toletaner  selbst. 


332  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

m 

schaffcD,  irelche  nnter  dem  Vorwande  der  Gewohnheit  In  vielen  Kirchen 
gegen  das  Ceremonial  der  Bischöfe  nnd  das  romische  Ritaal,  ferner 
in  der  Feier  der  heiligen  Messe,  den  Privat  -  Oratorien  und  mit  den 
tragbaren  Altären,  Eingang  gefanden.  Es  werden  Bestimmungen  übe^ 
die  Art  und  Weise  des  Vorgehens  bei  den  Appellationen  und  bei  den 
s.  g.  Schiedsgerichten  gegeben*).  Die  meisten  dieser  Punkte  sind  nur 
Erneuerungen  der  Vorschriften  des  Concils  von  Tricnt.  Zu  seiner 
Vertheidigung  führte  Belluga  diesen  Beyfeis  Punkt  für  Punkt •).  So- 
bald die  Bulle  publicirt  wurde,  erhob  sich  in  ganz  Spanien  ein  ge- 
waltiges Geschrei  gegen  sie.  Da  sie  nicht  ,)motu  proprio^  vom  Papste 
erlassen  wurde,  der  Papst  sich  vielmehr  auf  das  Bemühen  des  Cardi- 
nais Belluga,  sie  zu  erlangen,  berief,  so  wurde  dieser,  und  nicht  die 
Balle,  angegriffen.  Verschiedene  „Memoriales^^  wurden  an  den  König 
gerichtet,  um  ihre  Ausführung  zu  suspendiren.  Eines  der  hizigsten 
wurde  im  Namen  der  Metropolen  und  Cathedralen  von  Castilien  und 
Leon  abgegeben.  In  demselben  ist  Alles  enthalten,  was  immer  die 
Casuisten  aufhäufen  konnten,  um  Missbräuche  aufrecht  zu  erhalten, 
Belluga  welche  die  Bulle  ausrotten  wollte.  Das  Memorial  will  die  Auetoritat 
feiDdet  der  Bischöfe  nach  Kräften  niederhalten,  und  bringt  darum  alles  Denk- 
bare gegen  die  Bischöfe  vor.  Diese  „Denkschriften^^  sind  ausgegangen 
von  den  sich  so  nennenden  „Heiligen  Kirchen'^,  welche  heilig  sein  wollen, 
wenn  sie  wirken  auch  ohne  ihre  Häupter,  oder  gegen  ihre  Häupter. 
Selbst  von  Seite  einiger  Orden  oder  Regularen  wurde  ein  heftiger  Protest 
erhoben.  Von  anderer  Seite  erschien  aber  ein  „Contramemorial'^,  welches 
sich  mit  den  Verordnungen  der  Bulle  ganz  zufrieden  erklärte. 

Die  Bulle  wurde  gewöhnlich:  „Bulla  Bellugiana^^  genannt  Troz 
der  Einsprüche  gegen  sie  bemühten  sich  sowohl  die  Prälaten  als  die 
Regierung;  sie  auszuführen;  auch  der  niedere  Klerus  hatte  nichts  gegen 
sie.  Ihre  Gegner  waren  die  Kapitel  und  die  Exemten,  welche  nach 
Kräften  ihre  Durchfuhrung  verhinderten. 

Die  Eingabe  der  ,,heiligen  Kirche  von  Toledo^^  behauptet,  die 
Bulle  enthalte  Eingriffe  zum  Schaden  dritter,  und  streite  gegen  das 
gemeine  Recht.  Der  Papst  möge  sie  suspendiren  oder  modificiren, 
und  der  König  ihn  dazu  bestimmen,  diess  wäre  eine  der  „heroischsten 
Thaten  seines  königlichen  und  katholischen  Eifers^^  zum  Nu2en  der 
Kirche').    So  kam  es,  dass  Belluga  den  Hass   des  spanischen  Klerus 


')  Siehe  die  Bolle  u.  a.  in  Bnllariain  Boman.,  t  XXI,  Augustae  Taurin.-, 
1871,  p.  931—942.  —  Vie.  de  La  Fuente^  t  VI,  im  Anhang,  p.  323—335. 
Madrid,  1875.  —  cf.  Memorial  k  la  Santitad  de  Innocentio  XIII.,  de  felix  recordacion, 
para  obtenir  la  bolla  Apostolici  mimeris. 

*)  Siehe  Apendice  der  Schrift  von  Did.  Covarrvbias^  Beoorsos  da  fderz« 
—  p.  417  der  zweiten  Ausgabe  von  1786. 

*)  La  Fwftite^  VI,  nr.  3,  p.  336. 


BeUuga  bleibeod  in  fiom,  1724 -1743.  3^3 

sich  zuzog.  Als  er  im  Jahre  1724  sich  zum  zweiten  Condave  nach 
Rom  begab,  hielt  er  es  für  gerathen,  seinem  Bisthume  zu  entsagen. 
Bei  dem  neuen  Papste  Benedict.  XIII.  stand  er  in  hoher  Gunst,  der 
ihn  immer  in  seiner  Nähe  haben  wollte.  Beide  waren  vereinigt  durch 
ihren  brennenden  Eifer  für  die  Verbesserung  der  Eirchenzucht^  und  der 
Sitten  des  Klerus.  Sogleich .  sezte  der  Papst  eine  Commission  ein, 
welche  aus  den  hiefur  eifernden  Cardinälen  Bellugä,  Tolomei  und  Zon- 
dadari  bestand,  die  über  eine  allgemeine  Reform  des  Klerus  berathen 
sollte.  Belluga  wohnte  dem  Lateranconcil  von  I72ß  an,  und  gab  sich 
viele  Mühe  zu  beweisen,  dass  es  ein  allgemeines  sei,  als  welches  er 
freilich  nicht  anerkannt  wurde  *).  Der  Erhebung  Coscia's  zum  Cardinal 
widersezte  er  sich  nach  Kräften,  was  ihn  bei  Papst  Benedict  XIII.  eben 
nicht  empfahl.  Im  Jahre  1733  wurde  er  an  der  Stelle  des  Cardinais 
Cornel.  Bentivoglio  spanischer  Minister  in  Rom*). 


§.  17. 

Neue  Conflikte  brachen   zwischen  Rom   und  Spanien  vom  Jahre   ^««^ 

1734  an  aus.    Der  lezte  Grund   davon  war  der  Ehrgeiz  der  Konigin,   flutte 
welche   zu   Lebzeiten   einen   ihrer   Söhne   als   Konig,   den   andern   als     <"'^ 
Cardinal   sehen   wollte.     Bei   dem   Ableben   des  lezten   Herzogs  von  ; 734. 37. 
Parma,  Anton.  Farnese,  sollten  diese  Herzogthümer  an  Spanien  fallen. 
Anton.  Farnese   (seit  1727)   starb   ohne  Erben   den   20.  Januar  1731. 

In  Folge  des  Wiener  Vertrags  vom  September  1731  nahm  der  Infant 
D.  C^os  Besiz  von  den  Herzogthümern.  Im  Jahre  1733  erklärte 
Philipp  Y.  dem  Kaiser  den  Krieg,  und  sandte  eine  Armee  nach  Italien, 
deren  Anführer  D.  Carlos,  damals  17  Jahre  alt,  am  14.  März  1734 
wurde.  Carlos  drang  in  das  Königreich  Neapel  ein;  er  wurde  am 
15.  Mai  1734  in  der  Hauptstadt  selbst  als  Konig  proclamirt    Im  Jahre  carim 

1735  eroberte   er  auch   die  Insel  Sicilien.    Am  18.   November   1736  ^^°** 

beider 

wurde  ein  neuer  Vertrag  zu  Wien  geschlossen,  durch  welchen  Spanien  sicuien. 
im  Besize   beider  Sicilien   bestätigt   wurde,   während   es   auf  Toscana, 
Parma  und  Piacenza  zu  Gunsten  des  Hauses  Habsburg  verzichtete. 

Belluga  wurde  im  Jahre  1734  beauftragt,  auf  den  freien  Durchzug 
der  Spanier  durch  den  Kirchenstaat  zu  dringen.  Papst  Clemens  XIL 
gab  nach.  Aber  die  spanischen  Officiere  und  Beamten  hoben  mit  mehr 
oder  weniger 'Gewalt  Soldaten  im  Kirchenstaate  aus.  Durch  solche 
GewaHthätigkeiten  kam  die  Wuth  des  Volks  zum  Ausbruche  —  März 


')  Concilinm  Romanam  in  basil.  Lateranensi  celebratam  —  Romas,  1725; 
Mooachii,  1726.  Dasselbe  in:  Conoiliornm  recentiornm  collectio  Lacensis,  Fribnrg?, 
t.  I,  1870,  p.  341—466. 

^  Lebensgescb.  aller  Cardin&le  des  achtzehnten  Jahrhunderts,  II,  p.  411— 419f 


334  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kfipitel. 

1730.     Spanier  wurden  in  Rom  und  Ostia  ermordet.     Andere  flohen  in  1 
Kloster.    Der  „instinktive  Hass*^  der  Einwohner  des  Kirchenstaats  gegen  ' 
die  gewaltthätigen  Spanier  brach  wieder  einmal  in  hellen  Flammen  ans. 
Das  Volk,  andere  sagen  der  Pobel,   machte  einen  Angriff  auf  die  spa-  > 
nische  Gesandtschaft.    Im  Jahre  1735  war   der  Cardinal  Aqnaviya  als 
cwrdinai  gpanigcher  Minister  an  die  Stelle  Belluga's  getreten.    Mit  50  spanischen 
Soldaten  vertheidigte   er  sich  in  dem  Gesandtschaftspalast.    Da  Papst 
Clemens  XII.   keine   den  Ansprüchen   genügende  Satisfaction   leistete, 
so   wurde  der  Internuntius   des  Papstes   wieder  einmal  aus   Spanien  ( 
ausgetrieben,  wieder  einmal  das  Tribunal  der  Nuntiatur  gesperrt,  Geld  \ 
nach  Rom  zu  senden  verboten,  und  dem  neuen  Nuntius,  Valent.  Gon-  1 
zaga,   der  Eintritt  in   das   Land   verweigert.      Aehnliches   geschah  in 
Neapel.    Alle  Spanier  jeden  Standes   und  Geschlechtes   mussten  Rom 
verlassen.    Mit  den  übrigen   Spaniern   retirirte   der  Cardinal   Belluga 
nach  Neapel,  wo  sie  bis  März  1 737  blieben.    Das  spanische  Heer  drang  | 
in   ded  Kirchenstaat   ein^).     Veletri   suchte  vergebens  Widerstand  zu 
leisten.     Die   Spanier    errichteten   Galgen    auf  den    Marktpläzen   der 
Städte,  wo  sie  Viele  von  denen  aufhingen,  die  Theil  an  dem  Aufstande 
genommen.    Die  Stadt  Veletri  musste  18.(  00  Scudi  als  Strafe  bezahlen. 
Gleiche  Contributionen  zögen  sie  von  Ostia  und  andern  Orten,   noch 
grössere  in  Palestrina  ein.    Der  Papst  musste  nun  auf  alle  Forderungen 
des  spanischen  Hofes  eingehen. 

Er  musste  auch  dem  Infanten  Luis  Bourbon  den  Cardinalsbnt 
geben.  Er  war  am  25.  Juli  1727  als  jüngster  Sohn  Philipp's  V.  ge« 
boren.  Der  Cardinal  (seit  1727)  Didacus  von  Astorga,  Nachfolger 
Fr.  Valero's  als  Erzbischof  von  Toledo,  war  am  9.  Februar  1734  mit 
Der  Tode  abgegangen.  In  dieser  Würde  sollte  ihm  nun  Luis  Bourbon,  erst 
lioniT  sicb^i^  Jahre  alt,  folgen.  Dieses  Erzbisthum  hatte  jährlich  viele  Tonnen 
Boar-  Goldes  Einkünfte,  und  die  Königin  trug  kein  Bedenken,  solches  ihrem 
jungen  D.  Louis  ,)Zuzuschanzen''.  Sie  verlangte  durch  ihren  Minister,  nnd 
durch  den  Cardinal  Belluga,  dass  ihn  der  Papst  als  Erzbischof  bestä- 
tigen solle'').  Clemens  XII.  wollte  nicht  ein  Kind  als  Erzbischof  ein- 
sezen.  Die  Königin  suchte  nun  aus  dem  Kirchenrecht  und  der  Kirchen- 
geschichte, d.  h.  aus  frühern  kirchlichen  Missbräuchen,  ihre  Ansprüche 
zu  begründen.  Endlich  am  12.  Juli  1735  gab  der  Papst  nach*).  „Als 
der  Prinz  (sagt  obiger  Lebensbeschreiber,  III,  p.  161)  den  geistlichen 
Habit  anlegte,  empfand  die  Mutter  ein  solches  Vergnügen  darüber,  dass 
sie  überlaut  ausrief:  „O  Ludewig,    o  Ludewig,  fahre  fort,   du  kannst 


0  Sabau,  XX,  326—329. 

')  Lebensgesch.  aller  Cardinäle  des  achtzehnten  Jahrhunderts,  IlJ,  160 — 170. 
*)  Anderswo  ist  der  13.  Februar  1736  und  1.  Deoember  1737  als  Anfang  der 
I,  Administration*'  des  Lnis  Bourbon  bezeichnet 


Ein  achtjfthriger  Cardin&l.    Neaeft  Goncordat  3?5 

hober  steigen,  und  einmal  die  dreifache  Krone  erlangen,  ob  sie  gleich 
bisher  keinem  Ausländer  (?)  zu  Theil  geworden;  dein  ßruder  Don 
Carlos  kann  dir,  nebst  andern  Prinzen,  die  mit  uns  in  Freundschaft 
leben,  dazu  behilflich  sein/^  Prinz  „Ludewig''  aber  zog  den  Ehestand 
der  dreifachen  Krone  vor.  Die  Mutter  liess  nun  auch  um  den  Cardinals- 
hut  durch  Aqua^iva  werben.  Da  der  Papst  in  Bedrangniss  war ,  so 
gab  er  nach.  Der  Infant  wurde  am  19.  December  1735,  ganz  allein, 
'AMm  Cardinal  ernannt.  In  der  glänzen  katholischen  Kirche  war  man 
über  diesen  ^,kindischen''  Cardinal  Terblufft'). 

Diese  Regierung,  welche  solche  Missbräuche  forderte,  ja  mit  Ge- 
walt sie  vom  Papste  erzwang,  hatte  beständig  den  Mund  voll  über  die 
Missbräuche  der  romischen  Curie  in  Spanien. 


§.  18. 

In  Madrid  hatte  man  Materialien  gesammelt,  um  das  unbeschränkte 
königliche  Patronat  über  fast  alle  Kirchen  Spanien's  nachzuweisen. 
Der  Abt  von  Vivanco,  Secretär  der  (konigl.)  Kammer,  hattQ  dem  Konige 
ein  Memorial  über  diese  und  andere  angebliche  Rechte  der  Krone  über- 
reicht —  1735,  deren  Bestätigung  von  Rom  man  verlangte.  Dem 
widersezten  sich  der  Bischof  von  Avila,  Internuntius,  sowie  die  Vor« 
Steher  der  Benedictiner,  welche  leugneten,  dass  der  Konig  das  Patronat 
über  ihre  Consistorial-Abteien  habe.  Der  Minister  Josö  Patino  wollte 
in  einem  gelehrten  Foliobande  das  allgemeine  Patronat  des  Königs 
beweisen*).  Der  Abbate  Guiccieli,  geheimer  römischer  Agent  am  Hofe 
von  Madrid,  sandte  heimlich  Breven  an  Bischöfe,  mit  der  Aufforderung, 
weder  das  gegen  Rom  geschleuderte  (staatliche)  Interdict,  noch  das 
(allgemeine)  königliche  Patronat  anzuerkennen;  er  erklärte  als  null  und 
nichtig  alle  von  der  Regierung  in  diesem  Sinne  genommenen  Maass- 
regeln. Die  Regierung  liess  diese  Breven  einsammeln,  und  verschiedene 
Agenten,  welche  heimlich  Bittgesuche  nach  Rom  gerichtet  und  Ant- 
wort von  dort  erhalten  hatten,  wurden  mit  schweren  Strafen  heimgesucht. 

Eine  neue  Regierungsjunta  wurde  eingesezt,  an  ihrer  Spize  Caspar 
von  Molina  y  Oviedo,  Bischof  von  Malaga,  Präsident  des  königlichen 
Rathes,  fünf  Räthe,  und  die  Theologen  Fr.  Juan  Raspeno,   Fr.  Matias 


')  Der  rOmische  Pasqnino  stellte  eine  Person  dar,  welche  in  der  einen  Hand 
einen  Cardinalshut,  in  der  andern  ein  Backwerk  hielt,  und  beides  dem  Infanten 
präsentirte,  welcher  seine  Hand  nach  dem  Gebackenen  aasstreckte.  —  Dierönselo 
ademäs,  con  esc&ndalo  de  todas  las  personas  de  virtnd,  los  arzobispados  de  Toledo 
j  Sevilla  ^lezteres  seit  1742).    Fuente,  VI,  p.  38. 

*)  PropognAcnlo  histörico  canönico,  politico  y  legal  del  Real  y  universal 
patronato;  Madrid,  1786  —  in  fol.  —  (v.  Patifto), 


•^»3()  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Terao,  Fr.  Antonio  Gutierrez  and  Fn  Domingo  Losado.  Dio  Junta 
sollte  die  Aoflräge  formuliren,  welche  für  die  Unterhandlang  über  ein 
neues  Concordat  dem  Cardinal  Aqaayiva  za  ertheilen  seien,  und  V^or- 
schlage  machen,  was  die  Regierang  than  solle ,  wenn  Rom  das  ange- 
botene Concordat  zurückweisen  würde.  Daraus  schon  sieht  man,  wie 
es  mit  dem  neaen  Concordat  gemeint  war.  Rom  sollte  Alles  conce- 
diren,  Spanien  Alles  erhalten.  Schon  als  der  König  am  23.  December 
(17357)  im  Staatsrathe  nene  Verhandlangen  mit  Rom  ankündigte,  be- 
zeichnete er  das  am  24.  October  erlassene  Beeret,  welches  die  Vorlage 
aller  päpstlichen  Breyen,  Rescripte,  mit  Ausnahme  der  Erlasse  der 
Pönitentiarie,  an  den  Staatsrath  verlangte^),  als  das  beste  Mittel,  das 
seit  Jahrhunderten  von  Rom  Verlangte  zu  erlangen*).  Vor  den  Ver- 
handlangen starb  der  Minister  Jose  Patino  (f  5.  Nov.  1736).  Sein 
Nachfolger  Sebast.  de  la  Cuadra  war  ihm  weder  an  Kenntnissen  noch 
an  Energie  ebenbürtig.  Anderseits  wünschte  Molina  den  Cardinalsbot 
zu  sehen,  der  ihm,  nach  dem  Abschlass  des  Concordats,  in  Aassieht 
stand ^).  —  Die  Regierung  aber  wünschte,  da  Clemens  XII.  schon 
83  Jahre  alt  war,  bei  der  bevorstehenden  Sedisvacanz  Einfiuss  auf  die 
Papstwahl  zu  erhalten.  In  Rom  war  papstlicher  Bevollmächtigter 
Cardinal  Firrao,  spanischer  der  Gesandte  Cardinal  Aqaaviva^).  Sie 
brachten  das  Concordat  am  26.  September  1737  znm  Abschluas;  es 
wurde  von  Clemens  XII.  am  12.  November  genehmigt.  Es  richtet  sieb 
vielfach  nach  dem  Entwarf  eines  Concordats  vom  Jahre  1717 — I7l8* 
Artikel  1)   Es   wird  der  Verkehr  mit  dem   heiligen  Stuhle   vollkommen 

Concor-  "^^^dcr  hergestellt;  wie  vorher,  sollen  die  apostolischen  Ballen  und  die 
data  TOD  Bullen  in  Ehesachen  ausgeführt  werden;  der  Nuntius  und  das  Tribunal 
^'^'  der  Nuntiatur,  wie  vorher,  in  Thätigkeit  treten.  2)  Die  Missbräuche 
des  Asyls  sollen  beschränkt  werden.  3}  Beschränkung  des  Asyls  der 
s.  g.  „Iglesias  frias^.  4)  Die  Einsiedeleien  und  Landkirchen,  in  welchen 
das  Sanctissimum  nicht  aufbewahrt,  in  denen  kein  Priester  wohnt,  wo 
auch  nicht  häufig  celcbrirt  wird,  besizen  kein  Asylrecht  6)  Gegen 
die  allzugrosse  Zunahme  der  Kleriker  mit  höhern  und  niedem  V^eihen 
werden  die  Beschlüsse  des  Concils  von  Trieut  eingeschärft.  Es  werden 
Vorsichtsmaassregeln  getroffen,  dass  der  Fiscus  nicht  in  Betreff  des 
Privatvermögens  der  Kleriker  betrogen  werde.  6)  Die  Sitte,  kirc^iche 
Beneficien  nur  für  eine  beschränkte  Zeit  zu   errichten,  vnrd  ganzlich 


*)  Wodurch  die  Pragmatica  vom  16.  Jon!  1768  anticipirt  wurde. 

*)  Coleccion  de  los  Concordatos  y  demas  Convenios  ceiebrados  despaes  dei 
Concilio  Tridentluo,  entre  los  reyes  de  Espafia  y  la  Santa  Sede,  per  un  Catedratico, 
Hadr.,  1848,  p,  35-86. 

*)  Supplement  ad  historiam  eccles.  Natalis  Alexandri,  t  II,  p.  286 — 267. 
Biogii  ad  Rhenum,  1791. 

*)  Coleccion,  p.  26. 


Das  Coneordat  vud  1737.  337 

abgeschaflft.     Artikel    7  handelt   von    den  Beiträgen   der  Kirchen   und 
Kleriker  zu  den  Staatslasten.     Der  Papst   ertheilte  dem  König  ein  In- 
dult von  fiinf  Jahren,  kraft  dessen  der  Klerus   die  neue  Auflage  von 
4'/^  Millionen  spanischer  Ducaten  (mit-)  bezahlen  soll,  und  den  Tribut 
für  die  8000  Soldaten,  gelegt  auf  Weinessig,  Fleisch,  Essig  und  Wein; 
in  derselben   Weise,   in   der  er   schon   die    19'/«   Millionen   Abgaben 
(mit-)  bezahle,  so  jedoch,   dass   die  Bezahlung  der  4V,  Millionen   auf 
sechs  Jahre  sich  erstrecke.    8)  Die  Güter,   welche  E^enis  und  Kirche  ^  ^^' 
seit  1700  erworben  hat,   und  in   Zukunft  ei-werben  wird,   sollen   den-  Concor, 
selben  Lasten  unterworfen   sein,   wie   die  Güter  der  Laien.     9)   Die  ^«t»  von 
Kleriker  sollen  nach  Empfang  der  Tonsur   —   zur    rechten   Zeit    die 
höhern  Weihen  erhalten,   sonst  sind   sie  nicht  befreit  von  den  öffent- 
lichen Lasten.     10)  Die  kirchlichen   Gensuren    sollen   mit  Maass   an- 
gewendet werden.     11)  Die  Erlöster  sollen  wegen  etwaiger  Missstande 
darin  visitirt  werden.     12)  Li  Dingen  von   grösserer  Bedeutung  darf 
nach  Rom  appellirt  werden;   kleinere   sollen  durch  Richter  in  partibus 
entschieden  werden.     13)  Die  Pfarreien  sollen  nach  vorangegangenem 
Concurs  besezt  werden*    14)  Da  die  Pfarreien  in  Spanien  nicht  „fett^ 
sind,  so  wird  man  sie  nicht  mit  Pensionen  belasten ^   ausser  im  Falle 
der   nothwendigen  Pensionirung  eines   frühem  Pfarrers.      Artikel   15 
handelt  von  den  Pensionen,  welche  auf  andere  Beneficien  gelegt  werden. 

16)  lieber  alle  frühern  und  zufalligen  Einkünfte  der  Präbenden  und 
Beneficien   soll   eine  genaue  Berechnung  (Passion)  angefertigt  werden. 

17)  Stellen  von  Coadjutoren  an  Dom*  und  Gollegiatkirchen  dürfen 
ohne  Zeugnisse  der  Bischöfe  nicht  vergeben  werden.  18)  Die  Nuntien 
dürfen  in  Zukunft  keine  Dimissorien  ertheilen.  19)  Da  die  Nuntien 
Beneficieii  vergeben  dürfen,  deren  Einkommen  nicht  24  (Kammer-) 
Dacaten  übersteigt,  so  sollen  die  Erträgnisse  solcher  Beneficien  genau 
berechnet  werden.  20)  Der  Nuntius  soll  zu  Richtern  in  „Curia^'  nur 
solche  bestellen,  welche  von  den  Synoden  als  ,Judices^^  ernannt  sind, 
oder  an  dten  Cathedralen  eine  Dignitat  haben.  Artikel  21  handelt  von 
der  Ennaesigung  und  Feststellung  der  Kosten  und  Sportein  bei  dem 
Gerichte  der  Nuntiatur.  22)  Von  den  Spolien  und  Einkünften  aus 
vacanten  Beneficien  soll  in  Zukunft  stets  der  dritte  Theil  zum  Besten 
dieser  Kirchen  selbst  und  der  Armen  verwendet  werden,  nach  Abzug 
der  auf  diese  Beneficien  gelegten  Pensionen.  23)  Wegen  der  grossen 
Streitfrage  des  königlichen  Patronats  soll  eine  genaue  Untersuchung 
angestellt  werden,  durch  eine  Gommission,  deren  Mitglieder  der  Papst 
and  der  König,  jeder  zur  Hälfte,  erwählen.  24)  In  den  Punkten,  über 
die  man  nicht  übereingekommen  ist,  solle  die  frühere  Praxis  bestehen. 
iS)  Wenn  sich  künftig  Streitfragen  erheben,  so  sollen  sie  das  jezige 
Uebereinkommen  unangetastet  lassen.    26)  Der  Vertrag  soll  beiderseits 

Oftm«,  spao.  Klrehe.  ]U.  S.  ^2 


338  Vierzehntes  Bach.    Erstes  ELapitel. 

in  zwei  Monaten    besiegelt  und   ratificirt  werden').    In  Rom   beeilte 

man  sich,   die   einzelnen  Stipulationen   des  Concordats  in  Ausfuhrung 

zu  bringen.     Circularschreiben  ergiengen   an  die  Bischöfe,   ein  besou- 

deres   Breve   an    den  Konig,   ein  Breve  an   die  Erzbischöfe   über  die 

Visitation  der  Klöster,  nebst  Instruction  für  dieselbe,  ein  Breve  wegen 

des  Asylrechts.    Um   dem  König  zu   schmeicheln,   wurde  am  1.  De- 

cember  1737  der  Infant  Luis  zum  Administrator  Toledo's  in  spiritualibus 

ernannt,  wie  im  Juli  1735  in  temporalibus.     Als  Coadministrator  wurde 

ihm  der  Erzbischof  Bemard  von  Larissa  beigegeben').    Auch  der  neue 

Nuntius,  Erzbischof  Silvius  von  Nicaea,   erhielt  genaue  Instructionen. 

Er   wurde   ehrenvoll   in  Madrid  aufgenommen.     Aber  das  Concordat 

DMCon-Ji^gg  man  nur  als   einfaches  Decret   circuliren.     Der  köniirliche  Ratb 

nicht  scheint  das  „Pasc"  verweigert  zu  haben.    Der  Cardinal  Aquaviva,  sonst 

AUi'ge-  ein   extremer   Spanier,   wurde   beschuldigt,   die   spanischen  Interessen 

verrathen  zu;,haben.    Was  den  Spaniern  zusagte,   das  führten  sie  aus; 

z.  B.  in  Betreff  der  Asyle,   vor  Allem   das  Indult  über  die  Belastung 

des  Klerus  mit  neuen  Abgaben.    Dieses  Indult  wurde  im  Jahre   1740 

noch  erweitert,  indem  Clemens  XII«  dem  Könige  wieder  zwei  Millionen 

aus  den  Einkünften  der  Kirche  bewilligte^).     Auch  eine  neue  Centralis 

sation  der   geistlichen   Orden   in   der  Hand   und   zum   Yortheile   des 

Königs  wurde  von  Clemens  XII.  am  22.  Mai  1739  genehmigt. 

Im  Jahre  1738  vnirde  die  königliche  Akademie  der  Geschichte 
in  Madrid  errichtet.  Die  Portugiesen  waren  hierin  den  Spaniern  um 
17  Jahre  vorangeeilt  ^). 


*)  Das  Concordat  steht  u.  a.  spanisch  bei  T^ada  y  Ramiro:  Coleccion  com- 
pleta  de  Concordatos  Espafioles,  Madrid,  1862  (t.  VII  der  Conciiiensammlang  Ir,- 
jada's),  p,  100~106y  mit  dem  päpstlichen  Breve  der  Bestätigang  vom  14.  November 
l'i37,  p.  106  —  112.  Bei  Ftc.  de  La  Fuerite,  Apendice,  nr.  4,  p.  337—343,  mit  der 
Real  Cödula  zar  AasfÜhrang  des  Concordats  an  die  „Audiencia  von  Aragon**,  vom 
10.  Mai  1741.  Apend.  nr.  5,  p.  343  —  346,  —  Hergenröther ,  Archiv  für  Kirchen- 
recht,  1864,  X,  pp.  1— 46,  185  —  214. 

')  Commentar.i|in  Regulas,  constitutiones  et  Ordinationes  Concellariae  Apa&to- 
licae.  Op.  posth.  Joh.  Rigantii.  t.  II  —  2**  —  Romae,  1744.  —  Not.  ad  Ke^L 
XXIV  Cancell.  §  2.  nr.  35  (t.  II,  p.  373). 

')  Moronif  Diccionario^  t.  68,  p.  148. 

*)  Die  Lissaboner  Akademie  wurde  errichtet  durch  Decret  des  KOnf^  Joao  V. 
vom  8.  December  1720.  Der  König  erklärte  sich  zu  ihrem  Protector,  und  ernannte 
50  Akademiker,  welche  sich  in  die  Bearbeitung  der  Kirchen-  und  Profangesehich te 
PortugaPs  und  seiner  Colonieen  theilen  sollten.  —  J.  P,  Miöeiro,  Indice  chrono- 
logico  de  legislagao  portugueza  (ann.  1603  al  1819)  6  vol.  4*.  Lisb.  1805 — 18:20; 
t.  I.  p.  310.  —  Heinr,  Schäfer,  Geschichte  von  Portugal,  Bd.  V,  1854,  p.  177—178. 


ti 


DifTerenzen  über  die  AnsfOlirnng  des  Goncordats.  339 


§.  19. 

Von   dem  Concordate   des  Jahres  1737   wurde  zunächst  die  Be- 
schränkung des  Asylrechts  ausgeführt.    Dasselbe  gab  zu  vielen  Miss-   ^*y^' 
ständen  Anlass.     Im  Jahre    1742  flüchtete   sich   ein  Mörder  in   das   ^^ 
Kloster  der  Capuciner  zu  Pamplona,   und  wurde   mit  Gewalt  heraus- 
gezogen.   Es  kam  zu  schweren  Conflikten  zwischen  dem  Bischöfe  und 
dem  königlichen  Rathe  von  Nayarra.    Der  Bischof  excommunicirte  die 
Behörden;   diese  vertrieben   den  Provisor  des  Bisthums.    Es  kam  fast 
zur  Schlacht  zwischen  den  Anhängern  des  Bischofs  und  den  Truppen'). 
Im  Ganzen  herrschten   über   11  Artikel   des   Concordats   Differenzen. 
Es  sollte  über  die  Frage  des  königlichen  Patronats  in  Rom,   über  die 
andern  Punkte  in  Madrid  verhandelt  werden.    Rom  bequemte  sich  zu 
mehreren    ihm    ungünstigen    Modificationen    des    Concordats.     Papst 
Benedict  XIV.  (1740  —  1758)   wollte  dem  Madrider  Hofe  alle  ihm  nur 
möglichen  Concessionen  machen.    Der  Erzbischof  Ludwig  Salcedo  von 
Sevilla  starb   am   3.   Mai   1741.     Auf  Andringen   des  Hofes  gab  der 
Papst  am  19.  September  auch   dieses  Erzbisthum  „in  Administration" 
dem  Cardinal-Infanten  Luis,  von  welchem  derselbe  am  7.  Januar  1742 
Besiz  ergriff^.    In   spiritualibus   sollte  der  Erzbischof  von  Mitylene, 
Gabriel   Torres  y   Navarra,   sein  Coadjutor   sein;   im  Weltlichen   ad- 
ministrirte   er  allein  im  Alter  von  15  Jahren  die  beiden  Erzbisthümer. 
In   den  Jahren  1741  — 1742   arbeiteten   die  beiden  Cardinäle  Bel- 
luga  und  Aquaviva  an   einem  neuen,   oder  an  Verbesserung   des  alten 
Concordats  im   Sinne   der  Spanier.     Gabriel   de  la  Olmeda,   damals 
Fiscal   der  königlichen  Kammer,   hatte  gemäss  Auftrag  vom  18.  Sep- 
tember 1741  eine  Denkschrift  über  das  allgemeine  Patronat  des  Königs 
verfasst,   welche  den  beiden  Cardinälen  am  20.  November  als  Grund- 
lage ihrer  Verhandlungen  zugesandt  wurde.     Bei  der  grössten  Nach- 
giebigkeit des  Papstes  kam  man  im  Jahre  1742  in  dieser  Frage  nicht 
weiter.     In  Spanien  wies  man  die  römischen  Verbesserungen  der  Denk- 
schrift Olmeda's  zurück.     Den  beiden   Cardinälen  wurde  von   Seiten 
des  Papstes   eine  ,,Dimostrazione''   übergeben.    Olmeda  aber  schrieb 
ein  neues  Memorial.    Rom  schlug  den  Ausgleich  vor,  der  König  möge 
i'ür  die   in   den   acht  Monaten   der  päpstlichen  Reservation  erledigten 
Stellen,  welche  streitig  waren,  dem  Papste  je  zwei  Personen  zur  Aus- 
wahl vorschlagen.    In  Madrid  wollte   man   alle  Stellen  allein  besezen. 


')  Greg,  Fem,  Perez,  Historia  de  los  obispos  de  Pamplona,  3  tom.  (1822— 
1824),  t.  lU,  p.  1&7. 

')  Bigant,  t  II,  p.  373. 

22* 


340  Vierzehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Card.  üeber  die  fruchtlosen  Verhandlungen  starb  der  Cardinal  Belluga, 

fms.  ana  22.  Februar  1743,  im  Alter  von  80  Jahren.  Er  genoss  die  Hoch- 
achtung aller  Gutgesinnten,  besonders  der  vier  Päpste,  unter  denen  er 
Cardinal  war.  Benedict  XIV.,  der  ihn  überaus  schäzte,  beehrte  den- 
selben durch  eine  würdige  Grabschrift: 

„D.  O.  M.  Ludovico  Belluga,  Hispano,  qui  ex  Episcopo  Carthagi- 
nensi  invitus  et  renuens  a  demente  XI.  S.  M.  in  S.  R.  E.  Cardinalium 
Collegium  coaptatus,  Hispaniarum  apud  S.  Sedem  Protector,  Jurium 
Romanae  Ecclesiae  Vindex  hoc  unum  curavit,  ut  Deo,  non  hominibus 
placeret;  vir  Apostolico  propagandae  fidei  zelo  flagrantissimus,  eccle- 
siasticae  disciplinae  assertor,  de  alimonia  pauperum,  de  institutione 
Clericorum,  de  educatione  juventutis  sollicitus,  Collegia,  scholas,  pias 
domus  aere  suo  fundavit.  Benedictus  XIV.  P.  M.  perene  hoc  amoris 
sui  monumentum  P.  C.  Vixit  änos  LXXX.  Mens.  II.  Dies  XXIIL 
Obiit  IX  kal.  Martias  Ano  1743.  Hie  ex  Testamento  una  cum  S.  Phi- 
lippi  Nerii,  Filiis  ipse  et  Congregationis  Propagator  resurrectionem 
expectat"  *). 

§.  20* 

Nach  dem  Tode  Kaisers  Carl  VI.  1740  wollte  Philipp  V.  die 
Gelegenheit  zu  neuen  Eroberungen  in  Italien  ausnüzen.  Im  Jahre  1742 
sandte  er  seinen  Sohn  Philipp  mit  einer  Armee  unter  den  Befehleu 
des  Grafen  de  Glimer  ab.  Savoyen  fiel  zuerst  in  seine  Gewalt.  Bald 
aber  zwang  ihn  der  König  von  Sardinien  zum  Rückzug.  Im  Jahre 
1744  wurde  diese  Armee,  verbunden  mit  der  französischen,  aus  dem 
Gebiete  von  Mailand  zurückgeworfen.  Es  handelte  sich  wieder  darum, 
auch  dem  Jüngern  Philipp  einen  Thron  in  Italien  zu  verschaffen.  Der- 
selbe war  zu  Madrid  am  15.  März  1720  geboren.  Er  sollte  sich  ioi 
Jahre  1742  den  Thron  von  Parma  erobern.  Zweimal  musste  er  vor 
den  Armeen  Oesterreich's  und  Sardinien's  in  das  ihm  verbündete 
Frankreich  retiriren.  Sein  Vater  erlebte  das  Ende  des  Krieges  nicht. 
Erst  durch  den  Frieden  von  Aachen  erhielt  Philipp  die  Herzogthümer 
Parma,   Piacenza   und  Guastalla  —  1748;   er  nahm  am  7.  März  1749 


*)  Seine  Lebensgeschichte  b.  Leben  aller  Card.  III,  p.  419,  und  „Bibliotfa^ne  sacr^e"" 
von  Richard  et  Giravd,  Par.,  1824,  1. 17,  p.  144  (Art  Moncada).  Bei  Rickard  sind 
auch  die  grossen  und  zahlreichen  Lobsprüche  der  vier  Päpste  s.  Zeit  auf  Belln^a 
gesammelt,  sowie  die  Titel  seiner  zahlreichen  Schriften,  leider  ohne  Angabe  des 
Dnickortes  und  Jahres  ihres  Erscheinens,  L  c.,  p.  134—144.  *-  In  dem  „Dictionnaire 
des  Cardinanx,  publ.  p.  Tabbö  Migne,  1857  —  art.  ^^Moncada*'  ist  hingewiesen  auf 
Moröri,  grand  Dictionnaire  historique,  Paris,  1759,  und  den  dort  stehenden  Catalog 
seiner  gedruckten  nnd  nicht  gedruckten  Schriften. 


Philipp'8  V.  Tod  and  Charakter.  341 

Besiz  von  seinen  Staaten,  und  beschäftigte  sich  mit  dem  Glücke  seiner 
Unterthanen. 

Philipp  V.  starb  am  9,  Juli  1746,  im  Alter  von  63  Jahren. 
Neben  grossen  Fehlern,  der  Unfähigkeit  zu  den  Geschäften,  der  Leichtig- 
keit, sich  von  andern  regieren  zu  lassen,  der  Leidenschaft  für  die  Jagd, 
fehlte  es  ihm  nicht  an  guten  Eigenschaften.  Seine  Frömmigkeit  war 
aufrichtig.  Er  hatte  einen  Sinn  für  Gerechtigkeit,  und  eine  Liebe  zu 
seinem  Volke.  Unter  ihm  erschien  die  neue  Sammlung  der  spanischen 
Geseze  *). 

Bei  seinem  Tode  wurde  Philipp  V.  von  seinem  Volke  betrauert. 
Ungeachtet  der  Fehler,  die  er  begieng,  ist  doch  unter  ihm  auch  Blei- 
bendes gegründet  worden.  Unter  ihm  wurde  die  kriegerische  Tugend 
der  Spanier  erneuert,  die  Disciplin  der  Armee  verbessert  Die  Flotte 
warde  in  tüchtigen  Stand  gesezt  Oran^  das  die  Mauren  genommen, 
wurde  wieder  erobert.  Die  Gerichtshofe  wurden  reformirt.  Der  Eonig 
drang  auf  Beschleunigung  des  Verfahrens  der  Gerichte.  Den  Handel 
und  die  Industrie  suchte  er  zu  heben.  Den  Wissenschaften  wendete 
er  Schuz  und  Ermunterung  zu.  Er  gründete  die  Akademie  der  Ge- 
schichte, wie  der  castUianischen  Sprache  an  der  Bibliothek  zu  Madrid. 

Aber  anstatt  seinen  Unterthanen  Institutionen  nach  dem  Charakter 
des  Landes  und  Volkes  zu  geben,  anstatt  die  Freiheiten  der  Nation 
wieder  in  das  Leben  zu  rufen,  welche  mit  einer  festen  Regierungs- 
gewalt und  einer  regelmässigen  Verwaltung  wohl  vcreinbarlich  waren, 
8ezte  er  einfach  die  despotische  Regierung  der  Eonige  aus  dem  Hause 
Habsburg,  und  jene  elende  Günstlingswirthschaft  fort,  unter  welcher 
Spanien  seit  dem  Jahre  1598,  theilweise  seit  dem  Jahre  1517,  dar- 
niederliegt'). 


*)  Recopilacion  de  las  leyes  destos  reynos,  faecha  por  mandado  del  rey  Felipe  V. 
Madrid,  1723,  4  vol  2*.  —  Saplemento  k  la  coleccion  de  pragmaticas  etc.,  publi- 
cadas  en  el  reynado  de  Carlos  IV.  Madrid  1799  *-  2*.  —  Novisima  Recopilacion  de 
las  leyes  de  Espafia.  Paris,  1832.  4  vol.  4*  —  ed.  par  Vincent  8alvd^  Paris,  1845, 
—  5  voll.  —  8». 

')  Belando,  Jesus  (Fr.  Nicolaus  de),  Historin  civil  de  Espafia,  sncesos  de 
la  gaerra  y  tratados  de  Paz  desde  el  afio  1700  asta  1733,  Madrid,  1740— 174i, 
3  vol.  in  2*.  ~  Der  dritte  Band  dieses  Werkes  wurde  im  Jahre  1744  von  der  In- 
quisition eingezogen  und  verboten,  und  war  noch  im  Jahre  1789  verboten,  ist  darum 
nicht  zu  finden.  —  BacäUar  y  Sana,  marques  de  San  Phelippe,  (D,  Vicente), 
Comentarioa  de  la  guerra  de  Espafia  e  historia  de  su  rey  Phelippe  V,  desde  el 
prineipio  de  su  reynado  hasta  el  afio  de  1725.  Genova  (ohne  Datum),  2  vol.  4\ 
auch  in  2*.  —  Als  Fortseznng  erschien:  Memorias  politicas  y  militares  para  servir 
de  continuacion  a  los  comentarios.  Madrid,  1756  —  1763,  2  vol.  in  4*.  Französ.: 
M^moires  ponr  servir  ä  Thistoire  d'Espagne  sous  Philippe  V,  parle  cheval.  de  Man- 
dave.  Amsterd«,  1756,  4  vol.  in  ~  12*. 

Die  schon  erwähnten  Werke  von  TT.  Coxe  und  «7.  B.  Targe,  Avtoement 
des  Bonrbons  au  trone  d'Espagne,  Paris,  1772,  6  vol.  in  12^  — 


342  Vierzehntes  Buch.    Erstes  Kapitel. 

Saint 'Simony   (dresandter  am  spanischen  Hofe,   als  Philipp  V. 
38  Jahre  alt  war,  schildert  ihn  also:  ,,Er  war  keineswegs  mit  höherer 
Einsicht  und  mit  nichts  von  dem,   was   man  Einbildnngskraft  nennt, 
begabt    Er  war  kalt,  schweigsam,  traarig,  von  keinem  Vergnügen  he- 
Tierreehty  eile  von  der  J<igd,  furchtsam  vor  andern,  sich  selbst  forchtend, 
wenig  hervorbringend,  einsam  und    abgeschlossen  aus  Neigung  und 
Gewohnheit,  selten  durch  andere  gerührt,   dennoch  von  guter  und  ge- 
rechter Gesinnung,  mit  genügender  Erkenntniss  der  Dinge,  eigensinnigi 
wenn  er  sich  für  etwas   einsezte,   oft  ohne  dass  man  ihn  davon  ab- 
bringen konnte,  und  dennoch  war  er  vollkommen  geeignet,  von  andern 
hingerissen  und  regiert  zu  werden.    Wenig  besorgt  wegen  der  Kriege, 
die  er  führte,  liebte  er  dennoch  die  Unternehmungen,  und  seine  Lieiden- 
schaft  war  es,   respectirt  und  gefurchtet  zu  werden,  und  eine  grosse 
Figur  in  Europa  zu  spielen ').    Leztere  Eigenschaft  hatte  er  von  seinem 
Ghrossvater.^   Die  andern  Eigenschaften  erklärt  Stramberg  so:  „Er  war 
in  seiner  Jugend  ein  Idiot,   und  desshalb  ungemein  hartnackig  in  der 
Beibehaltung    eines   Gedankens,    der   ihm  hatte    beigebracht   werden 
können.    Zeitlich  aber  verwandelte  sich  dieser  Idotismus  in  eine  ziemlich 
ausgebildete  Verrücktheit,  die  bis  zu  seinem  Ende  der  Königin  nicht 
wenig  zu   schaffen   machte.     Jeden  Augenblick  hatte   Elisabeth    eine 
wiederholte  Abdankung  zu  beförchten  und  zu  bestreiten.    Mit  dem 
frühzeitigen  YerfiEdle  der  spärlichen  Seelenkräfte  war  der  Verfall  des 
Körpers  gleichen    Schritt    gegangen.     Mit  38  Jahren  war  er   schon 
ein  ganz  verfallener  Greis;  nur  wenn  er  tanzte,   war  er  wie  ein  ver- 
jüngter Mensch.^ 

Seine  Wittwe  lebte  nunmehr  im  Schlosse  San  Ildefonso,  das 
unter  Philipp  V.  mit  einem  Anlande  von  etwa  46  Millionen  Realen 
erbaut  worden,  wo  sie  auch  am  11.  Juli  1766  starb"). 


Saint 'Simon,  Louis  de,  Memoires  complets  et  aatenthiqaes  da  dae  de 
S,  Simon,  sur  le  siöcle  de  Louis  XIV  et  la  rögence,  par  M.  Cheruel,  Paris,  1^56 
—  1858,  20  vol.  in  —  8".  —  Saint- Simon  \\q  Mi»  de),  Histoire  de  la  guerre,  ou 
campagne  de  17  i4,  par  les  arm^es  combinöes  d'Espagne  et  de  France  oommand^es 
par  rinfant  D.  Philippe  et  le  prince  de  Conti.  Amsterd.  1769—1770.  4*.  Alph. 
Viollet,  Histoire  des  Boarbons  d'Espagne,  Paris,  1848—8*.  La  Espafia  de  los 
Borbones.  Historia  documental  desde  antes  de  la  muertede  Carlos  II.  hasta  (1818). 
p.  D.  Jo8^  Gonzalez  Carvajal,  Madrid,  1842  —  1814,  ä  t.  in  4*  (ist  nur  eine  Bear- 
beituDg  des  Werkes  von  Coxe,  und  reicht  nar  bis  zum  Jahre  1753).  —  F.A.  Conde, 
Elogio  de  Felipe  V;  Madr.,  1779,  «'.  —  J.  de  Clavijo,  Elogio  de  Felipe  V. 
Madr.,  1779,  in  —  8*.  Paris,  1780.  Historia  del  dnqne  de  Biperda,  primer  ministro 
de  Espafia,  en  el  reynado  de  Felipe  V.,  segund.  edicion,  afiadida  e  ilostrada  etc., 
per  D.  Salvador  Josi  Manner,  Madr.,  1796,  —  in  4'. 

')  De  figurer  grandement  en  Europe. 

')  V.  Straniberg,  über  Philipp  V.,  in  Ersch  und  Orvber  Encyclop»,  III  Sect., 
22.  ThL,  Leipz.,  1846,  S.  446  -462. 


Ferdinand  VI.    Freimaurerei  in  Spanien.  343 

§.  21. 

Ferdinand  VI.,   Sohn  Philipp's  V.  nnd  der  Lnisa  Maria  Ton  Sa-  Ferdi- 
voycD,  geboren  am  23.  September  1713,   folgte    am    10.  August  1746°'^^ 
seinem  Vater  in   der  Regierung.    Er  brachte   eine   schwächliche  Ge-    i769. 
sundheit  auf  den  Thron.     Abgeneigt   den  Kriegen  und  Eroberungen, 
begann   er   seine   Regierung    mit   Werken    der  Wohlthätigkeit     Zwei 
Tage  in  der  Woche  bestimmte  er,   um  die  Klagen  seiner  Unterthanen 
zu  boren.     Mit  seinem   Minister  La  Ensenada  bemühte  er  sich,   die 
Lasten  seiner  Unterthanen  zu   erleichtern.    Durch  die  Unterzeichnung 
des  Friedens  von  Aachen  —  28.  Juni  1748  —  half  er  Europa  wieder 
den  Frieden   geben.     Die  beiden   Sicilien,    sowie   die  Herzogthumer, 
sollten  nicht  mehr  mit  Spanien  vereinigt  werden.     Zum  erstenmal  seit 
Jahrhunderten  war  Spanien  sich  selbst   wieder  gegeben.    Jenseits  der 
Pyrenäen  besass  es  nichts  mehr. 

Ferdinand  VI.  war  —  seit  19.  Januar  1729  mit  D.  Barbara  von 
Portugal  vermählt,  blieb  aber  ohne  Nachkommen.  An  seinem  Hofe 
war  —  vor  1745  —  eine  starke  portugiesische  Partei,  an  der  Spize 
der  Carmelit  Manoel  de  San  Josä,  der  als  Cavallerie-Hauptmann  unter 
dem  Namen  Manoel  Freire  da  Silva  für  Carlos  III.  (von  Oesterreich) 
gekämpft  hatte.  Ensenada  suchte  besonders  die  Marine  zu  heben.  An 
dem  Hofe  war  auch  eine  starke  englische  Partei,  unter  dem  Minister 
Wall,  und  dem  englischen  Gesandten  Eeene.  Beichtvater  des  Königs 
war  der  Jesuit  P.  Ravago.  um  diesen  zu  discreditiren,  erdichteten  jene 
eine  Correspondenz  zwischen  ihm  und  den  Jesuiten  in  Tucuman,  wor- 
nach  die  Jesuiten  es  auf  Herrschaft  und  Unabhängigkeit  des  Landes 
von  Spanien  abgesehen  hätten.  —  In  dieser  Zeit  drang  auch  die  FreL  _^^*- 
maurerei  in  Spanien  ein.  Die  ersten  Logen  entstanden  auf  englischem 
Gebiete,  in  Gibraltar,  und  in  Mahon,  eingeführt  von  den  Protestanten 
und  den  Juden  (1725—1729).  Um  das  Jahr  1739  drangen  die  Logen 
nach  Gadix,  und  die  andern  Seepläze.  Um  das  Jahr  1748  zählte  eine 
(zweite?)  Loge  in  Cadix  an  800  Affiliirte  *)•  Am  2.  Juli  1751  sah  die 
Regierung  sich  veranlasst,  die  Verbindungen  der  Freimaurer  unter  der 
Strafe  der  königlichen  Indignation,  und  der  Ausstossung  aus  dem 
Heere  und  der  Flotte  zu  verbieten.  Im  Jahre  1752  schrieb  der  F. 
Fr.  Jo84  Turibia  schon  mit  grosser  Genauigkeit  über  die  „Arbeit*  und 
die  Gebräuche  der  Freimaurer,  die  besonders  unter  den  Kaufleuten 
und  Reisenden  Propaganda  machten^.     Diese  Gesellschaften  halfen 


maarer. 


*)  Siehe  des  Jesuiten  Hervaa  y  Panduro:  Causas  morales  de  la  revolacion 
francesa. 

^  J.  Turrubia^  Centinela  contra  francmasones,  Madr.,  1752  —  8*  Vic.  de 
La  Fuente,  Historia  de  las  Sooiedades  secretas  eu  Espafia,  3  tom.,  Hadr.,  1870. 


Ver- 

hand- 


344  VierEefantes  Buch.    EreteB  Kapitel 

mit  Eifer  zu  dem  Kriege  gegen  die  katholische  Kirche  rüsten,  welcher 
unter  der  Regierung  CarPs  III.  zum  vollen  Ausbruche  kam. 


§•    22. 

Seit   dem  Jahre  1749   wurden   wieder  Verhandlungen   mit  Rom 
langen  eingeleitet.     Der  Minister  Carvajal  zog  darüber  hervorragende  Juristen 
"749-!*  zu  Rathe,   u.  a.   den  Marques   de   los  LIanos,   den   D.  Blas  Jover    y 
1753.    Alcazar,   den  Abt  von   la  Trinidad  in  Orense,   und  besonders  den  D. 
Hyacinth  Latorre,   Canonicus  von  Saragossa,   angesehen   wegen  seiner 
Kenntnisse  und  grossen  Erfahrung.    Anderseits  verfasste  der  Canonicus 
Doctoral  D.  Manuel  Ventura  de  Figueroa,   ^im  Auftrage   des  Königs, 
und  zu  Händen  des  Ministers   eine  Abhandlung   über   das  Concordat 
des  Jahres  1737,   welche  in  drei  Theile  zerfallt:    1)  Ueber   die   abge- 
schlossenen Funkte,   und  (die  Punkte),   welche  eine  nähere  Erklärung 
bedürfen.    2)  Ueber  die  Punkte,  für  welche  noch  Conferenzen  in  Aus- 
sicht genommen  werden.     3)   Ueber  die  in  dem  Concordate  nicht  be- 
rührten Punkte  *).   Der  Canonicus  H.  Latorre  redigirte  die  Instructionen, 
welche   an   den  Cardinal  Joach.  Ferd.  Portocarrero   (den  jungem)   ge- 
sandt wurden.    Er  war  im  Jahre  1747  Protector  der  Krone  Spanien' s, 
im  Jahre    1749   ordentlicher  Minister   Spanien's  in  Rom   geworden^)« 
Die  Härte  Carvajal's  und  andere  Gründe  brachten  die  Verhandlungen 
zum  Stocken.    Man  griff  nun   zu   dem  Ausweg  einer   doppelten  Ver- 
handlung,  welchen  Figueroa   empfohlen   hatte.    Er  hatte  gewinnende 
äussere   Formen.     Man    übertrug  ihm   die   Stelle    eines    Auditors    in 
Rom,  mit  dem  Auftrage,  eine  geheime  Verhandlung  anzuspinnen,  deren 
Fäden   der  Minister  Ensenada  und  der  P.  Ravago  in  Händen  hatten« 
Er  sollte  sich  direkt  mit  dem  Papste  in's  Benehmen  sezen,  ohne  dass 
der  Cardinal  Portocarrero  und  der  Minister  Carvajal  Kenntniss   davon 
erhielten. 

Diess  war  die  „ doppelte '^  Diplomatie,  es  waren  die  geheimen 
Agenten^  die  hier  verhandelten.  Benedict  XIV.  überzeugte  sich  durch 
die  von  Figueroa  gegebenen  Daten  von  dem  rechtlichen  Bestände  des 
königlichen  Patronats,  sowie  dem  Wunsche  vieler  Kirchen  in  Spanien, 
es  möchte  diese  Streitfrage  zu  Gunsten  der  Krone  entschieden  werden. 
Er  redigirte  selbst  das  Document,  welches  im  Namen  des  Papstes 
der  Cardinal  Valenti  Gonzaga,   für  die   Krone   von   Spanien  Manuel 


')  Escrito  de  erden  de  S.  M.  por  el  canonigo  dootoral  —  Figaeroa  anno  de 
1749.  Dieser  .Discnrso''  ist  gedmckt  bei  Tejada,  t.  VlI,  p.  113—163.  Die  Denk- 
schrift ist  ans  Madrid  vom  4.  October  1749  datirt,  und  wurde  dem  Minister  de 
Carvajal  y  Lancaster  übergeben. 

'}  Lebensgesch.  aller  Cardinäle  des  achtzehnten  Jahrb.,  III,  p.  380—834. 


Concordat  von  1758.  345 

Figaeroa  unterzeichnete.  Dieser  wurde  später  Governadore  des  (kgl.) 
Käthes,  Commissär  der  Cruzada,  und  im  Jahre  1782  Patriarch  von 
Westindien  (f  1782);  er  virar  zugleich  Erzbischof  von  Laodicaea. 

Benedict  XIV.  machte  durch  dieses  Concordat  nicht  so  fast  den 
Reserraten,  als  deren  Missbräuchen  ein  Ende*  Der  heilige  Stuhl  aner- 
kannte das  königliche  Patronat,  nicht  als  ein  beschränktes  für  gewisse 
Kirchen  und  Beneficien,  sondern  auf  alle  Pfründen  und  Würden,  mit  Aus- 
nahme der'besondem  Patronate.  Die  Coadjutorstellen,  die  Pensionen, 
die  der  apostolischen  Kammer  vordem  zufallenden  Spolien  und  Vaca- 
turen  wurden  abgeschaffl;.  Unter  der  Leitung  des  Königs  und  des 
Ministers  Ensenada  hatte  Spanien  in  wenigen  Jahren  an  Wohlstand 
sehr  zugenommen.  Philipp  Y.  hinterliess  42  Millionen  Realen  Schulden, 
Ferdinand  VL  einen  Staatsschaz  mit  40  Millionen.  Darum  war  es 
jezt  Spanien  leicht,  Rom  für  die  entfallenden  Einnahmen  zu  entschä- 
digen. Rom  erlangte  als  Entschädigung  für  seine  Verluste  in  Spanien 
in  runder  Summe  1.143.333  römische  Scudi*).  Diese  Summe  mit 
drei  Procent  vom  Hundert  berechnet,  konnte  eine  Rente  von  3^.000 
römischen  Scudi  abwerfen  zur  Bezahlung  der  an  der  Datarie  und  an- 
dern Posten  in  Rom  Angestellten.  Zur  Verfügung  des  Papstes  sollten 
5000  Scudi  ausgeworfen  werden,  entnommen  dem  Fond  der  Cruzada, 
welche  zum  Unterhalt  des  Nuntius  in  Madrid  verwendet  werden  konnten. 

Das  Concordat  vom   11.  Januar  1753  wurde  von  Ferdinand  VI. 

I 

am  31.  Januar  bestätigt.    Der  König  erhielt  das  Recht,   12.000  bisher 
streitige  Pfründen   zu   vergeben.     Dem   allgemeinen  Uebereinkommen 
folgten  acht  nähere  Bestimmungen  über  die  Besezung  vacanter  Bene- 
ficien.     1)  Die  Bischöfe  sollten,  wie  vorher,  in  den  vier  Monaten  März,  Nihere 
Juni ,    September  und    December    die    erledigten   Pfründen  vergeben,  mM^n 
2)   In  Folge   des   bisher  üblichen  Tridentinischen  Concurses.    3)   Bei    <i«« 
Stellen,  zu  welchen  Laien -Patrone  vorschlagen,   sollte  dem  Ordinarius  Concor- 
die  Wahl  zwischen  drei  Priestern  gelassen  werden,  welche  gehörig  geprüft,   d*ta. 
und    von   dem  Patron    präsentirt   worden.    4)   Die  Bestätigungsbullen 
sollten,  wie  bisher,  nachgesucht  werden.    5)  Die  päpstlichen  acht  Monate 
sollten  dem  Könige  ganz  zufallen,  die  bischöflichen  aber  bei  Erledigung 
der  Bisthümer  oder  aus  besondem  Rechtsgründen.     6)  Der  Universal- 
Patronat   des  Königs   sollte  durch   etwaige  Indulte  und  Reservate  von 
Cardinalen,    Bischöfen  und  Nuntien  nicht  mehr    geschmälert  werden. 
6)  Die  Ordinarien  sollten  die  vom  König   Providirten  ohne  Ausferti- 
gung einer  päpstlichen  Bulle  instituiren  —  7)  und  sollten  durchaus  im 
Besize  ihrer  kirchlichen  Jurisdiction   bleiben.     Denn   der  König  hat 
nur  das  Nominations-   und  Präsentationsrecht,   aber  keine   geistliche 


")  Etwa  26  Vt  Millionen  Realen. 


346  Vierzehntes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Gerichtsbarkeit  über  Kirchen  und  kirchliche  Personen.  — *  Anch  die 
52  Stellen,  welche  der  Papst  noch  vergicbt,  stehen  unter  den  kirchlichen 
Ordinarien.  —  Neben  den  Exemtionen  und  Spolien  werden  auch  die 
s.  g.  Bankzettel  abgeschafft,  über  welche  sich  schon  die  Gortes  von 
1632  beschwert  hatten^).  Von  jezt  an  wurden  durch  königliches  Decret 
diese  Bankzettel  abgeschafft^). 

§.  23. 

Das  Concordat  von  1753  brachte  eine  fast  vollständige  Umge- 
staltung in  der  Disciplin  der  Kirche  von  Spanien  h^pror.  Viele  be- 
trachteten  dasselbe  als  einen  Akt  der  Schwäche  und  Nachgiebigkeit 
Rom's  gegen  die  weltliche  Gewalt.  Thatsache  ist  aber,  dass  die  Miss- 
bräuche ezistirten,  dass  die  eifrigsten  Männer,  ja  selbst  die  Heiligen 
seit  Jahrhunderten  gegen  sie  ihre  Stimme  erhoben,  warum  also  hätte 
man  ihnen  nicht  abhelfen  sollen?  ,,Durch  dieses  Concordat  wurde  den 
Regalisten  Anlass  und  Vorwand  zu  ihren  lautesten  und  häufigsten 
Anklagen  abgeschnitten.  Was  man  bestimmt  behaupten  kann,  ist,  dass 
die  Krone  viel  gewann,  aber  die  reinere  Disciplin  der  Kirche  Spanien's 
sich  nur  wenig  besserte*^  •). 

Von  jezt  an  wurde  das  Kirchengut  den  Staatszwecken  mehr  und 
mehr  dienstbar,  während  die  Einkünfte  ßom's  aus  Spanien  ganz  un- 
bedeutend waren.  Die  Anaten^  die  bei  den  Päpsten  so  sehr  getadelt 
wurden,  nahm  der  Staat  allenthalben  für  sich  in  Anspruch. 


*)  Cedalae  bancariae«  Coleccion,  p.  295.  Benedict  XIY.  erklart  dieselben  in 
seiner  BestÜtigangsbuUe  so:  Gonsaetudo  a  longo  tempore  vigens  nt  in  beneficiornm 
collationiboB  et  provisionibnB,  qnae  per  S.  Sedem  fierent,  quaedam  pensiones  annuae 
snper  eorumdem  beneficiornm  fhiotibos  et  proventibns  reservarentor ,  et  pro  eamm 
certiori  solntione  publicorum  Ärgentariorum  cantiones  sea  cedulae  Bancariae  a 
provisis  Beneficiatis  exigerentor. 

*)  Novisima  Recop.  Ley  14,  tit,  22,  —  L.  I.  —  Coleccion,  p.  218.  —  Siehe  den 
Text  dieses  Concordates  ap.  Tejada  y  Bamiro,  VII,  p.  161—170;  apnd  La  Fuenie 
VI,  p.  347—358.  cf.  Münch^  Sammlung  aller  Goncordate,  2  Bde.,  Leipz.  1830-1S3I, 
I.  p. '443—487,  nach  dem  Madrider  Abdruck  von  1764,  sowie  in  Goleocion  de  Gon- 
cordatos,  1848,  p.  172—194. 

Jose  dd  CastiUo  y  Ayensa,  Historia  oritica  de  las  negociadonee  con  Borna 
desde  la  maerte  del  rey  D.  Fernando  VII,  Madrid,  1859,  2  tom.  1 1.  apendice  nr.  21, 
p.  252—254.  —  Hergenrötker,  t  XJi,  S.  252—263.  Die  sehr  regalistische  und 
kirchenfeindliche  Schrift  des  Gregor  May  ans:  Obsenraciones  legales,  historicaa  y 
criticas  sobre  el  Goncordato  de  1753,  Madrid,  1753,  ist  wieder  abgedruckt  apud 
Tejada,  VII,  p.  171—258.  —  Mayans  macht  «Observaciones  XXXVII*,  wovon  die 
letzte  von  p.  234—258  reicht. 

Die  GonfirmatiousbuUe  des  Papstes  vom  9.  Jnni  1753  aus  Gastel-Gandolio 
steht  u.  a.  spanisch  bei  Tejada,  p.  258—265.  Dieser  folgt  ein  Breve  des  Papstes 
vom  12.  September  (qne  aclare  y  explica  el  conc.  de  1753),  ebendas.,  p.  265—267). 

*)  La  FuenJbe,  VI,  p.  53. 


KOnig  Ferdinand'a  VI.  Tood.  347 


§.  24. 

König  Ferdinand  VL  war  stets  von  schwacher  Gesundheit.  Er 
litt  an  einer  unheilbaren  Melancholie,  die  seine  Kräfle  um  so  bälder 
verzehrte.  Aber  die  Liebe  zu  seinem  Volke  erfüllte  sein  ganzes  Herz. 
Bei  mittelmässigen  Geistesgaben  wirkte  er  darum  dennoch  Grosses  und 
Segensreiches.  Er  war  sehr  sparsam,  und  hinterliess  seinem  Nachfolger 
einen  bedeutenden  Staatsschaz.  Im  Jahre  1758  verlor  er  seine  Ge- 
mahlin durch  den  Tod.  Durch  den  Verlust  derselben  wurde  des  Königs 
Melancholie  aufs  höchste  gesteigert,  und  artete  in  Trübsinn  aus.  Am 
10.  August  17t  9  erloste  ihn  der  Tod  von  seinen  Leiden.  Vic.  De  La 
Fumte  sagt  von  Ferdinand  VI.,  dass,  seit  den  Zeiten  Ferdinand's  V. 
und  Isabella's,  Spanien  keine  so  glückliche  Zeit,  wie  unter  ihm  (1746 
1759),  erlebt  habe^. 


WüL  Coxe,  Espagne  soas  les  rois  de  la  maison  de  Bourbon  (1700—1788), 
t  IV,  Pari»  1827,  p.  1—418.    {Fuente,  V,  8). 


Zweites  Kapitel. 

Kircbe  und  Staat  von  Spanien  unter  den  grossen  kdniglichen 
Jflgern  Carl  III.  (1750—1788)  und  Carl  lY.  1789—1807). 

§.  1. 

Carl  IIL,  von  Natur  mit  den  herrlichsten  Anlagen  ausgestattet, 
hatte  als  Konig  von  Neapel  (1736 — 1759)  die  Liebe  seiner  Unterthanen 
im  hohen  Grade  verdient  und  erlangt.  Namentlich  zeigte  er  einen 
religiösen  Sinn,  und  Liebe  zu  kirchlichen  Dingen^).  Nach  dem  Tode 
Ferdinand's  VI.  holten  ihn  16  Linienschiffe  ab.  Sein  Abschied  von 
Neapel  wurde  von  der  Theilnahme  des  ganzen  Volkes  begleitet,  'eine 
Theilnahme,  in  welcher  Freude  und  Leid  vereinigt  waren,  Freude  über 
seine  Erhöhung,  Leid  über  seinen  Verlust.  In  vier  Tagen  gelangte  er 
nach  Barcelona.  Der  ihm  entgegenjubelnden  ersten  Handelsstadt  Spa- 
nien's  bestätigte  er  ihre  alten  Municipal-  und  Handelsprivilegien,  welche 
sie  in  Folge  der  Kriege  von  1640  und  1705 — 1714  verloren  hatte*). 
Ueber  Saragossa  reiste  er  nach  Madrid,  wo  er  am  9«  December  1759 
anlangte.  Sogleich  zeigte  er  grossen  Eifer  und  grosse  Theilnahme  an 
den  Angelegenheiten  der  Regierung.  Noch  war  die  Gewalt  in  den 
Händen  des  Ministers  Ensenada.  Aber  bald  wurde  dieser  und  seio 
Vertrauter  Ordenanza  entlassen.  Sie  erhielten  nur  die  Erlaubniss,  wieder 
am  Hofe  zu  erscheinen  — 13.  Mai  1760.  Der  General  VTall  blieb  Minister. 
Seine  Valparaiso  wurde  entlassen,  und  statt  seiner  der  Marquis  von  Squilace 
Eigen-  ^®^  Finanzen  vorgesezt,  welchen  Carl  von  Neapel  mitgebracht.  Erst, 
■chaf-  nachdem  die  Aemter  besezt  und  vertheilt  worden,  hielt  Carl  am  16.  Jnli 
1760  seinen  Einzug.    Troz   der  liberalen  neuen  Aera  —   durften  die 


ten 


')  Er  schämte  sich  nicht,  mit  dem  kirchlichen  Gewände  nnter  den  Chorherren 
SU  stehen,  und  mit  ihnen  zn  psalliren. 
•)  WxU.  Coxe,  IV,  p.  421. 


Carl  III.  als  Jäger.  349 

„Stiere^  nicht  fehlen.  Tags  darauf  war  HuIdiguDg.  Carl's  ältester 
Sohn  wurde  als  epileptisch  und  geisteskrank  von  der  Regierung  aus- 
geschlossen, sein  zweiter  Sohn  Carl  als  Prinz  von  Asturien  anerkannt. 

In  den  ersten  Jahren  wendete  Carl  seine  Sorgen  auf  Hebung  des 
Handels  und  der  Finanzen.  Maassregeln  zur  Tilgung  der  frühem  Schul- 
den wurden  ergriffen.  Schon  in  Neapel  war  Pflege  des  Ackerbaues 
Carl's  besonderes  Bemühen  gewesen.  Der  englische  Gesandte,  Graf 
von  Bristol,  schildert  den  Konig  also:  Er  hat  grosse  Talente,  ein 
glückliches  Gedächtniss,  bei  allen  Gelegenheiten  eine  grosse  Herrschaft 
über  sich  selbst,  (welche  später  in  eine  grosse  Unterwürfigkeit  unter 
den  Willen  der  andern  übergieng).  Da  er  oft  betrogen  worden,  ist  er 
misstrauisch  (vielmehr  ängstlich)  geworden.  Er  behandelt  alle  Ange- 
legenheiten mit  Sanftmuth;  er  hat  die  Geduld,  seine  Ermahnungen 
lieber  zu  wiederholen,  als  sich,  selbst  für  unbedeutende  Dinge,  seiner 
Autorität  zu  bedienen.  Dennoch,  mit  seinen  feinen  Manieren  und  seiner 
Höflichkeit,  hält  er  immer  seine  Minister  in  Brcspect,  vielleicht  auch  in 
Furcht.  Seine  Hauptsorge  ist,  seinen  Sohn  Ferdinand  im  ruhigen  Be- 
size  beider  Sicüien  zu  erhalten^). 

Aber  in  dem  Crrade,  als  die  Jagdlust  die  herrschende  Leidenschaft 
in  ihm  wurde,  liess  das  Interesse  an  allem  andere,  auch  an  den  Staats- 
geschäften^  nach.  Es  war  das  kleinere,  dass  seine  Jagden  enorme  Aus- 
gaben veranlassten^  sie  hielten  ihn  ganz  ab,  seinen  Pflichten  nachzu- 
kommen. Die  Nachricht,  dass  in  der  Nähe  von  Madrid  ein  Wolf  sich 
liabe  blicken  lassen,  oder  gar  ein  Eber,  sezte  den  ganzen  königlichen 
Hof  in  Bewegung.  Unter  dieser  Eigenschaft  entartete  der  Charakter  die  er 
des  Königs  derart,  dass  der  sonst  sanftmüthige  und  schüchterne  Fürst  i  **^"*^. 
ungerecht  und  grausam  wurde.  Ein  armer  Bauer  nahm  einst  in  den  iien 
königlichen  Bevieren  einige  Eicheln  als  Nahrung  für  seine  arme  Familie 
weg.  Ein  Wächter  ergriff  ihn,  und  fand  bei  ihm  ein  halbes  Duzend 
Eicheln.  Dem  König  wurde  Bericht  erstattet.  Vor  ihm  war  es  ein 
schweres  Verbrechen,  die  seinem  Vergnügen  geweihten  Oertlichkeiten 
zu  entweihen.  Der  Verbrecher  musste  so  viele  Jahre  in  den  feuchten 
Kerkern  von  Genta  büssen ,  als  er  Eicheln  genommen  hatte.  Gegen 
ulle  Vorstellungen  und  Bitten  blieb  Carl  unerbittlich.  Denn  es  war 
eine  schauerliche  Sache,  sagte  er,  die  armen  Thierchen  ihrer  Nahrung 
zu  beraaben.  Er  scheint  gemeint  zu  haben,  dass  es  ein  Vergnügen 
Hir  diese  Thierchen  sei,  von  königlicher  Hand  erschossen  zu  werden. 
I^er  Baaer  blieb  sechs  Jahre  in  seinem  feuchten  und  dunkeln  Kerker. 
Nach  seiner  Heimkehr  trieben  ihn  Verzweiflung  und  Wuth  zur  Rache; 
ia  einem  Hinterhalt  tödtete  er  seinen  Ankläger.  Er  wurde  nun  selbst 
hingerichtet. 


')  Der  Bericht  Lbt  vom  Angust  1761. 


360  Vierzehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

Der   englische  Reisende   J.    Townsend   beschreibt   Carl's   Jagden 
also^):   Der  König  bringt  den  grösHen  Theü  seiner  Zeit  auf  der  Jagd 
zu.    Am  Mittag  kommt  er,   nach  einer  kurzen  Excursion,  zum  Essen 
heim,  hält  Besprechung  mit  den  fremden  Gesandten,  zieht  sich  auf 
einige  Minuten  mit  seinem  Beichtvater  zurück;  er  verlässt  gewohnlich 
vor  drei  Uhr,  oft  früher,  den  Palast,  und  macht  20  —30  Meilen,  bevor 
er  zu  jagen  beginnt.    Wenn  es  Nacht  wird,   so  sezt  er  sich  in  seinen 
Wagen   und   kehrt   zurück.     Keine  Zeit   kann   ihn   zurückhalten;  er 
furchtet  weder  Donner  noch  Bliz,   noch   Hagel,   noch  Regen,   noch 
Schnee.    Ist  sein  Kleid  beschmutzt,  so  nimmt  er  ein  anderes.    Wenn 
durch   g^ine  Begleiter  über  das  Wetter  sich  beklagen,  sagt  er  ganz  kalt:  „Der 
jHffer-  liegen  bricht  die  Beine  nicht.^     Die  Festtage  halten  ihn  nicht  ab^  sich 
leiden-  seinem  Vergnügen  hinzugeben,   ausser  zwei  Tage   in   der  Charwoche. 
Obgleich  von  Natur  von  sanftem  Charakter,   sagt  man,   dass   er  dann 
in   so  üblem  Humor  ist^   dass   sich  ihm  Niemand  nähern   mag.    Als 
einer  seiner  Söhne  schon  fast  in  den  letzten  Zügen  lag,   gieng   er  wie 
gewöhnlich  aus,   und  sagte  wiederholt:  Es  wird  gewiss  wieder  bessei^ 
werden.    Als  man  ihm  meldete,   er  sei  gestorben,   antwortete   er  mit 
seiner  gewöhnlichen  Buhe:   Wohlan  denn,  weil  man  nichts  mehr  thuu 
kann,   muss   man   seine   gewöhnliche   Partie  machen.    In  seinem  Ge- 
leite befindet  sich  gewöhnlich  der  Prinz  von  Asturien,  der  Capitan  dei| 
Eine    Garden,  sein  erster  Stallmeister,  sein  erster  Kammerherr,  sein  Arzt  uniJ 
pJlfj,'^  sein  Chirurg.    All'  diese  Personen  occupiren  fünf  Wagen;  ein  anderer 
deMei-'  Wagen   ist  bestimmt  für  Medicinen,    andere   für  die   Gewehre,  die 
^*    Munition,   die  Jagdkleider.     Jeder  Wagen  ist  mit  sechs  Maulthieren 
bespannt.    Da  es  aber  auf  dem  Wege  mehrere  Posten  für  Pferde  und 
Wächter  giebt,  so  braucht   man  taglich  an  200  (Maulthiere).    Diest 
Thiere  müssen  in  der  Stunde  12  Meilen  zurücklegen;  desswegen  giebi 
es  häufige  Unglücksfälle  für  Menschen  und  Thiere. 

„Wenn  der  König  jagt,  hängt  er  nicht  ausschliesslich  von  seiner 
Hunden  ab;  gewöhnlich  beschäftigt  er  200  Menschen  als  Treiber  de? 
Wildes,  die  es  auf  passende  Pläze  in  seiner  Nähe  bringen  müssen,  v*'c 
er  und  sein  Sohn  es  erwarten,  mit  den  Bedienten,  welche  die  Gewehre 
laden  und  sie  präsentiren.  An  sich  hat  jedes  Wild  gleich  viel  Wertli 
für  den  König.  Es  schmeichelt  ihm  aber  ganz  besonders,  das  Land 
von  den  Wölfen  zu  befreien,  über  welche  er  genaue  Rechnung  halt  AI' 
Carl  m.  ich  im  Escurial  war,  belief  sich  die  Zahl  der  von  ihm  getödteten  Wöltv 
wife**'^^^^^  Stück.  Sieht  man  einen  Wolf  in  einer  entsprechenden  Ent- 
fernung, so  werden  zwischen  1600  und  2000  Personen,  je  nach  dei 
Ausdehnung  des  Gebirgs,  aufgeboten,  um  das  Thier  zu  überwachen, 
es  einzuschliessen,  und  es  an  einen  Ort  zu  bringen,  wo  der  Konig  mi; 


*)  Joorney  trongh  Spain,  London,  1792,  2  vol.,  par  J.  Townsend. 


Carrs  UL  Treibjagen  (Catida)  85  i 

Leichtigkeit  es  todten  kann.  Jede  Person  erhält  6  Realen  (1  Va  Francs); 
tödtete  er  aber  einen  Wolf,  so  wird  der  Lohn  verdoppelt").  Diese 
Ausgabe  ist  überflüssig;  denn  wenige  Bauern  würden  daza  hinreichen. 
„Aber  wenn  ein  guter  Fürst  darin  ein  Vergnügen  findet,  dieses  wilde 
Thier  zu  todten,  so  werden  seine  Unterthanen  die  lezten  sein,  zu 
denken,  dass  er  vielleicht  dieses  Vergnügen  zu  theuer  erkauft.^ 

Glücklich  noch  wäre  es  für  Spanien,  wenn  alle  Kosten  darauf  i><«k<»- 
sich  beschränkten;  diess  ist  aber  sicher  nur  ein  sehr  kleiner  Theil  der  j^^^'^ 
Totalsumme,  welche  diese  Wuth  zu  jagen  der  Nation  raubt.  In  weiten 
Kreisen  um  die  „sitios^  oder  königlichen  Residenzen  sind  die  Ländereien 
onangebaut.  Der  Forst  der  „Pardo^  hat  einen  Umkreis  von  30  Meilen; 
wenn  man  dazu  alle  unbebauten  Ländereien  bei  Aranjuez,  San-Udefonso, 
und  dem  Escurial  rechnet;  wenn  man  femer  erwägt,  dass  die  Hirsche 
unbeschränkte  Freiheit  geniessen,  und  ungehindert  alles  dazwischen- 
liegende Land  durchstreifen,  wie  hoch  wird  sich  nicht  dann  der  vom 
Volke  erlittene  Schaden  belaufen?  Es  ist  wahr,  dass  der  König  den 
Gutsbesizem  den  von  ihnen  erlittenen  Schaden  bezahlt;  aber  der  Scha- 
den, welchen  die  Gesammtheit  erleidet,  kann  nicht  so  leicht  gutgemacht 
werden;  denn  das  Land  entvölkert  sich ,  weil  es  der  Nahrung  beraubt 
ist,  und  die  Dörfer  fallen  in  Ruinen. 

Der  König  hatte  in  seiner  Jugend  Geschmack  für  die  Wissen- 
schaften« Er  wurde  aber  davon  abgebracht.  Dann  beherrschte  ihn 
die  immerhin  noch  edle  Sorge  für  seine  Familie.  Dann  beherrschte 
ihn  allein  die  Liebe  zur  Jagd.  Sie  hat  ihn  vielleicht  vor  sinnlichen  Aus- 
schweifungen bewahrt.  Denn  obgleich  er  viele  Jahre  Wittwer  war,  ist 
niemals  ein  übles  Gerücht  über  ihn  gegangen^). 

Jedes  Jahr  gab  es  viermal  eine  „Batida^  (Jägertreiben),  Qder  eine 
königliche  Jagd.  Bei  einer  solchen  Jagd  waren  neben  dem  Könige 
seine  drei  Söhne.  Drei  Tage  vorher  waren  2000  Treiber  aufgeboten 
und  ausgesandt  worden,  um  das  Wild  an  den  bezeichneten  Ort  zu 
treiben;  sie  mussten  Tag  und  Nacht  auf  ihren  Posten  stehen.  Von  Jäger- 
einer Anhöhe  aus  sah  Townaend  die  Hirsche  aus  weiter  Ferne  und  von  *'®*^*°* 
allen  Seiten  herankommen  an  den  Ort  ihres  Todes.  Man  hörte  das 
Knallen  der  Gewehre.  Das  Wild  suchte  sich  nach  allen  Richtungen 
hin  zu  retten;  es  half  ihm  nichts.  Eine  doppelte  Mauer  von  Treibern 
schloss  sie  ein,  und  zwang  sie,  sich  vor  die  königlichen  Jäger  zu 
stellen«  Da  begann  das  Blutbad;  während  einer  Viertelstunde  war 
das  Feuer  ununterbrochen.  Einige  Hirsche,  wie  ihr  Schicksal  ahnend, 
weigerten  sich  durchaus^  vorwärts  zu  gehen,  troz  des  Geschreies  der 


')  818  Wolfe  kosteten  demnach  etwa  47,  Millionen  Francs,  ein  sehr  theores 
Vergn^en. 

»)  Coxe,  V,  p.  400. 


352  Vienehntes  Bnch.    Zweites  Kapitel. 

Treiber  und  des  Feuers  der  Wächter,  sprangen  sie  in  gewaltigen  Bogen 
über  die  Doppelreihen  der  Treiber  hinüber  and  entwischten  in  die 
Wälder. 

Als  das  Feuer  aufgehört,  kam  der  Eonig  mit  seinen  Söhnen,  um 
das  Schlachtfeld  zu  inspiciren.  Die  Jäger  ksunen  zurück,  beladen  mit 
den  Hirschen,  welche  todtlich  verwundet  auf  der  Flucht  ihren  Wunden 
erlegen  waren ,  sie  legten  die  Beute  nieder  zu  den  Füssen  ihres  könig- 
lichen Herrn.  Townsend  zahlte  14Ö  getödtete  Hirsche,  mit  einem  Eber. 
„Indem  ich  meine  Schritte  nach  dem  Orte,  wo  ein  Gedräng  war, 
richtete,  sah  ich  in  einiger  Entfernung  Leute,  welche  einen  Eber  herbei- 
brachten ^  den  Hals  und  die  Füsse  an  einander  gebunden,  den  sie  an 
einem  starken  Stocke  aufgehängt  trugen.  Als  sie  näher  gekommen, 
stellten  sich  der  König  und  seine  Söhne  aufs  Neue  bewaffnet  in  Schuss- 
linie auf.  Die  Träger  legten  ihre  Last  nieder;  die  Stricke  wurden 
abgehauen,  und  das  arme  yerstümmelte  Thier  suchte  sich  zu  bewegen; 
aber  eine  gut  gezielte  Ladung  befreite  es  von  seinen  Qualen. 

Die  Ausgabe  für  die  „Zerstreuung^^  dieses  Tages  wurde  auf 
300.000  Realen  (75.000  Francs)  oder  3000  Pfund  Sterling  gescbäzt 
Abends  wurde,  nach  dem  Gebrauche,  alles  Wild  in  dem  Gemache 
niedergelegt,  wo  der  König  speiste,  und  wohin  die  vertrauten  Gesandten 
ihm  folgten,  um  ihn  zu  becomplimentiren.  Diese  Gesandten  waren 
die  von  Neapel,  Portugal  und  Frankreich,  welche  es  in  ihrem  Interesse 
fanden,  allen  den  Dingen  Beifall  zu  schenken,  an  denen  der  König  ein 
Vergnügen  findet.  Sie  beglückwünschen  ihn  nicht  nur  bei  feierlichen 
Gelegenheiten,  sondern  sie  kommen  jeden  Abend  beim  Souper  zu  ihm 
und  fragen  ihn,  was  er  heute  getödtet  hat,  um  dann  ihren  Freunden 
davon  Nachricht  zu  geben.^' 

So  musste  alle  Welt  sich  dazu  bequemen,  mit  dem  König 
Heuchelei,  eigentlich  das  Gespötte  zu  treiben,  mit  dem  grossen  Wölfe- 
tödter  zu  heulen.  Er  selbst  hüllte  sich  in  einen  Dunstkreis  der 
Heuchelei  und  Selbstverblendung  ein.  Er  schäzte  sich  glücklich,  dass 
Carl  iit.  er,  weil  er  nicht  selbst  regierte,  auch  für  seine  Fehler  als  Regent  keine 
d6t  »Ich  Verantwortung  vor  Gott  habe«  Er  bedauerte  seine  Minister  wegen  der 
strengen  Rechenschaft,  die  sie  vor  Gott  ablegen  müssten.  So  könnte 
jeder  Familienvater  sich  entschuldigen,  der  sich  um  die  Kinder  nichts 
bekümmert,  die  Gott  ihm  anvertraut  hat,  und  sie  in  die  Hände  fremder 
Leute  giebt.  Carl  sorgte  auch  dafür,  dass  sein  Sohn  als  Carl  IV. 
keine  Verantwortung  vor  Gott  habe.  Denn  wie  der  Vater  30  Jahre 
jagte  bis  zu  seinem  Ende,  so  jagte  auch  der  Sohn  20  Jahre  bis  zu 
seiner  Absezung. 

Carl  HI.  war  ein  completer  Bedienter  seiner  Minister  geworden, 
ja  ein  Sklave,  der  ihnen  nicht  einmal  eine  Bitte,  einen  Wunsch  vor* 
zutragen   wagte.     Einer  der  Minister   war  überzeugt   von   der   guten 


Carl,  Sklave  seiner  Gewohnheiten.  353 


\     j: 


Carl  war  ein  Sklave  seiner  Gewohnheiten,  von  denen  er  gar  nicht 
a})gieug.     Alles   musste  zur  bestimmten  Stunde  geschehen.    Der  Tag, 
die  Stunde,   die  Minute  der  Abreise  des  Hofs  nach  dieser  oder  jener 
Residenz  waren  stets   dieselben,   ohne   dass  die  mindeste  Veränderung 
gestattet  war.  —  Der  Laienbruder  Sebastian  von  Sevilla  trug  immer  ein  »"»<*«' 
Bild    des  Kindes  Jesu  bei  sich,   und  stand   bei   einigen  Frommen   im  ttan  v. 
Kufe  der  Heiligkeit.   Er  hielt  sich  selbst  für  inspirirt,  und  verfasste  einige  ^^^^ 
Gebete.     Carl,  noch  als  Kind,  fasste  plözlich  eine  grosse  Zuneigung  zu 
dem  Bruder  Sebastian  „von  dem  Kinde  Jesus^^    Der  Bruder  schenkte 
dem  Infanten  einige   von  ihm   geschriebene  Gebete,   und  sagte  zu  ihm 
mit  einer  geheimnissvollen   und   heiligmässigen  Miene,   es   sei  gewiss, 
dass    der  Prinz  einst  König  von  Spanien   werden   würde,   zum  Lohne 
liir  die  Frömmigkeit  und  die  Geduld,   die  er  jezt  schon  zeige.     Diese 
Worte   machten   tiefen   Eindruck   auf  Carl.    Er  trug   das  Manuscript 
des  Bruders  Sebastian  allezeit   bei  sich.    Er  liess   es   nie   im  Palaste, 
oder  auf  einem  Landsize  zurück.     So   lange  er  ausser  dem  Bette  war, 
trug  er  es  stets  in  seiner  Tasche;  wenn  er  sich  schlafen  legte,  bekam 
das  Manuscript  seinen  Plaz  unter  seinem  Ohrläppchen,   und  blieb  da, 
so  lange  er   schlief.    Als   er   wirklich  König   von   Spanien   geworden, 
Ijuttc  die  EUmdschrift  einen  noch  viel  grösseren  Werth  in  seinen  Augen. 
Er   hielt  jezt   den  Bruder  Sebastian  für  einen  wahren  Ausbund  jeder 
Heiligkeit     Als  der   (spätere)  Bischof  Eleta  von  Osma   sich  sehr  für 
die  Heiligsprechung  des  Bischofs  Joh.  Palafox  von  Osma  (f  1.  October 
1059)   in  Eom  bemühte,   ertheilte  Carl  IIL  seinem  Gesandten  in  Bom 
den  Befehl,   daselbst  auch  die  Heiligsprechung  des  Bruders  Sebastian 
/A\  betreiben.    Der  ungläubige  und  satyrische  Azara  war  damals  Minister 
in  llom.     Das  Gesuch   wurde   nicht  rundweg   abgeschlagen.    In  Rom 

OsLOinf  «pao.  Kirche.  HI.    S.  23 


lieiahigung  einer  Person,  die  der  König  hochschäzte,  oder  er  suchte  als  -^t 

guter  Hofmann  den  persönlichen  Neigungen  des  Königs  zu  schmei- 
cheln, und  schlug  dem  König  einmal  jene  Person  für  einen  unterge- 
ordneten Dienst  vor.  Der  König  hörte  den  Vorschlag  mit  ebenso  viel 
Erstaunen  als  Freude  an.  Er  fragte  den  Minister,  ob  jene  Person 
wirklich  alle  zu  dem  Amte  erforderlichen  Eigenschaflen  besize.  Es 
wurde  bejaht,  und  der  König  erwiederte:  Ich  bin  Urnen  vielen  Dank 
schuldig,  dass  Sie  an  diese  Beförderung  gedacht  haben;  denn  niemals 
hätte  ich  es  gewagt,  darüber  mit  Ihnen  zu  reden. 

,,Stolz  lieb'  ich  den  Spanier,  **  sagt  ein  wohlbegründetes  Sprüch- 
wort. „Denn  der  Spanier  ohne  Nationalstolz  ist  kein  ächter  Spanier 
iiiehr.^     Dieser  König  der  Spanier  aber  war  gar  nicht  stolz. 


354  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel 

leitete  man  lange  Verhandlangen  ein  über  die  Tugenden  und  die  He 
ligkeit  des  Bruders  Sebastian,  ohne  alles  Ergebniss.  Man  verlang 
in  Rom  u.  a.  das  Büchelchen,  das  der  Bruder  dem  Könige  gesehen 
Darüber  zogen  sich  die  Verhandlungen  in  die  Länge.  Carl  wollte  sie] 
von  seinem  Schaze  nicht  trennen.  Anderseits  konnte  man  zu  Rom  ein 
Frocess  nicht  fortsezen^  fiir  dessen  Fortfuhrung  alle  Vorbedingung 
fehlten.  Im  Eifer  für  die  Ehre  „seines  Heiligen'^  entschloss  sich  ä 
König,  sich  von  seinem  Schaze  eine  Zeit  lang  zu  trennen.  Ein  Conri 
sollte  das  Manuscript  nach  Rom  tragen^  und  nachdem  dort  Einsic 
davon  genommen  wäre,  es  sogleich  zurückbringen.  Für  den  ganz 
Weg  waren  die  Umspannpferde  bestellt.  Eigenhändig  gab  Carl 
Handschrift  dem  Courier,  dem  er  am  meisten  vertraute.  Oft  und 
grösster  Angst  beschwor  er  ihn,  es  wohl  zu  verwahren  and  bei  d< 
Reise  hin  und  her  auch  keinen  Augenblick  Zeit  zu  verlieren. 

In  der  Zwischenzeit  stand  und  lag  Carl  wie  auf  Domen.  Schrec 
liehe  Träume  quälten  ihn  und  rai^^ten  ihm  den  Schlaf.  Er  wollte  ta| 
keine  Nahrung  zu  sich  nehmen.  Das  Vergnügen  der  Jagd,  das  nicht  d 
Krankheiten  und  selbst  nicht  der  Tod  seiner  Kinder  hatte  unterbrecht 
können,  wurde  jezt  unterbrochen,  weil  ja  die  Handschrift  des  Brudei 
Sebastian  ihn  auf  seinen  Reisen  in  die  Wälder  nicht  begleiten  könnt 
Carl  stellte  sich  unter  das  Fenster  seiner  Wohnung,  und  zahlte  d 
Wassertropfen,  welche  der  Regen  auf  die  Strasse  fallen  liess;  von  Ze 
zu  Zeit  entrangen  sich  ihm  tiefe  Seufzer.  Die  Geschäfte,  die  Vergn 
gungen,  die  Gespräche,  die  Mahlzeiten  wurden  unterbrochen. 

Als  es   aber  mit  der  Heiligsprechung  des  Palafox  und  des  B 

ders  Sebastian  nicht  vorwärts   gieng,   geriethen    der  Beichtvater  Ele 

und   der  König   in   eine   bitterböse  Stimmung   gegen  Rom.    £s   fehl 

nicht   an  Feinden   der  Jesuiten,   die    dem  Könige   geheimnissvoll   b 

deuteten,    dass   hier   die   bösen  Jesuiten   im  Spiele  seien.    Inzwisclie 

brach  zu  Madrid  die  Emeute   des  Jahres  1766  aus.     Das  Volk  erbo 

sich  gegen  die  Ordonnanz   der  Polizei,   durch   welche  das  Tragen  d« 

grossen  Hüte')   und  der  langen  Mäntel   verboten   wurde,   welche  di 

Verbrechen  und  besonders  den  Mord  begünstigten,  und  den  Schuldige 

ein  Mittel   boten,   sich  zu   verbergen,    und   nicht  erkannt   zu    werdei^ 

Diese  und  andere  ähnliche  unliebe  Maassregeln  wurden  auf  Rechnung 

des  Marquis  von  Squilace  gesezt,   welcher  als  Fremder  und  Günstlin 

des  Königs  verhasst  war. 

itaiie-  Nach  der  Entfernung  des  Ministers  Wall  —  1764  —  wurde  d 

Mhen^  Departement  des  Auswärtigen  dem  Italiener  Grimaldi  übergeben.    Beid 

spa-    Italiener  hatten  eine  Zahl  anderer  Italiener  in  ihrem  Gefolge.    Zwisebe 

°**°*   diesen  brachen  Streitigkeiten,  zwischen  Grimaldi  und  Squilace  brachei 


')  Chambergos,  runde  Hüte  mit  niedergestülpten  Rändern, 


Minister 
Squi- 


Der  Minister  Sqailace.  355 

Eifersüchteleien  aus  (ähnlich  der  Eifersncht,  welche  unter  Ferdinand  VI. 
wischen  den  Ministern  Carvajal  und  Ensenada  geherrscht).  Keiner  von 
»eiden  wollte  dem  Eonige  missfallen,  also  auch  nicht  widersprechen, 
rrimaldi  hatte  vornehme  Manieren,  und  machte  ein  grosses  Haus.  — 
quilace  war  unpolirt  in  seinem  Wesen,  und  fast  grob  in  seinem  ge- 
röhnlichen  Verkehr,  ohne  den  mindesten  Anflug  von  Literatur  oder 
Wissenschaften.  Er  war  weniger  ein  leitender  Minister,  als  ein  Commis. 
Ir  war  verschlossen,  und  voll  Angst,  die  Gunst  seines  Herrn  zu  ver- 
eren.  Stets  an  die  strengste  Sparsamkeit  gewohnt,  haschte  er  uner- 
ältlich  nach  Geld.  Er  wollte  seine  Zukunft  in  Sicherheit  bringen, 
nd  handelte  eben  um  den  Kauf  einer  prächtigen  Besizung  in  Sicilien, 
reiche  dem  Hause  Alba  gehörte.  Als  Finanzminister  hatte  er  Abscheu 
or  Krieg,  aus  Furcht,  dadurch  die  Quellen  vermindert  zu  sehen,  aus 
enen  er  seinen  besondern  Profit  schöpfte^  und  wohl  auch  aus  Sorge 
ir  den  (Staats-)  Schaz.  Er  war  streng  und  unbeugsam,  hatte  keine 
Lchtung  vor  der  öffentlichen  Meinung,  in  Gesinnung  und  Lebens- 
weise war  er  völlig  ein  Neapolitaner,  also  in  Spanien  ein  Fremder 
eblieben. 

Seine  Maassregeln  hatten  den  allgemeinen  Hass  auf  ihn  gezogen. 
!r  war  zur  Auflegung  neuer  Taxen  und  Bewilligung  verschiedener  lace. 
[onopole  geschritten.  Verdienste  erwarb  er  sich  um  die  Entwicklung 
er  Manufacturen,  um  die  Verschönerung  und  die  Sicherheit  Madrid's. 
>as  Tragen  verborgener  Waffen  wurde  verboten.  Aber  das  Tragen  der 
reiten  Hüte  und  der  langen  Mäntel ')  mochte  noch  so  gefährlich,  noch 
)  polizeiwidrig  sein ;  es  war  einmal  die  spanische  Nationaltracht,  welche 
ch  mit  Polizei  und  Gewalt  nicht  abschaffen  liess. 

Der  Volkshass  hätte  ihn  vielleicht  nicht  gestürzt.  Aber  er  hatte 
agen  die  Eifersucht  der  andern  Minister  und  den  Neid  der  Hofleute 
1  kämpfen.  Den  Klerus  hatte  er  sich  durch  Eingriffe  in  seine  Rechte 
bgeneigt  gemacht.  Auch  der  Hof  von  Frankreich  war  ihm  feindlich, 
ad  hoffte  durch  seinen  Sturz  die  Macht  des  ihm  ganz  ergebenen 
rrimaldi  zu  erhöhen. 

Am  26.  März    1766   brach  der  Aufstand   aus.    Die  Volksmassen    a«^- 
ilzten   sich   gegen  das  Hotel  Squilace's,   die  Fenster   wurden   einge-    gegen 
orfen,  die  Thore  angegriffen.    Die  Wallonen-Garden  trieben  die  Massen    *|;»- 
arück,    die  sich   unter   dem  Rufe  durch   die  Strassen  vertheilten:  Es    ^qq] 
)be  Spanien!   Es  lebe  der  König!   Es  sterbe  Squilace!  Das  Volk  griff 
«r  die  Wallonen  an,  von  denen  mehrere,  während  sie  die  Menge  be- 
ihigen   wollten,  niedergemezelt  wurden.     Am  27.  März  erreichte   der 
lufruhr   seinen   Höhepunkt.     Die   fremden    Gesandten   umgaben    den 
[ünig.    Dieser  schritt  zu  Unterhandlungen.   Die  Unterhändler  waren  die 

>)  OapM. 

23* 


356  Vierzehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

Herzoge  von  Medinaceli  und  von  Arcos.  Die  Menge  verlangte  etormb 
den  Kopf  des  Squilace.  Nach  drei  libr  liess  sich  der  König  zu  eiot 
Ausgleich  mit  dem  Volke  herbei.  Er  erschien  auf  dem  Balcoo  d 
Schlosses,  versprach  den  Squilace  zu  entlassen,  einen  Spanier  ihm  zc 
Nachfolger  zu  geben,  das  Verbot  wegen  der  Hüte  und  Mäntel  zurüc 
zunehmen,  den  Preis  des  Brodes,  des  Oeles,  der  Seife  und  der  Wk 
herabzusezen,  das  von  Squilace  vergebene  Monopol,  die  Stadt 
Lebensmitteln  zu  versorgen,  aufzuheben,  und  —  den  Aufstandisel 
zu  verzeihen.  Ein  Mönch,  das  Kreuz  in  der  Hand,  las  die  Artil 
des  Ausgleichs  dem  Volke  vor,  und  der  Konig  gab  jedesmal  d 
Zeichen  seiner  Zustimmung.  Am  Abend  wurde  eine  allgemeine  Ai 
nestie  verkündigt.  Sogleich  kehrte  die  grösste  Ruhe  zurück  —  al 
nicht  lange. 

Der  Konig  und  seine  Familie  verliessen,  aus  unbegründeter  Ang 
um   Mitternacht  den   Palast,   nur   begleitet  von   einigen   Garden, 
obersten  Bediensteten   am  Hofe,   und   von  Squilace.     Sie   giengen 
zum  nächsten  Thor  zu  Fusse,  von  wo  sie  eiligst  nach  Aranjuez  fuhr 
Auf  die  Kunde   davon   erhob  sich    das  Volk  mit   neuer  Wuth,   da 
den  Vertrag   für   gebrochen   hielt.    Sie  raubten  Waffen,   besezten  ( 
Thore  von  Madrid,   und  Hessen  Niemand  sich  entfernen.     Die  spai 
sehen  Truppen  kämpften   nicht   gegen   das  Volk;  die  Wallonen  \^ar 
in  Aranjuez,  Madrid  war  48  Stunden  in  der  Gewalt  des  Volks.    AI 
Niemand   wurde  misshandelt.    Nur   an    den   Leichen  der   ermordet 
Wallonen  liess  der  Pöbel  seine  Wuth  aus.     Sie   riefen   stets:    Es  le 
der  König,  es  sterbe  Squilace.     Ein  Hanptfahrer,  ein  Kutscher,  \\Tir 
nach  Aranjuez  gesandt,  um  die  Bückkehr  des  Königs  zu  fordern.    M 
antwortete,  der  König  sei  in  Folge  doppelten  Aderlasses  allzu  schwär 
Squilace    sei   entlassen    und  Michael   de  Muzquiz  zum   Finanzminisa 
ernannt.    Alles   sei   verziehen.     Wenn    das   Volk  die  Waffen   nied« 
lege,   werde   der  König   sogleich  wiederkehren.     So   geschah    es. 
wenigen  Stunden  war  Madrid  ruhig.    Von  den  Leitern  der  Beweg« 
wurde   aller  in  Schenken  und  an  Gebäuden  angerichtete  Schaden  va 
kommen  ersezt. 

Dem  Squilace  gelang  es  kaum^  der  Volksrache  zu  entfliehe 
Durch  leichte  Cavalerie  wurde  er  von  Aranjuez  nach  Cartagena  escc 
tirt.  Er  schiffie  sich  dort  mit  seiner  Familie  nach  Italien  ein.  Do« 
bekleidete  er  später  den  Posten  eines  spanischen  Gesandten  in  Venedig 

§.  3. 

Diesen  Aufstand  konnte  Carl  lU.  nicht  verwinden^  nicht  vergesse 
Seine  sonst  so  friedliche  Natur  wurde  ganz  verändert.  Er  schäzte  d< 
Squilace  derart,  dass  er  öffentlich  sagte,  wenn  er  nur  noch  einen  Bis&t 


Aufstand  von  1766.  357 

irod  hätte,  würde  er  ihn  mit  SquUace  theileo.  Er  glaubte,  dass  der 
Luistand  von  verborgener  Hand  angesponnen,  and  gegen  ihn  selbst 
lerichtet  sei.  Vorher  v^aren  kleinere  Revolten  in  verschiedenen  Städten 
usgebrochen,  und  es  war  Blut  geflossen  ^).  Carl  III.  wurde  mehr  und 
}ehr  argwöhnisch,  nachdenklich,  ein  Träumer,  schweigsam  —  und  mür- 
8ch.  Zuerst  kehrte  sich  sein  Verdacht  gegen  die  Franzosen.  Davon  wurde 
r  abgelenkt;  Verdachtsgründe  gegen  die  Jesuiten  wurden  ihm  bei- 
ebracht,  mit  welchen  sich  einige  höhere  Hofbeamte,  besonders  Ense- 
ada,  verbunden  hätten.  Dieser  wurde  vom  Hofe  verbannt,  kehrte  nicht 
}ehr  zurück,  und  wohnte  in  Medina  del  Campo,  wo  er  in  hohem 
Liter  starb. 

Äranda,  damals  Gouverneur  von  Valencia,  wurde  an  Squilace's 
teile  nach  Madrid  berufen.  Ein  Corps  von  10.000  Mann  wurde  um 
ie  Stadt  zusammengezogen,  und  die  äussere  Ruhe  bleibend  hergestellt. 
)och  Maueranschläge,  wie: 

Si  volvieran  los  Valones 
No  reinaran  los  Borbones. 

Wenn  wiederkehren  die  Wallonen,  sind  ausgetrieben  die  Borbonen), 
eigten  das  Fortglimmen  des  Feuers.  Der  König  blieb  längere  Zeit  in 
Lranjuez,  und  wollte  sogar  die  Residenz  nach  Sevilla  verlegen.  Zu- 
izt  sagte  ihm  Grimaldi,  die  königlichen  Schlösser  in  Castilien  hätten 
nmense  Summen  verschlungen,  zum  Baue  neuer  Schlösser  in  Andalusien 
ihle  das  Geld,  und  der  König  blieb  in  Castilien.  Aber  erst  nach 
cht  Monaten  kehrte  er  nach  Madrid  zurück. 

Grimaldi,  durch  das  Schicksal  Squilace's  erschreckt,  überliess  die 
inere  Verwaltung  dem  Aranda^  und  begnügte  sich  mit  dem  Aeussern.  *"»*«t«r 
Sr  entging  so  dem  Argwohn  des  Königs  und  dem  Hasse  des  Volkes, 
fach  ihm  erhielt  kein  Fremder  ein  Ministerium.  Die  Finanzen  erhielt 
1.  Muzquiz,  welcher  erster  Commis  unter  Squilace  war.  Aranda 
mrde  Präsident  von  Castilien  und  General- Capitain.  Viel  Volk  wurde 
Q8  Madrid  verwiesen,  auch  die  nicht  angestellten  Priester.  Um  die 
)rdonnanz  über  die  Hüte  und  Mäntel  durchzusezen,  befahl  man  dem 
Scharfrichter,  den  grossen  Hut  und  den  Mantel  zu  tragen. 

Bei  der  argwöhnischen  Stimmung  CarFs  III.  war  es  nicht  allzu- 
'chwer,  seinen  Verdacht  auf  die  Jesuiten  zu  lenken.  Wegen  angeblicher 
i^erschwömng  gegen  den  König  Josef  —  4.  September  1758  —  wur- 
kn  die  Jesuiten  im  Jahre  1759  aus  Portugal  vertrieben.    Am  1.  Sep- 


')  Caxe,  IV,  p.  Ö56— 671. 


358  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

tember  1764  wurde  die  Gesellschaft  Jesu  in  Frankreich  aufgehoben. 
Was'Pombal,  Choiseul  und  die  Pompadour  durchgesezt,  das  getraute 
sich  auch  Aranda  zu  vollbringen.  Aber  Carl  III.  hatte  Pombal's 
Tyrannei  gegen  die  Jesuiten  bitter  getadelt. 

Aranda  verband  sich  mit  Roda.  Diese  Beiden  verbreiteten  die 
damals  gegen  die  Jesuiten  circulirenden  Gerüchte  weiter.  Es  hiess. 
sie  hätten  den  Aufstand  in  Madrid  bezahlt  und  geleitet.  Mehrere  der- 
selben seien,  troz  ihrer  Verkleidung,  unter  den  Tumultanten  geschesl 
worden.  Man  nannte  den  P.  Ignaz  Lopez  aus  Asturien,  eines  der  ein- 
flussreichsten Mitglieder  der  Gesellschaft.  Man  habe  ihn  mitten  unter 
dem  Volke,  und  von  Strasse  zu  Strasse  eilend,  gesehen.  Das  Volk 
habe  ja  den  Ensenada  als  Nachfolger  des  Squilace  genannt,  der  er- 
klärter Beschüzer  der  Jesuiten  unter  Ferdinand  VI.  gewesen.  Dies* 
war  richtig,  ebenso,  dass  er  sich  durch  seine  Verwaltung  in  gutem 
Andenken  erhalten  hatte.  Wenn  es  nicht,  sagt  W,  Cox&y  gegründettj 
Anklagepunkte  gab,  so  fehlte  es  doch  nicht  an  scheinbaren  Griinde 
gegen  die  Jesuiten. 

Unter  dem  Vor  wände,  die  Ursachen:  des  lezten  Aufstandes  tieiei 
zu  erforschen,   sammelten  Aranda  und  Boda  alle  Berichte,  welche  ge 
eignet  waren,   die  Stimmung   Carl's  UI.   gegen   die  Jesuiten  zu   vexi 
schlimmem.    Man  legte  dem  Konige  und  dem  Volk   den  Streit  des 
ehrwürdigen  Bischofs  Palafox  sowie  dessen  Briefe  vor,  worin  er  über 
die   Umtriebe   der  Jesuiten   in   Amerika  klagt;   dass  diese   Briefe 
Madrid  öffentlich   verbrannt  worden,  galt   als  Beweis  der  Schuld  de 
Jesuiten.    Damit  allein  drangen  Aranda  und  Boda  nicht  durch.    Si 
zogen  den  Grafen  von  Campomanes  in  ihren  Bund,  der  damals  Fisa 
und  (provisorischer)  Präsident  des  Raths  von  Castilien  war.    Er  gal 
als  unfehlbare  Auctorität  in  allen  Fragen  der  innem  Verwaltung.     Vo 
ihm  stammt  die  Sammlung  der  Aktenstücke  über  die  Vertreibung  dei 
Jesuiten  aus  Spanien^). 

Es  wurden  dem  Könige  Documente  vorgelegt,  um  zu  beweisen 
dass  P.  Ravago,  Beichtvater  Ferdinand's  VI.,  die  Jesuiten  in  Amerik 
ermuthigt,  sich  der  Ausfuhrung  des  Grenzvertrags  mit  Portugal  vob 
Jahre  1750  und  der  Abtretung  der  Mission  von  Paraguai  gegen  Tausch 
mit  der  Colonie  von  Sacramento  zu  widersezen.  Man  warf  ihnen  aoi-b 
das  Monopol  des  Handels  mit  Südamerika  zum  Nachtheile  des  Staate 


')  Coleccion  de  Providencias  tomadas  por  el  gobierno  sobre  el  extrafiamient" 
y  ocupacion  de  las  temporalidades  de  los  reguläres  de  la  Compania  (in  Spanien 
hiessen  die  Jesaiten  die  „Gesellschaft''  (Jesu).  Die  Sammlung  ist  gedruckt  in- 
Lettres  from  Spi^n  by  Leucadio  Doblado,  Londres,  1822.  Der  Verfasser  diestr 
Schrift,  Blanco  (oder  White,  Weiss),  war  Magistral - Canonicus  von  San  Salvador 
in  Sevilla.    Die  Ereignisse  von  1808  trieben  ihn  nach  England,  wo  er  apostasirtc. 


AoBtreibong  der  Jesuiten.  359 

uud  der  Privateo  vor.  Ein  Bericht  des  Vicekönigs  von  Peru,  Manuel 
Damas,  behauptete,  sie  besässen  Handelshäuser  in  Lima  und  andern 
Städten,  unterhielten  grossen  Handel  mit  den  Indianern,  bezahlten  keine 
Handelslicenzen,  wodurch  sie  die  andern  Kaufleute  erdrückten. 

Bei  dem  F.  Payons,  Rector  des  Collegs   zu  Saragossa,  fand  man 
mehrere  tausend  Exemplare  eines  geheim  gedruckten  Werkes,  über  die 
Vertreibung  der  Jesuiten  aus   Frankreich,    worin  die  Magistrate   mit 
Vorwürfen  überhäuft,   und   die  Person  des  Königs   selbst  angegriffen 
wurde.      Um   die   Gerüchte   ihrer   Conspiration  gegen    die  Regierung 
Spanien's  wahrscheinlich  zu  machen,  fingirte  man  einen  Brief,  den  an- 
geblich der  General  des  Ordens  zu  Rom  an  den  General-Provincial  in 
Spanien  gerichtet,  dem  er  befohlen.  Aufstände  in  Spanien  hervorzurufen. 
Der  Brief  war  so   adressirt,   dass   er  aufgefangen  werden  musste.  — 
Die  Jesuiten  verloren  ihren  Einfluss  auf  Carl  HL,  weil  sie  beschuldigt 
wurden,   sich   der  Heiligsprechung   des  Bischofs  Johann  von  Palafox, 
von  Pnebla  und  dann  von  Osma,  zu  widersezen,   und  den  lezten  Auf- 
stand in  Madrid  angezettelt  zu  haben^   ja,   neue  Machinationen   gegen  cariui. 
seine  Familie,   und   selbst   gegen   den   König   im   Schilde   zu   führen.    7|'^ 
Vorher    ihr  Beschüzer^   wurde  er   allmälig  ihr  unversöhnlicher  Feind,  der  je- 
und    war  nach    dem  Vorgange  Frankreich's   entschlossen,    sie   auszu-  ■°**®°* 
treibei). 

Die  Ausfuhrung  wurde  in  die  Hand  des  Grafen  Aranda  gelegt, 
der  alle  dazu  nöthigen  Eigenschaften  besass.  Als  Präsident  von  Ca- 
stilien  entwarf  er  den  Plan  mit  dem  König  allein.  Man  wusste,  dass 
der  König  gewöhnlich  nur  die  von  den  Ministern  vorgelegten  Schrift- 
stücke unterzeichnete.  Aranda  brachte  zu  dem  Könige  ein  Taschen- 
schreibzeug und  Papier,  damit  die  Jesuiten  oder  ihre  Freunde,  wenn 
sie  etwa  ein  Schreibzeug  aus  einem  Bureau  beim  Könige  sähen,  nicht 
Verdacht  schöpften.  Der  König  schrieb  mit  eigener  Hand  das  Decret, 
und  sandte  Circulare  an  die  Statthalter  der  Provinzen,  mit  dem  Auf- 
trag, zu  einer  gewissen  Stunde  und  an  einem  bestimmten  Orte  sie  zu 
eröfinen. 

Als  der  bestimmte  Moment  gekommen,  wurden  die  sechs  Collegien 
der  Jesuiten  in  Madrid  um  Mitternacht  durch  Truppen,  unter  AnfLihrung 
von  Officieren  der  Polizei,  umringt.  Sie  drangen  ein  und  bemächtigten 
sich  der  Glocken.  An  jede  Zelle  wurde  eine  Wache  gestellt.  Man 
befahl  dem  Rector,  die  ganze  Genossenschaft  |im  Speisesaale  zu  ver- 
sammeln. Hier  wurde  ihnen  das  königliche  Decret  ihrer  Austreibung 
kundgegeben.  Jedes  Mitglied  durfte  ein  Brevier,  Wäsche,  Chocolade, 
Tabak,  und  was  sonst  zu  ihrem  Unterhalt  nothwendig  war,  sowie  ihr 
Geld,  falls  sie  den  Betrag  desselben-  schriftlich  angaben,  mitnehmen. 
Die  Thüren  wurden  geschlossen,  und  sie  wurden  in  Abtheilungen  von 
je  10  Personen  zu   den  Wagen,   und  in  denselben,   die  einen  von  den 


360  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

anderu  getrennt,  zu  der  Küste  geführt.  Die  Laienbrüder  und  audeic 
Dienstleute  der  Jesuiten,  wurden  eine  2eit  lang  festgehalten,  und  dann 
entlassen.  Alles  war  so  geschickt  geleitet  und  schnell  ausge/uhrt,  dass 
die  Einwohner  von  Madrid  erst  am  andern  Tage,  als  die  Jesuiten 
schon  weit  entfernt  waren,  erfuhren,  was  in  der  Nacbc  geschehen*). 
Diess  geschah  am  31.  März  1767,  während  das  Decret  ihrer  Verban- 
nung am  2.  April  (unterzeichnet),  und  durch  den  öffentlichen  Ausrufet 
vor  dem  königlichen  Palaste,  vor  den  Thoren  von  Guadalaxara,  unter 
Trommelschlag  und  Trompetenstössen  ausgerufen  wurde. 

In  den  Provinzen  wurden  am  2.  April  alle  CoUegien  der  Jesuiten 
auf  dieselbe  Weise  überfallen.  Die  Jesuiten  wurden  an  die  Küste  ge- 
führt, und  zu  Schiffe  gebracht,  sie  wussten  nicht  wohin.  Auf  mehreren 
Fregatten  wurden  sie  nach  Civita  Yecchia  gebracht,  und  dort  ausgeschifft  *^) . 


§.  5. 

Da  Ganganelli  besonders  durch  den  Einfluss  Spanien's  Papst  ge- 
worden (19.  Mai  1769),  so  suchte  er  sich  Carl  III.  auf  allen  Wegen 
dankbar  zu  erweisen.  Der  Bischof  Palafox  wurde  als  ehrwürdig  (vene- 
rabilis)  erklärt,  was  sonst  die  Einleitung  zur  Heiligsprechung  ist.  Be- 
sonders auf  Andringen  des  spanischen  Gesandten  Monino  (nachher 
Florida  Bianca)  hob  der  Papst  am  21.  Juli  1773  die  Gesellschatt 
Jesu  auf). 

Da  Carl  III.  allen  über  die  Jesuiten  verbreiteten  Tendenzlüi^en 
ein  williges  Gehör  geschenkt,  und  von  ihnen  immer  noch  eine 
Ruhestörung  in  Spanien  gefürchtet  hatte,  so  war  er  über  ihre  Aul- 
hebung sehr  erfreut,  und  seine  natürliche  Milde  stellte  sich  wieder  ein. 
Der  Orden  hatte  zur  Zeit  seiner  Aufhebung  und  kurz  zuvor  vicK 
durch  Gelehrsamkeit  hervorragende  Mitglieder,  wie   Andres,   Arteaga, 


')  Franc.  Beeatini,  Storia  del  regne  di  Carlo  III. ,  de  Borbone,  re  dclh: 
Spagne;  Venezia,  1790  —  S\  p.  238—239.  —  W.  Coxe,  V,  6—10.  —  DasDccrer 
der  WegfÜhmng  wurde  vor  dem  der  Verbannung  nnterzeichnet. 

^)  Für  das  üebrige,  was  ausserhalb  Spanion's  geschah,  besonders  die  Am 
Hebung  der  Gesellschaft  Jesu,  müssen  wir  auf  die  allgemeine  Kirohengeschichte  vci- 
weisen.    Ich  berichtige  hier  meinen  Irrthum  in  MöMer's  Kirchengeschichte,  dass  der 
s.  g.  Aufstand  der  Hüte  gegen  Aranda  (und  Alba),  statt  gegen  Squilacc,  gerichtet 
gewesen.    Die  dort  angeknüpfte  Vermnthong  über  den  eigentlichen  Grund  der  Ver- 
bannung scheint  eben  nur  eine  Hypothese  zu  sein.    Die  oben  angegebenen  GrüiMlc 
waren  wohl  hinreichend,   um  den  König  zu  seinem  Entschlüsse  zu  bringen.    Uo^< 
die  verschiedenen  Schicksale  der  Jesuiten  in  Spanien  seit  50  Jahren  (17(;6 — isji 
s.  Am.  de  la  Religion  et  du  Roi  —  nr.  800,  daraus  in:  der  Katholik,  182 J,  Bd.  V. 
Beilage  nr.  IX. 

*)  Journal  historique  et  politique  de  1783,  voll.  II,  p.  87,  ann.  1784,  I,  p.  17  >. 


VerbaDuuDg  der  Jesuiten.  361 

Aymericfa,  Burriel^  Cerda,  Colomes,  Eximeno^  Isla,  Lampillas,  Lasala, 
Masden,  Montengon,  Nuix,  Serrano*). 

In  der  pragmatischen  Sanction  vom  2.  April  1767,  welche  die 
Vertreibung  der  Jesuiten  und  die  Einziehung  ihrer  Güter  verordnete, 
erklärt  der  König,  dass  die  Beweggründe  zu  diesen  Beschlüssen  in 
seinem  königlichen  Herzen  verborgen  bleiben,  eine  Geheimnissthuerei, 
worüber  selbst  d*Alembert  in  einem  Briefe  an  Voltaire  vom  4.  Mai  d.  J. 
spottet.  Carl  verbietet,  für  oder  gegen  das  Edict  zu  schreiben  oder  zu 
reden.  Er  legt  seinen  Unterthanen  Stillschweigen  auf.  Die  Uebertreter 
sollen  als  Majestätsverbrecher  bestraft  werden  (Art.  16).  Er  erklärt,  dass 
er  bei  der  getroffenen  Maassregel  nur  dem  Drange  seiner  königlichen  Milde 
folge  (Art.  2).  Wer  immer  den  Anschlag  machen  würde,  dass  die 
Jesuiten  nach  Spanien  zurückkehrten,  würde  als  Störer  der  öffentlichen 
Rohe  behandelt  werden. 

Den  Priestern  des  Ordens  wurde  eine  Pension  von  lOO^  den  Brü- 
dern von  90  Piastern  zugewiesen.  Sie  würden  die  Pension  verlieren, 
wenn  sie  den  Eärchenstaat  verliessen,  sich  durch  Reden  oder  Schriften 
verfehlten.  Ja  —  sie  sollten  alle  zugleich  ihre  Pension  verlieren,  wenn 
eines  ihrer  Mitglieder,  unter  dem  Vorgeben  einer  Apologie,  Schriften 
ausgäbe,  welche  dem  Respecte  vor  dem  Willen  des  Königs  zuwider 
wären.  Der  Briefwechsel  der  Spanier  mit  den  Jesuiten  wurde  aufs 
Strengste  verboten.  Die  Uebertreter  sollte  schwere  Ahndung  treffen« 
Selbst  ein  säcularisirter  Jesuit  dürfe  ohne  Erlaubniss  nicht  zurückkehren; 
wer  sie  erhielte,  müsste  versprechen,  mit  den  Jesuiten  keine  Gemein- 
schaft zu  unterhalten.  Selbst  in  diesem  Falle  sollte  er  keine  geistliche 
Handlung  vollziehen  dürfen.  Die  Novizen,  welche  den  Professen  folgen 
wollen,  erhalten  keine  Pension. 

Joachim  Navarro,  Rektor  des  kaiserlichen  CoUegiums,  wurde  ge- 
fragt, ob  er  sich  den  Befehlen  des  Königs  unterwürfe.  Er  antwortete: 
„Wir  sind  bereit,  nicht  nur  die  Landesausweisung,  sondern  noch  weit 
grössere  Leiden,  zum  Beweise  unserer  Ehrerbietigkeit  und  Unterwerfung 
gegen  den  König,  zu  erdulden.^ 

Unter  den  Vei'bannten  befand  sich  Peter  von  Calatayud,  ein  in 
ganz  Spanien  bekannter  Missionär,  ein  apostolischer  Mann,  schon 
78  Jahre  alt.  Er  hatte  viele  Andachtsbücher  geschrieben.  Neben  ihm 
ragten  hervor  Franc.  X.  Idiaquez,  Herzog  von  Granada  (Gandia?),  ein 
Mann  von  grosser  Gelehrsamkeit,  Josef  Pignatelli,  Graf  von  Fuentes, 
Anton«  Moijirino,  der  Mann  des  Vertrauens  bei  König  Ferdinand  VI., 
Gabriel  Busemart,  80  Jahre  alt. 

Es  gab   in  Spanien  118  Häuser.     Auch  die  Jesuiten   in  Amerika 


*)  Sempere,  Biblioteca  de  los  majores  escritores  del  reynado  de  Carlos  III., 
Madr.  178ö— 1789,  6  vol.  S\ 


362  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel 

und  Indien  traf  später  gleiches  Schicksal.  Die  Missionen  in  Pata- 
gonien und  Paraguai  zerfielen.  Man  schazte  die  ganze  Zahl  der  spa- 
nischen Jesuiten  auf  5000. 

Den    13.  Mai  kam   das  erste  Schiff  mit  850  Jesuiten  zu  Civita 
Vecchia  an.    Die  Republik  Genua  bot   sich  an,   sie*  in  Corsica  aufzu- 
nehmen.   Sie  segelten  dorthin  ab,  nachdem  sie  sechs  Monate  auf  dem 
Meere  herumgeirrt   waren.     In  Ajaccio   erhielten   sie   das   bischöfliche 
Seminar  als   Wohnung.    Auf  das  rührende   Schreiben  Clemens  XIII. 
vom  16.  April  gab  Carl  III.  am   2.  Mai  eine  kurze  abweisende   Ant- 
wort.   Ein   Bericht  des  Raths   von  Castilien  wurde  gedruckt,   worin 
u.  a.  gesagt  wird;  „dass  der  Papst,  indem  er  für  die  Jesuiten  Fürbitte 
einlege,  sich  in  eine  Sache  mische,  die  ihn   nichts  angehe;  dass,  wenn 
der  König  Seiner  Heiligkeit   die   gegen   die  Jesuiten  ergriffene  Maass. 
regel  mitgetheilt,  diess  bloss  ein  Act  der  Höflichkeit  gewesen  sei,  und 
dass  das  Breve  vom  16.  April  verdient  hätte,  zurückgeschickt  zu  werden. 
Diese  Sprache  war  in  Spanien   neu.    Aber  vom  Jahre  1766   an 
hatten  die  Kirchenfeinde  Oberwasser^  und  mit  geringen  Unterbrech- 
ungen  seit  einem  Jahrhundert   die  Gewalt.    Am    16.  September  und 
21.  October  1767   erliess    der  Rath  von  Castilien  zwei  Befehle.    Nach 
dem  ersten  sollten  die  Jesuiten^  welche  sich  in  Rom  hatten  säculaiisiren 
lassen,  dann  aber  aus  Corsica  nach  Spanien  zurückgekehrt  waren,  aufs 
Neue  verhaftet  und   an  die  Grenze  gefuhrt  werden.     Würden  sie  ohne 
Erlaubniss  zurückkehren,  so  seien  sie  als  Staatsverbrecher  zu  behandeln. 
Nach  der  zweiten  Verordnung,  welche  öffentlich  ausgerufen  wurde,  sollte 
jeder  Jesuit,   der  ohne  Erlaubniss  des  Königs  Spanien  wieder  beträte, 
als  Verwiesener,  wenn  er  die  Weihen  noch  nicht  empfangen,  mit  dem 
Tode,  im  anderen  Falle  mit  ewigem  Gefängnisse  bestraft  werden.     Die, 
welche  ihm  zur  Rückkehr  verhalfen,  und  Andere,  welche  um  die  Rück- 
kehr  gewusst,   sie   aber  nicht  angezeigt  hätten,   sollten  als  öffentliche 
Ruhestörer  behandelt  werden. 

Im  Kirchenstaate  befanden  sich  bereits  die  Jesuiten  aus  Portugal. 
Wie  sollten  die  5000  Jesuiten  aus  Spanien  dort  Nahrung  finden?  Den- 
noch zwang  die  Noth,  sie  aufzunehmen,  und  sie  wurden  in  die  ver- 
schiedenen Städte  vertheilt,  wo  sie  sich  die  Anerkennung  aller  Stände 
erwarben.  Durch  ihre  gelehrten  Arbeiten  thaten  sich  hervor:  Johan. 
Andres,  Faustin  Arevalo,  Franc.  Gusta,  Laurent.  Hervas,  Franc.  Josef 
Isla,  Johan.  Franc.  Masdeu,  Johann  von  Ossuna,  Josef  Pons,  Carl  de 
la  Serna  Santander  u.  a.  m. 

Die  Verbannung  der  Jesuiten  aus  Spanien  dauerte  30  Jahre;  die 
Meisten  derselben  waren  gestorben.  Die  noch  Uebrigen  erhielten  im 
Jahre  1799  die  Erlaubniss,  zurückzukehren;  unter  ihnen  waren  Masdeu 
und  Serna-Santander.  Fast  alle  kehrten  zurück.  Sie  mussten  ihren 
unversöhnlichen  Feinden  zum  zweiten  Male   weichen.    Man  schien  sie 


Die  Jesuiten  im  neunzehnten  Jahrhundert.  363 

nur  darum  zurückberufen  zu  haben,  um  sieb  das  Vergniigen  zu  machen, 
sie  wieder  zu  vertreiben. 

Durch  Decret  vom  29.  Mai  1815  erklärte  Ferdinand  VII.,  dass 
er,  um  den  Wünschen  vieler  Stände  und  Städte  zu  entsprechen,  den 
Jesuiten  ihre  CoUegien,  Häuser  und  Missionen  zurückgebe.  Ihre  Auf- 
hebung sei  nur  eine  Folge  der  Eifersucht  und  des  Parteigeistes  ge- 
wesen; sie  hätten  nur  die  Feinde  des  Staats  und  der  Obrigkeit  zu  ihren 
Gegnern;  sie  hätten  besonders  in  der  Erziehung  der  Jugend  unschäz- 
bare  Dienste  geleistet.  Mehrere  Jesuiten,  u.  a.  der  gelehrte  Faustin. 
Arevalo,  kehrten  damals  zurück.  Im  Anfange  des  Jahres  1817  hatten 
sie  schon  43  Häuser.  Am  29.  Mai  1816  wurden  sie  mit  grosser 
Feierlichkeit  in  Mexico  wieder  eingeführt. 

Durch  Beschluss  der  Cortes  vom  15.  August  1821  wurden  die 
Jesuiten  auf  das  Neue  unterdrückt.  Sie  besassen  damals  12  CoUegien 
und  16  Convente.  Bei  den  folgenden  Revolutionen  waren  sie  gewöhnlich 
unter  den  Ersten,  welche  vertrieben  wurden.') 


§.  6. 

Konig  Carl  III.  war  nach  dem  Aufstande  des  Jahres  1766  ein 
ganz  anderer  gegen  die  Kirche,  als  er  vorher  gewesen.  Schon  am 
18.  Januar  1762  waren  zwei  pragmatische  Sanctionen  erlassen  worden, 
welche  die  Privilegien  der  religiösen  Institute  sehr  beschränkten  und 
den  Rechten  des  römischen  Stuhls  nahe  traten«  In  der  ersten  be- 
schwerte sich  der  König,  dass  die  Verkündigung  von  Bullen  und 
Rescripten  Rom's  allzuoft  die  öffentliche  Ruhe  gefährdet  hätte.  Er 
gebietet,  keine  Bulle  und  kein  Bescript  von  Rom  vor  deren  Prüfung 
durch  seinen  königlichen  Rath  anzunehmen.  Auch  die  Rescripte,  welche 
an  Privatpersonen  ergiengen,  sollten  ebenso  behandelt  werden,  mit  Aus- 
nahme der  Breven  und  Dispensen  der  Poenitentiarie«  Die  zuwider- 
handelnden Prälaten  imd  Priester  würden  ihre  Temporalien  und  ihr 
Heimathsrecht  verlieren  und  unfähig  sein,  ein  anderes  Bisthnm  zu  be- 
sizen.  Die  schuldigen  Laien  sollten  eine  Geldbusse  von  2000  Ducaten 
bezahlen,  und  ihr  Amt  verlieren,  könnten  sie  nicht  bezahlen,  so  sollten 
sie  vier  Jahre  in  einer  Festung  Afrika's  büssen.  Die  Beamten,  welche 
sich  der  Ausführung  dieser  Pragmatik  widersezten,  sollten  die  Halfle 
ihres  Vermögens  verlieren,  und  zehn  Jahre  Gefangene  in  Afrika  sein. 
Der  König  behielt  sich  vor,  nach  seinem  Wohlgefallen  jeden  Einwohner 
jeden  Ranges  zu  verbannen,   der  ohne  erhaltene  Erlaubniss  eine  Bulle 


')  Ami  de  la  Rilig.,  nr.  800  —  „Katholik«  v.  1822,  nr.  IX.  Beil.,  p.  31~il. 
PölüZ' Zimmer,  Weltgeschichte,  111,  Abth.  2,  S.  31. 


364  Vieraehntefl  Buch.    Zweites  Kikpitel. 

oder  ein  Breve  in  Vollzug  gesezt.  Die  Bischöfe,  Richter,  Statthalter, 
müssen  sogleich  diese  Pragmatik  beobachten,  welche  am  21.  Januar 
1762  zu  Madrid  verkündigt  wurde.  Das  Gesez  ist  vom  Secretär  des 
Ti'r  klu  ^^"'g^  "°d  fünf  Käthen  unterzeichnet.  Unter  diesen  ßathen  figurirt 
ijpainio.  Didacus  de  Koxas  y  Contreras,  Bischof  von  Cartagena  (1750 — 1772). 
So  weit  kommen  Bischöfe  als  hohe  königliche  Beamte,  dass  sie  dem 
Könige  geben,  was  Gottes  ist.  „Es  scheint,  dass  ein  Bischof  sich 
wohl  davon  hätte  dispensiren  können^  seinen  Namen  unter  ein  Gesez 
zu  sezen,  das  mit  solchen  Strafen  droht."  ^)  —  Der  zweite  Erlass, 
genannt  „Cedula",  verbietet  dem  Generalinquisitor,  irgend  ein  Edikt 
in  Folge  einer  Bulle  oder  eines  Breves  von  Kom  zu  verkündigen,  ohne 
die  Kenntnissnahme  desselben  durch  den  König  oder  Staatssecretär. 
Handle  es  sich  um  das  Verbot  von  Büchern,  so  dürfe  man  das  Breve 
durchaus  nicht  beifugen.  Man  dürfe  kein  Decret  des  Index  ohne  die 
Erlaubniss  des  Königs  kundgeben.  Vor  der  Verurtheilnng  eines  Buches 
müsse  der  Verklagte  gehört  werden. 

Der  Jansenist  Fr.  Phil.  Mesengui  hatte  zuerst  im  Jahre  1744  seine 
„Exposition  de  la  doctrine  chretiene"  herausgegeben.  Durch  Decret  des 
römischen  Index  wurde  das  Werk  im  Jahre  1757  verworfen.  Da  das 
Buch  weiter  verbreitet  und  übersezt  wurde,  so  wurde  es  durch  Breve 
vom  14.  Juni  1761  feierlich  verboten.*)  Man  sagt,  dass  Carl  III.  durch 
dieses  Decret  sehr  beleidigt  war^  weil  er  gewollt,  dass  man  sich  des 
Katechismus  von  Mesengui  zum  Unterrichte  seines  Sohnes  Carlos  be- 
dienen solle.  Das  Breve  vom  14.  Juni  1761  war  durch  den  Gross- 
inquisitor Manuel  Quintano  Bonifaz  am  9.  August  publicirt  worden. 
Erbittert  darüber  verbannte  ihn  Carl  III.  auf  ein  Jahr.  Der  König 
wollte  nicht  zugestehen,  dass  er  Air  den  Unterricht  seines  Sohnes  ein 
häretisches  Buch  bestimmt  habe.^  So  entstand  die  „Cedula"  vom 
18.  Januar  1762. 


§•  7. 

Dia  droi  Nachdem  Papst  Clemens  XIII.  Eenntniss  von  diesen  Erlassen  er- 

Bchen  ^^^^^9  80  schrieb  er  am  15.  Januar  1763  an  die  drei  spanischen  Cardinäle, 
cardi-  L.  Ant.  Fern,  de  Cordova,  den  Erzbischof  von  Toledo,  Bonav.  de 
Jahre"  Lacerda,  Patriarchen  von  Westindien,  und  Franc.  Solis  Folch,  Erzbischot 
1763.  von  Sevilla.  Er  erinnerte  sie  an  das  im  Jahre  1737  geschlossene  Con- 
cordat,  das  durch  diese  neuen  Pragmatiken  vernichtet  worden,    welche 


')  Picot,  mömoireB.  IV,  p.  127. 

*)  Bullar.  Clementis  XIIL,  t.  II,  p.  132.  —  Picot,  TV,,  p.  67-70. 
')  Ghizette  de  Madrid,  v.  8.  Dec.  1761;  Gazette  de  France,  v.  26.  December. 
Nottvellec  ecclösiastiqnes,  vom  G.  Februar  1762. 


Clemens  Xlfl.  und  Carl  III.  im  Jahre  1768.  365 

die  wesentlichen  Rechte  des  heiligen  Stuhles  antasteten.  Sie  mögen 
dem  Könige  und  den  Ministern  Vorstellungen  machen  und  ihnen  zeigen^ 
dass  sie  durch  die  Feinde  des  heiligen  Stuhls  betrogen  worden.  Der 
Nuntius  L.  Op.  Pallavicini,  Erzbischof  von  Lepanto,  sollte  sich  mit 
ihnen  darüber  verständigen').  Der  Papst  schrieb  selbst  an  den  König 
(und  dessen  Mutter?)  —  am  2.  Juni  1763.  Sicher  ist,  dass  leztere 
dem  Papste  meldete,  Carl  IIL  habe  durch  ein  Decret  vom  5.  Juli  1 763 
seine  Ordonnanzen  zurückgenommen.  Es  wäre  darum  nicht  nothwendig 
gewesen,  dass  sie  als  Vermittlerin  in  dieser  Sache  Dienste  geleistet; 
der  König  sei  durch  eigne  Bewegung  zu  seinem  Entschlüsse  gekommen. 
Der  Papst  dankte  durch  ein  Schreiben  vom  4.  August  1763;  er  bezeugt 
seine  Freude  über  diese  Zurücknahme,  und  spricht  herzliche  Wünsche 
für  das  Wohl  der  Königin  und  ihres  Sohnes  aus'').  Durch  seinen 
damaligen  Gesandten  D.  Manuel  de  Roda,  liess  Carl  III.  ein  sehr 
ehrerbietiges  Schreiben  übergeben.  Am  28.  Juli  1763  antwortete 
Clemens  XIII.  u.  a.:  „Wir  haben  keinen  Augenblick  zögern  können, 
Eurer  Majestät  Unsern  lebhaftesten  und  grössten  Dank  inr  eine  solche 
Wohlthat  auszusprechen,  die  Sie  der  Kirche  und  mithin  Uns,  die  Wir 
ihr  vorstehen,  erwiesen  haben.  Könnten  Wir  bei  Eurer  Majestät  sein, 
um  Sie  zu  umarmen,  und  tausendmal  zu  segnen  wegen  Ihrer  heroischen 
Frömmigkeit  und  Beligiosität,  da  Sie,  in  Unserer  armen  Person  die 
apostolische  Stimme  des  Fürsten  der  Apostel  achtend  —  Unsern  Bitten 
vorgekommen  sind,  Unsre  Besorgnisse  beruhigt,  die  Kirche  mit  Jubel, 
mit  Glanz  und  mit  Ruhm  erfüllt  haben.  Gestatten  Sie  somit.  Eure 
Majestät^  dass  Ihr  geistiger  Vater  und  Oberhirte  in  den  liebevollsten 
Worten  seiner  väterlichen  Zärtlichkeit  ausrufe,  und  gestehe:  Sie  sind 
seine  Freude  und  seine  Krone;  in  Ihnen  findet  er  seinen  Trost  und 
seine  Stärkung  in  jenen  stürmischen  Flnthen,  von  denen  sein  so  be- 
drängtes Pontificat  bewegt  ist.^  In  einem  Handschreiben  vom  16.  Au- 
gust versicherte  Carl  III.  in  ähnlichen  zärtlichen  Ausdrücken  den  Papst 
seiner  ganzen  Anhänglichkeit  und  Verehrung'). 


§.   8. 

Die    Königin  Elisabeth    starb    nach    einem   Wittwenstande    von 
20.   Jahren   zu    Aranjuez   am  11.  Juli  1766,   in   dem    74.  Jahre   ihres 


')  Bvilar.  Clementis  XIIL,  t.  11^  p.  330.  Roscoväny,  Monnmenta  catholica 
pro  independentia  potestatis  ecclesiasdcae  ab  imperio  civil!,  2 1.,  1847,  1. 1.  p.  300—301. 

«)  BuOar.  II,  p.  390. 

')  Picot,  memoirea,  t.  IV,  Par.,  1853^  p.  126—128.  —  Theiner,  Geschichte 
des  Pontificats  Clemens  XIV.,  Leipz.,  1853,' 1,  p.  42—43.  —  Weder  Picot  noch 
Theiner  theilen  das  königliche  Edict  vom  5.  Jnli  1763  mit. 


ri- 


366  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Alters.  Sie  sah  zwei  ihrer  Söhne  auf  dem  Throne  von  Spanien,  einen 
auf  dem  Throne  von  Neapel,  einen  als  Herzog  von  Parma,  einen  Enkel 
auf  dem  Throne  beider  Sicilien.  Sie  sah  auch  einen  ihrer  Sohne  als 
Cardinal.  Ihre  Hoffnung,  ihn  auch  als  Papst  zu  sehen,  wurde  durcli 
ihn  selbst  vereitelt  Obgleich  er  viele  Jahre  Cardmal,  und  Erzbischof 
von  Toledo  und  Sevilla  gewesen,  empfing  er  die  heiligen  Weihen  nicht. 
Darum  weigerte  sich  Papst  Benedict  XIV.,  ihm  noch  femer  die  Ein- 
künfte beider  Erzbisthümer  zu  lassen,  und  er  musste  resigniren.  Im 
Kin  Ex- Jahre  1754  schrieb  der  „Cardinal"  Luis  Bonrbon  dem  Papste  n.  a.: 
cArdinaL  ^jy^  ^^  q^^^  Wohlgefällig  ist,  dass  ich  ihm  in  dem  weltlichen  Stande 
den  schuldigsten  Dienst  und  Gehorsam  leiste,  so  folge  ich  meinem  Be- 
rufe, und  bitte  Eure  Heiligkeit,  mir  die  nöthige  Dispensation  zu  er- 
theilen,  und  zu  erlauben,  dass  ich  Ihnen  den  Hut,  womit  Sie  (?)  mich 
beehrt  haben,  zurücksende."  etc. 

§.    9. 

Der  Papst  hielt  ein  geheimes  Consistorium  am  18.  December 
1754.  Der  Minister  Cardinal  Portocarrero  fuhr  mit  vielen  Bedienten 
und  einem  Gefolge  von  28  Prälaten  nach  dem  Quirinal.  Darunter  war 
Negroni,  der  in  einer  prächtigen  Chaise  den  Cardinalshut  auf  einer 
silbernen  Schale  trug.  Der  Hut  wurde  im  Quirinal  auf  einen  kleinen 
Tisch  gelegt.  In  Gegenwart  von  30  Cardinälen  sass  der  Papst  auf 
seinem  Throne,  und  hielt  eine  Ansprache.  Der  Consistorialadvocat 
Negroni  bat  um  die  Erlaubniss,  den  Hut  sammt  den  beiden  Erzbis- 
thümern  niederlegen  zu  dürfen.  Der  Papst  fragte  die  Cardinäle:  Was 
dünket  Euch?  Dann  nahm  er  die  Verzichtleistung  an,  und  ernannte 
zugleich  den  L.  A.  Fernandez  de  Cordova  zum  Cardinal  und  Erz- 
bischof von  Toledo. 

Der  Infant  erschien  am  2.  Februar  1755  in  weltlicher  Kleidung 
am  Hofe,  den  Degen  an  der  Seite.  Er  erhielt  von  seinem  Bruder  hohe 
Ehrenämter.')  Er  heirathete  am  28.  Januar  1776  eine  Norwegerin. 
Maria  Teresa  de  Yillabriga  y  Drummond.  Mit  dieser  unebenbürtigen 
Ehe  war  Carl  III.  unzufrieden.  Er  verbannte  seinen  Bruder  nach  Areuas 
de  S.  Pedro  in  Estremadura.  Er  verbot,  dass  seine  drei  Kinder,  ein 
Sohn  und  zwei  Tochter,  den  Namen  „Bonrbon**  fiihren;  sie  wurden 
also  „Villabriga"  von  der  Mutter  genannt.  Carl  IV.  erlaubte  ihnen, 
den  Namen  Bourbon  anzunehmen.  Sie  wurden  unter  der  Aufsicht  des 
Cardinais  Lorenzana  in  Toledo  erzogen,  der  Sohn  in  dem  erzbischöf- 
lichen Palast,   die  Töchter   in   dem  Kl98ter  von  San  Clemente.    Jener 


')   Lebensgeschichte   aller   Cardinäle    des   achtzehnten  Jahrhnnderts ,    Ul 
p.  169  —  170. 


Conflikte  in  Folge  der    Verbannang  der  Jesuiten«  367 

wurde  Cardinal  von  Toledo^  war  also  Luis  IL  de  Bourbon  als  Car- 
dinal und  Erzbischof.  Eine  Tochter  heirathete  den  Friedensförsten, 
die  zweite  den  Herzog  von  San  Fernando.  Der  Excardinal  starb  zu 
Arenas  am  7.  Aug.  1785.') 


§.  10. 

Carl  III.  selbst  war  seit  9.  Mai  1738  mit  der  Prinzessin  D.  Maria 
AmaUa  von  Sachsen  verheirathet.  Aus  dieser  Ehe  giengen  u.  a.  die 
Infanten  Philipp  Caspar,  geb.  1747,  und  D.  Carlos,  geb.  12.  November 
1748  hervor.  Da  jener  von  der  Thronfolge  ausgeschlossen  wurde,  so 
empfing  D.  Carlos  (IV.)  am  19.  Juli  1760  die  Huldigung  als  Prinz 
von  Asturien.  —  Der  Infant  Ferdinand  wurde  König  von  Neapel.  Im 
Ganzen  gebar  die  Konigin  sechs  Söhne  und  sieben  Töchter.  Kurze 
Zeit  nach  ihrer  Ankunft  in  Spanien  verfiel  sie  einer  unheilbaren  Krank- 
heit. Sie  starb  schon  am  27.  December  1760,  bevor  das  erste  Jahr 
ihrer  Ankunft  in  Spanien  voriiber  war,  noch  nicht  36  Jahre  alt.^) 
Carl  in.  aber  blieb  im  freiwilligen  Wittwenstande  vom  Jahre  1766  bis 
1788,  wie  versichert  wird;  aus  Liebe  zu  seiner  ersten  und  einzigen 
Gemahlin. 

§.  11. 

In  Folge  der  Austreibung  der  Jesuiten  entstand  unter  dem  Klerus, 
und  selbst  dem  Episcopate  nicht  geringe  Zwietracht.    Die  einen  stellten 
sich  auf  die  Seite   der  Verfolgten,   die   andern  auf  die  Seite   der  Ee- 
gierung.     Es  zeigte  sich  hier,   was  wir  mehrfach  angedeutet^  dass  der 
spanische  Episcopat  und  Klerus   der  weltlichen  Regierung   als   einer 
unfehlbaren  überall  zu  secundiren  pflegte,  und  dadurch  die  Unabhängig- 
keit  der  Kirche  aufheben  half.     Nach   der  Vertreibung  der  Jesuiten  bJ«c*»ö«9 
wurde  eine  besondere  Staatsjunta  eingesezt,  um  die  aus  der  Vertreibung  ,»  mr 
rcsultirenden  Maassregeln  zu  berathen.    In  ihr  sassen  Erzbischöfe  und  ^^^  ^' 
Bischöfe ,   u.   a.   der  Erzbischof  Rodriguez   de   Arellano   von   Burgos  jemiten 
(1764 — 1791),  Saenz   de  Burruaga  von  Saragossa  (1768  —  1777),   die 
Bischöfe  Jos.  la  Plana  y  Castellon  von  Tarazona  (1766 — 1795),  Josef 
Tornao  von  Orihuela  (1767 — 1790),  und  der  Bischof  Josef  Molina  von 
Albarracin  (1765 — 1776).    Bischöfe  in  andern  Ländern  wären  vielleicht 
nm  ihres  guten  katholischen  Rufes  willen  nicht  in  einer  solchen  Commission 
gesessen.    Man  versuchte  es  eine  Zeitlang,  die  Jesuiten  als  Jansenisten 


')  Mariana- 8abau,  XX,  p.  433.  —  Parro,  Toledo  en  la  mano,  I.  p.  848. 
»)  Fhrez,  Reynas,  II,  p.  1041  — 1056. 


368  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

za  verdächtigen.  Flugschriften  gegen  die  Jesuiten,  geschrieben  von 
geistlicher  und  weltlicher  Hand,  durchflogen  Spanien.^)  Verschiedene 
Bischöfe  gaben  „terrible"  Hirtenbriefe^)  gegen  die  Jesuiten  heraus, 
wiederholten  die  pragmatische  Sanction  (vom  2.  April  1767)  und  lobten 
sie.  Die  Bischöfe  (und  Ordensobern)  erhielten  aber  von  der  Regierung 
am  23.  October  17G7  den  strengen  Befehl,  die  Widerspenstigen,  be- 
sonders die  Nonnen^  zum  stricten  Gehorsame  gegen  die  Erlasse  des 
Staates  zurückzuführen.  Sie  mussten  den  Empfang  dieses  Befehles  d(  t 
Regierung  anzeigen^),  und  ihr  eine  Abschrift  ihrer  hierüber  erlassenen 
Hirtenbriefe  und  Ermahnungsschreiben  einsenden.  Die  Unterlassun;: 
dieser  Pflicht,  hiess  es,  werde  nicht  mit  Gleichgiltigkeit  hingenommeu 
werden,  da  hiebei  die  Religion  ebenso  wohl,  als  der  Staat,  betheiligt  sei  ^). 
Im  Allgemeinen  war  die  Abneigung  gegen  die  Jesuiten  in  Amerika 
wohl  grösser,  als  in  Spanien  selbst.  Streitigkeiten ^  welche  durch  die 
Stirn-  Exemtionen  derselben  entstanden,  hatten  Missstimmung  erzeugt.  Der 
™"°'   Erzbischof  Lorenzana  von  Mexico,   und   der  Bischof  Fabian    y  Fuero 

gegen  '  J 

die  jo-  von  Puebla  (1765 — 1773)  fahrten  in  ihren  Hirtenbriefen  besonders  eiue 

*°JJJ.j°  harte  Sprache  gegen  die  Jesuiten.  —  Die  Obern   der  Orden   erhielten 

ka-     Befehl,  die  Nonnen  zu  bestrafen,  welche  angebliche  Offenbarungen  über 

die  baldige  Rückkehr  der  Jesuiten  verbreiteten.    Jesuitenfrennde  waren, 

oder  galten  als   solche,   u.  a.  der  Cardinal  von  Toledo,   Ludvrig  von 

Cordova,  und  sein  Generalvicar. 

An  seinem  Geburtstage  (20.  Januar  1768)  erschien  Carl  IIL  aut 
dem  Balcon  seines  Schlosses  zu  Madrid,  bereit,  dem  Volke  irgend  eine 
von  ihm  erbetene  Gnade  zu  gewähren.  Als  das  Volk  mit  lauter  Stimme 
die  Bückkehr  der  Jesuiten  begehrte,  zog  sich  der  hierin  ganz  «Der- 
bittliche  Carl  III.  verblüfft  in  seine  innern  Gemächer  zurück.  Mau 
redete  ihm  ein,  der  Cardinal  von  Toledo  und  sein  Generalvicar  habm 
das  Volk  aufgehezt;  diese  erhielten  Befehl,  Madrid  sofort  zu  verlassen. 
Als  Anhänger  der  Jesuiten  galten  noch  der  Erzbischof  Joan.  Lario  } 
Lancis  von  Tarragona  (1764 — 1777)  und  dessen  Generalvicar.  —  AI? 
die  Nonnen  über  den  Verlust  der  Jesuiten,  als  ihrer  Beichtväter  Idagtcii. 
so  erhielten  sie  die  eifrigsten  Anhänger  der  Jesuiten  aus  dem  Welt 
klerus  als  Beichtväter.  Die  Auiregung  in  den  Frauenklostern  stit  <:. 
und  verbreitete  sich  über  dieselben  hinaus.     Die  Regierung  schritt  mit 


*)  ha  Fuente  wirft  dem  berühmten  Henr,  Fhrez  vor,  er  habe  eine  „Del.i<  lo;. 
de  la  doctrina  de  los  intitnladoB  Jesnitas  contra  el  dogma  y  la  moral  poi-  •' 
i>.  Fernando  Huidobro  y  Velasco*^  (es  war  diess  sein  zweiter  Name   und  '/■ 
name?)  Madr.,   1768,  heransgegeben,  und  verweist  dabei  auf  dessen   Biogra}i  ' 
von  P.  Franc.  Mendez. 

«)  Fuente,  VI,  p.  ^'0. 

')  „aviso  del  recibo**  geben. 

*)  Thein^,  I,  p.  65—67. 


Aofregang  ia  Folge  der  Verbannung  der  Jesuiten.  369 

scharfen  Drohnngeo  und  Maassregeln  ein.  Die  angedonnerten  Nonnen 
lenkten  ein;  sie  kehrten  (nach  Theiner)  ohne  Schwierigkeit  zn  ihrer 
frühem  Einfalt  und  Nüchternheit  zurück ,  ,,nnd  ihre  Oberinnen  ent- 
hüllten selbst  in  rührenden  und  interessanten  Geständnissen  der 
Regierung  alle  —  —  Kunstgriffe,  womit  diese  unwissenden  Priester 
das  Gewissen  derselben  getauscht,  ihren  Aberglauben  genährt  und 
ihre  Phantasie  crhizt  hätten.^ ')  Auf  solche  Geständnisse  hin  er- 
hielten natürlich  die  Nonnen,  die  doch  mit  ihren  Prophezeiungen 
die  Lieute  aufgeregt  hatten,  den  Generalpardon  der  Regierung,  die 
Freunde  der  Jesuiten  vom  Weltklerus  mussten  als  Sündenbocke 
figuriren, 

Isidor  de  Garvajal  y  Lancaster,  Bischof  von  Cuenca  (1760 — 1771),  b*«^»' 
trat  als  eifrigster  Vertheidiger  der  Jesuiten  und  der  kirchlichen  Interessen  y  i.«„. 
überhaupt  hervor.    Namentlich  wogen   des   neu   eingescbärilen   konig-  ^^^^^'' 
lieben  „Pase^   fiir  die  päpstlichen  Erlasse   schrieb   er  einen  Brief  an   jo^ui. 
den  Beichtvater  Carl's  HL,  Jo.  Eleta,  worin  er  u.  a.  sagt,  dass  das  Reich    <"" 
verloren  sei,  dass  es  kopfüber  seinem  Ruine  entgegenstürze,  wegen  der 
Verfolgung,  welche  die  Kirche  erleide.     P.  Eleta  zeigte  den  Brief  dem 
Konige.    Der  schlaue  Manuel  de  Roda  rieth  dem  König,  er  möge  den 
Bischof  fragen,  welches  die  Verfolger  imter  den  Ministern,  welches  die 
geplünderten  Kirchen,   und   die  über  den  Haufen  geworfenen  Immuni- 
täten seien.    Der  Bischof  merkte,  wohin  die  Fragen  zielten,   und  ver- 
schob die  Antw^ort  —  wegen  seiner  hosen  Gesundheit.    Der  König  aber 
drang  weiter  in  ihn,  und  der  Bischof  führte  als  Beschwerdepunkte  die 
vielen  Lasten  an,  die  dem  EJerus  aufgebürdet  seien^  die  Beschränkung 
des  kirchlichen  Asyls,  die  Versuche,  die  Zunahme  der  kirchlichen  Ein- 
künfte und  den  Zuwachs   des  Klerus   überhaupt  zu   verhindern,   das 
Decret,  womach  jede  Bulle  dem  königlichen  Rathe  vor  ihrer  Verkündi- 
gung vorgelegt  werden  müsste,  zulezt  die  Geringschäzung,  mit  der  man 
in   einigen  damals  erschienenen   Schriften   von   dem   Papste    und   den 
Jesuiten  redete.    Ueber  diese  Briefe   des  Bischofs   sass  der  Rath  von 
Castilien  zu  Gerichte.  Gerichts- Fiscale  waren  Campomanes  und  Florida- 
bianca.   Ihre  Instruction  des  Processes   enthielt  die  fortgeschrittensten 
Doctrinen  des  Regalismus,    sie  war  gleichsam   das  „Vademccum^    der 
regalistischen  Schule.     Der  Rath  nahm  ihre  Vorschläge  an,  man  befahl, 
es  sollen  die  Briefe  des  Bischofs  und  deren  Abschriften  saisirt  werden,  ^f^dror 
Der  Bischof  wurde  vor  den  hohen  Rath  citirt,  um  wegen  seiner  Invec-  denuntti 
tiven  Verweise  in  Empfang  zu  nehmen.    Eine  königliche  Cedula  er-  ^tino* 
gieng  an  alle  Bischöfe,  die  sie  von  dem  unklugen  Vorgehen  des  Bischofs   citirt. 
von  Cnenca  in  Kenntniss  sezte,  welches,  wie  man  erwartete,  bei  allen 


')  ITiHneri  I.  p.  66. 

Oauu,  «p»o.  Kireh9.  XIU  9, 


24 


370  Vierzehntes  Buch.    Zweites  Kapitel. 

Bischöfen  MisabilligUDg  finden  werde.  Der  Konig  werde  die  Vor- 
Stellungen  der  Bischöfe  wohlwollend  aufnehmen,  wenn  dieselben  wahr- 
heitsgetreu, gemässigt,  mit  gebührendem  Respecte  vorgebracht  würden. 
Kein  anderer  Bischof  wollte  sich  nunmehr  der  bittem  Censur  eines 
Fiscals  aussezen;  sie  schwiegen.')  Die  Frommen  betrachteten  den 
Bischof  von  Cuenca  als  einen  Bekenner  des  Glaubens,  und  seine  Haltang 
galt  als  Vorbild  für  katholische  Bischöfe. 


§.  12. 

Als  besonders  durch  das  gewaltthätige  Eingreifen  Carl's  in.  unJ 
seines  Gesandten  Monino   die  Jesuiten  am   21«  Juli    1773    anfgehoben 
wurden,  mutbete   der  König  seinen  Bischöfen  zu,   das  Geschehene  zu 
beloben  —  durch  passende  und  beistimmende  Hirtenbriefe.    Am  2.  Sep- 
tember (1773)   erhielt  er  das  Aufhebungsbreve  und  i^war  vor  Freude 
spani.  ^uss^i'  sich.^     Es   wurdc   im  lateinischen  Texte  mit  spanischer  lieber- 
Rcb«  Je- sezung  kundgegeben.    Am  16.  September  befahl  Carl  III.,  es  in  allen 
'^m°   Staaten  seiner  Monarchie  zu  verkünden.    Am    ].  October  wurde   das 
Kirchen-  päpstlichc  Brcve  an  die  Bischöfe  versandt.  —  Von  jezt  an  erhielten 
■tiuto.  ^-^  1^  Kirchenstaate  wohnenden  spanischen  Jesuiten  eine  regelmässige 
Pension,  mussten  aber  vorher  die  Annahme  des  Breve  ihrer  Aufhebung 
unterzeichnen.    Viele,   die  diess  zu  thun  verweigerten,   erhielten  keine 
Pension  '). 

In  Folge  seiner  diessfalsigen  Verdienste  wurde  Monino,  der  nur 
177;^ — 1774  in  Rom  gewesen,  Bath  am  Gerichtshofe  von  Castilieo  und 
Graf  von  Florida -Bianca.  Die  spanischen  Bischöfe  (sagt  Tkeiner)  be- 
eilten sich,  das  Auiliebungsbreve  bekannt  zu  machen,  und  „begleiteten 
es  mit  wahrhaft  rührenden  Pastoralschreiben^.  Am  meisten  zeichneten 
sich  hierin  die  Cardinäle  Solis  und  Lacerda,  der  Erzbischof  von  Valencia, 


')  La  Fuentef  Vi,  p.  8i>8j.  —  Trülon  Mttnnoz,  Obispos  de  Caenea,  Ca. 
1860,  sagt,  er  habe  troz  allen  Nachsachens  die  gediegene  Denkschrift  des  Bischuts 
für  die  Jesuiten  nicht  auffinden  können,  p.  386. 

*)  CretineaU'JoUy^  Clemens  XIV.  und  die  Jesuiten.  Histoire  de  la  Com* 
pagnie  de  J^os,  t.  I,  p.  145—413,  Paris,  1815.  —  Themer,  I.  c.  1. 1.  paasim.  — 
Ficot,  Mtooires,  t  IV,  1855,  p.  236— 24 1.  —  C.  Riffel,  die  Aufhebung  des  Jeauiren- 
Ordens,  3.  Aufl.,  Mains,  1855,  S.  172,  179  sq.  *-  W.  Coxe,  17,  185  sq.  —  Juicio 
imparcial  aobre  el  extrafiamiento  de  loa  Jeauitaa,  v.  Abate  Hermoso  (was  1845  nodi 
nicht  edirt).  Im  Jahre  l8o7^l868  edirte  Fuente  eine  Reihe  von  Artikeln,  und  gab 
aie  geaammelt  heraua.  Ihm  antvrortete  Ferrer  dd  Rio,  worauf  Fuente  replicirte 
in :  La  oorte  de  Carlos  III.  --  £r  selbst  ISsst  in  seiner  Kirchengeschichte,  auf 
p.  74—79,  den  Engländer  W.  Coxe  reden.  —  Aug.  Carayon,  8.  J.,  Charles  lll., 
9t  \^  i^eauitea  ....  documenta  inöd.,  Pari%  1868. 


MoDino  als  Graf  von  Florida -Bianca.  371 

Franc.  Fabian  y  Faero,  der  Bischof  vou  Cartagena,  Manuel  Rnbin  de 
Celis,  sowie  der  Bischof  Luc.  Ramirez  Galan  von  Tnj,  bis  1771  Erz- 
bischof von  Bogota,  aus  *). 


§.    13. 

I 

Neben  dieser  grossen   Concession   an   Carl  III.   concedirte  ihm 
Papst  Clemens  XIV.   mit  vollen   nnd   offenen  Händen   noch   manches 
Andere.    Ein  concordirtes  Breve   vom   26.  März  1771    stellte  bei  Er- 
richtung des  Tribunals  der  Bota  der  spanischen  Nuntiatur  den  Grund- 
saz  auf,   dass  kirchliche   Rechtssachen   in  Spanien   selbst  entschieden 
werden  müssten.     Carl  III.  erlangte  auch  den  entscheidenden  Einfluss 
anf  die  Bestellung  der  Richter   der  Rota.    Es   war  also,   wie  die   In- 
quisition, ein  königliches  Gericht   mit  kirchlichen  Formen.    So  hatten 
es  die  Regalisten  Dom,  Pimentel  und  Joan.  Chumacero  im  siebzehnten 
Jahrhundert  gewollt*).    Die  bisherige  Gerichtsbarkeit  des  Auditors  der 
Nuntiatur  hörte  damit  auf.     Die  Rota  der  apostolischen  Nuntiatur  war 
vom  Nuntius  durchaus  unabhängig.    Die  sechs  Richter  der  Rota  wurden 
vom  Könige  präsentirt.     Auch   der  Uditore  der  Nuntiatur  soll  künftig 
ein  Spanier  und  dem  König  angenehm  sein,  ebenso  der  Fiscal  und  der 
Abbreviator.    Der  Nuntius  war  so  ein  Fremdling  unter  seinen  Leuten. 
Das   Breve  wurde  erst   am  26,  October  1773   promulgirt*).     Der 
königliche  Rath  sollte  die  dienlichen  Maassregelu  für   die  Einrichtung 
des  Tribunals  treffen.    Für   diese   gefährliche  Neuerung ,   welche   den 
kirchlichen  Einfluss  ganz  verdrängte,  sprach  Clemens  XIV.  am  8.  Sep- 
tember 1774  dem  Könige  seinen  innigsten  Dank  aus^),  vierzehn  Tage 
vor  dem  Tode   des  Papstes.    Er  hatte   das   Seinige   gethan^  um   den 
Primat  der  Jurisdiction   des   römischen  Papstes   in  Spanien   zu   einem 
Primat  der  Ehre  zu  degradiren. 

Auch  ein  concordirtes  Breve  über  die  Rs^uction  der  Asyle  hatte 
derselbe  Papst  am  12.  September  1772  erlassen^),  nachdem  die  frühem 
Päpste  schon  die  grössten  Concessionen  hierin  gemacht  Von  nun  an 
sollten  in  jedem  Bisthum  nur  noch  ein,  höchstens  zwei  heilige  Orte 
das  Asylrecht  haben.    So  war  dieses  Recht  auf  ein  Mmimum  reducirt. 


^)  Den  Hirtenbrief  des  leztern  vom  26.  October  1773  im  spanischen  Original 
theilt  Theiner  mit,  II.  p.  888—389. 

')  Ckileccion,  p.  2S9— 2ü0.  —  Das  Breve  spanisch  und  deutsch  bei  Hetgen- 
röther,  Archiv,  XL,  Beil.  B,  p.  395  —  401. 

»)  Ley  I,  tif.  6,  L.  II,  Nov.  Reoop.  Coleccion,  p.  279-280,  291. 

^  Theiner,  Epistolae  Clement.  XIV.,  ur.  2SJ,  p.  825.  — ^  Dersclb.,  Geschichte 
Clemens  XIV.,  t.  II,  p.  450 -lö2. 

*)  Bullar.  Born,,  Cont.  t,  IV,  p»  4^8—192  -^  Auszug  in  der  Colecc,  de  los 
Conoordatos,  p.  8t^8  sq. 

24* 


372  Vierzehntes  Bnch.    Zweites  Kapitel. 

SpätcM-  —  am  11.  November  1800  —  gab  die  Uegierung  noch  be- 
souüorc  Regeln  für  die  Eotfernung  der  Verbrecher  aas  den  Asylen 
und  das  Verfahren  gegen  sie*) 


§.  14. 

Am  Ende  des  Jahres  1776  tratMonino  in  das  Ministerium.  Sein 
Nachfolger  in  Rom  wurde  Grimaldi,  dann  Azara.  Anch  von  Papst 
Pins  VI.  (seit  1775)  erlangte  Carl  III.  verschiedene  Indulte. 

Noch  in  den  Jahren  1778  — 1779  drang  Carl  III.  in  den  Papst, 
die  Lehre  von  der  nnbefleckten  Empfangniss  der  seligsten  Jungfrau  al? 
Glaubenssaz  auszusprechen.  Es  wurde  die  Seligsprechung  des  Bischofs 
Palafox  aufs  neue,  und  der  im  Jahre  1665  gestorbenen  Maria  Agreda 
betrieben.  Am  28.  Januar  1777  sprach  sich  die  Congregation  der  Riteu 
gegen  die  erstere  aus.  Der  Botschafter  Juan  Nie.  Azara  erliess  da- 
gegen eine  derbe  Denkschrift^).  Wegen  dieser  und  anderer  (in  Rom) 
noch  schwebenden  Seligsprechungs-Processe  wurden  die  Bischöfe  am 
31.  August  1778  aufgefordert,  genaue  Berichte  dem  königlichen  Rathe 
zu  erstatten. 

§.  15. 

Der  Graf  Aranda  war  im  Jahre  1773  als  Gesandter  nach  Paris, 
von  da  nach  Rom  versezt  worden.    Vom  Jahre  1777 — 1788  herrschte 
Florida-  Florida -Bianca   unbedingt  über  die   spanische  Monarchie,    Carl   III. 
Bianca  ^^  ^^^  Jahre  1766  — 1783   in   der  Hand  der  unerbittlichen  Kirchen- 
von  1777  feinde.  —  Dem  Könige  wurde  das  Recht  vindicirt,  Pensionen  bis  zum 
-1789.  dritten  Theile  des  Ertrags  auf  die  ohnedem  schwer  belasteten  Beneficien 
in  Spanien  zu  legen.    Einerseits  wurde  Rom  mit  immer  neuen  Gesuchen 
um  Concessionen  und  Indulte  drangsalirt,  anderseits  wurden  die  Recurse 
der  Spanier  nach  Rom   durch  Erlasse   vom    15.  September  1778   sehr 
erschwert.    Ein  eigener  spanischer  Agent  wurde  in  Rom  angeblich  zur 
Verhütung  von  Missbräuchen,  in  Wirklichkeit,  um  alle  Recurse  zu  vor- 
hindern, aufgestellt').    Die  Bischöfe  wai*en  fast  nur  noch  Beatnte  der 
Regierung.     Die  Regierung  mischte  sich  sogar  in   den   Katechismus. 
Durch  Gesez  vom  16.  Juli  1784  wurde  den  Bischofen  unter  strengen 
.   Strafen  befohlen,  ihre  Generalvicai*c  von  der  Regierung  genehmigen  zu 
lassen.    Statt  dessen  stellten  die  Bischöfe  nur  Provisoren  auf,   die  der 
Genehmigung  nicht  unterlagen.  —  Viele  andere  Gesuche  vnirden  von 


■)  ColeccioD,  p.  302.    Ley,  G,  tit  5. 

»)  Le  Bret,  Magazin  der  nonen  Kirchengeach.,  VII,  pp.  353—831,  383—385. 

»;  Le  Brei  p.  386  — 31*2. 


AmortiBation  des  Kircbenguts.  373 

PiQS  VI.  genehmigt  In  Rom  wasste  man^  dass  man  ohne  diese  Be- 
williguDgeh  in  Spanien  eigenmächtig  vorgehen  werde,  und  wollte  darum 
von  zwei  Uebeln  das  kleinere  wählen.  —  Auch  ^Ordensreformen^ 
wurden  versucht.  Am  12.  März  und  12.  Mai  1786  wurden  die  von 
dem  päpstlichen  Nuntius  revidirtcn  Statuten  der  unbeschuhten  Oarme- 
liter  und  Carmeliterinen  bestätigt').  Am  24.  August  1787  wurde  der 
Orden  des  heiligen  Antonius  für  Spanien  aufgehoben'). 


§.  1«. 

Neben  den  Planen  einer  immer   schrankenlosem  Ausbeutung  des 
Eirchengutes  zu  Gunsten  des  Staates,  giengen  jezt  die  Plane  der  Ein- 
ziehung oder  Amortisation   desselben.     Die  Guter  „der  todten  Hand^ 
sollten   dieser  entzogen,    und   dem    s.  g.  Volke  nuzbringend  gemacht  ^"^^ 
werden.    An  der  Spize  dieser  Bestrebungen  stand  der  berühmte  Pedro  das  Kh- 
Rodriguez  Campomanes,   aus  Asturien,   geb.  1.  Juli  1723.    Er   wurde ^**®"«"** 
Fiscal   des  königlichen   und  obersten   Rathes   von  Castilien  —   1762, 
später  Graf  und  Staatsminister.    Als  Fiscal  legte  er  dem  Konige  seine 
oconomischen   Pläne  vor.      Auf  seinen   Antrag  verbot   Carl   III.   am 
10.  März  1763  die  weitern  Erwerbungen  der  ^^todten  Hand^)^,  und  leitete 
damit  die  spätere  Säcularisation  ein.  —  Schon  der  Franzose  Orry  hatte 
einzelne   Versuche   der  ,, Amortisation^  gemacht.     Das  Concordat  von  p.  r. 
1737  hatte  die  von  der  „todten  Hand^  erworbenen  Güter  allen  Lasten  ^^^^^^ 
und  Tributen  des  Staates  unterworfen  (Art.  8).    Nur  sollten  Geistliche 
nicht  durch   die  Beamten   der  weltlichen  Gerichtshöfe,  sondern  durch 
die  Mandatare   der  Bischöfe   zur  Zahlung  verhalten   werden.    Aber  in 
der  von  Carl  IIL  im  Jahre  1760   erlassenen  Instruction   für   die  Ein- 
ziehung der  Abgaben  war  diese  Bestimmung  schon   weggelassen,   wie 
so  manche  Clausel,   von   deren  Beobachtung   man  sich  stillschweigend 
dispensirte  *).    Am  10.  März  176^  wurde  der  „todten  Hand**  Güter  zu 
erwerben  verboten,   auch   wenn  diese  Erwerbung  sich  in   das  Gewand 
der  Frömmigkeit  oder  Nothwendigkei^  kleiden  wollte^). 

Das  Werk  des   Campomanes   über  die   „kirchliche  Amortisation 
als  Regalie**  war  bahnbrechend  •).    Es  verräth  eine  umfassende  Gclehr- 


•)  BuUar.  Rom.  Continuat.  t.  VII,  p.  491-^588;  Const.  Pii  VI  —  59a 

»)  t.  VIII,  p.  78-81.  Const,  668. 

*)  Novia.  Eecop,  Ley  17,  tit  5.  L.  I.  —  CaatiUo  y  Ayensa^  II,  p.  274. 
Leztercr  neoDt  dieses  mid  die  ähnlichen  Gcseze :  diBpoaicionos  atentatorias  al  derecho 
de  propriedad. 

*)  Ley  15,  tit.  1,  L.  I. 

•)  Ley  17,  t.  1. 

*)  La  regalia  de  ascitizacifin  eclcsiästica,  Madr.,  1764. 


374  Vierzehntes  Bnob.    Zweites  Kapitel. 

samkeit,  und  ein  tiefes  Studinin.  Er  brachte  es  dahin,  dass  mehrere 
Professoren  der  Theologie  und  des  canonischen  Rechts  es  revidirten 
und  billigten,  sowie  verschiedene  andere  Geistliche  von  Ansehen.  Unter 
diesen  waren  Isidor  Arias,  Professor  der  Theologie,  General  der  Congre- 
gation  der  Benedictiner,  später  Bischof  von  Guamanga ') ,  Juan  Perez, 
Provincial  der  Dominicaner  von  Castilien,  P.  Josö  Leon,  vom  Orden 
der  ,,Agonizanten^,  und  der  P.  Basilius  de  S.  Justa  y  Rafina,  vom 
Orden  der  Piaristen. 

Der  Graf  Aranda  gewann  iür  die  gleichen  Plane  die  Universitateo, 
ehedem  kleine  Republiken,  von  jezt  an  durch  das  absolute  System  der 
allmächtigen  Minister  durchaus  abhängige  Corporationen.  Welcher 
Professor  hätte  sich  weigern  können,  dem  Elaborate  eines  Fiscals  des 
Rathes  von  Castilien  seine  Billigung  zu  versagen?  Man  sorgte  auch 
für  die  Verbreitung  des  Werks  jenseits  der  Pyrenäen.  Im  Jahre  1764 
wurde  es  in  Madrid  gedruckt,  im  Jahre  1765  auch  in  Venedig  und 
Mailand.     Das  Werk  wurde  erst  im  Jahre  1825  auf  den  Index  gesezt. 

§.  17. 

Schüler  und  jüngerer  Freund  des  Campomanes  war  Caspar 
o.  M.  Melchior  Jovdlanoa;  im  Jahre  1744  zu  Gijon  in  Astarien  geboren 
UM.  (t  27.  November  1811).  Er  studirte  die  Rechte,  und  wurde  Assessor 
am  Criroinalgerichtshofe  von  Sevilla.  Hier  trat  er  zuerst  als  Dichter 
mit  Erfolg  auf*).  Im  Jahre  1778  wurde  er  Assessor  am  königlichen 
Gerichtshofe  zu  Madrid.  Im  lahre  17P0  wurde  er  Mitglied  des  Rathes 
des  Ordens  von  Calatrava.  Auf  seinen  amtlichen  Reisen  sammelte  er 
den  Stoff  zu  seiner  „Anleitung  zur  Gesezgebung  über  den  Ackerbau^'). 
In  diesem  Gutachten  suchte  er  zu  beweisen,  dass  die  Krone  ein  un- 
veräusserliches Recht  habe,  abgelt-itet  aus  dem  „jus  cavendi^,  die  Er- 
werbungen der  „todten  Iland**  zu  beschränken*).  Campomanes  ver- 
sicherte im  Jahre  176:1,  der  Klerus  besize  mehr  als  den  sechsten  Theil 
alles  Grundbesizes  in  Spanien.  Auf  seine  Aussage  wurde  diess  bis 
jezt  als  sichere  Thatsache  angenommen;  man  sprach  sogar  von  einem 
Fünftel  und  selbst  Viertel  alles  Grundvermögens  im  Besize  der  „todten 
Hand^.     Dagegen   wies    der   Senator   Santarella   in    der   Sizung  vom 


*)  Vielleicht  ComayagQa  (Hondaras),  wo  wir  einem  Isidor  Bodrignez  begegnen, 
späterm  Erzbiscfaofe  von  S.  Domingo. 

*)  Sein :  El  Delinqnente  honrado  —  der  Verbrecher  in  Ehren  —  wnrde  in 
die  Mehrzahl  der  europäischen  Sprachen  ttbersezt.  Seine  Tragödie  „Pela)o''  wurde 
im  Jahre  1790  iin  königlichen  Theater  aufgefQhrt. 

*)  Informe  en  t'I  expediente  de  la  ley  agraria  —  las  qaestiones  mas  impor 
tantes  de  economiH  politica,  adaptadas  al  estado  presente  de  la  Espa&a. 

^)  Goleccion  de  los  Concordatoa;  p.  142—143. 


C.  M.  Campomanes.   Carl  III.  375 

10.  Februar  1845  nach,  daas  von  55  Millionen  Fanegas  (Scheffel  oder 
Stück  Land  zn  einem  Scheffel  Aussaat)  von  Grund  nnd  Boden  der 
Klerna  nur  4.093.000,  nur  etwa  den  dreizehnten  Tbeil  gehabt  habe*)- 
Das  Meiste  davon  fiel  dem  Staate  und  den  Armen  zu.  Zudem  war 
damals  die  Zeit  längst  vorüber,  in  welcher  der  Kirche  neue  Güter  ge- 
schenkt wurden. 

In  Betreff  der  neuen  Maassregeln  gegen  das  Eirchengut  schrieb 
Papst  Clemens  XIII.  am  10.  Juli  1766  und  26.  Juni  1766  an  Carl  III. 
Mahnungen,  welche  ohne  Erfolg  blieben'). 

Auf  Ansuchen  Carlas  III.  erliess  Clemens  XIII.  ein  concor- 
dirtes  Breve  vom  18.  December  1766  tiber  die  Facultaten  des  aposto- 
lischen Nuntius  in  Spanien'),  welches  in  die  spanische  Gesezes- 
sammlung  aufgenommen  wurde.  Es  war  hiebei  die  Absicht  der 
spanischen  Regierung,  den  Verband  mit  Rom  möglichst  zu  lockern. 
Der  Nuntius,  mit  dem  man  in  Madrid  leichter  fertig  werden  konnte, 
als  mit  dem  Papste  in  Rom,  sollte  so  umfassende  Facultaten  erhalten, 
dass  die  Berufung  nach  Rom  in  den  meisten  Fällen  wegfiele.  Das 
Breve  diente  von  nun  an  für  die  Beglaubigungsschreiben  der  spanischen 
Nuntien  ^). 

§.  18. 

Im  Vergleiche  mit  seinen  Vorgängern  und  Nachfolgern  führte 
Carl  III.  im  Ganzen  eine  ruhige  und  glückliche  Regierung  von  bei- 
nahe 30  Jahren.  Er  erkrankte  im  Escurial,  und  wurde  im  Anfange 
des  December  1788  nach  Madrid  gebracht.  Am  13.  December  ver- 
schlimmerte sich  sein  Zustand,  und  es  wurden  ihm  die  heiligen  Sacra- 
mente  gereicht.    Er  starb  am  14.  December,  im  Alter  von  72  Jahren*^). 


>)  Castmo  y  Ayenaa,  II,  p.  287-388  (cf.  274). 

*}  BuIIarii  romani  Continaatio  a  demente  XIII.  ad  Pium  VIII,  op.  et  stnd. 
Andreae  Advocati  Barberi.  Romae,  1837—1857,  18  voll«  2*.  —  t.  III,  p.  123 
bis  124.  —  RoBcovany,  Monumenta,  t.  III,  p.  187—188. 

*)  Colccoion  de  los  CoDCordatos,  p.  265 — V79.  •—  Tejada  y  Ramiro^  Colec- 
don,  t.  VII,  p.  28:— 286  (aas  Ley  4,  tit  4,  Hb.  2  de  la  Novisima  Recopiladon);  bei 
Hergenröther,  Arehiv  v.  Moyn.  VerIng,  Bd.  XI.,  Bei),  A.,  p.  382.-895,  spanisch 
und  Uteiniscb  (Das  Lateinische  ist  nur  der  Versnob  einer  Rückübersezung  aus  dem 
Spanischen). 

*)  Coleccion,  pp.  47,  279. 

*)  Er  starb  noch  im  December ;  Sabau  giebt  den  Tag  seines  Todes  nicht  an, 
La  Fuente  nennt  den  14.  December.  —  Cabctrrus^  Elogio  de  D.  Carlos  111;  Madrid 
1789  in  4*.  —  Beecatini,  Storia  de!  regno  di  Carlo  III.,  Paris,  1796.  —  Mariana- 
Sobou,  t.  XX,  p.  386-  487.  -  TT.  Oww,  t  1V~  V. 


376  Vierzehntes  Buch.    ZweltcB  Knpitel. 


§.   19. 


criiv.  Carl  IV.  wurde  zu  Neapel  am  14.  November  1748  ccboren.     Er 

isoe.  erbte  von  seinem  Vater  nur  die  Gutmutbigkeit,  und  die  Leidenschalt 
der  Jagd,  der  er  sich  jeden  Tag,  wie  Carl  III.,  hingab.  Er  wurde 
frühe  mit  Maria  Louise  von  Parma,  seiner  Cousine,  vermählt.  Im  Laa(e 
der  Zeit  gewann  sie  solche  Gewalt  über  ihn,  dass  sie  sich  die  grossten 
Zeichen  des  Vertrauens  von  ihm  geben  liess,  ja  dass  Carl  IV.  der 
einzige  Mensch  in  seinen  Staaten  war,  der  nicht  die  Verirrungen  der 
Königin  sah,  die  sonst  Jedermann  in  die  Augen  fielen.  Der  Konig 
hat  bis  zum  Ende  seipes  Lebens  ein  Vertrauen  ohne  Grenzen  in  die 
Tugend  seiner  Gemahlin  gesezt. 

Im  Anfange  seiner  Regierung  wurden  für  einen  bestimmten  Zweck 
die  Cortes  berufen,  welche  unter  Carl  III.  gänzlich  vergessen  worden, 
und  huldigten  dem  Konige.  Als  sie  sich  aber  ihrer  alten  Rechte  er- 
innern wollten,  wurden  sie  in  Ungnaden  entlassen,  ond  nicht  mehr 
berufen. 

In  den  ersten  Jahren  der  Regierung  Carl's  IV,  behauptete  sich 
zwar  Florida -Bianca  noch  in  seiner  Stellung,  doch  wurde  dieselbe  mehr 
und  mehr  erschüttert  und  untergraben«     Im  Jahre  1792  wurde  er,  der 

Florida-  yotmals  allmächtige  Regent  von  Spanien,   gestürait.    Im  Schlosse  von 

gesturst,  Pamplona,  seinem  Gefängnisse,  befand  er  sich  in  einem  solchen  Zu- 
*^**'  Stande  der  Entbehrung,  nach  15  Jahren  seiner  Regierung  (1777 — 1792), 
dass  sein  Bruder  Franc.  Monino  ihn  mit  Geld  unterstüzen  mnsste. 
Nach  eidiger  Zeit  durfte  er  nach  Murcia  zurückkehren,  wo  er  bis  zum 
Jahre  1808  lebte.  Nach  dem  Ausbruche  der  Insurrection  gegen  Napo- 
leon wurde  er  an  die  Spize  der  Generaljunta  des  Königreichs  berufen. 
Aber  gebeugt  unter  der  Last  der  Jahre  (er  wurde  zu  Murcia  im  Jahre 
1728  geboren),  starb  er  zu  Sevilla  im  Anfange  des  Jahres  1809.  Ei 
wurde  dort  in  der  Cathedrale  beigesezt,  und  ihm  ein  Mausoleum  vod 
Marmor  errichtet« 

Aranda  war  zum  erstenmale  im  Jahre  1773  gestürzt  worden, 
erhielt  aber  zur  Entschädigung  die  Gesandtschaft  in  Paris.    Im  Jahn* 

AiandA  1792  ersezte  er  den  Grafen  Florida- Bianca  wieder  im  Ministerium,  und 
Jilder  ^^^^  scheinbar  die  höchste  Gewalt,  aber  nicht  für  lange  Zeit.    Er  war 

MiaLter.  der  Königin  zu  strenge.  Sie,  ihr  Günstling  Manuel  Godoy,  und  fn^t 
alle  Hofleute  bildeten  eine  mächtige  Coalition  gegen  ihn.  Man  be- 
schuldigte ihn,  die  Ideen  der  revolutionären  Franzosen  zu  theilen. 

Am  J  4.  März  1 7lJ4  war  grosser  Rath  zu  Aranjuez  über  die  Frage 
des  Kriegs  gegen,  oder  des  Friedens  mit  Frankreich.  Als  Godoy 
glaubte,  so  viel,  wie  Aranda,  zu  verstehen,  entledigte  er  sich  seiner. 
Godoy  stimmte  für  den  Krieg  gegen  Frankreich,  Aranda  für  bewafineto 


GcMloy  fitürzt  den  ArandH.  Der  ^Glückspilz^  u.  «Friedensfliist"  M.  Godoy.    377 
Neutralität.    Als  Äranda   nach    beendigtem  Ilatfae   in   seine  Wohnung  ^*^*f* 

5^  levolu- 

zarückgekehrt  war,  so   erschien   der  Oomnaandant  des  Plazes,   nahm  tionsa 
seine  Papiere  in  Beschlag,  wie  Aranda  die  Papiere  der  Jesuiten  hatte  ^^*^' 
in  Besehlag  nehmen  lassen;  er  befahl  ihm  barsch,  sogleich  in  ein  Ge-  i4.Mftrz 
ilihrt  einzusteigen,  ohne  dass  er  vorher  Nahrung  zu  sich  nehmen  konnte,    ^^^' 
wie  er  es  mit  den  Jesuiten  gemacht.    Man  iuhrte  ihn  schleunigst  in  Ver* 
bannong  (nach  Jaen),  wie  er  den  Jesuiten  gethan.    Von  da  kehrte  er  in 
seine  Heimath  Aragon  zuriick,  wo  er  fast  vergessen  im  Jahre  1799  starb '}. 

Vom  Jahre   1794  bis  1808   herrschte  Godoy,  (oder  Godoi),   un-  ^*^^^| 
nmschränkt.    Manuel  Godoy,  Friedensfurst,  Herzog  von  Alcudia,   war  Herr- 
am   12.   Mai    1767   zu   Badajoz  geboren.     Sprosse   einer   armen   ade-  ^^^^ 
ligen  Familie   kam    er  im   Alter   von    17   Jahren    nach   Madrid,  wo    isos. 
er  in   eine  Compagnie  der  Leibgarde  eintrat,   in    der   seit   1784   auch 
sein  älterer   Bruder  Luis   Diogo  diente.     Seine  schöne  Haltung,   die 
Kegelmässigkeit  seiner  Zuge,   seine  sanften  und  feinen  Manieren,  sein 
liebenswärdiges   Wesen   erwarben  ihm   die   Gunst  der  Frauen   selbst 
am  Hofe.     Die   Königin  Louise  Marie  bemerkte  ihn;   Carl   IV«   aber 
fasste  eine  solche  A£Pection  zu  ihm,  dass   sich  ihm  der  Weg  zu  allen 
Ehren  und  Wurden  erschloss.     Einige  meinten,   dass   seine  Fertigkeit 
im  Spielen   der  Guitarre  sein  Gluck   begründet  habe.    Er  wurde  bald 
General  der  königlichen  Leibwache,   und   bald  auch  in  den  Staatsrath 
berufen.     In  dieser  Stellung  zeigte  er  eine  Sicherheit,   die   weit   über 
sein  Alter  war.    Er  zeigte  ein  gesundes  Urtheil,   ein   glückliches  Ge- 
dächtnks,   einen   ausgesuchten  Tact  und  eine  scharfe  Gabe  der  Auf- 
fassung.   Der  Geist  der  Intrigne,  der  sich  so  leicht  am  Hofe  bildet, 
half  zu    dem   Weitern.    Er   wurde   erster  Minister  statt  des   Grafen 
Aranda.     Der  Krieg   gegen  Frankreich   endigte   unglücklich.    Der  am 
22.  Juli   1793   zu  Basel  geschlossene   Friede  verschaffte   dem  Godoy, 
vorher  schon  Herzog  von  Alcudia,  den  Titel  eines  Fürsten  des  Friedens,  ^^J^ 
Tind  eines  Granden  erster  Klasse.    Carl  IV.  gab  ihm  femer  den  Orden  deos- 
des  goldenen  Vliesses,   und   eine  Domaine   mit  einem  Einkommen  von 
(iO.OOO  Piaster.    Troz  der  mächtig  sich  erhebenden  Opposition  schloss 
Godoy  am    16.  August  1796   das  Offensiv-   und  Defensivbündniss  mit 
der  franzosischen  Republik  zu  San  Ildefonso.  —  Das  Königspaar  wollte 
ihn  auch  noch  durch  die  Bande   der  Ehe  mit  der  königlichen  Familie 
verschwägern.    Er  sollte  eine  der  Tochter  des  Infanten  und  Excardinals 
Don  Luis  heirathen.    Er  selbst  scheint   diese  Ehe  nicht  sehr  ernst 


nnfc« 
1795. 


*)  Er  war  geboren  am  :  8.  Deccmbcr  1718.    Den  Tag  seineB  Todes  finden 
wir  nicht 


378  Vienehntes  Bnch.    Zweites  Eftpftel. 

genommen  zn  haben.    In   einem  Briefe  Tom  15.  Angast  1797  an  den 
Präsidenten  des  Rathes,  Bischof  Ant.  Tavira  von  Salamanca,  bittet  er 
diesen,  den  Gobernador  des  Erzbisthnms  Ton  Toledo  zu  ersuchen,  zuerst 
die  ältere  Tochter  des  Infanten  zu  fragen,   ob  sie  ihn  heirathen  \?olIe, 
wenn  nicht,  die  jüngere  Tochter*).  —  Doch  wurde  er  nm  diese  Zeit 
jotefA  scheinbar  gestürzt«    Er  hatte  seine  Blicke  auf  D.  Josefa  Tndo  geworfen. 
Tado.   jy^^  Vater  dieser  jungen  Person,  ein  Militär,  der  seit  langem  eine  Stelle 
suchte,  erschien  mit  seiner  Tochter  vor  Godoy,  um  Hilfe  bittend.    So- 
aodoy  gleich  wurde  er  zum  Verwalter  des  königlichen  Schlosses   |,el  Retiro^ 
^  i^^r  g^n^&cl^t  y   ^o   sich   nun  Godoy   häufig   zu   Besuchen   einfimd.     Josefa 
Tudo  wollte  von  galanten  Abenteuern  nichts  wissen,  Godoy  aber  wollte 
von  ihr  nicht  ablassen.    Er  schloss  eine  geheime  Ehe  mit  ihr.     Weder 
die  Eifersucht  der  Konigin,    noch   die   glänzenden  Eigenschaften   der 
D.  Teresa  de  Bourbon,  mit  der  Godoy  öffentlich  sich  vermählte,   ver 
mochten  die  Verbindung  Godoy's  mit  der  Tudo  zu  trennen.    Alle  Weltj 
redete  von  dieser  Doppelehe,  die  Inquisition  wollte  den  Process  wegen 
Bigamie  gegen  Godoy  anstrengen.    Carl  IV.  war  wie  taub,  und  blie 
seinem  Günstling  treu  ergeben.    Vergebens  wurden  einige  seiner  Gegne 
verbannt;  die  Zahl  der  Feinde  wuchs«    Godoy  musste  (in  Folge  eine 
Intrigue  des  franzosischen  Cabinets)  am  28.  März  1798  das  Ministerinni 
wird    verlassen.    Als  Minister  folgten   ihm  Franc,   de  Saavedra  und  Melcbi 
ubor-   Casp.  Jovellanos.    Lezterer  war  im  Jahre  1790  in  Ungnade  gefallen! 
gehend  j^  Jahre  1794  erhielt  er  wieder  den  Titel  eines  Rathes  von  üastilienj 
Im  Jahre  1797  liess  ihn  Godoy  zum  Gesandten  in  Petersburg  ernennen, 
und  als  er  die  Annahme  verweigerte,   wurde  er  Minister  der  Gnaden 
und  Gerechtigkeit.    Bald   darauf  zog  er  sich   den  Haas  Godoy's   zu. 
der  ihn   im  Jahre  1798  nach  Gijon  verbannen  liess.    Im  Jahre  1801 
liess  er  ihn  in  die  Carthause  von  Valdemuza  auf  Majorca,   im  Jahro 
1802  aber  in  das  Staatsgefängniss  von  Bellver  bringen. 
joveiift.  In  Bellver  schrieb  Jovellanos  seine  berühmten  Briefe:  |,üeber  dae 

suaV  zurückgezogene  Leben  und  über  die  eitlen  Pläne  und  Bestrebungen  der 
mann  a.  Meuscheu.''    Erst  im  Jahre  1808,  nach  dem  Einzug  der  Franzosen,  cr- 
fuillr.  ^^^^*  ^^  ®®*°®  Freiheit  und  kehrte  nach  Gijon  zurück.    Nach  wechselnd 
den  Schicksalen,  worin  er  sich  als  entschiedenen  Gegner  der  Franzosenj 
bewies,  starb  er  in  seiner  Heimath  am  27.  November  1811*). 


')  Der  Brief  bei  Barrantes,  Cafalogo  razonado,  1865,  p  50. 

')  Noticias  hietoricas  de  don  G.  M.  Jovellanos;  Palma,  1812.  —  4*.  - 
J.  Cea  BermudtZj  Memorias  para  la  yida  de  Jovellanos  j  noticias  de  sos  obra!>. 
Madr ,  1814. 


Godoy  wieder  auf  der  Bühne  und  im  „Zenith"  seiner  Macht  879 


§.  21. 

Der  scheinbar  gestürzte  Godoy  war  in  der  Tbat  nicbt  gestürzt; 
er  hatte  sieb  nur  etwas  zurückgezogen.  Jovellanos  und  Saavedra  wurden 
in  demselben  Jahre  (1798)  gestürzt  Urqnijo,  der  ihnen  gefolgt,  übrigens 
der  französischen  Revolution  sehr  günstig  war,  wurde  bald  verbannt, 
und  der  Friedensfurst  erschien  wieder  offen  auf  der  Bühne«  Er  wan- 
delte von  nun  an  ganz  und  gar  im  Schlepptau  des  „ersten  Consuls^ 
Napoleon,  welchem  er  Spanien  zu  Füssen  legte.  In  einem  kurzen 
Feidzng  gegen  Portugal,  an  dessen  Spize  Godoy  selbst  sich  stellte,  er- 
oberte er  einige  Fläze,  wurde  Grosskreuz  des  Ordens  Carl's  III.  und 
von  Malta,  und  erlangte,  als  Graf  von  Evoramente,  eine  jährliehe  Steige- 
rung seiner  Einkünfte  um  100.000  Realen.  Carl  IV.  gab  ihm  zudem 
zwei  Fahnen,  die  er  seinem  Wappen  beifügen  sollte,  und  einen  Ehren* 
säbel,  den  er  ihm  eigenhändig  umgürtete. 

Der  Freiherr  von  Vincke,   später  Oberprasident  in  Münster,   sah 
im  Jahre  1802  den  Godoy  auf  dem  Höhepunkte  seiner  Macht.     „In  dic^^®^*^ 
Bibliothek  des  Friedensfursten,^  schreibt  er,  „haben  lediglich  die  Granden,  Höho. 
Erzbischofe   und  königlichen   Adjutanten  Zutritt  0*     Hier   fanden   wir  ^^^^^ 
den  grossen  Mann,  diesen  Potemkin  II,  im  seidenen,  mit  vielen  Sternen  Macht, 
geschmückten  Schlafrock,  unter  den  Händen  des  Barbiers.     Als  dieser 
fertig  war,   wurde   der  Waschtisch   in   die  Mitte  des  Zimmers  gesezt, 
(es  waren  sogar  drei  Damen  im  höchsten  Staate  zugegen).     Dann  wur- 
den  wir   beide   (der  preussische  Gesandte   und  Vincke)  allein   in  das 
elegante  Schlafgemach  genöthigt^   wo   sich  der  Fürst  mit  uns  eine  ge- 
raume Zeit  äusserst  artig  unterhielt,   und  uns  seiner  mächtigen  Unter- 
stüznng  versicherte. 

-Der  Fürst   ist  ein  sehr  schöner  Mann,   von  sehr  einnehmendem  ®^"^«' 

.....  rungdei 

Aeussem.  Auch  au  gesellschaftlicher  Politur  scheint  es  ihm  nicht  zu  «For- 
fehlen.  Weiter  kann  ich  ihn  nach  so  kurzer  Unterhaltung  nicht  beur-  ■*•""• 
theilen.  Nach  der  öffentlichen  Meinung  soll  es  ihm  aber  sowohl  an 
natürlichen  Anlagen  höherer  Art,  als  an  gründlicher  Bildung  durchaus 
t't'hlen.  Wie  sich  die  stolzen  Spanier,  die  ihn  vom  Grunde  der  Seele 
verachten,  wie  sich  die  so  weit  über  ihn  erhaben  dünkenden  Granden 
so  sehr  vor  diesem  Günstling  des  Glücks  demüthigen  können,  ist  mir 
ganz  unbegreiflich.  Dieselbe  Scene  wiederholt  sich  tagtäglich,  und  ist 
selbst  für  die  wenigen  rechtlichen  Leute  zu  einer  Art  von  Nothwendig- 
keit  geworden,  diesem  Courgeschäft  viele  Stunden  aufzuopfern,  weil 
dessen    Vernachlässigung   augenblickliche    Entfernung    von    Amt    und 


*)  Leben  des  Oberpräsidenten  von  Vincke,   OMth  beinen  TMgcbUchem  bear- 
beitet voD  Bodehchtvingh.   I.  llieil:  Das  bewegte  Leben,  1774-1816   Berlin,  1853. 


380  Vierzehutee  Bach.    Zweites  Kapitel. 

Würden  UDausbleiblich  nach  sich  zieht.  Es  ist  diess  —  ein  zureichen- 
der Beweis  ,  dass  der  Mann,  welcher  so  auf  seine  Couren  hält,  ein 
sehr  kleinlicher  Geist  sein  muss.^ 

Am  8.  Mai  1802  gieng  Vincke  mit  dem  Gesandten  Rhode  in  dto 
königlichen  Speisesaal,  wo  sie  den  Monarchen  an  einer  grossen  wohl- 
besezten  Tafel  mit  grossem  Appetit  speisen  sahen '}.  Der  Wein  wurde 
ihm  mit  allerlei  üeremonien  credenzt  Der  Patriarch  ?on  Indien,  da- 
mals Ant.  Senmanat  y  Cartella,  sprach  das  Tischgebet,  Ausser  Vincke 
war  kein  einziger  Fremder  anwesend,  aber  eine  Menge  Spanier,  welche 
für  erhaltene  Wurden  knieend  die  königliche  Hand  küssten.  Dann 
gieng  es  zum  Prinzen  von  Astnrien,  dem  selbst  die  gewohnlichen 
Courfragen  noch  nicht  geläufig  schienen  (der  in  demselben  Jahre  hei- 
rathete),  endlich  zur  Konigin.  „Der  Konig  hat  etwas  sehr  Gatmüthiges 
in  einer  sehr  unbedeutenden  Physiognomie.  Er  scheint  sehr  abgelebt^ 
und  schwach,  und  hat  fast  das  Anssehen  eines  alten  preussischen  Depot- 
Di«  Kö-  Bataillonscommandeurs.  Die  Konigin  macht  noch  Ansprüche  auf  Schön- 
heit, trägt  aber  vollständig  das  Gepräge  des  Lebens,  welches  sie  ge- 
führt hat;  ihr  frecher  malitioser  Blick  war  mir,  bei  aller  aflectirteB 
Freundlichkeit,  höchst  widerlich.  Der  Prinz,  welcher  einst  das  Reich 
beherrschen  soll,  hat  eine  äusserst  dumme  Physiognomie.  Nach  dem 
Essen  und  der  Cour  gieng  es  auf  die  Promenade.  Hier  fährt  jedes 
Mitglied  der  königlichen  Familie,  bis  auf  die  kleinsten  Prinzen  herab, 
einzeln  in  einer  altmodischen  Carosse  spazieren,  und  ein,  oder  mehrere 
leere  Wagen  folgen.  Ausser  den  königlichen  Equipagen  war  die  Prome- 
nade leer,  da  die  vornehme  Welt  den  Hof  eher  flieht  als  sucht^ 
König  Um   diese   Zeit  machte   Carl   IV.    eine  Randreise  durch    einen 

reist  '^b^U  d^s  Landes.    Er  kam  u.  a.  nach  Valencia   und  Barcelona.     Da 
»um    er  aber  mit  seinem  ganzen  Hofe  reiste,   so   war  die  Reise  eine  Land- 
eken   P'^S^  ^^  ^^^  getro£fenen  Gegenden.     Vincke  sagt,  dass  das  Gefolge 
seiner  sich   auf    10.000  Pcrsoucn   belaufen   habe.     Der   Konig  föhrtc  seintii 
th^nep.  S^°^^^  Hofstaat  mit  sich,   ebenso  die  Konigin,  ebenso  der  Prinz  von 
Asturien,   die  Prinzessin   von  Asturien,   ebenso   alle  Infimten   und  In- 
fantinnen  des  königlichen  Hauses.    Auch  der  Friedensfurst  Prinz  Godoy, 
der  naturlich   die  Reise   mitmachen   musste,   schleppte  seinen   eigenen 
Hofstaat  mit  sich  herum.    Mundkoche  des  Königs  waren  es  n.  a.  4C0^ 
worunter  18  Fcderrupfer,  bei  deniAufsaz-  und  Desertamt  waren  es  21, 
dem  Betteü-   und  Meubliramt  37  Personen.     Bei   der  Obeikämmcrei 
waren   201    Personen.     Beim    königlichen   Marstall   waren    zusammen 


')  Anch  Ferdinand's  VII.  Appetit  stach  In  die  Augen.  Diesen,  aber  nicht 
den  Geist  seines  Vaters  konnte  er  erben.  Denn  an  Geist  hatte  Carl  IV.  nicbta  zu 
vererben. 

'}  f^T  «^hlte  erst  öl  Jahre. 


Ein  Besuch  des  Hofes.  381 

896  Personen;  bei  der  königlichen  Jägerei  n.  a.  15  Aufspärer,  23  Nez^- 
kalter,  34  Treiber,  im  Ganzen  202  Personen.  Die  königliche  Ijeib- 
garde  bestand  aus  385  Personen.  Hellebardiere  waren  es  64.  General- 
öumnie  2-191  Personen.  Rechnet  man  nun  die  königlichen  Fussgarden, 
den  Bediententrain  der  Ezcellenzen  und  Granden ,  die  Staatsminister 
mit  ihren  Burean's,  den  Friedenaiursten  mit  seiner  Leibgarde  und  Hof- 
haltung, so  wird  annähernd  eine  Summe  von  10.000  Personen  heraus-^ 
kommen').  Es  war  ein  wahrer  Heuschreckenzug,  der  sich  verheerend 
und  verzehrend  über  das  Land  lagerte,  ein  unübersteiglicher  Wall,  der 
jede  Annäherung  zwischen  dem  Monarchen  und  seinem  Volke,  was 
doch  der  ostensible  Zweck  der  Reise  war,  unmöglich  machte.  Als 
^'incke  kurz  darauf  nach  Barcelona  kam,  fand  er  die  bitterste  Stimmung 
iiber  die  eben  genossene  Ehre  des  königlichen  Besuches  vor.  Am 
8.  Januar  1803  traf  der  König  mit  seiner  Familie,  dem  Hofe,  und 
dem  unvermeidlichen  Friedensfursten  wieder  in  Aranjuez  ein.  Man 
schlug  die  Kosten  dieser  Reise  auf  15  Millionen  Piaster  an^). 

§.  22. 

Ferdinand,  Prinz  von  Astnrien,  wurde  zu  S.  Ildefonso  am  13.  Octo-   i«rdi. 
her  1784  geboren.    Von  der  Natur  war  er  sehr  stiefmütterlich  bedacht.  "'°*^"- 

^  ...  ÄltPrlni 

Man  wusste  nicht,  ob  seine  Schweigsamkeit  auf  Berechnung,  Schüchtern-  ron  a« 
heit  oder  Unwissenheit  beruhe.  Seine  äussere  Erscheinung  war  eher  ^''*''- 
abstossend,  als  einnehmend.  Die  Ghitmuthigkeit  im' Gesichtsausdrucke 
seines  Vaters  und  Grossvatera  suchte  man  bei  ihm  vergebens«  Sein 
Auftreten  und  seine  Manieren  waren  linkisch^  plump  und  brnsk.  Sein 
Erzieher  war  der  Herzog  von  San  Garlos,  sein  Lehrer  der  Ganonicus 
Esquiroz  (Escoiquiz).  Obgleich  er  die  besten  Instructoren  hatte,  zeigte 
i  r  doch  wenig  Geschmack  am  Studium.  Dass  er  durch  die  Natnr 
der  Verbaltnisse  dahingedrangt  wurde,  Gegner  des  Godoy,  und  damit 
Anhänger  der  englischen  Partei  zu  werden,  ist  natürlich.  Denn  da  alle 
Spanier  in  dem  Verhältnisse  der  Knechtschaft  zu  Frankreich  eine  Er- 
niedrigung und  einen  beständigen  Knechtsdienst  sahen,  warum  hätte 
der  Thronfolger  allein  die  Sache  anders  ansehen  sollen?  Schon  am 
21.  August  1802  wurde  er  mit  seiner  Verwandten,  Maria  Antonia  Theresia 
von  Neapel,  vermählt.  Diese  trat  von  selbst  an  die  Spize  der  englischen 
Partei     In  der  Schlacht  bei  Trafalgar  —  am  21.  October   1806  — 


*)  Allgemeine  Zeitang  —  18.  Januar  1803. 

*)  Allgemeine  Zeitung  vom  25.  Febraar  1803.  —  Zum  Andenken  an  diese 
KiMse  worden  Goldstflcke  von  320  Realen  im  Wertbe  geprägt.  Es  ist  diess  das 
4ridsBte  Goldatnck,  dos  ich  je  gesehen,  von  dem  ich  asu  Mndrid  vnrtlbergehcnd  ein 
LkeiopiMf  besof^sen  h.*ibe. 


382  Vierzehntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

wurde  die  franzosisch-spanische  Flotte  vernichtet.  Durch  dieses  National- 
Unglück  wurde  Godoy,  wo  möglich,  noch  verhasster,  während  CarFa  lY. 
die  Allgen  wohl  über-,  aber  nicht  aufgiengen. 

Weil  Godoy  den  Canonicus  Johnnn.  Escoiqidz  von  Saragossn 
(dea  er  seiner  Zeit  selbst  zum  Lehrer  des  Prinzen  auserwählt  hatte^, 
für  den  Verführer  Ferdinand's  hielt,  so  sezte  er  die  Entfernung  des 
selben  durch,  und  hielt  den  Prinzen  mehr  als  je  von  den  Geschäften 
der  Regierung  fern.  Derselbe  wurde  wie  ein  Gefangener  im  elterliched 
Hause  bewacht,  und  hatte  das  Unglück,  schon  im  Jahre  1806  seintj 
Gemahlin  zu  verlieren.  Er  war,  wie  einst  Philipp  II.,  Wittwer  mi^ 
22  Jahren.  Seine  Lage  war  so  verlassen  und  traurige  wie  möglich  i 
Sein  mürrisches  und  argwöhnisches  Wesen  konnte  darin  nur  neuti 
Nahrung  finden. 

Man  wollte  ihn  zu  einer  zweiten  Ehe  mit  D.  Maria  Laisa  df| 
Bourbon,  deren  ältere  Schwester  Gemahlin  des  Friedensfursten  warj 
zwingen,  um  ihn  ganz  zu  umstricken.  Beharrlich  weigerte  er  sicij 
gegen  eine  so  unwürdige  Zumuthung.  War  ja  doch  die  Ehe  des  Ex- 
Cardinais  Luis  eine  clandestine  und  nicht  standesmässige  gewesen.  — 
Thöricht  aber  war  es  von  Ferdinand,  dass  er  auf  den  Rath  des  Esi 
coiquiz  und  des  Franzosen  Beauharnais  sich  unter  die  Fittige  Napoi 
leon's  III.  flüchtete,  der  Spanien  annexiren  wollte.  In  einem  Briefi 
voll  von  Schmeicheleien  erklärte  er  sich  als  Schüzling  Napoleon's,  unc 
erbat  sich  eine  Tochter  des  Lucian  Bonaparte  als  Gemahlin.  Di« 
Spione  der  Königin  entdeckten  seine  Pläne.  Im  October  1807  wurd< 
er  in  seiner  Wohnung  überfallen.  Man  nahm  ihm  seinen  Degen 
sperrte  ihn  in  einen  Saal  des  Palastes  ein,  und  nahm  seine  Papied 
hinweg.  Es  wurde  ein  Process  instruirt,  in  welchem  die  Ankläger 
die  Angeklagten  und  die  Richter  keine  noble  Rolle  spielten.  Ferdinand| 
gemein,  wie  er  immer  war,  bekannte  sich  als  Schuldigen,  denuncir-t^ 
seine  Mitschuldigen,  seine  Freunde,  die  Herzoge  von  San  Carlos,  voi 
Infantado,  den  Canonicus  Escoiquiz.  Leztere  wurden  verbannt,  Ferdi 
nand  aber  freigelassen. 

§.  23. 

Schon  mischte  sich  Napoleon  I.  ein.  Im  Jahre  1807  schloss  ei 
einen  geheimen  Vertrag  mit  Carl  IV.,  nach  welchem  Portugal  zwischer 
der  (abgesezten)  Königin  von  Etrurien  und  Godoy  getheilt  werdet 
sollte;  mit  Ausnahme  von  drei  Provinzen.  Eine  französische  und  spa 
nische  Armee  sollte  Portugal  besezen.  Carl  IV.  sollte  den  Titel  eine: 
Kaisers  von  Amerika  annehmen.  Von  dem  ganzen  Vertrage  wurcl 
allein  die  Vertreibung  der  Königin  von  Etrurien  durchgeführt,*  sie 
erhielt  aber  nichts  von  oder  in  Portugal,    Ala  Unterpi'aud  »eines  gutex) 


Ferdinand  VII.  3S3 

Willens  stellte  Carl  IV.  Napoleon  ein  Corps  von  16.000  Spaniern 
zur  Verfügung,  welche  nach  Dänemark  versandt  wurden,  damit  sie 
nicht  für  die  Unabhängigkeit  Spanien's  kämpfen  könnten.  Die  Fran- 
zosen, welche  angeblich  wegen  Portugal  in  Spanien  eingeruckt  waren, 
richteten  ihren  Marsch  auf  Madrid.  Der  Frtedensfurst  beschloss,  mit 
dem  Eönigspaare  sich  nach  Andalusien  zurückzuziehen,  und  im  Noth- 
falle  den  Hof  nach  Amerika  überzufuhren.  Auf  die  Nachricht  davon 
brach  der  Aufstand  in  Madrid  aus.  Oodoy  verkroch  sich.  Carl  IV. 
fühlte  sich  verlassen,  wurde  noch  verzagter  durch  die  Angst  der 
Königin,  und  obgleich  ihm  kein  Leid  geschah,  zitterte  er  für  sein  Leben. 
Als  er  sah,  dass  das  Volk  seinen  Sohn  als  König  verlangte,  so 
legte  er  die  Regierung  nieder  r-  19.  März  1808,  und  war  bloss  be- 
sorgt, seinen  Günstling  und  den  Buhlen  der  Königin  zu  retten.  Aber 
sogleich  bereute  er  seine  Abdankung.  Er  richtete  an  Joachim,  Gross- 
herzog von  Berg,  welcher  Madrid  schon  besezt  hatte,  eine  Protestation 
gegen  seine  Abdankung,  weil  man  ihn  dazu  gezwungen  habe  —  26.  März. 

—  Napoleon,  der  im  Jahre  1806  die  Bourbonen  von  Neapel  entthront 
hatte,  war  entschlossen,  den  Bourbonen  Spanien's  "^ dasselbe  Loos  zu 
bereiten.  Diese  Entthronung  sollte  aber  möglichst  wenig  Blut,  Geld 
und  Mühe  kosten,  und  ihn  in  dem  Lichte  eines  Retters  in  der  Noth 
und  eines  Befreiers  von  Spanien  erscheinen  lassen.  Die  Sache  war 
nicht  allzuschwer.  Den  alten  König  konnte  er  durch  Godoy  ohne 
Mühe  dahin  bringen ,  zu  seinen  Gunsten  auf  Spanien  zu  verzichten. 
Vorher  aber  musste  Ferdinand  zu  Gunsten  seines  Vaters  auf  die  Re- 
gierung verzichten.     Napoleon  brachte  Vater  und  Sohn   nach  Bayonne 

—  Mai  1808,  und  Hess  sich  zum  Könige  von  Spanien  durch  Carl  IV. 
einsezeu. 


Drittes  Kapitel. 

Die  Bischöfe  Id  diesem  Zeltraam. 


§.  1. 

Nach  dem  Geständnisse  des  Engländers  W.  Caxe  war  auch  iti 
dieser  Zeit  der  ^höchsten  Aufklärung^  unter  Carl  III.  (und  seinem 
Sohne)  der  Klerus,  wie  durch  seine  Stellung  und  sein  Amt^  so  durch 
seine  Reichtbumer,  der  einflussreichste  Stand  der  Gesellschaft  in  Spanien. 
Er  war  an  Bildung  den  übrigen  Klassen  der  Gesellschaft  überlegen. 
Seine  Bildung  war  keineswegs  eine  exclusiv  theologische,  erstreckte 
sich  vielmehr  auf  die  meisten  Zweige  des  menschlichen  Wissens  und 
Strebens.  Die  Vereine  für  Oeconomie  und  Cultur  des  Landes ,  die 
damals  mit  grossem  Eifer  und  in  grosser  Zahl  gestiftet  wurden,  fanden 
gerade  beim  Klerus  den  meisten  Anklang ,  und  die  meisten  tbätigen, 
nüzlichen,  und  sieh  aufopfernden  Mitglieder.  Die  Wohlthätigkcit  und 
die  Bildung  des  Klerus  trugen  am  meisten  zur  Hebung  dieser  Institute 
bei.  Die  Mitglieder  des  Klerus  waren  thcils  die  Directoren,  theils  die 
Censoren,  sie  waren  so  zu  sagen  die  „Seele^  dieser  Vereine^). 

Die  Institute,  genannt  y,Monte  de  Piedad**,  hatten  sich  von  Italien 
auch  nach  Spanien  verbreitet.  Ihr  Bemühen  war  es,  den  Bedürftigen 
ohne  Wucherzinsen  Getreide  und  das  ihnen  sonst  Nöthige  zu  verschafiVn. 
In  unsefer  Zeit  wurden  solche  Institute  zu  Malaga,  Valencia,  in  Galicien, 
und  anderwärts  in's  Leben  gerufen,  besonders  um  den  Landbebauern 
zu  Hilfe  zu  kommen^).     Unter   dem  Ministerium  des  Florida- Bianca 


»)  W.  Coxe,  VI.  p.  100. 

*)  Um  das  Jahr  1850^1856  war  der  Monte  de  Piedad  za  Madrid  der  W 
dentendste  im  Lande.  Aas  Mangel  an  Mitteln  war  er  aber  gezwiingeo,  seine  (Kapitalien 
zu  ftlnf  Procent  auszuleihen.  Diccionario  de  Tco)ogi:i,  por  Ant.  Monescillo,  Madrid, 
J8&7,  p.  603-C07.)  {Coxe,  VI,  p   324-328.) 


Die  Bischöfe  in  diesem  Zeifraum.  S85 

geschah  viel  für  Unterslüznng  und  nüzliche  Beschäftigung  der  Bettler 
und  Hilflosen  überhaupt.  Ungliickliche  Frauenzimmer,  die  vorher  von 
der  Prostitution  gelebt,  wurden  in  den  Gefangnissen  „de  la  Galera" 
bei  Madrid  untergebracht,  sie  wurden  an  die  Arbeit  gewöhnt,  und 
lernten,  ein  regelmässiges  Leben  zu  fuhren.  Es  gelang  dem  Eifer  und 
den  Mühen  eines  Priesters,  einen  Verein  von  Damen  zur  Unterstüzung 
und  sittlichen  Hebung  dieser  Personen  zu  stiften,  den  Carl  HL  unter 
seinen  besondern  Schuz  nahm. 

§.  2. 

In  dem  llechenschaflsberichte,  welchen  der  Graf  von  Florida- 
Bianca  am  6.  November  1788  an  Carl  IIL  (einen  Monat  vor  dem 
Tode  des  Leztern),  richtete,  sagt  derselbe  insbesondere  zum  Lobe  des 
Klerus:  „Ich  muss  einem  grossen  Theile  des  hohen  KJerus  und  seinen 
Prälaten  Gerechtigkeit  widerfahren  lassen,  welche^  mit  meiner  lieber- 
einstimmung,  zur  Verwirklichung  der  Absichten  Eurer  Majestät  bei- 
getragen haben,  mit  einem  Eifer  und  einer  Freigebigkeit,  welche  die 
höchsten  Lobsprttche  verdient.  Sie  haben  Hospitäler  und  Kranken - 
bänser  gegründet  und  mit  sicher m  Einkommen  ausgestattet;  sie  haben 
verschiedene  öffentliche  Werke  mit  grossen  Kosten  unternommen  und 
verbessert,  um  der  unbemittelten  Bevölkerung  Unterstüzung  zu  ge- 
währen, und  um  den  Nothleidenden  während  der  lezten  Jahre  des 
Mangels  zu  Hilfe  zu  kommen« 

Ich  kann  nicht  umhin,  Eurer  Majestät  einige  dieser  Pridaten  zu 
nennen,  die  sich  am  meisten  ausgezeichnet,  und  die  ich  um  so  weniger 
mit  Stillschweigen  übergehen  kann,  da  ich  ihnen  sehr  verpflichtet  bin, 
sei  es  personlich,  sei  es  als  Minister  Eurer  Majestät. 

Den  ersten  Plaz  verdient  der  Erzbischof  von  Toledo,  Don  Francisco 
de  Lorenzana«  Er  hat  sich  ausgezeichnet,  indem  er  das  erste  Beispiel 
durch  die  Gründung  der  beiden  Häuser  der  Wohlthätigkeit  in  Toledo 
und  in  Giudad  Real  gab,  indem  er  mit  grossen  Kosten  den  herrlichen 
Palast  oder  Alcazar  zu  Toledo  wiederherstellte,  der  in  Trümmer  zu 
füllen  drohte,  und  welchen  ^Enre  Majestät  für  den  Zweck  der  Wieder- 
herstellung an  ihn  abtrat.  Die  übrigen  öffentlichen  Arbeiten,  welche 
dieser  würdige  Erzbischof  unternahm,  sind  die  Wiederbevoikerung 
mehrerer  oder  und  verlassener  Orte,  die  Erklärung  und  Erhaltung  der 
alten  Väter  der  Kirche  von  Spanien,  von  denen  er  auf  seine  Kosten 
eine  herrliche  Ausgabe  veranstaltete,  die  Verschönerung  der  Hauptstadt 
äeines  Sprengeis  mit  nüzlichen  Gebäuden,  mit  belehrenden  Denkmalen, 
und  mit  den  Bildsäulen  der  berühmtesten  K5nige  von  Spanien,  welche 
Eure  Majestät  ihm  gab.  Er  hat  endlich  tausend  andere  Dinge,  deren 
Nazen  in  die  Augen  fällt,  vollbracht,  welche  würdig  sind  des  Glanzes 

OaibIi  tpttii.  KIr«b«,  UI.  S«  25 


386  Vienebntes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

der  alten  Haaptstadt  (Toledo),   für   welchen  Zweck  ich,   aaf  Befcbi 
Eurer  Majestät,  jede  nur  mögliche  Unterstüzung  gewährt  habe.^ 

Dann  nennt  der  Minister  mehrere  andere  Prälaten,  welche  da< 
Beispiel  des  Erzbischofs  von  Toledo  nachgeahmt  hatten,  indem  sie  dii 
vorzüglichsten  Orte  ihrer  Bisthümer  verschönerten,  die  Industrie  er- 
muthigten,  öffentliche  Arbeiten  unternahmen,  patriotische,  literarische, 
oder  Anstalten  der  Wohlthätigkeit  gründeten.  Als  die  verdientestoM 
Bischöfe  nennt  er  den  Bischof  von  Gerona,  Bruder  des  Cardinah^ 
Thomas  de  Lorenzana,  den  Erzbischof  von  Burgos,  Josef.  Xav.  Rodrigue; 
de  Arellano,  den  Don  F.  Fabian  y  Fnero^  Erzbischof  von  Valenci 
die  beiden  Erzbischofe  von  Tarragona,  Nicolaus  Santillan  y  Zapat 
vielmehr  Joachim  de  Santiyan  y  Valdivielso),  und  Franc,  de  Armana,  deil 
Erzbischof  von  Santiago,  Malvar  et  Pinto,  den  Jos.  Gonzalez  Lasoj 
Bischof  von  Placentia  (1766 — 1799),  den  Bischof  von  Siguenza  J.  Dia^ 
Guerra,  den  J.  F.  Ximenez^  Bischof  von  Segovia,.den  Erzbischof  v(n| 
Granada,  Ant  Jorge  y  Galvan,  den  Bischof  Josef.  Molina  von  Malagt^ 
Man*  Rubin  de  Celis>  Bischof  von  Cartagena,  Eman«  Abad,  Biscbo 
von  Astorga,  Caj.  Ant.  Quadrilleros,  Bischof  von  Leon,  Joachim  Eletn 
Bischof  von  Osma  und  Beichtvater  des  Königs. 

Die  Bemühungen  dieser  Bischöfe,  schliesst  der  Minister,  wurd 
gar  sehr  unterstüzt  durch  die  Kapitel  der  Cathedralkirchen,  und  dnrcl 
die  reguläre  Geistlichkeit.  Die  Domkapitel  haben  verschiedene  fromm 
Stiftungen  unterhalten,  Hospitaler,  Krankenhäuser,  und  andere  nüzlicb 
Werke  for  die  Nothleidenden.  Mehrere  ihrer  Mitglieder,  sowie  auci 
Pfarrer  haben  sich  mit  Eifer  an  den  patriotischen  Vereinen  betheiligt 
Mehrere  Kloster  haben  es  übernommen,  eine  bedeutende  Zahl  arme 
Kinder,  Waisen  oder  Findelkinder  zu  bekleiden  und  zu  erziehen.  £ 
wäre  sehr  zu  wünschen,  dass  alle  Mönchsorden  und  Kloster  dem  voi 
mehreren  religiösen  Genossenschaften  der  Benedictiner,  Gisterciensr 
und  Garthäuser  gegebenen  Beispiele  nachfolgen  mochten,  um  die  Un 
thätigkeit  und  die  Verschwendung,  sowie  den  von  den  Bettelordeu  ini 
ihren  täglichen  Almosen  getriebenen  Missbrauch  zu  verhindern  *). 


ei 


>)  W.  Caocef  VI,  p,  326—331.  Auch  der  Freiherr  v.  Vineke  lobt  die  \Vi>li 
thätigkeitsanstalten  in  Spanien.  —  Er  fand  die  Anstalten  dieser  Art  in  Oadix,  tx 
sonders  das  Hospizio  de  la  Trinidad  in  Cadfz,  wo  das  gelbe  Fieber  im  Jahre  iMi 
von  70.000  Einwohnern  —  16.000  hin  weggerafft  hatte,  in  einem  f&r  Spanien  so! 
guten  Znstande.  Wegen  des  Ankaufs  von  (e.  1200)  Merinoschafen  kam  er  in  d^ 
Schnrhans  des  reichen  Klosters  Gaadeloupe.  Zwei  Priester  waren  Verwalter  di  s 
selben,  deren  Gkistfreundschaft  und  Humanität  Vineke  erfahr  nnd  rühmte.  Uel» 
dem  Schurhause  befand  sich  eine  Galerie,  welche  bei  der  Morgen-  und  AbeDdanj 
dacht  der  Arbeiter  znr  Capeile  diente. 


Die  Bischöfe  in  diesem  Zeitraam.  387 


§.  3. 


Nachfolger  des  j^resignirten^  Cardiaal-Ei^biscfaofs  von  Toledo  Luis  I. 
de  Bonrbon,  wurde  der  Cardinal  Ludwig  Ant.  Ferriandez  de  Cordoya. 
Er  war  Sohn  des  Herzogs  von  Peria,  war  Graf  von  Teva,  Domherr, 
später  Domdecan  in  Toledo.  Da  sein  Vorgänger  stets  abwesend  war, 
und  um  Geschäfte  sich  nicht  bekümmerte,  so  regierte  er  schon  damals 
das  £rzbi8thum.  Gern  bestätigte  ihn  Papst  Benedict  XIV.  als  Nach- 
folger des  Luis  Bourbon,  und  ernannte  ihn  zugleich  zum  Cardinal*). 
Als  £rzbischof  wurde  er  am  4.  August  1755  bestätigt,  nachdem  der 
Cardinal  Portocarrero  das  ihm  angetragene  Erzbisthnm  ausgeschlagen. 
Im  Jahre  1758  und  im  Jahre  1769  wurde  er  vergebens  zum  Conclave 
in  Rom  erwartet.  Im  Jahre  1769  zahlte  er  bereits  über  74  Jahre. 
Seine  Wohlthätigkeit  war  unerschöpflich.  Er  beschränkte  seinen  eigenen 
Tisch  auf  ein  bescheideneres  Maass,  und  mied  alle  nicht  durchaus  ge- 
botenen Ausgaben.  Was  er  dadurch  ersparte,  floss  in  den  Schooss 
der  Armen,  der  Wittwen  und  Waisen.  Er  starb  am  26.  März  177], 
im  Alter  von  75  Jahren  (geb.  22.  Januar  1696)  •).  —  Sein  Nachfolger 
war  Fr.  Lorenzana. 

Franc.  Anton.  Larenzana,  geboren  am  22.  September  1722, 
CanonicQS  von  Siguenza  und  Toledo,  war  ein  Jahr  lang  Bischof  von 
Placentia  (1765 — 1766),  darauf  fünf  Jahre  lang  Erzbischof  von  Mexico 
(1766  — 1771).  Dort  versammelte  er  im  Jahre  1770  ein  Concil,  dessen 
Acten  in  Madrid  sequestrirt,  d.  i.  nicht  zur  Bestätigung  nach  Rom 
gesandt  wurden,  bis  sie  Tejada  zum  ersten  Male  im  Jahre  1859  heraus- 
gab^. Die  drei  ersten  in  den  Jahren  1555,  1665  und  1585  gehaltenen 
Concilien  gab  er  zu  Mexico  1769 — 1770  heraus.  —  Im  Jahre  1769 
erschienen  seine  musterhaften  Hirtenbriefe  und  bischoflichen  Verord- 
nungen. In  der  „Historia  de  Nueva  Espana^  —  Mexico  1770,  gab  er 
die  Berichte  und  Briefe  des  Fern.  Cortez  an  Carl  V.  heraus.  Seine 
Einkünfte  verwendete  er  auf  Anlagen  von  Strassen  und  Wasserlei- 
tungen,   auf  Gründung   wohlthätiger  Stiftungen,   u.    a.  eines   grossen 


*)  Der  Abbate  Scott!,  der  ihm  das  Birrett  überbringen  sollte,  ertrank  auf  der 
Seereise.  Ein  anderer  PriÜat  musste  es  ihm  nun  Überbringen.  Da  er  aber  nie 
nach  Rom  kam,  erhielt  er  weder  den  Hut  noch  einen  Priestertitel. 

^  Leben  aller  Cardlnäle  des  neunzehnten  Jahrhunderts,  Bd.  IV,  Regensb., 
1773,  S.  129—131  und  2.  Abth.,  S.  320-324.  —  Pardo,  Toledo  en  la  mano,  I. 
p.  848. 

•)  8.  oben,  8.  820. 

2ö» 


388  Vierzehntes  Buch.  Drittes  Kapitel. 

Waisen-  und  Findelhauses,  welchem  er  bei  seiner  Abreise  nach  Spanieo 
den  Rest  seiner  Habe  hinterliess.  Die  Reise  nach  Spanien  machte  tr 
mit  erborgtem  Gelde. 

Am  12.  März  1772  ergriff  er  Besiz  yon  seinem  Erzbisthame.  In 
Toledo  stellte  er  den  Alcazar  wieder  her,  der  in  dem  Erbfolgekriege 
zerstört  worden*  Er  erridhtete  ein  grosses  Gast-  und  ein  neues  Armen- 
haus, ein  Kloster  der  barmherzigen  Brüder,  eine  Caseme  für  die  £e- 
sazung,  die  prächtig  ausgestatteten  Gebäude  der  Universität  und  des 
Irrenhauses;  die  allein  mehr  als  1  %  Millionen  Realen  kosteten.  Seht 
viele  Pfarrkirchen  liess  er  renoviren  oder  neu  bauen.  Mit  Hilfe  der 
ersten  Künstler  Spanien's  schmückte  er  die  Cathedrale  und  Stadt 
Toledo  mit  den  Werken  der  Architectur,  Malerei  und  Sculptur.  Den 
alten  Palast  der  Konige  verwandelte  er  in  ein  grosses  Arbeits-  und 
Versorgungshaus  9  und  nannte  es  das  Haus  der  Nächstenliebe.  Dort! 
legte  er  die  berühmten  Seidenfabriken  an.  In  demselben  Palaste  grün-j 
dete  er  eine  Anstalt  zur  Versorgung  von  Greisen  und  armen  Frauen. 
Er  liess  daselbst  200  Kinder  erziehen.  Seine  eigene  Tafel  und  seine 
Wohnung  waren  aufs  Einfachste  eingerichtet.  Indem  er  den  Be- 
dürftigen nicht  so  fast  Brod,  als  Arbeit  geben  wollte,  liess  er  Wege, 
Brunnen,  Gebäude  und  Anderes  errichten.  Er  fand  leider  nur  Wenige, 
die  in  seine  Pläne  eingehen  wollten. 

^  Im  Jahre  1775  liess  er  seine  Pastoralbriefe  erscheinen.  Im  Jahr? 
1779  gab  er  das  gothische  Brevier  neu  heraus.  Auf  seine  Kosten  Uess 
er  die  Kirchenväter  von  Toledo  in  drei  Folianten  erscheinen,  1785  bis 
1793^).  An  der  Herausgabe  der  lateinischen  christlichen  Dichter  und 
der  Werke  des  Isidor  von  Sevilla  durch  P.  Faustin.  Arevalo  hatte 
er  hervorragenden  Antheil. 

In  Toledo  gründete   er    die  grosse  erzbischofliche  Bibliothek^), 
die  heute  noch   besteht.  —  Am  30.  März  1789  wurde  er   zur  Würde 
eines  Cardinais   erhoben.     Im   Jahre    1794   wurde   er  Staatsrath   und 
General -Inquisitor.    Als  solcher  musste  er  in  Madrid  seinen  Aufenthalt 
nehmen.    Diesen  Stellen   entsagte   er   im   Jahre  1797   auf  Befehl    de^ 
Königs,   hinter   dem  der  „Friedensfurst^  stand.    Der  Erzbischof  Jos« 
de.  Arce  von  Burgos,   auf  den  sich  Godoy  als  auf  seine  Creatur  ver- 
lassen konnte^  sollte  Grossinquisitor,  und  dadurch  die  Inquisition  deis 
,,Friedensfursteh^  gefugig  werden.     Lorenzana  selbst  musste   in  ein« 
Loren-  ehrenvolle  Verbannung  gehen.    Als  im  Jahre  1797  französische  Truppci 
nnssTor  ^eu  Kirchcustaat  besezten,   verkündigte  man   in  Spanien  und  Italien^ 
oodo7  (jj^rl  IV.   habe   durch  Absendung  der  hervorragendsten  Bischöfe  dem 
cheo.   Papste  seine   Theilnahme  und  Hilfe    zu  Theil   werden    lassen.      lYu 


')  Kirchengeschichte,  11,  2,  p,  138,  178. 

')  Ich  konnte  sie  im  Jahre  1865  nur  von  Aussen  sehen. 


Lorcnzana  in  Rom.  389 

Gesandten  waren  der  Cardinal  Lorenzana,  der  Erzbischof,  und  (seit  1803) 
Cardinal  Anton.  Despuig  von  Sevilla,  und  der  "Erzhlschof  Musquiz  von 
Seleucia  (in  p.  infid.).  Als  sie  sich  nach  Italien  einschifften,  war  der 
Friede  von  Tolentino  zwischen  Papst  Pius  VI.  und  Frankreich  schon 
geschlossen.  Lorenzana  und  der  Erzbischof  Despuig  sollten  aber  auf 
eine  anständige  Weise  beseitigt  werden.  Denn  wie  der  Vater  Luis 
Bourbon,  obgleich  noch  ein  Knabe,  Cardinal  und  Erzbischof  von  Toledo 
und  Sevilla  geworden  war,  so  sollte  auch  dessen  Sohn,  kaum  ein  an- 
gehender Jüngling,  Luis  Bourbon  II.,  dieselben  drei  Würden  in  seiner 
Person  vereinigen.  Dass  er  dem  „Friedensförst^^  in  Allem  zu  Willen 
sein  werde,  dafür  war  vorgesorgt  durch  die  Willens-  und  Charakter- 
losigkeit, welche  er  in  allen  Wandeln  und  Wechseln  seines  Lebens  zur 
Schan  trug.  Dazu  war  Lorenzana's  Gegenwart  in  Madrid  lästig  ge- 
worden. Die  beiden  andern  Erzbischöfe  kehrten,  als  sie  die  Zweck- 
losigkeit  ihrer  Sendung  einsahen,  nach  einiger  Zeit  zurück.  Godoy, 
der  jezt  eine  solche  Theiluahme  für  den  Papst  heuchelte,  war  der  erste, 
der  den  Gedanken  aussprach,  man  sollte  dem  Papste  den  Kirchenstaat 
nehmen,  und  ihn  an  irgend  einen  entlegenen  Ort,  etwa  nach  Sardinien, 
relegiren.  Lorenzana  blieb  in  Rom,  und  begleitete  den  Papst  auf  seiner 
Hin  wegführung  nach  Frankreich  bis  nach  Parma,  wo  die  Weiterreise 
verboten  wurde.  Lorenzana  war  nach  dem  Tode  Pius  VI.  (f  29.  August 
1 799  zu  Valence)  sehr  thatig  für  die  baldige  Zusammenkunft  des  Conclave. 
Lorenzana  fühlte,  dass  er  aus  Spanien  verbannt  sei.  „Seine  Ent- 
fernung war  wünschenswerth,  sagt  Godoy  in  seinen  Memoiren,  ja  sogar 
nothwendig.  Er  beunruhigte  die  Regierung,  und  durchkreuzte  meinen 
Plan,  die  Macht  des  heiligen  OfGciums  (der  Staatsinquisition)  in  die 
von  dem  Evangelium  gezogenen  Schranken  zurückzuführen^  ^)«  —  Auf 
den  Wunsch  des  Hofes  entsagte  Lorenzana  seinem  Erzbisthume,  welches 
alsbald  der  junge  Graf  von  Chinchon  erhielt.  In  einem  besonders 
dazu  veranstalteten  Consistorium  hielt  Pius  VI.  am  20.  October  1800  eine 
Allocution,  und  erklärte  den  Luis  de  Bourbon  als  Cardinal*). 

§.  5. 

Luis  Maria  de  Bourbon  wurde  zu  Cadahalso  am   22.  Mai  1777 
geboren,  und  zu  Toledo  erzogen.    Nachdem  seine  ältere  Schwester  den 


')  D.  h.  Lorenzana  konnte  zu  der  Bigamie  und  andern  Ezceasen  Godoy's 
nicht  die  Augen  zudrücken.    Mömoires  da  prince  de  la  Paix,  Paris,  1836,  t.  II. 

^  AUocutio  habita  in  promotione  Emin.  Cardin.  Lndovid  de  Borbon  cpiscopi 
Hibpalensis  20.  October  1800,  in  Bnllarii  xomani  Continuatio  a  Glemente  XIII.  (1758) 
ad  PiQm  YIU.  opera  et  Btndio  Andreao  Advocati  Barberi.  Romae,  183j— 1857, 
18  vol.  f.  2\  —  (Dazu  ein  vol.  4»  —  Prato,  1857,  onth.  die  Ballen  Gregorys  XVI.) 
—  t.  XI,  p.  lG-47. 


30O  Vierzebntes  Buch.    Drittes  Kapitel 

Godoy  geheirathet  hatte,  masete  aacb  or  zu  Ehreu  and  Wrirden  ge- 
langen. —  Anton.  DespDig  y  Dameto  war  kurze  Zeit  nach  einander 
Bischof  von  Orihnda  1791,  Erzbischof  von  Valencia,  30.  Joli  1795, 
und  von  Sevilla  —  2.  Febroar  1796,  geworden,  und  wnrde  bald  darauf 
nach  Madrid  berufen.  Er  nnd  Lorenzana  weigerten  eich,  Godoy's  Ehe 
mit  der  Schwester  des  Luis  de  Bourbon  einzusegnen,  weil  Godoy,  ohne 
dass  die  Konigin  es  wusste,  schon  heimlich  vermählt  war.  Darauf 
segnete  der  Patriarch  von  Westindien,  Ant.  Sentmanat  (1784 — 180C), 
diese  Ehe  in  der  königlichen  Kapelle  ein.  Godoy  wurde  nun  bei  der 
Inquisition  formlich  verklagt  als  Bigame,  sowie  dass  er  seit  acht  Jahren 
die  heiligen  Sacramente  nicht  empfangen  habe.  Lorenzana,  damals 
Grossinquisitor,  wurde  von  A.  Despnig,  und  dem  Erzbisdiof  Mozqiiiz 
von  Selencia,  dem  Beichtvater  der  Konigin,  zum  Einschreiten  aufge- 
fördert, war  aber  nicht  dazu  zu  bringen.  So  entschloss  sich  denn 
A.  Despuig,  darüber  nach  Rom  zu  berichten,  von  wo  der  Befehl  er- 
gieng,  die  Sache  zu  verfolgen.  Aber  das  Breve,  welches  diesen  Befehl 
enthielt,  wurde  von  dem  General  Bonaparte  aufgefangen,  nnd  an  Godoy 
gesandt. 

Um   sich   selbst  zu  sichern,   sandte  Godoy   die  drei  Erzbischoft- 
nach  Kom^  und  machte  seine  Creatur,  den  Erzbischof  Aree  y    Keinoso 
von  Bnrgos,  zum  Grossinquisitor^  von  dem  er  nichts  zu  besorgen  hatte. 
Despuig  blieb   in  Rom  bis  zur  Fortführung  Pins  VL   von  Rom.     Er 
trennte  sich  zu  Siena  von  dem  Papste^  und  kehrte  nach  Spanien  zurück. 
Im   Jahre   1798  wurde   er  zum   Staatsrathe  ernannt,   dann   wurde  er 
Präsident  einer  Junta,  die  beauftragt  war,  Mittel  und  Wege  zu  suchen, 
um  die  Güter  der  Hospitäler   und   frommen  Stillungen   zu   verkaufen. 
Er  wurde   vermocht,   auf  das  Erzbisthum  Sevilla  Verzicht  zu   leisten, 
und  erhielt,  zur  Entschädigung,  reiche  Beneficien,  und  den  Titel  eines 
Patriarchen  von  Antiochien,  als  welcher  er  am  14.  Mai  1790  bestätigt 
wurde.  Luis  de  Bourbon  erscheint  schon  am  26.  März  1799  als  Erzbischo)' 
von  Sevilla.    Despuig  wurde  mit  dem  Titel  eines  spanischen  Gesandten 
beim  heiligen  Stuhle  abgesandt,   und  wohnte  als  solcher  dem  zu  Ve- 
nedig gehaltenen  Conclave  (1799 — 1800)  an.    Er  kehrte  von  Venedig 
nach  Rom   zurück;   am  14.  Juli  1803  wurde   er   selbst  zum  Cardinal 
ernannt;  als  solcher  wurde  er  Pro-Präfect  der  Congregation  der  Bischöfe 
Im  Jahre  1806  kehrte  er  nach  Spanien  zurück^  wurde  aber  im  Jahrr 
1807  nach  Rom  zurückberufen,  und  zum  Provicar  der  Stadt  ernannt. 

Als  Luis  de  Bourbon  am  22.  October  1800  zum  Cardinal  er- 
nannt worden,  erhielt  er,  wie  vordem  sein  Vater,  den  Titel  der  Kirche 
der  heiligen  Maria  della  Scala.  Am  22.  December  1800  wurde  er  auch 
noch  als  Erzbischof  von  Toledo  in  Rom  bestätigt,  so  dass  er  alle 
Aemter  und  Würden  seines  Vaters  besass,  deren  er  genau  so  unwürdig, 
wie  sein  Vater,  war.    In  den  23  Jahren,  in  denen  er  den  Titel  eines 


Die  Cardinäle  LoreDzana,  Despuig,  Bourbon.  391 

Erzbiscbofs  trug,  reihte  er  eine  Thorhcit  an  die  andere,  er  gieng  mit 
Godoy  und  der  Königin ,  er  gieng  im  Jahre  1808  mit  Napoleon,  er 
gieng  später  mit  der  siegreichen  Junta  von  Sevilla,  und  gieng  wieder 
mit  der  siegreichen  Revolution  von  1820.  In  der  Zeit  von  1814  bis 
1820  Hess  er  es  an  Velleitaten  zum  Bessern  nicht  fehlen*  Von  Werken 
der  Wohlthätigkeit  oder  frommen  Stiftungen  desselben  erfahren  wir 
nichts.  Im  Ganzen  wandelte  er  immer  im  Schlepptau  der  liberalen 
Parteien. 


§.  6. 

Der  Cardinal  Lorenzana  aber  verwandte  das  ganze  Einkommen, 
das  ihm  noch  übrig  geblieben  war^  theils  zu  Werken  der  Wohlthätig- 
keit, theils  zur  Unterstüznng  der  Wissenschaften.  Einer  seiner  Neffen, 
Canonicus  zu  Toledo,  hatte  ihn  zu  seinem  Erben  eingesezt,  während 
er  in  Florenz  wohnte.  Der  Cardinal  theilte  alsbald  das  grosse  Erbe  in 
zwei  Theile,  den  einen  bestimmte  er  zur  Ausstattung  von  armen  Mäd- 
chen, den  andern  für  das  Hospitinm  zu  Madrid.  Auch  seinem  geliebten 
Toledo  wendete  er  stets  noch  seine  Wohlthaten  zu.  Die  muzarabische 
Kapelle  daselbst  schmückte  er  mit  einer  kostbaren  Mosaik,  die  er  in 
Korn  gekauft,  vielleicht  der  grossten,  die  es  gibt  Aus  dem  Nachlass 
des  spanischen  Cardinais  Fr.  X.  Ziclada  (f  29.  December  1801)  kaufte 
er  herrliche  Codices  in  hebräischer,  chaldäischer  und  chinesischer 
Sprache,  und  schenkte  sie  der  Bibliothek  des  Kapitels  zu  Toledo.  Als 
leztes  Werk  Hess  er  erscheinen:  Gothisches  Missale  nach  der  Regel 
des  heiligen  Isidor  für  den  mozarabischen  Ritus,  Rom,  1804.  —  Kaum 
war  ihm  die  Correktur  des  lezten  Bogens  vorgelegt,  so  schlössen  sich 
seine  Augen,  ohne  Krankheit,  ohne  Kampf.  Am  Morgen  des  16.  April 
hielt  er  noch  eine  Anrede  an  Klosterfrauen.  Abends  unterredete  er 
sich  mit  seinen  Freunden  über  neue  Pläne  zu  Werken  der  Wohlthätig- 
keit. Er  wollte,  um  mehr  geben  zu  können,  seine  Equipage  verkaufen. 
Mit  solchen  Plänen  und  Gedanken  schlief  er  ein,  um  nicht  mehr  zu 
erwachen  (f  17.  April  1804).  Sein  Grab  in  der  Kirche  von  S.  Croce 
de  Jerusalem  trug  die  bescheidene  Inschrift:  „Hier  ruhet  der  Vater 
der  Armen"*), 


')  Notizia  biografica  sul  Cardinale  (de)  Lorenzana  —  in  Baraldi,  Memorie  di 
feligione,  IJI,  1823,  p.  477.  ->  B.  Wctgner,  Biographieen  denkwürdiger  Priester 
und  PrSlaten^  1816,  I,  S.  1  —  10,  nach  dem  Ami  de  la  Religion  v.  1820,  12.  Aug« 
nnd  nach  M.  Magan  in  Seminario  pintoresco  Espafiol,  1841.  »  Neueste  Kirchen- 
Keschichte,  8.  240—244.  —  Gottesreicbsgescbichto  von  Wittmann,  Ang&b.  1823 
bis  1830,  9  Bde.,  Bd.  VIll,  S.  526  -  530.  —  Bomfae.  Oams,  Kirchengescbichte  des 
neunzehnten  Jahrhunderts^  II,  185%  S.  49  —  56.  —   Religions-  on4  Kirohenfreond, 


392  Vierzehntes  Buch     Drittes  Kapitel. 


§.  7. 

Dem   Cardinal   Luis   Bourbon  I.  folgte  am   27.  December  17f«5, 
^•'     Franc.   Solls   Folch   als   Erzbischof  von  Sevilla,   von  Cordova    hieber 

Cardinal  _  _  c       a       »i       «k/*  i-i      j.       i      • 

Foieh  de  versezt.  Er  wurde  am  ö.  April  1756  zum  üardmalpriester  ernannt. 
Sola.  ]g|.  j^^Qj  gj.g^  2um  Conclave  von  1769  nach  Rom.  Er  und  sein  Be- 
gleiter, Cardinal  de  la  Cerda,  vereinigten  sich  mit  dem  Cardinal  de 
Bernis,  und  sezten  die  Wahl  Ganganelii's,  Papst  Clemens  XIV.,  durch. 
Nach  dem  Tode  dieses  Papstes  —  am  22.  September  1774  —  musste 
er  auf  Andringen  des  Hofes  sogleich  nach  Rom  reisen«  Auf  Solis'  Be- 
trieb (sagt  ein  Biograph),  bekam  Cardinal  Braschi  27  Stimmen,  und 
war  allem  Anscheine  nach  Papst.  Portugal  liess  sich  bew^en,  die 
demselben  gegebene  Exclusive  zurückzuziehen.  Obgleich  man  dem 
Cardinal  Migazzi  (von  Wien)  vomemlich  verdanken  musste,  dass  das 
Conclave  endlich  ein  Ende  nahm,  so  hat  doch  Pius  VI.  seine  Erhebang 
vorzuglich  dem  Cardinale  Solis  zu  verdanken*).  Solis  starb  zu  Rom 
den  22.  März  1775.  Sicher  ist,  dass  die  spanische  Regierung  sich 
um  die  Wahl  Pius'  VI.  bemuhte.  In  seinem  erwähnten  Berichte  vom 
6.  November  1788  an  Carl  IIL  rühmt  sich  aber  Florida -Bianca,  Ur- 
heber der  Wahl  Pius'  VI.  zu  sein:  ^^Die  meisten  Erfolge,^  sagt  er, 
„welche  wir  am  romischen  Hofe  auf  unsere  Bemühungen  erlangt,  ver- 
danken wir  dem  Einflüsse,  den  Eure  Majestät  bei  dem  Conclave  auf 
die  Wahl  des  jezigen  Papstes  hatte  ^  und  dem  Einfluss,  den  Eure 
Majestät  am  päpstlichen  Hofe  erlangte«^  Er  erwähnt  dann  seine  diess- 
falsige  Thätigkeit  bei  dem  Conclave,  seine  Verhandlungen  mit  den 
s.  g.  Ejron-  und  mit  andern  Cardinälen.  Er  habe  mit  dem  französischen 
Minister  eine  Partei  im  Conclave  gebildet,  die  stark  genug  gewesen^ 
jeden  ihm  missliebigen  Papst  auszuschliessen.  Es  sei  nothwendig  ge- 
wesen, diese  Partei  von  16 — 17  Stimmen  fest  zusammenzuhalten. 
^Ich  kann  Eure  Majestät  versichern,  dass  ich  hierin  eine  bestandige 
Sorgfalt  anwendete^  dass  ich  die  Grosse  meiner  Mähen,  und  der  mir 
entgegentretenden  Schwierigkeiten  dabei  nicht  genug  zu  schildern  im 
Stande  bin.  Die  französischen  Cardinäle  Bernis  und  Luynes,  Conti, 
der  Mandatar  Portugals,  und  Orsini,  der  von  Neapel,  unterstüzten  mich 
aus  allen  Kräften.    Der  Cardinal  de  Solu  kam  zulezt  in  das  Conclave, 


1842,  8.  März,  nr.  19,  S.  151  flg.  —  Diotionoaire  des  Cardinaux,  1857,  s.  v.  Loren- 
zana.  —  Parro,  Toledo  en  la  mano,  1857,  I,  p.  849-850.  En  cuanto  k  obras 
publicas,  buen  gaesto  para  las  artes  y  esplendizez  en  sos  constmcciones  no  ha 
habido  quien  le  esceda  ni  aun  iguale.  —  In  Madrid  und  Aleala  stellte  er  die  erz- 
bischöflichen  Curicn  neu  her. 

*)  Lebensgeschichte  aller  Cardinäle  des  neunzehnten  Jahrbondetts,  lY,  p.  131 
—  133,  824-327. 


Die  Wahl  Papst  Piue'  VI.  -  1775.  393 

und  obgleich  er  sich  dort  sehr  gut  benahm,  so  bat  doch  seine  Unbe- 
kanntschaft mit  den  localen  Verhältnissen,  und  mit  dem  Charakter  der 
Personen,  sowie  sein  Mangel  an  KeAntniss  der  (italienischen)  Sprache 
ihm  die  grossten  Schwierigkeiten  bereitet.  Er  aber  habe  den  Cardi- 
nälen  erklärt,  wenn  sie  einen  Papst  wählten ,  der  den  Fürsten  als  den 
Repräsentanten  des  christlichen  Volkes  (das  will  heissen,  der  dem 
Florida- Bianca)  unannehmbar  wäre,  sie  ein  Schisma  in  der  Kirche 
herForrufen  wurden. 

So  habe  denn  das  ganze  Collegium  der  Cardinäle  sich  herbei- 
gelassen, das  Princip  anzunehmen,  den  Papst  nur  im  Einvernehmen  mit 
den  beiden  Ejronen  von  Frankreich  und  von  Spanien  zu  wählen.  Er 
selbst  habe  früher  Beziehungen  zu  dem  Cardinal  Braschi  als  päpst- 
lichem Schazmeister  gehabt,  und  habe  ihn  hochachten  gelernt.  Er  habe 
für  seine  Wahl  die  Einwilligung  seines  Königs  Carl  III.,  und  aller 
Gesandten  in  Rom  erlangt.  „Sie  überliessen  es  mir  völlig,  zu  handeln 
nach  meinem  Gutbefinden;  das  heilige  Collegium  folgte  ohne  Mühe 
ihrem  Beispiele.  Demzufolge  schrieb  ich  am  Morgen  den  14.  Februar 
1776,  Billete  an  die  Cardinäle  de  Solis,  de  Bernis^  Orsini,  Conti  und 
Migazzi,  welche  die  Stimmen  von  Spanien,  Frankreich,  Portugal  und 
Wien  besassen,  und  meldete  ihnen,  man  sei  übereingekommen,  zu  der 
einstimmigen  Wahl  desjenigen  zu  schreiten,  der  sich  nachher  Pius  VI* 
nannte^').  Die  Cardinäle  hätten  bei  dem  nächsten  Wahlgange  ihre 
Voten  offen  in  die  Wahlurne  gelegt.  Solis  sei  aber  zu  spät  gekommen, 
und  habe  seinen  Beitritt  verweigert,  da  er  das  Billet  Monino's  noch 
nicht  erhalten.  "Er  habe  vielmehr  gegen  diese  Wahl  protestirt,  und 
die  Cardinäle  seien  zu  einem  andern  Scrutinium  geschritten.  „Indess, 
am  Ende  desselben ,  als  die  Cardinäle  aus  der  Kapelle  heraustraten, 
erhielt  Solis  mein  Billet,  und  ohne  Verzug  eilten  alle,  um  einmüthig 
den  Braschi  als  Nachfolger  des  heiligen  Petrus  anzuerkennen,  und  ihm 
an  demselben  Abende  zu  huldigen.  Sie  proclamirten  Tags  darauf 
die  Wahl"«). 

Diese  Grosssprecherei  Florida- Blanca's  erinnert  uns  an  den  grossen 
Bramarbas,  Herrn  von  ChcUeaubriaTidj  im  Jahre  1829  franzosischen  Ge- 
sandten in  Rom,  der  nach  der  Wahl  Pius^  VHI.  (Castiglioni),  an  den 
er  vorher  gar  nicht  gedacht  hatte,  am  31.  März  1829  triumphirend 
nach  Paris  schrieb;  „Victoria!  ich  habe  einen  zum  Papste^  den  ich  auf 
meine  Liste  gesezt  hatte,  gerade  den  Cardinal,  welchen  ich  im  Jahre 
1S23  für  das  Papstthum  vorschlug,   als  ich  noch  Minister  war,  gerade 


*)  En  leor  aonon^nt  quMI  ^tait  codvodu  do  proeäder  k  V  election  nnanime 
de  celoi  qui  depais  B*appellait  Pie  Vh 
«)  W.  Coxe,  VI,  p.  426-435. 


^ 


394  Vierzehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 


denjenigen^  welcher  mir  lezthin  im  Conclave  von  1829  anf  meine  Rede 
antwortete,  und  mir  dabei  gewaltige  Lobsprüche  erthcilte^*). 

Wenn  irgend  eine  Papstwahl  geschehen,  so  pflegt  jeder  Gesandte 
bei  seiner  Regierung  seine  Verdienste  um  diese  Wahl  besonders  her- 
Torzuheben, 


§.   8. 

Dem  Cardinal  Solis  Folch  folgte  als  Erzbischof  von  Sevilla  Franc. 
Xav.  Delgadoy  von  Signenza  hieher  versezt  (1776  —  f  10.  December 
l781),  auch  Patriarch  von  Indien,  diesem  aber  Alfons  Marcos  Llanes, 
von  Segovia  hieher  berufen.  Er  gründete  eine  Bibliothek,  und  er- 
öffnete sie  dem  Publicum  im  Jahre  1792.  —  Auch  in  Cordova  be- 
stand noch  im  Jahre  1865  eine  solche  Bibliothek,  welche  mehr  als 
15.000  Bände  enthielt«). 

Diesem  Erzbischofe  (f  7.  Januar  1796)  folgte  der  Cardinal  Ant. 
Despuig  (1795  —  1799).  Anton.  Despuig  y  Dameto  wurde  zu  Palma 
am  ."51.  März  1715  geboren.  Als  Canonicus  an  der  Cathedrale  daselbst 
erhielt  er  von  seiner  Regierung  den  Auftrag,  um  1775,  Studien  über 
die  Städte  des  Abendlandes  zu  machen,  wo  die  berühmtesten  Con- 
cilien  stattgefunden.  Er  reiste  durch  Frankreich,  Deutschland,  Holland 
und  England.  Im  Jahre  1778  kam  er  nach  Rom.  Von  da  durchreiste 
er  das  Königreich  beider  Sicilien,  Malta  und  die  venetianischen  Staaten, 
und  kam  im  Jahre  1 785  als  Auditor  der  Rota  (für  Aragon)  nach  Rom 
zurück.  Im  Jahre  1791  wurde  er  Bischof  von  Orihuela*).  —  In  seiner 
Eigenschaft  als  Provicar  des  Papstes  in  Rom,  und  als  Plus  VII.  am 
5.  Juli  1809  in  seinem  Palaste  ein  Gefangener  wurde,  war  er  und 
Barth.  Pacca   die   einzigen  Cardinäle,  die   in   seiner   Umgebung   sich 


*)  CJuUeaubriandf  Mtooires  d'outre  tombe,  PariB,  1850, 1 10,  et  12.  —  Gatns, 
KirchoDgeBchichte  des  neunzehnten  Jahrhunderts,  II,  p.  480^481. 

')  In  einem  eigenen  Gebäude,  ich  konnte  sie  aber,  sowie  die  enbischöfliche 
Bibliothek  von  Toledo,  nur  von  Auesen  sehen  und  bewundern.  Ob  die  erwähnte 
Bibliothek  in  SevilU  heute  noch  besteht,  i^t  mir  nicht  bekannt  Die  vorzflgllchsten 
Bibliotheken  daselbst  sind  die  des  Ferd.  Colon,  oder  Bibliothek  des  Domcapitele. 
Ein  neuerer  Schriftsteller  giebt  die  ursprüngliche  Bändezahl  der  „Biblioteca  Colom- 
bina^  auf  mehr  als  20.000  an.  Colon  habe  dem  Dumcapitel  einen  reichen  Fond  f  Qi 
Erhaltung  und  Vermehrung  der  Bibliothek  vermacht,  welche  heute  mehr  als  30.000 
Bände  umfasse,  und  in  einem  Nebenbau  der  Cathedrale  steht.  Sie  ist  dem  Publicum 
an  allen  Werktagen  von  10<-2  Uhr  geöffnet,  im  Sommer  von  7^10  Uhr  des  Mor- 
gens. —  Die  Universitäts-  oder  Provincial- Bibliothek  ist  neuem  Ursprungs;  sie 
wurde  aus  den  Bibliotheken  der  anfgehobcnen  Jesuiten  —  und  anderer  Kldster  an- 
gelegt, und  erreichte  in  Bälde  die  Zahl  von  70.0  ;0  Bänden.  -  Gnia  de  Sevilla, 
Sevilla,  1805,  p.  81  -83.  —  Indicador  Cordobes,  Cord.  1837,  p.  €0. 

'}  Das  Weitere  siehe  oben,  §.  5. 


CardiDai  Despuig.  395 

befanden.  Als  der  P<np6t  den  Despuig  sab,  sagte  er:  „Eminenz,  so  sind 
Wir  hier.**  Darauf  erwiederte  Despuig:  „Eure  Heiligkeit  bedarf  nicht, 
dass  ich  Sie  daran  erinnere,  dass  wir  heute  die  Octave  der  heiligen 
Apostel  feiern,  und  dafs  die  ganze  Welt  von  Eurer  Heiligkeit  ein 
Beispiel  des  Muthes  und  der  Geduld  erwartet;^  worauf  Pius  YII.  er- 
wiederte: „Eure  Eminenz  haben  Recht.^  Despuig  begleitete  mitPacca 
den  Papst  bis  zum  Wagen,  bat  dann  um  den  päpstlichen  Segen,  um  Abso- 
lution und  geistliche  Gnaden;  diese  Scene  wurde  später  im  Bilde  dar- 
gestellt. Despuig  wurde  einige  Monate  in  das  „GoUegio  romano^ 
verwiesen,  im  Winter  aber  (1809)  in  der  strengsten  Kälte  nach  Paris  depor- 
lirt.  Er  lebte  hier  zurückgezogen,  hielt  sich  fem  von  dem  sogenannten 
Nationalconcil  des  Jahres  1811,  fem  von  der  Hochzeitsfeier  Napoleon's, 
und  der  spätem  Taufe  des  „Königs  von  Bom.^  Auf  Vermittlung  des 
Cardinais  Fesch  erhielt  er  von  Napoleon,  wegen  seiner  Anfälle  der 
Epilepsie,  die  Erlaubniss,  nach  Italien  zurückzukehren,  wo  er  einige 
Monate  in  den  Bädern  von  Lucca  verweilte.  Hier  starb  er,  69  Jahre 
alt^  am  3.  (al.  31.)  Mai  1813,  und  wurde  mit  grossen  Ehren  in  der 
Cathedrale  beigesezt.  Nach  seinem  Willen  wurde  sein  Herz  nach 
Spanien  zurückgebracht,  und  dort  in  einer  von  ihm  eigens  der  unbe- 
fleckten Empfängniss  geweihten  Kapelle  beigesezt  Wie  die  Römer, 
so  waren  die  Bewohner  von  Lucca  Zeugen  seiner  hervorleuchtenden 
Tugenden.  Wegen  der  seltenen  Gaben,  die  ihn  schmückten,  wird  sein 
Andenken  im  Segen  fortleben.  In  ihm  sind  wir  wieder  einem  wahrhaft 
römisch-katholischen  spanischen  Cardinal  begegnet^). 

Vom  Jahre  1709  bis  zum  Jahre  18 16  führte  Luis  de  Bourbon  U. 
den  Titel  eines  Erzbischofs  von  Sevilla.  Dieses  Erzbisthum  warf  ein 
Einkommen  von  400.000  Scudi  ab.  Damit  mussten  die  Kosten  der 
Unterhaltung  des  Seminars,  des  Spitals  der  alten  Leute  und  der  Findel- 
kinder bestritten,  sowie  95  Bedienstete  unterhalten  werden.  Der  Cardinal 
Despnig  erhielt  aus  diesen  Einkünften  eine  Jahresrente  von  40.000  Scudi. 

Luis  Bourbon  Hess  sich  ein  Jahr  später,  als  er  Napoleon  L  einen 
iinterthänigsten  Brief,  ohne  dazu  aufgefordert  zu  sein,  geschrieben,  und 
Joseph  Napoleon  den  Eid  der  Treue  geschworen  hatte,  zu  der  Würde 
eines  Präsidenten  der  Regentschaft  (von  Sevilla,  dann  von  Cadix) 
commandiren.  Wie  Ferdinand  VU.  in  ähnlichen  Lagen,  that  er  Alles, 
was  man  von  ihm  verlangte.  Er  verkündete  alle  Decrete  der  Cortes, 
besonders  die  radikale  und  kirchenfeindliche  Verfassung  von  1812. 
Als  die  Regentschaft  die  Inquisition  abgeschafft,  und  der  Nuntius  Fetr. 
Gravina  einige  Vorstellungen  dagegen  gemacht,  so  schleuderte  Bourbon 
gegen  ihn  ein  Decret,  das  ihn  zwang,  Spanien  zu  verlassen. 


')  Moroni,  Dizionario,  t.  19,  Rom.,   1843,  p.  258—259.  —  DictioDDuire  des 
Cardinaax,  Paris,  1857.  p.  791-792. 


396  Vierzehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

^^^  Gravina    war   seit    1802  Nuntius   in  Spanien.    Von   Madrid   aus 

petr.    begleitete  er  die  Regentschaft  nach  Sevilla  und  Cadix.     Aus   Spanien 

Gravina.  vertrieben,  begab  er  sich  nach  Portugal.     Er   hielt  sich  zu  Tavira  auf, 

und   erliess    dort   am   4.   Januar   1814   ein  historisches   Manifest   mit 

27  Documenten,  um  seine  Haltung  zu  vertheidigen  ^). 

Konig  Ferdinand  VII.  war  von  1808  — 1814  Gefangener  Napoleou's 
in  Valencay  gewesen.  Im  Anfang  des  Jahres  1814  musste  er  ihn  frei- 
lassen. Luis  de  Bourbon  erwartete  ihn  an  der  Grenze  von  Spanien, 
um  ihm  den  Eid  auf  die  neue  Verfassung  der  Cortes  von  Cadix  ab- 
zunehmen. Der  König  wich  ihm  aus.  Dennoch  holte  ihn  der  Cardinal 
ein,  fand  aber  einen  möglichst  frostigen  Empfang,  und  musste  einen 
gezwungenen  Aufenthalt  in  Toledo  nehmen  (1814 — 1820). 

Dagegen  berief  der  König  am  24.  Mai  1814  von  Madrid  aus  den 
Nuntius  sehr  ehrenvoll  zurück,  und  hob  den  ai^f  sein  Einkommen  ge- 
legten Sequester  auf.  Gravina  wurde  Cardinal  am  8.  März  1816.  — 
Bis  zum  Ende  des  Jahres  1816  durfte  Luis  Bourbon  die  reichen  Ein- 
künfte des  Erzbisthums  Sevilla,  neben  denen  von  Toledo,  einstreichen. 
Am  16.  November  18 16  nahm  er  Besiz  von  dem  Erzbisthum  Somnald. 
Anton.  Mon  y  Velarde,  vorher  Erzbischof  von  Tarragona.  Nach  seinem 
baldigen  Tode  (f  16.  December  1819)  blieb  der  Siz  von  Sevilla  er- 
ledigt bis  zum  Jahre  1825. 

Troz  alledem ,  was  Luis  Bourbon  IL  that,  oder  vielmehr  tban 
Hess,  nennen  ihn  verschiedene  Schriftsteller  einen  frommen  und  tugend- 
haiten  Prälaten.  „Dieser  harmlose  Prälat,"  sagt  ein  Franzose,  n^^^' 
von  Frömmigkeit,  und  von  guten  Intentionen,  that  vielleicht  kein  an- 
deres Unrecht,  als  dass  er  sich  aus  seinem  Wirkungskreise  heraus- 
ziehen liess"*).  Der  Toletaner  Ramon  Sisto  Parro  aber  sagt:  „er  war 
von  sanftem  Charakter,  liebenswürdigem  Wesen,  und  sehr  einfachen 
und  unschuldigen  Sitten;^  er  nennt  ihn  einen  tugendhaften  Piälaten. 
Er  findet  an  ihm  so  zu  sagen  gar  nichts  zu  tadeln.  Er  meint  nur, 
die  politischen  Wirren  jener  Zeit  hätten  ihm  viel  Verdruss  und  viele 
Reibungen  mit  seinem  Neffen  Ferdinand  VII.  bereitet*). 


§.  9. 

Kr^b.  Raphael  de  Muzqtdz  y  Aldunate,  gebürtig  von  Viana  in  Navarra« 

^^^^^  wurde  Canonicus  von  Valencia,  Erzbischof  von  Seleucia  i.  p.  infid.  als 

qais.    Beichtvater  der  Königin  Maria  Luisa  von  Bourbon,  und  Abt  von  Granja. 


')  Davon  giebt  es  2  spanische,  und  eins  italienische  Ausgabe,  Rom,  1^21. 

')  Dict.  des  Gardinanx,  p.  58S. 

'j  Pardo,  Toledo  en  la  mano,  I.  p.  851  —  disgastos  y  Binsaboree. 


Bischöfe  jener  Zeit.  397 

Er  mussto  im  Jahre  1797  mit  Lorenzana  und  Despuig  die  Reise  nach 
Rom  machen,  um  den  Arm  der  Inquisition  gegen  den  Friedensfursten 
zu  lähmen.     Nach  Spanien  zurückgekehrt,  erhielt  er  am  15.  April  1799 
das  Bisthum  von  Avila,  wurde  aber  schon  am  24.  Mai  1801  Erzbischof 
von  Santiago.    Die  Domherrn  von  Avila  wollten  ihm  ihre  Dankbarkeit 
für  die  Wohlthaten,  die  er  ihnen  spendete,  dadurch  beweisen,  dass  sie 
in  der  Cathedrale  zu  Ehren  seines  Namenspatrons,  des  heiligen  Raphael, 
einen  Altar  errichteten.     Sein  Nachfolger   war  Emmanuel   Gomez   de  i><«chof 
Salazar  (1801  —  f  3.  November  1815).    „Unvergesslich   wird  dessen  ^l^^^r 
Name  den  Abulesen  sein,''   denn  als  die  Franzosen  einfielen  und   die    ▼<>« 
Stadt  betraten,  wollten   sie  dieselbe  plündern,  anzünden,  und  die  Ein- 
wohner ermorden,  aber  der  Bischof  warf  sich,  begleitet  von  zwei  Priestern, 
dem  erzürnten  General  Lefevre   zu  Füssen,   und  sie  boten  ihr  eigenes 
Leben  als  Opfer  dar ;  der  General  schonte  der  Einwohner,  liess  jedoch 
die  Stadt  plündern  —  am  5.  Januar  1809'). 

Der  Erzbischof  Raphael  Muzquiz  war  entschiedener  Gegner  der 
napoleoniscben  Invasion  —  180<^,  Er  wurde  von  Napoleon  wegen 
seiner  Anhänglichkeit  an  Ferdinand  VII.  in  die  Acht  erklärt,  und 
gezwungen,  nach  Portugal  zu  entfliehen.  In  dem  Unabhängigkeits- 
kriege brachte  er  die  gr5ssten  Opfer  für  die  Ausrüstung  des  Heeres. 
Für  die  Ausschmückung  der  Capilla  mayor  der  Cathedrale  von 
Santiago  übernahm  er  grosse  Kosten.  Er  starb  am  11.  Mai  des 
Jahres  1821  >) 

Der  berühmteste  seiner  Suffitigane  war  der  Bischof  von  Orense, 
Petrus  de  Quevedo  y  Qnintano.     Geboren  am   12.  Januar  1736  zucardioai 
Villanueva  del  Fresno ,   studirte  er  bei  den  Jesuiten  in  Badajoz  und  ^^^•^'^ 

'  *  von 

Granada,  an  der  Universität  von  Salamanca  erlangte  er  den  Grad  eines  orente. 
Baccalaureus  der  Theologie,  wurde  dort  und  in  Zamora  Domherr,  und 
Doctor  der  Theologie.  Am  14.  Juli  1776  wurde  er  in  Madrid  als 
Bischof  von  Orense  geweiht.  Während  des  Unabhängigkeitskrieges 
war  er  Kegent  des  Königreichs,  aus  dem  er  nachher  verbannt  wurde. 
Er  weigerte  sich  (im  Jahre  1816),  das  ihm  angebotene  Erzbisthum  von 
Sevilla  anzunehmen.  Am  28.  September  1816  wurde  er  als  Cardinal- 
priester verkündigt.  Er  starb  am  28.  März  1818,  im  Alter  von  82  Jahren, 
von  denen  er  42  Jahre  Bischof  gewesen  war.  Die  Zeitgenossen  sind 
voll  seines  Lobes.  Seine  Grabschrift,  die  sein  (zweiter)  Nachfolger, 
Bischof  Bedoya,  verfasste,  nennt  ihn:  den  unermüdeten  Prediger  des 
Evangeliums,  den  Yertheidiger  der  Rechte  (der  Kirche),  die  Säule  des 


0  Jwxa  Martin  Carramolino,  Hi&toria  de  Avila,  su  provioeia  y  obispado, 
t.  III.  Madrid,  1873,  p.  4 18-- 419. 

^)Zepedano,  Bmliem  CompostelaDay  Comp   VQQ^  p.  27^, 


398  Vierzehntes  Bach.    Drittes  Kapitel. 

Reichs,  die  herrliche  Stüze  der  Armen  und  Trauernden,  dessen  Tod 
alle  Stande  beklagten^). 

Unter  den  Opfern  der  franzosischen  Invasion  war  der  85jährigo 
Bischof  Joann.  Alvarez  de  Castro  von  Coria  (1790).  Die  Trappen  des 
Marschalls  Soult  rissen  ihn  aus  seinem  Bette,  und  fiisilirten  ihn  in 
barbarischer  Weise  (1809)«). 

Anton.  Tavira  y  Almazan,  Bischof  von  Canarias,  1791  —  179C, 
Osma  1796  — 179-^  Salamanca  (179f^)  würde  wohl  zu  den  bessern 
Bischöfen  jener  Zeit  zählen,  wenn  nicht  der  Staatsmann  und  Beamte 
in  ihm  zu  stark  hervorgetreten  wäre.  Sein  Bisthum  trug  mehr  als 
20.000  Duros.  Er  errichtete  in  Salamanca  neben  dem  CoUegium  Mayor 
del  Arzobispo^  das  allgemeine  Hospital  de  la  Trinidad,  das  eine 
Musteranstalt  in  dieser  Art  sein  sollte.  Leider  stellte  ^er  eine  grosse 
Zahl  von  Bediensteten  und  Beamten  dort  an,  neben  welchen  die  wahre 
Nächstenliebe  und  die  bisherige  Sparsamkeit  nicht  bestehen  konnte. 
Aus  seiner  Börse  musste  er  diese  Beamte  unterhalten.  Als  er  sab, 
dass  sich  die  frommen  Personen  vor  dieser  Verwaltung,  und  vor  ihm 
wegen  seiner  aufgeklärten  Ansichten  zurückzogen,  als  er  sah,  dass  die 
Nation  und  das  Iteich  immer  tiefer  sank,  verfiel  er  in  Melancholie, 
welche  sein  Leben  abkürzte  (f  7.  Januar  1807). 


§.  10. 

Der  Dominikaner  Thomas   de  Yalle   war  vier  Jahre   Bischof  von 
Ceuta  (1727  — 1731),  vom  Jahre  1731  aber  bis  zu  seinem  im  December 

c*dix.  1776  erfolgten  Tode  Bischof  von  Cadix,  er  war  durch  50  Jahre  lang 
Bischof,  und  der  Decan  sämmtlicher  Bischöfe.  £r  war  auch  Bischol 
der  spanischen  Flotte.  Er  erfrente  sich  einer  grossen  Auetoritat  in 
allen  Kreisen  der  Gesellschaft.  Sein  Nachfolger  Johann.  B.  Cervera, 
von  Canarias  hieher  versezt^  eröffnete  im  Jahre  1780  dem  Publicuui 
eine  Bibliothek  (1777—  f  H-  Januar  1782). 

Der  Bischof  von  Albarracin   (1765 — 1776),    Josef  Molina  Larino 
y  Navarro,  hatte  sich  durch  Schaffung  von  nüzlichen  und  wohlthätigeu 

HAiaja.  Werken  daselbst  ausgezeichnet,  als  Inhaber  des  reichen  Bisthums  Malaga 


')  Indefessus  Evangelii  praeco,  immnültatam  vindex,  regni  colamen,  insigiie 
egenis  maestisque  presidium,  cnnctis  IngeDtibus  ordmibixs  obiit  —  J.  M.  Bedoya, 
Retrato  historico  del  —  Pedr.  de  Qnevedo,  —  con  nn  copioso  apendice  de  docu- 
mentoB,  Madr.  1835.  —  BuLlarii  Ramani  Contin.j  ed.  Barberi,  Rom,  1849,  t  XW, 
p.  240-242.  —  Baranda,  Coleccion  de  documeDt  in^ditos,  t.  XXIT,  Madr.  18.02, 
p.  99—100.  —  Oams,  Series  ep.  Eccles.  catb.,  1873,  p.  55. 

*)  Fic.  de  la  BHiente,  VI,  p*  183. 

*)  Siehe  oben  8.  131. 


Woblthfitige  and  gelehrte  Bischöfe.  399 

hatte  er  mehr  Mittel,  sich  aaszazeichnen.  In  der  Gathedrale  stiftete 
er  ein  herrliches  Orgelwerk,  mit  einem  Aufwände  von  310.341  Realen. 
Das  Domkapitel  wollte  hinter  dem  Bischöfe  nicht  zurfickbleiben  nnd  ^^^fi^ 
erweiterte  dieses  Werk.  Ebenso  Hess  der  Bischof  in  der  Cathedrale 
eine  Kapelle  der  Incamacion  herstellen.  Berühmter  noch  ist  er  da- 
durch geworden,  dass  er  im  Jahre  1782  für  die  Stadt  eine  grosse 
Wasserleitung  von  Guadalmedina  her  zu  bauen  unternahm.  Am  30.  Au- 
gust 1782  ertheilte  der  Konig  die  Genehmigung  (nebst  Danksagung)  für 
den  Bau.  Leider  erlebte  der  Bischof  die  Vollendung  des  Baues  nicht 
mehr  (1776  —  f  4.  Juni  1783).  Erst  am  7.  September  1784  flössen  die 
Wasser  durch  die  neue  Wasserleitung  und  die  Strassen  der  Stadt.  Die 
Kosten  wurden  auf  2  Millionen  179.311  Realen  berechnet  —  Wie  in 
andern  Städten,  so  wurde  auch  in  Malaga  eine  ö£fentliche  Bibliothek 
errichtet^). 

Emmanuel  de  Moscoso  y  Peralta  war  in  den  Jahren  1771 — 1778 
Bischof  von  Tucuman,  1778 — 1789  Bischof  von  Cuzco  gewesen.  Er 
hatte  sich  unvergängliche  Verdienste  um  die  Indianer  erworben,  die 
ihn  nicht  ziehen  lassen  wollten.  Im  Jahre  1789  wurde  er  Erzbischof 
von  Granada.  Bei  ungeschwächter  Kraft  des  Geistes  und  Leibes  wirkte  oraaa- 
er  hier  22  Jahre  lang  höchst  segensreich.  Er  verdient  den  Ehren-  ^''' 
namen:  „Vir  magnanimus.^    Er  starb,  88  Jahre  alt,  am  24.  Juli  1811^). 

Der  Trinitarier,  Michael  a  S.  Josefo,  Bischof  von  Guadix  (Januar 
1750  —  t  1757),  hat  eine:  |,Bibliographia  critico  sacra^  in  vier  Bänden 
Folio  herausgegeben.  —  Einer  seiner  nächsten  Vorgänger  als  Bischof  von 
Guadix  war  der  Dominikaner  Joann.  de  MonUdvan^  (1707  —  f  12.  No-  ouadix. 
vember  1720,  er  hat  in  3  t.  fol.  eine  „Theologia^  herausgegeben^. 

Unter  den  Erzbischofen  von  Valencia  im  achtzehnten  Jahrhundert  Enb. 
ragt  Andreas  May  oral  hervor  (1738,  f  6*  October  1769),  ein  „Kirchen- 
furst  von  höchster  Wohlthätigkeit,  dessen  Andenken  die  unzähligen 
frommen  Stiftungen  unvergänglich  machen,  die  er  vom  Grunde  aus  neu 
errichtete."  Unter  seinen  übrigen  Werken  verdient  die  „Erzbischofliche 
Bibliothek"  besondere  Erwähnung,  „durch  ihren  Keichthum  an  ausge- 
suchten Werken,  sowie  die  Helle  und  Schönheit  des  hohen  Stockwerkes, 
des  Erzbischoflichen  Palastes,  in  dem  sie  aufgestellt  wurde^'"*).  —  Zwei 
der  Nachfolger  dieses  Erzbischofs,  Franc.  Fabian  y  Fuero,  bis  1773 
Bischof  von  Pnebla  in  Mexico,  vom  Jahre  1773 — 1795  Erzbischof  von 
Valencia,  und  Joann.  Franc.  Ximenez,  (I79ß,  f  1.  April  1800),  vorher 


voQ  Va- 
l6iieU. 


')  Ich  sah  sie  noch  im  Jahre  1865.  Sie  war  aber  wenig  benüzt,  und  vom 
Zahn  der  Zeit  gar  sehr  angenaflrt,  —  Convorsacionos  historicas  Malaguefias,  p.  d€ 
Ixi  Lennoy  t.  IV.  Malaga,  1793,  p.  298— 3(?8. 

')  lliberis  6  Granada,  per  D.  Jose  Hidalgo  Morales,  Granada,  1842. 

")  Sein  Leben  cd.  Diego  Raspenna,  Salamanca,  172G. 

*)  Yillanueva,  Viage  literarlo,  t.  l.  Madrid,  l>50  5,  p.  57. 


0 


400  Vierzehntes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

Bischof  von  Scgovia,  nennt  der  Graf  Florida-Bianca  in  seinem  Berieht« 
vom  Jahre  1788  als  Gründer  wohlthätiger  und  gemeinniiziger  Werke.  Bei 
der  grossen  Zahl  von  Bischöfen,  die  uns  in  dieser  Zeit  als  Urheber  wohl- 
thätiger Stiftungen  begegnen,  drängt  sich  uns  wiederholt  der  Gedank 
auf,  dass  diese  Bischöfe,  wie  im  Gefi'ihle,  dass  sie  in  der  Hingebung 
an  die  Intentionen  der  (unter  Carl  III.  und  Carl  IV.)  kirchenieind- 
lichen  Regierung  die  Grenzen  des  Erlaubten  überschritten,  diesen  Fehler 
auf  dem  Gebiete  der  Wohlthätigkeit  und  frommen  Stiftungen  ans- 
gleichen  wollten«  Es  waren  so  zu  sagen  ,,überverdien8tliche  Werke, ^ 
die  sie  hier  vollbrachten'). 
caenoa.  Der  Bischof  Äutou.  Pciafox  y  Croy  von  Cuenca  (1800 —  f  9.  De- 

cember  1802)  war  sehr  bemüht  für  eine  mit  strenger  Disciplin  ver- 
bundene Bildung  des  Ellerus.  Er  gründete  schon  seit  dem  Jahre  1783, 
als  vieljähriger  Archidiacon  von  Cuenca,  unentgeltliche  Schulen  für 
Knaben  und  Mädchen,  auf  seine  Kosten  errichtete  er  im  Centrnm  der 
Stadt  ein  solides  Gebäude,  mit  grossen  Sälen  für  den  Unterricht^  nud 
sechs  besondern  Wohnungen,  je  für  drei  Lehrer  und  Lehrerinnen,  die 
er  aus  seinen  Mitteln  besoldete.  Er  selbst  überwachte  und  leitete  den 
ganzen  Unterricht.  Den  Sporn  der  Prämien  für  strebsame  Schüler  wen- 
dete er  im  reichsten  Maasse  an.  Auch  auf  dem  Lande  stiftete  er  ond 
dotirte  er  viele  Schulen.  Er  wollte  dadurch  namentlich  dem  Bettel  der 
Kinder  steuern.  Die  Schulen  hiessen  die  der  „Gesellschaft^^).  Palafbx 
war  auch  ein  fruchtbarer  Schriftsteller'). 


')  Wir  haben  oben  gesagt,  dass  die  bedeatendsten  in  den  Jahren  I6G0 — 1700 
in  Spanien  ver&ssten  Werke  im  Auslände,  besonders  in  Born,  erscheinen  mnssten, 
wie  die  Conoiliensammlnng  des  Cardinais  Aguirre,  nnd  die  „Bibliotheca  Hispana"  des 
Nie.  Antonio.  Diesen  fQgen  wir  den  Erzbischof  von  Valencia,  Jnan.  Thom.  de 
Erib.  jRoccabertij  bei.  Er  war  Dominikaner,  and  von  1676  bis  zu  seinem  Tode  (f  13.  Januar 
Rocca-  i()99^  Erzbischuf,  die  lezten  vier  Jahre  seines  Lebens  auch  spanischer  General- 
Inquisitor.  Genau  in  diesen  lezten  Jahren  erschien  zu  Rom  in  21  Folianten  sein 
grosses  Werk:  Bibliotheca  Pontificia  maxima  in  qua  autores  melioris  notae^  qui 
hactenus  p.  S.  Komaoa  sede  scripserunt,  fere  omnes  continentnr,  Bomae,  1695 — IG^. 
Das  Werk  ist  ganz  vollendet;  der  t.  21  enthält  die  vollständigen  Jndices.  Die 
Gallikaner  brachten  es  dahin,  dass  dieses  Werk  durch  Parlamentsbeschloss  vom 
20.  December  1693  ffir  ganz  Frankreich  verboten  wurde.  Wer  das  Buch  be^ass, 
dfirfe  es  nicht  behalten,  weil  es  sei  ein  Buch  von  grossem  und  massigem  Umfange, 
angefQIlt  mit  vielen  Säzen,  die  sich  auf  keinen  Beweis  stfizten,  gegen  den  Sinn  der 
katholischen  Kirche,  die  heiligen  Traditionen,  nnd  die  gemeinsame  Lehre  der  Väter 
und  Theologen  klingen ,  und  klärlich  nur  zur  Schmähung  des  „gallischen  Namens*" 
aufgestellt  sind.  Roecaberti  musste  das  Werk  auf  eigene  Kosten  herausgeben  — 
Siehe  darüber:  Alb.  Weiss,  in:  Historisch  -  politische  Blätter,  Bd.  71,(1873,  l\ 
S.  52-64. 

*)  Sociedad  economica  de  Amigos  del  Pais. 

*)  Trillan  Munnoz  y  Soliva,  los  obispos  de  la  Diocesis  de  Cuenca,  Cuenca, 
1860,  p.  4r.9— 475. 


Erzbischöfe  von  Tarragona.  401 


§.  11. 

Der  Erzbischof  von  Tarragona,  Joachim  de  Santiyan  y  Valdivielso  Tarra- 
(1779 —  t  ö.  Jali  1783)  bewies  in  den  wenigen  Jahren  seiner  Amts*  •*''*■• 
fuhrung,  was  ein  Bischof  vermag,  der  seine  Heerde  liebt  Er  Hess 
die  Strassen,  Mauern,  und  Spaziergange  von  Tarragona  ausbessern. 
Sein  Hauptwerk  war  aber  die  Wiederherstellung  der  alten  so  berühmten 
römischen  Wasserleitung,  Wie  die  alten  Mauren  durch  das  System 
ihrer  Berieselung  und  Bewässerung,  so  haben  die  Romer  durch  Her- 
stellang  von  Brücken,  Strassen  und  Aquaeducten  Spanien  das  Ge- 
präge ihrer  (hierin  wohlthätigen)  Herrschaft  bis  zum  heutigen  Tage 
eingedrückt.  Der  Fortbestand  dieser  Wasserleitung  war  eine  Lebens- 
frage für  die  Stadt.  Der  Bischof  erlebte  nicht  die  Freude  der  Vol- 
lendung seines  Werkes.  Zum  Zwecke  dieser  Vollendung  hinterliess 
er  48.000  Ducaten. 

Sein  Nachfolger,  der  Augustiner  Franc,  de  Ärmaha^  war  vom 
Jahre  1768  bis  1785  Bischof  von  Lugo  gewesen.  Als  Erzbischof  lebte 
er  arm  für  die  Armen.  Seine  Cathedrale  stattete  er  mit  kostbaren 
Zierden  aus,  er  dotirte  seinen  Klerus,  forderte  den  „Monte  pio^  für 
arme  Priester,  gab  grosse  Summen  für  den  Bau  des  Hafens,  und  für 
den  jeden  Tag  mehr  verarmenden  Staat  Mehr  als  100.000  Duros  ver- 
wendete er  auf  solche  Werke.  Er  vollendete  auch  die  romische  Wasser- 
leitung. Am  3.  December  1798  gelangten  die  Wasser  zum  ersten- 
male  in  die  Stadt,  eine  Wohlthat,  welche  die  Namen  der  Erzbischöfe 
Santiyan  und  Armana  verewigen  wird«  Er  selbst  lebte  in  Allem  wie 
ein  strenger  Mönch,  und  legte  das  linnene  Gewand  seines  Ordens  nicht 
ab.  Er  predigte  häufig,  und  sandte  Missionäre  auf  das  Land,  Gelehrte, 
wie  er  selbst  war,  unterstüzte  grossartig  die  öffentlichen  Schulen, 
dotirte  seine  Lehrstühle  reichlich,  gründete  einen  Lehrstuhl  für  die 
heilige  Schrift.  Er  starb  am  4.  Mai  1 803,  85  Jahre  alt.  Seine  Pastoral- 
briefe wurden  gedruckt,  zwei  Bände  4®,  femer  drei  Bände  Predigten  über 
die  Moral,  einen  Band  über  die  Heiligen.  Anderes  hinterliess  er  im 
Manuscripte  oder  unvollendet^}. 


§.  12. 

Asensio  Sales,  Bischof  von  Barcelona  (1755  —  f  17.  Januar  1766),  conci- 
betrieb  auf  dem  lezten  Provincialconcil  von  Tarragona  —  1757  —  ^^^^Tw-nT 
Herausgabe  der  Concilien  der  frühern  Zeit.    Erst  im  Jahre  1857  wurde   gona. 
dieser  Wunsch  durch  Tejada  y  Ramiro  erfallt    Aber  auch  der  vorlezte 


')  Vülaniieva,  Viage  lit.,  t  20,  Madrid,  1851,  p.  62  -  67. 

Qamf,  span.  Kirche.  III.  2.  26 


402  Vierzehntes  Bncb.   Drittes  Kapitel. 

Erzbischof  Dom.  Costa  y  Borras  (f  1864)  sammelte  die  GonstitationeQ 

jener  Concilien,   welche  im  fünften   und   sechsten  Bande   seiner   nach 

dessen  Tode  edirten  Werke  erschienen  (Tarragona,  1866).    Der  Bischoi 

B«"ce-  Jose{  Climent  von  Barcelona  (1766—  f  28.  November  1781)  ist  Trager 

eines  berühmten  Namens.    In  ihm  verbanden  sich  die  Gelehraamkeit 

mit  der  Frömmigkeit  und  Wohlthätigkeit.     In   10  Klöstern  der  Stadt 

errichtete  er   10  Freischulen«    Er  war  ausgezeichneter  Prediger,   und 

bildete   eine  Schule  von  Predigern.    Von   seiner,   von   ihm   selbst  in 

das  Catalanische  besorgten  Uebersezung  der  Rhetorik  des  Ludwig  von 

Granada  wurden  in  10  Jahren  fünf  starke  Auflagen  vergriffen.     Seine 

Predigten  über  die  Sittenlehre  und  die  Heiligen  kamen  in  sechs  Bändeo 

(in  4?)  heraus.    Ebenso  erschienen  seine  Edicte  und  Hirtenbriefe.^    Ans 

allen  seinen  Schriften  leuchtet  eine  grosse  Kenntniss  der  heiligen  und 

Profangeschichte  hervor,   und  eine  allgemeine  Kenntniss  der  Literatur. 

Er  war   das  leuchtende  Vorbild   aller  Tugenden   eines   Bischofs.    Als 

ihn  Carl  IIL  zum  Bischöfe  von  Malaga  im  Jahre  177.^  ernannt,  lehnte 

er  diese  Ernennung  ab,   verzichtete  aber  zugleich  auf  sein   bisherigem 

Bisthum,  und  verlebte  seine  übrigen  Jahre  in  seiner  Heimath  CastelloD 

de   la   Plana   (heute   dem  Size   de^  Bisthums   Segorbe).    Er  gründete 

u.  a.   noch   zwei  Freischulen   in  Valencia.    In   seiner  Heimath  stißetcl 

er  ein  Haus  für  Waisen  beider  Geschlechter'). 

Geiona.  "^jj-  gchliesseu  diese  Skizze  mit  Thomas  de  Lorenzana  y  ButronJ 

dem    Bruder    des    Cardinais,    und    Bischöfe    von    Geroua    (1775   — 

f  21.  Januar  179G).    Er  errichtete  neben  dem  Haus  der  Barmherzigkeit 

zum   grossen  Theile   auf  seine  Kosten   das  Haus   des  „Hospicio^,  ic 

dem   er    die   Seidenweberei    mit    bestem    Erfolge    einführte.      Ebenso 

unterstüzte  er  andere  Fabriken   in  der  Stadt  und  dem  Bisthume.    Aui 

seine  Kosten   errichtete   er   ein  Haus   für   die   aus   den  Spitalern  eot 

lassenen  Reconvalescenten.     Für   die  verschämten  Armen   und    ändert 

ähnliche  Bedürftige  gründete  er  Vereine  der  Barmherzigkeit,  an  dene: 

er  selbst   stets  Theil   nahm.     Er   stiftete   viele  Armenschulen.     In  d 

reichen  Villa  Olot  errichtete  er  von  Grund  aus  ein  grossartiges  Hospi 

tium,  mit  Schulen  der  Grammatik  und  Rhetorik,  und  erbaute  auf's  Neu 

die   Kapelle   des    heiligen   Narcissus^),   und   vollendete   dieses    Werk 

Beständig  visitirte  er  sein  Bisthum.   Seine  besondere  Sorge  war  ihm  sei 

Seminar;  er  vermehrte  die  Lehrstühle  an  ihm,  eröffnete  die  Bibliothek 

nach  königlicher  Cedula  vom   10.  November  17%  sollten  die  Studier 

an  demselben  für   die  Grade   an  allen  Universitäten  befähigen.    Fas 


«)  VtUanueva,  t.  18,  p.  76—83. 

')  Nach  anserer  Meinung  des  ersten  ans  bekannten  Bischofs  von  Aagsbnrg 
nicht  aber  von  Gerona.  Dennoch  freuen  wir  uns  der  Verherrlichnng  eines  deutscbe 
Bischofs  auf  spanischem  Boden. 


Hervorragende  BIscböfe.  403 

täglich  besuchte  er  selbst   die  Classen.  —  Für  seine  Person  lebte  er 
äusserst  arm*). 

Wir  sind  weit  entfernt,  zu  meinen^  in  vorstehender  Skizze  alle, 
oder  auch  nur  die  Mehrzahl  der  Bischöfe  genannt  zu  haben,  welche 
unter  dem  Gesichtspunkte  der  guten  oder  nuzlichen  Werke  (oder 
auch  als  Schriftsteller)  erwähnt  und  gerühmt  zu  werden  verdienen'). 
Dazu  fehlt  es  uns  an  den  Qaellen,  vor  allem  an  dem  Räume.  Es  ist 
auch  zu  beachten,  dass  die  vorhandenen  Werke  über  die  einzelnen 
Bisthümer  in  Spanien  nicht  bis  zum  Jahre  1800  reichen,  oder  nur  die 
dürftigsten  Notizen  über  die  einzelnen  Bischöfe  geben'). 


0  Espafia  sagrada,  t.  44,  Madrid,  1826,  p.  207—211. 
*)  Ftc.  de  La  Puente  ist  in  diesem  Kapitel  noch  kürzer  als  wir. 
*)  Die  Fortsezer  des  Florez  reichen  nnr  bei   den  BiBtbflmera  Lerida  und 
Gerona  Ober  das  Jahr  ISOO  hinaas.    ViUanueva  reicht  im  AllgemeiDeo  zam  Jahre  1800. 


I 


26» 


Viertes  Kapitel. 


Bläthe  der  Literatur  (1747—1808).   Allmflliger  Verfall. 


§.  1. 

Die  im  sechszehDten  Jahrhundert  so  blühende  spanische  Literatur 
konnte  seit  dem  Verfalle  des  Staates  und  Volkes  im  siebzehnten  Jahr- 
hundert auf  ihrer  Höhe  sich  nicht  erhalten.  Langsam,  aber  docli 
unverkennbar,  erlahmte  sie.  Die  kriegerische  und  im  Allgemeinen 
unruhige  Regierung  Philipp's  V.  forderte  ihren  Aufschwung  nicht. 
Doch  trat  eine  allmälige  Besserung  ein,  seitdem  das  Volk  von  den 
Schlägen  des  langen  Erbfolgekrieges  sich  zu  erholen  begann.  Erst 
seit  der  friedlichen,  den  innern  Angelegenheiten  zugewendeten,  Regie- 
rung Ferdinand  VI.  trat  ein  Um-  und  Aufschwung  zum  Bessern  ein. 
Bezeichnend  für  die  neue  Lage  der  Dinge  ist  es,  dass  schon  im  Jahn 
1747  der  erste  Band  des  klassischen  Werkes  der  „Espana  sagrada" 
erschien. 

Eenrique  Florez  wurde  am  21.  Juli  1702  in  Villadiego  geboren, 
trat  zu  Salamanca  in  den  Orden  des  heiligen  Augustin,  erlangte  dt*. 
Grad  eines  Doctors  zu  Alcala  de  Henares,  und  wurde  später  Professo: 
daselbst.  Zur  Einleitung  in  sein  Hauptwerk  erschien:  Clave  Histori:.. 
con  qui  se  facilita  la  entrada  al  conocimiento  de  los  hechos  ocuridc- 
desde  el  nascimiento  de  n.  S.  Jesuchristo  hasta  nuestras  dias,  Madriil, 
1743,  oft  abgedruckt,  und  wieder  im  Jahre  1817,  eine  Art  vergleicht!, 
der  Chronologie  der  Geschichte  seit  der  christlichen  Zeitrechnung. 

Der  L  Band  des  Hauptwerkes   hat  den  Titel:   Espana   sagracL; 

Theatro  geographico  historico  de  la  Iglesia  de  Espana.    Origen*  Divi- 

siones  y  Limites   de  sus  Provincias,   Madr.   (1747  und   17S4).      D. . 

n.Band  erschien  gleichfalls  im  Jahre  1747  (und  1754)  und  enthält  einiu 

Fiores.  &lte  spanische  Chroniken,  deren  genauer,  oft  erster  Abdruck  eiucr  dii 

} 


Die  „Espana  8agrada%  Bd.  I  —XIII.  405 

Haaptvorzuge  des  grossen  Werkes  ist,  und  es  vortheilhaft  vor  ähn- 
lichen, in  Frankreich,  Italien  u.  s.  w.  erschienenen  Werken  unterscheidet. 
Der  III.  Band  (1748,  1754)  behandelt  die  Einführung  des  Christen- 
thums  in  Spanien,  und  die  Geschichte  der  sogenannten  mozarabischen, 
oder  in  Spanien  ursprünglichen  Liturgie  (Misa).  Der  IV.  Band 
(1749,  1756  —  dritte  Aufl.  1859),  handelt  weiter  von  dem  Ursprünge 
der  Bisthümer  und  Metropolen  in  Spanien.  Vom  V.  Bande  an  (1750, 
1763,  1859)  geht  Florez  zu  den  einzelnen  Bisthümern  der  Provinz 
Carthaginensis  über,  welche  aber  überall  nur  bis  zu  der  Zeit  der 
Maurenherrschaft  behandelt  werden,  in  der  die  alten  Bisthümer  er- 
loschen. Dieser  Band  handelt  von  den  beiden  Metropolen  Carthago 
nova  und  Toledo,  und  behandelt  jene  Streitfragen,  die  in  unserem  Werke 
ausführlich  behandelt  wurden.  Band  VI  (1751,  1763)  handelt  von 
den  Concilien  von  Toledo,  und  bringt  verschiedene  Chroniken  und 
Documente.  Band  VII  (1751,  1766)  handelt  von  den  unter  Toledo 
stehenden  Bisthümern :  Acci  (Guadiz),  Arcavica,  Basti,  Beacia,  Complu* 
tum,  Osma  und  andern.  Von  den  13  hier  behandelten  Bisthümern  sind 
nicht  weniger  als  11  eingegangen,  und  nur  die  Diöcesen  Guadix  und 
Osma  wieder  hergestellt  worden.  Band  VIII  (1752,  1769,  3.  Aufl.  1860) 
handelt  von  den  Bisthümern  Palencia,  Saetabis,  Segovia,  Segobriga^  ' 
Segoncia,  Valencia,  Valeria  und  Urci.  Von  diesen  acht  Bisthümern 
bestehen  heute  noch  sechs,  wenn  man  Segorve  als  Fortsezung  von  Se- 
gobriga  betrachten  darf.  Dass  aber  Almeria  an  der  Stelle  des  alten 
Urci  liegt,  davon  hat  uns  eine  im  Jahre  1872  gefundene  Inschrift  über- 
zeugt *). 

Mit  dem  IX.  Bande  (1752,  1777,  1860)  geht  Florez  zu  der d« hei- 
Kirchenprovinz  Baetica  oder  Sevilla  über.  Der  X.  Band  (1753^  HgeSpa- 
1775)  behandelt  die  Bisthümer  (Abdera  ==  Adra,  dessen  Existenz 
Florez  auf  Grund  einer  einzigen  Unterschrift  annimmt),  Asido  oder 
Xeres,  Astigi  oder  Ecija,  und  Cordova.  Hier  finden  sich  die  interes- 
santen Untersuchungen  über  die  Herrschaft  der  Mauren,  über  die 
SchicksaliB,  die  Erfolge  und  die  Verfolgungen  der  Christen  von  Cor- 
dova im  neunten  und  zehnten  Jahrhundert.  Ebenso  interessant  ist  der 
XI.  Band  (1753,  1775),  der  ausschliesslich  von  den  berühmten  Män- 
nern von  Cordova  und  ihren  Schriften,  besonders  von  Aharus  von 
Cordova,  handelt.  —  Der  XII.  Band  (1754,  1776)  beschliesst  diese 
Kirchenprovinz  mit  der  Darstellung  der  ältesten  Geschichte  der  Bis- 
thümer Eliberis,  Malaga,  welche  fortbestehen,  und  Egabro,  Elepla, 
Italica,  und  Tucci,  welche  nach  der  Zeit  der  Mauren  nicht  wieder  in 
das  Leben  traten. 

Mit  semem  XIII.  Bande  (1756,  1782,   1816)  geht  Florez  über 


>)  Ffc  de  La  Fuenie,  I,  p.  leo. 


406  Viorzehntes  Buch.    Viertes  KapiteU 

zu    der    Kirchenprovinz    Lnsitania,    die    grossentfaeils    im    heutigen 
Portugal  lag,  deren  politische   und  kirchliche  Metropole  das   seit  den 
Tagen   der  Mauren   völlig  yerfallene  Ernerita  war.    Band  XIV  (1758, 
Provinz  1786)  handelt   von   den  unter  Merida   gestandenen  Bisthümem,  Avila, 
nia.    Ooria,  Coimbra,  Ebora,  Egitania,  Lamego,  Lisboa,  Ossonoba,  Pacense, 
Salamanca,  Viseo,  Zamora,  die  alle,  theilwebe  mit  veränderten  Nameo, 
heute  noch  fortbestehen  oder  wieder  hergestellt  wurden,  sowie  von  dem 
eingegangenen  Bisthume  Caliabria.  — 
provin.  Band  XV  (1759,   1787)    führt  uns  hmüber  in  die  alte  Provinz 

Astorg«!  Galicien,  und  handelt  von  seiner  Metropolis  Bracara  im  Besonderen. 
—  Der  XVI.  Band  (1762,  1787)  führt  den  Titel:  „Von  der  heiligen 
Kirche  von  Äatorga  in  ihrem  alten  und  ihrem  gegenwärtigen  Stande.^ 
Es  ist  das  erste  Bisthum,  dessen  Geschichte  Florez  von  seiner  Grün- 
dung an  bis  zu  seiner  Zeit,  bis  zum  Jahre  1 762,  fortführt.  In  kurzen, 
aber  doch  dankenswerthen  Umrissen  hat  S.  Baranda  die  Geschichte 
der  Bischöfe  Astorga's  vom  Jahre  1762  bis  1852  fortgeführt').  Der 
XVII.  Band  (1763,  1789)  handelt  in  ähnlicher  Weise  von  dem  Bis- 
thume Orense  bis  zum  Jahre  1763,  und  wird  von  S.  Baranda  bis  zum 
Jahre  1852  fortgesezt*).  —  Der  XVIII.  Band  erschien  im  Jahre  1764 
(und  1789)  und  handelt  von  den  alten  Bisthümern,  genannt  Britonia 
oder  Dumium,  und  von  dem  spätem  Bisthum  MondonedOf  dessen 
Bischofscatalog  Baranda  vom  Jahre  1764  —  bis  zum  Jahre  1852  fort- 
führt«).  Im  Jahre  1765  (und  1792)  erschien  der  XIX.  Band,  der  das 
,Heiii<  Bisthum  Iria  und  Compostella  bis  zum  Jahre  circa  1150  behandelt,  bis 
^nien*'*  ZU  der  Zeit,  in  welcher  Compostella  Erzbisthum  wurde.  An  die  Bear- 
B<Li4— beitung  der  spätem  Zeit  wagte  auch  Florez  nicht  heranzutreten,  nnä\ 
'^'  bis  zum  heutigen  Tage  fehlt  uns  eine  kritische  und  zuverlässige  Ge- 
schichte der  Erzbischöfe  von  Santiago.  Der  XX.  Band  erschien  im 
Jahre  1765  (und  1791)  und  enthält  zum  erstenmale  die  „BUstoria 
Compostelana  (hasta  hoy  no  publicada),  über  welche  wir  früher  be- 
richtet haben*). 

Mit  dem  XXI.  Bande  kehrt  Florez  nach  Portugal  zurück;  der-| 
selbe  erschien  im  Jahre  1766  (und  1797).  Die  Geschichte  der  Bischöfe 
von  Oporto  wird  bis  zum  Jahre  1766  geführt,  von  Baranda  aber  vom 


0  Baranda,  Coleccion  de  docnmentos  inöditos  para  la  Historia  de  Espafis, 
por  D.  Miguel  Solvay  y  D.  Pedro  Sainz  de  Baranda^  tom.  22,  Madrid,  1853, 
p.  63—68.  Für  die  Zeit  von  1853  bis  1879  könnte  ich  anf  das  Snpplementom  I 
za  meiner  „Series  episcoporum*^  —  (1879),  hinweisen,  wenn  zwei  Axitegen,  die  idi 
in  Astorga  gestellt,  noch  rechtzeitig  beantwortet  würden. 

•)  Baranda,  t.  22,  p.  98—104. 

*)  Baranda,  p.  95—97.  Für  die  Zeit  von  1852—1879  siehe  mein  „Supple 
mentum",  für  welches  ich  Beiträge  aus  Mondofiedo  erhalten  habe. 

*)  Kirchengeschichte  II,  2,  p.  367  sq.;  besonders  tll,  1.  S.  104—107. 


Lezte  Arbeiten  des  H*  Florez.    Heiliges  Spanien.  407 

Jahre  1766  bis  lf'52  fortgefahrt «).  —  Der  XXU.  und  der  XXIII.  Band 
(1767  nnd  1798,  1767  und  1799)  enthalten  die  Geschichte  der  Bischöfe 
von  Tuy  in  Galicien  —  bis  zum  Jahre  1767,  welche  Geschichte  von 
Baranda  von  1767  bis  1852  fortgesezt  wird.  Der  XXIV.  Band 
(1769,  1804)  enthalt  die  romischen  Alterthümer  von  Tarragona;  der 
nächste  Band  (1770,  1859)  handelt  von  der  Eirchengeschichte  Tarraco's 
bis  zu  der  Wiederherstellung  der  Metropole  —  1137.  Band  XXVI 
(1771  in  zwei  Auflagen)  handelt  von  dem  alten  Stande  der  Bis- 
thümer  Auca  (=  Oca),  Valpuesta  und  Burgos,  bis  zum  Jahre  1579, 
oder  bis  zur  Erhebung  des  Bisthums  Burgos  zum  Erzbisthume,  während  ""g"^. 
der  XXVII.  Band  (1772,  1824)  von  den  Kirchen,  Klöstern  u.  s.  w.  nien«. 
des  Bisthums  Burgos  handelt  Der  XXVIII.  und  XXIX.  Band  er- 
schienen nach  dem  Tode  des  H.  Florez.     Jener  (1774)   handelt  von  ''^ore» 

•  +  17T8 

dem  Bisthume  Ausona  (Vieh)  in  „seinem  2ilten  Bestande^%  der  Band 
XXIX  (1775)  handelt  von  dem  alten  Stande  der  Kirche  von  Barcelona, 
glebt  einen  Catalog  der  Grafen  von  Barcelona,  und  enthält  die  Samm- 
lang der  Schriften  „der  Väter  von  Barcelona^. 

Florez  hatte  vor  Beginn  seines  grossen  Werkes  fünf  Bände  Schrift;en 
über  Theologie  herausgegeben.  Ferner  gab  er  neben  dem  „heiligen 
Spanien^  einen  Band  über  das  Land  „Cantabria^  heraus').  —  Gleich- 
zeitig mit  der  „Espana  sagrada^  liess  er  seine  drei  Bände  „über  die 
alten  Münzen  in  Spanien^  erscheinen  —  „Medallas  de  1^  colonias, 
mnnicipioB  y  pueblos  antiguos  de  Espana^,  Madrid,  1757  — 1773,  ein 
noch  heute  sehr  geschäztes  Werk,  in  dessen  „Medallas^  Bilder  der 
Kaiser  neben  Bildern  von  (zum  Kampfe  auf  Leben  und  Tod  sich  in 
Position  stellenden)  Stieren  mit  einander  abwechseln.  Er  schrieb  ferner 
das  oft  von  uns  angeführte  Werk:  „Memorias  de  las  reynas  catolicas, 
bistoria  genealogica  de  la  casa  real  de  Castilla  y  Leon  (Madrid,  1761, 
2.  Ausg.  1770,  3.  Ausg.  1790)*),  und  „Elogios  del  santo  rey  Fernando, 
Lobsprüche  auf  Konig  Ferdinand  den  Heiligen ,  welche  in  hebräischer 
und  arabischer  Sprache  auf  seinem  Grabmale  in  Sevilla  stehen:  „zu- 
gleich Tabellen  der  Hegiras  oder  Jahreszahlen  der  Araber  ,^^  Madrid, 
1752—1754. 

Im  Ganzen  sind  von  Florez  unter  seinem  Namen  circa  42  Bände 
erschienen.  Was  ich  im  Jahre  1868  über  die  „Espana  sagrada^  ge- 
artheilt, wiederhole  ich  im  Jahre  1879:  „Nicht  England,  nicht  Frankreich, 


^)  Baranda,  p.  110—  113.  Die  vier  nach  1852  lebenden  Bischöfe  in  meinem 
Sapplementum,  p.  90. 

*)  La  Cantabria,  Disertacion  Bobre  el  sitio  y  extension  qae  tnvo  en  tiempo 
de  los  Bomanos  etc.,  Madrid,  1768  —  i\ 

*)  Diese  dritte,  von  Ebert  dtirte  Aasgabe  ist,  nach  dem  Manuel  de  Brunei 
5  ^dit,  t.  n,  p.  1306,  von  zweifelhafter  Existenz.  Aber|;erade  diese  .Tercera  Edidon*, 
(üe  icli  in  Cadix  gefunden,  liabe  ich  in  Händen. 


1 


t 


408  Vierzehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

Italien  oder  Deutschland  liai  ein  ähnliches  Werk  aufzuweisen,  das  so 
gediegen  gearbeitet ,  so  reich  an  den  wichtigsten  Documenten  wäre. 
Es  ist  ein  wahrhafter  Schaz  für  die  Eirchengeschichte^ ')•  Damit 
stimmt  auch  Emü  Hühner  überein,  der,  Alles  in  Allem  gerechnet, 
H.  Florez  für  den  ersten  Historiker  der  Spanier  betrachtet*). 

Florez  starb  zu  Madrid  am  5.  Mai  1773  in  seinem  Kloster  San 
Felipe  el  Real.  Sein  Ordensgenosse  Franc.  MendeZj  geboren  25.  März 
1725,  wurde  dem  Florez  als  „Amanuensis"  zur  Seite  gestellt,  welcher 
seine  Entwürfe^)  und  Documente  in's  Reine  schrieb.  In  dieser  Eigen- 
schaft war  er  an  seines  „Meisters^'  Seite  vom  2.  November  1749  bis  zu 
dessen  Tode.  Niemand  war  aus  diesem  Grunde  auch  geeigneter,  das 
Leben  des  „Maestro^^  zu  schreiben.  Es  erschien  unter  dem  Titel: 
Noticias  sobre  la  vida,  escritos  y  viajes  de  R.  P.  Fr.  Enrique  Flores, 
de  la  Orden  de  S.  Augustin,  primer  escritor  de  la  Espana  sagrada, 
p.  Fr.  Mendez,  Madrid,  1780  —  4**). 

Mendez  hat  auch  den  ersten  Band  der  „Tipografia  Espanola/' 
oder  „der  Geschichte  der  Einführung,  Verbreitung,  und  den  Fort- 
schritten der  Buchdruckerkunst  in  Spanien,*'  Madrid,  1796  —  4"  — 
geschrieben.  Der  zweite  Band  dieses  wichtigen  Werkes  ist  nicht  er- 
erschienen ^). 


')  Kirchengeschichte  von  J.  A.  MöMer,  3.  Bd.,  1868,  S.  548. 

*)  HiUmerf  Incript.  Hispaniae  latinae,  1869. 

*)  Borradores.    So  was  kommt  in  nnserer  Zeit  nicht  mehr  vor. 

*)  Segunda  edlcion,  qne  con  notas  y  adiciones  publica  la  real  Academia  de 
la  historia.    Madrid,  1860,  4*,  p.  4i6. 

Eine  genane  Analyse  sämmtlicher  Schriften  des  Morez  findet  man  bei  Juan 
Sempere  y  Ouarinos,  Eneayo  de  una  Bibiioteca  Espafiola  de  los  mejorea  eacritores 
de!  reynado  de  Carios  III.,  (6  tum.)  t.  3,  Madrid,  1786,  p.  62—84,  wo  noch  ver- 
schiedene  andere  Schriften  des  Florez ,  Schriften  Anderer,  von  ihm  herauagegebeo 
und  ManuBcrlpte  desselben,  angeführt  werden.  Neben  einer  kostbaren  Mflnsensamm- 
lung  nnd  Bibliothek  hatte  er  anch  ein  sehr  werthvolles  Natoraliencabinet  gesam- 
melt —  Die  ausführlichste  Analyse  über  den  Inhalt  der  Espafia  sagrada  findet  man 
bei  Sainz  Baranda  in  dem  mehrerwfihnten  Bnche,  Madrid,  1853,  welches  anch  den  Titel 
führt:  Clave  de  la  Espafia  sagrada  („Schlüssel  zum  heiUgen  Spanien'')  oayo  objeto 
es  dar  k  conocer  esta  importante  obra  y  facilitar  su  uso,  p.  5—507;  enÄält  u.  «• 
eine  Angabe  aller  der  zahlreichen  in  der  Espafia  sagrada  erschienenen  Docnmente. 

*)  Wohl  aber  im  Jahre  1864  eine  zweite  Anflage:  Tipografia  Eapafiola  4 
historia  de  la  introdnccion,  propagacion  y  progresos  del  arte  de  la  imprenta  en  Es* 
pafia  2  edic;  corregida  y  adicionada  por  D.  Dion.  Hidalgo^  Madr.  1861  (in  Liefe* 
rung).  Dieser  Band  enthält  nur  das  fünfzehnte  Jahrhundert;  der  zweite  Band,  dal 
sechszehnte  Jahrhundert,  wurde,  als  antographes  Mannscript  des  VerfiiBserBy  in  dea^ 
Catalog  von  Salvä  um  80  livr*  angeboten. 


Manuel  Rieco,  Fortseser  der  Espafia  sagrada.  409 

Manuel  Bisco  sezte  nach  dem  Tode  des  H.  Florez  ,,Da8  heilige  ^^^^^ 
Spanien  fort."  Geboren  zu  Haro  am  l.  Juni  1735,  trat  er  in  daa 
Augustinerkloster  „unserer  Frau  del  Risco"  im  Bisthum  Avila  ein,  von 
welchem  er  auch  seinen  Beinamen  Bisco  annahm.  Er  studirte  zu  Sala- 
manca.  Schon  in  den  ersten  Jahren  nach  Beginn  der  „£spana  sagrada" 
wünschte  Florez  ihn  als  Fortsezer  derselben  zu  gewinnen.  Er  aber 
entschuldigte  sich  wegen  seines  angeblichen  Mangels  an  Fähigkeiten 
und  Kenntnissen.  Nach  dem  Tode  des  Florez  wurde  er  aber  zu  dessen 
Nachfolger  ernannt,  zu  der  Zeit  als  er  Kegent  der  Studien  in  dem 
Kloster  ,^Dona  Maria  de  Aragon^  war.  Im  Jahre  1775  liess  er  den 
XXX.  Band  der  „Espana  sagrada"  erscheinen,  enthaltend  die  Kirche 
von  Saragossa  in  ihrem  alten  Stande,  mit  einer  Sammlung  sämmtlicher 
Briefe  des  heiligen  Braulio  von  Saragossa,  die«  bis  dahin  nicht  er- 
schienen waren.  Der  XXXI.  Band  (1776)  enthält  die  „Denkwürdig- 
keiten der  berühmten  Männer  von  Zaragoza,  die  Geschichte  Zaragoza's 
in  den  vier  Jahrhunderten  der  Gefangenschaft  (circa  718 — 1118),  sowie 
die  Werke  des  berttbmten  Bischofs  Tajo  (651  —  bis  vor  683),  „bis 
heute  noch  nicht  publicirt.^'  Band  XXXII.  (1779),  genannt  ,4a  Vas- 
conia^^  oder  das  Land  der  Basken,  ist  zugleich  Einleitung  zu  der  Ge- 
schichte der  Bisthümer  Calahorra  und  Pamplona.  Band  XXXIII  (1781) 
enthält  die  bürgerlichen  und  kirchlichen  Alterthümer  von  Calahorra,  so- 
wie die  t)enkwürdigkeiten  der  kurze  Zeit  bestandenen  Bisthümer  Nagera 
und  Alava.  Die  Bände  XXXIV — XXXVI  enthalten  die  Geschichte  der 
(exemten)  Bischöfe  von  Leon  (1784,  1786,  1787),  Der  XXXVIL  Band 
enthält  die  Geschichte  des  alten  Königreichs  Asturien^  Gründung  der 
Stadt  und  Kirche  von  Oviedo.  Der  nächste  Band  handelt  von  den 
zu  Oviedo  gehaltenen  Concilien,  der  XXXIX.  Band  aber  von  den 
(exemten)  Bischofen  Oviedo's  bis  zum  Jahre  1795  (1789,  1793,  1795). 
Saim  Baranda  sezte  den  Catalog  dieser  Bischöfe  von  1795  bis  1852 
fort,  wie  er  den  Catalog  der  Bischöfe  von  Leon  vom  Jahre  1787  an 
fortgesezt  hatte  ■).  Band  XL  und  XLI  (1796,  179?)  enthalten  die  Ge- 
schichte der  Bischöfe  von  Lugo,  welche  Baranda  von  1798 — 1852  fort-  Lago. 
geführt  hat^).  Im  Jahre  1801  gab  Bisco  seinen  lezten  Band,  „die 
bürgerlichen  und  kirchlichen  Alterthtimer^^  der  Städte  Dertosa,  Egaraund 
Ampnrias  heraus.  Damit  ruhte  die  Fortsezung  des  „heiligen  Spaniens^^ 
bis  znm  Jahre  1819.  Im  Jahre  1800  erlangte  Bisco  auf  seine  Bitte 
Enthebung  von  dieser  Arbeit,  weil  er  krank  sei,  er  vollendete  seine  Tage 


0  8.  Baranda,  t  22,  p.  87  —  91  (Leon),  p.  105—108. 
»)  P.  92-93. 


410  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel 

in  dem  Kloster  San  Felipe  el  Real  za  Madrid  am  SO.  April  1801.  Es 
scheint  mir,  dass  seine  Arbeiten  und  Leistungen  nicht  sehr  weit  hinter 
denen  des  Meister  Florez  zurückstehen'). 


§.  3. 

Ein  Seitenstuck  oder  ein  durch  die  Espana  sagrada  herrorge- 
rufenes  Nebenwerk  ist  das  ,,Teatro  eclesiastico  de  las  Iglesias  de 
Aragon^^  („kirchlicher  Schauplaz  der  Bisthumer  von  Aragon^^),  welches 
von  zwei  Capucinem  bearbeitet  wurde.  Die  vier  ersten  Bande,  enthaltend 
die  Geschichte  der  Bischöfe  von  Zaragoza,  gab  Fray  Lamberto  Zaror 
goza  heraus.  Er  gerieth  wegen  der  Bischöfe  der  ersten  Jahrhunderte, 
deren  Existenz  er  nach  den  sogenannten  spanischen  Traditionen  Ter> 
theidigen  wollte,  in  eine  literarische  Fehde  mit  ManuSl  Bisco.  Yiel 
solider  gearbeitet  ist  die  Fortsezung  des  Werkes  durch  FV.  Baanon  de 
Huesca;  Band  5 — 7,  Pamplona,  1792 — 1797,  handelt  von  den  Bischofen 
von  Huesca.  Der  achte  Band  erschien  im  Jahre  1802  in  Pamplona, 
und  handelt  über  das  Bisthum  Jacca.  Im  Jahre  1807  erschien  ru 
Zaragoza  ein  neunter  Band,  welcher  von  den  Bisthümem  Boda  und 
dessen  Fortsezung  Barbcistro  handelt.  Wegen  der  folgenden  Kriege 
konnten  die  weitem  Bände  nicht  erscheinen.  Fr.  Bamon  de  Hoesca 
musste  den  zehnten  und  eilften  Band,  enthaltend  die  Geschichte  der 
Bisthumer  Albarracin  und  Teruel,  im  Manuscripte  hinterlassen. 
Die  Bis-  Neben  dem  Werke  dieser  beiden  Capuciner  erschienen  fon  dem 

in  Ära- Piaristen  Jociq.  Traggia  de  S.  Domingo  zu  Madrid  1791  — 1792  zwei 
^®''     Bände:   „Apparat   zu   der  Kirchengeschichte   von   Aragon/'      Dieser 
Apparat  holt   aber  in  der  mythischen  und  politischen  Geschichte  von 
Spanien  so  weit  aus,  dass  er  aufhört,  bevor  die  Eirchengeschichte  von 
Aragon  anfangt.    Es  soUte  eher  heissen:  „Das  romische  Aragon  (ien)/^ 
Band  3 — 5  liegen  als  Manuscript  in  der  Academie  der  Geschichte   zu 
Madrid.    Band  4 — 5  handeln   erst  von  der  Geschichte  des  „Volkes 
^^'     Gottes^'  (der  Juden),   und  von   den  Anfangen  der  Predigt  des  Evan- 
geliums in  Aragonien.    In  derselben  Academie  befindet  sich  eine  grosse 
Sammlung  von  Manuscripten  desselben  Verfassers.    Von  Einzelwerken 
über  die  Geschichte  der  Bisthttmer  jener  Zeit  wollen  wir  nur  vier  an- 
B.Dora-  f  g{u.QQ^    Im  Jahrc  1 766  gab  Bemard.  Dorado  „ein  historisches  Com* 
pendium  der  Stadt  Salamanca,  ihres  Alterthums,  und  ihres  Bisthoms 


(* 


')  In  der  Einleitang  oder  dem  Prolog  des  XLUI.  Bandes  der  .E^Mina 
sagrada^  findet  man,  p.  V  — VII  einen  Bericht  über  das  Leben  and  die  Ver- 
dienste des  Bisco  an  diesem  grossen  Werke  des  „heiligen  Spaniens*,  das  heute, 
nach  131  Jahren  seit  seinem  Beginne,  kaum  zur  Hälfte  vollendet  ist»  Kfirxer  handelt 
über  ihn  Baranda^  p.  12—13  1.  o. 


Benedictiner«  411 

hcrans.  —  In  vier  Banden  gab  in  den  Jahren  1789 — 1793  Christof. 
Medina  Conde  unter  fingirtem  Namen  die  interessanten  „geschichtlichen 
Conversationen  über  die  Civil-,  Natnr-  und  Eirchengeschichte  der  Stadt 
nnd  des  Bisthums  Malaga^'  heraus.  Wahrhaft  classisch  an  Form  und  ^^^ 
Inhalt,  and  auch  in  der  äassem  Ausstattung  ist  das  in  drei  grossen 
Octavbänden  erschienene  Werk  über  das  Bisthum  Osma:  Descripoion  ^^^^^ 
historica  del  obispado  de  Osma,  mit  drei  Dissertationen  über  die  Lage 
der  alten  Städte  Numantia,  Uxama  und  Clunia,  von  Juan  Lopcnraez 
Corvalon,  Canonicus  von  Cuenca,  Madrid,  1788. 

Der  Jesuit  Matthäus  Aymerich^   geboren  bei  Gerona,  27.  Februar  Btweio- 
1715,   lehrte   in   seinem  Orden  Philosophie  und  Theologie,   war  auch  n^tth. 
Kanzler  der  Universität  Gandia.     Neben  vielen  andern  Werken  schrieb  Ayme- 
er:  Nomina  et  acta  episcoporum  ßarcinonensium,  das.  1760.    Er  schrieb 
das  Werk  auf  Bitten   des  Bischofs  Sales^   um  die  Geschichte  des  Bis- 
thums  von  den  falschen  Fabeln   zu   reinigen.    Nach   der  Vertreibung 
der  Jesuiten  lebte  er  viele  Jahre  zu  Ferrara,  wo  er  Verschiedenes,  be- 
sonders über   lateinische  Literatur,   herausgab.    Er  starb   daselbst  im 
Jahre   1799'). 

§.  4. 

Bei  Arbeiten  über  die  Geschichte  der  Bisthümer  hofft  man  vorzugs- 
weise den  Arbeiten  der  Benedictiner  zu  begegnen.  Diess  ist  in  Spanien 
nur  in  beschränktem  Maasse  der  Fall.  Einer  der  gefeiertsten  Benedictiner 
jener  Zeit  war  Benito  Geronimo  Feyioö  y  Montenegro,  auf  welchen  die  Spa- 
nier grosse  Stücke  halten*).  Er  wurde  geboren  am  8.  October  1676  und 
starb  am  26.  September  1764  zu  Oviedo,  wo  er  Abt  des  Ellosters  zum 
heiligen  Vincenz  gewesen.  Berühmt  ist  sein  „Teatro  critico,  sopra  los 
errores  comunes^.  Madrid,  1726 — 1746, 16vol.8^  Diesem  folgten  seine: 
Carlas  eruditas  y  curiosas,  gelehrte  und  interessante  Briefe),  1742  bis 
1 760  —  8  Bde.  8**.  —  „Feyioö  fürchtete  sich  nicht,*'  sagt  ein  Biograph,  Fejio*. 
^,die  Unwissenheit  der  Mönche,  die  Ungebundenheit  des  Klerus,  die 
lächerlichen  Privilegien,  den  Missbrauch  der  Wallfahrten,  der  Exor- 
cisaien,  der  angeblichen  Wunder  und  Anderes  anzugreifen.^^  Natürlich 
erstanden  ihm  daraus  viele  Gegner.  Es  ist  schon  bedenklich,  dass 
ein  Liberaler,  wie  Campomanes^  das  Leben  des  Feyioö  schrieb  und  seine 


')  Juan  Sempere,  Ensayo  etc.,  t  I,  p.  171—176  —  Felix  Torres  y  Ämat, 
Escritores  CatalaneB,  1^36,  p.  66— 68. 

')  Als  ich  im  Jahre  1865  in  Barcelona  war,  s.'igte  mir  ein  dortiger  Schrift- 
steller, er  habe  den  ganzen  vierten  Band  eines  dort  erscheinenden  biographischen 
Lexieons  ;mit  dem  Artikel  über  Feyioö  angefüllt.  —  Sein  ,|Teatro  critico**  ist,  an 
Tersciiledenen  Orten,  fünfzehnmal  wieder  abgedruckt  worden. 


412  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

gesammelteu  Werke  herausgab ').  Dagegen  sagt  freilich  Sempere:  nDk 
ganze  Nation  verehrt  den  Namen  des  vorzüglichsten  Wiederhersieller» 
ihrer  Literatur.  »Der  Ruf  des  so  gelehrten  Feyiaöj^  sagt  der  Graf 
CampomaneSy  „wird  unter  uns  fortdauern ,  so  lange  die  Nation  eioe 
cultivirte  sein  wird/*  —  Noch  viele  andere  seiner  Werke  sind  bei 
Sempet'e  verzeichnet').  Feyioö  vertheidigte  n.  a.  die  richtige  Ansicht, 
dass  Spanien  nie  bevölkerter  gewesen,  als  zu  seiner  Zeit,  ond  das« 
namentlich  seit  Philipp  IL  die  Zahl  der  Einwohner  nicht  bedeutend 
abgenommen  habe.  Der  Convertit  Clarus  dürfte  nicht  Unrecht  haben, 
wenn  er  sagt,  dass  Feyioö  gar  viel  lauwarmes  Verstandeswasser 
destillirt  habe').  Diess  wäre  verdienstlicher  gewesen,  wenn  er  ein 
„kritisches  Theater'*  der  Geschichte  der  Erzbischöfe  von  Santiago 
hinterlassen  hätte. 
Mart.  Martin  SarmieniOy  sein  Ordesgenosse ,  gab  schon  im  Jahre  1732 

miento  ^^^^^  ^^  Superlativ  lobpreisenden  Apologetisus  des  kritischen  Theaters 
Feyioifs  in  dessen  vier  ersten  Bänden  heraus.  Er  war  damals  Lector 
der  Thologie  bei  S.  Martin  in  Madrid.  Nach  dem  Tode  des  P.  jSar- 
miento  gab  das  Kloster  San  Martin  seine  „Obras  posthumas^'  heraus,  u.a. 
eine  „Geschichte  der  spanischen  Poesie  und  der  spanischen  Dichter^''). 
—  In  dem  Sammelwerke  des  „Semanario  erudito'^  ist  von  ihm  gedruckt: 
„Ein  Commentar  von  interessanten  und  auserwählten  Büchern." 

Der  Benedictiner  Bomuald  Esccdona,  Chronist  der  Congregatioo 
des  heiligen  Benedictns  von  Spanien,  gab  die  „Historia  del  Real  Mona- 
sterio  de  Sahagun^'  —  Madrid,  1782,  in  foL,  heraus,  nach  den  hinter- 
lassenen  Manuscripten  des  Fr.  Jos,  Perez,  durchaus  gestüzt  auf  Original- 
Escaio-  Documente  aus  dem  Archiv  von  Sahagnn,  durch  welche  viele  Irrthümer 
°^'    in  der  Chronologie  berichtigt,  und  viele  wichtige  Thatsachen  der  welt- 
lichen und  Kirchengeschichte  von  Spanien   bestätigt  werden.    326  hier 
mitgetheilte  Urkunden  aus  dem  dortigen  Archiv  gehen  vom  Jahre  904 
bis  zum  Jahre  1475^). 
Manuel  Der  schr  gelehrte  Benedictiner  Manud  Abtxd  y  Ltmerra  wurde 

^'j*^  y  am  24.  December  1729  im  Bisthum  Lerida  geboren,  studirte  in  Huesca, 
ra.     trat  in  das   berühmte  Kloster  San  Juan  de  la  Penna  ein,  wurde  Abt 
von  S.  Maria  de  Meya,  am  18.  Juli  1783   erster  Bischof  des  neuer- 
richteten Bisthums  von  Ivipa;  von  hier  wurde  er  am  28.  Jnli  1787  als 


■)  Madrid,  1780,  33  vol.  8«. 

*)  Ensayo,  t  lil,  p.  19—46. 

*)  Ticknor-Juttua,  II,  p.  350. 

*)  Ensayo,  V,  p.  110-114.  —  Madrid,  1776. 

*)  HiBtoria  del  Beal  Monasterio  de  Sahagnn,  sacada  de  la  que  dezo  escrita  el 
P.  M,  Fr.  Joseph  Perez,  Gatedratioo  —  de  SalamaDca,  anment  con  mucbas  ne- 
morias  muy  eonducentes  k  la  historia  general  de  Espafia.  Madrid,  1782,  foL  — 
Sempere,  Ensayo.  III,  p.  1—2. 


Abad  7  Lastern,  0.  S.  B.    Franc.  Perez  Bayer.  413 

Bischof  nach  Astorga  versezt.  Nach  drei  Jahren,  im  Jahre  1790,  ent- 
sagte er  dieser  Würde,  wurde  zum  Director  der  königlichen  Stadien 
von  Madrid  ernannt,  zum  Erzbischof  von  Selimbria  i.  p.  inf.,  und  zum 
Gross -Inquisitor  —  1792,  auf  welche  Stelle  er  im  Jahre  1794  auf 
Befehl  Carl's  IV.,  d.  i.  Manuel  Godoy's,  verzichten  musste.  Er  zo^ 
sich  in  seine  Heimath  zurück,  und  starb  zu  Zaragoza  am  12.  Januar 
1806.  Er  vermachte  der  königlichen  Academie  der  Geschichte  seine 
werthvoUen  Handschriften,  sie  aber  bezeichnete  ihn  in  ihrem  Nachrufe 
als  einen  „sehr  gelehrten  und  achtenswerthen  Prälaten,  als  ungemein 
bewandert  in  unserer  alten  Diplomatik  und  Paläographie,  xmd  sehr 
verdient  um  unsere  Academie^^  *)•  Seine  Werke  sind  aber  leider  bis 
heute  „Manuscripte*^  geblieben.  Er  schrieb  über  die  Kapellen  der 
Konige  von  Spanien,  u.  %  über  die  Kapelle  von  Alquezar  bei  Huesca, 
über  das  alte  Kloster  Fotfrida  in  Aragon'),  über  das  Kloster  Meya 
in  Catalonien,  dessen  Prior  er  gewesen'),  über  den  alten  Bischofssiz 
von  Hictosa  (heute  Tolva),  mit  dem  Cataloge  seiner  Bischöfe^);  er 
verfasste  eine  Geschichte  und  Beschreibung  des  „alten  und  neuen 
Pantheon^^  (der  Kirche)  seines  Klosters  S.  Juan  de  la  Pena^).  —  Er 
schrieb  über  die  Inseln  Ivi9a  und  Formentera,  sowie  die  anliegenden 
kleinem  Eilande,  deren  Bischof  er  gewesen  war.  Das  Manuscrif)t 
trägt  das  Datum:  Ibiza,  am  6.  September  1786.  —  Wir  bedauern, 
dass  alle  diese  gelehrten  und  gründlichen  Forschungen  nicht  gedruckt 
worden  sind. 


§.  5. 

Die  nun  folgenden  Schriftsteller  wollen  wir  nach  der  alphabetischen 
Reihenfolge  ihrer  Namen  anfuhren.  Franc*  Perez  Bayer,  wurde  im  Jahre  P«res 
1711  zu  Valencia  geboren,  war  Professor  der  orientalischen  Sprachen  ®'^*'" 
zu  Salamanca;  er  wurde  nacheinander  Archidiacon  von  Valencia,  Er- 
zieher des  Infanten  Gabriel,  und  C)on8ervator  der  königlichen  Biblio- 
thek zu  Madrid.  Er  erhielt  mit  zwei  Genossen  im  Jahre  1750  von 
Konig  Ferdinand  VU.  den  Auftrag,  zu  einer  „literarischen  Keise^,  um 
die  hebräischen  Inschriften  und  Documente  zu  copiren  und'  in  eine 
genaue  Ordnung  zu  bringen.    Daran  arbeitete   er  zu  Toledo  bis  zum 


■)  Memorias  de  la  r.  A.  de  la  historia,  t.  Y.    Baranda,  1.  c.  t  22,  p.  C4. 

*)  Laiassa,  Biblioteca  nneva  Aragon^s,  t  VI,  p.  308. 

*)  M.  S,  in  t  XVIII  seiner  ManascripCe  in  der  Academie  de  la  Historia. 

*)  In  dem  sehr  genauen  Verzeicbnisse  der  alten  spanischen  Bisthflmer  bei 
Baranda,  (I.  c.  t  22,  ^Catalogo  de  las  sillas  antigaas  y  modemas  de  1.  IgL  Es- 
pafiola,  p»  59—121  —  kommt  Ictosa  nicht  vor,  aber  bei  Munoz,  Diccionario.  8.  V« 
Tolva.    Lataasa,  Bibl.  naeva,  t  VI.  p.  807, 

*)  Munoz,  Pefia,  nr.  8,  ' 


414  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Jahre  1752.    Er   erhielt  sodann  eine  Dommherrnstelle   zn  Barcelona, 
und  den  neuen  Anftrag  zu  einer  Reise  nach  Italien,   um  Mannscripte, 
Münzen  und   andere   alte  Denkmale  (mit  Beziehung  anf  Spanies)   zn 
durchforschen.     Er  besuchte  die  ersten  Bibliotheken  Italiens ,   und  trat 
mit  vielen  Gelehrten,  u.  a.  dem  Cardinal  Querini,  in  Yerbindang,  und 
sammelte  die  seltensten  Münzen.    In  Born  legte  er  eine  vollständige 
Sammlung   der  Inschriften,   Grabschriften  und  Erinnerungen  an  dk 
vielen  von  alter  Zeit  her  dort  anwesenden  Spanier  an,  wo  er  auch  im 
Jahre  1756  die  erwähnte  Schrift  über  die  Spanier,  die  heiligen  Liaurentius 
und  Damasus,  herausgab^).     Mamaehi  nennt  ihn   einen   Gelehrten  in 
der  lateinischen,  griechischen  und  hebräischen  Literatur,  einen  hervor- 
ragenden Kenner  der  Geschichte  und  der  Alterthumer.    In  Rom  habe 
er  das  Arabische  so  schnell  erlernt,  dass  er  seinen  Lehrer  nicht  so  fast 
eingeholt,  als  überholt  habe.    Er  kann  die  Schrift  über  Damasus  nicht 
genug  bewundem,  in  der  er  seine  Gegner  völlig  entwaffnet  habe.    Ueber 
seine  Schrift:  „De  alphabeto  y  lingna  de  los  Fenices  y  de  sus  colonias.*' 
Madrid,  1772  —  fol.,  wurde  in  romischen  Blättern  geurtheilt^  dass  ibr 
Verfasser,  besonders  in  diesem  Gebiete  der  Literatur,  nicht  leicht  Einen 
seines   Gleichen   habe.      Diese  Dissertacion  wurde  der   Ausgabe  des 
Sallustius   für  den  Infanten  Gabriel,   einem   Meisterwerke   der  Buch- 
druckerkunst,   die   damals  zu  Madrid   in  höchster  Blüthe   stand ,  bei- 
gegeben. Er  legte  eine  kostbare  Sammlung  von  hebräisch-samaritanischec 
Münzen  an;  darauf  gestüzt,  gab  er  die  berühmte  Schrift  heraus:   „De 
Nummis  Hebraeo-Samaritanis,*'   Valencia,    1781.    Ein  Kenner  in  den 
literarischen  Efemeriden  von  Rom   —   vom  Juli  17£l    —    sagt:    keine 
Schrift  von  gleicher  Sach-  und  Formvollendung  in  diesem  Gebiete  ge- 
sehen zu  haben.     Da  aber   das  Werk  doch  einigen  Widerspruch  fand, 
so  gab  BayeVy  schon  79  Jahre  alt,  seine  „Nummorum  Hebraeo-Samarita- 
norum  Yindiciae'^,  1790,  fol.,   heraus.    Mit  und  neben  Caairi  arbeitete 
er  in  3  t.  fol.  einen  Catalog  der  castilianischen,  lateinischen  und  griechi- 
schen Werke   im   Escurial  aus,   mit  vielen   interessanten   Noten   und 
Schriftproben.     Er  nahm   auch  an   der  Widerlegung  der  erdichteten 
Alterthumer   von   Granada  den   lebhaftesten   Antheil*).     Perez   Beyer 
hatte   die   Materialien  zu   einem   grossen  Werke:   „Antiguedades  Es- 
panoles"  gesammelt,  und  Materialien  .zu  vielen  andern  Werken.  —  Er 
war  ein  Gelehrter  von   europäischem  Rufe,   und  hat  gezeigt,   was   die 
gelehrten  Spanier  bieten  könnten,   wenn   die   äussern  Verhältnisse  für 
sie  nicht  gar  so  ungünstig  lägen.     Aber  in  Beziehung  auf  die  Literatur, 
auf  die  Möglichkeit,  die  Literatur  der  andern  Völker  benüzen  zu  können, 


0  Kirchengeschiclite  II,  1,  S.  330—33?. 

')  Die  Schrift,  EiroheDgeschichts  I,  S.  182,  Aam.  i,  Ut  zum  grosses  TbeJ 
sein  Werk. 


Philipp  Beitran;  Bocanegra.  415 

ihre  eigenen  Manuscripte  in  anstandiger  Form  nnd  ohne  allzu  grosse 
pecaniäre  Opfer  heranszageben,  scheint  Spanien  bente  mehr,  als  zu 
Bayen^a  Zeit,  das  „Ultima  Thule'^  za  sein.  (Seine  Verdienste  nm  die 
Herausgabe  der  Bibliothek  des  Nie,  Antonio  sind  früher  erwähnt.) 
Schade  war,  dass  er  ihn  nicht  für  die  Zeit  von  1680 — 1790  fortgesezt 
hat^).     Bay&r  starb  zu  Madrid  am  26.  Januar  1794,  83  Jahre  alt. 


«.V, 


*  *? 


§.    6. 

Philipp  BeUran,  (von  1763  —  f  23.  November  1783)  Bischof  von  pwiipp 
Salamanca,  und  Grossinquisitor  (1775 — 1783)  war  einer  der  gelehr- 
testen Bischöfe  seiner  Zeit.  Er  gab  heraus:  „Coleccion  de  Cartas 
Pastorales  y  Edictos^^  (Madrid,  1783,  2  t.).  In  ihnen  zeigt  jsich  eine 
,^maje8tatische  Beredtsamkeit  ^  grosse  Kraft  und  Beinheit  des  Styles. 
Besonders  die  Briefe  über  die  Ausübung  des  Predigtamtes,  über  die 
Unterstüzung  der  wirklichen  Armen,  über  den  Charakter  der  wahren 
Reue  —  sind  Muster  der  heiligen  Beredtsamkeit.^^  Im  Jahre  1778 
gründete  er  das  Seminar  von  San  Carlos^  und  gab  im  Jahre  1783 
musterhafte  Constitutionen  für  dasselbe  heraus^). 

Franc.  Bocanegra,  Bischof  von  Guadix  (1757 — 1773)  und  Erz- 
bischof von  Santiago  (f  April  1782)  gab  zu  Madrid  1775  —  zwei 
ßände  „Sermones^^  heraus,  welche  im  Jahre  1783  in  zweiter  Auflage 
erschienen,  worin  er  einen  Fortschritt  der  geistlichen  Beredtsamkeit  in 
Spanien  vom  Jahre  1755 — 1775  mit  Freuden  constatirt^). 

AnAreas  Marc.  Bur(r)ielj  (geb.  1719),  trat  in  die  Gesell- ^•'^ 
Schaft  Jesu  ein»  Wie  Perez  Bayer,  wurde  er  im  Jahre  1750  nach  BurrieL 
Toledo  gesandt,  um  die  dortige  Bibliothek  zu  reorganisiren ,  und  die 
Archive  zu  durchsuchen.  Er  arbeitete  dort  von  1750  bis  1755. 
Zahlreiche  andere  Gelehrte  erhielten  ähnliche  Aufträge  für  andere 
Städte  Spanien's;  sie  hatten  ihre  Manuscripte  an  Burrid  einzusenden, 
dieser  aber  sie  zu  ordnen,  nnd  an  das  Ministerium  zu  berichten.  Er 
sollte  eine  allgemeine  Sammlung  aller  alten,  die  Kirchengeschichte 
Spanien's  betreffenden  Documente  herstellen,  besonders  über  die  Con- 
cilten  und  die  Literatur.  Schon  im  Jahre  1752  war  er  weit  vorge- 
schritten. Er  hatte  2000  authentische  Documente  von  der  Eroberung 
von  Toledo  an  —  gesammelt«  Er  studirte  genau  die  altgothische  Liturgie. 
Er  handelt  auch  von  andern  Sammlungen  der  liturgischen  Bücher  in 
Spanien,  von  denen  er  genaue  Abschriften  nahm.    Er  spricht  mit  Recht 


0  Für  die  Zeit  von  1738—1788  tritt  Semp&re  ergänzend  ein.  I,  p.  189-202, 
*)  Sempere,  J,  p.  202—212. 
*)  iSwipere,  I,  p.  216—217. 


416  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

von  den  spanischen  Litnrgieen,  in  allen  ihren  Verzweigungen*).  Er 
meint,  man  müsse  alle  drncken:  „proat  stant^^  Die  im  elften  Jahr- 
hundert in  Spanien  eingefiihrte  romische  Liturgie  sei,  zwar  nicht  im 
Wesen,  aber  doch  in  bedeutenden  Formen,  von  der  ersten  romischeu 
sehr  verschieden  gewesen.  Er  beschwert  sich  Ober  die  unverschämte 
Verwegenheit  des  spanischen  Martyrologium's  von  Tamayo  y  SaLazar 
—  6  tom.  foL,  und  wünscht  ein  gereinigtes  Martyrologinm  zu  sehen. 
(was  meines  Wissens  bis  jezt  nicht  erschienen  ist,)  beklagt,  dass  in 
ganz  Toledo  nicht  ein  Exemplar  der  Bollandisten  oder  der  „ältesten 
Martyracten^^  des  Rninart  sich  befinde,  oder  eines  neuem  ähnlichen 
Werkes  *).  —  Er  spricht  auch  einige  Conjecluren'  über  das  dem  Isidor 
von  Sevilla  zugeschriebene  Werk:  „de  ortu  et  interitn  patrnm^'  (dessen 
Aechtheit  wir  angezweifelt  haben)  aus. 

Keine  der  von  P,  BurrUA  herausgegebenen  Schriften  erschien 
unter  seinem  Namen.  Als  seine  Schriften  sind  aber  u.  a.  anerkannt: 
„La  Paleografia  Espanola^^'),  „Abhandlung  über  die  Gleichförmigkei; 
der  Gewichte  und  Maasse'^,  Madrid,  1758.  „Noticia  de  la  California'^ 
3  t.  4*  —  Madrid,  1757;  Vorrede  zu  der  wahrhaften  Sammlang  der 
Canones  der  Kirche  von  Spanien,  nach  dem  heiligen  Isidor^  edirt  von 
Sema-Santander  —  Brüssel  —  an.  VIII  (der  Republik  im  Jahre  1800;. 
Burrid  starb  am  19.  Juni  1762,  erst  42  Jahre  alt.  —  Wir  staunen 
über  seine  riesenhafte  Arbeitskraft  und  umfassende  Gelehrsamkeit,  und 
bedauern  lebhaft,  dass  die  meisten  seiner  Schriften  ungedruckt  geblieben, 
dass  namentlich  seit  120  Jahren  das  Studium  der  „CoUectio  Canonun. 
Ilispana^'  so  zu  sagen  nicht  „vom  Flecke  gekommen^^  ist.  Erst  wenn 
alles  handschriftliche  Material  gedruckt  vorliegt,  wird  man  über  die 
Zeit  und  den  Ort  der  Abfassung  besser  urtheilen  können^). 
cahnd^a  Der  Merccdaricr  ÄugusL  Cabad68  Magi,  Professor  der  Theologie 

in  Valencia,  hat  daselbst  im  Jahre  1781  den  ersten  Band:  „Institution is 
Theologicae  in  unsum  tyronum   adorn.^   herausgegeben,  welche    sclu 
gerühmt  werden,  weil  sie  den  Intentionen  der  damaligen  Zeit  und  lic- 
gierung  entsprachen»). 
Bischof  Der  Licentiat  der   Theologie,   Ramon   Cabrera  schrieb   eine    ge- 

ouo."  l^l^rte  Schrift:  „über  die  verschiedene  Disciplin  der  Kirche  von  Spanien 
über  den  Ort  der  Begräbnisse^). 

Alfana  Cano,  Trinitarier,   aus  La  Mota,   bekleidete   verschiedeiu 
ehrenvolle  Aemter  in  seinem  Orden;  am  22.  Juni  1770  wurde  er  zuu 


')  Man  kann  hier  an  die  Liturgie  von  Sevilla,  und  von  Bracara  denken. 

*)  So  gross  war  nnd  ist  der  Mangel  an  nichtspanischer  Literatur  in  Spanien 

')  Erschien  1755  und  1758. 

*)  Sempere,  I,  p.  233—245.  -  Backer,  lilcrivains,  V,  p.  108-110. 

•)  Sempere,  II,  p.  1 — 4. 

*^  üempere,  11,  p.  18  —  21. 


Der  Bischof  AlfonB  Cano  von  Segonre.  417 

Bischof  von  Segorve  ernannt.  Seine  erste  Sorge  war  die  Errichtung 
eines  j^SeiniDario  Conciliar'^  (von  Trient),  und  er  arbeitete  eifrig  an 
der  Reform  des  Klerus.  Bei  dem  Baue  neuer  Kirchen  drang  er  auf 
einen  strengen  und  reinen  Styl.  Er  forderte  den  Ackerbau,  und  die 
Cultnr  der  Oelbäume,  für  jeden  neu  gepflanzten  Olivenbaum  bezahlte 
er  3 — 4  Realen;  er  gründete  an  vielen  Orten  Volksschulen.  Er  stiftete 
eine  öffentliche  Bischof  liehe  Bibliothek ,  um  die  Kenntnisse  in  seiner 
Stadt  und  Diocese  zu  verbreiten.  „Dieser  grosse  Prälat'^  starb  am 
17.  April  1780').  Er  schrieb  „Metodo  de  estudios  monasticos^'  (welche 
in  den  Provinzen  seines  Ordens  von  Castilien,  Leon  und  Navarra  ein- 
geführt wurde,  und  Einiges  über  Landwirthschaft^). 


§.  7. 

Im  Jahre  1772  ergieng  eine  Verordnung  ^der  königlichen  Kam- 
mer^, es  solle  ein  „Haus  der  Studien^  für  den  Unterricht  der  Franois- 
caner   in  der  arabischen   und   griechischen  Sprache  errichtet  werden, 
welche  sich  den  Missionen  im  heiligen  Lande  und  in  Asien  überhaupt 
widmeten.     Der  Pater  Franc.    Canes  vom    Orden   der   unbeschuhten  '''"®' 
Franciscaner  hatte  16  Jahre  in  den  Missionen  von  Asien  in  der  arabi-  der  Ara- 
schen Sprache  gepredigt  und  Beicht  gehört,   und   war   später  Lector    ^^^• 
der  arabischen  Sprache   gewesen.    Er  verfasste  nun  eine;   „Gramatica 
Arabigo  —  Espanola^,   mit  einem  Worterbuche,   und   dem  Texte  der 
„christlichen  Lehre^  im  Arabischen'). 

Anton  Capmani  hat  im  Jahre  1 779  ein  wichtiges,  mit  Documenten  ^°^* 
belegtes  Werk  „über  die  Marine,  den  Handel,  und  die  Künste  der  „«ni. 
alten  Stadt  Barcelona^  herausgegeben,  welches  für  das  Studium  der 
Geschichte  der  Missionen,  besonders  in  Afrika,  von  Bedeutung  ist, 
wozu  später  das  Werk  kam :  „Alte  Verträge  zwischen  den  Königen  von 
Aragon  und  verschiedenen  ungläubigen  Fürsten  in  Asien  und  Afrika, 
Madrid,  1786.  302  Documente  sind  dem  Werke  beigegeben;  das  Werk 
handelt  z.  B.  über  die  zu  Barcelona  seit  dem  sechsten  Jahrhundert 
gehaltenen  Concilien.  Derselbe  gab  im  Jahre  1777  eine  „Philosophie  der 
Ikredtsamkeit^  heraus;  dazu  „historisch-kritisches  Theater  der  castiliani- 
soben  Beredtsamkeit^  vom  dreizehnten  bis  zum  achtzehnten  Jahrhun- 
dert^)« Capmani  wurde  gel)oren  zu  Barcelona  24.  November  1742,  lebte 
35  Jahre  in  Madrid,   war  seit  1790  „beständiger  Secretär^   der  Aca- 


0  ViOanueva,  t.  8,  p.  108-111. 

•)  Änt,  FonSf  Viage  de  Espafia,  t  10,  Carta  7.  —  Sempere,  II.  p.  117—123. 

*)  Sempere,  II,  p.  130—131. 

*)  Madrid,  1786-1794^  6  tom.  in  i\ 

Qanitt,  tp«a  Kirche.  111.  9.  27 


418  Vienehntes  Bach.    Viertes  Kapitel. 

demie  der  Geschichte.  Zar  Zeit  des  Einfalls  der  Franzosen  floh  er 
nach  Sevilla  am  1.  Januar  1809,  stand  an  der  Spize  der  Vertheidiger 
des  Vaterlands,  worde  Depatirter  von  Catalonien  für  die  Cortes  in 
Cadix,  und  starb  am  14.  November  1813.  j^Seine  literarischen  Werke, 
und  seine  Anstrengungen  für  die  Unabhängigkeit  und  den  Buhm  der 
.  Kation  werden  sein  Andenken  unsterblich  machen*^  —  lautet  seine 
Grabschrift.  —  Viele  Werke  von  ihm  blieben  ungedruckt'}. 
Miobam  Der  Maronit  Micha^  Casiri,  Bibliothekar  u.  s.  w.,  ist  bekanoi 

^  '  geworden  durch  seine:  ^^Bibliotheca  Arabico-Hispana  EscnrialeDsis." 
Madrid»  1760,  2  fol.  Er  giebt  Notizen  von  1805  Codices.  Darontei 
ragte  ein  um  1049  in  cufischen  Buchstaben  ver£asstes  Buch  hervor: 
9,Collectio  sacrorum  Canonum^,  verschieden  von  dem  Codex  Aemilia- 
nensis  und  Vigilianus  derselben  Sammlung  im  Escurial,  das  leider  ver- 
loren gieng^). 
Hodr.  jQß^  Bodfiguez  Ca$tro,  OfHcial  an  der  königlichen  Bibliothek,  liess 

^'  die:  Biblioteca  Espanola,  T.  I,  Madrid,  1781,  fol.  —  Rabbiniscbi 
Schriftsteller  in  Spanien  —  erscheinen,  welche  bis  zum  fünfzehnten 
Jahrhundert  reicht.  Der  zweite  Band,  1786,  handelt  von  den  heid- 
nischen und  christlichen  Schriftstellern  in  Spanien  bis  zum  dreizehntem 
Jahrhundert,  so  dass  das  Werk  lange  nicht  vollendet  ist^). 

Franc.   Cerda   y  Rico    gab    eine    grosse   Anzahl    von    Werken 

sepui'  früherer  Schriftsteller,   u.  a.  des  GeneiAia  Sepulveda^  der  Chronik  AI- 

^®***-   fons  VIII.,  1783,   Alfons  des  Weisen   von  Caspar  Ibannez  da  Segovia. 

die  wir  zum  Theil  schon  erwähnt  haben,  heraus;  er  schrieb  femer  die 

Reden  berühmter  Spanier  auf  dem  Concil  von  Trient  u.  a.^). 

Der  Ex-Jesuit  Ant.  Eximeno  liess   zu  liom  im  Jahre  1774   sein 
Werk:    „Von   dem  Ursprünge   und  den  Gesezen   der  Musik,   der  Gt 
schichte   ihres    Fortschrittes,    ihres    Verfalls    uud    ihrer    Emeueraug* 
drucken.     In    Spanien    war    er   Professor  der   Artillerie    zu   Segovii 
gewesen*). 

§.  8. 

Der  Ex -Jesuit  Jos*  Franc,  de  Isla^  geboren  1703,  war  schon  nu' 
24  Jahren   ein   beliebter   Prediger.     Seine    zwischen    I72y  — 1754  g- 
schriebenen  Predigten   sind  von  grosser  Reinheit  und  Eindringlichkeu 
Gegen   die  falsche  Predigtweise   seiner   Zeit  schrieb   er:    „Geschielt 


')  Sempere,  II,  p.  132-144;  Amat  y  Torres,  p.  145—152. 

*)  Sempere,  II,  p.  156 — 168. 

^  üempere^  U,  p.  161— 16«. 

*)  Sempere,  II,  p.  173—185. 

*)  Sempere,  III,  p.  5  — 11.  —  Backer,  IV,  p.  203. 


Fray  Gernndio;  P.  Jos^  Isla.  419 

des  berühmten  Predigers,  Bmders  Gerundio  de  Campazas  oder  Zotos. 
Es  ist  ein   satyrischer  Roman.    Das   Bach  ist  ernst  and  schneidend 
geschrieben*     Er    schildert    seinen   fingirten    and  dennoch   wirklichen 
Fray  Gernndio  n.  a.  also:   Er  war  im  vollsten  Besize   seiner  Kraft, 
etwa  33  Jahre   alt,  schlank,   stark  und  kräftig,   von  wohl   sich   an- 
schliessenden nnd  wohl  gebildeten  Gliedmassen,   männlicher  Haltung, 
zum  Fettwerden  sich  neigend,  das  Haupt  aufrecht  tragend,  und   den 
Kreis  der  Haare  um  seine  Tonsur  soi^fältig  und  genau  geordnet  und 
gekämmt  haltend«    Seine  geistliche  Tracht  war  immer  sauber,  und  fiel 
in   weiten  und  regelmässigen   Falten  an   ihm   herab.     Seine   Schuhe 
passten  ihm  aufs  Vollkommenste,  sowie  hoch  oben  sein  seidenes  Barett, 
welches  mit  seltener  Stickerei  und  einer  reichen  Troddel  geschmückt  war, 
alles  die  Arbeit  gewisser  andächtiger  Frauen,  die  vor  Bewunderung  ihres 
Lieblingspredigers  starben.    Kurz,  er  sah  recht  jung  und  liebenswürdig 
aus,   und  fügte  hiezu  eine  helle  volle  Stimme,   ein  leichtes,   beliebtes 
Lispeln,  eine  besondere  Anmuth  bei  Erzählung  einer  Geschichte,  Ge- 
berdensprache, leichte  Bewegungen,  eine  einnehmende  Weise,   erhaben 
klingende  Worte,  nicht  geringe  Dreistigkeit,  und  dabei  vergass  er  niemals 
in   seine  Beden  Scherze,  Sprüchworter  und  gebräuchliche  Redensarten 
äusserst  geschickt  einzuflechten,  wodurch  er  denn  bei  seinen  öffentlichen 
Predigten  allgemein  beliebt  wurde,   und  in  den  von  ihm  besuchten 
Sälen  der  Vornehmen  Alles  mit  sich  fortriss  ')•    Isla  giebt  verschiedene  p.  isia. 
Beispiele  dieser  manierirten,   vielmehr  widerlichen  Predigtweise  seiner 
Zeit.      Ohne   Wissen  IMs    erschien    der  erste  Band    des  Romans, 
1758;  in  24  Stunden  waren  800  Exemplare  verkauft;.    Isla  musste  der 
Inquisition  Red'  und  Antwort  stehen,  sein  Buch  wurde  1760  verboten; 
nach  dem  „Indice^^  von  1790  wurden  auch  Schriften  für  und  gegen  das 
Buch  verboten.    Isla  wurde  mit  seinen  Mitbrüdern  nach  Italien  depor- 
tirt;    der  zweite  Band   des  y^Qerundio^  erschien  zuerst  englisch  1772; 
bald  erschien   das   ganze  Werk  spanisch   zu  Bayonne,   welchem  viele 
Auflagen  an- verschiedenen  Orten  folgten^).    Im  Jahre  1813  wurde  der 
Druck  in  Spanien   erlaubt,    1814  verboten.    Aber  „Bruder  Gerundio^ 
wurde  ein  Spizname  für  diejenigen,   welche  in  jener  niedrigen  Weise 
predigten,  und  ein  Priester,  von  dem   man  glaubte,   dass  er  ihn  ver- 
diene,  vermochte  nicht  länger   andere  Zuhörer   um  sich  zu  sammeln, 
als  solche,  ans  denen  der  Pöbel  öffentlicher  Pläze  besteht.^    In  seinem 
„Cicero",  der  in  16  Gesängen  über  12.000  Verse   enthält,   geisselt  er 
die  Liebensweise  der  damaligen  modischen  Damen  und  die  herrschende 


•)  Don  Franc.  Lohen  de  Salazar,  (pseudonym),  Hlstoria  del  famoso  Pre- 
dicador  Fray  Oerundio  de  Campazas  —  4  Bde.,  Madrid,  1813,  12*. 

\  Wieland,  Deutscher  Mercur,  1773,  111,  p.  liJG.  -  Rob.  Walt,  Bibliotheoa 
Britannien,  1824,  8.  v.  Isla, 

27* 


420  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

verkehrte  Erziehung.  Der  Dmck  des  Werkes  wurde  verboten  ^).  Von 
seinen  Predigten  warden  sechs  Bände,  ebenso  seine  „Cartas  familiäres'', 
Madrid,  1798,  in  6  vol.  gedruckt  Seine ,,  Aasge wählten  Werke^  erschienen 
in  der  grobsen  Sammlung  von  Rivadeneyra  —  1  tom.,  1850  unter  den 
spanischen  Classikern^.  Viel  Aufsehen  machte  seine  im  Jahre  17^i 
erschienene  Uebersezung  des  „Gil  Blas^  von  Le  Sage,  welches  Werk 
er  auf  dem  Titelblatte  bezeichnet:  als  „aus  dem  Spanischen  gestohlei , 
und  jezt  seinem  Vaterlande  und  seiner  Sprache  durch  einen  Spaniti 
zurückgegeben,  der  es  nicht  dulde,  dass  man  mit  seinem  Volke  Scher/ 
treibe^ ').  A.  Llorenie  hat  im  Jahre  1822  zwei  Denkschriften  desselben 
Inhalts  herausgegeben,  wobei  er  sich  aber  vorwiegend  auf  innere 
Gründe  stüzt. 

Ma'i  Aufgabe  bestand  in  der  Satyre,  und  er  hat  seinem  Vater- 
lande den  grossen  Dienst  erwiesen,  aus  dessen  ehrwürdigen  Kirchen  d\v 
niedrige  Predigtweise  zu  vertreiben,  welche  sie  schon  lange  verunziert 
hatte.  Der  Bruder  Oerurulio  erfiillte  diese  seine  Au%abe  fast  ebenso 
vollständig,  als  der  Don  Quixote  die  seinige,  die  unsinnige  Leidenschan 
für  Ritterromane,  welche  im  siebzehnten  Jahrhundert  herrschte,  völlig 
auszurotten**  (lala  f  2.  November  1781)*). 

Der  Ex- Jesuit  Xaver  LampiUas  Hess  in  den\Jahren  1778 — 17S1 
zu  Genua  in  6  Bänden  „einen  historisch -apologetischen  ,}Saggio"  dei 
spanischen  Literatur  gegen  die  voreingenommenen  Meinungen  einigt! 
neuem  Italienischen  Schriftsteller^  erscheinen').  Aus  diesen  und  andere 
Arbeiten  sieht  man  u.  a.,  mit  welcher  unauslöschlichen  Liebe  diese  a^:^ 
ihrer  Heimath  schmählich  ausgestossenen  Jesuiten  an  ihrem  Vaterland-, 
auch  in  der  Fremde  hielten  und  hiengen,  während  andere  Elüchtig- 
nach  dem  Grundsaze  lebten:  „W^ess'  Brod  ich  ess',  dess'  Lied  ich  sing.^ 

Eugen  Llaguno  y  Amirola  gab  1779  die  Chroniken  der  Königt 
von  Castilien,  D.  Pedro,  D.  Enrique  II.,  D.  Juan  I,  D.  Enrique  III., 
von  dem  Grosskanzler  von  Castilien  D.  Pedro  Lopez  de  Ayala,  unc 
mit  den  Verbesserungen  des  Secretärs  Hieron.  Znrita  heraus  —  2  t.  4', 
ferner:  die  Chronik  des  D.  Pedro  Nino,  Grafen  von  Buelna^  vo:: 
Gutierre  Diez  de  Gomes  —  Madrid,  1782,  sowie  ein  „Sumario^  dt 
Könige  von  Spanien.  Er  hat  den  Druck  all'  dieser  Werke  mit  Soic 
falt  geleitet  und  überwacht'). 


')  Das  Manoscript  ist  seit  1844  im  Besiz  des  »Athenaeum''  zn  Boston. 
*)  Obras  escogidas  dal  padre  Josi  Francisco  de  IsUi,  tom.  15,  1850. 
')  6  Bde.,  Madr.  1787,  und  seitdem  oft  godrackt. 

*)  Sempere,  lU,  p.   123—131;   Ticknor- Julius,  1860,  II,  p.  300 —  St 
Bäcker^  Ecrivains,  iV,  p.  309—317. 
*)  Sempere,  111,  p.  161—166. 
«)  Sempere,  III,  188—197. 


Schriftsteller  dieser  Zeit  ^^^ 


§.  9. 

Gfregor  Mayans  y  SiseoTj  geboren  zu  Valencia  9.  Hai  1699,  war  oregor 
ein  vielseitiger  Schriftsteller,  und  in  vielen  Gebieten  des  Wissens  be-  *'*y»'*^ 
wanderter  Gelehrter.  Er  schrieb  u.  a.  das  Leben  des  heiligen  Abts 
^GU«  _  1724;  Leben  des  heiligen  Ildefons,  1726  nnd  1727;  Ideal 
des  christlichen  Redners,  in  drei  Dialogen,  1733;  edirte  das  Buch  des 
Nie.  Antonio  gegen  die  „Historias  fabulosas*',  mit  dem  Leben  des- 
selben —  1742;  er  gab  die  „chronologischen  Werke  des  CcLspar  Ibcniez 
de  Segoviaj  auf  Kosten  der  Akademie  von  Valencia,  heraus,  Valencia, 
1744,  föl.  Im  Jahre  1746  gab  er  in  foh  desselben  Verfassers:  „An- 
merkungen zu  der  Geschichte  des  P.  Juan  de  Mariana^  heraus.  Schon 
im  Jahre  1756  erschien  das  Leben  des  „Gregor.  Mayansius^  angeblich 
von  dem  Rector  zu  Osnabrück,  Johann  Christoph  Strodtmann,  Wolfen- 
büttel, 1756  —  8®,  man  glaubte  aber  allgemein,  dass  Mayans  sein 
eigenes  Leben  geschrieben  und  herausgegeben  habe.  Denn  wie  er 
ein  Universal- Genie  sein  wollte,  so  wollte  er  auch  in  aller  Herren 
Länder  bekannt  sein.  Es  ist  erstaunlich,  wie  viele  von  ihm  ge- 
schriebene Briefe  er  drucken  liess.  Im  Jahre  1782  gab  er  das  Leben 
und  die  Werke  des  Joh.  Ludov.  Fiv^.  heraus.  Er  starb  zu  Valencia, 
21.  December  178P).  Sein  Bruder  Juan  Änt  Mayans  gab  im  Jahre  Anton 
1771:  „Ilici,  hoy  villa  de  Elche*,  mit  dem  Cataloge  der  dortigen  ^-y*«-. 
Bischöfe,  heraus. 


§.  10. 


Die  Tertiarier  von  Granada,  Raphael  und  Peir.  Bodriguez  Mohe*  moJ»«^* 
danOf  Brüder,  gaben  eine  sehr  weit  ausholende:  „Historia  literaria  de 
Espana,  von  der  Urzeit  bis  auf  unsere  Tage,^  heraus,  9  t.  4^,  Madrid, 
1766  — 1779.  Erst  der  vierte  Band  handelt  von  den  römisch-spanischen 
Schriftstellern  unter  Kaiser  Augustus;  der  ganze  sechste  Band  handelt 
von  dem  Spanier  Seneca;  der  achte  Band  von  Columella;  der  neunte 
Band  von  Junius  Galion,  Vater  und  Sohn,  und  von  Pomponius  Mela. 
Wie  natürlich,  blieb  das  Werk  im  Sande  stecken^). 

Der  Ex-Jesuit  Joh.  Franc.  Masdeu,  geboren  zu  Palermo,  14.  Oc-  Masden. 
tober  1744  (f  zu  Valencia  11.  April  1817)  lebte  nach  der  Vertreibung 
der  Jesuiten  zu  Foligno.     Vom  Jahre  1782  an  erschien  seine:  Historia 


')  Fuster,  Biblioteca  Valenciana,  1827  —  1830,  t  11,  p.  98.  ^  Sempere,  IV, 
14—50.  —  Ticknor- Julius,  II,  p.  269  und  passim. 
")  Senders,  IV,  p.  66—72. 


422  Yierzehntes  Buch.    Viertea  Kapitel. 

critica  de  Espana,  zuerst  italienisch,  dann  spanisch,  Madrid,  1783  bis 
IbOö,  20  vol.  4®;  Bd.  4 — 8  handelt  von  dem  romischen  Spanien, 
Bd.  9 — 1 1  von  dem  gothischen  Spanien,  Bd.  12 — 15  von  dem  arabischen 
Spanien,  Bd.  16 — 19  enthalten  Supplemente.  Mit  Band  30  sollte 
„Espana  restauradora^  beginnen.  Dieser  Band  enthielt  „Vorl&nfige 
Illustrationen  gegen  die  Patres  Florez  und  Bisco.  ^  Weiteres  erschien 
nicht.  Es  ist  klar,  dass  bei  dieser  Weitläufigkeit  mehr  als  50  Bände 
nicht  ausgereicht  hätten,  das  Werk  zum  Jahre  1800  zu  fahren«  Die 
Hyperkritik  dieser  „kritischen  Geschichte"  und  JUasdeu'$  hiziges 
Temperament  Hessen  ihn  troz  seines  erstaunlichen  Fleisses  nicht  der 
erwarteten  Wirkungen  seiner  Arbeit  sich  er£reuen').  Auch  traten  die 
innem  Wirren  des  Landes  dem  weitem  Erscheinen  des  Weiiies  in 
den  Weg.  Sein  spanischer  Patriotismus  liess  ihn  u.  a.  das  Bach- 
lein herausgeben :  „Spanischer  Ursprung  des  Papstes  Pias  YII., 
Madrid,   1805.« 

Ant.  Ponz  gab  in  dreizehn  Bänden  seinen  „Viage  de  Espana^,  1772 
folg.,  heraus,  „Reise  durch  Spanien,  in  welcher  über  die  wichtigsten 
und  wissei^ würdigsten  Dinge  in  diesem  Lande  berichtet  wird;''  die 
ersten  zehn  Bände  wurden  wieder  gedruckt,  von  dem  ersten  giebt  es 
drei  Abdrücke.  In  zwei  Bänden  gab  er  auch  eine  „Reise  aosserhalb 
Spanien's*'  heraus^). 


§.  11. 

Ant  de  Sotomayor  y  VaUadares  gab  das  „Semanario  erudito^ 
heraus,  welches  zu  Madrid  1784 — 1791  —  in  34  vol.  erschien^  und 
eine  interessante  Sammlung  verschiedener  unedirter  Werke  ist.  — 

Matth.  VUlanuno  hat  in  vier  Bänden  eine  „Summa^  Concitiorum 
Hispaniae,  Madr.,  1781  — 1785,  erscheinen  lassen.  —  Der  Aufschwung, 
den  die  Literatur  unter  Carl  III.  genommen,  wirkte  auch  unter  Carl  IV. 
noch.  Aber  es  trat  von  nun  an  die  Unterstüzung  von  oben  herab 
zurück.  Man  wendete  die  Gunst  andern  Dingen  zu,  und  brauchte  auch 
das  Geld  zu  andern  Dingen.  Doch  ist  es  merkwürdig,  wie  noch  in 
den  Jahren  1807  und  1808  wichtige  Werke  erschienen.    Aber  mit  dem 


*)  MaadeUf  Bespaesta  a  sn  eradito  oensor  Joaqnm  Tnggia,  Madrid,  1793. 
—  Ccuana  y  Torrea,  Bespuesta  k  algonos  pontos  de  la  H.  crit  de  M€i»deu, 
Madrid,  1808.  —  Ämat.  y  Torres,  EscritoreB  Catalwaes,  1836,  p.  397—406.  —  Backer, 
Ecrivains  de  la  Compagnie  de  J^ns,  4  Ser.,  1858,  p.  397— 40a  —  Aach  BtMcker 
sagt,  dass  Masdeu  zur  Vollendung  seines  Werkes  wenigstens  TO  BSnde  gebraaeht 
hätte  und  sagt  gleichfalls :  „Man  kann  ihm  auch  vorwerfen ,  dass  er  die  spaiiiache 
Nation  zu  sehr  erhebe" 

»)  Sempere,  IV,  p.  251— 259. 


Geldnoth  in  Spanien.    Die  religiösen  Orden.  423 

Einfalle  der  Franzosen  traf  das  Wort  zu:  »inter  anna  silent  musae.** 
Es  ist  schwer  zn  sagen,  was  das  grossere  Unglück  war,  die  schranken- 
lose Fortdauer  der  Herrschaft  des  Manuel  Godoy,  oder  dieser  in- 
nere Krieg. 

Carl  IV.  jagte,  wahrend  Godoy  alle  Faden  der  Gewalt,  auch  der 
geistlichen,  in  seinen  Händen  zn  concentriren  suchte.  Er  bediente  sich 
der  Inquisition  als  eines  Instrumentes  der  Gewalt.  Er  behauptete,  die 
Klöster  reformiren  zu  wollen,  d.  i.  er  nahm  das  Recht  in  Anspruch, 
beliebig  viele  derselben  aufzuheben,  und  deren  Einkünfte  för  andere 
humane  Zwecke  zu  verwenden.  Man  liess  sich  von  Rom  möglichst 
viele  Indulgenzen  für  den  Konig  ertheilen,  und  wirkte  die  Erlanbniss 
aus,  über  eine  grosse  Anzahl  von  geistlichen  Gütern  und  Einkünften 
zu  Gunsten  der  EJrone  zu  verfugen*). 


§.  12. 

Ein  päpstliches  Breve  vom  15.  Mai  1804   sagt,   der  König  habe 
in  Rom   dringende  Vorstellungen  gemacht  über  Missbrauche   bei  den 
Wahlen  von  Obern,  dass  darum  ein  Generalvisitator  aller  Klöster  ein- 
zusezen  sei.    Als  diesen  Visitator  ernannte  Godoy  seinen  Schwager^  Gela- 
den Cardinal  Luis  Bourbon.     Der  Cardinal  und  der  König  verlangten  ^^^^, 
von  dem  Papste^  die  spanischen  Erlöster  aus  ihrem  Verbände  mit  ihrem    gat. 
Ordensgeneral  in  Rom  zu  entlassen,   und  sie  Generalvicaren  zu  unter- 
werfen, die  in  Spanien  residirten.    Das  Wohl  der  Orden  und  deren 
Visitation  durch  den  Cardinal  erfordere  diess.    Wenn  die  Orden  von 
Rom  gelöst  waren,   dann  konnte  Godoy  nach  Herzenslust  Klöster  auf- 
heben, trennen,  verbinden,   suspeniUren   und  reformiren.    Der  Papst 
schlug  den  Ausweg  vor  und  ein,  dass,  weil  kein  Land  so  viele  Ordens- 
personen  hätte,  bei  jeder  zweiten  Wahl  eines  Ordensgenerals  ein  Spanier 
gewählt  werden  sollte.    In  diesem  Falle  sollte  die  Wahl  in  Spanien, 
sonst  aber  in  Rom  oder  anderswo  stattfinden  zu  der  Zeit,   in   der  der 
Ordensgeneral  kein  Spanier  wäre,  sollten  doch  die  Spanier  ihren  eigenen 
Ordensgeneralvicar  haben;  wenn  aber  der  General   ein  Spanier  wäre,  Rafor- 
so  sollten  die  übrigen  limder  ihren  eigenen  Ordensgeneralvicar  in  Rom  ^^^^^^^ 
haben.    Alle  in  Spanien  bestehenden  Orden   wurden   ermächtigt,  vouKisater. 
non  an  frei  über  ihre  Güter  zu  verfügen;   sie  dürften  nicht  mehr  zum 
Unterhalte  ihrer  Orden   in  andern   limdern   beitragen*).     So  erhielt 
Godoy  ein  fast  unumschränktes  Recht  über  Sein  und  Nichtsein  der 


')  Breven  vom  2.  April,  18.  Juni  1802,  10.  Mai  1803,  22.  Januar,  26.  HSrz 
1806  --  in  BuUar.  Roman.  Continuatio,  t  XI,  p.  319-320,  346-347  et  t.  XII, 
p.  13-14,  257-258,  276-277. 

")  Cont  BuOar.  Rom.  XII,  p.  164-168. 


424  Vierzehntes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

Kloster  in  Spanien.    Aehnlich  war  in  Frankreich  die  Reformation  der 
Klöster  vor  der  Revolution,  durch  den  Cardinal  Briene,  nichts  anderes^ 
als  deren  Aufhebung  gewesen.    Dass  das  Recht,  die  Kloster  zu  re- 
formiren,   nur  die  Ankiindigung  ihres  bevorstehenden  Untergangs  ge- 
wesen, erzählt  ausführlich,  der  Cardinal  Pacca  in  seinen  „Denkwürdig- 
keiten über  Portugal^  ')•    Aber  die  Geldnoth  wurde  in  Spanien  immer 
grosser,   weil   die   Verschwendung  immer  grosser  wurde.     Carl  IV. 
musste  dem  Papste  vorstellen:   „alle   öffentlichen   und  besonderen  An- 
gelegenheiten  seien   gleichsam  unter    der  VS/^ucht   eines   Druckes  von 
Unfällen  in  seinen  Staaten  dahin  gelangt,  dass  kaum  je  vorher  schlimmere 
Zeiten  hereingebrochen;  Pest,  Theurung,  Erdbeben,  dazu  lange  Kriege, 
haben  dem  Reiche  solche  Wunden  geschlagen,  dass,   wenn   man  nicht 
schnelle  und  die  kräftigsten  Gegenmittel  anwende,  für  das  Ganze  der 
Untergang  drohe.    Der  königliche  Schaz  sei  ganz  leer,  und  man  habe 
zu  Papier  seine  Zuflucht  nehmen   müssen,    das,   in  grossen  Massen  in 
Umlauf  gesezt,  mehr  und  mehr  allen  Werth  verloren   habe.     Um  den 
öffentlichen  Credit  nicht  ganz   zu   untergraben,   müsse   man  mit  der 
Hinausgabe  von  Papiergeld  innehalten^  und  das  hinausgegebene  all- 
mälig  zurückziehen.    Der  König  wisse   aus   dieser  Noth  keinen  Aus- 
weg,  als  die  Kirchengüter.    Der  Papst  möge  ihm  erlauben,  dieselben 
zu   verkaufen,   um  aus   dem  Erlöse  Papiergeld  zurückziehen,   und  für 
andere  dringende  Dinge  Vorsorge  treffen  zu  können.    Aus  apostolischer 
Kirchen-  Fülle  der  Gewalt  ertheilt  der  Papst  dem  Könige   die  Vollmacht,  8o 

Rut  ein- ^j^jg  Kirchenffüter  zu  verkaufen,   dass  deren  Erlös  eine  jährliche  Ein- 
gezogen. O  /  tt 

nähme  von  200.000.  Ducaten  in  Gold  erreichte.  Sollen  Bischöfe,  Obere 
von  Klöstern  und  Andere  sich  widersezen  oder  sie  redamiren,  so  möge 
der  König  nach  Belieben  sie  mit  Geld-  oder  andern  Strafen  belegen; 
der  weltliche  Arm  könne  gegen  Alle  in  Anwendung  gebracht  werden, 
welche  sich  diesem  Verkaufe  oder  den  neuen  Besizem  der  ehemaligen 
Kirchengüter  widersezen  würden  "*). 

Allein  wer  hatte  denn  Spanien  in  diese  Tiefe  des  Elends  ge- 
stürzt, wer  den  Staat  an  den  Band  des  Bankerotts  gebracht,  als  die 
Königin,  Godoy  und  der  Jäger  Carl  IV.?  Wie  konnte  ein  noch  so 
colossaler  Verkauf  von  Kirchengütem^  jenen  unersättlichen  Schlund 
ausfüllen,  der  an  dem  Marke  Spanien's  zehrte?  Kaum  hatte  man  diese 
günstige  Antwort  von  Rom  erhalten,  als  die  Regierung  aufs  Nene 
den  Papst  bestürmte,  ihr  Kirchengüter  zur  Verfügung  zu  stellen;  dei 
Verkauf  der  früher  ihr  überlassenen  G^ter  habe  sich  verzögert,  oder 
sei  unthunlich  gewesen,  auch  reiche  derselbe  keineswegs  hin,  „um   die 


*)  Deatsche  Ausgabe,  S.  30—37. 
')  Breve  vom  14.  Juni  1805  in  Buüarii  Romani  Continuat^  t.  XQ,  p.  319 
bis  324. 


Allgemeiner  Verfall  425 

Wunden  zu  heilen,  welche  die  Unglücksfalle  der  lezten  Zeit  dem 
Reiche  geschlagen«  Alles  liege  so  darnieder,  dass  es  einer  gewaltigen 
und  einer  schnellen  Hilfe  bedürfe,  das  Papiergeld  sei  ganz  entwerthet,  ^^^' 
die  Schifffahrt  mit  Jndien  unterbrochen,  Alles  im  grossten  Elende." 
Durch  Breve  vom  13.  December  1806  bewilligte  der  Papst  dem  Konige 
die  liegenden  Güter  der  Eaplaneien  in  seinem  Reiche,  soweit  sie  ans 
kirchlichen  Mitteln  gestiftet  worden,  oder  unter  kirchlicher  Auetoritat 
stehen,  für  die  Krone  einzuziehen,  so,  dass  der  Staatsschaz  von  dem 
Erlose  dieser  Güter  in  Zukunft  drei  Procent  an  die  bisherigen  Nuz- 
niesser  jährlich  zu  bezahlen  habe.  Den  Ertrag  aus  den  eingezogenen 
Gütern  der  Eaplaneien  sollte  der  König  zu  frommen  Zwecken  und 
zur  Abhilfe  der  Nothstände  des  Reiches  verwenden  *).  Hätte  die 
Wirthschaft  Godoy's  noch  länger  gedauert^  so  hätte  sie  schon  damals 
alle  Eärchengüter  verschlungen.  Der  B^nd  mit  Napoleon  gegen  Eng- 
land brachte  immense  Nacbtheile,  und  keinen  einzigen  Vortheil.  Er 
machte  das  Land  zur  Annectirung  an  Frankreich  reif,  und  er  hatte 
den  Abfall  der  Colonieen  in  Amerika  in  seinem  Gefolge.  Die  spanisch- 
franzosische  Flotte  war  bei  Trafalgar  vernichtet  worden;  der  ganze 
atlantische  Ocean  in  der  Hand  der  Engländer« 

Schon  vor  dem  Jahre  li9^>  hatte   die  Konigin,  als   sie   erfahren,  ^'®  ^^' 
dass   die  Mercedarier   grosse   Summen  Geldes   für   den   Loskauf  von  nimmt 
Christensklaven  in  Madrid  deponirt  hätten,  diese  Summen  in  mehreren  ^®*^®' 

WOflT 

Wagen  nach  Hofe  bringen  lassen,  unter  der  Firma  eines  Anlehens 
und  Versprechen  von  Vergütung.  Der  Orden  und  andere  Leute 
schwiegen,  oder  raunten  sich  die  Sache  in's  Ohr.  Mehrere  Mouche 
hatten  die  Wirthschaft  bei  Hofe  mit  dem  wahren  Namen  bezeichnet. 
Sie  wurden  unvermuthet  arretirt,  escortirt,  und  mussten  im  Kerker 
büssen^). 

Am  24.  November  1803  erhob  der  Papst  Santiago  de  Cuba  und 
Venezuela  zu  Erzbisthümem,  weil  die  Insel  S.  Domingo  von  Spanien 
an  Frankreich  gekommen  war^. 

Die  Volker  sind  in  der  Hand  Gottes,  der  sie  heimsucht  und  züch- 
tigt, um  sie  zu  heilen.  Manches  Unglück,  das  sie  trifft,  trägt  den  Keim 
des  Glückes  und  besseren  Zeiten  in  sich.  Die  Unterwerfung  Spanien's 
durch  die  Mauren  im  Jahre  712  erwies  sich  im  Laufe  der  Jahr- 
hunderte als  Glück  und  Gnade.  Die  spanische  Nationalität  ist  in 
dem  sieben  Jahrhunderte  dauernden  Kampfe  herangewachsen  und 
erstarkt.  Spanien  wurde  durch  den  Einfall  der  Franzosen  im  Jahre 
1808  von  jener  elendesten  Regierung  erlöst,    unter  der  das  Land  und 


•)  BüU.  Rom.  Cent,,  t  XIII,  p.  74—  78. 

')  Neueste  Wel&unde  von  PosseU,  13  —  16  Jan*  1798. 

•)  Builar.  B.  Cani.  XU,  Rom,  1847,  p.  96-99. 


426  Vierzehntes  Bach.    Viertes  Kapitel.    Allgemeiner  Verfall. 

Volk  20  Jahre  lang  dahingesiecht  war,  und  die  es  nicht  abschuttela 
konnte.  Aber  gegen  die  Franzosen  stand  das  Volk  auf  wie  ein  Mann. 
Ohne  die  Englander  hatte  es  nicht  obgesiegt;  aber  anch  die  Eng. 
länder  ohne  die  Spanier  nicht.  Sicher  ist,  dass  die  Spanier  die  ersten 
waren  y  welche  über  den  nnbesiegbaren  Napoleon  die  ersten  Siege  er- 
fochten,  welche  zuerst  zeigten,  dass,  „wenn  das  Volk  an&teht,* 
wie  ein  Mann,  die  schlagfertigsten  and  schlacbtgewandtesten  Heere  die 
„Schlacht  verlieren^^  können. 


Fünftes  Kapitel 

Vom  Jahre  1808  bis  lor  Gegenwart. 


§.  1. 

König  Carl  IV.  verzichtete  za  Bayonne;  wohin  er  von  Napoleon 
eich  hatte  locken  lassen,  auf  sein  Königreich.  Zuerst  wurde  Ferdinand 
gezwangen y  zu  Gunsten  seines  Yaterft  zu  resigniren  —  6.  Mai  1808| 
—  dann  trat  der  Vater  sein  Reich  und  Volk  an  Napoleon  ab.  »Der 
Nachkomme  Ludwig's  XIV.,  der  Sohn  CarFs  III.,  überlieferte  aus  Hass 
gegen  seinen  Sohn  — -  seinen  Thron ^  seine  Volker,  die  Ehre  seines 
Haases,  die  Freiheit  seiner  Kinder  dem  Manne,  der  den  lezten  Conde 
(Bonrbon)  hatte  erschiessen  lassen.  Ewige  Schmach  auf  so  viel  Feig- 
heit and  Ehrlosigkeit^  *). 

Carl  IV.  liess  seinen  Sohn  nicht  zu  Worte  kommen,  überhäufte 
ihn   mit  Schimpf  werten ,  schrie,   dass  Ferdinand  ihn  habe  ermorden 
wollen,  and  erhob  eich,  am  seinen  Sohn  körperlich  zu  züchtigen.    Wie 
eine    rasende  Furie  unterbrach  ihn  ploziich  Ferdinand's  Mutter,  warf 
ihm  ihre  Entthronung   vor,  und  forderte  von  Napleon,  dass  er  ihren     ^* 
Sohn    auf  das  Schaffet  bringen  lasse.     Selbst  Napoleon   zitterte  vor  bonm" 
dieser  Mutter.     „Welches  Weib**  rief  er  nachher,  „welche  Mutter,  sie^"****' 
hat  meinen  Abscheu  erregt,   sie  hat  mich  mit  Mitleid  für  Ferdinand  gpMi«o. 
erfüllt/*   —   Diese   Mitleid   aber   hinderte   ihn   nicht,   Ferdinand  als 
Staatage&ngenen  zu  verwahren,   und  Besiz  von  Spanien  zu  ergreifen. 


*)  Also  der  Franzose  Ltfeövre^  Geschichte  der  Cabinete  Europa's  während  des 
Consolats  and  des  Eaiserthums,  1800  —  1815,  3  Bde.,  Leipzig,  1847,  S.  421  — 4e9. 
Mömoires  historiqnes  snr  la  revointion  d'Espagne,  par  abbö  de  Pradt,  Paris,  1816, 
p.  406  —  de  Pradt,  damals  Bischof  von  Poitiers,  war  von  Napoleon  zu  dem  Con- 
presse  in  Bayonne  mitgenommen  worden.  —  Baumgarten,  Geschichte  Spanien's 
(von  1789-1837),  Band  I,  Leipzig,  1865,  8.  181—219. 


428  Vierzehntes  Buch.    FUnftes  Kapitel. 

Ferdinand  erhielt  als  Jahresgehalt  eine  Million  Franken«    Sein  Vater 
wurde  in  Compiegne  confinirt.     Josef  Napoleon  wurde  als  König  von 
Neapel  nach  Spanien  gesendet.    Am   12.  Juli  1808  zog  er  in  Madrid 
jo8«f   ein,    ^Q  diesem  Tage  schrieb  er  an  Napolen:   „Niemand  hat  bis  jezt 
leon,   Eurer  Majestät  die   ganze  Wahrheit  gesagt    Es   ist  Thatsache,  dass 
Kdafg   ^eiQ  einziger  Spanier  sich  für  mich  ausspricht/^    Später  sdireibt  er: 
spanion.  »Ich  bin  nicht  erschreckt  über  meine  Lage,   aber  sie  ist  einzig  in  der 
Geschichte;   denn  ich  habe  hier  nicht  einen  einzigen  Anhänge***).  — 
Später  schrieb  er,  dass  2000  Bedienstete  auf  einmal  ihn  verlassen,  troz 
der  hohen  Gehalte,   die  er  ihnen  gab.    Zwar  hatte  Napoleon  zu  dem 
Canonicus  Escoiquiz,  dem  Erzieher  Ferdinand's,  gesagt.    „Glauben  Sie 
mir,   die  Länder,   wo   viele  Mönche  sind,   sind  leicht  zu  unteijocheD. 
Ich  weiss  das  aus  Erfahrung^^*).    Umsonst  befahl  Napoleon  die  Auf- 
hebung eines  Dritttheils  aller  Kloster,  die  Aufhebung  des  Tlribunals  der 
Inquisition.     Umsonst  hob  Josef  Napoleon   später  durch   ein  Decret 
vom  Jahre  1809   mit   einem  Schlage  alle  regulären   und  Mendikanten- 
klöster,  alle  Bruderschaften   vom   dritten   Orden   auf,    confiscirte  ihre 
Gäter,  verbannte  und  confinirte  die  Mönche. 

Von  dem  ganzen  Klerus  unterwarf  sich  nur  der  Cardinal  Bourbon 
von  Toledo  durch  einen  sehr  unterthänigen  Brief  vom  22.  Mai  1808, 
worin  er  Napoleon  „die  Huldigung  seiner  Liebe,  seiner  Treue  und 
seiner  Ehrerbietung  zu  Füssen  legt,  und  bittet:  „Geruhen  Eure  kaiser- 
liche Majestät  mich  als  Ihren  getreuesten  Unterthanen  anzusehen,  und 
mich  Ihre  souveräne  Willensmeinung  wissen  zu  lassen,  um  meine  herz- 
liche und  eifrige  Unterwürfigkeit  auf  die  Probe  zu  stellen«  Sire,  zu 
den  Füssen  Eurer  Majestät  deren  treuester  Unterthan  Ludwig  vod 
Bourbon,  Cardinal,  Erzbischof  von  Toledo^^').  —  Neben  diesem  un- 
ebenbürtigen Bourbon  war  es  noch  AnL  lÄormUe  der  im  Gefolge 
Joseph  Napoleon's  seinen  Einzug  in  Spanien  hielt  Die  übrigen  Bischöfe, 
der  ganze  Welt-  und  Regulär- Klerus  stand  auf  der  Seite  des  spani- 
schen Volkes. 


§.  2. 

DieSpa-  Ganz  Spanien  erhob   sich  gegen  die  Fremdherrschaft.    Seit  dem 

Hier  «r-  24.    September    1810    führte    die    Junta  von    Sevilla ,     später    von 

•leh.    Cadix,  das  Staatsruder  im   Namen  Ferdinand's   VIL     Die  Mehrheit 

der    Mitglieder    der    Junta    war    aber    radikal.     Man    richtete    sich 


')  Mömoires  et  Correspondanoe  politiqae  et  militaire  da  Rot  Joseph  etc., 
Paris,  1853  —  1851,  t  IV,  (Allg.  Ztg.  vom  20.  Januar  1854). 

*)  Storia  della  rivolaz.  di  Spagna,  trad.  dal'  Ingl,  Pisa  1817. 
')  AUg.  Ztg.  V.  27.  Jan!  1808. 


^^» 


Die  Cortes  za  C«dir.    Die  Zeit  von  1814—1820.  429 

nach  der  Musterverfassang  Frankreich's  vom  Jahre  1789 — 1793,  nahm 
das  Einkammersystem  an,  und  machte  den  Eonig  zu  einer  politischen 
Nnll.    Spanien  hatte  keinen  Sinn  und  kein  Gedächtniss  mehr  für  seine 
eigene  grosse  Vergangenheit.     Das  Franzosenthum  herrschte  über  die 
Geister,  ob  auch  die  Franzosen  selbst  zum  Tode  gehasst  waren.    Troz- 
dem  erklärten  die  zu  Cadix  versammelten  Cortes  die  katholische  Religion 
als   die  allein   in  Spanien  herrschende  und   einzig  zur  Ausübung  be- 
rechtigte.   Ja  —  diese  Cortes  stellten  Spanien  sogar   unter  den  Schuz 
der  heiligen  Theresia.     Sie  hoben  femer  die  Inquisition  auf,  und  be- 
schlossen die  allmälige  Verminderung  der  Klöster  beider  Geschlechter, 
wollten  alle  Gütec  der  „todten  Hand'^  einziehen,  und  dem  Klerus  nur  y^rt^. 
so  viel  lassen,  als  zur  Bestreitung  der  Cultkosten,  nach  ihrer  Meinung  ««^»c  ▼* 
genügend  wäre.    Am  19.  März  1812  wurde  die  Verfassung  verkündigt,    jg^g. 
im  September  1813  losten  sich  die  Cortes  auf). 

Spanien  hätte  aber,  ohne  die  Engländer  und   ohne  Wellington,   wei- 
das  Joch  Napoleon's  wohl  nicht  abgeschüttelt,   wenigstens  viel  später, 
als  es  geschah. 

Ferdinand  VII.  wurde  aus  seiner  Gefangenschaft  von  sechs  Jahren 
befreit.  Er  gieng  gebrochen  und  zermalmt  von  dem  Angesichte  Napoleon's 
hinweg,  um  nie  mehr  zu  erstarken. 

§.  3. 

Am  14.  Mai  1814  zog  Ferdinand  als  Konig  wieder  ein  in  Madrid. 
In   den  Jahren    1814 — 1820  wurden    unglückliche   und    ohnmächtige 
Versuche  gemacht,   um  den  Staat  uud  die  Kirche  zu  restauriren.    Mit 
endlosen  Ministerwechseln  wurde  das  Land  bescheert;  von  1814 — 1819 
folgten   sich  25  Ministervariationen.     Das  Land   seufzte  unter  der  auf 
ihm    liegenden  Schuldenlast.    Die  Männer   der   rettenden  That  liessen 
sich    nicht  finden.     Die   ohnedem   beraubte   und  ausgezogene  Kirche 
Spanien's  wurde  mit  endlosen  Ansuchen  bestürmt,  der  Finanznoth  des 
Landes  abzuhelfen.   —   Maassregeln   der  Strenge  und  der  Schwäche 
wechselten  mit  einander  ab').     Der  Verfall  war  ein  allgemeiner.    Das 
im   Innern   angesammelte  Gill  brach   hervor  in   der   Revolution   vom 
1.  Januar  182^0.    Riego  erhob  die  Fahne  der  Empörung  in  Cadix.    Er  ^i^'^^- 
und  die  übrigen  Soldaten  wollten  nicht  nach  Amerika  gebracht  werden,  ^^^  ^^ 
sondern   sie  wollten  in  Spanien   nach   ihrem  Geschmacke  leben.     Ob   bmc- 
darüber  Südamerika  für  Spanien   verloren  gieng,   kümmerte   sie   Hut-  ^^^[.^^ 
wenig.    Sie  riefen:   „die  Constitution  oder  der  Tod^^,  und  ihre  ganze  laso,  u. 


•)  Die  Constitution  des  Jahres  1812  steht  in  „Allg.  Ztg.«  v.  1*^20,  Nr.  45  flg. 
der  Beilagen.  —  Herrn.  Baumgarten,  1,  S.  600-577. 
»)  K  BaumgarUn^  Bd.  II,  1868,  S.  1  -  23i 


430  VIersehDtes  Boch.    Fttiiftes  Kapitel. 

«er  R«.  Thätigkeit  beBtand  im  Schreien,  Rauben  und  Morden.  Die  Revolution 
1820  bi«  zeigte  alsbald  ihren  kirchenfeindlichen  Charakter.  Schon  am  9.  Man 
1829.  wurde  die  Inquisition  wieder  au%ehoben.  Konig  Ferdinand  musste 
einen  neuen  freisinnigen  Beichtvater  sich  gefallen  lassen;  denn  „Ge- 
wissensfreiheit^^ sollte  ja  herrschen.  Der  Zehent  wurde  aufgehobeo; 
den  Mönchen  alles  Unterrichten  verboten.  Die  Kirchenguter  worden 
verkauft  und  verschleudert,  die  Priester  in  grossen  Massen  als  Ver- 
schwörer gefangen  gesezt. 

Nachdem  der  bereits  willenlose  Konig  das  Decret  der  Unter- 
drückung aller  Kloster  unterschrieben,  wurde  es  am  27.  October  zu 
Madrid  unter  grossem  Volkszulaufe  ausgerufen.  Es  wurde  verboten, 
irgend  ein  klosterliches  Gelübde  abzulegen,  oder  vollends  irgend  eb 
Kloster  au  gründen.  Als  der  Erzbischof  von  Valencia  gegen  das 
Decret  protestirte,  so  wurde  sein  Haus  umringt  Kaum  konnte  er  zor 
See  entfliehen.  Der  Bischof  von  Cadix  entfloh  nach  Medina.  —  Bald 
musste  Ferdinand  wieder  einen  andern  Beichtvater  annehmen,  da  der 
vorige  nicht  zuverlässig  genug  war.  Der  neue  Beichtvater  war  ein  Ex- 
Mönch,  der  die  Aufhebung  der  Kloster  ganz  in  der  Ordnung  gefunden*}. 
Alles  schwärmte  jezt  für  die  „Constitution^^  als  für  das  unfehl- 
bare Heilmittel  gegen  alle  Leiden  Spanien's,  aber  nicht  für  die  alten 
Fuero's  und  Cortes  Spanien's^),  sondern  für  die  Constitution  nach  dem 
Zuschnitte  der  franzosischen  Revolution,  deren  gewaltthätige  Natur  den 
^^•*^  damaligen  Herrschern  in  Spanien  besonders  zusagte.  Diese  „Consti- 
gefiüien  tutiou^'  trostctc  für  den  Verlust  eines  halben  Welttheils  in  der  neuen 

vJJI!^.  ^®^**    ^^^^  ^^^  ^^  J®^^*  Städtlein  wollte  ihre  ,,Pkza  de  la  Consti- 

g8nii«ii.tuzione^^  haben. 

Schon  waren  durch  die  Behörden  eine  Anzahl  von  Priestern  unter 
den  scheinbaren  Formen  der  Justiz  zum  Tode  verurtheilt  worden,  als 
der  blutdürstige  Fobel  selbst  als  Richter  sich  aufwarf.  Der  Ei^zdiaoon 
Mathias  Vinuesa  von  Tarazona,  einer  der  verdientesten  Priester  des 
Landes,  wurde  am  29.  Januar  1821  als  Feind  der  Verfassang 
unter  den  Insulten  des  Pöbels  durch  die  Strassen  von  Madrid  ge- 
schleppt Der  Gerichtshof  verurtheilte  ihn  am  3.  Mai  zu  10  Jahren 
Gefangenschaft  in  Afrika.  Diese  Milde  empörte  den  Pöbel;  er  brach 
in  das  Gefängniss  ein  und  ermordete  den  Vinuesa  auf  die  grausamste 
Weise;  sein  Leichnam  wurde  namenlos  misshandelt  und  entehrt^). 


*)  Es  war  der  Benediktiner  Veremnnd  Anas  Tejeiro. 

*)  EinflUtig  dem  Wortlaute  nach,  aber  dorcbaus  wahr  dem  Sinne  nach  sbd 
die  Worte,  welche  Kaiser  Franz  I.  in  dieser  Zeit  zn  den  Ungarn  sprach:  Totos 
mundos  stnltizat,  et  novas  valt  habere  constitntiones,  voa  habetis  nnam. 

*)  Das  «Leben*  des  Vinuesa,  (nach  Oracion  fünebre  qiie  en  laa  exeqoiai 
celebradaa  el  32  Jnlio  1893  pronnncfo  el  Dn  Eduarde  Joni  Rodrigue»  Carata)  steht 


Gonflikt  mit  Rom.  ^31 


§.  4. 

Im  Jahre  1821  brach  aoch  der  Conflikt  zwischen  Rom  und  Spa- 
nien ans.  Am  28.  März  theilten  die  Cortes  dem  Nuntias  mit,  die 
2ieiten  haben  sich  geändert ,  die  Geseze  über  die  Säcalarisation  der 
Mönche  müssten'  befolgt  werden,  nnd  die  Bischöfe  seien  die  natür- 
lichen Richter  in  diesem  Geschäfte.  Am  14.  April  wurden  alle  Geld- 
sendungen nach  Rom  wegen  Dispensen  u.  a.  verboten,  doch  wiesen  sie 
dem  Papst  ein  freiwilliges  Geschenk  von  10.000  Realen  an,  um  zu 
dem  Glänze  desselben  beizutragen,  d.  L,  sie  wollten  dem  Papste  einen 
Fusstritt  geben.  —  In  drei  Tagen  sollten  alle  Bischöfe  Hirtenbriefe  ^^''^^^ 
erlassen,  um  das  Volk  zum  Gehorsam  gegen  die  Constitution  zu  er-  itou,. 
mahnen,  diese  Hirtenbriefe  aber  an  die  Cortes  einsenden.  In  vielen 
Städten  wurden  grosse  Massen  von  Priestern  eingesperrt  oder  fort- 
gejagt. Wer  einen  Priester,  der  gegen  die  Constitution  gepredigt,  ein- 
liefern würde^  sollte  1500  Realen  Lohn  erhalten.  Die  geistlichen  Zehenten 
wurden  um  die  Hälfte  herabgesezt,  wogegen  der  Klerus  30  Millionen 
Realen  jahrlich  zahlen  sollte.  Im  Juni  1821  waren  von  1700  Klöstern 
schon  800  aufgehoben;  man  zählte  aber  noch  19.000  Mönche.  Sie 
mussten  sehen,  wie  sie  vor  dem  Hnngertode  sich  schuzten«  Nach 
andern  Angaben  blieben  nicht  einmal  14  Kloster  im  Lande  bestehen. 
—  Das  Kapitel  von  Santiago  erklärte,  es  werde  demnächst  die  Kathedrale 
schliessen  müssen,  weil  es  an  Mitteln  zum  Ankaufe  von  Hostien  fehle. 

Die  ernannten,  aber  noch  nicht  bestätigten  Bischöfe  sollten  vor- 
erst als  »Gobemadoren^  die  Bisthümer  verwalten«  Die  Regierung 
wollte,  wie  einst  Napoleon  I.,  die  Bischöfe  durch  die  „Metropoliten^^ 
bestätigen  lassen,  und  sich  völlig  von  Rom  lossagen. 

Ans.  dem  ganzen  Lande   wurde  der  König  mit  Adressen  über- 
schattet, und  ihm  die  Guillotine  Ludwig's  XVL  in  Aussicht  gestellt. 
Er  erklärte,  dass  er,   mit  den  Waffen  in  der  Hand,  den  Tod  an  der 
Spize  seiner  Garden,  erwarte.    Die  am  1.  März  1822  eröffneten  Cortes  Perdi- 
waren  so  radikal,  dass  sie  den  berüchtigten  Don  Riego  zum  Präsidenten   ^^^^ 
erwählten.   —   Die  Feiertage  wurden  aufgehoben.    Den  Priestern  und  Lebens- 
Mönchen  in   ganz  Spanien  wurde  verboten,  ihre  Wohnungen  zu  ver-  ^'^'^^'' 
lassen.    Am   7.  Juli  1822  kam   es   zum  Kampfe  zwischen  dem  Heere 
und   der  Garde.    Diese  unterlag  und   wurde  aufgerieben.     Die   Ge- 
sandten der  Mächte  erklärten  nun,  dass  sie  das  Ministerium  und  ganz 
Spanien  verantwortlich  machten  für  jede  Misshandlung   des  Königs 


bei  Bemh,  Wagner:  Biographieen  denkwürd.  Priester  and  PrSIaten,  welohe  in 
upserem  Jahrhunderte  gestorben  sind,  1846|  p.  428— 187  (AUg.  Ztg.  vom  1.  nnd 
29.  MikI  1^2!). 


482  Vierzehntes  Bach.    Fanftea  Kapitel. 

und  seiner  Familie,  deren  Leben  bedroht  war.  Der  Konig  war  ein 
Gefangener  in  Mitten  seines  Volkes.  Er  musste  Alles  thun,  und  that 
Alles,  was  seine  Feinde  wollten. 

Im  September  1822  wurde  der  radikale  Canonicus  J.  Lorenz 
ViUanueva  zum  Gesandten  in  Rom  ernannt.  Da  er  als  Mitglied  der 
Cortes  gegen  die  Kirche  gesprochen  und  gewirkt  und  u.  a.  beantragt  hatte^ 
den  Papst  und  die  Bischöfe  abzuschaffen,  weil  sie  in  der  Urkirche 
nicht  gefunden  würden,  so  konnte  er  in  Rom  nicht  angenommen  werden. 
Dennoch  reiste  Villanueva  ab,  und  gelangte  am  13«  November  1822 
nach  Turin,  wo  man  ihm  mittheilte,  dass  der  Papst  ihn  nicht  an- 
nehmen könne  ^).  Auf  die  Erklärung  der  spanischen  Regierung,  dass 
auch  sie  den  päpstlichen  Nuntius  ausweisen  werde,  antwortete  Cardinal 
Consalyi  am  3.  Januar  1823  sehr  ausführlich.  Die  Regierung  über- 
sandte am  22*  Januar  dem  Nuntius  Giustiniani  seine  Pässe,  der  nach 
einem  Proteste  am  28.  Januar  Madrid  verliess'). 

Die  Regierung  hob  nun   auch  die  andere  Hälfte   der  geistlichen 

Zehent   auf,    weil  ja   doch  „Niemand   mehr  denselben  entrichte/^    Zu 

Sohrc-  den  30  Millionen   der  gewohnlichen   ordentlichen   Steuer  sollte  dafür 

Reyoin-  ^^^  Klcrus  dcu  Cortcs  20  Millionen  ausserordentliche  Steuer  entrichten. 

tiop.    Schon  wurden  auch  die  „überflüssigen^^  Eirchenschäze  eingezogen. 

Im  Anfang  des  Jahres  1 823  waren  neun  Bischöfe  vertrieben,  u.  a. 
Raphael  Velez,  damals  Bischof  von  Genta,  dessen  berühmte  Sehriit: 
„Apologie  des  Altars  und  des  Throns'^  —  (1818)  die  neue  ßegierang 
verboten  hatte.  Schaaren  von  Priestern  flohen  nach  Frankreich.  Der 
75  Jahre  alte  Franciscaner,  Raimund  Strauch ,  Bischof  von  Vicb, 
schmachtete  lange  in  den  Gefängnissen  von  Barcelona  und  Madrid, 
wurde  vor  Gericht  gestellt^  aber  im  April  1823  freigesprochen.  Mit 
zwei  Priestern  erhielt  er  Pässe  nach  Tarragona.  Er  wurde  aber  zc 
Ordalt  bei  Barcelona  angehalten,  zeigte  dem  Commandanteu  daselbst 
seinen  Pass;  dieser  las  ihn,  und  todtete  den  Bischof  durch  eioeQ 
Pistolenschuss;  ebenso  die  zwei  ihn  begleitenden  Priester.  —  In  Barce- 
lona wurden  beständig  Mönche  und  Priester  erschossen. 
Cardinal  ^^^  Cardinal  Luis   von  Bourbon   war  im   Jahre  1808   ,^za  den 

Luis    Füssen  Napoleon's  I.  erstorben",  hatte  die  Revolution  von  I8lO — 181- 
1S8S.    mitgemacht,  und  am  19.  März  1812  als  Präsident  der  Regentschaft  die 
radikale  Verfassung   von  Cadix  verkündigt,  war  in   den  Jaliren  1S14 
bis  1820  aus  dem  politischen  Leben  verschwunden,   und  leistete  d:i 
der  neuen  aus  der  Revolution  von  18^0  hervorgegangenen  Regieru 


')  Er  schrieb  seinerseits:  Despedida  de  Roma  (Abschied  von  Rom). 

^  Siehe  die  Aktenstücke  in  dem  „Diario  romano*  vom  22.  Februar  l^t, 
daraus  in  der  Allg.  Ztg.,  nr.  41—49  der  „Beilagen",  und  im  Äoszag  in  Katholü; 
von  1823,  Bd.  8.  Heft  4,  S.  XI -XIV.  ^ 


I 
A 


Blatige  Revolution;  Ende  derselben*  433 

seine  gehorsamsten  Dienste.  Sein  Benehmen  bei  der  Vertreibung  des 
päpstlichen  Nuntias  im  Januar  1823  gefiel  mehr  in  Madrid,  als  in 
Rom.  Er  erlebte  nicht  mehr  den  Sturz  der  Regierung,  die  er  mit 
allen  Kräften  hatte  bauen  helfen.  Nach  langer  Krankheit  starb  er,  erst 
45  Jahre^  am  19.  März  1823. 

Kaum  hatten  sich  seine  Augen  geschlossen,  als  der  rettende  Engel  nie 
heranzog,  der  Spanien  von  der  Gev^alt  dieser  revolutionären  Bande  ^^^^j^^ 
befreite.  Dieser  rettende  Engel  war  der  Prinz  von  Angouleme,  der  Rewer 
mit  einem  franzosischen  Heere  am  7.  April  die  Grenze  überschritt, 
und^  ohne  Widerstand  zu  finden,  Madrid  am  24.  Mai  besezte.  Vier 
Tage  vorher  hatten  die  Cortes  den  König  mit  sich  nach  Sevilla  ge- 
schleppt. Sie  suspendirten  ihn,  aber  sezten  eine  Regentschaft  ein, 
schleppten  ihn  am  14.  Juni  auf  ihrer  weitern  Flucht  mit  sich  nach 
Cadix,  (in  die  Stadt,  wo  die  spanischen  Revolutionen  gewohnlich  an- 
fangen oder  verenden),  und  hoben  dann  die  Suspension  wieder  auf. 
Als  die  Franzosen  schon  vor  Cadix  standen,  lieferten  sie  ihnen  den 
König  aus.  Tausendmal  hatten  die  Cortes  beschlossen  und  geschworen: 
Siegen  oder  sterben,  die  Constitution  oder  der  Tod.  Als  sie  aber 
nicht  siegten,  beschlossen  sie,  auch  nicht  zu  sterben.  Sie  bestiegen 
die  rettenden  Schiffe,  und  wollten  ihr  Leben  für  bessere  Zeiten  dem 
Vaterlande  salviren. 


§.  5. 

Am  2'^  Mai  hatte  sich  zu  Madrid  eine  „Regentschaft"  gebildet,     ^'® 
welche  u.  a.  Wiederherstellung  der  Klöster  und  der  Jesuiten  heschIo§s.   gent- 
Ferdinand  VII.   erklärte   alle   Akte   der   sogenannten   constitutionellen  •'^^*''- 
Regierung   vom  7.  März  1820   bis   l.  October  1823  für    ungiltig.   — 
Am  6.  October  verordnete  ein  königliches  Dekret,  es  sollen  Missionen 
gebalten  werden,  um  die  irrigen,  verderblichen  und  kezerischen  Lehren 
zu  besiegen.     Siehe  da!   Schon  will   die  Regierung  wieder   thun,   was 
allein  Sache  der  Bischöfe  ist,  und  was  die  Bischöfe  sich  nicht  entwinden 
Jassen   dürfen.  —   Die  Mönche  und  Priester,   welche   an   den  Wagen 
der  Revolution  sich  angespannt  hatten,  sollten  in  Klöstern  der  strengsten 
Observanz  büssen.    Wer  durch  die  Flucht  sich  retten  konnte,    rettete 
sieb,  wohl  die  Meisten  nach  England. 

Unter   denen,    welche   den    Staub    Spanien's    von   ihren    Füssen    d»® 
scbüttalten,   waren   die   beiden   Brüder   Villanneva.    Joaquin   Lorenzo   ymaJ 
Villanneva  wurde  im  Jahre  1757  zu  Jativa  geboren.    Er  wurde  Hof-  n««^»- 
prediger,   Beichtvater  an  der  Hofkapelle,    und  Canonicus  von  Cuenca. 
Als  die  Revolution  von  1808  ausbrach,  so  erklärte  er  sich  sogleich  für 
dieselbe.    Von  Valencia  wurde  er  als  Deputirter  zu  den  ausserordent- 
lichen Cortes  des  Jahres    1810,   sowie  zum  Suppleanten   für  die  des 

Qjkm;  epan.  Kiroh«.  111«  9.  28 

I 


434  Vierzehntes  Bach.    Fanftes  Kapitel. 

Jahres  1813  gewählt.     Er  warde  nach  Ferdinand's  Rückkehr  im  Jabr, 
1814   in   das  Kloster  la  Salceda  verwiesen'),    im  Jahre  1820   wiecit: 
entlassen.     Wieder   wurde   er   in   die   Cortes   von    1820   gewälilt.    Es 
hatte   längst   die  Grenze    überschritten,   die   den   Regalisten  von   dnr. 
Jansenisten  scheidet,   und   war   ein   erbitterter  Kirchenfeind  gewordn: 
^^'  Schon  im  Jahre  1791  hatte  er  seine  Schrift:  „Von  dem  Lesen  der  lui- 
er«.    Hgen  Schrift  in  den   neuern  Sprachen"   (de  la  Leccion   de  la  Sagrad 
Escritura  en  lenguas  vulgares)   herausgegeben'*).     Er  galt   unbestritte. 
als  Verfasser   der  giftigen  „Briefe"   unter   dem    Namen    des  D.  JS^v 
Llecd  (1820),   welche  ein  Hauptgrund   seiner  Zurückweisung   in   Kon 
waren.     Das  Motto,    das  er  diesem  Werke  voranstellte,  war  eine  ver- 
stümmelte Stelle  aus  einer  Decretale  des  Papstes  Gelasius^).  —  Es  vd- 
räth  wenig  Muth,  dass  er  diese  Schrift  pseudonym  herausgab  zu  ciiiu 
Zeit,  wo  seine  Richtung  in  Spanien  unbedingt  herrschte.  —  Nach  iK 
Restauration  des  Jahres  1823  floh  er  mit  seinem  Bruder  nach  Englaii*]. 
—  Bald  darauf  liess  er  eine  ausführliche  Selbstbiographie  an  das  Licl 
treten,  in  der  er  sich  selbst  reichlich  Weihrauch  streut*). 

Das  Werk  des  Jaime  Villanueva^  „Viage  literario,"  kam  in  dr<; 
verschiedenen  Zeitabschnitten  heraus.  Es  zeichnet  sich,  wie  die  „E>- 
pana  sagrada",  durch  solide  Forschungen,  besonders  durch  Mittheilmn 
einer  Anzahl  interessanter,  völlig  unbekannter  Documente  aus"),  l^i 
erste  Band  „literarische  Reise  zu  den  Kirchen  Spanien's"*),  erscliu:; 
unter  dem  Namen  des  Joaquin  Villanueva^  der  seinen  jungem  Brnd». 
eva  n.  a.  glcichsam  Unter  seine  Flügel  genommen  und  ihn  diese  „litcrarisc  1j 
^litera-  Reise"  hatte   machen  lassen.     Das  Werk    besteht,   ausser   den   Dck'.;- 

rlsche 

Koise«'.  menten,   nur  aus  Briefen  Jaim^s  „an   seinen   geliebten   Bruder.^'    I^' 


*)  Cartas  Bobre  los  apantes  publicados  por  J,  L,  Villanuevay  relatlva^  -li 
arrcsto  de  varios  vocales  de  Cortes,  ejecutado  en  mayo  de  1^14,  Madrid ,  1^-' 
(v.  Ant  Alccüa  Galianof). 

^  Valencia,  1791,  foJ.  ~  Dazu  erBchien:  Ano  chriBtiano  de  Espaüa,  Madii  . 
1791  —  1803,  19  vol.  in  8*. 

^)  Cartas  de  D.  Roque  Leal  &  un  amigo  suyo  sobre  la  representacion  «> 
Arzobispo  de  Valencia  &  las  Cortes,  fecba  A  20  de  Octobre  de  1820  (gegen  die  A . 
hebung  der  Orden),  Madrid,  1S20. 

^)  Vülanuevay  Jo.  Lor.^  Vida  literaria,  o  memoria  de  sus  escritos  y  de  > 
opiniones  eclefiiästicas,  y  politiciis,  y  de  algnnos  buccsob  notables  de  sa  tieDi{> 
con  an  apendice  de  documentos  relatives  a  lu  historia  del  concilio  de  Trento,  i' 
crita  por  el  mismo,  London^  1825  —  2  vol.  Später  gab  er  in  Dublin,  wo  er  :ii- 
(1837)  starb,  heraus:  „Ibernia  Phoenicea,  seu  Phocnicum  in  Hibemia  inculuti^ 
Dublin,  1821  (PoSsias  escogidas,  London,  1833). 

*)  Zum  Lobe  Villarmeva's  sagte  mir  Archivar  BofaruM  in  Barcelona:  Wf" 
einmal  Viliamieva  in  einem  Archive  gearbeitet  hat,  so  darf  ein  anderer  nicht  nn 
hoffen,  etwas  Neues  zu  entdecken. 

*)  Viage  literario  ä  las  iglesias  de  Espnfia:  Ic  publica  con  algunas  oIm 
vaciones  Don  Joaquin  Lorenzo  Villanueva,  Madeid,  1803. 


»Viage  literario«  des  J.  Villanueva.  435 

I.  Band  erschien  za  Madrid  im  Jahre  1 80H.  Er  handelt  über  das  alte 
Bisthum  Saetabis  (San  Felipe),  und  das  Erzbisthum  Valencia  mit  einem 
sehr  lacken-  und  skizzenhaften  Verzeichnisse  der  Erzbischöfe,  und  sehr 
iuteressanten  Untersuchungen  über  die  Liturgie  und  verschiedene  Fest- 
lichkeiten in  Valencia.  Das  IL  Bändchen,  Madrid,  1804,  (denn 
alle  22  Bde«  sind  nur  Bändchen)  handelt  weiter  von  den  Festen  und 
Processionen  in  Valencia,  von  einigen  kostbaren  Reliquien,  enthält 
Notizen  über  die  gelehrten  Schulen  Valencia's  seit  seiner  Wiederer- 
oberung, Notizen  über  kostbare  Manuscripte  und  anderes  sehr  In- 
teressante. 

Der  IIL  und  IV.  Band  erschien  zu  Madrid  in  den  Jahren 
1804  und  ^1806.  Jener  handelt  über  das  Bisthum  Segorbe,  und  giebt 
einen  ausführlichen  Catalog  über  die  Bischöfe  von  Segorbe,  spricht 
über  die  dortigen  Synoden,  theilt  alte  unbekannte  Inschriften  mit,  han- 
delt von  dem  „Wunder*  ')  der  Taufquellen  von  Ossen,  und  von  dem  Owen, 
literarischen  Leben  des  gelehrten  Bischofs  Juan  Bapt.  Perez,  (1591  — 
t  8.  November  1597),  der  zu  einer  Zeit  durch  gesunde  und  nüchterne 
historische  Kritik  sich  auszeichnete,  in  welcher  die  „falschen  Chroniken* 
das  Licht  der  Welt  erblickten  und  fast  zwei  Jahrhunderte  die  Ge- 
schichte Spanien's  in  Verwirrung  brachten.  Band  IV  handelt  von 
verschiedenen  Klöstern  und  Oertlichkeiten  der  Bisthümer  Segorve, 
Xativa  (=  Saetabis)  und  des  Erzbisthums  Valencia. 

Der  V.  Band,  Madrid,  1806,  handelt  von  dem  Bisthum  Tor-TortoM. 
tosa  seit  seiner  Wiederherstellung  im  Jahre  115 1.  Am  Schlüsse  des 
Catalogs  der  Bischöfe  sagt  er:  „Wenn  keiner  von  den  vielen  Forschem 
und  arbeitsamen  Männern  in  diesem  Kapitel  sich  die  Mühe  nehmen 
wird,  genau  den  Catalog  der  Bischöfe  dieser  Kirche  fortzusezen,  so 
wird  eine  Zeit  kommen,  in  der  man  kaum  wissen  wird,  dass  einige  von 
diesen  Bischöfen  existirt  haben^^).  Wie  oft  habe  ich  selbst  mit  Schmerzen 
erfahren^),  dass  man  gerade  über  die  unmittelbare  Vergangenheit  der 
Histhümer  am  schwierigsten  Nachrichten  erhalten  kann.  Im  fünft;en 
Bande  befindet  sich  auch  die  Bulle  vom  22.  März  1312  über  die  Auf- 
hebung des  Templerordens,  welche  ich  auf  Anregung  BofarulFs  im 
Jahre  1865  nach  einer  Verborgenheit  von  CO  Jahren  aus  der  „literari- 
schen Reise**  hervorgezogen  habe*),  wie  Hefele  im  Jahre  1858  und 
Helfferieh  im  Jahre  1860  die  Haeresie  der  Migetianer  aus  dem 
ifHeiligen  Spanien**,    in   der  sie  HO  Jahre   lang  zwar  gedruckt,   aber 


')  ,|Mi]agro*  im  Spanischen  bedeutet  alles  Seltsame,  Räthselbafte,  n.  s.  w. 
*)  V,  p.  1 19. 

^  Und  erfahre  es   heute  noch  in  Betreif  der  Bisthümer  Astorga,  Cadix, 
Cananas,  Orense,  Osma,  Placentia,  Ciudad-Real,  Urgel  etc. 
*)  Bd.  III,  1,  S.  272-273. 

28» 


436  Vierzehntes  Bnch.    Fünftes  Kapitel. 

doch  verborgen  geblieben   war,   an   das  Liebt    der  Oefientlichkeit  ge- 
zogen hatten*). 

Der   VI.   Band   der   ^literarischen   Reise^   erschien   zu  Valencia 

erst  im  Jahre  1821.     Er   enthält   den  Bericht  über  die  im  Jahre  is 

nach  Vieh  (=  Vique)   unternommene  ,,literarische  Reise"  Jaime  17'' J 

nueva's,   unter  dessen  Namen  erst  dieser  sechste  Band  erschien.    S»d 

Bruder  Joaqtun  war  in    den  Jahren  1821  — 1^23  damit  beschäftigt,  dtij 

revolutionären  spanischen  Staatswagen  in  den  Abgrund  führen  za  hoIiVd 

j.  vuiä-  Band  VII  erschien  im  gleichen  Jahre  zu  Valencia  und  handelt  gkiiLH 

Fo«ch.  falls  vom  Bisthume  Vieh.     Band  VIII,   Valencia  1821,   beschreibt  dn 

ongeD.  Reise  zu  den  Kirchen  von  Vique  und  Solsona  —  Jahr  1806  und  1M»I 

Der  IX.  Band,   Valencia,    1821,   beschreibt  die   Reise   nach  Solsona 

Ager  und  UrgeL    Der  X.  Band,  1821,  giebt  den  Catalog  der  BiscLr.ti 

von   Urgel    bis   zum   Jahre  1075.     Im  Anhange   findet   man   den  (e: 

gehegten  und  erst  1859)  ausgeführten  Plan   zu   einer  Gesammüinsirtl« 

der  Concilien  von  Tarraco. 

Unter-  j^^t   trat    ciuc   neue    Unterbrechung   in    der    Herausgabe  diese 

an7 von  Werkes  von  1821  bis  1850  ein.     „Die  politischen  Umstände"  zwangt 

J821—  im  Jahre  1823   den   gelehrten  Verfasser  zur  Flucht     Er  übergab  ak 

die  Entwürfe^)    für   die    noch  übrigen  Bände  dem  gleichfalls  aus  dco 

Orden   des   heiligen  Dominicus   getretenen   IgnaU  Herrero^   der  seine 

Zeit   mit  ihm  die  Kirchen   und   die  Archive   besucht    und    durohbiii 

hatte;   Jaime    Villantteva   starb   zu   London   schon   am    14.    Novenil 

182^.    Herrero  aber  bewahrte  seine  Manuscripte  auf  —  zur  Verfüg« 

der  Regierung,    mit    deren  Hilfe   und    Unterstüznng    Välcuiueva  sei 

,Reise"  ausgeführt   hatte.    Wie   die  „Akademie  der  Geschichte*'  vd 

der  Regierung  den  Auftrag  erhielt,  die  „Espana  sagrada"  der  AugustiN 

Das    lortzusezen,   ebenso  erhielt   sie    den  Auftrag,    „die   literarische  luiM! 

^t'      Villanueva's    fortzufuhren.     Mit   Hilfe    einer   kleinen    ihm    bewilliir*.d 

icheint  Pension    ordnete   und   schrieb   H&rrero   die    noch    übrigen   Bande  in 

r^-^o—  ßel^e.     Mitten  in  dieser  Arbeit  traf  ihn  der  Tod  am    1.  Januar  \^^ 

1852.    und  seine  Erben  übergaben  alle  seine  Papiere  der  Akademie.    Manix 

Lopez  SanUella,  General -Commissär  der  Cruzada,   gab   die  nothwin 

digen  Gelder  für  die  Herausgabe   der   noch   übrigen  Bände«     So  'p 

die  „Academia",   (ohne   einen   speciellen    Namen    eines  Herausgeholt 

im  Jahre  1850  zu  Madrid  den  XL  Band  an  das  Licht,  der  die  iui^ 

nach  Urgel  enthält.     Der  Catalog  der  Bischöfe  wird  fortgesezt.    AU 

es  ist  auffallend  und  schmerzlich  zu  sehen,  wie  Villanuetya  das  Todt^ 

jähr  von  drei  Bisehöfen,  die  von  l'iGS — 1 797  regierten,  in  Urgel  stlH 


')  Kirchen^eschichte,  11,  2,  S.  2n4. 

')  Borradore»  =  nicht  zum  Drucke  fertige  Handschrift. 


„Viage  Hterario"  des  Villanueva.  437 

nicht  erfahren  konnte').  Der  XII.  Band  hat  den  Titel:  Reise  nach 
Urgel  und  Gerona.  Der  XIII.  und  XIV.  Band  handelt  ausschliesslich 
vom  Bisthume  Gerona.  Der  XV.  Band,  Madrid,  1851,  handelt  von 
(fcrona  und  Koda;  Band  XVI  von  Lerida,  wohin  das  Bisthum  von  Iloda 
übertragen  wurde.  Der  folgende  Band  führt  uns  von  Lerida  nach 
Harcclona.  Der  XVIII.  Band  handelt  nur  von  Barcelona.  Der  XIX. 
liud  XX.  Band  behandelt  die  Geschichte  des  Erzbisthnms  Tarragona.  Die 
/\M'i  Iczten  Bände,  (Band  XXI  erschien  1851,  Band  XXII  erschien  1852) 
li.nidelu  von  dem  Bisthum  Mallorca  oder  Palma.  Die  Briefe  tragen 
;ille  den  alten  Eingang:  „Mein  geliebter  Bruder'^,  wir  erfahren  aber 
nur  seltener,  wann  sie  an  den  „geliebten  Bruder"  geschrieben  worden 
sind.  Wir  erfahren,  dass  Villanueva  mit  dem  Bischöfe  Bern.  Nadal 
y  Crespi  (1795  —  f  12.  Dccember  1818)  nach  dem  Schlüsse  der 
l'ortes  von  Cadix  am  Ende  des  Jahres  1813  von  Cadix  nach  Palma 
tiilir,  und  dass  die  Schiffikhrt  73  Tage  dauerte*).  Der  betreflfende 
Brief  ist  aus  JPalma  den  1:^6.  Mäiz  1'?14  datirt  Die  folgenden  bis 
zum  lezten  und  154.  Briefe  schliessen  nur  mit:  A  Dios;  Palma  etc. 
Xr.  14  der  „Apendices"  enthält  einen ,  bisher  sicher  unbeachteten  Brief- 
wn'lisel  zwischen  Äern.  Boil^  der  hier  „Apostolischer  Vicar"  für  Indien 
^tiiannt  wird,  .und  einem  Gelehrten  auf  Mäjorca,  Anidld.  Descos, 


§.    6. 

Mit  den  übrigen  Vertriebenen  kehrten  im  Jahre  1823 — 1824  auch 
üe  Jesuiten  nach  Madrid  zurück.  Unter  ihnen  war  der  berühmte 
F<m8tin  Arevalo^  Herausgeber  der  „christlichen  lateinischen  Dichter",  und 
Kr  Werke  des  Isidor  von  Sevilla.  Nach  der  Wiederherstellung  der  Jesuiten 
in  Spanien  war  er  im  Jahre  1813,  troz  alles  Abmahnens,  in  seine 
Ikiniath  zurückgekehrt.  Man  wusste  nur  noch,  dass  er  im  Jahre 
iSl6  in  Spanien  lebte.  Die  Brüder  Backer  in  ihrem  grossen  Werke: 
Schriftsteller  der  Gesellschaft  Jesu",  wussten  nichts  über  seine  späteren 
^-•-it  ^).     Er   musstc,  wie  die  andern  Jesuiten,    vor  der  Revolution  des 


•)  T.  XI,  p.  162|— 163. 

»)  Villanueva,  XXII,  p.  161. 

')  Ich  crkandigte  mich  bei  Jesuiten  in  Barcelona  und  Madrid  über  ihn;  sie 
'•ir  urklärten,  dass  sie  auch  nichts  finden  könnten.  Kurz  nach  meiner  Bückkebr 
IS  S|)anien  —  28.  Mai  1865  —  durchblätterte  ich  eine  seit  der  Rostauration  Fer- 
dinand'b  VII.  erscheinende  religiöse  Zeitschrift  in  Madrid,  in  welcher  ich  die  Nacbricht 
')U  dem  am  7.  Januar  1^*21  zu  Madrid  erfolgten  Tode  Arevalo's  fand.  In  dem 
urzcn  Nekrologe  werden  seine  uns  schon  bekannten  Schriften  angeführt.  Es  geht 
iiniua  hervor,  dass  in  den  Jahren  1813—1824  seine  schriftstellerische  Thätig- 
■M  ruhte. 


1> 


438  Vierzehntes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

1.  Januar  1820  fliehen,  kehrte  am  Ende  des  Jahres  1823  nach  Madri.; 
zurück,  and  starb  nach  wenigen  Tagou  am  7.  Januar  '82-J,  im  Alta 
Yon  77  Jahren. 


§.  7. 

Sammid-  Der  (spätere)  Bischof  von  Menorca,   der  Dominikaner  Juan  Au'. 

dirn  ^^  Merino^    gab  die  „Coleccion  Ecclesiastica  Espanolu"  heraus,  di 
DUa    Sammlung  aller  päpstlichen  Breven,  Noten  des  Nuntius,  Eingaben  d>: 

^'a°!!  Bischöfe  an  die  Cortes,  Hirtenbriefe  und  Edicte  derselben  mit  andei; 
Aktenstücken,  betreffend  die  von  den  Constitutionsmäunern  in  kirclt- 
liehen  Angelegenheiten  gemachten  Neuerungen,  angefangen  vom  7.  Wh^ 
1820.  —  Madrid,  1823—1824.  Die  Sammlung  erschien  in  14  Bäudn 
meist  kleinern  Umfangs.  Aus  den  Briefen  des  Papstes  an  den  Car- 
dinal Luis  (IL)  de  Bourbon  sieht  man,  wie  wenig  derselbe  mit  dessn 
nachgiebiger  Haltung  zufrieden  war.  Er  treibt  ihn  dringend  an,  d: 
er  durch  irgend  ein  Pastoralschreiben  sich  gegen  die  gefahrliclii 
Schriften  ausspreche;  er  schreibt  ihm  wieder,  nachdem  er  erfahren,  du 
er  die  Jurisdiction  über  die  Mönche  an  und  über  sich  genommen,  nv: 
damals  nichts  anderes  bedeutete,  als  dass  er  ihnen  zu  der  von  Ac. 
Regierung  verlangten  Säcularisation  verhelfen  wolle.  Aber  Luis  Bourbi  i 
fürchtete  oder  respectirte  die  Männer,  die  riefen:  „Die  Constitution 
oder  der  Tod",  viel  mehr,  als  den  fernen  Papst.  Weil  die  Biscbofi 
kein  Haupt  hatten,  so  war  Jeder  für  sich  gezwungen,  in  den  allir^* 
meinen  Anliegen  der  spanischen  Kirche  an  den  Papst  sich  zu  wendcu'/ 
—  Im  Zusammenhange  mit  dieser  Sammlung  steht:  „Coleccion  d 
documentos,  que  manifiestan  la  conducta  del  obispo  de  Urgel,  u.' 
Bezug  auf  die  von  den  Cortes  in  dem  zweiten  Zeitraum  des  consii 
tutionellen  Regiments  in  kirchlichen  Dingen  gemachten  Neuerungen* 
Madrid,  1823. 

Bernard  Franz  Caballero ,   der  als  Bischof  von  Urgel  (1817  l- 
1824)  an  der  Spize  der  sogenannten   „apostolischen  Junta  von  Urgel 
gestanden   war,   wurde   am   27.   September    1824   als   Erzbischof  vci 
Saragossa  bestätigt. 

Der  Dominikaner «/.  Merino  gab  auch  die  „Biblioteca  de  Religion  *' 
heraus,  eine  Sammlung  von  Uebersezungen  verschiedener  Schriften  :lK!^ 
aus  dem  Französischen  u.  s.  w.    Der  I.  und  IL,  X.   und  XI.  Bai 


1.1 


')  Eine  ausführliche  Inhaltsangabe  der  14  Bände,  leider  ohne  Zeitiio^i!- 
siehe  in  Hidalgo's  „Diccionario  gcneral  de  Bibliografia  Espafiola  (des  neunzehn'. 
Jahrhunderts),  1H62,  I,  p.  182— lb6. 

*)  Biblioteca  de  religion,  ö  sea  Coleccion  de  obras  contra  la  incrediilidad . 
errores  de  estos  uUimos  tiempos,  Madrid,  1826—1829,  25  tom. 


Die  Kestaaration  von  1823 ->  1629.    Neue  Bischöfe.  439 

enthalten  den  ,)Versucli  des  Abbä  de  la  „Mennais  über  die  ludifierenz 
iü  Sachen  der  Religion";  Band  III — VI  den  philosophischen  Kate- 
chismus, oder  Bcuicrkungen  zur  Vertheidigung  der  katholischen  Reli- 
gion. Band  XXV  handelt  über  die  geheimen  Gesellschafleu,  und 
enthält  einen  „Index"  über  sämmtliche  Bände,  an  denen  vielleicht  nur 
auszusezen  ist,  dass  zu  viel  Franzosisches,  und  zu  wenig  Spanisches 
darin  enthalten  ist.  Denn  der  Unglaube  kam  nicht  bloss  aus  Frank- 
reich nach  Spanien,  und  die  Freimaurer  kamen  zunächst  aus  England  *). 
—  Im  Jahre  1831  wurde  Merino  Bischof  der  kleinen  und  abgelegenen 
Diöcese  Menorca.  An  dem  berühmten  politisch -religiösen  Zeitblatte: 
„EI  Restaurador"  nahm  er  thätigen  Antbeil. 

In  der  Zeit  von  1824— 182U  erfreute  sich  die  Kirclie  von  Spanien  2^*»*'^^" 

1824 

der  vielverheissendsten  Blüthe,  die  bald  wieder  von  neuen  noch  grössern  isss. 
Stürmen  zerknickt  wurde.  Die  aus  der  Verbannung  heimkehrenden 
Bischöfe  predigten  überall  Mässigung  und  Versöhnung.  Die  neuge- 
wählten Bischöfe  waren  ausgezeichnete  Männer.  Am  27.  September 
1824  wurde  Petrus  Inguanzo  y  Ribera  Primas  von  Toledo  (geboren  1761 
zu  Slanes  in  Asturien).  In  dem  Jahrzehent  von  1814  — 1824  war  er 
Bischof  von  Zamora  gewesen.  Die  erwähnte  „kirchliche  Sammlung^^ 
brin£:t  eine  irrosse  Anzahl  von  Actenstücken  aus    den  Jahren  1820  bis     ^^° 

,  ,  ,        neuen 

1823  von  ihm.     Durch  seine  Thatkraft  und  Todesverachtung  war  er  iuBUcböfe 
diesen  Jahren   der  Verfolgung  Haupt  fast   des   gesammten   spanischen  ^°gf?* 
Episcopates  gewesen.    Ihm  gebührte  darum  auch  die  Ehre,   nach   der 
WTfolgung   mit   der   ersten  Würde   der  Kirche  Spanien's   geschmückt  p"°*» 
zu  werden.    Am    20.  December    1824   wurde   derselbe  auch   als  Car-     eo. 
dinalpriester  ernannt. 

Neben  ihm  und  B.  Fr.  Caballero  von   Saragossa   wurde   in   dem 
Consistorium   vom   27.  September   auch   der  Oratorianer  Simon  Lopez 
von    dem  Bisthume  Orihuela   auf  das  Erzbisthum  Valencia   befördert. 
Er  starb  schon  am  3.  September  183j.    Am  20.  December  1824  wurde 
der  berühmte  und  vielverdiente  Kapuziner  Bapha'd  Velez^  früher  Bischof  ^**>« 
von  Ceuta  (1817 — 1824),  im  Jahre  1824  ernannter  Erzbischof  von  Burgos,  veie«, 
als  Erzbischof  von  Santiago  präconisirt.    Er  war  am  17.  October  1775  K»pn«. 
im   Erzbisthume    Granada   geboren.     Er   vcrfasste  die  Schrift:    9,Ver- 
nrahrungsmittel  gegen  die  Gottlosigkeit^^'),  von  welcher  in  den  Jahren 
1812 — 1813   zwei  Ausgaben  veranstaltet  wurden.     Sein   berühmteres, 
(Ton  ihm   als  Bischof  von  Ceuta  geschriebenes  Werk  war:   „Apologie 
les  Altars  und  des  Thrones^^^),    1818.    Er  wollte  darin   die  Religion 


0  Hidalgo,  Diccionario,  I,  p.  254—255. 

')  Preservativo  contra  la  irreligioD,  per  el  P.  Eafäel  Fe^ez,  Madrid,  1813. 
')  Apologia  del  Altar  y  del  Trono,  ö  historia  de  las  reformas  hechas  en 
[Cspa&a   en  tiempo  de  hs  llamadas  Cörtcs,  ö  impugnaclon  de  algunas  doctrinas 


440  Vierzehnles  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

gegen  die  Angriffe  vertheidigen,  welche  sie  durch  die  gottlosen  SchrifteL 
der  lezten  Zeit  erlitten  hatte,  die  gesunde  Lehre  einprägen,  den  ans 
ihr  flicssenden  Nuzen  zeigen,  den  Schleier  der  eitlen  Versprechen  zer- 
reissen,  womit  die  Neueren  die  Unvorsichtigen  verfuhren  wollten,  er 
wollte  die  so  sehr  verherrlichte  Volks- Soaveränität  bekämpfen,  die 
verderblichen  Systeme  der  Constitutionisten,  ihre  Absichten,  ihre  Hal- 
tung, ihre  aufrührerischen  Pläne  enthüllen,  ebenso  die  verderblichcu 
Folgen  der  Constitution,  die  Identität  der  leztem  mit  der  „assemblt-e 
nationale"  in  Paris,  endlich  will  er  die  Einigkeit  der  Gemüther  und 
den  Frieden  befestigen,  welchen  uns  unser  geliebter  Souverain  (Ferdi- 
nand VII.)  gab-  Gegen  Angriffe  auf  sein  Werk  liess  Velez  zwei 
„Anhänge"  erscheinen,  Madrid,  1825;  die  Angriffe  rührten  von  einem 
gewissen  C  Vem.  .  •  und  von  dem  „illustren  CoUegium  der  Advocaten 
in  Madrid"  her*). 


§.  8. 

bis^wfa  ^^^  Erzbischof  von   Tarragona,  Bomuald  Mon  y  Vdarde  (1804 

v.Tarra-bis   September   1816)   verHess   wegen   der  Kriegsschrecken   im    Jahre 
1804—  ^^^^  Tarragona,   und  zog  sich  mit  den  andern  Bischofen  Catalonien'b 
1854.    und  mit  dem  grössern  Theile  seiner  Domherrn  vor  den  Franzosen  nach 
veu^de  ^^]^^^'^  zurück,   WO   sic   bis  zum  Ende  des  Kriegs  verweilten.    Nach 
seiner  Rückkehr  war  der  erzbischöfliche  Palast  so   zerfallen,   dass    er 
nicht  mehr  bewohnt  werden  konnte.     Im  Jahre  1815  beschloss   er  ihn 
von  Grund  aus  neu  zu  bauen,   und  gab  aus  seinen  Mitteln  dazu  einen 
freiwilligen  Beitrag  von  82.000  Liras  catalanischer  Münze.    Als  er  im 
Jahre  1816  nach  Sevilla   versezt   wurde,   so  befahl   er,   dass  das   be- 
gonnene Werk   auf  seine  Kosten   vollendet  werde.     (Doch  starb  er  in 
Sevilla  schon  am  16.  December  1819)'). 
BergoBA  ^^^^  B&i*qo8ay  Jordan  war  vom  Jahre  1801  bis  zum  15.  November 

y  Jor- 

dan.    1817  Bischof  von  Antequera  in  Mexico   gewesen.    Erst  am   2.  März 
1817—  ]8l8  ergriflF  er  Besiz  von  dem  Erzbisthume  Tarragona.    Er  beschenkte 


1819. 


seine  Cathedrale  mit  reichen  Paramenten,    wie  sein  Vorgänger,  beson- 
ders für  die  Pontificalämter,  und  für  die  feierliche  Procession  am  Feste 


publicadas  en  la  ConstitucioD,  diarios  y  otros  escritos  coatra  la  religioo  y  ol  estadr» 
por  D.  Fr,  Rafäel  de  Velez ,  del  örden  de  capachioos,  obispo  de  Ceata,  Madrid. 
1818  —  2  t.  4'  (pp.  4^0  et  348). 

')  Ap<^ndices  d  las  apologias  del  altar  y  del  trono,  Madrid,  ll^2'>.  —  Ilidabj».. 
I,  IK'),  V2\}. 

"*)  Ibi  tandem  gloria  decorus  die  10.  Deccmbris  1819  vitae  agoncm  feliciti  ^ 
consammavit,  sagt  sein  Nachfolger  J,  D,  Costa  y  Borrds  io  s.  „Obraa",  V,  ISit'^ 
p.  46. 


Erzbischöfe  von  Tarragona.  ^^i 

der  Piotomartyrin,  der  heiligen  Theda,     Er   starb    auf  dem  Wege   iu 
tin  Heilbad  am  18.  Juli  1819. 

Jacob.  Greus  y  Marti  stammte  ans  Matarö  bei  Barcelona;  er  war  j»c. 
Canonicus  an  der  Cathedrale  von  ürgel,  als  welchen  ihn  Ferdinand  VII.  ^^"^ 
im  Jahre  1814  zum  Bischöfe  von  Menorca  ernannte;  derselbe  ernannte 
ihn  noch  im  Jahre  1819  zum  Erzbischof  von  Tarragona,  und  er 
wurde  am  2*J.  Mai  1820  in  Rom  bestätigt.  Als  er  aber  aus  Menorca 
im  Januar  18^0  in  Barcelona  landete,  so  fand  er  ganz  Spanien  in 
höchster  politischer  Aufregung.  Er  konnte  darum  erst  nach  Bewälti- 
gung der  Revolution  von  1820  — 1823  durch  die  Franzosen  —  am 
1.3,  November  des  Jahres  1823  Besiz  von  seinem  Erzbisthume  ergreifen 
lassen.  Erst  am  18.  April  1824  zog  er  in  feierlichem  Aufzuge  in 
Tarragona  ein,  fünf  Jahre  nach  seiner  Ernennung.  Es  war  ihm  nur 
noch  ein  Jahr  zu  leben  beschieden.  Es  liess  Missionen  sowohl  in 
seiner  Cathedrale,  als  in  andern  Pfarreien  halten.  Während  er  seine 
Diöcese  visitirte,  war  er  nuermüdet  in  Verkündigung  des  Wortes 
Gottes.  Aber  schwer  erkrankt,  musstc  er  seine  Visitation  unterbrechen. 
Er  kehrte  nach  Tarraco  zurück,  und  starb  nach  fünf  Tagen  am  13.  Sep- 
tember 1825. 

Ihm  folgte  Anton.  Echanove  y  Zaldivar^  geboren  im  Jahre  1767, 
im  Jahre  18H  Abt  von  San  Ildefonso,  im  Jahre  1818  Erzbischof  von 
Leucosia  i,  p.  Am  25.  Juni  1826  nahm  er  Besiz  von  dem  Erzbisthum 
Tarragona.  Sogleich  begann  er  die  Visitation  seines  ganzen  Sprengeis, 
uud  führte  sie  zweimal  durch.  Als  die  Cholera  im  Jahre  1834  die  Stadt 
Tarraco  heimsuchte,  trug  er  eifrige  Sorge  für  das  geistige  und  leibliche 
Wohl  der  Erkrankten  und  theilte  grosse  Summen  an  die  Armen  aus. 
Nach  dem  Tode  Ferdinand's  VIL  suchten  ihn  die  Aufrührer  auf,  um 
ihn  zu  tödten.  Kaum  entgieng  er  ihren  Verfolgungen.  Er  entfloh  nach 
Menorca,  von  da  nach  Toulon,  lebte  eine  Zeit  lang  in  Frejus  und 
Nizza,  and  gelangte  im  Jahre  1839  nach  Rom,  wo  er  an  sechs  Jahre 
verweilte*). 

§.  9. 

Vor  und  besonders  in  den  Jahren  1820 — 1823,  wo  die  Liberalen 
in  Spanien  „Constitution  oder  der  Tod''  heulten,  rissen  sich  die  spa- 
nischen Golonien  in  Amerika  los,  und  constituirten  sich  als  besondere 
—  kleinere  —  Staaten.  Noch  zu  Zeiten  Pius'  VII.  suchten  sie  Unter- 
handlungen mit  Rom  anzuknüpfen.     Um  die  Kirche  in  diesen  Ländern 


^)  Im  römischen  „Aimuano"   und  darnach  in  meiner  „Scries  episcoporum' 
beisst  er  „Ferdinand'^ 

*)  „Obras"  del  arz.    Costa  y  BorraSy  V,  p.  45  —  50. 


442  VicrzehnUß  Buch.    Fünftea  Kapitel. 

nicht  untergehen  zu  lassen,  wurde  es  von  Tag  zu  Tag  nothwendiger, 
für  ihre  geistigen  Bedurfnisse  zu  sorgen.  Der  Staat  Columbia,  den 
Bolivar  leitete,  sandte  den  D.  Ignatio  Tejada  nach  Rom,  um  Bischot'o 
oder   apostolische  Vicare   sich   zu   erbitten.     Aber   der  Gesandte  Sj»a- 

Ritter  V.  jjigjj'g^  Marquis  de  la  Constancia,  vorher  Kitter  von  Vargas^  verlangte 
mit  Heftigkeit  von  dem  Papste  Leo  XIL,  dass  der  Gesandte  Colum- 
bia's  aus  Rom  entfernt  werde,  und  drang  wiederholt  auf  dessen  Ent- 
fernung. Ignaz.  Tejada  hatte  sich  nach  Bologna  begeben,  nachdem 
ihn  der  Staatssecretär  wie  der  Papst  empfangen  hatte*).  Weil  aber 
der  Einfluss  des  spanischen  Gesandten  sehr  gross,  und  weil  Ignatio 
Tejada  so  unklug  war,  sich  mit  den  Republikanern  einzulassen,  so  er- 
langte er  damals  nichts.  Aber  der  „Graf  von  der  Standhaftigkeil'' 
starb  am  24.  October  1824  —  zu  Rom,  im  Alter  von  84  Jahren^ 
nachdem  er  noch  kurz  vorher  am  28.  September  als  Doyen  der  Ge- 
sandten eine  herrliche  Anrede  zum  Jahresfest  der  Wahl  Leo's  XII. 
an  denselben  gehalten  hatte.  An  sich  war  sein  Tod  eiiv  schwerer 
Schlag  für  Spanien  und  die  Kirche;  denn  er  war  ein  durchaus  kirch- 
licher und  ehrlicher  Mann,   räumte   aber  doch  ein  grosses  Hinderniss 

Spaniea  für  den  Fortgang  der  Verhandlungen  mit  den  ehedem  spanischen  Colo- 

"«meri-  ^^^^^  hinwcg.  Der  Papst  stellte  der  Madrider  Regierung  vor,  die 
ka.  Bisthümer  in  Amerika  seien  verwaist,  die  Gläubigen  verlangen  laut 
nach  Hirten.  Seine  Pflicht  sei  es,  die  spanische  Regierung  anfzu- 
fordern,  entweder  ihre  Colonieen  wieder  zum  Gehorsame  zorückzu- 
f Uhren,  oder  es  zu  gestatten,  dass  der  Papst  den  erledigten  Kirchen 
wieder  Bischöfe  geben  könne.  Der  Papst  richtete  am  20.  Juni  1825 
an  den  Präsidenten  von  Mexico  ein  höfliches  Antwortschreiben.  Diplo- 
matische Beziehungen  zwischen  Rom  und  den  südamerikanischen  Repu- 
bliken stellten  sich  allmälig  ein  und  her. 

Biwhöfe  In   dem  Consistorium   vom  21.  Mai  1827  wurden   endlich  einige 

ameri-  Bisthümcr  in  Südamerika  besezt  das  Erzbisthum  Bogota,  das  Erzbis- 
ka.  thum  Venezuela,  die  Bisthümcr  Quito  und  Santa  Marta  in  Colnmbicu, 
Cuenca  in  Peru,  und  San  Salvador  in  Brasilien.  In  diesem  Consisto- 
rium sprach  Leo  XIL:  „Immer  schwebten  uns  die  Kirchen  Amerika's 
vor  Augen,  welche  bei  vieljährigem  Mangel  an  Hirten  unter  einer  be- 
trübenden Reihe  von  Uebeln  leiden.  Unser  Herz  wurde  immer  schmerz- 
lich verwundet,  wenn  man  Uns  von  den  Klagen  der  trostlosen  Gläu- 
bigen berichtete,  weil  Niemand  sich  fände,  ihnen  das  Brod  des  Lebens 
zu  brechen.  Wir  haben  diesen  Kirchen  darum  Bischöfe  gegeben, 
welche  mit  Hirtentugenden  geziert  sind,   welche  jene  Kirchen  von  den 


')  SchoD  unter  Pius  VII.   hatte  Chili  den  D.  Cienfnegos  als  Unterhändler 
nach  Rom  gesandt. 


Karzer  Conflikt  mit  Rom,  1827—1828.    Die  Regentschaft  von  1833  flg.      443 

Makeln  reinigeD  und  sie  wieder  aufblühen  machen  werden').  Der 
Geschäftsträger  Spanien 's  in  Boni,  Azaricij  berichtete  nach  Madrid, 
dass  zwischen  Rom  und  dem  erwähnten  Ign.  Tejada  ein  Concordat 
geschlossen  worden  sei.  Ferdinand  VII.  legte  die  Sache  seinem  Staats- 
rathe  vor,  der  nach  sehr  stürmischen  Debatten  beantragte,  den  neuen 
päpstlichen  Nuntius  Tiberi  nicht  zuzulassen.  Alle  Grenzbehorden  er- 
hielten Befehl,  ihm  den  Eintritt  in  Spanien  nicht  zu  erlauben.  Am 
21.  Juni  (1827)  lief  eine  neue  Note  des  Gesandten  aus  Rom  ein,  des 
Inhalts,  der  Konig  möge  den  Ernennungsbullen  für  die  Bischöfe  in 
Amerika  das  Exequatur  crtheilen. 

AUmälig  wurde  man  ruhiger  in  Madrid.  Eine  Junta  von  Bischöfen, 
Mönchen  und  Richtern  erhielt  den  Auftrag,  ein  Gutachten  abzugeben. 
Der  Nuntius  Tiberi  war  am  18.  Juni  in  Bayoüe  augelangt,  und  musste 
dort  mehrere  Monate  warten.  Er  wurde  endlich  als  päpstlicher  Legat 
zugelassen.  Ferdinand  liess  ihn  durch  einen  Generalcapitän  begiüssen. 
Vom  28.  September  bis  7.  October  reiste  er  unter  den  üblichen  Ehren- 
bezeugungen von  Bayonne  nach  Madrid.  Herr  von  Labrador,  der  sich 
besonders  auf  dem  Wiener  Gongress  ausgezeichnet,  kam  als  spanischer 
Gesandter  nach  Rom. 

§.  10. 

Ferdinand  VIL,  noch  immer  ohne  Thronerben,  heirathete  in 
dritter  Ehe  im  Jahre  1^29  die  Neapolitanerin  Marie  Christine  (+  1878), 
welche  die  Quelle  so  vieler  Leiden  für  Kirche  und  Staat  in  Spanien 
geworden.  Dieselbe  vermochte  den  König,  das  salische  Gesez  der 
Erbfolge  aufzuheben,  und  das  frühere  spanische  Thronfolgegesez  wieder 
herzustellen  —  29.  März  1830.  Isabella  (II.)  wurde  im  Jahre  1830 
geboren.  Im  September  1832  nahm  Ferdinand  VII.  seine  Verfugung 
vom  29.  März  1830  zurück,  und  widerrief  bald  darauf  diese  Zurück- 
nahme« Don  Carlos,  der  Bruder  des  Königs,  protestirte  den  29.  April 
1833,  von  Portugal  aus,  gegen  alle  Eingriffe  auf  sein  legitimes  Erb- 
recht in  Spanien. 

Ferdinand  VII.   starb   am  29.  September  1833').    Seine  Wittwe  TodFer- 
übernahm  die  Regentschaft.     Der  Nuntius  Tiberi,  der  am  2.  Juli  1832^"^* 
Cardinal  geworden,  war  nach  Rom  zurückgekehrt.   Amat  di  San  Felipe  1 1833. 
e  Sorso,   Erzbischof  von   Nicaea  (t  ^^0.  März  1878),  folgte  ihm   als 
Nuntius.    Die  neue  Regierung  weigerte  sich,  ihn  anzunehmen,  bis  seine 
Creditive  auf  Isabella  IL  lauteten.     Der  Papst   befahl  aber,   nachdem 
er   mit   der  Regierung  von  Madrid  Unterhandlungen   gepflogen,   dem 


»>  Artaud'Scherer,  Leben  Leo's  XII.,  S.  o74.    Alig.  Ztg.  1827,  nr.  162. 
*)  L*£Bpagne  boqs  Fcrdinantl  VJL,  par  le  marqnis  de  Custinc,  Paris,  1888,  4  voL 


444  Vierzehntes  Buch.    Füuftes  KnpiteL 

schon  iü  Madrid  weilenden  Nuntius,  zurückzukehren.  Die  neue  Re- 
gierung aber  zeigte  sehr  bald,  dass  Papst  Gregor  XVI.  ihre  Pläne 
durchschaut  hatte. 


§.  11. 

Einoge-  Am  22.  April  ]8o4  verfugte  der  Justizminister  Gareliy,  Mitglied 

"jul^u!*  ^^  Ministeriums  Martinez  de  la  Rosa,  die  Errichtung  einer  aus  liberalen 
Prälaten  und  hohen  Beamten  bestehenden  geistlichen  Junta,  welche  die 
neue  Organisation  des  Klerus  vorbereiten  sollte.  Auf  Grund  der  Herstel- 
lung einer  neuen  kirchlichen  Statistik  sollte  eine  neue  kirchliche  Eintheilang 
und  Dotation  des  Klerus  durchgeführt  werden     Aber  schon  am  22.  April 

1834  verbot   die   Regierung  allen   Mönchsklostern   die  Annahme    von 
Der    Novizen.    Als  im  Jahre  1834  die  Cholera  in  Spanien  wüthete,  so  wurden 

Sturm      -  \  <•  j 

gegen  dem  Pöbel  die  Mönche  als  Vergifter  (der  Brunnen?)  vorgeworfen;  der 

f^  Pöbel  ermordete  erst  einzelne  Religiösen,  erstürmte  dann  die  Kloster' 
raubte  sie  aus,  und  erwürgte,  was  in  seine  Hände  fiel.  160  Elapuziner 
und  18  Jeluiten  verloren  in  Madrid  ihr  Leben').  Ueber  ganz  Spanien 
ergoss  sich  die  gleiche  Wuth.  Obrigkeiten  oder  Gerichte  schien  es 
nicht  mehr  zu  geben;  es  gab  vielmehr  blutige  Gerichtsferien. 

Durch  Decret  vom  4.  Juli  1835  wurden  die  Jesuiten  aufgehoben. 
Am  15.  Juli  wurde  die  Inquisition  aufgehoben,  ihre  Giiter  wurden  der 
Staatsschulden tilgungscommission  zugewiesen.    Ein  Decret  vom  25.  Juli 

^^^    verordnete   die  Aufhebung  aller  Klöster  der  i^önche,   in  denen   nicht 
anfgeho- wenigstens  12  Mitglieder  sich  befanden,   welche  die  Gelübde  abgelegt. 

^«°     So  sollte  das  Eigenthum  von  1848  Klöstern  vom  Staate  eingesackt  werden. 

1836.  Dieses  Decret  Hess  nur  die  Häuser  der  frommen  Schulen,  die  Regular-Cano- 
nicer  und  die  CoUegien  der  Missionäre  für  die  Philippinen  ausdrücklich 
bestehen.  Die  Mönche  der  aufgehobenen  Klöster  sollten  sich  in  die  noch 
bestehenden  zurückziehen.  Die  lezten  Schläge  gegen  die  Klöster  führte 
der   Jude,   Fiuanzminister  Mendizabal.     Ein  Decret   vom    11.  October 

1835  verfügte  wieder  die  Aufhebung  vieler  Orden  und  Klöster,  der 
regulirten  Chorherni  von  Set  Benedict  von  der  Congregation  von 
Saragossa,  der  Augustiner  und  Prämonstratenser,  und  kündigte  die  Auf- 
hebung aller  noch  übrigen  Klöster  an.  Durch  Regierungsbeschlnss 
vom  18.  Januar  1836  wurden  37  Mönchsklöster  in  Madrid  geschlossen. 
Die  Mönche  wurden  mitten  in  der  Nacht  ausgewiesen,  und  ihrem  Elende 
preisgegeben.  Als  die  Gläubigen  am  andern  Morgen  an  die  Kloster- 
kirchen kamen,  fanden  sie  Alles  geschlossen. 

Mittlerweile  wüthete  der,   wenn  er  gereizt  wird,   stets  nach  Blut 


')  Baumgarten f  Geschichte  Spanien's  (von  1789—1837),  in   drei  Banden, 
III.  Band,  Leipzig,  1871,  p.  280. 


Grenel  in  Saragossa  183r».  445 

dürstende  Pobel  Spanien's   im   ganzen  Lande  gegen   die  Mönche,   die 
Bischöfe  und  den  Klerus  überhaupt. 

Am  24.  Juli  1834  waren  die  Cortes  eröffnet  worden.    Der  Cardinal  Cardina 
Ingnanzo  von  Toledo  trat  in  diese  Cortes  nicht  ein.     Er  wurde  zulczt  '°^"'"* 
in  seinem  eigenen  Palaste  confinirt^  von  dem  Verkehre  mit  der  Aussen-  Jannar 
weit  ganz  abgeschlossen,   und  er  starb   daselbst  schon  am  30.  Januar    '^ 
1836,  72  Jahre  alt*). 

Die  Ungestraftheit,  deren  sich  die  Madrider  Morder  des  17.  Juli 
1834  eriireuten,  reizte  zur  Nachahmung.  Unter  dem  Vorwande,  dass 
der  Erzbischof  B.  Fr.  Caballero  den  als  liberal  geltenden  Priestern 
ihre  Vollmachten  entzogen  habe,  stürmten  Pobelhaufen  durch  die 
Strassen  von  Zaragoza,  unter  dem  Rufe:  Tod  dem  Erzbischof,  und  Tod 
dem  Kapitel!  sie  ermordeten  mit  entmenschter  Wuth  den  Canonicus 
Marco,  den  Bruder  des  römischen  Cardinais  (1828  —  f  1841)  Marco  y 
Catalan,  troz  seiner  Popularität,  und  obgleich  er  für  liberal  galt;  ferner 
einen  Privatgeistlichen,  zwei  Mönche  in  dem  Kloster  von  San  Diego, 
und  einen  Franciscanerlaienbruder.  Der  Buchhändler  Pardo,  ein  durch- 
aus friedliebender  und  harmloser  Manu,  wurde  an  der  Thüre  seines 
Hauses  ermordet.  Ein  bösartiger  Mönch,  ein  Organist,  führte  die  Meuchel- 
mörder in  sein  eigenes  Kloster  de  la  Victoria,  wo  vier  Religiösen  in  der 
Kirche  vordem  Sänctissimum  ermordet  wurden;  ein  anderer  Mönch  wurde 
schwer  verwundet,  sowie  zwei  andere  in  dem  Kloster  San  Diego 
(3.  April  1835).  Der  Organist  von  la  Victoria,  der  Militär  geworden, 
wurde  in  Unter -Aragon  erschossen. 

An  demselben  S.April  1835  schrieb  der  Generale»  pitän  dem  Erz- DwErz. 
bischof ,   „dass  wichtige  Gründe  der  Kühe  und  Ordnung,  worüber  er  ^**^*'^^ 
der  Regierung  Rechenschaft  geben  werde,  ihn  zwängen,  den  Erzbischof  lerover 
zu  ersuchen,   ohne  Verzug  nach  Barcelona  abzureisen"*).     Sein  Leben  ^*'*^*' 
war  aber  in  Barcelona  nicht  weniger  gefährdet  als  in  Zaragoza.  —  Er 
blieb   bis   zum   11.  August  in  Lerida.     Als  aber  eine  drohende  Volks- 
bewegung ausbrach,  musste  er  in  das  Arranthal  fliehen,  dessen  Gouver- 
neur  ihn   mit  sich   nach  Frankreich   nahm.     Er   wohnte   in   Toulouse, 
Tours,   zulezt  im  grossen  Seminar   von  Bordeaux.     Doil   starb   er   in 
der  Verbannung  am  15.  December  1843,   nachdem   er   noch  eben  das 
Aufleuchten  einer  bessern  Zeit  für  Spanien  gesehen  hatte. 


';  Parro  in  s.  ^Toledo  in  der  Hand**  wirft  ihm  Härte  und  Bitterkoit  vor, 
wahrend  er  den  Luis  11.  Bourbon  gar  sehr  erhebt,  troz  aller  „sinsabores**  mit  seinem 
Oheim  nnd  Souverän.  —  Pardo^  I,  p.  851--8r*2  (Sn  instruccion,  religiosidad,  severi- 
dad  de  costnmbres  y  caridad  para  eon  los  pobres,  eran  nororias,  pero  bii  genio 
acre  y  desabrido  trato  deslacieron  mucho  aqncllas  brillantes  cnuliüades.  Publico 
aigunos  cBcritos  mny  apreciables). 

'j  Caballero'ä  Leben  in:  Bemh.  Wagner,  Biographieen  dchkwnrdiger  Priester 
und  Prälaten  (Im  neunzehnten  Jahrhundert)  184C;  S,  C^i—^. 


446  Vierzehntes  Buch.    FOnftes  Kapitel. 

Nenef  ^^  ß.  Juli  ]  835  brach  ein  neuer  Sturm  in  Zarascoza  los,     Diess- 

fltnrm  In 

z»rigo-  Daal  genügte  der  Mord  von  1 1  Mönchen  nicht.    Die  Kloster  der  Augo- 
«*•     stiner  und  Dominikaner  wurden  niedergebrannt.    Am  7.  wurde  die  Ruhe 
durch  die  Miliz  wiederhergestellt,  ja  sogar  zwei  Rädelsführer  erdrosselt, 
was  sonst  sehr  selten  in  Spanien  geschah'). 

Nun  hatte  der  Pöbel  Blut  gekostet,  und  er  lechzte  nach  mehr 
Blut  ,,Nieder  mit  den  Mönchen'',  hatten  die  Exaltados  von  Catalonien 
schon  lange  gerufen.  Es  hiess,  dass  einzelne  Abtheilungen  der  Car- 
listen  in  Catalonien  von  Mönchen  geführt  werden.  Eine  Abtheilung 
der  Miliz  von  Reus,  der  stets  revolutionären  Stadt,  wurde  von  Carlisteo 
überfallen,  und  sechs  Mann  ermordet.  Einer  der  Städtischen,  Vater 
von  acht  Kindern,  sei,  hiess  es,  auf  Antrieb  eines  Mönches  gckrenzigt, 

Oreaei  und  ihm  die  Augen  ausgerissen  worden.     Am  22.  Juli  brach  die  Wuth 

in  Reu«,  ^^g  Volks  iu  Rcus  los,  lu  der  Nacht  wurden  die  Klöster  erstürmt,  in 
Brand  gesteckt,  und  alle  Mönche,  die  gefunden  wurden,  ermordet. 

Schon  am  24.  Juli  wusstc  man  in  Barcelona,  was  die  „Patrioten' 
in  Rens  vollbracht.  Die  Wühler  erzählten,  man  habe  in  einem  Kloster 
Barcelona's  Waffen  für  die  Carlisten  gefunden.  Zur  Feier  des  Namens- 
festes der  Königin- Mutter  war   am  25.  Juli  ein  Stiergefecht  arrangirt. 

In  Bar-  Wenn  die  Stiere  schlecht  kämpfen,  keine  Pferde  niederbohren,  und  dem 
Mordstahl  des  Matador  ausweichen,  gerathen  die  Zuschauer  in  die 
höchste  Wuth.  An  diesem  Tage  aber  kämpften  die  Stiere  unerhört 
schlecht.  Wohl  10.000  Zuschauer  waren  da,  unter  ihnen  nicht  wenige 
Wühler,  welche  die  Gluth  schürten.  Wüthend  begann  das  V^olk,  die 
Size  zu  zertrümmern,  und  warf  sie  auf  die  Stiere  hinab.  Vergebens 
erscholl  der  Ruf:  bessere  Stiere!  Als  auch  der  lezte  Stier  sieb  sehen 
benahm,  stürzte  sich  ein  Haufe  auf  ihn,  erschlug  ihn,  und  schleppte 
ihn  unter  cannibalischem  Geheul  durch  die  Strassen  der  Stadt.  Die 
schwache  Garnison  vermochte  keinen  Widerstand  zu  leisten.  Stets 
wilder  ertönte  der  Ruf:  Tod  den  Mönchen.  Zuerst  warf  man  den 
Augustinern  und  Franciscanern  nur  die  Fenster  ein.  Bald  stand  das 
Carmeliten-,  und  in  Kurzem  standen  sechs  Klöster  in  Flammen.  Die 
Mönche,  welche  den  Mordbrennern  in  die  Hände  fielen,  wurden  grausam 
ermordet;  32  wurden,  die  einen  erschossen,  die  andern  mit  Stöcken 
und  Steinen  erschlagen,  die  andern  in  ihre  brennenden  Wohnungen 
zurückgetrieben.  Andere  wurden  von  Mitleidigen  mit  eigener  Lebens- 
gefahr gerettet.  Grosse  Schäze  der  Kunst  und  der  Literatur  giengen 
an  diesem  Schreckenstage  verloren*). 


»)  Pirala,  Guerra  civil,  II,  p.  51  —  117  flq.  —  Baumgarien,  S,  S.  38S— 383. 

*)  In  dem  Werke  von  Amat  y  Torres:  Escritores  Catalanes  —  1836,  liest 
man  oft :  dieses  oder  jenes  Werk  befand  sich  vor  dem  t^5.  JoH  1835  In  diesem  oder 
jenem  Kloster;  in  jener  Nacht  aber  gieng  es  zu  Grunde. 


Die  blutige  ßevoIntioD.    Allocution  vom  9.  Februar  1830.  -^47 

Wie  eine  Epidemie  verbreiteten  sich  die  Klostcrbrände  und 
Moiichsmorde  über  ganz  Catalonien,  von  da  giengen  sie  nach  Valencia 
und  Murcia  über.  In  Marcia  aliein  wurden  vier  Kloster  in  Asche 
gelegt.  Von  neuem  vrurde  Aragon  Scbauplaz  dieser  Greuel.  Der 
Statthalter  LIauder  von  Catalonien  hob  alle  Klöster  auf,  weil  er  doch 
nicht  im  Stande  sei,  sie  zu  schüzen^). 

In  Murcia  brach  der  Sturm  schon  am  6.  April  1835  aus.  Der 
Bischof  musste  fliehen ,  um  sein  Leben  zu  retten.  Der  Bischofliche 
Palast  wurde  geplündert  und  dem  Erdboden  gleichgemacht  Am 
31.  Juli  wurden  sodann  die  vier  Klöster  der  Dominikaner,  der  Francis- 
caner,  der  Trinitarier  und  der  Mercedarier  angezündet.  Ajigeblich  wegen 
politischer  Vergehen  wurde  zu  Valencia  der  Decan  von  Murcia,  Blas. 
Ostolaza,  welcher  einst  Beichtvater  des  Don  Carlos  gewesen  war,  er- 
schossen. Alle  Klöster  dieser  Provinz  wurden  unterdrückt«  Dasselbe 
geschah  in  Mallorca,  angeblich  weil  ein  Kleriker  und  einige  Mönche 
ao)  Bürgerkriege  Theil  genommen.  Die  Junten,  die  sich  in  den  ver- 
schiedenen Provinzen  unter  dem  Vorwande  gebildet,  die  Constitution 
zu  verkündigen,  nahmen  das  Geschäft  auf  sich,  überall  mit  den  Klöstern 
fertig  zu  werden.  In  Salamanca  wurden  sie  am  20.  August  (1835^  KiSiter 
geschlossen,  am  23.  August  wurden  die  Mönche  in  Malaga  kopfüber  uberau 
ausgetrieben^  und  anderwärts  folgte  man  diesem  Beispiele.  ment. 

Der  Monat  Juli    wurde    verhängnissvoll    auch    für  die  Klöster 
der   Nonnen.     Nachdem    dieselben  meist  thatsächlich  unterdrückt  wor-  Nonnen- 
den, gaben  ihnen  die  Cortes  am  29.  Juli  1837  vollends  den  Gnadenstoss.  '^^^^^^ 

Der  Monat  October  des  Jahres  1835  war  reich  an  Decreten  gegen 
den  Klerus.  Alfons  Gomez  Becerra  war  Minister  der  Gnaden  und 
der  Justiz.  Im  October  wurden  die  Güter  aller  Klöster  dem  Staats- 
schaze  zugesprochen,  auch  derjenigen,  deren  Erhaltung  ausdrücklich 
ausgesprochen  worden.  —  Der  Minister  bestimmte  nach  seinem  Gut- 
dünken den  Gang  der  Studien  in  den  Seminarien;  dieselben  wurden, 
ohne  Rücksprache  mit  den  Bischöfen,  in  kleinere  und  grössere  getheilt. 


In  dem  geheimen  Consistorium  vom   1.  Februar  1836  hielt  Papst  Papst 
Gregor  XVI.   seine   erste  Allocution   über   die  Verfolgung   der  Kirche  ^^^^^^ 
in   Spanien.     Er   beklagt   und   verwirft   die   Angriflfe   auf  die   Kirche,  i.  Febr. 
„dass   man  die  Censur  der  Bücher   den  Bischöfen   grösstentheils  ent-    ^'^'*' 


Die 


*)  Pirakty  Qnenm  civil,  t.  II,  passim  —  LIauder ,  Mcinorias  docnmenfadas, 
I,  p.  120  sq.  U,  p.  74.  —  Anales  del  reinado  de  DoCia  lsabel  II,  obra  posflinroa  de 
l>.  Javier  de  Burgos,  Madrid,  1850-1851,  6  vol.  4".  —  II.  p.  162  sq.  —  Baum- 
(jurfen,  lU,  p.  382 -38J^.     Vic  De  IjaFuente,  VI,  p.  217  — 2iO, 


448  Vierzehntes  Buch.    Ffliiftes  E^apitel. 

zogen,  die  Berufung  von  ihrem  Ansprüche  an  ein  weltliches  Tribunal 
gestattet,  dass  man  eine  Junta  niedergesezt  habe,  um  die  Normec 
einer  allgemeinen  kirchlichen  Reform  zu  entwerfen;  dann  jenes  Ge- 
sez,  durch  welches  man  zuerst  die  Aufnahme  von  Novizen  verboten, 
bald  darauf  die  meisten  Kloster  aufgehoben,  und  ihre  Güter  dem 
Staatsschaze  zugeschlagen  habe,  wobei  man  die,  Mönche  entweder  ihren 
geistlichen  Vorgesezten  entzog,  oder  sie  in  die  Welt  hinanstrieb. 
Dazu  kommen  die  gewaltsame  Entfernung  der  Seelenhirten  von  ihren 
Diocesen,  die  Vertreibung  der  Pfarrer,  die  grausame  Unterdrückung 
des  ganzen  Klerus,  da  den  Bischöfen  sogar  fortan  untersagt  wurde^ 
Kleriker  zu  den  heiligen  Weihen  aus  freier  Machtvollkommenheit  za 
führen*  All*  dieses  wahrhaft  Schreckliche  und  nie  genug  zu  Verwerfende 
geschah  unter  den  Augen  eben  dieses  Erzbischofes  von  Nicäa  (Amat 
di  Sorso),  ohne  dass  ihm  erlaubt  worden  wäre,  durch  pflichtschuldige 
Beschwerde  die  Sache  der  Kirche  und  dieses  heiligen  Stuhles  zu  ver- 
theidigen,  zum  grossen  Aergerniss  für  alle  Guten,  welche  aas  seinem 
Stillschweigen,  wo  nicht  auf  eine  Nachsicht,  so  doch  auf  ein  ruhiges 
Gewährenlassen  von  Seite  des  apostolischen  Stuhles  schliessen  konnten. 
Darum  also,  da  es  mit  der  Heiligkeit  Unseres  apostolischen  Amtes 
allzu  unverträglich  gewesen  wäre,  eine  solche  Schmach  für  die  Kirche 
länger  zu  dulden,  befahlen  Wir  demselben  ehrwürdigen  Bruder,  das 
Gebiet  von  Spanien  zu  verlassen^^  ^). 

§.  13. 

Um  diese  Zeit  schon  wurden,  wie  es  mit  dem  Erzbischofe  von 
Zaragoza  geschehen  war,  jene  Bischöfe  gewaltsam  vertrieben,  weJcbe 
man  nicht  einschüchtern  zu  können  hoflfle.  Eines  der  ersten  Opfer 
der  Gewalt  war  der  Cardinal  von  Sevilla.  Franc.  Xav.  Cienfuegos  w.if 
in  den  Jahren  1819 — 1824  Bischof  von  Cadix.  Als  dort  im  Jahre 
18 i 9  das  gelbe  Fieber  herrschte,  brachte  er  sein  Leben  stets  zum 
Opfer  für  seine  Heerde.  Am  20.  December  IS24  wurde  er  Erzbiscboi 
von  Sevilla*),  am  i3.  März  1826  auch  Cardinal.  Er  genoss  die  höchste 
Achtung  bei  allen  Ständen.  Der  Justizminister  sandte  ihm  den  Befehl 
seiner  Ausweisung  nach  Alicante  zu.  Am  J.  März  1836  reiste  er  in 
aller  Stille  ab®),  und  liess  das  Volk  in  der  grossten  Bestürzung  zurück. 
Er  wurde  verbannt,  weil  man  seinen  Widerstand  fürchtete.  — 

Der  Bischof  Jo,  Ant.  Diaz  Merino  von  Menorca  war  (1831—1834) 
ein  leuchtendes  Vorbild  aller  bischöflichen  Tugenden.     Er  wollte  liebei 


')  Die  AUocntion  in  „Allg.  Ztg.«  vom  18.  Februar  1836. 

^)  Siehe  oben,  S.  396. 

»)  Katholik  von  1836,  Heft  V.  —  Katholik  vom  17,  April  1846. 


] 


Die  BiflobOfe  verbaont,  confinirt  nnd  deportirt  449 


4 

')  Elogio  fnnebre  por  Josd  Marques  y  Oener^  und  daraoB  bei  Nicol,  Wise- 
lan,  Geaamm,  Abhandle  Bd.  I,  1854,  SJ 1—88.  —  Beruh,  Wagner,  Biographien» 
l  353—356. 

Oams,  tpuL  Kirehe.  III.  S.  29 


sein  ganzes  Hansgeräthe  verkaufen,  als  einen  einzigen  Leidenden  darben 

sehen.    Im  Jahre  1837   erachtete  er   es  für   seine   Pflicht,   seine  Bei- 

»timmang  za  den  gottlosen  Maassregeln  der  Regierung  zu  verweigern. 

,Jch  habe^,  sagte  er,  „meine  Ueberzeugung  als  Bischof  der  Regierung 

vorgelegt.    Will  sie   mir  meine  Temporalien   sperren,   will   sie   mich 

verbannen,  lässt  sie  mich  deportiren,  ich  werde  mich  gern  unterwerfen,  .  | 

und  mich    nicht   anders  vertheidigen,   als   durch  Geduld.^     Er  musste 

Spanien  verlassen   und  zog   sich  nach  Frankreich  zurück.    Hier  fühlte  b*»^»'  ^ 

er  bald  den  grossten  Mangel.    Das  Klima  war  ihm  zu  rauh;  seine  Ge-    ver-  1 

sundheit  litt  darunter.    Sein  Gehör   wurde  sehr  schwach.    Der  Staar  ^^°* 

1837—  I 

beraubte  ihn  beinahe  des  Augenlichts.    Dennoch  bewahrte  er  die  Heiter«    1844. 
keit  des  Gemütbes.    So  lebte  er  sieben  Jahre  in  der  Verbannung.   Als  , 

er  die  heiligen  Sacramente  der  Sterbenden  empfangen,  sprach  er  mit 
sichtlicher  Freude:  „Ach,  ich  sehe  sehnsuchtsvoll  dem  glucklichen 
Augenblicke  (des  Todes)  entgegen.^  Er  nahm  Abschied  von  seinem 
Beichtvater,  und  sagte:  „Ich  gehe,  ich  gehe  in  den  Himmel.^  Ruhig 
gab  er  seine  Seele  seinem  Schöpfer  zurück.  Er  starb  zu  Marseille  am 
16.  April  1844.  Feierliche  Exequien  wurden  für  ihn  zu  Marseille, 
Toulon,  Madrid  nnd  Cadix  gehalten.  Als  sein  Leichnam  in  Menorca 
ankam^  kannte  der  Schmerz  des  Volkes  keine  Grenzen.  Die  feierlichen 
Exequien  wurden  am  18.  Juli  1844  zu  Ciudadela,  seiner  bischöflichen 
Residenz,  gehalten '). 

•  Der  vortreffliche  Bischof  von  Avila,  Raimund  Maria  de  Adurriaga^ 
geboren  1755,  wurde,  obgleich  schon  82  Jahre  alt^  im  Jahre  1837 
nach  einem  afrikanischen  Presidio  deportirt,  wo  in  der  Regel  nur 
Galeerensklaven  weilen,  wohin  das  Trinkwasser  aus  Spanien  gebracht 
werden  mnss,  das  Klima  tödtlich  ist,  und  eine  Pflege  für  sein  Alter 
ganz  unmöglich  war.  Der  allgemeine  Schrei  der  Entrüstung  zwang 
die  Regierung,  nach  zwei  Jahren  ihn  wieder  zurückzurufen.  Er  lebte 
noch  weitere  zwei  Jahre,  und  starb  am  2,  Februar  1841,  in^  Alter  von 
86  Jahren. 

Der  Bischof  von  Placentia,  Cyprian.  Sanchez.  Varda  (1826 — 1848), 
urde  nach  Cadix  verbannt.  Dort  an  das  Krankenbett  gefesselt, 
achte  er  zur  Vertreibung  der  Langeweile  Rosenkränze,  die  er  an  die 
rmen  verschenkte.  Sieben  Jahre  war  er  verbannt,  und  nie  Hess  ihn 
ie  Liebe  der  Gläubigen  im  Stiche.  —  Judas  Romo,  Bischof  von 
^anarias,  war  nach  Sevilla  verbannt.  Dort  verfasste  er  mehrere  Werke, 
nd  ertbeilte  statt  des  vertriebenen  Cardinais  die  heiligen  Weihen  und 
ie  Firmung. 


450  Vierzehnte0  Bacb.    Füxdteu  Kapit^L 

An  die  Stdle  der  verbamiten  oder  gestorbenen  Bischöfe  drängte 
^  die   Regierang    don    Kapiteln    sogenannte    ^^Administratoren^    auf;    in 

Toledo  zuerst  den  liberalen  Canonicus  Vallejo,  dann  nach  dessen  Todt 
den  Golfanguer  (Wolfganger).  Von  lezterm  hielten  sich  die  Katfao 
liken  in  Toledo  nnd  Madrid  ferne.  —  Der  Eindringling  Valentin 
Ortigosa  in  das  Bisthum  Malaga  im  Jahre  1836  erlangte  eine  traarigf 
Berühmtheit. 

Im  Jahre  1837  sezten  die  constituirenden  Cortes  eine  Junta  nieder, 
welche   eine  Art  „Civilconstitution^   des  Klerus   entwerfen  sollte.     Sie 
legte   ihren  Entwurf  den  Cortes   am  19.  Mai  1837   vor.     Sie   meinte, 
gemäss  den  Grundsäzen  der  alten  spanischen  Kirche,   musae  der  spa- 
nische Klerus  von  dem  Papste,   als  dem  Mittelpunkte  der  Einheit,  ab- 
hängig  bleiben.     Doch   sei    der  Papst  nur   der   Erste   „inter    pares^, 
der  nur  einen  Vorrang  der  Ehre,  nicht  der  Gewalt  habe.    Kein  anderem 
Patronatsrecht,   als   das   der  Krone  von  Spanien,   sollte  von   nun   an 
gelten,   kraft  der  Erlaubniss   der  Regierung  sollten  die  Bischöfe  fortan 
in  ihren  Sprengein  die  Dispensationen  und  Absolutionen  ertheilen,   dit 
bis  jezt  d^m  Papste  zugekommen.    Die  Festtage  sollten  auf  die  kleinste 
Zahl  beschränkt  werden.    Der  Gerichtshof  der  apostolischen  Nuntiatur, 
die  Ritterorden,  die  Cruzada  u.  a.  sollen  aufgehoben  werden.    Siebzelin 
Bisthümer  sollen  aufgehoben,  fünf  neue  errichtet  werden.    Die  Nation 
solle,  nach  den  Vorschlagen  der  Cortes,  die  Ausgaben  für  den  Klerub 
und   den   Gottesdienst  tragen.     Die   Cortes   nahmen  diese  „Civilver- 
fassung''   der  Kirche   in  Bausch   und  Bogen  an.     Viele  Bischöfe,   die 
meisten   Kapitel   und   andere  Korporationen   erhoben   Beschwerde   da-j 
gegen.     Die  Cortes  aber  wurden  vor  der  definitiven  Bestätigung  dieser  i 
neuen   Kirchenordnung  von   der  Begentin   aufgelöst.   —   Eine   andere 
zehent.  Junta  der  Cortes  beauftragte  die  Aufhebung  aller  Zehenten  und  anderer 
Primicien,  und  die  Erklärung  der  Güter  des  Weltklerus  als  National^ 
gut.    Ein  Theil  ihres  Ertrages  solle   als  Dotation   des  Klerus  dieneui 
zur  Deckung   der   übrigen  Kosten   des  Cultus   und  Klerus   solle    einJ 
Cultussteuer  aufgelegt  werden.     Die  Cortes   beschlossen,   der  Zeheui 
solle  vorläufig   noch  ein  Jahr   bestehen.    Im.  Jahre  1838   betrug   den 
Zehent  122,  im  Jahre  1839  —  145  Millionen   Realen'}.      Vom   JahrJ 
1839  wurde  nur  die  Hälfte  des  Zehent  erhoben. 


§.  14. 

Dieoar-  Vom  Ende   des  Jahres  1837   bis  zum  September  1840  nahm  die 

ifaun.   Verfolgung  einen   milderen  Charakter  an.    Das  Ministerium  Ofalia  — - 

seit  Ende  1837  —  warf  seine  Augen  auch  auf  die  bedrängte  Liage  doi 


')  An  36  Millionen  Franken. 


Mildere  Zeit  vod  1837-^1840.  451 

darbenden  Klerns.    Eine  Junta  sollte  über  HersteUung  der  Verbindung 
mit  Rom   berathen.    Alle   Mitglieder   derselben  hielten  die  Zeit  dazu 
noch  nicht  für  gekommen.    Nur  Calatrava  meinte,  man  solle  dem  Papste 
mitthfeilen,  wie   sehr  die  spanische  Kirche  durch   das   gegen  sie  von 
Rom    eingehaltene    Verhalten   leide.     Im  Jahre   1839  gieng  der    so- 
genannte   ^siebenjährige    Kriegt    zwischen    den    Carlisten    und    den 
„Christinos^   zu  Ende.    Don  Carlos  musste  weichen  —  15.  September 
1839.     Durch   die  sogenannte  Convention   von   Vergara  verrieth  und 
lieferte  sein  General  Maroto  ein  Heer  von  20.000  Mann  in  die  Hände 
der  ^Christinos^^     Jezt  wurde  D.  Julian  ViUalba  als  Agent  der  Re- 
gierung nach  Rom  gesandt,  um  die  laufenden  Geschäfte  zu  führen,  und    „j""^ 
mit   Rom   wieder  Verbindung   anzuknäpfen.      Von  Frankreich   hiebei  ^«""^^^^ 
lebhaft  unterstüzt,   wurde  Villalba   vom   Papste   empfangen,   und   als  ^337- 
spanischer  Agent  anerkannt.  i^<^- 

In  Spanien  selbst  erschienen  neue  tüchtige  Zeitschriften,  z.  B. 
„Der  Prophet",  „Die  Religion",  „Der  Katholik  von  Madrid".  Damals 
wurde  der  Name  des  Jaime  Bcdmea  zum  erstenmale  genannt.  Er  wurde  J^ime 
im  Jahre  1810  zu  Vieh  geboren ,  studirte  theils  in  Vieh,  theils  in  \^^^ 
Cervera,  wurde  im  Jahre  1834  Priester,  arbeitete  von  1834 — I8IW  zu  is»' 
seiner  weiteren  Ausbildung  theils  in  Vieh,  theils  in  Cervera,  und  trat 
im  Jahre  1839  mit  der  Schrift  hervor:  „Ueber  den  geistlichen  Cölibat", 
wofür  er  in  Folge  eines  Concnrses  den  Preis  erhielt.  Im  April  1840 
erschienen  seine  „Sociale,  politische  und  ökonomische  Bemerkungen 
über  die  Güter  des  Klerus"  *),  mit  welcher  Schrift  er  seinen  literarischen 
Ruhm  begründete.  Schlagend  zeigt  er,  wie  die  Güter  in  der  „todten" 
Hand  zugleich  dem  ganzen  Volke  den  sichersten  und  allgemeinsten 
Gewina  bringen.  Er  siedelte  nach  Barcelona  über,  und  gab  dort  ,,Die 
politischen  Betrachtungen  über  die  Lage  Spanien's  heraus^).  Es  war 
grosser  Muth,  diese  Schrift  erscheinen  zu  lassen,  die  dem  Verfasser 
das  Leben  kosten  konnte. 


§.  15. 

Im   September    1840   wurde   die   Regentin  durch  Espartero,   den   Neue 
Herzog   von    Vittoria ,   zur   Abdankung   gezwungen.     Don   Baldemero  Jq'^J'^ 
Espartero  wurde  im  Jahre  1792,  als  neuntes  Kind  eines  Wagenmachers  -1843. 


*)  Siehe  Ober  das  Uecht  von  Don  Carlos  —  EadawitZy  gesammelte  Schriften, 
3.  Bd.,  1853,  S.  1  —  160.  —  Fölüz  iBülau-Zimmer),  Weltgeschichte,  1853,  Bd.  III, 
Abth.  II,  S.  221. 

*)  Bahne» ^  Observaciones  sociales,  politicas  y  economicas  sobre  los  bienes, 
del  Clero.  Vieh,  Abril  de  1840  —  siehe  Joe.  BälmeSj  sein  Leben  und  seine  Werke 
von  A.  V.  Blanehe-Eaffin,  Regensbnrg,  1852,  p.  35. 

*)  CoDsideraeiones  politicas  sobre  la  sitoacion  de  Espafia;  agoato  de  1840. 

29* 


452  Tienehnteo  Bach.    Fünftes  Kapitel.- 

zu  Granatula,  in  der  Provinz  la  Mancha,  geboren,  and  zum  Geist- 
lichen bestimmt.  Bei  dem  Einfall  der  Franzosen  im  Jahre  1808  trat 
er  als  Freiwilliger  in  das  Heer  ein.  Im  Jahre  1811  noch  Seconde- 
Lieutenant,  trat  er  1816  als  Hauptmann  in  das  Heer,  das  zur  Unter* 
drückung  des  Aufstandes  nach  Südamerika  zog.  Er  wurde  bald  Major, 
im  Jahre  1817  Oberst-Lieutenant^  1821  Oberst,  Die  Kapitulation  von 
Ayacucho  (1827)  brach  die  Herrschaft  Spanien^s  in  Amerika.  Espartero 
kehrte,  als  sehr  reicher  Mann,  nach  Spanien  zurück.  Bald  darauf  wurde 
er  Brigade-^ General.  Nach  dem  Tode  Ferdinand's  VU.  erklärte  er 
sich  sogleich  för  die  „Regentin^.  An  den  Kämpfen  gegen  die  Carlisten 
Eipar-  nahm  er  hervorragenden  Theil.  Bald  sah  sie  sich  zur  eigenen  Sicher- 
^''°*  heit  genöthigt,  den  bereits  zum  Herzog  von  Yittoria  ernannten  Espar- 
tero auch  zum  Minister  -  Präsidenten  zu  erheben.  Als  Christine 
.  gestürzt  wurde,  ernannten  ihn  die  Cortes  „zum  Regenten  und  Vor- 
mund der  Königin^'  Isabella  II.,  und  ihrer  Schwester,  der  Infantin 
Louise. 

§.  16. 

Im  September  1840  musste  die  „Regentin"  abdanken  und  Spanien 

verlassen.    Mit  dieser  sogenannten  September- Revolution   begann  der 

Sturm  gegen  die  Kirche  aufs  Neue,  und  heftiger,  als  zuvor.    In  allen 

Provinzen  hatten  sich  „Junten"  gebildet,  welche  Bischöfe  und  Pfarrer 

vertrieben,   an  ihre  Stelle  radicale  Priester  sezten,   neue  Eintheilungeu 

der  Pfarreien  machten,   überhaupt   schmähliche  Gewaltacte   gegen  den 

Klerus   begiengen.    Die  Junta   von  Madrid   suspendirte   die   meisten 

Assessoren   des  Gerichts   der  Rota  in  Madrid.     Dieses  Gericht,    das 

unabhängigste   und   am  besten   organisirte   in   Spanien,   entschied   im 

Namen  des  Papstes  über  Civil-  und  Criminalprocesse  des  Klerus,  und 

fungirte  als  Appellationsgericht  über  die  Entscheidungen  der  Erzbischöfe 

und  Bischöfe.    Der  Cardinal  Carl  Tiberi,  der  Madrid   im  April    18^ 

verlassen,  übertrug,  mit  Genehmhaltung  der  Regierung,  die  Erledigung 

^       der  dem  Nuntius  zukommenden  Geschäfte  dem  Assessor  der  Nuntiatur. 

Am  30.  Juni  1835  zeigte  der  Nuntius  Amat  di  Sorso  der  Regierung  an, 

dass  der  Papst,  mit  Rücksicht  auf  die  schwache  Gesundheit  des  Assessors 

Campomanös,  den  Fiscal  der  Nuntiatur,  D.  Jose  Bamirez  de  Arellano, 

als   seinen  Stellvertreter  bestimmt  hätte.    Die  Regierung  genehimgte 

diese  üebertragung.    Als  Campomanös   am   12.   Juli   1838  gestorben, 

zeigte  Ramirez   der  Regierung  an,   dass   er   die  Geschäfte  eines  Vice- 

gerens  (der  Nuntiatur)   übernommen.     Als   solcher   protestirte   er    bei 

der  provisorischen  Regierung  von  1840  gegen   viele  von   den  Junten 

der  September- Revolution    begangenen  Gewaltacte.     Die   Regentschaft 

verwies  seine  Klagen  an  den  obersten  Gerichtshof  Spanien's,  der  ganz 


AIlocQtiou  vom  1.  März  1841.  45'$ 

aus  SeptemberiDännern  bestand,  desseo  Präsident  Calatrava,  dessen 
Beisizer  D.  Antonio  Gonzales ,  dessen  Fiscale  der  Kircbeofeind  Jose 
Alonso  and  der  Deputirte  Lopez  waren.  Nach  seinem  Ausspruch  hob 
die  Bogentschaft  das  Gericht  der  Bota  auf,  übertrug  seine  Geschäfte 
dem  obersten  Gerichtshof,  und  liess  den  Vicegerens  über  die  Grenze 
bringen  —  29.  December  1840. 

Am  1.  März  1841  hielt  Papst  Gregor  XVI.  seine  zweite  Allo-  ^"^^^^ 
cution  über  die  Noth  der  Kirche  in  Spanien.  Als  neue  Acte  der  Ge-  «ch«  ai. 
walt  werden  bezeichnet  das  Decret  vom  10*  December  1840,  welches  ^««*"®*^- 
den  Magistraten  die  strenge  Einhaltung  der  Decrete  von  1835  gebot, 
das  den  Bischofen,  mit  Ausnahme  gewisser  seltener  Fälle,  die  Beforde* 
rungen  auf  geistliche  Stellen  verbot,  das  Decret  vom  6.  und  13*  De- 
cember 1840,  das  die  Verordnung  über  die  Aufhebung  und  Seques- 
trirung  der  Kloster  auf  die  jüngst  unterworfenen  Provinzen  ausdehnte, 
das  Decret  vom  9.  December,  das  den  schleunigen  Verkauf  aller  Kloster- 
kirchen im  öffentlichen  Aufstreich  befahl,  das  Decret  vom  31.  Januar 
1841,  dass  die  Weltgeistlichkeit  allen  Besiz  der  Kirchengüter  verlieren, 
und  mit  einer  bettelhaften  Besoldung  abgefunden  werden  sollte,  das 
Gesez  vom  30.  November  1840,  das  allein  die  verbannten  Geistlichen 
von  der  allgemeinen  Amnestie*  und  Rückkehr  nach  Spanien  ausschloss. 
Ausföhriich  wird  die  Angelegenheit  des  Eindringlings  Valentin  Ortigosa 
besprochen.  Der  Vicegerens  Ramirez  de  Arellano  habe  dagegen  am 
20.  November  1840  bei  der  Regierung  protestirt;  femer  am  5.  und 
17.  November  wegen  eines  andern  Eingriffs  und  wegen  schmählicher 
Misshandlung  und  Vertreibung  des  Bischofs  (Joann.  Anton,  de  Lillo) 
von  Neu-Caceres  und  einiger  Geistlichen;  sodann  wegen  einer  neuen 
Eintheilung  der  Pfarrkirche  in  Madrid,  und  sei  dann  mit  Gewalt  über 
die  Grenze  geschah  worden.  Indem  er  Himmel  und  Erde  zu  Zeugen 
anruft,  erhebt  der  Papst  seine  Beschwerden  gegen  alle  diese  und  die 
frühern  Gewaltthaten,  verwirft  sie  und  abrogirt  deren  Folgen*). 

Gegen  diese  Allocntion  erliess  der  Minister  Alonso  am  28.  Juni 
eine  strenge  Verordnung.  Alle,  welche  sie  oder  ein  anderes  päpstliches 
Manifest,  Breve,  u.  dgl.  einbringen  oder  ausführen  würden,  sollten  den 
schärfsten  Strafen  unterliegen.  In  einem  Berichte  des  Ministeriums  an 
den  Kegenten  Espartero  wird  die  Allocution  als  Attentat  auf  die  höchste 
Autorität  des  Reichs,  als  die  Ordnung,  die  Ruhe  und  den  Frieden 
störend  bezeichnet^  gemäss  der  Sentenz  des  obersten  Gerichtshofes. 
Weiteres  sollten  die  Cortes  bescbliessen'). 

Am  29.  Juni  legte  der  Finanzminister  einen  Gesezesentwurf  vor^ 
nach   welchem  die  Güter  des  Klerus  vom  Staate  eingezogen  werden 


■  I 


>)  Die  Aitooation  in:  AUg.  Ztg.  vom  11.  and  12.  März  1841. 
^  ,8ion"  vom  14.-18.  Jnü  1841. 


464  Vierzehntes  Buch.    Fttnftee  Kapitel. 

sollten.    Der  Entwurf  warde   am   21.  Juli  mit  109  gegen  2  Stimmen 
angenommen  *). 

In  Spanien  wurde  „das  Werk  der  Verbreitung  des  Glaubens" 
verboten,  weil  der  Glaube  im  Lande  schon  yerbreitet  sei.  Ein  Bischof 
wurde  verbannt  und  seiner  Güter  beraubt^  weil  er  einem  Minister  seine 
Meinung  gesagt,  das  Kapitel  von  Toledo  wurde  der  Vermessenheit  und 
Unrnhestiftung  bezüchtigt,  weil  es  eine  demüthige  Vorstellung  ein- 
gegeben. 
Neno  Im  Januar  1842  legte  der  Minister  Alonso  ein  Gesez  vor,  wel<jies 

g^^en^  alle  päpstlichen  Iteservatreohte  aufhob,  und  die  factische  Trennung  von 
^^    der  römischen  Kirche  aussprach.     Darauf  erschien  am  23«  Januar  1842 
,g4i_'  Vallejo,   ernannter  Erzbiechof  von  Toledo,   ein   grosser  Lib»*aler,    der 
1842.    unter  Ferdinand  VII.  zehn  Jahre  verbannt  gewesen,  vor  dem  Regenten 
Espartero,   und  übergab  ihm  eine  Denkschrift,   worin   er  seine  Würde 
niederlegt;  er  habe  das  Kapitel  aufgefordert,  einen  neuen  Administrator 
zu  wählen.    Er  sagte  zu  Espartero:  ^Ich  und  Alonso  gehen   nicht  in 
einen   8ack.^     Er    wollte    Spanien    verlassen«     Auch    der    zum    Erz- 
bischof von  Valencia  ernannte  Bischof  Posada  von  Murcia  dankte  ab. 
Ebenso    protestirten    die    Kapitel    von    Zaragoza,    Ovledo^    Toledo, 
Lugo,  und  hatten  den  Zorn   der  Gewalthaber  zu  fohlen.    Selbst  der 
berufene  Ortigosa  von  Malaga  dankte  ab.     Vallejo   starb    schon  am 
30.  April  1842«). 


§.  17. 

Am  22.  Februar  1842  erliess  Papst  Gregor  XVI.  seine  herrliche 

Encyclica  über  die  Kirche  Spanien's  an  die  katholische  Christenheit: 

Der  „Zum   ewigen   Gedächtniss.     Die  Unserer  Niedrigkeit   von   dem 

^^d'a  <^b^^^^^^  Fürsten  der  Kirche  und   dem  erbarmungsvoUen  Erlöser   des 

kathoi.  Menschengeschlechts   anvertraute  Sorge  für   die  katholische   Religion 

tenhX  ^^^  ^^^®  Liebe  mit  welcher  Wir  alle  Geschlechter,  Nationen  und  Völker 

Febniar  empfangen,  machen  es  uns  zum  dringenden  und  innerlichsten  Bedürfiiiss, 

^^^*   nichts  ausser  Acht  zu  lassen,  was  von  Uns  zur  unverlezten  Bewahrung 

der   Hinterlage   des   Glaubens  und  zur  Abwehr  des   Verderbens   der 

Seelen  als  nothwendig  erkannt  wird.     Allgemein   ist  es   bekannt,  iu 

welcher  Lage  sich  die  Angelegenheiten  der  Kirche  in  Spanien  befinden, 


'}  Sion  vom  4.  Aogast;  Beilage  nr.  15;  die  Verhandlangen  in  Beilage 
DT.  16—17. 

*)  Blan  sieht,  weiche  Energie  in  dem  spanischen  Elenis  rabt,  wenn  derselbe 
in  die  Opposition  bineingeBtossen  wird,  and  wenn  er  die  ,yk«tholi0che  imestät* 
anoh  nicht  mehr  dem  Namen  nach  sieb  gegenüber  hat. 


Päp«tlicb6  EncycUca  vom  22.  Februar  1842.  -455 

und  wie  schmerzKch  Wir  von  den  traurigen  Wechseln  berührt  werden 
mussten,  die  seit  mehreren  Jahren  über  die  Kirche  daselbst  ergangen 
sind.  Zwar  ist  jenes  Volk  dem  orthodoxen  Grlaoben  zu  sehr  ergeben, 
als  dass  es  je  abtrünnig  werden  konnte  von  den  hochheiligen  Ueber-. 
lieferungen  seiner  Vater;  unverdrossen  zum  grössten  Theile  schlagt  die 
Geistlichkeit  die  Schlachten  des  Herrn;  die  heiligen  Vorsteher,  obgleich 
den  klaglichsten  Plackereien  ausgesezt,  oder  selbst  vertrieben  und  unter 
den  härtesten  Bedrängnissen,  lassen  sich  die  geistige  Pflege  ihrer 
Heerden  nach  Kräften  angelegen  sein.  Doch  sind  ebendaselbst,  ond 
zwar  in  nicht  geringer  Zahl,  auch  verlorne  Menschen  zu  finden,  die 
in  frevelhaftem  'Verein  gleich  Fluthen  des  wilden  Meeres  ihre  Ver- 
wirrungen ansschäumend  den  abscheulichsten  Krieg  gegen  Oiristus  und 
seine  Heiligen  fuin-en,  die  der  katholischen  Kirche  bereits  den  grössten 
Schaden  zugefugt  haben,  und  deren  gottloses  Trachten  ist,  wenn  es 
möglich  wäre,  sie  ganz  und  gar  auszurotten.  Indem  Wir  nach  Beruf 
Unseres  Amtes  Unsere  apostolische  Stimme  erheben,  haben  Wir  wahrlich 
nicht  unterlassen,  die  von  der  Madrider  Regierung  der  Kirche  ge- 
schlagenen schweren  Wunden  öffentlich  zu  beklagen,  und  alle  den 
Rechten  und  G^sezen  der  Kirche  zuwiderlaufenden  Erlasse  der  Staats- 
gewalt sind  von  Uns  ftlr  null  und  nichtig  erklärt  worden.  Ueberdiess 
haben  Wir  Uns  über  die  grässlichen  Beleidigungen  und  Drangsale, 
die  Unsern  ehrwürdigen  Brüdern  den  Bischöfen,  und  den  geh^igten 
Personen^  der  Welt-  und  Klostergeistlichkeit  jenes  Königreichs  wider* 
fahren  sind,  über  die  greuelvolle  Entweihung  heiliger  Stätten,  die 
tempelränberische  Plünderung  der  Kirchengüter,  ihre  Veräussemng  und 
Einziehung  für  den  öffentlichen  Schaz  mit  jedem  Ausdruck  des  Schmerzes 
nachdrucksam  beschwert,  und  zugleich  die  Strafen  und  Censuren  in 
Erinnerung  gebracht,  welche  die  apostolischen  Constitutionen  und  die 
allgemeinen  ConciKen  als  nnmittelbar  verwirkt  über  diejenigen  ver- 
hängen, welche  sich  nicht  scheuen,  solche  Missethaten  zu  begehen. 
Wir  haben  dieser  Pflicht  Unseres  apostolischen  Amtes  einmal  und 
abermal  gewaltet  in  zwei  Allocutionen,  die  Wir  an  Unsere  ehrwürdigen 
Brüder  die  Cardinäle  der  heiligen  römischen  Kirche  in  dem  Gonsi- 
etoriam  vom  K  Februar  1836,  und  vom  1.  März  1841  richteten,  nnd 
im  Drucke  erscheinen  liessen  als  ein  öffentliches  dauerndes  Denkmal 
Unserer  apostolischen  Bekümmemiss  und  Missbilligung.  Wohl  hatten 
Wir  uns  zu  der  Hoffiiung  aufgerichtet,  dass  diese  Unsere  Stimme, 
welche  aus  dem  betrübten  Herzen  des  gemeinschaftlichen  Vaters  aller 
Gläubigen  hervorbrach.  Gehör  finden  und  auf  Unsere  wiederholten 
Mahnungen  und  Vorstellungen  diese  grausame  Verfolgung  der  katho- 
lischen Seligion  ein  Ende  nehmen  wiirde.  Tag  und  Nacht  haben  Wir, 
niedergeworfen  zu  den  Füssen  des  Gekreuzigten,  unter  reichlichen 
Thränen  nnd  Seufzern  in  Unseres  Herz^is  Demuth  nicht  aufgehört  zu 


456  Vierzehntes  Bach«    Fünftes  Kapitel. 

beten,  dass  er  nach  seiner  nnendlichen  Barmherzigkeit  der  leidenden 
spanischen  Nation  die  helfende  Rechte  reichen,  und  den  Irrende^  das 
Licht  seiner  Wahrheit  zeigen  möge  zar  Rückkehr  auf  den  Pfad  der 
Gerechtigkeit.  Noch  ist  nach  dem  unerforschlichen  gottlichen  Rath- 
schluss  kein  Erfolg  da,  der  Unserer  Hoffiiung  entspricht,  ja  Wir  sehen 
die  Uebel  in  jenen  weiten  Landen  von  Tag  zu  Tag  dermassen  an- 
wachsen, dass  die  katholische  Religion  gleichsam  förmlich  mit  dem 
Untergang  bedroht  ist.  Wenn  Wir  auch  vieles  Andere,  was  offenkundig 
genug  ist,  was  gegen  die  heiligen  Geseze  der  Kirche  und  die  Rechte 
dieses  apostolischen  Stuhles  kürzlich  beschlossen  oder  auch  schon  aus- 
geführt worden  ist,  mit  Stillschweigen  übergehen,  so  haben  Wir  jezt  den 
Schmerz,  dass  die  Gottlosigkeit  so  weit  gekommen  ist,  dass  aus  einer 
wirklich  teuflischen  Bosheit  ein  verfluchenswerthes  Gesez  den  obersten 
Reichscomitien  vorgelegt  wurde,  das  geradezu  den  Zweck  hi^t.  Unsere 
rechtmässige  kirchliche  Gewalt  gänzlich  abzuschaffen,  und  die  gottlose 
Meinung  aufzustellen,  dass  der  weltlichen  Gewalt  in  ihrem  höchsten 
Recht  die  Herrschaft  zustehe  über  die  Kirche  und  deren  Angelegen- 
heiten« Und  zwar  wird  in  diesem  Geseze  erklärt,  dass  die  spanische 
Nation  sich  um  diesen  apostolischen  Stuhl  nichts  zu  bekümmern  habe; 
dass  jeglicher  Verkehr  mit  demselben  in  Betreff  aller  und  jeder  geist- 
lichen Gnaden,  Indulte  und  Concessionen  einzustellen,  und  die  solcher 
Vorschrift  Zuwiderhandelnden  unnachsichtlich  zu  bestrafen  seien.  Ebenso 
wird  darin  festgesezt,  dass  apostolische  Briefe  und  andere  von  diesem 
heiligen  Stuhle  ausgegangene  Verordnungen  nicht  allein  ohne  dass  sie 
von  Spanien  verlangt  sind,  unbeobachtet  und  überhaupt  ohne  Wirkung 
bleiben,  sondern  auch  von  denen,  an  die  sie  gelangen,  unverzüglich 
der  bürgerlichen  Obrigkeit  und  durch  diese  der  Regierung  angezeigt 
werden  sollen,  gleichfalls  unter  Androhung  einer  Strafe  im  Unter- 
lassungsfälle. Auch  wären  nach  diesem  Geseze  Ehehindemisse  nur 
noch  so  lange  der  Jurisdiction  der  Bischöfe  zu  unterstellen,  bis  da.s 
Civilgesezbuch  den  Unterschied  zwbchen  der  Ehe  als  Vertrag  und  aL«- 
Sacrament  bestimmt  haben  würde«  In  religiösen  Dingen  sich  aus 
Spanien  nach  Rom  zu  wenden,  solle  gänzlich  verboten,  und  zu  keiner 
Zeit  mehr  ein  Nuntius  oder  Legat  dieses  heiligen  Stuhls  zugelassen 
werden  mit  der  Ermächtigung,  Gnaden  und  Dispensationen,  wenn  aucii 
unentgeltlich,  zu  ertheilen.  Noch  mehr;  —  das  geheiligte  Recht  des 
römischen  Papstes,  die  in  Spanien  gewählten  Bischöfe  zu  bestätigen 
oder  zu  verwerfen,  wird  gänzlich  ausgeschlossen,  ja  mit  Strafe  des 
Exils  sollen  belegt  werden  sowohl  Priester,  die  zu  einer  bischöflichen 
Kirche  ernannt,  bei  diesem  heiligen  Stuhl  die  Bestätigung  oder  ein 
apostolisches  Breve  nachsuchen  würden,  als  Metropolitane,  welche  um 
das  Pallium  einkämen.  Nach  diesem  Allem  ist  es  in  der  That  nur 
zum  Verwundern,   dass  in  diesem  Gesez  versichert  werden  mag,  der 


^ 


Rom  und  die  Regierung  von  Madrid«  457 

ömische  Papst  werde  als  der  Mittelpunkt  der  Kirche  angesehen,  da 
loch  mit  ihm  kein  Verkehr  stattfinden  8ol]|  ansser  mit  Erlaubniss« 


§.  18. 

Die  spanische  Regierang  wollte  dieses  allgemeine  Gebet  der  ge-  ^**  ^•' 
sammten  Christenheit    einfangen    und    in    Bande    legen«      Schon    am  kämpft 
13.  März  erliess  der  berüchtigte  Alonso  an  die  Bischöfe  und  die  obersten  ^^ 
ßerichtsb^horden  ein  Ausschreiben,   das   n.  a.  lautet:   j,Die  romische  Aionso 
Curie)  welche  seit  dem  Anfang  des  nun  glücklich  beendigten  Barger-   ^^ 
krieges  kein  Mittel  spart,   um  die  legitime  Regierung  Spanien's  anzu-  p»pst, 
feinden,  hat  ihre  lezte  Zuflucht  dazu  genommen,  sie  im  Angesichte  der  ^^ 
Welt  als  Feind  der  Religion  des  Gekreuzigten  darzustellen.    Die  Re* 
giernng  weiss  recht  gut,   dass  diese  vergeblichen  Versuche  dahin  ab- 
^.ielen,   die  Spanier  aufzureizen,   damit  sie   gegen  den  Gehorsam   sich 
^erfehlen^  welchen  den  Lehren  des  Evangeliums  gemäss  die  Hirten  und 
die  Heerden  gegen  die  bestehenden  Obrigkeiten  zn  beobachten  schuldig 
sind.    Beständig  wurde  die  Absicht  kundgegeben,  den  von  der  Nation 
energisch   zuriickgewiesenen  Rebellen  Don  Carlos  zu  begünstigen,   die 
in  Kraft  befindlichen  Geseze  zn  bekämpfen,   welche  mit  dem  Verkauf 
der  Nationalguter  zahlreiche  Interessen  geschaffen  haben,  und  die  Doc- 
trinen  zu  verdammen^  welche  den  materiellen  Interessen  des  romischen 
Hofes  zuwider  sind,  der,  trozdem  dass  er  unser  Geld  für  die  Bewilligung 
der  apostolischen   Gnaden  empfängt,   die  Mehrheit   der  Spanier   der 
Gottlosigkeit  anklagt,   und   so  die  Ruhe   der  Gewissen,   und  die  Ehr- 
furcht, welche  sie  für  den  gemeinsamen  Vater  der  Gläubigen  bekennen, 
zu  gefährden   strebt^     Den  Bischofen  wird  befohlen,   das  Schreiben 
vom  22,  Februar,  wenn  es  ihnen  zukäme,  an  den  Minister  einzusenden; 
die  Civilbehorden  sollen   den   Umlauf  und    den  Vollzug    des   Breve 
hindern,    und   von   Amts   wegen   alle   Exemplare    demselben   hinweg, 
nehmen  *). 

Die  Regierung  nahm  einen  ungewöhnlich  katholischen  Anlauf, 
am  sich  Rom  gegenüber  vor  der  Nation  in  die  Brust  werfen  zu  können. 
Sie  forderte  alle  Bischöfe  durch  Rundschreiben  auf,  die  Festlichkeiten 
der  Osterzeit  mit  allem  möglichen  Glänze  zu  veranstalten^  gab  aber  ^^■♦•™ 
der  mittellosen  Kirche  keinen  Piaster  dazu  aus  ihren  eigenen  Mitteln. 
Die  Ceremonien  wurden  nun  zwar  in  Madrid  wie  in  Sevilla  mit  grossem 
Glänze  gefeiert,  aber  die  Kosten  bestritten  durchaus  fromme  Privatleute. 
Für  die  Feier  der  heiligen  Woche  wurden  dem  Klerus  von  Sevilla 
76.000  Realen  tibergeben. 


')  Sion,  30.  März  1812. 


458  Yiensehntes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

Ein  Mittel,  den  Klerus  an  sich  zu  ziehen,  und  ihn  gegen  iiom 
zu  gebrauchen,  war  die  scheinbare  Sorge  für  seinen  Unterhalt.  Durch 
Schreiben  Tom  15.  März  befahl  der  Finanzminister  allen  Beamten,  für 
vollständige  Tilgung  (Entrichtung)  der  für  den  Klerus  und  den  Gottes- 
dienst bestimmten  Steuer  zu  sorgen.  Es  sei  der  Wille  des  Regenten, 
auf  reichliche  Weise  für  die  Bedürfnisse  der  Eürche  zu  sorgen. 

Zum   Schrecken   der   Regierung  nahmen  die   Spanier   stets   ent- 
schiedener Partei   für   die   verfolgte  Kirche.     Die  römische  Encyclica 
vom  22.  Februar  circulirte  in  einer  Menge  von  Abschriften,  und  wurde 
Die  Be- mn  gQ  eifriger  gelesen,   weil   sie  verboten    war.      Fast   Niemand  ant- 
iaoUrt  wortete  auf  die  Frage:  hast  du  die  Encyclica  gelegen,  mit:   nein!    Die 
Btoh.    Presse  führte  eine  freimüthige  Sprache.  —  In  der  Commission,  welche 
den  Gesezesentwurf  über  die  Lostrennung  der  spanischen  Kirche  von 
Rom  berathen  sollte,   sprachen   sich  von  sieben  Stimmen   sechs   gegen 
den  Entwurf  des  Alonso   aus.    Der  Bischof  von   Tuy   protestirte  bei 
den  Cortes  gegen  diesen  Entwurf").  —  Der  apostolische  Bischof  Silos 
Moreno  von  Cadix  protestirte  am   9.  Octobcr  1841   bei   dem  Minister 
Alonso  gegen   die  Einziehung  und   den  Verkauf  der  Güter  des  Welt- 
klerus in  Spanien. 

Durch  Urtheil  vom  14.  Juli  1842  wurde  der  Bischof  Varela  von 
Placeniia  zu  zweijähriger  Gonfinirung  innerhalb  des  Bisthums  Cadix 
verurtheilt.  Um  diese  Zeit  wurde  auch  das  Werk  der  „frommen 
Stiftung  für  Jerusalem^  unterdrückt,  und  die  Almosen  Spanien's  fai 
die  Fi*anciscaner  im  heiligen  Lande  horten  auf. 
Diehnn-  Die  Nonueu  in  Sevilla,  denen  man  21  Monate  ihre  Pension  nicht 

NoTnen*  bezahlt  hatte,  erhoben  ihre  Stimme,  weil  sie,  wenn  sie  Hungers  sterben 
sollten,  wenigstens  noch  einmal  sprechen  wollten:  Statt  sich  ihrer  anzu- 
nehmen, erliess  die  Regierung  neue  strenge  Geseze  wornach  kein  Priester 
Beichte  hören,  oder  eine  seelsorgerliche  Function  vollziehen  dürfe,  der 
certifl-  nicht  ein  Certificat  über  seine  Liebe  zur  Constitution  und  zur  bestehen- 
^iwM  d®^  Regierung  vorgelegt  hätte.  Die  Mehrzahl  brachte  dieses  Zeugniss 
▼«r-  nicht  bei,  weil  sie  nicht  lügen,  und  nicht  die  Einmischung  des  Staates 
in  die  Eirchenfreiheit  anerkennen  wollten.  Diesen  allen  wollte  die 
Regierung  die  Erlaubniss  zur  Seelsorge  entziehen.  —  Da  dieselbe 
davon  abstehen  musste,  den  erwähnten  Gesezesentwurf  durch  die  Cort4}s 
zu  bringen,  so  suchte  sie  ihn  durch  einzelne  Verordnungen  zu  ersezeu. 
Sie  verbot  u.  a.  bis  auf  weiteres,  sich  mit  Gesuchen  um  Dispensen 
nach  Rom  zu  wenden.  Die  vor  diesem  Erlasse  schon  erlangten  Dis- 
pensen sollten  an  das  Ministerium  der  Gnaden  und  Justiz  eingesandt 
werden.  Nach  dem  Rücktritte  der  Herrn  Becerra  und  Alonso  war 
dieses  Ministerium  jezt  in   den   Händen   des   Zumalacarreguy.     Kur 


»)  Sion  vom  17.  April  1842. 


Die  verwaisten  Bisthttmer.  459 

llhedispesseo,  und  Dispensen,  die  von    der  Poenitentiarie  ausgiengen, 
liärften  noch  in  Rom  erholt  werden. 

Damals  befanden  sich  in  ganz  Spanien  nur  noch  wenige  Bischöfe  !><«  ^er- 
von  56)  im  Besize  ihrer  Amtsgewalt,  welche  canonisch  vom  Papste  Biathtt- 
ingesetzt  worden  (die  Bischöfe  von  Astorga,  Barcelona,  Tay,  Valladolid).  merund 

Die  Uebrigen  waren  entweder  vertrieben  oder  gestorben.  Nur  ^^1^0. 
loch  der  dritte  Theil  der  Pfarreien  des  Landes  war  regelmässig  mit 
Pfarrern  besezt,  die  von  anerkannten  Bischöfen  eingesezt  worden.  Man 
jeschied  z.  B.  den  Bischof  von  Valladolid  nach  Madrid  zur  Verant- 
(vortung,  weil  er,  schon  im  Jahre  1838,  zwei  jungen  Männern  aus 
roledo  die  Weihen  ertheilt  habe,  welche  päpstliche  Dispense  er- 
laJten.  Der  in  Sevilla  confinirte  Bischof  von  Palma  ^  Judas  Jos6x>n  bi- 
RojfhOy  wurde  zur  Verantwortung  nach  Madrid  berufen,  weil  er  ^i^^^i^^^q^. 
Denkschrift  an  den  Regenten  eingeschickt  hatte.  In  dieser  Zeit  der  narias. 
!voth  liess  er  seine  berühmte  Schrift  erscheinen:  „Beständige  Unab- 
bängigkeit  der  spanischen  Kirche,  und  Nothwendigkeit  eines  neuen 
[^oncordÄts" ').  Dafür  wurde  er  zu  zwei  Jahren  Verbannung  verur- 
heilt.  Ein  Pfarrer  hatte  im  Jahre  1841  über  das  Werk  der  Ver- 
breitung des  Glaubens  gepredigt.  Dafür  wurde  er  in  den  Gefangnissen 
;o  misshandelt,  dass  er  wahnsinnig  wurde,  und  in  das  Irrenhaus  ge- 
bracht werden  musste.  —  In  der  Stadt  Bilbao  hörte  am  12.  October 
[  842  aller  und  jeder  Gottesdienst  auf,  weil  die  Priester  sich  weigerten, 
Certificate  ihrer  Anhänglichkeit  an  die  Regierung  beizubringen.  — 
V^ier  Priester  von  Barbastro^  welche  diese  Zeugnisse  nicht  beibrachten, 
A^urden  in  ihre  Heimatsorte  verwiesen.  Eilf  Priester  in  Saragossa, 
Krelche  den  unre<!}htmäs8igen  Administrator  La  Rica  nicht  anerkennen 
Evollten,  wurden  zwei  Jahre  lang  auf  eine  Entfernung  von  15  Stunden 
\on  Saragossa  verbannt '*). 


')  Independencia  constante  de  1a  fglesia  hispana  y  necendad  de  un  nuevo 
!oncord»feo,  por  el  llmo  Sn.  Obispo  de  Canarias,  Madrid,  184'^  420  pp.  ~  Eine  neue 
\uflag^e  eracbiea  daselbst  im  Jahre  1843,  worin  sich  der  Bischof  als  D.  Jvdas  Josi 
Romo^  Hanspralat  Sr.^eiligkeit  und  Assistens  am  päpstlichen  Throne,  nennt.  Diese 
vermehrte  Ausgabe  hat  482  pp.    (Dion.  Hidalgo,  t  III,  1868,  p.  292.) 

*)  Sion  vom  9.  und  16.  October,  13.  und  15.  November  1842.  —  Die  „Sion"* 
erwarb  sich  duroh  ihre  Berichte  aus  Spanien  verdiente  Anerkeauung.  Ihre  Artikel 
KTurden  in  das  Spanische  übersetzt  In  der  Sion  von  20.  April  1842  steht  der 
erwähnte  Protest  des  Bischofs  Merino,  welchen  er  selbst  an  die  „Sion"  gelangen 
ieflSy  iadem  er  ihr  Air  die  Vertheidigung  der  Kirche  in  Spanien  herslich  dankte.  — • 
VgL  auch:  «Spanien  und  der  Herold  des  Glaubens**,  von  Patrit  WiUmann  (damals 
^daktenr  der  Sion).  —  PfeiUchifter  hatte  in  seinem  „Herold"  den  traurigen  Muth 
gefunden,  auf  den  geschlagenen  spanischen  Klerus  noch  weiter  loszuschlagen,  weil 
M  aas  Spanien  mit  ungünstigen  Eindrücken  über  und  von  diesem  Klerus  heimge* 
^ehrt  war. 


460  Yienehntei  Buch.    Ffioftes  Kapitel. 


§.   19. 

Im  Jahre  1843  brach  der  Krieg  zwischen  Espartero  und  Narva^-; 
ans^  welcher  die  Interessen  der  Konigin  Mutter  und  der  Königin  Isa 
bella  II.  vertheidigte. 

Espartero  der   «^Siegesherzog''   wurde  diessmal  geschlagen^   uu<: 

musste  sich  zum  Abzüge  entschliessen.    Umsonst  bombardirte   er  b 

seinem  Rückzuge   nach   Andalusien    im  Jahre  1843  die  offene  St<iJ 

Sevilla*).   Er  inusste  fliehen  —  28.  Juli,  und  die  Befreiungsarmee  ver 

folgte  ihn.   Auch  er  entkam,  wie  so  viele  Kirchenfeinde  vor  ihm,  naci 

^p"-  Cadix,  auch  er  bestieg  das  rettende  Schiff,  er  retirirte  nach  England 

flieht    u^d  kehrte  im  Jahre  1848  ungefährdet  nach  Spanien  zurück.  Mit  seineu 

liMs.   Sturze  aber  hatte  die  Kirchenverfolgung  ihr  Ende  erreicht,  17  Monatr 

nach    der    Verkündigung    des    spanischen    Jubiläums    vom    22.   Fe* 

bruar  1842. 

Die  Kirche  Spaniens  aber  konnte  sich  von  ihrem  Elende  nur  all« 
mälig  erholen.  Das  Kirchengut  war  verkauft  und  verschleudert.  I^i 
der  gänzlichen  Erschöpfung  des  Staatsschazes  wurden  die  dem  Klern 
und  den  Ordensleuten  versprochenen  Pensionen  nicht  ausbezahlt.  D 
eingezogenen  Güter  kamen  nicht  dem  ganzen  Lande  und  Volke,  soii 
dem  einzelnen  Speculanten  zu  Gute.  Gegen  Ende  des  Jahres  184^ 
war  man  den  armen  Klosterfrauen  sieben  Jahrgänge  ihrer  Pensiot 
schuldig.  Was  half  es  ihnen^  dass  man  sie  auf  die  Grossmuth  dei 
Nation  angewiesen  hatte,  da  diese  „Nation^  gelbst  immer  mehr  verarmt 
und  darbte«)? 
Die  Während  des  harten  Winters  vogi  1844 — 45   zahlte   man    diese 

glrnden  ^^^^^  Klosterfraueu  aus  Gnade  vier  Monate  aus  dem  Rückstände  de 
Nonnen.  Jahrcs  1837  aus.  Trozdem  wurden  von  diesen  Armen  alle  Communal- 
und  Staatsabgaben  ohne  Nachlass  erhoben.  Es  bildeten  sich  allent- 
halben Vereine,  um  dieselben  von  dem  Hungertode  zu  retten.  Die 
Königin  Mutter  stellte  sich  selbst  an  die  Spize  eines  solchen  Verein.^ 
in  Madrid. 


')  Siehe  oben  KircheDgeschichte,  1,  S.  288,  nach  Wtseman,  Abhandinnpen  (ib^ 
vereohiedene  Gegenstände,  Bd.  3,  S.  68—73.  ' 

')  Im  Februar  1865  hat  mir  gegenüber  Fr.  X.  Simcnest  in  Granada  seine 
Meinung  dahin  ansgesprochen,  dato  nur  etwa  y,  Million  Spanter  wohlhabende  Leate, 
die  grosse  Masse  aber  armes  Volk  sei.  Diess  gilt  kanm  von  den  nordöstlichen 
Provinzen. 


Mildere  Zeiten.  461 


§.   20. 

Nach  dem  Sturze  des  Espartero  (Juli  —  August  1843)  folgten  die 
inisterien  Lopez^  Olozaga  und  Gonzalez  Bravo  einander  in  schnellem  i»«  ^i- 
aufe(1843 — 44),    Dann  kam  Narvaez  an  das  Ruder,  das  er  zweimal  ^"J^^ 
irlassen  musste  (1844 — 46)').  —  Das  Ministerium  Gonzalez  Bravo  1^43  i>u 
3f  die   verbannten  Bischöfe  und  Erzbischofe  wieder  zuriick,  welche,   ^^^' 
ie  der  Cardinal  von  Sevilla^   und  der  Erzbischof  von  Santiago,   mit 
)hen  Ehren  gefeiert  wurden,  Andere^   wie  der  Bischof  Talayero   von 
Ibarraciu  (f  1839),  die  erwähnten,  der  Erzbischof  Caballero  von  Zara- 
^za,   und  der  vielverdiente  Bischof  von  Menorca,   waren  in  der  Yer- 
iDDung   gestorben.  —   Den  Geistlichen  wurde   die  Beibringung   von 
ertificaten   ihrer  Anhänglichkeit  an   die  Verfassung  erlassen.  —  Der 
erichtshof  der  Rota  wurde  wieder  eröffnet. 

Die  Konigin  Mutter  hatte  schon  während  ihrer  Verbannung  die  ^^^  ^^' 
srsöhnung  mit  dem  heiligen  Stuhle  auf  das  Eifrigste  betriebep.  Sie  Matt«c. 
^88  auf  Antreiben  Papst  Gregor's  XVI.,  dem  sie  sich  persönlich  vor- 
eilte, ihre  vieljährige  wilde  Ehe  mit  dem  frühem  Sergenten  Munoz, 
m  spätem  Herzog  von  Rianzares,  kirchlich  einsegnen.  Narvaez  aber 
hickte'bald  nach  seinem  Amtsantritt  den  Privatsecretär  der  Königin 
[atter,  Castillo  y  Ayensa.  nach  Rom,  der  daselbst  auf  oi&ciösem  Wege 
erhandlungen  einzuleiten  suchte.  Den  (langsamen)  Gang  der  Ver- 
mdlungen  hat  er  selbst  in  dem  oben  angeführten  Werke  in  das  Ein- 
glaste geschildert,  und  J*  Hergenröiher  hat  darüber  den  deutschen 
esern  den  genauesten  Bericht  erstattet.  Uns  gebricht  der  Raum, 
arauf  näher  einzugehen.  Wir  wollen  aber  gern  die  hohen  Verdienste 
es  Unterhändlers  anerkennen,  der  seit  langer  Zeit  zum  erstenmale  in 
om  eine  Haltung  einnahm,  die  sehr  vortheilhaft  von  der  Haltung 
iioer  spanischen  Vorgänger  abstach,  welche  auf  dem  Wege  des  Drohens 
od  Säbelklirrens  in  Rom  mit  ihren  Forderungen  durchzudringen  suchten, 
'astillo  y  Ayensa  trat  als  Bittsteller  auf,  der  Papst  aber  und  der  Car« 
inal  Lambruschini  beobachteten  eine  würdevolle  Haltung.  In  Spanien 
)Ilte  man  iuhlen,  dass  der  Papst  und  die  Kirche  auch  ohne  Spanien 
ben  könne.  Einen  relativen  Vortheil  gewährte  die  jezige  Lage  der 
^inge.  Man  konnte  nun  den  Papst  nicht  mehr  mit  beständigen  Ge- 
ichen  um  materielle  Hilfe  aus  den  Kirchengütern  bestürmen.  Diese  Güter 
aren  von  den  nimmersatten  Männern  der  Revolution  verschlungen  worden. 

Die   erste  Frucht  der  Verhandlungen   mit  Rom   war   das  Decret 
om  9.  August  1844,  welches  die  Einstellung  des  Verkaufs  der  (wenigen) 


')  Spanien  seit  dem  Sturze  Espartero's  bis  aof  die  Gegenwart,  Leipzig,  1853 
oonym),  S.  108—146. 


462  Vierzehntes  Boch.    Ffln/tes  Kapitel 

tu)ch  unverkauften  Güter  dce  Wcltklerus  und  der  FraucnkVoilt' ' 
zur  de6nitiven  EoUcheidang  der  Oortea  darüber  verfugt«.  Diefcji 
der  ehemaligeu  Klostci^iiter  fürchteten  dadurch  in  ihrem  iaa^^ 
gefährdet  zu  sein.  — 

Die  Unterdrückung  des  Ordens  von  den  frommen  Scbuleu  < 
des  heiligen  Joeef  von  Galasanz  wnrde  in  ganz  Spanien  sciin^ 
gefühlt.  Von  allun  Seiten  und  ohne  Unterschied  der  Parteien  ge\m 
Bitten  an  die  Regierung,  diesen  Orden  wieder  herzustelleD.  Derst 
wurde  im  Anfang  des  Jahres  1S45  durch  einen  Beschluss  der  Id 
wirklich  wieder  hergestellt'). 

Die  Cortes  traten  den  Beschlüssen  des  Ministenams  in  ^ 
der  Rirchengüter  bei.  Der  Finanzminister  legt«  den  Entnart  « 
Dotatinusgesezes  fiir  den  Klerus  vor.  Damach  BoUte  dem  KJenm 
Rest  der  Kircheogüter ,  allerdings  nur  ein  kleiner  Theil  toi  ^'"^^^ 
lOüO  Millionen  Uealen,  und  nicht  mit  Selbstverwaltung,  gelassen wenl 
Die  Debatte  führte  so  heftige  Auftritte  zwisohen  Mod  nod  derkd 
liscben  Fraction  VJluma's  herbei,  dass  Viloma  nttd  seine  iTAnuq 
sich  für  beleidigt  erklärten  und  ihre  M&ndate  niederlegten  -'  ^- ' 
cember  164.%  jedoch  fast  aämmtlich  wiedergewählt  wnrden- 

Zu  Ende  des  Jannar  1846  kam  Castillo  unerwartet  toh  Q 
nach  Madrid.  Der  Regierung  Lag  Alles  daran,  die  Anericeimiuig I 
bella's  IL  durch  den  heiligen  Stuhl  and  ein  Ooncordat  ea  etm, 
Sie  concedirte  also,  was  sie  vor  zwei  Monaten  al^eschlagea,  oit 
waltung  des  Restes  der  Kirohengüter  durch  den  Klerus  selbst  i 
17.  März  1840  nahmen  die  Cortes  diesen  Antrag  mit  126  gcg^ 
Stimmen  an,  der  Senat  aber  am  1.  April  mit  76  gegen  4  Stinii« 
Castillo  war  inzwischen  nach  Rom  zurückgekehrt,  i^i  vi 
nun  von  dran  Staatsecretär  Lambruschini  als  bevoUmäohtigter  Mi« 
Isabella'e  II,  empfangen.  In  dem  Consistonum  vom  19.  Janu«  *'" 
wiMlRr  diA  ernten  Bischöfe  fiir  Spanien  präconisirt.     Der  P^t  s»^^' 

,  dass  die  Regierung  die  Stimme  des  nach  Kom  ä» 

nden  Volkes  recht  bald  verstehen  lernen  möchte. 

'ansehe  der  Königin  entgegengekommen,  indem  a 

inten  Bischöfe  bestätigt  habe*). 


- 1. 0.,  ni,  S.  103—104  (nach  Pensamiento  de  h  HKi''».  "^ 
Nnmer  dieses  vorlraffliefaeD  Blattes  eraebieo  w  ">■  ^^'^ 
fang  eta  WocbenUatt  vw  je  16  Seiten.  ,Ea  achNot  um  I» 
I  Hofter  eines  kirchlichen  Journals  sn  sein;  es  steht  nn^ 
te  Balmis*.  Vom  1.  Märe  1843  liess  derselbe  m  BvmU 
Bocieilad'  erscheinen,   welche    mit    dem   iweiloi  B»!»* ' 

itiing  vom  28.  j«iiu»r  u.  10.  Febr.  lölG. 


:i 


Die  VerwaiflUDg  der  BifttfaOmer«  463 


§.  21. 

Die  Verwaisung  der  Kirche  Spanien's  hatte  den  höchsten  Grad 
erreicht. 

Jo9ef  Petrus  Talayero,  seit  1829  Bischof  von  Albarracin,  Domi- 
nikaner, wurde  aus  seinem  Bisthume  nnd  Vaterlande' vertrieben,  und 
starb  in  der  Verbannung  zu  Marseille  am  7.  December  1839.  Er  war 
auch  theologischer  Schriftsteller.  Er  stiftete  die  Bruderschaft  der 
Bischöfe  Spanien's,  welche  den  Zweck  hat,  sich  gegenseitig,  jeder  mit 
dem  Opfer  von  100  Messen,  nach  dem  Ableben  jedes  Einzelnen  zu 
unterstüzen.  Mit  ihm  schlo3s  auf  würdige  Weise  die  Reihe  der  Bischöfe 
von  Albarraoin,  das  am  22.  Juli  1577  errichtet,  durch  das  Concordat 
von  1851  aufgehoben  wurde.*) 

Das  Biflthum  Almeria  hatte  im  Jahre  1 833  seinen  Bischof  Anton  Aimeri«, 
Perez  Minayo  durch   den  Tod   verloren.    Es    blieb   verwaist   bis   zum 
Jahre  1848. 

Astorga^  Bischof  von  Astorga,  war  seit  dem  Jahre  1834  der  als  Astorga. 
Schriftsteller   verdiente  Felix  Torres  Amat.     Er  war   der  einzige   der  f««* 
spanischen  Bischöfe,  welcher  durch  dick  und  dünn  mit  der  Regierung  ^^^^^^ 
gieng.  In  einem  Hirtenbriefe  vom  6.  August  1842  stellte  er  die  Aucto- 
rität  des  Staats  der  der  Kirche  gleich,  nnd  sogar  noch  über  sie^);   er 
ist  sehr  ängstlich  bemüht^  seiner  Heerde  beizubringen,  dass  sie  zwischen 
dem  Haupte  der  Kirche  nnd  dem  Könige  von  Rom  unterscheiden  lerne. 
Dem  Könige   von  Rom   wirft  er  die  Verdammung  einer  Schrift  seines 
Oheims  Felix  Amat,  des  Erzbischofs  von  Palmyra,    vor,   der   meines   p^y^ 
Wissens  der  einzige  Spanier  war,  welcher   „eine   allgemeine  Kirchen-  Amu. 
geschichtet  (in  12  Bänden)  herausgab.^     Fdix  Amat  wurde   geboren 
bei  Barcelona  am  10.  August  1750.    Er  stiftete,  mit  dem  Erzbischofe 
von  Tarragona,   die  Gesellschaft  der   „amigos    del  pais^.    Er  wurde 
Beichtvater  CarPs  IV.,  im  Jahre  1803  Abt  von  Sanlldefonso  undErz- 
biscbof  von   Palmyra.    Seine   „Sechs  Briefe   an   einen  Friedfertigen^, 
und   seine  „Pflichten   des  Christen   zur  Zeit   der  Revolution^    wurden 
von  seinem  Neffen  herausgegeben^).  —   Seine  „Bemerkungen  über  die 
kirchliche  Gewalt^   erschienen   in  den  Jahren  1817  —  23  unter  einem 


*)  Bein  Leben  bei  Bemh.  Wagner  (i.  e.  lyeilschifter),  Biographieen  etc., 
1846,  S.  87--91. 

')  Pastoral  del  Obispo  de  Astorga,  Madrid,  1842. 

*)  Tratado  de  la  Iglesia  de  Jesn  Gristo.  (Sehr  magere  Kirchengeschichte  bis 
zum  Ende  des  18.  Jahrbnnderts,  Madrid),  12  vol.  179d--^180a. 

*)  Seis  cartas  k  Jrenico,  Barcelona,  1817.  —  Deberes  del  Cfaristiano  dn  tiempo 
de  revolnclon,  Madrid,  1817.  Observaciones  sobre  la  Potestad  eclesiastiea,  Bar* 
celona,  1817—1823,  3  vol.  in  4*,  unter  dem  Namen  des  Don  Macario  PaduaMelato. 


1 


464  Vierzehntes  Buch.    Ffinftes  Kapitel. 


falschen  Namen.  Sie  kamen  in  den  Index  wegen  eines  Drnckfeblers, 
wie  sein  Neffe  meint,  der  von  seinem  Oheim  verbessert  worden  sei 
Dieses  Verbot  brachte  den  Neffen  dahin,  zwischen  dem  Konige  von 
llom  und  dem  römischen  Papste  einen  Unterschied  zn  statairen.  Der 
ältere  Amat  starb  in  dem  Kloster  der  Franciscaner  bei  Sallent,  am 
28.  September  1824,  im  Alter  von  74  Jahren*).  Sein  Leben  und  seine 
Schriften  hat  sein  Neffe  in  dem  oft  genannten  Werke  „Ueber  die 
Schriftsteller  von  Catalonien^  dargestellt.  Es  dürfte  diess  die  ver- 
dienstvollste Arbeit  des  jungem  Torres  Amat  sein. 

Im  Jahre  1849  erschien  dazu  ein  werthvoUes  „Suplemento",  voc 

dem  Canonicus  Juan  Corminas  von  Bnrgos.  —  Der  Bischof  von  Astorga 

ver-    starb  zu  Madrid  am  29.  December  1847.   Das  Bisthum  Avila  war  seit 

M*!hü.  2.  Februar  1841  erledigt.   Am  16.  Februar  1841  war  auch  der  Bischof 

mer.    Matthacus  Delgado  y  Moreno   von  Badajoz   (seit  29.  December  160:^) 

gestorben.     Der  Erzbischof  von  Burgos  Ignatius  Rivas  y  Major,  seit 

25.  Februar  1832,   war   am   31.  October  1840  gestorben.    Das   Erz- 

bisthum  Saragossa   war   seit   dem  15.  December  1843   erledigt.     Der 

Bischof  von  Cartagena  (=  Murcia),  Joseph  Anton,  de  Azpeitia  Saenz 

de  S.  Maria  (seit  13.  Mai  1825)   war  am  1.  November  1840  mit  Tod 

abgegangen.  — 

Lezter  Bischof  des  afrikanischen  Bisthums  Ceuta  war  seit  15.  Man 
1830  Joannes  Sanchez  Barragan  y  Vera,  der  in  seiner  Bischofsstadt 
am  14.  August  1846  gestorben  war.  Durch  das  Concordat  von  1851 
wurde  dieses  Bisthum  aufgehoben.  Bischof  von  Guenca  war  seit  dem 
21.  Mai  1827  Hyacinth.  Ramon  Rodriguez  Rico,  dessen  Siz  am  12.  Ja* 
nuar  1841  durch  seinen  Tod  erledigt  wurde.  Da  der  Bischof  von 
Gerona,  Dionys.  Castano  y  Bermudez,  seit  27.  Juni  1825,  schon  am 
24.  April  1834,  d.  i.  nach  dem  Tode  Ferdinand's  VII.,  gestorben  war. 
so  blieb  dieses  Bisthum  14  volle  Jähre,  von  1834  bis  1848  verwaist 
—  Laurent.  Ramo  de  San  Blas,  Bischof  von  Huesca  seit  15.  April 
1833,  starb  am  15.  September  1845.  Das  Bisthum  blieb  sechs  Jahre 
erledigt  Schon  am  28.  August  1836  war  Didacus  Martinez  Carloi: 
y  Teruel^  Bischof  von  Jaen  seit  23.  Februar  1832,  gestorben;  voit 
Jahre  1836  bis  1848  blieb  das  Bisthum  verwaist.  Der  Bischof  von 
Leon,  Joachim  Abarca  y  Blanque,  wurde  am  20.  März  1825  geweiht.  Er 
musste,  da  er  Don  Carlos  dem  Aeltem  diente,  fliehen  und  wohnte 
in  dem  Kloster  der  Carmeliter  von  de  Lanzo  bei  Turin,  wo  er  aw 
21.  Juni  des  Jahres  1844  starb.   Der  Bischof  Julian.  Alonso  von  Lerida. 


0  Torres  ÄmcU,  DiccioDario  critico  de  los  eBcritores  catalanes,  Barceloos. 
p.  16—34.  Ein  „Apendice^  za  seinem  im  Jahre  1835  heraasgegebeneo  Leben  er- 
schien im  Jahre  l!)38,  beide  von  seinem  Neffen;  cf.  die  ZeitocbriA  .EBp«&ol^ 
nr.  229—230,  241,  v.  Juni  1836. 


Verwaisung  der  Bistbümer.  465 

aus  dem  Fraemonstratenserorden,  geweiht  als  Bischof  von  Lerida  am 
2o.  Jnli  1833^  war  zwar  ein  treuer  Anhänger  der  minderjährigen  Isa* 
bella  IL  Dennoch  wurde  ihm  der  Process  gemacht,  er  wurde  mit  dem 
Verluste  aller  seiner  Ehren,  Würden  und  Güter  aus  Spanien  als 
Rebell  verbannt,  7.  October  1840.  Der  Bischof  zog  sich  nach  Nizza 
zurück,  und  starb  daselbst  am  18.  Februar  1844,  als  er  schon,  wie 
man  sagte,  die  Erlaubniss  erhalten,  nach  Spanien  zurückzukehren,  und 
wieder  sein  Bisthum  zu  regieren*).  Dasselbe  blieb  verwaist  bis  zum 
Jahre  1848.  -r-  Das  Bisthum  Lugo  wurde  durch  den  Tod  des  am 
18.  December  1824  von  Maynas  in  Peru  hieher  versezten  Franciscaners 
Ilippolyt.  Sanchez  Rangel  y  Fayas  am  29.  April  1839  erledigt.  Er 
starb  in  seinem  Bisthume,  das  nach  ihm  neun  Jahre  verwaist  blieb. 
Bischof  von  Maynas  war  er  seit  1805  gewesen.  Er  wurde  78  Jahre  alt. 

Zwei  Bischöfe  von  Majorka  starben  im  Jahre  1842,  der  eine 
war  der  sehr  „fortgeschrittene^  Petrus  Gonzalez  Vallejo,  seit  dem 
27.  September  1819,  der  mit  der  Revolution  vom  L  Januar  1820  Hand 
in  Hand  gieng,  darum  im  Jahre  1824  seinem  Bisthume  entsagen  musste. 
Er  war  am  }jO.  April  1842  gestorben.  Sein  Nachfolger  war  Anton. 
Perez  Hirias,  seit  27.  Juni  1825,  durch  dessen  am  18.  December  1842 
erfolgten  Tod  das  Bisthum  der  Insel  Majorka  fUnf  Jahre  erledigt  blieb  ^). 
Das  Bisthum  Malaga  war  durch  den  am  26.  December  1835  erfolgten 
Tod  des  Bischofs  Josef  Gomez  y  Navas  verwaist,  bis  zum  Jahre  1848, 
aud  fiel  in  die  Hände  des  ^vielgenannten^  Administrators  Valentin. 
Ortigosa,  der  in  der  spanischen  Eirchengeschichte  neben  dem  Bischöfe 
llostegesis  (845 — 864)  berufenen  Andenkens  figurirt. 

Der  Bischof  Franc.  Lopez  Borricon  war  am  25.  Juni  1827  far 
Mondonedo  praeconisirt  worden,  und  war  am  12.  December  1839  in 
seinem  Bisthume  gestorben.  Der  Siz  blieb  bis  zum  Jahre  1850  er- 
ledigt —  Am  14.  März  1819  wurde  der  Bischof  Damasus  de  Igle- 
sias  y  Lago  von  Orense  geweiht,  und  starb  am  13.  November  1840, 
(^In  dem  IV.,  VII.  und  IX.  Bande  der  erwähnten  „Coleccion  eclesia- 
ä>tica^  finden  sich  nicht  wenige  Documente,  welche  seine  Erleuchtung 
und  seinen  Eifer  beweisen).  Der  Bischof  Joan.  Cavia  y  Gonzalez  von 
Osma,  am  26.  September  1814  bestätigt,  war  am  23.  Dec.  1831  ge- 
storben. Im  Jahre  1833  wurde  als  sein  Nachfolger  Josef  Sabau  Blanco 
ernannt,  Canonicus  von  Saragossa,  der  berühmte  Fortsezer  der  spa- 
nischen Geschichte  von  Mariana.  Er  starb  aber  noch  in  demselben 
J^ahre,  und  so  fiel   das  Bisthum  einer  langen  Verwaisung  heim  vom 


0  Espafia  sagrada,  t.  47,  Madrid,  1850,  p.  147-49. 

^  Von  dem  im  Jahre  1844  gestorbenen  Bischof  Merino  von  Menoroa  haben 
gesprochen. 
OAB»«f  «PMi.  Kirche.  III,  l,  30 


466  Vierzehntes  Bach.    Fünftes  ELapitel. 

Jahre  1831  bis  zum  Jahre  1848.  Zwölf  Jahre  blieb  Oviedo  erledigt, 
durch  den  am  20.  März  1836  erfolgten  Tod  des  Bischofs  Gregor. 
Ceruelo  de  la  Fuente  (seit  '23.  September  1815).  Giudad  Rodrigo  war 
seit  dem  Jahre  1835  erledigt,  nnd  blieb  erledigt  für  alle  Zeit. 

Der  Bischof  Philipp  Gonzalez  Abarca  war  am  28.  September 
1829  von  Ivi^a  nach  Santander  versezt  worden;  mit  seinem  Tode  am 
12.  März  1842  war  das  Bisthum  verwaist  nnd  blieb  es  sechs  Jahre 
lang.  Der  Bischof  Julian.  Sanz  et  Palancö  von  Segorve,  seit  21.  März 
1825,  8tai:b  am  30.  April  1837.  —  Der  Dominikaner  Joachim  Briz. 
seit  24.  Februar  1832  Bischof  von  Segovia,  war  am  23.  Januar  1837 
gestorben.  Der  Siz  blieb  11  Jahre  erledigt.  Gleichfalls  11  Jahre  war 
das  Bisthum  Siguenza  verwaist,  durch  den  am  8.  Januar  1837  erfolgten 
Tod  des  Bischofs  Emmanuel  Frayle  (seit  29.  März  1819).  Solsona  hatte 
seinen  lezten  Bischof,  den  Mercedarier  Joannes  Josef  de.  Tejada,  vom 
2.  Juli  1832  an.  Der  Siz  war  erledigt  im  Jahre  1840,  das  Bisthum 
selbst  aber  hörte  mit  dem  Jahre  1851  auf,  zu  existiren.  —  Der  Biscliot 
Hieron.  Castellon  y  Salas,  Bischof  seit  10.  Juli  1815,  zugleich  der 
lezte  Generalinquisitor  in  Spanien,  war  schon  am  20.  April  1835  ge- 
storben; 13  Jahre,  bis  zum  Jahre  1848,  blieb  nach  ihm  das  ßisthnm 
Tarazona  erledigt.  Durch  den  Tod  des  Bischofs  Josef  Asensio  de 
Ocon  (1832,  24.  Febr.  —  t  2.  Dec.  1833)  wurde  das  Bisthum  Terud 
erledigt,  und  blieb  es  17  Jahre  lang,  bis  zum  Jahre  1850.  Der  Fri- 
matialstuhl  von  Toledo  war  nicht  besezt  von  1836  —  1847.  Victor. 
Damian  Saez,  Bischof  von  Tortosa,  3*  Mai  1824  Minister  unter 
Ferdinand  VII.,  war  am  3.  Februar  18S9  gestorben;  der  Siz  blieb 
9  Jahre  lang  verwaist.  —  Vierter  und  zugleich  lezter  Bischof  von  Tadela 
war  Ramon  Maria  Azpeitia  Saenz  de  S.  Maria  —  seit  1819,  welcher 
am  oO.  Juni  1844  starb.  Der  Erzbischof  Joachim  Lopez  Sicilia  tou 
Bnrgos,  am  24.  Februar  1832  hieher  versezt,  war  am  24.  Ailgust  18^^ 
gestorben.  Es  trat  eine  Sedisvacanz  von  10  Jahren  ein.  Nach  dem  Tode 
des  Bischofs  Paul  de  Corcuera  y  Caserta  (L825,  20.  Dec.  f  3  Juli 
1835)  blieb  das  Bisthum  Vieh  13  Jahre  unbesezt.  Endlich  nach  dem 
Tode  des  Dominikaners,  Thomas  de  la  Iglesia,  war  das  Bisthum  Za- 
mora  14  Jahre  verwaist  (1834 — 1848.) 

Zur  Zeit  des  Todes  Gregorys  XVI,  —  1.  Juni  1846,  waren  von 
59  Bisthümern  38  erledigt.  Dazu  kam  noch  im  Jahre  1847  der  Tod 
des  Bischofs  von  Astorga.  Am  21.  Juni  1847.  starb  zu  Alicante  — 
der  Cardinal  von  Sevilla,  Franc.  Xav.  Cienfuegos« 

Es  lebten  noch  die  Erzbischofe  und  Bischöfe  von  BarbastrO) 
Barcelona ,  Cadix ,  Calahorra ,  Canarias ,  Compostella  ,  Cordovn. 
Qoria,  Granada,  Jacca,  Ivi^a,  Orihuela^  Palentia,  Pamplona,  Fla* 
centia,  Salamanca,  Tarragona,  Tuy,  Urgel,  und  Valladolid.  Zwei 
Dritttheile  des  Episcopats   von  Spanien   waren  ausgestorben.    Es  war 


Nene  BischOfe  1816-1848.  467 

dieses ;   abgesehen   von   den  Zeiten  der  Maaren,   die  grosste  und  am 
längsten  dauernde  Verwaisung  der  Bisthümer  Spanien's. 

In  der  Verbannung  starben  die  Erzbischöfe  von  Saragossa  und 
Sevilla,  die  Bischöfe  von  Albarracin,  Leon,  Lerida  und  Menorca.  — 
Jahre  lang  verbannt  waren  die  Erzbischöfe  von  Compostella  und  Tar- 
ragona,  die  Bischöfe  von  Avila,  Placentia,  (Cadix),  Canarias,  Calahorra^ 
Plasencia,  Valencia,  Barbastro,  ürgel,  Pamplona  u.  a.  —  Die  Regierung  j 

hatte  eine  Anzahl    von  Bischöfen  ernannt,   welche   aber  in  Rom  nicht  ^ 

bestätigt  wurden.  ^ 


Am  4.  October,  17.  und  24.  December  1847  wurden  nach  langer 
Verwaisung  der  Bisthümer  wieder  zahlreiche  spanische  Bischöfe  prae- 
eonisirt,  Manuel  Lopez  Santisteban  für  Avila,  der  schon  am  30.  April  1852 
wieder  verzichtete,  Eman.  Maria  Gomez  Rivas  für  das  Erzbisthum  Sara- 
gossa (t  17.  Juni  l>io8\  Bonaventura  Codina  für  Canarias,  während  der 
bisherige  Bischof  Judas  Thaddaeus  Romo   nach  Sevilla   versezt,   und 
schon  im  Jahre  1850  Cardinal  wurde.    Bischof  von  Carthagena  wurde 
Marian.   Barrio  Femandez.     Der   Bischof  von    Corduba  Joan.   Josef 
Bonel  y  Orbe  wurde  am  4.  October  1847  Erzbischof  von  Toledo,  — 
Cardinal  im  Jahre  1^50,  und  erhielt  an  demselben  Tage  zu  seinem  Nach- 
fol<;cr  in  Cordova  den  Joachim  Tarancon.  An  demselben  4.  October  1847 
wurde  der  bisherige  Bischof  Raimund  Montero  von  Coria  Erzbischof 
von  Burgos,  starb  aber  shcon  am  30.  März  1848  zu  Madrid,    In  Coria  hmsbi- 
folgte  ihm  Eman.  Anselm.  Nafria  (f  1851  }•   Auch  Cuenca  erhielt  am  ^  ^ 
17.  December  1847  nach  langer  Verwaisung   einen  Bischof,   der  aber    isas. 
schon  am  9.  October  1848  starb.    An  demselben  Tage  erhielt  Gerona 
in  der   Person  des   Florent.  Llorente  j  Monte   einen    neuen  Bischof 
(t  vor  Febr.  1862).     Den  Stuhl  von  Granada  bestieg  im  Jahre  1848, 
von  Teneriffe  hieher  kommend,  der  Erzbischof  Ludov.  Anton.  Folqueras 
7  Sion  (f  28.  Oct.  1850).   Josef  Escolano  y  Fenoy  wurde  am  23.  April 
'  1848  zum  Bischöfe  von  Jäen  berufen  (f  21«  Juli  1854).  Zu  derselben  Zeit 
I  erhielten  die  la>ngverwaisten  Bisthümer  Leon  und  Lerida,   Lugo,  Ma- 
jorka,   Malaga,   Orense,  Osma,   Oviedo,  Santunder,  Segorve,  Segovia, 
'  Siguenza,  Tarazona,  Teruel,  (Tortosa),  Valencia,  Vieh  und  Zamora  ihre 

(neuen  Oberhirteu.  —  Diese  neuen  Bischöfe  trafen  sehr  zerrüttete  Zu- 
stände  in  ihren  Kirchen.  Sie  sollten  alles  neu  ordnen,  neu  schaffen; 
es  fehlte  aber  gar  sehr  an  materiellen  und  sonstigen  Mitteln.  Die 
Kirche  war  verarmt,  der  Staatsschaz  war  leer^  das  Volk  war  zum  grössten 
Theile  verarmt.  Wir  begegnen  der  auffallenden  Erscheinung,  dass  von 
den  neuen  Bischöfen  viele  im  Laufe  weniger  Jahre  dahinstarben.   Von 

80* 


j 

i 


468  Vierzehntes  Bach.    Fflnftes  Kapitel. 

den  Bischöfen^  die  im  Jahre  1848  Besiz  von  ihren  Kirchen  nahmen, 
lebt  schon  längst  keiner  mehr.  Vielleicht  dass  das  Elend,  das  sie 
fanden,  nnd  dem  sie  nicht  abhelfen  konnten,  ihnen  das  Leben  nicht 
wenig  verkürzt  hat. 

Am  £0.  September  1850  wnrden  wieder  neue  Cardinäle  för  Spanien 
ernannt,  die  Erzbischofe  von  Sevilla  und  von  Toledo.  Unier  ihnen  war 
der  Glaubensbekenner  Raphael  Velez  von  Compostella  nicht.  Als  er 
ans  seiner  langen  Verbannung  auf  Menorca  von  1835  —  1844  zurück- 
kehrte —  Juli  1844,  wurde  er  im  Triumphe  aufgenommen.  Er  durch- 
eilte seinen  grossen  Sprengel,  und  suchte  überall  die  durch  den  langen 
spanischen  „Culturkampf^  geschlagenen  Wunden  zu  heilen.  Aber  seine 
Tage  waren  gezählt  Er  starb  am  3.  August  1850,  im  Alter  von  75  Jahren, 
von  welchen  er  34  Jahre  lang  Bischof  gewesen  war.  Er  starb,  wäh- 
rend er,  nach  seiner  täglichen  Gewohnheit,  die  Litanei  zu  allen  Hei- 
ligen betete;  er  starb  eines  ruhigen  und  heiligen  Todes,  sowie  sein 
ganzes  Leben  gewesen  war. ') 

§.  23. 

Die  Orundlage  der  jezigen  kirchlichen  Ordnung  in  Spanien  ist 
Nemea  das  am  5.  September  1851  geschlossene  Concordat  in  46  Artikeln^). 
^^°,^^^Nach  ihm  ist  die  katholische  Religion  die  einzige  in  Spanien.  Die 
bestehenden  Erzbisthümer  Toledo,  Bnrgos,  Saragossa,  Compostella, 
Granada,  Sevilla,  Tarragona  und  Valencia  bleiben  bestehen.  Ein  neuntes 
Erzbisthum,  Yalladolid,  wird  für  die  Provinz  Altcastilien  errichtet. 
Aufgehoben  werden  die  Bisthümer  Albarracin,  Barbastro,  Cindad  Ro- 
drigo.  Genta,  Ivi^a,  Tndela  und  Teneriffe.  Leztcres  hatte  seinen  ersten 
Bischof  vom  Jahre  18:^5  bis  1848.  Es  hat  aber  am  20.  März  1877 
in  dem  Benedictiner  Ildefons  Infante  y  Macias  seinen  zweiten  Bischof 
erhalten.  Es  heisst  auch  S.  Christoforo  di  Laguna  —  auf  der  Insel 
Tenerifife. 

Drei  neue  Bisthümer  sollten  in  Spanien  errichtet  werden,  Ma- 
drid, Ciudad  Real  und  Vittoria.  Warum  Madrid  bisher  nicht  errichtet 
wurde,  haben  wir  früher  gesagt,  Ciudad  Real  kommt  zum  leztenmale 
in  dem  romischen  „Anuario*'  vom  Jahre  1878  mit  den  Worten  vor: 
„Errichtet  von  Seiner  Heiligkeit  (Pius  IX.),^  In  dem  „Anuario  11.'^ 
des  Jahres  1878  ist  es  ausgelassen.  Madrid  aber  blieb  stehen,  wie 
wenn  es  verwaist   wäre.     In  der   That,   es  ist  verwaist  von  seiner 


')  Pedr.  Oreajo,  Historia  de  la  Catedral  de  Bargos,  1856,  p.  175—1^6.  —  Zep^ 
dano,  Catedral  de  Compostella,  1S6X 

*)  Acta  Pii  IX,  Ul,  p.  311—841. 


! 


T.  J. 

1861. 


Kircbliche  Literatar.  469 

Gründung  an.  Nachdem  das  Erzbistham  Toledo  im  Laufe  der  Jahr- 
hunderte so  viel  verloren  halte,  wollte  es  nicht  auch  noch  die  Haupt- 
stadt Madrid  verlieren.  —  Das  Bisthum  Vittoria  wurde  zum  erstenmale 
im  Jahre  1861  besezt. 

Unter  Toledo  stehen  nun  die  Bisthümer:  Coria,  (>uencft,  Placencia,    ^^^* 
Siguenza^    (Ciudad  Real,  Madrid).    —    Unter   dem    Erzbischofe  von  kirch- 
Burgos  stehen  die  Bischöfe  von  Calahorra,  Osma,  Palencia,  Santander,  ^^^^ 
Vittoria,    und   Leon.     Leon,    das   allzeit   exemte   Leon,    ist   endlich    lang 
Suffraganbisthum  geworden.   Unter  Saragossa  stehen  nun  Huesca  (Bar- 
bastro),  Jacca,   Pamplona  mit  Tudela,   Tarazona,  Teruel   mit  Albar- 
racin.    Tarragona  hat  unter  sich  die  Bisthümer:   Barcelona,   Gerona, 
Lerida ,   Tortosa ,   Urgcl ,   Vieh  mit  Solsona.     Valencia  hat  unter  sich 
die  Bisthümer:  Orihuela,'  Segorve,  Majorka  mit  Ivi^a,  Menorca. 

Der  Erzbischof  von  Granada  hat  zu  seinen  Suffraganen  die  Bischöfe 
von  Cartagena,  Jaen,  Guadix,  Almeria  und  Malaga.  Unter  dem 
Erzbischofe  von  Sevilla  stehen  die  Sufiaganbisthümer  von  Cordova, 
Uadajoz,  Cadix  mit  Ceuta,  Canarias  und  Teneriffe.  Unter  dem  neuen 
Erzbisthum  Yalladolid  stehen  Astorga,  Avila,  Salamanca  mit  Ciudad 
Kodrigo,  Scgovia  und  Zamora.  Der  Erzbischof  von  Compostella 
hat  zu  seinen  Suffraganen  Lugo,  Mondonedo,  Orense,  das  nicht  mehr 
exemte  Oviedo,  und  Tuy. 

Es  bestehen  9  Erzbisthümer  und  45  Bisthümer.  Dazu  kommen 
4  (5)  Bisthümer  in  den  Philippinen  und  3  in  Westindien.  ^) 


§.  24 

In  Folge  des  neuen  Concordats  begann  ein  neues  Leben  für  die 
Kirche  in  Spanien,  das  freilich  schon  wieder  im  Jahre  1854  durch 
neue  Sturme  unterbrochen  wurde.  Die  beständigen  politischen  Umwäl- 
zungen in  Spanien  ziehen  stets  auch  die  Kirche  in  Mitleidenschaft.  — 
Neuere  Seminare  traten  in  das  Leben.  Der  Zugang,  vielmehr  der 
Zudrang  zum  geistlichen  Stande  trat  auffallend  hervor.  Im  Jahre  1854 
kam  vorübergehend  wieder  Espartero  zur  Gewalt.  Der  Papst  musste 
sich  über  Verlezungen  des  Concordats  beklagen»  Doch  dauerte  dieser  m,^ 
Sturm  nicht  lange.  i^« 

Auch  die  kirchliche  Literatur  trieb  neue  Blüthen.  Die  vom  Jahre 
1851  neu  erschienenen  Werke  haben  wir  fast  alle  genannt,  es  ist  die 
Conciliensammlung  von  Tejada  y  Ramiro,  1851 — 62,  das  «Suplemento^ 


liltora- 
tw. 


')  Das  Concordat  bei  Tejada  y  Ramiro,  t.  VII,  p.  1.  —  enthftlt  zagleich  ein 
VerseicbnSas  aller  in  Folge  desselben  emanirten  Erlasse  vom  Jahre  1861  bis  zam 
Jahre  1862,  deren  Zahl  gross  ist.  —  CastiUo  y  Ayensa  und  Hergmröther  1.  c. 


470  Vierzcbotce  Bach.    Fünftes  Kapitel.    Kirchliebe  Literatur. 

« 

zu  dem  Diccionario  der  Theologie,  von  Bergier^  Madrid  (1857),  an 
welchem  die  meiBten  Bischöfe  mitarbeiteten,  die  in  zwei  Aoflagen 
(1854 — 18Ö8,  187i5 — 1875)  erschienene  Eirchengeschichtc  Spanien's  von 
Kic.  de  La  Fuente  (4  und  6  Bände),  die  in  6  Bänden  erschienene 
Sammlung  der  Werke  des  vorlezten  Erzbischofs  von  Tarragona,  Costa 
y  Borras  (f  1864),  Barcelona  1865 — 1866,  die  Fortsezung  der  Espana 
sagrada  vom  Bande  43—  50  in  den  Jahren  1 849 — 1865,  enthaltend  die 
BIsthumer  Gerona  (t.  43,  44,  45),  Lerida  (t.  46—47),  Barbastro  (t.48) 
und  Tarazona  (t  49—50).  Seit  dem  Jahre  1865  „ruhet'*  das  Werk,  und 
es  ist  keine  gesicherte  Hoffnung,  es  wieder  in  Gang  zu  bringen. 

Im  Jahre  1868  musste  die  Konigin  Isabella  II.  ihren  Gegnern, 
den  gegen  sie  verchwornen  Serrano,  Prim  und  Topete,  weichen.  Narvaez 
starb  am  23.  April  1868  als  Ministerpräsident.  Auf  ihn  folgte  Gon- 
zalez Bravo.  Die  Flotte  unter  Topete  empörte  sich,  zu  Topete  schlugen 
sich  Prim  und  Serrano.  An  demselben  Tage  und  in  derselben  Stunde 
musste  Isabella  Spanien  verlassen,  an  welcher  ihr  Vater  S5  Jahre 
früher  das  Leben  verlassen  hatte  (29.  Sept.  1833  und  186S).  Zwei 
Jahre  lang  versuchten  es  die  Spanier  mit  dem  Piemontesen  Prinz 
Amadeo,  1870 — 72,  der  freiwillig  abdankte  —  Januar  1873;  dann 
kam  wieder  eine  Scheinrepublik  unter  Serrano.  Der  General  Martmez 
Gampos  rief  im  December  1874  den  Sohn  Isabella's  als  Konig  Alfons  XII. 
aus,  der  im  Januar  1875  nach  Madrid  kam.  Ein  päpstlicher  Nuntius 
folgte  bald  nach.  Die  Beziehungen  mit  Rom  gestalteten  sich  freund- 
licher. Unter  dem  tüchtigen  Minister  Cänovas  del  Castillo  traten 
ruhigere  Zustände  ein.  Leider  wurde  die  Ehe  Alfon's  Xil.  mit  seiner 
Cousine  D.  Mercedes  von  Orleans  —  23.  Januar  1878  —  schon  am 
26.  Juni  1878  durch  den  Tod  der  Königin  gelost. 

Gott  schüze  Spanien,  und  lasse  es  im  möglichst  engen  Anchlusse 
an  seine  glorreiche  katholische  Vergangenheit  eine  besbere  Zeit  erleben, 
als  es  anter  der  langen  Herrschaft  der  Revolution  (l'iG2 — 1875)  er- 
lebt hat. 


RecapitulatioD  des  ganzen  Werkes. 


Von  dieBem  Werke  erschien  der  erste  nnd  zweite  Band  in  den 
Jahren  1862  und  1864;  der  dritte  und  vierte  in  den  Jahren  1874  und 
1876.  Der  Grund  des  langen  Zwischenraums  von  10  Jahren  war  vor- 
wiegend die  Bearbeitung  ,,der  Series  episcoporuni  Ecclesiae  catho- 
licae,^^  welche  ich  im  März  1865  zu  Barcelona  begann,  und  an  der  ich 
acht  Jahre  arbeitete.  In  der  langen  Zeit  von  1862  bis  1879  hat  auch 
die  Literatur  Fortschritte  gemacht.  Ueber  die  meisten  der  von  mir 
in  diesem  Werke  behandelten  historischen  Fragen  sind  inzwischen 
neue  Schriften  erschienen;  die  Resultate  derselben  haben  mich  zu 
wiederholter  Prüfung  der  von  mir  vorgeschlagenen  Lösungen  der  Streit- 
fragen veranlasst.  In  der  nun  folgenden  Zusammenstellung  des  In- 
halts meines  Werkes  will  ich  die  von  mir  behandelten  Fragen  in  Kürze 
wiederholt  darlegen. 


Erstes  Kapitel 

Erster  Band,  1862. 

Die  Missionsreise  des  Apostels  Paulus  nach  Spanien,  nach  dem 
Ende  seiner  ersten  romischen  Gefangenschaft  im  Jahre  63;  wird  wenig* 
stens  von  katholischen  Schriftstellern  ziemlich  allgemein  zugegeben. 
Die  beiden  Hauptgründe,  das  Zeugniss  des  Clemens  von  Rom  und  das 
Zeugniss  des  Verfassers  des  sogenannten  Codex  Muratori  N.  T.  scheinen 
eine  andere  Eiklärung  nicht  zuzulassen,  als  dass  Paulus  von  Rom  nach 
Spanien  gereist  sei.  Im  Besondern  habe  ich  aus  Profan-  wie  aus  kirch-  Die  drei 
liehen  Schriftstellem  nachgewiesen,  dass  im  ganzen  Alterthum  li  tigfia  *^^^' 
t^g  Svcttög  oder  „ultima  Hesperia'^  nie  etwas   anderes  bedeutet  habe,  Grond« 


472    Recap'tulation  des  ganzen  Werkes.    Erstes  Kapitel.    Erster  Band,  1862. 

fttr  die  als  Spanien,  dasa  man  die  Worte  weder  von  England,  Irland,  Gallien, 
,,,'^p^n' Italien,    noch  von  Mauritanien   verstehen   könne.     Clemens,   der  Zeit- 
las  nftch  genösse  des  Panlus,  konnte,  ja  musste  wissen,  ob  Panlos  die  beabsirh- 
c.**««.  d!  tigte  Heise   nach   Spanien   gemacht   habe,   oder   nicht.     Die  Apostel- 
^^-    geschieh te  warde  von  Lucas  in  Rom  während  der  Zeit  der  ersten  Ge- 
fangenschaft des  Apostels  in  Rom  in  den  Jahren  61 — 63  verfasst,  nnd 
Lucas  konnte  nicht  E^reignisse  einer  spätem  Zeit  erzählen.    Er  schweigt 
ilber  Pauli  Reise  nach  Spanien,  wie  über  dis  Martyrium  des  Apostels 
Petrus,  weil  beide  Ereignisse  damals  noch  nicht  eingetreten  waren. 

Nach  meiner  Kenntniss  der  Literatur  bin  ich  der  erste  Schrill- 
Rieht-  gteller,  der  den  Versuch  gemacht,  die  Richtung  der  Reise  des  Apostels 
Koise  in  und  durch  Spanien  selbst  zu  erforschen^  oder  zu  errathen.  Ich  baW 
daroh  ^jj^  Vcrmuthung  aufgestellt,  er  sei  von  Cadix  über  Sevilla,  Astigi 
G«.  (Ecjia),   Corduba,   über   den  Mons  Marianus,   über  Laminium,   Libi- 


▼OB 


dMiiAch  ßQga^  Xativa  oder  Sätabis,  Valencia,  Dertosa  nach  Tarragona  gereist. 
oo7  Es  bestehen  schwache  Local- Traditionen,  dass  der  Apostel  in  Astigi, 
Laminium,  Lezuza,  Sätabis,  Dertosa  und  Tarragona  geweilt  habe.  Diese 
Traditionen  gewinnen  aber  einen  beachtenswerthen  Halt .  und  Zusam- 
menhang durch  die  Thatsache,  dass  alle  diese  Orte  an  der  grossen 
Strasse  lagen,  welche  von  Gades  nach  Tarraco,  von  Tarraco  nach 
Rom  führte. 

Als  der  erste  Band  meines  Werkes  im  Jahre  1862  erschien,  war 
die  Richtung   der  Strasse   von  Castulo   nach  Sätabis  noch  keineswosi^s 
festgestellt.     Ja   nach    einer   Aeusserung   Strabo's,   dass  dieser   Weg 
wegen  seiner  allzu  grossen  Steile   oder  Härte    verlassen    nnd  die  neue 
Strasse   in    der  Richtung  von  Cartagena,   Acci   und    Castulo  gebaut 
worden  sei,   und    wegen   des  Stillschweigens,   wenigstens  der  verwir- 
renden Angaben   der  Stationen   des  Weges   in   dem  Reichswegweiser 
Tradi-  ^jgg  sogenannten  Antonin  konnte  man  überhaupt  bezweifeln,   ob  durch 
jnAtu-  die  Sierra  Morcna  noch  eine  im  Gebrauch  befindliche  Strasse  gefuhrt 
«*'  ^^  habe.    Man  entdeckte  aber  im  Jahre  18Ö2  die  soffenannten  Vasa  Apol- 
xaut»,  linaria,   (eine  Entdeckung,   von    der   ich   im  Jahre  1860  noch  nichts 
DertoM.  joggte),  Welche  die  Mansionen  oder  Haltstellen  der  Strasse  von  Gades 
nach  Rom  in  drei  Variationen,   oder  in  einer  dreifachen  „Recension^^ 
angeben,  mit  der  Ueberschrift:  Itinerare  a  Gades  usque  Roma  (Reise- 
Stationen  von  Gades  nach  Rom.    Das  Latein  ist  nicht  klassisch,  aber 
doch  verständlich).   Hier  sind  von  Castulo  nach  Sätabis  neun  Stationen 
angegeben,  von  welchen  früher  nur  zwei,  Hentesa  (dessen  Lage  nicht 
sicher  gestellt   war)  und  Libisosa,   bekannt  waren.    An  der  Anleitung 
dieser  neuen  Entdeckung,    und  aus  Anlass   des  Baues  der  Eisenbahn 
dnrch  die  Sierra  Moreua  wurde  nun  auch  die  Lage  der  sieben  übrigec 
Mansionen  untersucht,  und  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  festgestellt. 
Da  nach   den  örtlichen  Traditionen   der  Apostel  einerseits  in  Astigi, 


Der  heilige  Paalus  in  Spanien.  ^73 

anderseits  in  Libisosa  gepredigt  habe,  so  kann  man  nicht  mehr  dagegen 
einwenden,  dass  diese  beiden  Orte  in  keiner  Verbindung  mit  einander 
gestanden,  und  man  von  dem  einen  höchstens  auf  grossen  Umwegen 
zu  dem  andern  habe  gelangen  können.  Vielmehr  führte  die  direkte 
Strasse  von  Gades  nach  Hispalis,  von  Hispalis  nach  Astigi,  von  hier 
über  Corduba  und  Castulo,  vorüber  an  den  Stationen:  Ad  Morum, 
II  Solana  nach  Mariana  am  nördlichen  Rande  der  Sierra  Morena,  von 
da  nach  Libisosa^  von  hier  über  Parietinae,  Saltigis  — ,  vorbei  an  den 
Mansionen:  Ad  Palem  und  Ad  Aras  nach  Sätabis  (Xativa),  und  weiter 
über  Valencia  nach  Dertosa  und  Tarraco.  Diese  spätem  oder  mir  erst 
später  bekannt  gewordenen  Entdeckungen  haben  also  zur  Verstärkung 
der  von  mir  beigebrachten  Grunde  über  die  Richtung  der  Reise  Pauli 
durch  Spanien  beigetragen. 

Ich   habe  einen  dritten,   bisher  nicht  beachteten  Beweis  für  eine  Ersten, 
doppelte  Gefangenschaft  Pauli   in  Rom,   im  Jahre  61,   und   um   das  ^'^'^^ 
Jahr  66  —  67  beigebracht;  denn,  wenn  Paulus  nur  einmal  in  Rom  ge-   F»aii 
fangen  war,  so  bleibt  für  eine  Reise  desselben  nach  Spanien  keine  Zeit  ^^  ^^' 
und   kein  Raum.    Nun   feierte  die  älteste  römische  Kirche  nach  dem 
sogenannten  Romanum  Parvum  des  Ado,   d.  h.  dem  ältesten  uns  be-         ^ 
kannten  römischen  Festkalender,  dessen  Spuren  sich  schon  bei  Gregor 
dem  Grossen  finden,  am  6.  Juli: 

Das  Fest  der  Oktave  der  (Fürsten  der)  Apostel,  Et  Primus  in- 
gressns  apostoli  Pauli  in  urbem  Romam.  Einem  ersten  Eintritte  mnss 
wenigstens  ein  zweiter  gefolgt  sein,  der  Apostel  also  aus  seiner  ersten 
römischen  Gefangenschaft  um  das  Jahr  C3  befreit  worden  sein.  tVam 
Werner  in  Set  Polten  hat  fast  gleichzeitig  mit  mir  eine  Abhandlung  über: 
„die  Reise  Pauli  nach  Spanien  und  dessen  zweite  römische  Gefangeu'- 
schaft^^  (in  oesterreich.  Vierteljahrschr.  f.  kath.  Theologie,  von  Theodor 
Wiedemann,  Wien,  1863;  S.  321^316;  18G4,  &  1—52)  erscheinen  lassen, 
deren  Resultat  mit  dem  meinigen  übereinstimmt,  nur  sagt  er  nichts 
von  der  Richtung  der  Reise  des  Apostels  durch  Spanien.  Am  Ende 
seiner  Arbeit  kam  ihm  meine  Abhandlung  noch  zu  Gesichte,  und  er 
bezeichnet  es  als  von  „Verdienst,  auf  jenes  Fest  in  dem  Romanum 
Parvum  hingevnesen  zu  haben^  (18G4,  S.49),  adoptirt  demnach  meinen 
Beweis«  Auch  Dr.  Hefele  weist  denselben  nicht  ab  (Tübinger  Quar- 
talschr.  1863,  S.  522.)  —  Im  Jahre  1862  habe  ich  es  als  wahrschein- 
lich bezeichnet,  dass  der  heilige  Paulus  auch  nach  Dertosa  (und  Tar- 
raco) gekommen.  Jedenfalls  fordert  die  unbestreitbare  Thatsacfae,  dass  ^'® 
die  heilige  Thecla,  die  gefeierte  Schülerin  des  Apostels,  von  jeher  Pa-  tettmo 
tronin  der  Kathedrale  und  des  Erzbisthums  von  Tarraco  war,  eine  "»^  *• 
erschöpfende  historische  Untersuchung.  Wo  die  heilige  Thecla  ver-  Th«eu« 
ehrt  wird,  wird  überall  auch  ihr  Bekehrer,  der  heilige  Paulas,  verehrt. 
Im  Jahre  1867  habe  ich  sowohl  im  ersten  Band  von  Möhlei'^a  Kirchen- 


474     Recspitulation  des  g»Dzen  Werkes.  Erstes  Kapitel.   Erster  Band,  1862. 

geschichte,   als  in   der  Festschrift:    ,,Das  Jahr   des   Martyrtodes    de 
Apostel  Petrus  und  Paulus'^  auPsNeue,  und  besonders  die  Frage  unter 
sucht,  ob  man,   sei  es  auf  der  Hinreise,   oder  Ruckreise  des  Apostel 
aus  Spanien  einigen  Grund  habe  anzunehmen,  dass  er  durch  das  süd 
liehe  Gallien,  etwa  nach  Narbonne,  Arles  und  Vienne,  gekommen  sei*)] 
Ich  habe  gesagt,   dass  wir  Grund  zu  der  Annahme  haben,  dass  TroH 
phimus  von  Arles  nnd  Crescenz  von  Vienne  von  den  „Aposteln^^  nadi 
Gallien  gesandt  worden.    Bisher  glaubte  man  allgemein,  Crescenz  sei 
von  Rom  nach  Galatien  gereist.   (1  Timoth.  4,  10.)    Aber  Dio  Ccusivs 
nennt    „Galatien    und  Gallien^^    neben    einander    als    dasselbe    Land 
(53,  12  [7];  54,  4  [7].    Bei   den  Griechen  bedeutet  überhaupt  Gala- 
tien anch  das  westliche  Gallien.    Der  griechische  Irenaeug  nennt  „Gal- 
^'^'  lien"  auch  „Galatiea"^  Biusebius  von  Caesarea  sagt  bestimmt:  (Kirchen- 
roistvon  gcschichte  3,  14).  Crescenz  ist  nach  Gallien  gereist    Hieronymu»  sagt 
^o'Q   (de  viris  illustr.  append.  I):  „Crescens  in  Gallüs  praedicavit^',  ebenso  das 
oaiiien  Ghronicon  paschale,  Epiphanius  und  TTieodoret.    Dazu  kam  neuestens  das 
(Vien.  entscheidende   Zeugniss   des   sogenannten   Codex  Sinaiticns,   der  dem 
vierten  Jahrhundert  angehört,   und   mit   dem  Text  der  ältesten  latei- 
nischen Uebersezung  der  Bibel  (nach  Tiechendorf)  harmonirt.    Dieser 
Codex  nun  sagt:  „Crescenz  reiste  nach  Gallien"*). 

Nach  allen  vorliegenden  Zeugnissen  kann  es  keinem  Zweifel  mehr 
unterliegen,  dass  der  Apo6telschüler  Crescenz  von  Rom  nach  Gallien 
reiste;  da  man  auch  allgemein  annimmt,  dass  Trophimus  im  ersten  Jahr- 
hundert von  Rom  nach  Arles  gesandt  wurde,  so  gewinnt  dadurch  die 
Annahme  einer  Reise  des  heiligen  Paulus  durch  das  südliche  Galliec 
(nach  meiner  Annahme  bei  seiner  Ruckreise  in  den  Orient)  an  Wahr- 
scheinlichkeit. 

§.  2. 

Das  zweite  Buch  behandelt  „die  Sendung  und  Thätigkeit  der 
sieben  Apostelschüler  in  Spanien."  Sie  wurden  von  den  „Aposteln"  von 
Rom  nach  Spanien  gesendet.  Nach  der  Annahme  dci^  meisten  altera 
Spanier  landeten  sie  in  Cartagena.  H.  Florez^  der  sie  von  Südosten 
her,  von  Urci,  kommen  lässt,  steht  mit  seiner  Hypothese  ^dlein  da. 
Nördlich  von  Acci^  welches  auf  der  linken  oder  westlichen  Seite  des 


')  Sowohl  Mokler^s  Kirchengesohiefate  als  die  Schrift  über  Petnu  und  Panliu 
wurden  von  Abbö  Betet  za  Besan^on  in  das  Französische  fibersezt  (was  ich  freilich 
erst  aus  Zeitschriflton  und  auf  dem  Wege  des  Buchhandels  erfuhr) 

')  Phil.  BiUtmann,  Recensns  omnium  lectionum  qnibus  Codex  Sinaiticus  dis- 
crepat  a  textu  editionis  Novi  Testamenti,  cui  titulus  est:  N.  testamentnm  graece  ad 
fidem  potiss.  codicis  Vatioani;  recensuit  etc.  Buttmann ,  edit  3,  1865»  p.  106; 
rotXUav  anstatt:  TaActr^ay. 


Die  sieben  Apostelscbüler  etc.  in  Spanien.  ^'^ 

Flusses  von  Guadix  lag  und  liegt,  rubfen  sie  von  der  Reise  aus,  und^**^»^*' 
wollten  Nahrangsmittel  zn  sich  nehmen.    Das  heidnische  Volk  stürmte  TirUpo. 
auf  sie   ein.     Sie  flohen   über   die  Brücke  zurück,   welche   durch  ein  •^^*^*'* 
Wunder  der  Macht  Gottes  einstürzte,  so  dass  ihre  Verfolger  sie  nicht  ~  c.  C5. 
mehr  erreichten.    Darauf  hin  bekehrte  sich  die  fromme  Luparia.    Ein 
Oratorinm  wurde  gebaut.    Torquatos,   der  Führer   der  Siebenmänner^ 
schlag  als  erster  Bischof  seinen  Siz  in  Acci  auf,  und  wirkte  hier  und 
von   hier  aus  bis  zu  seinem  Tode.    Dass  er,   oder   einer   seiner  Ge- 
fährten Märtyrer   geworden,  wird   durch   die   alte  spanische  Liturgie 
nicht  bestätigt 

In  allen  Jahrhunderten  hiess  Acci  die  „apostolische  Kirche^S 
weil  sie  von  einem  Apostelschüler  gegründet  wurde.  Am  Festtage  des 
Heiligen,  am  ersten  Mai^  tri^b,  nach  dem  Zeugnisse  des  Usuard  und 
Ado,  der  Olivenbaum  am  Grabe  des  Heiligen,  das  in  einiger  Ent- 
fernung von  Acci  gezeigt  wird,  neue  Blüthen.  Als  ich  im  Jahre  1865 
in  Granada  und  Guadix  war,  erzählten  mir  die  Herren  Man,,  Qongora 
und  Torcuato  Tarrago  in  Gaadix,  dass  gerade  in  jenem  Jahre  der 
lange  verdorrte  Olivenbaam  neue  Blüthen  getrieben  habe*).  Damals, 
im  Jahre  1865,  waren  nach  meiner  Annahme  c.  1800  Jahre  (65 — 1865) 
vergangen,  seitdem  Torquatus  mit  seinen  Gefährten  in  Acci  angelangt  ^^^, 
war.  Dass  ferner  im  Jahre  1865  eine  neue  Brücke  über  den  Fluss  diz)„difl 
geschlagen  wurde,  konnte  ich  mit  eigenen  Augen  sehen,  habe  aber  *^|^' 
keine  Meinung  darüber,  ob  in  der  ganzen  Zeit  von  65  bis  1865  der  Kiishe«. 
Fluss  brückenlos  war. 

Die  Festmesse  der  altspanischen  Liturgie  am  Tage  des  heiligen 
Torquatus  (erster  Mai)  stammt  aus  der  Stadt  Acci.  Dieses  geht  deut- 
lich ans  den  Worten  der  Präfation  (Ulatio)  hervor:  „Da  die  „Sieben^^  . 
(Männer)  in  der  Nähe  dieser  Stadt  (in  vicinitate  hujus  civitatis  =,  Acci) 
ihre  Schüler  aussandten,  um  einige  Lebensmittel  zu  kaufen,  so  voll- 
brachten die  Begleiter,  was  ihnen  aufgetragen  worden.^' 

Dßr  zweite  der  Siebenmänner  Hess  sich  in  „Ahda^^  nieder.   Dass 
Abula  das  heutige  Avila  in  Altcastilien  sei,  dafür  spricht  nichts.   Avila 
hiess  bei  den  Spaniern  Obila,  Abela,  Abila,  erst  im  Mittelalter  und  in 
Frankreich  kommt  der  Name  „Abula^^  auf.    Der  Ort  „Abula^S  sechs 
Leguas  südostlich  von  Acci^   heisst  heute  „Abla.^^    Das  U  fiel  aus,   Abi» 
weil  es  kurz  gesprochen  wurde.    Das   alte  Abdera  bei  Almeria  heisst ^,|^^m^' 
heute  verkürzt;  „Adra^,  Libisosa  heisst  Lezuza  u.  s.  w.    Es  ist  wahr^  seeun- 
dass  sich  in  Abla  keine  Urinnerungen  an  den  heiligen  Seoundus  finden,      ™' 
und  es  nachweisbar  niemals  Bisthum  war.  Man  kann  aber  sagen,  dass 


Acd 


')  Dass  der  bekannte  Bosonstock  an  der  Mauer  des  Doms  zu  Hildesheim 
schon  über  1000  Jahre  stets  neue  Blüthen  treibt,  gesteht  selbst  AL  Humboldt  in 
seinen  „Ansichten  der  Natur." 


476     Recapitulatton  des  ganzen  Werkes.  Erstes  KnpKei.  Erster  Band,  1862. 

das  Bistham  Abia  in  die  nahe  und  grossere  Stadt  Basti,  die  Haupt 
Stadt  des  Gebietes  der  Bastitaner,  in  dem  auch  Abla  lag  (vor  deu 
Jahre  306),  znrückverlegt  wurde.  Da  man  aber  überhaupt  keine  Tra 
ditionen  über  den  Ort  Abla  hat,  so  kann  man  aus  deren  Nicht  vor 
handensein  auch  nichts  gegen  die  Gegenwart  des  heiligen  Seeundu; 
daselbst  schliessen. 
MttiMJon  ^^^  dritte  Apostelschuler,  Indaletius,  liess  sich  in  Urci  —  nieder 

urd.  Er  wird  überall  der  erste  Bischof  von  Urci  genannt.  Man  kann  wedc^ 
beweisen,  noch  mit  Grund  bestreiten,  dass  von  dem  unbekannten  Jährt 
seines  Todes  an  es  fortwährend  Bischöfe  von  Urci  gegeben  habe.  In 
Jahre  3Q6  erschien  zu  Elvira  CantoniuSj  der  zweite  uns  bekannte  Bischo 
von  Urci. 

Bis  zum  Jahre  1872  glaubte  man,  und  mit  den  andern  glaubt(j 
ich  es,  dass  Urci  an  der  Mündung  des  Flusses  Almanzor,  ziemlieh  ii] 
der  Mitte  zwischen  Almeria  und  Cartagena,  gelegen  habe.  Dabei  er 
regte  es  allerdings  Bedenken,  dass  man  den  Leib  des  heiligen  Inda 
letius  im  Jahre  1084  zu  Paquena  nordlich  von  Almeria  suchte  nud 
fand,  und  ihn  von  da  in  das  neugegründete  Kloster  San  Juan  de  h 
Pena  brachte.  Doch  meinte  man,  bei  dem  Zerfalle  von  Urci  hättei 
die  Christen  seinen  Leib  nach  Paquena  gebracht.  Heute  ist  aber  er- 
wiesen, dass  das  alte  Urci  identisch  mit  Pechina  oder  Pasqnena  ist 
S.  Richard,  Saenz  Santa  Maria  fand  die  darüber  entscheidende  Inschrift 
für  welche  er  von  der  Academie  der  Geschichte  zu  Madrid  eineu 
Preis  erhielt  —  im  November  J872,')  welche  nothigt,  Urci  an  dieser 
Stelle  zu  finden,  wo  sich  die  Reliquien  des  heiligen  Indaletius  noch 
urol  bei  jjjj  Jahre  1084  befanden.  Wohl  nennt  Ptolemams  Urci  eine  am  Meere 
^  gelegene  Stadt,  aber  entweder  heisst  diese,  nahe  dem  Meere,  oder, 
was  viel  wahrscheinlicher  ist,  das  Meer  hat  sich  hier  zurückgezogen^! 
und  Raum  für  die  Stadt  Murgis  oder  Almeria  am  Meere  geschaffen. 
Schon  zur  Zeit  des  Theodosins  war  Urci  verSdet.  Die  Pfarrkircht: 
von  Pechina,  dem  alten  Urci,  trägt  den  Namen  des  heiligen  Indale- 
tius. Die  Erinnerung  an  die  Lage  des  alten  Urci  war  nie  unter- 
gegangen, sonst  hätten  die  Christen  im  Jahre  1Ü84  an  dieser  Stelle 
nicht  nach  seinem  heiligen  Leibe  gegraben. 

Bis  zum  heutigen  Tage  kommen  die  neuerwählten  Bischöfe  von 
Almeria  zuerst  nach  Pechina,  nehmen  dort  Besiz  von  ihrem  Bistham, 
und  ziehen  dann  in  die  Cathedrale  von  Almeria.  Wir  können  daher  sagen: 
Das  Bisthum  hiess  zuerst  Urci,  dann  Paschena,  hierauf  Almeria.  Es 
wurde  so  wenig  verlegt,  als  Acci  nach  Guudix,  oder  Elvira  nach  Gra- 
nada verlegt  wurde.   Nicht  die  Lage,  sondern  die  Namen  änderten  sieb. 


')  Vic.  de  La  Fuente^  Ilistor.  ecles.  t.  L   Hadr.  1873,  p.  160. 


Der   hl. 
Ctesi- 


Der  heilige  Ctesiphon  von  Verginm.    Der  heilige  CACcilins  in  Illiberis.     477 

Der  vierte  der  Siebenmänner,  Ctesiphon,  Hess  sich  nicht  weit 
«restlich  von  ürci  (=  AJmeria),  in  Vergi(am),  heute  Berja,  nieder.  Der 
Ort  liegt  zwei  Leguas  nordostlich  von  Adra  (Abdera),  nicht  weit  vom 
Meere.  Vergi  wurde  am  Anfang  des  fünften  Jahrhunderts  durch  ein 
Erdbeben  zerstört.  Am  11.  Mai  1596  veranstalteten  die  Einwohner 
verschiedene  Andachten  zu  dem  heiligen  Ctesiphon,  um  durch  seine 
Fürbitte  von  schweren  Landplagen  befreit  zu  werden.  Am  25«  August 
1804  zerstörte  ein  Erdbeben  die  Kirchen  und  viele  andere  Gebäude; 
67  Personen  verloren  das  Leben.  So  erklärt  es  sich,  dass  die  heutigen 
neuen  Kirchen  in  Berja  keine  Reminiszenzen  an  den  heiligen  Ctesiphon 
entbalten.  Doch  trägt  eine  Einsiedelei  in  der  Nähe  seinen  Namen.  —  pbon  t. 
Dazu  kommt,  dass  kein  anderer  Ort  in  Spanien  sich  rühmt,  der  "**''^*' 
Bischofssiz  des  heiligen  Ctesiphon  zu  sein. 

Florez  hat  nachzuweisen  sich  bemüht,  dass  Abdera  einst  ein  ^^^^^ 
Bisthum  gewesen  sei  (Espana  sagr.,  10,  p.  1 — 14),  und  hat  den  heiligen  Abdera? 
Ctesiphon  den  ersten  Bischof  von  Abdera  genannt.  Aur.  Fem.  Gverra 
tritt  aus  geographischen  Gründen  dieser  Ansicht  bei,')  welche  ich 
nacfatraglich  adoptire.  Ich  glaube,  dass  nach  dem  Zerfalle  Berja's  das 
Bisthum  des  heiligen  Ctesiphon  nach  Adra  verlegt,  aber  zur  Gothen- 
zeit  eingegangen  sei,  sei  es,  weil  die  Landplagen  und  Erdbeben  wieder- 
holt eintraten,  sei  es  wegen  der  allzu  grossen  Nähe  der  Bisthümer 
Urci  und  Malaga.  Es  traf  hier  die  Verordnung  des  sechsten  Canons 
der  Synode  von  Sardika  ein,  dass  man  keinen  Bischof  in  einer  „Villa^ 
oder  einer  unbedeutenden  Stadt  einsezen  soll,  damit  nicht  der  Name 
und  das  Ansehen  des  Bischofs  Schaden  leide.  Derselbe  Grund  ver- 
anlasste wohl  auch  das  Eingehen  des  Bisthums  Ab(u)la. 

Der   heilige   Caecilius   „ruhte^,   d.  i.   starb  in   „Illiberis''.     Die 
Spanier  Mariana,  Mendoza,  Murülo^  der  Conde  de  Mora^  der  Bischof 
Perez,   neulich  noch  der  Spanier  Tejada  y  Bamiro  (1859),   der  Hol- 
läuder   JB.  Dozy  (18G0),   und   der  Deutsche  Emü  Hübner  (1861)   be- 
haupteten, dass  Elvira  an  der  Sierra  de  Elvira,  1  Vg  Leguas  von  Granada  ^'^^^^ 
entfernt,  gelegen  habe.   Im  Jahre  1862  habe  ich  die  Gründe  lür  diese  hi.  cae- 
Annahme  zu  widerlegen  gesucht,   und   die  Giünde  für  meine  Ueber-  ^*"<>>- 
zeugung  dargelegt,  dass  Elvira  und  Granada  dieselbe  Stadt  sei. 

Im  Jahre  1860 — 62  befand  sich  diese  Ansicht  noch  in  der  Mino- 
rität. Im  Jahre  1879  aber  befinden  sich  die  Anhänger  der  andern 
Ansicht  theils  auf  dem  Rückzuge,  theils  sind  sie  hinter  dem  Stande 
der  neuesten  Untersuchungen  zurückgeblieben.  Als  ich  im  Februar 
]b65  selbst  in  Granada  war,  zeigte  mir  der  Professor  Man.  Gongora, 
in  solchen  Fragen  wohl  die  erste  Auctorität,  von  seiner  Wohnung  aus 
die  Lage   des  alten   römischen  Hunicipium  liliberris  auf  dem  Hügel 


')  Munoz,  Diceionario  —  1858,  p.  55, 


478     Ilecapitniation  des  ganzen  Werkes.   Grates  Kapitel.  Erster  Band,  1862. 

,      Albajcin;  später  erweiterte  sich  Illiberris,  und  stieg  in  die  westwärt 

gelegene  Ebene  herab.    Im  Jahre  1860  legte  Reinh»  Doxy  noch   eiD^ 

Grana-  mächtige  Lanze  fiir  die  Lage  des  alten  Elvira  an  der  Stelle  des  spätenj 

«ite    Medina  Elvira  ein.    Die  Identität  der  Namen  Elvira  nnd  Medina  EL 

Eivira.  vira   ist  für  Dozy   der  Hauptgrund  anzunehmen,   dass   beide  Orte  ai 

der  gleichen  Stelle  lagen.   Um  das  Jahr  1010  wanderten  die  Bevcohnej 

von  Medina  nach  Granada  aus.    Um  das  Jahr  1364  war  Medina  nuj 

noch  ein  Dorf.  —  Dosy  hat  später  indirekt  sich  selbst  vrid^rlegt.    Ei 

wnsste,  wie  wir,   dass  Gregor  (c.  oö9 — 392)  Bischof  von  Ellvira  war 

Wenn  nun  der  Bischof  Recesmund  von  Elvira  im  Jahre  961  (in  seinen 

von   Dozy  herausgegebenen   Festkalender)   den   Bischof  Gregor    nicLj 

Bischof  von  Elvira,  sondern  von  Granada  nennt  (s.  oben  II,  2,  S.  4ol)| 

so   wird  Dozy  nicht   leugnen   können,   dass  Elvira   nnd  Granada  im 

Jahre  961  eine  und  dieselbe  Stadt  war^). 

In  der  Lage  22.  Dozy's  befindet  sich  auch  Fr.  X.Jitmontt.  E} 
hat  im  Jahre  1860  sich  der  Ansicht  zugeneigt,  dass  Elvira  auf  den| 
Hügel  Albaicin  lag;  doch  schloss  er  mit  den  Worten:  Nos  rem  in  medi 
relinquimus").  Im  Jahre  1871  gab  er  (ein  Jahr  vor  Dozy)  den  Kaiende 
des  Bischofs  Recesmund  vom  Jahre  9G1  heraus,  und  musste  darauf 
ersehen,  dass  dieser  Bischof  Illiberris  und  Granada  als  eine  und  die- 
selbe Stadt  erklärte;  er  dürfte  heute  an  der  Identität  von  Elvira  und 
Granada  kaum  mehr  zweifeln. 

Im  Herbste  1860  weilte  Emil  Hübner  in  Granada.  Seine  Berichte 
erschienen  in  den  Verhandlungen  der  Berliner  Akademie  der  Wissen- 
schaften—  1861,  in  denen  er  nicht  zugeben  wollte,  dass  Illiberris  und 
Granada  dieselbe  Stadt  sei.  Acht  Jahre  später  leistete  er  Widerruf. 
Er  gesteht  seinen  Irrthum  ein^).  Aber  während  er  mich  und  deti 
Spanier  Vic,  de  La  Fuente  in  einer  ganz  untergeordneten  Sache,  di< 
mit  der  Hauptfrage  in  keiner  Verbindung  steht,  tadelt^  hat  er  es  ver 
schwiegen,  dass  ich  viele  Jahre  vor  ihm  die  Identität  von  Elvira  und 
Granada  bewiesen  habe. 

Im  Jahre  1878  wusste  ich  noch  nicht  genau,  auf  welcher  Seite 
Aurdiano  Femandez  Guerra  mit  seiner  gewichtigen  Auctorität  zur  Zei^ 
stehe.  Aus  einer  Zuschrift  desselben  aber  sehe  ich,  dass  er  Elvira  uud 
Granada  für  dieselbe  Stadt  halte.  Er  tadelt  mich  wegen  meiner  angebiiol! 
gegentheiligen  Meinung,  und  verweist  mich  auf  Hiibn&rj  p.  286.  Offenbar 
dachte  er  nicht  daran,  dass  HÜbner  auf  eine  Nebensache  Gewicht  lege, 
zu  der  Hauptsache  aber  schweige. 


*)   Dozy,  Recherchea  etc.,  2.  6dit.,  Lcyde,  1S60,  t.  I,  p.  328-334  (Elvira, 
Granada).  * 

*)  Descripcion  del  reino  de  Granada,  Madr.  1860>  p.  28*— 41. 
';  Hübner,  Inacriptiones  Uispaniaö  latinae,  p.  286,  Borl,  1^69. 


cera. 


Der  hl.  Enphrasins  in  Illiturgis ;  Esitlns  in  Cazorla.  Die  Zeit  von  100— -iCO  n.  Chr.     479 

Aaa  air  dem  aber  geht  hervor,  dass  die  von  mir  im  Jahre  1862 
vertheidigte  Ansicht,  damals  in  der  Minorität,  heute  die  Ueberzeugang 
der  grossen  Majorität  geworden,  nnd  ich  zum  Betractiren  keinen 
Gmnd  habe.*) 

Der  sechste  Apostelschüler,  Enphrasins,  lenkte  seine  Schritte  nach  ^«^  >*«>- 
Illiturgis  am- Baetis,   wo   er  starb«    Zeugniss  für  seine  Verehrung  ist,  pf^aaia« 
dass  man  im  Anfange  des   siebenten  Jahrhunderts   einei  Kirche  seines  ^^   '"i- 
Namens  daselbst  baute.    Die  Stadt  und  das  Bisthum  Jaen  verehrt  ihn  " 
als  seinen  Patron. 

Der  siebente  Apostelschüler,   Esitius,   wohnte  zulezt  und  „ruhet*  i>ct hei- 
in  Cazorla  (Carcesa  oder  Carcera)  westlich  von  lUiturgis  und  Castulo.  ]^,if|u. 
Er  wurde,   soweit  die  Erinnerung  zurückreicht,   als  Beschüzer  dieser»«»  f'«'*- 
Stadt  verehrt    Keine  andere  Stadt,   besonders  nicht  das  frühe  zerfal- 
lene Carteja  aa  der  Meerenge,  rühmen  sich,   Bischofssiz  des  heiligen 
Esitius   zu  sein.     Cazorla  wurde  oder  blieb  zwar  kein  Bisthum,   aber 
es  hatte  von  jeher  innerhalb  des  Erzbisthums  Toledo  eine  ganz  exemte 
Stellung    (etwa   wie  die  gefürstete   Propstei   Ellwangen    im   Bisthum 
Augsburg  oder  wie  das  Generalvicariat  Feldkirch  (Vorarlberg)  im  Bis- 
thum Brixen). 

Deber  die  apostoHschen  Siebenmänner  ist  mir  keine  Literatur 
bekannt.  Florez  hat  das  Kapitel  nicht  erschöpfend  behandelt.  Im  Jahre 
1864  erschien  von  einem  Priester  im  Bisthum  Segorve  eine  Schrift: 
„Lios  siete  Apostolicos''  (die  sieben  Apostelschüler).  Begierig  griff 
ich  nach  der  Schrift.  Aber  von  c.  147  Druckseiten  handeln  nicht  22  Zeilen 
über  die  Siebenmänner.  Vic,  de  La  Fuenie  kennt  die  Schrift  im  Jahre 
1873  noch  nicht  So  vermuthe  ich  denn,  dass  ich  im  Jahre  18G2  zum 
erstenmale  diese  wichtige  Frage  behandelt  habe.  Sie  ist  im  Grunde 
keine  Streitfrage,  sondern  ausserhalb  und  in  Spanien  ist  sie  bis  jezt 
noch  nicht  näher  beachtet  worden.  Man  hat  erst  angefangen,  den  histo- 
rischen Gehalt  und  In)ialt  der  alten  Liturgieen  für  die  Geschichtschreibung 
zu  benüzen  nnd  zu  verwerthen. 


§.  3. 

Das   dritte  Buch  handelt   von  der  Kirche  Spanieu's  in  der  Zeit  Der  hei. 
von  c.  100  bis  300.    Irenaeus  und  Tertullian  bezeugen  die  Verbreitung  'pji^^ 
des  Christenthums   in  Spanien   zu   ihrer  Zeit.  —   Der  Brief  Cyprian's  «ad  die 
von  Carthago  an  die  Gemeinden  von  Astorga-Leon  und  Emerita,  ge-  {^^  g^^. 
schrieben  c.  254,   beweist:    1)   dass   es  damals  Bischöfe  in  Saragossa,    oIodi 

C.S64. 

')  Man.  Oongora^  seitdem  Icidor  gestorben  ,  sagte  mir  ancb,  dass  das  hea- 
tig'e  Goadix  genau  an  der  Stelle  des  alten  Acci  gelegen ,  aber  etwas  kleiner  ge- 
wesen sei,  $^B  Goadix  heute  ist» 


480     HecapitulatJon  des  ganzen  Werkes.  Erstes  Kapitel.  Erster  Band,  1862. 

Astorga,  Emerita,  wohl  auch  in  Hispalis  gab.    Ein  Bischof  Ton  Tar- 
raco  ist  sonst  bekannt.    Entgegen  der  Erklärung   des  Florez  und  der 
übrigen  Spanier  habe  ich  nachweisen  wollen,  dass  der  apostasirte  Bischof 
Basilides  und  sein  Nachfolger  Sabinns  Bischöfe  von  Emerita,  dass  der 
abgesezte  Bischof  Martialis   und   sein  Nachfolger  Felix  Bischöfe   von 
Astorga  und  des  damit  verbundenen  Leon  waren,  während  Florez  und 
die  Spanier  den  Basilides  in  Astorga,  den  Martialis  in  Emerita  sachten 
und  fanden;  ebenso  habe  ich  zeigen  wollen,  dass  „ein  anderer  Felix'' 
Bischof  von  Saragossa  gewesen.  Meine  Auseinandersezung  hat  Dr.  Fried- 
lieb  in  Breslau  —  im  Jahre  1863,  gebilligt');  Dr. Hefele  aber  giebt  im 
Jahre  1863^)  nur  Kenntniss  von  meiner  von  Florez  abweichenden  An- 
Der  hei- sieht.    Ausführlich  hat  JoL  Peters  im  Jahre  1877  dieselbe  Streitfrage 
"^!m   behandelt^).    Er  sagt,   dass    es  nach  meiner  Darstellung  unzweifelhaft 
a.  spA-  sei,   dass   Basilides   und  Sabinus  Bischöfe  von  Merida,   Martialis  und 
Felix  Bischöfe   von  Astorga  gewesen,   ich  sodann   nicht  mit  Unrecht 
vermuthe,   dass  Astorga  Bischofssiz   gewesen,   und  Leon   damals   als 
Pfarrei  zu  Astorga  gehört  habe.    Noch   handle   ich  in  diesem  Buche 
von  dem  Martyrbischofe  Fructuosus  von  Tarragona  im  Jahre  259,  von 
der  Zerstörung  Tarraco's   durch   die  „Barbaren^,  dem  Bischöfe  Ger- 
ontius  von  Italica,  von  den  Hartyrinen  Justa  und  Bufiua  von  Sevilla. 
Das  vierte  Buch   behandelt  die  Märtyrer  Spanien's   zur  Zeit  der 
Marty-  Verfolgung  des  Diocletian.   Ein  längeres  Kapitel  über  die  heilige  Eulalia 
jl'hrr  ^^^  Barcelona,   deren  Identität   mit   der  heiligen  Eulalia  von  Emerita 
«>*  —  noch  von  Vielen  ohne  Grund  behauptet  wird,  wurde  von  meinem  jun- 
^^    gern  Freunde  Eugenio  Martin,  der  leider  vor  Kurzem  als  Generalvicar 
von  Palentia  starb,  übersezt,  und  erschien  in  einer  Zeitschrift  zu  Bar- 
celona«   Ferner  hat  Dr.  Fr.  X  Kraue  die   beiden  Kapitel:   „Die  hei- 
lige Eulalia  von   Emerita^,   und  „der  Levite  und  Märtyrer   Vincen- 
tius"   in  den  Nachträgen  zu    seiner    Kirchengeschichte,  —   1875  — 
mitgetheilt.    Das  lö.  ICapitel  dieses  Buches  lautet:  „Die  Inschriften  — 
keine  Quelle   für   die  Geschichte   der  ersten  Jahrhunderte  der  Kirche 
Spanien's.^    Es  ist  eine   sehr  gewagte  Sache,  aus  sogenannten  innem 
Gründen  der  Kritik  die  Unächtheit  einer  grossen,  von  Andern  als  acht 
angenommenen  Zahl   von  Inschriften   nachweisen   zu  wollen.    Aber  in 
diesem  Falle  bin  ich  völlig  gerechtfertigt  worden,  durch  den  „Deutschen" 
Emil  Hilbnery  der  als  Anhang  seiner  Sammlung  der  ächten  spanischen 
FftUebe  Inschriftcn    die   unächten  sogenannten  Inschriften   mitgetheilt  hat,   die 
sich  auf  die  Kirche,   das  Christen thum   und   die  Christenverfolgungen 


Inaebrif- 
ten. 


in  Spanien  beziehen. 


')  Oesierr.  Vierteljahrschr.  1863. 

*)  Und  ähnlich  im  Jahre  1873. 

'}  In:  Der  beilige  Gyprian  von  Carlbago,  Ilegentb,  1877,  8.  482-^191. 


Zeit  der  Synode.  481 

Wenn  ich  aaf  den  Inhalt  der  vier  fiucher  dieses  ersten  Bandes 
zurückblicke,  so  kann  ich  mit  dem  Ergebnisse  und  den  Schicksalen 
meiner  historischen  Untersuchungen  wohl  zufrieden  sein.  Ist  die  Dar- 
stellung vielfach  zu  breit  geworden,  so  habe  ich  durch  Zusammen- 
ziebung  des  Inhalts  dieser  Kirchengeschichte  von  fünf  in  drei  massige 
Bände  das  mir  Mögliche,  „das  Möglichste^  zur  Abstellung  dieses  Miss- 
standes geleistet^). 


Zweites  Kapitel. 

Zweiter  Band,  1864. 

§•  1- 

Das  fünfte  Buch  handelt  (S.  1 — 136)  von  der  Synode  von  Elvira^*«  sy- 
(306).    Unter  den  19  Bistbümern,  deren  Bischöfe  in  Elvira  erschienen,  EiTira 
bietet   nur   der   Name    „Fibularia"   Schwierigkeiten   dar.     Die  Lesart  ""  ^^* 
^Salaria^  ist  durch  nichts  beglaubigt;   Salaria  kommt  sonst  so  wenig 
als  Bisthum  vor,  als  Fibularia.    Calagurris  Fibularia  war  aber  ein  be- 
deutender Ort,  den  Plinius  von  Calagurris  Nassica  unterscheidet,  dem 
beutigen   Calahorra.     Im   Mittelalter   hiess  Fibularia,    beim    Wegfalle 
der  zwei  ersten  Silben  (oben  III,  418),  „Lahorra^;  daraus  ist  das  heu- 
tige „Loarre^^  entstanden.   Das  Bisthum  Jacca  ist  eine  Fortsezung  des 
alten  „Fibularia.^^     Es  waren  also  im  Jahre  306  zu  Elvira  erschienen:  ^^*  ^'' 
die  Bischöfe  von  Acci,  Elvira,  Urci,  Basti,  Corduba,  Sevilla,  Oastulo,  dMeibst. 
Egabra,  Tucci,  Ment^sa,  Emerita,  Ossonoba,  Evora,  EHiocroca,  Malaga, 
Toledo,  Leon,  Saragossa,  Fibularia. 

Von  den  24  Pfarreien  der  in  Elvira  erschienenen  Priester  glaube  ^*®  ** 

Priostor 

ich  23,  sämmtliche  im  Süden,  gefxmden  zu  haben.  Nur  Drona  oder  dasoibst. 
Brana  war  nicht  zu  entdecken.  Die  Pfarreien  sind:  Cartagena,  Epora- 
Montoro,  Urso-Ossuna,  lUiturgi,  Carula,  Astigi-Ecija,  Ateva-Teba, 
Acinippo,  Eliocroca-Lorca,  Laurum-Alora,  Barbe  bei  Tucci,  Egabro- 
Oabra,  Ajnne-Arjona,  Municipinm- Elvira,  Segalvinia-Selambina,  Ulia- 
Montemayor,  Urci,  Gemella-Tucci,  Castulo,  Baria-Vera,  Sqlia-Lucar 
la  Mayor,  Ossigi-Hengibar,  Corduba, 

Als  die  Zeit  der  Abhaltung  der  Synode  habe  ich  den  Mai  des  Die  sy- 
Jahres  306  angenommen,  so  dass  dieselbe  etwa  vom  1.  bis  15.  Mai\^j*J^' 
gedauert  hätte.  Die  Verfolgung  hatte  kurz  zuvor  stattgefunden.  Der^mJ^re 
Bischof  Valerins  von  Saragossa  war  aber  schon  aus  der  Verbannung 
zortickgekehrt    Es   liegt   kein  Grund  vor,    das  Jahr  307  oder  irgend 

')  Hefele,  T.  Theol.  Quartaischrift,  1863,  S.  625  und  5ao. 

Qama,  apaa.  Kirche.  III.  9.  31 


806» 


482   Recapitalation  des  ganzca  Werkes.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1864. 

ein  späteres  anzonehmeo.  Dr.  Hefde  hat  sich  schon  im  Jahre  18.55 
sei  es  fiir  den  Herbst  305,  oder  das  Jahr  306,  im  Jahre  1858  bestimmt 
für  das  Jahr  306  ausgesprochen.  —  In  der  zweiten  Auflage  seiner 
Concilien-Gescbichte  —  1873  —  sagt  er  einerseits:  „Garns  entscheidet 
sich  dafür,  dass  die  Synode  im  Mai  306  stattgefunden  habe  (S.  lol), 
sagt  aber  sowohl  in  dem  voranstehenden  Inhaltsverzeichnisse,  als  in 
*  dem  Contexte:  „Synode  von  Elvira  im  Jahre  306."  (S.  148—192.) 
Andere  sind  seinem,  vielleicht  auch  meinem  Beispiele  gefolgt,  n.  a. 
Ant,  Linsenmayrj  Entwicklung  der  kirchlichen,  Fastendisciplin  bis  zam 
Jahre  325,  München,  1877,  p.  70.  So  dürfte  das  Jahr  306  wenigstens 
auf  katholischer  Seite  allmälig  als  das  der  Synode  angenommen  werden, 
die  jedenfalls  im  Monat  Mai  gehalten  wurde. 

Bei  der  Erklärung  der  drei  ersten  Canones  und  der  Beantwortung 
der  Frage,  was  man  unter  Verweigerung  der  Communion  auf  dem  Tod- 
bette verstehe,  habe  ich  darunter  die  „Wegzehrung  der  Sterbenden" 
verstanden.  Ich  habe  ferner  historisch  nachgewiesen,  dass  in  Spanien 
bis  auf  die  Zeit  des  Papstes  Pius  V.,  in  Frankreich  durch  das  ganze 
Mittelalter  hindurch,  in  Constanz  bi^  zum  Jahre  1435,  in  Strassburir 
bis  zum  Jahre  c.  1506  den  zum  Tode  Verurtheilten  die  heilige  Com- 
munion nicht  gereicht  wurde. 
Diover-  Aber  Benedikt  XIV.  bestrachtet  diese  Unsitte  noch  zu  seiner  Zeit 

rang^der*"^  foHbestchcnd   in  Spanien   und  Frankreich.     Er   stellt  die  mildere 
heiiigfsn  Praxis    der  Deutschen   und  Italiener   der  strengem   der   Spanier    und 
^j^""^  Gallier  entgegen  und  ftigt  sehr  bescheiden  (noch  als  Prosper  Lamber- 
Ende  d.  tini)  hiuzu:    „Wir   sind  die  Gewohnheit   dieser  Königreiche  weder  zu 
billigen,    noch  zu  widerlegen  gesonnen."  —  Als  Kapital -Verbrechen, 
welche  von  dem  Empfange  der  lezten  heiligen  Communion  ausschliessen, 
bezeichnet  die  Synode  das  Opfern  der  Christen   in    den  Tempeln  der 
Heiden,  besonders,  wenn  getaufte  frühere  ,.Flamines"  der  Heiden  den 
Gözen  opferten,  und  an  den  blutigen  unzüchtigen  Spielen  der  Heiden 
sich  betheiligten. 

Nach  mir  hat  Jf^V.  Frank  in:  „Die  Bussdisciplin  der  alten  Kirche 
von  den  Apostelzeiten  bis  zum  siebenten  Jahrhunderte^',  Mainz,  18t^7. 
dieselbe  Frage  untersucht.  Er  kommt,  ohne  Kenntnissnahme  von  meiutu 
Untersuchungen,  zu  dem  gleichen  Resultate:  dass  zwischen  sacramen- 
taler  Absolution,  canonischer  Absolution  von  den  Busswerken  umi 
Empfang  des  heiligen  Abendmals  zu  unterscheiden  sei.  Die  erstero 
wurde  Niemand  verweigert,  und  schon  vor  der* zweiten  ertheilt.  Unsere 
Synode  verbiete  die  Ertheiiung  der  heiligen  Communion;  „communio^* 
bedeute  in  sämmtlichen  (?)  Canones  der  Synode  von  Elvira  nur  die 
heilige  Eucharistie').     Dr.  Hefele  ist  im  Jahre  1873  seiner  (und  damit 


')  Frank,  p.  739,  745,  887—889,  896—903,  939. 


Synode  von  Elvira  —  806.  483 

auch  meiner)  Ausführung  beigetreten.  In  der  Erklärung  des  Canon  2  ^®'  ^*' 
—  was  unter:  homicidium  und  moechia  der  frühern  ,,FIamines^^  zu 
verstehen  sei,  habe  ich  die  Ansicht  yertheidigt,  dass  sich  di^se  Ver- 
brechen auf  die  blutigen  Gladiatorenspiele  und  die  unzüchtigen  sce- 
nischen  Spiele  beziehen,  welchen  kein  Christ  anwohnen  durfte,  (wenn 
sie  auch  später,  als  es  nur  noch  „Christen"  im  romischen  Reiche  gab, 
denselben  in  hellen  Haufen  nachliefen),  —  „Flamines''  aber,  welche 
auf  ihre  Kosten  dem  Volke  Spiele  gaben,  opferten  erstens  den  Gozen, 
verschuldeten  zweitens  den  Mord  der  Gladiatoren  und  Stierkämpfer, 
begiengen  und  machten  Unzucht  begehen;  das  Geben  upd  Veranlassen 
scenischer  Spiele  in  jener  Zeit  war  unnatürliche  Wollust.  Canon  15^*^^* 
missbilligt  zwar  die  Ehe  christlicher  Mädchen  mit  Heiden,  aber  ver*' 
bietet  sie  nicht.  Denn  —  nach  meiner  Erklärung  hätte  dieses  Verbot 
den  christlichen  Mädchen  überhaupt  das  Heirathen  unmöglich  gemacht, 
weil  es  wenige  Christen,  und  sehr  viele  Christinen  gab.  Heine  Er- 
klärung hat  auch  Dr.  Hefde  angenommen. 

Canon  34 .  verbietet   das  Anzünden   von  Kerzen   (am  Tage)   auf 
den  Gottesäckern,    „weil   die    Geister   der  Heiligen   nicht   beunruhigt 
werden  sollen«'^    Ich  habe  diess  Verbot  so  erklärt,   dass  die  Christen, 
and  theilweise   selbst  die  Bischöfe  von  der  allgemeinen  Meinung  be- 
fangen waren,  es  sei  den  Menschen  möglich,  die  Todten  hervorzurufen, 
sie   wenigstens   zu   beunruhigen.     Canon  36  verbietet,   dass  Bilder   in  b"^®' 
den  Kirchen  angebracht  werden.    Dr.  Hefde  erklärt  nach  Rossij    der    Kir* 
Eintritt  der  Heiden  in  die  Kircheli  der  Christen   hätte  den  Spott  oder  <^^®°- 
die  Verfolgung  derselben  hervorgerufen.     Ich   beharre  bei  der  frühern 
Erklärung,    dass   es   im  Jahre  306   überhaupt   in  Spanien   noch  keine 
christliche  Kunst  und  christliche  Künstler  gab   (wohl   aber   schon   im 
Jahre  380),  dass  also  alle  Bilder  Carrikaturen  und  Frazen  waren. 

Zu  Canon  Ö9,   dass  Gläubige   nicht   in   das   Capitolium   hinauf-  c  •?'•<«■ 
steigen  sollen,   habe  ich  nachzuwei\seh  gesucht,   dass  jede  bedeutende  spAni- 
Stadt  Spanien's  ihr  Capitolium  hatte;  denn  Spanien  war  das  am  meisten     «« 
romanisirte  Land  im  Reiche. 

Im  Allgemeinen  glaube  ich  nicht  veranlasst  zu  sein,  eine  meiner 
Erklärungen  der  81  Canones  zu  retractiren.  Linaenmayr  hat  mir  irgendwo 
nachgewiesen,  dass  ich  einComma  bei  einer  Stelle  TertuUian's  an  den 
unrechten  Ort  gesezt  habe;  er  dürfte  wohl  Recht* haben'). 


^)  Aber  darin  kann  er  aicht  wohl  Recht  haben,  dass  er  in  seinem  erwähnten 
Bache  —  S.  21  —  zweimal  schreibt:  Origlnes,  auf  S.  42  —  Origenes,  und  wieder 
auf  S.  43  zweimal:  Origincs.    Dagegen  S.  56  und  spSfer  schreib^r  richtig:  Origenes. 


31* 


484   Recapitnlation  des  ganzen  Werkes.  Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1864- 

§.  2. 

Das  sechste  Buch  handelt  von  Hosias  von  Corduba  yom  Jahre 
325  bis  357.  Ich  habe  nachzuweisen  gesucht,  dass -Hosias  zu  Nicaea 
wirklich  im  Namen  des  Papstes  Sylvester  den  Vorsiz  iührte. 

In  dem  Kapitel:  „Hosias,  and  die  Gründung  der  kirchlichen  Hier- 
archie in  Spanien^  habe  ich  den  Beweis  versucht,  dass  die  spanischen 
Bischöfe  zu  Elvira  im  Jahre  306,  zu  Arles  im  Jahre  314,  zu  Sardika 
im  Jahre  343  —  344   nicht  nach  dem  Alter  ihrer  Ordination,   sondern 
nach   dem  Alter   ihrer  Bisthümer  unterzeichnet,   und  dass  aus  diesem 
i>o'    Grunde  Felix   von  Acci  im  Jahre  306   nicht   so  fast  den  Vorsiz  ge- 
Auf 'den  fuhrt,  als  zuerst  unterschrieben  habe.   Einem  Widerpruche  gegen  diese 
spani-  Ansicht  bin  ich  nirgends  begegnet.    «/•  Friedrich  ist  in  seiner  Schrift: 
cond-  7jl^''ei   unedirte   Concilien   aus    der  Merovingerzeit"    Bamb.    1868  — 
lien  Yon  geiieigt,   meiner  Ansicht  beizutreten.    Aber   ich  konnte  mir  nicht  ver- 
hehlen, dass  ich  mich  mit  meiner  Ansicht  in  einer  sehr  precären  Lage 


S80. 


befinde,  so  lange  diese  Weise,  zu  unterschreiben,  nicht  durch  Concilien 
anderer  Länder  nachgewiesen  und  verbürgt  wäre.  Eine  Bestätigung 
meiner  Ansicht  )habe  ich  endlich  in  dem  Werke  des  P«  Z^eop.  Ja 
nauachek:  „Origines  Cistercienses,  Wien,  1877,  gefunden  (p.  XIII  der 
^**  ^**  Einl.).  Die  Aebte  des  ganzen  Ordens  der  Cistercienser,  welche  jedes 
«luer.  Jahr  im  Generalkapitel  zu  Clairvaux  versammelt  waren,  sassen  nicht 
nach  der  Zeit  ihrer  eigenen  Wahl  oder  Benediction,  sondern  nach  der 
Zeit  der  Stiftung  ihrer  Klöster.  Im  Fortgange  der  Zeit,  und  bei  der 
Zunahme  der  Zahl  der  Klöster  war  es  nothwendig,  dass  Verzeichnisse 
angelegt  wurden,  in  welchen  die  einzelnen  Klöster  mit  Angabe  der 
Zeit  ihrer  Gründung  aufgeführt  wurden.  In  dem  achten  Statut  des 
Generalkapitels  des  Jahres  1218  wurde  allen  Aebten  befohlen,  dass  sie 
die  Namen  und  die  Gründungszeit  ihrer  Kloster  mittheilen  sollten.  In 
den  Jahren  1239  und  J270  wurde  diese  Verordnung  erneuert  —  Diese 
Generalkapitel  können  füglich  auch  Concilien  genannt  werden,  und  so 
habe  ich  für  meine  Annahme  wenigstens  eine  Analogie  gefunden.  Was 
die  Cistercienser  im'  zwölften  und  dreizehnten  Jahrhundert  thaten,  das 
können  auch  die  Spanier  im  vierten  Jahrhundert  gethan  haben.  Auf 
der  Synode  zu  Toledo  im  Jahre  400  war  diese  Sitte  schon  aufgegeben. 

§.  3. 


HoBint  Hosius  hat  ferner   das   Verdienst,   die  Metropolitan -Verfassung 

nnd  dl«  j[j2  ^g^  Kirche  von  Spanien  eingeführt  zu  haben.    Im  Jahre  306  finden 
poiiten  wir  noch  keine  Spur   von   einer   solchen  VerfEissung,   es    gab  damals 
in  Spa-  Qm.  Bischöfe,  keinen  Erzbischof.    Da  die  Synode  von  Antiochien  vom 
Jahre  341  die  Grundsäze  für  eine  Metropolitan-Verfassung  der  Kirche 


^'»(i^S^.'-vV.V''' 


Sechs  Metropoliten  in  Spanien.  485 

Qssprach  (oder  vielmehr  erklärt,  was  hierin  ältere  Praxis  war),  so 
larf  man  sich  nicht  wundern,  wenn  die  Spuren  einer  solchen  Ver- 
üssung  in  der  Kirche  Spanien's  zum  eisten  Male  im  Jahre  343— -344 
lervortraten,  Hosius  kam  mit  fünf  spanischen  Bischöfen  nach  Sar- 
lika.  Damals  h^tte  Spanien  sechs  Provinzen,  Tarracouensis,  Cartha- 
iniensis,  Baetika,  Lusitania,  Galicia  und  Mauritania  Tingitana  in 
ifrika.  Dazu  kamen  unter  Theodosius  dem  Grossen  die  Balearen  als 
iebente  Provinz,  die  wohl  schon  unter  Constantin  in  ähnlicher  Weise 
3  einzelnen  Zweigen  der  Verwaltung  und  der  Gerichtsbarkeit  getrennt 
on  Tarracouensis,  gleichsam  eine  werdende  oder  eine  theilweise  Pro- 
inz  waren,  wie  es  Galicien  schon  im  zweiten  und  im  dritten  Jahr- 
hundert gewesen  war.  In  Tingitana  gab  es  noch  keine  Bisthümen 
Lber  die  Metropoliten  der  übrigen  fiinf  (sechs)  Provinzen  erschienen  ^*° 
a  Sardika.  Der  Metropolit  der  Provinz  Baetika  war  Hosius  selbst^^Metro- 
yordttba   blieb  Hauptort   der  Provinz,   wenn   auch   der  Vicarius  von  p»"*«» 

"%  In  Sda- 

;anz  Spanien  in  Hispalis  seinen  Siz  hatte.  Emerita  war  Hauptstadt  nieo. 
on  Lusitania,  Der  Metropolit  Florentius  von  Lusitania  (=  Merida) 
»egleitete  darum  den  Hosius  nach  Sardika.  Die  Stadt  Asturica  war 
[amals  noch  (bis  zu  ihrer  Zerstörung  im  Jahre  457)  die  Häuptstadt 
ler  Provinz  Asturica  oder  Galicia«  Darum  begleitete  der  Bischof 
)omitianus  von  Astorga  den  Hosius  als  Metropolit  dieser  Provinz, 
lauptstadt  der  Provinz  Carlhaginensis  war  auch  im  Jahre  343  Car- 
agena.  Aber  wer  kann  beweisen,  dass  Cartagena  damals  überhaupt 
chon  einen  Bischof  hatte?  Hatte  es  aber  keinen,  wie  ich  glaube,  so 
Qusste  eben  der  Bischof  einer  andern  Stadt  als  provisorischer  Metro- 
olit  in  Sardika  erscheinen.  Dafür  eignete  sich  der  Bischof  von  Ca- 
fculo  vorzüglich;  denn  Castulo  war  eines  der  ältesten  Bisthttmer  der 
^rovinzy  und  eine  der  bedeutendsten  Städte  derselben.  Darum  nahm 
losius  den  Bischof  Anianus  von  Castulo  mit  sich  nach  Sardika. 

Hauptort  der  Provinz  Tarracouensis  war  an  sich  Tarraco.  Aber 
'arraco  lag  in  Trümmern.  Es  hatte  zwar  am  Ende  des  vierten  Jahr-  Tarraco 
änderte  wieder  einen  Erzbischof«  Aber  im  Anfange  des  fünften  '^ 
ahrhunderts  noch  sagt  Orosius:  Auf  den  Trümmern  grosser  Städte 
»estehen  noch  kleine  und  arme  Wohnsize,  welche  noch  die  frühern 
{amen  tragen,  wie  unser  Tarraco  in  Spanien.  —  In  den  Jahren  269 
lis  385  begegnen  wir  überhaupt  keinen  Bischofen  von  Tarraco,  und 
8  ist  nicht  zu  beweisen,  dass  es  in  den  Jahren  343—344  einen  solchen 
gegeben  habe.  So  war  denn  der  Bischof  Castus  von  Saragossa  im 
^ahre  343  bis  344  der  provisorische  Metropolit  der  Provinz.  Endlich 
»egleitete  Bischof  Praetextatus  von  Barcelona  als  praesumtiver  Metro- 
polit der  Balearen  den  Hosius  nach  Sardika. 


mein. 


486    Recapitolation  des  ganzen  Werkes.   Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1864. 


§.    -4- 

Ueber   den  ,^Fall''    des  Hosias   und   die  Zeit  seiDes  Todes  liah 

ich  in  den  Jahren  1860,  1864,  1865  and  1867  gehandelt    Meine  znlrz 

im  Jahre  1867   ausgesprochene  Ansicht   ist:    Hosius   war   zwei  Jahr 

nach  Sirmium  verbannt,  355 — ri57.   Znlezt  kam  der  Kai^^er  Coostantin 

selbst  im  Juli  357  dorthin,  und  weilte  im  Juli  und  August  „incognito^^' 

in  Sirmium,   um   auf  Hosius   einen  „Druck^^  auszuüben.     Die  Ariane 

Ursacius^  Valens  und  Germinius  wollten  ihn  zur  Unterschrift  ihrer  50 

genannten  zweiten  sirmischen  Formel  zwingen,  die  Hilarius  mit  Kecii 

eine  „Blasphemie'^  nennt.     Hilarius   wenigstens  glaubte,    auf  die  Aus 

sage  der  ihn  umgebenden  Semiärianer,  er  habe  sie  (mit)  verfasst.   AU 

die  Unterschrift  des  Hosius  findet  sich  nicht  unter  der  Formel.    Nu 

Potamius  von  Lissabon  acceptirte  die  Formel,  und  versendete  dieselb 

später  mit  einer  kauderwelschen  Vorrede.     Er  war  Gegner  des  Hosiiu 

und  Arianer  aus  Angst.     Dass  Hosius  unterschrieben  habe,  sagt  nicli 

Athanasius,   nicht  Phoebadius  von  Agen,  oder  Eusebius   von  Vernelli 

nicht  der  „feurige^  Hilarius,  nicht  die  spätem  Epiphanius,  Hieronymu: 

Augustinus,    Sulpicius  Severus.    Erst  ein   ganzes  Jahrhundert   spät« 

sagen   es  Socrates,   Sozomenus   und  Philostorgius,    welche    die    gani 

Geschichte  dieser  Zeit  in  die  grosite  Verwirrung. gebracht,  und  u.  i 

daran  schuld  sind,    dass   man   bis  zur  jüngsten  Zeit  das  Jahr  347  al 

das  der  Synode  von  Sardika  angenommen  hat. 

Ankift-  Athanasius  verdient  doch  mehr  Glauben,  als  nächster  Zeitgenoss 

Ho.  des  Hosius.    Er   war   zwar  Freund   des  Hosius;   aber   er  konnte  di 


gen    ge 


gen 


i»iu8  Wahrheit  wissen  und  sagte  sie.  Er  sagte  aber  nicht:  „Hosius  hat  untei 
schrieben,  er  stimmte  ihnen  bei,  er  ist  gefallen^%  sondern:  ,,er  wi(j 
ihnen  einen  Augenblick,  so  jedoch,  dass  er  zwar  mit  Valens  und  Vi 
sacius  Gemeinschaft  eingieng,  aber  nicht  unterschrieb  gegen  Athaoi 
sius,  d.  i.  von  dessen  Gemeinschaft  sich  nicht  trennte.^  Daraus  folg 
dass  die  Art  der  Gemeinschaft,  die  er  mit  den  Arianem  eingieng,  kein 
Verleugnung  des  Glaubens,  kein  Fall  und  kein  Abfall  war.  „Ab< 
auch  so,  sagt  Athanasius,  nahm  der  Greis  die  Sache  nicht  leicht  au; 
denn  als  es  mit  ihm  zum  Sterben  kam,  erklärte  er  in  Form  ein« 
Testaments  die  ihm  angethane  Gewalt,  er  sprach  gegen  die  Amni 
das  Anathema  aus,  und  er  befahl,  dass  Niemand  sie  annehmen  solU 
(histor.  Arian.  op.  45). 

Worin  aber  die  Gemeinschaft  mit  den  Arianem  bestand,  erfahrt 
wir  von  ihm  nicht,  ich  denke,  weil   er   es  im  Jahre  357 — 358  selb 


')  D.  h.  die  von  Sirmium  erldssenen  Verordnungen  tragen  swar  das  Dati 
der  Zeit,  aber  nicht  des  Ortes,  aus  dem  sie  erlassen  worden. 


Hosiufl  im  Jahre  357.    Tod  demselben.  487 

(noch)  nicht  wasste.  Eine  Andeutung  aber  giebt  Epiphanius,  wenn  er 
sagt,  dass  die  Arianer  meinten,  die  Kirche  selbst  zu  verdammen  durch 
die  Briefe,  welche  sie  dem  ehrwürdigen  Hosius  mit  List  abjagten 
{Sg  i&ifQacav  naqa  jov  oüitsCfiov  '0<f£ovj  baeres.  73.).  Was  war  der  In- 
halt dieser  Briefe?  Die  zweite  sirmische  Formel  spricht  aus:  „Man 
darf  des  Wortes:  „Homousios"  keine  Erwähnung  thun",  d.  i.  der  Sohn 
G^ottes  ist  nicht  Gott,  und  nicht  gleichen  Wesens  mit  dem  Vater.  Der 
Schluss  aber  lautet:  „Diess  ist  der  Kern  und  Schlussgedanke  und  die 
Besiegelung  des  ganzen  Glaubens,  dass  die  Dreieinigkeit  aufrecht  zu 
erhalten  ist,  wie  wir  in  dem  Evangelium  lesen:  „Gehet  und  taufet 
alle  Volker  im  Namen  des  Vaters,  und  des  Sohnes  und  des  heiligen 
Geistes."  Unversehrt,  vollkommen  ist  die  Zahl  der  Dreieinigkeit."  Diese 
Weite  für  sich  genommen^  sind  Ausdruck  des  katholischen  Glaubens. 
Nach  diesem  Eiklärungsversuche  bestand  des  Hosius  Gemein- 
scbafl  mit  den  Arianern  darin,  dass  er  sein  Symbol  dem  ihrigen  ent- 
gegensezte.  Sie  hatten  ihren  Glauben  ausgesprochen,  und  er  sprach 
den  soinigen  aus.  Aber  sei  es  überlistet  qder  im  heiligen  Zorne,  sprach 
er  denselben  ihnen  gegenüber  schriftlich  aus,  er  gab  ihnen  etwas  Ge- 
schriebenes von  seiner  Hand;  schlau  und  schleunig  nüzten  sie  es  aus, 
und  verkündigten:  Wir  haben  einen  Brief  der  Gemeinschaft  von  Hosius, 
er  ist  der  Unsrige.  Ob  er  auch  protestirte,  sie  behielten  llecht  in  den 
Augen  der  Welt.  —  So  würden  sich  die  Worte  des  Epiphanius  er- 
klären, dass  die  Arianer  mit  List  dem  Hosius  einen  Brief  abgejagt 
haben.  Selbst  Hilarius  hätte  dem  Wortlaute  nach  Recht,  dass  die 
zweite  sir mische  Formel  von  Potamius  und  von  Hosius  geschrieben 
worden.  Denn  Potamius  hat  sie  abgeschrieben  und  mit  seinen  Glossen 
versendet,  Hosius  aber  hätte  einen  widerlegenden  Zusaz  beigefügt. 

§.  5. 

Dafur^  dass  Hosius  in  Spanien  (um  das  Jahr  359 — 361  gestorben, 
dafür  stehen  nur  die  beiden  verlogenen  Lnciferianer  Faustin  und  Mar- 
cellin.  Wenn  man  ihnen  glaubt,  muss  man  ihnen  auch  glauben,  dass 
in  Gegenwart  ihres  „heiligsten  Lucifer's  von  Cagliari"  der  Bischof  Ja- 
nuariuB  von  Neapel  seine  Zunge  wie  ein  Ochs  habe  heraushängen 
lassen,  und  dass  sie  in  diesem  hängenden  Zustande  geblieben  sei. 

Dass  aber  Hosius  am  27.  August  357  in  Sirmium  in  der  Ver- 
bannung, lOl  Jahr  alt,  gestorben,  dafür  hsii  Florez  schon  vor  126  Jahren 
(1753)  zwei  schwerwiegende  Beweise  geführt.  Athanasius  erzählt  in 
seiner  „Geschichte  der  Arianer",  die  noch  im  Jahre  358  erschien,  die 
nähern  Umstände  des  Todes  des  Hosius.  Es  kann  also  Hosius  nicht 
erst  359 — 361  gestorben  sein,  wie  man  bis  heute  annimmt.  AthanasiuB 
aber  hätte,  bei  der  mangelnden  Verbindung,  die  nähern  Umstände  seines 


488    Recftpitalation  des  ganzen  Werkes.   Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1864. 

Todes  erst  Jahre  lang  später,  oder  gar  nicht  erfahren.  Das  griechische 
Menologium  (die  Menaeen,  Heiligenlegende)  feierte  den  Tod  des  Hosius 
zum  27.  August  mit  den  Worten: 

An    demselben  Tage  (27.  August)   das  Gedächtniss   unseres  hei- 
ligen Vaters,  des  Bischofs  Hosius  von  Corduba: 

Schon  wenn  ich  deinen  Namen  aaaspreche,  o  Heiliger  — 
Bringe  ich  dir,  dem  Todten»  das  gebührende  Lob. 

Ho«iii«t  Dieser  wurde  in  die  Verbannung  geschickt,  und  nachdem  er  vieles 

'^^l'^'  Harte  in  derselben  erduldet  hatte,  fancC  er  in  derselben  das  Ende  seines 
Lebens  (iv  S^oQlci  na^ni^A^tj^  xci  iv  avifj  tov  ßhv  xcniXveiv),  Das  Jahr 
ist  nicht  genau  angegeben;  aber  sein  Tod  kann  nicht  wohl  nach  dem 
Jahre  357  erfolgt  sein.  Einen  dritten  Beweis,  vielmehr  Wahrschein- 
lichkeitsgrund für  den  am  27.  August  zu  Sirmium  erfolgten  Tod  des 
Hosius  fand  ich  in  folgender  Thatsache.  Kaiser  Constantius  weilte  im 
August  357  in  Sirmium.  Am  28.  August  357  sandte  er  an  den  Con- 
sularis  von  Baetika,  der  in  Corduba  seinen  Siz  hatte,  einen  Erlass, 
ein  wahres  Kanbgesez,  das  einzige  Gesez,  das  während  seiner  ganzen 
Regierung  nach  Spanien  gesandt  wurde,  das  im  Januar  358  auf  das 
ganze  Reich  ausgedehnt  wurde,  aber  wegen  seiner  Härte  von  Valen- 
tinian.  I.  aufgehoben  wurde.  Es  war  allgemeine  Sitte  der  Spanier,  dass 
die  Leichname  der  im  Auslande  Gestorbenen  nach  Spanien  zuriick- 
gebracht  wurden.  Die  Begleiter  oder  Verwandten  des  Hosius  haben 
wohl  dasselbe  gethan.  Kaiser  Constantius  hatte  ein  „brennendes'^  In- 
teresse daran,  diess  nicht  nur  zu  gestatten,  sondern  den  Hosius  mit 
kaiserlichem  Aufwände  zurückbringen  und  beisezen  zu  lassen,  um  den 
Schein  der  Apostasie  auf  ihn  zu  werfen.  Das  Gesez  vom  28.  Augost 
357  gieng  mit  der  Leiche  des  Hosius  nach  Spanien,  und  es  trug  dem 
Kaiser  so  viel  Geld  ein,  dass  er  aus  dessen  Einnahmen  sich  für  seine 
Auslagen  schadlos  halten  konnte.  —  Constantius  Hess  überhaupt  die 
Leichname  der  in  der  Verbannung  gestorbenen  katholischen  Bischöfe 
auf  seine  Kosten  einbalsamiren  und  mit  Ehrengeleiten  zurückfuhren,  um 
den  Schein  zu  erwecken,  als  seien  sie  als  Arianer  gestorben.  Er  be- 
fahl, dass  von  den  400  zu  Rimini  im  Jahre  359  versammelten  Bischofen 
keiner  hingerichtet,  und  nicht  mehr  als  zehn  verbannt  würden.  Dennoch 
brachte  er  es  dahin ^  dass  zulezt  keiner  mehr  widerstand,  dass  alle 
nachgaben.  Von  Gregor  von  Elvira  bezweifeln  es  die  Spanier;  sie 
bringen  aber  den  sehr  schwachen  Grund,  dass  bei  der  grossen  Zahl 
der  Bischöfe  sein  Widerstand  oder  Widerspruch  dem  ICaiser  und 
seinen  Agenten  entgangen  sein  könnte.  Dann  musste  sein  Widersprach 
sehr  kleinlaut  gewesen  sein. 

Unter  den  zu  Rimini  Weilenden  war  ein  Bischof  Hyginus.  Sein 
Bisthnm  wird  nicht  genannt.  Aber  mit  Ausnahme  des  Papstes  Hygmus 
im   zweiten  Jahrhunderte,    und   des   Rhetors  Hyginus   zur  Zeit  des 


Hosias  ab  Heiliger.  489 

Äugustas,  der  gleichfalls  ein  Spanier  war,  kommt  der  Name  Ilygiuns 
überhaupt   gar   nicht   mehr    vor.     Es  ist   kaum   ein  Zweifel,   dass  der 
Uyginus  des  Jahres  359  identisch  sei  mit  dem  vielgenannten  Bischöfe  ^y«*°"" 
Hyginns   von   Cordaba ,   der   den  Priscillianisten   zuerst  widersprach,  ^dubaT 
und  ihnen  dann  zufiel«    Darnach  musste  Hosius  früher  gestorben  sein,    ^^* 
als  man  gewöhnlich  annimmt,  wenigstens  im  Jahre  358, 


§.  6. 

Die  Bollandisten  messen  nicht  mit  gleichem  Maasse,  wenn  sie  von  Hoiias 
Hosius  zum  27.  August  sagen,  dass  er  gegen  Athanasias  unterschrieben  ^^u^q" 
habe,  troz  des  ausdrücklichen  Zeugnisses  des  Athanasius  selbst,  und  diston. 
wenn  sie  sodann  zum  23.  September  den  Papst  Liberius  unter  die 
Heiligen  sezen,  und  leugnen,  dass  er  gegen  Athanasius  unterschrieben, 
da  doch  Athanasius  sagt,  er  sei  gescheitert  (mxXaci)  und  habe  gegen 
ihn  unterschrieben;  dass  sie  sodann  das  Zeugniss  der  Menaeen  an- 
nehmen, die  ihn  am  27.  August  nach  Hosius  als  „Heiligen^  angeführt 
haben,  während  sie  dasselbe  Zeugniss  für  Hosius  nicht  gelten  lassen. 
Bei  Usuard  und  Ado  von  Vienne  kommt  Liberius  auch  nicht  beim 
23.  September  als  Heiliger  vor.  Baronius  hat  ihn  nicht  in  das  ro- 
mische Martyrologinm  aufgenommen;  Liberius  hat  aber  seinen  „Fall^ 
durch  erneuerte  Standhafligkeit  gesühnt.  Sobald  man  sich  überzeugt 
haben  wird,  dass  Hosius  nicht  gefallen,  den  Fehler  aber,  den  er  ge- 
macht, vor  seinem  Tode  gesühnt  hat,  sobald  man  sidi  allgemein  über- 
zeugt, dass  Faustin  und  Marcellin  keine  E^tholiken,  sondern  Luci- 
ferianer  waren,  so  bald  wird  man  geneigt  sein,  dem  Beispiele  der 
Griechen  zu  folgen  und  den  Hosius  als  Heiligen  zu  verehren.  Ein 
Anfang  ist  schon  gemacht.  Das  verdienstvolle  Heiligenlexicon  von 
Stadler  und  Oinal  fuhrt  den  Hosius  unter  den  Heiligen  der  romischen 
Kirche  auf.  Als  ich  im  Februar  1865  in  Sevilla  ^ar,  hat  mir  der 
Redakteur  der  Zeitschrift  ^la  Cruz^,  ein  Laie,  und  stammend  ans  einer 
mozarabischen  Pfarrei  in  Toledo,  gesagt,  er  sei  entschlossen,  die  Frage 
der  Heiligsprechung  des  Hosius  fortan  als  stehendes  Thema  in  seiner 
Zeitschrift  zu  behandeln.  (Ob  es  geschehen  ist,  konnte  ich  nicht  er- 
fahren.) Die  spanischen  Bischöfe  und  der  Hof  müssten  wohl  hier 
sich  an  die  Spize  stellen,  wie  es  König  Philipp  IL  ohne  Mühe  erwirkt 
hat,  dass  Hermenegild  ein  Jahrtausend  nach  seinem  Tode  canonisirt 
wurde.  Warum  könnte  Hosius  nicht  15  Jahrhunderte  nach  seinem 
Tode  heilig  gesprochen  werden? 


cut. 


490    Rccapitulation  des  ganzen  Werkes.   Zweites  Kapitel.  Zweiter  Band,  1864. 


§.  7. 

Von  dem  grossen  Hosius  bin  ich  (im  Jabre  1863)  zu  seinem 
kleinen  Gegner  Gregorius  von  Elvira  übergegangen.  Die  vielgenannten 
Lueifcrianer  nennen  ihn,  der  nach  dem  Tode  oder  dem  Ruckzuge  des 
„apostolischen^  Lucifer  von  Cagliari  au  die  Spize  der  Sekte  trat,  oder 
sich  schieben  liess,  selbstverständlich  stets  „den  Heiligen^«  Zwar 
müssen  sie  gestehen,  dass  er  unter  allen  Glanbensbekennern  allein 
weder  Verbannung  noch  Anderes  duldete.  Der  Grund  war  aber  sehr 
einfach.  Er  hat  den  Hosius  von  Corduba  zu  Tode  gebetet,  d.  h.  er 
bat  Gott  um  den  Tod  des  Hosius,  und  sogleich  fiel  Hosius  schrecklich 
verstaltet  zu  Boden,  und  starb,  oder  auch  nur  —  und  verstummte. 
Das  erfuhren  die  Beamten  des  Kaisers,  wollten  ihr  lieben  nicht  in 
die  Schanze  schlagen,  und  wagten  dem  gewaltigen  Beter  Gregorius 
kein  Haar  zu  krümmen.  Auf  zwei  unsolide  Gründe  stüzt  sich  die  An- 
sicht von  der  Heiligkeit  des  Gregorius,  auf  das  Zeugnisa  der  beiden 
Luciferianer,  und  auf  den  Brief,  welchen  ihm  der  verbannte  Eusebias 
von  Vercelli  aus  Aegypten  schrieb,  als  Antwort  auf  einen  Brief  des 
Gregorius  an  ihn.  Hieronymus  wirft  den  (d.  i.  vielen)  zu  Rimini  ge- 
fallenen Bischöfen  vor,  dass  sie  an  Athanasius  geschrieben,  um  sich 
ihm  zu  insinuiren,  und  belobende  Briefe  von  ihm  zu  erhalten.  Wii 
wissen  nicht,  welche  Bischöfe  dieses  gethan  haben.  Aber  in  dieser  An- 
gelegenheit an  Eusebius  zu  schreiben,  war  dasselbe,  als  an  Athanasius 
zu  schreiben.  Auch  von  Gregorius  und  seinem  Briefe  an  Eusebius 
gilt  das  Wort:  „Wer  sich  entschuldigt,  beschuldigt  sich." 

Ich  war  in  Granada,  und  habe  keine  Spur  von  Verehmng  des 
Grego  Gregorius  im  Volke  gefunden.  Er  hat  —  zum  24.  April  —  keine 
Baeti-  eigene  Festmesse  in  Granada;  er  hat  nicht  einmal  eine  eigene  Oration. 
Von  einer  Erwähnung  desselben  in  der  alten  spanischen  Liturgie  ist 
keine  Rede.  Sein  Name  kommt  auch  nicht  in  dem  „Proprium  San- 
ctorum^^  der  Spanier  aus  unserem  Jahrhundert  vor.  Dagegen  hat  ihn 
Usuardus  um  das  Jahr  853  in  sein  Verzeichniss  der  Heiligen  aufge- 
nommen; dass  er  aber  ein  Lokal -Heiliger  war,  geht  aus  den  Worten 
des  Bischofs  Recesmund  von  Elvira  im  Jahre  961  hervor:  „Fest  des 
heiligen  Gregorius  in  der  Stadt  Granada.^  Diejenigen,  die  nicht 
leugnen  wollen,  dass  er  Luciferianer  war,  helfen  sich  mit  der  Behauptung, 
er  habe  sich  in  der  lezten  Zeit  seines  Lebens  bekehrt,  wofür  keine 
Beweise  vorliegen. 

Nach  ihm,  Potamius  und  Florentius  von  Emerita  habe  ich  die 
Schriftsteller  Pacian  von  Barcelona,  und  Paul%nfi$  von  Nola,  und  den 
Vigilantiua  behandelt,  über  sie  aber  nichts  Neues  vorgebracht;  dasselbe 
gilt  von  dem  Dichter  JuvenetM  und  Papst  Dam<i8U8f  wahrscheinlich  aas 


Prud. 
Cle- 


Sara- 

gOM«. 


Der  Dichter  Pradentius  CleinenB.    Die  PriscillianiBteD.  491 

Gaimaraeus  im  Erzbisthame  Bracara.  Es  folgt  Theodosiits  der  Grosse, 
der  Spanier,  und  Dexter,  Sohn  des  Pacian.  Dessen  ^omnimoda  hi- 
storia^,  von  der  Hieronym^u  berichtet,  hat  dieser  nicht,  und  yielleicht 
gar  Niemand  gelesen;  ich  glaube,  dass  sie  überhaupt  nicht  erschien, 
„nicht  unter  das  Volk  ausgieng^,  darum  auch  nicht  verloren  gieng. 

Es  folgt  das  Kapitel  von  Aurditis  Prudentius  Clemens,  nach  Vieler 
und  nach  meiner  Ansicht  dem  grössten  christlichen  Dichter  aller  Zeiten,  mens  v 
Ich  habe  die  Ansicht  vertheidigt,  dass  er  aus  Saragossa  stammte,  und 
dort  wohnte,  dass,  wenn  er  von-^nnserm"  Calagurris  redet,  er  dasselbe 
von  dem  gallischen  Calagurris  des  Vigilantius  unterscheidet  (wenn  er 
von  unserm  „Tarraco"  redet,  er  an  die  Provinz  Tarraconensis  denkt, 
in  welcher  Tarraco^  Saragossa  und  Calahorra  lagen). 

Nach  mir  haben  über  Prudentius  geschrieben:  Cleni,  Brockhnus, 
in:  „Aurel.  Prud.  Clemens  in  seiner  Bedeutung  für  die  Kirche  seiner 
Zeit";  Leipzig,  1872,  p.p.  3.-{4.  Er  spricht  nur  in  einer  kurzen  An- 
merkung von  des  Dichters  Heimath  (p.  15)  und  sagt:  „Man  mnss  sich 
bescheiden,  seinen  Geburtsorts  nicht  zu  kennen."  Diess  scheint  mir 
allzu  bescheiden.  Im  Jahre  1872  handelte  auch  Joh.  Christ  Fei.  Bahr 
von  der  Heimath  des  Prudentius.  Er  sagt:  „geboren  348  zu  Sara- 
gossa oder  zu  Calahorra,  obwohl  im  Ganzen  mehr  Gründe  für  den 
erstem  Ort  sprechen  dürften,  und:  „Auch  Garns  möchte  sich  für  Sa- 
ragossa aussprechen."  Wohl  habe  ich  früher  geschrieben;  ,^Er  stammte 
sehr  wahrscheinlich  aus  Saragossa"^  heute  aber  sage  ich:  „er  stammte 
ohne  Zweifel  aus  Saragossa"').  —  Im  Jahre  1874  handelte  Ad.  Ehert 
über  unsem  Dichter  und  lässt  ihn  „wahrscheinlich  in  Saragossa  ge- 
boren" werden.  Im  Jahre  1875  nennt  W.  S.  Teuffei  den  Prudentius 
„den  bedeutendsten  christlichen  Dichter,  und  lässt  ihn  „wahrscheinlich 
in  Calagurris"  das  Licht  der  Welt  erblicken.  —  Endlich  sagt  Alzog 
im  Jahre  1876  —  „Prudentius  war  348  zu  Saragossa  geboren,  doch 
macht  auch  Calahorra  auf  die  Ehre  Anspruch,  seine  Geburtsetätte 
zu  sein!"*) 

§.  8. 

Von  dem  Kapitel  über  den  lieblichen  Dichter  Prudentius  giengen 
and  gehen  wir  zu  dem  unlieblichen  Kapitel  über  die  IViscillianisten  in 
Spanien  über.     Im  Unterschiede  von  den  frühern  Forschern  über  diese 


')  Geschichte  der  rOmischen  Literatur,  4.  Bd.  J,  die  christlichen  Dichter  und 
Geschlchfschreiber,  IL  Aufl.,  Carljruhe,  1872,  S.  61—65.  —  Ad.  Ebert,  Gesch.  der 
chriHtlicb'latein.  Literatur  Von  ihren  Anfangen  bis  zam  Zeitalter  Karins  d.  Grossen, 
Leipz.,  1874,  S.  213—244.  —  W.  Ä  Teuffei,  Geschichte  der  römischen  Literatur 
3.  Aufl.,  Leipz.  1875,  8.  1028  (§.  436). 

')  Alzog,  Handb.  der  Patrologie,  8.  Aufl.,  Freib.  1876,  S.  633. 


492   Becapitulation  des  ganzen  Werkes.  Zweites  Kspitel.  Zweiter  Band,  1864. 

^^"    Häresie  habe  ich  theils  wahrscheinlich  zu  machen,   theils  zu  beweisen 
luni-   gesucht,  dass  der  Priscillianismus  reiner  Manichaeismns,  dass  derselbe 
stondnd  gchon  vor  dem  Jahre  343  und  noch  viel  früher   in  Spanien  verbreitet 
Manf.  worden,   dass  Hosius    von  Corduba   vor  dem  Jahre   344  gegen    den 
chaeer.  Manichäcr  Marcus  gekämpft,  den  die  Arianer  einen  Mann  des  „selig- 
sten Andenkens^  im  Jahre  344  nennen;  nachgewiesen,   dass   der  spa- 
nische Bischof  Olympius,   der  im  Jahre  314  blühte,   ein  Buch   gegen 
die  Manichäer  (in  Spanien)  geschrieben.    Ich  habe  zu  zeigen  gesocht, 
dass  die  Haeresie  in  Baetika  zum  Ausbruche  kam,  von  da  nach  Lusi- 
tanien   und   nach  Avila  in  dieser  Provinz  sich  verbreitete,  und  zulezt 
ganz  Galicien  ergriff').  Es  scheint  eine  ganz  ungeheuerliche  Behauptung 
zu  sein,   das   eine  Zeit  lang   alle  Bischöfe  von  Galicien  in  die  Neze 
dieser  Haeresie  verstrickt  waren.    Aber  die  Akten  der  ersten  uns  be- 
kannten Synode  von  Toledo  und  andere  Thatsachen  beweisen  es.   Poli- 
tische Motive  scheinen  mitgewirkt  zu  haben.   Der  Usurpator  Maximus, 
der  den  Priscillian  hinrichten  Hess,  hatte  sich  gegen  Theodosius  empört, 
und  es  konnte  scheinen,   als   hätte  er  in  Priscillian  und  den  S'einigen 
den  Galicier  Theodosius  treffen   wollen.     Rumpp   hat  gefunden,   dass 
meine  Auseinandersezungen  nähere  Beachtung  und  weiteres  Studium  in 
Alispruch  nehmen'). 

Auf  der  Synode  von  Toledo  im  Jahre  400  waren  19  Bischöfe 
versammelt;  aber  nur  von  4  sind  uns  die  Size  genau  bekannt  Im 
Gegensaze  gegen  die  Synode  von  Elvira  verordnet  diese  Synode,  dass 
die  schwersten  Sunder  auf  dem  Todbette  die  heilige  Wegzehrung 
empfangen  sollen.  Nur  etwa  4  von  den  20  Canones  bezieben 
sich  auf  die  Priscillianisten.  Aber  nach  dem  Concil  fanden  Verneh- 
mungen und  Untersuchungen  in  Betreff  der  Priscillianisten  statt  Die 
Bischöfe  Symphosius  und  sein  Sohn  Dictinius  von  Astorga,  und  der 
Priester  Comasius  schwuren  in  tiefster  Demuth  die  Irrlehre  des  Pris- 
cillian  ab.  Auch  Bischof  Paternus  von  Bracara  schwur  ab,  sowie 
andere  Bischöfe,  deren  Size  nicht  genannt  werden.  Andere  Wider- 
strebende wurden  abgesezt. 


0  Eben,  beim  Dnrchblättem  des  Werkes:  ,,von  den  berühmten  MSnnern" 
des  Isidor  von  Sevilla  finde  ich  eine  Stelle,  darch  deren  Inhalt  meine  Vermntbnng 
an  Wahrscheinlichkeit  gewinnt.  Indor  (o.  15.)  erzählt:  ItaciuSj  Bischof  in  Spa- 
nien (d.  i.  von  Ossonoba),  mit  Zunamen  und  nach  seiner  Beredtsamkeit  ,,Clarn8*, 
schrieb  ein  Bach  gegen  Priscillian,  worin  er  zeigt,  dass  ein  gewisser  Marcos  ans 
Memphis^  sehr  erfahren  in  der  Kunst  der  Magie,  Schüler  des  Manes  und  ,|Lehrer 
des  Priscillian^  gewesen  sei.  Wenn  er  Lehrer  des  Priscillian  war,  so  ist  um  so 
wahrscheinlicher,  dass  er  in  Spanien  längere  Zeit  geweilt  Leider  hat  sieh  der 
„Apologeticns'*  des  Jtacius  nicht  erhalten;  es  scheint  aber,  dass  Isidor  die  Schrift 
gekannt  habe. 

')  Literarischer  Handweiser  von  1865,  nr.  27. 


OrosioB  von  Braeara.  493 


§.  9. 


ean. 


Wir  gehen  za  dem  Kapitel  über  Orosius  über.  Dass  derselbe  Orotius 
Paulus  geheissen,  ist  unwahr.  Pacian,  Dexter,  Hosius,  (Priscillian),  ^^"^'*" 
Olympius^  Damasus,  Tbeodosius,  viele  andere  —  begnügten  sich  mit 
einem  Namen.  Warum  will  man  dem  Orosius  den  Namen  Paulus 
geben,  den  er  sich  selbst,  und  den  ihm  seine  Zeitgenossen  nicht  ge- 
geben? —  So  lange  man  noch  nicht  wusste,  oder  wissen  wollte,  dass 
er  aus  Bracara  stamme,  mochte  es  einigen  Sinn  haben,  ihn  aus  „un- 
serm  Tarraco'^  stammen  zu  lassen.  Jezt  aber  kann  nur  Bracara  in 
Frage  kommen.  Der  Ausweg,  den  Teuffd  vorgeschlagen,  er  sei  zu 
Tarraco  geboren,  in  Bracara  Presbyter  geworden,  empfiehlt  sich  durch 
keinen  Grund  (§.  455,  p.  1073).  Ehert  hat  das  Richtige  über  ihn  ge- 
sagt (L  c.  S.  '626).  Alzog  nennt  ihn  noch  „Paulus'%  und,  mit  Recht, 
Priester  von  Braga  (S.  417,  §.  77). 

Ueber  die  kleinem  Schriftsteller,   die  beiden  Av%tu$  von  Bracara, 
S*svert$8  von  Minorca,  B($chiariu$  —  habe  ich  Neues  nicht  vorgebracht. 

§.  10. 

Die  noch  übrigen  Kapitel  des  siebenten  Buches  handeln  von  den 
fünf  Kirchenprovinzen  Spanien's  in  der  Zeit  von  357  bis  Ö89,  zuerst 
von  der  Provinz  Baetika.  Weil  Hispalis  Hauptstadt  des  römischen 
Spanien's  war,  so  ernannten  die  Päpste  mehrere  dortige  Metropoliten 
zu  ihren  Vicarien  in  Spanien.  Diese  Einrichtung  aber  vermochte  keine 
festen  Wurzeln  zu  fassen,  weil  die  Gothen  Spanien  eroberten,  und 
Barcelona^  später'  aber  Toledo  zu  ihrer  Hauptstadt  auswählten.  In 
Betreff  der  Kirchenprovinz  von  Toledo  habe  ich  nachgevnesen,  dass 
die  Bischöfe  von  Toledo  sich  als  Metropoliten  nur  die  Anerkennung 
der  Bischöfe  von  Carpetanien  erwarben,  während  die  östlich  und  süd- 
östlich wohnenden  Bischöfe  als  ihren  Metropoliten  den  Bischof  von 
Carthagena  erklärten.  —  Von  Bischof  Turibius  von  Astorga  habe  ich 
behauptet,  dass  sich  Papst  Leo  I.  wegen  der  Manichaeer,  sonst  Pris- 
cillianisten  genannt,  an  ihn  nicht  gewendet,  weil  er  „Notar  des  Papstes^' 
gewesen,  wie  Martin  von  Braga  120  Jahre  später  sagt,  sondern  weil 
er  Metropolit  von  Galicien  gewesen;  femer  daraus,  dass  der  Papst 
ibn  za  Abhaltung  von  Synoden  in  ganz  Spanien  auffordert,  folge  nicht, 
wie  man  gewöhnlich  annimmt,  dass  solche  Synoden  in  den  Jahren 
447  —  448  wirklich  stattgefunden  haben.  Der  Chronist  Idatius,  der 
sonst  ganz  Unbedeutendes  berichtet,  hätte  darüber  nicht  geschvnegen, 
und  die  Akten  der  Synoden  wären  so  wenig  verloren  gegangen,  wie 
die  der  andern  Synoden. 


"^94       RecapitulatioQ  des  ganzen  Werkes.   Drittes  KapiteJ.  Der  drifte  Band. 


Drittes  Kapitel.    . 

Der  dritte  Band 

erschien  im  Jahre  1874,  zehn  Jahre  nach  dem  zweiten,  besonders  weil 
in  der  Zwischenzeit  das  Werk:  „Series^episcoporum  ecclesiae  catho- 
licae^'  von  mir  geschrieben  wurde,  das  ich  in  Spanien  begann.  Dieser 
Band  umfasst  die  Zeit  von  589  bis  1085.  Der  Anfang  des  Bandes, 
S*  1  — 101,  wurde  gedruckt  vor  dem  Antritte  meiner  Reise  nach  Spa- 
nien im  September  1864.  In  Spanien  selbst  habe  ich  viele  Anregung, 
aber  weniger  Ausbeute  für  meine  Arbeit  gefunden.  Ich  kann  im  Ganzen 
nur  sagen,  dass  ich  in  den  bisherigen  Ansichten  über  einzelne  Streit- 
fragen der  spanischen  Kirchengeschichte  bestärkt  wurde,  z.  B.  in  der 
Frage  von  der  Lage  von  Acci-Guadix,  Elvira-Granada.  Den  Eindruck, 
den  ich  über  Land  und  Lente  gewonnen,  darzulegen,  ist  hier  nicht 
der  Ort.  Ich  hatte  nie  im  Sinne,  eine  Schrift  herauszugeben,  die  an- 
nähernd ein  Reisebericht  über  Spanien  wäre.  Das  haben  hundert 
Andere  vor  mir  gethan. 

Die  sechs  ersten  Kapitel  des  achten  Buches .  geben  mir  keinen 
Anlass  zu  Bemerkungen.  Das  siebente  Kapitel  handelt  über  Isidor 
von  Sevilla,  und  „Paul'^  von  Emerita.  lieber  jenen  spreche  ich  aber 
ein^  Vermuthung  aus,  die  ich  schon  im  Jahre  1864  hatte.  Er  sagt  in 
seiner  erwähnten  Schrift  (cap.  5.):  (Uosius)  verfasste  auch  ein  anderes 
Werk  „über  die  Erklärung  der  priesterlichen  Gewänder  im  Alten  Testa- 
mente, ausgearbeitet  mit  herrlichem  Sinne  und  Verständnisse  (egregio 
quidem  sensu  et  ingenio  elaboratum).  Dieses,  sovne  das  andere  Werk 
'  des  Osius  über  das  Lob  der  Jungfräulichkeit,  gilt  allgemein  als  ver- 
loren. Es  kommt  aber  vielleicht  eine  Zeit,  wo  man  alle  die  unge- 
nannten Quellen,  aus  denen  Isidor  von  SeviUa  seine  verschiedenen 
Schriften  zusammengesezt  hat,  ohne  die  Auctbren  mit  ihren  Namen  zu 
citiren,  die  „Reminiscenzen  an  seine  frühere  Lectüre^^^  aufifindet,  and 
da  mag  man  darunter  auch  eines  oder  beide  der  verlorenen  Werke  des 
Hosius  entdecken. 

Einen  Schriftsteller  Paul  von  Emerita  hat  es  nachweisbar  nie  ge- 
geben. Daraus  folgt  aber  keineswegs,  dass  die  Schrift :  „Vitae  Patruni 
Emeritensium'^  eine  unächte  Schrift  sei.  Nur  die  diei  ersten  Kapitel 
sind  unächt,  und  zeichnen  sich  durch  ausserordentliche  Abgeschmackt- 
heit  des  Inhaltes   aus.     Dass   der  Abt  Unctus   ans  Afrika  zu  Boden 


Das  siebente  Jahrhundert.  493 

gestürzt  sei,  wenn  ihn  etwa  das  Auge  eines  Weibes  erblickt  habe, 
halten  wir  für  ein  Märchen.  Denn  welchen  Zweck  hätte  ein  solches 
Wunder?  Das  Kapitel  von  dem  „gefrässigen  Mönche  in  Cauliana^^, 
dessen  Leichnam  nach  Jahren  unversehrt  gefunden  worden,  ist  erdichtet 
von  einem  patriotischen  Lusitanier,  der,  nachdem  man  den  Brief  des 
Mönches  Tarra  von  Cauliana  an  König  Reccared  aufgefunden,  der  wegen 
Unsitdichkeit  aus  seinem  Kloster  Verstössen  worden,  nun  aus  einem 
Unsittlichen  (nur)  in  einen  grossen  Esser  und  Trinker  umgewandelt 
wird,  der  sich  aber  nachher  derart  besserte,  dass  sein  Leib  unver- 
Wesen  aufgefunden  wurde. 

£s  bestand  ein  Werk  von  einem  unbekannten  Verfasser,  mit  dem 
Titel:    „Leben    der    Väter   von   Emerita",   welches    mit   dem    vierten    j»^*« 
Kapitel  der  Schrift  des  angeblichen  Paul  von  Emerita   begann.  —   In  y^  £,„«. 
der  Ausgäbe  des  „Bivar^',    vielmehr  in  dem  Codex^  den  er  entdeckte,    '^'*"* 
fehlten  gleichfalls  die  drei  erten  Kapitel.   Die  Schrift  kam  von  Emerita 
auch   nach   Asturien;   König  Alfons  IIL   von  Leon   schrieb   über   den 
Inhalt  derselben  im  Jahre  DOG  an  den  Klerus  und  das  Volk  von  Tours: 
„Wir  besizen  das  Leben,   die  Tugenden   und   die  Wunder  vieler  her- 
vorragender Männer,   wie  z.  B.  der  von  Emerita,   in  guter  und  klarer 
Weise    geschrieben,    welche   in   euren    Archiven    sich   nicht  befinden, 
und  welche  wir,  so  es  euch  dienen  wird,  gerne  an  euch  senden  werden.^' 

§.  2. 

Das  achte  Kapitel  des  achten  Buches:  „Fünfte  bis  eilfte  Synode 
von  Toledo,  Synode  von  Emerita.  Die  Könige  Chintila,  Ohindaswinth 
und  Receswinth.  Eugen  II.  und  Udefons  von  Toledo"  bieten  zu  Be- 
merkungen keinen  Anlass.  Ich  bleibe  aber,  mit  Florez  gegen  Vic.  de 
La  Fuente^  bei  der  Behauptung  stehen,  dass  König  Receswinth  in  den  ^^^^ 
spätem  Jahren  seines  Lebens  wurde,  wie  König  Salomo  in  seinen  alten  ^ntb] 
Tagen,  als  er  mit  fremden  Frauen  sich  umgab,  und  von  der  Weisheit 
seiner  Jugend  abfiel,  und  dass  das  gänzliche  Aufhören  der  Concilien 
von  Toledo  in  seiner  spätem  Zeit  darin  seinen  Grund  hatte.  Es  zeigte 
sich  hier  zum  erstenmale  jene  bedenkliche  Abhängigkeit  der  Kirche 
von  dem  Staate  in  Spanien '),  die  später  so  oft  schmerzlich  hervortrat. 
Die  Bischöfe  fühlten  das  Drückende  ihrer  Lage,  konnten  aber  das 
Joch  nicht  abschütteln,  das  auf  ihnen  lag.  Vom  Jahre  Gö6  bis  zum 
Jahre  675  wurde  kein  Concil  von  Toledo  gehalten. 

Das  neunte  Kapitel  behandelt  die  Bischöfe:  Braulio  und  Tajo 
von  Saragossa;  S.  Aemilian  von  Cogolla  und  Fructuosus  von  Braga, 
80  wie  den  Abt  Valerius,    bei   welchem  Hermenegild   zum   erstenmal 


')  D'er  sich  auch  der  heilige  Ildephons  von  Toledo  nicht  entziehen  konnte. 


49G       Recapitulation  des  ganzen  Werkes.   Drittes  Kapitel    Der  dritte  Band. 

„Heiliger^  genannt  wird,  während  die  Frühem  ihn  mit  wenig  schmeicliel- 
haften  Titeln,  wie  „Tyrann  —  und  RebelP^  bezeichnen.  Er  hattt^ 
eben  sich  in  die  Arme  der  Griechen  geworfen,  und  bei  seiner  Erhebung 
gegen  Beinen  Vater  sich  auf  sie  gestfizt 

Das  zehnte  Kapitel  behandelt  „die  Konige  Wamba,  Erwig,  £^ca^ 
Witiza.  Die  Synoden  von  675 — 701.  Julianus  von  Toledo**.  Was  icLl 
über  leztern  gesagt  habe,  mag  ich  hier  nicht  ^recapituliren^.  Wenn  abeii 
Kardinal  Ximenes  zu  seiner  Zeit  fand,  dass  die  Verehrung  des  Julia.ni 
ganz  aufgehört,  und  er  darum  sein  Fest  wieder  einführte,  so  müsstel 
vorher  doch  bewiesen  werden,  dass  er  zu  irgend  einer  Zeit  eine  kircli-l 
liehe  Verehrung  genoss.  Wenn  er  im  19.  Jahrhundert^  eine  eigene 
Festmesse  hätte,  so  müsste  diese  und  sein  „Officium^^  doch  in  dein 
;,Proprium  Sanctorum  Hispanorum^^  zu  finden  sein^).  Da  hat  der  hei- 
lige Julian  von  Cuenca  ein  Officium  mit  einer  Octave.  Bei  dem 
8.  März  (an  welchem  Tage  im  romischen  Martyrologium  und  in  deri 
Acta  Sanctorum  Julian's  Namen  steht)  kommt  kein  Heiliger  in  dem  ProH 
prium  der  „Heiligen  Spanien's^^  vor.  —  Das  zu  Rom  am  10.  August 
1865  znlezt,  nach  den  frühern  Ausgaben,  revidirte  Proprium  enthält 
den  Julian  von  Toledo  nicht,  dagegen  zum  15.  November  den  Eogeniud 
(von  Toledo). 

§.  3. 

Ueber  die  ^altspanische  Liturgie  habe   ich   in  allen  fiinf  Bänden 

dieses  Werkes  gehandelt,  u.  a.  im  dritten  Bande,  S.  186 — ^209.    Diese 

Die  u  Liturgie,  wie  sie  uns  vorliegt,  ist  die  der  Kirche  von  Toledo,  welcfaej 

To-  durch  Julian  von  Toledo  ihre  dermalige  lezte  Grestalt  erhielt,  sie  unterlag 


Ton 


^^'  vom  Anfange  an  bis  etwa  zum  Jahre  690  vielfachen  Veränderungen, 
nach  dem  Jahre  690,  und  seit  dem  Ende  der  Groth^iherrschaft  blieb 
sie  unverändert,  und  blieb  die  Liturgie  der  spanischen  Kirche  bis  anf 
die  Zeiten  Gregorys  VU.  Vor  Julian  hatten  besonders  Eugen  IL  und 
Ildephons  theils  die  Form  der  Liturgie  verändert,  theils  neue  OfBcien 
imd  Messen  verfasst.  An  dem  Canon  der  Messe,  oder  der  sogenannten 
apostolischen  Messe  wurde  nichts  verändert  Die  Liturgie  wurde  mit 
dem  Jahre  400  abgeschlossen.  Später  lebende  Heilige^  wie  Augustin, 
Hieronymus,  Gregor  der  Grosse,  mussten  sich  mit  dem  Commune  Con- 
fessorum  begnügen,  keiner^  nicht  einer,  erhielt  ein  eigenes  Officiam. 
Der  lezte  Heilige  der  mittlem  Zeit,  der  in  das  Calendarium  der  moza- 
rabischen Liturgie  kam,  war  Thomas  von  Aquin  (f  1274).  68  Feste 
haben  eigene  Ofificien,  davon  sind  16  Heilige  Spanier,  die  übrigen 
Nicht^Spanier,   7  Römer,   3  Afrikaner,  3  Gallier,  5  Orientalen.    Nur 


')  Riitiab   1863—1861,  Paatet 


Die  alte  Liturgie.    Tairaco  nnd  Toledo. 


497 


\e  heilige  Leocadia  von  Toledo  hat  ein  Fest  mit  sechs  MitreD,   die 
>rigen  theils  mit  vier  Mitren,  theils  sind  es  Feste  von  nenn  Lectionen, 
D  weiterer  Beweis,  dass  die  Liturgie  aus  Toledo  stammt.    Diejenigen  i>*®  ^*- 
>€r,   welche   die   Existenz  Eugen'^  I.   von  Toledo,    des   angeblichen  .tammt 
^hülers  des  Dionysius  von  Paris,  vertheidigen,  müssen  sich  doch  ver-  »"•  '^^' 
ändert  fragen,  warum  derselbe  kein  eigenes  Officium  in  Toledo  hatte? 
efeiert  wnrde  er,  aber  nur  de  Communi  Martyrum,  am  15.  Nov.) 

Die  Festmessen  und  Officien,  welche  die  Kirche  von  Toledo  auS 
im  Festkreise  anderer  spanischen  Kirchen  aufnahm,  blieben  ganz  un- 
irändert,  so  die  Festmesse  der  apostolischen  Siebenmänner,  deren 
räfation  nur  fiir  Acci  passt,  die  Festmesse  des  heiligen  Fructuosus 
»D  Tarraco,  worin  es  u.  a.  heisst:  „Dieser  Ort  und  dieses  Volk  (von 
girraco)  ist  auf  ganz  besondere  Weise  durch  die  Gegenwart  (ihrer) 
irwiirdigen  Reliquien  geweiht.^  In  der  Festmesse  der  heiligen  Eulalia 
>n  Barcelona  heisst  es:  „Es  ist  da  jenes  hehre  Fest  der  heiligen 
alalia,  welches  wir  jährlich  zu  feiern  entschlossen  sind,  da  diese  Hei- 
;e  Bürgerin  und  Bewohnerin  dieser  Stadt,  den  Boden  ihrer  Vater- 
adt  auch  durch  die  Ehre  des  Begräbnisses  verherrlichte.  Lasst  uns 
srehren  in  unserer  Hingebung  die  Mitbürgerin.^  —  In  der  Festmesse 
38  heiligen  Felix  weisen  die  Worte  auf  Gerona  hin:  Felix  war  ein 
friger  Kaufmann  in  dieser  Stadt.  Das  Officium  des  heiligen  Vin- 
mtins  weist  auf  Saragossa. 

Da  die  Festmessen  der  Heiligen  der  Provinzen  Baetica  und  Lusi- 
iDien  sichere  ortliche  Hinweisnngen  nicht  enthalten,  so  sind  sie  viel- 
icht  alle  in  Toledo  entstanden,  zu  welcher  Ansicht  auch  der  Cardinal 
orenzana  hinneigt. 


3 


Litur- 
gie. 


§.4. 

Der  erste  Bischof  von  Toledo  erscheint  im  Jahre  306.     Wo  ein 
ischof  ist,  da  pflegt  eine  kirchliche  Liturgie  zu  sein.   Wer  hatte  das 
bcht,  den  Melantius  zu  weihen?  Woher  erhielt  Toledo  das  Christen-  Toledo 
im?  Es  gehörte  zur  Provinz  Tarraco.     Im  Jahre  258  gab  es  Bischöfe  ^^^'^\ 
Tarraco,   Saragossa  und  Astorga-Leon.     Gegen   den  Süden   war  racoe. 
lledo    durch  Gebirge  mehr  abgeschlossen.     Von  Tarraco,   nahm  ich 
kam  das  Christenthum  und  die  kirchliche  Hierarchie  und  Liturgie 
reder  direkt,   oder  über   Saragossa,   nach  Toledo.     Tarraco   aber 
fielt    die  Liturgie,   wie  das   Christenthum  von   Rom,   vielleicht  im 
Uten   christlichen  Jahrhundert.    In  dieser  Zeit  wurde   der   Gottes- 
ist   in  Rom   noch   in  griechischer   Sprache   gehalten.     In   Tarraco 
(ste    die  Liturgie  übersezt  werden,   was   einige  Abänderungen  zur 
Ige   hatte.     Die   „Präfation^^   der   Messe,    im    Gallischen   „Conte- 
kio'^  genannt,  heisst  im  Spanischen:  „Inlatio  oder  Illatio^S  was  eine 

\%mB,  epan.  Kirche.  III.  8.  32 


/ 


^ 


498       Eeoapitulation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Band. 

genaue  üebersezung  des  griechischen  a,«^«'  ist.  Dieser  überse^ten 
Liturgie  bediente  sich  der  Martyrbischof  Fructuosus.  Aus  der  Er  n- 
nell  an  dieselbe  sprach  er  am  21.  Januar  259  zu  de-  Cb„ste 
Felix  der  ihn  um  seine  Fürbitte  ansprach:  ,Ich  muss  der  ka&ohscheu 
K  che  ebgedenk  sein,  welche  vom  Morgenlande  bis  zum  Abenmando 
fuseebreitet  ist.«  Er  sprach:  7»  ments  me  habere  mces^  esteccUsrara 
3icl  ab  Ori^te  usque  ad  Occidentem  ^ffusam.  Im  Kanon  der 
aCan^hen  Messe  heisst  es  aber  nach  dem  S.ncius:^^Ecclenan.  san- 
\^rZholicam  ■  in  orationibus  in  mmte  habeamu,-  Wie  ich,  erklär: 
P  L?e^  bestelle  als  Beweis,  dass  diese  Liturgie  schon  un  Jahre 
Tmrr«o  „59  ;„  Tarraco  in  Uebung  gewesen.  „     .    • 

"•'^-  In  der  Commemoration  der  Lebendigen  heisst  es:    Es   bringen 

dar  das  Opfer  Gott  dem  Herrn  unsere  Bischöfe  (sacerdotes),  der  ro- 
^  chrPapst  (Papa  Romensis),  und  die  übrigen  -  Tur  sich  und  den 
miscne  ^^P     V     i^         __  ^^^  ^^^^^  ^^^  römischen  Papstes   ist    m 

rrWoZ  ausgesprochen.  Er  ist  der  erste  Bischof  der  Kirche ;  er 
W  voTaUen  und  allein  genannt.  In  Rom  kann  der  Celebraosmch: 
Tal:  es  opfert  der  römische  Papst  -  sondern  höchstens  unser  Papst. 
^Bisch^of.    Aber  ^ch  das  WO.:  P^^^ 

nicht  aus  Gallien,  nicht  aus  Africa,  nicht  aus  Sudspanien.    Denn  dor 
r^  man:    Papa  romanus,  ecdesia  romana.     Das    abnome  ^ort: 
RomenTis  -  kommt  nur  vor  in  der  Provmz:  Tarraconensis.     Diese: 
B^o-Wor^^Udung  konnte  nur  derjenige  anheimfallen,   an  dessen  O^en  d. 
n>i.ch,  ^  °  f  •„        bestandijj  klang,  nur  der,  bei  welchem  die  Provinz. 

^  wre'r  S    T.  wX^'er  iJ^,   diese  Endung  hatte.    Di^s  trifll 
"Z"  bei  den  Stadt;«:  Barcino,  Berda,  Girona,  Leon    Astorga  und  Tarra. 
-    zu      So  ist  es   erklärlich,  wie  der  üebersezer  der  Liturgie  (und  ma, 
kL  an  Fructuosus   selbst  denken)   den  „Papa  Romensis",  und  nicl 
Romanus«  in  dieselbe  brachte.    Der  „Papa  Romensis"  blieb  auch  u 
Komanus  ^  ^  ^^  dem  Canon  der  Messe  gar  nicht; 

?t'r  ^:  üTrzer  in  T^edo  -   ein  „Toletanus"  h.tte  siehe.- 

"^T  üefeltg^lr  Liturgie  aus  der  griechischen  Spradie  d^ote 
einiee  Ausdrücke  an.  Unser  „Sanctus"  heisst:  ,^os  («y«„)' .  Un..: 
Kvrie  ekison"  ist  eine  der  lezten  Erimierungen  d^  auch  die  rc- 
Se  Surgie  ursprünglich  in  der  griechischen  Spr«*e  gehalte: 
Xde  Die  Abgestorbenen  heissen  in  der  spanischen  Liturgie:  „pan 
wnrae.    x^ie  ^  »  .,.  ^      •  ^  jUg  Uebersezung  des  griechischen 

santes,  «P»"*f  P»"«'"*'"^  '  %ntsnreoheitd    dem  Zk^itwort  hat   de; 
navoiUvtov,   oder:    naveaitimv.     Jlintspreoneiiu 


Die  Liturgie  von  Tarraoo -Toledo.    Isidor  Aber  die  Liturgie.  499 

Uebersezer  das  Wort:  „pausatio**  —  „Ruhe  im  Tode  oder  im  Grabe"  ^^bitto 
gebildet.    In   der  Festmesse   der  heiligen  Eulalia  am    10.   December  Abge- 
wird  gebetet  für  die  Todten  nm:   (et  defunctis)   eterne  paasationis  so-  «'o'^e- 
latiam.    In  der  Messe  des  Papstes  Clemens  (L)  bitten  sie:   „pro  spi* 
ritibas  fideliam  reqniem  defunctoram^;   in  der  Messe  der  Erscheinung 
Christi  beten   sie:   „refrigerium   quietis   defanctis   accumnla^.    In  der 
Messe  der  Siebenmänner  wird  gebetet:  „pro  defunctis  omnibns";  ebenso 
in  den  zwei  Messen   der  heiligen  Jnsta  und  Rnfina.    In   der  „aposto- 
lischen^ Messe  heissen  die  Todten  „pausantes^,  im  Jahre  306:  „Sancti", 
später  gewohnlich  „defuncti''.  —    Die  tägliche  Messe   heisst:   „Missa 
cotidiana  Romensis^,  d.  i.  der  Canon  der  Messe,  der  von  Rom  kam.  — 
Die  Diaconen  heissen  in  der  Liturgie  „diaconi^,  ebenso  auf  der  Synode 
zu  Elvira  —  306;  im  Jahre  400  und  später  heissen  sie  diacones  (aber 
die    beiden  Diaconen    des    heiligen    Fructuosus    heissen   auch    schon 
diacones). 

Die  Liturgie  der  drei  nördlichen  Provinzen  leite  ich  von  Tarraco 
her,  wohin  sie  vor  dem  Jahre  259  aus  Rom  gekommen,  aber  in  Spa- 
nien war  iibersezt  worden.  Es  ist  aber  wahrscheinlich,  dass  dieselbe 
Liturgie  aus  Rom  schon  früher  nach  Sudspanien  gekommen^  weil  hier  ^^^^^^ 
das  Christenthum  schon  im  ersten  Jahrhundert  in  den  obengenannten  Bpanien. 
Städten,  und  wohl  auch  in  Sevilla  und  Cordova  eingeführt  wurde. 
Die  Liturgie  der  Provinz  Baetica  ist  uns  aber  nicht  bekannt.  Isidor 
von  Sevilla  sagt  in  seiner  Schrift:  „über  die  kirchlichen  OfScien^,  dass 
die  Responsorien  aus  Italien  stammen,  dass  das  „Allelnja^  in  Spa- 
nien, ausgenommen  die  Fastenzeit,  das  ganze  Jahr  hindurch  gesungen 
werde,  „nach  der  alten  spanischen  Ueberlieferung^.  „Die  Ordnung 
der  Messe  aber  und  der  Orationen,  durch  welche  das  Gott  darge- 
brachte Opfer  consecrirt  wird,  ist  zuerst  von  dem  heiligen  Petrus  ein- 
geführt worden,  deren  Feier  zu  einer  und  derselben  Zeit  der  ganze 
Erdkreis  begeht."  Die  apostolische  Messe  hat  also  auch  Spanien  aus 
Korn  erhalten.    Ihre  Beschreibune:  bei  Isidor  weist  einige  Verschieden-  ^""^"^^^  ^ 

gevlila 

heiten  von  der  nordspanischen  auf.  Sieben  Orationen  zählt  Isidor^ 
sieben  hatte  auch  Toledo,  die  Beschreibung  im  Einzelnen  passt  aber 
nicht  ganz.  Auf  eine  nähere  Beschreibnng  der  heiligen  Messe  geht 
Isidor  nicht  ein.  Ueberhaupt  enthält  sein  Werk  wenig,  was  nicht 
anderwärts  bekannt  wäre.  —  Leander  von  Sevilla  hat  nach  dem  Zeug- 
nisse IsidoT^s  fast  die  ganze  Liturgie  neu  bearbeitet.  Braulio  zählt 
alle  ihm  bekannten  Werke  Isidof^e  auf;  die  Meinung  aber,  dass  Isidor 
die  gothische  Liturgie  bearbeitet  habe,  kam  im  späten  Mittelalter  auf. 

Der  zweite  Canon  der  vierten  Synode  von  Toledo  verordnet:  In  Cnnonii 
ganz  Spanien  und  Gallien  (soweit  es  zu  Spanien  gehörte),  soll  eine  und  g' ^^^^^' 
die  gleiche  Art  des  Psallirens,  ein  Ritus  bei  der  Messfeier,  der  Vesper  und  v.  jahra 
Matutin  beobachtet  werden.   Dieser  Canon  bedeutet  nicht  die  Einfuhrung    ^'' 

32* 


500       RecapitaUtion  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Band. 

einer  nenen  Liturgie,  sondern,  dass  namentlich  Galicien  (vielleicht  anck 
Gallien)  den  Ritus  der  übrigen  Kirchen  annehme.  Auch  Dr.  He.ftlt 
tritt  dieser  Ansicht  bei  (Concil.  Gesch.,  2.  Aufl.,  3.  Bd.,  1877,  S-  8U.), 
indem  er  sagt:  „Garns  bestreitet  die  Meinung,  dass  durch  diesen  Canon 
die  mozarabische  Liturgie  in  Spanien  entstanden  sei.  Der  Canon  ver- 
ordnet ja  nicht  die  Einfuhrung  einer  neuen  Liturgie,  sondern  will,  das^ 
die  in  dem  grossten  Theil  des  Westgothenreichs  bestehende  Liturgit 
auch  in  den  übrigen  Theilen  durchgeführt  werde.^ 

Meine  Ansicht  über  den  Ausgang  der  „mpzarabischen  Messe"* 
aus  Toledo  theilt  auch  Herr  Eug.  Stern,  (protestantischer)  Pfarrer  in 
Bischweiler,  da  er  mir  am  6.  Januar  1878  u.  a.  schrieb:  „Ich  habe 
die  vier  erschienenen  Bände  (der  spanischen  Kirchengeschichte)  nicht  blobs 
durchgelesen,  sondern  durchgearbeitet,  und  ich  stehe  nicht  an  — ^  u.  s.  w. 
„Es  ist  Set.  Pauli  Reise  nach  Spanien,  und  ihr  Yerhältniss  zur 
mozarabischen  Messe,  das  mir  besonders  schwierig  war.  Diese  moz- 
arabische Messe  ist,  wie  ich  völlig  mit  ihnen  übereinstimme,  die  Mes^f 
der  Stadt  Toledo;  sie  hat  sich  im  Lauf  von  sechs  Jahrhunderten  zu 
der  Gestalt  ausgebildet,  in  der  wir  sie  gegenwärtig  haben.  Sie  ist  dub 
wichtigste  Document  für  das  kirchliche  und  religiöse  Leben  Spaniens 
in  ihrer  (seiner?)  ersten  Entwicklung:  —  sie  enthält  wichtigere  ältere. 
ja  ganz  alte  Bestandtheile  —  diess  Alles  halte  auch  ich  für  völlig  be- 
gründet.^   Und  später: 

„Darf  ich   vielleicht  das  Bedauern   ausdrücken,   dass  Sie    nicbi 
in  allen  Stücken  mit  der  Freiheit  des  Geistes  und  Loslösung  von  ge- 
heiligten historischen  Traditionen  vorangegangen  sind,  welche  ich  und 
noch  andere  in  Ihrem  Urtheil  über  Eugenius  von  Toledo,  und  beson- 
ders über  Set.  Jacobus  bewunderten.^   (Es  folgen  weitere  Lobsprücbe.'i 
—   In   einem  spätem   Briefe  kommt  Herr  Pfarrer  Stetm  auf  dasselbe 
Thema  zurück,  und  sagt,  dass  man  keinen  sichern  historischen  Boden 
^'®    unter  den  Füssen   habe,   bevor  nicht   alle  Codices    der  altspanischen 
Codices  Liturgie  zur  Einsicht  uns  vorliegen.   Das  meine  ich,  und  meinte  auch 
der  LI-  p^  Burid  im   vorigen  Jahrhundert.     Aber  ich  furchte,    dass   wir  die 
„an.    Herausgabe  dieser  Codices   nicht  erleben  werden,   weil  der  spanische 
edirt«.  ^]Qj.|]g  seine  alten  Einkünfte  verloren  hat,  und  weil  auch  der  Regierung 
die  Ausgaben  für  dieses  Werk   zu  gross   sein   düriten.     Ich  gestehe 
gerne  ein,  dass  ich  den  überzeugenden  Beweis  nicht  gefuhrt  habe,  dass 
die  römische  Liturgie  vor  dem  Jahre  259  nach  Tarraco  kam,  und  dort 
in  das  Lateinische  übersezt  wurde.   Sicherer  scheint  mir  zu  sein,  dass 
die  Liturgie  von  Tarraco  nach  Toledo  kam. 
Freund  Auch  mein  jüngerer  Freund  Joh.  PiUZj  zur  Zeit  Kaplan  in  Vclbui  g 

^^°'  (B.  Eichstädt),  früher  beschäftigt  mit  Studien  über  den  ürsprimg  der  alten 
kölnischen  Liturgie,  hat  meine  „Studien^  über  die  altspanische  Liturgie 
mit  grossem  Interesse  verfolgt,  und  wurde^u.  a.  von  dem  Saze  frappirt:- 


Alte  Liturgie.    Toledo  and  Rom.  501 

!a88  man  in  der  alten  spanischen  Liturgie  Tielleiclit  noch  Bestandtheile 
er  ältesten  romischen  Liturgie  finde. 


§.  5. 

Im  Jahre  1862  habe  ich  auch  die  Frage  von  dem  Ursprünge  der 
^genannten  Yetus  Itala,  oder  lateinischen  Bibelübersezung  vor  der 
Vulgata^  behandelt*  Seitdem  ist  über  diese  Frage  eine  kleine  Literatur 
[-wachsen.  Damals  befand  sich  die  Ansicht,  die  „Itala^  sei  in  Italien, 
iebt  in  Afrika^  entstanden,  in  grosser  Minderheit.  Heute  befinden  sich 
ie  Vertheidiger  des  afrikanischen  Ursprunges  der  „ItaW^  theils  in  der 
defensive,  theils  auf  dem  Rückzuge.  Die  „Itala"  ist  in  Italien  ent- 
banden. Die  Zeit,  wann?  —  wusste  auch  Augtutinus  nicht.  Ihre 
leimath  ist  sehr  wahrscheinlich  —  Rom;  da  aber  diess  noch  nicht 
ewiesen  ist,  Augustinus  es  auch  nicht  wusste,  so  begnügen  wir  uns  zu 
Igen:  sie  entstand  in  Italien,  und  neben  ihr  gab  es  zahlreiche  andere 
fcbersezungen;  ihr  aber  gibt  Augustinus  vor  allen  andern  den  Vorzug^). 


§.  6. 

Von  der  spanischen  Liturgie  bin  ich  zu  dem  wenig  erquicklichen    di 


e 


Kirche 
vou  To- 


Lapitel  12  des  achten  Buches  übergegangen:   Die  Kirche^ von  Toledo 
od   die  Kirche  von  Spanien,   S.  210—222.     Die  Kirche  von  Spanien    ledo 
od  die  Kirche  von  Rom,  S.  222—238.    Ich  habe  nachgewiesen,  dass  ^^^^^^^ 
er  Primat  über  alle  Bisthümer  Spanien's,   den  Julian  im  Jahre  681  ▼.  spa- 
archfohrte,   eine  durch  nichts  gerechtfertigte  Neuerung  war.    Weder   ''*'^°' 
i  Spanien,  noch  in  andern  Ländern  hatte  man  bis  jezt  einen  solchen  „^^  ju. 
rimat  gekannt,   der  alle  kirchliche  Gewalt  in  allen  Bisthümem   des   ii&>^*<i 
eichs  in  die  Hand  eines  einzigen  Mannes  legt.    Dieser  Primat  trug  im    ^^^ 
^eime  sowohl  die  Losreissung  von  Rom,  als  auch  die  Erhebung  gegen 


*)  Ans  Anlass  meiner  Abhandlung  hat  ein  0.  behauptet,  ich  habe  meine 
orsohnngen  Aber  diese  Frage  aus  dem  Lexikon  von  Klotz  „herausgeforscht.  ^  0.  wird 
Der  der  grOflsten  Forsoher  aller  Jahrhunderte  sein,  sobald  er  aus  obigem  Lexikon 
leraosgeforsoht*  haben  wird,  dass  der  lateinische  Irenaus,  der  lateinische  Hirte 
'S  HermaSy  das  sogenannte  Fragment  des  Muratori,  die  Vüter  von  Elvira,  nnd  dass 
srtollian,  mit  welchem  ich  obige  Schriften  verglichen  habe,  um  zu  zeigen,  daas 
r  Latein  ebenso  „afrikanisch^  gef&rbt  sei ,  wie  das  des  TertuUian,  dass,  sage  ich. 
ese  Schriften  dem  Verfasser  obigen  Lexikons  als  Quellen  gedient  haben.  Aus 
aem  andern  Gmnde  bin  ich  aber  0.  nicht  wenig  dankbar.  Ich  habe  meine»  Feder 
e  „kühnen^  Worte  entfliessen  lassen:  „Ich  könnte  ein  Buch  schreiben^  (tlher  die 
ala).  So  oft  mein  Auge  auf  diese  Worte  fiel,  ärgerte  ich  mich  an  ihnen.  0.  hat 
ch  gleichfalls  an  ihnen  mit  Kecht  gestossen.  Ich  widerrufe  nun  feierlich  die 
^orte:  „Ich  könnte  ein  Buch  schreiben";  und  ich  rufe  ebenso  feierlich:  „loh  könnte 
nn  Buch  schreiben." 


502      Eecapitnlation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Band. 

das  Königtham  in  sich.  Schon  Sisbertos^  der  nächste  Nachfolger  des 
Julian  (f  690),  war  nicht  zufrieden  mit  der  Gewalt  eines  Universal- 
bischofes  von  Spanien.  Er  wollte  den  König  Egica,  dem  er  seine  Er- 
hebung verdankte,  stürzen,  nicht  bloss  so,  wie  Erwig,  der  den  Julian 
seinen  ;,Primat'^  durchfuhren  Hess,  den  Wamba  gestürzt  hatte.  Er 
wollte  den  König,  die  Königin^  die  Söhne  und  die  Töchter  des  Königs 
durch  Mord  aus  dem  Wege  räumen.  Die  Synode  vom  Jahre  693  wirft 
ihm  „superbia^^  und  „peijurium^^  vor.  Sein  Plan  wurde  entdeckt,  er 
selbst  abgesezt  und  verbannt  Sein  späteres  Schicksal  liegt  im  Dunkel. 
Dass  aber  schon  der  zweite  Primas  ein  so  schreckliches  Ende  nahm, 
spricht  nicht  für  die  Grüte  dieses  Primats. 
Eagoni.  Schon  Eugcu  I.  von  Toledo,  Erzbischof  seit  Januar  oder  Februar 

Toledo.  636,  schrieb  zum  Antritte  seines  Amts  an  Isidor,  und  sprach  seine 
Bedenken  gegen  den  römischen  Primat  aus.  Ihm  antwortete  Isidor  kurz 
vor  seinem  Tode:  „Obgleich  die  Würde  seiner  (Christi)  Gewalt  auf 
alle  katholischen  Bischöfe  übergegangen  ist,  so  bleibt  sie  doch  durch  ein 
besonderes  Privilegium  dem  römischen  Oberhirten,  als  dem  Haupte,  da5 
erhabener  ist,  als  die  übrigen  Glieder,  bis  zum  Ende  der  Zeiten  in 
ausgezeichnetem  Grade.  Wer  ihm  also  nicht  in  Ehrfurcht  den  schul- 
digen Gehorsam  leistet,  der  trennt  sich  von  dem  Haupte,  steuert  dem 
Schisma  der  Akepbaler  zu,  und  ihn  treffen  die  Worte  in  dem  Symbol 
des  Athanasius:  9,Wer  dieses  nicht  treu  und  fest  glaubt,  der  kann 
nicht  selig  werden.^^ 

Wenn  Isidor  noch  im  Jahre  638  gelebt  hätte,  so  hätte  Brauli* 
von  Saragossa  sicher  nicht  jenen  zomglühenden  Brief  an  Papst  Hono  | 
rius  I.  geschrieben,  den  wir  S.  224 — 227  mitgetheilt  haben.  —  Eine 
jQiian's  ^^gar  wenig  höfliche  Sprache'^  des  „Primas^^  Julian,  kaum  dass  t- 
^J^'  seinen  Primat  im  Jahre  681  „(lir  die  ganze  Ewigkeit  der  Zeiten'^  fest^ 
gestellt  hatte,  gegen  die  Päpste  geführt,  haben  wir  auf  S.  233 — 2r>.'| 
erzählt. 

§.  7. 

Wie  die  spanische  Liturgie  nur  zunächst  die  Liturgie  der  Kirch 
von  Toledo  war,  so  war,  nach  meiner  Ueberzengung,  die  „CoUecti 
Canonum  Hispana^  in  Toledo,  zum  Zwecke  einer  historischen  Be^ 
gründung  der  Machtansprüche  Toledo's  angelegt.  Die  Sammlung  selb^ 
bestand  schon  um  das  Jahr  632,  sonst  hätte  Isidor  von  Sevilla  nioh 
ein  Kapitel  aus  derselben  in  seine  „Etymologieen"^  aufnehmen  konm^D 
die  im  Jahre  632  schon  vollendet  waren.  Ich  kann  aber  die  Arga^ 
mente  für  meine  Ansicht  nicht  wiederholen.  Bisher  hat  Niemand  aucl 
nnr  wahrscheinlich  gemacht,  dass  Isidor  irgend  einen  Antheil  an  dei 
Sammlung  gehabt.  Ich  habe  mich  für  Toledo  als  den  Ort  ihrer  Ent« 
stehung  ausgesprochen,  und  dafür  spricht  u.  a.,  dass  diese  SammlunJ 


Die  alte 
€k)lle< 


nonum. 


Toledo  und  Spanien.  Felix  Dahn  über  interpolirte  Akten  der  Sammlnng.    503 

ie  Synode  von  Emerita  ▼cm  Jahre  666  nicht  enthält,  welche  zu  einer 
eit  gehalten  wurde,  wo  man  in  Toledo  nicht  den  Muth  fand,  den 
Unmuth^  des  Königs  Receswinth  in  seiner  spätem  schlimmen  Zeit  zu 
rtragen^).  Ich  habe  femer  mein^  Ansicht  dahin  ausgesprochen,  dass 
Bischof  Aurasius  von  Toledo  im  Jahre  6!0 — 611,  und  der  Primas- 
Julian  die  Urheber  dieser  Sammlung  seien.  ^ 

Auch  Felix  Dahn  hat   (thcils  vor  theils  nach  mir)   seine  Ueber-' 
Zeugung   ausgesprochen,   dass  einige  Bestandtheile   der  Collectio  Ca- 
non um  interpolirt  oder   unterschoben  seien*).    Er  hält  die  Akten  deretio  c*- 
Synode  von  Toledo  vom  Jahre  610  für  entschieden  falsch;  1)  weil  die 
Sprache  entschieden  abweiche   von   den  ächten  Schriftstücken  der  Zeit 
vom  Jahre  610.    2)  Zwei  Absäze  des  Textes  seien  so  geschrieben,  wie 
man  dazumal  nach  Allem,  was  wir  wissen,  in  Spanien  nicht  schreiben 
konnte.  Die  Akten  werden  verdächtig  durch  das  entschieden  falsche  An- 
hängsel der  drei  Bittschriften,  welche  in  übrigens  viel  schlechterm  Latein 
vcifasst  seien.    Jedenfalls  sei  der  hier  genannte  Aemilianus  unvereinbar 
mit  dem  in  den  Akten  der  Synode  aufgeführten  Jacobus  von  Mentcsa. 
Auch   die  Gründe  für  die  Unechtheit  des   sogenannten  decretum 
Gundemari  scheinen  dem  Fdix  Dahn  „überwiegend^.    Verdächtig  sei, 
dass  sich  Gundemar  das  sonst  unerhörte  Praedicat  „majestas   nostra^' 
beilege ;  niemals  begegnet  sonst  dieses  Prädikat  bei  den  Gothenkönigen. 
Auffallend  sei  die  historische  Gelehrsamkeit  des  „Decrets^^   Die  Unter- 
schrift des  Isidor  von  Sevilla  sehe  ganz  nach  der  Absicht  aus,  mit  der 
Auktorität  dieses  Namens  zu  wirken.    Endlich   fällt  am   meisten   auf, 
dass   gleichzeitig  mit  den  15  Bischofen  der  (Provinz)  Carthaginiensis 
noch  4  Metropolitane   und  22  Bischöfe   aus   dem   ganzen  Reich,   also 
fast  der  ganze  spanische  Episcopat  vollzählig,   am  Hoflager   sich  be- 
fanden  haben  sollen,   während  doch   feststeht,   dass   ein  Reichsconcil 
unter  diesem  Eonig  „nicht  gehalten  wurde^^ 

Wenn  nun  Felix  Dahn  Recht  hat,  wenn  der  lezte  Sammler  der 
Collectio,  welcher  unbestreitbar  Julian  von  Toledo  war,  falsche  oder 
interpolirte  Schriftstücke  in  die  Sammlung  aufnahm,  offenbar  nicht, 
um  den  Vorrang  Toledo's  herabzudrücken,  so  habe  ich  auch  nichts 
sonderbar  Ehrenrühriges  gegen  ihn  oder  seine  Mithelfer  gesagt,  wenn 
ich  behauptete,  dass  der  oder  die  Sammler  das  Wort :  Johannes,  Bischof 
ron  Tarraco  absichtlich  in:  Johannes,  Bischof  von  Dici  (Illicitanae  eccle- 
siae),  vor  Allem  aber,  dass  der  oder  die  Sammler  den  Brief  des  Papstes 
[nnozenz  L  vom  Jahre  404  absichtlich   oder  tendenziös   verstümmelt 


*)  Qnia  non  erat  adanandomm  pontificam  olla  praeceptio  (i.  e.  regia).  Weil 
Eteceswinth  nicht  befahl,  es  sollten  Goncilien  gehalten  werden,  so  wurden  auch 
18  Jahre)  keine  gehalten,  aus  Furcht,  ihm  zu  missfallen. 

*)  Könige  der  Westgothen,  1870,  S.  175,  VJL  (440.) 


504      Recapitniation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Band. 

habe.  Nur  den  ersten  Theil  der  Einleitung  theilt  der  Sammler,  und 
diesen    willkürlich  verändert,   mit.    Sodann  lässt  er   das  ganze  erste 

^^^'  Kapitel  mit  vier  Abschnitten ,  sowie  das  zweite  Kapitel  ganz  ans. 
sei  nndTrozdem  hat  er,  um  glauben  zu  machen,  dass  er  die  ganze  Decretale 
AnsiHs- Qiitgetheilt,  auch  seinen  Auszug  in  sechs  Abschnitte  getheilt,  wie  sie 

darin,  ^ic  «Kchte  Dccretale  enthielt.  Es  ist  lächerlich  zu  sagen,  er  habe  nur 
das  Unwichtige  ausgelassen.  Haben  denn  die  übrigen  103  Stucke  der 
Sammlung  lauter  Wichtiges  enthalten,  weil  er  dieselben  unverändert 
mittheilt^  und  nur  diese  Decretale  unwichtigen  Ballast?  —  AberBischot 
Hilarius,  der  in  Jahren  400 — 404  in  Rom  Klage  führte  über  die  trau- 
rige Lage  der  Kirche  in  Spanien^  war  sehr  wahrscheinlich  Metropolit 
der  Provinz  Carthaginiensis ,  und  jedenfalls  nicht  Bischof  von  Toledo 
(dieser  war  vielmehr  Asturius,  der  neunte  Bischof  von  Toledo),  und 
es  sollte  vergessen  werden,  dass  es  eine  Zeit  gegeben  habe,  in  der 
Toledo  nicht  Metropole  gewesen. 

'        §.  8. 

Die  Ml-  In  ^^m  Kapitel  über  die  Kezerei  der  Migetianer  habe  ich  gesagt, 

ner.  es  scheiuc  mir  wahrscheinlich,  dass  das  dem  Elipandi^s  zugeschriebene 
„opusculum^  gegen  sie  eine  Arbeit  des  Orientalen,  „des  Bruders  Me- 
litOy  oder  Milita^  sei,  und  dass  von  Elipandus  nur  die  kräftigen  Schimpf- 
worte herstammen,  in  deren  Handhabung  er  eine  ausgezeichnete  Vir- 
tuosität erlangt  hatte. 

In  dem  Kapitel  „Die  Adoptianer^,  neuntes  Buch,  drittes  Kapitel 
EUpon.  (261 — 298),  habe  ich  zweierlei  beweisen  wollen.   Erstens  die  „Brüder* 
da»  der  yQQ  Cordova ,   d.  i.  die  dort  mit  den  Arabern  eingewanderten  Nesto- 
tianeru.  rianer  haben  den  Elipandus   zu   ihrer  Irrlehre   gebracht   und  verfuhrt, 
Bruder  q^^   f^j.   \)^j,q  Zweckc  die    mozarabischc  Liturccie  ausgebeutet,   in   der 
sie   einzelne   missverständliche  Stellen   für   ihre  Häresie   fanden.     Der 
Adoptianismus   ist   demnach  reiner  Nestorianismus.     Eigentlicher  Ur- 
heber desselben  ist  der  Priester  j^Milita^^j  der  dem  Elipandus  wieder- 
holt  „vier  Quaternionen^^  Schriftstücke   zusandte.     Derselbe  ist   Ver- 
fasser der  Chronik,  die  den  Namen  des  „üfeZiVo^^  trägt,  und  sehr  wahr- 
scheinlich auch  Verfassev  jener  Chronik^  die  bis  zum  Jahre  758  reicht, 
bis  zur  Herrschaft  der  Ommajaden  in  Spanien,  und  den  falschen  Namen 
des  Isidor  von  Face  trägt,  der  nachweisbar  niemals  existirt  hat.    Dass 
diese   Chronik    nur    in   Cordova    geschrieben   sein   konnte,    hat  auch 
R.  Dozy  nachgewiesen.    Es   hat   aber   dem  Bruder  ,yMelito^^   gefiedlen, 
die  Chronik   nicht   über  das  Jahr  758   fortzusezen,  weil   er  einerseits 
die  Behandlung   der  Christen   unter   den  Chalifen    nicht  loben  konnte, 
aber  auch  nicht  tadeln  wollte,  weil  er  unter  ihrem  Schuze  leben  musste. 
Ein    liebliches   Kapitel    ist   das   über:    „Die  Bekenner  und  die 


Die  Jacobua- Frage«  Heilige  Leiber  verloren  und  wieder  gefunden.        505 

Märtyrer  von  Corduba"  (839—864),  S.  299-^338;  aber  ich  wusste  in  ^ 
demselben  nichts  Neues  vorzubringen.    Gleichzeitig  mit  mir  bat  Graf  rer  von 
Wolf.  Wilh.  Baudüsin  erscheinen  lassen :  „Eulogius  und  Älvar.    Ein  cordub« 
Abschnitt   spanischer  Kirchengeschichte  aus  der  Zeit  der  Maurenherr-    864). 
Schaft/^  213  S.S.,  Leipzig,  1873.  Das  Buch  ist  mit  Wärme  geschrieben. 
Aber  auch  hier  habe  ich  nichts  gefunden,  was  nicht  aus  Florez  schon 
bekannt  vear.  -^  Es  folgt  (5.  Kapitel :)  Das  Reich  Asturien  (Leon)  und 
die  spanische  Mark  im  neunten  Jahrhundert  (S.  339 — 360,  vro  der  im 
Jahre  799  —  82jährige  Elipandus   und   der  vielleicht  auch    82jährige 
Bruder  „Milita^^  noch  einmal  neben  einander  erscheinen. 

Es  folgt  das  zehnte  Buch.  Jacobus,  der  Apostel  und  Patron  von 
Spanien.  Von  Compostella  nach  Toledo  (Jahr  900  — 108;)) ,  und  als 
erstes  Kapitel:  Jacobus  der  Aeltere,  S.  361 — 396.  —  Es  ist  mir  keine 
Beurtheilung  der  von  mir  aufgestellten  Hypothese  zu  Gesichte  ge- 
kommen. Ich  sagte  aber,  von  der  Zeit  von  521  n.  Ohr.  bis  756  ist 
meine  Behandlung  der  Frage  Theorie  oder  Hypothese,  vom  Jahre  756 
an  aber  ist  sie  beglaubigte  Geschichte.  Dass  der  Leib  des  heiligen  ^^^  ^* 
Jacobus  in  den  Jahren  521 — 525  in  das  Erlöster  Raithu  von  Jerusalem  jn 
in  ähnlicher  Weise  gebracht  vfurde,  vrie  der  Leib  der  heiligen  Catha- ^***^^^ 
rina  von  Alexandrien  nach  Sinai  gebracht  veurde  (wofür  man  den 
Alexandrinern  zur  Beschveichtigung  ihres  Unv^illens  den  Leib  des  hei- 
ligen Antonius  aus  der  Thebais  zuführte),  ist  meine  Yermuthung,  die 
ich  nicht  beweisen  kann.  Die  Spanier  sagten,  der  Leib  des  Heiligen 
sei  in  einer  halben  Stunde  „per  ratem^^,  mittelst  eines  K^nes  vom 
Hafen  Joppe  nach  Ina- Compostella  sogleich  nach  dessen  Tod  im 
Jahre  41  gekommen.  Ich  glaube,  „ratis^,  der  Kahn,  ist  ein  Missver- 
ständniss,  das  aus  „Rathensis^  entstand.  Die  drei  Mouche:  Athana- 
sius,  Theodor  und  Petrus  „Rathensis''  (eigentlich  sollte  es  heissen 
Kaithuensis,  oder  auf  alle  drei  bezogen,  Raithuenses)  brachten  den  Leib 
des  heiligen  Jacobus  aus  Kloster  Kaithu  zuerst  nach  Saragossa,  wo  er 
in  der  unterirdischen  Kapelle  der  Kirche  jidel  Pilar^  ruhte  und  ver- 
ehrt wurde,  bis  er  zur  Maurenzeit  nach  Galicien  gebracht  wurde« 

Im  Jahre  1874  hatte  ich  keine  Meinung  über  die  Richtung  des 
Weges,  ob  zur  See  oder  zu  Lande,  die  sie  eingeschlagen  haben,  und 
habe  auch  im  Jahre  1879  keine  Yermuthung.  Im  Jahre  1874  hatte 
ich  eine  Yermuthung  über  die  Zeit  der  Uebertragung,  dass  sie  nämlich 
in  den  Jahren  700 — 711  geschehen  sei,  habe  aber  diese  Yermuthung 
aicht  ausgesprochen. 

Jezt  aber  spreche  ich  sie  aus,  da  man  im  Februar  1879  nach 
tagelangem  oder  wochenlangem  Suchen  den  Leib  des  heiligen  Jacobus 
in  der*  Kirche  von  Compostella  gefunden  hat,  und  neben  demselben 
die  Gebeine  oder  doch  Gräber  seiner  beiden  Jünger,  d.  i.  nach  meiner 
AnaicJit  der   beiden    Mönche   Theodor    und   Athanasius    aus   Raithu, 


506       Reeapitnlation  des  ganzen  Werkes.   Drittes  Kapitel.  Der  dritte  Band. 

Petrus  Rathensia  kann  vorher  gestorben,  oder  auch  nach  Braga  sieb 
begeben  haben.  Die  Bracarenser  hielten  oder  halten  ihn  für  ihren 
ersten  Bischof,  wie  man  den  Athanasins  und  Theodor  für  die  ersten 
Bischöfe  von  Saragossa  gehalten  hat. 

Im  Allgemeinen  ist  die  jüngst  erfolgte  Wiederanffindung  der  Ge- 
beine des  heiligen  Jacobas  eine  Bestätigung  der  von  mir  aufgestellten 
in  Sara-  Thcorie.  Wcuigstens  zweimal  hatte  man  aber  das  Grab  des  heiligen 
compo-  JACobns  vergessen  und  verloren,  nämlich  in  der  Zeit  von  756  bis  829, 
«taiia.  mi(]  dann  wieder  in  neuerer  Zeit  Ein  solches  Vergessen  und  Verlieren  der 
Gräber  der  Heiligen  kommt  in  allen  Jahrhunderten  und  kommt  sehr  häufig 
vor.  Man  denke  an  den  Leib  des  heiligen  Augustinus  in  Pavia,  au  die 
Leiber  der  heiligen  Protasius  und  Gervasius,  der  Märtyrer  von  Mailand, 
deren  Leiber  der  heilige  Ambrosius  wieder  aufgefunden,  und  bei  denen 
er  begraben  werden  wollte.  Noch  nicht  hundert  Jahrewaren  seit  dem 
Martyrtode  der  heiligen  Justus  und  Pastor  verflossen,  und  erst  nach 
langem  mühevollen  Suchen  fand  der  Bischof  Asturius  von  Toledo 
(c.  388)  ihre  Gräber,  und  begrub  dortPauIinus  von  Nola —  um  391 — 392 
—  seinen  Sohn  Celsus.  —  Erst  nach  langem  Suchen  konnte  der  Leib 
des  heiligen  Marcus,  den  sich  die  Venetianer  eigentlich  auf  Schleich« 
wegen  erworben  hatten,  in  der  Marcuskirche  wieder  aufgefunden 
werden. 

Die  Gebeine  des  heiligen  Franciscus  von  Assisi  waren  im  Jahre  1230 
in  der  Kathedrale  beigesezt  worden,  seitdem  aber  nicht  mehr  gesehen 
Der    worden.     Nach   einer  Arbeit  von  vielen  Tagen   wurde   der  steinerne 
heiugtr^arg   aufgefunden,    in   welchem   der  Leib   des  Heiligen  ruhte.      Am 
Franz.  5.  September  1820  erliess  Papst  Pius  VIL  ein  Breve,   durch  welches 
Auiri.  ^^  entschied,  dass  die  Identität  des  Leibes  für  hergestellt  zu  erachten 
sei  ^).  —  Man  fühlt  sich  zu  der  Behauptung  versucht,  dass  im  Laufe 
der  Zeiten  die  Grabstätte  der  Mehrzahl  der  Leiber   der  Heiligen  ver- 
gessen wurde.    In  keinem   Falle   wäre   der  Schluss  ein  berechtigter, 
dass   der  Leib   des  heiligen  Jacobus  desswegen   nicht  in  Compostella 
ruhe,  weil   der  Ort  seines  Grabes  seit  so  langer  Zeit  vergessen  war. 
Der  in   unsern  Zeitungen   ohne  Datum,   aber  wohl   im  Februar  1871* 
erschienene  Hirtenbrief  des  Erzbisohofs  Paya  y  Rico  theilt  mit,   dass 
man  nach  langem  Nachgraben   in   einem  Gewölbe  unter   der  Sacrisui 
das  Grab  des  Heiligen  und  seiner  zwei  Gefährten  gefunden,   dass  bei 
dem  AufBnden  einer  der  Arbeiter  gerufen  habe:  Ich  sehe  nichts  mehr, 
und  zeitweiliger  Betäubung  verfallen   sei.    Spätere  Nachrichten  sind 
mir  nicht  zu  Gesichte  gekommen. 


»)  Das  Breve  steht  bei  CappeUetH,  le  Chiese  d'Italia,  t.  V.,  1846,  p.  170— 18J, 
und  iD  BuUarii  Romani  Continuatio  von  (1758-1884),  t.  XV.,  Rom.  1853,  p.  821—32:. 


Verlorene  und  wieder  gefundeoe  heilige  Leiber.  Sinai  und  B«ithn,  e.  700.    507 

Ich  bin  aber  darch  die  Thatsache  der  Auffindung,  an  der  ich 
nicht  zweifle,  in  einer  Yermuthung  über  die  Zeit  der  Uebertragung 
aus  Raitha  nach  Saragossa  bestärkt  worden,  die  ich  jezt  erst  ausspreche. 
Nach  den  Annalen  des  Patriarchen  Entychius  von  Alexandrien  ^)  baute 
Kaiser  Justinian  den  Mönchen  am  Sinai  eine  Kirche  zu  Kolzum  (Suez), 
ein  Kloster  zu  Rayeh  {nach  Ritter  Raithu)^  und  ein  Kloster  auf  Sinai, 
so  fest,  dass  kein  Kloster  in  der  Welt  fester  wäre. 

Justinian's  Legat  baute  in  Kolzum  die  Kirche  des  heiligen  Atha- 
nasius,  und  das  Kloster  Rayeh.  Das  Kloster  auf  dem  Sinai  baute  er 
bei  dem  Dombusch  (des  Moses).  Zweihundert  Sklaven  mit  Weibern 
und  Kindern  sandte  er  eben  dahin  zum  Schuze  und  zum  Dienste  der 
Mönche.  Der  Ort,  wo  die  Sklaven  wohnten,  hiess  noch  956  Deir-el- 
Abid  (Kloster  der  Sklaven).  —  Diese  Sklaven  mehrten  sich  sehr;  unter 
ihnen  verbreitete  sich  der  Islam  — ,  um  700  unter  dem  Chalifen  Merwan; 
sie  fielen  über  einander  her,  und  tödteten  sich.^  Viele  wurden  er- 
schlagen, viele  flohen,  andere  bekannten  sich  zum  Islam.  Ihre  Nach- 
kommen waren  noch  um  950  Muhamedaner  und  hiessen  ,|Knechte  des 
Klosters".«) 

In  dieser  Zeit  der  allgemeinen  Verwirrung  und  Auflösung  nun, 
vermuthe  ich,  nahmen  die  drei  mehrerwähnten  Mönche  (genannt  Ra- 
thenses,  von  Raithu)  den  Leib  des  heiligen  Jacobus  und  brachten  ihn 
nach  Saragossa,  wo  er  in  der  Kapelle  del  Pilar  nur  wenige  Jahre 
ruhte.  Man  erwäge,  dass  spanische  Pilger  stets  nach  Palästina  und 
auch  zu  dem  Sinai  wallfahrteten ,  dass  die  Rückreise  über  Aegypten 
gieng  n.  s.  w.,  und  dass  also  die  drei  Mönche  sichere  Wegweiser  hatten. 

Im  Jahre  714  wurde  Saragossa  von  den  Mauren  erobert,  der 
Leib  des  heiligen  Jacobus,  wie  fast  alle  Reliquien,  nach  Asturien  in 
Sicherheit  gebracht.  Dahin  brachten  ihn  zwei  seiner  ,,Gefährten^, 
d.  h.  die  Mönche  Theodor  und  Athanasius.  Sie  wurden  an  dem  Orte, 
der  später  Gompostella  heisst,  neben  dem  heiligen  Jacobus  begraben, 
der  wenigstens  bis  zum  Jahre  756  allgemeine  Verehrung  genoss,  und 
zu  dessen  Ehre  Kirchen  in  Galicien  gebaut  wurden.  — 

Die  spätern  Ereignisse  bieten  mir  keinen  weitem  Stoff  zu  Nach- 
trägen. (Ich  kabe  nirgends  eine  Beurtheilung  meines  Versuches  der 
Lösung  der  Jacobus-Frage  gelesen). 


*)  Eutychü  annales,  bis  956  —  ed.  Pocoeke,  Oxford,  1658,  t.  II,  160-168.  — 
Migne,  Patr.  ^rraeca,  t.  111,  Parle,  1863  (p.  161,  p.  1071—1073). 

*)  Carl  Ritter,  Geogr.   Bd.  Vlll.  Die  Sinai-Halbinsel,  Berl.  1818,  p.  15—25. 


508      Uecapitulation  des  ganzen  Werkes.  Drittes  Kupltel.  Der  dritte  Band. 


§.  9. 

oaieii.  j^^  Schlasse  des  dritten  Bandes  habe  ich  das  nenentdeckte  von 

der   d«8 

Biteh.  Simonet  im  Jahre  1871,   von  B.  Do9y  im   Jahre   1873  veröffentlichte 

mund"v  «Calendariam"  des  Bischofs  Recesmund  von  Elvira-Granada^  genannt 

j.  961.  „Calender  von  Cordova.  vom  Jahre  961",  mitgetheilt,  aus  dem  wir  er- 

DieMo-^^^^^9  welche  Feste  die  mozarabischen  Christen  unt^r  der  Herrschaft 

■«raber  der  Maurcn   im  Jahre  961   begiengen,    und  in  welchen  Kirchen  diese 

g^,^    Feste  vorzugsweise  begangen  wurden.  Zugleich  sieht  man  mit  Vergnügen 

aus  diesem  Calender,  dass  sich  die  Christen  der  ungestörten  Ausübung 

ihres  Glaubens  erfreuten,   und   dass   die  Kirche  von  Cordova  blühte, 

wie   sie   hundert  Jahre  vorher  geblüht  hatte.    Wir  ersehen  aus  dem 

Calender,  dass  die  Christen  im  zehnten  Jahrhundert  die  ^^apostolischen 

Siebenmänner"  wenigstens  ebenso  verehrten,  wie  die  Spanier  der  alten 

Zeit.     Sie  feierten  ihnen   zu  Ehren   eine   ununterbrochene  Festoctave 

vom  27.  April  bis  3.  Mai.    Den  27.  April  nannten   die  Christen  „die 

sieben  Apostelschüler ^;  zum  1.  Mai  heisst  es:  Fest  des  Torquatus  und 

seiner  Gefährten;   sie   sind   die   sieben  Boten.    Seine  Festlichkeit  ist 

(besonders)  im  Kloster  Gerisset  und   dem  Ort  Keburiene   (vor    allem 

sicher    in  Guadix).     3.  Mai:   Diess   ist   der  lezte   Tag,   welchen   die 

Christen  die  „sieben  Boten"  pennen.  —  Man  hat  gesagt,  da  die  Tbat- 

sache  von  den  Siebenmännem  nur  auf  die  Liturgie  sich  stüze,   so  sei 

diese  einzige  Stüze  doch  zu  schwach. 

Genauer  betrachtet  stüzt  sich  dieselbe  auf  eine  siebenfache  Liocal- 
Tradition.  Die  Nachricht,  dass  Secundus  in  Abula,  Indaletius  in  Urci, 
Ctesiphon  in  Vergium,  Caecilius  in  Elvira,  Eaphrasins  in  Uliturgi, 
Hesychius  in  Cazorla  gestorben  seien,  stammt  nicht  aus  Guadix  und 
nicht  aus  der  Liturgie.  Nach  Guadix  vielmehr  gelangte  die  Nach- 
richt aus  den  obengenannten  sechs  Orten.  Sechs  Bäche  bildeten  za 
Guadix  einen  Fluss;  von  Guadix  aber  gelangte  der  Bericht  in  die 
viele  tt  Lituririe  von  Toledo.    Es   lässt   sich   historisch  nachweisen ,   dass  in 

V»  vielen 

Selten  füuf  dicscr  Orte  die  Tradition  fortdauerte   und  bis   heute  fortdauert. 

Nach-  }fuf  JQ  Ahvlaj  dem  kleinen  Orte,  haben  sich  keine  Erinnerungen  er- 
über  die  halten.    Vielleicht  ist  dort  das   Christenthum   zur  Maurenzeit  völlig 

«sie-   verschwunden.   Eliivrgi  ist  gleichfalls  untergegangen;  wir  wissen  aber, 

mxn.   dass  dort  im  Anfang  des  siebenten  Jahrhunderts  eine  Kirche  zu  Ehren 

B«r^   des  heiligen  Euphrasius  gebaut  wurde. 

Zweitens  die  Nachricht  von  den  Siebenmännem  steht  in  dem 
ältesten  römischen  Martyrologium.  Wer  kann  beweisen,  dass  sie  aus 
der  spanischen  Liturgie  dorthin  gekommen  sei?  Das  Martyrologium 
kann  ebenso  aus  einer  andern  Quelle  geschöpft  haben.  —  Drittens, 
dem  Gregor  von  Tours  war  der  Bericht  über  die  Siebenmänner  bekannt, 


Die  Siebenm&nner.  509 

denn  er  wollte  seinem  ,,Gallieii'^  auch  apostolische  Siebenmanner  vin- 
diciren.  Was  die  feigen  Gothen,  die  nach  ihrer  Gewohnheit  (vor)  den 
tapfern  Galliern  den  Rücken  wandten  und  flohen ,  erhielten,  warum 
sollten  es  nicht  auch  die  täpfern  Franken  erhalten  haben,  die  ein  Jahr- 
hundert früher  Katholiken  waren?  Man  kann  aber  nicht  beweisen,  dass 
Gregor  seine  Nachricht  ans  der  spanischen  Liturgie  schöpfte. 

Zu  obigen  sind  nun  aus  der  Zeit  von  1862—1879  —  vier  weitere 
Anhaltspunkte  für  den  Beweis  gekommen.  Erstens  die  Lage  von  Elvira- 
Granada  ist  endgiltig  festgestellt.  Daraus  geht  u,  a.  hervor,  dass  die 
Kirche  von  Granada  apostolischen  Ursprungs  ist,  und  dass,  wenn  die 
erste  uns  bekannte  spanische  Synode  im  Jahre  306  dort  gehalten 
wurde,  die  spanischen  Bischöfe  einer  apostolischen  Kirche  eben  den 
Vorzug  gaben.  Zweitens  ich  habe  sehr  wahrscheinlich  gemacht,  dass 
der  Bischof  Felix  von  Acci  im  Jahre  306  zu  Elvira  desswegen  präsi- 
dirte,  weil  er  Bischof  des  der  Zeit  nach  ältesten  Bisthums  in  Spanien 
war.  So  lange  der  von  mir  versuchte  Beweis  nicht  widerlegt  ist,  halte 
ich  denselben  aufrecht,  und  folgere,  dass  die  Bischöfe  Spanien's  im 
Jahre  806  über  die  apostolischen  Siebenmänner  dasselbe  glaubten  und 
festhielten,  was  die  alte  Liturgie  berichtet.  Drittens  —  man  hat  im 
Jahre  1872  die  wahre  Lage  von  Urci-Pechina  entdeckt.*  Urci  lag  da, 
wo  man  im  Jahre  1085  den  Leib  des  heiligen  Indaletius  suchte  und 
fand.  Also  war  hier  eine  von  c.  lOO  bis  1085  fortlaufende  gleiche 
Tradition;  also  behält  die  Kirche  von  Almeria  Recht,  deren  Bischöfe 
von  jeher  in  dem  nahen  Pechina  Besiz  von  ihrem  Bisthume  ergreifen. 
Hier  also  reicht  eine  gleichmässige  Tradition  vom  Anfange  an  bis  zur 
Gegenwart.  Viertens  die  Auffindung  und  Herausgabe  des  Festcalenders 
des  Bischofs  Recesmund  vom  Jahre  961  zeigt  die  ununterbrochene  Verehr- 
ung der  Siebenmänner  in  ganz  Südspanien.  Dass  diese  Verehrung  nur 
oder  vorzugsweise  aus  der  Liturgie  der  Gothen  (d.  i.  von  Toledo)  ent- 
sprungen sei,  ist  mehr  als  nur  unwahrscheinlich.  Diese  Verehrung  ist 
alter,  als  die  Liturgie.  Sie  kam  aus  dem  kirchlichen  Leben ,  aus  der 
von  Anfang  an  bestehenden  kirchlichen  Festfeier  in  die  kirchliche 
Liturgie.  Die  sieben  apostolischen  Kirchen  in  Spanien  feierten  ihre 
Siebenmanner,  bevor  es  eine  (gesammelte  und  abgeschlossene)  Liturgie 
;ab.  Vom  ersten  Jahrhundert  hie  zum  Jahre  961  flieset  der  breite  Strom 
i&r  Verehrung  der  Siebenmänner  durch  das  ganze  südliche  Spanien. 
ingesichts  dieser  Thatsachen  dürfte  es  nicht  mehr  richtig  sein,  dass 
lie  alte  spanische  Liturgie  die  einzige  Quelle  sei,  aus  welcher  der 
Bericht  über  die  Siebenmänner  fliesse.  (Niemand  aber  hat  in  der  alten 
Seit  oder  im  Mittelalter  eine  Kirchengeschichte  von  Spanien  geschrieben.) 


510  BecapituIatioD  d.  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  a.fflnfta  Band. 


Viertes  Kapitel 

Der  vierte  und  fünfte  Band  —  1876—1879. 

§.  1. 

Der  vierte   Band   bietet   mir  zu  wenigen   Bemerkungen  Anlass. 
D«rPri.  j)ej.  zweite  Toletanische  Primat  vom  Jahre  1088  bis  zum  Jahre  1851? 

xnstvoin 

Jahre  hat  mit  dem  ersten  nichts  als  den  Namen  gemein.  Mehrere  römische 
1088.  Papste  mühten  sich  vergebens  ab,  dem  zweiten  Primat  die  Anerken- 
nung zu  verschaffen.  Es  gieng  nicht;  denn  Compostella  hatte  sich 
emancipirt,  und  wollte  den  Primat  von  Toledo  nicht  anerkennen.  Braga 
aber  war  Metropole  von  Portugal,  wie  Tarragona  Metropole  von  Ära- 
gonien-Catalonien  war.  Das  Kirchliche  war  vom  Politischen  nicht  zu 
trennen.  Drei  getrennte  Königreiche  giengen  nicht  unter  einen  Hut. 
Die  grossten  Päpste,  Alexander  IIL  und  Innozenz  III.  sahen  die 
Fruchtlosigkeit  eines  weitern  Mühens  ein.  Sie  überliessen  es  d€n  Pri- 
maten von  Toledo,  und  den  Konigen  von  Castilien,  ihren  Primat  selbst 
durchzuführen.  Diess  wäre  aber  ohne  blutige  Kriege  nicht  möglich 
gewesen.  So  wurde  der  Primat  von  Toledo  mehr  und  mehr  ein  leerer 
Titel,  etwa  wie  der  Primat  Salzburgs  in  und  über  Deutschland.  Aus 
dem  Concordate  des  Jahres  1851  ist  jede  Spur  der  alten  Primatie 
verschwunden.  Toledo  wird  nicht  einmal  mehr  vor  den  übrigen  Me- 
tropolen genannt;  zuerst  wird,  nach  der  Ordnung  des  Alphabet«« 
Burgos  genannt,  zulezt  das  neue  Erzbisthum  Valladolid.  ^) 
Bode*  Der   berühmte  Primas    Roderich  Ximenes    wohnte    der    vierten 

mene/ Synode  im  Lateran  bei,  im  November  und  December  1215,  und  that 
a.  ie4n  allcs  Denkbare  4iir  die  Anerkennung  seines  Primats.  Weil  er  in  einer 
Vorversammlung  am  8.  October  1215  die  persönliche  Predigt  des  hei« 
ligen  Jacobus  in  Spanien  leugnete,  während  er,  wie  wir,  zugab,  das« 
sein  Leib  in  Compostella  ruhe,  haben  sich  die  Spanier  alle  Mühe  ge- 
geben, sein  „Alibi^  nachzuweisen.  Er  kann  damals  nicht  in  Korn 
gewesen  sein,  weil  er  zu  viel  Geschäfte  in  Spanien  hatte.  Nun  wissen 
wir  aber  aus  römischen  Documenten,  von  den  Spaniern  (und  Portu- 
giesen) selbst  mitgetheilt,  dass  er  lange  vor  dem  30.  Januar  1216  in 
Komwar;  dass  er  in  den  Jahren  1216  und  1217  noch  dort  weilte,  um 
Beinen  Primat  durchzusezen,  und  dass  er  zulezt,  da  er  absolut  nichts 


*)  Pii  IX.  P.  M.  Acta,  tom.  1.  (ohne  Jahrzahl),   reicht   von   184r)  bis  18M. 
p.  818—314. 


Einzahl  der  Einwohner  Spanien's.    Die  Inquisition.  511 

4 

ausrichtete  y  von  Papst  Honorius  III.  ein  Breve  an  seine  Domherren 
ausgestellt  erhielt,  dass  er  das  ^Menschenmögliche''  fiir  seinen  „Primat'' 
geleistet  habe.  Wenn  er  in  den  Jahren  1216  und  1217  von  Spanien 
abwesend  sein  konnte,  so  konnte  er  auch  im  October,  November  und 
Dceember  1216  voo  Spanien  abwesend  sein.  Zu  der  Synode  im  Lateran 
war  er  aber  von  Papst  Innozenz  IIL  berufen,  „befohlen^  worden'). 

In  einem  Excurse  zum  vierten  Bande  suchte  ich  nachzuweisen, 
dass  die  Bevölkerung  Spanien's  in  der  alten  Zeit  und  zur  Zeit  der 
Mauren  nicht  halb  so  gross  gewesen  sei,  wie  man  behauptet.  Nach 
der  Berechnung  von  Wietersheim  hatte  Spanien  und  Portugal  zur  Komer-  ' 

zeit  höchstens  neun  Millionen  Einwohner.  Im  ganzen  Mittelalter  und  bis 
zum  Jahre  1713  betrug  die  Bevölkerung  ungefähr  sieben  Millionen,  wäh- 
rend Portugal  eine  Million  Einwohner  hatte.  Heute  hat  Spanien  ißVs? 
Portugal  4  Millionen  Einwohner.  Spanien  ist  ein  dürres,  steiniges  Ge- 
birgsland ,  mit  vielen  fruchtbaren  Oasen.  Wäre  es  überall '  gleich- 
massig  fruchtbar,  so  könnte  es  auch  SO  Millionen  Einwohner  nähren; 
so  aber  nur  die  Hälfte. 

Ein  zweiter  Excurs  handelt  von  einigen  bis  jezt  weniger  be- 
kannten römischen  Strassen  in  Spanien,  besonders  von  der  unbekannten 
Strasse  von  Laminium  nach  Saragossa. 

§.  2. 

Ich  gehe  über   zum  lezten  Bande.    Die  erste  Abhandlung  des-  Die  ip«- 
selben  „Die  spanische  Staatsinquisition'^,  ist  auch  als  Separatabdruck  im  j^^'^^. 
Jahre  1878  erschienen.  Ich  habe  eine  vollständige  Biographie  des  heiligen    uon. 
Petrus  Arbues  gegeben^  und  gezeigt,  dass  er  wegen  seines  heiligen  Lebens 
und  seines  Todes,   nicht  aber,   weil  er  Inquisitor  gewesen,  canonisirt 
worden  sei.    Ich  habe  nachgewiesen,  dass  besonders  Papst  Alexander  VI* 
durch   seine   maasslosen  und  endlosen  Concessionen  an   den  nimmcr- 
satten  katholischen^   Ferdinand  Y.   gar   sehr  zur  „Verstaatlichung'^ 
der  Inquisition  beigetragen,   und   dass    alle  Bemühungen   der   spätem 
Päpste  hierin  nichts  mehr  ändern  konnten.    Diese  Mühen  alle  wurden 
vereitelt   durch   die  consequente  Energie   der  spanischen  Machthaber^ 
die  Inquisition   als  Staatsinstitut  festzuhalten.    Man   Hess  dem  Papste  i><®  i"* 
die  Ehre,   den  jeweiligen  General -Inquisitor  zu  bestätigen.    Einsezeutionand 
durfte  er  ihn  nicht;  und  kein  Papst  hat  es  verhindert,  dass  ein  solcher    ^" 
Inquisitor  abgesezt  wurde.    Nur  ein  einziger  Inquisitor,  Valdis,  wurde 
von  dem  heiligen  Papste  Pius  Y.  abgesezt.    Nur  vor  seiner  Drohung 
wich  Philipp  IL,   Spanien  sammt  dem  Könige  mit  dem  Interdikte  zu 
belegen. 

*)  Ich  bin  belehrt  wordeu,  dass  der  Aasdrack  Saliga:  (IV,  S.  435)  in  der 
Sprache  der  Moralisteo  die  sieben  Todsünden  bedeute. 


512  ReoApitulatioD  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Ejtpitel.  Der  vierte  a.  itinfle  Band 

Der  Druckbogen  32  war  schon  gesezt,  als  mir  das  neueste  drei- 
bändige Werk  von  Fr.  X.  Rodrigo:  Historia  verdadera  de  la  Inqui- 
sition, Madr.  t.  I,  1876,  t.  II— III  —  1877,  p.p.  1559,  sowie  die  Be- 
sprechung dieses  Werkes,  der  Schriit  von  Orti  y  Lara,  und  meiner 
Schrift  über  die  Inquisition  von  P.  Orisar  in  der  Zeitschrift  für  katho- 
lische Theologie,  IIL  Jahrg.,  Heft  3,  Innsbr.,  1879,  S.  548— Ö74  zii- 
gieng.  P.  Orisar  tadelt  an  allen  drei  Schriften  Verschiedenes,  und 
anerkennt  Verschiedenes.  £r  möchte  mit  den  beiden  Spaniern  den  kirch- 
lichen Charakter  der  dortigen  Inquisition  wahren,  giebt  aber  zu,  dass 
Dr.  Hergenröther  anderer  Meinung  sei,  und  dass  die  Inquisition  im 
vorigen  Jahrhunderte  unter  jansenistischem  Drucke  gestanden.  Also 
war  sie  wenigstens  damals  nicht  mehr  kirchlich,  und  es  steht  in  Frage, 
wann  sie  angefangen  habe,  ein  Institut  der  jeweiligen  Regierung  zu 
sein?  —  Ich  habe  sie  als  ein  Staatsinstitut  erklärt,  hätte  aber,  glaube 
ich,  besser  daran  gethan,  diese  Ansicht  nicht  schon  auf  dem  Titel 
kundzugeben.  Ebenso  finden  sich  auf  Seite  5  — 12  meiner  Schritt 
einige  Säze,  die  dahin  miss verstanden  werden  konnten,  als  hätte  die 
einzige  wahre  Religion  nicht  das  ausschliessliche  Recht  der  Herrschaft 
in  einem  Lande.  Die  Aeusserungen  ferner  auf  S.  95 — 96  gegen  Orti 
y  Lara  sind  zu  scharf  ausgefallen.  Er  hatte  die  Herren  Dr.  Hefde  und 
Alzog  unter  die  Kezer,  ^^die  liberalen  Katholiken'^,  verwiesen,  weil  sie 
den  ausschliesslich  kirchlichen  Charakter  der  spanischen  Inquisition 
leugneten,  ich  aber  ihm  erwiedert,  es  fechte  mich  nicht  an,  wenn  er 
mich  auch  zu  denselben  zähle.  Diess  hätte  ich  nicht  drucken  lassen 
sollen.  Denn  es  kann  einem  katholischen  Schriftsteller  nicht  gleich- 
giltig  sein,  dass  er  von  einem  katholischen  Schriftsteller  den  Kezern 
zugezählt  vnrd*). 
pti-  Ueber  die  Regierung  der  Konige  Carl  I.  (V.)   und  Philipp  U. 

und  die  b^b^  ich  kaum  viel  des  Neuen  oder  Unbekannten  gebracht.   Philipp  II. 

Kirche.  ]q  Schuz  nehmen  oder  vertheidigen  zu  wollen,  lag  mir  durchaus  fern. 
Die  Sache  der  katholischen  Kirche  und  Philipp^s  II.  stehen  in  keinem 
Zusammenhange.  So  wenig  die  katholische  Kirche  und  die  Legitimisten 
in  Frankreich  in  einer  innern  Verbindung  stehen  (wer  hat  die  Kirche 
denn  mehr  verfolgt,  oder  verfolgen  lassen,  als  diese  Bourbonen,  die 
heute  die  Fahne  der  Legitimität  in  die  Höhe  halten?),  «o  wenig  hängen 
die  Interessen  der  katholischen  Kirche  mit  den  Interessen  und  Be- 
strebungen  Philipp's  II.  zusammen.  In  seinen  eigenen  Reichen  war  er 
Papst-König,  und  liess  den  Papst  nichts  gelten.  Dennoch  sollte  der 
Papst  ihm  in  Allem  zu  Diensten  sein,  und  seine  diktatorischen  Rath- 
schläge  befolgen,  weil  er  es  ja  so  gut  mit  dem  Papste  und  der  Kirche 


')  In  meiner  Abhandlang  corrigire  man  ferner  den  Namen  Ferd*  Zimgibl 
in;  jE6erÄ.  Zimgiebl,  S.  V.  30,  75. 


Die  Kirche  vom  Staate  verschlungen.   Philipp  II.  a.  Pias IV.  (1559—1565).  513 

meine.  Er  war  yon  der  fixen  Idee  beherrscht,  dass  kein  Papst«  kein 
Bischof  nnd  kein  Cardinal  die  Intere86en  der  Kirche  so  gat  verstehe 
and  wahre,  wie  er. 


§.  3. 

Enrze  Zeit  nach  dem  Tode  Fius'  IX.  (f  8.  Febr.  1878)  las  ich 
in  einer  2ieitnng,  Philipp  II.  habe  nach  dem  Tode  des  Papstes  Pias  Y. 
sieben  Cardinälen  die  Exclasive  gegeben.  Er  hat  wahrlich  noch  Schlim- 
meres gethan.  Weil  ich  aber  damals  die  Quellen  noch  nicht  gesam- 
melt, wollte  ich  diese  Frage  in  einem  Anhange  behandeln.  Inzwischen 
hat  Philippstm  dieselbe  Frage  in  zwei  von  eingehenden  Studien  zeugenden 
Artikeln  in  SybeFs  ^^historischer  Zeitschrift^'  (1878)  behandelt  Gern 
gestehe  ich,  von  ihm  viel  gelernt  zu  haben,  und  ich  folge  im  Ganzen 
seiner  Darstellung*). 

In  Spanien  blickte  der  Klerus  zum  Könige  als  dem  Spender 
aller  Gnaden,  dem  Verleiher  von  Würden  und  Einkünften  auf.  Man 
kennt  kein  Beispiel,  dass  der  Papst  von  seinem  Rechte  der  Bestätigung 
(der  kirchlichen  Würdenträger)  einen  negativen  Gebrauch  gemacht.  — ^ 
Der  königliche  Rath  von  Castilien  hatte  die  unbedingte  Gerichtsbar- 
keit auch  über  den  Klerus;  er  war  faktisch  die  lezte  Instanz. 

Alle  Geistlichen  nahmen  zu  den  ,,Recursos  de  fuerza'^  (appellatio 
ab  abusu  der  geistlichen  Gewalt)  ihre  Zuflucht,  mit  Ausnahme  der 
Kirche  von  Toledo  und  der  Jesuiten.  —  Die  demüthige  und  beschei- 
dene Form,  mit  welcher  die  spanische  Regierung  gegen  päpstliche 
Entscheidungen  sich  verwahrte,  war  reine  Heuchelei.  Unter  der  Wah- 
rung respectvoUer  Formen  gegen  den  Papst  lief  das  Verfahren  „der 
einstweiligen  Retencion'^  der  päpstlichen  Bullen  einfach  darauf  hinaus,  ^^'®"* 
dass  die  Räthe  und  Senate  von  Castilien,  Aragon,  Mailand,  Palermo,  boiich. 
Neapel,  das  volle  Recht  der  Prüfung  und  der  Verwerfung  päpstlicher 
Bullen  und  Breven  beanspruchten  und  ausübten. 

Das  Verfahren  der  ,^Retencion'^  der  Bullen  wurde  allmälig  auf 
das  Speciellste  geordnet  In  dem  Geseze  CarFs  V.  vom  Jahre  1Ö43 
^nrde  in  sechs  Fällen  die  Retencion  der  Bnllen  ein  für  allemal  an- 
geordnet  (Nueva  Recapil.  I,  3.  25.  28).  Keine  Excommunication  u.  s.  w. 
^Ute  Giltigkeit  haben.  Der  Geistliche^  der  dieses  Gesez  verlezt,  ist 
)8o  facto  seiner  Naturalisation  als  Spanier  beraubt.  Die  „Zurück- 
[tung^^  päpstlicher  Bullen  war  eine  „alltägliche  Sache'^  —  Ebenso 
purden  die  Entscheidungen   der  .päpstlichen  Rota  ^,zurückgehalten'^ 


')  Martin  Phüippson ,  Philipp  IL  von  Spanien  nnd  das  Papsttham ,  1878, 
1.  39,  8.  269— 315;  419—^57. 
OAiai,  ipM,  Klrehe.  III.  8,  33 


514  Recapitnlation  des  ganzen  Werkes.   Viertes  Eapi fei.  Der  vierte  n.  fQnfte  ß&nd. 

Die  spanischen  Juristen  suchten  Gelegenheiten^  mit  der  Rota,  ja  uil: 
der  Curie  selbst  anzubinden. 

Die  „Bulle  de  la  Cruzada''  war  ganz  in  königlichen  Händen.  £•> 
war  diess  ein  Ablasshandel  zu  Gunsten  der  katholischen  Konige.  Im 
Jahre  1558  wurde  der  Ertrag  auf  350.000  Dncaten  gerehnet,  in. 
Jahre  1598  auf  800.000  Goldthaler  (1.030.000  Ducaten).  „Die  Nach- 
frage nach  der  Cruzada  hatte  sich  also   nach  40  Jahren   verdreifacht.*^ 

Der  königliche  Rath  machte  es  sich  zum  besondern  Vergnügt n. 
die  Entscheidungen  gerade  des  Nuntiaturgerichtshofes  (oder  der  ro- 
mischen Rota  in  Madrid)  auf  dem  Wege  des  Recurses  aufzuheben. 

§♦  4. 

Das  Concia ve  des  Jahres  1659  dauerte  vier  Monate.  Philipp  II. 
widersprach  von  vornherein  der  Wahl  eines  Caraffa  (Paul  IV.  wni 
ein  Caraffa  gewesen)  aufs  Heftigste.  Der  König  von  Frankreich  un! 
der  Kaiser  erklärten  sich  gleichfalls  gegen  gewisse  Cardinäle.  Hieran < 
leiten  einige  Schriftsteller  die  Exclusive  ab,  welche  sich  von  da  tv. 
jene  drei  Monarchen  bei  Papstwahlen  zuschrieben').  An  diesen  spo- 
ciellen  Fall  des  Widerstrebens  Philipp's  II.  gegen  die  Caraffa  knu^r: 
sich  die  „Exclusive".  Eine  frühere  Ausübung  derselben  ist  nicht  er- 
wiesen. —  Angelo  Medici,  ein  Unterthan  und  Günstling  der  spanischen 
"^^  Regierung,  wurde  am  24.  December  1559  als  Pins  IV.  gewähh. 
(Dec  Bald  schien  es,  als  sei  Pius  IV.  nur  ein  Werkzeug  in  der  Hau. 
1559.)  Philipp*8  n.  Ein  Venetianer  sagte  von  Lezterem:  Ipse  dixit,  et  fat.t 
sunt  (a  Papa).  Von  Madrid  aus  behandelte  man  den  heiligen  Vatu 
mit  einer  gebieterischen  Geringschäzung ,  mit  einer  übermüthige:. 
Sicherheit,  als  sei  er  immer  noch  der  Mailänder  Unterthan.  Es  wa 
das  Ziel  von  Philipp's  II.  Kirchenpolitik,  der  Kirche  zu  dienen,  abt 
indem  er  die  Kirche  seinen  eigenen  Zwecken,  „den  politischen  Inttr- 
essen  Spanien's  dienstbar  machte."  —  Der  Nuntius  und  die  übrige: 
Agenten  Rom's  wurden  in  Madrid  mit  einer  Geringschäzung  belKin- 
delt,  als  wären  sie  Abgesandte  eines  Untergebenen  der  spanischen  Krone  - 
PiMiv.  Pius  IV.  bewilligte  zum  ersten  Male  eine  direkte  Steuer  des   s[ki- 

g9gm-  Irischen  Klerus  an  Philipp  IL,  das  sogenannte  „subsidio".     Es   wuru 
kom-   immer   auf  fünf  Jahre   vom  Papste  zugestanden,   dann   aber   erneuof: 
^egen  ^ucrst   bctrug   es  420.000  Goldthaler,     Da  Pius  IV.   auch   die   „C^<> 
PM-    zada"  wieder  bewilligte,  so  bezog  Philipp  II.  aus  kirchlichen   Quell«  . 
"^'P"'  jährlich  750.000  Ducaten  3). 


*)  Ottok*  Lorenz^  Papstwahl  und  Kaiserthum,  p.  291. 

')  Relazioni  di  Paolo  Tiepolo  (1563),  di  Girolamo  Soranzo  (156o),   di  (;i. 
vanni  Soranzo  (1665)  bei  Alberi  (der  ganze  lltel,  s.  oben  S.  101.)  1,  5,  47,  i}:j  t\ 
II,  6,  107  flg. 

•)  Alberi,  I,  ö,  47;  6,  188,  382. 


! 


Pius  IV.  und  Philipp  IL  (1560- 1565).  515 

In  diese  Zeit  fällt  die  VerhafluDg  Carranza's  von  Toledo.  Der 
Gesandte  (Cardinal)  Pacheco  schrieb  am  19.  Januar  1560  aus  Rom: 
»Wenn  die  Bomer  erst  anfangen,  die  Hand  in  die  Angelegenheiten 
unserer  Inquisition  zu  stecken,  so  gebe  ich  Alles  für  verloren,  beson- 
ders in  diesen  Zeiten.  Der  Eonig  sei  verpflichtet,  jede  romische  Ein- 
mischung ferne  zu  halten,  nicht  bloss  aus  Sorge  für  die  Religion^  son- 
dern auch  für  die  Erhaltung  seiner  Reiche^'  ^). 

Troz  aller  Mahnungen  des  Papstes  wurde  Carranza  in  harter 
langer  Haft  gehalten.  Durch  diese  lange  Haft  schreckte  Philipp  H. 
alle  Bischöfe,  so  dass  sie  sich  bedingungslos  ihm  unterwarfen.  Er 
wählte  auch  nur  Bischöfe  aus  gemeinem  Stande.  Die  Adeligen  hielt 
er  ohnedem  hart,  und  hielt  sie  fern  von  sich;  und  Bischöfe  aus  dem 
Adel  wollte  er  nicht  haben.  Die  einzige  Sicherung  vor  der  Inquisition 
(meint  Philippson)  war  das  Bekenntniss  zu  regalistischen  Anschauungen, 
die  Betonung  einer  streng  königlichen  und  nationalen  Gesinnung, 
heftiger  Widerstand  gegen  die  ultraraontanen  Bestrebungen ,  giengen 
bie  auch  unmittelbar  von  dem  heiligen  Vater  aus.  Die  durchaus  rega- 
listische  Stimmung  des  hohem  katholischen  Klerus  in  den  zwei  fol- 
genden Jahrhunderten  ist  nipht  am  wenigsten  diesem  „Drucke"  zu- 
zuschreiben. —  Philipp  gab  sich  die  grösste  Mühe,  zu  verhindern, 
dass  auf  der  Synode  von  Trient  etwas  gegen  seine  Inquisition  geschehe^). 
Wenn  Pius  IV.  einmal  widersprach,  so  höhnte  ihn  Vargas,  meinte  u.  a., 
er  wundere  sich  über  die  Ausflüchte,  die  der  heilige  Vater  gebrauche. 
Er  möge  sich  die  Sache  noch  einmal  ruhiger  überlegen.  Mündliche 
Zusagen  würden  Philipp  IL  nicht  beruhigen.  Man  müsse  (zu  Trient) 
Alles  schriftlich  und  durch  feierlichen  Synodalbeschluss  nach  den 
Wünschen  des  Königs  abändern. 

Auch  Pius  IV.  gieng  zülezt  die  Geduld  aus.  Die  Spanier  sagten, 
ihr  König  brauche  sich  weder  um  Papst  noch  um  Cardinäle  zu  be- 
kümmern; diese  seien  doch  immer  auf  Spanien  zum  Schuze  des  Glau- 
bens angewiesen.  Schon  im  Mai  1562  rief  Pius  IV.  vor  Cardinälen 
und  zahlreichen  Andern  dem  Vargas  zu :  Es  bleibe  nur  noch 
übrig,  dass  Philipp  II.  die  Waffen  ergreife  und  den  heiligen  Stuhl 
1  bi-kricge.  Er  wolle  den  Papst  ganz  beherrschen,  und  alle  seine  Hand-  waa  iv. 
langer  schulmeistern.  Aber  Gott  werde  jene  (Spanier)  dafür  strafen. '^^^"jj^' 
Fortwährend  habe  der  heilige  Stuhl  dem  katholischen  Könige  Wohl- 
llmten  erwiesen,  aber  der  König  erwidere  dieselben  in  keiner  Weise. 
^"^ach    dem  Berichte   des  Vargas   waren   alle  Anwesenden   ausser  sich 


»)  Dollinger,  Beiträge,  I.  (259),  329. 

'}  Brief  Philipp*8  aa  seinen  Gesandten  Vargas  in  Rom  vom  15.  Dcc.  15G2. 

33* 


516  BeoapUnlatioD  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  n.  Anfte  Band. 

vor  Staunen  und  Verwunderung,  da  sie  ein  so  ganz  unwürdiges,  mass- 
loses  Gebahren  sahen*). 

Darülrer  aufs  Aeussersie  ergrimmt ,  drohte  Philipp  seinen  Ge- 
sandten aus   Rom   zurückzurufen*),   weil  Frankreich   auf  dem  Concii 
zu  Trient  den  Vorsiz  fahrte.    Der  Papst  gab  aber  diessmal  darchans 
nicht  nach.     Als   Vargas    in    seiner  gewohnten  Weise   mit    heftigen 
Worten  den  Unwillen  seines  Herrn  yerdollmetschte  '),  da  rief  der  Papst 
dem  Vargas  zu,   sein  Herr  habe  den  Papst  ohne  jede  Unterstozun^ 
gelassen^).  —  -Das  gute  Einvernehmen  zwischen  Philipp  II.  und   dem 
Papste  war  völlig  zerstört    Zwar  führte  Philipp  II,  die  Drohung  nicht 
aus,   seinen  Gesandten  abzurufen,   aber  die  Spanier  horten  nicht  auf, 
den  Papst  öffentlich  als   einen  Menschen   von  geringem  Urtheil   und 
ungeeignetem  Benehmen  zu  beschimpfen;  er  habe  die  üble  Gesinnung, 
die    er  gegen   den  König  bisher  versteckt  gehegt,   endlich   offenbart. 
Pius  IV.  drohte,  er  werde  dem  Konige  die  „Cruzada"  und  das  „Sub- 
sidio"  verweigern,   den   Carranza  nach  Rom    rufen   und  den    Köni^ 
zwingen,  die  800.000  Ducaten  herauszugeben,   die  er  von  dem  nnbe. 
sezten  Bisthume  Toledo  eingezogen.    In  Spanien   war  man  gleichfalls 
entschlossen,  nicht  nachzugeben.    Es  ist  komisch  zu  lesen  (selbst  bei 
Preacott)^  dass  Philipp  H.   vor  jedem  Stimrunzeln   des  Papstes  erzit- 
terte. —  Der  Papst  seinerseits  lehnte  mehrere  Gesuche  Philipp's  II.  ab. 
Die  fun^ährige  Steuer,  genannt  „Subsidio^,  wurde  im  Jahre  1564  auf- 
gehoben. —  Als  die  Nachricht  von  dem  Entsaze  Malta's   (durch  die 
Spanier)  nach  Rom  kam,   sprach  Pius  IV.   nur  von  dem  Danke,   den 
man  Gott  schulde,  und  von  der  Tapferkeit  der  (Malteser-)  Ritter,  ohne 
der  Spanier  auch  nur  zu  gedenken,  was  Philipp  IL  nicht  wenig  reizte. 
Troz  Malta's  concedirte   er   das  fünfjährige   „Subsidio^^   nicht.     Bald 
sagte  er,  ganz  mit  Recht :  „Ihr  in  Spanien  wollt  Papst  sein,  und  Alles 
dem  König  anheimgeben^^;  bald:    „Wenn  Philipp  Konig  sein    will  in 


*)  TodoB  qnedaron  espantados  y  maravillados,  viendo  nna  indignidad  tan 
grande  y  modo  de  proceder  tan  faera  de  terminos.  —  Depesche  des  Vargaa  vom 
23.  Mai  1562,  welche  Philipp  am  23.  Juni  erhielt  —  DöUinger,  1,  S.  427--431. 

*)  DöUinger,  I,  S.  486,  489. 

')  Seit  den  Zeiten  des  Geschäftsträgers  Castillo  y  Ayensa  in  Born  föhren  die 
spanischen  Geschäftsträger  in  Rom  eine  höfliche  und  wOrdeyolle  Sprache.  Wer 
aber  die  Geschichte  der  spanischen  Botschafter  in  Bom  von  den  Tagen  Ferdinand's 
des  Katholischen  an  bis  zam  19.  Jahrhundert  schreiben  will  oder  wird,  wird  die 
Geschichte  der  Ungezogenheiten  und  Bohheiten  schreiben,  weiche  sieh  der  (aiz- 
geblich)  Starke  gegenüber  dem  Schwachen,  weil  er  schwach  und  ohnmächtig  ist, 
erlauben  zu  dürfen  gkubt.  Endlos  pochen  sie  auf  ihre  Verdienste  um  die  £rliai> 
tung  der  katholischen  Religion,  als  wäre  die  Kirche  verloren  gewesen,  wenn  sie  die- 
selbe nicht  erhalten  hätten.  Man  darf  sich  nicht  wundern,  wenn  die  Spanier  dem 
römischen  Volke  verhasat  waren.    Heute  ist  das  ganz  anders,  d.  i.  besser  geworden. 

*)  Depesche  des  Vargas  vom  24.  April  1563.  —  DöUinger,  S.  617--  Ö20. 


Das  Cuncil  von  Tricnt  in  SpRnien  gefölscht  517 

Spanien,  so  will  ich  Papst  sein  in  Rom'^;  bald:  „Tch  bin  vom  Könige 
nnd  seinen  Ministern  arger  misshandelt  worden,   als  je  ein  Papst  von 
einem  spanischen  Herrscher.'^  —  Er  beschwerte  sich,  dass  Philipp  den  Pias  iv. 
Synoden  in  Spanien  ihre  Beschlüsse  durch  den  Mund  von  Laien  form-   ^' 
lieh  vorschreibe,   dass  er  beanspruche,   das  Concil   von  Trient  auszu-     sich 
legen,   dass   er  die   päpstlichen  Bullen   den  königlichen  Fiscalen  und    ^^ 
Gerichtshöfen   preisgebe,   über   des   Königs   schlechte  Rathgeber^   dieuppu. 
direkt  ihn  zu  verderben  und  von  der  Obedienz  des  apostolischen  Stuhles 
loszureissen  sachten  ^). 

Die  Verkündigung  des  Trienter  Concils  in  den  spanischen  Landen 
trat  in  den  Vordergrund.  Die  Spanier  fürchteten  einigen  Einfluss  des 
Papstes  auf  die  Beseznng  kirchlicher  Würden.  Vargas  bezeichnete 
diesen  gefürchteten  Einflnss  als  Werk  ,^des  Teufels^' ^.  Im  Jahre  1565 
cntschloss  sich  Philipp  II.,  das  Concil  zu  publioiren^  doch  mit  wesent- 
lichen Beschränkungen^),  wodurch  allen  Bestimmungen  die  Spize  ab- 
gebrochen wurde,  die  den  Einfluss  des  Königs  auf  die  Besezung  der 
Frälaturen,  und  die  geistliche  Gerichtsbarkeit  zu  vermindern  drohten. 
Die  Vicekönige  und  General- Gouverneure  wurden  angewiesen,  keine 
kirchenpolitischen  Neuerungen  als  Folgen  der  Tridentiner  Beschlüsse 
zu  gestatten*).  —  Die  Spannung  zwischen  Philipp  II.  und  Pins  IV. 
war  sehr  gross,  als  dieser  am  9.  December  1665  starb. 


§.  5. 

Pins  V.  (Jan.  1566 — 1572)  gerieth  vom  Anfange  an  mit  Philipp  II.  Piu  v. 
in  Zwist.   Die  Frage  des  Vortritts  Frankreichs,  das  mit  Abfall  drohte, /T*^^ 

,  ^  ^  bis  1678. 

wurde  so  ausgeglichen,  dass  der  spanische  Gesandte  in  Rom  an  einem 
besondern  Tage  Audienz  haben  sollte.  —  Eine  Reihe  von  Verordnungen 
Pius'  V.  wurde  vom  Consejo  für  „einstweilen  unverbindlich  erklärt". 
So  des  Papstes  Erlass  „motu  proprio"  gegen  Wucher  und  Zinsnehmen 
überhaupt,  för  Spanien,  Neapel  und  Sicilien  abgewiesen.  —  Pius  V. 
reagirte  zuerst  in  Neapel.  Den  Bischöfen  wurde  die  Einholung  des 
königlichen  Exequatur  für  die  aus  Rom  ergangenen  Verordnungen  ver* 
boten.  Aber  der  Vicekönig  zwang  die  Bischöfe  durch  Drohungen, 
den    Befehlen    des  Papstes    nicht    zu   gehorchen,    so    dass    sich  der 


')  Brief  Davik^a  nnd  Depeschen  Pachecda  vom  22/23  September,  16/30  No- 
vember 1565.  —  DöUinger,  S.  629. 

'}  Brief  des  Vargas  vom  13.  December  1563.  —  DoUinger,'^.  539—543. 

*)  Josi  CovarrubiaSf  Becorsos  de  fuerza,  I,  p.  277. 

'*)  Petr.  Oianone,  istoria  civile  del  regno  di  Napoli,  1.  lo.  —  Milan.  1823—1824. 
t.  10,  p.  79. 

•)  CaUyrera,  FeUpe  II,  1.  7,'^cp.  11. 


5 1 8   Recnpifniation  des  ganzen  Werke».  Vierte$  Kapitel.  Der  vierte  «.  fünfte  BiinH. 

Nuntius  in  Neapel  wieder  regelmässig  bei  jeder  Verfügung  um  das  Exe- 
quatur bewarb.     Wer   dagegen  handelte,    wurde    niit  Gefängniss  odor 
n)it  strengen  Ahndungen  bestraft.     Troz  allen  Widerstrebens   sah  sich 
Plus  V.    hier   zum   völligen  Nachgeben   gezwungen').     Ebenso   wenij^^ 
Erfolg  hatte  er  in  seinen  Bemühungen  gegen   die    sogenannte  „sicilia- 
nische  Monarchie",  nach  welcher  die  Könige   in  allen  Instanzen  ubir 
TM-    die  Geistlichen   zu  Gerichte   sassen.     Philipp  II.    berief  sich    hier  auf 
iipp  IL  ^j^  Urkunden  der  päpstlichen  Concessionen.    Die  Vicekönige  befreiten 
Htroite  ohnc  Weiteres   die  Gefangenen    der  Bischöfe    aus    dem  Kerker.     Der 


mit 


.) 


König  war  hier  Papst.   Der  Vicekönig  Graf  Olivares  liess  im  Jahre  159 
durch  seinen  geistlichen  Gerichtshof  den  Bischof  von  Catania  absezeii, 
und  sperrte  ihn  bis  zu  seinem  Tode  ein*). 

Auch  der  heilige  Carl  Borromaus  in  Mailand  kam  mit  der  spa- 
nischen Inquisition  in  Conflicte^).  Piug  V.  weigerte  sich,  dem  Könige 
die  „Cruzada"  und  das  „Subsidio"  ferner  zu  bewilligen,  namentlicli 
wegen  des  schmählichen  Schachers,  der  mit  der  „Cruzada"  getrieben 
wurde.  Er  fürchtete,  dass  dieser  Schacher  in  Spanien  einmal  ähnliche 
Folgen  haben  könnte,  wie  einst  der  Ablasshandel  in  Deutschland.  Er 
verweigerte  es  auch,  dass  die  Einkünfte  des  Erzbisthums  Toledo  auf 
den  Bau  des  Escorial  verwendet  würden,  und  drang  darauf,  dass  der 
Process  des  Bartholomäus  Carranza  in  Eom  verhandelt  werde*). 

Im  Jahre  1566  weilte  Petr,Camajani^  Bischof  von  Ascoli  (156G — 1579), 
als  ausserordentlicher  Nuntius  in  Spanien.  Er  sollte  den  König  zu 
der  Reise  nach  den  Niederlanden  antreiben,  die  Sache  des  Bartholo- 
mäus Carranza  betreiben,  und  wegen  der  spanischen  Angriffe  gegen 
die  Kirche   in  Neapel    und   Mailand  Klage   fuhren.     Philipp  II.    war 

Phi.  aber  über  die  fortgesezte  Verweigerung  der  Cruzada  sehr  „ergrimmt." 
»»j»p  n.  Er  liess  dem  Papste  die  härtesten  Vorwürfe  „über  das  Unpassende 
piug  V.  seines  Benehmens'^  machen.    Der  Papst   möge   zunächst  daför  sorgen, 

^^^'    dass    die  Kirche    in  andern  Ländern   gleiche  Rechte,   wie  in  Spanien, 

1^  OlPv  • 


')  Gianone,  I.  e.,  p.  157—173—178.  —  Histoire  ecclds.  (Cont.  de  Fleury\  t.  3'>, 
Paris  1737,  p.  84  sq. 

*;  Wenn  diess  Vincenz  Catelli  war,  so  lautet  der  Bericht  ober  ihn  andoi- 
wärts  ganz  anders:  Damach  wurde  er  nach  Rom  berufen,  hielt  dort  seine  Kecfiti* 
standhaft  aufrecht  und  wurde  im  Jahre  1587  seiner  Würde  beraubt.  In  Rom  btait» 
er,  im  Geruch  der  Heiligkeit,  am  28.  Juni  1597.  —  Cf.  CappeUetti,  le  Chiese  d*Itili.«, 
Venez.,  1870,  t.  21,  p.  640.  Nach  Fic.  d'Avino  (Cenni  storici  —  über  die  Bis 
thilmer  beider  Sicilien,  Neapel,  1848,  p.  181)  hätte  der  Papst  nur  seine  Resignation 
angenoipmen.  Fhilippson  beruft  eich  auf  Gitis,  Bwmfiglio  Coatanao,  lUstoTu 
Siciliana,  Vonezia,  1601,  p.  665  sq.,  073. 

•)  Fleury,  t.  34,  p.  652  sq. 

*)  Luis  Cabrera  de  Cördova,  Hist.  di  Filipe  segundo.    Nene  Ausgabe,  Ma 
drid,  1876,  t.  I,  p.  513—520  (libro  VII,  cap.  12). 


'V>*'f 


Be- 


Pius  V.  uud  Philipp  II.  519 

geniesse.  Dagegen  versprach  er  in  unwilligen  Ausdrücken  seine  Keise 
nach  den  Niederlanden  (die  er  nie  ernstlich  im  Sinue  hatte),  und  die 
Auslieferung  Carranza's  *). 

Pias  V.  bewilligte  für  die  Niederlande  eine  neue,  dritte  geistliche 
Abgabe,  den  „Excusado"  —  4.  Juni  1567,  welche  in  jeder  Pfarrei 
ein  Haas  nach  der  Wahl  des  Königs  entrichten  musste,  in  der  Höhe 
des  Zehnten,  den  es  sonst  zu  zahlen  hatte,  und  von  dem  es  dadurch 
licfreit  (excusado)  wurde. 

Philipp's  Politik  war:  Keich  soll  der  Klerus  sein,  aber  dem  König 
unterworfen;  reich,  damit  er  ihn  zur  rechten  Zeit  zu  Gunsten  der  Krone 
ausplündern  könne.  Er  beantragte  die  ,4^®^ormation  der  Klöster"  in 
seinem  Lande.  Aber  nur  Spanier  sollten  die  Klöster  „reformiren". 
Wehe  den  Mönchen,  die  es  wagen  würden,  in  Rom  selbst  Reform- 
uiassregeln  für  ihre  Orden  zu  betreiben.  Bei  ihrer  Rückkehr  wurden 
sie   sofort  im  Hafen    ergriffen,    und  lebenslänglich  in  Haft  gebracht*). 

Am  2.  März  1568  überreichte  der  Nuntius  Julius  Acquaviva  dem    ^ 

.  «chwor- 

Könige    eine  Denkschrift,   welche   die  Unterdrückung   der  kirchlichen     den 
Freiheit  in  Spanien  mit  lebhaften  Farben  schilderte.    Man  könne  nicht  ??'**1X' 
leugnen,   dass   die   strenge  Prüfung   der  apostolischen  Bullen,   wie  sie  hpp  u. 
taglich  geschehe,   die  Hindernisse,    die  man  in  aller  Weise   den  Pro- 
visionen  und  Executionen,   welche   von   Rom   kommen,   in   den  Weg 
le|:^e,    die  Einmischung   in  die  kirchlichen  Processe   auf  verschiedenen 
Wegen  und  unter  dem  Verwände  der  Gerechtigkeit,  die  steten  Befehle   . 
an  die  Prälaten,  Richter  und  Geistliche,  dass  sie  excommuniciren  und 
tieisprechen  je  nach  dem  Wunsche  des  Rathes  und  der  Kanzleien,  das 
zahlreiche  Erscheinen  von  Welt-  und  Klostergeistlichen  vor  den  welt- 
lichen Gerichtshöfen,    so  viele  Usurpationen    der  geistlichen  Gerichts- 
harkeit,    die   in   diesen    „Königreichen"    geschehen,    zweifellos    nichts 
Anderes  bedeuten,   als   dass   man   unter  einer   gewissen  Schönrärberei 
und    mit   einer   gewissen  Geschicklichkeit   allmälig   dem  Könige   und 
seiuen  Ministern  alle  kirchliche  Gewalt  verschaffe,  so  die  Jurisdiktionen 
vermische,  und  die  von  Gott  gesezte  Ordnung  verwirre,  da  solche  Los- 
iJisüDg  der  Nationalkirchen   von    dem  Papste,    solche  Eingriffe   in    die 
Freiheiten   der   Kleriker    (sagte   der   Nuntius)    die   Anfänge    zu   allen 
Kezereien  gewesen  wären'). 


')  M.  Oachardy  Don  Carlos  et  Philippe  If.,  Brux.  1863,  t.  II,  p.  372  sq. 

')  Im%8  de  Cabrera,  VJI,  cap.  IK  Caando  volvian,  en  los  puertos  de  Espafia 
Qo  fältaba  qnien  les  metia  in  prision  y  entragaba  d  sa  mayor,  que  los  ponla  donde 
purgaban  sa  culpa  y  pagaban  su  atrevirniento  hasta  morir  (ihre  Verwegenheit  bis 
zu  ihrem  Tode  büssten),  como  se  hizo  con  un  Cartuxo  —  do  GuadiXi  I,  p.  511. 

*)  Die  Denkschrift  vom  2.  März  1565  steht  bei  H,  Lämmer  —  Meletematam 
Romanorum  Mantissa,  Ratieb.  1875,  p.  220—222). 


520  Rtoapitalation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapifel.  Der  vierte  n.  fünfte  Band. 

Aebnliche  VorstelluDgen   machte   am  9.  Februar  15G9    der  Nuu- 
t'ius  J.  B.  Castagna,   Erzbischof  von  Rossano,   gegen   das   königliche 
Exequatur  in  Neapel.     Aber  Alles    war   vergebens.    Vielmehr  brachti 
jedes  Jahr  neue  Ausdehnungen  der  königlichen  Gewalt    Der  Nuntius 
litt  peinlich  darunter.     Philipp  II.   nahm   eine  wahre  Schozherrlichkeit 
über  die  Kirche  selbst  in  Anspruch,  sich  stiizend  auf  das  Tridentinuui. 
Eine  Pragmatik  vom  20.  Nov.  1569  hielt  ausdrucklich  an  dem  Rechte 
des  Placet,   der  ^Retencion*  der  Bullen  fest.  —  Um  so  harter  fühlte 
^*«    sich  Philipp  IL  getroflTen,  als  Pins  V.  im  Juli  1568  die  alte  Bulle  „In 
,ia    coena  Domini"  mit  neuen  Verschärfungen  veröffentlichte.  Den  Abdruck 
coon»  (jej.  Bulle  in  Spanien  hatte  schon  Carl  V.  im  Jahre  1551  unter  schweren 
mint^  Strafen  verboten.   Spanien  und  Venedig  protestirten  auf  das  Lebhafteste. 
Philipp  IL  erklärte  dem  Nuntius  in  Madrid  mit  Nachdruck,  er  werde 
nicht  dulden,   dass  seine  Majestät  und  seine  Prärogativen  beeinträch- 
tigt würden*). 

Mehrere  Bischöfe,  namentlich  in  Italien,  wurden,  als  sie  dennocli 
die  Bulle  verkündigten,  in  den  Kerker  geworfen,  oder  mit  dem  Verlust 
ihrer  Temporalien  und  persönlichen  Güter  bestraft*).  Der  spanische 
Gesandte  in  Rom  hatte  desshalb  sehr  lebhafte  Händel  mit  Pias  V., 
der  fest  auf  seinem  Entschlüsse  beharrte,  und  Spanien  nnd  Venedig 
sogar  mit  dem  Interdikte  bedrohte'). 
DiflTür-  Philipp  IL   gab   in  geringeren  Dingen   nach.    Die  Türkengefahr 

f«hr    aber  zwang  den  Papst,  gerade  mit  Spanien  und  Venedig  ein  Bündniss 
bringt  2;a  sucheu,  das  im  Jahre  1571  geschlossen  wurde,  und  zu  der  Schlacht 
aam    vou  Lcpanto  —   7.  October  1571  —   führte.     Pius  V.   konnte   nicht 
Nach-  ^oy  anders,  als  dem  einzigen  Monarchen,  der  sich  ihm  zur  Verfugung 
stellte,  sich  gefällig  erweisen.    Im  Beginne  des  Jahres  1571  erneuerte 
er  sowohl  die  Cruzada,  als  auch  das  ^Subsidio^  des  spanischen  Kleras 
auf  fünf  Jahre.    Philipp  IL   versprach,   stets  60  Galeeren   zu   unter, 
halten.    Bald  aber  wurden  diese  Einkünß;e   auch   zu  andern  Zwecken 
verwendet    Herr  Nuntius,  sagte  der  Bischof  von  Cnenca,  Philipp's  IL 
Beichtvater,   zu   dem  Erzbischofe  von  Rossano:   Es   ist  Sr.  Heiligkeit 
so  ergangen,  wie  die  Castilianer  im  Sprichworte  sagen,  dass  die  Hart- 
leibigen schliesslich  am  Durchfall  sterben^). 

Der  Papst  zeigte  sich  jezt  auch  in  principiellen  Streitfragen  nach- 
giebig«    Im  Jahre    1570    anerkannte    er   die  Clausein,    unter   deoeo 


')  Depesche  des  Erzbischofis  v.  Bossano  vom  28.  Jali  1568.  —  Grachard^  ies 
bibliothöques  de  Madrid  et  de  rEscnrial;  Brüssel,  1875,  p.  114. 

')  Oianone,  p.  100.  —  Em,  Friedberg,  die  Grenzen  zwischen  Staat  a.  Kirche. 
1878,  p.  545. 

*)  Gontinnation  de  Fleury^  t.  34,  548. 

^)  Belazione  di  Leon  Danato,  p.  380. 


Pius  V.  und  Philipp  11.  521 

Philipp  II.  das  Tridentinum  verkündigt;  er  erklärte  in  einem  „Motu 
iroprio^,  bei  allen  apostolischen  Privilegien^  die  dem  Trienter  Concil 
zuwiderliefen,  seien,  wenn  sie  nur  vom  frühern  Papste  eigenhändig 
unterzeichnet  seien,  vf^eder  eine  besondere,  noch  allgemeine  Dero- 
gation des  Concils  zu  ihrer  ferneren  Giltigkeit  nothwendig  ^).  Im 
fahre  1571  billigte  er  durch  ein  Breve  das  allerdings  milde  Verfahren 
ier  „Kecursos  de  fuerza'%  wie  es  in  den  Ländern  der  Krone  Aragon 
iblicb  war.  —  Fast  eine  Million  Ducaten  zog  jezt  der  König  jährlich 
fcus  kirchlichen  Quellen. 

Philipp  IL  hatte  den  spanischen  Klerus  so  vollständig  von  Rom 
gelöst,  dass  er  nur  noch  durch  das  Band  des  Glaubens,  nicht  aber 
lurch  das  der  Organisation  und  Disciplin  mit  dem  Papste  verknüpft 
Kvar.  „Niemals  hat  in  neuem  Zeiten  der  Staat  wieder  vermocht,  so 
kveitgehende  Rechte  und  Befugnisse  über  den  katholischen  Klerus  zu 
3rlangen"  *)• 

Als  der  Erzbischof  von  Rossano  im  August  1571  eine  Instruction 
:ür  seinen  Nachfolger  als  Nuntius  schrieb,  wagte  er  nur  leise  von  den 
Hindernissen  seiner  Thätigkeit  zu  reden,  die  er  dem  Consejo  de  Ga- 
st illa,  und  nicht  dem  Konige  zuschrieb').  »,Der  König  aber  ist  ein 
;ehr  grosser  Christ  ^).  Mit.  Schmerzen  trug  Pius  Y«  das  ihm  aufge- 
adene  Joch.  Im  Herbst  1570  Hess  er  durch  Vinzenz  Justiniani,  den 
General  der  Dominikaner,  dem  König  mit  beweglichen  Worten  die 
„missbräuchliche  Gestaltung'^  der  „Monarchia  Siciliana^'  und  des  „Exe- 
quatur'^  vorstellen.  Nach  dem  1.  October  1571  gab  sein  Nuntius? 
Cardinal  von  Alexandrien,  eine  dringende  Denkschrift  über  diese  Dinge 
ein^).  Aber  Justiniani  wurde  kurzer  Hand  ohne  Bescheid  abgefertigt, 
der  (>ardinal-Nepote  zwar  ehrenvoll  aufgenommen,  aber  doch  mit 
nichtssagenden  Worten  ,|heimgeschickt^.  —  Die  Catalonier  schickten 
wegen  der  Ausdehnung  der  Inquisition  in  das  ausserkirchliche  Gebiet 
Gesandte  an  Pins  Y.  Eine  alte  Bulle  habe  die  Inquisition  auf  Ver- 
brechen  gegen   die  Religion   beschränkt,  in  zweifelhaften  Fällen  dem 


')  JSalgado,  2,  1,  Gd,  p.  144. 

*)  Friedberg,  S.  560,  not  6. 

*)  Phüippson,  bei  Sybel;  1878,  S.  419-157. 

*)  Die  ganze  Stelle,  8.  oben,  2,  2,  S.  2.  —  die  ScLIÜsse  aber,  die  ich  im 
Jahre  1864  ans  dieser  Stelle  gezogen,  ziehe  ich  nicht  mehr  ans  ihr;  der  Nnntins 
hat  sich  getäuscht,  oder  wollte  nicht  die  ganze  Wahrheit  sagen. 

')  Sie  steht  bei  Lämmer:  Mantbsa,  p.  226-227.  — -  Gtanone,  Ausgabe  vom 
Jahre  1823,  X,  ISO,  205. 


X) 


O  - 1:  Recnpitnl.ition  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  u.  fünfte  Band. 

Papste  die  Entscheidnng  überlassen;  sie  verlangten^   dass  die  Inquisl- 
Die  In-  ^\q^  Jq  Barcclona    bei    icdem  Processe   öffentlich  darle^ren  solle,   da5> 
tion  in  der  Verhaftete  wegen  Kczerei  in  Hafl  sei.    Diesen  Klagen  zeigte  siih 
^**'*«"  Pills  V.  im  Ganzen  gunstig.     Er  erliess  ein  Breve,  das  eine  Appella- 
tion von  der  spanischen  Inquisition  an  den  Papst  für  erlaubt  erkiaite. 
Aber  der  königliche  Rath   erklärte    das  Breve   in    der    herkömmlichen 
Form    der  „Supplicatio   ad  Sanctissimum"    fiir    unverbindlich.     Einige 
Opponenten  in  Barcelona  wurden  eingekerkert,  weil  sie  schlechte  Katho- 
liken seien;  denn  sie  opponirten  dem  heiligen  ^Officium".    Philipp  II. 
erklärte  Pius  V.,   er  möge  nicht  die  Rechte  der  spanischen  Krone  an- 
tasten, und  nicht  ,,die  katholische  Majestät  entehren.^ 

Pius  V.,  gelähmt  wegen  der  Türkenkriege,  erlangte  nichts,  al< 
die  Freilassung  der  Eingekerkeilen.  Diese  wollten  aber  nicht  frei 
werden,  bevor  die  Inquisition  erklären  würde,  sie  seien  im  Rechte, 
und  nicht  wegen  Kezerei  in  Haft  gewesen.  —  Die  Catalanen  hatten 
mehr  als  1CH).OÜO  Goldthaler  auf  die  Unterhandlungen  in  Rom  verwendet '  j. 
Der  König  legte  ferner  Verwahrung  gegen  die  Bulle  ,>in  coeua 
Domini"  in  Rom  ein,  und  verbot  jedes  ihr  entsprechende  Verfahren -J 
()57i^).  Die  spanischen  Juristen  bewiesen,  dass  es  nicht  der  Zurück- 
weisung der  Bulle  bedurft  hätte,  vielmehr  die  darin  enthaltenen  Straf- 
androhungen sich  nicht  auf  das  in  Spanien  gebräuchliche  Verfahren 
der  „Retencion**  und  der  „Recurse*'  beziehe.  Die  Bulle  ist  bis  aut 
den  heutigen  Tag  nicht  in  Spanien  recipirt  worden.  Vergeblich  schlug 
der  Cardinal  Alessandrino  vor,  statt  weltlicher  Gerichtshöfe  zur  Prüfimi: 
der  „Recursos  de  la  Fuerza*  „Roten  (Rotas)**  zu  sezen,  deren  Richtt  i 
von  Philipp  II.  selbst  zu  ernennen  seien,  und  die  endgiltig  über  d'w 
Recurse  zu  entscheiden  hätten.  Er  kehrte  un verrichteter  Dinge  nach 
Rom  zurück,  als  Pius  V.  schon  gestorben  war  (5.  Mai   \bl2). 


§.  7. 

Am  13.  Mai  wurde  Hugo  Bnoncompagni  —  Papst  Gregor  XIII. 

—  gewählt.     Seine  Gewandtheit  und  Milde  als  Legat  in  Spanien  wnrJt 

p.  Gre- gerühmt.    Er  war  gegen  Philipp  II.  durchaus  nachgiebig.   Er  erweittiu 

gorxni.  ^      „Excusado"   dahin,    dass   er    immer   das   reichste  Haus    in    jedi  j 

nähert  »  j  j 

■ichPhi-  Pfarrei  treffen  sollte,  auch  dort,  wo  der  Zehent  an  weltliche  IVrsoiu  i» 
"**^"'  abgetreten  war^).     Am  15.  März  1573  gewährte  er  die  von  Philipp  II. 


')  l^•!nz.  di.  Leon,  Donato,  p.  3(>6  sq.  —  Salgado^  de  snpplie.  ad  Sancti« 
2,  3',  137— 13S  (p.  332). 

';  Vic.  de  La  Fuente^  V,  p.  318-319  („Protestas  contra  las  Rdictones  hachns  pt>r 
Sin  Piü  V.  cn  la  Bnia  do  1h  cen«)    — IScdgado,  1,  2,  1G2  sq.  (p   30.) 

•)  La  Fmnte,  V,  p.  323. 


Gregor  XIII.  nnd  Pliilipp  II. 

■gen  die  ctwälinte  Bulle  PJus'  V.  über  die  zu  wicdeiliolc 
T  zum  IJeicIithören  ermächtigten  Priester  eingelegte 
id  „reformirte"  die  Bidle ').  Fbilipp  11.  vcreünmte 
ipstos  Milde  gegen  ihn  im  reichsten  Maasse  niisziini 
n  L'7.  October  IÖ73  erliese  sein  königiiclicr  Kath 
<s  oin  für  allemni  päpstliche  Biuven,  die  in  kirchlich« 
;)inicn'ti  Spniiier  vor  ausländische  (also  ancli  römische)  Ü 
r  ungültig  erklüite.  Pamit  war  Rom  ans  Spanien  a» 
-  Die  Conacrvaloren  der  Orden,  Universitäten,  frommi 
jrften  nnr  Spanier  sein.  Diese  Griindsäze  winden  (auch 
renge  ausgeföbit*).  Kein  spanischer  Bischof  oder  V 
ich  der  Papst  nicht  wagte  zw  widersprechen,  oder  auch 
iirren.  Jncoh  Biioncompagni,  der  Sohn  des  Papstes, 
hilipp  ir.  stattliche  EiokTinfle,  die  Grosscomthnrei  vc 
ie  jährlich  12.000  Goldthuler  abwarf,  das  Generalat  der 
1  Mailand  mit  6000,  und  eine  Compagnic  spnnisschcr 
it  lOOO  Goldthalero,  und  vieles  andere  mehr. —  Der  Cai 
iioncompagnt,  Neffe  des  Papstes,  erhielt  eine  Pension  voi 
n  Gegendiensten  liees  es  der  Papst  nicht  fehlen.  Du 
Biie  Concessionen  steigerte  der  Papst  die  Einkünfte  Phi 
irchlichen  Quellen  bis  zum  Jahre  1575  uni  eine  Million 
asä  sie  sich  auf  S'/i  Hillionen  jährlich  beliefen. 

Am  I8.  Juli  1579  gewährte  der  Papst  dein  Könige 
er  Zehnten  und  Erstlingsfrüchfe  von  gewissen  Novalie 
11(1  den  Canarias,  mit  einigen  weitem  finanziellen  Wol 
CS  Papstes  öftere  dringende  Einladung  sandte  er  den  1 
Java  und  den  Jnristeu  Franc,  de  Vera  nach  Rom,  um  ai 
fi/.lichen  nnd  endgültigen  Beilegung"  der  zahlreichen  Zn 
er  geistlichen  and  weltlichen  Gewalt  in  den  italienische 
panien's  zn  arbeiten^). 

Aber  Philipp  II.  war  unersättlich  und  erzürnt,  weil 
iclit  Alles  that,  was  er  wollte.  Er  beklagte  eich  üb 
'ardinäle;  er  geizte  mit  Pensionen  und  anderen  Wohl 
ordinale.  Seine  Hauptklage  war,  dass  troz  der  um 
.'erdienste,  die  er  sich  um  Rom  erworben,  Rom  doc 
li\ä  halb  kezerieche,  nnznverlässigc,  mehr,  als  ihn  begünstige 
veigertc    sich,    mit    iiuu    ein  Schuzbündniss    in  Betrefi"  '. 


')  Bullar.  raagn.  cii.  I.ugrtun  ,11,  p.    .TO  sq.  —  Salgado,  1 

p.  ae,  57). 

')  läalgadit.  2,  11,  !)r>-100  (p.  19J-ia4). 
')  Reluz.  dl  Lor.  Frittli  (IfJn);  Mut.  Zane  ( l.'J84)!  Paoh  Tie 
Alben,  1,  p.  5,  264,  Ö6;);  U,  4,  221)  eq.  —  Bergenrötker,  p.  21.) 


524  Rccapitalation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  E^apitel.  Der  vierten,  fünfte  Band. 

etwaige  Angriffe  der  Hagenotten  zu  schliessen.  Als  weltlicher  Für*^ 
masste  sich  der  Papst  auf  die  Seite  Frankreichs  neigen,  da  er  to- 
Spanien  ganz  umsponnen  war.  Die  Bündnisse,  sagte  er  Philipp  II.. 
dürfen  nur  gegen  die  Ungläubigen  im  Allgemeinen,  nicht  aber  wid* 
eine  besondere  Nation  abgeschlossen  werden,  um  unter  diesem  Vor 
wände  die  Franzosen  von  Italien  ferne  zu  halten.  Es  ist  Pflicht  dt 
heiligen  Vaters,  für  die  Erhaltung  des  Friedens  Sorge  zu  tragen,  nicli 
bloss  in  Italien,  sondern  in  der  ganzen  Christenheit,  und  zu  dieser 
Zwecke  ziemt  es  ihm,  neutral  zu  bleiben'). 
Die  In-  \^ie  liber  seinen  Augapfel  wachte  Philipp  11.   über   die  Inqnisi 

uon  V.  tion.    In  den  Jahren   1582 — 1583    hintertrieb   er   wiederholt  Appelln 
^^^'    tionen  nach  Rom;   er   schrieb  „sehr   dringend   und  nachdrücklich^  ar 
gehfltet^  den  Papst,   er  dürfe  keine  von  der  Inquisition  verhängte  Strafe  durcl 
Dispens  oder  Nachlass  aufheben  oder  verringern^). 

Er  verharrte  überall  auf  seinem  alten  starren  Standpunkt.  Dem 
er  war  unfehlbar,  der  Papst  aber  fehlbar.  Als  Gregor  XIII.  durcl 
Bulle  vom  4.  April  1583  über  alle  Kezer,  sowie  alle,  welche  dei; 
Bestimmungen  der  Bulle:  „In  coena  Domini^  entgegenhandeln  würden, 
die  Ezcommunication  aussprach^,  erneuerte  Philipp  11.  sofort  den  Aus 
schluss  dieser  Bulle  aus  allen  Ländern  seines  Reiches^).  —  Erst  i 
der  lezten  Zeit  Gregorys  XIIL  trat  eine  theilweise  Annäherung  zwiscbe 
ihm  und  Philipp  II.  ein,  wegen  des  spanischen  Unternehmens  gege 
England^). 

Am  20.  October  1584  gab  der  Papst  ziemlich  ausgedehnte,  vor 
Philipp  II.  bald  willkührlich  ausgedehnte  Facultäten  zur  Beileguod 
der  Streitigkeiten  der  kirchlichen  Behörden  in  Spanien  untereinander 
Damals  wurde  die  Bedeutung  der  Nuntien  sehr  zu  Gunsten  des  König- 
thnms  vermindert*). 

§.  8. 

Am  10.  April  1585  starb  Gregor  Xllf.,  am  24.  April  wunl' 
Sixtus  V.  zum  Papste  gewählt.  Philipp  II.  und  er  liebten  einander 
nicht.  Sixtus  V.  hatte  unerfreuliche  Eindrücke  von  seiner  Reise  not  i 
Spanien  zurückgebracht.  Zuerst  gab  es  kleinere  Gonflikte  mit  Mailand 
und  Neapel.  —  Im  October  1586  erschien  in  Madrid  „die  Pragmatik 


')  Mat.  Zane,  p.  367  sq. 

•)  Satgado,  2,  83,  138—140  (p.  332). 

«;  BiillHr.  Roman,  cd.  Cocquelinus,  t.  IV,  P.  IV,  Rom.  1748,  p.  27-31. 

*)  Fic.  de  La  Fuente,  V,  p.  318. 

*)  Hübner,  Sixt  V,  I.  p.  374.    Depesche  Vinc.  Gradenigos  v.  22.  Febr.  Ib: 

•)  UergmTöther,  10,  30. 


Sixtafl  V.  und  Philipp  IL  (1585-1590.)  525 

der  Titel^,  und  es  fragte  sich,  ob  man  den  Nuntius  „Monsignor^  oder 
„Monsignor  reverendissimo^  nennen  solle.  Der  Papst  verbot  bei  Strafe 
der  Excommunication,  sich  dieser  Titel -Pragmatik  zu  unterwerfen, 
Dafiir  verbot  Philipp  II.  verschiedene  Bullen  Sixtus*  V.;  er  verbot  dem 
Inquisitor  in  Sardinien,  sich  nach  Rom  citiren  zu  lassen ').  —  Wegen 
des  Feldzngs  gegen  England  aber  trat  die  Missstimmung  zurück.  Für 
diesen  Zweck  gab  Sixtus  V.  (im  Jahre  1587)  jährlich  800.000  Gold- 
thaler,  und  suchte  die  „heillose  spanische  Langsamkeit^  in  ein  schnel- 
leres Tempo  umzusezen«  Dem  Konige  bewiUigte  er  zudem  ein  „Snb- 
sidio  ecclesiastico^  von  jährlichen  420.000  Ducaten*).  —  Im  Jahre  1587 
schenkte  er  dem  Eonige  auch  das  Hochmeisterthum  des  Ordens  von 
Montesa^).  Als  aber  der  Feldzug  misslang,  wurde  Sixtus  V*  zornig  siztosv 
auf  PhUipp  II.  Er  weigerte  sich,  die  Million  Goldthaler  nach  Spanien  ^^^•J** 
zu  senden  (Sept.  1588);  er  leugnete^  die  Absendung  der  „Armada^  an-  gisch. 
gerathen  zu  haben.  Die  spanischen  Gesandten  Olivares  und  Herzog 
von  Sessa  waren  mit  Hass  gegen  Sixtus  V.  erfüllt.  Olivares  schlug 
dem  Könige  ein  „Schisma^  vor;  ein  spanisches  Nationalconcil  sollte 
über  den  Papst  zu  Gerichte  sizen.  Im  Juni  1589  sagte  Philipp  II.  zum 
päpstlichen  Nuntius,  er  werde  ihn  nur  noch  im  Nothfalle  empfangen.  — 
Je  mehr  Heinrich  IV.  von  Frankreich  sich  zu  Sixtus  V.  hinneigte,  um 
so  mehr  wendete  dieser  sich  ihm  zu.  In  Madrid  sah  man  mit  Arg- 
wohn, wie  Sixtus  V.  sich  eine  Kriegsmacht  schuf  und  fürchtete  An- 
griffe auf  Neapel^).  Endlich  trieb  Philipp  U.  zur  Entscheidung.  Eübner 
^gefallt  sich  hier^  Philipp  II.  in  Schuz  zu  nehmen.^  Olivares  sollte  den 
Papst  nöthigen,  1)  zur  Entfernung  des  französischen  Gesandten  Luxen- 
burg;  2)  zur  Excommunication  aller  französischen  Prälaten,  die  auf 
Seite  des  „Prinzen  von  Beam^  ständen;  3)  zur  Erklärung^  diesen  als 
rückfälligen  Kezer  nie  in  den  Schoos  der  Kirche  aufzunehmen. 

Olivares  war  einer  der  wüthendsten  Spanier,  die  je  einmal  Ge- 
sandte in  Rom  waren.  Er  griff  den  Papst  personlich  an,  und  wollte 
vor  ihm  einen  feierlichen  Protest  im  Namen  des  Königs  erheben. 
Sixtus  y.  aber  nannte  den  Grafen  ^^ einen  Verbrecher,  Stein  des  An- 
ßtosses,  und  Ursache  aller  Uebel^^  und  drohte  ihn  aus  Rom  zu  ver- 
treiben*). Der  Papst  beschwerte  sich  bei  Philipp  II.  Dieser  aber 
schrieb   an  den  Papst,   sein  Brief  sei   eine  „Ungereimtheit^,  worin  er 


*)  Salgado,  2,  33,  141  (p.  332)» 

«)  Mod.  LaßtenUf  VII,  p.  530. 

')  Relaz.  di  Franc.  Soranzo  bei  Bar.  et  Berchenroth,  1,  1,  48. 

')  Tomas  Contarini  1593  bei  Albert,  I,  5,  439. 

')  Depesche  Oiivares  bei  dem  französischen  Hühner  III,  p.  379 ,  v.  3.  März 
1590.  (Von  HiUmer^s  Sixtas  V.  erschien  gleichzeitig  eine  französische  und  deatache 
Aasgabe.) 


520  Kecapitulation  des  g:)DzeD  Werkes.  Ylertcs  Kapitel.  Der  vierte  n.  fünfte  Baod. 

bezweifle,  dass  Philipp  U.  den  ,, Protest^  seines  Gesandten  befohle^ 
Labe^).  Im  Mai  1590  sandte  er  den  Herzog  von  Sessa  nach  Koi: 
giebtzu-  um  bei  Sixtus  V.  mildere  Saiten  aufzuziehen.  Auch  Sessa  gieng  bal 
nach,  zu  Drohungen  und  zu  Zwang  über;  und  nicht  ohne  Erfolg.  Luxti* 
barg  wurde  vom  Papste  nicht  mehr  empfangen.  Rom  versprach,  da- 
es  nie  Jemand  als  König  Frankreichs  anerkennen  wurde,  der  Philipp's  I 
Billigung  nicht  empfangen.  Mitte  Juli  1590  wurde  ein  Offensivbündni-^ 
zwischen  dem  Papste  und  dem  spanischen  Gesandten  aufgesez* 
Sixtus  V.  aber  starb  am  27-  August  J590,  welche  Nachricht  in  Spa 
nien  erfreute. 

Am  15.  September  1590  wurde  der  Cardinal  Castagna  (Rossam- 


»^ 


^'^    Papst  als  Urban  VI,,  ein  lauter  Bewunderer  Philipp's  IL,  der  ihn  eint 
(1590  —  „grossen  Christen"  genannt.    Ihn  hofl^e  man  völlig  als  Geschöpf  Pp: 
1590),  nicn's  ausnüzen  zu  können,  so  wie  etwa  seiner  Zeit  Carl  V.  über  sein 
derer   Erzichcr  Adrian  V.  gesagt  hatte:  „Ich  verfüge  über  ihn  wie  über  ein 
^***"    in   meinem  Hause  Erzogenen"*).     Allein    schon    nach   13  Tagen    sta 
'  der  Papst.    Lange  dauerte  das  neue  Conclave*). 

Montalto,  Neffe  Sixtus'  V.,  stand  auf  der  antispanischen  Seite;  giJ 
spanische  Cardinal  Mendoza  verfugte  aber  über  mehr  als  ein  Drittel  iK 
li^^n  Stimmen.  Philipp  IL  erfrechte  sich,  eine  eigentliche  „Inclusive"  tin 
schreitet  führen  zu  wollen,  nachdem  er  früher  das  Recht  der  „Exclusive'^  sie! 
^Exciu'  erstritten.  Er  bezeichnete  den  Wählern  ganz  positiv  diejenigen  Ca: 
siTe"  dinäle,  aus  denen  allein  er  einen  Papst  anerkennen  würde.  Er  trr.| 
■yr^^Jkein  Bedenken,   dem   heiligen  Geist  in   die  Arme   zu   fallen   und  dt: 

ciutive  '  A  « 

fort.    Kirche  den  Nachfolger  des  Apostelfürsten   dictatorisch    bestimmen   zj 
wollen.     Sieben  durchaus  spanisch  gesinnte  Cardinäle  nannte  er,  untc: 
ihnen   möge  Montalto   selbst   wählen.    Dieser   gab   endlich   nach  uii ! 
Papst  wählte  den  spanischen  Candidaten  Cardinal  Sfondrato  —  Gregor  XIV., 
gopxiv.  ^'  December  1590.     Philipp's  Unterthan,   stammte   er  aus  einem  sti:.- 
1500—  spanisch  gesinnten  Hause.  Sein  Bruder  Ercole  war  Diplomat  Philipp^s  II. 
'    Von   den  Staatssachen   verstand   er   nichts.     Der   spanischen    Leitim^ 
ergab    er    sich   völlig.     Alle  Katholiken    forderte    er    unter   seh  wert  r. 
Kirchenstrafen   zum    Abfalle   von    Heinrich  IV.    auf,    unterstüzte   d 
Ligue  durch   seine  Legaten,    durch  Sendungen   von   Geld   und  Mann- 
schaften, es  leerten  sich  die  von  Sixtus  V.  gesammelten  Schäze*). 

Aber  selbst  ihm  Hessen  die  spanischen  Juristen  nichts  hingtheu 
Als  er  am  9.  Juli  1591    eine  Bulle  erliess,   welche   das  Asylrecht  ilc 


it 


')  Depesche  v.  San  Lorenzo  vom  12,  Juni  1590  {Hübner,  III,  p.  451). 
•)  Tom.  CorUarini,  438. 

*)  Ueber  die  Wahl  Gregorys  XIV.  s.  Gindely,  Papstwahlen  in  den  Sizun^-b- 
berichten  der  Wiener  Akademie  der  Wissenachaften,  38  (1^61),  S.  253—257. 
*)  Tom,  Contarini, 


„Die  Inclusive  Phfllpp's  II."    Clemens  Vill.  und  Philipp  IL  (1592—159.«^).     527 

Kirchen  wahrte,  wurde  ihm  von  Spanien  der  Gehorsam  versagt.  Er 
staib  aber  am  15.  October  1591,  und  schon  am  29.  October  wurde 
Fachinetti  zum  Papst  gewählt*).  lunocenzIX.  war  ein  eifriger  Anhänger  inno- 
der  Ligue,  doch  war  er  den  Spaniern  nicht  ganz  so  angenehm,  wie  <'«°'^*^» 
der  vorige.  Auch  er  starb  schon  am  30.  December  1591.  Am  30.  Ja- 
nuar 1592  wurde  Hippolyt  Aldobrandini —  Clemens  VIII.  —  gewählt, 
mit  gutem  Verständniss  für  die  Staatsgeschäfte  begabt*).  Mit  seiner 
Wahl  war  Philipp  II.  keineswegs  einverstanden.  Sofort  richtete  der 
Papst  einen  freundschaftlichen  Brief  an  Philipp  U.;  allmälig  bekam 
man  von  ihm  eine  bessere  Meinung  in  Madrid^). 

Fast  drei  Jahre  lang  wandelte  Clemens  VIU.  in  den  Bahnen 
seiner  beiden  Vorgänger,  wenn  auch  mit  minderer  Hize.  Er  gestand 
Cruzada,  Excusado  und  Subsidio  zu,  so  dass  Philipp  II.  nur  aus 
kirchlichen  Quellen  zwei  Millionen  Ducaten  zog.  Clemens  VIII.  er- 
schien jczt  als  „ganz  spanisch." 

Gerade  diess  Bündniss  gab  Philipp  II.  die  „Unverfrorenheit*',  PhHipp« 
mit  einer  Schärfe  die  Unabhängigkeit  der  spanischen  Kirche  zu  be-  s^ämt- 
treibeu,   wie  sie   wohl   nie  schroffer  durch  einen  „Gallicaner"   hervor-     **®*' 

wuchst 

gehoben  worden.  Auf  eine  Petition  der  Cortes  vom  Jahre  1593  er- mit  der 
klärte  er:  Da  sich  die  Nuntien  auf  Artikel  16  der  Bulle:  „In  coena  ***^ 
Uomini"  berufen,  da  das  Heilmittel  der  „Recursos  de  la  fuerza"  das 
wichtigste  und  nothigste  ist,  was  es  zum  Wohle,  zur  Ruhe,  und  zur 
guten  Regierung  (dieser  Reiche)  geben  kann,  ohne  welches  das  ganze 
Cieraeinwesen  in  Verwirrung  gerathen  wurde:  so  befehlen  Wir  unserem 
Käthe  und  unseren  Appcllhöfen^  dass  sie  grosse  Sorgfalt  darauf  ver- 
wenden, den  Parteien,  die  bei  ihnen  durch  Anrufung  „de  fuerza"  Ab- 
hilfe suchen,  ihr  Recht  zukommen  zu  lassen,  in  Uebereinstimmung  mit 
dem  Rechte,  und  unvordenklichen  Herkommen,  den  Gesezen  und  Ver- 
ordnungen dieser  Reiche,  und  dass  sie  in  Gemässheit  dieser  alle  Ueber- 
treter  strenge  bestrafen"*). 

Wieder  wurde  verboten,  dass  ein  kirchlicher  Process,  der  noch 
in  erster  Instanz  schwebe,  an  die  Rota  in  Rom  gebracht  werde,  ent- 
gegen der  Praxis,  welche  die  Rota  längst  befolgte.  Die  Bulle  Cle- 
mens VIII.  vom  19.  Juni  159:1  über  die  Geschenke  von  und  an  Kloster- 
Irute,  ganz  harmlosen  Inhalts,  wurde  in  Spanien  ebenso  wenig  an- 
genommen, wie  manche  Anordnungen  der  päpstlichen  Kanzlei.  Rota 
und  „Consejo"  lagen  erbitterter  als  je  im  Streite.  Der  „Consejo"  bestrafte 


•)  Tom,  Ctmtarini,  S.  438  flg. 
')  Tom.  Contarini,  S.  439. 

^)  0s8cU  an  Villeroy  vom  17.  Jan.  l'M:  —  Ich  glaube,  dass  der  Papst  mehr 
Zimc'rgung  za  Frankreich,  als  zu  Spanien  hat.  —  Lettres  d*0s8at,  2,  27. 
*)  Naeva  Rocopilacion,  lib.  2.,  t.  5.  1.  &0. 


Baro- 
nin«. 


528  Recapitnlation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  a.  fünfte  Band. 

die  an  die  ^,Rota^^  Appellirenden  mit  Gritereinziehangy  and  oft  mit 
Verbannung  *). 

In  Rom  wollten  sich  die  Cardinäle  nicht  mehr  von  Philipp  II. 
commandiren  lassen.  Auf  ihr  Betreiben  trat  eine  Commission  von  Theo- 
logen zusammen,  die,  sich  st&zend  auf  eine  scharfe  Bulle  PauPs  IV., 
und  eine  andere  Pins'  IV.,  das  Verfahren  Philipp's  II.  geradezu  als 
„ipso  facto^^  der  Excommunication  unterworfen  bezeichnete.  Sie  ver- 
dammte besonders  den  direkten  Zwang,  den  Philipp  durch  die  „In- 
clusive*^  auf  einen  grossen  Theil  der  Cardinäle  ausübe,  den  Ausschluss 
oft  der  trefflichsten  und  geeignetsten  Männer  durch  die  Exclnsive 
Card.  (Cardinal  Baronius  wurde  zweimal  durch  die  Spanier  „excludirt")  aus- 
übe, die  formliche  Simonie,  deren  sich  der  König  durch  die  Bezahlung 
von  Cardinälen  mit  Rücksicht  auf  die  Papstwahl  schuldig  mache ^}. 
Der  Herzog  von  Sessa  wollte  diese  Anklagen  nicht  auf  sich  sizen 
lassen.  Im  Februar  1594  versammelte  er  in  Rom  alle  spanischen 
Theologen,  die  ihn  und  seinen  König  „rein  wuschen^^  Im  Jahre  ir39S 
wurde  ihr  Spruch  von  einer  theologischen  Junta  in  Madrid  bestätigt. 
Die  Cardinäle  aber  blieben  fest,  und  seitdem  war  es  mit  der  unbe- 
dingten Herrschaft  Spanien's  über  das  Conclave  vorbei^. 

Heinrich  IV.  war  1593  Katholik  geworden;  er  meinte,  dass  ein 
so  schönes  Königreich,  wie  Frankreich,  doch  auch  einer  Messe  werth 
sei.  „Heiliger  Vater^  sagte  der  Präsident  der  Rota,  Serafin,  Cle- 
mens VIT.  hat  England  verloren,  weil  er  sich  zu  sehr  beeilte,  Hein- 
rich VIII.  zu  excommuniciren,  und  Clemens  VIII.  wird  Frankreicli 
verlieren,  weil  er  zu  sehr  zögert,  Heinrich  IV.  zu  „absolviren".  Am 
17.  September  1595  fand  die  Absolvimng  und  Anerkennung  Heinrich^s  IV. 
in  Rom  statt,  während  Philipp  II.  ihn  immer  noch  als  Prinzen  von 
Bearn,  als  rückfälligen  und  heillosen  Kezer  betrachtete,  mit  dem  er 
seit  Januar  1595  im  erklärten  Kriege  sich  befand.  Aber  troz  aller 
Bitten  Heinrich's  IV.  weigerte  sich  Clemens  VIII.  beharrlich,  den 
Serafin  zum  Cardinal  zu  ernennen.  Am  1.  August  1595  und  10.  Ja- 
nur  1596  sezte  er  die  Vorrechte  der  spanischen  Inquisition  im  weitesten 
Umfange  fest,  und^erklärte  den  Generalinquisitor  als  einzige  und  aus- 
schliessliche Appell -Instanz  von  den  Urtheilen  und  Verfügungen  der 
Inquisitionsgerichte ^).  Diess  half  den)  Papste  nichts.  Philipp  II.  war 
tödtlich  beleidigt  „Obwohl  (sagt  Vendramin)  die  Absolution  nDti 
Rebenediction  „Navarra's'^  (Heinrich's  IV.)    das  Gemuth   des   Königs 


>)  Salgado,  I,  2,  138,  142;  2,  SO,  1.  4.  5-7.  10.  12.  14.  33.  37  (p.  35. 
240-242). 

*)  LcyrenXy  Papstwahl  und  Kaiserthnm,  S.  133  flg. 

«)  Oindely,  S.  258  flg. 

*)  Belaz.  di  Franc.  Vendramin  —  1595  ap.  Alberij  1,  5,  466  sq. 


^^S-PTT 


demens  Vlll.  ntid  Philipp  tl.  529 

ausserordentlich  bewegt  und  erschüttert  hat,   so   lässt  er  sich  dennoch    ^^• 
von  dieser  Kränkung  nichts  merken,  wie  es  auch  andrerseits  S.  Heilig-  gebr  be- 
keit  thut  in  Betreff  der  Beeinträchtigungen,  welche  die  Ansprüche  der  ^^^^^ 
Kirche  in  Spanien  erleiden,  wo  nicht  nur  Ihre  Anordnungen  und  Ver- 
fügungen vom  königlichen  Bathe    der  Gensur  unterzogen   und   abge- 
schwächt,  sondern  auch  ganz   verworfen   werden.    Darüber  hat  sich 
freilich  S.  Heiligkeit  oft   bei   den  spanischen  Botschaftern  beschwert, 
jedoch  völlig  fruchtlos.  Im  Cardinalcollegium  hat  jezt  der  Konig  nicht 
mehr   viel  Auctorität  wegen   seines   herrschsächtigen  Vorgehens,   und 
wird  er  in  Zukunft  noch  weniger  haben,  da  die  franzosische  Partei  zu 
ziemlicher  Grösse  gelangt  ist,   so  dass  sie  demnächst  der  spanischen 
kräftiger  wird  entgegenwirken  können.^ 

Philipp  n.  fühlte  es;  nach  so  vielem  Andern  hatte  er  auch  die 
Gewalt  in  Rom  verloren.  Kein  Wunder,  wenn  Clemens  VIII.  auf  den 
Tod  Philipp's  wartete.  Denn  sein  Nachfolger  galt  für  (und  war)  un- 
bedeutend, dabei  mild  und  versöhnlich.  Philipp's  Plane  hatten  Schiff- 
bruch gelitten.  Er  wollte  die  spanische  Kirche  unter  das  Joch  seines 
gleichförmigen  Absolutismus  beugen,  und  diess  gelang  ihm  fast  völlig. 
Er  wollte  seinen  Absolutismus  auch  auf  weltlichem  Gebiete  durch  kirch- 
liche Mittel  fordern;  er  wollte  aber  auch  der  Lenker  und  Leiter  der 
ganzen  Kirche  sein  —  und  diess  misslang  ihm.  Die  Interessen  des 
Glaubens  und  Spanien's  waren  ihm  identisch.  Aus  der  heiligen  rö- 
mischen £[irche  wollte  er  eine  heilige  spanische  (oder  Philipp'she) 
Kirche  machen.  Er  verlangte  mit  aller  Schärfe,  dass,  wie  Spanien  der 
Kirche  und  dem  Papstthume,  so  diese  unbedingt  Spanien  dienten. 
S.  katholische  Majestät  betrachtete  sich  als  das  weltliche  Haupt  der 
Kirche,  mit  dem  das  geistliche,  der  Papst,  stets  Hand  in  Hand 
gehen  müsste. 

,Jn  dieser   für  die  Kirche   so  gefahrlichen  Zeit,   schreibt  er  an 
seinen  Gesandten  in  Rom,  hat  S.  Heiligkeit  viele  Gründe  und  Ursachen, 
mir  zu  glauben  und  meine  Erinnerungen  und  Rathschläge   mit  ebenso 
grosser  Zuvorkommenheit  und  Bereitwilligkeit  aufzunehmen,  wie  seine 
Vorgänger  in  derselben  Hinsicht  gezeigt  haben.^'     Die  eifrigen  Katho- 
liken  ausserhalb  Spanien's  waren   den  Ansprüchen  Philipp's  II.   nicht    p^i- 
abgeneigt.    Heinrich  von  Guise  sagt:  „Ich  halte  S.  katholische  Majestät  ^j^  ^{, 
für  den  gemeinsamen  Vater  sowohl  aller  Katlioliken,   als  auch  meiner  i^in  die 
im  Besondem«>).  ^l^^^^ 

„Was  S.  Majestät  thut,  geschieht  für  den  Dienst  Gottes,  und  zum 
allgemeinen  Besten  der  Christenheit  und  des   katholischen  Glaubens. 


')  Philipp  IL  an  den  Herzog  von  Sessa,  vom  15.  Juli  1590.    Hühner^  3,  449 
(leider  sind  in  der  deutschen  Ausgabe  die  Documente  nicht  gedruckt). 

Oamj,  span«  KIrcho.  III.  2,  34 


530  Becapitnlation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel.  Der  vierte  n.  f&nfle  Band. 

Das  ist  notorisch.  Die  katholischen  Fürsten  brauchen  bloss  aufrichtig 
sich  ihm  anzuschliessen  und  sie  sind  sicher,  sich  auf  dem  guten  Wege 
zu  befinden"*). 

Würde  ein  Papst  sich  von  Philipp  II.  emancipiren,  es  wäre  dann 
kein  Zweifel,  dass  er  aus  „verwerflichen  persönlichen  Beweggründen'' 
handelte,  dass  er  eine  Art  von  Kezer  wäi*e.  Denn  Philipp  JI.  war 
„katholischer  als  selbst  der  Papst^^;  er  aUein  war  unfehlbar.  Einen 
solchen  Papst  bezeichneten  die  spanischen  Minister  und  der  Konig 
selbst  als  „vernunftlos",  „verhärtet",  „voll  schädlicher  Rathschläge", 
„mit  dem  schlechtesten  Herzen  von  der  Welt",  „ohne  Verständniss 
für  die  Staatsangelegenheiten",  „unzuverlässig",  „Ursache  des  Aerger- 
nisses";  er  wurde  beschuldigt,  , Jahrelang  nicht  gebeichtet  zu  haben^S 
Philipp  II.  schrieb  dem  Papste,  „dass  er  der  Kirche  in  ihren  grössteu 
Gefahren  vergesse"^).  Zahlreiche  andere  Stellen  finden  sich  in  seineu 
Depeschen.  Philipp  IL  wollte  keinen  Papst  aus  fürstlichem  Geschlechte, 
weil  dieser  mit  seinem  ganzen  Hause  über  seine  Bestecbungskünste 
erhaben,  und  nicht  so  leicht  einzuschüchtern  gewesen  wäre^.  — 
Philipp  II.  glaubte  steif  und  standhaft  an  seinen  und  Spanien's  Beruf, 
zu  herrschen  zur  Erhaltung  des  Glaubens,  zum  Dienste  Gottes.  Er 
war  der  Riese,  der  Atlas  war  er,  der  die  ganze  Welt  auf  seine  Schal- 
tern nahm,  und  sie  tragen  wollte.  Kein  Wunder,  dass  er  immer 
keuchte  und  jammerte,  den  Beleidigten  und  den  Trübseligen  spielte, 
und  jegliche  tiefe  und  wahre  Herzensfreude  ihn  floh.  Wenn  ein  arm- 
seliges Geschöpf  Gott  alle  seine  Lasten  abnehmen  und  sie  allein  tragen 
will,  so  muss  er  ein  —  Ritter  von  der  traurigen  Gestalt  werden. 


Durch  falsche  Berichte  irre  geführt,  habe  ich  S.  250  gesagt,  der 
Historiker  Luis  Cabrera  de  Cordova  hat  den  zweiten  Band  seiner  Ge- 
schichte Philipp's  IL  fertiggestellt;  das  Werk  wird  auf  Staatskosten 
gedruckt«  Es  musste  hcissen:  Das  Werk  von  Cabrera:  Phelipe  se- 
gundo,  rey  de  Espana,  das  im  Jahre  1619  in  2  vol.,  reichend  bis  zum 
Jahre  1583,  gedruckt  worden,  ist  jezt  auf  Staatskosten  neu  erschienen. 
Der  dritte  Band  (Madr.,  1877,  kl.  fol.)  reicht  bis  c.  1591;  ich  sage 
bis  circa  — .     Denn  man   kann   nicht  leicht  ein  geschichtliches  Werk 


')  Gnise  an  Mendoza  am  12.  Juni  1687  —  ap.  Croze^  \ea  Guises,  les  YhIuis 
et  Philippe  II.  Paris,  1866,  II,  p.  291,  —  Sessa  an  Ydiaquez  —  am  I.  Aug.  lf)70. 
Hühner,  II,  p.  22. 

')  Döllinger,  Beiträge,  I,  p.  503,  629.  {Hühner,  III,  p.  232,  244,  259,  3f)G.} 
*;  Giov.  Soranzo  1565,  I,  p.  5,  96.  —  QiroL  Soranzo  1602,  bei  Bar,  und 
Berchenrothf  I,  p.  1,  169  sq. 


531 

finden,  das  so  sehr  aller  chronologischen  Angaben  entbehrte,  wie  dieses 

im   schwerfälligen  Dithyramben- Stile  geschriebene  Werk.     Man  weiss 

nie,  in  welchem  Jahrzehent  man  sich  befindet.     Die  Ausstattung  zwar 

ist  sehr  splendid.    Aber   der  oder  die  Herausgeber  hätten  wenigstens 

die  Herausgeber  der  alten  Chroniken,  Gerda  y  Kico  und  Eugen  Llaguno  ^ 

(5,  418,  420)  nachahmen,  und  oben  auf  jeder  Seite  das  Jahr  angeben 

können,  in  dem  der  Leser  und  der  Auetor  sich  befindet. 

§.  9. 

Ein  neues  Werk:  „Philippe  H.  et  Don  Carlos  devant  Thistoire" 
par  Jose  OuUl  y  Rente  (Ex-Deputirter  der  constituirenden  Cortes  vom 
Jahre  1864),  ist  zu  Paris  1878  erschienen,  pp.  353.  Der  Verfasser 
nimmt  Don  Carlos  gegen  Philipp  H.  in  Schuz.  Am  Schlüsse  seines 
Werkes  giebt  er  eine  Blumenlese  der  r—  verwerfenden  —  Urtheilo  einer 
grossen  Anzahl  von  Schriftstellern  über  Philipp  U.  Vergleicht  man 
damit  das,  was  ich  über  Philipp  U.  gesagt,  so  sind  meine  Ausdrücke 
über  ihn  —  gelinde  und  milde. 

§.  10. 

Den  spanischen  und  nichtspanischen  Schriftstellern  nachfolgend 
habe  ich  (S.  298)  gesagt,  dass  Papst  Innocenz  XU.  im  Jahre  1700 
dem  Eonig  Carl  U.  gerathen  habe,  den  Philipp  (V.)  von  Anjou  (Or- 
leans) testamentarisch  als  seinen  Nachfolger  einzusezen.  Vor  Kurzem 
hat  Onno  Klopp  nachzuweisen  versucht,  dass  der  Papst  gar  keinen 
Ausspruch  in  dieser  Sache  gethan.  Der  Cardinal  Portocarrero  habe 
dem  schwachen  und  todtkranken  Carl  II.  fast  Gewalt  angethan,  sich 
für  die  Bourbon's  und  gegen  Oesterreich  zu  entscheiden^).  —  Das 
Schreiben  Carl's  II.  war  vom  13.  Juni  1700,  die  Antwort  des  Papstes 
vom  G.Juli  1700  (in:  Av^nement  desBourbons  autröned'Espagne,  t. II9 
p.  227  suiv.  n.  Hippeau  — ,  der  an  die  Aechtheit  der  Briefe  glaubt. 
Dagegen  findet  sich  bei  Jf.  Capefiguey  Louis  XIV.,  son  gouvernement 
et  sa  politique  exterieure,  Paris  1835,  6  vol.  (t.  IV,  p.  160)  der  ächte 
Brief  Carl's  IL)  Der  Inquisitor  Mendoza,  Torres,  der  Beichtvater  Carl's  II., 
und  die  Konigin  Maria  Anna  mussten  aus  Madrid  — 1700  entfernt  werden; 
denn  ihnen  hatte  Carl  II.  gesagt,  es  sei  ihm  bei  Anfertigung  des  Testa- 
ments Gewalt   angethan  worden.    (Theatrum  Europaeum,  XVI,  399; 


*)  Hat  der  Papst  Innocenz  XII.  im  Jahre  1700  dem  König  Carl  II.  von  Spa- 
nien gerathen,  daroh  ein  Testament  den  Herzog  von  Anjou  znm  Erben  der  spa- 
nischen Monarchie  za  ernennen?  Historisch-polit.  Blätter,  t.  83  (1879),  p.  23— 46, 
125—150. 

34* 


532  Becapitalation  des  ganzen  Werkes.  Viertes  Kapitel  Der  vierte  n.  fünfte  Band. 

Memoires  de  Lamberty,  I,  p.  420  sq.)  Papst  Clemens  XI.  wurde,  troz 
des  Veto's  CarPs  II.,  am  23.  November  1700  zum  Papste  gewählt  Er 
war  von  Anfang  an  nicht  franzosisch  gesinnt;  aber  aus  Furcht  vor 
Frankreich  erschien  er  franzosisch.  Er  erklärte  dem  Kaiser  Leopold  I., 
dass  weder  die  Frage  Carrs  II.,  noch  die  Antwort  Innocenz's  XII.  so 
gelautet,  wie  ausgesprengt  worden  seL  (Relazione  del  Conte  di  Lam- 
berg,  fol.  156  —  di  quelle,  che  si  narra  del  passato  pontificato  vi 
h  qualche  piccola  cosa  di  vero,  ma  vi  b  moltissimo  di  falso,  e  se  si 
potesse  palesare  queUo  che  vi  6  di  vero,  non  potrebbe  riprendersi  in 
conto  alcuno  la  memoria  di  quel  santo  Pontefice,  Fonore  pero  e  la 
conscienza  obligano  a  tacere,  e  basta  dire  con  veritä  che  ne  l'istanza 
di  Carlo  II,  ne  la  risposta  d'Innozenzio  XII  furono  tali  quali  si  dicono 
nel  foglio  (des  franzosischen  Cardinais  Forbin  Jansen).  Questa  es- 
pressione  del  Papa  h  qui  rapportata  senza  variazione  ne  pure  di  una  parola.) 
Fendon  kannte  die  Sage  noch  nicht  Aber  bei  St,  Simon  findet 
sich  die  ^^Tradition^'  abgerundet  (Memoires,  t.  II,  p.  123)  und  ebenso 
bei  Voltaire,  si^cle  de  Louis  XIV,  p.  191.  Diese  zwei  haben  das 
Märchen  in  die  Welt  gesezt  Der  Cardinal  Forbin^Janson,  in  liom 
und  Neapel  entlarvt,  sandte  Abschriften  der  fingirten  zwei  Briefe  nach 
Paris  und  an  Philipp  V.  Er  suchte  der  Lüge  eine  Basis  für  spätere 
Zeiten  zu  verschaffen.  „Der  Erfolg  in  der  gesammten  europäischen 
Geschichtsliteratur  beweist,  dass  dem  Cardinal  Forbin- Janson  diess 
gelungen  ist  (s.  Ranke,  Franzos.  Gesch.,  IV,  146),  „Wir  werden 
anzuerkennen  haben,  dass  an  den  eigenen  Worten  des  Papstes  Clemens  XI. 
die  Fiktion  des  Cardinais  Forbin-Janson  zerschellt" 


REGISTEI^. 


£b.  bedeutet  Enbiiohof,  EnbUthom;  B.  bedeutet  Biaehof,  Bistham;  P.  Fi^Mt. 


A. 

Ab  ad,  und  LaBierra,  Manuel,  0.  S.  B., 
Eb.,  III.  2,  S.  412-413. 

Abdera  (Adra),  B.?  I,  S.  155, 166,  169; 
II.  2,  S.  15,  22;  UI.  2,  S.  477. 

Abder rahman  ei Dakhel,  der  Ommijade, 
erster  Ghalife  von  Cordova  (756—788), 
n.  2,  S.  244—245,  251. 

Abder  rahman  II.  (821—852),  nnter 
ihm  erblnht  Cordova,  II,  2,  S.  301 ;  seine 
Nachfolger,  S.  307,  309,  319,  324--325. 

Abderrahman  III.  (912  —  961),  II.  2, 
S.  441,  duldet  die  Christen,  S.  443,  448 
bis  449. 

Aberglauben,  II.  2,  S.  18. 

Abla  (Abnla,  Alba),  Bischofssiz  des  hei- 
ligen Secundus,  I,  S.  150—158.  Abula 
ist  die  Villa  Abla  bei  AccI,  S.  154—157. 
Abula  in  der  neuem  Kirchengeschiohte, 
S.  157-158;  111.  2,  S.  475—476,  508. 

Ablässe,  seien  nicht  zu  zahlreich,  III.  1, 
S.  383. 

Acci  (Gnadiz),  die  „apostolische  Kirche* ; 
der  Weg  von  Basti  nach  Acci,  I,  S.  120 
bis  123.  Das  alte  Acci,  S.  130—131. 
Der  heilige  Torquatus  von  Acci,  der 
erste  beglaubigte  B.  Spanien's,  S.  138 
bis  149.  Das  B.  Acci,  das  erste  in  Spa- 
nien, S.  142.  Acci,  sein  Strassennez, 
S.  208—209.  Die  Centrallage  der  Stadt 


Acci,  S.  205—214.  Bischöfe,  II.  2,  S.  20 
bis  21;  seine  Grenze  gegen  Elvira,  S.  21 ; 
will  nicht  unter  Toledo  stehen,  S.  73 
(199).  B.Fredoarum720,S.243.  B.Qui- 
ricuB,  839,  S.  312—313.  Guadix  erobert 
und  wieder  Bisthum,  1490,  UI.  1,  S.  443 ; 
III.  2,  S.  474—475. 

Acinippo,  Pfarrei  306,  II.  1,  S.  16-17; 
III.  2,  S.  481. 

Aciscius,  und  Victoria(?),  Märtyrer  von 
Corduba,  I,  S.  356—360;  IL  2,  S.  454. 

Acta  Sanctornm,  s.  Bollandisten. 

Adelelmus  (Lesmes),  hl.,  und  seine 
Hospitäler  (f  c.  1097),  III,  1,  S.  171—172. 
Ein  anderer  Adelelmus  (f  c.  1218),  III.  1, 
S.  175. 

Ado,  V.  Vienne,  s.  Martyrologium  c.  870, 
I,  S.  32,  46,  72-73,  78—80,  146—149, 
222-227,  312-318;  lU.  2,  S.  475. 

Adoptianer,  Haeresie  der,  II.  2,  S.  259 
bis  298.  Nestorianer  und  Adoptianer 
(sind  identisch),  S.  261—266.  Elipandus, 
Eb.  von  Toledo  um  782—783;  die  Ne- 
storianer wandern  aus  Syrien  in  Spa- 
nien und  Corduba  ein,  S.  264—265, 
und  bringen  u.  a.  die  Werke  Ephrem's 
des  Syrers  mit,  S.  265.  Elipand  ist 
Schüler  der  „Brflder*  in  Corduba,  S.266. 
Mdnche  kommen  aus  dem  Orient  nach 
Spanien,  S.  266—267.  Der  „Catholicns* 


531 


Reg'stcr. 


in  Corduba,  S.  267.  Quellen  des  Ado- 
ptianismiis,  S.  2G7— 269.  Lehre  der 
Adoptianor,  S.  269—272.  Die  Ado- 
ptianer  und  die  spanische  Liturgie, 
S.  272.  Anhänger  des  Elipnnd :  Felix  von 
Urgel,  S.  273,  und  Ascaricns  von  Merida  ? 
S.  273.  Abt  Fidelis,  S.  273  bis  274,  277. 
Gegner:  Beatns  und  Etherius  von  Osma, 
S.  274.  Theudnla,Basiliscus,Vincentin8, 
S.  275.  Beatns,  S.  275—277  gegen  Eli- 
panduB.  Synode  v.  Narbonne,  v.  J.  788, 
S.  28 1 .  Synode  v. Regensburg,  v.  J.  792, 
S.  281.  Die  Falschheiten  des  Felix, 
S.  282.  Elipandus  an  Carl  Gr.  und 
die  fränkischen  Bischöfe,  S.  2^i,  gegen 
Beatus,  S.  285.  Synode  v.  Frankfurt 
V.  J,791,  S.  287— i:91.  Synoden  v.J.  799, 
S.292— 294.  Synode  V.Aachen,  v.J.  799. 
Alcuin  disputirt  mit  Felix,  S.  292  bis 
203.  Felix  bekehrt  sich,  S.  293.  Lezte 
Mühen  des  Elipandus,  S.  294.  „Bruder** 
Milita,  S.  291.  Elipandus  sucht  den 
Felix  „zurückzuerobern**,  S.  296.  Eli- 
pandus an  Alcuin,  S.  296—297.  Eli- 
pandus „hüllt  sich  in  Dunkel  ein**  (seit 
c.  800),  leugnet  den  Primat  Petri,  S.  298; 
in.  2,  S.  504—505. 
Acra,   spanische   Zeitrechnung,   abge- 

Bch^fft,  III.  t,  S.  208. 
Agde,  B.,  Synode  v.  J.  506,  IL  1,  S.  485; 

Synode  v.  J.  907,  II.  2,  S.  424—425. 

Aguirre,  Sa^nz,  Cardinal  (f  1699),  siehe 

seine  Sammlung  der  spanischen  Con- 

cilicn,  I.,  S.  2M,  253;  III.  2,  S.  301. 

Alaba,  B.  von  kurzer  Dauer,  geht  1088 

in  Cälahorra  auf,  II.  2,  S.  414. 
Alba,  I.,  S.  156. 
Albeldense  (Aemilianense)  chronicon, 

c.  881,  IL  2,  S.  343—315,  s.  Dulcidius. 
Alberoni,  Jul.,  geb.  1664,  am  spanischen 
nof,  III.  2,  S.  317.  Hohe  Häne  der 
Königin  Elisabeth  und  Alb.,  S.  318. 
Alb.,  Cardinal  1717,  S.  318—319.  Er 
kehrt  die  rauhe  Seite  gegen  Rom  her- 
vor, S.  319;  entlassen  December  1719, 
S.  319-320.  Sein  Proccss  in  Rom, 
S.3.0.  Alb.,  B. V. Malaga ?S. 321.  Grosse 
StiftnngcQ  in  Piacenza;  Alb.,  Legat  in 
Ravcina,  S.  3ii— Ö2^.  Alb.  f  88  Jahre 
alt,  20.  Juni  1752;  Bcinc  grossen  Tugen- 
den und  grossen  Fehler,  S.  322. 


Albornoz,  Aegid.,  der  grosse  Cardinal, 
Eb.  von  Toledo,  lU.  I,  S.  384;  seine  Sy- 
noden, 384—385,  erobert  den  Kirchen- 
staat wieder  1353—1361,  f  23.  August 
1367,  S.  390  (lies:  „Beisezung*^ ;  sein 
Begräbniss,  IL  1,  S.  290. 

Alcala  (Complutum),  B.,  L,  S.  3S0— 334. 
Das  B.  1 6.  Februar  1 156  beständig  mit 
Toledo  unirt,  III.  1,  S.  27.  Synode 
gegen  Petrus  von  Osma  1479;  III.  1, 
S.  434— 437»  Universität,  von  Ximenes 
gestiftet,  eröffnet  1508;  III.  2,  S.  130 
bis  132. 

Alcan  tara,  Ritterorden,  IIL  1,  S.  55—56. 

Alcoba^^a,  Kloster  0.  S.  Bern,  in  Por- 
tugal, III.  1,  S.  58,  324,  329. 

Alcuin,  im  Kampfe  mit  den  Adoptia- 
nem,  II.  2,  S.  186,  264,  281-282—283, 
292-294;  gegenFolix  vöoürgel,  S.294; 
gegen  Elipand,  S.  297. 

Alexander  IIL  P.  (1159-1181),  lässt 
den  zweiten  Primat  von  Toledo  auf 
sich  beruhen,  IIL  1,  S.  27—28,  55,  5G, 
60,  108.  AI.  und  Tarraco,  S.  199,  205. 

Alexander  VL  (1492— 1503),  seine  Bal- 
len in  Betreff  America's  1493,  IIL  i?, 
S.  95—96  -  97.  AI.  und  Isabella  die  Kä- 
tholische,  IIL  2,  S.  122.  AI.  und  das 
Placet,  III.  2,  S.  141.  AI.  und  die  Juden 
in  Rom,  IIL  2,  S.  50.  AI.  und  die  spa- 
nische Inquisition,  S.  50—52,  511. 

Alfons  L,  König  von  Astnrien  (f  c.  750) 
und  die  Benedictiner,  II.  2,  S.  276,  S&^. 

Alfons  II.  und  der  heilige  Jacobns  {Sz^}, 
ir.  2,  S.  366,  367—368,  369. 

Alfons  IIL  (t  20.  Dec.  918),  IL  2,  S.  352, 
374—375,  876—377,  397-398,  399, 
406,  411. 

Alfons  IV.,  König  von  Leon  (925— 92.S^, 
IL  2,  S.  399—401. 

Alfons  V.,  König  von  Leon  (999—1028), 
IL  2,  S.  388,  400-401,  407,  409. 

Alfons  VI.,  König  von  Leon  und  Ca- 
stUien  (1076—1085),  IL  2,  S.  407,  410, 
417,  422,  457^460,  und  P.  Gregor  YII., 
S.  461—462;  IIL  1,  S.  2,  3,  10,  18, 
19;  erobert  Toledo  10^5,  IIL  1,  S.  10: 
hält  Ordnung  aufrecht,  S.  40;  bant 
BrQcken,  S.  40;  f  30.  Juni  1 109, 79  Jahre 
alt,  S.  42;  IIL  1,  S.  171. 


AlfoDB  VII.,  in.  1,  S.  17,  21-22,  29, 
3],  33  (Kaiaer),  S.  34,  35,  38,  41,  42, 
lI26znLeoD gekrönt, ä.4':f, 44.  Kriege. 
1135  in  Leon    als  „Kaieer'   gekrönt, 
S.  41,  nimmt  Joni  1142  Coria;  S.  45, 
48,  101,  lO-*.    Alf.  Vll.  gegen  die  AI- 
Oübaden,S.49;  b.  „Chronik"  hlaim, 
S.  49-50,  50-51;  f  21.  Augnst  1157, 
S.  51—52,  66-67. 
AlfoDB  Vlil.,  IM.  1,  S.  38,39,53;  1161 
solbaländig,  S.  58—59,60-61,  62—6:; 
pcBchlflgenbeiAlarcon  1195  (geb.  1155); 
regiert  55  Jahre  (die  Citatros  n.  Larsa), 
in.  1,  S.  III— IH,  116-118;  nnd  der 
Krifig¥.  1212,  S.  120-128  {f  6.  October 
1214),  S.  129,  172-174). 
Alfon8lX.v.Lei)n,geb.  1171  (1188),  IM.  1, 
S.  55—56,  60—62;  Beine  Ehe  getrennt, 
S.  63,  112, 128,  130, 166- 15G  (t  1230). 
AlfonsX.,  ,ol  Sabio"  (1252- 128i),  von 
Castilien,  III.  I,  S.  167,  352  bis  353; 
deutscher  Beichscandldat,  S.  32:),  353 
(aeine  GefleEeBBammlQng,  S.  351),  oin- 
didirt  125G  neben  Bicbard  von  Com- 
walliB,  S.  357.    Stellung  der  Päpate  in 
dieser  Strellfrago,  S.  367— a'^S;  der  P. 
Boll   ihm  das  Diadem  geben,  S.  358 
(Richard  1 2.  April  1272).    P.  Gregor  X. 
(1271—1275)  weist  mit  Recht  Alfona  S. 
ab.    Rudulf  v.  Habsburg  29.Scptember 
lüTJzQm  KaiBer gewählt, S.360;AlfonB 
weicht  nicht,  1279,  und  will,  wie  Peter 
vunLuDB,  nicht  verzichten,  8.362.  Krieg 
mit   den  Mauren  1275—1278,  S.  363 
bis  364.    Eingriffe  in  die  kirchlichen 
Rechtcü.SGl— Süa.ConfliktemitFrank- 
reich,  1278-1279,  S.  36>— 367.    Kriege 
mit  den  Manren,  1280—1281,  S.  366. 
AlfonB    ruft  die  Haureu,  dann  den  P, 
zu   Hilfe  gegen  Beinen  Sohn  Sanobo 
1232,  a.  367,  t  4.  April  1284  (8.  368) 
zu  ScTilla.  Seine  Schriften,  S.  369;  Tu- 
genden und  Fehler. 
Alfon»  XI.  (1312, 1 1350),  111. 1,  S.  381); 
siegt   am  Salgado  1340,  S.  381—382 
f^cgen  die  Haaren;  nimmt  1344  Alge- 
»iraa;  seine  Schriften,  8.  3s2. 
Alfona  XII.  KOnig  von  Spanien  (1875), 

III.  2,  S.  470. 
AlfonB  I,  Herzog  von  Portugal  (1172), 
III.  t,  8.  57. 


Alfona  III.  (1245-1370) 

III.  t,  a.  317. 

Alfons  I,,  König  von  Ära 

III.  1,   S.  41,  178;  nimn 

goaea  (f  1131),  S.  180-: 

Alfona  II.,  der  RenBche  : 

III.  1,  S.  51,  63,  202,  211 

Alfona  III.  (12a5-I291), 

bis  256. 
Alfons  IV.  (1336-1387), 
Alfons  V.,  König  von  Ar. 
bis  1158;,  HI.  1,  S.  299- 
Geld  von  der  Kirche. 
AlhakemII.,Chalif96I,II 
Älm8n8orc.9S6,II.2,S.4; 
Bieger  der  Christen,  win 
slirbt  1.  Juli  1002,  S.  457, 
BlerbcD  ans  1037,  S.  457. 
AImcria,    B.    des    heiligt 
I.,  S.  120,  126,  147,  154, 
164.   Andenken  des  heilij 
in  Alm.,  8.  165.    Alm.  I 
gehend  wieder  erobert, 
200;    wird    wieder    B.  : 
S.  443. 
Almohaden,     Herrscher 
nehmen  Cordova  1148, 
45;   nach   1145  fliehen 
vor  ihrem  Angesichte,  S.  4' 
drei  In  Toledo  starben,  S 
130. 
Almoraviden,   seit  1086 
111.  1,  S.  42,  besiegt  vo] 
haden  c.  1157,  III.  1,  8. 
Alonso,  Kircbenfeiad,  III. 

454,  457-453. 

Alora,Pfarroi30G,  II.  1,8.18 

AlvaruB  von  Corduba,  c, 

S.  265,  274—275,  301,  306- 

und  Eleazar,   S.  316-311 

Leben   und  Schriften,   S 

Alvar.  ein  .zweiter  Tertall: 

gegen  B.  SanloB. 

Alvaro  de  Lima,   Condesti 

8.  423—424. 
Amador  deloaRioB,  f  17. 1 

II.  2,  8.  250. 
Amalriob,  König  der  West 
IL  I,  S.  447—448,  486—1: 


536 


Register. 


Amat,  8.  Tones. 

Ambrosius,  hl,  I.,  S.  217;  IL  1,  S,  382 
bis  383  (8.  Priscillianisten). 

America,  entdeckt  1492,  s.  Ck>1ambn8, 
III.  2,  S.  94—121.  Erste  Bischöfe  Amer., 
S.  119.  Neue  (bessere)  Geseze  v.J.  1542, 
III.  2,  S.  172—174.  Die  Commenden 
oder  „Repaitimientos**  sollen  anfhOren. 
Die  Kirche  im  spanischen  America  vom 
Jahre  1542  bis  c.  1600,  S.  202—220. 
Patriarchen  v.  Westindien  s.  1524,  S.202. 
S.  Domingo,  Eb.  1543(1547);  Mexiko 
Eb.  1534;  B.  Paebla  1525,  S.  203. 
B.Meohoacan  1536;  B.  Anteqaera  1535; 
B.  Gaadalaxara  1548;  B.  Merida  1562; 
drei  Concilien  in  Mexiko,  S.  204.  B.  Dn- 
rango  1620  errichtet;  B.  Linares  1777; 
B.  Sonora  1787;  B.  Guatemala  1534, 
S.  206,  Eb.  1742.  Chiapa  1538,  Hon- 
duras 1539,  Nicaragua  1534;  Eb.  Bo- 
gota 1562— 1564,  Panama  1534,  8.206 
bis  207.  Cartagena  1534,  S.  207; 
Santa  Marta  1535;  Popajan  1546,  Ve- 
nezuela 1532,  Eb.  1803;  Charcas  1552, 
Eb.  1609;  La  Paz  1608;  Gordova  1570; 
8.  Gruz  de  la  8ierra  1606;  Paraguay 
1547,  8. 207—208.  Buenos  Ayres  1620, 
Eb.  1866;  Lima  1539—1616,  S.208.  Fünf 
Concilien,  Cuzoo  1538,  8.  208—209. 
Arequipa  1611,  8.  209.  Truxillo  1609; 
Quito  1546,  Eb.  1837;  Guamanga  1609; 
Santiago  de  Ghile  1561,  Eb.  1840; 
Concepcion  de  Chile,  1563,  8. 209—210 
(s.  Turibins  hl.).  Dominikaner  undFran- 
ciscaner  in  America,  8. 2 1 5.  Die  Bischöfe 
aus  verschiedenen  Orden,  S.  217—21^. 
Wieder  schlimmere  Zustande  seit  c.  1 600 
8. 218—220.  America  reisst  sich  v.  Spa- 
nien los  1821-1827,  in.  2,  8.  441—443. 

Americo  Vespncci,  und  America,  III. 2, 
8.  102-103. 

Ammianns  Marcellinus,   I.,  8«  96,  98; 

II.  1,  8.  288. 
Ana  ölet,  Gegenpapst,  sucht  mitDidacus 

Gelmirez   anzubinden,  III.  1,  8.  102 

bis  104. 
Anathema  Maranatha,  II.  1,   8.  316; 

II.  2,  8.  9,  101,  277;  UI.  1,  8.  199. 
Andujar,  I.,  8.  187-188,  191. 
Antonin,  Eb.  von  Emerita,  IL  1,  8.  220 

bis  222,  478. 


Antonio,  Nicolaus  (1617,  f  1684),  s.  Ei- 
bliotheca  vetus  et  nova,  IIL2, 8.  301  bis 
302;  8.  Zweizüngigkeit,  8.  302—303. 

Apostelschüler,  die  Sendung  und 
Thätigkeit  d.  sieben  Apostelsch.  in  Spa- 
nien, I.,  8.  76.  Die  Martyrologien 
über  die  Siebenmanner,  8.  76-80.  Die 
alte  spanische  Liturgie,  erste  Quelle 
über  sie,  8.  81—85.  Ihr  Officium  und 
ihre  Festmesse,  8. 103—117.  Die  Städte 
(Abla,  Urci,  Berja,  Elvira,  lilitnrgis, 
Cazorla)  der  apost.  SiebenmSnner  und 
die  Centrallage  der  Stadt  Aeci;  8.  205 
bis  214.  Die  Siebenmänner  mit  ihren 
sieben  Städten  und  die  Stadt  Rom, 
8.  205—208.  Der  Zusammenhang  der 
Reise  des  Apostels  Paulus  mit  der 
Sendung  der  sieben  Apostelschüler 
8.  218—221.  Ihre  Festfeier;  ihre  Feste 
im  10.  Jahrhundert,  sie  haben  eine 
Octave,  II.  2,  8.  451.  NachtirSge  nnd 
neue  Entdeckungen,  III:  2,  S.  474  bis 
479.  Nicht  eine,  sondern  viele  Quellen 
bezeugen  die  Wahrheit  der  Tradition, 
8.  508—509. 

ApringiusvonPace,  Schriftatelier  c53l, 
IL  1,  8.  425;  II.  2,  8.  148. 

Aragon,  Teatro  edesiastico  de  las  Iglc- 
sias  de  —  9  t,  III.  2,  S.  410. 

Aragon,  Königreich  s.  1035,  II.  2,  S.  41K 
bis  422.  K0nigRamiroL1035— c.  1067; 
Sancho  Ramirez  nimmt  Barbastro  1067, 
t  1094;  Pedro  L  1094-1104,  8.  417 
bis  418.  B.  Jacca,  Huesca,  Aragon, 
S.  418. 

Aragon ion,  die  Reiche  A.  und  Cata- 
lonien  (1085-1248),  UI.  1,  S.  171-235; 
Don  Pedro  I.,  8.  174—182.  Itimiro  II. 
„der  Mönch«"  1 134,  S.182.  A.  mit  Catalo- 
nien  vereinigt  1137,  S.  186,  durch  Ray- 
mund Il.von  Barcelona,  der  1148Tortosa 
erobert,  8. 200;  nimmt  1 1 19  Lerida  and 
Fraga,  8.  208.  Ramon  IV.  Berengar, 
t  1161,  8.  202.  AlfonslL,  sein  Sohn, 
8.  202;  seine  Mutter  Petronilla  Rc- 
gentin  (f  1173),  8.202.  Alfons  König 
s.  1163  (t  1196),  8.  211.  Pedro  II. 
1204  in  Rom  (S.  211)  gekrönt,  hilft 
1212  die M[auren  besiegen,  8.  212;  fallt 
13.  September  1213.  König  Jayme  1. 
(1213-1276),  8.213;  bekriegt  Majores, 


Register. 


537 


S.  214  —  215.    Don  Jayme,  und   „die 
Töchter  Eva's«,  8.  223—224,  233;  Don 
Jayme  a]s  Zungenabachneider,  S.  233, 
und  als  ßüsser,  S.  234,  erobert  die 
Balearen  nnd  das  Königreich  Valencia, 
S.  214—217—220.   Ar.  von  der  Erobe- 
rung Valencia*8  bis  zu  seiner  Verbin- 
dung   mit   der  Krone    von   CastiKen 
(1248—1479),  III.  1,  S.  236-816.  Don 
Jayme  I.,  S.  236—237.     Als  fiegent 
vergleichbar  Ferdinand  IH.  von  Caati- 
licn,  in  seinem  Privatleben  aber  sehr 
bemackelt,  S.  241 ;  soll  2—5000  Kirchen 
hergestellt  haben,  S.  242;  seine  Ehen, 
S.  242  (Gemahlinen);  theilt  seine  Staaten, 
Band  mit  Navarra,  8. 243;  seine  8öhne} 
8. 243—24 1 ;  theilt  wieder  im  Jahre  1 262 ; 
gegen  die  Blanren  in  Marcia  1265  bis 
1266,  8.  244;  sein  gepknter  Krenzzng, 
S.  244—245;  ist  1274  auf  dem  Concil 
zu  Lyon,  8.  244—245;  legt  das  Gewand 
0.  8.  Bern,  an    1275,   8.  245  —  246; 
1 25.  Juli  1276, 8. 245.  König  Pedro  III. 
1276,  8.  219;   will   Navarra  erobern, 
S.  350;  nimmt  Sicilien,  1282,  8.  251. 
P.  Martin  IV.  der  „Franzose",  gegen 
ihn,  8.  251—252;  sezt  ihn  als  König 
von  Aragonien  ab  1283  (Carl  von  Anjou, 
t  1285),  8.  253.    P.  Martin,  f  28.  März 
1285.  Krieg  mit  Frankreich  1285, 8.253. 
König  Pedro  III.,  f  10.  November  1285, 
8.  253,  .der  Grosse".  Alfons  111.  (1285 
bis  1291),  8.  254-255.  P.  Honorins  IV. 
gegen  ihn,  dann  für  ihn.  Don  Jayme  II. 
(1291—1327),  8.  2.>5;   1297  in  Rom. 
P.  Bonifaz  VIII.,  8. 255,  er  wird  von  ihm 
mit  Sardinien  und  Corsika  belehnt;  sein 
Bruder  Friedrich,  König  von  8icilien, 
8.  256.    Don  Jayme  II.  erklärt  sein 
Reich    als    untheilbar;    erobert    Sar- 
dinien c.   1322;   gegen   die  Pisaner, 
S.  281;  Don  Jayme  anerkannt  1324, 
1326,  t  2.  November  1327,  8.  282. 
König  Alfons  IV.  (1327 --1336),  8.  282. 
Pedro  IV.  (1336-1387),  8.  286;  seine 
Chronik,  S.  286;  erobert  die  Balearen 
13 13, 8. 2^1 ;  Kriege  mit  Castilien,  8. 289 
bis  290;  1378  fällt  Sicilien  an  Aragonien 
zurück,  8. 290;  f  5.  Januar  1387,  8. 290; 
König  Don  Juan  I.  (1887),   8.  292. 
für  Clemens  VII.  von  Avignon,  f  19.  Mai  ' 


1395,  8.  293.' König  Don  Martin  (1395), 
8. 293,  ganz  (Ur  Peter  von  Luna,  S.  294; 
t  31.  Mai  1410,  S.  296;  mit  ihm  stirbt 
der  Mannsstamm  der  Grafen  von  Bar- 
celona aus.    Congress  von  Caspe;  die 
Königswahl,  8.  296.  Ferdinand  I.  von 
Castilien  gewählt,  8.  296—297;  Ara- 
gonien und  das  Concil  von  Constanz 
1414,  8.  297;  Ferdinand  fibr  Peter  von 
Luna,  8.297;  Ferdinand  I.,  f  2.  April 
1416,  8.  299.    König  Alfons  V.  (1416 
bis  1458)  will  immer  Geld  vom  Klerus 
haben,  8.  300-301,  304;  zerfällt  mit 
P.  Martin  V.  wegen  Neapel,  8.  302  bis 
303.   Der  Legat  Cardinal  von  Foix  ver- 
handelt mitAlfons  V.  in  Valencia,  8. 305 
bis  306.  Aegid  Mufioz  (Clemens  VIU.) 
fallen  gelassen,  8.  307.    Mufioz  ent- 
sagt feieriich,  8.  807.   Pefiiscola  nicht 
mehr  schismatisch,  8.  807—308.  Alfons 
giebt  1429  den  Forderungen  der  Kirche 
nach,  8.  309.  Reformen  Alfons  V. ;  seit 
1443  in  Neapel,  S.  313;  belehnt  von 
P.Eugen  IV.  mitNeapel(t  1458).  JuanlL, 
König  von  Navarra  (1458—1479).    In- 
quisition  in  A.  seit  dem  13.  Jahrhun- 
derte, III.  2,  8.  12—14.    Neue  Inqui- 
sition 1484-1486,  III.  2,  S.  23—24. 
Aranda,  1766  Präsident  von  Castilien, 
III.  2,  8.  357-359;  vertreibt  die  Je- 
suiten, am  31.  März  1767,  S.  359  bis 
360;  Gesandter  in  Paris,  S.  372,  374, 
376;  1794  gestürzt  vonGodoy,  8.377, 
t  1799. 
Arbuös,  Pedro  hl.,  geb.  c.  1442,  studlrt 
in  Huesca  und  Bologna;  Chorherr  in 
Saragossa  1474,  III.  2,  8.  25—26,  wird 
Inquisitor  1484, 8. 26—28;  seine  Thätig- 
keit  als  solcher,  8.  27—32;  die  „neuen 
Christen*  beschliessen  seinen  Tod,  S.  33 
bis  84;  stirbt  als  Märtyrer  17.  September 
1485,  8.  34—35.  Folgen  seines  Todes; 
seine  beständige  Verehrung;  Heilig- 
sprechung, Biographieen,  S.  35—43*' 
Arevalo,  Faustin,  8.  J.,  II.  1,  S.  343 
bis  844  über  Dracontius;  edirt  den 
Isidor  V.  Sevilla,  II.  2,  8. 113;  edirt  die 
christlichen  Dichter  1791 ;  II.  1,  8. 135; 
t  in  Madrid  7.  Januar  1824,  IIL  2, 
S.  438-439. 
Argentea,  hl.  Martyrin  von  Cordova, 


638 


Register. 


II.  2,  S.  441-442  UDd  der  Gallier  Vul- 
fura  (t  13.  Mal  931). 

Arjona,  306  Pfarrei,  II.  1,  S.  18—19; 
IIL  2,  S.  481. 

Arnobius,  der  Rhetor,  I.,   S.  90,  94, 

95,  98,  280. 
Arnle,  Kirche  v.,  1157  geweiht,  III.  1, 

S.  201—202. 
Asidona,  B,  I.,  S.  64;  als  B.  genannt 

zuerst  im  Jahre  619;    II.   1,   S.  418; 

IL  2,  S.  83,  89;  besteht  im  Jahre  862, 

II.  2,    S.  321;    hört  nach  1144  auf, 

III.  1,  S.  47;  Bischöfe  sind  nachweisbar 
von  619  bis  1145. 

A8tigi(s),  Ecija,  B.,  I.,  S.  56,  65,  69, 
71, 142,  362-363;  8.  Crispinus,  Paulus; 
besteht  als  B.  im  6.  Jahrh,,  II.  1,  S.  418, 
B.  Pegasius,  570,  II.  2,  S.  19  —  20; 
vor  ihm  Gaudentius,  S.  19—20;  die 
Bischöfe  Marcian.  und  Habentius  630  bis 
638,  II.  2,  S.12I,  123;  B.  Leobesindus 
839,  IL  2,  S.  312,  321;  im  Jahre  1240 
wieder  erobert,  III.  1,  S.  48.  (IL  2, 
S.  449;  IIL  2,  S.  472-481). 

Ast  urica  (Astorga),  B.  vor  dem  Jahre 
254,  L,  S.  57,  147,  236, 242—251.  Das 
Verhältniss  der  beiden  Bisthümer  A. 
und  Leon,  S.  256—260.  Bedeutung  und 
Grösse  von  A.,  S.  256—257.  A.  und 
Palentia,  IL  1,  S.  449—450;  Metropole 
bis  457,  IL  1,  S.  456-467.  Eb.  Do- 
mitian  im  Jahre  343.  Eb.  Symposius 
weiht  seinen  Sohn  Dictinius  als  B., 
456;  dessen  TVactate,  459.  Eb.  Turibius 
446,  IL  1,  S.  456, 458,  war  Eb.,  und  nicht 
Notar  P.  Leo*s  L  A.  erscheint  572  als 
B.,  S.  462,  468.  Bischöfe:  Dictinius 
(IL  1,  S.  478),  Turibius  c.  444,  S.  475 
bis  479;  seine  Briefe.  A.  zerstört  von 
den  Westgothen  457,  zwei  Bischöfe 
gefangen  483,  auch  Palentia  zerstört. 
Synode  c.  842—850,  IL  2,  S.  350, 
Bischöfe,  8.  351,  353.  Synode  v.  J. 
946,  S.  401  (406.) 

Astnrien,  seit  Pelajo  c.  719  König- 
reich; sein  Sohn  Favila,  Alfons  L, 
IL  2,  S.  244,  der  Katholische.  Fruela  L, 
Don  Aurelio,  sein  Sohn  Bermudo  IL, 
Alfons  IL  792,  IL  2,  S.  244—246.  A.  im 
9.  Jahrhundert,  S.  339—353.  König  Al- 
fonsIL,d.Keu8che,S.339— 310.  Oviedo  ' 


Residenz;  König  Ramiro  (842— 8;"kO, 
gegen  die  Normannen,  S.  340.  Ordonoi. 
(850—866.)  Albailda,  S.  340.  Die  Nor- 
mannen,  S.  340—341.  Alfons  IIL  866. 
Lange  und  gifickliche Regierung;  lässt 
sich  in  Leon  nieder,  S.  344.  König- 
reich Leon;  Burgos;  der  Chronist  Se- 
bastian von  Salamanca  nach  880,  S.  342 
bis  343.  (Chronik  Alfons  III.)  von 
Wamba  bis  866.  Pelagius  (Chronic, 
Albeldense,  Aemilianense).  König  Cr- 
dofio  L,  S.  SU.  Concilien  zu  Oviedo  (?) 
S.  347—349.  Lugo  war  Eb.  und  nicht 
Oviedo,  S.  318—349.  Bischöfe  A.  im 
Jahre  881—883,  fl.  351 ;  viele  resignirte 
Bischöfe,  S.  351 ;  daa  Reich  A.  900  flg., 
S.  397;  Bischöfe  in  und  um  Oviedo 
L  pari  inf.,  S.  398—399;  Könige  bis 
910,  s.  Leon. 

Asturius,  B.  von  Toledo  c.  3^-8 — JOO. 

L,  S.  330-332;  IIL  2,  8.  504. 
Asylrecht,  iL  2,  S.40I;  IIL  2,  S.  339. 
Ateva,  Pfarrei  306,  IL  1,  S.  16;  IIL  2, 

S.  481. 
Athanasius,  hl.,  s.  Hosius. 
Athanasi  US,  Mönch  vom  Kloster  Raithu? 

IL  2,  S.  361;  IIL  2,  S.  505. 
Augurius, Märtyrer 259, 1.,S.265— 269; 

HI.  2,  S.  499. 
August  in,  hl.,  gegen  d.  Priscillianisten, 

IL  1,  8.  401—403,  s.  Consentius,  Oro- 

sius. 
Augustus,  Eintheilung Spauien's  in  drei 

Provinzen  unter  ihm,  11.  I,  S.  170 — 171. 
Aurasius  (B.  von  Toledo  c.  603—615), 

IL  2,  S.  474—475;  IIL  2,  S.  503. 
Ausonius  und  Hispalis,  L,  S.  390  bis 

392;  A.  und  Paulinns  von  Noia,  IL  I, 

S.  324  (289). 
Autodafö's,  die^  IIL  2,  8.  60;  ein  A. 

vom  Jahre  1784  zu  Madrid,  S.  60--62, 

66;  A.  zu  ValladoUd  1559,  S.  186;  zu 

Sevilla  1559—1560,  S.  199. 
Avienns,  Sextus-Rufus,  L,  S.  53,  64, 

163,  197;  IIL  1,  S.  449-462. 
Avila,  B.  vor  dem  Jahre  383,  L,  S.  150 

bis  153  (345  sq.  s.  Vinceut.);  II.  1, 

S.  372-373;  IL  2,  S.  16,  250;  Uh  2, 

S.  397,  475-47^'. 

Avila,  Juan  de,  der  ehrwürdige,  Apostel 
Andalusiens  (f  1569),  HL  2,  S.  159-iea 


Register. 


539 


Avisorden  in  Portugal,  III.  1,  S.  57—58. 
Avitne,  zwei  Priester  dieses  Namens, 

von  Bracara,  II.  1,  S.  404—405,  465, 
Aymericb ,  Nie,  Inquisitor,  III.  1,  S.  2^9 

bis  29^;  IIL  2,  S.  13-14. 

B. 

Bacaaden  (Bagauden),  L,  S.  278;  II.  1, 
S.  468,  482. 

Bacch  iari  US,  der  Mönch,  seine  Schriflien, 
II.  1,  S.  411—413. 

Uadajoz  (I.,  S.  391),  B.  seit  1255,  III.  1, 
S.  60;  HL  2,  S.  323—324. 

Karte,  verboten,  III.  1,  S.  379. 

]3a5za  (Beatia),  von  Castnio  das  B.  hie- 
her  verlegt  im  7.  Jahrhundert;  wieder 
erobert  1U7  und  B.,  III.  1,  S.  48—49, 
145;  c.  1236  nach  JaSn  verlegt. 

Balearen,  die  Bischöfe  auf  den  B.  schei- 
nen im  4. — 5.  Jahrhundert  den  B.  von 
Barcelona  als  ihren  Metropoliten  aner- 
kannt zu  haben,   II.  1,   S.  187—189; 

II.  2,  S.  33-34,  439;  sie  werden  er- 
obert von  Jayme  I.  von  Aragonien  1229, 

III,  1,  8.  214—215;  und  im  Jahre  1236 
das  B.  Palma  errichtet,  S.  215—216; 
die  Balearen  hatten  eigene  Könige  von 
1236—1343,  fallen  aber  dann  an  Ara- 
gonien, III.  1,  S.  286—287. 

Balmes,  Jayme  (1810,  f  9.  Joli  1848), 
m.  2,  S.  451. 

Barbaatro,  das  B.  von  Roda  nach  B. 
übertragen,  geht  aber  1149  auf  Lerida 
über,  II.  2,  S.  425;  III.  1,  S.  195,  200; 
wieder  B.  von  1571— 1851,  III.  2,  8.  468 
bis  469. 

Barbe,  306  Pfarrei,  U.  1,  S.  15;  III.  2, 
S.  481. 

Barcelona,  B.,  I.,  S.  251,  260,  273  bis 
271,  279.  Cucnfat  von  B.,  303—305; 
8.  Ealalia.  Enter  bekannter  B.  (Eb.) 
Praetextatns  843,  II.  1,  S.  187-189; 
B.  Pacian.  (s.  d.);  Nnndinarius  e.  460, 
IL  1,  S.  430;  Irenaeus  460,  vonTar- 
rassa,  8.  432;  Synode  c.  510,  S.  437 
bis  438;  Nebridius  c.  540,  4)1,  II.  2, 
S.  200;  B.  und  die  Balearen,  II.  2, 
S.  439;  zweite  Synode  v.  J.  599,  II.  2, 
S.  26—27,  mit  13  Bischöfen  und  4  Ca- 
nones;  erlangt  1058  das  (erneuerte?) 
PrivOegium  über  die  Balearen,  8.  439; 


Eb.B.?579— 5F6  „Heerlager«  d.  Gothen, 
S.  CO— Gl.  Eb.  der  Gothen?  B.  Se- 
verus  c.  614-633,  S.  70;  II.  2,  S.  173. 
Quiricüs,  Idalins,  B.  der  „civitatula*, 
S.  179.  B.  erobert  von  den  Franken 
80 f,  8.  354.  Nach  693  bis  858  keine 
Bischöfe  bekannt;  c.  906  (907)  Synode, 
S.  424.  Neue  Kathedrale  geweiht  18.  No- 
vember 1058.  Gemischte  Synode  K09, 
S.  432;  40  Canoniker,  S.  438.  —  Die 
Grafen  von  B.,  II.  2,  8.  354.  Erbliche 
Grafen:  Ramon Berengar  (1017—1076), 
S.  423;  Bamon  Berengar  IIL,  III.  1, 
8.  186  (t  1131);  Ramon  Berengar  IV., 
König  von  Aragonien  1137.  B.  Uni- 
versität 1507,  III.  2,  8.  137.  Eevolu- 
tion  1835;  Greuelscenen,  III.  2,  8.  446 
bis  447. 

Baria  (Vera),  II.  1,  8.  21;  III.  2,  S.481. 

Baronius,  Card,  (f  1607);  Annalen,  I., 
8.  6,  70,  387—389;  s.  Martyrologiom, 
I.,  8.  70,  77-78,  371;  II.  2,  8.  527; 
er  wird  „excludirt"  wegen  seiner  ,Mo- 
narchia  Sicula**. 

Basel,  Spanier  (bes.  Aragonier)  auf  dem 
Concil  von  B.,  III.  1,  8.  406-407. 

Basti ianer,  seit  1540  in  Spanien,  DI.  2, 
8.  171. 

Basilides,  B.  von  Emerita?  c.  250, 
I.,  S.  236,  239-241,  242  flg.,  246  bis 
251,  262—264;  lil.  2,  S.  480. 

Baskische  Provinzen,  kommen  an  Ga- 

stilien,  III.  1,  S.  185. 
Basti  (Baza),  s.  Acci :  B.  306, 1.,  8. 120—123, 

207;  II.  1,  8.  10;  II.  2,  8.  447;  1489 

Baza  wieder  erobert,  aber  nicht  mehr 

B.,  IlI.  1,  8.  442—443. 
Bandissin,  Graf,  Enlogins  und  Alvar 

1872,  III.  2,  8.  506. 
Bayer,   Franz  Perez  (f  1794),  III.  2, 

8.  413—415. 
Baypnne,  III.  1,  8.  480. 
Beatns,  G^egner  des  Elipandus,  II.  2, 

8.  268;  B.  Adoptianer. 
Begninen,  III.  1,  8.  277. 
Belluga  y  Moncada,  Lud.,  geb.  1662, 

Card.  1719,  III.  2,  8.  329-330,  331 

bis  334,  339-340  (t  22.  Febr.  1743). 
Bei  trän,  Philipp,  Schriftsteller,  UI.  2, 

8.  415. 
Benedict  IL,  P.  (681-685),  und  Julian 


610 


Register. 


von  Toledo,  If.  2,  S.  176;  an  die  Spa- 
nier, S.  230—231;  Jalian  gegen  ihn, 
S.  234-236. 
Benedict  XIII.  (Peter  von  Luna)  von 
Avignon  und  sein  Schisma,  III.  1, 
S.  294-307,  394—398  (t  in  Pefiißcola 
23.  Mai  1423). 

Benedict  XIV.,  L,  S.  78—79;  111.  2, 
S.  340,  844—346. 

Benefioiarii,  I.,  S.  265-266. 

Benedictiner  (nnd  Glnniacenser),  II.  2, 
S.  276, 403—404,405, 413-415  v.Clugnj, 
418-419,  428,  440,  459—460;  lil.  1, 
8.170—171  (Congr.v.Valladoüd),S.376. 

Benifazar,  Abtei  0.  S.  Bern.,  III.  1, 
S.  234. 

Berbern,  die  —  in  Spanien,  II.  2,  S.  56. 

Berja  (Vergium)  bei  Adra,  I.,  S.  166; 
das  y.  des  hl.  Ctesiphon,  S.  167  bis 
170;  Verehrung  des  hl.  Ct.  in  B., 
S.  170—171,  III.  2,  S.  477. 

Berengaria,  Kaiserin  (1128),  III.  1, 
S.  4%  50—51,  60  (t  Febr.  1149). 

Berengaria,  Tochter  Alfons  VIII.,  III.  1^ 
S.  59;  Königin  von  Leon,  S.  118,  127 
bis  130,  151. 

Bermudo  L,  789—792,  II.  2,  S.  245. 

Bermudo  II.,  952,  II.  2,  S.  400,  409. 

Bermudo  III.,   1028,  II.  2,  S.  388,  400. 

Bernaldez,  Andr,  Chronist,  III. 2,  S.  15. 

Bernard,  0.  S.  B.,  Abt  von  Sahagnn, 
10S6  Eb.  von  Toledo,  III.  I,  S.  3,  4; 
Primas  1088;  päpstlicher  Legat,  S,  12 
bis  15,  50;  15-17  wieder  Lega^  S.  18 
bis  19  nimmt  Mönche  0.  S-  B.  aus  Gal- 
lien mit  sich,  f  2.  April  112(6?),  111,  1, 
S.  187. 

Besalü,  Synode  v.  J.  1077,  II.  2,  S.  439 
bis  440. 

Besessene,  II.  2,  S.  164. 

Bibelttbersezung,  die  vetusitala  vor 
Hieronymus  stammt  nicht  aus  Africa, 
sondern  aus  Italien,  I.,  S.  86—101; 
IIL  2,  S.  501. 

Bigamie  und  Inquisition,  IH.  2,  S.  52. 

Bilbilis  (Catatayud),  L,  8. 133, 167,  204. 

Bischöfe,  als  Aufseher  der  Beamten, 
II.  2,  S.  13;  was  sie  an  Leistungen 
verlangen  dürfen,  S.  13;  II.  2,  S.  23 
bis  21;  Bischofswahlen,  IL  2,  S.  26. 
Bischofeweihen,  Erfordern,  dazu.    Illi- 


terati  als  Bischöfe,  S.  54;  Biächois- 
wahlen  durch  die  Könige,  S.  ^0;  was 
Bischöfe  vor  den  Priestern  voraus 
haben,  S.  86—87;  Bischöfe  sterben 
sehr  gern  in  den  Hauptstädten,  S.  126; 
ihre  Eigenschaften,  S.  415—416.  All- 
mälige  „Provision**  der  Bischöfe,  IIL  1, 
S.  264.  Bischöfe,  die,  in  dem  Zeit- 
raum 1760-1808,  ni.  2,  S.  384—403. 
Die  spanischen  Bisthamer  1833—1817 
verwaist,  IIL  2,  S.  448-46«.  Spa- 
nische BisthQmer  nach  dem  Concor- 
date  von  1851,  IIL  2,  S.  468—469. 

Bivar,  Frz.,  Geschichtsf^cher,  I., 
S.  253. 

Bobadilla,  Frz.,  lässt  den  Columbus 
in  Ketten  legen,  IIL  2,  S.  103—104; 
s.  Schiffbruch. 

Bocanegra,  Frz.,  Schriftsteller ,  IIL  2, 
S.  415. 

Boil,  Bern.,  0.  S.  B.,  Missionär  in  Ame- 
rica, 1493;  IIL  2,  S.  96—100. 

BoUandisten  (Acta  Sanctomm),  L, 
S.  70—71,  168—169,  360.  Die  B.  eine 
Zeit  lang  in  Spanien  (wegen  der  Car- 
meliten)  verboten,  HI,  2,  S.  325—327. 

Bonifacius,  hL,  II.  2,  S.  240. 

Bonifacius  VIIL;  s.  Aragonien. 

Bourbon,  Cardinal  (mit  acht  Jahren), 
111.  2,  S.  334-435;  rcsignirt  1755  und 
heirathet,  S.  3*56-367,  t  1785. 

Bourbon,  Luis  IL,  Sohn  des  Obigen, 
Cardinal  1800,  IIL  2,  S.  389-390-^1, 
t  19.  März  1823,  S.  433;  395—396; 
legt  sich  allerunterthänigst  Napoleon  1. 
zu  Fassen,  S.  428. 

Bracara,  Eb.  seit  c.  457.  B.  PfttemuB 
0.  380-400,  IL  1,  S.  456.  B.  Balco- 
nius  c.  415,  S.  458.  Eb.  Profuturus  um 
538—544  und  P.  VigiUus,  S.  459-460. 
Eb.  Lucretius  568;  erstes  Concil  561, 
IL  1,  S.  444,  456,  461,  472.  Eb.  Martin, 
vor  ihm  nur  4  Bischöfe  bekannt;  Martin 
vorher  B.  v.  Dumium;  s.  (2.)  Synode 
V.  J.  572;  eifert  auf  Astorga;  dritte  und 
lezte  Synode  v.  J.  675,  S.  462—464, 
IL  2,  S.  165— 166.  —  Bracara  1071 
restituirt,  IL  2,  8.  407;  im  9.— 10. 
Jahrhundert  Bischöfe  i.  p.  infideL, 
S.  351;  IL  2,  S.  251-252.  Bracara 
und  Petrus  Bathensis,  IL  2,  S.  364. 


Register. 


541 


Braga  will  den  Primat  von  Toledo  Dicfat 
anerkennen,  III.  1,  S.  21—22,  26; 
Erzbischöfe  1095-1228,  III.  1,  S.  77 
bis  79;  £b.  im  14.  Jahrhundert,  III.  1, 
S.  336;  Eb.  1372-1467,  S.  343;  Eb. 
1467-1505,  S.  351,  IlL  2,  S.  505—506, 

Braalio,  B.  von  Saragossa  (630  bis 
0.  651),  über  die  berahmten  Männer 
von  Galicien,  II.  1,  S.  471;  Br.  und 
Isidor  von  Sevilla;  Br.  an  König  Chin- 
daswinth,  II.  2,  S.  126,  132-134,  138; 
Leben  und  Schriften,  S.  145—149; 
44  Briefe  von  ihm,  S.  146;  Br.  und 
seine  grosse  »Hitze^;  Fructnosus  an 
ihn,  II.  2,  S.  156,  164—166,  169,  187. 

Bolgaranns,  der  Graf,  II.  2,  S.  68; 
seine  Briefe. 

Bailas,  las,  I.,  S.  153—154. 

BargoB,  Concil  in  —  nimmt  die  rö- 
mische Liturgie  an,  IL  2,  S.  460—461; 
B.  Simon  ;Burgos-Oca  seit  1075,  IIL  1, 
S.  10;  1096  exempt  von  Toledo,  S.  10; 
wieder  exempt  1163,  S.  28;  Concil 
in  B.  1136,  S.  32—34;  das  Kloster 
Cisterc.  las  Huelgas,  S.  128—129;  Ka- 
thedrale gebaut  von  B.  Mauritius,  S.  142 
bis  143;  IIL  1,  S.  171. 

Bnriel,  Andr.  Marc,  S.  J. ,  Schrillen, 
IIL  2,  S.  415-416. 

Basse  (Kirchenbusse),  IL  2,  S.  12,  27, 
32,  98—99,  122,  124;  IIL  1,  S.  401; 
s.  Elvira. 

c. 

Caballero, Bern.  Fr.,  Eb.  von  Saragossa 
(t  1843),  IIL  2,  S.  445—446. 

Cabra  (Egabra),  B.,  IL  1,  S.  11;  IIL  2, 
S.  481. 

Cadix,  Kloster,  11.  2,  S.  151;  Cad.  B. 
1267,  111.  1,  S.  352,  ist  wohl  das  wie- 
derhergestellte B.  Asidona. 

Caesaritts,  Abt  von  Montserrat,  lässt 
sich  in  Compostella  zum  Erzbischofe 
von  Tarraco  weihen,  wird  aber  nicht 
anerkannt  (945  bis  c.  971);  IL  2, 
S.  382—387,  427—428,  exemter  Abt; 
nennt  sich  noch  978  Eb.  (i.  p.  infid.), 
(t  980  oder  später.) 

Calahorra,  B.,  1045  wieder  erobert, 
II.  2,  S.  413;  neues  Bisthum,  S.  414; 
Nagera  und  Alava  gehen  in  Cal.  auf, 
8.  414,  8.  Fibnlaria. 


Calatrava,  Ritterorden  von,  IIL  1,  S.  38, 
54—55,  122,  173—174.  Cal.  und  Mon- 
tesa,  S.  279—280. 

Caliabria,  B.  von  kurzer  Dauer,  IL  2, 

S.  142. 
Calixt  IL,  P.  (1119-1124),  IIL  1,  S.  16; 

C.  und  seine  Sorge  um  Spanien,  IIL  2, 

S.  191;  s.  Didaous  G. 

Campomanes,  Fiscal,  sein  Leben  und 
Streben,  IL  2,  S.  358,  369,  373. 

Canarias,  Christenthum  und  Bisthum, 
IIU  1,  8.  169. 

Cano,  Alphons,  B.  und  Schriftsteller 
(t  1780),  IIL  2,  S.  416-417. 

Canoniker,  die,  IL  2,  S.  404;  in  Cata- 
lonien,  S  426,  432—33;  C.  und  die 
„Canonica«,  S.  432—434,  438;  C.  in 
Gerona,  S.  436;  in  Dertosa  1168,  III,  1, 
S.  189,  201,  s.  Arbufes,  Tarraco  etc. 

Capmany,  Ant.  (t  1813),  IIL  1,  S.168; 
IIL  2,  S.  417-418,  seine  Schriften. 

Capuziner,  in  Spaniens.  1578,  III,  2, 
S.  171. 

Caracciolo,  Frz.,  und  die  „mindern 
Brüder«,  III.  2,  S.  292. 

Cartesa,  s.  Cazorla  und  Carteja. 

Carl  V.  (L),  in  Spanien,  gb.  1500;  kommt 
1517  nach  Spanien,  IIL  2,  S.  149;  ver- 
lässt  es  1520,  S.  152;  kehrt  1522  zu- 
rück, hält  1523  Cortes  zu  Valladolid, 
will  Geld  und  immer  Geld,  S.  156; 
C.  nach  dem  Aufstande  der  Comuneros, 
seine  Ehe  mit  Elisabeth  v.  Portugal  1526, 
wohnt  in  Granada,  verhandelt  gegen 
die  Moriscos,  S.  158;  nähert  sich  1527 
dem  P.  Clemens  VIL,  S.  161—162;  Cari 
und  die  Nuntiatur  in  Madrid,  S.  162  bis 
161;  wählt  Bischöfe  zu  den  höchsten 
Staatsämtem,  S.  164;  „die  Königliche 
Kammer«  seit  1518,  S.  164—165;  Ver- 
trag von  Barcelona  von  1529  mit  Cle- 
mens VIL,  S.  165—166;  1530,  22.  Febr. 
(an  seinem  Geburtstage),  zu  Bologna 
von  Clemens  VIL  gekrönt,  S.  166; 
drängt  „Administratoren«  in  die  Bis- 
thümer  ein,  S.  166-167;  C.  in  be- 
ständiger Geldnoth,  presst  die  Kirche, 
S.  168—169;  verkauft  die  Güter  der 
Ritterorden,  S.  169;  rächt  sich  an  Adel 
und  Clerus  1538,  S.  170;  drückt  das 
ganze  Land  mit  seinen  Abgaben,  S.  170  i 


542 


Register. 


schüzt  die  Indianer,  S.  116—117;  seine 
grossen  Verdienste  um  America,  S.  172 
bis  173;  dankt  ab  1555—1566,  S.  179 
bis  180;  geht  nach  8.  Tost,  f  ^-  Sept. 
1558.  Melanchton  and  Andere  über  ihn, 
S.  Ib0-18d;  wird  erst  sehr  spftt  in 
Spanien  popul&r,  S.  183;  G.  und  die 
Inquisition,  JII.  2,  S.  54. 

Carl  II.,  der  lezte  Habsburger  (1665  bis 
1700),  III.  2,  8.  287-303;  geb.  1661; 
Königin  Mariana,  Reichsverweserin;  der 
Jesuit  Eberh.  Nithard,  ihr  Beichtvater; 
G.  II.  zwei  Ehen  kinderlos;  G.  IL  be- 
hext? S.  294—297 ;  G.  IL  ohne  Erben, 
S.  298;  der  P.  soll  Aber  die  „Erben*" 
entscheiden,  S.  298—299  (hat  es  aber 
nicht  gethan,  S.  531—532);  C.  wird 
gezwungen,  sein  Land  den  Bourbons 
zu  vermachen,  S.  299—300;  t  !•  No- 
vember 1700. 

Carl  IIL  und  IV*  (1759—1808),  „die  gros- 
sen Königlichen  Jäger^  IIL  2,  S.  348 
bis  426;  G.  IIL,  König  von  Neapel 
1735—1759,  S.  348;  1759-1788  von 
Spanien;  seine  guten  Eigenschaften, 
S.  348—349;  die  er  allmählig  verliert, 
S.  350;  wird  ein  exclusiver  Jäger, 
S.  349—350;  seine  Jagdpartieen,  Thier- 
nnd  Menschenquälereien,  S.  350 — 353; 
Bruder  Sebastian  vom  Kinde  Jesu, 
S.  353-354;  G.'s  italienische  Minister 
Grimaldi  (S.  357)  und  Squilace,  S.  354 
bia  355;  Aufstand  vom  26.  März  1766 
zunächst  gegen  Squilace,  S.  355 — 356; 
G.  U.  durch  den  Aufstand  verbittert, 
S.  357;  Aranda,  General-Gapitän  und 
Präsident,  S.  357;  Vertreibung  der  Je- 
suiten, S.  357—358;  Roda  und  Aranda 
verbunden,  S.  358;  G.  IIL  wird  Feind 
der  Jesuiten,  S.  359—360;  deren  Ver- 
treibung 31.  März  1767;  weitere  Schick- 
sale der  Jesniten,  S.  361—363;  bis 
1821;  G.  III.  gegängelt  und  getrieben 
von  den  Kirchenfeinden,  S.  363;  C.'s 
einzige  Gemahlin,  S.  367;  und  seine 
Kinder,  S.  367;  G.  Wittwer  von  1760 
bis  1788;  Wirren  wegen  der  Verban- 
nung der  Jesuiten,  S.  367;  die  Nonnen, 
S.  368—369;  G.'s  Freude  über  die  Auf- 
hebung der  Jesuiten,  S.  370;  die  spa- 
nischen Bischöfe  in  dieser  Affaire,  S.  370 


bis  371;  C.  IIL  und  die  „unbefle<^e 
Empfängniss  Mariens,''  S.  372;  Amorti- 
sation des  Kirchengutes,  S.  373;  Caii 
t  14.  Dec.  1788,  S.  375. 
Carl  IV.  (1788-1808),  S. 376— 383;  seine 
theure  und  schleppende  Rundreise, 
S.  380—383;  entthront  1808,  S.  383.  - 
Blüthe  der  Literatur  unter  G.  IIL  um! 
G.  IV.;  allmähliger  Verfall,  S.  404  biä 
423;  seine  Geldnoth,  in  der  ihm  Born 
allzeit  helfen  soll,  S.  423-425;  C.  jagt, 
bis  ihm  Napoleon  L  zu  Bayonne  sein 
Land  und  Volk  abjagt  (180S),  S.  43 
bis  428;  er  taucht  in  der  (reschicbte 
unter  und  taucht  nicht  mehr  auf;  f  ver 
lassen  zu  Neapel  19.  Jan.  1819. 

Garlos,  Don,  unglücklicher  Sohn  Plii 
lipps  IL,  IIL  2,  S.  221-223;  f  21JaL 
1568,  S.531. 

Carmeliter,  s.  BoUandisten,  Johann  tob 
Kreuz,  Theresia. 

Garranza,  BarthoL,  £b.  von  Toledu, 
111.  2,  S.  199—200. 

Carrillo,  Alfons,  Cardinal (f  1434),  ULI, 
S.  409. 

Carrillo,  Alfons  (Acufia  de),  £b.  rus 
Toledo  (1446—1482),  ein  turbulente! 
Kirchenfürst,  IIL  1,  S.  428;  seine  Cm 
ciiien;  Gegner  Isabella*s  IL,  S.  433  b; 
434;  muss  zuittckgezogen  leben,  S.4^ 
schreitet  im  Auftrage  P.  Sixtus  IV 
gegen  Petrus  Martinez  de  Osma  oiii, 
S.  433-437;  t  1482,  IIL  2,  S.  20. 

Carrion,  Kloster  0.  S.  B  ,  Concil  iis 
Jahre  1130,  UL  1,  S.  31—32;  drei  B^ 
schöfe  daselbst  abgesezt. 

Cartaginiensis,  Kirchenprovinz  vos 
c.  343—610,  IL  1,  S.  442— 4Ö5;  Gar 
thago  nova  425  zerstört;  die  2^  Bis- 
thümer  der  Provinz  sehr  getrentit| 
S.  442;  Eb.  Hilarius?  o.  4C0,  S.  443  bd 
444;  IL  2,  S.  471—472;  Metropoii 
Hector  (516),  IL  1,  S  444—445  {m)\ 
II.  2,  S.  371 ;  Celsinus,  Metropolit  (M."i 
IL  1,  S.  452—457;  Gart.  Metitjpül: 
c  600,  IL  2,  S.  53-54,  70-71;  Cart. 
(Murcia),  Bisthum  1255,  Iir.  1,  S.  ^53; 
Administratoren  desselben,  JIL  2,  S.  Ii>> 
bis  167,  603—501. 

Garteja,  kein  Bischofsitz,  I.,  193— 19T 

Carterius,  B.,  seine  zweite  Ehe,  IL  1| 


Register. 


543 


S.  370;  ein  anderer  besserer  Carterins, 
S.  471. 

arthansen,  in  Spanien,  III.  1,  S.  225. 
arula,  Pfarrei  306,  11.  1,  S.  15;  III.  2, 
S.  431. 

arvajal,  y  Lancaater,  B.  von  Guenca, 
im  Conflict  mit  der  Regierang  CarFs  III., 
III.  2,  S.  369—370. 

lasas  las,  111.  2,  S.  95;  und  die  Skla- 
verei, S.  98;  kommt  1502  nach  Amerika; 
sein  Leben  nnd  Wirken,  S.  112;  G.  L. 
und  die  Negersklaven,  S.  113;  wird 
1522  Dominikaner,  S.  116;  B.  von 
Cbiapa,  S.  118;  G.  L.  and  Yerapaz, 
S.  119;  Wirken  von  1539  an,  S.  172; 
1544— 1550  Bischof  von  Ghiapa,  S.  174 
(t  1566,  92  J.  alt). 

)asiri,  Mich.,  Mar.,  l.,  S.175;  III.2,S.4l8, 
/aspe,  s.  Aragonien. 
üassianas,    Märtyrer   von  Tingis,   I., 
S.  291—292;    G.  and  die  Gassianiten, 
11.  2,  S.  313—315. 
J a  s  t  i  1  i  en ,  die  Reiche   Gastilien    nnd 
Leon  im   12.  Jahrb.  (Gastilien  föngt 
eigentlich  mit  1085  oder  der  Eroberung 
von   Toledo   an),    III.    1,    S.  40—63, 
B.  Alfons,  Dofia  Urraca,  Alfuns  VII., 
Sancho  IH.,  Alfons  VIII.,  Ferdinand  III. 
Das  Reich  Gastilien  von  12}8— 1492; 
Ferdinand  III.  nimmt  1250  Xeres  nnd 
Gadix;  er  f  30.  Mai  1252;  Alfons  X. 
(1252—1284),  S.  353—369;  Sancho  IV. 
(1284—1295),  S.  376;  Ferdinand  IV. 
(1295-1312),  S.  281;  Alfons  XI.  (1312 
bis  1350),  S.  382;  Pedro  der  Grausame 
(1350-1369),  S.  386—389,   „der  Hger 
von  Gastilien".    Heinrich  von  Trasta- 
mara  (1369-1379),  S.  38«,  390—391. 
.König  Juan  I.  (1379—1390),  S.  392; 
teinc  Stellung  in  dem  abendländischen 
Schisma;   verwirft  1381    Urban's   VI. 
ahl  als  Papst,   S.   893-395;  Enri- 
[<qne  111.(1390),  S.895,  und  das  Schisma; 
ehrt  zu  der  Obedienz  Benedictes  XIII. 
urück  1402,  S.  396,  und  hat  wieder 
nflikte  mit  ihm,  S.   396  (f  1406), 
402.    König  Juan  II.  (1406),  S.  402, 
teht  unter  Alvaro  de  Luna  (f  1454), 
.   425.     Glanz-   und   Schattenseiten 
es   Episcopats  im   15.  Jahrhunderte, 
421—123,  König  Juan  II.  f  20.  Juli 


1 151  (nicht  1554,  wie  es  S.  425  heisst), 
König  Enrique  IV.  (1464—1474),  S.  425* 
Krieg  zwischen  Isabella  nnd  Johanna 
la  Beltraneja,  S.  431;  Krieg  mit  Por- 
tugal, S,  432.    £b.  Garillo  gegen  Isa- 
bella, S«.432;  Krieg  mit  den  Portugiesen 
1474—1479,  S.  433—434.    Krieg  Fer- 
dinand's  V.  und  Isabella's  gegen  die 
Mauren  von  Granada  seit  1481,  S.  439. 
Malaga  erobert  1487,  S.  441  ;Baza  1489 ; 
Granada  2.  Jan.  1492,  S.  444-456. 
Gastro,  Jos.  Rodrlquez,  spanische  Bi- 
bliothek, III.  2,  S.  418. 
Gastromorel,  Goncilll57,  III.  1,  S.  201. 
Gastulo,  eines  der  ältesten  Bisthümer 
in  Spanien,  I.,  S.  53,  56-57,  66,  119, 
128,  188—189,  200—20.3;  G.  343  Eb.? 
II.  1,  S.  (10)  187. 

Gatalonien,  s.  Barcelona  u.  Aragonien, 

Gatharina,  die  hl.,  von  Alezandrien 
und  (seit  521—525)  vom  Berge  Sinai, 
II.  2,  S.  388-390;  III.  2,  S.  505. 

Gatharina,  Infantin,  III.  2,  S.  124. 

Gazorla,  I.,  S.  195;  hat  am  meisten  Wahr- 
scheinlichkeit far  sich,  das  Garcesa  d.  hl. 
Esitius  zu  sein, S.  198— 201;  ULI,  S.144. 

Gerda  y  Rico,  Frz.,  Herausg.  von  Ghro- 
niken,  HI.  2,  S.  418. 

Geretius,  gallischer  B.?;  hl.  Augustin 
an  ihn,  II.  1,  S.  403. 

Genta,  B.  1421—1851,  III.  1,  S.  It9, 
342;  Ifl.  2,  S.  468. 

Ghelidonius;  s.  Emeterius. 

Ghindaswinth,  König,  Eindringling, 
II.  2,  S.  124,  J.  642  (t  652),  S.  127, 133 
bis  134,  139. 

Ghintila,  König  (636  f  640),  II.  2,  S.  119, 
121. 

Ghrisma,  II.  1,  S.  461;  s.  Montanus, 
S.  463;  III.  1,  S.  377,  383. 

Ghristina,  Maria,Regentin(t  187»),III.2, 
S.  413,  451—452,  461. 

Gampeador,  III,  1,  S.  19—20. 

Gienfuegos,  Gardinal  (f  1847),  III.  2, 
S.  448-449. 

Gistercienser,  III.  1,  S.  45— 55,  57  bis 
68,  173,  177,  216,  234. 

Giudad  Rodrigo,  B.  1175-1^^51,  III.  1, 
S.  60;  III.  2,  S.  468. 

Gixila,  Eb.  von  Toledo,  Leben  des 
hl.  lldefons,  II.  2,  S.  166, 246—247,  251, 


K 


/ 


544 


Begistcr. 


Clemens  IH.  (1187— 1191),  ondTarraco, 

lir.  1,  S*  199. 
ClemeDS  V.,  a.  Templer. 

Clemens  VIL,  s»  Aragonien  and  Caati- 
lien. 

Clemens  XIII.  (1758—1769)  ondKOnig 
Carl  Ilf.,  IH.  2,  862,  364—365,  375. 

Clemens  XIV.  (1769—1774),  nnd  Carl  111., 
III.  2,  S.  360—366;  viele  Coneessionen 
an  Carl  IH.,  S.  871;  die  Nuntiatur  ganz 
„spanisch«  (1773),  S.  371—372. 

Coelibat,  11.  2,  S.  11-12,  20,  25—26, 
96-98, 127, 163—164, 166;  »1. 1,  S.  144. 

Coimbra,  als  B.  bekannt  seit  561,  IL  1, 
S.  425;  seit  c.  1064  restituirt,  II.  2, 
S.  408;  Univers.  III.  1,  S.  326. 

Collectio  oanonum  EccI.  Hispanae,  IT.  2, 
S.  463—477,  nicht  von  Isidor  von  Se- 
villa; vor  ihr  bestehen  andere  Samm- 
lungen; entstand  vor  631,  S.  464. 
Maassen*s  „Möglichkeiten",  S.  466, 
sind  keine  Wirklichkeiten,  S.  46<^;  die 
Sammlung  entstanden  in  Toledo  um 
610  —  612,  S.  468—469.  Innocenz  I. 
Brief  an  die  Spanier  (c.  404)  ist  in 
unserer  Sammlung  verstümmelt,  S.  470; 
gegen  BCaassen,  S.  471 ;  der  Sammler 
degradirt  den  Metropoliten  Johannes 
von  Tarraoo  514—523  zum  Bischof  von 
Elche,  S.  471—472;  Elche  war  517 
erweislich  noch  kein  Bisthum,  S.  472; 
Felix  Dahn  über  die  Streitfrage  der 
Synode  v.  J.  610,  und  das  „Decretum 
Gundemari",  S.  478;  die  „Excerpta 
Canonnm«  sind  eine  Art  Uebersicht  der 
Sammlung,  um  68S  verfasst,  wohl  von 
Julian  von  Toledo,  S.  474;  Maassen 
„schweigt  **,  S.  475;  hat  nichts  bewiesen. 
Die  Handschriften  der  „Collectio", 
8.  476;  Literatur,  S.  477;  III.  2,  S.  502 
bis  504;  Felix  Dahn  gegen  die  Aecht- 
heit  der  Synode  v.  J.  610. 

Columbien,  III.  2,  S.  101. 

Columbus  (Colon),  Christoph,  entdeckt 
America  1492,  III.  2,  S.  94;  erste  Fahrt 
1492—1493,  S.  94-95;  Colon  in  Barce- 
lona, S.95;  zweite  Fahrt  1493,  S.96-97, 
99—100;  hat  viele  Gegner  (1494—1496), 
S.  100;  seine  schweren  Missgriffe,  S.  100 
bis  101 ;  verliert  alle  Fassung,  S.  101 ; 
dritte  Reise  1498,  S.  101 ;  Verschwörung 


der  Spanier  gegen  ihn,  S.  101;  du 
„Bepartimientos"  oder  „Encomiendu' 
eingeführt,  S.  102;  verkauft  die  Indii 
ner  als  Sklaven  1500,  S.  103;  mm 
Schreckensherrschaft,  8.  104;  komm 
in  Ketten  nach  Spanien  zurück;  tiertt 
Fahrt  1602,  S.  104;  1504  neue  Em 
pörung  gegen  ihn,  S.  105;  kehrt  za 
rück;  sein  gottergebener  Tod  17.  Mai 
1506,  S.  105;  seine  Verdienste  nmi 
Fehler,  S.  105—106;  seine  zwei  Brüdei 
nnd  zwei  Söhne,  S.  106—107;  dasG« 
schlecht  erlischt  1576. 

Co  mm  Union,  die,  s.  g.  peregrina,  ll.  I, 
S.  240;  Com.  mit  dem  hl.  Blute,  II.  '1 
S.  164. 

Complutum,  B.,1.,S.3S0— 337;  B.nocli 
c.  854,  II.  2,  S.  a06.  Compintensor 
Polyglotte,  III.  2,  S.  137—138;  s.  Al- 
cala;  Justns. 

Compostella,  11.  2,  S.  366;  vorher 
Iria,  S.  351— 358;  Grab  des  hl.  Jacoba?, 
S.  362;  Kirchweihe  899,  S.  366—367; 
Bischöfe  von  Iria  und  (yompostell». 
S.  368;  was  bedeutet  Compostella^ 
S.  368—370,  375.    Synode  v.  J.  la'  J^ 

II.  2,  S.  404-405;  B.  Didacus  PeUi  | 
gefangen,  III.  1,  8.  5;  Comp.  exeoU 
1095,  III.  1,   S.  6-9;    B.  Dalmatii 

III.  1,   S.  9;   Historia  Compoatelbii 
S.  13-14,  sq.;  Concll  v.  J.  UM,  8.  H 
Eb.  V.  J.  1140  an,  S  109—110  (bis  1:>KJ 
Eb.  1266—1305,   III.  1 ,  S.  372; 
S.  882—384;  Eb.  v.  1367  an,  III. 
S.  395,  405  (15.  Jahrb.).     Conc.  d 
k.  Provinz   1565—1566  zu  Salami 
III.  2,  S.  187;  III.  2,  S.  507. 

Comuneros,  Aufetandder,  1520—1;' 
III.  2,  S.  154;  blutige  Rache  an  ihi 
ß.  156-157. 

Co  ena,  Bulla  in  C.  Domini,  zuerst  1.  Mi 
1519  von  Leo  X.  erlassen  gegen 
„Administratoren**    Croy   von   Toli 
und    WL    Lang  von    Mnreia,    III. 
S.  158. 

Conantius,  B.  von  Palentia,  II.  2,  S. 
72-74,  101,  120,  123. 

Concilien,  die  Zahl  nnd  Zeit,  11. 
S.  13;  allmahliges  Erlöschen  der, 
1582  an,  III.  2,  S.  190-191. 

Conde,  seine  phantasiereiche  Geschkl 


Register. 


545 


der  Mauren  in  Spanien  (1820),  III,  I. 
S.  42—43. 

Consentins,  Schriftsteller,  wohl  anf  den 
Balearen,  Angnstin  an  ihn,  II.  1,  S.  898, 
401—403. 

Constantine,  Kaiser,  I.,  S.  397,  399; 
politische  Eintheilnng  Spanien*s  unter 
ihm,  ir.  1,  S.  185,  s.  Hosins. 

Constantinus,  Chloms,  sein  Vater,  L, 
S.  297—299,  874. 

Oonstantins,  Kaiser,  der  Arianer,  I., 
S.  399;  s.  Hosins. 

Co n  stanz,  spanische  und  portugiesische 
Bischöfe  anf  dem  Ooncil,  lil.  1,  S.  401 
bis  402;  die  Spanier  seit  1416  als  fünfte 
Nation;  die  Gastiiianer  treten  18.  Juni 
141 7  ein,  S.  403;  11.  Nov.  P.  Martin  V. 
gewählt,  S.  401. 

Cordnba,  Bedeutung  d.  Stadt,  I.,  S.  65 
bis  66, 206,  28^,  ist  reich  an  Märtyrern, 
S.  351.  Die  Märtyrer  Faustus^  Januarius 
und  Martialifl,  S.  351—855.  Acisclus 
und  Victoria,  S.  356—360.  Zoylus  und 
seine  Geführten,  S.  360—362.  Bischöfe 
Hosius,  Hyginus,  Stephanus,  J.  504. 
B.  Agapius,  IL  2,  S.  86—87.  Cord,  und 
die  Adoptianer,  II.  2,  S.  2C4— 265.  — 
„Die  Bekenner  und  die  Märtyrer  von 
Cordnba«,839— 861,  S.  299—338.  CJord., 
kirchliehe  Hauptstadt  des  maurischen 
Spanien's,  S.  299—300.  Lage  der  Mo- 
zaraber, S.  800.  Die  .Comites'  (Conden) 
der  Christen,  S.  300.  Die  Kirchen,  S.  301 
n.  Feste,  die  Glocken,  S.  302.  Einzelne 
Kirchen  in  Cord.,  S.802  (Samson,  S.S02). 
Kirchen  u.  Klöster  in  der  Nähe,  S.  803 
bis  304.  Kloster  Tabanos,  zerstört  &53. 
Schalen  der  Christen,  S.  304.  Klerikale 
Tracht,  S.  804.  Der  Klerus  bartlos, 
8.  304.  Geseze  u.  Sitten  der  Christen, 
S.  304—305.  Tribute  der  Christen,  S.305. 
Fortbestehen  der  BisthSmer,  S.  306. 
Die  Simonie,  S.  306.  Die  Bischöfe  Re- 
oAfred  a.Sau]us  von  Corduba,  306—307. 
B.  Valentins  c.  860-863,  S.  307.  B.  Ni- 
fridiiiB  und  Samuel  von  Elvira,  S.  308. 
Ilostegesis  von  Malaga  e.  845—865, 
S.  30S— 309.  Eb.  v.  Sevilla,  Johannes 
h:{9,  Recafred  c.  850—852,  S.  309—310. 
Wistremir,  Eb.  v.  Toledo,  839  u.  849, 
ein  „herrlicher  Mann*,  S.  310— 811.  Sy- 


noden  u.  Haeresieen  in  den  J.  839—864. 
Synode  von  Corduba  v.  J.  839,  S.  311. 
Ariulf,  Eb.  von  Emerita,  839-862. 
B.  Quiricns  von  Acoi  839.  Concil  ge- 
gen die  Akephaler,  S.  813.  Zu  Epagro 
die  Casianer;  acht  Bischöfe,  darunter 
drei  Metropoliten;  Recaft^d,  S.  315  bis 
316,  Wistremir,  S.  815,  EgiU?  815. 
Casianer  und  Migetianer  816.  Der 
Apostat  Bodo  o.  839  —  in  Spanien  —  840 
(Eleazar),  Briefe  zwischen  ihm  u.  Alvar^ 
S.  316—318.  Die  Antropomorphiten, 
S.  318.  Concil  zu  Corduba  v.  J.  852, 
S.  318—319.  Concil  v.  J.  862,  S.  319 
bis  320.  Samson  u.  Hostegesis.  Bischöfe 
von  Urci,  Basti,  Astigis,  Beatia,  Asido, 
Egabra  und  Elche  im  J.  862;  B.  Va- 
lentins V.  Corduba,  S.  320—321.  Ste- 
phanus intrusns  c.  864,  S.  321.  Die 
Märtyrer  von  Corduba,  geschrieben  von 
Eulogius.  P.  Perfectus  850,  S.  321  bis 
322.  Joannes  Confessor,  S.  322—323. 
Erzpriester  Cyprian,  S.  823.  Märtyrer 
Isaac,  S.  323  (851).  Viele  andere  Mär- 
tyrer, S.  324—326.  B.  Recafred,  S.  325. 
Eulogius,  Märtyrer  859,  S.  326—330. 
Abt  Speraindeo,  S.  830.  Eb.  Cyprian, 
S.  830-331.  Abt  Samson,  S.  331—333; 
8.  „Apologeticus",  S.  331.  S.  und  Ho- 
stegesis, S.  332—334;  Priester  Leovi- 
gild,  S.  334—336.  (Jsnard  und  Aymo 
in  Corduba,  S.  334—836.  B.  Saulus, 
S.  335—337.  Alvarus,  S.  336-338. 
Bischöfe  im  10.  Jahrhundert,  S.  442  bis 
448.  Kirchen  und  Feste  im  J.  961, 
S.  449,  mehr  als  zwanzig  Kirchen 
in  und  bei  Corduba,  8.  449—450. 
Corduba  .wieder  erobert  1236,  III.  1, 
S.  157.  Bischöfe  von  1236  an,  S.  157 
bis  158. 

C  0  r i  a ,  1 1 42  erobert  und  wieder  Bisthum, 
HL  1,  S.  44—45. 

C  ort  es,  die,  kommen  herab  unter  Carl  V. 
und  Philipp  If.,  III.  2,  S.  170. 

Coyanza,  Concil  v.J.  1030,  H.  2,  S.402 
bis  404. 

Crispinus,  I.,  S.  65, 144;  Märtyrer  von 
Astigis,  S.  362— 3>3. 

Ctesiphon,  hl.,  vouVergium,  l.,  S.  166 
bis  170;  III.  2,  S.  477. 

Cuba,  entdeckt  v.  Colnmbus  1492.  Col. 

35 


546 


Register. 


Ifisst  Beine  Leute  be8chw()ren,  dass  sie 
Festland  sei,  III.  2,  S.  94,  9H— 99. 

Cncufat,  Märtyrer  von  Barcelona,  I., 
S.  303-305. 

Caenca,  erobert  1177,  Bistham  1183, 
hL  Julian,  III.  1,  S.  Ö9;   lil,  2,  S.  498. 

Cyprian,  von  Carthago,  nnd  die  Kirche 
Spanien's  in  den  Jahren  2.vO~25S,  i., 
S.  236-264.  Sein  Brief  an  die  Gemein- 
den Astorga-Leon  und  Emerita,  S.236 
bis  241 ;  III.  2,  S.  479—480,  s.  Corduba. 


Dacian,  kommt  nach  Spanien  304,  I., 
S.  298—300;  Dacian  nicht  in  Evora, 
S.  346—50;  cf.  315—316,  S.  325,  330 
bis  331,  376  flg.,  392. 

Dahn,  Felix,  über  toletanische  Fälschun- 
gen, II.  2,  S.  473;  III.  2,  S.  503—504, 
8.  Collectio. 

Damasus,  hl.,  Papst  366-384,  II.  1, 
S.  326—331 ;  (426),  wohl  von  Guimaraös 
bei  Braga,  s.  Gedichte,  II.  2,  S.  192, 205. 

Decius,  Verfolgung  unter,  I.,  S.  216, 
229,  407. 

Dertosa,  B.,  I.,  S.  57,  69;  hl.  Paulus 
in  Dertosa?  S.  71  —  75,  201;  HI.  2, 
S.  472,  s.  Aragonien. 

Despuig  7  Dameto,  Anton.,  Cardinal 
1803  (t  1813),  III.  2,  S.  390,  394-395. 

D  ext  er,  Sohn  des  Pacian,  s.  omnimoda 
historia,  wohl  nie  erschienen,  II.  1, 
S.  334—336,  aber  von  den  span.  Ge- 
schichtsbaumeistem  fingirt 

Deza,  Didac.,  0.  S.  D.,  zweiter  General- 
inquisitor, III.  2,  S.  50,  56,  und  sein 
Gehilfe  Lucero,  S.  57;  1506  Revolte 
zu  Corduba  gegen  ihn,  S.  58;  Deza 
muss  1507  resigniren,  S.  65.  Eb.  von 
Sevilla  (1505—1523),  s.  Synode  daselbst 
V.  J.  1512,  S.  58-59. 

Diaconen  und  Subdiaconen,  II.  J,  S.460; 
II.  2,  S.  97. 

Dictinins,  Eb.?  von  Astorga,  II.  1, 
S.  392—94;  II.  2,  S.  156. 

Didactts  Gelmirez,  erster  Eb.  v.  Com- 
postella,  III.  1,  S.  9;  darf  1104  das 
PalUum  tragen,  S.  12—15;  1120  Eb. 
und  Legat,  S.  16 — 17;  zu  Palentia 
1129,  S.  28—30;  D.  1130  in  Leon  und 
Carrion,  S.  30-31,  33-34;  D.  allzeit 


«pompös^  8.41;  D,  und  Dofia  Urrac. 
S.  42,  65;  D.  nnd  die  Kirche  dea  hl 
Jacobu?,  111.1,8.81—110;  (1099-11; 
B.;  1118  bis  c.  1139  Eb.;  1114  C<>ii?| 
zu  Santiago,  S.  81—86),  P.  Calixr.  ij 
giebt  ihm  das  Eb.  von  Emerita  }!.:•{ 
wird  auch  Legat  des  Papstes  über  ü:i 
Kirchenprovinzen  von  Bracara  li  i 
Santiago;  Synode  zu  Composteila  v.  J 
1121;  Concil  v.  J.  1122,  8.  9i;  Cond 
v.J.  1121,  S.  95;  .Gottesfriede",  S. : 
Synode  v.  J.  1125,  8.  98.  D.  in  R.>a 
verklagt,  8. 100;  sein  Verkehr  mit  <i« 
Päpsten  seiner  Zeit,  die  er  finaczit  i 
unterstQzt,  um  von  ihnen  in  seinti 
Planen  U9terstQzt  zu  werden;  Verkti^ 
mitP.  Innocenz  II.  (1136—1143),  S.  1« 
bis  103;  D.  und  Pelagius  von  Bra^M 
8.  101—103;  die  Historia  Compostti 
lana  (i.  e.  des  Didacus)  reicht  bis  11  ^ 
8.  105  — 110;  ihre  Anlage  und  i'. 
Charakter  von  drei  Verfassern,  wovt. 
zwei  „CardinSle'^  von  Composteila  warf 
(Munio,  Hugo  und  Gerardus).  Des  I 
Verdienste,  8.  105-106;  führt  72  C-j 
uoniker  ein,  S.  106;  die  neue  Cathedra.] 
8.  106;  D.  t  nach  dem  17.  April  ir  | 

Diniz,  s.  Portugal,  III.  I,  S.  424—4.  :| 

Diocletian,  Spanien  während  der  guH 
sen  Verfolgung  unter  D.  und Maximi.n 
I.,  8.  289  flg.   Anfang  der  Diod.  Ver 
folgung,  8.  296—298.  Die  Gründe  . 
Christenverfolgung  unter  D. ,   S. 
bis  409.     Ausbruch   der  Verfolgu: : 
S.  396-397.    Die  vier  Edicte;   s.  \ 
cennalien  In  Rom,  Nov.,  Dec.  303;  ej^t 
Martyrien;  erkrankt  auf  der  Rückrt-i- 
nach  Antioohien,  dankt  ab  1.  Hai  :> 

Dionysius  Areopagita  nnd  D.  von  Pur  -. 
I.,  8.  61;  216-217;  IL  2,  S.  134. 

Dominicaner,  in  Afrika,  III.  1,  S.  l*'- 
176—177,234,239,^^46-247;  D.  in  P  : 
tugal,  S.  321-822;  D.  als  Inquisitort: 
111.2^  8.12;  ihr  segensreiches  Wirken  t- 
die  Indianer  in  America  s.  1510,  IH  : 
8.109-112,  173-174;  viele  D.  als  L 
schöfe  daselbst,  S.  215—218.  D.  i 
Spanien  reformirt  durch  P.  Pius  V 
8.  196—197. 

Dominicus  hl.,v,  Silos  (t20.Dec.  !•.•• 
II.  2,  S.  422  (und  8*  Domingo). 


Register. 


647 


Dominicns,  von  Galzada(t  1109),  III.  1, 
S.  172—173. 

Dominicas,  Gnzman,  III,  1,  S.  177. 

DomitiaDas,  I.,  S,  145.;  D.  Eb.?  von 
Astorga,  II.  1,  S.  183  flg. 

Donatns,  Abt  von  Servitannm,  571, 
II.  2,  S.  65-67. 

Dozy,  R.,  I.,  S.  175;  über  Isidor  von 
Face,  II.  2,  S.  241;  Aber  B.  Reces- 
mimd,  S.  448,  455;  III.  1,  S.  19  (über 
Cid  Campeador);  S.  41  —  42  gegen 
Conde;  HI,  2,  S*  478  (über  Elvira). 

Dracontias,  der  Dichter,  von  Engen  II. 
überarbeitet,  II.  2,  S.  133-135. 

Domium,  Kloster  und  B.,  II.  1,  S.  472. 

E. 

Egab  ra  (Cabra),  Bistham  vor  306;  B.  Sy- 
nagios  306, 11. 1,  S.  11, 176;  Bischöfe  von 
589  an,  11.  2,  S.  15;  Grenzatreit  mit 
dem  B.  Malaga,  S.  85—86;  hat  Bischöfe 
862,  S.  321. 

E ga r a  (Tarrasa),  bei  Barcelona,  Bistham ; 
B.  Ireraens  c.  465,  II.  1,  S.  430-431 ; 
Nebridius  516,  S.  441 ;  448;  U.  2,  S.  15; 
Synode  v.  J.  614,  S.  62—63. 

Egica,  König  (687—702),  II.  2,  8.  175 
bis  176, 180—181,  183;  E.  and  Witiza, 
S.  184—186;  Wit.  artet  aus,  S.  184 
(t  710,  al.  711),  S.  185,  s.  „Defensa". 

Egila,  Begionarbischof  am  Ende  des 
».  Jahrhunderts,  II.  2,  S.  252—26«,  258 
bis  259,  Schüler  des  Migetius? 

Ehen  zwischen  nahen  Verwandten,  11.^, 
S.  438—440. 

Elche  (llici)  kurzdauerndes  B.,  hat  Bi- 
schöfe 633  und  862,  II.  2,  S.  74,  321, 
a.  Collectio. 

Elepla,  B.,  seit  589  bekannt,  li.  1,  S.  418 
bis  419;  II.  2,  S.  89;  das  B.  hört  nach 
1141  auf,  III.  1,  S.  47. 

Elipandua,  Eb.  von  Toledo  (c.  782  bis 
fcOO?),  s.  Adoptianer,  U.  2,  S.  186  bis 
187;  360. 

Elisabeth  hl.,  Königin  von  Portugal 
(t  4.  Juli  1336),  Ilf.  1,  S.  331—333, 
(275). 

Elisabeth,  von  Famese,  zweite  Ge- 
malin  Königs  Philipp  V.  (t  1766),  III.  2, 
S.  365—366. 

Elna,  B.  (spftter  Perpigoan),  U.  2,  S,  434; 


Cathedrale  der  heiligen  Eulalia  lOrS, 
S.  439. 

Elotana,  B.  von  kurzer  Dauer,  IL  2,  S.  7. 

Elvira,  das  heutige  Granada,  liegt  an 
der  Stelle  des  alten  lliberris,  I.,  S.  172 
bis  178.  Der  heilige  Caecilius  in  El- 
vira, S.  178—183;  II.  1,  S.8— 9;  iden- 
tisch mit  Granada,  III.  2,  S.  477—479. 
Synode  von  Elv.  I.,  S.  2,  64,  ?9,  118, 
142,  162,  243,  248,  256,  267,  27G,  279 
bis  280,  286,  309.  Die  Synode  v.  Elv. 
(Mai  306),  II.  1,  S.  1-136; IIL2,  S.481  bis 
483.  Elv.,  die  dort  erschienenen  19  Bi- 
schöfe, II.,  1,  S.  10—13;  die  dort  erschie- 
nenen 24  Pfarrer,  S.  14—21.  Die  Er- 
öffnung d.  Synode,  S.  21—22;  Erklärung 
d.  81  Canones,  S.  23—136.  Nativola  bei 
Elv.,  II.  2,  S.  21—22;  B.  Egila  v.  Elv.? 
S.  252;  s.  Mozaraber,  Corduba,  Beces- 
mund,  Gregor,  Granada  etc. 

Emerita  (Merida),  Eb.,  I.,  S.  236, 242  flg. 
hat  Bischöfe  vor  254,  S.261;  256—257. 
Bischöfe  Basilides  und  Sabinus.  Seine 
(grosse)  Bevölkerung,  S.  272—273.  Die 
heilige  Eulalia  von  Emerita,  S.  364 
bis  371.  Falsche  Alterthümer,  S.  391  bis 
392.    Eb.  Liberius  814,  Florentius  343 

—  344,  II.  1,  S.  314  —  316;  Idatius 
(Clarus?)  380,  S.  395;  Patruinus  400; 
Gregorius  c.  404';  Antoninus  c.  446,  II.  1, 
S.  420—421.  Die  Kirchenprovinz  von 
Emerita  (Lusitanien),  voi\  314—589, 
II.  1,  S.  420—425.  Eb.  Antoninus  c.  445 

—  448  gegen  die  Manichäer.  Eb.  Paulus 
c.  530— 560;  Grieche  und  „Arzt",  S.421 
bis  42*2;  Fidelis,  sein  Neffe  und  Nach- 
folger, S.421 — 421.  Emerita,  die  reichste 
Kirche  in  Spanien,  S.428;  die  Kirchen 
in  Em.,  S.  423—424;  Eb.  Masona  571 
bis  606,  S.  424—425;  seine  Verdienste 
u.  frommen  Stiftungen;  Kirchenprovinz, 
II.  2,  S.  16;  28.  Synode  v.  J.  666, 
II.  2,  S.  138—143,  mit  12  Bischöfen 
und  23  Canones,  über  Gottesdienst, 
Kirchenzucht  und  Kirchenregierung; 
Eb.  Proficius  666;  unter  ihm  11  Suf- 
fragane;  Eb.  Ascaricus?  c.  790,  s.  Ado- 
ptianer.  Der  lezte  uns  bekannte  Eb. 
war  Ariulf  aus  den  Jahren  839  u.  862. 
Das  Eb.  muss  vor  dem  Jahre  1120  auf- 
gehört haben,  weil  es  in  diesem  Jahre 

36« 


548 


Bester. 


nach  Compostella  übertragen  wurde; 
8.  Didacus  Gelm. 

Emeterias  and  Chelidonias,  Krieger, 
Märtyrer  von  Calagorris,  J.  I ,  S.  59, 
293—296;  IL  2,  S.  2üO— 201. 

Emmannel,  Kg.  von  Portugal  (1495  bis 
1525),  in.  I,  S.  349-351. 

Encratis,  Martyrin  von  Saragossa,  L, 
S.  308-309,  322,  3^9. 

England,  n.  Spanien  1554—1559,  III.  2, 
S.  178;  B.  Phiüpp  11. 

Ephrem,  der  Syrer,  nach  Spanien  seit 
c,  780  wohl  durch  die  Neatorianer  ge- 
bracht, II.  2,  S.  256,  333,  338. 

Epiphanins,  von  Salamis,  1.,  S. 40 bis 
41;  Aber  flosius,^  II.  1,  S.  259;  IIL  2, 
S.  487. 

Ermengol,  hl.,  B.  von  Urgel  (1010  bis 
1035),  Nachfolger  seines  Oheims  Salla, 
ir.  2,  S.  433-435;  schon  1044  als  Hei- 
liger verehrt. 

Erwig,  beseitigt  den  Kg.  Wamba  680, 

II.  2,  S.  167-170;  Erw.  auf  der  Synode 
von  683,  S.  172—173,  174—175;  (f  15. 
—  24.  Nov.  687),  S.  167—177,  229 
bis  230,  231-232. 

Escalona^  Romuald,  Gesch.  v.'Sahagnn, 
0.  S.  B.,  III.  1,  S.  17,  38,  60;  III.  2, 
S.  412. 

Espafia,  sagr.,  s.  Florez. 

Espartero,   Baldemero  (f  Jan.  1878), 

III.  2,  S.  452;  „Kegenf"  (1840— 1^43> 
muss  1843  fliehen,  S.  460. 

Estelia,  erbaut,  111.1,8.170;  Synagoge 

der  Juden,  S.  183. 
Eugen  L,  angeblich  gesendet  von  Dio- 

nysius  Areopagita,  II.  2,  S.  194^-195, 

199,  III.  1,  S.  35-37,  lü.  2,  S.  497. 
Eugen  I.,  von  Toledo  (636-647),  H.  2, 

S.  182,  138,  231,  hat  Zweifel  an  dem 

römischen  Primat. 
Eugen  II.  (647),  s.  Schriften,  IL  2,  S.  132, 

138,  146,  149,  247. 
Eulalia,  die  hl,  von  Emerita,  Martyrin 

10.  Deo.  304?,  I.,  S.  146;  ihr  Martyrium, 
364-371,  8.281,309,339,  III.  2,  S.480, 

11.  1,  S.  414— 415,  429;  ihre  Haupt- 
Wrche,  8.  423—424,  H.  2,  455,  III.  2, 
S.  479,  499. 

Eulalia,  hl.,   Martyrin  von  Barcelona 

12.  Febn  305?,  I.,  S.  306—319;  Wider- 


legung der  Zweifel  an  ihrem  Martyrion, 
S.  306—310;  positive  Beweise  ftir  die 
hl.  E.  von  Bare,  S.  311—314;  die  Passlo 
derhl.E.,  S. 315-317;  ihre  Verehiung 
in  Bare,  S.  317—319;  ihre  Festmesse. 

II.  2,  8.  200;  ihr  Grab  gefunden  877, 
8.  359;  Kirche  in  Corduba,  450,  III.  l 
S.  237,  III.  2,  S.  480,  s.  Elna. 

Eulogius,  Maurer  259,  I.,S.265flg. 

Eulogius,  Märtyrer  von  Corduba,  I.. 
S.  189,  297,  300,  314,  355,  358-361, 
368—369,  383,  H.  2,  S.  301—302;  E. 
und  die  Ußtnk,  S.  304 ;  306,  310-311, 
318—819;  Leben,  Leiden  nnd  Schrif- 
ten, S.  326;  Märtyrer,  11.  März  859, 
8.  328;  Schriften,  S.  329,  337—338; 
in  und  über  Navarra,  S.  354—365,  356 
bis  358,  360. 

Euphrasius,  hl.,  von  Ulitoigi,  seine 
Verehrung,  I.,  S.  186—192.  Name  von 
Bischofen,  S.  190—191,   II.  2,  S.  8^. 

III.  2,  S.  479. 

Eutropitts,  Abt  von  M«  Servitanum 
584,  II.  2,  8.  8;  B.  v.  Valencia,  8.  57 
bis  59,  74,  153. 

Evora,  Bisthum  306,  II.  1,  8.  10,  12; 
Bischöfe,  II.  1,  S.  425. 

Eximitto,  Ast,  8.  J.,  IIL  2,  S.  418. 

F. 

Falschmünzer,  III.  1,  S.  30. 
FaustinuB  nnd  Marcellinns,  dieLOgen- 

schmiede,  L,  8.  59,  IL  1,  S.  256,  275, 

310—317,  IIL  2,  8.  487. 
Felicitas  und  Perpetua,  L,  S.  92—97. 
Felix,  B.  von  Saragossa  (e.  250—^4). 

I.,  S.  239,  243,  253-256. 
Felix,  B.vonAstorga  (c254),  L,S.236, 

239,   243  flg.;   das  Bisthum   des  F., 

S.  246—250. 
Felix,  Presbyter  von  Leon,  I.,  S.  236. 
Felix,  Märtyrer  von Gerona  (304— 305), 

L,  8. 300—302,  II.  2,  S.  200,  III.  2,  S.  497. 
Felix,  ConfesBor,  u.  die  hL  Eulalia  von 

Barcelona,  I.,  8.  316—317. 
Felix,  B.  von  Acoi  306,  L,  S.  142,251, 

U.  1,  8.  10,  176—178,  III.  2,  S.  484. 
Felix,  von  Urgel,  II.  2,  8.  264—265, 

268,  s.  Adoptianer. 
Ferdina'nd  I.,  Kg.  von  Leon  and  Ol- 

Süllen  1037   (f  27.  Deoember  1065), 


Register. 


549 


U.  2,  S.  400  —  402,  407,  422?   III.  1. 

S.  8. 
Ferdinand  IF.,  Kg.  von  Leon  (1157), 

Iir.  1,   S.  37,  52— Ö3,   60    (f  28.  Jan. 

117S),  S.  61,  108—109. 
Ferdinand  m.,  d.  Heilige  (geb.  1 199, Kg. 

1216,   t  30.  Mai  1252),   II J.  1,   S.  63, 

110,  130,  155—162,  176,  352. 
Ferdinand,    Infant  (t   14.  Oct.  1211), 

111.  1,  S.  116-118. 

Ferdinand  r.^   von  Aragonien,   Ilf.  1, 
S.  296—297. 

Ferdinand  IV.,  von  Castilien  (f  1312), 
III.  1,  S.^70,  381. 

i*  e  r  d  i  n  an  d  V.,  1469  Gemahl  der  laabella, 
„der  Katholische«,  III.  1,  S.  314,  430, 
432.  Krieg  gegen  Granada  439—446, 
B.  Inquisition,  III.  2,  S.  23—24,  America, 
Oolumbus,  Ximenes.  F.  zweite  Ehe  1505, 
III.  2,  8.  126;  F.  1607  wieder  in  Ca- 
stillen,  S.  127  „Regent«;  droht  1508 
sich  von  Rom  losznreissen ,  S.  128; 
ir>0*j— 1511  gespannt  mit  P.  Julias  II., 
S.  140—141 ;  1511  imBunde  mit  Juliuslf. 
gegen  Ludwig  Xll.  von  Frankreich, 
S.  142—143;  erobert  Navarra,  S.  143; 
(t  1516)  au  Madriiejos,  S.  143;  sein 
Charakter,  S.  144. 

Ferdinand  Vi.,  Kg.  von  Spanien (1746, 
t  10.  Aug.  1759),  III.  2,  S.  343-347; 
Verhandlungen  mit  Rom  1749—1753, 
S.  341;  Concordat  vom  11.  Jan.  1753 
mit  P.  Benedikt  XIV.,  S.  346—346; 
F.  Tod  und  Charakter,  S.  347. 

Ferdinand  Vll.,  Kg.  von  Spanien,  geb. 
1784,  Kg.  1814,  III.  2,  S.  381-383, 396; 
F.  in  der  Zeit  von  1808—1814,  S.  427 
bis  429;  zieht  14.  Mai  1814  in  Madrid 
ein;  Revolution  vom  1.  Jan.  1820,  sie 
ist  sehr  kirchenfeindlich,  S.  429—430. 
1821  Confllkt  mit  Rom,  S.  431 ;  Klöster 
aufgehoben;  F.,  von  den  Franzosen  be- 
freit 1823-24,  S.  433;  „Regentschaft« 
(1823),  S.  433;  F.  heirathet  Marie  Chri- 
stine  1829,  III.  2,  S.  443  (f  29.  Sept. 
1H33), 

Ferdinand  I.,  von  Portugal,  1367, III.  1, 
S.  339. 

Ferdinand,  „der  standhafte  Prinz*,  Ge- 
fangener in  Afrika  (t  Juni  1443),  III.  1, 
S.  345-346. 


Ferdinand,  von  Oesterreicfa,  geb.  1503, 
III.  2,  S.  125,  176—177. 

Ferrer,  Vinzenz  hl,  III.  1,  S.  296;  und 
die  Juden  in  Spanien,  III.  2,  S.  13—15. 

Ferreras,  Juan  de  (1652,  f  8.  Juni  1735), 
seine  Geschichte  von  Spanien,  III.  2, 
S.  327—328;  und  andere  Werke. 

Feuer,  das  griechische,  II.  2,  8.  240. 

Feyioö,  B.  H.,  0.  S.  B.,  der  scharfe 
Critiker  (t  1764),  III.  2,  S.  411-412. 

Fibularia,  Calagurris,  Bisthum  306, 
II.  1,  S.  12—13,  11.  2,  S.  418,  III.  2, 
S.  481. 

Florentina,  hL,  Schwester  Leander*s  u. 
Isidor's  von  Sevilla,  II.  2,  S.  34-46, 
105-106. 

Flore z,  Heinrich,  0.  S.  A.  (f  1773),  u. 
die  Espa&a  sagrada,  1747—1865,  50 
Bände,  wovon  29  von  Fl  selbst,  1747 
bis  1774;  Bd.  30-42  von  Bisco;  143 
bis  44  von  Merino  und  Canal;  t.  45—46 
von  Canal;  t  47—48  von  Baranda; 
t.  49—50  von  Vicente  De  La  Fuente, 
I.,  S.  262;  Fl  über  Montanus  von  To- 
ledo, II.  1,  8.  450—451 ;  über  Idatius, 
S.  470—471;  edirt  neue  Werke  Mar- 
tinas von  Braga,  S.  474;  Fl  über  das 
Pallium,  II.  2,  S.  39;  Analyse  der  50  t. 
des  „heiligen  Spanien"*,  III.  2,  S.  404 
bis  410;  des  Fl  übrige  Schriften,  II.  2, 
S.  162,  III.  2,  S.  407—408. 

Florida- Bianca,  vorh.  Monino,  III.  2, 
S.  369-370 ;  Minister  1777-1788,  S.  372; 
unbeschränkt  in  der  Gewalt,  S.  372, 
376;  gestürzt  1792  (f  1809);  Fl-Bl 
über  die  Bischöfe  seiner  Zeit,  S.  385 
bis  386,  392-^93. 

Folter,  und  Inquisition,  III.  2,  S.  64. 

Fonseca,  Juan,  B.  u.  Colonial-Minister 
(t  1524),  III.  2,  S.  115. 

Fontana,  Synode  v.  J.  947? IL  2,  S.  425. 

Formosus,  P.  (891—896),  IL  2,  8.  358. 

Franc! scaner,  in  Marokko,  III.  1,  S.  162 
bis  169;  in  Spanien,  S.  177,  260;  dritter 
Orden,  S.  277;  F.  in  Westindien,  III.  2, 
S.  109—113;  reformirt  in  Spanien  1569, 
S.  196-197. 

Freigelassene,  II.  2,  S.  11—12;  der 
Kirche,  S.  19-20;  87,  100,  122,  ISO, 
141,  171,  173,  180. 


550 


Begister. 


Freimanrer,  in  Spanien,  IIU  %  S«  343 
bis  344« 

Fructnoens,  bl«,  Märtyrer  von  Tarraoo 
21.  Jan.  259,  U  S.  59,  265—272,  274 
bis  276,  IL  2,  8.  199-200;  und  die 
Liturgie,  8.  203;  seine  Kirche,  III.  1, 

S.  199. 

Frnctaosns,  hL,  £b.  von  Bracara  656, 
L,  8^  281—282,  814,  332,  370,  374, 
\U  2,  8.  132,  152-157;  Eb.,  8.  154, 
178, 198—199;  F.  als  Reisender,  Kloster- 
stifter, Schriftsteller. 

Fnen-Gnbierta,  Synode  v.  J. 911,  11.2, 
S.  424—425. 

G. 

6  Ad  es  (Cadix),  I,  8.  1—?,  12—15,  53 
bis  57,  63—65;  die  Gaditaner  im  Alter- 
thum,  8. 196-197,  374—375,  s.  Cadix. 

Galerius,  Kaiser,  Christenverfolger,  !., 
8.  296,  308,  395—397,  407-409. 

Galioien,  die  Kirchenprovinz  von  357 
bis  589,  ir.  1,  8.  456-464.  Die  Gali- 
cier,  8.  465—466. 

Gallien,  angebliche  Sendnng  von  sieben 
Bischöfen  ans  Bom,  I.,  8.  215—217. 

Gardinge,  die,  IL  2,  S*  172. 

Gelasius  L,  P.  (492—496),  L,  8.  43  bis 
44,  46—47. 

Gelasius  IL,  P.  (1118—1119),  und  Eb. 
Bernhard  von  Toledo,  III.  1,  8.  16; 
Gel.  und  Tarraoo  1118,  \\\.  1,  8.  190. 

Gennadins,  von  Marseille,  I[.  1,  8.445, 
466. 

Gennadius,  hL,  B.  von  Astorga  899 
(t  c.  936),  IL  2,  8.  406,  409. 

Gentilis,  Valentin,  als  Kezer  in  Bern 
hingerichtet,  III.  2,  8.  79—80. 

Gerontius,  B.  von  Sevilla?  (Italica), 
L,  8.  59, 144—145, 168;  der  Bischof  G. 
von  Italica,  8.  280—283. 

Gernnda,  und  der  heilige  Felix  von,  L, 
8.  300—302.  Concil  v.  J.  517,  II.  1, 
8.  434—436;  Concil  v.  J.  646,  8,  440, 
IL  2,  8.  200;  das  B.  nicht  unterbrochen 
zur  Maurenzeit,  8.  354;  B^  8.  358  bis 
359,  430;  Kirche  des  hl.  Felix  und 
Narcissus  seit  1002,  8.  430;  Cathedrale 
eingeweiht  1038,  S.  436;  Concil  1078, 
8.  440;  Concil  1143,  III.  1,  8.  195; 
Concil  1197,  8.  220. 


GfrÖlrer,  Friedr.  (f  6.  Juli  1861),  IIL  1, 
8. 43;  fibersch&zt  d.  Histor.  J.  A.  Conde, 
und  die  Zahl  der  Einwohner  des  mau- 
rischen Spanien's,  8.  464—467. 

Giudice,  Franc,  Cardinal  1690  (t  lO.Oct 
1725),  General-Inquisitor,  IIL  2,  S.  8^, 
314—315. 

Godoi  (oy),  Manuel,  „der  Friedensftirst^', 
sein  Leben  und  Treiben  (herrscht  un- 
beschränkt von  1794  —  1808),  IIL  2, 
S.  377-  383;  wegen  Bigamie  verklagt, 
S.  390. 

Gongora,  Manuel^  Archaolog,  f  zu  Gra- 
nada c,  1869,  HL  2,  S.  477—479. 

Gonzalez  Perez,  Primas  von  Toledo 
1182  (t  30.  AugQst  1193),  IIL  h  S.  39. 

Gottesfriede,  1027  in  der  spanischen 
Mark,  IL  2,  S.  434;  1054  zuNarbosne, 
8. 438, 489,  J.1065—  1 068,  s.  Didac  Gelm. 

GOzendienst,  in  der  christlichen  Zeit, 
II.  2,  S.  13,  s.  Braga,  Martin  v.,  IL  2, 
8.  18,  171,  18L 

Guadeloupe,  Kloster,  und  Insel,  1493 
entdeckt,  III.  2,  S.  97. 

Granada,  seine  Lage  an  der  Stelle  des 
alten  Elvira,  L,  S.  171—178;  der  sacro 
monte  von  Gr.  und  seine  Höhlen,  S.  1 7b 
bis  183;  die  Verehrung  des  hl.  Caed- 
Hus  in  Gr.,  8.  183 -1«>,  s.  Elvira. 
Gr.  wieder  erobert  2.  Januar  1492  u. 
Eb.  1492,  IJL  1,  8.443—445.  Univer- 
sität unter  Cari  V.,  III.  2,  8.  132;  Erz- 
bischGfe  im  16.  Jahrhundert,  S.  15ii: 
Schule  und  Universität  daselbst,  S.  159; 
Concil  des  Eb.  Guerrero  1565,  S.  187. 

Gregor! US,  Baeticns  oder  von  Elvir» 
c.  359—892,  L,  8.  178;  Haupt  d.  Luci- 
ferianer  nach  dem  Tode  oder  dent 
Rücktritte  des  Lucifer  von  Cagliari; 
359  in  Rimini,  „ilUlt'<  zu  Nicca  ab; 
lässt  sich  von  Ensebtns  von  Vercelli 
beloben;  betet  den  Hosius  za  Tode, 
und  wird  allein  unter  allen  Bekennem 
nicht  gestraft,  weil  jeder  Beamte  vor 
dem  gewaltigen  Beter  zittert,  IL  1< 
8.  256—260,  310-317;  II.  2,  S.  1^7, 
451;  III.  2,  8.  478. 

Gregor,  von  Tours,  s.  Gallien;  über 
die  Kriege  der  Franken  n.  Westgothen, 
IL  1,  8. 485—488;  gegen  Hermenegild, 
IL  2,  S.  4. 


RegiBter. 


551 


Gregor  I.,  P.  (590—604),  über  Henne- 
negildy  II.  2,  S.  3—5;  im  Verkehre 
mit  Spanien;  seine  Legaten  daselbst, 
S.  29—34;  Gr.  an  Leander,  S.  29—30; 
seine  Moralia  aber  Job,  S.  29—30,  a. 
seine  „Hirtcnregel'^,  S.  31 ;  sendet  dem 
Leander  das  Pallinm,  S.  31 ;  an  Reccared, 
S.  31;  seine  Dialoge,  S.  116.  Gr.  und 
Tajo,  S.  150-155,  227—228. 

Gregor  Vil.  (1073—1035),  I.,  S.  83, 143, 
Gr.  im  Verkehr  mit  Spanien,  IT.  2, 
8.  457  —  462;  Gr.  und  die  römische 
Liturgie,  S.  457— 458;' sendet  Legaten, 
S.  459.  Der  Mönch  Robert  ans  Clugny, 
ein  StOrefried,  S.  460;  Abt  Richard 
von  Marseille,  s.  Legat.  Das  Duell 
(wegen  der  Liturgie),  S.461;  f  25.  Mai 
1U85,  am  Tage  des  Einzuges  der  Spa- 
nier in  Toledo,  S.  462,  IH.  1,  S.  3. 

Gregor  IX.  (1227—1241),  und  Don  Ro- 
drigo  Ximenes,  III.  1,  S.  145-146;  u. 
Baymund  von  Pennaforte,  S.  246. 

Gregor  X.,  P.  (1271  —  1276),  und  Por- 
tugal, III.  1,  S.32I-322;gegen  AlfonsX. 
von  Castilien,  den  deutschen  Kronprä- 
tendenten und  für  Rudolph  von  Habs- 
burg, S.  3;^4,  360—363. 

Gregor  XIII.  u.  XIV.,  s.  Philipp  II. 

Gregor,  XVI.  (1831—1846),  gegen  die 
Sklaverei,  1839,  III.  2,  S.  120-121; 
seine  zwei  AUocutionen  Aber  die  Noth 
der  Kirche  in  Spanien,  IIK  2,  S.  447 
bis  448;  seine  Encjclica  vom  28  Fe- 
bruar 1842,  S.  454—457;  bessere  Zeiten 
von  1813  an,  S.  461;  der  Gesandte 
Castillo  y  Ayensa  in  Rom,  S.  461—463. 

Gnadix,  apostolisches  B.;  das  Wunder 
bei  G.,  I.,  S.  118—137.  Das  Thal  von 
G.;  die  Lage  der  Stadt,  und  das  Ge- 
birge über  ihr,  S.  123—124.  DerFluss 
von  G.,  und  die  Lage  der  Stadt  an 
ihm.  Die  beiden  Nebenflüsschen  Rio 
de  Gor  und  Fardes,  S.  124—126.  Die 
£inzelnheiten  des  Vorgangs,  S.  127  bis 
129.  Bemerkenswertho  Analogien  aus 
der  neuesten  Zeit,  S.  129-130.  Das 
heidnische  Fest  in  der  Stadt,  S.  130 
bis  135.  Der  Einsturz  der  Brücke.  Das 
Wander  und  die  Natur,  S.  135-137. 
Guadiz,  erneuertes  B.  seit  1492,  S.  142, 
147;  IJI.  1,  S.  442.    Der  hl.  Torquatus 


in  G.  verehrt,  I.,  S.  145—149, 157,  s.  Acci, 

Apostelschüler. 
Gundemar,  König  (610—612);   Edict 

für  Toledo  v.  J.  610,  II.  2,  S.  67-68; 

469-470;  HI.  2,  S.  503— 504. 
Gunthar,  König  der  Vandalen,    IL  2, 

S.  135. 

H. 

Hadrian  L,  P.  (772— 795),  an  und  gegen 
Bischof  Egila  (von  Elvira?),  II.  2,  S.252 
bis  254;  gegen  Migetlus,  S«  258,  259; 
H«  gegen  Elipandus,  S«  281—282,  288 
bis  291;  H.  vu  die  Synode  von  Frank- 
furt V.  J.  794,  S.  287—288, 

Hadrian  (V*),  Cardinal,  Carrs  V.  Ver- 
weser in  Spanien,  III«  2,  S.  154;  Jan.  1522 
P.  Hadrian  V.,S.  155;  macht  Carl.  V.  die 
grössten  Concessionen,  ohne  ihn  zufrie- 
den zu  stellen,  S.  155—156;  Gott  er- 
löst ihn  durch  den  Tod  (f  14.  Sept« 
1523)  von  Conflikten.mit  Cari  V.,  S.  156* 

Hayti,  14^^  entdeckt,  III.  2,  S.  94. 

Hefele,  Carl  Jos«,  der  Cardinal  Ximenes 
1851,  HL  2,  S.  130—132;  H.  über  die 
Inquisition,  111*2,  S«  90*  Con eil- Gesch., 
Bd*l— 7,  reicht  bis  zum  J*  1449;  pas- 
sim,  2.  Aufl.,  Bd.  1—4,  1873—1879. 

Heitferich,  Ad«,  der  westgothische 
Arianistnus  1860,  I.,  S,  86  etc.,  II*  1, 
S.  455  über  B.  Justinian,  II.  2,  S.  137; 
über  Bulgaram;  Westgothenrecht  1858, 
II.  1,  S.  485;  II.  2,  S.  12,  162. 

Hennemann,  Aegidius,  0.  S.  B.,  III.  1, 
S.  273. 

Henrique  (Heinrich)  L,  Kg.  v.  Castilien 
1214,  (t  16.  Juli  1216),  III.  1,  S.  129. 

Henrique  II.,  deutscher  Kaiser,  II.  2, 
S.  167. 

Henrique  Trastamara  II.,  Kg.  von  Ca- 
stilien 1369  (t  1379),  111.1,  S.  890-891. 

Henrique  III.  1390,  wechselnde  Stellung 
im  päpstlichen  Schisma,  HI.  1,  S.  395 
bis  397  (t  1406),  S.  402. 

Henrique  IV.  (1454-1474),  III.  1,  S. 425 
bis  426,  481. 

Hermandad,  santa,  III.  1,  S.  433. 

Hermenegild,  hl.,  Sohn  Königs  Leo- 
vigild,  n.  1,  S.  489;  wird  zu  Sevilla 
katholisch;  verbindet  sich  mit  den 
Griechen  gegen  Leo vigild;  wurde  Mar- 


552 


RegiBter. 


tyrer  zu  Tarraco  13.  Apr«  5S5,  S«49l; 
zuerst  als  Rebell  betrachtet^  wurde  er 
ein  Jahrtausend  nach  seinem  Tode  ca- 
nonisirt,  II«  2,  S.  3—5«  P»  Gregor  I« 
über  ihn,  IL  2,  8.  3 ;  158« 

HesychiuB  (Esitins,  Iscius);  der  hl«  H« 
von  Carcesa,  I«,  S.  193—204;  sein  Siz 
ist  eicht  Garteja  an  der  Meerenge, 
S.  193^197;  nicht  das  unbekannte  Gar- 
teja derOlkaden,  8.197— 198;  sondern 
wahrscheinlich  Gazorla,  S.  198—203« 

Hexen  in  Deutschland,  und  Kezer  in 
Spanien,  lir«  2,  S.  76« 

Hidalgo,  Dionys.  (f  1866),  Diccionario 
de  Bibliografia  Espafiola,  t.  1—5,  Ma- 
drid 1862-1873,  HI.  2,  8.  408,  459. 

H  i  e  r  0  c  1  e  8 ,  Statthalter,  Ghristenfeind,  I.^ 
8.  404-408« 

Hieronymiten,  in  Gastilien,  III«  1, 
8. 390;  in  Westindien,  111.2,  S«  113—115. 

H  i  g  u  e  r  a ,  Boman,  Gleschichtsbaumeister, 
H.  2,  S*  447-448« 

Ililarius,  von  Poitiers,  u.  Theodor  von 
Mopsveste,  II.  2,  S«  49—51,  52,  88, 
8.  Hosius. 

Hilarius,  von  unbekanntem  Size,  Me- 
tropolit der  Provinz  Garthaginensis  400, 
II.  1,  8.  443—444,  s«  GoUectio« 

Hispalis,  s.  Sevilla« 

Honorius  I«,  P.  (625— 638),  IL  2,  8.145 
148;  Braulio's  hiziger  Brief  an  ihn 
8«  224—228;  230. 

Honorius  IT..  P.  (1216—1227);  Bullen 
von  ihm,  III«  1,  8«  113;  H«  und  der 
Primat  von  Toledo,  8«135 ;  137, 140, 143. 

Hormisdas,P.  (514—523),  macht  2.  Apr« 
517  den  Bischof  Johannes  von  Tarraco 
zu  seinem  Vicarius  in  Spanien,  II«  1, 
8«  436,  und  schreibt  durch  ihn  an  die 
Bischöfe  Spanien's,  II.  2,  8«  471—472; 
war  £b.  V.  Tarraco,  nicht  B.  v.  Elche« 

Hosius,  von  Gorduba,  geb.  c*  256,  B* 
c«  296  (t  in  Sirmium  27.  Aug«  357); 
H*  vor  und  auf  der  Synode  von  Elvira, 
II«  1,  8.  2—4;  H.  von  der  Synode  v« 
Elvira  bis  zu  der -Synode  von  Nicäa 
V«  J«  306—325,  8«  137-143;  H«  und 
die  Synode  von  Nicäa,  S.  145-148; 
H.  Vorsizender  daselbst,  S.  148—159; 
im  Namen  des  Papstes  Sylvester,  8«  159 
—  163;  StUlschweigen  über  ihn  323 


bis  343,  S«  163—165.  Er  organisirt  die 
kirchliche  Hierarchie  in  Spanien,  S«  166 
bis  181;  führt  die  Mctropolitane  ein, 
8.  185— 191.  H.  auf  der  Synode  von 
Sardica  v.  J.  343-344,  8«  192—210; 
H.v.J.  344—355;  Verbannung  n.  Sirmium 
355,  8.  211—218;  H«  in  Sirmium  356 
bis  357,  S«  219—243.  Worin  bestand 
sein  Fall,  II.  1,  8.  242-267.  Sern  or- 
thodoxer Zusaz  zu  der  zweiten  sirmi- 
sehen  Formel  wird  ihm  aU  Gommnnio 
mit  den  Arianern  angerechnet«  Er  starb 
zu  Sirmium  27.  Aug.  357,  S.  268—284. 
In  welchem  Sinne  er  nach  Spanien  zu- 
rQckgekehrt  sei?  8.  285—299«  H.  der 
„Grosse*^  und  der  „Heilige«,  S.  300  bi« 
302,  308-309;  IL  1,  8.  414;  IL  2, 
S.  202.  Recapitulation  der  glänzen  H.- 
Streitfrage, lU.  2,  8.  484—489, 

Hospitäler,  in  Spanien,  reducirt  und 
„reformirt«,  HI.  2,  8.  192—193. 

Haber,  Vict.  A.,  über  die  span.  Inqui- 
sition, III.  2,  8.  82—85. 

Huebner,  Emil,  Inscriptiones  Hispaniae 
christianae  1871,  II.  2.  8.  250,  478  bis 
480;  etwa  200  Inschrifiten,  meist  aus 
der  Zeit  von  465—782;  III.  1,  8.  46; 
H.  Inscriptiones  Hispaniae  latinae  1869; 
H.  giebt  mir  nicht  Becht,  aber  ist  ge- 
zwungen, mich  zu  rechtfertigen,  III.  2, 
8.  478-480. 

Huesca,  Goncil  v.  J.  598,  II.  2,  S.  26; 
lil.  1,  8.  259;  Goncil  v.  J.  1303;  Uni- 
versität, III.  2,  8.  137;  wieder  erobert 
1096.  II.  2,  8. 417—418;  Bisthum,  IL  2, 
8.  420—421  (Jacca). 

Husillos,  Goncil  v.  J.  10' 8,  IIM,S.7. 

Hyglnus,  B.  von  Gorduba  359  —  c.  386 ; 
als Eb. 382— 883,  IL  1,8,273—275;  364 
bis  365;  Hl.  2,  8.  488-489.       « 

I. 

Jacca,  Bisthum,  im  Mittelalter  Jaeca- 
An^on,  ir.  2,  8*  418;  Synode  v.  J. 
1063,  8.  420-431;  Kirchweihe  1063, 
8.  421,  458;  wieder  Bisthum  1571. 

Jacobus,  der  Aeltere,  „der  Apostel  u« 
Patron  von  Spanien'',  IL  2.  8.  189  bis 
190,  197,  361—396  (f  12.  Aprfl  41  in 
Jerusalem,  8.  363);  Kirchen  unter  sei- 
nem Namen  in  Oaliclen  schon  um  756 


Register. 


653 


gebaut,  ir.  2,  S.  251.  Die  Klöster  Sinai 
und  Railba  521—525  gebaut;  die  Klo- 
stersklavcD  werden  Mahamedaner,  S.3()3 
bis  364.  Gatharina  von  Aiexandrien 
Wird  Gatharina  vom  Berge  Sinai,  S.  363 
bis  364.  Der  Leib  des  hl.  Jac.  kommt 
in  die  Kirche  del  Pilar  in  Saragossa 
nm  700,  S.  364.  Theodor,  Athanasins 
und  Petras  «Ratbcnsis''  sind  Mönche 
aus  dem  Kloster  Raithu,  die  seinen  hl. 
Leib  nach  Spanien  brachten,  S.  364. 
Nach  dem  Einfalle  der  Maaren  wird 
dieser  Leib  geflüchtet  nach  dem  (spä- 
tem) Ort  Gumpostella,  S.  365—366,  dem 
Heiligen  aber  schon  vor  757  Kirchen 
geweiht.  Sein  Grab  wird  zwischen  757 
bis  829  vergessen,  S.  366.  Die  Historia 
Compostellana,  S.  367  (weiss  gar  nichts 
hierfiber).  B.  Theodomir  von  Iria  c. 
829,  S.  368.  Ramiro  I.  und  die  „an- 
gebliche'' Schlacht  von  Glavigo  c.  844, 
S.  369—374.  Kg.  Ordofio  I.  (854), 
S.  374—376.  Kg.  Alfons  HI.  baut  die 
neue  Kirche  des  hl.  Jac.,  S.  376—377, 
ireweiht  6.  Mai  899.  B.  Sisenand,  S.  378. 
Greschenke  Alfons'  IIL  an  Gompostella, 
S.  377—378;  schreibt  906  nach  Tours 
über  den  hl.  Jac.,  ohne  damit  „die 
Jacobus-Frage^  zu  lösen,  S.  .378-380. 
Nene  Geschenke,  S.  380—381.  Kg.  Or- 
dofio If.,  S.  381.  Die  Besizungen  v.  Iria 
restituirt,  S.  381.  Jac.  der  „Patron", 
S.  381-382.  Ordofio  III.  954,  S.  382. 
Abt  Cäsarius,  S.  382—387,  erlangt  zu 
Gompostella  denSiz  vonTarraco,  aber 
nur  in  part.  infid.,  und  schreibt  um 
Hilfe  an  P.  Joannes  XII.,  S.  383,  c.  963. 
Kg.  Veremund  II.,  S.  387.  Alfons  V., 
Bermudo  III ,  S.  388.  Die  Schuzengel 
der  Völker,  S.  388 ;  hl.  Gatharina  von 
Sinai,  S.  388-389;  ihre  Kirche  in  der 
Normandie,  S.  389.  Jac.  der  Aeltere 
In  der  span.  Liturgie,  S.  390«  Isidor? 
über  Jac,  S.  393-395.  Jac.  in  Süd- 
Spanien  nicht  gefeiert,  S.  453.  Bd.  4» 
S.  116,  Z.  18  von  oben  lies  Jacobus 
statt  Paulus.  Streit  über  sein  Patronat 
fiber  Spanien;  soll  sich  mit  der  hl. 
Theresia  in  dieses  Patronat  theilen, 
III.  2,  S.  268— 271;  Recapitulation  der 
Jacobn8-Frage,S.505— 507;  desseuGrab 


in  der  Gathedrale  von  Gompostella  wie- 
der gefunden  c.  Febr.  1879.  Santjago 
vom  Schwerte,  Ritterorden  1161,  III.  1, 
S.  56,  in  Ucles;  S.  109. 

Jaön,  1216  erobert  und  B.,  III.  1,  S.  160. 

Jaffe,  PhU  .Regesta P.Rom., III.  1,S.  13. 

Jayme  L,  Kg.  von  Aragonien  (riil3bis 
1276),  III.  1,  S.  213. 

Jayme  II.  (1291-1327),  III.  1,  S.  255; 
&  Aragonien. 

Idatius,  der  Ghronist,  I.,  S.  55,  151, 
218,350,369.  Id.,  sein  Ghronicon,  II.  1, 
S.  456-458,  465—471.  Id.,  B.  vonLa- 
mego,  S.  46K;  seine  Ghronik  reicht  von 
376—469 ;  sein  Geburtsort  Limia  ?  S.  468 ; 
B.  von  Ghaves?  (Aquae  Flaviae);  Aus- 
gaben der  Ghronik,  S.  469—170.  Fasti 
Idatiani,  S  470;  Turibius  an  ihn  über 
die  Prisoillianisten,  S.  476-479. 

Ildefons,  Eb.  von  Toledo,  I.,  S.  341 
bis  342;  sein  Werk  „von  den  berühm- 
ten Männern^,  über  Asturius,  11.  1, 
S.  445-446;  über  Montanus,  S.  451 
bis  452;  II.  2,  S.  160.  Ild.,  hl.,  geb.  c. 
607,  S.  135-138;  Eb.  657  (f  23.  Jan. 
667).  Schriften,  S.  136-138;  152,  177 
bis  178;  II.  3,  S.  209.  Cixila  über  ihn 
und  die  hl.  Leocadia,  S.  247—249, 250. 
Ild.  und  die  „Etymologieen**  Isidor's, 
S.  467—468;  sein  Fest  eingeschärft 
1302,  III.  1,  S.  371. 

Illiturgi.s),  die  Lage  der  Stadt,  L,  S.  186 
bis  189,  8.  Enphrasius;  IH.  2,  S.  479. 

Indaletius,  hl,  der  hl.  Indaletius  von 
ürci,  L,  S.  159-160.  Der  Leib  des  hl. 
Ind.  in  Pasqnena  (Pechina),  seit  1084 
in  S.  Juan  de  Ja  Pefia,  S.  162—164. 
Sein  Andenken  in  Almeria,  S.  165.  Seit 
1872  weiss  man,  dass  Urci  an  der  Stelle 
des  heutigen  Pechina  (oder  Almeria) 
lag,  IIL  2,  S.  476-477,  508—509. 

lud  1er  (Westindier),  erste,  getauft  1493, 
III.  2,  S.  96—97;  warum  sie  nicht 
Ghristen  werden  wollten,  S.  100.  An- 
fänge ihrer  Sklaverei,  S.  102—103;  ihr 
schnelles  Aussterben,  S.  107;  erhalten 
und  mehren  sich  auf  dem  Festlande, 
S.  1C8;  ihre  Sklaverei,  besonders  in 
Mexico,  aufgehoben,  S.  117—118.  Das 
Festland,  bessere  Lage  seit  1542,  S.  172 
bis  173. 


564 


RegiBter. 


InguaDzo,  Primas  von  Toledo  (1824  bis 
1836),  III.  2,  S.  4ö9. 

Ifiigo,  hl,  von  Ofia,  IL  2,  S.  422. 

Innozenz  1.(402— 417),  I.,S.  43;  an  die 
zu  Toledo  im  J.  400  versammelt  ge- 
wesenen Bischöfe,  II.  1,  S.  420;  II.  2, 
S.  470 — 473,  8.  CoIIectio,  Hilarius, 

Innozenz  II.  (1130—1143),  b.  Didaens 
Gelm. 

Innozenz  III.  (1198—1216),  nnd  Don 
Rodrigo  Ximenes,  III.  1,  S.  114— 1  in; 
Kreuzzng  in  Spanien,  S.  122;  fiber  die 
Klosterfrauen  von  las  Huelgas,  S.  128 
bis  129.  Inn.  III.  und  der  Primat  von 
Toledo,  S.  135.  Inn.  III.  nnd  Portugal, 
111.  1,  S   75;  und  Navarra,  8.  184. 

Innozenz  Vm  (1484—1492),  und  die 
Span.  Inquisition,  III.  2,  S.  22—23. 

Inquisition,  in  Aragonien^  III.  1.  S.229^ 
262,  270;    ihr  kirchlicher  Charakter, 
III.  2,  S.  12-13. 

Inquisition,  die  spanische  1480,  III. 2, 
S.  5-  93.  Ein  National-Institut,  S.  8. 
Spanische  Eigenart,  S.  8,  9;  auch  die 
Juden  in  Spanien  ^cxclusiv",  S.  9— 10; 
Bind  Proselytenmacher,  S.  lO^il;  die 
Spanier.  Vermengung  des  Kirchlichen 
und  Staatlichen,  S.  12.  Vinz.  Ferrer  u. 
die  Juden,  S.  13-14;  Disputation  in 
Tortos»,  S.  14—15.  „Alte  und  neue 
Chilsten«,  S.  15-16.  Revolte  in  Cor- 
dova  1473,  S.  16-17.  Feindschaft  der 
Christen  und  Juden,  S.  17.  Die  Inq. 
gegründet  1178—1480.  Die  Inq.  1481, 
S.  19;  die  Inq.  als  Staatsanstalt  von 
P.  Sixtus  IV.  bekämpft,  S.  20-21 ;  die 
Appellationen  nach  Rom,  S.  21;  Tho- 
mas Torqucmada,  0.  S.  D.,  erster  Ge- 
neral-Inquisitor, S.  21^22.  P.  Inno- 
zenz VlII.  und  die  Inq.,  S.  22—23.  Die 
(neue)  Inq.  in  Aragonien  1484,  S.  24. 
Die  „neuen  Christen"  in  Saragossa,  s. 
P.  Arbu6s.  Versammlung  d.  Inquisitoren 
zu  Sevilla  1484,  S.  43  und  Statuten  der 
Inq.,  s.  Juden,  Mauren,  Moriscos.  P. 
Alexander  VI.  nachgiebig,  S.  51;  er 
nnd  Torqueroada,  S.  51.  Ausdehnung 
der  Inq.  auf  verschiedene  Verbrechen, 
S.  52.  Die  Päpste  nnd  die  Inq.,  S.  53 
bis  54;  die  Staatsinq.,  S.  51.  Der  Ge- 
ßandte  Garcilaso  de  la  Vega  in  Rom, 


S.  55.  Deza,  zweiter  General-Inquisitor, 
S.  56.   Der  Inquisitor  Lucero,   S.  57. 
Deza  1507  abgesetzt,  S.  5S;  Ximenes, 
dritrer  General-Inquisitor    1.507—1517, 
S.  5S.  Die  Autodafö*s,  S.  GO— 63.  Der 
Sanbenito,  S.  63.  Die  Gnadenfrist,  S.  6 1 
bis  64.  Die  Zeugen;  die  Folter,  S.  64. 
Die  Gefängnisse,  S.  64—65.  DieQuali- 
ficatoren,   S.  65 — 66.    Falsche  Zeugen 
bestraft.   Art  des  Verfahrens,  f^ällang 
der  Urtheile.  Abkürzung  derProcesse, 
S.  66-67.   Zahl   der  Opfer  der  Inq., 
etwa  2000  von   1481—1504  nnd  eine 
ähnliche  Zahl?  in  der  ganzen  spätem 
Zeit,    S.  68—72.    A.  Liorente  „homo 
mendax,"  S.  73—74.  Zurita  und  Paramo 
über  die  Inq.,  S.  74—76.  Hexenglaube 
in  Deutschland,  S.  76—77  und  Gegner 
der  Hexenprocesse,  S.  78—79.  Die  „Re- 
formatoren''  lassen  die   „Kezer"   ver- 
brennen  und   „köpfen**   (Genf,  Bern). 
Val.  Gentilis,  S.  80.  Blüthe  der  spani- 
schen Literatur  troz  der  Inq.,  S.  80—82 ; 
die  Spanier  fQr  dieselbe,   S.  82.    Der 
Protestant  V.  A.  Huber  für  sie,  S.  83 
bis  84.  Liorente  und  Paramo,  Antipo- 
den, S.  84—85;  Paramo  leitet  die  Inq. 
aus  dem  Paradiese  ab;  Gott  der  Vater 
war  der*  erste  Inquisitor,  S.  85.  Reihe 
der  General-Inquisitoren,  S.  86—89.  Die 
Italiener  weisen  die  Spanische  Inq.  zu- 
rück, S.  89-90.   Liorente  und  Hefele 
S.  90.    Die  Inq.   in  Portugal,   8.  90: 
Schriften  über  sie,  S.  90—93.  Nachträge 
und  Berichtigungen,  III.  2,  S.  511— 512. 
(Zur  Literatur:   Franzisca   Hemandez 
und  Frai  Franzisco  Ortiz.  Anftoge  re- 
format.    Bewegung  unter  Carl  V.  von 
Ed.  Böhmer,  Leipzig,  1865.) 

Inschriften,  verdächtige,  I.,  S.  347  bis 
350;  angebliche  Inschrift  in  SiMuiien 
über  die  Neronische  Chri8tenverfolgant,% 
S.  387—389;  angebliche  über  die  Dio- 
cletianiBche  Verfolgung,  S.  389-390; 
393—891. 

Johannes,  von  Bidaro,  Chronist,  IL  1. 
S.  489—490;  II.  2,  S.  3-.%  8,  241;  B. 
von  Gerunda,  S.  27,  59—62,  »eine 
Chronik. 

Johannes,  von  Saragossa (c 619 — 631), 
II.  2,  S.  65. 


Begister. 


555 


Johannes,  MOnch  von  Gorze,iD  Spanien, 
953  —  955,  957—960,  II.  2,  S.  303, 
443 — H6;  seine  Audienz  bei  Abderr- 
haman,  nach  einer  Geduldsprobe  von 
3  Jahren. 

Johannes,  Primas  v . Toledo  (t  29.  Sept. 
1166),  III.  1,  8.  36—38,  54. 

Johannes,  a  S.Facurido  (f  1479),  III.  1, 

S.  438. 
Johannes,   Carvajal,  Cardin,  (f  1469), 

III.  1,  S.  414-415. 
Johannes,  Cervantes,  Cardin,  (f  1453), 

III.  1,  S.  417—418. 
Johannes,  de  Mella,  Cardin,  (f  1467), 

HI.  1,  S.  419,  432—433. 
Johannes,  v.Segovia,Ps. Card. ^c.l449), 

III.  1,  S.  412—413. 
Johannes,    von  Turrecremata,   Cardin. 

(t  14G8),  lil,l,S.415— U7.  Dr. Lederer, 

der  Span.  Card.  Johann  v.  Torquemada 

B.  Leben  und  s.  Schriften,  Freib.  1879. 
Johann,  hh,  von  Gott  (1495—1550),  III.  2, 

S.  19 J— 194,  und  seine  Hospitaler. 
Johann,   hl.,  vom  Kreuz  (1542—1591), 

III.  2,  S.  271-272. 
Johanniter,  in  Portugal,  III.  1,  S.  57. 

Jovellanos,  Casp.  Melch.  (1744—1811), 
III.  2,  S.  374—375,  378. 

[renaeus,  hl.,  von  Lyon,  bezeugt  den 
Bestand  des  Christenthums  in  Spaniep, 
I.,  S.  228—232. 

Isabella,  die  Katholische,  Königin 
(1474—1492),  IIL  1,  8.  431-416;  siehe 
America,  Inquisition.  Js.  (1492—1504), 
Jfl.  2,  S.  122— 126.  Tod  fast  aller  ihrer 
Kinder  (Infant  Don  Juan,  f  1497, 
S.  V/3}.  Is.  von  Portugal  (f  1498). 
Is.  schmückt  die  Kirchen,  S.  123;  fern 
von  allem  Luxus;  liebt  und  übt  die 
Wissenschaften,  S.  123—124;  ist  gate 
Lateinerin,  S.  124;  schüzt  die  Buch- 
dracker,  8.  124;  Gelehrte  aus  Italien; 
erkrankt  1504,  S.  Vzö  (f  26.  Nov.  1504); 
ihr  unsterblicher  Ruhm. 

Isabella,  Gemahlin  Kaiser  CarPs  V. 
(1.526,  t  1639).  III.  2,  8.  175. 

isabella  IL,  unter  Vormundschaft  ihrer 
Mutter  (1833  —  1845),  III.  2,  8.  443; 
mnas  Spanien  verlassen  an  dem  Tage 
und  zu  der  Stunde,  in  der  ihr  Vater 


35  Jahre  vorher  gestorben  war,  HI,  2, 
S.  443,  470* 

Isidor,  von  Sevilla,  über  die  Sueven, 
IL  1,  S.  457;  über  Idatius,  8.  469; 
über  Hermenegild,  II,  2,  8.  3-f',  (76), 
14(5—147;  Leben,  Schriften  und  deren 
Ausgaben,  II.  2,  8.  102;  Eb.  599 
(t  4.  April  636);  seine  Busse.  Schriften: 
differentiar.  1.  2,  S.  104.  Allegoriae 
qnaedam  s.  Scriptnrae,  S.  104.  De  fide 
catholica  contra  Judaeos,  8.105;  Sen- 
tentiarum,  S.  106.  Kirchliche  Officien, 
1.  2,  8.  107,  seinem  Bruder  Falgentius 
gewidmet;  13  Briefe,  8. 108—109;  von 
der  „Ordnung  der  Creaturen",  8.  109; 
über  die  „Natur  der  Dinge**,  an  König 
Sisebut,  8.  109—110;  sein  Chronieon, 
8.  110;  von  den  „Königen  der  Gothen", 
8.  110;  „von  den  berühmten  Männern", 
8. 1 1 1  (47,  darunter  1 5  Spanier).  Braulio 
über  seine  Schriften,  8.  111;  seine 
Etymologieen,  S.  112;  Ausgaben  seiner 
Werke,  8.  113,  II.  2,  S.  152,  165,  1«^'; 
s.  Collectio.  Wann  er  die  „Etymo- 
logieen" vollendet,  und  was  Braulio 
an  ihnen  verändert  hat,  8*  466  bis 
467. 

Isidor,  von  Pace,  der  Chronist,  dem 
Spätere  diesen  Namen  gaben,  lebte  in 
Corduba,  IL  2,  8.  150,  159-160,  176, 
134,  236-287;  seine  Chronik,  8. 240  bis 
241,  315—317,  und  ist  wohl  der  Ne- 
storianer  Melito  oder  Milita. 

Isla,  Franz  de,  8.  J.,  Satyiiker,  III.  2, 
8*  418-420. 

Itala,  vetus,  entstanden  in  Italien,  nicht 
in  Afrika,  I.,  8.  86-101 ;  III.  2,  8.  501. 

Italica,  B.,  I.,  S.  282-284;  II.  1,  S.  419. 

Juan  I.,  8.  Castilien. 

Juan  II.,  Isabella's  Vater,  der  Schön- 
geist (t  1454),  III.  1,  S.  402;  III.  2, 
8.  123. 

D*Juan  d'Austria,  CarFs  V.  Sohn,  im 
Kriege  gegen  die  Moriscos  Sieger; 
Sieger  bei  Lepanto;  hohe  Plane,  III.  2, 
8.  23i;  1576  in  den  Niederlanden, 
8.  235;  t  bei  Namur  1.  October  1578, 
8.  235—236. 

Juan  d'Aiisfria  (!I.\  Sohn  Philipp's  IV. 
(t  1679  s  S.  288—293. 

Juden,  in  Spanien,  I.,  S.  2-^3,  58,  63; 


666 


Register. 


Jaden  wollen  die  Früchte  (der  Chri- 
sten) segnen,  H.  1,  S.  107—109;  IK  b, 
S.  12,  17.  König  Sisebut  und  die  J., 
S.  78,  59  —  100;  122,  127  —  128,  130; 
handeln  mit  Christensklaven,  8.  131 ; 
168,  170—171;  J.  und  Araber,  S.  17ö; 
177,  180,  403;  J.  in  Toledo,  IIL  1,  S.  H; 
J.,  getaufte,  lil.  1,  S.  377;  J.  als  Blut- 
egel der  Christen,  IH.  1,  S.  387—388; 
J.  in  Spanien  arge  Froselytenmacher, 
Hl.  2,  S.  10;  aber  auch  die  Christen 
wollen  sie  mit  Gewalt  nChristianisiren^, 
S.  1 1 ;  J.  aus  Spanien  vertrieben,  1493, 
Ilf.  2,  S.  44-49,  etwa  c.  160.000  J.? 

Julian,  hl,  von  Cuenca  (1196—1206), 
in.  i;  S.  174—175. 

Julian,  von  Toledo,  IL  2,  S.  136,  seit 
Jan.  680  Eb.  (f  690),  &  167;  eine  ener- 
gische Herrschematur,  S.  167,  177; 
selbstgeschaffener  Primas,  S.  175;  hat 
„unwissende  Nebenbuhler**  in  Rom, 
S.  176;  Jnl.  Leben  u.  Schriften,  S.  176 
bis  178;  Jul.  und  sein  Kirchenrecht, 
S.  474;  Jul.  und  die  Liturgie,  8. 177, 178 
bis  179;  Streit  mit  P.  Benedict  IL; 
seine  Decretalerlasae,  S.  233 — 234;  er 
lehrt  drei  Substanzen  in  Christus,  S.  235; 
will  nach  eigenen  Heften  lesen,  S.  235. 
Wie  die  Spätem  sich  diesen  Streit  zu- 
rechtlegen, S.  236—238.  Verdienste 
um  die  gothische  Liturgie;  s.  Schriften. 

Justa  und  Rufina,  Märtyrer  von  Sevilla, 
L,  S.  284-288. 

Justinian,B.v.  Valencia,  546,  als  Schrift- 
steller, IL  1,  S.  455,  vielleicht  bei  11- 
defons  erhalten,  S.  455;  II.  2,  S.  137. 

Jus  tu  s,  die  Märtyrer  J.  und  Paator  v. 
Complntum,  I.,S.  330—334;  IL  2,  S.  201. 

Justus,  B.,  IL  2,  S.  82—83. 

Juvencus,  Dichter  im  vierten  Jahrhun- 
dert, IL  1,  S.  326—330. 

K. 

Klöster,  als  Pönitenzanstalten,  IL  2, 
S.  17;  34,  86,  98,  122—125.  Klöster 
in  Baetica,  S.  87.  Frauenklöster,  S.  88. 
Klöster  und  Bischöfe,  S.  98;  IL  2, 
S.  180  (Gäste). 

Kronen  (Votiv?),  aus  der  Zeit,  der 
Westgothen,  ir.  2,  S.  250. 

Kreuzzüge>  nach  Spanien,  UL  1,S.  191. 


L. 


Lactantins,  sein  Buch:  «de  mortibn« 
persoeutomm'',  I.,  S.  393,  397,  404;  sau 
Bericht  über  die  Anfange  der  Chriatcfl- 
Verfolgung,  8*404—406;  überHlerocle«. 
S.  408. 

Laminium,   und  Campus  Laminitanos, 

I.,  8.  57,  66—68. 

Lampllla8,FranzXav.,S.J^in.2,S.42t}. 

Leander,  Eb.  von  Sevilla  (t  599},  in 
Constantinopel,  IL  1,  S.  289;  L.  und 
Hermenegild,  iL  2,  S.  4;  in  Toledo, 
589,  S.  10,  14,  16;  L.  und  Gregor  L 
II.  2,  S.  29—31 ;  L.  von  Sevilla,  Lebeo 
und  Schriften,  8.  37—43;  L,  und  die 
Liturgie,  II.  2,  8.  20S\  IIL  2,  S.  49;». 

Lebrija,  AeL  Ant.  v.,  IIL  2,  S.  124. 

Lectoren,  IL  1,  S.  446,  460-46L 

Leibeigene,  der  Kirche,  II.  2,  S.  *20. 

Leichenbegängnisse,  MissbrSuche da- 
bei verboten,  II.  2,  8.  14.  ^ 

Leo  I.,  P.  (440—461),  u.  Spanien,  B.  L 
S.  456,  458.  L.  I.  und  Eb.  Turibius, 
über  die  Prisciliianisten,  S.  476-479. 

Leo  IL,  P.  (682—683),  und  die  Mono- 
theleten,  IL  2,  S.  228. 

Leo  III.,  P.  (795—816),  gegen  die  Ado- 
ptianer,  II.  2,  S.  282;  das  Concü  zb 
Born  799  gegen  sie,  S.  292. 

Leo  X.,  P.  (1513—1521),  und  die  Inqui- 
sition, IIL  2,  S.  52—53,  66.  L.  uod 
Cardinal  Ximenes,  S.  145.  L.  iL  Carl  i. 
S.  149;  erklärt  ihn  „als  kaäiolischeii 
König* ;  L.  im  Conflikt  mit  Cari  V., 
8.  152—154. 

Leocadia,  hL,  von  Toledo,  L,  8.  144, 
189,  230,  298,  312—313.  Die  heilige 
Leocadia  von  Toledo,  S.  335—343: 
Kirche  der  hl.  L.,  in  ihr  üanden  die 
meisten  Condlien  von  Toledo  ststr. 
IL  2,  S.  25-26;  ihr  Fest  in  T.,  8. 19»; 
L.  und  hl.  Ildephons,  8. 247-248,  251, 
ni.  1,  S.  36.  Ihre  Basifica  1162  wieder 
hergestellt,  III.  1,  S.  88;  ihr  Fest, 
m.  2,  S.  497. 

Leon,  B.,  L,  S.  234—236,  242.  Das 
Verhältniss  d.  beidenBisthümer  Astorgi 
und  Leon,  S.  256—260;  Gnindaog, 
8.  256,  293;  war  ein  B.  306,  II.  1' 
S.  7,  10;  erscheint  aber  als  solches 


Register. 


557 


erst  wieder  am  793,  II.  2,  S.  <»öl,  353. 
Bischöfe  bis  900.  Synode  y.  J.  1020, 
II.  2,  S.  401— 402;  Bischöfe:  Cypriao  1040 
bis  1057,  S.  406-<-407;  Alvitas,  S.  407, 
allzeit  „ezempt",  bis  zam  Concordat 
des  Jahres  1851,  III.  2,  S.  469. 
iCOD,  das  Königreich,  seit  910,  II.  2, 
S.  399;  König  Garcia  (911—914);  Or- 
dofio  (914,  t  924).  Fmela  (924, 1 925). 
Alfons  IV.  (925-928).  Bamiro  II.  (931 
bis  950) ,  stiftet  Kirchen  und  Klöster. 
Ordofio  m.  (950  —  957).  Sancho  I. 
(957—966),  S.  400.  Bamiro  HL  (966  bis 
982).  Bermudo  IL  (982—999).  Alfons  V. 
(999—1028) ;  Bermudo  UI.  (1028—1037); 
Ferdinand  I.,  IL  2,  S.  400,  König  von 
Castilien  nnd  Leon  (1037,  f  1065). 
Später  wieder  von  Castilien  getrennt, 
•epanto,  Schlacht  bei  —  1571,  IlL  2, 
S.  231. 

erida,  Concil  v.  J.  517,  II.  1,  S.  487; 
Concil  V.  J.  524  (al.  546),  S.  438—439, 
454.  Bischöfe,  IL  2,  S.  360  (Bischöfe 
in  Pallas,  S.  360);  L.  zurückerobert 
1149,  III.  1,  S.  200;  1173  Concil  zu  L., 
S.  205—207;  Concil  1190,  S.  208-209. 
Berühmte  Beformsynode  v.  J.  1229. 
S.  221—223.  ConcU  v.  J.  1246,  S.  233 
bis  234.  Concil  v.  J.  1293  und  1294, 
S.  258.  Concil  v.  J.  1418,  III,  2,  S.  300 
bis  301.  Landtag  v.  J.  1257,  UI.  1, 
S.  240.  L.,  Universität,  IIL  2,  S.  137. 
iberins,  F.,  s.  Hosius« 
ibisosa  (Leznza)  und  der  hl.  Apostel 
Paulus,  L,  3.57,66-71;  lü.  2,8.472-473. 
icinian,  v.  Carthagena  c.  590,  II.  2, 
S.  49—55;  seine  Schriften;  ist  Metro- 
polit, S.  74. 

issabon,  £b.  1394,  IIL  1,  S.  343; 
£b.  bis  1452;  £b.  von  1152—1500, 
S.  350—351. 

iturgie,  die  spanische,  L,  S.  47,  77, 
81-85,  101—117,  143—145,  210-215, 
270—275,  294,  300,  311—312,  349, 
351,  354,  357—358,  362,  368,373,411; 
1/.  1,  S.  390—391,  397,  427,  433-436, 
453,  459,  463;  II.  2,  S.  11,  17,  65,  91 
bis  93,  133,  136  —  ist  die  Liturgie  der 
Kirche  von  Toledo,  S.  186—198.  Kein 
Heiliger  nach  dem  Jahre  400  erhält 
ein  eigenes  Officium,  S,  187  •  DasBre- 


viarium  nnd  Missale,  S.  188.  Die  Vesper, 
Matutin,  die  Landes;  Proprium  de  tem- 
pore; Advent,  8.  188—189.  Die  sechs 
Woltalter,  S.  189.  Proprium  Sanctorum, 
S.  189.  Fasten -Officien,  S.  190—191. 
Epiphania  Domini,  S.  190;  Fasten- nnd 
Fleischspeisen,  S.  191 ;  Palmen  nnd  Pal- 
mensonntag, S.  191 ;  Charwoche,  S.  191 ; 
Ostern,  S.  191;  Himmelfahrt,  S.  191; 
Pfingsten,  S.  191— 192.  Das  Psalterium, 
S.  192;  Cantica,  S.  192;  Hymnen,  Spa- 
nien, das  Land  d.  Hymnen  (d.  Bienen  n.  d. 
Kerzen),  S.  192.  Die  „canon.  Stunden'', 
S.  192—193;  Complet,  S.  193.  Todten- 
Officien,  S.  193.  Commune  de  tem- 
pore, S.  193.  Die  „Mitren'S  S.  193.  Das 
«Sanctorale'S  S.  193.  DasMissale,  S.  19 » 
bis  194.  Kirchenjahr  des  Missale.  Die 
apostolische  Messe,  S.  194.  Fronleich- 
nam, S.  195.  Die  einzelnen  Heiligen, 
S.  195—198;  (es  ist  zu  lesen :  Jan.  28.: 
Thyrsus,  Märtyrer  unt  Decins)  ;68  Feste, 
S.  197—198,  nnd  16  von  Spaniern; 
Heilige  nach  dem  Jahre  400,  die  keino 
eigenen  ;Officien  haben,  S.  198—199. 
Festmessen  entstanden  an  einzelnen 
Orten  in  Spanien,  S.  199—202.  Prä 
£ation,  S.  201  —  20l>.  Toledo  eitielt 
die  Liturgie  vonTarraco,  S.  202—204. 
,^tio<',  S.  203.  Die  römische  Li- 
turgie übersezt  in  Tarraco?,  S.  203, 
vor  dem  Jahre  269.  Der  »Papa  Bo- 
mensis**,  S.  204—205;  Tarraco,  S.  205. 
Die  Taufe  an  Epiphanie,  S.  2u5.  Die 
Liturgie  aus  dem  Griechischen  über- 
sezt, S.  205.  Commemoration  d.  Todten, 
S.  206  (S.  ^06  lies:  Melantius).  Die 
„Pansantes'S  S.  206—207.  Die  „täg- 
liche Messe'S  8.  207.  Die  „Missa  Bo- 
mensis'S  S.  207.  Diaconi  und  Diacones, 
S.  207.  Isidor  Hisp.  leitet  die  Liturgie 
von  dem  hl.  Petrus  her,  8.  208.  L.,  mo- 
zarabische, UI.  1,  S.  170.  Becapitu- 
lation,  HL  2,  S.  496-501. 

Liutprand,v.Cremona,IL2,S.4§7— 418. 

Llorente,  Ant.,  u.  d.  Inquisition,  III.  2, 
S.  21 ;  entstellt  ihre  Geschichte,  S.84, 90. 

Llaguno,  Eugen,  lü.  2,  S.  420. 

Loperraez,  Geschichte  des  B.  v.  Osma, 
m.  1,  S.  10. 

Lopez,  de  Pisnerga,  Martin«,   Primas 


558 


Register. 


(1194, 1 28.  August  1208),  erster  Gross- 
kanzler y.  Castilien,  III.  1,  S.  39. 

Lorca  (EUocroca),  B.  306  von  kurzer 
Dauer,  I,,  S.  119-121,  159,  161 ;  II.  1, 
S.  10,  17—18;  III.  2,  S.  480-481. 

Lorenzana,  Frz.,  Card.,  I.,  S.  62,  84, 
101-102,  168,  269,  304,  308,  326,  348, 
414.  Lor.  über  seinen  Vorganger  Mon- 
tanus,  If.  1,  S.  450-452;  Patmm 
Tolet.  quotquot  extant  opera;  über 
Eugen's  11.  Werke,  II.  2,  S.  133-137; 
P.  178;   ed.  Julian's  Werke,  S.  202; 

II.  2,  S.  237;  III.  1,  S.  a*)— 36;  über 
Eugen  I.  von  Toledo,  S.  37;  über 
America,  III.  2,  S.  220.  Lor.,  gelobt 
vom  Minister  Florida- Bianca,  S.  385 
bis  386;  Leben  und  Wirken,  S.  387, 
(H.  2, 8. 138, 178.)  Cardinal  1789,  S.  388; 
nach  Rom  verbannt  1797,  S.  389,  391 
(t  17.  Apr.  1804). 

Lorenzana,  Thom.,  B.  v.Gerona,  III.  2, 
S,  402-403. 

L  u  c as ,  von  Tuy  (Tudensis,  1 1249),  Chro- 
nist, III.  1,  S.  151—153. 

Luciferianer,  die,  in  Spanien,  c.  359 
bis  400,  Ik  1,  S.  310—317.  Ihr  Führer 
Gregor  von  Elvira. 

Ludwig,  von  Granada,  0.  S.  D.  (1504 
— 1588),  III.  2,  S.  197. 

Lugo  (nicht  Lugos),  B.,  I.,  S.  190—191, 
234 ;  J.  569  keine  Synode  daselbst,  II.  1, 
S.  461—464.  L.,  Metropole  vor  572, 
S.  462,  467.  B.  Agrestius,  S.  466,  472, 
die  Metropole  schon  675  verschwunden, 
IL  2,  S.  166;  erscheint  aber  wieder 
im  8.— 10.  Jahrb.,  Eb.  von  Lugo  859 
und  im  10.  Jahih.,  IL  2,  S.  850.  Eb. 
(oder  Bischof?)  Odoarius  (c.  740—786), 
S.  351 ,  365 ;  erbaut  Lugo  wieder, 
S.  365-366,  t  Als  Eb.;  S.  399.  Me- 
tropoliten bis  c.  1085. 

Luparia,  von  Aoci,  erste  uns  sicher 
bekannte  Christin  in  Spanien,  c.  65, 
L,  S.  112,  133. 

M. 

Macanaz,  Melchior,  famoser  Regalist, 

III.  2,  S.  318—314. 

Madrid,  B.  1851,  1851—1879  unbesezt, 

IL  1,  S.  71;  IIL  1,  S.  2,  113,  116. 
Mahomed,Chalifv.Cord.852,II.2,S.351. 


Majoral,  Eb.  v.  Valencia,  m.  2,  B.  S& 
bis  400. 

Majorka,  von  K5nig  Jayme  L  erober j 
1229,  IIL  1,  S.  214—215;  das  neue  B 
1238,  S.  215—216,  exemt 

M  hI  aga ,  B.  Januarius  v.,  und  P.  Gregor  1 
IL  2,  S.  32—33.  Die  Bischöfe  Januarij 
von  M.  und  Stephanns  im  Gebiete  dt 
Griechen,  S.  32--36.  Die  Grenzen  de 
B.  im  Jahre  619  fest-  und  wiederbei 
gestellt,  S.  a5— 86;  c.  1100-1118B.  J- 
lian,  III,  1,  S.  45—46.  KlOster  in  dr 
NShe  J.  982. 

Maranos,  IIL  2,  ,S.  15. 

Marcellus,  Märtyrer  in  Tingis;  stii 
Martyrium,  L,  S.  2S9  — 291;  ^ 
S.  235,  396. 

Marcia,  Gemahlin  d.  ElaisersCommodr. 
L,  S.  140. 

Marcian,  B.  von  Arles^  I.,  S.  216— 2n 
263—264. 

Marcianus,  B.  v.  Astigis  c.  630—6?/ 
n.  2,  S.  121;  B.  Habentius. 

Mariana,  J.  (f  1623),  seine  Geschieht 
von  Spanien,  L,  S.  62,  193,  199,  3J 
bis  348.  Ausgaben  seiner  G^eeehichr' 
II.  2,  S.  68;  gemassregelt  anter  Pbi 
lipp  IIL,  in.  2,  S.  261-262. 

Maria  Anna,  von  Oesterreich,  Regenrit 
für  Cari  IL  (t  1696),  IIL  2,  8. 287— 2M 

Marienfeste,  in  Spanien,  IL  2,  S.  IH 
194,  196-198,  248. 

MarinaeuSjLaciua-Siculns,  IIL  2,  S.  V2i 

Mark,  die  spanische  (801),  IL  2,  S.  a'>j 
bis  360,  und  Barcelona. 

Marmol,  über  den  Maurenkrie^,  IIL  - 
S.  228,  280. 

Marokko  (vergebl.)  Versudde  der  Eir 
ffthrnng  des  Christenthnms  in  — ,  III.  i 
S.  162—167;   B.  Lope    l  p.  in6de: 
B.  Blancus  1266,   S.  167,   von  CecT: 
1269;  B.  Roderich,  S.  167—168. 

Martialis,  der  Dichter,  L,  S.  53,  «>'. 
66,  133,  167,  231—232;  IL  1,  S.  3v^ 
(Prudentius  und  Mart). 

Martialis,  B.  von  Astorga,  L,  S.  23 
239-253,  260—264. 

Martin  US,  von  Tours;  seine  Beliquiir 
in  Braga,  IL  1,  S.  472;  IL  2,  S.  2«)i- 

Martinus,  von  Braga,  IL  1,  S.  471 
bis  475,  aus  Pannonien,  a  472,  mv 


^mm 


Register. 


569 


im  Orient;  Isidor  über  ihn,  S.  472; 
seine  Schriften,  S.  473.  M.  und  Seneca, 
S.  473;  seine  84  Canones,  S.  473; 
Aasgaben  seiner  Schriften,  S.  473—474. 
Martin,  von  Leon  (c.  1200),  III.  1, 
S.  153-154. 

Martin  IV,  P.  (1281-1285),  nnd  Ara- 

gonien,  111.  1,  S.  299. 
Martyrologinm,   Romanam  (parvnm), 

I.,  S.  32-84,  72,  79-80,  222—227; 

M.  Rom.,  nnd  das  „sechste  Alter  der 

Welt«,  II.  2,  S.  189. 
Masden,  J.  Fr.  (1744—1817) ,  Historiker. 

Historia    (hyper-)  critica    de   Espafia, 

Madr.  1783—1800,  20  t.  (unvollendet), 

IIL  1,  S.  43;  III.  2,  S.  421-422. 

Masona,  £b.  von  Emerita  c.  571  (f  60B), 

II.,  1,  S.  489;  II.  2,  S.  14,  28,  114; 

III.  2,  S.  9. 
Maximus,  6.  v.  Saragossa  (c.  592—614), 

IL  2,   S.  27,  63-65;   seine  Chronik 

verloren. 
May  ans  y  Siscar,    Greg.  (1699-1781), 

III.  2,  S.  421. 
Medina,  del  Campo,  (1380—1381)  Ver- 
sammlung wegen  des  Schisma,  III.  1, 

S.  392;  s.  Salamanca. 
Mendez,  Franz,  0.  S.  A.,  Biograph  u. 

MiUrbeiter  des  H.  Florez,  III.  2,  S.  408. 
Mendoza,  Petras  Gonzalez  de,  Cardinal 

von  Spanien,  IIL  1,  S.  432—433;  Eb. 

von  Sevilla,  111.  2,  S.  18;  Primas  von 

Toledo  (t  1495).- 
Mendoza,  Didacus  Hurtado  de,   über 

den  Krieg  gegen  die  Moriseos   1568, 

IIL  2,  S.  228-230. 
Menorca,  1229  erobert,  IIL  1,  S.  215; 

s.  Severas. 
Mentesa,  B.,  vielleicht  zwei  Bisthümer 

d.  N.,  I.,  S.  189;  IL  1,  S.  10,  12,  174, 

177;  IL  2,  S.  77. 
Mercedarier,  gestiftet  von  Petras  No- 

lascus  und  Raymund  von  Pennaforte, 

Hauptsiz  in  Barcelona,  III.  1,  S.  168 

bis  169,  236—239.  (Wirken  in  Afrika.) 
Merino,  J.  Anton  Diaz,  0.  S.  D.;  seine 

Schriften;  B.  von  Menorca  (t  16.  Apr. 

1844),  IIL  2,  S.  438—439,  448—449. 
Mexico,  erste  B.  das.,  IIL  2,  S.  117; 

s.  America,  Indien, 


Michael,  hl.,  Orden  in  Portugal,  IIL  1, 
S.  58. 

MichaSI,  a  S.  Josefo,  B.  von  Gnadiz, 
IIL  2,  S.  399. 

Migetianer,  die  (neu  entdeckte)  Hae- 
resie  in  Andalusien  znr  Zeit  des  £11- 
pandas  von  Toledo,  IL  2,  S.  264-261. 
Migetius  u.  Egila,  S.  254—  255.  Schauer- 
licher Brief  Elipand*R  ao  Migetius,  S.  255- 
Elipand  wideriegt  den  Migetius,  S.  256 
bis  258.  Elipand  und  die  „Hispali- 
taner"*,  S.  258. 

Migne,  Patrol.  lat.,  III.  1,  S.  13. 

Mi  1(1) an,  S.,  de  la  CogoUa  (t  564),  IL  2, 
S.  145—146, 156,187, 413—414 ;  Kloster, 
IIL  1,  S.  172—173. 

Milito  (Melita),  nach  meiner  Meinung 
Nestorianer  in  Corduba,  Urheber  des 
Adoptianismus,  und  Verfasser  d.  Chronik 
des  s.  g.  Isidor  von  Pace,  IL  2,  S.  294 
bis  295;  inspirirt  und  instruirt  den 
Elipandus  und  Felix  von  Urgel;  Eli- 
pandus  ist  sein  Sprachrohr,  S.  296. 

Miraflores,  Carthause  v.,  III.  1,  S.  428. 

Mohedano,  Brüder,  IIL  2,  S.  421. 

Molina,  B.  von  Malaga,  IIL  2,  S.  398 
bis  399. 

Mondofiedo,  B.,  IL  2,  S.  351;  IIL  1, 
S.  13—14. 

Monotheleten,  II,  2,  S.  228,  232—233. 

Monte,  de  Piedad,  IIL  2,  S.  384—385. 

Montesa,  Ritterorden,  errichtet  1317 
von  Don  Jayme  IL,  III.  1 ,  S.  279  bis 
280;  erhält  die  Güter  der  Templer, 
S.  280. 

Moriseos,  die,  in  Spanien,  unbekehrbar; 
IIL  2,  S.  157;  Krieg  gegen  die  M. 
von  Granada,  S.  223—228.  Die  M. 
und  die -Inquisition,  IIL  2,  S.  49—50; 
s.  Philipp.  IIL 

Moscoso,  Eb.  V.  Granada,  IIL  2,  S.  399. 

Mozaraber,  Moz.  Liturgie,  L,  S.  47, 
77.  Ihre  Schicksale,  S.  81-85;  ihre 
verschiedenen  Namen;  ihr  liegt  die 
vetus  Itala  zu  Grunde,  S.  84—86  flg.; 
stammt  aus  Rom,  S.  86.  Ausgaben 
von  Ximenes-Ortiz  1500—1502;  Lesley 
1755;  Fr.  Lorenzana  1770,  1775,  1804; 
Migne  1850,  S.  101-102,  114.  lieber 
die  mozarabische  Messe.  Das  Officium 
und  die  Messe  d,  sieben  Apostelschülen 


560 


R^giBter. 


S.  103—117,  148,  210-212,  215.  Die 
stufenweiae  Entwicklung,  S.  270,  272, 
275.  Die  mozarabische  Messfeier  im 
Domeza  Toledo,  3.340-341.  Kapelle 
der  Mozaraber  in  Toledo,  III.  2,  8*  391. 
Mozaraber,  II.  2,  8. 188, 194—195.  Die 
Christen  unter  den  Mauren  (900—1085), 
II.  2,  8.  441  —  457.  Bischöfe  v.  Cor- 
dnba im  10.  Jahrhundert,  iil.  1,  8. 179 
bis  180;  Bisehöfe  v.  J.  988  und  vorher, 
II.  2,  8.  440-^447.  B.  Becesmund  yon 
Elvira,  8.  447,  und  Liutprand  yon 
Cremona  956,  8.  447;  CaLendarinm  der 
M.  T.  J.  961,  8.  449;  ihre  Feste  i.  J. 
961,  8.  449-457.  Neue  Feste  der  M., 
8.  449;  sie  sind  von  864  bis  961  nicht 
zurQokgesunken,  8.  455—456.  M.  in 
Toledo,  UI.  1,  8.  24. 

Muh  am  ed  an  er,  von8panien  nach  Gal- 
lien, II.  2,  8.  239--240. 

Muratori,  das  s.g.  Fragment  des  N.T., 
I.,  8.  17-24,  25-28;  III.  2,  8.  471. 

Muroia,  an  Castüieo  1243,  III.  1, 8. 158 
bis  159^ 

Muzquiz,  Eb.  v.  Compostella  (t  1821), 
m.  2,  8.  396—897. 

N. 

Nagera,  B.  von  kurzer  Dauer,  II.  2, 
8.  412—413. 

Narbonne,  1.,  8.  52,  54,  223.  Metro- 
pole, II.  2,  8.  359;  Concil  v.  J.  589, 
11.  2,  8.  16—19,  mit  7  Bisdiöfen  und 
15Canones.  Metropole  der  spanischen 
Mark  bis  971,  II.  2,  8.  424,  und  dann 
wieder  bis  o.  1118.  8ynode  von  Fnen- 
Cttbierta  bei  Narb.  911,  II,  2,  8.  424 
bis  4L'5;  428,  431,  434,  439—440;  UI.  1, 
8.  121—122,  123,  126—127;  8ynode 
V.  J.  1127—1128,  IIL  1,  8.  193. 

Narcissus,  sein  Name  ist  seit  c.  1000 
bekannt  in  Qerona,  und  wahrscheinlidi 
durch  Gerbert  von  Rheims  bekannt 
geworden,  I.  8.  302;  IL  2,  8.  438. 

Navarra,  Königreich,  IL  2,  8.  354. 
Lage  d.  Kirche  e.  848, 8. 354—355.  Klö- 
ster, S.  35 1—357.  Kloster  Leyre,  8. 355 ; 
Kloster  des  heiligen  Zaeharias,  8.  356; 
Leyre  ist  Kathedrale  v.  J.  868  bis 
C  1023,  8.  357.  72  Klöstdr  stehen 
unter  Leyre,  8.  857,  das  57  Villas  hat. 


Cluniacenser  Reform.  Königr.;  Garcia 
(1037),  IL  2,  8.  400.  Reieh  Navarra 
(900—1085),  8.  411—416.  Sancho  Gar- 
eias  erster  König  (905,  f  925),  gründet 
924  Albelda.  König  Gardaa  (925  bis 
970).  8ancho  el  Major  (970,  t  1035). 
zerstückelt  sein  Reich,  8.  411—412; 
Kloster  Leyre,  8.  412;  Synode  1022. 
8.  413.  N.  bis  1134  mit  Aragon  unirt; 
dann  wieder  Königreich  unter  Garcia 
Ramirez,  IIL  1,  8.  183  (f  11«)>.  Sein 
Sohn  Sancho  Garens  el  Sabio  (f  1194), 

8.184.  SanchoVlLelFuerte(U94-1234), 
8. 184  lies  Sancho  VIL  statt  Alfons  VIL; 
Könige  von  1253  an,  8.  243.  Könige 
von  N.,  1305  —  1479,  S.  314—316.  N. 
schliesst  sich  an  Frankreich  an,  IIL  3, 
8.  250. 

Navas  las,  de  Tolosa,  Schlacht  am 
16.  Juli  1212,  IIL  I,  8. 120— 126.  Dk 
„Ultramontanen"  verlaufen  sich. 

Nestorianer,  bei  den  Arabern  viel  ver- 
mögend, IL  2,  8.  261—262.  Die  Ver- 
dienste der  „Chaldäer*'  um  die  Wissen- 
schaften, 8.  262—263.  Nestorianer  sind 
überall,  wo  die  Araber  sind,  8. 263— 2ij4. 

Nithard,  Eberh.,  der  deutsche  Jesuit 
und  die  Regentin  Marianna,  111,  2, 
8.  287;  wird  General-Inquisitor,  S.28S 
bis  290,  293  (f  1681);  Cardinal  1672. 

Nnnctus,  Abt,  IL,  2,  8.  117—118. 

Nuntiatur,  römische,  in  Madrid,  IIL  2, 
8.  163-164  (J.  1528);  soll  ein  spa- 
nisches Staatsinstitut  werden. 

0. 

0  ce  a  nus,  in  Rom,  Galicier?  IL  1,  S.  471. 

Odilo,  von  Clugny,  IL  2,  3.  419. 

Odoarius,  B.  (Eb.?)  von  Lugo  (t  785), 
IL  2,  8.  251-252. 

Oldegar,  hl,  B.  von  Barcelona  (1115), 
erster  (neuerer)  Eb.  v.  Tarmoo  (1 1 16  bis 
1 118),  8. 189,  Legat  P.  Calixt*s  IL  (122^). 
Robert,  Graf  v.IVurraco  (112SX  S.  192  bid 
194  (t  1136(37));  seine  Schriften,  195. 

Oliva,  Petrus,  B.  von  ^ch,  und  Abt 
von  RipoU  und  Cnxa  (1018—104(0, 
IL  2,  S.  435—438  (f  2U  Cuxa  30.  Oct, 
1046);  seine  Schriften,  8.  137—438, 

Olymplus,  B.  eines   nicht  bekaanten 


Register. 


561 


Sizes ,  II.  1 ,  S.  363  —  364  (gegen  die 

Priflcillianisten). 
ifia,  San  Salvador,  Doppel-ELloater,  II.  2, 

S.  419,  422. 

Ifiate,  UniveraitSt,  III.  2,  S.  182. 
ippa 8 ,  £b.  Yon  Hiapalis,  Verräther,  II.  2, 

S.  242-243. 
Irense,   B.,  IL  2,  S.  352;   1071   reati- 

tuirt,  S.  407—408. 
irosiua   (nicht   Paulus),    aus    Bracara 

(und  nicht   ana  Tarraco),  I.,  S.  257, 

278,  385—386.  0.,  von  Bracara,  Leben 

und  Schriften,  U.  1,  S.  398-411;  II.  2, 

S.  156,  189;  HI.  2,  S.  493. 
»sma,  B.  1088  reatituirt;  B.  hl.  Petma, 

lll.  1,  S.  7,  19-20. 
)8Bonoba/B.  Vincentina  306;  Idatins 

385;  Petma  589;  II.  1,  S.  425.    0.  in 

Sylvea  restitnirt  1189,  lU.  1,  S.  74. 
*tto  I.,  und  d.  Chalife  Abderrhaman  III., 

II.  2,  S.  441—447. 
*viedo,  Hauptstadt  von  Astnrien,  seit 

dem  8.  Jahrb.,  IL  2,  8.  244.   Bisthum 

c  802—814,  S,  244.    Synode?,  IL  2, 

S.  350.     Bischöfe  im  9.  — 10.  Jahrb., 

S.  351;  war  nie  ein  £b.,  II.  2,  S.  398; 

aber  .ezemt*,  IIL  1,  S.  12  (J.  1105). 

üniveraitSt,  lU.  2,  S.  133. 

P. 

ace,  B.,  II.  2,  S.  142. 
acianus,  B.    von  Barcelona,  Leben 
und  Schriften,  U.  1,  S.  318—324. 
alaf ox,  B.  von  Cuenca  (f  1802),  III,  2, 
S.  400. 

alatine,  IL  2,  S.  172,  173. 
alentia,  B.,  II.  1,  S.  449,  streitig 
zwischen  Toledo  und  (Astorga?  Braga?) 
1035  restitnurt,  II.  2,  S.  413.  Montanus 
von  Toledo  an  die  Palentiner,  II.  1, 
S.  449—450.  Die  Universit&t  von  P., 
IIL  1,  S.  112;  Concil  1114,  IIL  1, 
S.  14;  Concil  1129,  S.  28—30;  Ver- 
sammlung der  Gortes  1148,  III.  1,  S.  85; 
Concil  von  1388,  S.  394. 
'alias,  B.  von  kurzer  Dauer,  II.  2, 
S.  424—425. 

'allium,  das,  an  Leander  von  Sevilla, 
II.  2,  S.  37—40,  und  das  rOmische 
«Vicariat«,  IL  2,  S.  473—474;  Pall. 

Gama,  ipan.  KJrche.  III.  8. 


im  Jahre  1088,  lU.  1,  S.  4-5,  11 
bis  12. 

Pamplona,  in  der  Hand  der  Christen, 
IL  2,  8.  354,  356,  357;  kurze  Zeit 
maurisch,  1023  restituirt,  S.413;  wieder 
B.  1023,  S.  414.  Synode  v.  J.  1023, 
S.  415—416.  B.  Sancho  (1023)  stellt 
(stattLeyre)  P.  wieder  her,  durch  Sancho 
el  Major,  S.  415.  Die  Bischöfe  soUen 
aber  aus  den  MOnohen  von  Leyre  ge- 
nommen werden.  IIL  1,  S.  27—28,  184. 
P.,  Hauptstadt  von  Navarra,  IIL  1, 
S.  183. 

Paraguay,  im  18.  Jahrb.  kein  „Para- 
dies'^ mehr,  III.  2,  S.  219—220. 

Paramo,  Lud.,  über  die  Inquisition, 
IIL  2,  S.  84-86,  89—90. 

Paredes,  Maria  Anna  a  Jesu,  die  „Se- 
lige", IIL  2,  S.  215. 

Pasohalis  IL,  P.  (1099—1118),  und  der 
Primat  von  Toledo;  und  Santiago,  IIL  1, 
S.  11,  14. 

Paschalis,  hl.,  Petrus,  ULI,  S.  426-427. 

Pastor,  B.  n.  Schriftsteller,  IL  1,  S.  466 
bis  467. 

Paternus,  Abt  von  San  Juan  de  la 
Pefia;  c.  1040  B.  von  Saragossa  und 
noch  1063.  IL  2,  S.  418—420,  421. 

Paulinus,  von  Nola,  Priester  in  Barce- 
lona, II.  1,  S.  324  (Vigihintius,  S.  324). 

Paulinus,  von  Aquileja,  in  Frankfurt 
79^,  IL  2,  S.  288;  s.  libelL  sacrosyllab. 
gegen  Elipandus,  S.  288-289,  291. 

Paulus  a  S.  Maria,  getauft  1390,  40  J. 
alt,  B.  von  Burgos  1415  (f  1435),  IIL  1, 
S.  407  —  408.  Schriften;  seine  zwei 
Söhne  als  Bischöfe,  S.  408  (Alfons  und 
Gonzalo). 

Paulus,  V.  Emerita;  die  Schrift:  Vitae 
patrum  Emeritensium  ist  vom  vierten 
Kapitel  an  ficht,  der  Name  des  Ver 
fassers  aber  unbekannt,  IL  1,  S.  421 
bis  425;  ist  gegen  Hermenegild,  II.  2, 
S.  4;  113—118;  Abt  Nunctus,  S.  113 
bis  114.  Die  Schrift  war  bekannt  und 
geschfizt  i.  J.  906,  S.  118. 

Paulus,  hl.,  der  Apostel  P.  in  Spanien, 
I.,  S.  1  —  75.  Sein  Entsohluss,  nach 
Spanien  zu  gehen,  S.  1—4.  Das  Zeugniss 
des  Clemens  von  Born  für  seine  Beise, 
S.  5—16;   die  Zeit  seiner  spanischen 

36 


562 


Register. 


JReifle,  S.  50;  ging  nach  seiner  Frei- 
lassang  im  Jahre  63  zuerst  nach  Spa- 
nien, 8.  51—52;  hat  wohl  den  Seeweg 
eiogeschlagen,  S.  52^54.  Wirksam- 
keit des  Apostels  in  Spanien,  8.  55—75. 
P.  des  Lateinischen  nicht  mSchtig? 
S.  52,  58—59,  66;  ergründete  Gemein- 
den? S.  63;  P.  in  Astigi?  S.  65;  in 
Libisosa?  S.  66-71  (m.  2,  S.  472 
bis  473);  in  Dertosa?  S.  71—75  (IH.  2, 
S.  472-473);  in  Tarragona?  III.  2, 
S.  47B.  Der  Znsammenhang  der  Reise 
des  Apostels  P.  nach  Spanien  mit  der 
Sendung  der  sieben  Apostelschüler,  I., 
8.  218—221.  Recapitnlation  und  neue 
Entdeckungen,  111.2,471-473;  ob  der 
hl.  Paulus  durch  den  Süden  von  Gal- 
lien (Narbonne,  Arles,  Vienne)  in  den 
Orient  und  nach  Rom  zurückgekehrt 
sei?  S.  473—474. 

Paulus  in.,  P.  (1584-1549)  verbietet 
die  Sklayerei  der  Indianer  1537,  III.  2, 
S.  119—120;  ebenso  spfttere  Pipste, 
S.  120-121. 

Pechina  (Paquefia),  1.,  8. 162—165;  seit 
1872  weiss  man,  dass  Pechina  an  der 
Stelle  des  alten  B.  Urd  liegt,  111.  2, 
S.  476-477. 

Pedro  I.,  König  von  Aragon  (1094  bis 
1104),  II.  2,  8.  418;  III.  1,  8.  178. 

Pedro  II.,  König  von  Aragonien  (1196 
bis  1213),  regiert  seit  1 196,  III.  1,  8. 211 ; 
1212  in  Toledo  und  der  Schiacht  von 
Las  Navas  de  Tolosa,  S.  121,  123,  re- 
giert bis  13.  Sept.  1215 ;  der  ,,Katho- 
liBche^  8.  212. 

Pedro,  der  Grausame,  „der  Tiger  von 
Gastilien'*  (1350-1369),  ermordet,  III.'l, 
S.  386-389. 

Pelagius,  Cardinal  1206,  HI.  1,  8. 112. 

Pelagius,  Alvar,  B.  von  Silvas,  111.  1, 
8.  334—336;  seine  Schriften  (f  25.  Jan. 
1352  zu  Sevilla). 

Pelayo,Don,  erster  Herrscher  von  Astu- 
rien  c.  720,  II,  2,  8.  244. 

Pelayo,  B.  von  Oviedo,  Chronist,  II,  2, 
8. 409-  4 10,  ni.  1 ,  8. 40-41  (984—1 109), 
452. 

Pelayo  (Pelagius),  Märtyrer  in  Corduba 
925,  II,  2,  S.  408,  409,  452. 


Pefia,  San  Juan,  Kloster  0.  S.  B.,  U. :: 
8.  415,  418—419  unter  Abt  Patemü-^ 
gebildet  in  Clngny,  gegründet  vor  1 022 
Synode?  v.  J.  1062,  S.  420,  422  (ru 
mische  Liturgie). 

Pefiafiel,  Synode  v.  J.  1302,  III,  l 
S.  371. 

Perpignan,  Psendo -Synode  das.   140^ 

bis  1409,  III.  h  S.  294—295. 
Peru,  III.  2,  8.  118,  173  (Bürgerkrieg 
Petrus,  von  Lerida,  II.  2,  S.  188,  209. 
Petrus,  Urseolus  (f  997),  II.  2,  S.  43>^ 

Petrus,  Cerebrun,  Primas,  III.  1,  S.  <}- 
(t  12.  Mai  1180). 

Petrus,  Nolascns,  stiftet  dieMercedarie) 

(t  25.  Dec.  1256),  III.  1,  S.  236— 2  5f 
Petrus,  Regalatns,  0.  8.  IV.,  und  di- 

strengste  Observanz  (f  1456),  lii,  i 

8.  401. 
Petrus,  Martyr  v.  Anghiera,  Aber  Isa 

bella  L,  IH.  2,  8.  126;  seit  1487    i: 

Spanien,  S.  124« 

Petras,  von  Osma,  imd  seine  Irrthfimer 
verdammt  zu  Alcala  1479,  IIL  1,  S.  4c  I 
bis  437. 

Petrus,  hl.,  von  Aloantara,  1499 — 156l 
III.  2,  8,  195— 196. 

Philipp  I.,  der  SchOne,  Gemahl  jQima'd 
111.  2,  8.  125;  liebt  nicht  in  Spani^^  i 
zu  leben;  gegen  Ferdinand  V.,  S.  12 
kommt  1506  nach  Casttlien,   8.    Vj 
(t  25.  Sept.  1506),  8.  127. 

Philipp  II.,  Kg.  V.  Spanien,  Staataomc; 
potenzler,  III.  2, 8. 2— 3;  ISast Hermen,  j 
gild  12.  Febr.  1585  canonisiren,  II.  2,  S.  f  i 
Philipp,  geb.  1527,  muss  frdhe  regiert- ii 
III.  2,  8. 174-175;  1543—1548  Re^ei 
in  Spanien,  8. 175;  1543  erste  Ehe  u.  i 
Maria  von  Portugal  (f  1545);  1048  i 
Belgien,  8. 175—176.  £in  pOxclasiTe' 
Spanier,  8.  176;  soll  römischer  Köu. 
(Kaiser)  1550  werden;  Carl  V.  Aber 
schSzt  ihn,  8.  176—177;  PhiL  keh: 
1551  nach  Spanien  heim,  8.  177;  mu? 
Maria,   «die  Katholische*,   heiratho 
8.  178,  seine  Grosstante,  1554;  kebr 
1555  nach  Belgien  zurück,  8. 179.   Zc 
seiner  Regierung  v.  1556—1568,  S.  1.^ 
bis  201;  sein  Krieg  mit  P.  PaulIV.  (1  o 
bis  1559),  8. 185;  Friede  mitPrankrek: 


Register. 


563 


1559,  S.  185—186.  Phiiipp's  dritte  Ehe 
mit  Elisabeth  von  Valois,  S.  186;  kehrt 
1559  fUr  alle  Z^it  nach  Spanien  zq- 
rück,  S.  186;  er  beeinflosst  nnd  mass- 
regelt  die  Concilien,  S.  188;  Phil,  und 
das  Concil  von  Trient,  S.  188—189; 
Bchickt  fiberall  hin  seine  Commissäre, 
S.  188^189;  seine  stetigen  Conflikte 
mit  den  Päpsten,  S.  192.  —  Die  Re- 
gierung Phil.  II.  in  ihrem  Niedergange 
(1568—1598),  ni,  2,  S.  221—251.  Don 
Carlos/ S.  221— -223.  Die  Moriscos, 
S.  1^23—228  (Krieg  von  Granada).  Kö- 
nigin Elisabeth  (f  3.  Oct.  1568),  S.  231 . 
Anna  von  Oesterreich,  Phil,  vierte  Gre- 
mahlin,  Matter  Phil.  IIL,  S.  232.  Anna 
(t  26*  October  1580).  Philipp  IL  geht 
„partont^'  nicht  nach  den  Niederlanden, 
S.  233—234.  Don  Juan  1576  in  den 
Niederlanden,  S.  234.  Escobedo  nnd 
Anton.  Perez.  Die  Fürstin  Eboli,  S.%35. 
Eecobedo  durch  Perez  beseitigt,  S.  235 
bis  236,  März  1578.  Phil.  IL  seit  1578 
im  Kampfe  mit  seinem  Gfinstling  Ant. 
Perez,  S.  236.  Perez  nud  die  Eboli 
1581  arretirt,  S.  236.  Perez  entflieht 
1591  nach  Frankreich,  S.  238—239;  er 
wird  7.  Sept  1592  von  der  Inqnisition 
verurtheilt.  Perez  t  *u  P»r>B  3.  Nov. 
J611,  S.  239.  Sein  Ruf  und  Name  1615 
rehabilitirt,  S.  240.  Charakter  d.  Perez, 
S.  240—241.  Phil.  IL  annexirt  Por- 
tugal, S.  241.  König  Sebastian  1568; 
Feldzug  nach  Afrika,  S.  242;  fällt  1578, 

4.  Aug.  KOnig  Enrique  L  (f  31.  Jan. 
1580)  ohne  Erben.  Alba  erobert  Por- 
tugal, S.  243.  „Prior"  Antonio.  Phil, 
empfangt  19.  April  1582  die  Huldigung 
der  Cortes.    Die  falschen  Sebastiane, 

5.  214—246.  Die  Portugiesen  höchst 
unzufrieden,  S.  245-246.  Phil,  ver- 
anglfickter  Feldzug  gegen  Elisabeth 
von  Engknd.  Pius  Y»  nnd  PhlL  IL, 
III.  2,  S.  233  (Niederiande);  England 
1587,  S  247.  Phil  Stern  erbleicht, 
8.  248.  Sabau  über  ihn,  S.  250,  und 
?ic.  de  La  Fuente,  S.  251  (Josö  Guell 
f  Rent6  1878  über  ihn,  S.  529—530). 
PhiL  IL  erklib^  sich  1596  für  bankerott, 
B.  251.  Er  1 13.  September  1598,  und 
lasst    sein  Reich    in    der  änssersten 


Erschöpfung  zurück,  in  den  Händen 
eines  Nachfolgers,  der  ebenso  wenig 
zu  regieren  anfangen  wollte,  als  sein 
Vater  zu  regieren  aufhören  wollte.  Phi- 
lipp iL  ist  meistens  auf  gespanntem 
Fnsse  mit  den  PSpsten  seiner  Zeit; 
denn  er  will  mittelst  der  Päpste  die 
Kirche  Gottes  auf  Erden  regieren,  S.  513 
bis  529.  Retencion  der  Bullen,  S.  5 '  3. 
Condave  von  1559,  S.  514.  P.  Pius  IV. 
(1559—1565)  entgegenkommend  gegen 
PhiL  IL,  S.  514—515.  Carranza  in 
harter  Haft,  S.  515.  Pius  IV.  sehr  ent- 
täuscht, S.  515—516.  PhiL  IL  über 
ihn  ergrimmt,  S.  516;  das  Concil  von 
Trient  in  Spanien  gefälscht,  S.  517; 
Pius  IV.  t  9.  December  1565.  Pius  V. 
(1566-1572)  in  Conflikt  mit  PhiL  IL, 
welcher  dem  Papste  Verweise  ertheilt, 
S.  518  —  519.  Beschwerden  Pius*  V. 
über  PhiL  IL,  S.  519—520.  Die  Bulle 
,In  coena  Domini«',  S.  520.  Die  Tür- 
kengefahr bringt  Pius  V.  zum  Nachgeben^ 
S.  520—521 ;  er  trägtaber  mitSohmerzen 
das  span.  Joch,  S.  521—522  (f  1.  Mai 
1572).  P.  Gregor  Xlll.  (1572—1585); 
Goncessionen  in  Hülle  und  Fülle  au 
Phil.  IL.  S.  523,  und  dennoch,  Phil.  IL 
„weheklagt'^  Die  Inquisition  v.  Phil.  U. 
gehütet.  Gregor  Xill.  1 10.  Apr.  1585. 
Siztus  V.  zuerst  energisch  geg,  PhiL  IL, 
S.  525;  giebt  zulezt  nach,  S.  526. 
ürban  VI.  (1590  —  1590),  Bewunderer 
PhiL  IL,  S.  526.  Nach  seinem  Tode 
schreitet  Phil.  IL  von  der  „Exclusive" 
zur  „Inclusive";  er  bezeichnet  dem 
Conclave  7  Gardinäle,  aus  denen  der 
Papst  zu  wählen  sei.  P.  Gregor  XIV. 
(1590—1591)  war  einer  dieser  Sieben, 
S.  526.  P.  Innocenz  IX.  (1591).  P.  Cle- 
mens VIII.  (1592).  PhiL  IL  „ünver- 
frorenheit"  wächst  mit  den  Jahren. 
Cardinal  Baronius  zweimal  „exdudirt^^ 
Heinrich  IV.  von  Frankreich  1595  vom 
Papste  anerkannt,  wodurch  sich  PhiL  IL 
tödtlich  beleidigt  fühlt.  Die  Cardinäle 
emandpiren  sich  von  dem  spanischen 
Drucke.  Der  ohnmächtige  Phil.  IL  wird 
von  allen  Seiten  verlassen. 
Philipp  IIL;  seine  Zeiten  (159S— 1621), 
III.  2,  S.  252;  sein  Premier- Minister 

36* 


564 


Register. 


Lerma,  S.  253;  seine  Oemahlin  Mar- 
garetha  von  Habsborg,  S.  253;  Ans- 
treiboDg  d.Morisco's  1609—1613,  S.254; 
Juan  de  Rivera,  Eb.  von  Valencia 
dafür,  S.  254—255—256.  Die  Morisoo's 
ans  Valencia,  S.  255 — 2fi6;  die  v.  Anda- 
lusien (80.000),  S.  256—257;  die  v.  Murcia, 
S.  257;  aus  Aragonien  (an  74.000  See- 
len) und  Catalonien  (c.  50.000),  S.  257 
(J.  1610).  Die  M.  aus  Castilien  ver- 
bannt, S.  258  (aber  100.000).  Janer 
über  diese  Massregeln,  S.  259  —  260. 
Lerma  und  die  Morisco's,  S.  260.  Juan 
Mariana  gemassregelt,  S.  261.  Lerma 
wird  Cardinal  1618,  S.  262,  und  ge- 
stürzt; wird  Priester.  Phil.  IIL  1619 
in  Portugal,  S.  262-264;  Minister 
Uceda,  Lerma's  Sohn,  S.  262—263; 
Phil.  III.  (t  31.  März  1621),  S.  263. 
Fr.  Quevedo  über  ihn,  S.  263—264. 
V.  Lafaente  über  ihn,  S.  264;  seine 
Kinder,  S.  265. 
Philipp  IV.  (1621—1665),  III.  2,  S.  265 
bis  2S6;  regiert,  16  Jahre  alt,  S.  265; 
Streit  über  das  Patronat  der  Heiligen, 
S.  266—271.  Weitere  Patronate  der 
Heiligen,  S.  272;  Quevedo  für  Santiago, 
S.  272-273.  Patronat  des  hl.  MichaSl, 
S.  273;  1678  des  hl.  Joseph;  1702  des 
hl.  Jannarius;  1760  „der  unbefleckten 
Empfängniss« ,  S.  274.  Phil.  IV.  »re- 
giert nicht  und  verwaltet  nicht^,  S.  274, 
vielmehr  der  Graf  Herzog  Olivares  von 
1621  an.  Phil,  kostbare  Liebhabereien 
S.  275—277,  27i<,  279.  Nothstand  des 
Landes,  S.  277.  1640  Revolution  in 
Catalonien,  S.  277-278.  1.  Dec.  1640 
Revolution  in  Portugal,  S.  278.  Jo- 
hann IV.  von  Braganza.  Olivares  er- 
liegt, S.  279,  entlassen  am  17.  Jan. 
1643  (t  21.  Juli  1645).  Phil.  IV.  will 
selbst  regieren,  doch  regierte  zulezt 
Luis  de  Haro.  Phil.  IV.  wird  fromm. 
Portugal  und  Spanien  bekriegen  sich 
in  Rom,  S.  280.  Portugal  in  Rom  nicht 
anerkannt,  1642.  Die  Spanier  dominiren 
und  terrorisiren  in  Rom,  S.  281.  Alle 
Bisthümer  Portugals  seit  1658  er- 
ledigt, S.  281.  Aber  auch  Portugal 
giebt  nicht  nach,  S.  281  —  282.  PhU. 
zwei  Gemahlinen  und  Kinder,  S.  282 


ti 


bis  283.  Der  Pyrenfienfriede  1659  m 
Frankreich,  S.  283.  Luis  Haro  (f  26.  Xo% 
1661,  doch  auch  ein  guter  Minister 
Die  Spanier  erliegen  anfa  Nene  v 
den  Portugiesen,  1663—1665,  S.  2^ 
PhU.  IV.  t  17,  Sept  1665,  S.  2- 
13.  Febr.  1668  Friede  mit  Portnga 
Im  Jahre  1672  wieder  Bischöfe  f 
Portugal,  S.  285,  286.  Cardinal  M 
zarin  und  König  Ludwig  XIV.  darf 
die  Hauptschuld  an  der  Verw&isn 
der  Kirche  in  Portugal  treffen,  S.  *i 

Philipp  V.,  Ton  Orleans^  König   v 
Spanien  (1700-1746),  IIL  2,  S.  304  b 
342.    Die  Königin  Marie  Louise  G 
briele,  S.  306.  Der  spanische  Erbfol^ 
krieg  1704—1712,  S.  306—307.     D 
Card.  Portocarrero  u.  d.  Fürstin  Urst 
S.  307.    S.  311  corrigire  1707—17 
statt  1807;   Gonflikt   mit    Rom    17< 
(liegen  angebl.    Hinneigung   P.    C 
mens  XI.  zu  Garl   von  Oesterreic 
S.  312.    Melch.  Macanaz,  S.  3ia— 31 
Friede  von  Utrecht  und  Baden  (i; 
und  1714),  S.  315.  Phü.  V.  anerkan 
S.  315—316.    Die  Spanier  müssen  a 
Italien  weichen,  S.  316.    König^in  E 
sabeth  Fa^nese  von  Parma,    S.    ;;i| 
stürzt  die  Fürstin  Ursini  1714,  S.  o  ] 
Card«  Jul.  Alberoni  herrscht   nach  i 
in  Spanien,  S.  317  flg.    Phil,  will  xl 
Kirche  reformiren,  S.  330.    Neae  O 
flikte  mit  Rom  1734—1737,  S.  3:ic; 
335.    Der  Streit  um   das   allgeme. 
Patronatsrecht,  S  335,  336--aod;  ij 
Asylrecht  beschränkt,  S.  339.  Das  < 
cordat  von  1737,  S.  835—338.     Kr 
in  ItaUen  1742,  S.  340.  PhlL  V.  f  ^.  J 
1746;  sein  Charakter,  S.  Sil— 34ü. 

Philippinen,  die,  entdeckt  und  bes' 
1564,  UI.  2,  S.  194—195. 

Pius,  hl.,  V.  (1566—1572),  und  die  ^ 
tSler  in  Spanien,  UI,  2,  S.  192;  v 
bietet  die  Stierk&mpfe  1567,  in. 
S.  197;  s.  Inquisition,  Philipp  II. 

Placentia,  B.  1186,  III.  1,  S.  59. 

Pole,  Keg^d,  Card.,  III.  2,  S.  1 
in  England  1554. 

Ponce,  de  Leon,  Luis;  a^n  Proc« 
III.  2,  S.  200-201;  seine  Schriften 

Ponz,  Ant.;  seine  Reisen,  UL  2,  S.  4 


Ee^rister. 


565 


Portocarrero,  Card,  (t  1709),  Ilf.  2, 
S.  307  sq. 

Po rtncale  (Oporto), B.,  IL  2,  S.  853, 408. 

Portugal,  Königreich,  IIL  1,  S.  64—80, 
Graf  Heinrich  (f  12.  April  1112).  Be- 
gentin Theresia (1114— 1130);  seit  1115 
«Königin«,  S.  65—66  (f  1.  Nov.  1130); 
1128-1137  Alonso  I.  «Infant«,  1137 
«Fürst«;  1139  Schlacht  von  Ouriqne, 
aus  welcher  Portugal  entstand.  Alfons 
König;  die  Cortes  von  Lamego  1143, 
S.  67—68.  Alfons  sucht  „Fflhlung« 
mit  Rom;  nimmt  Santarem  1147,  S.  70; 
Lissabon  1147,  1162  Beja,  S.  71; 
Evora  1166  (t  6.  Dec.  1185,  S.  72—73); 
Chronicum  Lusitanum  311—1184,  S.  73. 
König  Sancho  I.  (f  1211),  S.  175. 
Alfons  II.  (t  25.  März  1223),  S.  75—77. 
Sancho  II.  erobert  Algarve,  resignirt 
1245,  S.  77  (Chronicon,  II.  2,  S.  410). 
Portugal,  Geschichte  von  ]24i— 1500, 
III.  1,  S.  317—351.  König  Alfons  III. 
erobert  den  Best  von  Algarve,  S.  318; 
wegen  Doppelehe  im  Banne,  S.  3 19  bis 
320;  seine  Angriffe  gegen  die  Kirche, 
S.  321,  trozt  ohne  Ende  (f  16.  Febr. 
1279),  8.  324.  Diniz,  vortreffl.  König 
(1280—13-25),  S.  324.  Die  hl.  Elisabeth 
seit  1282  seine  Gemahlin,  S.  325;  seine 
Seefahrten ;  Ausgleich  mit  den  Bisehöfen 
1289,  S.  325.  40  Artikel.  1309  die 
vierte  „Concordia«,  S.  326.  Die  Klö- 
ster, S.  326—327.  Orden  von  Santiago, 
getrennt  von  dem  in  Castilien,  S.  327, 
(1288-1320).  60  Commenden.  Die 
Tempelherrn,  S.  327,  —  aufgehoben, 
S.  328.  Der  „Christusorden«  1319;  sein 
Hauptsiz  in  Thomar,  S«  329  —  sind 
die  alten  Templer,  S.  330.  Krieg  zwi- 
schen Diniz  und  seinem  Sohne,  S.  330. 
Die  hl.  Elisabeth  stiftet  wiederholt 
Frieden,  S.  330-331;  herriiches  Ende 
des  Königs  Diniz,  S.  331.  König  Di- 
niz (t'7.  Jan.  1325),  S.  331.  Die 
hl.  Elisabeth,  S.  332;  „die  Friedens- 
ötifterin«  (t  4.  Juli  1386),  S.  332—333. 
König  Alfons  IV.  (1325—1357),  8.  336 
bis  337,  und  die  Cortes  von  Lamego; 
1340  grosser  Einfall  d.  Mauren;  Schlacht 
am  Salado,  S.  837.  König  Pedro  II. 
(1357—1367).    Cortes  zuElvas  1361. 


König  Ferdinand  1367,  der  ^Verschwen- 
der«,  trachtet  nach  Castilien,  S.  339. 
Friede  von  1371  (t  1383),  S.  340.  Unter 
ihm  kommen  die  Engländer  in's  Land, 
S.  341.  Die  „Union''  mit  Castilien  im 
Blute  erstickt,  S.  341.  Der  Pöbel  von 
Lissabon  und  von  Evora  1383.  Jo&o  I. 
der  „Defensor«,  S.  341;  1884  sehliessen 
die  Castilianer  Lissabon  ein,  S.  341, 
und  müssen  abziehen.  Der  „Denfensor'' 
König  (1885—1433),  S.  342;  1431  Friede 
mit  Castilien.  Joäo  I.  im  Frieden  mit 
der  Kirche,  S.  343—344;  seit  1422  die 
ohristl.  Zeitrechnung,  S.  344  (f  14.  Aug. 
1433).  König  Duarte(1433—1438),S.344. 
Der  „Infant^'  Ferdinand^  ein  Märtyrer 
1438  in  Fez  (f  Juni  1443),  S.  346. 
Duarte  (f  1438).  Don  Pedro  10  Jahre 
Begent  Alfons  V.  (1448—1481),  „der 
Afrikaner«,  S.  347.  Entdeckungen  in 
Afrika  zur  See.  Henrique,  „der  See- 
fahrer (t  1460);  1471  Feldzug  nach 
Afrika,  S.  348.  Tanger  Bisthum.  Al- 
fons V.  will  wieder  Castilien  erobern 
1475,  S.  349;  geschlagen  1476;  Friede 
von  1479.  Alfonso  (t  1481).  Joäo  II. 
(1481—1495);  Emmanuel  der  Grosse, 
S.  349—351 ;  1497  das  Vorgebirge  der 
guten  Hoffnung  umfahren.  Emmanuel 
1498  Thronerbe  von  Castilien,  S.  349 
bis  350,  und  von  Aragonien. 

Po  t  am  ins,  B.  von  Lissabon,  Angst- 
Arianer,  U.  1,  S.  314—317. 

Primat;  s.  Julian  u. Bernhard  v.  Toledo. 

Priscillianisten,  die,  in  Spanien,  11.1, 
S.  359—394.  Literatur  über  sie,  S.  359 
bis  361.  Ihr  Ursprung  zur  Zeit  d.  Hosius, 
S.  361—366;  IIL  2,  S.  492.  Ihre  Haupter 
(Marcus,  Agape,  Elpidius,  Instantius, 
Salvian,  Priscillian),  S.  366—367.  Lusi- 
tanien  ihr  erster  Siz,  S.  367—368.  Sy- 
node von  Saragossa  (380)  gegen  sie, 
S.  369—372.  Ihre  Schicksale  in  d«  J. 
381—385,  S.  372.  Synode  v.  Bordeaux 
c.  384,  S.  375  (Idacius,  Itiiacius),  S.  372 
bis  378  (die  Bischöfe  Bufus  n.  Magnus) ; 
Schicksale  d.  Priscillianisten  v.  385  bis 
400.  Martinns,  Ambrosius  u.  P.  Siridus 
Ober  und  gegen  sie,  S.  879—383.  Ganz 
Galicien  fSUt  ihnen  zu,  S.  383—888. 
Ende  des  Ursurpators  Maximus«    Hie- 


566 


Register. 


ronymns  im  Verkehre  mit  Spanien. 
Synode  von  Toledo  400,  S.  389—394 
(IL  1,  S.  449),  IL  1,  S.  458-461,  463, 
466—467,  475-479.  Turibius  über  und 
gegen  sie;  IL  3,  S.  156. 
Prudentias,  Aarel.  Pr.  Clemens,  IL  1, 
S  837—358;  wohl  der  grösste  christ- 
liche Dichter;  aus  Saragossa,  nicht 
aus  Calahorra,  S.  337—342;  sein  Leben, 
S.  842—344;  seine  Schriften,  S.  344 
bis  354;  Ausgaben,  S.  356—358,  IL  2, 
S*  188,  189-190,  192;  IIL  2,  8.  491. 

D- 

Qnevedo,  Franz,  IIL  2,  S.  65. 
Quevedo,  Card.,  B.  von  Orense,  IfL  2, 

S.  397-^98. 
Quirle  US,  B.   von  Barcelona  (t  679), 

U.  2,  8.  150,  160,  167,  188,  200,  212 

bis  213,  231. 
Qniricus,  £b.  von  Toledo  (seit  667), 

IL  2,  S.  162,  J.675,  S.  165,  213,  229 

bis  230. 

R. 

Ramiro  L,  König  von  Aiagonien  (1035 
bis  1067),  IL  2,  S.  416—417. 

Ramiro  IL  (1134),  König  von  Arago- 
nien,  III.  1,  8    182-183. 

Raymund,  0.  S.  B.,  „Primas"  von  To- 
ledo, IIL  1,  8.  20-21,  23—24;  müht 
sich  um  seinen  „Primat*  vergebens 
ab  (1126—1151),  IIL  1,  S.28;  Concilien 
unter  ihm,  S.  29,  35;  will  zu  S.  Denys 
den  Leib  Eugen's  I.  entdeckt  haben, 
S.  35—36-37  (t  1160-1154)  S.  44; 
krönt  König  Alfons  VII. ;  S.  104. 

Raymund,  Cisterc.  Abt  von  Fitero, 
(t  1163),  la  1,  8.  54,  173-174. 

Raymund,  hL,  Nonnatus,  unddieMer* 
cedarier,  IIL  1,  8.  238;  Cardinal  (der 
dritte  spanische  (f  31.  Aug.  1240). 

Ray m und,  hl,  von  Pennaforte,  IIL.  1, 
S.  229,  237;  sein  Leben,  8.  246—247; 
geb.  c.  1177;  1222  0.  S.  D.;  seine 
„Decretalen,«  S,  246  (t  6.  Jan.  1275). 

Raymundus,  Lullus,  IIL  1,  S.  287  bis 
289;  s.  Schriften;  8.  292  s.  Irrthamer. 

Reoesmund,  B.  von  Granada  c.  956, 
Gesandter  an  Otto  L,  IL  2,  8.  444; 
B.  Liturgie,  Mozaraber. 


Receswinth,  seit  649  Mitregent,  11,  '2, 
S.  126,  134,  138,  140-144  (t  672), 
149—150;  ist  er  wirklich  durch  die 
Juden  oder  dieJfidinen  schlimmer  ge- 
worden? 8.  159—160.  Seine  Kronen; 
Rec.  und  die  «mit  dem  Purptir  ge 
schmückte  Buhlerin''?  IL  2,  8.  161  bis 
162;  248. 

Reformatoren,  u.  dieKezer,  IIL2,S.79. 

Reliquien,  ihre  Flucht  nach  Asturien, 
IL  2,  S.  249-251. 

Repartimientos,  die,  Im  spanischen 
Amerika,  IIL  2,  S.  1 10. 

Ripoll,  moster,  IL  2,  S.  429,  431-4H2, 
vierte  Einweihung  1032,  S.  435;  437. 

Ritterorden,  geistL,  allm&L  von  der 
Krone  absorbirt,  IIL  1,  8.  433—434. 

Roda,  B.  957,  IL  2,  8.  425,  434. 

Rodrigo,  König  (709),  IL  2,  8. 184  bis 
185;  unterliegt  gegen  die  Araber, 
8.  184—186,  26.  Juli  71 L 

Rodrigo,  el  Gerratense,  IL  2,  8.  219. 

Rodrigo  (Roderich)  Ximenes,  über  die 
Absohafiüng  der  Toletanischen  Litoigie, 
IL  2,  S.  460—461;  IIL  1,  8.  8,  18, 
39,  47,  51—53.  Der  Eb.  Don  Rodrigo 
Ximenes  von  Toledo  und  seine  Zeit, 
IIL  1,  8.  111—120,  128—150;  B.  von 
Osma  120S,  8.  113;  1208  Eb.  von  To- 
ledo, S.  114;  Primas  1.  März  1210, 
S.  115;  bemüht  sich  um  den  Kreuzzug 
gegen  die  Mauren,  8. 116—120.  Rodr. 
i.  J.  1216  in  Rom,  S.  IdO;  vieliacht 
schon  8.  Oct  1215;  leugnet  Jacobi 
Ankunft  (zu  d.  Lebzeiten)  in  Spanien, 
8.  132.  Er  streitet  in  Rom  um  seinen 
Primat,  8.  134;  ist  vor  dem  12.  Jan. 
1216  in  Rom,  8.  137.  Im  Jahre  1217 
sein  Primatialstreit  gegen  ihn,  und  för 
die  Bracarenser  entschieden,  8.  138; 
gewinnt  d.  Amt  „Cazoria^"  1231,  S.  141 ; 
beginnt  1226  den  Bau  seiner  Cathe- 
drale,  S.  141—142;  50  .Radoneros'' 
in  Toledo,  8.  142,  und  40  Canoniker. 
Don  Rodr.  u.  P.  &reg.  IX.  1284,  S.  145; 
c.  1235  dritte  Romreise,  8.  145,  und 
1240  vierte?,  und  wieder  vergebliche 
Primatial- Mühen,  S.  146  (f  1245,  aL 
10.  Juni  1247);  seine  Nachfolger  von 
1247  an,  8.  146—147;  seine  Schriften, 
S.  228,  Rodr.  und  Tanmco. 


Begister. 


567 


Bodrigo,  Ciudad  de,  B.  1175,  m.  1, 
S.  108—109. 

Rom,  die  Tradition  der  römisehen  Kirche 
über  den  Apostel  Panlns,  I.,  S.  29—39. 
Gentralstelinng  d.  römischen  Gemeinde, 
S.  205—208, 231—232.  Rom,  Lockerung 
der  Verbindung  mit  Rom  seit  636, 
IL  2,  S.  222—238;  latentes  Schisma. 
Engen  I.  nnd  der  römische  Primat, 
S.  223;  Isidor  weist  ihn  zarecht,  S.  224. 
Braiilio*s  hiziger  Brief  an  F.  Honorius  L 
638,  S.  224  —  227.  Erstürmung  und 
Plünderung  von  Rom,  Mai  1527,  III.  2, 
S.  161. 

Romanus,  P.  (897),  IL  2,  S.  358. 

Rosa,  hL,  von  Lhna,  IIL  2,  ,S.  214—215. 

Rubicon,  B.  1404,  IIL  1,  S.  169. 

Rudeslndns,  hl.,  gründet  Celanova, 
Abt  das.,  II*  2,  351,  405;  Verweser 
von  Compostella,  S.  406  (t  L  März 
977). 

Ruf  US,  von  Dertosa?  L,  S.  71—75,  226. 

s. 

Sahagun,  0.  S.  B.,  IIL  1,  S.  38;  s.  Esca- 
lona. 

Salamanca,  Concil  v.  J.  1154,  III.  1, 
S.  37—38;  Oondl  v.  J.  1175,  IH.  1, 
S.  60;  ConcU  v.  J.  1192,  S.  61—62; 
ConeU  V.  J.  1310,  S.  373—374;  Concil 
V.  J.  1335,  IIL  1,  S.  382—383;  Concil 
V.  J.  1381,  S.  393.  Synode  v.  J.  1410, 
S.  397.  Concfl  v.  J.  1565,  IIL  2,  S.  187. 
Universität  c.  1212 ;  1255  bestätigt,  IIL  1, 
S.  112;  374—375,  405;  ihr  Einkommen; 
Collegien  daselbst,  lU.  2,  S.  124—125, 
S.  134—136. 

Sales,  Asensio,  B.  v.  Barcelona,  IIL  2, 
401—402. 

Sampiro,  B.  von  Astorga  (1035— 1040), 
Chronik  der  Jahre  866  —  982,  IL  2, 
S.  408—410;  über  die  Könige  von  Leon, 
III.  1,  S.  41. 

Samson,  Abt,  v.  Cordova,  IL  2,  S.  307 
bis  308,  318,  319—321,  330—331,  331 
bis  333,  Leben  und  Schriften;  S.  334 
bis  335. 

Sancho  Ramirez,  König  von  Aragonien 
(1067—1094),  IL  2,  S.  417—418,  421. 
Gregor  VII.  an  ihn,  S.  451^. 


Sancho  Major,  Kön^  von  Navarra 
(1024),  U.  2,  8.  403. 

Sancho  IIL,  König  v.  CastUien,  10.  1, 
8.  52-54  (t  31.  August  1158);  sein 
hohes  Lob. 

Sancho  IV.,  König  von  Castilien  (1284 
bis  1295),  m.  1,  8.  370. 

Saragossa,  Concil  v.  J.  380,  s.  Pris- 
cillian.;  zweites  Concil  v.  J.  592,  II.  2, 
S.  22—23;  drittes  ConcÜ  v.  J.691,  S.  180. 
B.  Senior  (858),  U,  2,  8.  311,  336,  355 
bis  356;  359—360.  B.  von  Saragossa 
(c.  1040  —  1063)  Paternus;  Synode? 
V.  J.  1058,  S.  420.  S.  zurückerobert 
1118;  neues  B.  c.  1118,  IIL  1,  S.  S4. 
Cathedrale  San  Salvador,  8.  179.  EU* 
1318;  Concil  v.  J.  1318,  IH.  1,  S.  278 
bis  279.  Erzbischöfe  von  1318—1520, 
in.  1,  8.  311-312.  Concil  v.  J.  1565 
bis  1566,  IIL  2,  S.  187. 

S;armiento,  Martin,  0.  8.  B.,  IIL  2 
S.  412. 

Sebastian,  v.  Salamanca,  IL  2,  8.  174 
bis  175  (Chronist). 

Secundus,  hl.,  von  Abula,  L,  S.  150  bis 
158;  in.  2,  8.  475—476. 

Segovia,  zeitweilig  beim  B.  Palentia, 
U.  1,  S.  450;  1128  restituirt,  IIL  1, 
8.  17. 

Seneca,  nnd  Martin  von  Braga,  U.  1, 
8.  472-476. 

Sepulveda,  über  Carl  V.,  III.  2,  8. 183. 

Servandus  und  (Hermanns,  Krieger  und 
Märtyrer,  L,  8.  372—375. 

Servede,  Michaöl,  als  Kezer  in  Genf 
verbrannt,  III.  3,  8.  79. 

Severus,  B.  von  Menorca,  und  die 
Juden,  U.  1,  8.  406-407. 

Severus,  B.  von  Malaga,  Schriftsteller 
vor  589,  IL  1,  S.  419;  IL  2,  8.  53. 

Sevilla  (HispaUs),  L,  8.  56,  65,  248, 
283.  Verehrung  der  heil.  Justa  nnd 
Rufina,  8.  287—288.  Hauptstadt  im 
4.—5.  Jahrb.,  8. 390— 391.  Die  Kirchen- 
provinz von  357—589,  U.  1,  S.  414  bis 
419.  Eb.  Marcellus  400,  8.  414.  Sabinns 
J.  440— 441,461.  Epiphanius  „intrusus* 
441,  S.  415.  Orontius  (c.  462—472). 
Zeno  (472—486),  „Vicarius*"  d.  Papstes 
Simplicius  und  Felix  III,  über  Spa- 
nien, 8.  415—416.    SaUustius,  Vicar 


568 


Begistor. 


des  P.  Honnisdas  (514—523),  S.  416 
bis  418  über  Baetica  u.  Lasitanien.  IL,  2, 
S.  299;  in.  1,  S.  47.  Concil  v.  J.  590, 
IL  2,  S.  19—22;  2.  Concil  v.  J.  619, 
S.  85—90,  ein  Werk  Isidors;  S.  9a 
c.  937  £b.  Julian,  IL  2,  S.  447.  £b. 
Clemens  flieht  nach  1144,  und  stirbt  in 
Talavera,  U.  2,  8.  299;  lU.  1,  S.  47, 
Sevilla  1248  wieder  erobert,  III.  1, 
S.  160—162.  Neue  Cathedrale;  Cathe- 
drale  1401  beschlossen,  1403  begonnen, 
gebaut  bis  1511  und  1519,  III.  1,  S.  399 
bis  401.  Concil  y.  J.  1352,  S.  385; 
Erzbischöfe  von  1249—1352,  S.  385; 
Concil  y.  J.  1412,  S.  398;  £b.  yon  1360 
bis  1412;  £b.  bis  1482,  S.  433;  £b.  , 
im  15.  Jahrhundert,  III.  1,  S.  404—405. 
Autodafes,  1559  —  1560,  IIL  2,  S.  199. 
Sevilla,  die  Junta  von  1810,  IIL  2, 
S.  42&-429. 

Schack,  Jul.,  fiber  die  deutschen  Hexen 
und  die  spanische  Inquisition^  III.  2, 
S.  57;  77,  81. 

SiebenmSnner,  n.  2,  S.  199,  451—452 
(bei  den  Mozarabern  hochverehrt);  siehe 
apostolische  S. 

Siguenza,  B.,  II.  2,  S.  356. 

Siliquen,  Münzen,  U.  2,  S.  22—24. 

Silos,  Kloster,  IL  2,  S.  422. 

Silves,  B.,  IIL  1,  S.  319-320. 

Simancas,  B.  von  kurzer  Dauer,  II,  2, 
S.  350. 

Simonet,  Xav.,  II.  2,  S.  187,  448  (Re- 
cesmund),  IIL  2,  S.  478. 

Sinai,  Reliquien  der  hL  Catharina  und 
des  hL  Jacobus?  daselbst,  IL  2,  S.  388 
bis  390;  IIL  2,  S.  505—507. 

Siudered,  £b.  von  Toledo  (711—714), 
flieht  nach  Rom ,  war  dort  721 ,  IL  2, 
S.  242. 

Sisbert,  U.  2,  S.  180,  221. 

Si8epi)ut,  König  (612— 621),  und  Schrift- 
steller, II.  2,  S.  77— 78;  8  Briefe  von 
und  an  ihn;  Strafbrief  an  £b.  £use- 
bius,  S.  79—80;  Sis.  und  die  Longo- 
barden,  S.  80;  99. 

Si8enand,König(6dl— 636),  II. 2, S. 81 
bis  82,  101. 

Sixtus  IV.;  s.  Inquisition. 

Sixtus  y.;  s.  Hermenegild,  Philipp  IL 

Sobrarbe,  kleines  Königr.,  n.  2,  S.  417. 


Sodomie,  und  Inquisition,  IIL  8,  S.  51 
bis  52. 

Solidus,  Manze,  IL  2,  S.  24. 

Sonntagsfeier,  IL  2,  S.  17. 

Sotomayor,  Ant.,  IIL  2,  S.  422. 

Spanien,  das  £nde  des  Abendlandes 
bei  den  Alten,  L,  S.  6—16;  die  Kirche 
in,  von  400—429,  IL  1,  S.  395—397. 
Stand  der  Bevölkerung  Sp.  in  den  Ter- 
schiedenen  Zeitaltem,  IIL  1,  S.  447  bis 
470;  IIL  2,  S.  511. 

Speraindeo,  Abt  in  Cordnba,  IL    2, 

s.  sao. 

S  t  r  a  SS  e  n ,  d.  (bis  jezt  weniger  bekannten ) 
römischen  in  Sp.,  III.  1,  S.  471—482. 

Sueven,  Reich  der,  von  441—587,  IL  1, 
S.  456  —  457.  König  Garraridi  wird 
katholisch  (c.  550— 559).  König  Ariamir, 
König  Mir.  570,  S.  461,  von  Martin 
V.  Braga  bekehrt,  S.  472—473  (nach 
Isidor,  II,  2,  S.  110). 

Swintila,  König  (621—631),  herrscht, 
der  erste,  Aber  die  ganze  pyren.  Halb- 
insel, II.  2,  S.  81 ;  abgesezt  631. 

Syagrius,  B.  und  Schriftsteller,  II.  I, 
S.  466-467. 

T. 

Taj  0,  B.  von  Saragossa  (653—666),  II.  2, 
S.  147—151;  Schriften.  Tajo  in  Rom, 
8.  135,  227,  228. 

Talavera,  erster  £b.  v.  Oranada  (1492, 
t  1507),  IIL  2,  S.  49,  127—128. 

T&nze,  lascive,  in  Spanien,  II.  2,  S.  14, 
52—58,  167. 

Tar ra, Mönch,  ans Gauliana?  IL 2, S. II 7. 

Tarraco;  s.  Fruotnosus.  £b.  Himeiiaa 
385,  II.  1,  S.  426;  Tarr.  und  Rom, 
S.  426;  P.  Sirieius  885  an  ihn,  in 
15  Kapitehi,  S.  426  —  429;  P.  Inno- 
cenz  L  40i.  Die  Kirdienprovinz  v.  J. 
357-589),  n.  1,  S.  426—441;  ftber 
Bischöfe  dieser  lYovinz,  S.  429—430. 
Die  Tarr.  Bischöfe  an  P.  Hilarina  c  465, 
S.  480  —  431.  £b.  Ascanius  e.  465, 
S.  431.  P.  Hilarius  an  ihn,  3.  431  bis 
432.  £b.  Johannes  nnd  P.  Hormisdas. 
516  Concil  znTair.,  S.  432— 434.  Ser- 
gins, £b.  (539—540).  Tarr,  rea^rt 
gegen  den  Primat  vpn  Toledo,  m.  1, 
S.  23—25.    Tarr.  u.  die  Liturgie,  U.  2, 


Begister. 


569 


S.  202'-S04;  Tarr.  and  Rom,  S.  203« 
Tarraco-AoBona,  H.  2,  S.  426.  Das 
£b.  provisorisch  wiederhergestellt  1091, 
als  Ausona,  als  and  in  Tarraoo  1116 
bis  1118;  s.  Oldegar.  Tarr.  seit  1163 
frei  vom  Primat  von  Toledo,  111*  1, 
S.  186-187.  Neuere  Erzbiechöfe:  01- 
degar,  Gregor  (t  1146),  Bemard  Torts 
(1146—1163),  111.  1,  S.  196—197;  seit 
1146  viele  ConciUen;  erhält  1154  eilf 
Snffragane«  Die  Canoniker  1 1 54  0.  S.  A ., 
S.  198—199,  203.  Eb.  Hago  de  Cer- 
velho,  ermordet  April  1171,  S.  203  bis 
204;  Wilhelm  v.  Torroya,  Eb.  1172, 
llf.  1,  S.  2a^— 208  (tll74).  Berengar 
V.  Villamor;  Concilza Tarr.  1180,  S«208; 
ermordet  v.  s.  Verwandten  1194,  S.  209; 
dessen  Busse,  209-210^  1194  Eb.Bai- 
mund  von  Castelltersol ,  S.  210;  Eb. 
von  1200  an,  111. 1,  S.  220—221;  Concil 
V.  J.  1280,  S.  224.  Eb.  Petrus  de  Al- 
balat  hält  8  Condlien  1239  —  1248; 
Concil  V.  J.  1239  zu  Tarr.,  S.  226—227; 
1242  Concil  gegen  die  Eatharer  and 
Waldenser,  S.  229  flg.,  247—249;  Bau 
der  Cathedrale  vollendet,  S.  256—259; 
£b.  im  14.  Jahrb.,  S.  283—298;  Eb. 
im  15.  Jahrh.  bis  1529,  S.  295—818; 
Eb.  der  neoern  Zeit,  III.  2,  S.  401« 

Taafen,  IIL  1,  S.  189;  keine  Gebühren 
«laf.,  II.  1,  S.  463;  H.  2,  S.  140,  164. 

Tavira,  B.  v.  Salamanoa,  III.  2,  S.  398. 

Tello,  B.  von  Palencia,  III.  1,  S.  175. 

Tejada,  y  Bamiro  (f  c.  1863)  Colecdon 
de  Concilios,  t  VII.,  edic.  1859—1862, 
r.,  8.  285;  in.  2,  8.  469. 

Telmo,  Petrus  Gonzalez,  III.  1,  8.  175 
bis  176  (t  1240). 

Tempelherrn,  die  Aufhebung  der  (zu- 
nächst in  Aragonien),  III.  1,  8.  260  bis 
279.  Quellen,  S.  260—261.  König 
Philipp  IV.  an  König  D.  Jayme  II. 
Jayme  an  P.  Clemens  V.  1307,  8.  261, 
nnd  dieser  an  Jayme,  8.  261  —  262. 
Die  Templer  eingesperrt,  S.  262«  Ja- 
nuar 1308  Concil  zu  Tarragona,  S.  263. 
Clemens  und  D.  Jayme  II.  1308,  8.  264. 
Die  belagerten  Templer,  S.  265-266; 
sie  appelliren  an  den  Papst«  Das  Jahr 
1309,  8.  266.  Das  Jahr  1310,  8.  267. 
Concil  von  Vienne  auf  U  Oct  1310 

Gami,  tpaa.  Klrohe.  III.  8. 


berufen,  8.  267—268.  Die  Templer  ver- 
wahrt. Oct  1310  Concil  v.  Tarr.,  8. 268 ; 
Differenzen  über  die  Güter  der  Templer, 
8.  269—270.  Jayme  11.  lässt  die  Templer 
foltern.  Concil  von  Vienne  v.  16.  Oct. 
1311,  8.  271;  Philipp  der  Schöne  übt 
mit  seiner  Armee  „einen  Druck*'  auf 
den  Papst  aus,  2.  März  1312,  8.  271. 
22.  März  —  3.  April  die  Templer  auf- 
gehoben. Bulle  vom  22.  März,  8.  272. 
Die  Auf  hebungsbulle  verloren  vu  wieder 
gefunden  1806,  1865—1866,  8.  272  bis 
278;  „Vox  in  ezcelso''.  Die  Güter  der 
Templer  zumeist  an  die  Johanniter, 
2«  Mai  1312.  Concil  für  die  Templer 
zu  Tarragona  März  und  18.  Oct  1312, 
8.  271.  Am  4.  Nov.  werden  sie  von 
aller  Schuld  losgesprochen,  8,  271, 
275.  Seit  1331  durften  sie  in  andere 
Orden  eintreten,  8. 276.  —  Templer,  die, 
in  Castilien  aufgehoben,  1308,  III«  1, 
S,  373  —  374;  für  unschuldig  erklärt 
und  freigesprochen  in  Salamanca  1310« 

Templer,  III.  1,  8.  51;  in  Portogal, 
8.  57;  in  Aragonien,  8.  182,  186,  195; 
ihre  Aufhebung;  s.  Aragonien,  Casti- 
lien, Portugal. 

Thecla  ,  hl.,  Patronin  nnd  Cathedrale 
der  hl  Th.  in  Tarraoo,  III.  1,  8.  189; 
Neubau  der  Cathedrale,  III.  1,  S.  194, 
199;  ihr  Fest,  8.  226;  der  Bau  voll- 
endet, 8.  256;  III.  2,  8.  473. 

Theodosius,  Gr.,  Kaiser  (f  395),  aus 
Cauca  in  Galicien,  II.  1,  8.  332—334. 

Theresia,  Dofia,  1190  Königin  v.  Leon, 
III.  1,  8.61,  62;  Cistercienserin  in  Lor- 
vaon  (t  17.  Juni  1250). 

Theresia,  hl.  (1515,  f  4-  Oct  1582); 
Leben,  Schriften;  ihr  Patronat  über 
Spanien,  III.  2,  8.  266—271. 

Toledo,  vordem  nicht  Metropolis,  II.  1, 
8.  445;  Eb.  Montanus;  B.  Melantioi, 
II.  1,  S.  445;  Schriftsteller  Audentins 
8. 445;  Asturius  400, 8. 445;  (Eugenl.?), 
8.  445;  Asturius  war  neunter  B.  in 
Toledo,  erster  v.  Complutum,  8.  445, 
446  (s.  Justus  n.  Pastor,  I.,  8.  330—332); 
Celsus  c  508— 522;  £b.  Montanus  522 
bis  531 ;  seine  Synode  v.  J.  527,  II.  1, 
8. 446—448,  mit  nur  vier  Bischöfen  aas 
d.  „Provinz";  „praktische  Beschlüsse'* , 

37 


670 


Begiflter. 


S.  449;  die  zwei  Briefe  des  Montanus 
„sebr  erregt"  geschrieben,  S.  449  biB 
452.    Dritte  Toletanische  Synode  v.  J. 
689,  II.  2,  S.  6—16;  mit  62  Bischöfen 
und  in  23  Kapiteln,   S.  11  — 14;   das 
Concil  voD  Toi.  v.  J.  597,  S.  25-26; 
B.  Enphemius  (587  u.  589),  S.  68,  75, 
iBrzbischof    von    Carpetanien;    Adel- 
phius  597,  S.  69—70;  Aurasiiw  c.  603 
bis  615,  S.  75,  76;  als  Metropolit  v. 
Garthaginensis;  (angezweifelte)  Synode 
unter  König  Gandemar  610,  S.  71  bis 
74;  Decret  des  Gandemar,  S.  74^77; 
Eb.   hl.  Helladins  (615-633),  S.  82; 
vorher  Abt  von  Agli,  als  „Heiliger", 
S.  83;  Eb.  Justus  (633-^638),   S.  84, 
182;   vierte  Synode  v.  ö.  Dec.  633, 
S.  90—101;  nach  Canon  2  soll  nur 
eine  Liturgie  bestehen,  S.  91,92;  am 
18.  Mai  sei  jährlich  die  Synode,  S.  93, 
Ordnung  des  Goncils,    S.  93;   Char- 
freitag,  S.  94;  Kirchenbymnen,  S.  94; 
Canon  2—18  über  die  Liturgie;  Canon 
19^48  über  die  Bischöfe  und  den 
Klerus;  Wahl  und  Weihe  der  Bischöfe, 
S.  95—96;  Pfarrer,  S.  96;  Canon  57 
bis  66  über  die  Juden.    Es  ist  diess 
die  grosse  Mustersynode,  S.  101 ;  69  Un- 
terschriften. 5.  Synode  v.  ToL  v.  J.  636, 
S.  119—120;  9  Canones  der  Synode, 
„sehr  königlich*'  (Kg.  Chintila).  6.  Sy- 
node V.  J.6;58  mit  52  Bischöfen  u.  19  Ca- 
nones,  S.  121  —  123.    7.  Synode  640; 
6  Canones,  S.  124—126,  ganz  poli- 
tisch, vielmehr  „Chintilaisch";  6  De- 
crete  und  41  Unterschriften.    8.  Sy- 
node V.  J.  653,  S.  126—128;  12  Canones. 
9.  Synode  v.  J.  555,  S.  128.  10.  Synode 
V.  J.  556,  S.  131—132;  Unterbrechung  v. 
19  Jahren    zur   Zeit   der  „purpnrata 
meretrix".   11.  Synode  v.  J.  675,  S.  161 
bis  165.    12.  Synode  v.  J.  681,  S.  168 
bis  171 .  13.  Synode  v.  J.  683  mit  12  Ka- 
piteln, S.  172—173.    Concil  v.  J.  684, 
S.  174.  15.  (National-)  Synode  v.  J.  688, 
S.  175—17«;  s.  Julian  von  Toi.,  Eb. 
Sisbert   (690  bis  c.  693),   VerrSther, 
S.  180, 182,  183.  —  Toi.  wiedererobert 
1085,  s.  Primas;  Toi,  Concil  v.  J.  1138, 
III.  1,  S.  35  (30  Canoniker);  Erzbisdiöfe 
von  1250  an,  8.  354—556;  Eb.  Infant 


Sancho  IL  1266,  S.  356,  368;  ermordet 
2I.0ct.  1275,  S.  364 ;  Erzbiachöfe  v.  1276 
bis  1802,  S.  370—372;  Erzbiachöfe  im 
14.  Jahrb.,  S.  384;  Erzbiachöfe  von 
1310  an,  S.378,  379;  Eb.  von  1402  an, 
Johannes  von  Aragon,  S.  378  —  381. 
Toi.  Universität,  III.  2.  S.  136;  Toi. 
nicht  mehr  Primatie  von  1851  an;  siehe 
Bourbon,  Portooarrero,  Lorenzana,  In- 
guanzo  etc. 

Torquemada,  Thomas,  erster  General- 
inquisitor (t  1498),  in.  2,  S.  22,  M, 
56,  65,  67. 

Torres,  Felix  Amat,  Eb.  von  Palmyra, 
(geb.  1750,  t  28.  Sept.  1824);  seine 
Schriften,  III.  2,  S.  463-464;  Feüx 
Amat  y  Torres,  dessen  Neffe,  B.  von 
Astorga(geb.  1772,  t  29.  Dec,  1847), 
S.  463—464. 

Tortosa,  B.  (Dertoaa),  I.,  S.  64,  57, 
69;  Paulus  in  T.?  S.  71-75;  204; 
III.  2,  S.  478.  T.  wiedererobert  1148, 
III.  1,  S.  180;  B.  1151,  S.  200-201; 
Cathedrale  das.  1178  vollendet,  S.  209; 
grosse  Einigungssynode  1429,  S.  30» 
und  Reformen  das.,  gehalten  vom  Car- 
dinallegaten  Foix;Eeformen  der  Sitten, 

S.  309. 

Testatus,  Alph.,  B»  v,  Avila  (t  1455), 
fruchtbarster  Schriftsteller,  I.,  S.  47; 
III.  1,  S.  420-42K 

Trini  tarier  in  Afrika,  III.  1,  S.  168, 
169;  in  Spanien,  S.  177. 

Tulga,  König  (640),  II.  2,  S.  124,  be- 
seitigt* 

Turiasso    (Tarazona);    B.  Leo    449; 

Concil,  III.  1,  S.  223. 
Turibius,  hl.,  Eb.  von  Astorga.   im 
Verkehr  mit  P*  Leo  I.,  II.  1|   S.  475 

bis  479. 
Turibius,  hL,  von  Liebana;  Montanua 

an  ihn,  U.  1,  S,  449—452. 
Turibius,  hl.,  (Mogroveio),   Eb,  von 

Lima;    seine    Synoden,  seine  Heüig- 

keit,  III.  2,  S.  210-213. 
Tuy  (Tude),  B.,  III.  1,  S-  176, 

u. 

üiphilas  (t  898),  II.  1,  S.  480;  a.  Weat- 
gothen,  in.  1,  S.  8—9. 


Begister. 


671 


UniversitSten;  Zeit  ihrer  Errichtnog, 
111.  2,  S.  150—138.  Der  Elems  auf 
den  Universitfiten,  III.  1,  S.  877,  384. 

Urban  II.,  P»,  und  der  Primat  von  To- 
ledo, HI.  1,  S.  4—5  (eximirt  Compo- 
Stella  1095),  8.  10,  11.  ürban  II.  und 
Gatalonien,  III.  1,  S.  186—188. 

ürgel,  B.  JxutQB,  H.  1,  S.  440,  441, 
448;  seine  Schrift  Über  das  hohe  Lied; 
seine  BrQder,  die  Bischöfe  Nebridins, 
Justinianns  a.  Elpidius,  S.  441 .  B.  Urgel 
nie  unterbrochen,  II.  2,  S.  364;  B. 
Pallas,  S.  424,  425,  429;  Synode  v.  J. 
991,  S.  429  —  480;  Felix  von  ürgel, 
8.  Adoptianer. 

Urraca,  Königin  v.  Gastilien  und  Leon 
(1109),  IIL  1,  S.  41  (regiert  nicht  glflck- 
lieh,  t  11.  März  1126),  S.  65,  178, 180. 

Usnardos  and  sein  Martyrologium  um 
875,  I.,  S.  46,  72—73.  78,  195,  210, 
ai3,  360-861,  371 ;  IL  2,  S.  334—336. 

V. 

Valdes,  Generalinquisitor,  abgesezt  v. 
Pias  V.,  III.  2,  Ö.  198. 

Valencia,  B.;  Goncil  das.  i.  J.  546, 
IL  1,  S.  452—454  mit  6  B.  a.  6  Ganones; 
B.  Justinian,  S.  452,  453;  Schriftsteller, 
S.  455.  Eb.  1458;  Synode  v.  J.  1565, 
III,  2,  S.  187;  1102  den  Ghristen  wie- 
der entrissen,  IIL  1,  S.  19;  das  Kgr.  V. 
erobert  von  Don  Jayme  1237—1238, 
S.  217;  neues  B.  1240,  S.  218;  Uni- 
TersitSt,  S.  285. 

Vaierius,  Abt  695,  IL  2,  S.  115;  Leben 
und  Schriften,  S.  157,  158  (f  c.  696), 
S.  166;  U,  2,  S.  4-5. 

Valero,  Franz,  y  Llosa,  £b.  v.  Toledo, 
in.  2,  S.  323,  324. 

Valenznela,  Fernando  da,  „Grandels 
IIL  2,  S.  290,  292. 

Valladolid,  Universitftt  und  B.,  II.  2, 
S.  360;  GoncU  das.,  1187,  lil.  1,  S.  34; 
Goncil  ▼.  J.  1 155,  S.  38.  Goncil  v.J.  1228, 
S.  143 ;  GonoU  r.  J.  1322,  S.  375  bis 
378,  mit  28  Kapitehi.  Antodafids,  III,  2, 
S.  186. 

Valle,  Thomas  de,  IIL  2,  S.  39S. 

Valpairaiso,  Kloster  1137,  IIL  1,  S.34. 

Vas Conen,  wilde  Völker,  IL  2  S.  150. 


Vega ,  Garcilaso  de  la,  Gesandter  in  Rom 
1498,  III.  2,  S.  65. 

Velez,  Raphael, Eb.  v.  Santiago  (f  1850), 
III.  2,  S.  439—440. 

Veremundas,  hl.,  Abt  von  Hierache 
(t  1092),  IIL  1,  8.  169,  170. 

Veras,  B.  von  Rhodez  626,  IL  2,  S.  68. 

Vieh,  B.  (Ansona);  Bischöfe  das.,  II.  2, 
S.  359;  B.  wiederhergestellt,  S.  424; 
provisorische  Metropole,  S.  425,  426, 
d.  Johann.  XIII.  965—972),  Eb.  Ado 
(971),  S.  426,  427;  zwei  Bischöfe  das., 
S.  430,  431;  Gongress,  s.  Oliva  1002, 
S.  431;  Gathedrale  1038  geweiht,  S.  436. 

Vigilien,  abgeschafft,  IIL  1,  S.  377. 

Vigilius,  P.  (537-565),  II.  2,  S.  94. 

Villanueva,  Joaq.  Lorenz,  Gesandter 
für  Rom  1822,  III.  2,  S.  432. 

Villanueva,  Jaime,  IIK  2,  S.  434; 
dessen  Viage  literario  22  t,  1803  bis 
1852  erschien.,  III.  2,  S.  484-437. 

Villa nufio,  Matth.,  HL  2,  S.  422—423. 

Vincenz,  M.  mit  Sabina  und  Ghristeta 
V.  Abala,  L,  S.  344—350. 

Vincenz,  der  Levite  und  M.  (f  22.  Ja- 
nuar 305),  L,  S.  376  —  382;  IL  2, 
S.  198,  200. 

Vincenz  von  Leon  and  Ramirus,  hl., 
IL  1,  S.  490. 

Vincenz,  B.  V.  Ebusa,  IL  2,  S.  52,  58. 

Visen,  B.,  II.  2,  S.  853,  seit  c.  1144  re- 
stitoirt,  S.  408. 

Vittoria,  B.  1851,  IL  2,  S.  71. 

w. 

Waldenser,  III.  1,  S.  220. 

Wallfahrten  nach  Palästina  vor  den 
Kreuzzflgen,  IL  2,  8.  432—436. 

Wamba,  König  672,  entfernt  680,  II.  2, 
S.  159—160,  167,  214—215. 

Westgothen,  die,  II.  1,  S.  480—491. 
Die  Möso-Gothen,  Katholiken,  S.  481; 
Märtyrer  unter  ihnen.  Die  Westgothen, 
als  Arianer,  S.  481—482.  König  Ala- 
rich  in  Italien,  481  (f  in  Gosenza  411), 
S.  482.  König  Ataolf  in  Gallien  412, 
414  in  Spanien  (f  415  in  Barcelona), 
S.  482.  König  Wallia  418,  und  das 
Reich  von  Tolosa;  König  Theodorich 
(t  451).    König  Theodorich  IL,  S.  482 

37* 


572 


Begister. 


bis  483,  feindseliger  Arianer  seit  464, 
S.  483.  König  Enrich  (466-484);  das 
grosse  Gotbenreicli  483  amfasst  Spa- 
nien und  den  grössten  Theil  von  Gal- 
lien. Earich  verfolgt  die  Katholiken, 
8.  484.  König  Alarich  If.  (484-507) 
gestattet  wieder  Wahlen  der  Bischöfe, 
8.  485;  sein  „Breviarium",  8,  486. 
J.  506  Concil  in  Agde,  8.  485;  er 
fWlt  607  bei  Poltiers,  8.  486.  Die  Ka- 
tholiken sind  den  Gothen  treu,  8.  486. 
Theodorich,  der  Ostgothe,  hilft  den 
Westgoihen,  8*  486;  regiert  15  Jahre 
als  Vormund  über  Spanien  (511—526); 
König  Gesalich  (507-511),  8.  486  bis 
487.  König  AmaLrich  (526)  ttbar  Spa- 
nien und  Septimanien,  8.  486—487; 
verfolgt  seine  katholische  Gemahlin 
Clotilde.  Er  wird  bei  Narbonne  von 
den  Franken  geschlagen  531.  Es  folgen 
Wahlkönige;  Theudes,  der  Ostgothe 
(531—544),  8.  487.  Hauptstadt  ist  Bar- 
celona, dann  Toledo.  König  Agila, 
549,  ermordet  von  den  Gothen  554,  und 
Athanagild,  8.  488.  Athanagild  ruft 
die  Griechen  zu  Hilfe,  8.  488.  Er  re- 
giert 14  Jahre  (652-666).  König  Liuva 
(667-673).  König  Leovigild,  sein 
Bruder,  regiert  in  Spanien,  führt  glück- 
liche Kriege  und  ist  Herr  von  ganz 
Spanien,  8.  488, 491  (t  686.)  Sein  Sohn 
Beccared  wird  katholisch,  S.  491. 
Westgothen  und  Spanier  vereinigt; 
II.  2,  8.  2.  K(Jnig  Beccared  als  Ka- 
tholik, 8.  6.  König  Beccared  und  die 
Synode  v.  J.  689,  8.  6— 8,  14  (mit 
62  Bischöfen).  Die  Goihen  treten  über 
689,  8.  8—11 ,  unter  ihnen  acht  aria- 
nische  Bischöfe,  u.  a.  Ugnas,  Eb.?  von 
Barcelona.  König  Beccared  (686—601), 
8.  46-48.  König  Liuva  H.  (601-603), 
8.  66;  König  Witterich  (603—610), 
8.  66—67;  König  Gundemar  (610  bis 
612)*,  8.  67—68;  König  Sisebnt  (612 
bis  621) ,  8.  77  —  80.  König  SwintiU 
(621—631),  8.  81.  König  Sisenand 
(631,  t  636),  8.  81—82;  König  Chln- 


tUa  (636,  t  640),  8.  119,  124;  König 
Tnlga  (640—642),  beseitigt  von  Chin- 
daswinth  642  (t  652),  8.  124,  127 
133—134.  Beceswinth  Mitregent  seit 
649  (t  672).  Die  erste  bessere  und 
die  zweite  bösere  Zeit  seiner  Re- 
gierung, 8.  126,  142  —  144.  König 
Wamba  d.  Grosse  672,  8. 159—160, 167; 
gestürzt  von  Erwig  680;  Verfiall  und 
Fall  des  Gothenreichs  680—711;  Erwig 
der  Thronrfiuber,  8.  167;  174—175, 
regiert  bis  687.  König  Egica,  sein 
Schwiegersohn  (687),  8.  175,  lb4;  698 
Witiza,  sein  Sohn,  Mitregent.  Egica 
t  702.  Witiza  (710),  S.  184.  König 
Boderich  (Bodrigo)  fSUt  gegen  die 
Araber,  Juli  711 ,  8.  186.  Finis  Yisi- 
Gothorum,  8.  239. 

X. 

Ximenez,  Franc,  Card,  (f  1517),  III.  2, 
8. 49;  über  Isabella,  8. 126;  Card.  1507, 
8.  127;  1495  Eb.  von  Toledo;  Gross- 
Inquisitor  1507;  hebt  die  Inquisition 
ohne  Hinrichtung.  8.  127;  bekehrt  die 
Hauren  zu  hizig,  8.  128;  nimmt 
Oran  1609,  8.  129;  stiftet  die  Univer- 
sit&t  Alcala,  8.  130;  seine  Reformen, 
8. 189, 140;  Beichsregent  mit  80  Jahren 
1616,  8.  144,  t  »•  Nov.  1517,  8.  145, 
146;  seine  Biographen,  8.  146,  147; 
seine  Briefe,  S.  147,  148. 

Y. 

Tepes,  Anton  de,  Coronica  der  Bene- 
dictiner,  II.  2,  8.  153—166;  über  die 
Klöster  in  Navarra,  8.  356—357. 

z. 

Zepedano  (f  April  1878);  Geschichte 
von  Compostella,  lil.  1,  8.  107. 

Zoylus,  M.  r.,  8.  360—362. 

Zurita,  Hier.,  für  die  Inquisition,  in.2, 
S.  56,  74. 


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»  904  »  7  ,  n  »  (1700-1759)  ,  (1700—1767.) 

,  848  ,  8  ,  ,  ,  (178fr-180e)  ,  (1788—1808.) 

,  646  n  6  M  n  «  CtonstenÜDiu     «  Oonitenttoe. 

.  646  •  9  n  n  m  Gonitaatlu  «  OoaataatiBDi. 


3m  aSerlage  t)on  ®.  3*  SRanj  in  {Regendburg  ift  erf^tenen  unb  burd 
oOe  Suc^^anttungen  ju  bejiel^en: 

P.  P.  B.  Oams  0.  S.  B., 


Episcoporum  Ecclesiae  Catholicae, 

quotquot  innotaerunt  a  beato  Petro  apostolo.     A  maltis  adjatas  edi 

4.  maj.    26  M.  40  PI 

(Sine  3ufa<nntenf!eaung  bei  Otf^dfe  ber  ganzen  ^nfind^en  IBeU  ia  einem  einaigt 
9anbe  6ffag  hii^ftx  bie  Siteratut  no4  ttid^t,  unb  ade  iBerfud^e,  eine  fofc^e  ^erjußeaea 
totläit  fett  nabeju  ^unbert  3A6tea  gemalt  tourben,  j(fieiterten  an  ber  OtBge  be«  einn 
ungemem  gvogen  literartfc^en  flp^arat6  jinb  ungen^B^nlid^e  ihraftanßrengung  erforbernm 
Unternehmend.  Unb  abertnal6  gejcftab  e6,  baß  ba«,  toa«  ber  (Stnielne  für  M  ntdl^t  termag 
nunmehr  bur4  t)ereinte  JhSfte  erm'6gli(4t  »urbe.  $tne  and  bem  Orben  be«  ^eiligen  j^ene 
bift  ber^orgegangene  Srbeit  liegt  nun  toor,  bur(b  totiibt  ber  lang  geb«^gte  SBunfi^  nad 
einem  folgen  »tfc^Bfe-Seriieic^ntg  erfttOt  ip.  F.  $tu«  Oonifaj  ®am«,  SD^tglieb  ber  8ead 
biftinerabtei  p  Bt  iDonifag  in  SD'tfinc^en,  boflenbete  foeben  ba«  CBert,  an  n>e(cbem  betet» 
feit  1869  gebrutft  tourbe,  unter  obigem  2:ite{.  —  ftnf  XXIV  unb  963  Duartfetten  fia 
bie  9{e(ben  unb  ißamen  fSmmtlic^cr  8if<4Bfe  ber  t'ömift^-fatbolifcben  Seit  auegef(^ie^e^ 
na4  ibten  Sidt^fimern,  mit  Itngabe  be«  3a(re«  unb  2:age6  i^rer  SBabt,  Ernennung 
Serfe^ung  unb  ht9  Zott9,  fo  »ett  biefe  Angaben  immer  nur  gn  erm3gli(ibcn  vare^ 
co(ttmnenn)eife  angefftb^  unter  Sugabe  ber  Ouetten,  bie  fitb  am  ^(^luffe  für  iebed  $i9 
t^nm  Dergeicbnet  fiuben.  —  Setra^tet  man  ben  Snbalt  be«  Serfe«  mit  (ifiorifil^em  9uge 
fo  gie^t  irirffic^  bie  gange  SBe(t«  unb  Sbtfergef^i^te,  bie  <9ef4i4te  eingelner  9{ationea 
bie  (9ef<bic^te  Heiner  2anbe«tbei(e  an  fe(6em  torfiber,  Don^iener  ^tit  an,  n>o  ba9  dfiiftii^ 
^inci^  bie  3eit  bur(bbrana.    ^iftor.  ^oUt.  ^U  62  8b.  3.  ^eft. 

@oQen  tt>ir  unfer  Snburtbeil  au9f)>recbfn«  fo  gebt  e«  babin,  bag  burd^  bie  Ser 
bffentlicbung  biefeg  IBetfeS  f!(b  P.  $iu0  ®amg  ein  bteibenbe6  unb  e^ren^oKef  2)eafma 
für  aQe  3a(rbunberte  gefegt  ^at 

Um  ^(^(uffe  bemerfen  mir,  bag  ber  Saben^reig  beg  Sud^eg  15  ff*  ift,  ein  $Teil 
toeld^er  bei  bem  mfl(^eDoIIen  2)ru(f  beg  SBerfeg  gegen  Ser!e  anberer  %rt  olg  ein  nngeoieii 
bifltger  erftbelnt,  ba  unferm  (Srmeffen  nacb  ber  2)rn(f  allein  fi^erfid^  einen  Snfmanb  wi 
fi.  5000  erforbert  ^aben  bürfte.  «,  «it.  3eilg.  1873,  Kr.  29. 

Dr.  E*  Frantz, 

Fra  Bartolommeo  della  Porta. 

Studie  über  die  Renaissance,    gr.  8.    3  M.  50  Pf. 

In  einer  Besprechung  über  dieses  Werk  heiset  es  n.  A.:  «Wir  freuen  uns,  dssi 
der  grosse  Dominicaner  an  Herrn  Frantz,  Priester  der  Diöcese  fireslau,  einen  compe 
tenten  Biographen  gefunden,  der  nicht  blos  theologisch  und  historisch,  sondern  aud 
artistisch  geschult,  mehrere  Jahre  lang  die  Bibhotheken  und  Knnstschfitze  Italiau 
zum  Gegenstand  der  gründlichsten  Studien  machen  konnte.  Sein  Werk  ist  eine  bedea 
tende  wissenschaftliche  Leistung,  die  in  der  literarischen  Welt  Aufsehen  errei 
wird,  eine  nach  Inhalt  und  Form  vorzügliche  Monographie  über  ein  Zeitalter,  weleu. 
dem  Ferikleischen  analog  das  tiefste  moralische  und  politische  und  wisaenschaftlich 
Elend  unter  dem  Singen  der  Dichter  und  dem  Philosophiren  der  Gelehrten  verhüllte,  i" 
mitten  des  AuflOsungsprooesses  der  socialen  Ordnung,  die  im  Mittelalter  durch  d 
Papstthum  zur  Einheit  und  GrOsse  herangereift  war.*  HL  L 

31.  St.  «ftörnr,  

W  d  V  f^   ^regoritts    VIL 

unh  feto  S^iiälitt. 

7  SBbe.    fOlit  ftarten.    gr.  8.    74  üft. 

SoQftSnbigcd  9lamen*  unb  @a(^regifter  l^ieju  bon  Du  Q.  ^.  Offenied 

fln  8.    3  SW.  60  % 

2)ie  8er(agS(anb(ung  glaubt  fid^  jeber  9[n|!>reifung  biefeS  SerfeS  enthalten  |b  foIIccJ 
jhntifen  ber  berfd^icbenflen  garben  ^aben  ba«fe(be  bereits  aU  eine  ber  groftortigfteB  (Sr< 
fd^einnngen  ber  (c^ten  amei  ^a^r^nnberte  begrfigt. 


] 


@t.  %  Sieger, 

Der:  IDarfteKuns  bed  l^eutigen  3uftanbe^  ber  latl^oltfc^en  fttrd&e  mit 
tcr  9Itt({fi(it  auf  ble  fr&^eren  Seiten  unb  im  ^xnhüd  auf  bie  anberen  dtedgion«' 
neinf(!^aften.  @))e€ie(Ie  ürc^lic^e  (Btogtapftit  unb  ©tatiftit.  Ite  »bt^eitung: 
e  euro))Sif(6en  fttr(^en)>roDin)em 

a3b.  auc^  u.  b.  Zitel:  StitiiUiit  9tOQxap\^it  unb  Ztati^it  bon  Starten, 
0|ianiftt,  ^ottngal  unb  9i^anlrfi4l.    gr.  8.  7  m.  bO  $f« 

9b.  t(u^  u/b.  STitel:  StiviiUi^t  (ieogta^ldie  unb  ®tati{tif  üon  St« 
lanb,  ®ro96ritanntfn,  Sliebetlanb^  ®4iniei),  £)entf(4Ianb  unb  ben 
angrengenben  @taaten,  Slnflanb,   £firfci  unb  Gtin^enlanb.     gr.  8. 

7  a».  60  ^?. 

2te  9bt^ei(ttng:  Die  au§ereuro))aifc^en  ftird^enprobinjen. 

S9b.  aud^  tt.  b.  Xitel:  Stiidflidit  IBto^tapffu  unb  CStattfltf  bon  Xmerif a« 

gr.  8.  7  ü».  50  ^f. 

@o  fe^r  toir  ^(nt)ittage  mit  8fi4ern  aSer  ftrt  üSerf^wemmt  finb,  Ratten  bod^  bi« 
t  mir  Jtat^olifen  anffaüenber  ®eife  fo  t)ie(  al9  feine  fir^It«^  (^eogto^Me  unb  @tattßü, 
moTi  bo(^  meinen  follte,  eine  Ueberfid^t  be«  gegenn)liTtigen  8eftanbe«  ber  fat(.  iKrc^e  müßte 
Rbeßend  ebenfo  anjte^nb  unb  xoiäftia  fein  a(6  eine  allgemeine  (Seogto^^ie  ober  bgl.  Ot^ne 
»ifet  toaren  e9  nnr  bie  ungetD&bnlu^en  ©d^noierigfeiten,  bie  gerabe  ^ier  )u  fibertoinben 
b,  n>Q9  t>on  einem  begfiglicpen  Qerfut^e  abfc^recfte,  ba  felbß  bie  i»or(anbenen  Orncbflfide 
ir  fo((^en  aflgemeinen  Ueberfi^t  an  bebeutenben  äRängeln  (eiben.  Seif  aber  anberer« 
f  eine  (ird^Ii^e  <3^eogra)>bie  unb  @tatifti(  bo(4  ffir  $ie(e  ein  bringenbe«  Qebfirfnig  unb 
heben  ®eBi(beten  toon  l^ol^m  3nteref[e  ifl,  fo  fagte  ber  obengenannte  ^rießet  ber  S)iS^cefe 
ktenburg  ben  CSntfdftlug,  fofle  e9  mai  e0  toolle,  eine  folcbe  ondjuarbeiten,  unb  fammelte 
i  n?abrem  ^Sienenfleige  bie  ba}u  n5t(igeii  8e(e(fe«  2)ae  ®an)e  gebenft  er  in  gloei 
ipttbeile  gu  treiben,  nfimlic^  emen  aUgemeinen  nnb  einen  f))ecieO[en.  2>er  le^tere  folX 
Baube  umfa^en.  S)ie  allgemeine  tit^ixä^t  ®eo^ra^(ie  unb  @tatifHf  foD  ato  4.  9anb 
i  gan$e  fBevf  abfc^Iiegen.  3eber  93anb  »ivb  fibrtgen«  ein  für  fiäf  abgef^loffene«  (Sanjef 
kn.  Sa«  nun  bie  «orliegenben  OSnbe  betrifft,  oerbienen  fie  ungtoeifel^aft  aQe  Sner« 
rnrng.  ©.  Ä,  ©r.  9tx.  47. 

Eusebii  Pamphili 
Mstoriae  ecdesiasticae  libri  decem. 

aecum  textum  collatis  qui  in  Germaniae  et  Italiae  bibliothecis  asser- 
ttar  codicibus  et  adliibitis  praestantissimis  editionibus  recensuit  atque 
andavit;  latinam  Henrici  Valesii  versionem  passim  correctam  sub- 
Hity  apparatum  eriticnm  apposnit,  fontes  annotavit,  prolegomena  et 
liees   adjecit  Dr.   Hugo  Laemmer;   Presbyter  Varmienfiis.    git  8. 

14  M.  40  Pf. 


Dr.  If.  <$ergenr9f$er, 

geben,  feine  Schriften  unb  bad  grie(]^if(^e  ©c^idma.    iRadft  ^anb^ 

ilxdttn  unb  gebrudten  OueOen.    3  Sbe.    (Hßit  ber  Seigabe:  Monnmenta 

ad  Photium  ejusque  historiam  pertinentia,  qnae  ex  variis  codici« 

manascriptis    collegit    ediditqne    Dr.    J.    Hergenröther.)     gr.    8. 

39  ü».  70  ?f. 

ib   2r  m.  k  10  3R.  80  $f.  3r  »b.   13  H».  60  %    Monomenta 

4  SW-  50  ?f . 


i 


3-  f ftf rt, 

Sifd^of,  ftir^enüater  unb  SBIutieuge  S^rtfti,  in  feinem  8e(en  unD  Sirlm  k 

flefteOt.    gr.  8.    8  9». 

2)a9  SSerf  tfl,  xoit  bie  Sorrebe  anbentet,  bte  reife  ^ru^t  kngj5(rfger  €>tubteu.  S 
aeMen  auä>  mit  ^reuben,  bag  nnffve  (Srmartung  totrütc^  erffiHt  toorben  tfl  nnb  t 
ca8  dntereffe  fi(!(  ftetgerte ,  ie  tiefer  totr  in  ba«  8u(b  (tnbrongen.  {^r.  Dr.  feter«  ht  i 
unberfennBarer  Siebe  fid^  fetned  Öegenßanbe«  bemSc^tigt,  mit  unmnfibHcbei  infinfrfjam^ 
folgt  er  bem  ^eiligen  auf  feinen  ^ebendtoeaen,  notirt  feine  STeufientngen,  toergltifti 
I  UmßSnbe,  berütffi^ti^t  bie  Suffaffungen  betoS^rter  @4riftfleller,  nm  ein  mBalt^  getrra 

f  6i9  in^g  (Sin^elnfle  etngebenbeg  9i(b  be0  ^eiHgen  jn  entmeifen.    Geine  (ifloniien^ 

I  inrif!if(^en  j^enntniffe  b^ben  ibn   in   ben  @tanb  gefegt,  biete  SntLt\ad^tn  nnb  tni\m 

mehr,    oU  ei  biglan^  gefcbe^en  vaax,  anh^uffSren ,  unb  fo  tonnen  »ir  nt4t  nm^io,  i 
Secf  gu  ben  erfreulTdbßen   (iterorifc^en  (Srfc^etnungen  ber  ^egenmart  jn  rechnen  nnb 
StixiSft  öiel  0nte«  bon  i^m  gu  berfpre^en^ et  b.  SR.  Z.  XllL  3 

^erau6A^S<ben  Don  $.  9«  (Bami. 
Ir  %b.    (Srfter  ^eitram«    2r  S3b«  Bmeiter  ^eitrattm.  £)a6  aRittetalter.  at 
ä  7  JTO.  60  $f.    3r  9b.   (Dritter  Zeitraum.  S)ie  neuere  3eit.  6  SR.  60 

ttrgifter  1  SR.  60  $f. 

2)ie  (iflor.«po(tt.  OlStter  (LXI.  5^  fagen  am  e^Inffe  einer  andffibr(t(i^en 
f))re4ung  über  ben  1.  unb  2.  8b.:  „Sir  rbnnen  bie  bereite  bor^nbenen  gwet  Bän^e 
j^ir^engef^td^te  SDlB^fer'g  ntd^t  anberg  a(g  im  ©efabfe  ber  greube  fiber  ba«  biete  Sd 
unb  Sa^re,  rntld^^  nnf  alg  <Srinnerung  an  biefen  eblen  ®eifi  in  benfefben  borget 
tburbe,  anf  ber  ^anb  legen.  SBir  (aben  nnr  ben  bo)»)>e(ten  93anfd(,  ba§  bei  pel 
Herausgeber  biefer  fir^engefd&id^tlicben  9ortr5ge,  ber  big^er  betoiefen  ifat,  ha%  errat 
tereffe  bet  j^ir^e  nnb  fir4flid^er  SBiffenfc^aft  fetner  SRfi^e  nnb  (einem  2:abel  fnrtbtfim 
bem  fBege  gebt,  nng  redbt  batb  mit  ber  8erbffent(id^ung  bfg  britten  nnb  (etten  Sanbe^ 
freuen,  nnb  bag  bie  S^eiina^me  für  biefeg  gBerf  in  ben  »eiteßen  Itretfen  fii^  htnbgeben  m\ 

ditt  fthtnibith  nn  yrofeflTor  iß.  )OBnttr. 

aiit  ^Briefen  ttni  ftfeinen  s4nflm  SKo^ferf 

^erou^geseBen  bon 

anu  einem  SBilbniffe  unb  gacfimUe  9Rt^Iet«. 

flr.  8.    4  g».  50  $f. 

SDie  Wiener  j^irdftengeitung  (ißr.  43)  fagt  n.  a.  Aber  biefeg  ffierl:  «Ran  U 
biefv»  9nd^  ein  tbit^tigeg  €>u^)>tement  gnr  ©brnboftt  SO^lbblerg  nennen,  xotü  t9  nn^ 
ber  geizigen  (Snttoictelung  beg  8erfafferg  ber  ^bmbolir  betannt  mad^t,  nnb  tfl  biefer  1 1 
f^en  (Brfc^einnng  burd^  nnb  mit  ber  @pmbo(it  gRBbUrg  i^re  gortbauer  ge^cj^ert." 

(firtf  0.  MtnialtmbtfA^ 

bte  muHit  m  mtnhlMt^ 

t>om  1^.  Senebitt  bi»  )um  1^.  Sern^arb.    Vom  Strfoffet  got^ntigte  bet 
9u«9aie  Don  P.  St.  iBranbe«  unb  3.  aTOflUer.   7  matt.  gr.  8.  46  9».  8( 

Dr.  H.  Laemmer, 

de  Martyrologio  Romano. 

Farergon  Mstorieo-criticTmL 

8  maj.    2  M.  40  Pf. 
VontehendeB  ist  sogleich  Featsclirift  zum  35jlbrigeii  BiBchof-Jabiliam  Sr.  f 
Gnaden  des  hodiw.  Hemi  Fflistbisoliof  r.  BresUn  Dr.  Heinrich  FOnter. 


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